›Viva la Musica – enteignet Vonovia‹
Lebenslaute: Mit Orchester und Chor gegen Atomraketen und Miethaie
von Wolfgang Pomrehn
Klassische Musik und Kohle-Protest oder Kampf gegen Mietwucher und Immobilienhaie? Passt das zusammen?
Soundtrack zum Antikolonialismus
Soundtrack to a Coup d’Etat, Niederlande/Frankreich/Belgien 2024, Regie: Johan Grimonprez
von Peter Nowak
1960 hatte sich der Kongo wie zahlreiche andere afrikanische Staaten die Unabhängigkeit erkämpft. Die Vertreter:innen der jungen Nationalstaaten traten selbstbewusst auf UNO-Versammlungen auf, wo sie nun auf Augenhöhe mit den ehemaligen Kolonialstaaten saßen, die auch nur eine Stimme hatten.
Nie wieder ’33
Lieder und Texte gegen den Faschismus, zwischen gestern und heute
Ein Gespräch mit Bernd Köhler
Wolfgang Alles sprach für Avanti2 mit dem Mannheimer Musiker Bernd Köhler (Gitarre, Gesang) über das aktuelle »Musikalisch-literarische Programm zwischen gestern und heute«, das er zusammen mit der Schauspielerin Bettina Franke (Texte, Gedichte, Gesang) und dem Geiger Joachim Romeis realisiert hat.
Es kamen Menschen
Dokumentarfilm: Liebe, D-Mark und Tod
von Ayse Tekin
Liebe, D-Mark und Tod
Deutschland 2022
WDR-Mediathek bis 25.1.2024
Deutschlandlieder – Almanya Türküleri
Deutschland 2022
3sat-Mediathek bis 26.1.2024
Die Trostmaschine und das Elend im System
Eine südkoreanische Pop-Band gaukelt heile Welt vor – ein Milliardengeschäft
von Volker Brauch
BTS nennt sich eine siebenköpfige südkoreanische Boy Group, die sich von Vorgängergruppen deutlich unterscheidet. Es geht nicht nur um Musik, Gesang, Tanz und gute Laune, sondern um ein inszeniertes Kunstprodukt mit hoher emotionaler Verbindung zu ihrer weitweiten Fangemeinde. Permanente Inszenierungen bei Auftritten und im Alltag der Gruppe, mit der die Fangemeinde ARMY auf Trab gehalten wird, vermitteln das Gefühl, mit den Idolen Tür an Tür zu leben, und erzeugen ein gewolltes symbiotisches Abhängigkeitsverhältnis.
Labyrinth der Träume
Ballett von Jaroslaw Iwanenko. Musik von Igor Strawinsky
von Liv Kühnel
Salvador Dalí ist wohl der bekannteste Vertreter der surrealistischen Kunst. Bekannt war er jedoch auch für sein extravagantes Auftreten, auch seine politischen Aussagen haben manchmal für Empörung gesorgt.
In Labyrinth der Träume wird Leben und Werk Dalís dargestellt, wir erhaschen einen Blick in sein Innenleben, das ebenso verworren und verwischt war wie seine Kunst.
Sein «zweiter Anlauf»
Lieder und Texte für den Arbeitskampf
von Gerhard Klas
Bernd Köhler: Halt-LOS. Der zweite Anlauf. Texte, Lieder und Geschichten 1990–2020. Llux Agentur und Verlag 2021. 272 S., 18 Euro + 2 Euro Versand,
Bestellung über bk@ewo2.de
Abschied von Mikis Theodorakis (1925 – 2021)
Ein Leben für die Musik als gelebter Widerstand
von Arn Strohmeyer
Seine letzten Jahre verbrachte Mikis Theodorakis in seinem Haus in Athen, das auf einem Hügel direkt gegenüber der Akropolis liegt und ihm einen der schönsten Blicke der Welt freigab – eben auf die alte Athener Stadtburg mit der herrlich gebauten Harmonie des Parthenon-Tempels.
Ein Seemannslied gegen trübe Gedanken
Shantys verbinden
von Kai Böhne
Shantys sind Seemannslieder, genauer gesagt Arbeitslieder, deren rhythmischer Takt die Matrosen bei ihrer körperlichen Arbeit unterstützen, anspornen und unterhalten soll. Der junge schottische Postbote, Nathan Evans, verschaffte dieser Tage einem 160 Jahre alten Shanty zu ungeahnter Popularität.
Juliette Gréco (1927–2020)
Abschied von der „grande dame de la chanson“
von Paul B. Kleiser
Am 23.September starb in Paris mit Juliette Gréco die letzte der großen Chansonsängerinnen, die für die Nachkriegszeit prägend waren. Sie ist in einem Atemzug mit Edith Piaf und Barbara, aber auch den Chansonniers George Brassens, Jacques Brel und Leo Ferré zu nennen; die beiden letzteren schrieben zudem eine Reihe von Liedern für sie.
AlarmstufeRot – Kunst ist systemrelevant
Deutschlands sechstgrößter Wirtschaftszweig steht vor dem Kollaps
Gespräch mit Daniel Schulz, alias Der Schulz
Die aktuelle Situation bedroht die Veranstaltungswirtschaft. Clubs sterben aus, KünstlerInnen, VeranstaltungstechnikerInnen und VeranstalterInnen sind arbeitslos oder stehen vor der Insolvenz.
Der erste Rocker
Ludwig van Beethoven (17.12.1770–26.3.1827)
von Angela Klein
Warum Beethoven? Der Eventkult um den ersten modernen Komponisten ist, Corona sei dank, ziemlich ins Wasser gefallen. Ohnehin hätte er mehr vernebelt, als Beethoven einem breiteren Publikum nähergebracht. Aber was ein wirklich Großer ist, der findet auch so zu Menschen von heute, und nicht nur zu einem kleinen Kreis von Spezialisten. Was ihn für uns heute „modern“ macht, dem will ich hier etwas nachgehen.
Wurzeln im Baskenland
50.Todestag des Tenors und Schauspielers Luis Mariano
von Kai Böhne
Der Belcanto-Sänger Luis Mariano (1914–1970) verzauberte seine Zeitgenossen in den 40er und 50er Jahren mit beliebten Operettenmelodien. Als er einmal gefragt wurde, ob er sich mehr als Spanier oder als Franzose sehe, erwiderte er, er fühle sich als Baske.
150 Jahre brasilianische Choro-Musik
Briefmarken zum Jubiläum
von Kai Böhne
Choro ist ein Melange aus Walzer, Polka und afrikanischen Sklavenrhythmen.
Zum 120.Geburtstag des brasilianischen Saxophonisten Pixinguinha (1897–1973) wurde der 23.April zum «Internationalen Tag der Choro-Musik» erklärt.
Politik und Poesie
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Was hat das wohl miteinander zu tun in Zeiten von Fakenews, Sachzwängen und erneuten kalten Kriegen? «Politik und Poesie» lautet das Motto der diesjährigen Ruhrfestspiele auf, die mit Theater, Tanz, Lesungen, Kabarett im Mai und Juni wieder in Recklinghausen unter neuer Leitung stattfinden werden.
15 Jahre AlstomChor
Jubiläum in Mannheim
Gespräch mit Bernd Köhler
2003 gründete sich im Kontext eines massiven Widerstands gegen Arbeitsplatzabbau der Mannheimer AlstomChor. Mit einem bewegenden Fest feierte er Ende Oktober 2018 sein 15jähriges Bestehen. Aus diesem Anlass sprachen wir mit Bernd Köhler, dem Initiator des Chors.
Ihre Majestät Aretha
Die Queen of Soul – von religiöser zu weltlicher Musik
von Kim D. Hunter*
Man kann die Aufnahmen der Lieder, die Aretha Franklin als Teenager in der Kirche gesungen hat, online finden. Sie war ein Star, wenn nicht gar die Hauptattraktion in der Kirche ihres Vaters in Detroit, wo es viele großartige Sänger gab, einschließlich ihres Vaters. Sie hat ihre Stimme so sehr weiter entwickelt, dass sie zur Musikikone wurde. Weniger bekannt ist, ist wie sie ihre Gospel-Wurzeln in ihrer unglaublichen musikalischen Karriere verwendet hat.
Daniel Viglietti (1939–2017)
Stimme der lateinamerikanischen Revolution
von hgm
Am 30.Oktober starb der uruguayische Sänger und Songschreiber Daniel Viglietti im Alter von 78 Jahren in Montevideo. Er war einer der bekanntesten Vertreter des uruguayischen und lateinamerikanischen populären und politischen Liedes. Sein Freund Eduardo Galeano nannte ihn die «wohlklingende Stimme, die die Wände erzittern lässt». Drei Tage vor seinem plötzlichen Tod war Viglietti noch bei einem Konzert zu Ehren Che Guevaras aufgetreten.
‘Don’t mourn… Organize!’
Vor 100 Jahren wurde der Gewerkschaftsaktivist Joe Hill in den USA hingerichtet
von Rod Owens*
Joe Hill war ein Organizer, Liedermacher und Karikaturist der Industrial Workers of the World (IWW), die als „Wobblies“ bezeichnet wurden. Des 100.Jahrestags seines Todes wurde im November weltweit gedacht.
Musiktipp: Solo zu viert
«Wir sind wir»
von Dieter Braeg
Lungau? Schon gehört? Das ist einer der Bezirke des Landes Salzburg, und wenn das Wetter schiach (schlecht) ist, dann scheint in der Marktgemeinde Tamsweg vielleicht noch die Sonne. Solo zu viert sind vier gestandene Musiker aus diesem so weit von Salzburg entfernten Bezirk; sie bezeichnen sich als «Liedermacherband».
Musiktipp: The Maccabees
Der Brit-Pop lebt
von Dieter Braeg
In den sattsam bekannten Internetforen, wo Musik gelobt oder in den Keller gepostet wird, entdeckte ich The Maccabees, das Londoner Quintett (benannt nach den Anführern einer jüdischen Rebellenarmee) und ihre neueste CD Marks to prove it: «The Maccabees are back. This is one of their best.» Oder: «Song superbly done, love you guys!»
Born to Sing
Van Morrison
von Paul B. Kleiser
Am 31.August feierte der aus dem nordirischen Belfast stammende Liedermacher, Sänger und Musiker George Ivan Morrison, seinen 70. Geburtstag – er war im vergangnen Juni in den Adelsstand erhoben worden. Die meisten deutschen Gazetten haben das Datum geflissentlich übersehen, und wenn sich die Feuilletonisten zu einem Artikel bequemten, dann war die Qualität meistens bescheiden.
Musiktipp: Ernst Jandl
Eile mit Feile, Hörverlag, 2015
von Dieter Braeg
Musik braucht Texte, und da wird oft eine feine Melodie zum Ärgernis. So mancher Reim – etwa «Liebe, Hiebe, Triebe»– verdirbt den Hörgenuss und es endet mit einer Intelligenzbeleidigung.
«Der Widerspruch wird plakatiert»
Walter Mossmann, 1941–2015
von Angela Klein
Überraschend vielen sagt der Name nichts. Das mag daran liegen, dass er seit den 90er Jahren nicht mehr singen konnte, ein Kehlkopfkrebs hatte ihm die Stimme weggefressen. Oder auch daran, dass die bürgerlichen Medien ihn zeit seines Lebens geschnitten haben und er sich ihren Regeln nicht unterordnen wollte. Seine Lieder gehörten der Bewegung und von ihr wurden sie weitergetragen. Aber Walter Mossmann gehörte zu den ganz großen politischen Liedermachern in Deutschland; aus meiner Sicht war er der kreativste.
Doug Seegers: Going down to the river
Lionheart Music Group/Universal
von Dieter Braeg
Die schwedische Sängerin Jill Johnson war zusammen mit einem Filmteam in Nashville unterwegs. Plan war, Eindrücke aus der Country-Welthauptstadt zu sammeln. Das Team traf auf einen älteren Mann, der in ziemlich abgenutzter Kleidung auf einer schleißigen Gitarre einen Song spielte. Alte Sünden und trotzige Hoffnung kamen da rüber zum Ohr. Der Gitarrenkoffer war geöffnet und auf einem kleinen Schild war zu lesen: «Arbeitslos, alles hilft.» Also half das schwedische Team und filmte einen Song dieses Straßenmusikers.
MoZuluArt, Township Serenade
Universal Harmonia Mundi
von Dieter Braeg
Wer denkt beim Hören der Kleinen Nachtmusik schon an Löwen in der südafrikanischen Steppe oder an die bassigen Rhythmen einer Djembe? Die Gruppe MoZuluArt gründete sich 2008 und ist seitdem Bestandteil der internationalen World-Music-Szene.
Mauthausen… vom großen Sterben hören
ESC Records
von Dieter Braeg
Verdrängen, Vergessen, Verleugnen. Vom 8.August 1938 bis zum 5.Mai 1945 gab es das KZ Mauthausen bei den gleichnamigen Granitsteinbrüchen, die der Reichsführer-SS, Heinrich Himmler, im März des Jahres 1938 besucht hatte.
Proletenpassion, 2-CD-Box mit Textbuch
BMG Ariola Austria GmbH
von Dieter Braeg
Am 15.Mai 1976 wurde im Schlachthof St.Marx im Rahmen der Wiener Festwochen die Proletenpassion uraufgeführt. Wenig später wurde dieser Ort besetzt und es entstand die «Arena». Dabei war sich die Gruppe namens «Schmetterlinge» bei der Entstehung gar nicht einig, was den Begriff «Passion» betraf, obgleich das Projekt in der Geschichte des Austropop schon des Umfangs wegen – 65 Songs auf drei Vinyl-LPs – ausgesprochen anspruchsvoll war.
Werner Scholem, eine Biografie
Mirjam Zadoff: Der rote Hiob. Das Leben des Werner Scholem. München: Hanser, 2014. 382 S., 24,99 Euro
von Hermann Dworczak
Wer den Namen Scholem hört, denkt unwillkürlich an den jüdischen Religionswissenschaftler Gershom Scholem, den Freund und Briefpartner von Walter Benjamin. Aber es gibt noch einen anderen Scholem, den Bruder Werner – revolutionärer Marxist, Kritiker Stalins und im KZ Buchenwald ermordet.
Keith Jarrett, The Köln Concert
Keith Jarrett, Charlie Haden, Paul Motian, Hamburg‚ 72 (ECM/Universal)
von Dieter Braeg
24.Januar 1975. An diesem Tag gab es in der Kölner Oper ein Improvisationskonzert – und immer noch, mehr als 40 Jahre später, ist das, was da geboten wurde, wenn man Jazz mag, eine immerwährende Freude fürs Ohr.
«Zum nidaknian»
Molden, Resetarits, Soyka, Wirth: Ho RUGG, monkey music
von Dieter Braeg
Musik-Hörerinnen und -Hörer, heute möchte ich ein Lobschreiblied musikkolumnieren – gewidmet dem Ernst Molden, dem ich in seiner geliebten Mundart, dem Weanerischen, die Überschrift «Zum Niederknien» widme, für seine feine Kunst, die sich in Text und Melodie ausdrückt.
Annie Lennox: Nostalgia
Island, Universal Music
von Dieter Braeg
Wer in der Musikgeschichtssuppe herumrührt und so wie ich, seit Jahrzehnten gute Musik ebenso wie gute Bücher im Leben braucht, wird auf Annie Lennox stoßen. In den 80er Jahren bildete sie zusammen mit Dave Stewart die Band Eurythmics, mit einigen Welthits – «Sweet Dreams», «When tomorrow comes» und «Thorn on my Side» – war sie sehr erfolgreich
Robert Wyatt: Different Every Time
Doppel-CD, Domino Records
von Dieter Braeg
1973 stürzt der 1945 in Bristol geborene Jazzdrummer Robert Wyatt nach reichlichem Alkoholgenuss aus einem Fenster im vierten Stock und sitzt seitdem im Rollstuhl.
Marianne Faithfull
Give my love to London (Naive/Lotus Records)
von Dieter Braeg
Marianne Faithfull hat in ihrem Leben viele wichtige Leute, die ihr halfen und helfen, wo sie nur konnten, so gut sie konnten. Mick und Keith, die beiden Rolling Stoners, schrieben ihr einen Nummer-1-Hit. Dann waren es Wirte und Drogendealer, die ihr alles das besorgten, was sie fürs Leben, oder auch nicht, haben wollte.
Jura Soyfer: Lieder von der Erde und von den Menschen
Gesungen und gestaltet von Maren Rahmen & Rudi Görnet
von Dieter Braeg
Die Zeit bräuchte heute, Tag für Tag, politische Lyrik und genau der begegnet man nicht mehr in dieser Medienwelt, die nur noch Inhalte verbreitet, die die politische Bewusstlosigkeit der Bevölkerung bewahren oder sogar noch vertiefen. Neben den bekannten «Verdächtigen» ist da Bernd Köhler zu erwähnen, der mit seinen Liedern dem kritischen Bewusstsein auf die Sprünge hilft.
Sixto Rodríguez
Das Gültige vergeht nicht
von Dieter Braeg
Sixto Rodríguez marschierte wieder jeden Tag auf die Baustelle in Detroit, wo er immer schon schuftete. Er zog drei Töchter auf. Die Musik blieb ihm. Privat. Aus seinem Haus fand sie nicht mehr hinaus.
Gegenstimmen
Lieder von unerträglichen Zuständen
von Dieter Braeg
Wo man singt, da lass dich nieder», so beginnt eines der Sprichwörter, das jenen, die singen, nichts Böses zutraut. So viele Chöre singen der heilen Welt ihr Lied oder loben Gott in der Höhe oder sonst wo auch immer. Miteinander im Chor singen hat Tradition und findet meistens in Kirchen statt, oder es werden jene Tugenden per Chor besungen, die keine sind. Bei den «Gegenstimmen», einem Chor von 50 Männern und Frauen, der sich in Wien im Jahre 1989 gründete, ist das anders.
Fred Hersch: Alive at the Vanguard
von Dieter Braeg
Wer beginnt schon im Alter von vier Jahren mit dem Klavierspiel? Nein, hier geht es nicht um jenen Wolferl, von dem Salzburg bis heute «lebt», ohne Tantiemen zu zahlen. An wen auch. Hier geht es um Fred Hersch. Hersch war geschätzter Begleitmusiker bei Stan Getz, Jane Ira Bloom, Joe Henderson, Art Farmer, Garry Burton und Charlie Haden.
Ton Stein Scherben
Nach 25 Jahren wieder auf Tour
von Dieter Braeg
Am 1.April, da rechnet man ja mit den üblichen Scherzen, ich radle in Salzburg den Salzachfahrradweg in die Stadt und sehe da plötzlich ein Plakat mit der Ankündigung, dass am 12.April die Band Ton, Steine Scherben in Salzburg aufspielen wird. In Salzburg? In der Mozartkugelfestspielgesinnungsstadt?
L.Mozarts Violine (Paladino Musik)
Maria Bader-Kubizek u.a., CD für etwa 18 Euro
von Dieter Braeg
Der Vater von Amadeus Mozart, Leopold Mozart (1719–1787), war zunächst in Salzburg Kammerdiener, und weil damals Bildung auch wichtig war, trat er 1743 als vierter Violinist in die erzbischöfliche Hofkapelle ein. Später diente er sich hoch und war Hofkompositeur und stellvertretender Kapellmeister.
Sparifankal: Bayern-Rock
von Dieter Braeg
Ton Steine Scherben? Na gut, geht so. Aber der Carl Ludwig Reichert (Gesang, Gitarre, Posthorn) dazu Florian Laber (Bass, Gesang), Günther Sonderwald (Schlagzeug, Triangel), Tillmann Obermaier (Gesang, Dulcimer, Gitarre, Sulna) und Jan Dosch (Bass, Gitarre, Okarina, Gesang) haben im Feburar 1976 als Sparifankal bei Konzerten im Theater K. und im Jugendhaus «Picnic» in Erding eine Riesenplatte aufgenommen!
Pete Seeger (1919–2014)
Der Mann mit dem kleinen «c»
von Alexander Billet
Pete Seeger, der große Sänger der amerikanischen Folkmusik, starb am 27.Januar in New York im Alter von 94 Jahren.
Pete Seegers Leben und Werk haben eine eigenartige Symmetrie. Obwohl er fast ein Jahrhundert lang lebte, blieb für ihn bis zuletzt die Zeit stehen. Er war aber kein Relikt, sondern erinnerte daran, dass in der amerikanischen Kultur trotz aller Mainstreamelemente stets ein organischer sozialistischer Strang lebendig geblieben ist.
Bruce Springsteen: High hopes
Columbia Records, 2014
von Dieter Braeg
In Zeit-online wird die neueste CD von Bruce Springsteen, High hopes, von Jan Kühnemund nicht gerade in den siebten Musikhimmel gelobt: «Wann nimmt dieses Genöle denn ein Ende?» Es ist Springsteens 18.Studioalbum. Ja, es gab Alben, die Springsteen als kritischen Rock-/Popmusiker Geist und Ohr näher bringen: Born to run, Darkness on the edge of town oder Nebraska, und ich erinnere mich gerne an die kämpferische Brüllvorlage Born in the USA.
High hopes allerdings, das ist kein Aufwecker wie das 2012 erschienene Album Wrecking ball, das ich High hopes vorziehe.
War Richard Wagner ein Antisemit?
oder: Wenn der Sack geschlagen und der Esel gemeint wird
von Paul B. Kleiser
Richard Wagner, dessen 200.Geburtstag in diesem Jahr gefeiert wird, war bekanntlich der Lieblingskomponist von Hitler. Bis 1939 pilgerte dieser jedes Jahr auf den Grünen Hügel nach Bayreuth, um dort von den Wagnerianern, allen voran Winifred Wagner, empfangen zu werden. Noch in ihren späten Jahren, so in einem Film von H.-J.Syberberg, bekannte sich Winifred ziemlich offen zu ihrer Nazi-«Vergangenheit». Doch macht die Verbindung von Drittem Reich und Wagner sein Werk für alle Zeit ungenießbar, wie immer wieder behauptet wird.
Bernd Köhler: Keine Wahl
Lieder, Gesänge und Balladen aus Arbeiterkämpfen (1971–2013)
JumpUp, 15 Euro
von Dieter Braeg
Das Lied gegen das Herrschende, das gibt es schon lange. Der Musikwissenschaftler Otto Brusatti stellt in seinem feinen Text «Vermutungen um Walther (von der Voegelweide), den Liedermacher» unter anderem fest: «Er agierte auch als Liedermacher für/gegen Kreuzzüge.» Also, der «Vater» der Liedermacherei, er hat wohl nicht nur saftigste Minnelieder geträllert, er hat auch zur Politik die Stimmbänder strapaziert.
Zum 50.Todestag von Hanns Eisler
„…der Karl Marx des Kommunismus auf musikalischem Gebiet…“
von Peter Fisch
„Viele versuchten umsonst, das Freudigste freudig zu sagen,/
Hier spricht endlich es mir, hier in der Trauer sich aus.“
Am 26.März 1948 endete das fast achtjährige Exil Hanns Eislers in den USA, keineswegs freiwillig, sondern erzwungen. Er wurde politisch verfolgt und des Landes verwiesen: ein Opfer der antikommunistischen Hysterie in den USA im beginnenden Kalten Krieg.
Hanns Eisler im Gespräch mit John Lennon
«Da, wo das Neue so seltsam riecht…»
Im Januar 1962 sind die Beatles in London für Probeaufnahmen bei der Decca. John Lennon erfährt aus dem Radio, dass die «Deutsche Sinfonie» eines gewissen Hanns Eisler, «Komponist der Arbeiterklasse», in den Studios der BBC einstudiert und übertragen wird. Hätte es da nicht sein können, dass sich die zwei getroffen haben und miteinander ins Gespräch gekommen sind? THOMAS FREITAG versucht – täuschend echt –, ein solches Gespräch in zwei Teilen zu konstruieren.*
Kai Degenhardt
Näher als sie scheinen. Plattenbau, 13 Euro
von Peter Nowak
«Auch meine fünfte Platte ist selbstverständlich wieder ein politisches Liedermacher-Album – was sonst? Allerdings nicht in dem Sinne, dass ich zur Klampfe singend tagespolitische Themen erörtere», schreibt der Hamburger Liedermacher Kai Degenhardt auf den Waschzettel zu seiner kürzlich veröffentlichten CD Näher als sie scheinen.
Biermann ist tot – Degenhardt lebt
Zum Tode des Liedermachers Franz-Josef Degenhardt
von Bernd Köhler, Liedermacher und Grafiker
Zwei Geburtstage von Liedermachern, die die späten Nachkriegsdeutschlands entscheidend mitgeprägt haben, standen im November 2011 an. Wolf Biermann wurde 75 und Franz-Josef Degenhardt starb nach langer schwerer Krankheit kurz vor seinem 80.
Am Vorabend seines Todes hatte Biermann seinen Sangesbruder auf WDR5 noch «als schlechten Gitarrespieler, minder begabten Lyriker und überhaupt als abschäumenden Dreckskerl» abgekanzelt.
«Le Temps des Cerises» oder: Mein Opa war Weber und Tenor
Die Chansonsängerin Blandine Bonjour
Blandine Bonjour und Bernd Köhler veredelten am 8.Oktober 2011 die 25-Jahr-Feier der SoZ mit Liedern von der Pariser Kommune und anlässlich des 140.Jahrestags der blutigen Niederschlagung der Kommune. Besonders Blandine berührte das Publikum, wenn sie über den Hintergrund und die Geschichte der einzelnen Lieder sprach. Inspiriert von den «Chansons sans cigare» die sie uns präsentierten, wollten wir Blandine die Gelegenheit geben, uns mehr von ihr zu erzählen.
El Cimarrón
Zum 85.Geburtstag von Hans Werner Henze
Zu Ehren des 85-jährigen Hans Werner Henze veranstaltete die Werkstatt des Berliner Schillertheaters zu Beginn dieses Jahres einen Zyklus von Aufführungen seiner Komposition «El Cimarrón». Das Stück gilt als eindrucksvolles Beispiel für eine zeitgenössische Weiterentwicklung politisch engagierter Musik und wird seit Jahrzehnten immer wieder neu arrangiert.
Fasten-Jazz am Goldnen Horn
Das Festival Ramazanda Caz (14.–31.8.)
von Lothar A.Heinrich
Die vorherrschende Vorstellung hierzulande von türkischer Kultur, insbesondere von Musik, beschränkt sich auf Folklore mit Saz, Zurna und Davul, Bauchtanz, Arabesk Müzik und etwas Türk Pop. Grund dafür ist neben dem Desinteresse der hiesigen Massen der überwiegend ländliche soziale Hintergrund der hier lebenden türkischen «Gastarbeiter».
Echo-Preis erstmalig an Jazz-Musiker verliehen
Jazzpreise, Lounge und Rassismus
von Lothar A. Heinrich
Am 5.Mai wurde in der Jahrhunderthalle in Bochum der Echo von der Deutschen Phonoakademie und dem Kulturinstitut des Bundesverbands der Musikindustrie e.V. verliehen – und zwar erstmalig für den Bereich Jazz. Wer erhielt für was einen Preis? Und welche Botschaft sollte insbesondere die vom Fernsehen übertragene Show in Bochum aussenden?
Balkanbeats
A Night in Berlin
Piranharecords Berlin, 2009
von Heiko Bolldorf
DJ Robert Soko verließ 1990 Bosnien-Herzegowina und landete in Berlin. Als sein Heimatland in einem grausamen Bürgerkrieg versank und Flüchtlinge nach Berlin kamen, begann er in der Kreuzberger Punkrockbar «Arcanoa» jugoslawischen Punkrock und Ska für die Flüchtlinge aufzulegen,