Antifeminismus und Staatsgewalt
Wer Rechts hat braucht kein Recht mehr
von Marina Hoffmann
Die kritischen Einführungswochen (KEW) sind ein Instrument des Allgemeinen Studierendenausschusses an den Universitäten, um das Semester mit verschiedenen kritischen Veranstaltungen zu beginnen. In diesem Jahr fanden die KEW zum zweiten Mal in Köln statt.
Epstein
Fragen einer hilflosen Generation
von Marina Hoffmann
Triggerwarnung: Dieser Text handelt von harten Themen und Emotionen, reproduziert aber keine explizite Gewalt.
Als ich vor einigen Wochen bei der Tagesschau auf Instagram über die brandneuen Enthüllungen der Epstein-Files las und auf dem letzten Slide nur Prinz Andrew sah, schockierte mich das. Die Auszüge der Files, die jemand in seiner Story teilte und die ich mir natürlich durchgelesen habe, haben gereicht. Mein bisheriges Weltbild ist zerbrochen. Ich verstehe die Tragweite.
Frauenstreik, Generalstreik, Globalstreik
Mehrere Initiativen bereiten für den 9.März Aktionen vor
Gespräch mit Jen Follmann
Frau könnte meinen, dass wir vor dem ersten Instagram-Aufstand aus Deutschland stehen. In anderen Ländern sind ebenfalls Aufstände über die sog. sozialen Medien entstanden und groß geworden, aber auch wieder abgetaucht. In Deutschland melden sich die Frauen zu Wort mit den hier beispielhaft genannten Instagram-Accounts »Töchter Kollektiv«, »Enough«, »Ohne uns steht alles still« »HunderttausendMütter«.
Island: Der Tag an dem alles still stand
›An fast keinem Arbeitsplatz war eine Frau zu sehen‹
von Gisela Notz
Zum »Internationalen Jahr der Frau« (IWY), das die UNO für das Jahr 1975 ausgerufen hat, fanden unter dem Motto »Gleichheit, Entwicklung, Frieden« in vielen Ländern der Erde Veranstaltungen statt. Große Kongresse wurden in Mexiko-Stadt und in Berlin, der damaligen Hauptstadt der DDR, veranstaltet. Auch in Bonn, der Hauptstadt der BRD, wurde gefeiert. Kaum jemand spricht heute noch davon.
Klimakrise, Männlichkeit und der neue Autoritarismus
›Das autoritäre Begehren begreifen‹
Interview mit Cara Daggett
Cara New Dagett ist US-amerikanische Politikwissenschaftlerin. Das Interview führten Karin Zennig und Christian Sälzer für den Rundbrief 2/25 von medico international, in dem die längere Originalversion zu lesen ist.
Drei slowakische Antifaschistinnen
Sonderbriefmarke: Frauen in der Widerstandsbewegung
von Kai Böhne
Anfang Mai 2025 meldete Radio Slovakia International*, die slowakische Post habe eine Sonderbriefmarke zum Thema »Frauen in der antifaschistischen Widerstandsbewegung« herausgegeben. Auf dem 2,70-Euro-Wert seien Porträts von Chaviva Reickova (1914–1944), Dalma Spitzerova, geb. Holanova (1925–2021) und Marina Paulinyova (1897–1945) im Profil abgebildet.
Vor 50 Jahren: Das Internationale Jahr der Frau 1975
›Wir sind die Mehrheit, aber wir haben sie nicht‹
von Gisela Notz
Auf der 29. Generalversammlung der Vereinten Nationen (UNO) 1972 wurde für 1975 ein Jahr der Frau beschlossen. Es sollte unter dem Motto »Gleichheit, Entwicklung, Frieden« stehen. Ausgangspunkt war die unbefriedigende Lage von Frauen in allen Ländern der Welt und die Bedrohung des Weltfriedens. Die Neue Frauenbewegung setzte eigene Akzente.
Power Sharing und kollektive Transformation
Gemeinsamkeit stärkt: eine Tagung zu intersektionaler Demokratie
von Nele Johannsen
Angesichts erstarkender rechter Kräfte und der zunehmenden Spaltung der Gesellschaft setzte die Tagung »Intersektionale Demokratie« am 17.Mai in Köln ein Zeichen für eine solidarische, gerechte und vielfältige Gesellschaft. Der Begriff »Intersektionalität« beschreibt, wie verschiedene Formen der Diskriminierung (etwa Rassismus, Sexismus oder Klassismus) nicht isoliert auftreten, sondern oft gemeinsam wirken.
Rechte Narrative
Feminist:innen sind schuld an Masseneinwanderung
von Marina Hoffmann
»Schon gewusst? Feminismus macht (Frauen) ehe- und kinderlos. Gleichberechtigung ist längst erreicht und queere Lebensformen sind widernatürlich!?« Mit diesen Worten wurden Besucher:innen der Ausstellung »Antifeminismus – eine politische Agenda« auf der ersten Tafel im Keller des NS-Dokumentationszentrums Köln begrüßt. Bis Februar führte die Ausstellung durch die fünf Themenbereiche Frauen in der Politik , Artikel 218 Schwangerschaftsabbruch, Queere Lebensweisen, extreme Rechte und Gewalt gegen Flinta* mit der deutschen Perspektive in das Thema ein.
Wokeness
Moralisierung der Kultur oder Mittel im Kampf gegen Diskriminierung?
von Marina Hoffmann
Wokeness steht im Englischen für Aufmerksamkeit und Wachsamkeit. Es ist ein Wort, dass wie kaum ein anderes in den letzten Jahren immer wieder Gegenstand von Meinungsverschiedenheiten war.
Marija Gimbutas (1921–1994)
Woher das Patriarchat kommt
von Angela Klein
Generationen von Anthropologen, Archäologen, Ethnologinnen und Feministinnen haben versucht herauszufinden, ob es in der Vorgeschichte der Menschheit Beweise für die Existenz nichtpatriarchalischer und egalitärer Gesellschaften gegeben hat. Ein solcher Nachweis ist für die Glaubwürdigkeit der marxistischen Gesellschaftskritik von herausragender Bedeutung. Würde er doch bekräftigen, dass Klassengesellschaft und Patriarchat – beides hängt eng zusammen – etwas geschichtlich Gewordenes und nicht etwas dem Menschen wesenhaft Anheftendes sind; und da sie menschengemacht sind, können sie auch wieder abgeschafft werden.
›Abtreibung legalisieren – jetzt‹
Zur aktuellen Kampagne für eine ersatzlose Streichung des §218 StGB
von Brigitte Kiechle
Weltweit fordern Frauen für sich das Recht selbst zu entscheiden, ob sie Kinder wollen, wann sie Kinder wollen und wie viele sie wollen. Unabhängig davon, wie sie sich entscheiden, ist diese Entscheidung zu respektieren. Es ist eine grundlegende Lebensentscheidung und von vielen gesellschaftlichen und persönlichen Voraussetzungen abhängig. Wirkliche Entscheidungsfreiheit für oder gegen Mutterschaft setzt allerdings auch soziale Sicherheit und eine Gesellschaft ohne patriarchale und soziale Unterdrückung voraus.

Vor 40 Jahren: Der Streik der britischen Bergleute
Frauen waren das Rückgrat eines historischen Arbeitskampfes
von Ayse Tekin
Vor 40 Jahren, vom 10. bis 20.Oktober 1984, besuchten Frauen der streikenden Bergleute aus England, Kay Sutcliffe und Marie Collins, Deutschland, um hier für Solidarität mit einem spektakulären Arbeitskampf zu werben. Auf zahlreichen Veranstaltungen wurde Geld gesammelt. In Köln bildete sich eine Unterstützergruppe für die Zeche Snowdown, die von dem Arbeitskreis »Frau und Arbeit« getragen wurde. Die Gruppe sammelte Geld und Geschenke, eine Delegation aus fünf Frauen brachte sie persönlich zur Weihnachtszeit nach Aylesham/Kent.
›Frau, Leben, Freiheit‹
Die Widerstandskraft der Frauen im Iran ist inspirierend
von Kanun Kassel
Am 16.September jährte sich zum zweiten Mal der Polizeimord an der jungen Kurdin Mahsa Amini.
Der Tod von Mahsa Amini in Teheran, verursacht durch die Brutalität der Sittenpolizei, wurde zum Symbol einer Revolution, die von Frauen angeführt und von Männern unterstützt wird. Der zweite Jahrestag dieser Revolution verdeutlicht den unermüdlichen Kampf gegen das Regime der Islamischen Republik.
Alice Milliat
Der Kampf der Frauen für Gleichberechtigung im Sport bei den Olympischen Spielen
von Kai Böhne
Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen waren, ebenso wie in der Antike, reine Männersache. Das im Juni 1894 gegründete Internationale Olympische Komitee (IOC) legte wenig Wert auf Frauensport, er galt zu Beginn des 20.Jahrhunderts als unschicklich. Das änderte sich auch in den Folgejahren nur in sehr kleinen Schritten: 1900 durften Frauen bei den Olympischen Spielen im Tennis und Golf starten, vier Jahre später auch im Bogenschießen, 1908 im Eiskunstlauf und 1912 feierten sie ihr Debüt im Schwimmen.
Maria Mies (1931–2023)
Für globalen Frieden, Ökologie und soziale Gleichheit
von Kai Böhne
«Du brauchst nur aufzuheben, was dir vor die Füße fällt«, erzählte Maria Mies der Taz-Autorin Elisabeth Meyer-Renschhausen, während sie auf einem Spaziergang gesammeltes Fallobst schälte und klein schnitt, um es zu Kompott zu verarbeiten. Meyer-Renschhausen hatte die Soziologin im Oktober 2018 für ein Porträt in einem Kölner Altenheim besucht.
Vor 100 Jahren: Rebel Girl auf Rädern
Alfonsina Strada, die einzige Starterin beim Giro d’Italia der Männer
von Kai Böhne
Neben der Tour de France und der Vuelta a España gehört der Giro d’Italia weltweit zu den bedeutendsten Länderrundfahrten des Straßenradsports. Seit 1909 wird der Giro alljährlich im Mai ausgetragen. Die wechselnde Streckenführung führt durch Italien und das angrenzende Ausland. Bis in die 60er Jahre startete das Rennen in Mailand, dem Hauptsitz der Tageszeitung Gazzetta dello Sport, die den Wettstreit als Werbeaktion initiiert hatte.
Rund acht Jahrzehnte hindurch war der Giro eine reine Männerdomäne. Frauen waren ausgeschlossen.
›Frauen und Minderheiten gelten in der Wirtschaftskrise als Feindbilder‹
Der neue Präsident Argentiniens erntet Widerstand
Gespräch mit Julia Irupé Arndt

Julia Irupé Arndt ist Deutsch-Argentinierin und in Deutschland aufgewachsen. Sie studiert Wirtschaft und Mathematik in Argentinien und ist dort auch politisch, auch feministisch aktiv. Sie gehört der Gruppe Buenos Aires Tres D an, die sich um Stadtpolitik, Demokratie und Menschenrechter, Entwicklung und Umwelt kümmert.
Mit Julia Irupé Arndt sprach Angela Klein
Crimmitschau: ›Eine Stunde fürs Leben!‹
Vor 120 Jahren streikten im roten Sachsen die Textilarbeiterinnen
von Gisela Notz
Die Stadt Crimmitschau war im 19.Jahrhundert ein Zentrum der aufstrebenden Textilindustrie. Sie spielte schon früh eine Rolle in der deutschen Arbeiterbewegung. Bereits 1860 wurde hier ein Arbeiterbildungsverein gegründet, in dem die Weber:innen Unterricht im Rechnen und Schreiben, in Sprachen und Buchführung erhalten konnten.
Glück und Wohlstand für viele
Radikale Alternativen zum Patriarchat
von Gerhard Klas
Kristen R. Ghodsee: Utopien für den Alltag. Eine kurze Geschichte radikaler Alternativen zum Patriarchat. Berlin: Suhrkamp, 2024. 430 S., 28 Euro
Femizide verhindern
Rote Bänke gegen Gewalt an Frauen
von Kai Böhne
Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden 2022 weltweit annähernd 89000 Frauen und Mädchen vorsätzlich getötet. Dies ist der höchste Wert der letzten zwei Jahrzehnte. Obwohl die Gesamtzahl der Tötungsdelikte zurückging, nahm die Zahl der Morde an Frauen zu.
Ingrid Strobl (1952–2024)
Eine linke Feministin in Wort und Tat
von Peter Nowak
Ältere Semester können sich vielleicht noch an den großen Westberliner Studierendenstreik in den Jahren 1988/89 erinnern. Neben dem Lateinamerikainstitut war auch das nach Otto Suhr benannte Institut für Politikwissenschaften an der FU (OSI) eines der Zentren des Streiks vor mehr als 35 Jahren. Doch an einem Teil der Institutsgebäude prangte über Nacht ein neues Kürzel: ISI statt OSI.
Viertagewoche oder Vierstundentag?
Was ist besser, besonders für Frauen?
von Ayse Tekin
Alle sind für die Viertagewoche – fast alle! So viel Zustimmung hat ein Vorschlag der Gewerkschaften bisher kaum gefunden.
Jede liest die Sache natürlich anders: Die positiven Erwartungen reichen von der Entlastung der Umwelt durch weniger Fahrten zur Arbeitsstelle und damit weniger CO2-Ausstoß bis zum Motivationsschwung der Beschäftigten, der die Produktivität und im Endeffekt Profitabilität der Unternehmen erhöht. Auch sog. Frauenzeitschriften begrüßen die Idee, weil sie den Frauen zugute komme, die dadurch Beruf und Familie besser unter einen Hut kriegen.
Feminismus
Stefanie Lohaus: Stärker als Wut. Berlin: Suhrkamp, 2023. 271 S., 20 Euro
von Liv Kühnel
Stefanie Lohaus, Gründerin des (queer)feministischen Missy Magazine, beschreibt mit ihrem neuen Buch Stärker als Wut die Geschichte des Feminismus der letzten fünf Jahrzehnte aus deutscher Perspektive. Dabei legt sie nicht nur die Geschichte dar, sondern ergänzt diese mit eignen Erfahrungen.
Je prekärer die soziale Lage, desto freier dürfen wir uns ›lesen‹
Identitätspolitik spaltet und verdunkelt gemeinsame Klasseninteressen
von Gerhard Hanloser
Identität & Politik. Kritisches zu linken Positionierungen. Hrsg. Gerhard Hanloser. Mit Texten u.a. von Anne Seek, Christoph Jünke, Bernhard Schmid, Karin Wetterau, Ilse Bindseil, Moshe Zuckermann. Wien: Mandelbaum, 2022. 266 S., 22 Euro
USA
Die Rechte attackiert geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung
von Ezra Roth
In den USA eskaliert der Kulturkampf von rechts. Trans Menschen und andere queere und marginalisierte Personen werden für politische Zwecke instrumentalisiert. Politiker:innen, besonders aus der Republikanischen Partei, nutzen trans Menschen als Schachfiguren, denn mit »antiwoken Narrativen« lassen sich Stimmen von Wähler:innen gewinnen – und das Feindbild lenkt ab von wichtigen Debatten wie der Klimakrise oder der sozialen Gerechtigkeit.
Trans Frauen sind Frauen … außer es ist Krieg
Der Entwurf zum neuen Selbstbestimmungsgesetz enttäuscht auf ganzer Linie
von Liv Kühnel
Das Transsexuellengesetz (TSG) ist bald Geschichte. Bisher müssen trans und nichtbinäre Personen für eine Änderung des Geschlechtseintrags noch zwei teure und diskriminierende Gutachten über sich ergehen lassen. Dieser Prozess soll mit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz vereinfacht werden.
Schweiz
Das war der feministische Streik 2023
von BFS Zürich
Am 14.Juni 2023 haben in der Schweiz nach 1991 und 2019 erneut hunderttausende FINTA am feministischen Streik teilgenommen. Alleine in Zürich nahmen am Abend über 120000 an der Streikdemo teil. Die feministische Bewegung in der Schweiz meldete sich nach den Pandemiejahren eindrücklich zurück. Anbei ein Bericht aus Zürich.
Maria Mies (1931–2023)
Von der Eifler Bauerntochter zur Professorin – eine beispiellose Karriere
von Irene Franken, Januar 2021
Maria Mies entwickelte Grundlagendiskurse zur Frauenforschung und beschäftigte sich besonders mit den Arbeitsbedingungen der Frauen des Südens. Sie war eine der bekanntesten und international am besten vernetzten Kritikerinnen der Globalisierung.
Formen gesellschaftlicher Arbeit und Klassenpolitik (III – Hausarbeit)
Unsichtbare Hände
von Ingo Schmidt
Kochen und backen, schneidern und flicken, putzen und waschen, auf Kinder aufpassen, um Kranke und Alte kümmern – Arbeiten, die seit Tausenden von Jahren zur Reproduktion menschlichen Lebens beitrugen, aber erst mit der Entwicklung des Kapitalismus zu Hausarbeit wurden – als unbezahlter Gegenpol zur Lohnarbeit. Bewegungen der Lohnarbeiter gegen die kapitalistische Ausbeutung reichen bis ins frühe 19.Jahrhundert zurück.
Iran: Jin, Jiyan, Azadî – Frau, Leben, Freiheit
Die Charta der Mindestforderungen der unabhängigen, gewerkschaftlichen und zivilgesellschaftlichen Organisationen im Irandokumentiert
Alle unterzeichneten Organisationen dieser Charta kämpfen im Iran seit vielen Jahren für die Rechte der Lohnabhängigen, für die Menschen- und Bürgerrechte, für die Gleichberechtigung der Frauen und gegen jegliche Form der Unterdrückung.Vermutlich zum ersten Mal seit der iranischen Revolution 1979 wagen sich unabhängige gewerkschaftliche Organisationen über ihre unmittelbaren ökonomischen und betriebsbedingten Forderungen hinaus und stellen zusammen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen politische Forderungen auf.Die Unterzeichneten grenzen sich von der rechten Opposition und restaurativ-monarchistischen Kräften ab, die unter konstitutionalistisch-liberalen Parolen und mit säkularer Rhetorik die alte Pahlavi-Dynastie (das Schah-Regime) wieder herstellen wollen. Drittens erteilt die Charta autoritären Politikformen von oben wie auch stellvertretenden Politikformen durch Parteien eine Absage. Sie plädiert stattdessen für eine selbstbestimmte, diverse und dezentrale Politik von unten und vertritt somit eine basisdemokratische Perspektive.
Das BAG zur Lohngleichheit von Männern und Frauen
Ein Totschlagargument weniger
von Leni Klaass
Das Recht der Frauen auf einen fairen Lohn ist ein wenig mehr gestärkt: Das Bundesarbeitsgericht (BAG) hat entschieden, dass ein »besseres Verhandlungsgeschick« kein Kriterium dafür sein kann, dass eine Frau weniger verdient als ein Mann in derselben Position. Ist das der Meilenstein, auf den Frauen gewartet haben?
Schlaglichter auf den Internationalen Frauentag
Gleiche Rechte, Anerkennung und Selbstbestimmung
dokumentiert
»Gleiche Rechte« und »Selbstbestimmung« hieß es am 8.März in vielen deutschen Städten. Ver.di hatte an diesem Tag die Beschäftigten im Sozial- und Erziehungsdienst zum Streik aufgerufen, 70000 sollen dem Folge geleistet haben. Parallel dazu mobilisierten unabhängige Frauengruppen zu eigenen Kundgebungen.
Platz der Heinze-Frauen
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Passenderweise am 8.März, dem Internationalen Frauentag, wurde in Gelsenkirchen ein neuer Platz benannt: »Platz der Heinze-Frauen«.
Endlich hat damit ein alter Kampf von Frauen aus den 1970er Jahren um gleichen Lohn für gleiche Arbeit eine erneute öffentliche Aufmerksamkeit gefunden und eine dauernde Stelle zur Erinnerung.
Frauen in Russland: ›Für die meisten ist Politik tabu‹
Feministinnen aber fordern von der Regierung ein Gesetz gegen häusliche Gewalt
Gespräch mit Walerija Kowalischina
Walerija Kowalischina ist 40 Jahre alt und stammt aus Donezk. Sie zog in den 2000er Jahren nach Russland, weil in der Ukraine keine Arbeit zu bekommen war. Sie lebte dann 20 Jahre in Russland, bevor sie in diesem Herbst mit einem humanitären Visum nach Deutschland kam.
Sie ist ein führendes Mitglied der Russischen Sozialistischen Bewegung (RSD).
Von revolutionärer zu liberaler Moral">Von revolutionärer zu liberaler Moral
„Drei zu Eins“ als Gründungspapier liberaler Identitätspolitik
von Torsten Bewernitz
„Drei zu eins“ war der erste längere politische Text, den ich überhaupt je gelesen habe. Ich hatte gerade angefangen zu studieren, mich einer linken Hochschulliste angeschlossen und wir haben ein gemeinsames Theoriewochenende veranstaltet.
Liberaler Antirassismus
Gemeinsam Kämpfen heißt, die Auseinandersetzung untereinander aufrecht erhalten
von Imma Harms
Ein Beitrag zur Kontroverse zwischen Christian Frings‘ Vorwort zum Buch „Diversität der Ausbeutung“, nachgedruckt in der Sozonline 10/22 und Klaus Viehmanns Widerspruch dazu.
Der zermürbende Kampf ums Recht
Recht haben und Recht bekommen ist zweierlei – Erfahrungen einer alleinerziehenden Mutter
von Jenny Schirmer
Als ich 2020 für Die Linke kandidierte und mir die beeindruckenden Bewerbungen und Lebensläufe der anderen Kandidaten durchgelesen hatte, dachte ich im ersten Moment, wow, damit kann ich nicht mithalten. Dann kam ich auf die Idee, einfach einen Teil meiner Lebensgeschichte zu erzählen und aufzuschreiben. Sie illustriert, wie einen das Leben in Hartz IV mürbe macht.
Christopher Street Day – ein queeres Volksfest
Ein anderer CSD ist möglich
von Ravi T. Kühnel
Frankfurt, Christopher Street Day. Ein Umzug mit geschmückten Wägen diverser Firmen, Organisationen, Parteien. Von der lokalen Feuerwehr über Blackrock bis hin zur Union ist alles dabei. Kaum ein Wagen hat wirklich Bezug zu queeren Menschen. Sie arbeiten sogar teils gegen diese und deren Rechte. Sie sind hier, um sich und ihre angebliche Vielfalt zu präsentieren. Der Zug endet auf einem Platz, große Bühne, ringsherum überteuerte Fress- und Saufbuden. Die Gäste? Männergruppen, die sexistische Lieder grölen, Altersdurchschnitt 30 plus. Das ist kein CSD, das ist ein queeres Volksfest.
Iran: ›Frauen, Leben, Freiheit!‹
Der Schleier ist das Symbol für Unterdrückung überhaupt
dokumentiert*
Mahsa Amini, eine 22jährige Iranerin aus Iranisch-Kurdistan, war mit ihrer Familie auf Verwandtenbesuch nach Teheran, als sie von der Sittenpolizei aufgegriffen wurde. Sie trug den vorgeschriebenen Hijab (Schleier, Kopftuch) nicht, wie das Gesetz es verlangt. Sie wurde verhaftet und geschlagen, Tage später starb sie in einem Krankenhaus in Teheran an ihren Verletzungen. Ihr Tod hat eine enorme Protestwelle ausgelöst, die durch alle sozialen Schichten, alle Ethnien geht und alle Regionen des Landes erfasst.
›Ich habe kein Recht, einen künstlerischen Ansatz zu wählen‹
Die Schriftstellerin Annie Ernaux hat eine neue Sprache erfunden, um über
das Leben und die Wünsche von Frauen zu schreiben
von Jess Cotton
Im Oktober erhielt Annie Ernaux den Nobelpreis für Literatur für ihren Mut, das kollektive Gedächtnis Frankreichs zu hinterfragen. Ihr Werk befasst sich mit dem Leben von Frauen aus der Arbeiterklasse, das sie in ihren Büchern mit ungewöhnlicher Würde und mit Respekt behandelt.
›Solche Menschen sollten kastriert werden‹
Queere Menschen in Deutschland sind kaum mehr sicher
von Ravi T. Kühnel
Der Tod von Malte C. nach einem Angriff auf dem Christopher Street Day in Münster. Kurz darauf eine Gruppe Jugendlicher, die in Bremen eine Transfrau zusammenschlugen. Ein Schlag mit der Flasche in Frankfurt. Angriffe auf queere Menschen auf den CSDs in Dresden, Dortmund und Ulm. Das sind nur die bekannten queerfeindlichen Angriffe der ersten beiden Septemberwochen. Die Gewalt gegen queere Menschen in Deutschland nimmt massiv zu. Wir wären selbst schuld, heißt es im Netz. Wie umgehen mit dem Hass?
RLS-Konferenz in Brasilien
Ein feministischer und antirassistischer Blick auf die Institutionen
von Violetta Bock
Vom 27. bis 29.April lud die Rosa-Luxemburg-Stiftung zu einem internationalen Austausch nach Salvador de Bahia im Norden von Brasilien ein.
Krieg in der Ukraine
Ein feministischer Blick auf das Geschehen
von Lidia Cirillo und Nadia de Mond1
Seit vielen Jahren konzentriert sich die politische Arbeit des trans-feministischen Netzwerks „Non Una Di Meno“ (NUDM)2 auf die feministische Bewegung, an der wir uns selbstverständlich aus einem internationalistischen Blickwinkel heraus beteiligen, aber mit den spezifischen Ansprechpartnern einer Geschichte.
Streik im Frauenhaus
Für den Schutz von Frauen muss noch viel geschehen
von Friederike Schneider*
Im Zentrum der Sozialen Arbeit stehen zumeist Menschen, die gesellschaftlich benachteiligt sind. Konsequenterweise ist es für sie ohnehin schwieriger bis unmöglich, gesellschaftliche Veränderungen anzustoßen.
Alexandra Kollontai und die Neue Frau
Die Vordenkerin der sexuellen Befreiung wurde vor 150 Jahren geboren
von Elfriede Müller
Alexandra Kollontai (1872–1952) war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der kommunistischen Weltbewegung. Sie widmete sich zwei Schlüsselfragen: der Sexualität und der Familie.
Der Internationale Frauentag ist auch ein Antikriegstag
Die Anfänge des 8.März
von Gisela Notz*
Zum 111.Mal wird in diesem Jahr der Internationale Frauentag gefeiert. In die Geschichte eingegangen ist er vor allem als Kampftag für das allgemeine, gleiche Wahlrecht auch für Frauen. Eine Forderung, die im Jahre 1919 zwar zum Erfolg führte, die aber die Situation der Frauen insgesamt nur mäßig verbesserte.
Bildung und Einkommen schützen nicht immer
Für Gewalt gegen Frauen in Paarbeziehungen gibt es sehr viele Gründe
von Lorenz Küppers
Gewalt an Frauen in Paarbeziehungen betrifft nicht nur kleine Teile der Bevölkerung. Sie findet sich in allen Altersgruppen, Schichten und kulturellen Milieus. Allein im Jahr 2020 wurden etwa 118000 Frauen Opfer von Gewalt in Paarbeziehungen, und das ist lediglich die Zahl der Fälle, die der Polizei gemeldet wurden. Bei häuslicher Gewalt geht man allgemein von einer enormen Dunkelziffer aus, da nur ein Bruchteil der Betroffenen tatsächlich zur Polizei geht.
Es geht nicht um Strafe, sondern um Verhaltensänderung
Über den Umgang mit sexualisierter Gewalt in linken Organisationen und Bewegungen
von Petra Stanius und Angela Klein
Gewalt gegen Frauen gibt es nicht nur in Paarbeziehungen oder in der Familie, es gibt sie auch am Arbeitsplatz und in Organisationen. Auch in linken Organisationen und fortschrittlichen Bewegungen gibt es Fälle von sexualisierter Gewalt, werden Mitglieder solcher Taten beschuldigt. Eine Reihe von Organisationen wurden unvorbereitet damit konfrontiert, fanden keinen angemessen Umgang damit und mit den unmittelbar Beteiligten und zerbrachen an dem daraus folgenden Konflikt.
Der Arbeitskampf im Sozial- und Erziehungsdienst
Warum er uns alle angeht – und warum er feministisch ist
von Aktivistinnen des feministischen Solibündnisses SuE Kassel
Zum diesjährigen Frauenkampftag schmieden Ver.di und Frauenstreik ein Bündnis rund um die Tarifrunde des Sozial- und Erziehungsdienstes (SuE).
‹Ohne uns hat das System keine Relevanz mehr›
Die nächste Tarifrunde im Sozial- und Erziehungsdienst will betriebliche Streiks und Frauenstreik miteinander verbinden
Gespräch mit Ariane Raad
Der Tarifkampf im Sorgebereich im kommenden Frühjahr will ein gesamtgesellschaftlicher Streik sein. Darüber sprachen wir mit Ariane Raad, Gewerkschaftssekretärin bei Ver.di im Bezirk Stuttgart für den Fachbereich Gemeinden und aktiv in der AG Feministische Lohnarbeitskämpfe.
‹Mein Körper, meine Entscheidung›
In den USA demonstrieren wieder zehntausende Frauen für das Recht auf Abtreibung
von Dan La Botz
Der Bundesstaat Texas hat kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das Abtreibungen verbietet, sobald der Herzschlag des Fötus festgestellt ist – das sind praktisch alle. Das Gesetz ermöglicht zudem Privatpersonen, zivilrechtlich gegen alle vorzugehen, die einer Frau bei einem Schwangerschaftsabbruch helfen – vom Taxifahrer, der eine Frau zur Klinik fährt, bis hin zu Eltern, die ihre Tochter finanziell bei der Abtreibung unterstützen.
RAWA antwortet auf Machtübernahme der Taliban
Kampf für Demokratie und Frauenrechte
Interview mit RAWA
Es wäre lachhaft zu denken, dass Werte wie „Frauenrechte“, „Demokratie“, „Nationsbildung“ wirklich zu den Zielen von USA und NATO in Afghanistan gehört hätten! Sonali Kolhatkar hat mit der Revolutionären Afghanischen Frauenorganisation (RAWA) über die aktuelle Lage gesprochen.
Frauen werden getötet, weil sie Frauen sind
Gegen Femizide genügt Solidarität nicht – es braucht Widerstand
von Gisela Notz*
Die Zahl der Morde an Frauen steigt seit 2015 kontinuierlich – sie sind einer der Gradmesser für die zunehmende Gewalttätigkeit in unserer Gesellschaft.
Lesetipp: Gemeinschaft leben
Gisela Notz: Genossenschaften. Geschichte, Aktualität und Renaissance. Stuttgart: Schmetterling, 2021. 266 S., 16,80 Euro
von Angela Klein
Weibliche Lohnabhängige fordern verstärkt Beteiligungsrechte und Gestaltungsmöglichkeiten, nicht nur über die Erwerbsarbeit, deren Bedingungen und Organisation, sondern auch über den Ertrag ihrer Arbeit und deren Sinnhaftigkeit und sie fordern Beteiligungsmöglichkeiten daran, wie sie zusammenleben und -wohnen, ihren Stadtteil, ihre Region und die Umwelt, also auch die kommunale und die «große» Politik gestalten.
Gegen den §218 und für Wunschkinder
150 Jahre nach Einführung des Klassenparagrafen werden Frauen wegen Abtreibung immer noch vor Gericht gestellt
von Manfred Dietenberger
Die Wochenzeitung Stern (die mit den Pseudo-Hitler-Tagebüchern) erinnerte Anfang Juni an die wohl spektakulärste Titelstory in ihrer Geschichte. Ähnlich aufgemacht wie vor 50 Jahren, prangten Fotos prominenter und weniger prominenter Frauen auf der Titelseite. Die Schlagzeile damals wie heute war: «Wir haben abgetrieben!»
Frauen und Natur – für einen ökosozialistischen Feminismus
Frauen – weltweit an der Spitze im Kampf gegen die Umweltzerstörung
von Jess Spear*
Wo immer die Kräfte der Zerstörung versuchen, Bäume zu fällen, unsere Luft und unser Wasser zu verschmutzen und die Erde für Mineralien abzureißen, führen Frauen den Widerstand an.
Krieg den Frauen, Friede den Sekten
Die Türkei muss aus der Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen aussteigen – so will es Erdogan
von Nick Brauns
Per Dekret verfügte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in der Nacht zum 20.März den Ausstieg der Türkei aus der Istanbul-Konvention.
Aufruhr in Polen
Die große Rebellion der Frauen
von Teresa Jakubowska*
Am 22.Oktober 2020 entschied das polnische Verfassungsgericht, dass das Abtreibungsgesetz, das seit 1993 in Kraft ist, in Teilen verfassungswidrig sei.
«Die Kleinfamilie ist überfordert»
Strukturelle Ursachen hinter der Zunahme häuslicher Gewalt
Gespräch mit Gisela Notz
Frauen laufen Gefahr, die großen Verliererinnen der Corona-Krise zu sein. In krassem Gegensatz zum Applaus, der ihnen vom Balkon aus zuteil wurde, steht die zusätzliche Belastung durch Familienstress und Homeschooling oder verlängerte Arbeitszeiten in «systemrelevanten» Bereichen.
Antifeminismus
Nicht nur ein Problem der Rechten
von Tim Kühnel
Mit dem Erstarken der Rechten nimmt auch der Antifeminismus in der Gesellschaft wieder zu. Doch was genau ist Antifeminismus eigentlich und wie stellen wir uns dem entgegen?
Toxische Weiblichkeit
Die Kehrseite der Medaille?
von Tim Kühnel
Wenn man über toxische Männlichkeit redet oder schreibt, kommt schnell die Frage auf, warum man dann nicht auch über toxische Weiblichkeit spricht. Gibt es toxische Weiblichkeit überhaupt oder ist das nur ein Begriff von Antifeministen?
Toxische Männlichkeit, Teil 2
Warum Feminismus uns allen hilft
von Tim Kühnel
Durch die angelernten Verhaltensweisen in der frühkindlichen Entwicklung manifestieren sich starke Rollenbilder und toxische Verhaltensweisen im erwachsenen Alter (siehe SoZ 3/2020), die allen Geschlechtern schaden.
Internationaler Frauentag 2020
Auch in diesem Jahr: Massenbewegungen und Frauenstreiks
von Marijke Colle
In diesem Jahr wird es am 8.März wieder massive Mobilisierungen zahlreicher feministischer Kollektive auf der ganzen Welt geben – von Haiti über Sri Lanka, der Schweiz, Argentinien, Spanien, Großbritannien, Belgien, Polen ist die Liste der beteiligten Länder lang und wird immer länger.
Toxische Männlichkeit
Ist männliches Verhalten generell schädlich?
von Tim Kühnel
Der Begriff toxische Männlichkeit begegnet uns immer wieder. Zuletzt hat er im Zusammenhang mit #metoo für Aufregung und erhitzte Gemüter gesorgt. Viele Männer fühlen sich durch den Begriff angegriffen und denken, man wolle ihnen ihre Männlichkeit absprechen bzw. alles «männliche» für toxisch erklären. Doch darum geht es nicht.
Gewalt gegen Frauen – kein Thema in Deutschland?
«Das Leben muss in den Mittelpunkt der Politik rücken»
Gespräch mit Nina Eumann
Der Aufstand gegen die zunehmende Gewalt gegen Frauen – eine Begleiterscheinung der gesellschaftlichen Verrohung unter den Bedingungen des neoliberalen, entfesselten Konkurrenzkampfs aller gegen alle – ist der zentrale Motor hinter den Massenprotesten von Frauen und Frauenstreiks in den letzten Jahren. Hierzulande steht das Thema nicht im Brennpunkt, obwohl die Situation sich zusehends verschlechtert.
Menschenrechte haben kein Geschlecht
Normangleichende Genitaloperationen an Minderjährigen müssen verboten werden!
von Ilona Herrmann
Seit den 1950er Jahren ist es medizinische Praxis, normangleichende Operationen an Genitalien von intergeschlechtlichen Kindern durchzuführen, in den meisten Fällen ohne medizinische Notwendigkeit.
8.März 2020
Gemeinsam auf zum Frauenstreik!
von Petra Stanius
Im vergangenen Jahr mobilisierten Frauen in aller Welt zum dritten Mal in Folge für einen Internationalen Frauenstreik. Am 8.März 2019 gingen auch in Deutschland Zehntausende Frauen unter diesem Motto auf die Straße. Zum ersten Mal seit 1994 gab es hier wieder einen Aufruf für einen feministischen Streik.
Für einen antikapitalistischen Feminismus…
«…auf den Schultern von Marx und Engels»
von Larissa Peiffer-Rüssmann
Cinzia Arruzza, Tithi Bhattacharya, Nancy Fraser: Feminismus für die 99%. Ein Manifest. Berlin: Matthes & Seitz, 2019. 108 S., 15 Euro
Feminismus für die 99 Prozent meint nicht das eine Prozent, das es in die Konzernetagen von namhaften Unternehmen geschafft hat, was vor allem in den Medien als großer Sieg der Frauen gefeiert wird. Den drei Autorinnen geht es um einen internationalen, antikapitalistischen Feminismus, der für die Rechte aller Frauen kämpft, die ausgebeutet, beherrscht und unterdrückt werden in einem zunehmend räuberischen Kapitalismus, der sich weltweit in einer gesamtgesellschaftlichen Krise befindet.
Feminist Futures now!
Großer Zulauf zum feministischen Festival in Essen
von Petra Stanius
Seit einigen Jahren erleben wir, dass die feministische Bewegung weltweit wächst. Auch an Deutschland geht diese Entwicklung erfreulicherweise nicht vorbei.
Ein Ausdruck davon ist das Feminist Futures Festival, das vom 12. bis 15.Juli 2019 in Essen stattgefunden hat.
Die Theorie der sozialen Reproduktion
Der internationale Frauenstreik ist die Nahtstelle aller sozialen Bewegungen
Gespräch mit Tithi Bhattacharya*
Die Theorie der sozialen Reproduktion hat seit einigen Jahren neuen Aufschwung erhalten. Sie setzt sich vom «marxistischen» Dogma ab, das Kapitalismuskritik vor allem die Ökonomie betrifft und als Subjekt nur den Lohnarbeiter ins Visier nimmt.
Der Ball ist nicht rund
Frauenfußball wird weniger anerkannt und schlechter bezahlt
von Dieter Braeg
Erinnert sich noch jemand an die Frauenfußballweltmeisterschaft in diesem Jahr? Volle Stadien, begeisterte Zuschauerinnen und Zuschauer und dazu hochklassige Spiele.
Brigitte Kiechle: Frauen*streik. «Die Welt steht still, wenn wir die Arbeit niederlegen»
Stuttgart: Schmetterling, 2019. 112 S., 10 Euro
von Gisela Notz
Frauenstreiks gestern und heute
Das 21. soll das Jahrhundert der Frauenbefreiung werden. Das ist ein Resümee des Buches Frauen*streik, das Brigitte Kiechle geschrieben hat. Es ist ein handliches Büchlein, schön zu lesen, ein Essay ohne akademische Floskeln, gut gegliedert und sparsam mit Literaturverweisen. In acht kurzen Abschnitten werden viele Facetten von Frauenstreiks, Frauenkämpfen, Protesten und Demonstrationen vorgestellt.
Ein Riesenerfolg
Der Frauenstreik in der Schweiz am 14.Juni setzt neue Maßstäbe
Redaktionskollektiv der Bewegung für den Sozialismus, Zürich
Ohne zentrale Führung, aber mit Hunderten von lokalen Initiativen ist der Schweizer Frauenstreik zu einer richtigen Bewegung geworden.
Über den Schweizer Frauen*streik im Juni
«Unsere Forderungen sind konkret genug, um legal zu streiken»
Interview mit Hannah B.
Ein landesweiter Frauenstreik für die aktive Gleichstellung der Frauen in allen gellschaftlichen Bereichen der Schweiz erregte am 14.Juni 1991 weltweite Aufmerksamkeit. Die Losung hieß: «Frauen Basta, niente Pasta!» Das Beispiel fand 1994 Nachahmung auch in Deutschland. Doch es hat sich in Sachen Gleichstellung nur wenig getan. Die Schweizerinnen beklagen, dass die bürgerlichen Politiker und die Unternehmen verbindliche Maßnahmen zur Umsetzung des Gleichstellungsartikels aktiv verhindern. Deshalb rufen sie zu einem neuen Frauenstreiktag am 14.Juni 2019 auf.
Sein Name darf genannt werden
Das Landgericht Hamburg hat in der Klage gegen Kersten Artus zu ihren Gunsten entschieden
dokumentiert
Yannic Hendricks darf öffentlich namentlich als Urheber zahlreicher Prozesse wg. angeblicher Verletzung von §219a genannt werden.
Ärztinnen und Ärzte anzuzeigen war sein Hobby. Jahrelang durchforstete der Mathematikstudent aus Kleve das Internet. Immer auf der Suche nach Ärztinnen und Ärzten, die Frauen in Notsituationen helfen. Sein Ziel: ungewollt Schwangeren auf der Suche nach Hilfe den Weg über das Internet zu versperren. Es war eine erfolgreiche Strategie des radikalen Abtreibungsgegners.
Frauen am Bauhaus
«…für die Werkstatt nicht geeignet»
von Angela Klein
Das 1919 gegründete Bauhaus hat viele Vorläufer. Seine Besonderheit liegt darin, dass bei ihm nicht nur der Wunsch nach künstlerischer Erneuerung Pate stand, sondern auch die gefühlte Notwendigkeit, «alle Bereiche des Lebens zu reformieren», wie es in der lesenswerten Geschichte des Bauhauses von Magdalena Droste heißt.
Frauen*streik in Deutschland
Der 8.März 2019 war erst der Anfang
von Petra Stanius
Am diesjährigen Internationalen Frauentag waren auch in Deutschland Zehntausende auf den Straßen statt bei der Arbeit. In vielen Städten demonstrierten Menschen gegen Diskriminierung und Unterdrückung. Frauen, Lesben, inter- und nichtbinäre Personen sowie Transmänner beteiligten sich mit bunten Aktionen am feministischen Streik. Nachfolgend ein paar Eindrücke aus dem Ruhrgebiet.
Über den liberalen Feminismus hinaus
Trotz Aufschwung der Rechten: Millionen Menschen auf der Straße am 8.März im Spanischen Staat
von Rebeca Martínez*
Zum zweitenmal hintereinander sind in Spanien am 8.März mehrere Millionen Menschen gegen patriarchalische Gewalt auf die Straße gegangen und haben in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen die Arbeit niedergelegt: die Erwerbsarbeit ebenso wie die Sorgearbeit. Das erste Mal war dies im vergangenen Jahr passiert – schon damals erregte diese Mobilisierung weltweit Aufsehen.
§219: Ein fauler Kompromiss reicht nicht
Körperliche Selbstbestimmung geht nur ohne Strafrecht
von Ute Abraham
Nach monatelangen Hinhalten, Protesten, Demonstrationen und weiteren Prozessen gegen Ärztinnen brachte Katarina Barley, SPD-Bundesministerin für Justiz und Verbraucherschutz den Groko-Kompromiss zum §219a zur 1.Lesung in den Bundestag ein. Es war eine bühnenreife Vorstellung – und der Kompromiss ist oberfaul.
Die gewerkschaftliche Basis erweitern
Zur Debatte um den Frauen*streik
von Tina Ress und Violetta Bock
Diesen Monat ist es also soweit. Der Frauen*streik ist auch in Deutschland angekommen. Gründe gibt es zuhauf, nicht zuletzt durch den erneuten Verrat der SPD, den §219a nicht zu streichen. Gut, dass sich vor ein paar Monaten Frauen und Queers auf den Weg gemacht haben, um den Frauen*streik auch hier zu starten, und vielen Beteiligten ist klar, dass dieses Jahr der Auftakt für eine längerfristige Mobilisierung ist.
«Feminismus der 99 Prozent»
Eine antikapitalistische Alternative zum neoliberalen Feminismus
Interview mit Cinzia Arruzza
Die italienische Feministin Cinzia Arruzza lehrt Philosophie an der New School of Social Research in New York und ist Autorin von Feminismus und Marxismus (Neuer ISP Verlag, 2016). Zusammen mit Nancy Fraser und Tithi Bhattacharya veröffentlichte sie kürzlich das Manifesto for a Feminism for the 99% (Verso, 2019). Das folgende Interview mit Arruzza führte Josefina L. Martínez für das spanische Internetmagazin ctx – Revista Contexto im August 2018.
«Verboten? Erlaubt? Notwendig!»
Frauen*Streik am Internationalen Frauenkampftag
von Gisela Notz
«Zahlreiche Polizeimannschaften in der Nachbarschaft der Versammlungslokale bewahrten revolvergerüstet die Stadt vor dem Umsturz der Frauen.» Die Stadt war Berlin.
Das ist kein Auszug aus einem Bericht über den FrauenStreik, den Feministinnen am Internationalen Frauentag 1994 losgetreten haben. Der Satz stammt aus einem Artikel der sozialdemokratischen Frauenzeitschrift Die Gleichheit vom 27.März 1911 über die Demonstrationen anlässlich des ersten Internationalen Frauentags am 19.März 1911, den Sozialistinnen und Gewerkschafterinnen 1910 in Kopenhagen auf der II.Konferenz der Sozialistischen Fraueninternationale beschlossen hatten.
An die Redaktion
Frauen* werden streiken!
von Eleonora Roldán Mendívil, Hannah Vögele
Betr.: «Kritischer Einwurf zum Frauenstreik», SoZ 1/2019
Am 8.März ist Frauen*streik. Wirklich? Ja. Denn am Internationalen Frauen*kampftag werden dieses Jahr erneut Frauen* auf der ganzen Welt auf die eine oder andere Weise ihre Arbeit niederlegen.
Frauenmord ist keine Privatsache
Rassistische Berichterstattung über Morde an Frauen
von Ute Abraham
Mitte Dezember 2018 riefen die «Autonomen Frauenzentren» in Hamburg zu einer Gedenkkundgebung auf. In der Nähe des Wohnorts von Juliet H. legten sie als Zeichen der Trauer Blumen nieder.
Juliet H., Mutter von vier Kindern, wurde in ihrer Wohnung ermordet, ihr ehemaliger Lebenspartner als tatverdächtig festgenommen. Die Teilnehmenden an der Gedenkveranstaltung brachten Trauer, Wut und Protest zum Ausdruck, besonders kritisiert wurden Justiz und Medien, die den Mord als «Familiendrama» verharmlosten.
8.März 2019
Kritischer Einwurf zum geplanten Frauenstreik
von Tina Ress*
Nun bekommen wir also am 8.März einen Frauenstreik. Wirklich? Um es vorwegzunehmen: Nein.
SPD und §219a
Opportunismus statt Haltung
von Ute Abraham
Ende 2017 war die Hoffnung auf eine Streichung des §219a aus dem Strafgesetzbuch groß. Die SPD legte einen Gesetzesentwurf zur Streichung vor. Eine Mehrheit im Bundestag war möglich und ist es immer noch.
Internationaler Frauenkampftag 2019
Streiken auf allen Ebenen – ein paar Vorschläge
von Petra Stanius
In mehreren Städten Deutschlands haben sich Netzwerke zur Vorbereitung eines Frauenstreiks am 8. März 2019 gebildet. Ein erstes bundesweites Treffen mit über 300 Frauen und Queers fand am 10./11. November in Göttingen statt. Worauf soll ein feministischer Streik zielen? Hierzu gibt es viele Ideen.
Keine Frauenliteratur
Tipps für den Gabentisch und das geruhsame Schmökern im Lehnstuhl
von Petra Hartlieb
Auf der Leipziger Buchmesse gibt es seit mehreren Jahren eine Veranstaltung, die nennt sich «Ladies Night». Hier werden unter dem Überbegriff «Frauen» vier Lesungen in einen Abend gepackt, dessen Bücher nichts, aber wirklich nichts Gemeinsames haben, außer dass sie nicht von Männern geschrieben wurden.
In eigener Sache
„Lebensschützer“
von Angela Klein
In SoZ 10/2018 hat Ute Abraham einen Artikel über den §219a geschrieben. Dieser Paragraf ist ein Relikt aus der Nazizeit. Er beinhaltet, dass Ärztinnen und Ärzte nicht öffentlich darüber informieren dürfen, dass sie Abtreibungen durchführen. Er wurde der Ärztin Kristina Hänel zum Verhängnis, die deshalb im November 2017 wegen unerlaubter Werbung angeklagt wurde (siehe SoZ 1/2018, 5/2018 und 10/2018).
SPD wartet auf Godot
Der §219a im Bundestag
von Cornelia Möhring*
Der §219a StGB, der Ärztinnen verbietet, darüber zu informieren, dass sie Schwangerschaftsabbrüche durchführen, könnte längst Geschichte sein. Es gibt eine Mehrheit im Bundestag, die ihn abschaffen will. Eigentlich. Aber die SPD hat einen Tag, bevor sie Frau Dr. Merkel zur Kanzlerin wählte, ihren Gesetzesvorschlag auf Streichung zurückgezogen.
«Alles was Recht ist» ist «Jetzt erst recht»
In Österreich wurde das Frauenvolksbegehren 2.0 erfolgreich abgeschlossen
von Ute Abraham
Anfang Oktober konnten Österreichs Bewohner mit ihrer Unterschrift das Frauenvolksbegehren 2.0 unterstützen. Fast eine Million unterschrieben. Die Initiatorinnen knüpften mit dieser Initiative an ein ähnliches Volksbegehren aus dem Jahr 1997 an, das damals zu den zehn erfolgreichsten in Österreich zählte und von fast 650000 Menschen unterstützt wurde,
«Alles was Recht ist»: Unter dem Motto gründete 1997 das UnabhängigeFrauenForum (UFF) eine überparteiliche Plattform, es war eine Reaktion auf die damals beschlossenen Sparpakete der Koalitionsregierung.
«Diesmal haben sie uns gesehen»
Trotz der Niederlage im Senat – die argentinischen Frauen geben nicht auf
von Camila Baron und Gabriela Mitidieri*
Der 13.Juni dieses Jahres war ein gewaltiger Erfolg für die Frauen in Argentinien und überhaupt in Lateinamerika: An diesem Tag hatte die Kammer der Abgeordneten einen Gesetzentwurf angenommen, der den Schwangerschaftsabbruch legalisierte (siehe SoZ 7-8/2018). Danach musste das Gesetz aber noch den Senat passieren, einen Hort der Rückständigkeit. Am 8.August wurde es dort mit 38 zu 31 Stimmen abgelehnt. Argentinische Feministinnen haben in einem Beitrag für die argentinische Zeitschrift Intersecciones. Teoría y crítica social beschrieben, wie sie die Abstimmung erlebten und was jetzt werden soll.
Für eine freie Familienplanung…
…muss der §219a gestrichen werden
von Ute Abraham
Ein Gesetz aus der Nazizeit kann nicht mehr die moderne Familienplanung regeln.
Der §219a wurde 1933 ins Strafgesetzbuch aufgenommen und regelt – mit kleinen Änderungen – bis heute, dass Ärztinnen nicht öffentlich darüber informieren dürfen, dass sie Abtreibungen durchführen. Ginge es nach der Mehrheit der Bevölkerung wäre der Paragraf längst Geschichte. Nutzten die Bundestagsfraktionen von SPD, Grünen, LINKE und FDP ihre Mehrheit, wäre ein Informationsrecht auf alle medizinischen Leistungen für Frauen gewährleistet.
Frauenstreik in der Schweiz
Am 14.Juni 2019
von Lisi Kalera
In der ach so ruhigen und selbstzufriedenen Schweiz erregte am 14.Juni 1991 ein landesweiter Frauenstreik für die aktive Gleichstellung der Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen weltweite Aufmerksamkeit. Die Losung hieß: «Frauen Basta, niente Pasta!» Das Beispiel fand Nachahmung auch in Deutschland. Doch es hat sich in Sachen Gleichstellung nur wenig getan. Die Schweizerinnen beklagen, dass die bürgerlichen Politiker und die Unternehmen verbindliche Maßnahmen zur Umsetzung des Gleichstellungsartikels aktiv verhindern. Deshalb rufen sie zu einem neuen Frauenstreiktag am 14.Juni 2019 auf.
Frauenstreik 2019 auch in NRW
«Uns verbindet mehr als uns trennt»
von Petra Stanius
Bundesweit laufen auch in Deutschland Vorbereitungen für einen Frauenstreik am 8.März 2019. In mehreren Städten haben sich bereits regionale Bündnisse gebildet, so auch in NRW, und sind dabei, sich zu vernetzen. Im September findet am Theater Oberhausen ein öffentliches Planungs- und Vernetzungstreffen statt.
Großer Erfolg für die Frauen in Argentinien
Gesetz zur Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs passiert das Abgeordnetenhaus
von Silvana Aiudi
Auch der argentinischen Frauenbewegung ist ein bahnbrechender Sieg gelungen. Nach jahrzehntelangem Kampf der Frauenbewegung hat in Argentinien das Abgeordnetenhaus am 13.?Juni mit 129 zu 125 Stimmen bei einer Enthaltung für eine Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs gestimmt.
Abtreibungsverbot in Irland mit großer Mehrheit aufgehoben
Ein Sieg der feministischen Bewegung
von Ute Abraham
Am 25.?Mai stimmte eine Mehrheit der Irinnen und Iren für eine Lockerung des Abtreibungsverbots, 66,4 Prozent sprachen sich dafür aus, den 8.?Zusatzartikel aus der Verfassung zu streichen. Von 40 Wahlkreisen überwogen lediglich in einem die Nein-Stimmen. Entsprechend groß war der Jubel und die Erleichterung.
Das Konzeptwerk Neue Ökonomie stellt sich vor
Was verbindet Degrowth, Klimaschutz und menschenwürdige Sorgearbeit?
Ein Gespräch mit Charlotte Hitzfelder vom Konzeptwerk Neue Ökonomie
Der Konzeptwerk Neue Ökonomie e.V. ist ein unabhängiger Verein in Leipzig, der 2011 gegründet wurde. Seine Mitglieder verstehen sich als Teil der Degrowth-Bewegung und wollen eine andere Wirtschaftsweise schon heute erfahrbar machen. Ein Pfeiler der Vereinsaktivität ist die Bildungsarbeit. Der andere Pfeiler ist die Vernetzung verschiedener Bewegungen mit Hilfe von Projekten. Die Degrowth-Sommerschule ist hier ein bekanntes Beispiel.
Für die SoZ sprach Petra Stanius mit Charlotte Hitzfelder. Sie arbeitet seit 2015 beim Konzeptwerk Neue Ökonomie und ist im Netzwerk Care Revolution aktiv. Eine kaufmännische Ausbildung im Krankenhaus prägte ihre Erfahrungen mit dem Gesundheitssystem. An der Schnittstelle von Wachstumskritik/Degrowth und Care setzt sie sich für eine Neuausrichtung der Wirtschaft und für ein gutes Leben für alle ein.
Angriff auf das Informationsrecht
Der § 219a StGB muss aus dem Strafgesetzbuch verschwinden
von Cornelia Möhring
Die Frauen- und Menschenrechtsbewegung, die seit der Petition der Gießener Ärztin Kristina Hänel entstanden ist, könnte eine parlamentarische Sternstunde im Deutschen Bundestag auslösen: Obwohl zwei der Regierungsparteien gegen die Streichung des § 219a aus dem Strafgesetzbuch sind, könnte es eine Mehrheit für die Abschaffung geben. Das würde bedeuten, das Ärztinnen und Ärzte, die Schwangerschaftsabbrüche vornehmen, darüber endlich auch öffentlich – zum Beispiel auf ihrer Website – informieren dürfen, ohne ein Strafverfahren und eine Verurteilung zu riskieren.
Feminismus heißt Widerstand
Rückblick auf den Internationalen Frauentag
dokumentiert
Der diesjährige 8.März erlebte eine sehr kämpferische Frauenbewegung, die teilweise die sozialen Proteste anführte.
Ein Schritt in die richtige Richtung?
Der Tarifabschluss der IG Metall verfestigt die geschlechtsspezifische Arbeitsteilung
von Gisela Notz*
Freilich ist es ein großes Verdienst, dass die IG Metall nach über 30 Jahren die Diskussion um Verkürzung der Erwerbsarbeitszeit wieder aufgenommen hat. Dafür – nicht nur für die Erhöhung der Löhne – sind «die MetallerInnen» massenhaft in den 24-Stunden-Warnstreik gegangen.
Stillstand bei der Gleichberechtigung
Im internationalen Vergleich ist die Position der Frauen rückläufig
dokumentiert
Erst in 217 Jahren werden Männer und Frauen gleiche Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben, bliebe es beim aktuellen Reformtempo. Das zeigen Daten des Gender-Gap-Reports.
In Deutschland hat sich die Gleichstellung von Männern und Frauen in diesem Jahr leicht verbessert.
Warum flog die Tomate?
Die 68er und die Neuen Frauenbewegungen
von Angela Klein
Gisela Notz: Warum flog die Tomate? Die autonomen Frauenbewegung der Siebzigerjahre. 2., komplett überarb. Aufl.
AfD marschiert zum Kanzleramt
Rassistische Hetze unter dem Deckmantel von Frauenrechten
von Ute Abraham
Für den 17.Februar mobilisierte die AfD nach Berlin zu einem «Marsch der Frauen zum Kanzleramt».
Leyla Bilge, AfD-Mitglied und selbsternannte Frauenrechtlerin, rief auf: «Lasst uns gemeinsam auf die Straße gehen, um für unsere Rechte auf Freiheit und Selbstbestimmung zu kämpfen – die Freiheit der Frau ist nicht verhandelbar.»
Die vielen Gesichter des 8.März
Eine kurze Geschichte des Internationalen Frauentags
von Tatiana Montella*
Der 8.März ist ein Tag, der eng mit den Kämpfen von Frauen und der Frauenbewegung verbunden ist. Dabei bleibt sein Ursprung im Dunkeln, es ist kein besonderes Ereignis, das gefeiert wird, eher ist es ein symbolisches Datum, das für die Frauenbewegung schlechthin steht.
#WeStrike – Internationaler Frauenstreik
Feminismus für die 99 Prozent
dokumentiert
Der internationale Frauenstreik ist ein Netzwerk von Frauen in mehr als 50 Ländern. Es entstand im Zuge der Vorbereitung des 8.März 2017 in den USA, Italien, Argentinien und vielen anderen Ländern. Auch in diesem Jahr soll in den USA ein Frauenstreik stattfinden. Der nachstehende Aufruf wurde u.a. unterzeichnet von Angela Davis, Cinzia Arruzza und Nancy Fraser.
Die Frauen des Oktober
Die Arbeit der Shenotdel
von Tariq Ali
In SoZ 11/2017 berichteten wir über die Abschaffung der zaristischen Gesetze nach der Oktoberrevolution, mit denen die Frauen unterjocht worden waren. Weitaus schwerer als die Abschaffung der Gesetze war jedoch die Ausrottung der patriarchalischen Sitten und Denkweisen, die bis weit in die Reihen der Bolschewiki selbst hineinreichten. Um sie zu bekämpfen, wurde eine eigene Frauenabteilung gebildet, die elf Jahre existierte und sich das Ziel setzte, Arbeiterinnen und Bäuerinnen für die Selbstbefreiung der Frau zu gewinnen.*
MeToo
Nicht nur in den USA
von Ute Abraham
Vor mehr als zehn Jahren startete die MeToo-Kampagne in den USA. Sie wurde von der Aktivistin Tarama Burke ins Leben gerufen, die vor allem Afroamerikanerinnen mit geringem Einkommen eine Stimme geben wollte. Nach den Anschuldigungen wegen sexualisierter Gewalt gegen Hollywood-Größen wie Harvey Weinstein oder Kevin Spacey nahm die Schauspielerin Alyssa Milano diesen Hashtag wieder auf. Innerhalb kurzer Zeit berichteten Millionen Frauen weltweit über ihre Erfahrungen. Die Kampagne brachte in unterschiedlicher Intensität in vielen Ländern der Welt das Thema sexuelle Gewalt wieder auf die Tagesordnung.
§219a StGB ersatzlos streichen!
Skandalurteil gegen Kristina Hänel
von ua
Auf der Homepage des Bundesministeriums der Justiz und für Verbraucherschutz wird der noch amtierende Minister, Heiko Maas, zitiert: «Der §219a ist ein Relikt aus der Nazizeit. Die Zeiten, in denen der Staat das Kontrollrecht über die Körper seiner Bürger beansprucht, gehören zum Glück der Vergangenheit an.»
Frauenanteil im Parlament
Barometer der Emanzipation
von Ute Abraham
Das Ergebnis der Bundestagswahl im September 2017 war in vielerlei Hinsicht niederschmetternd. Hier sei nur auf einen Aspekt eingegangen, den Frauenanteil im neuen Parlament. Im Vergleich zum Frauenanteil im Zeitraum 1969–1972 (6,6 Prozent) ist er derzeit mit 31 Prozent nahezu paradiesisch, zerstört aber die Hoffnung, dass sich – wenn auch im Schneckentempo – das Geschlechterverhältnis in den politischen Parteien, und damit sichtbar im parlamentarischen System, stetig positiv verändern würde.
Von den konservativen Vorstellungen mancher Linker
Warum ich keine Lust mehr habe, mit gewissen «linken» Feministinnen über Sexarbeit zu diskutieren – eine Polemik
von Almuth Wessel
Ich bin es leid! Wann immer – gerade auch unter ParteigenossInnen der LINKEN – das Thema «Prostitution» oder «Sexarbeit» angeschnitten wird, habe ich es mit den immer gleichen Argumenten zu tun. Nichts wird hinterfragt, nichts wird reflektiert und die Meinungen stehen wie einbetoniert. Niemand fragt, warum dieses Thema seit 2013 in den Medien in mehr oder weniger emotionalisierter Form behandelt wird – und warum immer nur EIN Aspekt von Wirklichkeit zum Tragen kommt.
Sexuelle Selbstbestimmung ist ein Menschenrecht!
Die «Märsche für das Leben» treffen auf Widerstand
von Gisela Notz*
Wir hätten den schönen Septembertag auch anders nutzen können. Aber wir mussten unseren Protest auch in diesem Jahr auf die Straße tragen, denn am 16.?September 2017 marschierten sie wieder, die christlichen Fundamentalisten.
Frauen im subsaharischen Afrika
Opfer von Landraub und patriarchalischen Strukturen
von Klaus Engert
Die Wirklichkeit der überwältigenden Mehrheit der Frauen in Afrika ist nach wie vor von ökonomischer wie ideologischer Abhängigkeit in einer männerdominierten Lebenswelt geprägt.
Nachlese zum 8.März
Neues Bewusstsein für kollektives Handeln
Interview mit Cinzia Arruzza
Es scheint, dass die Mobilisierungen zum 8.März dort am stärksten waren, wo das Recht der Frauen auf Selbstbestimmung am meisten bedroht ist. Dennoch gibt es einen entscheidenden Unterschied zur Neuen Frauenbewegung der 70er Jahre. Penelope Duggan von International Viewpoint sprach darüber mit Cinzia Arruzza am Beispiel der Frauenbewegung in den USA.
Solidarität mit gefangenen Arbeiterinnen
Frauendemo in Chemnitz vor die JVA
von Peter Nowak
Die Frauen brachen in großen Jubel aus, als sie die Demonstration hörten. In der nächsten Stunde sollte das Rufen und Winken nicht abebben. Schließlich wurden sogar Bettlaken kurzerhand in Transparente umfunktioniert und abgewickeltes Toilettenpapier flog über den Gefängnishof. Einige Papiere waren sogar angezündet worden.
Gisela Notz zum 75. Geburtstag
Keine feministische Theorie ohne feministische Praxis
Im Gespräch mit ihrem Autonomen feministischen Colloquium
Gisela Notz ist Historikerin und Sozialwissenschaftlerin. Sie war u.a. Redakteurin der SoZ (2003–2005), der Zeitschrift beiträge zur feministischen theorie und praxis (1985–1997), seit 2008 und bis heute ist sie in der Redaktion von lunapark21. zeitschrift zur kritik der globalen ökonomie. Außerdem ist sie u.a. im «Bündnis für sexuelle Selbstbestimmung» als politische Aktivistin engagiert. Zuletzt erschien von ihr Kritik des Familismus (Schmetterling-Verlag, 2015) und der seit 15 Jahren erscheinende Kalender Wegbereiterinnen (AG SPAK) zu Frauenbiografien. Mehr unter www.gisela-notz.de.
Vom Women’s March zum Internationalen Frauenstreik
Voraussetzungen und Folgen der größten Mobilisierung in der Geschichte der USA
von Cinzia Arruzza
Die Organisatorinnen des Women’s March auf Washington erwarteten eine große Beteiligung, doch die fast 3 Millionen Menschen, die im ganzen Land und in einer Reihe von Städten auf der ganzen Welt auf die Straßen strömten, übertrafen selbst die optimistischsten Erwartungen und waren für Donald Trump eine richtige Blamage.
40 Jahre Frauenhäuser
…und immer noch vielfach ohne Schutz
von Ute Abraham
Eine der Krisenerscheinungen ist, dass Gewalt gegen Frauen zunimmt – auch in Deutschland. Zahl und Ausstattung der Frauenhäuser reichen hinten und vorne nicht.
Das wichtigste Anliegen der neuen Frauenbewegung der späten 60er Jahre war, dass das Private politisch ist. Dass Ungleichheit zwischen Frau und Mann der Ausdruck eines tief verwurzelten, alle Bereiche des gesellschaftlichen Lebens umfassenden Herrschaftssystems ist.
Der große Unterschied
Die Erwerbsarbeitszeit von Männern und Frauen driftet auseinander
von Ute Abraham
Die Erwerbsarbeitszeit ist ein entscheidender Faktor für die Gleichstellung von Frau und Mann. Vermittelt über das daraus erzielte Einkommen entscheidet sich, ob Frauen über eine eigene Existenzsicherung verfügen und, davon abgeleitet, eine eigenständige Absicherung bei Krankheit, Arbeitslosigkeit und im Alter.
Radikal-Feministischer Widerstand
– wichtiger denn je!
von gruppe denk.radikal.feministisch, Köln
Wir sind eine feministische FrauenLesbengruppe, die seit einigen Monaten einen Ort in Köln anbietet, an dem Diskussionen und Veranstaltungen zu aktuellen politischen Themen aus feministischer Sicht stattfinden. Nicht zuletzt die Geschehnisse um den 31.12.15 in Köln zeigen deutlich, dass selbstorganisierte, separate Orte wichtig und notwendig sind.
Deutschland – Sauberland?
Heuchlerei in Presse und am Stammtisch
dokumentiert
In der Boulevardpresse, und nicht nur in dieser, tobt sich derzeit der Stammtisch aus. Sexuelle Gewalt von deutschen Männern? Fehlanzeige, das machen nur Barbaren, die übers Meer kommen.
Fakten aus der Sylvesternacht
Einige Daten zu den Übergriffen in Köln
von Angela Klein
In der Sylvesternacht wurde Köln Zeuge von Massenangriffen auf Frauen, die eine neue Qualität haben. Die politische Diskussion darüber hat viele Aspekte, deshalb seien hier Fakten widergegeben, wie sie sich aus den Berichten verschiedener Polizeistellen ergeben.
Das NEIN der Frau muss reichen!
In der Sylvesternacht sind Sexismus und Rassismus eine unheilvolle Verquickung eingegangen
von Angela Klein
«Ausländer begrapschen deutsche Frauen.» Das ist der Tenor der Reaktionen in Politik und Massenmedien nach der Sylvesternacht. Sexismus ist für sie ein Ausländerproblem, kein Problem von Männergewalt. Denn Ausländer dürfen im Umgang mit Frauen nicht, was Deutsche dürfen, wo kämen wir da hin. Die Folge ist, dass Gewalt gegen Frauen nach wie vor kleingeredet wird: Nicht der Schutz der Frauen gegen Männergewalt steht im Mittelpunkt der Debatte, sondern Abschiebungen, Obergrenzen und neue Mauern.
Die Sylvesternacht in Köln
«Polizei und Justiz müssen in dieser Frage sensibler werden»
Gespräch mit Behshid Najafi (Agisra)
Unter den Frauen, die in der Sylvesternacht sexuell angegriffen wurden, waren mit Sicherheit auch Migrantinnen. Sie müssen sich doppelt und dreifach bedroht vorkommen: durch die Gewalt der unmittelbaren Täter, aber auch durch die Gewalt der deutschen Mehrheitsgesellschaft, die sie jetzt wieder zum Vorwand nimmt, Ausländer, insbesondere Asylbewerber, pauschal zu kriminalisieren und die Asylgesetze zu verschärfen. Wie erleben sie diese Situation?
«Marsch für das Leben» in Berlin
Von Jahr zu Jahr erhalten sog. «Lebensschützer» mehr Zulauf.
von Manuel Kellner
Selbsternannte «Lebensschützer» organisieren jedes Jahr im September einen «Marsch für das Leben» gegen das Recht auf Abtreibung. Diesmal waren am 20.September in Berlin 4500–5000 Teilnehmer unterwegs, laut Polizeiangaben soviele wie im vergangenen Jahr, doch 2011 waren es noch halb soviele gewesen.
«Marsch fürs Läbe» in Zürich
Auf dem zeitgleich mit Berlin stattfindenden «Marsch fürs Läbe» in Zürich waren 2000 fundamentalistische Christen und 300–400 Gegendemonstrantinnen anwesend.
von Helle Gebhardt, BFS Zürich
Der Verein «Marsch fürs Läbe» wurde im Jahr 2011 mit dem Ziel gegründet, Veranstaltungen «zum Schutz des Lebens» durchzuführen. Dazu gehört auch die seit 2010 jährlich stattfindende Kundgebung «Marsch fürs Läbe». Präsident des Vereins ist Daniel Regli, der derzeit auch für die rechtslastige SVP im Gemeinderat der Stadt Zürich sitzt.
Der christlich-fundamentalistische Verein zieht gegen die bis zur 12.Schwangerschaftswoche gesetzlich erlaubte Abtreibung zu Felde und will die sogenannte Fristenregelung abschaffen. Sie war im Jahr 2002 schweizweit in einer Volksabstimmung von 72% der Abstimmenden angenommen worden. Auch wenn diese Fristenregelung noch lange nicht das bedeutet, was wir unter einem selbstbestimmten Leben verstehen, weil sie unter anderem beinhaltet, dass eine Notlage geltend gemacht werden muss um abtreiben zu dürfen, so ist die Möglichkeit eines legalen Schwangerschaftsabbruchs doch ein wichtiger Fortschritt und ein zentrales Frauenrecht.
Die Argumente der selbsternannten «Lebensschützer» beziehen sich ausschließlich auf das Wohl des Kindes, welches sie sichern wollen. Sie verschieben den Fokus weg von der Frau und geben vor, «den Schwächsten der Gesellschaft» eine Stimme zu geben. So können sie ihre Meinung als die Meinung der «Unterdrückten und Nicht-Gehörten» darstellen. Bezeichnenderweise sind die auf der Webseite genannten Mitglieder und die am «Marsch fürs Läbe» aufgebotenen Redner ausschließlich Männer. Um ihre Position zu untermauern, berufen sie sich auf die Bibel, nach deren Anweisungen sie angeblich handeln.
Konservatismus und Frauenfeindlichkeit
Die Werte, welche der «Marsch fürs Läbe» vermittelt, sind problematisch und rückständig. Die christliche Familie, die der Verein auf seiner Webseite als «wahren Reichtum» bezeichnet, wird zum Idealbild stilisiert. Zu einer ordentlichen Familie gehören demnach sowohl die Ehe wie auch eine kirchliche Hochzeit. Homosexuelle und Andersgläubige dürfen jedoch nicht kirchlich heiraten, und viele Menschen leben unverheiratet in Beziehungen zusammen – allein das macht klar, wie realitätsfern und – gerade in Bezug auf andere Lebensentwürfe – ausgrenzend dieses Idealbild ist. Diese fundamentalistischen Vorstellungen von Familie sind Teil eines frauen- und männerfeindlichen, reaktionären Gesamtbildes.
Religiöse und fundamentalistische Ansichten gewinnen insbesondere in Krisenzeiten, wo gesellschaftliche Institutionen von den herrschenden Klassen torpediert und abgebaut werden, wieder an Boden. Religion ist allerdings lange nicht gleichbedeutend mit reaktionären Ideologien. Schon der Ausdruck von Karl Marx, der «Religion als Opium des Volkes» bezeichnete, attestiert dieser durchaus auch positive Eigenschaften. Wenn Menschen in religiösem Glauben einen Zufluchtsort finden, den ihnen die kapitalistische Gesellschaft nicht bieten kann, ist daran nicht viel auszusetzen. Einer emanzipatorischen Bewegung kann nicht daran gelegen sein, den individuellen Glauben zu verteufeln.
Etwas anderes ist es aber, unter dem Deckmantel der Religion erzkonservative und rückwärtsgewandte Ideologien zu propagieren, die darauf aus sind, Frauen und gesellschaftliche Minderheiten zu diskriminieren und ihrer Freiheit zu berauben. Das sind reaktionäre Antworten auf die Krisen des Kapitalismus, denen es etwas entgegenzusetzen gilt.
Abtreibung und soziale Sicherheit
Diese Verbindung ist entscheidend. Schwangerschaftsabbruch, aber auch pränatale Diagnostik und die zurzeit kontrovers diskutierte Sterbehilfe sind keine Felder individueller Moral. Die Entscheidung, ob während der Schwangerschaft Tests durchgeführt werden sollen, um allfällige Behinderungen des Kindes frühzeitig zu erkennen, ist nur vordergründig eine persönliche. Viel zu oft werden soziale, aber auch ökonomische Rahmenbedingungen in der Debatte um Leben und Sterben vernachlässigt.
Das Recht auf Abtreibung ist in den letzten Jahrzehnten erkämpft worden und stellt gerade für eine – noch lange nicht erreichte – Gleichstellung der Geschlechter ein zentrales Element dar. Ebenso wichtig ist aber, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, nicht vom Einkommen der Eltern abhängen darf. Krippenplätze, Kinderbetreuung und finanzielle Erleichterungen sind deshalb genauso wichtig, wenn wir ein selbstbestimmtes Leben und eine freie Entscheidung über das Kinderkriegen fordern. Die christlichen Fundamentalisten vom «Marsch fürs Läbe» gehen auf diese sozioökonomischen Hintergründe kaum ein. Für sie zählt «Gottes Wort», und das nimmt nun einmal keine Rücksicht auf gesellschaftliche Zusammenhänge. Dafür haben sie die christliche Familie auserwählt, die den ökonomischen Rahmen bilden soll, in dem Kinder zur Welt kommen. Der Mann vedient Geld, die Frau besorgt den Rest.
Gerade in Krisenzeiten, wo auch in der Schweiz viele bestehende Institutionen, die den Menschen zumindest bis zu einem gewissen Grad eine soziale Sicherheit versprachen, von den herrschenden Klassen zerstört werden, wo Krippenplätze knapp sind und ein Kind manchmal eine erhebliche ökonomische Belastung bedeutet, erfreut sich die Institution «Familie» wachsender Beliebtheit.
Kinder zu bekommen oder nicht ist eine extrem persönliche Entscheidung. Eine Entscheidung, die jeder Mensch, besonders aber jede Frau, frei und ohne gesellschaftliche, ökonomische oder moralische Zwänge treffen sollte. Davon sind wir heute aus den genannten Gründen weit entfernt. Noch immer hängt die Entscheidung für oder gegen ein Kind von viel zu vielen äußeren Faktoren ab.
Unser Ziel muss deshalb sein, jeder Frau die Möglichkeit zu geben, frei über einen Schwangerschaftsabbruch bestimmen zu können. Diese Wahlfreiheit beginnt bei der Gleichstellung und der Entscheidungsfreiheit der Frau in der Liebesbeziehung und endet beim Beruf, der mit einem Kind vereinbar ist. Alle diese Faktoren beeinflussen uhre Entscheidung und müssen berücksichtigt werden. Es reicht nicht, die Abtreibung rechtlich zu erlauben. Sie muss eine wirkliche Option sein. Keine Frau sollte gezwungen sein, aufgrund von sozialem Druck ein Kind abzutreiben. Genauso wenig aber sollte eine Frau dazu gezwungen werden, eines auszutragen.
Rechte Regierung will Abtreibung wieder verbieten
Empörung in Spanien
von Sandra Ezquerra
Am 20.Dezember 2013 veröffentlichte die von der rechten Volkspartei (PP) getragene spanische Regierung den Entwurf für das neue «Gesetz für den Schutz des ungeborenen Lebens und für die Rechte der schwangeren Frau». Eine Verabschiedung dieses Entwurfs wäre die dritte Änderung des Abtreibungsrechts in den letzten dreißig Jahren und der wichtigste Angriff auf dem Gebiet der sexuellen und Reproduktionsrechte seit der Franco-Diktatur.
Zuerst reformierte die sozialdemokratischen PSOE-Regierung das Abtreibungsrecht der Franco-Diktatur, das war 1985. Abtreibung blieb dabei ein Straftatbestand und war nur unter drei Bedingungen und innerhalb gewisser Fristen erlaubt: bei Vergewaltigung innerhalb einer Frist von 12 Wochen, bei Missbildungen des Fötus innerhalb einer Frist von 22 Wochen und bei Gefahr für die physische und mentale Gesundheit der Schwangeren unbefristet.
«Familienteilzeit wär eine gute Idee»
Feministische Wissenschaftlerinnen proben einen neuen Anlauf für eine geschlechtergerechte Gesellschaft
Ein Interview mit Alexandra Scheele
Der Unmut über die Überforderung von Frauen und Männern durch unzumutbare Arbeitszeiten wächst. Die Karrierefrau mit Kindern hat es mittlerweile zum Leitbild auch der Union gebracht, doch die Arbeitszeiten, die Frauen abverlangt werden, machen ein Leben in der Gemeinschaft, gar mit Kindern und mit alten Menschen unmöglich. Nun regt sich Widerstand: Gleich drei Initiativen haben sich im Vorfeld der Bundestagswahlen das Thema Sorgearbeit vorgenommen und wollen damit Druck auf die Politik machen. Eine davon stellen wir vor: den Aufruf «Für eine soziale, geschlechtergerechte und offene Gesellschaft», eine Initiative feministischer Wissenschaftlerinnen.
Frankreich: Die Homo-Ehe und das Trauma von 1789
Der Streit um die Homo-Ehe hat eine neue rechte Bewegung hervorgebracht
von Bernard Schmid
Zuerst die gute Nachricht: Die amtierende sozialdemokratisch-grüne Regierung hat ein Wahlversprechen, das eine progressive Veränderung beinhaltet, eingelöst. Ein einziges, und es wird wohl für längere Zeit auch das einzige bleiben. Es wurde wohl nur deswegen eingelöst, weil es «keinen Konflikt mit der Wirtschaft» auslöste und unmittelbar kein Geld kostete. Doch mit einem derartigen Aufruhr um das Thema hatte die sozialdemokratisch-grüne Regierung nicht gerechnet.
Silvia Federici: Aufstand aus der Küche.
Reproduktionsarbeit im globalen Kapitalismus und die unvollendete feministische Revolution. Münster: Edition Assemblage, 2012. 128 S., 9,80 Euro
von Rahel Wusterack
Der breite Zugang von Frauen zur Lohnarbeit hat bisher nicht zur vollständigen Gleichstellung von Frauen und Männern geführt. In der Regel wird dieser Umstand damit erklärt, dass derartige Umbrüche Zeit benötigen. Dann folgt meist ein leicht rechtfertigend anmutender Verweis auf die immensen Fortschritte der letzten Jahrzehnte.
Die Frauenhasser
Antifeministische Positionen machen sich in der Gesellschaft breit
von Ilona Herrmann
Sie nennen sich Maskulisten, Männerrechtler oder einfach, nach ihrem Hauptfeind, Antifeministen, und behaupten eine «Bewegung» für die Rechte aller Männer zu sein. Sie schreiben Zeitungskommentare und verschicken Protestbriefe, treten in Talkshows auf, organisieren internationale Treffen, gründen Parteien, aber vor allem dominieren sie im Internet. Dabei geht es immer um das eine, leidige Thema: Männer sind Opfer.
Akteure und Vordenker der antifeministischen Männerrechtsbewegung in Deutschland
Arne Hoffmann, Journalist, Buchautor und Blogger, ist Mitglied bei MANNdat und Gründungsmitglied bei agens. Er war in der AG Männer, der Männerpolitischen Initiative der Piratenpartei aktiv, in der sich eine Reihe von antifeministischen Aktivisten bewegt.
Weltweit gegen Gewalt gegen Frauen
V-Day – Valentinstag mal anders
von Angela Huemer
Das V in V-Day steht für Victory, Valentine und Vagina (V-Day ist ansonsten im englischsprachigen Raum der Begriff für den Tag, an dem die Alliierten 1944 an der Küste der Normandie landeten). Initiatorin des V-Days ist die amerikanische Autorin Eve Ensler, am bekanntesten ist wohl ihr Theaterstück Die Vagina-Monologe. Neben ihrer schriftstellerischen und künstlerischen Tätigkeit ist Eve Ensler Aktivistin gegen Gewalt gegen Frauen. Die V-Day-Bewegung hat bis dato mehr als 80 Mio. Dollar gesammelt, mit denen u.a. rund 12000 Programme gegen Gewalt gegen Frauen finanziert wurden, außerdem Frauenhäuser in Ländern wie Demokratische Republik Kongo, Haiti, Kenya, Ägypten und Irak.
Alice im Niemandsland: Alice Schwarzer in der Kritik
Miriam Gebhardt: Alice im Niemandsland. Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor.
München: DVA, 2012. 19,99 Euro
von Paul B. Kleiser
Das Buch der in Konstanz lehrenden Autorin Miriam Gebhardt mit dem Untertitel «Wie die deutsche Frauenbewegung die Frauen verlor» ist nicht nur eine Kritik an den Positionen und der dominanten Rolle, die Alice Schwarzer, als Schülerin von Simone de Beauvoir, seit den 70er Jahren in der deutschen Frauenbewegung einnimmt. Es bringt einen Abriss der Entwicklung der deutschen und internationalen Frauenbewegung und geht der Frage nach, warum die Situation in Deutschland – verglichen mit anderen westlichen Ländern und selbst mit der Vergangenheit im Kaiserreich und in der Weimarer Republik – so provinziell ist. Eine erklärte Antifeministin wie Kristina Schröder konnte hierzulande Frauenministerin werden.
Betreuungsgeld – für die CSU
von Rolf Euler
Der Bundesrat hat am 14. Dezember endgültig über die Einführung des Betreuungsgelds entschieden, es wird – bis zur von der SPD angekündigten Abschaffung bei Regierungsübernahme – ab nächsten August gezahlt.
Der arabische Raum und die Frauen
Bildung und Kleinfamilie verändern die Rolle der Frauen in der Gesellschaft
von Gema Martín Múñoz
Die arabischen Gesellschaften werden von Außenstehenden oft als rigide wahrgenommen, resistent gegenüber Veränderungen, weil meist nur die herrschende Schicht gesehen wird, die sich gegen Entwicklung und Veränderung wehrt. Das vorherrschende Frauenbild ist das von Opfern, passiv, exotisch, verhüllt, die eher auf Ereignisse reagieren, anstatt aktiv daran teilzunehmen.
1000 Kreuze in die Spree
Die «Lebensschützer» rühren sich wieder
von Gisela Notz
Sie marschieren wieder, die christlichen Fundamentalisten und militanten Abtreibungsgegner vom Bundesverband Lebensrecht. 1000 Kreuze tragen sie am 18.September 2010 durch die Berliner Straßen, wenn sie nicht daran gehindert werden. Sie wollen für ein generelles Verbot von Abtreibungen demonstrieren und der Öffentlichkeit einprägen, dass in Deutschland täglich 1000 Kinder abgetrieben werden, wie sie zu wissen vorgeben.
Mindestlohn ist ein Frauenthema
Armut hat viele Gesichter
von Gisela Notz
Die Reichen werden immer reicher, die Armen immer zahlreicher. Jeder achte Mensch in der Bundesrepublik lebt an der Armutsgrenze, ohne staatliche Leistungen wäre es jeder vierte. Armut trifft längst auch die Mittelschichten und Menschen, die den ganzen Tag einer Erwerbsarbeit nachgehen. Dafür liegt Deutschland weltweit auf Platz 3 der Liste der Milliardäre.
Weltfrauenmarsch 2010
Nach 2000 und 2005 findet in diesem Jahr der 3.Weltfrauenmarsch statt.
Abtreibungsprozess in Polen
Alicja Tysiac trotzt Staat und Kirche
von Norbert Kollenda
Alicja Tysiac wurde in Polen das geltende Recht, aus gesundheitlichen Gründen die Schwangerschaft abzubrechen, verweigert (siehe SoZ 02/10). Der Europäische Gerichtshof in Straßburg verurteilte daraufhin den polnischen Staat, weil er für die Einhaltung seiner Gesetze keine Rahmenbedingungen geschaffen hatte.
Das Betreuungsgeld
Sozial- und gleichstellungspolitisch ein Rückschritt.
von Gisela Notz
«Um Wahlfreiheit zu anderen öffentlichen Angeboten und Leistungen zu ermöglichen, soll ab dem Jahr 2013 ein Betreuungsgeld in Höhe von 150 Euro, gegebenenfalls als Gutschein, für Kinder unter drei Jahren als Bundesleistung eingeführt werden.» So steht es im schwarz-gelben Koalitionsvertrag unter Kapitel III