Das Festival ›Crossing Europe‹ in Linz
Von oben nach unten
von Kurt Hofmann
«Crossing Europe« ist das Festival des jungen europäischen Films. Was vielfach längst glatt und oberflächlich am Markenprodukt »Europäischer Film« erscheint, ist hier, bei ersten Filmen junger Filmemacher:innen mit »Ecken und Kanten« versehen, inhaltlich und ästhetisch abseits des ewig Gleichen.
Zur Diagonale 2026 in Graz
Fahle Bilder der Unausweichlichkeit
von Kurt Hofmann
Einmal mehr bot das Festival des österreichischen Films den Cinephilen ein vielfältiges und spannendes Programm. Ab der nächsten Saison ist mit Einsparungen durch die Förderer zu rechnen, trotz aller Lippenbekenntnisse ist der Stellenwert der Kultur längst nicht so hoch wie in Sonntagsreden beschworen. Bloß an den »richtigen Stellen« sparen – bei manchen Sozialausgaben und vor allem bei den Asylwerbenden hat es schon angefangen und in Landesregierungen mit FPÖ-Beteiligung stehen viele kleine Kulturinitiativen schon jetzt vor dem Aus. Der Bund zögert in Sachen Kürzungen in manchen Bereichen (noch), macht vage Versprechungen in Sachen Alternativen, aber auch die Diagonale muss sich wohl auf kalte Zeiten vorbereiten.
Sie haben eine Meinung? Vergessen Sie’s!
Zur Zensurdebatte in Deutschland und anderswo
von Kurt Hofmann
Was ist da passiert? Da hat eine etwas »Falsches« gesagt und schon wird öffentlich nach Konsequenzen verlangt. Der Ort des Geschehens: Die Berlinale 2026. Die nicht »aufgepasst« hat oder Vorkehrungen zur Vermeidung verpasst haben soll, ist die Festivalleiterin Tricia Tuttle.
›Streiks mehr Sichtbarkeit nach außen geben‹
Labournet TV stellt Filme über Arbeitskonflikte zur Verfügung und produziert auch selbst welche
Gespräch mit Johanna Schellhagen
Johanna Schellhagen hat 2011 Labournet TV mitgegründet. Sie dreht, produziert und schneidet Videos und Dokumentarfilme. Mit ihr sprach Gaston Kirsche über ihre Arbeit als Filmverleih und Produktionskollektiv.
Zur Viennale 2025
In der Falle
von Kurt Hofmann
Die Viennale ist das größte internationale Filmfestival Österreichs. Es findet jährlich in der zweiten Oktoberhälfte statt und versteht sich als Plattform für anspruchsvollen Autoren-, Arthouse- und Experimentalfilm. Auch heuer, in ihrer 63.Ausgabe, bot sie wieder ein ebenso vielfältiges wie qualitativ hochwertiges Programm.
Apokalypse in den Tropen
Ein Film über Brasiliens Evangelikale
von Ayse Tekin
Der Film von Petra Costa* beleuchtet den anhaltenden politischen Kampf in Brasilien und die Hintergründe der Evangelikalen, die in jüngster Zeit in diesem Kampf die Politik des Landes geprägt haben.
Das Filmfestival in Locarno
Der Preis der Perfektion
von Kurt Hofmann
Das Festival in Locarno bot einmal mehr jenen, die nicht wieder sehen wollen, was sie ohnedies schon kennen, Raum für Entdeckungen.
Stimme aus dem Nichts
Hind Rajab auf der Biennale von Venedig
von Marina Hoffmann
Am 7.Oktober 2023, dem jüdischen Feiertag Simchat Tora (Freude der Tora), greift die Hamas Israel an. Raketen detonieren. Zu Land, zu Wasser und aus der Luft überfallen Terrorkommandos Zivilist:innen und filmen ihre Taten – von Hinrichtungen zu Vergewaltigungen.
Zur Diagonale 2025
Das verlorene Gesicht
von Kurt Hofmann
Die Diagonale, das Festival des österreichischen Films in Graz, bot auch 2025 wieder ein vielfältiges Angebot mit Stoff für Diskussionen.
Film: Mein Name Akim
Gedreht wurde in einer Geflüchteten-Unterkunft
von Marina Hoffmann
Mein Name Akim
Regie: Aleksandr Kim
Abschlussfilm der Internationalen Filmschule Köln
2025, 38 min.
Der junge Bob Dylan
Peter Nowak
Der Kinofilm „Like a complete unknown“ zeichnet ein unvollständiges Bild des jungen Bob Dylan.
Schöne neue Welt
von Kurt Hofmann
Die Satire Mickey 17 feierte bei der Berlinale 2025 ihre Uraufführung und kommt nun ins Kino.
Ooku: The Inner Chambers
Wenn Geschlechterrollen ins Wanken geraten
von Nele Johannsen
Was wäre, wenn eine mysteriöse Seuche im Japan der Edo-Zeit (1603–1868) fast die komplette männliche Bevölkerung dahingerafft hätte? Diese Alternativwelt zeigt der 2023 auf Netflix erschienene Anime Ooku: The Inner Chambers, der auf dem gleichnamigen Manga von Fumi Yoshinaga basiert.
Soundtrack zum Antikolonialismus
Soundtrack to a Coup d’Etat, Niederlande/Frankreich/Belgien 2024, Regie: Johan Grimonprez
von Peter Nowak
1960 hatte sich der Kongo wie zahlreiche andere afrikanische Staaten die Unabhängigkeit erkämpft. Die Vertreter:innen der jungen Nationalstaaten traten selbstbewusst auf UNO-Versammlungen auf, wo sie nun auf Augenhöhe mit den ehemaligen Kolonialstaaten saßen, die auch nur eine Stimme hatten.
No other Land
von Peter Nowak
No Other Land
Dokumentarfilm
2024, 95 min.
Ein Video mit seiner toten Enkelin im Arm machte Scheich Khaled Nabhan weltweit bekannt. Der alte Mann aus dem Gazastreifen zeigte öffentlich die Trauer über den Tod des Kindes. Er wurde zum Gesicht der Zivilbevölkerung im Gazastreifen, die nichts mit der Hamas zu tun hat und trotzdem zum Opfer der israelischen Kriegsführung wird.
Erstarrtes Land
Die Viennale 2024
von Kurt Hofmann
Auch in ihrer 62.Ausgabe bot die Viennale, der Höhepunkt des österreichischen Kinojahrs, wieder ein hochwertiges und variantenreiches Programm.
Die Rote Kapelle im Film
In Liebe, Eure Hilde, Deutschland 2024, Regie: Andreas Dresen; Drehbuch: Laila Stieler
von Peter Nowak
Nur mit einem Schal vermummte junge Leute überkleben mit weißen Papierstreifen, auf denen politische Parolen stehen, Plakate in einer Unterführung. Die Szene sieht auf den ersten Blick wie die Aktion junger Leute aus, die heute mit Adbusting-Aktionen politische Plakate bspw. der Bundeswehr oder der Polizei verfremden. Doch was machte der Mann in Offiziersuniform in dem Bild?
Antifa ist mehr als Militanz
Ein Anstoß zur Diskussion über Strategien gegen Rechts
von Peter Nowak
Antifa – Schulter an Schulter, wo der Staat versagte. Deutschland 2024, 92 Min. Regie und Drehbuch: Marco Heinig, Steffen Maurer; Produktion: leftvision;
www.antifa-film.de/
Düsteres Verlangen
Das Filmfestival in Locarno 2024
von Kurt Hofmann
Juryentscheidungen sind häufig Kompromisse. Dies gilt wohl auch die Preisverleihung des »Goldenen Leoparden« an den litauischen Film Akiplesa (Regie: Saula Biluvalté).
Der Film erzählt die Geschichte einer Mädchenfreundschaft rund um eine erhoffte Modelkarriere. Zwei Außenseiterinnen halten gegen Mobbing zusammen, machen sich Gedanken über schlanke Körper, aber mehr noch über das Entfliehen aus der Provinz in die große Stadt. Der Film ist ein intimes Porträt, sensibel erzählt.
Verkehrswendestadt Wolfsburg
Filmtipp
von Matthias Becker
Verkehrswendestadt Wolfsburg. Den automobilen Konsens aufbrechen
Deutschland 2024
Regie: John Mio Mehnert
film.verkehrswendestadt.de/
Tarnen und Täuschen
Filmfestival Crossing Europe
von Kurt Hofmann
Crossing Europe, das Festival des europäischen Films in Linz, bot auch in seiner Ausgabe 2024 ein vielfältiges Programm mit gesellschaftspolitisch relevanten Themen.
Hinter der Mauer
Jonathan Glazers The Zone of Interest
von Kurt Hofmann
Fein säuberlich getrennt. So verläuft das Leben des Ehepaares Höß in Auschwitz. Die Trennlinie ist nicht nur die Mauer zwischen dem von Frau Höß liebevoll angelegten Garten und den von ihrem Gatten Rudolf Höß geleiteten KZ. Sie steht auch paradigmatisch für die Ignoranz all derer, die ja, bewahre, keine Täter:innen waren, und nur »ihr Leben gelebt haben«, dabei alles relativierend, was außerhalb von Haus und Herd, »hinter der Mauer« vorging.
Europa, Europa
Ein Film über die Flüchtlingsabwehr an Polens Grenze zu Belarus
von Gaston Kirsche
Green Border – Zielona granica
Polen, Frankreich, Tschechische Republik, Belgien 2023
Regie: Agnieszka Holland
152 Minuten
Zur Viennale 2023
Alte Gewissheiten, neue Konzepte
von Kurt Hofmann
Auch heuer war die Viennale, ein Festival von überregionaler Bedeutung, wieder der Höhepunkt des österreichischen Kinojahres. Es wurde ein innovatives Programm geboten.
Es kamen Menschen
Dokumentarfilm: Liebe, D-Mark und Tod
von Ayse Tekin
Liebe, D-Mark und Tod
Deutschland 2022
WDR-Mediathek bis 25.1.2024
Deutschlandlieder – Almanya Türküleri
Deutschland 2022
3sat-Mediathek bis 26.1.2024
Brandfilme
Vergiss Meyn nicht, Deutschland 2023, Dokumentarfilm. Regie: Fabiana Fragale, Kilian Kuhlendahl, Jens Mühlhoff
von Peter Nowak
Am 19.September 2019 stürzte der Student der Medienakademie Köln, Steffen Meyn, im Hambacher Forst von einem Baum in den Tod. Er wollte eine Langzeitdokumentation über die Besetzung des Hambacher Forsts drehen. Als er starb, fand ein Polizeieinsatz statt, den er im Baumhaus dokumentieren wollte.
Vier Jahre nach seinem Tod haben Freund:innen und Kommiliton:innen mit dem Film Vergiss Meyn nicht seine Arbeit vollendet.
Zum Filmfestival in Locarno 2023
Da kommt der gute Doktor
von Kurt Hofmann
In seinem nunmehr dritten Jahr ist es Festivaldirektor Giona A.Nazaro endlich gelungen, den eigenen hochgesteckten Erwartungen gerecht zu werden: Locarno 2023 hatte einen hochwertigen Wettbewerb zu bieten, der den Status von Locarno als A-Festival festigte.
El Pampero Cine
Mit Alexandra Kollontai durch Argentinien
von Gaston Kirsche
Trenque Lauquen, Argentinien/Deutschland 2022, Teil 1: 128 Min./ Teil 2: 132 Min. Regie: Laura Citarella, Drehbuch: Laura Citarella, Laura Paredes, OmU. Kinostart: 1.Juni
El Pampero Cine ist das bekannteste Filmkollektiv des neuen argentinischen Kinos und in Europa ein Festivalliebling.
Nach unten treten
Crossing Europe 2023 in Linz
von Kurt Hofmann
Das Festival des Europäischen Films in Linz präsentierte eine Reihe sehenswerter Beiträge.
Hinter der Tapete
Zur Diagonale 2023
von Kurt Hofmann
Auch in diesem Jahr kuratierten Sebastian Höglinger und Peter Schernhuber wieder ein vielfältiges Programm abseits der Routine. Es war die letzte von ihnen zusammengestellte Diagonale.
Zur Berlinale 2023
Vieles, doch nichts
von Kurt Hofmann
Test-, wenn auch nicht einschränkungsfrei sollte der Ablauf der 73.Berlinale sein. Sie verhieß damit Normalität im Ablauf und lockte in allen Sektionen mit einem ebenso umfangreichen wie vielfältigen Programm.
Das Trojanische Pferd – Stuttgart 21 – Der Film
BRD 2022, 91 Min., Regie: Klaus Gietinger
Gekürzt aus: Avanti2*
Als »größtes Betrugsprojekt deutscher Ingenieursgeschichte« hat der Regisseur Klaus Gietinger das Bahnhofsprojekt Stuttgart 21 bezeichnet. In seinem brandaktuellen Dokumentarfilm Das Trojanische Pferd rollt er diesen gigantischen Skandal auf.
Frank Gill
Der vergessene Geburtshelfer des britischen Rundfunks
von Kai Böhne
Keine britische Briefmarke erinnerte an den 100. Gründungstag der British Broadcasting Corporation (BBC) am 18.Oktober 2022, aber die Postverwaltungen der Isle of Man und Serbiens. Sie brachten einen Sondermarkenblock und eine zwölfteiligen Markenserie dazu heraus.
Die Post auf der Insel in der Irischen See erinnerte an den in Castletown geborenen Insulaner Sir Frank Gill (1866–1950), der in der Gründungsphase der BBC eine entscheidende Rolle spielte.
Entlarvung der Phrasen
Jean-Luc Godard und der Krieg
von Kurt Hofmann
Jean-Luc Godard, vor kurzem gestorben und für das Kino unersetzbar, hat sich in seinen Filmen immer wieder mit dem Krieg auseinandergesetzt. Wie treibt man dem Bild das Abbild aus und den Worten das Wiederholbare? Was in Godards Sinne dabei vermieden werden soll: das nichts aussagende, »anklagende« Bild und eine Sprache, die im Vokabular des Krieges den Krieg bekämpfen will.
›Straub kommt von sträuben‹
Zum Tod von Jean-Marie Straub
von Kurt Hofmann
Vor einigen Jahren war Jean-Marie Straub ins Österreichische Filmmuseum geladen. Dessen damaliger Direktor Alexander Horwath erwähnte in seiner Einleitung, ein Mitarbeiter des Hauses habe ihn darauf hingewiesen, dass der Name Straub wegen dessen (französischer) Herkunft »eigentlich« französisch auszusprechen sei. Darauf ein erboster Straub: »Was – französisch? Straub kommt vom Sträuben!«
Zur Viennale 2022
Schuld sind die anderen
von Kurt Hofmann
Sechzig Jahre Viennale: Das war ein Anlass zum Feiern für das renommierte, international geschätzte Festival in Wien. Und dieser wurde nicht zu Starparaden und Selbstdarstellungen genutzt, vielmehr dazu, wie stets ein innovatives Programm von hoher Qualität zu präsentieren.
Indien: Ein Progandawerk im Riefenstahl-Stil
Der Blockbuster The Kashmir Files ist Teil der Agenda des von der BJP-Regierung vertretenen Hindunationalismus
von Dominik Müller
Der im Frühjahr veröffentlichte indische Blockbuster The Kashmir Files, der sich mit dem Exodus der Kaschmiri-Pandits in den 90er Jahren beschäftigt, ist wegen seiner einseitigen Darstellungen, negativen Stereotypen und historischen Ungenauigkeiten höchst umstritten.
In the middle of nowhere
Locarno 2022: Die 75.Ausgabe
von Kurt Hofmann
Im Jubiläumsjahr des Festivals präsentierte sich dieses unaufgeregt, wenngleich in der Programmauswahl vielfältiger und ambitionierter als in der vorangegangenen Saison.
Der laute Frühling
Ein Dokumentarfilm über Klima und Arbeitswelt von Johanna Schellhagen
von Moritz Binzer
Der laute Frühling, Deutschland 2022, Dokumentarfilm, 62 Min., Regie: Johanna Schellhagen
Kinostart: 4.8.2022. Es werden lokale Gruppen gesucht, die eine Filmvorführung in einem Kino oder sozialen Zentrum organisieren möchten.
So ist es. Ist es so?
Crossing Europe 2022 in Linz
von Kurt Hofmann
Auch in der ersten Saison des neuen Intendantinnenduos Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler war auf altbekannte Qualitäten Verlass: Weitab der Feelgoodmarke Eurofilm setzten (vorwiegend) junge Filmemacher:innen beim Festival des Europäischen Films abermals neue Akzente abseits des Mainstream.
Wer kennt labournet.tv?
Proletarische Öffentlichkeit im Netz braucht Unterstützung
von Renate Hürtgen
Renate Hürtgen ist Kuratorin in der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt.
labournet.tv ist ein Online-Archiv für Filme aus der alten und neuen Arbeiter:innenbewegung aus allen Teilen der Welt. Im Zentrum stehen die Situation der Lohnarbeiter:innen, ihre Selbstorganisierung, historische und aktuelle Arbeitskämpfe und gesellschaftliche Alternativmodelle.
Blockbuster zur Klimakrise
Don’t look up – auf Netflix
von Gerhard Klas
Der Film Don’t look up ist eine böse und finstere Satire, die ganz absichtlich an den gesellschaftlichen Umgang mit der Klimakrise erinnert. Er startete Anfang Dezember in einigen Kinos und wurde dann am 24.Dezember von Netflix angeboten, wo er innerhalb eines Monats zum zweitmeistgesehenen Film des Streamingdienstes wurde.
Südkorea: Squid Game – profitable Kapitalismuskritik
Die Netflix-Serie kennt keine kollektive Gegenwehr
von Manfred Dietenberger
Squid Game, ist das nicht die Serie mit den brutalen Kinderspielen? Ja und nein: In dem in aller Welt alle Verkaufsrekorde brechenden Netflix-Hit geht es darum, wie hunderte hochverschuldete Menschen in lebensgefährlichen Spielen um die Hoffnung auf ein weniger auswegloses Leben ums Verrecken kämpfen.
Die sich nicht anpassen
Zur Viennale 2021
von Kurt Hofmann
Wofür kann subversives Kino heute stehen? Diese Frage stellte sich die Retro der Viennale im Österreichischen Filmmuseum; sie stand im Zeichen des 100. Geburtstags des legendären Kurators und Autors Amos Vogel (Film as a Subversive Art). Aber auch viele Filme der diesjährigen Programmauswahl von Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi in den anderen Festivalkinos rückten anpassungsresistente Protagonist:innen ins Zentrum ihrer Erzählung.
Die Tschikweiber – das Theaterstück
In Hallein wird die Geschichte der Tabakarbeiterinnen aufgeführt
von Dieter Braeg
‹Tschikweiber haums uns g’nennt›. Die Zigarrenfabriksarbeiterinnen von Hallein. Berlin: Verlag Die Buchmacherei, 2015. 326 S., 20 Euro
Drei Frauen
Filmfestspiele in Locarno 2021
von Kurt Hofmann
Auch zum Filmfestival in Locarno war in diesem Jahr wieder Publikum zugelassen. Unter den Höhepunkten des Programms befanden sich drei Filme, in deren Mittelpunkt (bemerkenswerte) Frauen stehen. Das mag Zufall sein oder auch dramaturgische Konsequenz – lassen wir es offen…
‹Ich war lange ignorant, was die Klimakrise angeht›
Dreharbeiten für labournet.tv The Loud Spring über die globale Klimabewegung
Interview mit Johanna Schellhagen
Du führst seit vielen Jahren Interviews mit Menschen, die in verschiedenen Teilen der Welt Arbeitskämpfe führen. Für euer neues Projekt habt ihr euch jetzt der internationalen Klimabewegung zugewandt. Wie kam es zu diesem neuen Fokus? Gibt es Schnittstellen?
Film: Komm und sieh (Idi i smotri)
UdSSR 1985, Regie: Elem Klimow, 146 min., erschienen bei Bildstörung, 20 Euro
von Gaston Kirsche
Der sowjetische Historiker Ales Adamowitsch hat jahrelang kreuz und quer durch Belarus Zeugenaussagen aufgezeichnet von Überlebenden des deutschen Vernichtungsfeldzugs.
Film: Little Fires Everywhere
USA 2020, Regie: Lynn Shelton
von T. Ravi Kühnel
Serien, die das Thema Rassismus behandeln, gibt es mittlerweile viele. Der gesellschaftliche Diskurs spiegelt sich längst auch in unserer Medienlandschaft wieder. Meist wird das Thema Rassismus nur einseitig beleuchtet. Die Serie Little Fires Everywhere macht einiges anders und sticht aus der Masse hervor.
Ein Weltgeist mit den Mitteln des Kinos
Jean-Luc Godard wurde 90
von Paul B. Kleiser
Am 3.Dezember wurde Jean-Luc Godard 90 Jahre alt. Es gibt keinen Filmemacher, der in der Nachkriegszeit ein so vielfältiges Werk geschaffen und das Kino, vor allem natürlich das Avantgardekino, stärker beeinflusst hätte.
Anwalt des Proletariats
Die Serie Babylon Berlin erinnert an den Rote-Hilfe-Anwalt Hans Litten
von Nick Brauns*
Im Oktober sendete die ARD eine neue Staffel der populären, in der turbulenten Endphase der Weimarer Republik spielenden Kriminalserie Babylon Berlin.
Filmtipp
Contemporary Past – Die Gegenwart der Vergangenheit, Polen 2020, Regie: Kamil Majchrzak
von Peter Nowak
Der Regisseur begleitet in seinem Filmessay eine Gruppe von Jugendlichen aus Rumänien, Deutschland und Polen bei ihrem mehrwöchigen Besuch in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald.
Zur Viennale 2020
Internationales Filmfestival in Wien
von Kurt Hofmann
Anders als anderswo findet die «Viennale», statt, wenn auch mit strengen COVID-19-Auflagen und verringertem Platzangebot. Es geht weiter und zwar mit gleichbleibendem Qualitätsanspruch. Viennale-Direktorin Eva Sangiorgi hat ein variantenreiches Programm mit hohem Niveau vorgelegt. Anbei einige Highlights der diesjährigen Festivalausgabe.
Juliette Gréco (1927–2020)
Abschied von der „grande dame de la chanson“
von Paul B. Kleiser
Am 23.September starb in Paris mit Juliette Gréco die letzte der großen Chansonsängerinnen, die für die Nachkriegszeit prägend waren. Sie ist in einem Atemzug mit Edith Piaf und Barbara, aber auch den Chansonniers George Brassens, Jacques Brel und Leo Ferré zu nennen; die beiden letzteren schrieben zudem eine Reihe von Liedern für sie.
What would Picard do?
Thematisierung sozialer Aspekte bei Startrek und Co.
von Torsten Bewernitz
Die Science-Fiction-Fernsehserie Startrek wurde 1966 erstmals im US-Fernsehen ausgestrahlt. Darin ging es um das Raumschiff Enterprise, «das unterwegs ist, um fremde Welten zu entdecken, unbekannte Lebensformen und neue Zivilisationen».
Rainer Werner Fassbinder (1945–1982)
«Schlafen kann ich, wenn ich tot bin»
von Paul B. Kleiser
Am 31.Mai vor 75 Jahren wurde Rainer Werner Fassbinder in Bad Wörishofen geboren. Ab den späten 60er Jahren wurde er zu einem der produktivsten Autoren und Filmemacher der alten BRD.
Berlinale 2020
Das goldene Kalb
von Kurt Hofmann
Auch auf den sog. Nebenschauplätzen der Berlinale gab es in diesem Jahr viel Entdeckenswertes.
Kirk Douglas (1916–2020)
Zum Leben und Wirken des Filmstars
von Paul Kleiser
Am 5.Februar starb in Beverly Hills der große Schauspieler Kirk Douglas im biblischen Alter von 103 Jahren.
Anna Karina (1940–2019)
Zum Tod der Godard Muse und Schauspielerin
von Paul Kleiser
Am 14.Dezember 2019 starb in Paris die Schauspielerin Anna Karina im Alter von 79 Jahren.
Film: Bamboo Stories
Bangladesh/Deutschland 2019, Regie: Shaheen Dill-Riaz (Sabat.Media, 96 Min.)
von Peter Nowak
Während bei uns eine gutbetuchte Mittelschicht zunehmend auf Bambusprodukte als ökologische Alternative zurückgreift, zeigt ein Film die Ausbeutung bei der Bambusgewinnung in Bangladesh.
Locarno 2019
Licht und Dunkel
von Kurt Hofmann
Auch unter der neuen Direktorin, Lili Hinstin, ist Locarno ein wichtiges Festival geblieben, das faule Kompromisse (weiterhin) meidet.
Filmtipp
Pedro Almodóvar: Leid und Herrlichkeit (Dolor y gloria), Spanien 2019
von Paul B. Kleiser
Der 1949 geborene Pedro Almodóvar ist der wichtigste spanische Filmregisseur der nachfrankistischen Zeit.
Sein erster Film Pepi, Luci, Bom und der Rest der Bande (mit der später ziemlich bekannt gewordenen Sängerin Olvido Gara «Alaska») kam 1980 in die Kinos. Wer meint, in seinen Filmen würden im Unterschied zu Luis Buñuel oder Carlos Saura die Herrschaftsverhältnisse des Landes nicht zur Sprache kommen, übersieht, dass er mit seiner Hauptthematik, der sexuellen Identität, eine Bombe in die autoritäre und katholische Einhausung des Landes geworfen hat.
Crossing Europe 2019
Zum Filmfestival in Linz
von Kurt Hofmann
Kurz vor den Europawahlen vermochte das Filmfestival Crossing Europe, auch in seiner 16.Ausgabe zu überzeugen. Hier eine Auswahl.
Filmtipp: Streik
Frankreich 2018, Regie: Stéphane Brizé
von Rolf Euler
Fast zwei Stunden entführt uns der Film Streik in eine Szenerie, die wie aus einer anderen Welt erscheint: ein massiver Arbeitskampf über mehrere Monate in und vor einer Fabrik für Autoteile im französischen Agens.
Streik ist ein spannender, politischer, kritischer und wie ich finde: menschlicher Film aus Frankreich unter der Regie von Stéphane Brizé, wie man ihn sonst vielleicht von Ken Loach kennt. Hautnah an den Aktivisten der Streikfront wird eine Detailgeschichte des globalisierten Kapitalismus vor uns ausgebreitet, ein Arbeitskampf mit allen Höhen und Tiefen, getragen von einer Gruppe von Männern und Frauen, die ihren Arbeitsplatz verteidigen möchten.
Polnische Presseschau 133, 18.05.2019
NUR SAG ES NIEMANDEN https://studioopinii.pl/archiwa/192755
Es ist ein sehr bewegender Film über den Missbrauch durch Priester ist im Netz. Die Filmemacher geben den Opfern Raum, um ihr Leid zu schildern. Ganz anders als in schriftlichen Berichten sehen wir hier die Opfer und können auf diese Weise eher ermessen, was für eine Last sie das Leben lang begleitet. Es ist mutig und anerkennenswert von ihnen sich öffentlich mitzuteilen. Am Beginn wird eine Szene eingesprochen, bei der eine missbrauchte Frau vor einer kirchlichen Untersuchungskommission mit der Hand auf die Bibel den Eid nachsprechen muss:
Agnès Varda (1928–2019)
Zum letzten Film und ihren Werken
Paul B. Kleiser
Am 29.März ist die belgisch-französische Fotografin und Filmemacherin Agnès Varda in betagtem Alter gestorben. Bis zuletzt war sie als Regisseurin, aber auch als bildende Künstlerin aktiv; ihr letzter Film Varda par Agnès wurde auf der Berlinale uraufgeführt und soll bald in die Kinos kommen.
Zur Diagonale 2019
Das Filmfestival in Graz
von Kurt Hofmann
Die Diagonale 2019, das Festival des österreichischen Films, war eine Mischung aus vertrauten Programmformen und neuen Ansätzen. Wenig schien in diesem Jahrgang von ungefähr zu sein und vieles durchdacht.
Erst kürzlich haben die Angriffe der schwarz-blauen Rechtskoalition auf den ORF, die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, wieder zugenommen.
Berlinale 2019: Forum
Internationale Filmfestspiele Berlin
von Kurt Hofmann
Einige der gelungensten Produktionen der diesjährigen Auswahl des Forums waren dem (stets wichtigen) Wechselspiel zwischen Geschichte und Gegenwart gewidmet.
Der letzte große Italiener
Bernardo Bertolucci (1941–2018)
von Paul B. Kleiser
Am 26.November 2018 starb in Rom der italienische Filmemacher Bernardo Bertolucci im Alter von 77 Jahren. Mit ihm endet (vorläufig?) die große Zeit der italienischen Filmemacher von Weltrang.
Zur Viennale 2018
Drei Beispiele der Verfremdung
von Kurt Hofmann
Die diesjährige Viennale – das internationale Filmfestival in Wien – wurde erstmals von Eva Sangiorgi verantwortet.
Eine «politische Viennale» sei es geworden, wurde vielfach angemerkt. Das ist zutreffend, doch war das «politisch» im Sinne von Godards Diktum zu verstehen, nicht «politische Filme» zu machen, sondern Filme politisch zu machen.
Über Leben in Demmin
Deutschland 2017, Regie: Martin Farkas
von Peter Nowak
Am Ende des Films rufen Antifaschisten den Neonazis die Parole zu: «Ihr habt den Krieg verloren.» Der Spruch wird auf vielen Antifademos gerufen. Doch in der mecklenburgischen Kleinstadt Demmin hat er eine besondere Bedeutung. Dort haben sich im Mai 1945 nach der Niederlage Nazideutschlands über 600 Menschen das Leben genommen. Sie haben sich erhängt oder sind mit Steinen in den Manteltaschen ins Wasser gegangen. Familien haben erst ihre Kinder und dann sich selber erschossen. Ein Film über diese Ereignisse kann schnell in Kitsch und deutschen Opfermythos enden. Doch der im Allgäu geborene Regisseur Martin Farkas hat es mit seinem Film Über Leben in Demmin geschafft, die Stimmung in einer Kleinstadt in Ostdeutschland in der Gegenwart einzufangen.
«Wenn wir den Klassenkampf nicht verstehen, verstehen wir gar nichts»
Über die Bedeutung von Klassenbewusstsein
Gespräch mit Ken Loach
Der britische Filmregisseur Ken Loach ist einer der angesehensten Filmemacher unserer Zeit. Er ist ein sehr engagierter Künstler und einer der wenigen Regisseure, die zweimal die prestigeträchtige Goldene Palme von Cannes erhalten haben. In seinem Werk greift er oft soziale oder politische Themen auf.
Filmfestival Locarno 2018
Drei Filme im Fokus
von Kurt Hofmann
Carlo Chatrian, der 2020 die Leitung der Berlinale übernimmt, hat 2018 ein letztes Mal als Direktor das Festival von Locarno programmiert und dabei einmal mehr gezeigt, wie Qualität ermöglicht wird: durch Verzicht auf faule Kompromisse.
Crossing Europe 2018
Abseits der Klischees
von Kurt Hofmann
Das Festival «Crossing Europe» in Linz an der Donau präsentierte in diesem Jahr abermals Filme außerhalb des «Eurofilm»-Einheitsbreis, ästhetisch anspruchsvoll und nachfragend in gesellschaftspolitischen Angelegenheiten. Auf der Leinwand zu sehen war: ein Europa abseits der Klischees.
Zur Diagonale 2018
Am Puls der Zeit
von Kurt Hofmann
Die Diagonale, das Festival des Österreichischen Films, zeigte sich im dritten Jahr der Intendanz Höglinger/Schernhuber politisch wach und blieb in der Auswahl der Filme am Puls der Zeit.
Das wichtigste Werk der documenta 14
“The most important piece at documenta 14 in Kassel is not an artwork. It’s evidence.”*
von Serdar Kazak
Es ist nicht von der Hand zu weisen: Bei dem auf der documenta präsentierten Stück des Forschungsinstituts Forensic Architecture der Londoner Goldsmith University handelt es sich nicht um ein Kunstwerk, sondern um einen forensischen Beweis. Wenigstens hatten die Macher am Anfang nicht vor, ein Kunstwerk zu schaffen. Sie hatten den Auftrag, die existierenden Beweise zum neunten NSU-Mord in Kassel zu analysieren und Klarheit über die staatliche Unterstützung und Verwicklung in den Mord herzustellen.
Filmtipp: Comrade where are you today?
Deutschland/Finnland 2016, Regie: Kirsi Liimatainen; Ilanga Films, auf DVD
von Rolf Euler
Über junge Linke und Revolutionäre, ihre großen Träume von Gerechtigkeit und Solidarität und was aus ihnen geworden ist – diesen Dokumentarfilm von einer jungen Finnin, die dabei war, empfehle ich gern.
Kirsi Liimatainen verbringt als aufrührerische Arbeiterjugendliche mit vielen anderen zusammen Ende der 80er Jahre ein Studienjahr in der DDR auf der FDJ-Schule am Bogensee nahe Berlin.
„Der junge Karl Marx“
Gesehen und genehmigt
von Manuel Kellner
Ein Spielfilm über Karl Marx in den Jahren 1843–1848, im Exil in Paris, Brüssel und London, das ist schon etwas Besonderes. Manche Kritiken waren nicht eben überschwänglich, aber ich finde diesen Film des Regisseurs Raoul Peck gelungen. Als ich ihn mir zum ersten Mal angesehen hatte, waren Schulklassen im Saal – und gerade das ist gut so. In den meisten Kinos wurde „Der junge Karl Marx“ nur ein paar Tage gezeigt, und sehr bald ist er wohl ganz abgesetzt. Hoffentlich gibt es ihn dann bald als Konserve, und er sollte möglichst vielen jüngeren Leuten gezeigt werden, die dadurch angeregt werden könnten, mehr über Marx und von Marx zu lesen.
Krimitipp: Jerome Charyn: Winterwarnung
Deutsch von Sabine Schulz. Zürich: Diaphanes, 2017. 328 S., 24 Euro
von Udo Bonn
Erst Polizist, dann Polizeichef und dann Bürgermeister von New York: Isaac «Citizen» Sidel ist aufgestiegen, hat die Bronx vom Zugriff der Baumafia befreit und das Bildungsprogramm Merlin für arme Jugendliche durchgesetzt.
Und jetzt? Jetzt sitzt er im «weißen Gefängnis» fest, er ist POTUS, President of the United States,
Rebellisches Schlesien. Geschichten über soziale Kämpfe in Oberschlesien.
DVD von Dariusz Zalega. Polnisch mit Untertiteln
von Peter Nowak
Der Film stellt eine Region als Ort von Kämpfen und Streiks vor, die oft mit deutschnationalen Ansprüchen konnotiert ist.
Der Titel mag manche Linke irritieren. Denn wenn es um Schlesien geht, sind oft die Vertriebenenverbände nicht weit und deren Rebellion gegen die Anerkennung von historischen Tatsachen nach der Niederlage der Nazis ist manchen noch in schlechter Erinnerung. Doch darum geht in dem Film nicht.
Film: Moving Pictures, Großbritannien 2016
BBC Radio 4, www.bbc.co.uk/programmes/b07wpgjm, Regie: Leah Karibian
von Angela Huemer
Mitunter ist es notwendig, keinen Kinofilm oder Fernsehserie zu empfehlen, sondern etwas ganz anderes, weil man einfach so sehr begeistert davon ist. Dieses andere heißt Moving Pictures und ist eine Reihe von BBC Radio 4, dem wohl besten Radiosender der Welt.
Peter Brückner und die deutschen Verhältnisse
Aus dem Abseits, Deutschland 2015, Regie: Simon Brückner. (Der Film wurde am 29.8.2016 in 3sat ausgestrahlt.)
von Peter Nowak
Der Film Aus dem Abseits bringt uns einen linken Intellektuellen wieder näher, der zur Zielscheibe des Modell Deutschlands von Helmut Schmidt wurde.
Filmtipp: Hieronymus Bosch – Schöpfer der Teufel
Niederlande 2016, Regie: Pieter van Hujistee
von Angela Huemer
In den letzten Jahren gab es im Dokumentarfilmbereich fast so etwas wie einen Trend: Filme über Kunst, oder besser: Kunst und die Art ihrer Präsentation und Bewahrung. In Das große Museum blickte Johannes Holzhausen hinter die Kulissen des Kunsthistorischen Museums Wien, und der Doyen des «direct cinema» (ein puristisches Dokumentarfilmgenre), Frederick Wiseman, nahm sich die Londoner National Gallery im gleichnamigen Film vor.
Filmtipp: Tschick
Deutschland 2016, Regie: Fatih Akin
von Jan Schiffer
Tschick ist eine Verfilmung des gleichnamigen populären Jugendromans von Wolfgang Herrndorf, erschienen 2010 und mittlerweile Standardlektüre an Schulen und vielfach erfolgreich für das Theater adaptiert.
Filmtipp: Tomorrow
Frankreich 2015
von Angela Huemer
Der Einstieg in den Film bringt – auf zwar leicht gewöhnungsbedürftige Art und Weise, was auch an der deutschen Fassung liegen mag – sehr gut auf den Punkt, worum es geht: «Vor drei Jahren», sagt Mélanie Laurent, eine in Frankreich relativ bekannte Schauspielerin und Regisseurin des Films, den Zuschauern, «als ich gerade schwanger war, erzählte mir Cyril von einer Studie. Die Studie kam zu dem Schluss, dass mein Sohn in einer Welt aufwachsen würde, in der Nahrung, Wasser und Öl knapp sind.»
Filmtipp: Im märkischen Sand. Eine Webdoku, Deutschland 2016
Regie: Katalin Ambrus, Nina Mair und Matthias Neumann mit Bewegtbildern von Cosimo Miorelli.
Jederzeit verfügbar auf: www.imidoc.net
von Angela Huemer
«Am 23.April 1945 werden 127 italienische Zwangsarbeiter in einer Sandgrube erschossen. Das Massaker wird vergessen. Doch dann kehrt die Erinnerung zurück. Ein filmische Ausgrabung in Treuenbrietzen, Brandenburg.» Diese filmische Ausgrabung in insgesamt 24 kurzen Filmen nennt sich Webdoku, den Anstoss dazu gab Matthias Neumann, seines Zeichens Kameramann.
Filmtipp: Parchim International
Deutschland 2015, Regie: Stefan Eberlein und Manuel Fenn
von Angela Huemer
Flughafen Parchim in Mecklenburg-Vorpommern: «Eins, drei, zwei» – der Chinese Jonathan Pang durchschneidet ein rotes Band und weist dann darauf hin, dass hier auch eine chinesische Fahne hängt. Jonathan Pang ist der Unternehmer und Investor, der dem Flughafen Schwerin-Parchim eine große Zukunft verleihen will.
Filmtipp: Zur Diagonale 2016
Festival des östrreichischen Films, Graz
von Kurt Hofmann
Österreich, das war in der gängigen Sprachregelung «das erste Opfer Hitlers» – bis zu Waldheim, dem geschichtsvergessenen Präsidenten. 1986, mit dem Beginn der Waldheim-Debatte, war es aus mit dem Opfermythos. Zwanzig Jahre danach: ein übersehenes «Jubiläum», befand zumindest die neue Intendanz der Diagonale.
Filmtipp: Heart of a Dog
USA 2015. Regie: Laurie Anderson
von Angela Huemer
Wenige Filme haben auf mich so einen Eindruck gemacht wie Home of the Brave, ein Film der Musikerin und Komponistin, Pionierin der elektronischen Musik, Dichterin, Bildhauerin und Fotografin Laurie Anderson von 1986. Damals war sie für mich vor allem die Musikerin, einige Jahre zuvor war ihr Lied «Oh Superman» in die Charts geraten und eine Weile war sie so etwas wie berühmt.
Filmtipp: Die Kommune
Dänemark 2015, Regie: Thomas Vinterberg
von Angela Huemer
Der Architekt Erik besichtigt mit seiner Familie, seiner Frau Anna und seiner vierzehnjährigen Tochter Freja das Haus, in dem er aufgewachsen ist. Er hat es soeben geerbt und klingt zufrieden, als er vom Makler vernimmt, dass er 1 Million Kronen dafür bekommen könnte, denn er arbeitet als Dozent, und Geld ist eher knapp. Um selber drin zu wohnen, wäre es doch viel zu groß, meint Erik. Und zu teuer. Doch seine Frau Anna und die Tochter Freja haben andere Pläne, sie überlisten Erik geradezu und beschließen dann, das große Haus mit anderen zu teilen, also eine Art Hausgemeinschaft, eine Kommune zu starten.
Makhdoumin oder die Dienstbotengesellschaft
Makhdoumin (A Maid for Each), Libanon/Frankreich/Norwegen 2016, Regie: Maher Abi Samra
von Peter Nowak
Eine Familie des gehobenen Mittelstands sitzt in einem Büro und blättert in Katalogen. Mal nimmt die Frau einen Zettel aus einer Klarsichtfolie und liest ihn genauer. Mal tuschelt die Frau mit ihrer Tochter und lacht. Man könnte denken, die Familie plant ihren Urlaub und sucht das passende Hotel. Doch auf dem Foto sind junge Frauen abgebildet und die Familie unterhält sich über ihre Gesichtszüge und stellt Mutmaßungen an, welche Frau freundlich und welche streng ist. Es ist eine Agentur für Arbeit in Beirut und die Familie sucht sich gerade ein neues Dienstmädchen aus.
Filmtipp: Hail, Caesar!
USA 2015, Regie: Joel und Ethan Coen
von Angela Huemer
Ein enger Beichtstuhl. Ein Mann beichtet, dass er es trotz bester Vorsätze doch ziemlich schwer findet, mit dem Rauchen aufzuhören. Kurz darauf sitzt derselbe Mann im Dunkeln in einem Auto. Für manche fängt der Tag früh an, sagt eine Stimme aus dem Off. Der Mann ist Eddie Mannix, Leiter des fiktiven Filmstudios Capitol. Es sind die frühen 50er Jahre.
Filmtipp: Anomalisa
USA 2015, Regie: Charlie Kaufman, Duke Johnson
von Angela Huemer
Dichte Wolken, die Sonne dringt leicht durch. All das von einem Flugzeugfenster aus gesehen. Dann sehen wir, wie ein Mann eben dies vom Flugzeugfenster aus betrachtet und werden daran erinnert, dass dies ein Animationsfilm ist. Trotzdem «fühlt» sich der Film von Anfang an eigenartig real an.
Filmtipp: Carol
USA/Großbritannien 2015. Mit Cate Blanchett, Rooney Mara. Regie: Todd Haynes
von Angela Huemer
Winter in New York. Noch besser, Vorweihnachtszeit. Und dazu noch im schönen Ambiente der 50er Jahre. Wir sind in einem der großen Kaufhäuser New Yorks. Mit dem Wunsch für schöne Feiertage werden dort rote Weihnachtsmannmützen an die Verkäuferinnen verteilt. Die junge Therese Belivet arbeitet hier in der Spielwarenabteilung.
Filmtipp: Mia madre, Italien 2015
mit Margherita Buy, John Turturro, Nanni Moretti, Regie: Nanni Moretti
von Angela Huemer
Arbeiter demonstrieren vor einer Fabrik: «Lavoro per tutti» fordern sie, «Arbeit für alle». Es ist keine reale Szene, ein Film wird gedreht. Die Regisseurin des Films ist Margherita, dargestellt von Margherita Buy. Man spürt sofort, dass sie unter Anspannung ist, nicht nur die Anspannung, die ihr die Regiearbeit abverlangt. Der Grund: Ihre Mutter liegt im Krankenhaus, jeden Tag ist sie bei ihr. Dazu kommt die Trennung von ihrem Partner, der zu allem Übel einer der Schauspieler ihres Films ist.
Filmtipp: Das Golddorf
Deutschland 2015, Regie: Carolin Genreith
von Angela Huemer
Drei Musiker stehen auf einer Bergspitze und spielen zünftig auf. Wir sehen Ansichten des Chiemgaus, eine der schönsten Gegenden Deutschlands und auch in Bayern ein Juwel, sozusagen Bilderbuchbayern, gepflegt, grün, geordnet und voller zufriedener Kühe.
Auch hier sind Flüchtlinge untergebracht. In einem ehemaligen Landgasthof. An der Rezeption werden sie registriert, nach ihrer Religion gefragt. Sie haben es gut getroffen, der Alltag ist beschaulich, die Menschen freundlich.
Filmtipp: How to change the world
USA 2015, Regie: Jerry Rothwell
von Angela Huemer
Die Figuren in diesem Film könnten einem Hollywood-mäßigen Abenteuerfilm entstammen. Und auch die Geschichte, die erzählt wird, ähnelt einem Spielfilm. Sie ist exemplarisch. Der Kern der Geschichte ist Bob Hunter, ein politischer Kolumnist der Vancouver Sun mit einer der damaligen Zeit angemessenen Haarmähne und Rauschebart samt intelligentem und freundlichem Gesicht. Vancouver, so erfahren wir bald, war Anfang der 70er Jahre ein besonderer Ort. Die kanadische Hafenstadt am Pazifik war damals eine Hochburg für Hippies, Esoteriker und vor allem politisch Aktive aller Art. Viele Amerikaner waren dort gestrandet, weil sie sich dem Wehrdienst entziehen wollten.
Filmtipp: The Yes Men
The Yes Men – Jetzt wird’s persönlich, USA 2015, Regie: Laura Nix
von Angela Huemer
Im UN-Hauptquartier in New York steht wieder mal eine Klimakonferenz an. Gegenüber, auf der anderen Seite des Hudson River, stehen oder besser schwimmen zahlreiche beige Bälle im Wasser, es sind die Überlebensbälle, genannt die Survivaballs, überdimensionale aufblasbare Kugeln, in denen sich einzelne Menschen vor dem Klimawandel retten können, darin ist alles enthalten, was man so braucht.
Filmtipp: Victoria, Deutschland 2015
Regie: Sebastian Schipper. Kamera: Sturla Brandth Grøvlen, Preisträger des Silbernen Bären. Berlinale 2015
von Angela Huemer
Blau-weißes pulsierendes Licht, Techno-Musik. Eine junge Frau tanzt und sieht glücklich dabei aus. Die Kamera ist nah an ihr dran. Sie bindet ihre Haare zu einem Pferdeschwanz und geht hinaus, eine Schlange an der Toilette. Ein junger Mann fängt an, mit ihr zu reden, sie reden englisch, eher rudimentär, sie ist Spanierin, heißt Victoria und kommt aus Madrid, erst seit kurzem ist sie in Berlin.
Filmfestival «Crossing Europe»
Nicht vor und nicht zurück
von Kurt Hofmann
Die diesjährige Ausgabe des Festivals des europäischen Films in Linz (23.–28.April 2015) zeigte sich auf der Höhe der Zeit, viele der zentralen Filme spiegelten das Europa der Krise wider. Auch heuer sorgte Intendantin Christine Dollhofer dafür, dass keine «Eurofilme», sondern Beispiele eines engagierten europäischen Kinos zu sehen waren.
Fotografie und Film für das 20.Jahrhundert
Ausstellung – Paul Strand*
von Burkhard Maus und Angela Huemer
Das Fotomuseum Winterthur (Schweiz) zeigt als erste europäische Kulturinstitution eine Retrospektive dieses wichtigen amerikanischen Fotografen und Kameramanns.
Der Fotograf und Filmemacher Paul Strand (1890–1976), geboren in New York, wurde durch den Besuch der Ethical Culture School zur Fotografie angeregt.
Die Diagonale 2015
Festival des österreichischen Films*
von Kurt Hofmann
Die Diagonale, das jährlich im März in Graz stattfindende Filmfestival, wurde in diesem Jahr zum letzten Mal von Barbara Pichler geleitet, deren Intendanz gleichermaßen von einem unprätentiösen, gelassenen Stil wie von Souveränität geprägt war. Sie bot eine beachtliche Bilanz im Rückblick und einige ansehnliche Premieren in der Vorschau.
Elser, Deutschland 2015
Regie: Oliver Hirschbiegel
von Angela Huemer
Ein junger Mann arbeitet fieberhaft, er deponiert ein komplex aussehendes Gebilde – es sieht aus wie ein Uhrwerk in einer Säule des Münchener Bürgerbräukellers. Dieser ist feierlich geschmückt, bald wird er eine NS-Veranstaltung samt Führer beherbergen.
Das ewige Leben. Österreich 2015
Regie: Wolfgang Murnberger
Drehbuch: Wolf Haas, Josef Hader, Wolfgang Murnberger
von Angela Huemer
Zu Beginn sieht man schöne Nahaufnahmen von Menschen, die das Leben mitunter nicht so sanft behandelte. Ein schmuckloser Raum, ein Wartezimmer. Auf einem Monitor sind Nummern zu sehen.
Wer rettet wen?
Deutschland 2015, Regie: Leslie Franke, Heidolor Lorenz
von Angela Huemer
Athen. Die Akropolis. Straßenzüge, die weniger schönen Seiten werden sichtbar. Am Pier, Dämmerung. Junge Leute erzählen von ihren Lebensumständen. «In 8 Stunden verdiene ich 15 Euro.» «Es gibt keine Geld, kaum Arbeitsplätze, ich persönlich überlege, ins Ausland zu gehen», sagt ein junger Mann.
The Imitation Game
USA, Großbritannien 2014. Regie: Morten Tyldum
von Angela Huemer
Allen, die sich mit Computern auskennen, vielleicht auch damit, welche Ideen und Konzepte der Entwicklung der Computer zugrundeliegen, ist Alan Turing schon lange ein Begriff – allen anderen hoffentlich spätestens nach diesem Film bzw. der Oscar-Verleihung am 22.Februar.
National Gallery
Regie: Frederick Wiseman, 2014
von Angela Huemer
Mitunter scheinen Themen in der Luft zu liegen. Der Film Das große Museum über das Wiener Kunsthistorische Museum (siehe SoZ 11/2014) und Frederick Wisemans Film National Gallery über das gleichnamige Londoner Museum sind ziemlich zeitgleich entstanden.
Magic in the Moonlight
USA 2014. Mit Colin Firth. Regie: Woody Allen
von Angela Huemer
Kaum ein Regisseur hat so viele Filme gemacht wie Woody Allen, nahezu jedes Jahr kommt ein neuer Film von ihm in die Kinos. Während seine absoluten Meisterwerke wohl die Filme der 70er und 80er Jahre waren – angefangen von Play it again Sam über Manhatten und Radio Days – hat er auch danach viele sehr schöne Filme geliefert.
Zwei Tage, eine Nacht
Belgien 2014. Regie: Jean-Pierre und Luc Dardenne.
Mit Marion Cotillard
von Angela Huemer
Eine junge Frau schläft. Etwas klingelt, nachdrücklich – zunächst glaubt man, es ist der Wecker. Es ist ihr Telefon. Es braucht eine Weile, bis sie aufwacht – fast möchte man sie wecken, dann, endlich, wacht sie auf und geht ans Telefon.
Phoenix – eine Filmkritik
Was dabei herauskommt, wenn ideologische Verblendung die Feder führt
Phoenix: Deutschland 2014. Regie: Christian Petzold. Mit Nina Hoss, Ronald Zehrfeld, Nina Kunzendorf
von Paul B. Kleiser
Alfred Hitchcock sagte einmal von seinen Filmen, er gestatte es der äußeren Realität nicht, ihr gemeines Haupt zu erheben. Seine Filme funktionieren daher als eine Art Doppelgänger der Realität, wie Träume bzw. Alpträume; ein Verweis auf Vertigo, Psycho oder Die Vögel sollte hier zur Verdeutlichung dieses Sachverhalts genügen.
Das große Museum
Österreich 2014. Regie: Johannes Holzhausen
von Angela Huemer
Ein großes, ein sehr großes Bild wird in prunkvollen Räumen vorsichtig abgehängt. Kaiserin Maria Theresia und ihre Kinder sind darauf zu sehen. Es soll renoviert werden. Das Bild hängt in der Präsidentschaftskanzlei, eine barocke Raumfluchtpracht, eigentlich unangemessen für den Präsidenten einer kleinen europäischen Republik.
The Cut
Deutschland u.a. 2014. Regie: Fatih Akin
von Angela Huemer
Der junge Schmied Nazaret holt seine Zwillingstöchter von der Schule ab. Er fragt die Lehrerin, wie sie sich denn so machen und erfährt, dass es mit der Geografie ein wenig hapert. Er fragt die Töchter nach der Hauptstadt Frankreichs, nun ja, wenigstens eine der beiden weiß die Antwort. Ein Kranich fliegt über sie hinweg und Nazaret erklärt seinen Töchtern, dies sei ein Vorbote für eine lange Reise, wer einen Kranich sieht, so sagt man, wird eine lange Reise unternehmen. Vielleicht unternehmen sie ja gemeinsam diese Reise, fügt er noch hinzu.
A Most Wanted Man
Großbritannien 2013. Regie: Anton Corbijn
von Angela Huemer
Ich wollte, dass dieser Film im Herbst spielt, der Farben wegen», sagt Regisseur Anton Corbijn, der seine Karriere als Photograph begann, gegenüber dem Guardian in einem Interview. «A Most Wanted Man» ist die Verfilmung des gleichnamigen Romans von John Le Carré, das Drehbuch schrieb Andrew Bovell. «Der Grund ist, dass diese Geschichte etwas Melancholisches hat und Veränderung in der Luft liegt … hin zu etwas noch schlechterem.»
Zum 50.Todestag von Hans Moser
«Wie können Sie draußen husten, wenn ich drinnen horch?»
von Angela Huemer
Peter Handke sagte einmal treffend: «In seinen (Mosers) Filmen wartet man immer, dass er endlich wieder auftritt.» Dass das Gros seiner mehr als 150 Filme von eher mäßiger Qualität war, eint Hans Moser mit großen Komikerkollegen wie Louis de Funès und Totò.
Jimmy’s Hall, Regie: Ken Loach
Großbritannien/Irland 2014, mit Barry Ward, Jim Norton. Ab 14.8. im Kino
von Liam MacUaid
Die beiden staatlichen Gebilde in Irland (Ulster und die Republik) waren das Produkt einer Revolution, die im Jahr 1921 eine Niederlage erlitt, als Michael Collins den Vertrag unterzeichnete, der das Land teilte.
Last Week Tonight
John Oliver, Fernseh- und Internet-Comedy-Show. HBO, USA, seit Mai 2014
von Angela Huemer
Einige Leser werden sich wundern, was soll das, keine Besprechung eines ernsthaften und engagierten Films, stattdessen der Hinweis auf was Lustiges? Eine Comedy-Show, noch dazu eine amerikanische? Kann das denn gut sein?
Filmfestival «Crossing Europe»
von Kurt Hofmann
Das Filmfestival «Crossing Europe» in Linz hat auch in diesem Jahr ein vielfältiges Programm trotz enger finanzieller Grenzen gezeigt: In der Ausgabe 11, die vom 23. bis 28.April stattfand, wurde «Crossing Europe» erneut seinem Ruf als Gegenentwurf zum sterilen Einheitsbrei des «Eurofilms» gerecht.
Österreichischer Film: Diagonale 2014
Schatten der Vergangenheit
von Kurt Hofmann
Drei Filme, stellvertretend für die diesjährige Auswahl der «Diagonale», des Festivals des österreichischen Filmes.
25.April 1974 – Die Nelkenrevolution
Hrsg. Willi Baer, Karl-Heinz Dellwo. Hamburg: Laika, 2012
von Gaston Kirsche
Mit zwei Dok-Filmen: Viva Portugal!, Portugal/BRD 1975, von Malte Rauch, Christiane Gerhards und Samuel Schirmbeck, 115 Min.; Scenes from the Class Struggle in Portugal, Portugal/USA 1977, von Robert Kramer, 85 Min. Portugiesisch mit deutschen Untertiteln
Die schöne Krista
Deutschland 2013, Regie: Antje Schneider und Carsten Waldbauer
von Angela Huemer
Die schöne Krista ist kein hübsches Mädchen, sondern eine Kuh. Eine sehr große, schwarz-weiß gefleckte, sympathische Kuh. Krista ist nahe Oldenburg zuhause, auf dem Hof des jungen Bauern Jörg Seeger.
Gleich zu Beginn des Films betreten wir eine für Stadtpflanzen wie mich völlig unbekannte, aber faszinierende Welt: die der Viehschauen.
Verbotene Filme
Deutschland 2014, Regie: Felix Möller
von Peter Nowak
«Historische Nitrofilme sind hochexplosiv», warnt Egbert Koppe, Spezialist für Filmrestaurierung am Bundesarchiv in Hoppegarten, einem Vorort von Berlin. Diese Szene steht auch am Anfang eines Films, bei dem es um Streifen geht, die nicht nur wegen des chemischen Materials hochexplosiv sind.
Monuments Men
USA 2014, Regie: George Clooney
von Angela Huemer
Das allererste was ich in meine Studium der Kunstgeschichte tun musste, im Proseminar 1, war ein Bild zu beschreiben, um zu lernen, genau hinzusehen. Nicht irgendein Bild, es war der Genter Altar der flämischen Maler Jan und Hubert van Eyck, eines der wichtigsten Kunstwerke der westlichen Welt, eines, das in keinem der Überblickswerke der Kunstgeschichte fehlt – und auch eines der schönsten.
Blau ist eine warme Farbe
Frankreich 2013, Regie: Abdellatif Kechiche. Länge: 175 Minuten
von Ilona Herrmann
Seit dem 19.Dezember ist in den Kinos der Film Blau ist eine warme Farbe (Originaltitel: La vie d’Adèle – Chapitres 1&2) des französischen Regisseurs Abdellatif Kechiche zu sehen, der gemeinsam mit den beiden Hauptdarstellerinnen bei den Internationalen Filmfestspielen in Cannes 2013 die Goldene Palme gewann.
Ein filmisches Meisterwerk, das wie kein anderes zuvor den Beginn und das Ende einer langjährigen Liebesbeziehung zwischen zwei Frauen beschreibt, oder anders ausgedrückt: Eine dreistündige außergewöhnliche Filmstudie, die die intensive Romanze zwischen der siebzehnjährigen Schülerin Adèle (Adèle Exarchopoulos) aus dem Arbeitermilieu und der lesbischen Kunststudentin Emma (Léa Seydoux) darstellt. Adèles Leben ändert sich gravierend, als sie Emma, der Frau mit den blauen Haaren, zum erstenmal auf der Straße begegnet, während sie ungezwungen und ausgelassen Arm in Arm mit einer anderen Frau an ihr vorübergeht.
Art War
Deutschland 2013, Regie: Marco Wilms. Länge: 90 Minuten
von Angela Huemer
Eigentlich sollte es ein ganz anderer Film werden, ein Film über den deutsch-ägyptischen Autor und Politologen Hamed Abdel Samad, dafür hatte er auch schon Förderung erhalten. Doch dann kam alles anders.
Die Revolte in Tunesien schwappte vor fast genau drei Jahren nach Ägypten über und es trat ein, was niemand für möglich gehalten hatte: das Regime Mubarak wurde gestürzt. Seither ist viel passiert, aus Marco Wilms’ Film ist eine besondere Art der Dokumentation über diese nach wie vor andauernde Revolution geworden – ein Film über die Künstler, die mit ihren Graffitis die Revolution mitprägen.
Terra nera
Italien 2012, Regie: Simone Ciani, Danilo Licciardello (Englisch, Französisch mit deutschen Untertiteln)
von Angela Huemer
Ein Film über Ölsandabbau durch Großkonzerne in Kanada und im Kongo.
Goldrausch – Die Geschichte der Treuhand
Deutschland 2012
von Gaston Kirsche
Bei der aktuell erhältlichen DVD-Fassung fehlt der Name des Regisseurs. Der Grund: Es bestand keine Einigkeit mit der Produktionsfirma und den beteiligten Sendern darüber, wie die Geschichte erzählt werden sollte. Vielleicht bezeichnend für einen Film über die Treuhand, denn hier ist jüngste Zeitgeschichte Thema, seit der Einverleibung der DDR durch die BRD, mit deren Folgen, deren sozialen Verwerfungen wir alle leben.
Aus dem Widerstand gegen die chilenische Militärdiktatur
Calle Santa Fe, Chile 2007. Regie: Carmen Castillo, Länge: 163 Minuten
von Gaston Kirsche
Calle Santa Fe ist ein sehr persönlicher Film aus dem Widerstand gegen die chilenische Militärdiktatur. Den Putschisten vom 11. September 1973 ist es nicht gelungen, den Kampf und die Erinnerung daran auszulöschen.
«Der Tod war unser Begleiter»
Filmtrilogie: Birds in the Mire (I), Among the Rocks (II), Rain Girls (III). Griechenland 2008–2011.
Regie: Alida Dimitriou. Griechisch mit engl. Untertiteln
von Peter Nowak
Die außergewöhnliche Filmtrilogie zeichnet die Geschichte des Widerstands griechischer Frauen nach.
Can’t be silent
Deutschland 2013. Regie: Julia Oelkers
von Angela Huemer
Es ist nur scheinbar leichter, einen Film zu machen, bei dem die Musik im Mittelpunkt steht. Denn der Film muss einen eigenen Rhythmus finden. Noch schwerer wird es, wenn es gar nicht nur um die Musik geht, sondern vor allem um die Musiker. Da diese in „Can’t be sielend“ aus aller Herren Länder stammen und keiner von ihnen bis dato in Deutschland einen gesicherten Aufenthaltsstatus hat, ist der Film auch eminent politisch,
Promised Land
USA 2012. Mit Matt Damon, Frances McDormand. Regie: Gus Van Sant
von Angela Huemer
Ein schickes Restaurant in New York City. Steve Butler, verkörpert vom ausgezeichneten Schauspieler Matt Damon, trifft sich dort mit einem Kollegen, d.h. einem seiner Vorgesetzten. (Matt Damon sollte eigentlich auch Regie führen, doch dann kamen Terminprobleme dazwischen, daraufhin heuerte er Gus Van Sant an, mit dem er 1997 in dem erfolgreichen Film Good Will Hunting gearbeitet hatte, der gleichzeitig Matt Damons Durchbruch war.)
Woodstock in Timbuktu
Deutschland 2012, Regie: Désirée von Trotha
von Angela Huemer
Ein fast klischeehaftes, emblematisches Bild, das auch das Filmplakat ziert, rahmt den Film ein: Vor der untergehenden Sonne stehen Kamele im Gegenlicht, schwarze Silhouetten sind zu sehen. Nur kurz schwelgen wir in der Wüstenromantik, dann sehen wir einen Musiker auf der Bühne des Musikfestivals «Festival au désert». Kurz darauf stellt sich die Filmemacherin selbst vor, Désirée von Trotha, geb. 1961, Regisseurin, Autorin und Fotografin. Sie studierte an der Hochschule für Fernsehen und Film in München, hat zahlreiche Dokumentationen gedreht. Seit 1991 verbringt sie rund sechs Monate im Jahr in der südlichen Sahara, den Tuareggebieten Algeriens, Nigers und Malis sowie im Norden des Tschad.
No Place on Earth
USA 2012, Regie: Janet Tobias
von Peter Nowak
Der Film erzählt die bisher unbekannte Geschichte des Überlebenskampfs ukrainischer Juden im Nationalsozialismus.
Die deutschen Verbrechen in der Nazizeit werden schon lange historisiert. Die Menschen, die sie noch selber erleiden mussten, sind fast alle tot. Daher verdienen Filme, in denen die heute Hochbetagten noch selber zu Wort kommen, besondere Aufmerksamkeit.
Mad Men – Fernsehserie, USA, seit 2007
Erfinder der Serie und Chef-Autor: Matthew Weiner
von Angela Huemer
Mad Men, verrückte Männer möchte man meinen, doch nein, gleich nach dem Vorspann – eine Art Animation, in der ein Mann in New York viele Stockwerke langsam hinunterfällt – wird erklärt, was der Begriff bedeutet. ‘A term coined in the late 50s to describe the advertising executives of Madison Avenue.’ Kurze Pause und dann, im nächsten Absatz: ‘They coined it.’ (Ein Begriff, der in den späten 50er Jahren geprägt wurde, um die Werbeleute der New Yorker Madison Avenue zu beschreiben. Sie prägten ihn.)
Work hard play hard
Deutschland 2011. Regie: Carmen Losmann. DVD 15,99 Euro
von Angela Huemer
Vor ein, zwei Jahren saß ich mal in der S-Bahn, wohin, weiß ich nicht mehr, nur noch, dass mit mir im Viererabteil drei sich angeregt miteinander unterhaltende, korrekt und adrett gekleidete Manager saßen. Sie sprachen rasch und nicht leise. Es brauchte etwas zu merken, dass sie tatsächlich deutsch sprachen, englische Begriffe in strammer deutscher Aussprache flogen durch den Raum. Obwohl ich mich – neugierig wie ich nun mal bin – darum bemühte zu verstehen worüber sie reden, verstand ich nichts. Eine fremde Welt.
Sobre la misma tierra – Von der Kunst des Überlebens
Film, Kolumbien, Spanien 2011. Regie: Laura Sipán
von Angela Huemer
Der Film der jungen Regisseurin Laura Sipán führt uns an zwei sehr entgegengesetzte Orte Kolumbiens: einmal in eine entlegene Bergregion, Sur de Bolivar, in der die Bewohner auf altmodische Weise Gold abbauen, ein anderes Mal nach Cali, eine der größten Städte Kolumbiens.
Abraham Lincoln, der Revolutionär
Steven Spielbergs Film Lincoln rückt die Abschaffung der Sklaverei wieder in den Mittelpunkt des Verständnisses vom Amerikanischen Bürgerkrieg
von Alan Maass
Steven Spielbergs Lincoln handelt nur von einer – allerdings entscheidenden – Episode eines jahrelangen Kampfes: von der Abstimmung im Repräsentantenhaus während der letzten Monate des Amerikanischen Bürgerkriegs über den 13.Zusatzartikel zur Verfassung, der die Sklaverei für illegal erklärte. Und er handelt hauptsächlich von einem Protagonisten in diesem Kampf: Abraham Lincoln, eine der wichtigsten Persönlichkeiten im Kampf gegen die Sklaverei. Seine Geschichte ist die eines politisch Moderaten, der durch die Ereignisse eine Wandlung durchmachte, dem es gelang, sich auf die Höhe der historischen Aufgaben zu erheben, als andere in seiner Umgebung dies nicht taten, und der auf diese Weise zur Sache der Freiheit einen wichtigen Beitrag leistete.
Auf vielen Stühlen – Ein Leben in Deutschland
(Sobre varias sillas – Una vida en Alemania), Deutschland 2011 (Spanisch mit deutschen Untertiteln), Regie: Ainhoa Montoya Arteabaro
von Gaston Kirsche
Vicente Martínez, Andrea Miragaya, Rosa Fava, Encarnación Gutiérrez und José Valdueza sind fünf sehr unterschiedliche Persönlichkeiten, haben aber eine Gemeinsamkeit: Sie sind mit einem oder zwei Elternteilen aus Spanien in Deutschland aufgewachsen und leben in Hamburg. Im Dokumentarfilm erzählen sie, wie es war, als «Gastarbeiterkind» aufzuwachsen.
Das Lachen der Hannah Arendt
Hannah Arendt, Deutschland 2012. Regie: Margarethe von Trotta
von Tanja Schultz
Dieser Film war lang erwartet worden, da er in einer Reihe mit Trottas anderen großen Frauenfilmen, Bleierne Zeit, Rosa Luxemburg und Vision – Aus dem Leben der Hildegard von Bingen (stets mit Barbara Sukowa in der Hauptrolle) – steht, und weil Hannah Arendt zurzeit als kompromisslose Denkerin der Globalisierung und Menschenrechte wieder neu entdeckt wird.
Film: «in Arbeit». Die Kooperativen Placido Rizzotto und Pio La Torre
Regie: Arne Hector, Minze Tummescheit
von Angela Huemer
Arne Hectors und Minze Tummescheits Film über Kooperativen in Sizilien, die auf ehemaligen Mafia-Besitztümern entstanden, ist kein traditioneller Dokumentarfilm. Er ist der dritte Teil einer Reihe, die sich «in arbeit» nennt, «eine dokumentarische Serie, eine filmische Untersuchung zu Bedingungen, Möglichkeiten und Grenzen kollektiven Handelns», so die beiden Filmemacher im Klappentext der DVD. Wir sehen zwar einige Arbeitsvorgänge der Kooperative, wie die Weinlese, doch der eigentliche Kern des Films ist sozusagen abstrakt-theoretisch.
Das Ding am Deich. Vom Widerstand gegen ein Atomkraftwerk
Regie: Antje Hubert. Deutschland 2012
von Gaston Kirsche
Die Wilstermarsch ist flach. Fruchtbares Land an der Unterelbe, auf halber Strecke zwischen Hamburg und der Nordsee. Durchzogen von Wettern, breiten Entwässerungsgräben. Was Wettern sind, wussten in Hamburg auf einmal viele, als 1976 bekannt wurde, dass mitten in die Marsch, direkt ans Elbufer, ein Atomkraftwerk gebaut werden sollte.
CINEMA! ITALIA!
von Gaston Kirsche
Neue und anspruchsvolle Produktionen laufen beim jährlichen Festival des Italienischen Films im Original mit deutschen Untertiteln, das bis zum 19.Dezember durch 29 Städte und 32 Kinos tourt. Dieses Jahr wird CINEMA! ITALIA! 15 Jahre alt. Zeit, sich nach der Pubertät in der Arbeitswelt zu orientieren: Drei von sechs Filmen stellen dieses Jahr die sozialen Verwerfungen durch die Krise in den Mittelpunkt.
Film: Chris Marker 1921–2012
von Angela Huemer
«Er erzählte mir von Sei-Shônagon, einer Ehrendame der Prinzessin Sadako, Anfang des 11.Jahrhunderts der Heian-Periode. Shônagon hatte eine Manie für Listen: die Liste der ‹eleganten Dinge›, der ‹trostlosen Dinge› oder aber der ‹Dinge, die es nicht wert sind, getan zu werden›. Eines Tages hatte sie die Idee, die Liste aufzustellen der ‹Dinge, die das Herz schneller schlagen lassen›.»
Residenzpflicht
Dokumentarfilm 2012, Regie: Denise Garcia Bergt
von Tanja Schultz
Das Babylon in Berlin ist ein bewährter Premierenort für deutsche Erstaufführungen, es war sehr gut besucht und erfüllt von einer besonderen Atmosphäre: Denn es war ein besonderes Publikum anwesend, viele Aktivisten, die in dieser Produktion mitwirkten, sahen sich nach langer Zeit wieder. Man darf nicht vergessen, viele der Aktivisten unterliegen ihrerseits der Residenzpflicht…
Countdown am Xingu II
Deutschland 2012. Regie: Martin Keßler
von Angela Huemer
Martin Keßler ist mit dem Amazonas vertraut: 2009 berichtete er bereits in seiner 90-Minuten-Dokumentation «Kampf um Amazonien» ausführlich über die Auswirkungen von riesigen Staudämmen auf Menschen und Natur. Der Film war von Hoffnung getragen, besonders beeindruckend war der energische Auftritt der Indigenen beim Sozialforum – sie machten auf ihr Anliegen aufmerksam, den Kampf gegen das riesige Kraftwerk von Belo Monte (siehe SoZ 12/2010).
Der Kampf gegen «Belo Monte»
von Martin Keßler
Der Regisseur der Dokumentation Countdown am Xingu II (siehe Filmbesprechung) informiert über die langjährige Geschichte des Staudammprojekts und den anhaltenden Widerstand dagegen.
Für die Indigenen des brasilianischen Amazonasgebiets ist der Xingu ein heiliger Fluss. Doch dieser Tage wird ihr Fluss geschändet.
Die Farbe des Ozeans
Deutschland/Spanien 2011, Regie: Maggie Peren
von Angela Huemer
Der Film beginnt mit einem langen Prolog. Eine junge Frau klopft heftig an Tür und Fenster, José ruft sie, José. José liegt noch im Bett, er hört sie – doch er ignoriert sie. Er stellt sich unter die Dusche und hält sich die Ohren zu.
Diagonale 2012
Festival des österreichischen Films
von Kurt Hofmann
Eine Leistungsbilanz, ein Blick auf das breite Spektrum unterschiedlicher Formen, ein unprätentiöser Versuch von Gegenöffentlichkeit mit filmischen Mitteln: All dies und mehr ist das Festival des Österreichischen Films, die Diagonale. Der Ort ist Graz, die Ausgabe war die fünfzehnte.
Film: Generation Kunduz – Der Krieg der Anderen
Dokumentarfilm, BRD 2011, Regie: Martin Gerner
von Rolf Euler
Das Beeindruckendste an diesem Film sind die Nahaufnahmen von Mirwais, dem zehnjährigen Jungen aus Afghanistan, der uns erzählt, warum der Krieg schlecht ist: Er kann nicht richtig zur Schule gehen, er muss Schuhe putzen, er wärmt sich die Hände am Straßengrill, riecht die gebratenen Stücke und kauft sich nichts zu essen, um das wenige Geld nach Hause zu bringen. Mirwais erklärt uns den Krieg – den man in dem Film nicht sieht, aber immer im Hintergrund spürt – nur zwei-, dreimal fahren deutsche gepanzerte Fahrzeuge durchs Bild – das ist der Krieg der anderen, und der Film zeigt afghanische junge Menschen, die die Folgen täglich zu spüren bekommen.
The Black Power Mixtape 1967–1975
Dokumentarfilm, Schweden/USA/BRD 2011, Regie: Göran Hugo Olsson
von Gaston Kirsche
The Black Power Mixtape 1967–1975 ist ein ungewöhnlicher Dokumentarfilm. Er ist eine erlesene Mischung aus neu zusammengestelltem, lange vergessenen historischem Filmmaterial des schwedischen Staatsfernsehens über die amerikanische Bürgerrechtsbewegung Black Panther und Interviews, die 2010 mit einigen der damaligen Protagonisten sowie Künstlern und Historikern geführt wurden, die sich heute auf die schwarze Bürgerrechtsbewegung beziehen.
Eindrücke von der Berlinale 2012
Ein lohnendes Vergnügen
von Andreas Bodden
Dies ist ein völlig subjektiver Bericht von der Berlinale 2012. Ich bin als ganz normaler Besucher nach Berlin gefahren und habe mich in die lange Schlange am Kartenschalter angestellt. Mal hatte ich Glück und bekam die Karten für die Filme, auf die ich scharf war, mal hatte ich Pech und die Vorstellung war bereits ausverkauft. So gelang es mir nicht, Karten für den Film Aujour d’hui des senegalesischen Regisseurs Alain Gomis zu ergattern.
Michel Hazavanicius, The Artist
Frankreich 2011
von Angela Huemer
Schon bei der Titelsequenz, den «opening titles», merkt man, dass man hier nicht nur einen Film sieht, sondern eine Zeitreise unternimmt. Ein Stummfilm, kein Dialog, nur schwarz-weiß und noch dazu kein Breitband-Format, an das wir uns mittlerweile nicht nur im Kino gewöhnt haben. Kann das gut gehen?
Theo Angelopoulos (1935–2012)
Studien zur europäischen Geschichte
von Paul B. Kleiser
Am 24.Januar 2012 wurde der griechische Filmregisseur Theodoros Angelopoulos bei den Dreharbeiten zu seinem neuen Film Das andere Meer, in dem er sich auch mit den Folgen der Finanzkrise für Griechenland auseinandersetzen wollte, beim Überqueren der Straße in Piräus von einem Motorrad erfasst. Er starb ein paar Stunden später im Krankenhaus. Er wurde 76 Jahre alt. Das Land verliert mit ihm seinen größten Filmemacher und das europäische Kino einen der bedeutendsten zeitgenössischen Regisseure.
Fremd
Fremd, Deutschland 2011, Regie: Miriam Fassbender
von Angela Huemer
Zu Beginn zeichnet Mohamed, einer der beiden Protagonisten des Films mit schwarzer Kreide eine Landkarte, es ist eine ungewöhnliche, eine abstrakte Landkarte Afrikas, sie zeigt die Reiseroute bis Nordafrika, dort, wo so viele hoffen, in eine der spanischen Enklaven in Marokko vorzudringen oder das Meer nach Europa zu überqueren. «Europa ist das Paradies» heißt es irgendwann im Film, «nein», «Europa ist nicht das Paradies, es ist nur das Paradies für Afrika.»
«My Home is my Castle»
«My Home is my Castle», Länge: 75 Minuten, Deutschland, 2011, Buch und Regie: Alexander Kleider, Daniela Michel, Marco Müller, Musik: Eckes Malz
von Angela Huemer
Die Motivation für diesen Film ist hochpolitisch – die Schlagzeilen, die in den letzten Jahren aus Ungarn zu uns dringen, drehen sich vor allem um offenen Rassismus, Rechtsradikalismus und massive Einschränkungen der Pressefreiheit. Grund genug also, einen harten, polemischen Film über Lebenswelten in Budapest zu machen.
«Film Socialisme»
Jean-Luc Godards bislang letzter Film ist eine Elegie auf die historischen Niederlagen des Sozialismus
Am 3.Dezember vergangenen Jahres ist Jean-Luc Godard achtzig Jahre alt geworden. Wenn man seine Filme sieht, erscheint der gleichaltrige Helmut Kohl wie ein Mann aus grauer Vorzeit. Godards Filme waren immer auf der Höhe der Zeit. Seit seinem ersten Langfilm A bout de souffle (Außer Atem) von 1959 hat er das Kino wie kaum ein anderer in einer Weise erneuert und revolutioniert, dass viele von ihm als dem James Joyce oder Pablo Picasso der siebten Kunst sprechen. Sein Werk umfasst mittlerweile gut vierzig Lang- und fast hundert kürzere Filme, die häufig trotz widriger Produktionsbedingungen und Geldmangels dank Godards Improvisationskunst entstanden sind.
Der große Crash (Margin Call)
USA 2011, Drehbuch und Regie: J.C.Chandor
von Angela Huemer
Der Filmkritiker des amerikanischen National Public Radio bringt es auf den Punkt: Seitdem das Reaktorunglück im Atomkraftwerk «Three Mile Island» dem Film The China Syndrome unerwartete Aktualität bescherte (im Film geht es um einen ganz ähnlich gelagerten Vorfall), hatte angesichts der «Occupy Wall Street»-Proteste wohl kaum ein Film je solch akute Aktualität wie Der große Crash.
«The Big C»
TV-Tipp Eine neue Fernsehserie
Seit Mitte Oktober zeigt der digitale ZDF-Sender ZDF-Neo – «die» Adresse für qualitätsvolle Serien – die amerikanische Serie The Big C, das große C. C steht für Cancer, Krebs.
No more fear
Neue Filme aus Nordafrika, Datum: 7.–9.Oktober 2011, Ort: Filmforum NRW im Museum Ludwig, Köln
«Game Over» nannte das FilmInitiativ seine Filmreihe zu Nordafrika im Mai dieses Jahres. Das «Spiel» war vorbei für die Mächtigen in Tunesien und Ägypten. Ein neues «Spiel» begann, eine neue Zeit, eine Zeit des Übergangs und voller Unsicherheiten. Nun setzt das FilmInitiativ seine Bemühungen fort: vom 7. bis 9.Oktober sind erstmals in Köln Filme zu sehen, die während der Proteste entstanden.
Le Havre
Finnland/Frankreich/BRD 2011, Buch, Regie, Produktion: Aki Kaurismäki, Mit André Wilms, Kati Outinen u.a, Kinostart: 8.September 2011
von Andreas Bodden
Endlich ist es soweit. Fünf Jahre hat die Fangemeinde des finnischen Kultregisseurs auf seinen neuen Film warten müssen. Das Warten hat sich gelohnt.
Wadans Welt – Von der Würde der Arbeit
Dokumentarfilm
Regie: Dieter Schumann, Deutschland 2010
von Gaston Kirsche
Die vorerst letzte Finanzkrise wurde bislang kaum in Bilder gefasst. Halden von Autos, Fassaden von Bankhäusern, ein paar hektisch telefonierende Broker, das war’s. Mit Wadans Welt – Von der Würde der Arbeit kommt jetzt ein Film in die Kinos, der die Folgen der Krise aus der Sicht von Schiffbauern im mecklenburgischen Wismar zeigt.
Filme aus Nordafrika
Das Filminitiativ Köln e.V. reagierte auf die Revolutionen in Nordafrika mit einer höchst interessanten und informativen Filmschau.
von Angela Huemer
Die Leute von Filminitiativ erwerben sich seit Jahren große Verdienste für ihre unermüdliche Verbreitung des afrikanischen Kinos. Mitglieder des Kollektivs reisten im Oktober zu den 23.Kinotagen von Karthago, Tunesien, und im Dezember zum 34.Internationalen Filmfestival von Kairo – also jeweils unmittelbar vor den Revolutionen.
Großer Aufwasch im Subunternehmen
Film über Leiharbeiterinnen in Frankreich
Frankreich 2008
Regie: Ivora Cusack
von Angela Huemer
Zu Beginn des Films lernen wir drei der Protagonistinnen kennen, Gnima Seydi aus Senegal, Fatoumata Coulibaly aus Mauretanien und Franzette Lassource aus Martinique. Gnima und Fatoumata wurden von ihren Ehemännern nach Frankreich geholt, beide haben Kinder.
The Coca-Cola Case
Kanada 2010, Regie: Germán Gutiérrez und Carmen Garcia
von Angela Huemer
Gleich zu Beginn erfahren wir drastisch worum es geht. Dan Kovalik, Anwalt der Stahlarbeitergewerkschaft United Steelworkers of America hält sich in Kolumbien zu einer Pressekonferenz auf. 470 Gewerkschafter, erzählt er, sind seit 2002 in Kolumbien ermordet worden.
Water Makes Money
Regie: Leslie Franke und Herdolor Lorenz
Deutschland 2010, 90 Min.
von Angela Huemer
Der Film beginnt in Paris, dort wo auch die Geschichte beginnt, um die es im Film geht: die Privatisierung der wohl wesentlichsten Grundlage eines jeden Gemeinwesens, Wasser.
Versailles
Frankreich 2008, 113 Minuten
Regie: Pierre Schoeller. Kairos-Filmverleih
von Gaston Kirsche
Versailles ist das Symbol für verschwenderischen barocken Reichtum schlechthin. Rund um das französische Königschloss erstreckt sich eine akkurat angelegte, gepflegte Parkanlage. Die junge Obdachlose Nina (Judith Chemla) und ihr fünfjähriger Sohn Enzo (Max Baissette de Malglaive) verbringen hier den Tag.
Im Angesicht des Verbrechens
10-teilige Fernsehserie
Deutschland 2010. Regie: Dominik Graf
von Angela Huemer
«Berlin ist das Paradies», das ist keine Feststellung, sondern der Titel der ersten Folge der zehnteiligen Fernsehserie Im Angesicht des Verbrechens, verfasst von Drehbuchautor Rolf Basedow.
Der Gewinn der Krise
Regie: Jörg Nowak/ Bettina Hohorst
Deutschland 2010
von Angela Huemer
Das Jahr 2009 war das Jahr der Wirtschaftskrise. Rettungsschirme wurden aufgespannt, Belegschaften in Kurzarbeit geschickt, Firmen gingen pleite. Eisenhüttenstadt ist die erste Station einer Deutschlandreise, einen «Roadmovie» nennen die Macher ihren Film.
When the Mountain Meets its Shadow
Im Schatten des Tafelberges
Deutschland 2010
Regie: Alexander Kleider und Daniela Michel
Kaufpreis: 24 Euro.
von Angela Huemer
In ruhiger, klassischer Dokumentarfilmmanier erzählt Im Schatten des Tafelbergs drei unterschiedliche Lebenswelten in Kapstadt.
Computerkino
Die Geburt eines neuen Filmgenres
von Angela Huemer
Es ist noch nicht so lange her, seit man sich jedes Mal, wenn man ins Internet wollte, mühsam einwählen musste und die Verbindung gerade mal schnell genug war, um eine vorher verfasste E-Mail loszuschicken. Seit sieben bis acht Jahren hat sich das auf breiter Basis massiv verändert und seither gibt es neben Bildern, Text, animierten Elementen ganz viel Filme und Videos im Internet.
Amaral: Antônia
Brasilien 2006
Regie: Tata Amaral
Verleih: W-film, www.wfilm.com
von Gaston Kirsche
Im Frühjahr 2010 tourt der brasilianische Musikfilm Antônia durch die Programmkinos.
Pierschel/Kirchner: EDGE
Perspectives on Drug Free Culture
Regie: Marc Pierschel und Michael Kirchner
Deutschland 2009
von Peter Nowak
Der Film setzt sich kritisch mit der Straight-Edge-Bewegung auseinander.
Jason Reitman: Up in the Air
USA 2009
Regie: Jason Reitman
Mit George Clooney, Vera Farmiga, Anna Kendrick
von Angela Huemer
«Up in the air», der Filmtitel, wird nicht übersetzt. Wörtlich heißt das: «hoch oben in der Luft», auf englisch ist «up in the air» eine Metapher für «alles ist offen», eine Art Limbo, Zwischenzustand, ein nicht hier und noch nicht dort sein.
Eine andere Welt ist möglich?, Deutschland 2009
Kampf um Amazonien. Regie: Martin Keßler
von Angela Huemer
Die wichtigste Stromquelle Brasiliens ist die Wasserkraft. Nun plant die Regierung ein Riesenkraftwerk, Belo Monte, mitten in Amazonien. Es soll der größte Staudamm Brasiliens werden, 10.000 Quadratkilometer Urwald sollen darin versinken.
Teza, Äthiopien/BRD 2008
Buch und Regie: Haile Gerima, Kamera: Mario Masini. Mit Aron Arefe, Abiye Tedla, Takelech Beyene, Teje Tesfahun u.a. Kinostart: voraussichtlich im Januar 2010
von Andreas Bodden
Während Anberber, der Protagonist des Films, in Deutschland Medizin studiert, wird in seiner Heimat Äthiopien Kaiser Haile Selassie gestürzt. Die damals überwiegend links orientierten äthiopischen Studierenden an der Universität Köln verfolgen die Ereignisse gespannt am Fernsehen und begrüßen enthusiastisch den Sturz des reaktionären Feudalherrschers. Endlich