Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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PDF Version Artikellink per Mail  | Soz Nr. 06/2024

An den Rand notiert
von Rolf Euler

»Wir werden« – stand schon mal vor einigen Jahren am Rand – »noch immer Utopisten sein müssen.« Das gilt nach wie vor für die Zukunft unserer Städte, deren graue Mauern zu verlassen zumindest in Gedanken nötiger denn je ist.

Wer die Neubausiedlungen mit großen weißen Häusern auf kleinem Grund, umgeben von grauen blickdichten Flechtzäunen, plattierten Einfahrten zu riesigen Garagen sieht, mag sich wünschen, Architekten und Eigentümer hätten Utopien für anderes Wohnen. Aber Bauherren am Stadtrand können sich inzwischen konsequentes Vermeiden von städtebaulichen Alternativen leisten. Und die Mieter in den Innenstädten haben auch keine Alternativen, angesichts der Preise. Die Städte wollen immer mehr Grüngürtel in Bauland verwandeln – Zupflasterung von Freiflächen, Zersiedlung, Verkehrsprobleme sind die Folge.

Was wären denn Alternativen?
Erstens: Der gesamte Grund und Boden wäre kommunales Eigentum. Grundstücke würden nur im Erbrecht vergeben, vor allem um der Spekulation entgegenzuwirken. Genossenschaftliches Bauen und Wohnen, bei dem »Eigentümer« und »Mieter« nicht zu trennen sind. Beispiele wären etwa die Trias-Stiftung oder auch frühere kommunale Sozialbauten oder alternative Wohnprojekte.
Zweitens: Bürgerentscheidungen, nicht nur Bürgerbeteiligungen. Wer alle einbezieht in die Zukunftspläne, hat nicht nur Zusammenhalt, sondern auch Ideenreichtum gefördert. Das gilt besonders auch für Schulen und Kitas, Nahversorgung, Verkehr.
Drittens: Soziale Beziehungen zwischen Bewohnerinnen und Bewohnern, zwischen Generationen, zwischen Alteingesessenen und Zugewanderten würden durch die Bauweise gefördert – keine Hochbauten, vielgestaltige Fassaden, Grüngürtel, Spiel- und Gemeinschaftsplätze, Gemeinschaftsräume drinnen und draußen. Wohnungslosigkeit gibt es nicht mehr.
Viertens: absoluter Vorrang für Fußverkehr! Anbindung an öffentliche Straßenbahnen. Begünstigung des Fahrradverkehrs. Randabstellbereiche für nötigen Autoverkehr. Kurze Wege zu allen nötigen Dienstleistungen, Kitas und Schulen.
Fünftens: Gärten, Grüngürtel, Baumbestand nicht weit außerhalb, im Nahbereich. Beschattung, Solardächer, Grünfassaden, Nahwärmeeinrichtungen.

Die Internationale Bauaustellung Emscherpark hatte einige Ansätze, die im Ruhrgebiet noch vorhanden sind, zum Beispiel restaurierte ehemalige Bergarbeiterkolonien wie Teutoburgia in Herne, oder die Gemeinschaftssiedlung Tremonia in Dortmund.

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