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PDF Version Artikellink per Mail  | Soz Nr. 06/2024

Erste zentrale Verhandlungsrunde in der chemischen Industrie
von J.H.Wassermann

Die Verhandlungen für die etwa 580000 Beschäftigten in der chemisch-pharmazeutischen Industrie blieben Mitte Mai ohne Ergebnis. Weiter geht es am 4. und 5.Juni in Wiesbaden.

Die IG Bergbau, Chemie, Energie (IGBCE) hat drei Forderungen: Erhöhung der Entgelte um 7 Prozent, Besserstellung der Mitglieder (in Zeit oder Geld) und Modernisierung des Bundesentgelttarifvertrags (er regelt die Eingruppierungen). Beim letzten und unwichtigsten Punkt konnte man sich auf die Fortführung der Gespräche in einer »Kommission« verständigen.

Besserstellung der Mitglieder
Bei der gewünschten Besserstellung der Mitglieder blockieren die Vertreter des Chemiekapitals. Das ist nicht überraschend, geht es doch um eine Grundsatzfrage.
In den letzten Jahren hat es in vielen Bereichen – außerhalb der Chemie, aber auch dort – betriebliche, zum Teil auch tariflich abgesicherte Vorteilsregelungen für Gewerkschaftsmitglieder gegeben. Doch die Reichweite, Bedeutung und Ausstrahlung ist begrenzt. Und selbstverständlich wollen alle Kapitalvertreter in diesem Land keinen großen Flächentarifvertrag mit materiellen Vorteilen nur für Mitglieder der abschließenden Gewerkschaft.
Die Tarifparteien werden jetzt die recht harmlosen Vorschläge der IGBCE besprechen. Ob sich damit der grundsätzliche Widerstand brechen lässt – oder nur um den Preis, dass die materielle »Besserstellung in Zeit oder Geld« hinterher nicht mehr zu erkennen ist, bleibt offen. Die IGBCE betont, dass es ohne Regelung hierzu in diesem Jahr keinen Abschluss geben wird.

Kerngeschäft Lohn
Zentraler Punkt der Tarifrunde sollte die Anpassung der in den Tariftabellen festgelegten Entgelte sein. Nach drei Jahren hoher Preissteigerungsraten wäre nach IGBCE-Aussage eine Erhöhung um 7 Prozent notwendig, um den Kaufkraftverlaust auszugleichen. Die Haltung der Kapitalseite ist, dass es keinen Verteilungsspielraum gibt.
Um diese Haltung zu ändern, müsste die IGBCE etwas in den Betrieben tun. Wie und ob das möglich ist, haben wir schon in SoZ 5/2024 kritisch erörtert. Für den 18. und 19.Juni jedenfalls sind betriebliche Aktionstage angekündigt. Das wäre knapp zwei Wochen nach der zweiten Verhandlungsrunde und damit etwas spät, um eine Empörung über eine fortgesetzte Blockadehaltung der Unternehmen glaubhaft deutlich zu machen. Und zur Vorbereitung der dritten Runde Ende Juni sollte dann sowieso noch mal »nachgelegt« werden.

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