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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

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Nur Online Mai 2020

Ein Intellektueller in Buchenwald

David Rousset: Das KZ-Universum. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2020
von John Will

Die Zahl an literarischer Produktion im wissenschaftlichen Bereich über das System der deutschen Konzentrationslager ist kaum zu ermessen. Trotz oder gerade aufgrund des Aufstiegs der radikalen Rechten in Deutschland nimmt dieser Trend nicht ab.

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Nur Online März 2020

Mai Nazifrei!

Bundesweite Demonstration in Hamburg-Harburg
von Jacob Wassermann

Am kommenden 1.Mai mobilisiert der faschistische Mob bundesweit nach Harburg, einem südlichen Stadtteil von Hamburg. Anmelder der Demonstration sind Thomas Wulff und Christian Worch, rechtsextremes Urgestein, beide aus Hamburg-Lohbrügge.

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Nur Online März 2020

Gefühlslage nach dem Anschlag in Hanau

«Wenn man mein Leben nicht achtet, wie soll ich mich dann zuhause fühlen?»
Gespräch mit Serdar Kazak

Zum Zeitpunkt des Mords an Halit Yozgat am 6.April 2006 durch den NSU betrieb SERDAR KAZAK sein Geschäft in nächster Nähe des Anschlagorts. Obwohl ein aufgeklärter Mensch, dachte auch er damals nicht sofort an einen Anschlag von Nazis.

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Nur Online März 2020

Thüringen: Konservative rechts außen

Das braune Herz Deutschlands?
von Paul Wellsow*

Am 5.Februar 2020 wurde im Thüringer Landtag Thomas Kemmerich mit den Stimmen von AfD, CDU und FDP zum Ministerpräsidenten gewählt. Erstmals kam der Regierungschef eines Landes mit den Stimmen der teils faschistischen AfD an die Macht. Inzwischen ist klar, dass die Entscheidung kein Zufall war. Auch wenn vorab keine Verhandlungen geführt wurden, hat es offenbar Absprachen gegeben. In den Fraktionen von AfD, CDU und FDP war das Szenario bekannt, die Folgen wurden in Kauf genommen.
Die Vorgänge lösten ein politisches Erdbeben aus. Während der Stuhl des FDP-Bundesvorsitzenden kurzzeitig wackelte taumelt die CDU nach dem Rücktritt von Kramp-Karrenbauer als Bundesvorsitzende, kopflos vor sich hin, geteilt in ost- und westdeutsche Flügel, die selbst noch in weitere Strömungen zerfallen. Nun strauchelt auch die letzte große Volkspartei und hat ihren Kern als übergreifende bürgerlich-konservative bis rechte Sammlungspartei verloren.
Im Schatten der Bundespolitik segelte die Thüringer CDU ein knappes Vierteljahrhundert unter dem Radar der bundesweiten Aufmerksamkeit. Von 1990 bis 2014 hatte sie hier regiert – teils allein, teils in Koalitionen. Die Konservativen und Thüringen, das schien lange Zeit eins. Das Land war ihr Eigentum, sie quasi eine Staatspartei. 1999 gewann sie noch 51 Prozent der Stimmen. Zwar fiel das Land alle paar Jahre durch Skandale auf: verlorene Festplatten beim Verfassungsschutz, dubiose Personalentscheidungen, selbstherrliches Agieren des «schwarzen Filzes»… Doch das konnte das Selbstbewusstsein der regierenden Partei nicht erschüttern.
Das Ende der CDU als Staatspartei wurde spätestens mit der Wahl 2004 eingeläutet. 2003 hatte Ministerpräsident Bernhard Vogel sein Amt an den farblosen Dieter Althaus übergeben, dem es nicht gelang, die widerstreitenden Interessen in der Partei auszutarieren. 2004 verlor sie acht Prozentpunkte (auf 43 Prozent) und stürzte 2009 – nach Althaus’ Skiunfall und der Übergabe seines Amtes an Christine Lieberknecht – weiter ab auf 31,2 Prozent. Parallel dazu verbesserte die PDS und später DIE LINKE ihre Ergebnisse kontinuierlich bei jeder Landtagswahl. Nun wurden der CDU ihre Grenzen deutlich. Sie wurde nervös, machte Fehler, und auch die Öffentlichkeit tolerierte immer seltener ihr Gebaren.

Rechte CDU
Außerhalb des Freistaats ist die untergründig einflussreiche, rechte Strömung in der Thüringer CDU selten sichtbar. Zwar wurden im Zuge der Ermittlugnen gegen den NSU das Agieren des Geheimdienstes, das Wegschauen der Politik in den 90er Jahren und die hegemoniale Extremismustheorie als Grundlage staatlichen Handelns kritisch beleuchtet. Auch dass es 2014 Gespräche zwischen CDU und AfD gab, um die Wahl Bodo Ramelows zum Ministerpräsidenten zu verhindern, wurde wahrgenommen – doch offenbar nur als singuläres Ereignis. Gleiches gilt für die etablierte kommunale Zusammenarbeit der CDU mit der AfD, über die bundesweit im September 2019 berichtetet wurde.
Vor Ort ist die Nähe von Teilen der Konservativen zur «Neuen Rechten» hingegen seit Jahren bekannt und taugt kaum noch zur Skandalisierung – sie ist normal geworden: Interviews in der Jungen Freiheit, Revanchismus in Organisationen der «Vertriebenen», ein Beitrag des neurechten Vordenkers Karlheinz Weißmann in der Publikation eines damals CDU-geführten Ministeriums oder Vorträge von Rechten bei der CDU – all das wundert in Thüringen niemanden.
All das wurde regelmäßig dokumentiert: 2001 im Buch Das braune Herz Deutschlands? Rechtsextremismus in Thüringen; 2009 im Schwarzbuch CDU-Herrschaft in Thüringen der Linksfraktion, mit Anfragen im Parlament oder in antifaschistischen Zeitschriften wie der rechte rand.

Krause, Hahn…
Anhand zweier Personalentscheidungen lässt sich exemplarisch zeigen, wie fest verwurzelt der rechte Flügel in der Thüringer CDU ist.
2008 schlug Ministerpräsident Althaus vor, Peter Krause zum neuen Kultusminister zu machen. Der war in den 90er Jahren Redakteur der Jungen Freiheit und hatte auch für andere Blätter der extremen Rechten geschrieben. Von seiner Vergangenheit hatte er sich nie politisch distanziert, sondern nur um Ausreden bemüht. Ein breites gesellschaftliches Bündnis verhinderte schließlich seine Ernennung. Als Kultusminister wäre er unter anderem für die Gedenkstätte des KZ Buchenwald zuständig gewesen.
Nach seinem Ausscheiden aus dem Landtag wurde Krause gut versorgt. Er ist heute Direktor von «Schloss Ettersburg». Dort lädt er gerne Referenten von rechts außen ein, unter anderem Thilo Sarrazin oder Karlheinz Weißmann.
Wenige Tage vor der Wahl Kemmerichs stellte der einflussreiche CDU-Funktionär Karl-Eckhard Hahn in einem Artikel «Überlegungen zur Entscheidungsfindung im 7.Thüringer Landtag» an und kam im Kern zum Ergebnis, dass die mögliche Wahl eines FDP-Kandidaten mit Stimmen der AfD zu akzeptieren wäre. Mit Hahn sitzt seit vielen Jahren ein rechter Vordenker an zentralen Stellen in der CDU. Jahrelang war er Sprecher der Landtagsfraktion. Hahn kommt aus der völkisch geprägten Studentenverbindung «Deutsche Gildenschaft», für die er bis heute aktiv ist. Er war in den 80er Jahren Redakteur des rechten Blättchens Phoenix und schrieb für rechte Zeitschriften wie Criticón, Etappe, Ostpreußenblatt und Zeitenwende sowie Anfang der 90er Jahre Beiträge in Büchern der Neuen Rechten. 2013 machte ihn die damalige Ministerpräsidentin Lieberknecht zum Regierungssprecher. Seit 1992 war er stets ein einflussreicher Mitarbeiter an ihrer Seite.

Kontinuität
Nach dem Rücktritt Mohrings erklärte der Bundestagsabgeordnete Christian Hirte seine Kandidatur als neuer Landesvorsitzender. Die Personalie erstaunt. Denn er hatte Kemmerich gleich nach seiner Wahl gratuliert. Kanzlerin Merkel forderte daraufhin den bis dahin Ostbeauftragten der Bundesregierung zum Rücktritt auf. Bislang ist er der einzige Kandidat für das Amt, selbst der Fraktionsvorsitzende Mario Vogt, der zum liberalen Flügel zählt, unterstützt ihn. Seine Wahl zum neuen CDU-Landesvorsitzenden wäre ein deutliches Zeichen der Partei, dass sie sich ausdrücklich zu dieser Richtungsentscheidung bekennt.
Nur einen Tag bevor der Verfassungsschutz den «Flügel», die völkische Strömung des Thüringer AfD-Chefs Björn Höcke, zum «Verdachtsfall» erklärte, sagte Hirte der Südthüringer Zeitung, er tue sich «schwer», Höcke einen Faschisten zu nennen. Das nennt man rechte Kontinuität.

* Der Autor ist Geschäftsführer der Rosa-Luxemburg-Stiftung Thüringen.

Nur Online März 2020

Nazis entwaffnen – jetzt!

Gefahr von Rechts darf nicht toleriert werden
von Friedrich Burschel*

Wieder eine Horrornacht in Deutschland, die Nacht vom 19. auf den 20.Februar 2020: Neun Menschen verlieren ihr Leben, weil ein deutscher Nazi sich selbst zu einem Schlag im «Rassenkrieg» ermächtigt.

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Nur Online März 2020

AFDP – Die rechte Versuchung

Die braunen Wurzeln der FDP
von Paul Kleiser

Wäre es in Thüringen nach der FDP gegangen, würde heute zum erstenmal seit 90 Jahren wieder eine Nazipartei in einem Bundesland mitregieren.

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Nur Online März 2020

Coronavirus

Rassistische Verwertung von Seuchen
von Zhang Lijia*

Eine Schlagzeile, die China als «kranken Mann Asiens» bezeichnet, eine Karikatur mit einer chinesischen Flagge, auf der die Sterne durch Symbole des Coronavirus ersetzt sind, eine Zu­nahme fremdenfeindlicher Vorfälle gegen Chinesen: Die Epidemie scheint die hässlichere Seite im Menschen zum Vorschein ge­bracht zu haben.

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Nur Online März 2020

Was die Tage von Erfurt uns lehren

Der seidene Faden der bürgerlichen Demokratie
von Angela Klein

Nein, so einfach kommen sie nicht durch. Als in den Tagen von Erfurt «ein Hauch von Weimar» in der Luft lag, ging die Bevölkerung sofort auf die Straße – am 15.2. demonstrierten in Erfurt 18000 Menschen für «Kein Pakt mit Faschisten».

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Nur Online März 2020

Warum nach Halle vor Halle ist…

Antisemitismus, Fremdenfeindlichkeit, Erinnerungsstörungen
von Helmut Dahmer

Nachstehend veröffentlichen wir das Vorwort zu einer Aufsatzsammlung von Helmut Dahmer, die kürzlich unter dem Titel Antisemitismus, Xenophobie und pathisches Vergessen im Verlag Westfälisches Dampfboot erschienen ist (101 S.,10 Euro).

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Nur Online März 2020

Andrea Röpke, Andreas Speit: Völkische Landnahme

Berlin: Ch. Links ­Verlag, 2019. 208 S., 18 Euro
von Rolf Euler

Andrea Röpke und Andreas Speit schreiben über «Alte Sippen, junge Siedler, rechte Ökos» und die rechten bis neofaschistischen Bestrebungen, Land und Leute zu unterwandern, kulturelle Hegemonie im ländlichen Raum zu erringen.

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