Nur Online 2. Juli 2026

Von Kuba lernen

ZaPF, die Zusammenkunft aller Physik-Fachschaften in Deutschland, ruft, wie wir erst jetzt erfuhren, zur Solidarität mit Kuba auf. (Siehe auch „Zapatisten solidarisieren sich mit Kuba“ in der gerade erschienen SoZ). Die Phsik-Studierende verweisen in ihrer nachfolgend dokumentierten Resolution auf die außerordentlich hohen Bildungsausgaben Kubas gemessen an sei Wirtschaftsleistung. Die Inselrepublik leiste unter anderen auch einen wichtigen Beitrag zur medizinischen Versorgung im Gaza-Streifen und im Westjordanland, indem sie bereits „hunderten palästinensischen Studierenden“ kostenfreie medizinische Ausbildung ermöglicht hat. Das kostenfreie Bildungssystem des Landes sei eine Errungenschaft, „welche wir als ZaPF noch erstreiten müssen“.

Amerika 1. Juli 2026

Zapatistas solidarisieren sich mit Kuba

Doch ihre Erklärung wird in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen
von Peter Nowak

»Ein neuer Tag mit 15 bis 20 Stunden ohne Strom, 34 Grad Celsius im Schatten, Wasserproblemen, denn dafür braucht man auch Strom, und eine Nacht mit vielen Moskitos erwartet uns. Das ist nur das normale Elend«, beschrieb Renate Fausten vor einigen Wochen in einem Brief an die junge Welt, was die ständigen Stromausfälle für das tägliche Überleben in Kuba bedeuten. Fausten lebt in Havanna und ist in der Solidaritätsbewegung mit der kubanischen Bevölkerung aktiv.

Amerika 1. Juli 2026

Honduras: Eine neue Drogendiktatur

Wie die lateinamerikanische Linke bekämpft werden soll
von Wolfgang Pomrehn

In Lateinamerika braut sich ein gewaltiger Skandal zusammen, der ein Schlaglicht darauf wirft, wie weit die Regierung in Washington und mit ihr verbundene Kreise zu gehen bereit sind, um Lateinamerika wieder völlig unter eigene Kontrolle zu bekommen und die chinesische Konkurrenz hinauszudrängen.

Nordafrika/Nahost 1. Juli 2026

Massenprotest gegen Handel mit Israel

EU-Bürgerinitiative sammelt Unterschriften
von ak

Eine Europäische Bürgerinitiative für die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel sammelt eine Million Unterschriften unter diese Forderung.

Aufmacher 4 30. Juni 2026

Schweigen und Schuld

Psychologische Mechanismen im Umgang mit dem Genozid in Gaza


von Iris Hefets

Der nachstehende Beitrag ist das bearbeitete Transkript eines Vortrags, den Iris Hefets am 28.Juni 2025 in Bremen gehalten hat.

Die Veranstaltung sollte ursprünglich in den Räumen der Uni Bremen stattfinden, doch die gebuchten Räumlichkeiten wurden wieder entzogen – obwohl das Rektorat sich intern angeblich gegen die Antisemitismus-Resolution des Bundestags stellt. Dazu reichte allein ihre Mitgliedschaft bei der Jüdischen Stimme, die wohlgemerkt 2019 noch den Göttinger Friedenspreis verliehen bekommen hat. Die Veranstaltung fand deshalb in der Bremer Zionskirche statt.

Das Iran-USA-Abkommen in 14 Punkten

Frieden als Absicht
dokumentiert

Am 19.Juni unterzeichneten Vertreter der Islamischen Republik Iran und der USA eine Absichtserklärung für ein Friedensabkommen. Es steht auf wackligen Füßen, denn die dritte Kriegspartei, Israel, ist darin nicht einbezogen und lehnt das Abkommen ab. Diese Flanke bleibt solange offen, bis eine US-Regierung Israel mit der Einstellung der Waffenhilfe droht.

Seefahrt

Zahlensalat
von Wolfgang Pomrehn

Ende Mai saßen nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters noch immer mehr als 20.000 Seeleute auf rund 2000 Schiffen im Persischen Golf fest, weil der Iran und die USA die Straße von Hormus, den Ausgang des Golfs in den Indischen Ozean versperren.

Trump und der Irankrieg

Eine schallende Ohrfeige
von Angela Klein

Ende Januar verkündete Trump, er wolle der aufständischen iranischen Bevölkerung mit Militärschlägen und einer Enthauptung des Regimes zu Hilfe eilen.
Ende Februar erklärte er, er wolle das Nuklearprogramm des Iran zerstören: seine ballistischen Raketen, seine Seestreitkräfte und die Produktionsinfrastruktur für Raketen und Drohnen, und das hochangereicherte Uran beschlagnahmen.

Nur Online 16. Juni 2026

Von der Monarchie zur Volksfront

Von Paul Michel

Vor 90 Jahren begann der spanische Bürgerkrieg. Wir bringen hier einen Überblick über seine Vorgeschichte. In der nächsten SoZ folgt ein Schwerpunkt zur Bildung der Volksfrontregierung und zum Putsch der Generäle im Juli 1936.

Zu Beginn des 20.Jahrhunderts war Spanien eines der rückständigsten Länder in Europa.

Nur Online 12. Juni 2026

Kriegerische neue Welt

Es herrscht Krieg; im Iran, im Libanon, in Gaza, in der Westbank, in Israel, im Sudan, in der Ukraine, und überall leiden die Menschen, werden traumatisiert, sterben Zivilisten und Soldaten. Zu Hunderttausenden.

medico international ist in vielen der Länder seit Jahrzehnten mit Partnerorganisationen aktiv, hilft, medizinische Versorgung zu organisieren, sammelt hierzulande Spenden für diverse Projekte vor Ort.

Entsprechend haben ihre Mitarbeiter, die immer wieder in die Region reisen, Einblicke in den Alltag, in das Leiden und in das Fühlen der Menschen. Wie ist die Lage im Iran?

Nur Online 1. Juni 2026

POLNISCHE PRESSESCHAU 258

Von Norbert Kollenda, 31.05. 2026

Werte Leserinnen und Leser,

Zunächst zwei Texte zu zwei linken Parteien, ob sie gemeinsam zur Wahl starten und ihre unterschiedlichen Meinungen über Ausgaben für die BildungGibt es Unterschiede in der Einstellung zur Wehrpflicht Polen/Deutschland?Zwei Artikel zu alten Wunden um 1945 Polen - UkraineUngleichbehandlung von Arbeitsmigranten Deutschland - PolenAsylrecht in Polen weiter ausgesetzt?Polen vergibt polnische Staatsbürgerschaft und lässt kranke Ukrainer alleinAus für Tagebau Turów – ohne Sozialplan

Getrennte Wege Nowa Lewica und Razem

Polityka, 25.

Kriegskosten: Der Süden zahlt den höchsten Preis

Energie, Inflation und Überleben im globalen Süden
von Sushovan Dhar

Für viele ist der Irankrieg in erster Linie eine geopolitische und Energiekrise: steigende Ölpreise, Instabilität auf den Schifffahrtswegen, nervöse Aktienmärkte und Inflationsängste. In Asien und Afrika wird derselbe Konflikt jedoch weitaus direkter erlebt: in den überfüllten Stadtvierteln in Delhi und Dhaka, in den Bussen von Nairobi und Kairo bis zu den landwirtschaftlichen Betrieben, die bereits mit Schulden und steigenden Produktionskosten zu kämpfen haben.
?Kriege in strategisch wichtigen Regionen bleiben nicht auf die Schlachtfelder beschränkt. Sie breiten sich über Öltanker, Lieferketten, Frachtrouten, Devisenmärkte und Schuldenstrukturen aus und verändern das tägliche Leben.

Kriegspolitik beginnt im Alltag

Movimento No Base – ein antimilitaristisches Bündnis in der Toskana
von Gerhard Klas

Die italienische Bewegung Movimento No Base ist 2022 aus einem ganz lokalen Konflikt heraus entstanden. Vor allem richtete sich ihr Widerstand gegen den Bau einer neuen Militärbasis am Stadtrand von Pisa, die 140 Hektar umfassen sollte, darunter Teile eines Naturschutzgebiets. Tatsächlich ging es um die großen gesellschaftlichen Fragen: um Militarisierung, um die Umwidmung öffentlicher Mittel, um die Belastung von Landschaft und Infrastruktur. Wer diese Bewegung verstehen will, muss sie deshalb nicht nur als Protest gegen ein Bauprojekt lesen, sondern als politisches Signal gegen eine Ordnung, die Kriegsvorbereitung über soziale Bedürfnisse stellt.

Interimperialistische Konflikte

… und ihre Grenzen
von Peter Drucker

Nicht-Marxisten verstehen unter Imperialismus hauptsächlich militärische Intervention, Marxisten hingegen sehen den militärischen und geopolitischen Imperialismus im wirtschaftlichen Imperialismus begründet. Das bedeutet ungleiche kapitalistische Entwicklung, Kapitalexport, Wettbewerb um Rohstoffe, ungleicher Tausch usw.

Kriegstüchtig per Tarifvertrag

Ver.di stimmt der Einschränkung von Arbeiterrechten im Krisenfall zu
dokumentiert

Gegen Ende des vorigen Jahres hat die Dienstleistungsgewerkschaft Ver.di mit der Heeresinstandsetzungslogistik GmbH (HIL – zu 100 Prozent in staatlicher Hand) nach zwei Jahren Verhandlungen ein Tarifvertragspaket abgeschlossen, das aus einem Manteltarif- und einem Ergänzungstarifvertrag besteht. Mit diesem Vertragswerk begibt sich Ver.di in die Rolle der Mitgestalterin der Militarisierung in Deutschland.
?Die Initiative »Sagt NEIN! Gewerkschafter:innen gegen Krieg, Militarismus und Burgfrieden« hat das Paket einer detaillierten Kritik unterworfen, die wir hier gekürzt wiedergeben.

Wohin steuert der globale Kapitalismus?

Die kapitalistische Globalisierung ist nicht am Ende und die Lage mit der vor dem ­Ersten Weltkrieg nicht vergleichbar
Angela Klein im Gespräch mit Thomas Sablowski

Thomas Sablowski forscht und publiziert zu politischer Ökonomie, marxistischer Klassenanalyse und Regulationstheorie. Bis 2025 war er Referent für politische Ökonomie der Globalisierung in der Rosa-Luxemburg-Stiftung.

Buch 22. Mai 2026

Klima und Klassenkampf

Ihr Verhältnis aus polnischer Sicht
von Norbert Kollenda

Przemyslaw Wielgosz: Pogoda dla rewolucjonistów. Jak zmienic swiat w czasie katastrofy (Ein Wetter für Revolutionäre. Wie die Welt verändern in einer Zeit der Katastrophe)
Krakau: karakter, 2026

USA: Zerfall & Zukunftsoptionen

Trump und der Trumpismus tragen zum Zerfall seines Regimes bei
von Paul Le Blanc

Drei Elemente charakterisieren den Hintergrund, vor dem der Aufstieg Trumps und der Trumpismus verständlich werden.

Aufmacher Klasse 21. Mai 2026

Hormus: 20.000 unsichtbare Opfer

Im Persischen Golf werden Seeleute zu Geiseln
von Wolfgang Pomrehn

Nie zuvor seit dem Zweiten Weltkrieg sind so viele Seeleute in das Kreuzfeuer eines Krieges geraten wie jene, die derzeit im Persischen Golf auf über tausend Schiffen festsitzen. Doch von ihrem Leid erfährt man wenig in den hiesigen Medien. Ebenso wenig wie über die Lage der Millionen von ausländischen, rechtlos gehaltenen Arbeiterinnen und Arbeitern, die in den Golfmonarchien auf den Baustellen, in den Fabriken und selbst in den Haushalten der privilegierten Einheimischen die Wirtschaft am Laufen halten.

Aufmacher 1 21. Mai 2026

Trump ist der Größte

Die Fußball-WM in den USA: Repression im Schatten der Trumpschen Selbstinszenierung
von Gerhard Klas

Es war eine Szene, die alles sagte: Gianni Infantino, Präsident des Weltfußballverbands FIFA, überreichte Donald Trump im Dezember 2025 den eigens geschaffenen »FIFA-Friedenspreis«. Eine Farce, die Programm sein wird für die Fußball-Weltmeisterschaft 2026.

Nur Online 7. Mai 2026

POLNISCHE PRESSESCHAU 255

Von Norbert Kollenda

18. 04. 2026

Liebe Leserinnen und Leser!

Beachten Sie bitte, dass ich teilweise durch KI die Artikel zusammen fassen lasse, dies ist an den Zwischenüberschriften und * zu erkennen. Wie ist Eure/Ihre Meinung dazu?

Europa 30. April 2026

Machtwechsel in Ungarn

Demokratischer Generationswechsel?
von Tibor Meszmann und Marika Varga

Ungarn hat am 12.April 2026 gewählt. Die neue Regierungspartei Tisza hat quasi aus dem Stand eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erreicht. Und das ist noch nicht alles. Der »Diktator« und Autokrat Viktor Orbán geht am Wahlabend gegen 21 Uhr ans Mikrofon, gratuliert dem Gewinner und kündigt an, künftig in der Opposition aktiv für die Belange seiner »2,5 Millionen« Wähler:innen streiten zu wollen.

Amerika 30. April 2026

Brasilien: 1.Internationale Antifa-Konferenz

Für die Souveränität der Völker
von Leonardo Melgarejo und Antônio Andrioli

Mehr als 3500 Konferenzteilnehmer:innen versammelten sich vom 26. bis 29.März 2026 in der südbrasilianischen Hauptstadt Porto Alegre. Laut Angaben der Organisatoren nahmen an den Eröffnungsveranstaltungen bis zu 5000 Menschen aus mehr als 40 Ländern teil. Aus Europa waren u.a. vertreten La France Insoumise, Attac, CADTM (Komitee für die Abschaffung illegitimer Schulden), die Rosa-Luxemburg-Stiftung sowie verschiedene politische und gewerkschaftliche Organisationen.
Leonardo Melgarejo und Antônio Andrioli waren vor Ort dabei und berichten.

Kolumne Ingo Schmidt 30. April 2026

Donald Trumps Ausgebeutete Staaten von Amerika

Die Aggression nach außen soll nationale Einheit herstellen
von Ingo Schmidt

Zölle, Entführungen, Blockaden, Bomben und dauernde Drohungen mit Eskalation markieren Trumps zweite Amtszeit. Der Grund für die Aggression: Die USA müssen sich von der Ausbeutung durch andere Länder befreien, sagt Trump. Die bereichern sich am US-Markt, die NATO-Partner lassen die USA auf den Kosten der Sicherung gegen Schurkenstaaten sitzen, die Schurkenstaaten bedrohen die Sicherheit der USA. Aggression gegen alle wird die Ausbeutung Amerikas beenden und das Land zu früherer Größe zurückführen.

Amerika 30. April 2026

Kuba im Würgegriff?

Die Lage ist nicht hoffnungslos
von Paul Michel

Ende Januar hat Trump per Exekutivanordnung den kleinen karibischen Staat zur »außergewöhnlichen Bedrohung« für die Nationale Sicherheit der waffenstrotzenden Supermacht USA erklärt. Seither nimmt Trump Kuba in den Würgegriff. Berauscht vom Erfolg des Coups gegen Venezuela, meint er nun auch mit Kuba leichtes Spiel zu haben. Er hat angeordnet, Kuba von der Versorgung mit Treibstoff abzuschneiden. Er droht allen Ländern Strafzölle an, die Erdöl an Kuba liefern.
Doch Kuba ist nicht Venezuela!

Europa 30. April 2026

Griechenland bedroht Kollektiv

›Es ist und bleibt ein Viertel von unten‹
Musa Kaplan im Gespräch mit Mol und Nora

Die Gemeinschaft des besetzten Prosfygika in Athen lebt Kollektivität. Jetzt droht der griechische Staat sie zu räumen.

Mol und Nora sind beide Teil der Community und aktiv im Internationalistischen Komitee und in der Struktur für technische Arbeiten. Mit ihnen sprach Musa Kaplan.

Aufmacher 1 1. April 2026

Krieg gegen den Iran

Die Welt steht in Flammen – buchstäblich
von Angela Klein

Der Krieg gegen den Iran ist mit der Bombardierung der iranischen Ölfelder und Irans Vergeltungsschlag gegen ein zentrales Erdgasfeld in Qatar in eine neue Phase getreten.

Ein langwieriger Krieg im Iran nützt nur den Islamisten

›Die Hardliner haben sich im Moment durchgesetzt‹
Gespräch mit Eskandar Abadi

Der Krieg in Westasien, angefangen von Israel und den USA gegen den Iran, erschüttert die ganze Region und mittlerweile auch die Welt. Ayse Tekin sprach mit Eskandar Abadi über die Lage im Land und die Möglichkeiten zur Beendigung des Krieges.

Klima 1. April 2026

Fossile Knechtschaft

Gas und Sprit weder billig noch sicher
von Wolfgang Pomrehn

Trumps und Netanyahus Krieg in Westasien verursacht nicht nur unendliches Leid. Bis zu einer Million Libanesinnen und Libanesen, 20 Prozent der Bevölkerung, mussten bereits vor der massiven Gewalt fliehen, heißt es bei der UNO-Flüchtlingshilfe. 280.000 Kinder seien von der Eskalation betroffen. Angst und Verlust würden ihren Alltag bestimmen. In Iran waren nach knapp drei Wochen Krieg drei Millionen Menschen auf der Flucht.

Die Ursprünge der Friedensbewegung

Vor 75 Jahren: Gegen die Wiederbewaffnung
von Gisela Notz

Nie, nie, nie woll’n wir Waffen tragen!
Nie, nie, nie woll’n wir wieder Krieg!
Lasst die hohen Herrn sich selber schlagen,
wir machen das nicht länger mit!

Refrain aus einem Lied der Roten Falken

Presse- und Meinungsfreiheit verteidigen

Tech-Konzerne führen einen Medienkrieg in Europa

von Michael Kohler

Zahlreiche Stimmen warnten in den letzten Monaten vor Bedrohungen der Presse- und Meinungsfreiheit. Inmitten der Lawine entsprechender Angriffe kam es auch zu Sanktionen der US-Regierung gegen fünf Personen, die in Europa leitende Positionen bei der Bekämpfung digitaler Desinformation innehaben.

Aufmacher 2 1. April 2026

Frankreich: Rechter Terror gegen Antifa

Die Terrorstrategie der Rechten ist bei den Kommunalwahlen nicht aufgegangen
von Bernard Schmid

Vor den Kommunalwahlen in Frankreich am 15. und 22.März entfesselten Nazis und Konservative Hand in Hand eine regelrechte Terrorkampagne gegen Antifas und Linke.

Nordafrika/Nahost 1. April 2026

Westjordanland: Annexion per Gesetz

Israelisches Kabinett verhängt israelisches Recht über Gebiete im Westjordanland
von Qassam Muaddi

Israel hat gerade die Existenz der Palästinenser im Westjordanland per Gesetz ausgelöscht, und das ist keine Übertreibung.

Angriff auf Rojava

Reisebericht über Krieg und Verhandlungen

von Musa Kaplan

Unser Redakteur Musa Kaplan hat vom 1. bis 5.März im Rahmen einer humanitären Delegation ­Rojava besucht. Nachstehend sein Bericht.

Die Stimmung in Iranisch-Kurdistan

›Wenn unsere Strategie es erfordert, in den Krieg einzutreten, dann tun wir das auch‹
Gespräch mit Ela Ava

Ela Ava ist Journalistin und arbeitet zum Nahen Osten, insbesondere zum Iran.

Gesundheit 1. April 2026

Covid-19: Lernen aus der Pandemie

Bereit sein für Epidemien
von Matthias Becker

Sind wir mittlerweile bereit, die Covid-19-Pandemie aufzuarbeiten? Tatsächlich mauern viele Linke und tun die anstehende Aufarbeitung als »Pandemie-Revisionismus« ab. Aber es geht dabei um mehr als die Frage, wer damals recht hatte. Für eine sozialistische Gesundheitspolitik in den Zeiten der Vielfachkrise müssen wir selbstkritisch zurückschauen und uns auf die kommenden Gesundheitskrisen vorbereiten.

Nur Online 31. März 2026

POLNISCHE PRESSESCHAU 254 29. 03. 2026

Zusammengestellt von Norbert Kollenda

Liebe Leserinnen und Leser, eigentlich nicht viel Neues – Regierung und Präsident im Clinch, die PiS stellt sich auf die Konferderacja ein, der Präsident auf Charme-Offensive bei seinem Vorbild ist die Generation Z anspruchsvoll, polnische Firmen auf dem Deutschen Markt, Extreme Rechte bezichtigt Bischofsbrief der Häresie (eher was für Theologen?)

Czarnek Kronprinz der PiS und die Konfederacja OKO.press 08. 03 2026

(Kaczy?ski hat Przemys?

Nur Online 6. März 2026

POLNISCHE PRESSESCHAU 253 03. 03. 2026

Von Norbert Kollenda

Das Theater in der polnischen Politik geht weiter. Die Vorgaben macht der Präsident, der seine Kompetenzen selbst ausweiten will.

Ansonsten ist da das Verhältnis Polens und Nawrockis zu Trump und den USA, das Bestreben einiger Polen aus der EU auszutreten sowie die Furcht davor, und der sich asuweitende Skandal um das Collegium Humanum. Zwei positive Berichte betreffen die Kirche: Bischof Je? steht vor Gericht, und Bischof Wa?

Asien/Australien 1. März 2026

Sterben vor Erschöpfung

Die Arbeitsbedingungen in Chinas Autoindustrie
Gespräch mit Peter Franke

Vom 20. bis 22.März findet in Köln eine internationale China-Konferenz statt, die Zerrbilder über China korrigieren will: Die einen halten das Reich der Mitte immer noch für eine Alternative zum westlichen Kapitalismus, die anderen betrachten China als Konkurrenz und Bedrohung.

Münchner Sicherheitskonferenz

Europa am Katzentisch
von Angela Klein

Man kann den Stand der transatlantischen Beziehungen an zwei Reden auf der Münchner Sicherheitskonferenz ablesen: der des US-Außenministers Marc Rubio und der von Bundeskanzler Friedrich Merz.

Flucht/Migration 1. März 2026

Migrant:innen willkommen!

Berlin kann von Madrid lernen
von Ayse Tekin

Die spanische Regierung plant die Legalisierung einer halben Million Migrant:innen, die bislang ohne gesicherten Aufenthaltsstatus im Land leben und arbeiten. Spanien hat auch in früheren Jahren eine solche Politik betrieben und damit nicht nur diesen Menschen eine Zukunft gegeben, sondern auch ihrer unbegrenzten Ausbeutung als »Illegale« einen Riegel vorgeschoben.

Harte Urteile und Fake-Beweise

Repression gegen Antifaschist:innen
von Silke Makowski

Der gesamte sogenannte Budapest-Komplex ist eine einzige Ballung von Rechtsbeugungen, Rechtsbrüchen und Unrechtsjustiz – eine ungarisch-deutsche Hetzjagd auf alle, die der NS-Verherrlichung durch Nazis beim jährlichen »Tag der Ehre« entgegentreten. Wer gegen den Aufmarsch in SS- und Wehrmachtsuniformen durch die ungarische Hauptstadt aufbegehrt, wird zum Freiwild erklärt.

Gegen Militarisierung und Kriegsdienst

Der Aufruf 70+ gegen Militarisierung und Kriegsdienst
von Albrecht Kieser

Im Dezember 2025 wurde in Köln der Aufruf 70+ gegen Militarisierung und Kriegsdienst veröffentlicht. 160 Kölner:innen, die älter als 70 Jahre sind, haben ihn mittlerweile unterschrieben, auf einem Treffen von vierzig von ihnen im Januar haben sie mehrere Stadtteil- und Aktionsgruppen gebildet.

AKW 1. März 2026

15 Jahre Fukushima

Zahlensalat
von Wolfgang Pomrehn

Am 11.März sind es 15 Jahre her, dass ein schweres Seebeben der Stärke 9 bis 9,1 nordöstlich von Tokio einen gewaltigen Tsunami auslöste. Auf einer Länge von 180 Kilometern hatte sich der Meeresboden um sechs bis acht Meter verschoben. Zuvor waren weltweit nur drei Beben in der Geschichte der bis 1900 zurückreichenden seismischen Aufzeichnungen stärker. Rund 18.000 Menschen fanden den Tod, über 2500 gelten bis heute als vermisst. Mehr als 450.000 Menschen wurden obdachlos.

Aufmacher 2 1. März 2026

Frauenstreik, Generalstreik, Globalstreik

Mehrere Initiativen bereiten für den 9.März Aktionen vor
Gespräch mit Jen Follmann

Frau könnte meinen, dass wir vor dem ersten Instagram-Aufstand aus Deutschland stehen. In anderen Ländern sind ebenfalls Aufstände über die sog. sozialen Medien entstanden und groß geworden, aber auch wieder abgetaucht. In Deutschland melden sich die Frauen zu Wort mit den hier beispielhaft genannten Instagram-Accounts »Töchter Kollektiv«, »Enough«, »Ohne uns steht alles still« »HunderttausendMütter«.

Aufmacher 1 1. März 2026

Beim Schulstreik geht es nicht nur um Entscheidungsfreiheit

›Würde nie sterben für ein Land, das uns so leben lässt‹von Musa Kaplan

»Frag’ mich, was ein Leben wert istDie sitzen in Palästen und dann redensie von WehrpflichtNichts ist hier sicher, aber ein paarDinge stehen fest (Ja)Würden nie sterben für ein Land, dasuns so leben lässt«»Meine Söhne geb’ ich nicht« – Disarstar

Die Vorbereitung der Wiedereinführung der Wehrpflicht sorgt für hitzige Diskussionen. Dabei geht es um viel: Milliarden an Geldern, demokratische Freiheiten und, in letzter Konsequenz, auch das Leben der Menschen, die in den Krieg gezwungen werden sollen. Welche Perspektive findet die junge Antikriegsbewegung darin?

Angesichts des großen Nachdrucks, mit dem die Militarisierung vorangetrieben wird, lohnt sich die Frage, ob es denn wirklich keine Alternative zu Aufrüstung und Krieg gibt? Wer profitiert von der Militarisierung der Gesellschaft, wer geht dabei leer aus?

Aufmacher 3 1. März 2026

Kriegstüchtig um jeden Preis?

Der ›Operationsplan Deutschland‹ und die schleichende ­Militarisierung unserer Gesellschaft
von Claudia Haydt

Der »Operationsplan Deutschland« (OPLAN DEU) ist ein geheimes Dokument, ein mehrere hundert Seiten dickes Arbeitspapier, das seit 2024 weiterentwickelt wird. Beteiligt sind daran die Bundeswehr, die Innenministerien des Bundes und der Länder sowie zahlreiche weitere zivile Stellen.

Merz will die Bombe

Es ist höchste Zeit, an die Schrecken eines Atomkriegs zu erinnern
von Wolfgang Pomrehn

Manchmal ist es kaum fassbar, mit welcher Leichtsinnigkeit heutzutage Politiker und Politikerinnen über den Einsatz von Atomwaffen fabulieren. Selbst bei den Grünen, einer Partei, die u.a. aus der westdeutschen Friedensbewegung der 80er Jahre hervorgegangen ist, gibt es Stimmen wie die des Ex-Außenministers Joschka Fischer, die eine atomare Aufrüstung der EU fordern.

Amerika 1. März 2026

USA: Terror und Gegenwehr

Nach den Morden von Minnesota fordern viele die Auflösung der ICE
von Dianne Feeley, Detroit

Noch bevor Trump im Januar 2025 sein Amt antrat, wussten Aktivisten in den Gemeinden, dass es notwendig war, eine neue Infrastruktur für Zufluchtsorte aufzubauen. Er hatte versprochen, die Grenze zu schließen und täglich 3000 Menschen abzuschieben. Er hatte alle Einwanderer als Kriminelle oder Terroristen bezeichnet, auch diejenigen, die einen Termin für eine Asylanhörung hatten. Diese Menschen haben bisher ebenso wie diejenigen, denen aufgrund von Klimakatastrophen oder Bürgerkriegen in ihren Ländern ein vorübergehender Schutzstatus gewährt wurde, eine Arbeitserlaubnis.

Amerika 1. März 2026

Minneapolis wehrt sich gegen Trumps Terrortruppe

Die Wut ist überall spürbarvon Randy Furst*Wie die meisten Einwohner von Minnesota und Minneapolis empfinde ich den Angriff der ICE als persönlichen Angriff. Ich lebe seit 1971 hier. Wir sind entsetzt, wütend und haben die Schnauze voll.Das Haus, in dem wir unsere Kinder großzogen, lag nur wenige Straßen von dem Ort entfernt, an dem die ICE am 7.Januar Renee Good erschossen hat.

Amerika 1. März 2026

Minnesota: Lehren aus einer gigantischen Bewegung

Wie organisiert man in den USA einen echten Generalstreik?
von Eric Blanc

Generalstreiks sind das wirksamste Kampfmittel der Arbeiterklasse. Die jüngsten Massenaktionen in Minnesota gegen den ICE-Terror waren wichtige Schritte in Richtung eines solchen Streiks, doch es bedarf noch viel mehr Organisation. Nachstehend einige Überlegungen, wie das zu schaffen wäre.

Asien/Australien 1. März 2026

Iran: Düstere Aussichten

Die jüngste Protestwelle ist zugleich breiter und diffuser
von Eskandar Sadeghi-Boroujerdi

Die jüngste Protestwelle im Iran hat eine Flut von Kommentaren ausgelöst, von denen viele auf bekannten, aber irreführenden Narrativen basieren. Einige stellen die Unruhen als bevorstehenden revolutionären Umbruch dar, andere als ausschließliches Ergebnis ausländischer Destabilisierung, wieder andere als verspätete Abrechnung einer Gesellschaft, die endgültig über ihre Belastungsgrenzen hinausgetrieben wurde.

Nordafrika/Nahost 1. März 2026

Nicht von Dauer

Das jüngste Abkommen zwischen Damaskus und der kurdischen Verwaltung
von Gilbert Achcar

Das am 30.Januar verkündete Abkommen zwischen Damaskus und der kurdischen Verwaltung stellt einen Kompromiss dar, der das Kräfteverhältnis zugunsten des Regimes in Damaskus verschiebt. Es ist ein Kompromiss, weil das Abkommen zwischen zwei Parteien geschlossen wurde, von denen keine die Fähigkeit zum Weiterkämpfen eingebüßt hat.

Nordafrika/Nahost 1. März 2026

Karawane zur Verteidigung der Menschlichkeit festgenommen

In der Türkei gefolterte Europäer:innen erwägen rechtliche Schritte gegen türkische Beamte
dokumentiert

Am 15.Januar reisten zahlreiche Aktivist:innen aus verschiedenen europäischen Ländern im Rahmen der »Karawane zur Verteidigung der Menschlichkeit« in die kurdische Region der Türkei. Dort wollten sie ihre Solidarität mit dem Widerstand der Bevölkerung der belagerten Stadt Kobane zum Ausdruck bringen und über die humanitäre Lage in der demokratischen Selbstverwaltung von Nordostsyrien berichten.

Nordafrika/Nahost 1. März 2026

Ist Rojava noch zu retten?

An die Stelle des Konföderalismus tritt Ethnisierung
von Thomas Schmidinger

Mit dem Abkommen vom 30.Januar und dem Einrücken syrischer Sicherheitskräfte in die kurdischen Gebiete, gelang es den syrischen Kurd:innen zwar das Schlimmste zu verhindern. Kobane wird allerdings immer noch blockiert. Wie viel von der einstigen Autonomie der Demokratischen Autonomie Nord- und Ostsyriens (DAANES) noch zu retten sein wird, wird sich in den kommenden Monaten zeigen.

Buch 1. März 2026

Geächtet und gebannt

Wie die EU Menschen ohne Anklage ihrer Rechte beraubt
von Peter Nowak

Hannes Hofbauer: Aller Rechte beraubt. Mit außergerichtlichen EU-Sanktionen zum autoritären Staat. Promedia: Wien, 2026. 224 S., 22 Euro

Die EU, die sich gerne als Hort der demokratischen Werte feiern lässt, greift zu Instrumenten, die die Fundamente des Rechtsstaats aushebeln. Das beschreibt der Historiker und Publizist Hannes Hofbauer in seinem Buch Aller Rechte beraubt sehr gut.

Nur Online 12. Februar 2026

POLNISCHE PRESSESCHAU 252 vom 08. 02. 2026

Zusammengestellt von Norbert Kollenda

„Ich habe nicht die Absicht auf Knien mit den USA zu sprechen, die eine schlechte internationale Politik machen.“

Während bei uns Politiker durch komplexe Gedankengänge irren, findet der polnische Parlamentspräsident W?odzimierz Czarzasty bei einer Pressekonferenz klare Worte bezüglich Nobelpreis für Trump und dessen „Friedensrat“. Polens Außenminister Rados?aw Sikorski ging zu Beginn seiner Rede bei der Oslo Security Conference mit einem leichten Lächeln auch auf diese Thema ein.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2026

Krokodilstränen für die alte Weltordnung

Eine neue Phase imperialistischer Herrschaft

von Angela Klein

Überall wird jetzt der Untergang der sogenannten regelbasierten Weltordnung bedauert: erst überfällt Russland die Ukraine, nun Trump Venezuela. Aber hat diese Weltordnung das verdient?

Fake News vom NATO-Generalsekretär

›Wir sind Russlands nächstes Ziel‹
von Paul Michel

Am 11.Dezember trat in Berlin bei einem Vorbereitungstreffen zur Münchner Sicherheitskonferenz NATO-Generalsekretär Rutte mit einer »Grundsatzrede« vor die Kameras, die darauf angelegt war, die Bevölkerung in Angst und Schrecken zu versetzen. » Wir sind Russlands nächstes Ziel.«

Aufmacher Widerstand 1. Februar 2026

Der Budapest-Komplex

Deutsch-ungarische Verfolgungsoffensive gegen Antifaschismus
von Silke Makowski

Am 13.Januar 2026 begann vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf der bisher größte Prozess im sog. Budapest-Komplex. Sechs Antifaschist:innen sind angeklagt, sich im Februar 2023 in der ungarischen Hauptstadt an körperlichen Auseinandersetzungen mit Nazis beteiligt zu haben. Im Mammut-Prozess gegen Paula, Nele, Emi, Moritz, Clara und Luca sind bisher 72 Verhandlungstage geplant.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2026

KI – eine neutrale Technologie?

Zwischen Automatisierung und Überwachung
von Musa Kaplan

In den vergangenen Wochen häuften sich Berichte von Social-Media-Nutzerinnen, die auf X (früher Twitter) Fotos von sich gepostet haben, nur um später mit Ekel festzustellen, dass fremde Männer in ihren Kommentarspalten Anweisungen gaben, Grok solle sie ausziehen, in einen Minibikini setzen, oder sie auf ihren Knien heulend darstellen.

Aufmacher 1 1. Februar 2026

KI: Bequem & Gefährlich

Die Logik von KI-Slops
von Kate Crawford


Zwischen Überwachung und Deepfakes: Steuern wir auf einen Tech-Feudalismus zu? Wozu braucht es noch Wikipedia, wenn ChatGPT auf alles eine Antwort hat? KI-Modelle werden mit allem gefüttert, was im Internet vorhanden ist, sie produzieren ungeheuer viel Müll, sogeannte „Slops“. Auch das Überwachungssystem Palantir, das die Polizei in Bayern, Hessen und NRW bereits einsetzt und mit dessen Hilfe die Paramilitärs von ICE in den USA Angst und Terror verbreiten, arbeitet mit KI.

Millionen von Menschen sehen sich ein Video über Tel Aviv an, das nach einem iranischen Angriff in Schutt und Asche liegt. Aufnahmen von einem US-Bombenangriff auf Teheran ersetzen die aktuellen Nachrichten über einen Angriff, der noch bevorsteht. Doch bei genauerem Hinsehen erkennt man seltsame Bildfehler und Artefakte. Das Gras unter der F-35 ist unheimlich grün und unberührt. Etwas stimmt nicht. All diese Bilder sind KI-generiert und wirken auf den ersten Blick realistisch. Sie werden weit über die Sozialen Medien hinaus verbreitet. Wir leben im Zeitalter der KI-Slopaganda (Slop = Brei, Schlick, Schund).

Amerika 1. Februar 2026

›Sie müssen tun, was ich sage‹

Das Gesicht der Diktatur Trump über Lateinamerika
von Tobias Lambert

Monatelang hat US-Präsident Donald Trump militärische Angriffe auf »Ziele an Land« in Venezuela angedroht. Die Bombardierungen in der Nacht auf den 3.Januar und die Entführung des venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro kamen dennoch überraschend.

Buch 1. Februar 2026

Brüder im Geiste

Zionismus und völkischer Nationalismus
von Arn Strohmeyer

Clemens Messerschmid: Die deutschen Wurzeln des Zionismus. Zur Entwicklung des Siedlerkolonialismus in Palästina. Mit einem Beitrag von Helga Baumgarten. Heidelberg: Palmyra Verlag, 2025. 112 S., 18 Euro

Wie der Zionismus aus dem Vorbild des deutsch-völkischen Nationalismus entstand und die Palästinenser dabei auf der Strecke blieben

Europa 1. Februar 2026

100 Jahre Kommune Interhelpo

Erfolg und Ende einer Basisinitiative
von Kai Böhne

»Als die Kommunisten versuchten, ein Paradies in der Steppe zu errichten«, betitelt die Journalistin Klára Votavová ihre Reportage, die 2024 zunächst im tschechischen Magazin Voxpot erschien und kurz darauf durch einen Nachdruck im US-amerikanischen Magazin Jacobin internationale Aufmerksamkeit erlangte. Votavová beschäftigt sich mit einem fruchtbaren Solidaritätsprojekt, das im September 2025 auch von der Kirgisischen Expresspost (KEP) mit Sonderbriefmarken gewürdigt wurde. Worum geht es?

Nur Online 26. Januar 2026

POLNISCHE PRESSESCHAU 250 vom 18. 01. 2026

Zusammengestellt von Norbert Kollenda

Präsident Nawrocki und seine Verbindungen ins Milieu der Hooligans, ein ehemaligerBudapester Justizminister, Trump und die Folgen und der fatale Umgang mit Sexualität in der katholischen Kirche

Nawrocki umarmt mehrfach vorbestraften Hooligan

OKO.press 11.01. 2026

„Ich bin einer von euch. Auch dank eurem Mut und der Tatsache, dass die Stadien von Propaganda und momentanen ideologischen Moden verschont geblieben sind, bin ich Präsident geworden – dafür danke ich euch!

Nur Online 26. Januar 2026

POLNISCHE PRESSESCHAU 249 vom 04. 01. 2026

Zusammengestellt von Norbert Kollenda Polnische Stimmen aus einem außenpolitisch verwaisten Land zu Trumps Überfall auf Venezuela

Liebe Leserinnen und Leser!

Eigentlich wollte ich Sie/Euch nicht so schnell wieder mit Informationen „versorgen“. Aber die Spezial-Operation von Trump gegen Venezuela lies mich nach Meinungen in der polnischen Presse suchen.

Zudem sind einige Meinungen zum Jahresbeginn aufgetaucht, die sich da gut einreihen lassen, obwohl sie schon zu Ende Dezember verfasst wurden. Bezeichnend ist die Titelbseite der Polityka:

Die Neujahrsansprache von Präsident Nawrocki als Kampfansage an die andere Hälfte der BevölkerungAggressive Kampagnen der Abtreibungsgegner mit EU Parlamentarier an der SpitzeArbeitsmarkt und Lohnentwicklung

Trump wie Rambo, nur ohne Verstand (und ohne Kongress)

studioopinii.

Nur Online 23. Januar 2026

Kampf um Kobanê

von Musa Kaplan

Kobanê ist wieder unter Beschuss – die von Merz hofierte islamistische Regierung in Damaskus schickt ihre Milizen gegen die kurdischen Gebiete.

Nur Online 10. Januar 2026

Entführung in Caracas


von Tariq Ali

Zwei Jahrzehnte bevor US-Streitkräfte an diesem Wochenende den venezolanischen Präsidenten Nicolás Maduro entführten, hat Hugo Chávez dieses Vorgehen vorhergesagt:
„Vor Jahren sagte mir jemand: ‚Am Ende werden sie dich beschuldigen, ein Drogenhändler zu sein – dich persönlich – dich, Chávez. Nicht nur, dass die Regierung den Drogenhandel unterstützt oder zulässt – nein, nein, nein. Sie werden versuchen, die Noriega-Formel auf dich anzuwenden.‘ Sie suchen nach einer Möglichkeit, Chávez direkt mit dem Drogenhandel in Verbindung zu bringen. Und dann ist alles gegen einen „Drogenhändler-Präsidenten“ erlaubt, oder?“

Aufmacher 4 1. Januar 2026

Risse im Beton – ein Rück- und Ausblick

Krisen und Konflikten trotzen
von Nele Johannsen

Es fällt schwer, zum Jahresbeginn gelassen zu bleiben, 2025 war ein hartes Jahr. Die Welt taumelt weiter von Krise zu Krise. Auf Krieg, Klimakatastrophe und sozialen Absturz reagieren die politisch Verantwortlichen mit den immer gleichen Rezepten: Aufrüstung, Abschottung, Austerität.

Europa 1. Januar 2026

›Sozialismus oder Barbarei‹

Zarah Sultanas Rede auf der Gründungskonferenz von Your Party
dokumentiert

Im folgenden dokumentieren wir die Rede, die Zarah Sultana auf der Gründungskonferenz von Your Party, der neuen britischen Linkspartei, am 30.November in Liverpool gehalten hat.

Aufmacher 3 1. Januar 2026

Trump und Drogenbosse Hand in Hand

Inländische wie ausländische Gewalten versuchen in Honduras das ›richtige‹ Wahlergebnis durchzusetzen
von Leo Gabriel (aus Tegucigalpa)

Alle die, wie angekündigt, am 30.November in Honduras die ersten freien Wahlen nach dem Putsch vom Juni 2009 erwartet hatten, wurden bitter enttäuscht: Nicht nur gibt es auch vierzehn Tage danach wegen angeblicher »technischer Gebrechen« kein eindeutiges Wahlergebnis; wegen der massiven Intervention von Donald Trump kann von einer unabhängigen Meinungsfindung auch nicht die Rede sein.

Kolumne David Stein 1. Januar 2026

Wer finanziert die Hamas?

Wer die Musik bezahlt, bestimmt, was sie spielt
von David Stein

Im Inferno von Gaza ist die Hamas nach wie vor ein Machtfaktor, obwohl relevante Teile ihrer Führungsspitze von Israel getötet wurden. In welchem Umfang sie sich noch auf die Bevölkerung stützen kann, ist jedoch offen. Valide, aktuelle Daten dafür gibt es nicht.

Europa 1. Januar 2026

Griechenland: Studierende werden kriminalisiert

Athens symbolträchtige Hochschule von Sondereinheiten der Polizei gestürmt
von Finia Schaike

Griechenlands konservativ-nationalistische Regierung verschärft die Repression an den Universitäten des Landes. Neue Gesetze sehen vor, dass Studierende für bis zu zwei Jahren vom Unterricht suspendiert werden müssen, sobald die Staatsanwaltschaft aus was für Gründen auch immer gegen sie ermittelt.

Nordafrika/Nahost 1. Januar 2026

Ein Sieg für den Widerstand?

Eine Erwiderung auf Hermann Dierkes’ Kritik in SoZ 12/25
von Angela Klein

Meine Einwände gegen Hermanns Leserbrief lassen sich in fünf Punkten zusammenfassen:

Buch 1. Januar 2026

Krieg – und keiner geht hin?

Eine Geschichte der Fahnenflucht
von Gerhard Klas

Rolf Cantzen: Deserteure. Die Geschichte von ­Gewissen, Widerstand und Flucht. Springe: zu Klampen!, 2025. 204 S., 24 Euro

Deserteure – für die einen sind sie mutige Helden der Gewissensfreiheit, für andere Verräter an der Nation.

Afrika 1. Dezember 2025

„Ein Schuldeingeständnis fehlt bis heute“

Deutschlands Umgang mit seinen Kolonien aus afrikanischer Sicht

Ayse Tekin im Gespräch mit Eli Abeke

Im offiziellen Sprachgebrauch waren die von Deutschland besetzten und ausgebeuteten Gebiete in der Welt »Schutzgebiete«. Ab 1880 angeeignet und nach dem Ersten Weltkrieg zwangsläufig abgegeben, waren die deutschen Kolonien nicht Bestandteil des Reichsgebiets, sondern »überseeischer Besitz des Reichs«.

Aufmacher 3 1. Dezember 2025

Argentinien: Wahlsieg durch Erpressung

Durch Trump geschürte Angst vor dem wirtschaftlichen Zusammenbruch hat Milei den Wahlsieg beschert
Gespräch mit Claudio Katz

Bei den Zwischenwahlen am 27.Oktober 2025 hat der argentinischen Staatspräsident Javier Milei überraschend einen Erdrutschsieg davongetragen. Über diese Wendung sprach Carlos Aznárez von der Zeitschrift Resumen Latinoamericano (www.resumenlatinoamericano.org) mit dem linken argentinischen Ökonomen Claudio Katz.

Patriarchat 1. Dezember 2025

Island: Der Tag an dem alles still stand

›An fast keinem Arbeitsplatz war eine Frau zu sehen‹
von Gisela Notz

Zum »Internationalen Jahr der Frau« (IWY), das die UNO für das Jahr 1975 ausgerufen hat, fanden unter dem Motto »Gleichheit, Entwicklung, Frieden« in vielen Ländern der Erde Veranstaltungen statt. Große Kongresse wurden in Mexiko-Stadt und in Berlin, der damaligen Hauptstadt der DDR, veranstaltet. Auch in Bonn, der Hauptstadt der BRD, wurde gefeiert. Kaum jemand spricht heute noch davon.

Zur Person 1. Dezember 2025

Rosa Parks (1913–2005)

Unermüdliche Kämpferin gegen Rassismus
von Dianne Feeley

Zum 70. Jahrestag des Busboykotts in Montgomery (USA)
Am 1.Dezember 1955 geschah tief im Süden der USA, in Montgomery (Alabama), etwas, das dieses eher kleine Städtchen schon bald über die Grenzen des Landes hinaus bekannt machen sollte. Eine kleine, wohlgekleidete farbige Frau mittleren Alters weigerte sich, ihren Sitz für einen Weißen freizugeben. Daraufhin rief der weiße Busfahrer die Polizei, die die Delinquentin, ihr Name war Rosa Parks, festnahm.
Der Vorfall gilt als Start der modernen Bürgerrechtsbewegung, die in den 1960ern und 1970ern den institutionellen Rassismus in den USA zurückdrängen, wenn auch lange nicht aus der Welt schaffen konnte. Wir fragten Dianne Feeley in Detroit, wer diese ungewöhnliche Frau war, die nicht ganz ohne Absicht den Anstoß dazu gegeben hatte.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2025

Syrien

Islamisten im Bündnis mit den USA und Israel
von Joseph Daher

Der Sturz des Regimes von Bashar al-Assad im Dezember 2024 und die darauffolgende Aufhebung der US-Sanktionen haben Hoffnungen für die Zukunft Syriens geweckt. Mehr als zehn Monate später wird der undemokratische, neoliberale und proimperialistische Charakter des neuen Regimes jedoch immer deutlicher.
?Beim nachstehenden Text handelt es sich um den ersten Teil einer längeren Untersuchung über das neue Regime in Syrien.

Aufmacher Widerstand 1. Dezember 2025

Israel & Fussball

International wächst der Druck, Israel aus den Fußballverbänden auszuschließen
von Leo Earle

Die Union der Europäischen Fußballverbände (UEFA) und der Weltfußballverband (FIFA) brauchten nur wenige Tage, um Russland nach dessen Invasion der Ukraine von der Teilnahme an ihren Ligen auszuschließen. Es war ein schneller Schritt, um einen Unterdrückerstaat für seine Handlungen zur Rechenschaft zu ziehen. Der Ausschluss verhinderte unmittelbar, dass Russland den weltweit beliebtesten Sport nutzen konnte, um kulturellen Einfluss auszuüben.

Europa 1. Dezember 2025

Frankreich

Koloniale Nostalgie
dokumentiert

Am 30.Oktober gelang es dem Rassemblement National, einer rassistischen Partei, die von ehemaligen Mitgliedern der OAS und der Waffen-SS gegründet wurde, mit Hilfe der konservativen Partei Les Républicains erstmalig, einen eigenen Antrag im Parlament durchzubringen.
Die OAS war eine französische Terrorgruppe, die in der Endphase des Algerienkriegs Anfang der 60er Jahre die Unabhängigkeit des Landes zu verhindern versuchte. Der Antrag des RN forderte die Kündigung des französisch-algerischen Abkommens von 1968, das das Aufenthaltsrecht von Algeriern in Frankreich regelt. Wir veröffentlichen eine Erklärung der NPA (Nouveau Parti Anticapitaliste).

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2025

Gaza muss selbst über seine Zukunft entscheiden

Bei relativer Waffenruhe beginnt die Debatte über die Zukunft Palästinas
von Mahmoud Mushtaha

Am 13.Oktober versammelten sich die Staats- und Regierungschefs der Welt in Sharm El-Sheikh um zu fördern, was sie als neuen »Weg zum Frieden« in Gaza bezeichnen. Wie üblich waren die Betroffenen von den Gesprächen ausgeschlossen und erhielten nur bruchstückhafte, zudem von ausländischen Medien und Spekulationen gefilterte Informationen.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2025

Angstmachen mit Desinformation

Russenangst und Drohnenhysterie
von Paul Michel

Durch gezielte Desinformation erzeugen bellizistische Kreise unter tätiger Mithilfe der »seriösen« Presse in der Bevölkerung jenes Angstklima, das sie empfänglich machen soll für die Akzeptanz des gigantischen Hochrüstungsprogramms. Hier zwei konkrete Beispiele.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2025

Fragwürdiger Umgang mit Hamas

Anmerkungen zum Kommentar von Angela Klein in SoZ 11/25
von Hermann Dierkes

Den nachstehenden Leserbrief dokumentieren wir seiner Länge halber als Debattenbeitrag. Die SoZ hat sich bisher mit einer Auseinandersetzung mit Hamas zurückgehalten, weil nicht der Eindruck entstehen sollte, wir würden die palästinensische Widerstandsorganisation mit dem Terror der israelischen Regierung auf dieselbe Stufe stellen. Nachdem nun aber eine Atempause eingetreten ist, wie prekär auch immer, wird ein kritischer Rückblick auf das Geschehen notwendig sein.
d.Red.

Aufmacher 2 1. November 2025

Frankreich: Die Reichen sollen zahlen

Die Regimekrise in Frankreich und Ansätze zu ihrer Lösung
Gespräch mit Olivier Besancenot

Olivier Besancenot ist einer der Sprecher der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) in Frankreich.
Das Gespräch führte Angela Klein.

Nordafrika/Nahost 1. November 2025

Palästinensische Reaktionen

Kein Frieden, kein Plan
von Angela Klein

Lange Trecks von Palästinensern, die nach Hause zurückkehren – ein Steinhaufen, kein Zuhause –, und die Freilassung der restlichen Geiseln haben für einen kurzen Moment einen Hoffnungsschimmer verbreitet. Er hat sich bereits wieder verdüstert. Noch während Donald Trump sich in Jerusalem und im ägyptischen Sharm-el-Scheikh als Friedensapostel feiern ließ, erschoss die israelische Armee fünf Palästinenserkinder.

Aufmacher 1 1. November 2025

Never trust a CoP

Vor dem 30.UN-Klimagipfel in Brasilien
von Antônio Andrioli


Das langjährige Motto der Klimagerechtigkeitsbewegung gilt nach wie vor: Fossile Konzerne haben immer noch viel Einfluss auf den Weltklimagipfel, die Conference of the Parties (CoP). Die notwendigen Schritte zum Schutz des Klimas werden dort nicht gemacht. Klimaschutz bleibt Handarbeit – und das weiß auch die Bewegung in Brasilien, wo die UN-Klimakonferenz 2025 zum ersten Mal im größten Regenwald der Erde stattfindet: in Amazonien. Der Autor ist Politik- und Sozialwissenschaftler an der brasilianischen Universität UFFS und schreibt über die Situation und den Widerstand in Brasilien.n

Europa 1. November 2025

Griechenland: In den Klauen der Konzerne und Finanzfonds

Zehn Jahre nach dem Euro-Diktat
von Wolfgang Pomrehn

»Wir haben keine Bahn mehr.« Das Resümee von Panagiotis Kalitsis ist deprimierend. »In Nordgriechenland fährt nichts mehr.« Die Verbindungen ins Ausland sind eingestellt. Einzig zwischen Athen und Thessaloniki verkehren noch zwei Züge pro Tag und Richtung, daneben gibt es nur noch eine S-Bahn-ähnliche Strecke zwischen Athen und Korinth, fasst der Bahningenieur und Gewerkschafter das Ergebnis von 30 Jahren Privatisierung und Deregulierung zusammen.

Kolumne Ingo Schmidt 1. November 2025

Macron, Merz & Starmer

Die Nachhut der liberalen Demokratie
von Ingo Schmidt

Weite Teile der Welt werden von Autokraten regiert. Putin ist der Schlimmste von allen, Xi nicht viel besser und sogar Amerika, der Hort der Freiheit, ist in die Hände eines Möchtegernkönigs gefallen. Nur das von unbeugsamen Demokraten bewohnte Europa leistet der Autokratie Widerstand. Angeführt von den Staats- bzw. Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens.

Asien/Australien 1. November 2025

Die Generation Z rebelliert

Nepal und die globale Generation in Revolte
von Sushovan Dhar

Die Straßen der Welt beginnen wieder, von jugendlicher Energie zu vibrieren. Von Kathmandu bis Nairobi, von Lima bis Antananarivo haben sich vor allem junge Menschen in ihren Zwanzigern gegen Regime erhoben, die Demokratie und Wohlstand versprochen, aber Schulden, Unterdrückung und Verzweiflung gebracht haben.

Europa 1. November 2025

Niederlande: Wilders treibt die rechte Mitte vor sich her

In seinem Windschatten marschieren Nazis durch die Straßen
von Alex de Jong

Am 29.Oktober finden in den Niederlanden erneut Parlamentswahlen statt. Anfang Juni verlor die Regierung von Ministerpräsident Dick Schoof ihre Mehrheit, als die rechtsextreme PVV von Geert Wilders die Koalition sprengte.

Nordafrika/Nahost 1. November 2025

Gaza: Das Töten geht weiter

Was bleibt, ist der Zusammenbruch nach dem (hoffentlichen) Ende der Kampfhandlungen
von Muhammad Shehada

Die Tinte unter den „Friedensvertrag“ war noch nicht getrocknet, da detonierten schon wieder die Bomben. Dabei ist ohnehin nicht mehr viel übrig vom Gazastreifen. Gleichzeitig schwankt die Unterstützung für die Hamas. Die Palästinenser sind mit einer brutalen Wahrheit konfrontiert: Die Welt hat den Völkermord nicht verhindert. Zwei Jahre nach dem 7.Oktober 2023 ist Palästina zu einem Friedhof gescheiterter Strategien geworden.

Buch 1. November 2025

Abschied von der Kriegslogik

Alternativlos ist nur der Frieden
von Albrecht Kieser

Fabian Scheidler: Friedenstüchtig. Wie wir aufhören können, unsere Feinde selbst zu schaffen. Wien: Promedia, 2025. 224 S., 18 Euro

Film 1. November 2025

Apokalypse in den Tropen

Ein Film über Brasiliens Evangelikale
von Ayse Tekin

Der Film von Petra Costa* beleuchtet den anhaltenden politischen Kampf in Brasilien und die Hintergründe der Evangelikalen, die in jüngster Zeit in diesem Kampf die Politik des Landes geprägt haben.

Geschichte 1. November 2025

Bergarbeiter­aufstand 1525

Soziale Bewegung der Bergleute im Königreich Ungarn
von Kai Böhne

Die ersten mittelalterlichen Städte im Königreich Ungarn entstanden zu Beginn des 13.Jahrhunderts vorrangig auf dem Gebiet der heutigen Slowakei. Verantwortlich hierfür war der Bergbau, der vom Spätmittelalter bis ins 18.Jahrhundert ermöglichte, dass sich das slowakische Gebiet zum wohlhabendsten Teil des Königreichs Ungarn entwickeln konnte.

Amerika 1. Oktober 2025

Trumps Abschiebepolitik stößt auf Hindernisse

Alles soll ihnen zeigen, dass sie gejagt werden
von Dianne Feeley

Die Immigration and Customs Enforcement (ICE) ist die größte Polizei- und Zollbehörde der USA. Sie untersteht dem Heimatschutzministerium und ist das zentrale Instrument, um Millionen von Migrant:innen aus dem Land zu schaffen. Doch ihre Razzien stoßen auf massiven Widerstand.

Kolumne Ingo Schmidt 1. Oktober 2025

Ihr Dollar, unser Problem

Federal Reserve, Weißes Haus und Wall Street
von Ingo Schmidt

Zentralbanker sind eine Klasse für sich: die Verkörperung ökonomischer Vernunft. Und damit ein notwendiges Gegengewicht zu den Börsianern, die oft manisch, manchmal depressiv und stets auf der Suche nach dem nächsten Kick sind.

Aufmacher 2 1. Oktober 2025

New York: Ein Sozialist im Tempel des Kapitals?

Zhoran Mamdani kandidiert für die Bürgermeisterwahlen in der größten US-Stadt
von Stephan Kimmerle, Seattle

Am 4.November wird der Bürgermeister von New York gewählt. Ein »lunatic communist«, ein wahnsinniger Kommunist, so Trump, steht kurz davor, Bürgermeister von New York zu werden. Zohran Mamdani liegt im Rennen vorn, aber sein Kurs ist offen. In einer Umfrage von Anfang September lag der sich offen als »demokratischer Sozialist« bezeichnende Mamdani mit 46 Prozent vor dem ehemaligen New Yorker Gouverneur Andrew Cuomo (24 Prozent), dem Republikaner Curtis Sliwa (15 Prozent) und dem Amtsinhaber Eric Adams (9 Prozent). Sollten Adams und Sliwa ihre Kandidatur zurückziehen, kann es trotzdem eng werden.

Nordafrika/Nahost 1. Oktober 2025

Das Problem ist nicht allein Netanyahu

Die Massendemonstrationen in Israel richten sich nicht gegen den Völkermord
von Shir Hever

Mitte August und Anfang September demonstrierten jeweils Zehntausende in Israel gegen die Ausweitung des Gazakriegs und für die Freilassung der Geiseln; der Hauptmann Ron Feiner rief zur Desertion auf. Kein Grund zur Hoffnung.

Aufmacher 3 1. Oktober 2025

„Legen wir alles lahm!“

Frankreichs Antwort auf Sozialkürzungen, Aufrüstung und Repression
von Bernard Schmid, Paris

Ein »Ultimatum« hatten die französischen Gewerkschaften in der vorletzten Septemberwoche dem neuen Premierminister Sébastien Lecornu gestellt. Ihn hatte Staatspräsident Emmanuel Macron nur 24 Stunden, nachdem Lecornus Amtsvorgänger François Bayrou am 8.September bei einer Vertrauensabstimmung im Parlament gescheitert war, eingesetzt.

Europa 1. Oktober 2025

Österreich

Die Neutralität – ein Schild gegen Kriegstreiberei
von Wilhelm Langthaler, Wien

Am 18.Oktober demonstriert die demokratische und soziale Opposition in Wien für Frieden, Neutralität und Souveränität.

In der österreichischen Bevölkerung ist die im Staatsvertrag von 1955 verankerte »immerwährende Neutralität«, die dem Land seine Selbständigkeit zurückgab, tief verankert. Spätestens seit der Wende 1989–91 betreiben die Herrschenden allerdings systematisch die Annäherung an die NATO.

Amerika 1. Oktober 2025

Klimakrise, Männlichkeit und der neue Autoritarismus

›Das autoritäre Begehren begreifen‹
Interview mit Cara Daggett

Cara New Dagett ist US-amerikanische Politikwissenschaftlerin. Das Interview führten Karin Zennig und Christian Sälzer für den Rundbrief 2/25 von medico international, in dem die längere Originalversion zu lesen ist.

Film 1. Oktober 2025

Stimme aus dem Nichts

Hind Rajab auf der Biennale von Venedig
von Marina Hoffmann

Am 7.Oktober 2023, dem jüdischen Feiertag Simchat Tora (Freude der Tora), greift die Hamas Israel an. Raketen detonieren. Zu Land, zu Wasser und aus der Luft überfallen Terrorkommandos Zivilist:innen und filmen ihre Taten – von Hinrichtungen zu Vergewaltigungen.

Aufmacher 4 1. September 2025

„Sie wurden zu Zionist:innen gemacht“

Israels Staatsdoktrin musste im Land erst durchgesetzt werden

Gespräch mit Iris Hefets

In Wien fand vor wenigen Wochen ein jüdischer Antizionismus-Kongress statt, über den in Deutschland so gut wie gar nicht berichtet wurde. „Judentum ist nicht Zionismus – Schluss mit der Instrumentalisierung jüdischer Identität für Völkermord und Unterdrückung“, forderten dort Rabbiner, Shoah-Überlebende, Intellektuelle und Aktivist:innen.

Amerika 1. September 2025

USA: Sklaverei 2.0

Hetze gegen Migrant:innen behindert wichtige Arbeitsabläufe in Landwirtschaft und anderen Sektoren

von Gerhard Klas

Die Ernte droht zu verrotten, befürchten die Landwirte in den USA. Denn 40 Prozent der 2,4 Millionen Farmarbeiter haben keinen legalen Aufenthaltsstatus und sollen abgeschoben werden. Hinzu kommen diejenigen, die im Rahmen der Trumpschen Politik gerade ihren Status verlieren, weil er befristete Aufenthaltsprogramme nicht verlängert. Und es trifft auch andere Sektoren: Ernährungsindustrie, Gastronomie, Baubranche, Transport, Pflegesektor.

Staat/Parteien 1. September 2025

Nahostkrieg: Zusammenleben in Berlin-Neukölln

Keine Gemeinsame Sache mit der Hamas!

von Hermann Nehls

Wir erleben in Gaza und im Westjordanland eine systematische Zerstörung der Lebensgrundlagen der Palästinenser:innen. Viele empfinden angesichts dieser Situation und der unfassbaren Grausamkeit der Verbrechen, die den Menschen in der Region angetan werden, Ohnmacht und Entsetzen. Diesem Grauen dürfen wir nicht tatenlos zusehen.

Aufmacher Widerstand 1. September 2025

Nieder mit dem Krieg, niemand muss mehr töten lernen

Für das Leben aller Menschen

Rede von Gisela Notz

Nachstehend die Rede von Gisela Notz am Veteranentag, auf der Gegenkundgebung vor dem Berliner Reichstag am 15. Juni 2025.

Globalisierung/Krieg 1. September 2025

Militärunion EU?

Ganz Europa rüstet auf – aber es kommt sich dabei nicht näher
Gespräch mit Claude Serfati

Deutschland und Frankreich bilden das Rückgrat der Europäischen Union, deren Zusammenhalt hängt – insbesondere nach dem Austritt Großbritanniens aus der EU – davon ab, dass beide Länder einen gemeinsamen Kurs finden. In dieser Partnerschaft knirscht es schon seit längerem. Der dramatische Militarisierungsschub seit dem russischen Krieg gegen die Ukraine weckt in einschlägigen Kreisen die Hoffnung, das Manna, das nun auf die Rüstungsindustrie niederregnet, werde aus der Rezession herausführen und die EU im Kampf gegen Russland zusammenschweißen: Deutschland und Frankreich vorneweg. Doch das Gegenteil kann passieren.

Aufmacher 1 1. September 2025

Infrastrukturprogramm und Kriegsprofite

15 Punkte des Infrastrukturprogramms, über die wenig berichtet wurde
von Tobias Pflüger

An das Infrastrukturpaket knüpfen sich viele Hoffnungen auf eine Verbesserung der Lebensverhältnisse. Aber viele dieser Ausgaben für Infrastruktur sind eng mit den Rüstungsmilliarden verknüpft: Wenn Soldaten für den Krieg im Osten durch Deutschland ziehen sollen, da dürfen Brücken nicht zusammenbrechen. Auch das Deutsche Rote Kreuz und die Feuerwehr sollen mitmachen. Stupid: „Die Infrastruktur ist Teil unserer Sicherheitsarchitektur“.

Militarisierung/Rüstung 1. September 2025

Rationale Sicherheitspolitik statt Alarmismus

›Die russische Bedrohung wird über alle Maßen aufgebauscht‹
Gespräch mit Herbert Wulf

Der Friedens- und Konfliktforscher Herbert Wulf beschäftigt sich seit den 70er Jahren mit internationalen Beziehungen, Rüstung und Krieg. 1994 gehörte er zu den Gründern des Internationalen Konversionszentrum Bonn (BICC), das sich Fragen der Militarisierung und Rüstungskontrolle widmet. Im April dieses Jahres hat Herbert Wulf – wie viele deutsche Wissenschaftler:innen aus der Konfliktforschung – einen Appell für eine »rationale Sicherheitspolitik statt Alarmismus« unterzeichnet.
Mit Herbert Wulf sprach Matthias Becker.

Globalisierung/Krieg 1. September 2025

Die Alternative zum Krieg

Soziale Verteidigung als Gewaltfreie Lösung
von Victoria Kropp

Der Ukrainekrieg hat einer Logik zum erneuten Durchbruch verholfen, die nur eine Richtung kennt: den militärischen Sieg als Voraussetzung für Friedensverhandlungen. »Siegfriede« nannte man diese Logik im Ersten Weltkrieg. Deutschland ist damit zweimal gescheitert. Jetzt wird sie in der Ukraine erneut getestet – bisher mit mehr Opfern als Erfolgen. Wer den Ansatz in Frage stellt, wird sofort als fünfte Kolonne Moskaus bezeichnet oder der Kapitulation bezichtigt. Nicht zugelassen wird eine Diskussion darüber, dass Verteidigung auch mit nichtmilitärischen Mitteln möglich – und häufig sogar erfolgreicher ist.

Handel/Banken 1. September 2025

Mercosur-Abkommen

Ein Segen? Für wen?
Gespräch mit Antônio Andrioli

Die EU hat mit den Mercosur-Staaten – Argentinien, Brasilien, Paraguay, Uruguay und Bolivien – ein Freihandelsabkommen beschlossen. Es ist noch nicht in Kraft getreten, da es von allen EU-Mitgliedstaaten ratifiziert werden muss. Brasiliens Präsident Luiz Inácio Lula da Silva sagte bei einem Staatsbesuch in Frankreich Anfang Juni, das Abkommen sei die beste Antwort auf die unsichere Lage, die durch die Rückkehr zum Unilateralismus und Zollprotektionismus entstanden sei. Es verspricht der EU Zugang zu wichtigen Rohstoffen und Absatzmärkte für europäische Produkte.

Nordafrika/Nahost 1. September 2025

Teile und herrsche

Israels langgehegte Pläne für die Aufteilung des Nahen Ostens
von Gilbert Achcar

Gilbert Achcar hat mehrfach darauf hingewiesen, dass Israel »auf eine Eskalation der Gewalt hofft, um sie zu nutzen«. Die Einnahme von Gaza entspricht einem mehrfach verkündeten bewussten Plan. Israels andere Angriffe in der Region, insbesondere gegen die Nachbarstaaten und zuletzt gegen Syrien, wirkten zunächst nicht, als seien sie einem Plan entsprungen. Achcar erklärt im folgenden Beitrag, warum auch diese Angriffe »nach Plan« laufen.

Nordafrika/Nahost 1. September 2025

Judentum ist nicht Zionismus!

Vortrag von Ilan Pappé auf dem Jüdischen Antizionistischen Kongress
dokumentiert

Auf dem Kongress zum jüdischen Antizionismus in Wien sprach der israelisch-britische Historiker Ilan Pappé zum Thema: »Warum dieser Kongress jetzt?«

Europa 1. September 2025

Nationalistisch gewendet

Über den Charakter der Proteste in Serbien
von Krunoslav Stojakovic

Seit dem 25. November 2024 dauern in Serbien die Proteste gegen die nationalkonservative Regierung und den allmächtigen Staatspräsidenten Aleksandar Vucic an. In dieser Zeit ist einiges in Bewegung geraten.

Globalisierung/Krieg 1. September 2025

Zerstörung oder Entwicklung?

Wiederaufbauperspektiven der Ukraine
von Angela Klein

Statt nachhaltigem Wiederaufbau blüht der Ukraine eine Zukunft als Waffenschmiede.

Am 22. Juli rief eine Entscheidung von Staatspräsident Selenskyj bei der EU und den G7-Staaten große Aufregung hervor: Im Schweinsgalopp hatte er ein Gesetz durchs Parlament gebracht, das die Arbeit der beiden Antikorruptionsbehörden NABU (Nationales Antikorruptionsbüro) und SAPO (Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft) unter die Aufsicht des von ihm persönlich bestallten Generalstaatsanwalts stellte und sie damit ihrer Unabhängigkeit beraubte – angeblich gäbe es unter ihnen russische Spione.

Nordafrika/Nahost 1. Juli 2025

Die Linke in Palästina und wie sie sich äußert

›Ob ihr richtig steht, seht ihr, wenn das Licht angeht‹
Gespräch mit Thomas Schmidinger

Das Faktenwissen über linke Gruppierungen palästinensischer Herkunft, früher unter Linken weit verbreitet, ist nicht mehr da. Viele jüngere Linke beziehen sich – positiv oder negativ – auf etwas, von dem sie relativ wenig wissen.
Thomas Schmidinger hat mit seinem neuen Buch versucht, Licht ins Dunkel zu bringen. Darüber sprach mit ihm ­Lisa Bolyos von der Zeitschrift ­Augustin.

Amerika 1. Juli 2025

No Kings!

Proteste gegen den Möchtegernkönig in den USA
von Dianne Feeley

Mehr als fünf Millionen US-Amerikaner haben am 14.Juni in 2100 Städten und Kleinstädten demonstriert. Ihr Motto: No Kings! Sie stellten Trumps Militärparade in Washington D.C. in den Schatten, ihre kreativen Parolen sorgten für Schlagzeilen. Der Präsident behauptete zwar, 250.000 Zuschauer:innen hätten an der Parade teilgenommen, die bis zu eine Milliarde Dollar gekostet hat. Fotoaufnahmen zeigten jedoch nur teilweise gefüllte Tribünen. Im ganzen Land verspotteten die Menschen den Möchtegernkönig an seinem 79.Geburtstag mit Schildern wie »Keine Krone für einen Clown«, »Keine Könige seit 1776«, »Amerika hat keinen König außer Elvis« oder »No Faux King Way«.

Europa 1. Juli 2025

Rechtsruck in Polen

Der Verlierer heißt Tusk
von Angela Klein

Der PiS-Kandidat, Karol Nawrocki, hat, wenn auch knapp, die Wahl zur polnischen Präsidentschaft gewonnen (50,9 zu 49,1 Prozent, rund 370.000 Stimmen Vorsprung). In Brüssel und anderen europäischen Hauptstädten ist das Gejammer jetzt groß, weil der neue Präsident »antiukrainisch und antideutsch« (Taz) eingestellt ist, weil er die Stellung Trumps in Europa stärkt, weil er jedes Gesetz der Regierung Tusk blockieren kann…

Zum Angriff Israels auf den Iran

Erklärung des iranischen Schriftstellerverbands
dokumentiert

Die Zahl der Todesopfer geht inzwischen in die Hunderte, und aus Teheran und anderen Städten im Iran steigt der Rauch des Krieges auf.
Israel, das seit Monaten die Menschen im Gazastreifen tötet und die Überlebenden in Hunger und Not sterben lässt, hat seine kriegstreiberische Aggression mit seinem Plan für einen »neuen Nahen Osten« nun auch auf das iranische Volk ausgedehnt.

Initiative „Rheinmetall entwaffnen“

Die Initiative Rheinmetall entwaffnen organisiert Protest gegen die deutsche Rüstungsindustrie
von Matthias Becker

Das Foto löste Empörung aus: als im März 2018 türkische Truppen Afrin in Nordsyrien eroberten und die kurdischen Volksverteidigungseinheiten YPG vertrieben, rollten deutsche Panzer durch die Stadt. Den Sieg verdankte die Türkei auch dem Leopard 2, hergestellt von den Rüstungsfirmen Rheinmetall und KNDS.
Für den Antimilitaristen Jonah Fischer waren die Aufnahmen ein Weckruf. »Was können wir tun? So entstand die Idee, darauf hinzuweisen, dass der Krieg auch hier in Deutschland produziert wird.«

Aufmacher 2 1. Juli 2025

Mit Bomben die iranische Oppostion stärken?

Die Bomben schaden der iranischen Opposition
von der Redaktion

Kurz vor Redaktionsschluss sind die USA in den Krieg Israels gegen den Iran eingetreten. Kurz nach den Bombardierungen erklärte US-Präsident Trump zynisch: »Entweder gibt es nun Frieden, oder der Iran wird eine Tragödie erleben. Noch sind viele militärische Ziele übrig.« Inzwischen hat er einen »vollständigen Waffenstillstand« dekretiert. Darauf bauen kann man nicht.

Europa 1. Juli 2025

Deutschland & die Auflösung der PKK

Kurd:innen in Deutschland bleiben verfolgt
von Peter Nowak

Gnadenlos: Unbeeindruckt von der Selbstauflösung der PKK werden in Deutschland kurdische Aktivist*innen am Fließband verurteilt. Die deutsche Justiz stellt sogar Anträge zur Auslieferung vermeintlicher Unterstützer*innen der PKK in den Niederlanden und Zypern. Dort stellen die Delikte, die ihnen von deutschen Behörden vorgeworfen werden, keine Straftat dar.

Rand Rolf Euler 1. Juli 2025

Kongo-Tribunal

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Vor zehn Jahren, Ende Mai 2015, fand in Bukavu im Kongo und vier Wochen später in Berlin ein Tribunal statt, das von dem Schweizer Theatermacher Milo Rau und vielen Mitarbeitenden organisiert wurde. Das sog. »Kongo-Tribunal« stellte sich ausdrücklich mit dieser Bezeichnung in die Nachfolge des Vietnam-Tribunals von 1968, das die Verbrechen des US-Krieges behandelte.

Wasser 1. Juli 2025

Wasserkrise in Uruguay

Massenproteste gegen Konzerninteressen
von Gerhard Klas

Uruguay steht zunehmend unter Druck: eine historische Dürre, steigende Temperaturen und sinkende Grundwasserspiegel haben das kleinste spanischsprachige Land Südamerikas in eine dramatische Wasserkrise gestürzt. Während die klimatischen Herausforderungen nicht kurzfristig geändert werden können, rücken politische Entscheidungen und wirtschaftliche Interessen immer stärker in den Fokus der Kritik – insbesondere im Spannungsverhältnis zwischen öffentlicher Daseinsvorsorge und privatwirtschaftlichen Lösungen.

Wasser 1. Juli 2025

Wasserversorgung in Großbritannien

Teuer, gesundheitsgefährdend, überschuldet
von Terry Conway

Jede Woche berichten britische Medien über die hiesige Wasserkrise: im Juni wies die Umweltbehörde darauf hin, dass England bis zum Jahr 2055 eine Wasserknappheit von fünf Milliarden Litern im Jahr droht. Als Ursachen werden der Klimawandel, das Bevölkerungswachstum und die Bevölkerungskonzentration sowie die industrielle Entwicklung genannt, insbesondere die sehr durstigen Callcenter. Die Presse appelliert meist an individuelle Nutzer, ihren Verbrauch zu senken.

Europa 1. Juli 2025

Portugal

Die Rechte auf dem Vormarsch
von Matthias Schindler

Das gesellschaftliche Klima ist in Portugal aktuell durch eine scharfe soziale und politische Polarisation gekennzeichnet.

Seit dem Sturz der Salazar-Diktatur am 25.April 1974 haben die beiden vorherrschenden Parteien – die sozialdemokratische Partido Socialista (PS) und die konservative Partido Social Demócrata (PSD) – die Geschicke des Landes geprägt.

Amerika 1. Juli 2025

USA – Arbeiter:innen werden abgeschoben

Trumps Krieg gegen Migrant:innen
von Dianne Feeley

Das Versprechen, Millionen von Immigranten auszuweisen, ist ein zentraler Bestandteil von Trumps Programm Make America Great Again. In beiden Präsidentschaftswahlkämpfen hat er Einwanderer als »Terroristen, Mörder, Vergewaltiger« oder als »Psychiatrie-Erfahrene« bezeichnet. Nach seiner Wiederwahl versprach er, die Grenze zwischen den USA und Mexiko zu schließen und mehrere Millionen Menschen abzuschieben.

Europa 1. Juli 2025

Massenproteste in Serbien

Der schwierige Weg in die politische Unabhängigkeit
von Vladimir Unkovski-Korica

Am 28.Januar stürzten anhaltende Massenproteste in Serbien die Regierung. Auslöser war der Einsturz eines Vordachs des Bahnhofs von Novi Sad am 1.November, wobei 15 Menschen getötet wurden. Der Angriff der Ordnungskräfte auf eine Trauerfeier von Studierenden und Mitarbeitern der Theaterfakultät der Universität Belgrad am 22.November setzte eine beispiellose Mobilisierung von Studierenden und Arbeitenden in Gang. Sie kulminierte in der Forderung nach Neuwahlen. Die Forderung ist bislang nicht erfüllt und sorgt für immer neue, breite Proteste, zuletzt am 2.Juni. Der nachstehende Beitrag erläutert den Hintergrund der Proteste.

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2025

Sie fordern das Selbstverständliche: das Recht auf Rückkehr

Eine Kampagne für einen gemeinsamen demokratischen Staat in Palästina
Gespräch mit Jeff Halper

Jeff Halper ist Mitinitiator des ICAHD (Israeli Committee Against House Demolitions) und der palästinensisch geführten Kampagne für einen gemeinsamen demokratischen Staat für Palästinenser:innen und israelische Jüd:innen (ODSC – One Democratic State Campaign) im gesamten historischen Palästina. Das Gespräch führte ­Sophia Deeg.

Europa 1. Juni 2025

PKK: Auflösung zur Transformation

Die PKK beendet die Methode des bewaffneten Kampfes und löst ihre organisatorischen Strukturen auf
von Holger Deilke

Für jeweils kurze Zeit gab es ein Zeitfenster, in denen die Medien in Deutschland (und anderswo auf der Welt) ihr Augenmerk auf einen möglichen Friedensprozess in der Türkei richteten: Abdullah Öcalan – Reber (kurdisch für »Vordenker«) der kurdischen Befreiungsbewegung und mithin auch der PKK – gab am 27. Februar eine Erklärung ab, in der die Orientierung weg vom bewaffneten Kampf hin zur Stärkung und Mobilisierung der Zivilgesellschaft und ihrer Strukturen verbunden wurde mit der Aufforderung, die PKK und ihre bewaffneten Formationen (HPG – Volksverteidigungskräfte) aufzulösen.

Verkehr 1. Juni 2025

Verkehrswende in Frankreich

Tausend kleine Schritte
dokumentiert

Straff und zügig will Frankreich sein Verkehrswesen umbauen und der Elektromobilität, der Schiene und dem Rad mehr Raum geben.

Zugpferde beim klimafreundlichen und nachhaltigen Umbau sind nicht nur Paris, sondern auch einige Regionen wie beispielsweise Okzitanien. Die transition écologique ist eine Initiative der Städte.

Amerika 1. Juni 2025

Datenrettung

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Die disruptive Politik in den USA hat zur Umkehr einiger Verhältnisse geführt, ähnlich wie vielleicht Anfang der 1930er Jahre in Deutschland.
Es wird bekannt, dass Forschungseinrichtungen in Bremen dafür sorgen, dass Datenbanken aus den USA, deren Betreiber von Entlassungen und Einschränkungen betroffen sind, bei der Uni gespeichert werden. Es gab wohl einen als dringend bezeichneten »Hilferuf« etwa der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA, wo es anfangs um Daten zu Erdbeben und heißen Quellen ging.

Buch 1. Juni 2025

Der lange Krieg gegen Gaza

Israels Herrschaft über Palästina
von Annette Groth

Helga Baumgarten: Kein Frieden für Palästina. Krieg in Gaza, Besatzung und Widerstand. Wien: Promedia, 2021. 192 S., 19,90 Euro

Im Mai 2021 ging die israelische Armee gewaltsam gegen die Bevölkerung in Ostjerusalem, an vielen Orten der Westbank und in Gaza vor. Sie verursachte über 250 Tote und fast 2000 Verletzte. Diese Schreckensgeschichte bildet den Einstieg in die Schilderung der israelischen Herrschaft über Palästina.

Aufmacher 3 1. Juni 2025

Die neue Jugendbewegung in der Türkei

›Die Kinder von Gezi sind erwachsen und sind jetzt hier‹
von Ayse Tekin

Jede Bewegung ist ein Ergebnis seiner Zeit und der Umstände. Das gilt auch für den unerwarteten Märzaufstand der Studierenden in der Türkei.

Aufmacher 2 1. Juni 2025

Die Linke: Neue Töne in der Israel-Debatte


von Iris Hefets

In den letzten Monaten durchläuft die Partei Die Linke einen tiefgreifenden inneren Wandel – ein Wandel, der sie potenziell zu einer echten, international ausgerichteten linken Kraft machen könnte. Auch außerhalb der Partei sind die Spuren dieser Entwicklung sichtbar: etwa beim Austritt zionistischer Mitglieder, der Formierung einer propalästinensischen Parteigruppe oder im Wahlverhalten bei innerparteilichen Abstimmungen.

Amerika 1. Mai 2025

›In Mexiko gibt es Platz für alle‹

Die Lage der Migrant:innen in Mittelamerika
Gespräch mit Alejandro Solalinde

Seit seinem Einzug ins Weiße Haus zählt die Bekämpfung der sog. »illegalen Migration« zu den für Donald Trump wichtigsten »Errungenschaften«.
Inzwischen hat sich der lange Arm der US-Sicherheitsbehörden auch auf die Grenzregion in Mexiko selbst ausgestreckt. Dort warten seit geraumer Zeit zehntausende Migrant:innen vergeblich auf einen Termin, um Asyl oder eine befristete Aufenthaltsbewilligung zu beantragen.

Kriegshysterie

Russland – und Deutschland?
von Jerzy Domanski

Als Nation sind wir gefangen zwischen einem schwindenden Restpazifismus und einer galoppierenden militärischer Hysterie. So sehe ich die Stimmungslage der Polen nach der Propagandabehandlung, die uns die Politiker zuteil werden ließen. Von der Rechten bis zur Linken. Mit Ausnahmen, die man ohne Schwierigkeiten zählen kann. Es ist offensichtlich, dass wir als Kollektiv gerne dorthin gehen, wohin wir geführt werden. Obwohl allgemein bekannt ist, dass Hysterie wenig mit Klugheit zu tun hat. Und noch weniger mit Besonnenheit.

Europa 1. Mai 2025

Solidarität statt Konkurrenz

Die große Standortlüge
von Thorsten Donnermeier

Zölle in den USA. Niedrige Industriestrompreise in Deutschland. Sogenannte Systemkonkurrenz mit China Die Krankenstände müssen sinken. Der Achtstundentag wird in Frage gestellt. Ein Feiertag muss weg.

Ein regelrechtes Trommelfeuer prasselt auf uns nieder. Wofür? Alles für den Standort. Mal sollen wir Opfer bringen für den Standort Europa, um im Konkurrenzkampf der Wirtschaftsblöcke zu bestehen, mal für Deutschland, um in Europa konkurrenzfähig zu sein.

Konversion pervers

Unter dem Druck von Arbeitsplatzverlust und Kriegshetze werfen Gewerkschaften alle Grundsätze über den Haufen
von Andreas Buderus

Kirchen und Gewerkschaften gehören trotz des Mitgliederschwunds immer noch zu den größten Organisationen in Deutschland. Aus Kirchenkreisen kommt vielstimmige Kritik an Aufrüstung und Ausrichtung auf die Kriegstauglichkeit. Anders die Gewerkschaften. Vor allem die IG Metall kuschelt mit den Rüstungskonzernen und will mit der Waffenproduktion Arbeitsplätze nicht nur in der krisengeschüttelten Autoindustrie sichern. Das bleibt nicht ohne Widerspruch.

Der Drohnenwall – eine neue Wunderwaffe?

Kriegshysterie, Aufrüstung und das Dogma der Beschleunigungvon Christoph Marischka

Die Rüstungsindustrie wird mit Geld überschüttet. Das verschafft dubiosen Unternehmern sagenhafte Geschäftsmöglichkeiten. Aber entscheiden sich Kriege wirklich an der technologischen Überlegenheit?

Im März wurden in der EU und in Deutschland Rüstungsausgaben von der Schuldenbremse ausgenommen. Sagenhafte 800 Milliarden Euro will die EU mobilisieren.

Alstom Görlitz: ÖPNV statt Panzer

Krieg zerstört Leben – schon in der Vorbereitung
von Jörg Bergstedt und Tobi Rosswog

»Keiner will sterben, das ist doch klar: Wozu sind denn dann Kriege da?«, sangen Pascal Kravetz und Udo Lindenberg im Jahr 1985. Das ist lange her, die Frage ist aber bis heute nicht beantwortet – jedenfalls nicht aus Sicht derer, die im Krieg getötet, vertrieben, zu Witwen oder Waisen werden. Nur eine kleine Minderheit weiß genau, was sie vom Krieg hat, denn die, die ihre Macht ausdehnen können, und die, die am Ganzen verdienen, profitieren vom Gemetzel und dessen Vorbereitung.

Europa 1. Mai 2025

Grönland: Für das vollständige Recht auf Lostrennung …

… ohne Einmischung fremder Mächte
von Stefan Godau

Der kürzlich stattgefundene und von Protesten begleitete Besuch des US-Vizepräsidenten JD Vance machte erneut deutlich, dass Trump fest entschlossen ist, seine imperialistischen Gelüste zu verwirklichen – auch auf Kosten des Verhältnisses zum NATO-Mitglied Dänemark. Was bedeutet dies für die kommenden Jahre und für das Verhältnis zur dänischen Kolonialmacht?

Für ein paar Panzer mehr – Merz gibt Schuldenbremse auf

von Ingo Schmidt

Für ein paar Panzer mehr trägt CDU-Chef Friedrich Merz seine Prinzipien ins Pfandhaus. Vor den Wahlen hat er die Schuldenbremse noch mit Zähnen und Klauen verteidigt. Ebenso Christian Lindner, Merz’ Außenposten in der Ampelregierung. Kanzler Olaf Scholz und sein Kriegsertüchtigungsminister Boris Pistorius konnten deshalb nur im Rahmen eines Sondervermögens von 100 Mrd. Euro aufrüsten. Kaum als designierter Kanzler aus den Bundestagswahlen im Februar hervorgegangen, erklärte Merz die Schuldenbremse in Sachen Rüstung für obsolet.

Amerika 1. Mai 2025

Argentinien: Rentner:innen in der ersten Reihe

Tagebuch des Widerstands gegen Kahlschlagpolitik
von Alix Arnold

Seit Dezember 2023 regiert in Argentinien der rechtsextreme Präsident Milei, der auch hier von Politiker:innen hofiert wird. Seine Demontage von öffentlichen Dienstleistungen und Sozialprogrammen hat das Land in ein soziales Desaster gestürzt. Die Armutsquote in Argentinien ist auf über 52 Prozent gestiegen. Am 10. April organisierte der Gewerkschaftsdachverband CGT den dritten Generalstreik gegen Milei. Dass die trägen Gewerkschaftsapparate nun endlich in die Gänge kommen, ist vor allem den Rentner:innen und ihrem hartnäckigen Widerstand zu verdanken.

USA

Trump mit Plan – Widerstand ohne Ziel
von Stephan Kimmerle, Seattle

Angst, Erschöpfung und Wut sind weit verbreitet. Widerstand baut sich trotzdem nur langsam auf.

Am 5. April beteiligten sich rund drei Millionen Menschen an 1400 Kundgebungen in allen 50 Staaten der USA gegen Präsident Donald Trump und seinen Gehilfen Elon Musk.

Proteste in Gaza

Gegen Israels Völkermord und die Hamas
von Jared Abbott

Nach fast anderthalb Jahren, in denen die Palästinenser in Gaza massive Zerstörungen und kollektives Elend ertragen mussten, verschaffen sie sich nun Gehör. In den letzten Tagen haben Tausende an weit verbreiteten Protesten in der belagerten Enklave teilgenommen und das Recht auf ein Leben in Würde und Frieden in ihrem eigenen Heimatland gefordert.

Nur Online 14. April 2025

Schulden der Ukraine

von Eric Toussaint

Schulden sind ein Instrument in den Händen der Gläubiger, um unter anderem auf Staaten Druck auszuüben. Wer sind die Gläubiger der Ukraine? Wie groß ist ihre Bedeutung? Was fordern sie als Gegenleistung für ihre Kredite? Welche Rolle spielt die Europäische Union? Warum steht die Integration der Ukraine in die Europäische Union im Widerspruch zu den Interessen des ukrainischen Volkes? Was geschieht mit den eingefrorenen russischen Vermögenswerten? Warum sollen der Ukraine die Schulden erlassen werden? Warum will Selenskyj keinen Schuldenerlass? Welche Alternativen gibt es zur derzeitigen Verschuldung?

Nordafrika/Nahost 1. April 2025

Syrien

Neuordnung oder neue Unordnung?
von Janosch Tries

Nach dem Sturz des Assad-Regimes wünscht sich die Bevölkerung Frieden. Ob die neue, islamistisch geprägte Regierung ihre Wünsche erfüllen wird, ist zweifelhaft. Matthias Becker sprach mit ­Janosch Tries über die aktuelle Lage.

Vor einem neuen 1933?

Mehr und mehr parlamentarische Demokratien mutieren zu autoritären Regimen
von Helmut Dahmer, Wien

Bei der Reichstagswahl im November 1932 wurde die NSDAP mit knapp 12 Millionen Stimmen stärkste Partei. Jubelnd feierten ihre Anhänger die Ernennung Hitlers zum Reichskanzler am 30. Januar 1933.* Damit begann die Wandlung der deutschen Gesellschaft zu einer triumphalistischen Räuber- und Mördergemeinschaft, die willens – und bald auch in der Lage – war alles, was sich ihrem Traum von einem »arischen« Großreich zwischen Atlantik und Ural nicht fügte, auszurotten – gleich ob es sich um viele Millionen Menschen oder um die kulturelle Überlieferung handelte.

Europa 1. April 2025

Sterben für die EU?

Oder sich der Kriegsproduktion verweigern?
von Wolfgang Pomrehn

Nachdem der neue US-Präsident begonnen hat, die gewohnte internationale Ordnung durcheinanderzuwirbeln, scheint die große Unübersichtlichkeit perfekt. Die europäischen Verbündeten werden in unverblümter Offenheit als Subalterne behandelt, offen faschistische Kräfte in Westeuropa unterstützt und dann auch noch ein Handel mit dem russischen Präsidenten zulasten der Ukraine vorbereitet.

Amerika 1. April 2025

Trump im Weißen Haus

Schocktherapie als Medienspektakel
von Ingo Schmidt

1982: Die mexikanische Regierung erklärt ihre Zahlungsunfähigkeit. Eine Folge der restriktiven Geldpolitik in den USA. Der Auftakt einer internationalen Schuldenkrise. In deren Verlauf vergeben Emissäre von IWF und Weltbank Kredite an viele Länder des Südens, damit diese ihre Schulden bei den Gläubigern des Nordens bzw. Westens bedienen können.

Neue Mittelstreckenraketen

Ein Teil der Zeitenwende
von Jakob Schäfer

Als die USA 2002 den ABM-Vertrag mit Russland kündigten, war dies der Beginn einer neuen Offensivstrategie der USA. Es wurden neue Waffensysteme entwickelt, die seitdem die Kapazitäten der US-Kriegführung deutlich gesteigert haben.

Europa 1. April 2025

Massenproteste in der Türkei

Wer ist Imamoglu und was macht er anders als Erdogan?
von Serdar Kazak

Der Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu wurde am 19. März festgenommen. Das hat eine unerwartete und fast beispiellose Reaktion hervorgerufen.

Die Studierenden an der Universität Istanbul haben zunächst einen unauffälligen Protestmarsch in Richtung Rathaus gestartet. Studierende mehrerer anderer Universitäten folgten.

Nordafrika/Nahost 1. April 2025

Debatte

Der blinde Fleck der Palästina­solidarität
von Elfriede Müller

Die Solidaritätsbewegung mit Palästina ist divers, breit aufgestellt und, bis auf den sofortigen Waffenstillstand, unpräzise in ihren Forderungen. Wie bei allen Solidaritätsbewegungen stellt sich auch hier die Frage: Solidarisch mit wem und für was?

Künstliche Intelligenz

Der Westen in der Sackgasse
von Rainer Fischbach

2022 präsentierte das US-Unternehmen OpenAI ChatGPT, den »Chatbot« (zusammengesetzt aus den Wörtern Roboter und Gespräch). Die Technik dahinter ist ein sog. LLM (Large Language Model). Dieses Programm wurde darauf »trainiert«, Ausgaben zu produzieren, die wie Antwortsätze auf Benutzereingaben aussehen. Dafür werden hunderte Milliarden Parameter durch Probieren und wiederholte Korrektur bestimmt.

Buch 1. April 2025

Würden Sie?

Eine Auseinandersetzung mit dem Krieg
von Marina Hoffmann

Ole Nymoen: Warum ich niemals für mein Land kämpfen würde. Gegen die Kriegstüchtigkeit. Hamburg: Rowohlt, 2025. 141 S., 16 Euro

Nach beschlossener Änderung des Grundgesetzes kann die Regierung nun unbegrenzt Schulden für Rüstung aufnehmen. Dabei bleibt fraglich, mit wem Deutschland Krieg führen möchte. Vor allem aber, mit wem Deutschland Krieg führen möchte.

Nur Online 29. März 2025

Prozess gegen Bolsonaristen

von Hermann Dierkes
Am 26.3.25 hat die 1. Kammer des Obersten Bundesgerichts (STF) den Strafprozess gegen den Ex-Präsidenten Bolsonaro und sieben weitere hochrangige Angeklagte formell eröffnet.

Elektroschrott und kein Ende

Die Kehrseite der weltweiten Kommunikation und Mobilität
dokumentiert

Dass Tag für Tag Unmengen an Elektroschrott anfallen, ist allseits bekannt. Um welche Größenordnung es sich tatsächlich handelt, ist weitgehend unbekannt. Vom Handy bis zur Waschmaschine, vom Elektrokabel bis zum Bildschirm: in nur zwölf Jahren hat sich die Gesamtmenge an Elektroschrott weltweit fast verdoppelt.

Der Ukraine-Deal

Trump ist kein Friedensengel
von Angela Klein

Die Ankündigung des US-Vizepräsidenten JD Vance auf der Münchner Sicherheitskonferenz (SiKo), alsbald in Verhandlungen mit Russland über die (vorläufige?!?) Beendigung des Ukrainekriegs zu treten, straft die Behauptung Lüge, die vor allem die europäischen Regierungen seit Beginn dieses Krieges wider besseres Wissen wie ein Mantra wiederholen: dass Verhandlungen mit Putin nicht möglich sind, weil dieser sie nicht will. Nun hat Putin aber sofort darin eingewilligt.

Flucht/Migration 1. März 2025

Asyl

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Während sich in Deutschland die »Raus-raus«-Debatten überschlagen und viele Geflüchtete in Angst und Schrecken versetzen, gibt es Beispiele von Zivilcourage, die erzählt gehören.

Verkehr 1. März 2025

ÖPNV

Von den Franzosen lernen
von Paul Michel

Immer mehr Kommunen klagen über knappe Kassen. Weil das Geld fehlt, werden Bus- und Bahnangebote reduziert: Takte werden ausgedünnt, manche Linien am Wochenende gestrichen, andere ganz eingestellt. Geplante Anschaffungen von Bussen und Straßenbahnen werden storniert, bestehende Planungen auf Eis gelegt. Gleichzeitig erhöhen viele Verkehrsbetriebe die Fahrpreise.

Haushalt/Schulden 1. März 2025

Unfassbarer Reichtum

Oxfam’s Bericht zur Armuts- und Reichtumsverteilung
von Rolf Euler

Die Nichtregierungsorganisation Oxfam (Oxford Committee for Famine Relief) stellt jährlich Daten zur Armuts- und Reichtumsverteilung zusammen und stellt immer wieder zunehmende Ungerechtigkeiten fest. Das Vermögen der Milliardäre stieg 2024 um 2 Billionen Dollar, pro Tag um 2 Millionen Dollar. In Deutschland gab es eine ähnliche Entwicklung: »Das Gesamtvermögen aller deutschen Milliardäre stieg 2024 um 26,8 Milliarden US-Dollar auf 625,4 Milliarden US-Dollar. Das entspricht einem Anstieg von 73 Millionen US-Dollar pro Tag«, schreibt Oxfam in seinem diesjährigen Bericht.

Amerika 1. März 2025

Trumps Klub der Milliardäre

Oligarchen oder Pionierunternehmer?
von Ingo Schmidt

Seiner Wählerschaft verspricht er gut bezahlte Jobs in der Industrie. Mit einer aggressiven Außenpolitik präsentiert er sich als Interessenvertreter des amerikanischen Volkes. Daheim bleibt er unter seinesgleichen.

Nordafrika/Nahost 1. März 2025

Schweden

Hafenarbeiter blockieren Waffen für Israel
von Hermann Dierkes

Der Schwedische Hafenarbeiterverband (Svenska Hamnarbetarförbundet) hat im Dezember per Mitgliederentscheid beschlossen, Waffen- und Munitionslieferungen für und aus Israel zu boykottieren, da diese für den Völkermord an den Palästinensern eingesetzt werden können bzw. diesen unterstützen.

Gewerkschaften 1. März 2025

Aufruf von europäischen Gewerkschaften

Für die Aussetzung des Assoziierungsabkommens zwischen der EU und Israel!
dokumentiert

Zu Händen von:
– Kaja Kallas, Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik, Vizepräsidentin der Europäischen Kommission,
– Ursula von der Leyen, Präsidentin der Europäischen Kommission,
– Maros Sefcovic, Kommissar für Handel und wirtschaftliche Sicherheit

Nordafrika/Nahost 1. März 2025

Palästina: Geiseln oder Gefangene?

Israelis, die als Geiseln genommen werden, werden »Geiseln« genannt, Palästinenser, die als Geiseln genommen werden, »Gefangene«
dokumentiert/TheRightsForum

Am 7.Oktober 2023 nahmen die Hamas und andere palästinensische Widerstandsgruppen rund 250 Israelis (und Personen anderer Nationalitäten) gefangen. Gemäß den Bedingungen des Waffenstillstands im Gazastreifen werden sie gegen Palästinenser:innen ausgetauscht, die von Israel gefangen gehalten werden. Deren Status unterscheidet sich nicht von dem der israelischen Geiseln, doch werden sie nicht so genannt. Es ist an der Zeit, den Jargon an diese Realität anzupassen.

Nordafrika/Nahost 1. März 2025

Palästina

Die Annexion des Westjordanlands beginnt
von Abdullah Ma’ruf

Die israelische Knesset hat vor kurzem in erster Lesung einen Gesetzesentwurf verabschiedet, der es Israelis ermöglicht, Land im Westjordanland zu besitzen, ohne dass eine Genehmigung der Armee erforderlich ist. Diese wichtige Entwicklung blieb weitgehend unbemerkt, da sie von anderen Ereignissen überschattet wird, wie etwa von der dritten Welle des Gefangenenaustauschs im Rahmen des Waffenstillstandsabkommens für den Gazastreifen.

Von Kern und Funktion des Rassismus

Der Aufstieg der Partei von Geert Wilders in den Niederlanden
von Alex de Jong

Als Begründung, warum er sich im Bundestag bei seinem Migrationsantrag auf die Stimmen der AfD stützte, verwies Friedrich Merz auf die Niederlande als Beispiel für ein Land, das versucht, die Einwanderung zu stoppen. Die Niederlande haben ihr »liberales« und »tolerantes« Selbstverständnis aufgegeben, die Rechtsextremen sind an der Macht und bekommen immer mehr Zulauf. Wie sind sie dahin gekommen?

Europa 1. März 2025

Österreich

Kickls Machtträume sind geplatzt
von Wilfried Hanser

Mit seinen provokanten und unannehmbaren Forderungen, die er der ÖVP zudem über die Medien ausgerichtet hatte, hat der Bundesparteiobmann der rechtsextremen FPÖ seine Chancen vermasselt.
Spät, aber doch hat die ÖVP realisiert, worauf und mit wem sie sich da eingelassen hat: Für seine Hilfe bei der Umsetzung des extrem neoliberalen Zerstörungsprogramms vom Wirtschaftsflügel der ÖVP wollte er das Bundeskanzleramt und einige Schlüsselministerien mit Einfluss im Staats- und Beamtenapparat.

Film 1. März 2025

Soundtrack zum Antikolonialismus

Soundtrack to a Coup d’Etat, Niederlande/Frankreich/Belgien 2024, Regie: Johan Grimonprez
von Peter Nowak

1960 hatte sich der Kongo wie zahlreiche andere afrikanische Staaten die Unabhängigkeit erkämpft. Die Vertreter:innen der jungen Nationalstaaten traten selbstbewusst auf UNO-Versammlungen auf, wo sie nun auf Augenhöhe mit den ehemaligen Kolonialstaaten saßen, die auch nur eine Stimme hatten.

Nur Online 14. Februar 2025

Frankreich: Neue Volksfront

von Elfriede Müller und Hermann Nehls

Der Freundeskreis der IV. Internationale und die ISO haben in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg- Stiftung am 24. Januar 2025 in Berlin eine Veranstaltung mit Olivier Besancenot (NPA) zur Neuen Volksfront in Frankreich organisiert. Zu den 100 Teilnehmenden gehörten auch Vertreterinnen der LFI, La France insoumise.

Nur Online 14. Februar 2025

Das „junge Europa“ schaut sehr alt aus


von Przemyslaw Wielgosz

Die internationale Politik von Donald Trump ist klassischer Imperialismus ohne Beschönigung. Das Zeichnen einer Karte von Einflusssphären, ethnische Säuberungen als Mittel zur Problemlösung, offener Annexionismus, Zugang zu Ressourcen im Austausch gegen Sicherheitsgarantien für formal souveräne Staaten (d.h. de facto deren Herabsetzung auf die Position nicht-souveräner Bananenrepubliken) erschrecken die europäische politische Klasse heute.

Polen 10. Februar 2025

POLNISCHE PRESSESCHAU 224 vom 8.2.2025

Mit dem Einmarsch der Roten Armee wurde Auschwitz befreit und die Überlebenden gerettet.

Neben diesem Befreiungsschlag gab es aber auch Tragödien. Es begann eine große Umsiedlungsaktion. Polnische Bürger aus dem Osten Polens wurden in die „wiedergewonnen“ Gebiete umgesiedelt. In seinem Buch „Odrzania“, Oderland, geht R.

Polen 8. Februar 2025

POLNISCHE  PRESSESCHAU 223 vom 2.2.2025

Die Wahlen werfen ihre rechten Schatten voraus. In Polen gibt es bei der Bürgerplattform einen Rechtsschwenk; ein polnischer Germanist macht sich Gedanken über das Vermächtnis des Holocaust; es gibt Kommentare zu Merz und zur AfD. Des weiteren scheint auch diese polnische Regierung der Oder nicht helfen zu wollen und im Kohlebergbau herrschen Katastrophen und Chaos.

Führt Rechtsruck Trzaskowski zum Wahlsieg?

OKO.

Polen 8. Februar 2025

POLNISCHE  PRESSESCHAU 222 vom 21.1.2025

Liebe Leserinnen und Leser!

Konflikte zwischen Polen und der Ukraine liegen in der Geschichte. U.a. haben ukrainische Partisanen, die mit den Nazis kollaborierten, Massaker an Polen angerichtet.

Polen 8. Februar 2025

POLNISCHE PRESSESCHAU 221

Die Beiträge zu den Präsidentschaftswahlen zeigen die Tendenzen der Parteien.

Dabei scheint sich die Linke darauf zu besinnen auch die Mehrheit – also Arbeit und Kapital - in den Blick zu bekommen.

Jetzt ist es amtlich, die erste Runde der Präsidentschaftswahlen findet am 18. Mai statt, wie oko.press am 09.

Polnische Presseschau 8. Februar 2025

POLNISCHE PRESSESCHAU 220 vom 19.12.2024

Staatsanwaltschaft des Landes überprüft Urteile

Gazeta Wyborcza, 17.12.2024

Über 600 Urteile aus den Jahren 2016 bis 2024 überprüft Dariusz Korneluk, Chef der Staatsanwaltschaft des Landes. Der ehemalige Justizminister und Generalstaatsanwalt Ziobro will Tusk, den Justizminister Bodnar und alle anderen Beteiligten wegen dieses Vorgehens verklagen. Korneluk jedoch erklärt, dass diese Überprüfung rechtens sei und die Justizorgane dabei sind, wieder rechtsstaatliche Normen einzuführen.

Arbeitswelt 1. Februar 2025

Europäisches Workers-Economy-Netzwerk

Vernetzung von Betrieben in der Hand der Arbeitenden
von Elisabeth Voß

Angesicht sich zuspitzender Krisen sind Gegenwehr und Alternativen notwendiger denn je. Seit zehn Jahren vernetzen sich europäische Betriebe, die von den Beschäftigten übernommen wurden. Von Anfang an lag der Schwerpunkt auf dem Mittelmeerraum und öffnete sich auch für Neugründungen ohne Vorgeschichte von Betriebsbesetzungen. Willkommen wären ebenfalls Betriebe aus anderen europäischen Ländern, die sind aber bislang nicht vertreten.

Zwischen Antisemitismuskritik und Staatsraison

Der Antisemitismusstreit in der Linken hat sehr unterschiedliche Facetten
von Peter Nowak

Nach der Abspaltung des Wagenknecht-Flügels gab es bei manchen in der Linken so etwas wie eine Aufbruchstimmung. Schließlich hatte diese Auseinandersetzung die Partei über Monate gelähmt. Nach dem Austritt wollten sich viele auf den Neuaufbau der Linken konzentrieren. Das schien auch viel versprechend, weil kurz nach dem Abgang der Linkskonservativen hunderte Menschen in die Partei eintraten, die oft schon länger in außerparlamentarischen Initiativen, etwa in antirassistischen und antifaschistischen Gruppen aktiv waren. Sie waren gerade wegen der Positionen von Wagenknecht und Co. auf Distanz zur Partei geblieben.

Arbeitswelt 1. Februar 2025

Prekäre Knochenarbeit am Hafen und auf See

Arbeitsverhältnisse im grenzüberschreitenden Transportsektor
von Matthias Becker

Arbeit in der Lieferkette. Miserable Arbeitsbedingungen auf See und in den Häfen. (Hrsg. Christoph Scherrer, Ismail Karatepe.) Hamburg: VSA, 2024. 192 S., 18,80 Euro

»Der Preis für ein Kilogramm Bananen, das in deutschen Supermärkten aus Kolumbien und Costa Rica stammt, ist günstiger als der Preis eines in Deutschland produzierten Apfels«, stellen Christoph Scherrer und Ismail Karatepe fest, die Herausgeber von Arbeit in der Lieferkette. »Dies klingt etwas seltsam, wenn man bedenkt, dass bei jedem Schritt des Bananentransports Kosten anfallen und Steuern erhoben werden.«

Europa 1. Februar 2025

Normalisierung rechtsextremer Macht

Ein Überblick über die Lage in der EU
von Ayse Tekin

Im vergangenen Jahr gab es mehr als 70 Wahlen weltweit. In fast allen kam es zu Stimmengewinnen oder gar absoluten Mehrheiten für rechtsgerichtete Parteien und autokratische Politiker. Alle instrumentalisieren gezielt Themen wie Krieg, Migration, Klimakrise, religiöse Konflikte und Genderidentitäten, um die gesellschaftliche Spaltung voranzutreiben. Europäische Rechtspopulisten und Rechtsextreme wollen die wirtschaftlichen und sozialen Probleme auf Kosten der Migrant:innen lösen. Das ist nichts anderes als Ethnisierung der Verteilungsungerechtigkeit.

Europa 1. Februar 2025

Green Deal war gestern

Haushalt und Personal der neuen EU-Kommission
von Klaus Dräger und Herman Michiel

Nach geheimen politischen Verhandlungen zwischen den Regierungschefs, die den drei sogenannten »proeuropäischen« politischen Familien angehören, wurde Ursula von der Leyen Ende Juni 2024 für eine weitere fünfjährige Amtszeit als Kommissionspräsidentin vorgeschlagen und vom Europäischen Parlament (EP) bestätigt.

Nordafrika/Nahost 1. Februar 2025

Erneuerbare Energien

Vom Neokolonialismus in der Energiewende
von Nele Johannsen

Grüne Energie aus Tunesien: Mit riesigen Solarparks und grünem Wasserstoff soll das Land den europäischen Energiemarkt füttern. Die sozialen und ökologischen Kosten spielen dabei keine Rolle. Während Europa von den Großprojekten profitiert, sieht sich die tunesische Bevölkerung mit Landverlust, Wasserstress und unzureichender Beteiligung konfrontiert.

Nordafrika/Nahost 1. Februar 2025

Rojava verteidigen!

Die kurdische Selbstverwaltung hängt am seidenen Faden
von Wolfgang Schindler

Ein Video: 9.Dezember 2024. Die Treppe ist schmal, die sie hinunter gehen. Es ist dunkel. Sie betreten ein medizinisch gut ausgestattetes Krankenzimmer. Es ist das Krankenhaus am Al-Matahen-Kreisverkehr in Minbic, Nordsyrien. Sie leuchten zwei offenbar schwer Verwundeten ins Gesicht. Ein kurzer Dialog mit ihnen findet statt. Dann fällt ein Schuss. Der Mord erfolgt kalt und routiniert. Es folgen mehrere Feuerstöße. Dass der zweite Verwundete getroffen wird, ist in dem Video nicht genau zu erkennen. Aber unzweifelhaft ist es so.

Europa 1. Februar 2025

Kickl ante Portas!

Rechtsextremer Scharfmacher wird Kanzler in Österreich
von Wilfried Hanser

In Österreich löst zur Zeit eine politische Hiobsbotschaft die nächste, noch schlimmere, ab.

Bei der Nationalratswahl vom 29.September erhielt die rechtsextreme Partei FPÖ unter dem Scharfmacher Kickl unglaubliche 28,8 Prozent der Stimmen und wurde damit stärkste Partei. Kickl ist kein Wolf, der Kreide frisst, er hetzt ganz offen, er hofiert die Identitären als »interessante rechte NGO« und das Wort »Remigration« bezeichnet er – lange vor Alice Weidel von der AfD – ganz ungeniert als sein Programm.

Asien/Australien 1. Februar 2025

Myanmar

Furcht, Terror, Wut, Widerstand
Gespräch mit Nyein Chan May

Nyein Chan May ist studentische Aktivistin, Mitbegründerin und Geschäftsführerin des Vereins German Solidarity Myanmar (GSM). Vor dem Putsch im Februar 2021 kam sie nach Deutschland, um Politikwissenschaft zu studieren. Von 2012 bis 2015 war sie Mitbegründerin der Studentengewerkschaft an der Fremdsprachenuniversität in Yangon. Als intersektionale Feministin engagiert sie sich zudem als Podcasterin. Mit ihr sprach Wolfgang Kremer über die Möglichkeiten internationaler Solidarität.

Buch 1. Februar 2025

Der Verfall der deutschen Erinnerungspolitik

Enzo Traverso kritisiert den Missbrauch der Erinnerung an den Holocaust zur Rechtfertigung des Völkermords in Gaza
von Arn Strohmeyer

Enzo Traverso: Gaza im Auge der Geschichte. Berlin: Wirklichkeit Books, 2024. 132 S., 18 Euro

In Deutschland gibt es nicht viele Medien, die aussprechen, was gerade in Gaza passiert. Da ist immer noch die Rede von der »Selbstverteidigung« gegen die »Terroristen« der Hamas. Schilderten diese Medien die wirklichen Geschehnisse im Gazastreifen, müsste man das unaufrichtige Verhältnis, das Deutschland mit Israel verbindet und das das ideologische Fundament des deutschen Staates ist, in Frage stellen.

Flucht/Migration 1. Februar 2025

›Wir verteidigen unsere Bequemlichkeit‹


Warum liberale Demokraten rechtsextreme Forderungen übernehmen
Interview mit Agnieszka Holland

Der polnische Regierungschef ­Donald Tusk ist der erste Regierungschef in der EU, der offen die Abschaffung des Asylrechts gefordert hat. Darin geht er weiter als sein Amtsvorgänger Kaczynski.
Das polnische Onlineportal Oko.press hat am 6.Oktober 2024 die polnische Regisseurin und Filmautorin Agnieszka Holland zu dem Thema interviewt. Für ihren jüngsten Film, Green Border, hatte Holland beim Filmfestival von Gdynia den Goldenen Löwen bekommen.

Nur Online 22. Januar 2025

Die neue EU-Kommission und ihr Credo

von Herman Michiel / Klaus Dräger

Militarisierung, Festung Europa, ‚Wettbewerbsfähigkeit‘
Nach sechsmonatigem politischen Gerangel mit dem Europäischen Parlament hat die neue von-der-Leyen-Kommission am 1. Dezember 2024 ihre Arbeit aufgenommen. Ist die Europäische Kommission, die „Regierung“, die Exekutive der Union? Oder ist sie auch die ‚Legislative‘? Wie ist die EU in dieser Hinsicht aufgestellt?

Startseite 1. Januar 2025

Haftbefehl gegen Netanyahu

Ein Meilenstein in der internationalen Rechtsgeschichte
von Norman Paech

Am 21.November 2024 hat der Internationale Strafgerichtshof (IStGH) dem Antrag des Chefanklägers Karim Khan vom 20.Mai des Jahres zugestimmt, einen Haftbefehl gegen Premierminister Netanyahu, den ehemaligen Verteidigungsminister Yoaw Gallant sowie den Kommandeur der Kassam-Brigaden, des militärischen Arms der Hamas, Mohammed Diab Ibrahim Al-Masri, genannt Mohammed Deif, zu erlassen.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2025

Die Hütte brennt

Klima der Unsicherheit führt zu politischen Brandherden
von Angela Klein

Eine Woche, zwei politische Abstürze: Nach 54 Jahren bricht das Regime Assad in Syrien zusammen. Nach dreimonatiger Regierungszeit wird der französische Premier Michel Barnier aus dem Amt gejagt.

Der Sturz von Assad birgt das Potenzial einer Aufteilung Syriens in einen von Israel kontrollierten und einen von der Türkei beherrschten Teil. In der Region findet eine imperialistische Neuaufteilung statt, die auf Kosten von Palästinensern und der Kurden geht. Eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran kann in Anbetracht der kommenden Präsidentschaft Trumps nicht mehr ausgeschlossen werden.
In Frankreich wiederum werden die Institutionen der von De Gaulle gegründeten Fünften Republik mit der Krise des Parteiensystems nicht mehr fertig.

Einwände gegen Pistorius’ Erfolgsmeldungen

Die Zahl der Kriegsdienstverweigerer wächst – auch in Deutschland
von Klaus Pfisterer (DFG-VK)

Klaus Pfisterer ist Landesvorsitzender der DFG-VK Baden-Württemberg und KDV-Experte; er berät seit 45 Jahren Kriegsdienstverweigerer. Mit ihm sprach Angela Klein

Amerika 1. Januar 2025

Klassenjustiz in den USA

Mord an US-Versicherungsdirektor
von Matthias Becker

In den USA löst der Mord an einem Versicherungsmanager eine Welle von Sympathiebekundungen für den Täter aus. Verwunderlich daran ist nur, dass dies die Leitmedien verwundert.
Ein Mensch wird erschossen. Nicht ungewöhnlich in einem Land, in dem täglich ungefähr 55 Menschen mit Schusswaffen umgebracht werden. Allerdings sind die Opfer selten vielfache Millionäre wie Brian Thompson, der Vorstandschef des größten privaten Krankenversicherers.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2025

Trumps Friedensplan

Ein Szenario für die Ukraine
von Angela Klein

Inzwischen rechnen auch die Main­streammedien damit, dass die US-Regierung unter Trump einen Weg suchen wird, sich aus dem Krieg in der Ukraine zurückzuziehen. Das heißt aber: Da die USA das Gros der Waffen liefern, in einem Umfang, der von der EU derzeit nicht ausgeglichen werden kann, steuern wir auf Waffenstillstandsgespräche zu.
Im November, angesichts der russischen Gelängegewinne erwog Selenskyj selbst erstmals wieder die Möglichkeit, die Ostukraine vorläufig aufzugeben, wenn der Rest der Ukraine unter den militärischen Schirm der NATO käme.

Den Tod gibt es nicht umsonst

Was Krieg für den Haushalt bedeutet
von Angela Klein

Fred Schmid: Die »Zeitenwende« und der ­Militär-Industrie-Komplex. isw report Nr.140. München 2024, 3,50 Euro (isw_muenchen@t-online.de)

Seit dem Beginn des Ukrainekriegs werden wir mit der Propaganda bombardiert, Deutschland müsse »kriegstüchtig« werden. Eine ARD-Sendung stellt die Frage: »Können wir Krieg?«, um sie dann natürlich negativ zu beantworten, als hätte uns bislang etwas gefehlt und wir seien nicht ganz normal gewesen, weil wir Krieg nicht als etwas Normales betrachtet haben. Zweifellos aber standen deutsche Soldaten bereits mehrfach im Krieg, zuletzt in Afghanistan, und man hat nicht gehört, sie hätten ihren Job dort »nicht gekonnt«.

Nordafrika/Nahost 1. Januar 2025

Wer regiert Syrien?

Nach dem Sturz Assads ist die Existenz der kurdischen Enklave bedroht
von Ayse Tekin

Die Erdogan wohlgesonnenen Medien der Türkei feiern den Staatschef als Befehlshaber der »syrischen Revolution«, als »Eroberer Syriens« und als »größten Revolutionär des 21.Jahrhunderts«. Sie glauben, dass ihr Präsident die ganze Bewegung orchestriert hat. Erklärungen des türkischen Präsidenten und seines Außenministers deuten auch stark daraufhin.

Europa 1. Januar 2025

Frankreich: politische und soziale Krise

Die Institutionen der Fünften Republik haben ausgedient
Gespräch mit Christine Poupin

Frankreich steht inmitten einer starken sozialen und zugleich politischen und institutionellen Krise.

Christine Poupin ist Sprecherin der französischen NPA (Nouveau Parti Anticapitaliste). Mit ihr sprach Angela Klein

Amerika 1. Januar 2025

Trump 2.0

Auf Scheitern programmiert
von Ingo Schmidt

Steuern runter, Zölle rauf. Bürokraten weg, illegale Einwanderer raus: vier Schlagworte, mit denen Donald Trump die Absichten für seine zweite Amtszeit umreißt.

Eher nebenbei ist auch davon die Rede, Budgetdefizite und Staatsschulden zu senken. Und vielleicht den Dollar abzuwerten. Das ist nicht sehr verschieden von Trump 1.0. Nur dass damals Mauerbau, nicht Abschiebung, das bevorzugte Mittel war, um die Zahl der Einwanderer im Land zu begrenzen.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2025

IGH: Besetzung der palästinensischen Gebiete völkerrechtswidrig

Historisches Rechtsgutachten
dokumentiert

Der Internationale Gerichtshof (IGH) hat am 19.Juli 2024 mit einem bahnbrechenden Rechtsgutachten [1] bekräftigt, dass Israels andauernde Besetzung der palästinensischen Gebiete völkerrechtswidrig ist, und den Staat aufgefordert, alle Siedler aus dem Westjordanland zu evakuieren. Dieses Gutachten wurde unabhängig vom jetzigen Krieg in Gaza erstellt.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2025

Der Klassenkonflikt hinter Russlands Krieg

Zwänge und Widersprüche des postsowjetischen Rentierkapitalismus
von Wolodymyr Ischtschenko

Der Einmarsch in die Ukraine ist nicht einfach ein Produkt des Expansionsbestrebens von Wladimir Putin. Sie entspricht einem Projekt des russischen Kapitalismus, das er und seine Verbündeten seit dem Zusammenbruch der Sowjetunion verfolgt haben, schreibt Wolodymyr Ischtschenko.

Asien/Australien 1. Januar 2025

Sri Lanka

Linker Erdrutschsieg während der Krise
von Mark Johnson und R.K. Radhakrishnan

Die Janatha Vimukthi Peramuna (JVP – Volksbefreiungsfront) und ihr Bündnis, die Nationale Volksmacht (NPP), haben bei den Parlamentswahlen in Sri Lanka am 14.November 2024 eine historische Zweidrittelmehrheit erreicht. Für die einst rebellische linke Partei bedeutet dies einen außergewöhnlichen Wandel. Sie machte sich die Hoffnungen der armen Bevölkerungsmehrheit zu eigen und breitete sich von ihren südlichen Hochburgen bis in den tamilischen Norden aus, wo sie eine noch nie dagewesene Unterstützung erhielt und die traditionellen Parteien auf eine einstellige Zahl reduzierte.

Buch 1. Januar 2025

Eine alte, zweischneidige Waffe

Hannes Hofbauer: Im Wirtschaftskrieg. Die ­Sanktionspolitik des Westens und ihre Folgen. Das Beispiel Russland. Wien: Promedia, 2024. 254 S., 22 Euro
von Albrecht Kieser

Wirtschaftssanktionen ziehen sich durch die Gewaltgeschichte der Menschheit.
Schon vor fast 2500 Jahren begannen Würgeversuche mit dem Handel, als Athen eine Wirtschaftsblockade gegen Sparta verhängte. Sie mündete in den 30jährigen Peloponnesischen Krieg um die Vorherrschaft im antiken Griechenland.

Nur Online 20. Dezember 2024

No other Land

von Peter Nowak

No Other Land
Dokumentarfilm
2024, 95 min.


Ein Video mit seiner toten Enkelin im Arm machte Scheich Khaled Nabhan weltweit bekannt. Der alte Mann aus dem Gazastreifen zeigte öffentlich die Trauer über den Tod des Kindes. Er wurde zum Gesicht der Zivilbevölkerung im Gazastreifen, die nichts mit der Hamas zu tun hat und trotzdem zum Opfer der israelischen Kriegsführung wird.

Polen 11. Dezember 2024

Deutschland – ein ewiger Feind? Deutsch-polnische Geschichte

Auszüge aus dem Interview von Pawel Dybich mit Prof. Andrzej Romanowski „Ein Leben voller Geschichte“, abgedruckt in der Zeitschrift „Przeglad”

Hat Deutschland aufgehört, der ewige Feind Polens zu sein?
– Deutschland ist nie der ewige Feind Polens gewesen. Es gibt überhaupt kein Konzept eines „ewigen Feindes“.



In wie vielen Büchern, Artikeln habe ich diesen Begriff schon gelesen.

Europa 6. Dezember 2024

Über das Recht der Völker auf Selbstbestimmung

von Angela Klein

Die IV.Internationale hält aus gutem Grund das Recht der Völker auf Selbstbestimmung sehr hoch: es ist die Grundlage für jeden antiimperialistischen Kampf. Was Recht auf Selbstbestimmung im einzelnen bedeutet, unterliegt freilich dem jeweiligen Klasseninteresse und auch der geschichtlichen Entwicklung.

Europa 5. Dezember 2024

In der Ukraine ist der Wunsch, sich für den Staat zu opfern, sehr schwach

Volodymyr Ishchenko ist ein ukrainischer Soziologe, der politisch aktiv war und sich an mehreren linken Initiativen in der Ukraine beteiligte, bevor er 2019 nach Deutschland kam. Ishchenko arbeitet derzeit an der Freien Universität in Berlin und setzt dort seine Forschungen über die ukrainischen „Revolutionen“, die Linke und die politische Gewalt der extremen Rechten fort, die er seit 20 Jahren untersucht. Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine hat er in mehreren internationalen Medien ausführlich über verschiedene Aspekte des Konflikts geschrieben.
Nachstehend ein Interview, das er Philippe Alcoy und Sasha Yaropolskaya von der Zeitschrift Révolution Permanente gegeben hat.

Arbeitskämpfe 1. Dezember 2024

Ein Jahr Streik bei Tesla in Schweden

Der lange Kampf für einen Tarifvertrag zeigt noch keinen Erfolg
von Lars Henriksson

Am 27.Oktober ist der seit hundert Jahren längste Streik in Schweden in sein zweites Jahr getreten. Der Konflikt zwischen der Gewerkschaft IF Metall und dem Tesla-Konzern ist zu einem Thema geworden, das weit über die mehrere hundert direkt betroffenen Automechaniker hinausgeht.
Lars Henriksson, ehemals langjähriger Volvo-Arbeiter und seit 45 Jahren aktives Mitglied von IF Metall, hat die Situation und die Her­ausforderungen für die Gewerkschaft in der schwedischen Online-Zeitung Internationalen zusammengefasst.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2024

Myanmar

Revolutionärer Durchbruch oder Alptraum ohne Ende?
von Wolfgang Kremer

Überschattet von den Kriegen in der Ukraine und dem Nahen Osten eskaliert in Südostasien ein Konflikt von beispielloser Brutalität: Seit dem Militärputsch vom 1.Februar 2021 hat der Widerstand gegen die Junta und der Kampf für ein freies, demokratisches und selbstbestimmtes Myanmar eine neue, bislang unbekannte Dynamik entwickelt.

Amerika 1. Dezember 2024

Trump und die Arbeiterklasse

Die Wut in den USA drückte sich bei der Präsidentschaftswahl in rechten Anti-Establishment-Stimmen aus
von Stephan Kimmerle

Alexandria Ocasio-Cortez (AOC) war erstaunt. Monatelang hatte die linke Abgeordnete im Repräsentantenhaus vehement erst für Joe Biden und dann für Kamala Harris geworben. Auf dem Parteitag der Demokrat:innen im Sommer behauptete sie, Harris arbeite unermüdlich für einen Waffenstillstand in Palästina. Kritiker:innen nannten das dreist.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2024

Was bedeutet Trumps Wahlsieg für Palästina?

Wahrscheinlichkeit eines gemeinsamen amerikanisch-israelischen Angriffs auf den Iran gestiegen
von Gilbert Achcar

Trumps Sieg im Rennen um die US-Präsidentschaft ist eine große Katastrophe für die Völker der Region. ­Netanyahu hat sehnsüchtig auf diesen Sieg gehofft und alles getan, um dazu beizutragen. Was erwartet uns jetzt?

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2024

Palästinasolidarität: Allein in Berlin gibt es tausende Verfahren

Der Verein für Gerechtigkeit in Deutschland und Freiheit in Palästina baut eine Rechtshilfestruktur auf
dokumentiert

Wir sind 3ezwa, ein Verein für Gerechtigkeit in Deutschland und Freiheit in Palästina. Schon lange vor dem 7.Oktober 2023 verfolgten deutsche Behörden eine Politik der Repression, um die propalästinensische Bewegung und migrantische Communities einzuschüchtern und zu bedrohen sowie jede Form des Dissenses gegen Deutschlands proisraelische Staatsräson zu ersticken.

Klima 1. Dezember 2024

UN-Klimakonferenz braucht Alternativen

Die UN-Klimakonferenz ist immer weniger ein Instrument, die Klimazerstörung zu bekämpfen
dokumentiert

Schon die COP28 im vergangenen Jahr in Dubai (VAE – Vereinigte Arabische Emirate) war kein Ort mehr, an dem Lösungen für die Klimakrise ausgehandelt werden. Es war ein internationaler Handelsplatz für falsche Lösungen und lukrative Kohlenstoffgeschäfte.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2024

›Es wird keinen Aufschwung geben‹

Die Israelis haben das Vertrauen in Wirtschaft und Staat verloren, sagt Shir Hever
Aus einem Interview mit Shir Hever

Shir Hever ist in Israel geboren und aufgewachsen und lebt in Heidelberg. Er gehört zum Vorstand der ›Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V.‹. Er schrieb zuletzt in SoZ 5/2024 über die deutschen Waffenlieferungen an Israel

Nachstehend veröffentlicht wir Auszüge aus einem Interview, das Shir Hever am 15.Oktober dem Online-Portal India Global gegeben hat.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2024

Welche Solidarität im antikolonialen Kampf?

Widerstand gegen den kolonialen Aggressor ist richtig
Aus einem Interview mit Gilbert Achcar

Wie können wir Solidarität für Antikapitalisten und antikoloniale Kämpfe aufbauen, wenn wir die politischen Projekte der anwesenden Kräfte nicht teilen?

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2024

Auf Distanz zum Krieg

Widerstand in Israel gegen die Fortsetzung des Krieges
dokumentiert

Zwei Erklärungen dokumentieren, dass in Israel der Widerstand gegen die Fortsetzung des Krieges wächst. Die eine ist ein offener Brief von Anfang Oktober, in dem 130 israelische Reservisten und Kriegsdienstleistende erklären, warum sie sich weigern, weiter zu kämpfen.
Die andere ist ein Appell an die internationale Gemeinschaft, »mehr Druck auf unser Land« für einen Waffenstillstand auszuüben. Über 3000 Israelis haben ihn (Stand: 29.10.) unterzeichnet.

Amerika 1. Dezember 2024

›Kriminelle und Terroristen‹

Wie sich die extreme Rechte in den USA die Verfolgung der Palästinasolidarität vorstellt
von Ryan Grim und Murtaza Hussain

Die deutschen Bemühungen, Palästinasolidarität unter dem Deckmantel des »Schutzes jüdischen Lebens« zu unterdrücken, beziehen ihr Vorbild aus dem Umfeld von Donald Trump.

Die Architekten des »Projekts 2025« bei der konservativen Heritage Foundation haben einen Plan entworfen, um in Erwartung eines Sieges von Donald Trump bei den Präsidentschaftswahlen die propalästinensische Bewegung in den USA zu brechen.

Buch 1. Dezember 2024

›Nicht mit den herrschenden Wölfen heulen‹

Antimilitaristische Positionen aus der Ukraine
von Angela Klein

AK Beau Séjour: Sterben und ­sterben lassen. Der Ukrainekrieg als Klassenkonflikt. Berlin: Die Buch­macherei, 2024. 208 S., 15 Euro

Die Buchmacherei ist schon ein kleines Trüffelschwein. Immer findet sie zu wichtigen Debatten Beiträge, die abseits des Mainstreams liegen und gerade deshalb höchst wertvoll sind.
So auch jetzt wieder zum Thema Ukraine. Das vorliegende Büchlein – klein gedruckt und mit ziemlich viel Stoff – leistet vier Dinge:

Globalisierung/Krieg 21. November 2024

IStGH-Haftbefehl gegen Netanyahu

von Jeremy Scahill und Ryan Grim

Der Internationale Strafgerichtshof hat gegen den israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu und den ehemaligen Verteidigungsminister Yoav Gallant einen Haftbefehl wegen des Vorwurfs von Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit erlassen, weil sie an der laufenden israelischen Militäroffensive im Gazastreifen beteiligt waren.

Globalisierung/Krieg 16. November 2024

Friedensfreunde für Friedhofsruhe?

von Erhard Weinholz
Zur Orientierung der sozialistischen Linken in Russlands Krieg gegen die Ukraine. Eine Entgegnung auf Angela Klein, „Heraus zum Antikriegstag“

Asien/Australien 1. November 2024

Bangladesh: Textilarbeiterinnen rebellieren

Die Regierung Yunus pflegt weiter den Kontakt zu Geschäftsfreunden des alten Regimes
von Dominik Müller

Eigentlich hatten die Textilarbeiterinnen in Bangladesh gehofft, dass sich ihre Situation mit dem Sturz des Regimes von Sheik Hasina Wajeed Anfang August verbessert.

Die Arbeitsbedingungen der Textilarbeiterinnen gehören zu den schlechtesten weltweit: In der Presse wird Bangladesh auch als »Schmuddelkind der globalen Textilindustrie« bezeichnet. Fast alle großen Modelabels lassen hier produzieren.

Arbeitskämpfe 1. November 2024

Ex-GKN Florenz

Bereit zur Aufnahme der neuen Produktion
von Kathy Ziegler

Am 13.Oktober 2024 fand in Campi Bisenzio bei Florenz die erste Versammlung der Genossenschaft GKN For Future (GFF) statt; viele Arbeiter des Fabrikkollektivs Ex-GKN, das auch GFF-Gründer ist, Genossenschaftsmitglieder und Vertreter:innen verschiedener Gruppen wie Fridays for Future aus Florenz nahmen daran teil. Prominenter Gast war Greta Thunberg, die in ihrer Rede alle ermutigte, weiter an das ökosoziale Projekt der GFF zu glauben und dafür zu kämpfen.

Geschichte 1. November 2024

Erinnert euch!?

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Urlaub in Frankreich – so freundliche Gastgeber:innen, so wanderbare Gegenden, so gute Begegnungen und so hervorragendes Essen und Wein.
Urlaub in Frankreich: So viele Mahnmale stehen am Straßenrand. Sommer 1944, der Einmarsch der Alliierten in Frankreich ist gelungen, an vielen Orten im Süden werden deutsche Truppen abgezogen. Sie hinterlassen Verbrechen, deren in diesem Jahr nach 80 Jahre in vielen Städten gedacht wird, zusammen mit dem Gedenken an die Befreiung von den Besatzern.

›European War Deal‹

Die neue EU-Kommission steht ganz im Zeichen der Militarisierung
von Herman Michiel und Klaus Dräger

Auf ihrem Gipfeltreffen Ende Juni 2024 haben die EU-Staats- und
-Regierungschefs beschlossen, dass Portugals ehemaliger Premierminister António Costa die Nachfolge von Charles Michel als Präsident des Europäischen Rats antreten wird. Ursula von der Leyen wurde für eine zweite fünfjährige Amtszeit als Kommissionspräsidentin bestätigt. Außerdem ernannten sie die estnische Premierministerin Kaja Kallas zur neuen »Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik«, die dieses Amt vom spanischen Sozialdemokraten Josep Borrell übernimmt.

Europa 1. November 2024

Folgen der Parlamentswahlen in Österreich

Der Wahlsieg der FPÖ und das strategische Dilemma der Sozialdemokratie
von Wilfried Hanser

Bei den Nationalratswahlen (Parlament) in Österreich am 29.September hat die konservative Volkspartei (ÖVP) etwa 30 Prozent ihrer Wähler:innen verloren, sie wurde von der rechtsextremen FPÖ überholt und findet sich auf dem zweiten Platz wieder. Dennoch befindet sie sich in einer komfortablen Situation: Sie kann mit ihren nur noch 26,3 Prozent weiterhin den Kanzler stellen und sich die Koalitionspartnerinnen aussuchen. Rechnerisch kann sie wahlweise entweder mit der rechtsextremen FPÖ, mit der Sozialdemokratie (mit knapper Mehrheit) oder mit zwei unterschiedlichen Varianten einer Dreierkoalition (mit SPÖ + Neos oder mit SPÖ + Grüne) weiterregieren.

Amerika 1. November 2024

Imperiale Sehnsucht

US-Politik vor den Präsidentschaftswahlen
von Ingo Schmidt

Kaum ein Medienbericht aus den USA kommt ohne den Hinweis auf die Spaltung der amerikanischen Gesellschaft aus. Worin die Spaltung besteht, wird entweder nicht thematisiert, oder es wird zwischen den Hasspredigern Donald Trump und JD Vance, den republikanischen Kandidaten fürs Präsidenten- bzw. Vizepräsidentenamt, und den Stimmen der Vernunft unterschieden – den demokratischen Kandidaten Kamala Harris und Tim Walz.

Amerika 1. November 2024

Kommunalwahlen in Brasilien: Rechte und Bolsonaristen auf dem Vormarsch, PT leicht erholt

von Hermann Dierkes

Die Kommunalwahlen vom 6.10. und die Stichwahlen am 27.10.24 galten als wichtiger Indikator für die politischen Kräfteverhältnisse im Land. Lokale Besonderheiten mischten sich mit nationalen Tendenzen, nicht überall gab es klare Trennlinien zwischen ”Rechts” und Links”. Die Wahlprognosen der seriösen Institute waren weitgehend richtig. Die brasilianischen Wähler wollen demzufolge derzeit ”keine politischen Abenteuer”, was den regierenden kommunalen Konstellationen zugutekam und zu 80 Prozent die Wiederwahl gesichert hat. Jetzt wird interpretiert, welche Folgen das Ergebnis für die nationalen Wahlen in zwei Jahren und auch für Lateinamerika insgesamt haben könnte. Klar ist aber, dass die rechten und extrem-rechten bürgerlichen Parteien wie anderswo auf dem Globus auf dem Vormarsch und die Unterstützung linker Parteien und Wahlalternativen rückläufig sind. Klassenbewusstsein und kollektive Aktion für solidarische und progressive Lösungen sind auf dem Rückzug.

Amerika 1. November 2024

Venezuela

Die Wurzeln des Korruptionssystems
von Tobias Lambert

Venezuela steckt in der schwersten Krise seiner Geschichte. Der ungeheure ökonomische, soziale und politische Niedergang folgte auf den Verfall der Erdölpreise 2014, auf wirtschaftspolitische Fehler der Regierung, einen destruktiven Machtkampf und die US-Sanktionen. Die Wurzeln der Krise reichen zurück bis in die Präsidentschaft von Hugo Chávez. Die hohen Erdölpreise haben strukturelle Probleme verdeckt, die sich unter Nachfolger Maduro verschärft haben.

Amerika 1. November 2024

Nicaragua: Stratege und Ideologe der FSLN

Zum Tod von Humberto Ortega
von Matthias Schindler

Am 30.September 2024 starb Humberto Ortega, der Bruder des nicaraguanischen Präsidenten Daniel Ortega, im Militärkrankenhaus von Managua. Er stand de facto unter Hausarrest, war völlig isoliert und selbst für seine engsten Familienangehörigen nicht erreichbar.

Nordafrika/Nahost 1. November 2024

Die Hoffnung liegt in der Unverwüstlichkeit der Menschen

Ein möglicher Ausweg für Palästina
Gespräch mit Mustafa Barghouti

Mustafa Barghouti ist palästinensischer Arzt und Generalsekretär der von ihm 2022 gegründeten Palästinensischen Nationalen Initiative. Er befürwortet die nationale Einheit der Palästinenser und die Abhaltung demokratischer Wahlen als Voraussetzung für die Bekämpfung des drohenden Völkermords und der ethnischen Säuberung. Mit ihm sprach das US-amerikanische Internet-Portal Mondoweiss am 2.Oktober 2024.

Nur Online 19. Oktober 2024

Nachtrag zum Bericht über die Friedensdemonstration

Angela Klein

In einem Punkt soll man sich nicht täuschen: Führende westliche Kreise sträuben sich nicht mehr gegen die Erkenntnis, dass beim gegenwärtigen Stand der Dinge ein militärischer Sieg der Ukraine gegen Russland nicht möglich ist. Das bedeutet jedoch nicht, dass sie nicht darauf hinarbeiten würden – nur mit viel längerem Atem, als ursprünglich geplant.Zum Zeugnis sei hier der Economist vom 28. September zitiert. Dort heißt es in einem der Kommentare zum Schwerpunkt:

"Wie The Economist seit langem vertritt, hat Herr Putin die Ukraine nicht wegen ihres Territoriums angegriffen, sondern um sie daran zu hindern, eine blühende, westlich orientierte Demokratie zu werden [wir kennen die blühenden Landschaften, ak].

Nur Online 18. Oktober 2024

Nachlese zur Friedensdemo am 3. Oktober

von Paul Michel
Vorbemerkung: Der nachfolgende Text befasst sich nur mit einem Teil der der Berliner Demo, der, ausgehend vom Krieg in der Ukraine, den Konflikt zwischen der NATO und Russland betrifft. Das politische Agieren des Bündnisse zum Konflikt in Nahen Osten, Gaza Krieg und Krieg Israels gegen Hisbollah, Libanon und Iran ist nicht Thema des Textes.

Globalisierung/Krieg 14. Oktober 2024

Die Ermordung Nasrallahs und die Folgen

von Tariq Ali

Um Hassan Nasrallah, einen der populärsten Anführer des Widerstands (nicht nur bei den Schiiten), zu töten, mussten die IDF mehrere Gebäude zerstören, Terroranschläge mit Hilfe von Nachrichtengeräten durchführen und erneut Hunderte von Unschuldigen töten, indem sie mindestens fünfzehn 2000-Pfund-Bomben aus US-Produktion abwarfen. Netanjahu gab den Befehl zur Sprengung der Gebäude im Süden Beiruts, während er sich in den USA aufhielt, um vor der UN-Generalversammlung zu sprechen. Nur um deutlich zu machen: Die wahre „besondere Beziehung“ ist heilig und ewig, Nasrallah wird nicht in Frieden ruhen.

Globalisierung/Krieg 14. Oktober 2024

Strategische Überlegungen zur israelischen Eskalation im Libanon

von Gilbert Achcar
Am 17.9.2024 starteten die israelischen Geheimdienste eine Massenterror-Operation im Libanon, indem sie in zwei aufeinanderfolgenden Wellen an zwei Tagen einzelne Kommunikationsanlagen in die Luft sprengten und dabei mehr als 40 Menschen töteten und mehr als 3500 verletzten. Auf diese beiden Wellen des Massenterrors folgte eine Eskalation des grenzüberschreitenden Granatenaustauschs zwischen der Hisbollah und den israelischen Aggressionskräften (auch bekannt als IDF). Sie leitete am Montag den heftigen, gewaltsamen Bombenangriff auf den Südlibanon und andere Gebiete ein, in denen die Hisbollah präsent ist, wobei fast 500 Menschen getötet und mehr als 1600 verletzt wurden.

Nordafrika/Nahost 13. Oktober 2024

Arabische Staaten – neutral im Konflikt mit Iran?

von Mitchell Plitnick
Während Israel seinen Krieg auf den Libanon ausweitet und auch den Iran bedroht, gibt es wichtige Anzeichen dafür, dass die arabischen Staaten in der Region endlich einschreiten, um einen größeren regionalen Krieg zu verhindern. Wird die Biden-Regierung zuhören?

Arbeitskämpfe 1. Oktober 2024

›Siamo tutti exGKN!‹

Der Betrieb aus Florenz feierte den dritten Geburtstag seiner Besetzung
von Hans Köbrich

Am 12.Juli feierten die Kolleg:innen von exGKN for Future zusammen mit den Unterstützer:innen in der Mitte von Florenz drei Jahre Besetzung.

Klima 1. Oktober 2024

Effektiv gegen die Klimakrise

Die Kampagne Debt for Climate fordert einen vollständigen ­Schuldenerlass für den globalen Süden
von Eva Hengstermann

Die Anpassung an eine Welt, die immer mehr von den Folgen des Klimawandels beeinflusst wird, ist nicht einfach. Vor allem aber ist sie teuer. Länder im globalen Süden bekommen die Auswirkungen der Erderwärmung in Form von Dürren, Fluten und anderen Umweltkatastrophen als erstes und am stärksten zu spüren – obwohl sie am wenigstens dafür verantwortlich sind.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2024

›Krieg beginnt hier‹

Das alljährliche Camp von Rheinmetall entwaffnen diesmal in Kiel
von Peter Nowak

»Rote Fahnen über Kiel« lautete das Motto auf den T-Shirts vieler junger Menschen Anfang September in Kiel. Es waren Teilnehmer:innen des antimilitaristischen Camps, das vom 3. bis 8.September seine Zelte auf einer Wiese ganz in der Nähe der Kieler Werft aufgeschlagen hatte.

Amerika 1. Oktober 2024

Make America Supermacht again?

Trump 2.0: Die Vorstellung eines Paradieses mit hohen Mauern und ohne Gewerkschaften
von Ingar Solty

Eine zweite Amtszeit von Trump dürfte noch extremer ausfallen als die erste. So plant Trump Massendeportationen »undokumentierter« Einwanderer. Im Grunde will er umsetzen, wovon die AfD bei ihrer »Wannseekonferenz 2.0« träumte: eine »Remigration«. In den USA leben mehr als zehn Millionen undokumentierte Einwanderer, teilweise schon seit Jahrzehnten. Da es anders als in Deutschland keine Ausweispflicht gibt, wäre ein solches Projekt nur durch Razzien in Wohnvierteln und an Arbeitsplätzen vorstellbar. Eine solche Abschiebeoffensive ist ohne Bürgerkrieg eigentlich nicht denkbar.

Amerika 1. Oktober 2024

Zwischen Status quo und rechter Gefahr

Die politische Situation in den USA vor den Präsidentschaftswahlen
von Dianne Feeley

Der Zweikampf zwischen Joe Biden und Donald Trump stellte den Wähler:innen zwei Kandidaten zur Auswahl, die sie beide nicht mochten. Die Fernsehdebatte Ende Juni offenbarte 51 Millionen Zuschauern, dass der Spitzenkandidat der Demokraten nicht nur gebrechlich war, sondern auch unter intellektuellem Verfall litt.

Amerika 1. Oktober 2024

Von Trump zu Biden – und wieder zurück?

Die Halbherzigkeit der Bidenomics
von Ingar Solty

Wie konnte Donald Trump sich nach einer desaströsen ersten Präsidentschaft wieder an die Macht (oder wenigstens in ihre Nähe) bringen? Eine Ursache sieht Ingar Solty in der widersprüchlichen Politik der Regierung Biden.

Amerika 1. Oktober 2024

Die US-Wirtschaft vor den Wahlen

US-Ökonomie in der Stagnation
von Ingo Schmidt

Der Sturm des Kapitols durch einen rechten, dem Wahlverlierer Trump verpflichteten Mob prägt die Erinnerung an den Amtsantritt Joe Bidens im Januar 2021. Fast vergessen sind dagegen die wirtschaftlichen Turbulenzen während des Wahlkampfs und in der ersten Zeit von Bidens Präsidentschaft.

Patriarchat 1. Oktober 2024

Vor 40 Jahren: Der Streik der britischen Bergleute

Frauen waren das Rückgrat eines historischen Arbeitskampfes
von Ayse Tekin

Vor 40 Jahren, vom 10. bis 20.Oktober 1984, besuchten Frauen der streikenden Bergleute aus England, Kay Sutcliffe und Marie Collins, Deutschland, um hier für Solidarität mit einem spektakulären Arbeitskampf zu werben. Auf zahlreichen Veranstaltungen wurde Geld gesammelt. In Köln bildete sich eine Unterstützergruppe für die Zeche Snowdown, die von dem Arbeitskreis »Frau und Arbeit« getragen wurde. Die Gruppe sammelte Geld und Geschenke, eine Delegation aus fünf Frauen brachte sie persönlich zur Weihnachtszeit nach Aylesham/Kent.

Nordafrika/Nahost 1. Oktober 2024

Palästina – Willkommen in der Hölle

Das israelische Gefängnissystem – ein Netzwerk von Folterlagern
von btselem.org, August 2024

Im folgenden veröffentlichen wir, stark gekürzt, eine Zusammenfassung des Berichts der israelischen Menschenrechtsorganisation B’Tselem (Israeli Information Center for Human Rights in the Occupied Territories) über die Lage der palästinensischen Gefangenen im israelischen Gefängnissystem.

Europa 1. Oktober 2024

Macron begibt sich in die Hände Le Pens

Die politischen Winkelzüge des französischen Präsidenten und die Lage der Linken
von Léon Crémieux

»Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?«
Bertolt Brecht, Die Lösung, 1953

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2024

Russland: Eine neue Partei gegen den Krieg

Die Russische Kommunistische Partei (Internationalisten) sagt linken Kriegsunterstützern den Kampf an
von Ewgeniy Kasakow

Im heutigen Russland gibt es Dutzende Parteien und Organisationen, die sich »kommunistisch« nennen – gleich ob sie das Wort im Namen, im Statut oder im Programm tragen.

Patriarchat 1. Oktober 2024

›Frau, Leben, Freiheit‹

Die Widerstandskraft der Frauen im Iran ist inspirierend
von Kanun Kassel

Am 16.September jährte sich zum zweiten Mal der Polizeimord an der jungen Kurdin Mahsa Amini.

Der Tod von Mahsa Amini in Teheran, verursacht durch die Brutalität der Sittenpolizei, wurde zum Symbol einer Revolution, die von Frauen angeführt und von Männern unterstützt wird. Der zweite Jahrestag dieser Revolution verdeutlicht den unermüdlichen Kampf gegen das Regime der Islamischen Republik.

Europa 17. September 2024

Ja zum Krieg – quer Beet durch die Fraktionen

Das neue Europäische Parlament bestätigt seine militaristische Gesinnung

Von Herman Michiel und Klaus Dräger

Im Juni 2024 wurde ein neues 720-köpfiges Europäisches Parlament gewählt, das vom 16. bis 19. Juli in Straßburg seine erste Plenarsitzung abhielt. Diese erste Sitzung gibt sofort den Ton an, den wir von diesem Parlament in den nächsten fünf Jahren erwarten können: den Ton militärischer Marschmusik.

Arbeitswelt 1. September 2024

Ein Sommer des Rassismus

Migrant:innen – als Arbeitskräfte ausgebeutet, als Menschen verachtet
von Gerhard Klas

Am 19.Juni starb der Inder Satnam Singh südöstlich von Rom. Der 31jährige war anderthalb Tage zuvor bei der Melonenernte in eine Maschine geraten. Sein rechter Arm wurde abgetrennt, seine Beine wurden zerquetscht.

Europa 1. September 2024

›Wir brauchen konkrete Erfolge‹


Die Perspektiven der Linken nach ihrem Sieg im zweiten Wahlgang der Parlamentswahlen
Gespräch mit Olivier Besancenot

Macron lässt sich sichtbar Zeit mit der Regierungsbildung. Und auch bei der Neuen Volksfront (NFP) ist die Findung einer gemeinsamen Kandidatin für das Amt der Premierministerin holprig verlaufen. Meinst du, Macron wird Lucie Castets am Ende doch akzeptieren und zur Premierministerin ernennen?

Startseite 1. September 2024

Heraus zum Antikriegstag!

Der Krieg beginnt in den Köpfen
von Angela Klein

»Willst du den Frieden, bereite den Krieg vor.« So denken Imperialisten seit eh und je. Mit dem Ukrainekrieg erfreut sich das Motto auch in der EU wieder größter Beliebtheit. Seither wird auf den militärischen Showdown der NATO mit Russland und China hingearbeitet.

Arbeitskämpfe 1. September 2024

Betriebe rückerobern statt Sozialplan verhandeln

Rückeroberte Betriebe vernetzen sich europaweit
von Manfred Neugroda

Noch ist er nicht entschieden, doch das Beispiel des Kampfes der Belegschaft um die Rückeroberung ihres Betriebs GKN bei Florenz hat die Gewerkschafts- und Arbeiter:innenbewegung und die Linke in Deutschland und Europa angefeuert. Mit ihm wird die Diskussion um den Kampf gegen Betriebsschließungen über das in Deutschland übliche Niveau von Sozialplan oder Sozialtarif hinausgehoben und auf eine grundlegende Systemtransformation orientiert. Mit dabei bedacht wird auch die Verbindung von Ökonomie und Ökologie.

Globalisierung/Krieg 1. September 2024

Ukraine-Schulden

Das kriegsgebeutelte Land soll Milliarden zurückzahlen
dokumentiert

Im Streit über einen Schuldenschnitt setzen die Gläubiger ihre Profitinteressen durch

Am 22.Juli unterzeichnete die Ukraine eine Einigung mit ihren privaten Anleihegläubigern über Vorkriegsforderungen, auf die die Ukraine seit August 2022 keinen Schuldendienst leisten musste. Das Moratorium sollte zum 1.August auslaufen. Die ukrainische Regierung hatte einen Schuldenschnitt von 60 Prozent gefordert. Erreicht hat sie ganze 37 Prozent.

Globalisierung/Krieg 1. September 2024

Null Bock mehr auf Krieg

Aus der Ukraine sind neue Töne zu hören
von Angela Klein

Das Onlineportal Defend Democracy berichtete am 19.Juli von zunehmenden, auch gewaltsamen Protesten gegen die Rekrutierung neuer Soldaten. Nachstehend eine Zusammenfassung.

Nordafrika/Nahost 1. September 2024

„Jeder weiß, wer sie bombardiert, jeder“

Palästinensische Stimmen zum Angriff des 7.Oktober

Vorspann:
Der nachstehende Artikel hat in der Redaktion für erhebliche Diskussion gesorgt – von inhaltlicher Kritik bis hin zur Forderung, den Artikel von der Webseite zu nehmen. Die Redaktion hat sich darauf geeinigt, ihm online einen Vorspann voranzustellen.
Die Diskussion zeigte, dass der Artikel sehr unterschiedlich gelesen wurde. Einige sehen darin eine Rechtfertigung des Überfalls der Hamas vom 7.Oktober und eine kritiklose Übernahme ihrer Positionen (einschließlich nachweislich falscher propagandistischer Behauptungen). Das war jedoch nicht die Intention für seine Veröffentlichung. Tatsächlich lässt der Artikel verschiedene palästinensische Stimmen zu Wort kommen – eine solche, die den Angriff ablehnt, weil er palästinensischen Sache schaden, ebenso wie solche, die ihn aus der hoffnungslosen Lage der Palästinenser:innen erklären, ohne der Hamas ein politisches Vertrauen zu schenken, außerdem die Hamas selbst. So gelesen, verdeutlicht der Artikel die Zwangslage, in der sich die palästinensische Bevölkerung befindet, die das Recht auf Widerstand hat, aber nur eine reaktionäre Führung. Problematisiert wurde, dass an einigen Stellen des Artikels der Eindruck entsteht, auch die Gräueltaten des 7.Oktober könnten Teil eines legitimen Widerstands sein. Davon distanzieren wir uns ausdrücklich. Die zivilen Opfer auf beiden Seiten, sowohl der israelischen als auch der palästinensischen, sind nicht zu rechtfertigen.
Vielmehr wäre es interessant zu erfahren, wann und warum die palästinensische Linke gescheitert ist und welche Auswege sie diskutiert. In einer der kommenden Ausgaben wollen wir uns dieser Frage widmen. Es geht dabei nicht darum, was wir für richtig oder falsch halten, sondern zuzuhören und zu verstehen, welche Schlussfolgerungen sie aus gegenwärtigen Entwicklung ziehen.
d.Red.

Amerika 1. September 2024

Mexiko: Utopien wollen verwirklicht werden

Die neue Delegierte von Iztapalapa (Mexiko-Stadt), und was sie anders macht
Gespräch mit María Antonieta Pérez Orozco

Iztapalapa ist mit seinen fast zwei Millionen Einwohner:innen das größte Armenviertel in der mexikanischen Hauptstadt. Als solches war es viele Jahrzehnte hindurch der Nährboden für Jugendbanden, die außer mit Drogen zu dealen oder Raubüberfälle zu organisieren wenig mit sich anzufangen wussten – so lange bis 2018 Claudia Sheinbaum zur Bürgermeisterin der mexikanischen Metropole gewählt wurde.

Amerika 1. September 2024

Venezuela: Endet die bolivarianische Revolution im Schrecken?

Ein Rückblick auf die jüngste Geschichte des Landes
von Leo Gabriel

Die misslungenen Präsidentschaftswahlen vom 28.Juli werfen in dem wirtschaftlich wie politisch abgesackten Land nicht nur Schatten voraus, sie sind auch Anlass, sich mit der weithin unbekannten Geschichte ernsthaft auseinanderzusetzen.

Gewerkschaften 1. September 2024

Gewerkschaften und Friedensbewegung

Ein noch weitgehend uneingelöstes Bündnis
von Hermann Nehls

Den Frieden gewinnen, nicht den Krieg. Zur Rolle der Gewerkschaften in der Friedensbewegung. Hrsg. Ulrike Eifler. Münster: Westfälisches Dampfboot, 2024. 183 S., 20 Euro

Geschichte 1. September 2024

Vor 109 Jahren: Das Zimmerwalder Manifest

Proletarier aller Länder vereinigt euch!
dokumentiert

In Erwägung
– dass wir erneut auf einen Weltkrieg zusteuern,
– dass ein solcher die Spezies Mensch bedrohen würde,
– dass nur die Besitzenden ein Interesse an diesem Krieg haben können,
– und dass nur die entschlossene gemeinsame, internationale Aktion ihn verhindern kann,
veröffentlichen wir hiermit noch einmal das Zimmerwalder Manifest von 1915.
Es ist leider wieder sehr aktuell.

Globalisierung/Krieg 25. August 2024

Netanyahus neueste Strategie zur Vermeidung eines Waffenstillstands

von Qassam Muadd

Nicht die Hamas blockiert einen Waffenstillstand in Gaza, sondern Israel. Netanjahu hat die Verhandlungen systematisch auf Schritt und Tritt sabotiert, und seine aktuellen Forderungen nach militärischer Kontrolle über den Gazastreifen stellen sicher, dass sie scheitern werden. Seit Anfang der Woche sind zwei Meldungen über die jüngsten Waffenstillstandsverhandlungen aufgetaucht, die einander zu widersprechen scheinen.

Globalisierung/Krieg 21. August 2024

Nordstream 2 – Die ukrainische Urheberschaft ist voll bestätigt

von Angela Klein
In ihrer Ausgabe vom Oktober 2023 berichtete die SoZ über die mutmaßliche Urheberschaft der Sprengung der Nordstream-2-Pipeline. Der Spiegel hatte in seiner Ausgabe vom 28. August dem Sabotageakt einen ausführlichen Bericht gewidmet, mehr als zwei Dutzend Journalist:innen von Spiegel und ZDF hatten dazu sechs Monate lang recherchiert. Er beschrieb den Tathergang im wesentlichen so, wie es die US-Börsenzeitung Wall Street Journal am vergangenen 15. August auch tat. Die Recherchen bestätigten schon damals voll und ganz einen Bericht der Washington Post vom 6. Juni 2023, wonach »ein sechsköpfiges Team ukrainischer Spezialeinheiten beabsichtigte, das Erdgasprojekt zwischen Russland und Deutschland zu sabotieren«.

Nur Online 23. Juli 2024

Machtproben im zerrissenen Brasilien

Der Artikel kann als PDF gelesen werden.

Nur Online 23. Juli 2024

Mélenchon: „Die politische Krise tendiert zu einer Regimekrise“

Interview mit dem Vorsitzenden von La France Insoumise (LFI) am 23.7.2024

Nach den Parlamentswahlen am 30.6. und 7.7.2024 ist die Regierung Gabriel Attal noch im Amt, Yaël Braun-Pivet wurde erneut zur Präsidentin der Nationalversammlung gewählt. Alles ändert sich, damit sich nichts ändert: Ist das Ihrer Meinung nach der Plan von Emmanuel Macron?

Der Präsident der Republik hat das Parlament aufgelöst, um eine politische Klärung zu erreichen. Das sind seine Worte! Nicht unsere. In dutzenden Umfragen lag Rassemblement National (RN) in den Medienkommentaren an der Spitze und wir waren die Letzten. Das Ergebnis aber war das genaue Gegenteil. In diesem Moment hätte der Präsident der Republik, hätte er das Wahlergebnis akzeptiert, wie es in anderen Demokratien üblich ist, eine/n Vertreter/in der Neuen Volksfront zur/m Premierminister/in berufen. Aber nein, er sagt: „Niemand hat gewonnen!“ Dabei haben wir eine relative Mehrheit, so wie er im Jahr 2022.

Nur Online 22. Juli 2024

Mexiko: Die hohe Kunst der politischen Doppelgleisigkeit

von Leo Gabriel
Nach dem überragenden Wahlsieg der ersten Frau an der Regierungsspitze sind die Weichen für die Zukunft gestellt.

„Como México no hay dos“ (Wie Mexiko gibt es kein zweites) ist ein vieldeutiger Ausspruch, den man oft hört, wenn Ausländer angesichts der scheinbaren und der wirklichen Widersprüche darauf aufmerksam werden, dass dieses Land ein ganz besonderes ist. André Breton hat darin die Wiege des Surrealismus entdeckt, dessen Wurzeln er in einer „doppelten Identität“ zwischen indianischem Stoizismus und neokolonialem Führerkult, zwischen ritueller Unterwürfigkeit und machoartiger Überheblichkeit vermutete.

Allgemein 22. Juli 2024

Ein Marionettenregime für Gaza

Israel prüft Vorschlag zur Errichtung eines „moderaten muslimischen“ Marionettenregimes in Gaza
von Yaniv Cogan

Der Plan, den israelische Beamte als „brillant“ bezeichnet haben, sieht vor, die Palästinenser umzuerziehen, das Hilfswerk UNRWA zu zerstören und die Flüchtlingslager niederzureißen.

IGH bestätigt Rückkehrrecht der Palästinenser:innen

von David Kattenburg
In einem historischen Urteil erklärt der IGH die israelische Besatzung des Westjordanlands und Ostjerusalems für rechtswidrig, fordert die Räumung der Siedlungen und die Entschädigung der Palästinenser, die auf ihr Land zurückkehren dürfen.
In einem vernichtenden Gutachten, das die juristischen Daumenschrauben für Israel anziehen und seine westlichen Verbündeten in große Schwierigkeiten bringen wird, erklärte der Internationale Gerichtshof heute, dass Israels 57jährige Besetzung und Besiedlung des Westjordanlands und Ostjerusalems rechtswidrig sind, dass beides beendet werden muss, dass die Siedlungen geräumt werden müssen und dass die Palästinenser – denen ihr unveräußerliches Recht auf Selbstbestimmung verweigert wird – für ihre Verluste entschädigt werden und in ihr Land zurückkehren dürfen.

Nordafrika/Nahost 18. Juli 2024

„Wenn die Menschen nicht mehr an eine Zukunft für ihren Staat glauben, kann sich die politische Realität sehr schnell ändern“

Shir Hever erläutert, wie die Boykott-Bewegung gegen Israel wirkt

Der nachstehende Beitrag fußt auf einem Interview, das der Koordinator der Militärkampagne von BDS, Shir Hever, dem Online-Portal Bad Faith Ende Juni gegeben hat, https://www.youtube.com/watch?v=YbyW3nFE-GA, von der Redaktion leicht gekürzt und bearbeitet

Die Bewegung Boykott, Divestment, Sanktionen (BDS) wurde 2005 von Organisationen der palästinensischen Gesellschaft mit dem Ziel ins Leben gerufen, Druck auszuüben, damit Völkerrecht und Menschenrechte zur Anwendung kommen. Es geht nicht nur darum, unsere Empörung zum Ausdruck zu bringen, sondern die Realität zu verändern, indem wir diesen Druck ausüben.

Nordafrika/Nahost 15. Juli 2024

Palästina-Solidaritätsverein in Duisburg verboten

von Hermann Dierkes

Die Angriffe auf demokratische Rechte und Freiheiten nehmen massiv zu. Die weltweite Solidarität mit den Palästinensern gegen koloniale Unterdrückung und Landraub durch Israel sowie gegen den laufenden Völkermord in Gaza steht im Mittelpunkt staatlicher Einschränkung von demokratischen Rechten und Freiheiten. Völkerrechtswidrige Politik des angeblich ”wertebasierten” Westens, Komplizenschaft mit massivem Unrecht, schmutzige Ziele, Kriegshysterie und ein desaströses ”Weiter so” in Sachen Umweltvernichtung ziehen immer offensichtlicher staatliche Willkür und Gewalt nach sich.

Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine

Kein Erfolg im Interesse der ukrainischen Bevölkerung
von David Stein

Die Konferenz, die auf Einladung des deutschen G7-Vorsitzes und der EU-Kommission am 11. und 12.Juni 2024 in Berlin stattfand, wurde von den Veranstaltern und den Medien als „Wiederaufbau-Konferenz“ bezeichnet. Tatsächlich stand die Konferenz jedoch unter dem Motto: „United in defence. United in recovery. Stronger together“ (Vereint in der Verteidigung. Vereint im Wiederaufbau. Gemeinsam sind wir stärker).

Nur Online 1. Juli 2024

Der faschistischen Gefahr begegnen

Erklärung der NPA zum 1.Wahlgang der Parlamentswahlen in Frankreich

Diese Parlamentswahlen bestätigen auf erschreckende Weise die Gefahr, die von der extremen Rechten ausgeht, die historisch hohe Ergebnisse erzielt. Sie sind das Ergebnis einer Kombination aus der Zunahme von Nationalismus und Rassismus in bestimmten Bevölkerungsgruppen, der zunehmenden Unterstützung der herrschenden Klassen wie auch von einem Teil der Medien für die extreme Rechte, und dem Zusammenbruch der rechten Mitte (Macronisten und Die Republikaner), deren Politik die Bevölkerung anwidert. Mit der Übernahme der Regierungsmacht durch den Rassemblement National (RN) und seinen Verbündeten und Unterstützern wächst die Gefahr eines Neofaschismus in Frankreich nochmal.

Die gute Nachricht dieses Wahlkampfes ist das Aufbäumen der Linken. Ihre beachtlichen Ergebnisse verdanken sich der Einheit ihrer politischen, assoziativen und gewerkschaftlichen Kräfte, die Hunderttausende von Menschen zu Demonstrationen und zu den Urnen geführt haben. Diese Einheit darf man nicht rot anmalen, nicht vergessen, wer die Verantwortung für die liberale Politik von Regierungen, die sich als links bezeichneten, trägt – von Mitterrand bis Hollande – und für die
Desorientierung und Wut der Volksklassen, die diese erlitten haben.

Nach den Europawahlen

Wo bleibt die Linke?
von Miguel Urbán

Die vergangenen Europawahlen haben Wachstum und Stärke der extremen Rechten erneut bestätigt. Ihre derzeitige Aufsplitterung auf drei Fraktionen im Europaparlament trübt das Bild ein wenig, aber mit knapp über 20 Prozent ist sie nun die zweitstärkste Kraft in Europa – noch vor den Sozialdemokraten.

Rheinmetall

Der Weg in die Kriegswirtschaft
von Rheinmetall entwaffnen

Kaum ein Konzern profitiert so sehr von der globalen Militarisierung wie die Rheinmetall-AG. Das größte deutsche Rüstungsunternehmen ist seit mehr als einem Jahrhundert mit dem deutschen Militarismus, Imperialismus und Faschismus verwoben. Seit 2022 erlebt es einen wirtschaftlichen Höhenflug.
Aktienkurse von teils über 500 Euro (noch im Dezember 2021 waren es nur 70 Euro!) zeigen, dass die Investoren mit verlässlichen Gewinnen rechnen.

Nordafrika/Nahost 1. Juli 2024

Waffenruhe in Gaza

Ein perfider Plan aus Washington
von Gilbert Achcar

Ende Mai verkündete US-Präsident Joe Biden einen Vorschlag für einen Waffenstillstand in Gaza, den er »Israel« zuschrieb, ohne zu sagen, welche israelische Regierungsstelle ihn gebilligt hatte. Kommentatoren in den Medien fanden es eher seltsam, dass ein israelischer Vorschlag vom US-Präsidenten verkündet wurde statt von offiziellen isra­elischen Quellen.

Arbeitskämpfe 1. Juli 2024

Kampf für soziale Rechte auch in Kriegszeiten

Die gewerkschaftliche Ukrainekonferenz war ein voller Erfolg
von Angela Klein, Hermann Nehls, Justin Turpel

Am Samstag, dem 8. Juni 2024, fand im Berliner IG-Metall-Haus die Veranstaltung »Für einen selbstbestimmten Wiederaufbau der Ukraine« mit 70 Teilnehmenden statt. Gewerkschafter:innen und Akti­vist:innen aus der Ukraine waren angereist. Die Veranstaltung war vom Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Berlin und der Initiative »Solidarität mit ukrainischen Gewerkschaften« organisiert worden. Sie war ein voller Erfolg.

Europa 1. Juli 2024

Europawahlen

Im Norden ist die Linke auf dem Vormarsch
von Hermann Dierkes, Angela Klein und Peter Nielsen

Die extreme Rechte hat in den skandinavischen Ländern entgegen dem kontinentaleuropäischen Trend massiv verloren, während Linke und Grüne stark zugelegt haben. In Belgien hingegen war der Wahlerfolg der PTB-PVDA begleitet vom gleichzeitigen Vormarsch des rechtsextremen Vlaams Belang, der mit 14,5 Prozent stärkste Partei wurde.

›Wenn die Angst das Lager wechselt, geht alles sehr schnell‹

Der Aufschwung der extremen Rechten in Frankreich
von Olivier Besancenot

Der Wahlerfolg des Rassemblement National (RN) bei den Europawahlen macht es möglich, dass Marine Le Pen die nächste Staatspräsidentin von Frankreich wird. Und das Angebot des Vorsitzenden der Republikanischen Partei (die Konservativen) an Le Pen, ein gemeinsames Wahlbündnis zu bilden, zeigt, dass die Brandmauer gegen rechts bröckelt (der Vorsitzende ist inzwischen geschasste worden).
Olivier Besancenot (NPA) sprach auf der Ökosozialistischen Konferenz der ISO am 1. Juni über die Rechtsentwicklung in Frankreich und wie sie aufzuhalten ist.

Buch 1. Juli 2024

Ein europäisches Dilemma

Vorschläge gegen Europamüdigkeit
von Matthias Becker

Europa 2050 – souverän, sozial, handlungsfähig. Hrsg. T.Hartmann-Cwiertnia u.a. Bonn: Dietz, 2024. 168 S., 18 Euro

Ein neuer Sammelband aus der Friedrich-Ebert-Stiftung will Hoffnung für die Zukunft der Europäischen Union schüren. Doch das Buch belegt eher, wie gespalten die Union in Wirklichkeit ist.

Buch 1. Juli 2024

Chile unter Pinochet

Nona Fernández: Twilight Zone. Aus dem Spanischen von Friederike von Criegern. Hamburg: Culturebooks, 2024. 240 S., 24 Euro
von Gerhard Klas

Diktaturen wie die von Augusto Pinochet in Chile hinterlassen tiefe gesellschaftliche Traumata. Ihre Aufarbeitung ist ein mühevolles Unterfangen, das nur selten gelingt. Ein großer Wurf ist deshalb der neue Roman Twilight Zone der preisgekrönten chilenischen Schriftstellerin Nona Fernández.

Nur Online 27. Juni 2024

NPA kandidiert in einem Wahlkreis

Freundeskreis der ISO, Berlin

Im Rahmen des Volksfrontabkommens konnte die NPA (offiziell) einen Wahlkreis besetzen. Und zwar handelt es sich um den Wahlkreis Aude 1. Das ist Carcassonne Stadt und Umland. Philippe Poutou hat die Kandidatur angenommen. Dieser Wahlkreis hat ca. 98.000 Wähler:innen. Er ist eigentlich traditionell links, aber 2022 konnte die Front National (jetzt RN) ihn gewinnen. Ihr Vertreter Barthes ist ein besonders widerliches Exemplar. Als im Januar vor Ort Bauernprosteste ausbrachen und die Chefin der Grünen in Carcassonne zu Besuch war, stand Barthes mit einem Schild ihr gegenüber, auf dem stand: „Geh Suppe kochen, du Schlampe“.

G7 vor Entscheidung: Ukrainische Schuldenzahlungen weiter aussetzen

von Eric Toussaint

Wieso diskutieren die G7 über die Schulden der Ukraine?Seit über einem Jahr diskutieren die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Mächte, die sich nach der russischen Invasion in der Ukraine gegen Russland verbündet haben (Deutschland, Kanada, USA, Frankreich, Italien, Japan und Großbritannien), über die Finanzierung des Krieges und des Wiederaufbaus der Ukraine, ohne sich bislang einigen zu können.

Es sei daran erinnert, dass im Rahmen der von den NATO-Verbündeten verhängten Sanktionen in den westlichen Ländern Vermögenswerte der Russischen Föderation in Höhe von knapp 300 Milliarden US-Dollar blockiert wurden. Der größte Teil davon befindet sich in einem „Clearhouse“ namens Euroclear mit Sitz in Brüssel.

Wer sind die Gläubiger der Ukraine?

#Widersetzt euch!

Ob Essen, Thüringen oder international – den Rechten das Steuer entreißen
von Violetta Bock

Dunkle Schatten liegen über Europa. Vom 6. bis 9.Juni wird das Europaparlament gewählt und schon jetzt weist alles daraufhin, dass die Rechtsverschiebung der letzten Jahre sich weiter verfestigen wird. Eine europäische Entwicklung, die sich national verschieden ausformt.

Arbeitswelt 1. Juni 2024

Labor-Notes-Konferenz 2024

Am Puls der amerikanischen Arbeiter:innenbewegung
von Yanira Wolf und Berit Ehmke

Vom 19. bis 21.April fand die Labor-Notes-Konferenz in Chicago statt. Mit ihrem basisorientierten und klassenkämpferischen Gewerkschaftsansatz begeistert sie von Mal zu Mal mehr – diesmal kamen 4500 Teilnehmende zusammen.

Yanira Wolf und Berit Ehmke konnten dieses Jahr teilnehmen und berichten von ihren Eindrücken.

Asien/Australien 1. Juni 2024

Wahlen in Indien

Wirtschaft und Rechtsextreme Hand in Hand – Ein Wahlsieg der BJP wird die hinduistische Vorherrschaft noch stärker zementieren
Gespräch mit Achin Vanaik

Seit dem 19.April wird in Indien gewählt, in mehreren Etappen. Am 4.Juni sollen schließlich alle Stimmen ausgezählt sein. Seit zwei Legislaturperioden regieren nun die rechtsextreme BJP und Premierminister Narendra Modi mit absoluter Mehrheit das mit seinen 1,4 Milliarden Menschen inzwischen bevölkerungsreichste Land. Welche Folgen würde eine dritte Amtsperiode haben?

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2024

Biden an der Leine

Neue Waffenlieferungen an Israel verkündet
von Hermann Dierkes

Die Katastrophe (arabisch Nakba) nimmt anscheinend kein Ende. Die Welt bekommt dies heute durch die zahlreichen Informationskanäle viel besser mit als zur Zeit der ersten Nakba 1947/48, aber sie aufzuhalten und die Täter zur Verantwortung zu ziehen, war dennoch bisher nicht möglich. Warum?
Nach einer vorübergehenden Zurückhaltung von Tausenden schwerer Bomben und Granaten hat die Biden-Regierung bekanntgegeben, dass sie eine weitere Lieferung dieser Art im Umfang von einer Milliarde US-Dollar vorbereitet und dabei erneut eigene Bestimmungen und Expertenberichte grob missachtet.

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2024

Protestcamps an deutschen Unis: Meinungsfreiheit hat nicht viel Platz

Für die Studierenden gibt es kaum Unterstützung
von Ayse Tekin

In Deutschland hat es einige Versuche gegeben, Forderungen wie »Krieg in Gaza beenden« auch an die Universitäten zu tragen: Berlin, Bremen, Leipzig, Köln, Bonn, Mainz, Frankfurt a.M., München sind einige Beispiele. Es gibt aber eine hohe Fluktuation und die Camps werden nur ein oder zwei Wochen lang erlaubt. So entstehen keine nachhaltigen Strukturen, einige wurden schon aufgelöst.

Staat/Parteien 1. Juni 2024

Was will die AfD in Bezug auf Europa?

von Albrecht Kieser

Die AfD ist tierisch gut drauf, wenn es um Europa geht. Der Grund liegt auf der Hand: Europa ist für viele Menschen nur ein Monstrum, fern ab, undemokratische Strukturen, Kapitalistenlobbyismus, inflationäre Vorschriften, Dummheit inklusive. Da wird die AfD mit ihren gut fünfzig Seiten langen Europaprogramm* ganz sicher alles besser machen. Und zwar im künftigen »Bund europäischer Nationen«. Warum es da und für wen besser wird, sollten alle wissen, die der AfD auf diesem Weg folgen möchten.

Arbeitskämpfe 1. Juni 2024

›Lasst uns aufstehen und gemeinsam Geschichte schreiben‹

VW-Beschäftigte in Chattanooga, USA, haben einen historischen Erfolg erzielt
von Dianne Feeley

Am 19.April 2024 stimmte die überwältigende Mehrheit der Volkswagen-Arbeiter in Chattanooga, Tennessee, für den Beitritt zur Automobilarbeitergewerkschaft United Auto Workers (UAW) – ein historischer Erfolg, der erste Erfolg der UAW bei einer Gewerkschaftswahl in einer Autofabrik des US-amerikanischen Südens seit 1940. Ziehen die anderen Autohersteller dort jetzt nach?

Europa 1. Juni 2024

›Einen Fuß in die Institutionen, hundert Füße auf die Straße‹

Miguel Urbán über seine Arbeit im Europaparlament und die kommenden EU-Wahlen
Gespräch mit Miguel Urbán

Miguel Urbán Crespo (geb. 1980) ist Europaabgeordneter (seit 2015) und Mitglied von Anticapitalistas im spanischen Staat. Seit 2013 ist er in verschiedenen Bewegungen aktiv: antikoloniale Bewegungen, für das Recht auf Wohnen, Antikriegsproteste, Occupy-Aktionen. Er war auch einer der Gründer von Podemos

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2024

Ein Angriff aufs Allerheiligste

Die Campus-Bewegung für Gaza in den USA
von Ivan Drury Zarin

Sechs Monate nach Israels genozidalem Krieg in Palästina gab es Anzeichen eines Erlahmens der weltweiten Antikriegsbewegung. Doch mit den Unibesetzungen hat sie wieder Fahrt aufgenommen.

Kundgebungen und Märsche hatten seit Oktober jede Woche in Hunderten von Städten in den USA und Kanada die Straßen gefüllt, blockierten Solidaritätsaktivisten Bahnlinien, Autobahnen, Häfen, Brücken und alle Arten von Straßen. Einmal wurde sogar die Auslieferung der New York Times blockiert.

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2024

Israel hat ein gewaltiges Problem

Wie sich die internationale Lage seit dem 7.Oktober fundamental verändert hat
von John Mearsheimer

Der 7.Oktober 2023 hat die Lage im Nahen Osten auf den Kopf gestellt. Davor dachten viele, die Region habe zu einer gewissen Stabilität gefunden. Dann kam der 7.Oktober und eine Ende des Konflikts ist nicht absehbar.

Völkerrechtlich fragwürdig

Waffenlieferungen an die Ukraine werden aus Zinsen von russischen Zentralbankgeldern bezahlt
von David Stein

Nach der Invasion Russlands in die Ukraine 2022 war das Einfrieren russischer Vermögenswerte im Ausland eine der wichtigsten Maßnahmen im Sanktionspaket der westlichen Staaten. Sie richteten sich gegen finanzielle Ressourcen Russlands und seine mit der Regierung verbandelten Oligarchen. Sie umfassen eine Vielzahl von Finanzinstrumenten und -beteiligungen. Dazu gehören Bankkonten, Immobilien, Aktien, Anleihen, Luxusgüter und verschiedene Investitionen, die von russischen Unternehmen und Oligarchen gehalten werden.

Amerika 1. Juni 2024

Ukrainehilfe

Der größte Teil bleibt in den USA
von Jakub Dymek

Der überwiegende Teil, 80–90 Prozent der jüngst »für die Ukraine« bewilligten Mittel wird die Grenzen der USA nie verlassen.

Das US-Repräsentantenhaus hat dafür gestimmt, »60 Milliarden Dollar an Waffenhilfe für die Ukraine« bereitzustellen. Es scheint, als sei ein Durchbruch erzielt worden, den nur Menschen mit schlechtem Willen in Frage stellen können. Doch ich habe diese Worte in Anführungszeichen gesetzt, weil nichts davon wahr ist. Weder die 60 Milliarden, noch die Hilfe, noch die Tatsache, dass es die Ukraine betrifft.

Buch 1. Juni 2024

Verhängnisvolle Freundschaft

Über Grundzüge des US-Imperialismus
von Angela Klein

Werner Rügemer: Verhängnisvolle Freundschaft. Wie die USA Europa eroberten. Köln: Papyrossa, 2023. 328 S., 22,90 Euro

Da denkt man, das Register der Verbrechen der US-Regierungen enthalte nichts mehr, was nicht bekannt wäre – doch weit gefehlt! Werner Rügemer unternimmt in seinem neuen Buch den Versuch, die Systematik hinter diesen Verbrechen zu erforschen und sie aus dem Entstehungsprozess der Vereinigten Staaten von Amerika selbst herzuleiten. Dabei ergeben sich etliche Erkenntnisgewinne.

Es sind die Spender – Biden riskiert seine Wiederwahl wegen Gaza

von Philip Weiss

Eine Gruppe von Milliardären arbeitet hinter den Kulissen daran, den Krieg um die öffentliche Meinung für Israel zu gewinnen, indem sie u.a. Beamte und Schulleiter anspricht, berichtet die Washington Post.

76 Jahre Nakba – und kein Ende?

von Hermann Dierkes

76 Jahre ist es her, dass der Staat Israel – geleitet von der vorherrschenden zionistischen Ideologie – buchstäblich auf den Knochen des palästinensischen Volkes entstanden ist. Etwa 750.000 Menschen wurden vertrieben, über 400 Dörfer durch Armee und Siedler zerstört. Die Westmächte der damaligen Zeit und sogar die ehemalige Sowjetunion waren Komplizen.

Nordafrika/Nahost 17. Mai 2024

Zur Entscheidung des IGH im Prozess Nikaragua gegen Deutschland vom 30.April 2024

von Ivesa Lübben

In einer mit Spannung erwarteten Erstentscheidung erklärte der Internationale Gerichtshof (IGH) am 30.April in Den Haag zur Enttäuschung vieler Palästinenser:innen, dass er keine Maßnahmen gegen Deutschland anordnen würde.

Gewerkschaften 1. Mai 2024

Gewerkschaft als Rüstungslobby?

Aufruf für Abrüstung statt Krieg
von Hermann Dierkes

Gegen gewerkschaftliche Grundsätze – zum Teil gegen die ausdrückliche Beschlusslage von 2023 – hat sich die IG Metall mit zentralen Lobbyisten der Rüstungsindustrie (dem Bundesverband der deutschen Sicherheits- und Verteidigungsindustrie) und dem Wirtschaftsforum der SPD – auf »Leitlinien zur Sicherung von Souveränität und Resilienz« geeinigt.

In Köln hat sich eine Sudan-AG gegründet

Die sudanesische Revolution bekannter machen
von Lothar Müller

Seit Ende 2023 gibt es im NaturFreund:innenHaus in Köln-Kalk eine kleine Gruppe von Aktivist:innen afrikanischer und europäischer Herkunft, die im Rheinland die Anliegen der sudanesischen Revolution bekannter machen möchte und die Unterstützung der sudanesischen Konterrevolution durch deutsche und europäische Politik und Kapital bekämpft.
Dabei richten wir unser Augenmerk auch auf die ausgelagerten EU-Grenzen in afrikanischen Ländern und unterstützen Geflüchtete hier in ihren alltäglichen Kämpfen und Auseinandersetzungen.

Europawahlen 2024 – Die extreme Rechte auf dem Vormarsch

Ein Blick auf die aktuelle Stimmung in Frankreich
von Edouard Soulier

Vom 6. bis 9.Juni finden die Wahlen zum Europäischen Parlament (EP) statt. Vorhergesagt wird ein starker Zuwachs der extremen Rechten und der Ultrakonservativen, vor allem aufgrund der Zuwächse der Partei von Marine Le Pen in Frankreich (RN – Rassemblement National), der AfD in Deutschland und der Partei von Geert Wilders in den Niederlanden (PVV). Eine Meinungsumfrage vom 20.März sieht die RN als stärkste Partei im EP.

Repression 1. Mai 2024

Petition für Boris Kagarlitzki

Freiheit für alle politischen Gefangenen in Russland
dokumentiert

Wir, die Unterzeichnenden, waren zutiefst schockiert als wir erfuhren, dass der führende russische sozialistische Intellektuelle und Antikriegsaktivist Boris Kagarlitzki (65) am 13.Februar zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde.

E-Panzer für die Bundeswehr?

Aufrüstung und Krieg verschärfen die Klimakrise
von Jacqueline Andres

Während der COP28 in Dubai hielten Aktivist:innen bei einem von der Women’s International League for Peace and Freedom organisierten Protest einen aufblasbaren Elefanten in Höhe: Er symbolisierte den unangesprochenen Elefanten im Raum – nämlich die vom Militär verursachten Emissionen.

Der Tod ist einmal mehr ein Meister aus Deutschland

Neuer Bericht zum Einsatz deutscher Waffen in Gaza – Boykott der Waffenlieferungen gefordert
Interview mit Shir Hever

Israelische Soldaten zerbomben Gaza mit deutschen Artilleriegranaten, gepanzerten Radfahrzeugen und Drohnen u.v.m. aus deutscher Produktion. Damit macht es sich mitschuldig am Völkermord. Nachstehend veröffentlichen wir Auszüge aus einem Interview, das Hever dem Online-Portal activism gegeben hat. Die Fragen stellte Zain ­Raza.

Deutsche Beihilfe zum Völkermord

Nicaragua verklagt die Bundesrepublik vor dem Internationalen Gerichtshof
von Hermann Dierkes

Nicaragua hat Deutschland vor dem Internationalen Gerichtshof (IGH) in Den Haag wegen Beihilfe zum Völkermord in Gaza verklagt. Am 8. und 9.April 2024 fanden die Anhörungen statt. Mit einer Entscheidung wird bis Ende April gerechnet.

Repression 1. Mai 2024

Polizeisturm auf die Berliner Palästinakonferenz

Repression gegen Solibewegung eskaliert
von Abir Kopty

In einem schockierenden, aber erwarteten Schritt hat die Berliner Polizei am Freitag, dem 12.April, den »Palästina-Kongress« zwei Stunden nach Beginn aufgelöst. Der Kongress war als dreitägige Veranstaltung mit Rednern aus der ganzen Welt geplant, darunter Ghassan Abu-Sittah, Salman Abu Sitta, Noura Erakat, Ali Abunimah und viele andere.

Eine andere Ukraine ist möglich

Für einen selbstbestimmten Wiederaufbau
dokumentiert

Alternativkonferenz zur Ukraine Recovery Conference, Berlin, 8.Juni
Nach Lugano (2022) und London (2023) findet am 11. und 12.Juni 2024 in Berlin die dritte Ukraine-Wiederaufbaukonferenz (Ukraine Recovery Conference, UCR) statt. Die Wiederaufbaukonferenzen haben die Ukraine-Reform-Konferenzen abgelöst, die seit 2017 jährlich stattgefunden haben.

Europa 1. Mai 2024

Eine Bremse gegen die Autokratie

Zum Ausgang der Kommunalwahlen in der Türkei
von Ayse Tekin

Bei den Kommunalwahlen in der Türkei am 31.März sind die Fronten der drei Blöcke, die sich bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 2023 abgezeichnet hatten, in Bewegung geraten.

Asien/Australien 1. Mai 2024

Kambodscha

Vom Terrorregime der ›Roten Khmer‹ zum Kapitalistenparadies
von Gerhard Klas

Ein weitläufiger Schulcampus in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh, gesäumt von Palmen, Kokos- und Mangobäumen. Ein paar verrostete Stangen aus Stahl stehen auf dem Hof. Sie erinnern an ein Gestell, an dem vielleicht einmal Schaukeln hingen. Ab 1975, das ist gewiss, dienten sie dazu, die Insassen des berüchtigten Gefängnisses S-21 bzw. Tuol Sleng zu foltern. Ihnen wurden die Hände hinter dem Rücken mit einem Seil zusammengebunden, dann wurden sie hochgezogen und hängen gelassen – bis zum Eintritt der Bewusstlosigkeit.

Nur Online 28. April 2024

25.April immer, Faschismus nie wieder!

von Matthias Schindler

Am 25. April 2024 fand in Lissabon, Portugal, die zweitgrößteDemonstration in der Geschichte des Landes statt. Die größte gab es am1. Mail 1974 - eine Woche nach dem Sturz der Diktatur - als praktischdas ganze Volk auf die Straßen strömte, um die neu gewonnene Freiheit zufeiern. Weitere große Demonstrationen fanden gestern auch in Porto undin Coimbra statt.

Globalisierung/Krieg 28. April 2024

Soldaten machen den Weg für die Siedler frei. Pogrome im Westjordanland

von Oren Ziv
Bewaffnete israelische Siedler überfielen Mitte April mehr als ein Dutzend palästinensische Gemeinden unter dem Schutz der Armee und hinterließen eine Spur von Tod und Zerstörung.

Globalisierung/Krieg 26. April 2024

„Es war, als würde ich mein Herz aus der Erde ziehen“

Zeugenaussagen aus dem Massengrab im Nasser-Krankenhaus

Während die Teams des Zivilschutzes weiterhin Hunderte von Leichen aus den im Nasser-Krankenhaus entdeckten Massengräbern ausgraben, strömen Palästinenser auf der Suche nach ihren vermissten Angehörigen zu dem medizinischen Komplex.
von Tareq S. Hajjaj, 25. April 2024

Globalisierung/Krieg 26. April 2024

Gaza: Massenmorde in Krankenhäusern

von Hermann Dierkes

Der Feldzug von israelischen Bodentruppen und Luftwaffe gegen den Gazastreifen und seine 2,3 Millionen Menschen seit Oktober letzten Jahres verschont buchstäblich nichts. Bis Ende April sind 34.305 Tote zu beklagen und über doppelt so viele Verletzte, davon sehr viele schwer. Die grosse Mehrheit der Toten und Verletzten sind Frauen und Kinder. Die Traumatisierung durch die ständigen Luftangriffe, Artilleriebeschuss und das rücksichtslose Vorgehen der Armee selbst gegen Hilfesuchende und Hungernde ist quantitativ nicht mehr zu erfassen. Die Infrastruktur ist völlig zerstört, die Wohnbebauung zu über 70 Prozent. Hunderte von Schulen, davon viele UN-Schulen, und sämtliche Universitäten sind zerbombt oder mutwillig gesprengt; Moscheen, Kirchen und Kultureinrichtungen liegen in Trümmern. 1,5 Millionen Menschen – 80 Prozent der Bevölkerung – sind vertrieben worden und konzentrieren sich im Südzipfel bei der Stadt Rafah, die meisten in behelfsmässigen Zelten ohne feste und ausreichende Versorgungseinrichtungen, bei Toiletten angefangen. Der Weg nach Ägypten ist versperrt.

Globalisierung/Krieg 15. April 2024

Verbot und Auflösung des Berliner „Palästina Kongresses – Wir klagen an!“

Erklärung des Anwält*innenKollektivs

Wir sind ein Kollektiv von Anwältinnen in Berlin, die die Veranstalter des „PalästinaKongress - Wir klagen an!“ vorbereitend sowie aktuell beraten und vertreten. Angemeldet wurde der Kongress von dem Verein Jüdischen Stimme für einen gerechten Frieden in Nahost – EJJP Deutschland e.V. Der Vorstand war und ist durchgängig Ansprechperson der Polizei Berlin.

Deutschland ist mit Waffenverkäufen an Israel am Völkermord beteiligt

von Shir Hever

Die deutschen Waffenlieferungen an Israel gehen weit über das bislang angenommene Ausmaß hinaus. Und: Seit dem Beginn der Bombardierung Gazas durch die isrtaelische Armme haben sich diese Verkäufe versechsfacht. D.h. Deutschland unterstützt das israelische Vorgehen aktiv und im vollen Bewusstsein dessen, dass es Züge eines Völkermords hat. Damit macht es sich der Beilhilfe zum Völkermord schuldig. Shir Hever deckt den Umfang der deutschen Waffenhilfe munitiös auf.

600 deutsche Bundesbeamte fordern die Einstellung der Waffenlieferungen an Israel

Offener Brief vom 7.April 2024

Heute vor einem halben Jahr griff die Hamas Israel an und tötete 1200 Menschen, seit dem Tag bombardiert Israel ununterbrochen den Gazastreifen und tötete bis zum heutigen Tag mehr als 33.000 Palästinenser. 600 Bundesbeamte und Angestellte des öffentlichen Diensts haben nun einen Brief an die Bundesregierung geschrieben, damit diese ihre Politik ändert.
Wir dokumentieren ihren Brief:

Nordafrika/Nahost 2. April 2024

Internationale Palästina-Konferenz in Barcelona gibt Hoffnung

von Esraa Ahmad

Am 16. und 17. März fand in Barcelona ein europäisches Treffen für die Solidarität mit Palästina statt.

Internationale Front gegen die extreme Rechte vor

›Wir brauchen das Weltsozialforum, aber sein Format muss sich ändern‹
Gespräch mit Eric Toussaint

Am Ende des Weltsozialforums, das vom 15. bis 19.Februar in Kathmandu, Nepal, stattfand, sprach Sergio ­Ferrari für die britische Zeitung Counterpunch mit Eric Toussaint vom Komitee für die Streichung der Schulden der Dritten Welt (CADTM). Eric Toussaint ist ein belgischer Historiker und Wirtschaftswissenschaftler, Gründer und Sprecher des Komitees, das auf dem Weltsozialforum sieben gut besuchte Veranstaltungen durchführte.

Europa 1. April 2024

Auferstanden aus Ruinösem

Die KPÖ kommt in Salzburg in die Stichwahl für das Amt des Bürgermeisters
von Dieter Braeg

Ein Zitat von Mozart, das die »Mozartfestspielstadt Salzburg« noch immer verdrängt: »Ich hoffe nicht, dass es nötig ist zu sagen, dass mir an Salzburg sehr wenig und am Erzbischof gar nichts gelegen ist und ich auf beide scheiße.«

Nordafrika/Nahost 1. April 2024

Palästina-Kongress

Vernetzung verboten?
von vb

Schon die Ankündigung baut Druck auf. Vom 12. bis 14.April ist in Berlin der Palästinakongress unter dem Titel »Wir klagen an!« geplant. Der Berliner Senat will die Zusammenkunft verhindern.
Das Wochenende bringt prominente Stimmen aus der palästinensischen und internationalen Bewegung zusammen. Angekündigt sind etwa Nadija Samour, die die Klage gegen die Bundesregierung wegen Beihilfe zum Genozid in Gaza einleitete; Yanis Varoufakis von Diem25; der irische Abgeordnete Richard Boyd Barret und Wieland Hoban, Vorstandsvorsitzender der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost.

Ukraine

Eskalation oder Kapitulation?
von Tomasz Konicz

Die Ukraine ist dabei, den Krieg zu verlieren. Wird der Westen intervenieren, um einen strategischen Sieg Russlands zu verhindern – auch bei einem drohenden Atomkrieg?

Europa 1. April 2024

Wahlen in Russland

Putin fühlt sich jetzt sicherer
von Angela Klein

Putin bleibt mit 88,5 Prozent der abgegebenen Stimmen Präsident (2018: 76,7 Prozent). Das ist nicht überraschend. Die hohe Wahlbeteiligung von 77,5 Prozent schon eher; sie soll laut dem russischen Exilmedium Meduza darauf zurückzuführen sein, dass die Präsidialverwaltung eine Wahlbeteiligung zwischen 70 und 80 Prozent als Ziel ausgegeben habe und die Behörden zu ungewöhnlichen Mitteln der Mobilisierung bis hin zum Zwang für Staatsbedienstete gegriffen hätten.

Die Ukraine und die liberale Opposition in Russland

Trotz gemeinsamem Gegner kommen sie nicht zusammen
von Francesca Kabel und Serhiy Morgunov*

Die Ukraine und die liberale russische Opposition haben einen gemeinsamen Feind. Beide wollen, dass die Herrschaft von Präsident Wladimir Putin und sein Krieg gegen die Ukraine beendet werden. Doch die ukrainische Reaktion auf den Tod des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny hat deutlich gemacht, wie tief die Kluft zwischen beiden Seiten ist –
und wie schwierig es ist, eine ­dauerhafte Versöhnung zwischen den beiden Nachbarn zu erreichen, selbst wenn Putin nicht mehr da wäre.

Geschichte 1. April 2024

Die Nelken sind verblüht

Zum 50.Jahrestag der portugiesischen Revolution
von Paul Stern

Agenten der faschistischen Geheimpolizei PIDE ermorden noch vier Menschen, bevor ihre Zentrale von den aufständischen Massen eingenommen wird: Am Morgen des 25.April 1974 besetzt die Bewegung der Streitkräfte (MFA – Movimento das Forças Armadas) verschiedene strategische Punkte in Lissabon und stürzt die 1926 errichtete faschistische Diktatur von António de Oliveira Salazar, dem Führer des Estado Novo. Das Ziel der Bewegung ist die Beendigung der 13 Jahre zuvor begonnenen Kolonialkriege, freie Wahlen und die Einführung einer bürgerlichen Demokratie.

Europa 1. April 2024

Wahlen in Portugal

Dramatischer Rechtsruck
von Fernando Rosa

Die Ergebnisse der Parlamentswahlen vom 10.März 2024 zeigen einen deutlichen Rechtsruck in der politischen Situation des Landes: Die rassistische und faschistische extreme Rechte, die unter dem Namen Chega (Es reicht) antrat, hat am stärksten zugenommen (18 Prozent der Stimmen und 48 Abgeordnete).
Die Sozialistische Partei (PS) erlebte einen brutalen Absturz und verlor eine halbe Million Stimmen, vor allem an die extreme Rechte. Die traditionelle Rechte, vertreten durch die konservative PSD, trat mit dem Bündnis Demokratische Allianz (AD) an, das sogar weniger Stimmen errang als 2022 die PSD allein.

Zur Person 1. April 2024

Gaza verliert Kulturschaffende

Mustafa al-Kurd gestorben/Bombenterror tötet Refaat Alareer
von Hermann Dierkes

Am 18.Februar ist der Liedermacher, Poet und Theaterkünstler Mustafa al-Kurd in Gaza nach langer Krankheit im Kreis seiner Familie gestorben. Er gilt als Vater des palästinensichen politischen Liedes. Geboren 1945 in Jerusalem, war er schon als Kind begeistert von den verschiedenen Musikrichtungen, die hier aufeinandertrafen: die Sufi-Gesänge, arabische Oud-Musik, byzantinische Hymnen sowie palästinsische und europäische Folklore.

Vom Gehen und Kommen

21.März: 15-Minuten-Streik für eine solidarische Gesellschaft
von Violetta Bock und Angela Klein

Viele denken längst übers Gehen nach. Der Gedanke ist für viele bereits im Raum. Aber nicht öffentlich. In den Kaffeepausen, bei Telefonaten, immer wieder ist der Satz zu hören. Urlaub von Deutschland. Doch die Optionen, wohin man könnte, sind begrenzt. In ein zunehmend faschistisches Italien? Nach Österreich, wo die FPÖ führend in den Umfragen zur nächsten Nationalratswahl ist?

Patriarchat 1. März 2024

›Frauen und Minderheiten gelten in der Wirtschaftskrise als Feindbilder‹

Der neue Präsident Argentiniens erntet Widerstand
Gespräch mit Julia Irupé Arndt

Julia Irupé Arndt ist Deutsch-Argentinierin und in Deutschland aufgewachsen. Sie studiert Wirtschaft und Mathematik in Argentinien und ist dort auch politisch, auch feministisch aktiv. Sie gehört der Gruppe Buenos Aires Tres D an, die sich um Stadtpolitik, Demokratie und Menschenrechter, Entwicklung und Umwelt kümmert.
Mit Julia Irupé Arndt sprach Angela Klein

Europa 1. März 2024

Ernährung und Einkommen für alle

Französische Bauern und Gewerkschaften zusammen gegen die Agrarkrise
Gespräch mit Christine Poupin

Europaweit hat sich die Bauernschaft gegen das Verschwinden ihres Berufsstands erhoben. ­Christine Poupin berichtet über die Proteste in Frankreich und erläutert einen Vorschlag der Confédération Paysanne zur Lösung der Agrarkrise. Mit ihr sprach Angela Klein.

Asien/Australien 1. März 2024

China

Widersprüche des Booms
von Ingo Schmidt

Seit sich das Wachstum in China bei mittleren einstelligen Werten einzupendeln scheint, klagen Unternehmen über den Ausfall der fernöstlichen Wachstumslokomotive, Politiker hingegen fürchten um ihre weltpolitische Vormachtstellung.

Ausverkauf

IWF und Weltbank wollen die Ukraine mit Schulden gefügig machen
von Justin Turpel

Seit mehr als zwei Jahren wehrt sich die Ukraine gegen die Aggression und Besetzung durch Putins Armee. Mit großen Anstrengungen kämpft das Land gegen die Invasion, wobei Linke und die Gewerkschaften eine unschätzbare Rolle im Widerstand spielen.

Nordafrika/Nahost 1. März 2024

Keine Rüstungslieferungen nach Israel!

Das Urteil des IGH in der Klage Südafrikas impliziert auch eine Verantwortung von Drittstaaten
von Shir Hever

Nachdem Südafrika eine Klage gegen den Staat Israel eingereicht hatte, in der dem Land Völkermord an den Palästinenser:innen im Gazastreifen vorgeworfen wurde, erließ das Gericht am 26.Januar eine vorläufige Entscheidung in einer Rechtssprache, die bereits unterschiedlich interpretiert wurde. Die israelischen Medien haben sogar Desinformationen verbreitet, als ob das Gericht entschieden hätte, dass kein Völkermord stattfinde und das Gerichtsverfahren beendet sei, um das israelische Militär zu beruhigen, dass die weitere Tötung von palästinensischen Zivi­list:innen im Gazastreifen keine schlimmen rechtlichen Konsequenzen nach sich ziehen werde.

Nordafrika/Nahost 1. März 2024

Die Retourkutsche

Israel will das palästinensische Hilfswerk UNRWA aus dem Weg räumen
von Angela Klein

Das Timing kann nicht zufällig genannt werden.

Am 26.Januar, nachdem der Internationale Gerichtshof (IGH) eine »plausible Gefahr eines Völkermords« in Gaza festgestellt und fünf Sicherungsmaßnahmen gegen Israel angeordnet hatte, kündigten die USA an, ihre Unterstützung für das Hilfswerk der Vereinten Nationen für Palästinaflüchtlinge (UNRWA) einzustellen.

Nordafrika/Nahost 1. März 2024

Trotz israelischer Provokationen

Die Hisbollah bleibt beim Krieg niedriger Intensität
von Nasser Elamine

Während Israels Angriff auf den Gazastreifen in den fünften Monat geht, bleibt unklar, ob er sich zu einem umfassenden regionalen Konflikt ausweiten wird. Einer der entscheidenden Faktoren ist die Hisbollah, einer der am stärksten bewaffneten nichtstaatlichen Akteure der Welt und wohl der erfahrenste in der städtischen und alpinen Kriegführung.

Eine andere Welt ist wirklich

Das Weltsozialforum in Kathmandu kommt mit einer Erklärung und einem Aktionsplan
von Leo Gabriel

Als das seit 2001 bestehende Weltsozialforum am 19.Februar zu Ende ging, waren viele der an die 25000 Teilnehmenden erleichtert: die einen, weil ihnen fünf Tage hindurch bei über 400 Veranstaltungen der Eindruck vermittelt wurde, dass sie in ihrer schwierigen Lebenssituation im südasiatischen Raum nicht allein sind; die anderen, weil sich die Aktivist:innen in ihrem Glauben bestätigt sahen, dass »eine andere Welt möglich« ist.

Nordafrika/Nahost 1. März 2024

Wie weiter in Gaza?

Arabische Regierungen machen sich mitschuldig an der ethnischen Säuberung
von Angela Klein

Trotz Aufforderung des Internationalen Gerichtshofs, alles zu unternehmen, um einen Völkermord zu verhindern und die Zivilbevölkerung zu schützen, macht Israel keine Anstalten, dem nachzukommen, im Gegenteil.

Buch 1. März 2024

Gegen alle Klischees

Die Jugendlichen der Banlieues
von Gerhars Klas

Diaty Diallo: Zwei Sekunden brennende Luft. Aus dem Französischen von Nouria Behloul und Lena Müller. Hamburg: Assoziation A, 2023. 192 S., 20 Euro

Patriarchat 1. März 2024

Femizide verhindern

Rote Bänke gegen Gewalt an Frauen
von Kai Böhne

Nach Angaben der Vereinten Nationen wurden 2022 weltweit annähernd 89000 Frauen und Mädchen vorsätzlich getötet. Dies ist der höchste Wert der letzten zwei Jahrzehnte. Obwohl die Gesamtzahl der Tötungsdelikte zurückging, nahm die Zahl der Morde an Frauen zu.

Film 1. März 2024

Europa, Europa

Ein Film über die Flüchtlingsabwehr an Polens Grenze zu Belarus
von Gaston Kirsche

Green Border – Zielona granica
Polen, Frankreich, Tschechische ­Republik, Belgien 2023
Regie: Agnieszka Holland
152 Minuten

Nordafrika/Nahost 1. Februar 2024

Eine Dokumentation der Barbarei

Südafrika verklagt Israel vor dem Internationalen Gerichtshof
dokumentiert/von Robert Herbst

Südafrika hat am 28.Dezember 2023 beim Internationalen Gerichtshof (IGH) der Vereinten Nationen die Einleitung eines Verfahrens gegen Israel beantragt. Südafrika bittet den IGH zu erklären, dass Israel seine Verpflichtungen als Vertragsstaat der Völkermordkonvention verletzt hat. Es beantragt zudem eine vorläufige Anordnung, die die israelische Regierung und das israelische Militär auffordert, ihre völkermörderischen Handlungen im Gazastreifen bis zur vollständigen Anhörung vor dem Gericht sofort einzustellen.

Die politische Ökonomie des neuen Militarismus

Profite für Rüstungsindustrie, jedoch nicht fürs Weltkapital
von Ingo Schmidt

Er lässt sich gern in Bundeswehrparka und aus dem Turm eines Kampfpanzers schauend fotografieren – Boris Pistorius, vor ein paar Monaten noch ein sogar in Niedersachen, wo er Innenminister war, wenig bekannter SPD-Mann. Als Verteidigungs- bzw. Kriegsminister hat er sich zu einem echten Mann der Truppe, zum Mobilmacher der Nation gemausert.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2024

Einsatz von Künstlicher Intelligenz (KI) im Gazakrieg

Eine andere Form des industriellen Tötens
von Shir Hever

In den deutschen Leitmedien und im politischen Establishment herrscht die Auffassung, dass Israel alle Anstrengungen unternimmt, um ausschließlich Terroristen und die Hamas zu bekämpfen und Angriffe auf zivile Opfer zu vermeiden, und dass es sich dabei an das Völkerrecht hält. In einem Interview mit dem Online-Portal »Die Quelle« widerspricht Shir Hever dieser Auffassung. Er sagt: »Zum erstenmal in der Geschichte wird im Gazastreifen künstliche Intelligenz in einem völkermörderischen Ausmaß eingesetzt«, und er erläutert, warum.

Bundeswehr im Roten Meer

Operation Kriegstüchtigkeit
von Hannes Draeger

»Wenn wir dort militärisch aktiv werden, müssen wir uns klar darüber werden, dass wir möglicherweise auch in einen Krieg verwickelt werden«, bemerkte SPD-Fraktionschef Mützenich angesichts der bevorstehenden EU-Militärmission im Roten Meer. Den Hintergrund bilden die militärischen Aktivitäten der Anser Allah – im Westen als »Huthi-Rebellen« bekannt –, die in Reaktion auf den israelischen Krieg im Gazastreifen aus dem Jemen heraus gegen westliche Handels- und Kriegsschiffe operieren. Vorgestellt wird die geplante Zusammenstellung einer EU-Militärarmada als Mission der »internationalen Staatengemeinschaft« zum Schutz der Handelsschiffe vor Angriffen der Huthi-Milizen.

Europa 1. Februar 2024

Ein Vorbild für Lindner?

Bürgergeld auf italienisch
von Angela Klein

Die faschistoide Regierung von Giorgia Meloni in Rom macht seit ihrem Amtsantritt am 22.10.2022 Jagd auf drei Personenkreise: Migrant:innen, Frauen, Erwerbslose. Letztere schauen seit dem 1.Januar dieses Jahres buchstäblich in die Röhre, Meloni hat das Bürgergeld nämlich abgeschafft und durch eine Form der Sozialhilfe ersetzt, die nur einem sehr eingeschränkten Personenkreis zugute kommt. Italien ist damit wieder das einzige Land in Europa, das kein universelles Mindestsicherungssystem für die gesamte Bevölkerung hat.

Nordafrika/Nahost 1. Februar 2024

Nordostsyrien

Der vergessene Krieg
von Svenja Borgschulte

Ungestört führt die Türkei ihren bereits vierten völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen Nordostsyrien, der im vergangenen Oktober eskalierte. Das Schweigen des Westens ist ohrenbetäubend. Ein kritischer Blick auf die Zerstörung einer Region, für die auch Deutschland eine Verantwortung trägt.

Buch 1. Februar 2024

›Im eigenen Feuer‹

Buchtipp
von Rolf Euler

Ami Ajalon mit ­Anthony David: Im eigenen Feuer. Erinnerungen eines Geheimdienstchefs. Mit einem Vorwort von ­Daniel Barenboim. Bonn: Dietz, 2021 360 S., 26 Euro

Globalisierung/Krieg 29. Januar 2024

IGH zieht Israel zur Rechenschaft

von Prof. Haidar Eid

Eine neue Weltordnung ist im Entstehen: Das Apartheid-Israel und seine mächtigen Unterstützer werden endlich für ihre wiederholten, langjährigen Verstöße gegen das Völkerrecht zur Rechenschaft gezogen. Der Internationale Gerichtshof der Vereinten Nationen hat in seinem Urteil vom 26.Januar 2024 Israel aufgefordert, Maßnahmen zur Verhinderung von Völkermord zu ergreifen, aber keinen Waffenstillstand angeordnet. Laut Gericht muss Israel humanitäre Hilfe in den Gazastreifen lassen.

Globalisierung/Krieg 27. Januar 2024

Südafrika vs.Israel: IGH-Urteil

Einstweilige Verfügung, 26.1.2024

VI. SCHLUSSFOLGERUNG UND ZU ERGREIFENDE MASSNAHMEN

Der Gerichtshof kommt auf der Grundlage der vorstehenden Erwägungen zu dem Schluss, dass die in seiner Satzung vorgesehenen Voraussetzungen für die Anordnung einstweiliger Maßnahmen erfüllt sind. Es ist daher erforderlich, dass der Gerichtshof bis zu seiner endgültigen Entscheidung bestimmte Maßnahmen anordnet, um die von Südafrika geltend gemachten Rechte zu schützen, die der Gerichtshof für plausibel hält (siehe oben, Randnr.

Globalisierung/Krieg 14. Januar 2024

Wird der IGH Israel schuldig sprechen?

Ein Interview mit Michael Sfard

Der israelische Menschenrechtsanwalt Michael Sfard skizziert, was passieren könnte, wenn das oberste Gericht der Welt entscheidet, ob und wie es in Israels Krieg gegen Gaza eingreift.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2024

Eine Fabrik für Massenmorde

Israels kalkulierte Bombardierung des Gazastreifens

von Yuval Abraham

Die erweiterte Erlaubnis der israelischen Armee, nicht-militärische Ziele zu bombardieren, die Lockerung der Beschränkungen hinsichtlich der zu erwartenden zivilen Opfer und der Einsatz eines Systems künstlicher Intelligenz, das mehr potenzielle Ziele als je zuvor generiert, scheinen zum zerstörerischen Charakter der Anfangsphase des aktuellen israelischen Krieges gegen den Gazastreifen beigetragen zu haben, das zeigt eine Untersuchung des Magazins +972 und Local Call. Diese Faktoren, die von derzeitigen und ehemaligen Mitgliedern des israelischen Geheimdienstes beschrieben wurden, haben wahrscheinlich eine Rolle bei der Durchführung einer der tödlichsten Militärkampagnen gegen die Palästinenser seit der Nakba von 1948 gespielt.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2024

Ukraine. Der Krieg

Nachbetrachtungen zu einer Reise
von Angela Klein

Die Reise, die die Gewerkschafterdelegation Anfang Oktober in die Ukraine unternommen hat, verfolgte das Ziel, Kontakte zu ukrainischen Gewerkschaften zu knüpfen, sich über die sozialen Probleme der Kolleg:innen dort zu informieren und Austauschmöglichkeiten zwischen den Gewerkschaften herzustellen. Der Krieg spielte nur am Rande eine Rolle, war aber natürlich ständiger Begleiter der sozialen Probleme, mit denen die Kolleg:innen in der Ukraine konfrontiert sind. Dazu nun einige Nachbetrachtungen.

Handel/Banken 1. Januar 2024

Kein Hafenverkauf in Hamburg!

Rede von Jürgen Bönig auf der Ver.di-Kundgebung
dokumentiert

Die Interessen von MSC sind nicht die Interessen der Stadt Hamburg und ihres Hafens!

Der Verkauf staatlicher Gestaltungsmacht im Hafen an Private und zudem noch an die MSC als Reederei ist ein Bruch mit der jahrhundertealten Politik, dass der Staat die Bedingungen im Hafen gestaltet. Dieser Grundsatz, dass der Staat bestimmt, was im Hafen gebaut wird und wie es benutzt wird, war die Grundlage, auf der die Speicherstadt und der Freihafen errichtet worden ist. Warum hat sich diese Politik bewährt, mit der jetzt der Senat gebrochen hat?

Militarisierung

Auf dem Weg in die Kriegswirtschaft
von Martin Kirsch

Deutschland soll wehrhaft und kriegsfähig werden, heißt es. Stimmen aus dem militärisch-geopolitischen Establishment fordern sogar eine Kriegswirtschaft, um die Rüstungsproduktion hochgefahren zu können und unabhängiger von strategisch wichtigen Importen zu werden.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2024

Hamas, Gazakrieg und Klimabewegung

Ein Offener Brief an die Klimagerechtigkeitsbewegung
dokumentiert

Ziemlich einsam, so berichtet jedenfalls die Tageszeitung Taz, war es für die Vertreter:innen von Fridays for Future und anderen Klimabewegten aus Deutschland und Österreich bei den Protesten auf dem Weltklimagipfel COP 28 in Dubai: An vielen der international organisierten Aktionen konnten sie nicht teilnehmen, weil der Krieg im Gazastreifen dort immer wieder zur Sprache kam, sein Ende gefordert wurde, ebenso ein Ende der Apartheid und des Siedlerkolonialismus.

Handel/Banken 1. Januar 2024

Hamburger Hafen

Es regt sich Widerstand
von Jakob Wassermann

Am 13.September wurde für alle überraschend der HHLA-Deal verkündet. Dies geschah lustigerweise in einer Videokonferenz für die Regierungsfraktionen, nachdem drei aus der Landesregierung geheim mit der weltweit größten Reederei verhandelt hatte.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2024

Palästinensische Gefangene

Israels heimtückisches Narrativ
von Jeremy Scahill

Über zwei Drittel der Palästinenser, die von Israel im Rahmen des Waffenstillstands zur Freilassung vorgeschlagen wurden, sind nicht wegen eines Verbrechens verurteilt worden. Die meisten wurden als Kinder verhaftet.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2024

Die Kampagne Boykott–Desinvestition–Sanktionen (BDS)

Eine Alternative zur Gewalt
von Shir Hever

Die rassistischen Stereotypen gegen Palästinenser:innen sind in Deutschland heute mehr denn je verbreitet. Gaza ist zum Synonym für die Hamas geworden. Selbst der Slogan »From the river to the sea, Palestine will be free«, der eine palästinensische Antwort auf den zionistischen Slogan »From the river to the sea, Palestine is ours« ist, wird nun als gewalttätiger Aufruf zur Vertreibung oder Tötung von Jüdinnen und Juden interpretiert.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2024

›Wenn ihr nicht geht, werden wir euch töten‹

Hunderte fliehen vor der Gewalt israelischer Siedler in der Westbank
von Imad Abu Hawash

Für israelische Siedler ist der Gazakrieg eine goldene Gelegenheit, im Westjordanland endlich aufzuräumen; ganze palästinensische Gemeinden wurden im Gebiet C bereits vertrieben – C bezeichnet die zwei Drittel des Westjordanlands, die vollständig von Israel kontrolliert werden und in denen sich alle israelischen Siedlungen befinden.*

Amerika 1. Januar 2024

Argentinien: Ein Trump in der Casa Rosada

Das Ergebnis der Präsidentschaftswahlen in Argentinien ist nicht nur eine Niederlage für den Peronismus
von Fabrizio Burattini

Der Erfolg des »Libertären« Javier Milei, Kandidat der Formation La Libertad Avanza (LLA – Die Freiheit auf dem Vormarsch), in der zweiten Runde der argentinischen Präsidentschaftswahlen kündigt ein Szenario an, das es in Argentinien und in gewisser Weise in ganz Lateinamerika noch nie gab. Milei wurde mit 55,7 Prozent der Stimmen gegen 44,3 Prozent für den Peronisten Sergio Massa mit großem Vorsprung und entgegen allen Umfragen gewählt.

Globalisierung/Krieg 29. Dezember 2023

Ukraine 2023: Wer hat die Schlacht verloren und wer wird den großen Krieg gewinnen?

von Dejan Azeski

Wir nähern uns dem Beginn des dritten Jahres des Krieges in der Ukraine, der von
russischer Seite als militärische Sonderoperation bezeichnet wird. Bislang haben wir ein Duell zwischen den besten Waffen und Taktiken sowohl Russlands als auch des NATO-Bündnisses erlebt, das leider auf beiden Seiten hunderttausende Todesopfer gefordert hat. Wir haben zahlreiche Opfer und den kompromisslosen Kampf beider Armeen erlebt, doch der aktuelle Ausgang der Kämpfe und jeder Hinweis darauf, wer aus diesem Kampf der Kulturen als klarer Sieger hervorgehen könnte und ob es überhaupt einen geben wird, bleibt unklar.

Arbeitskämpfe 22. Dezember 2023

Fortlaufend: Arbeitskämpfe 12/23

Wie Kiewer Universitäten den Winter ignorieren

Die zweite Novemberhälfte war in der Hauptstadt von Frost und Schneefällen geprägt. Infolgedessen mussten die Gebäude und Wohnheime in Kiew wirksam geheizt werden, um angemessene Lern- und Lebensbedingungen aufrechtzuerhalten, aber die Leitungen einiger Universitäten weigerten sich beharrlich, die Heizung einzuschalten, um auf Kosten der Studierenden Geld zu sparen.

Das Heizungsproblem waren eines der Themen, die bei den Protesten an der Kiewer Mohyla-Universität zur Sprache kamen. Nur sechs der zwölf Stockwerke des Gebäudes waren beheizt, die Studierenden, einschließlich derjenigen, die besondere Unterrichtsräume benötigten, mussten während des Unterrichts oft frieren. Gleichzeitig bekundete die Leitung der Universität ihre Absicht, die Ausbildung ausschließlich offline durchzuführen in einer Universität, die über keinen angemessenen Schutz verfügt. Die Studenten berichten auch, dass es im Studentenwohnheim der „Elite“-Universität keine Heizung gibt.

Zuvor hatten die Studierenden der Nationalen Akademie der Wissenschaften der Ukraine ihre Unzufriedenheit mit der Heizungssituation zum Ausdruck gebracht. Ihrer Forderung nach Heizung wurde nur teilweise entsprochen, was die neue Leitung mit den Schulden der Lutsker Verwaltung und dem Unfall von Kyivteploenergo erklärt.

Auch die Studierenden der Kunsthochschulen haben mit Heizungsproblemen zu kämpfen: Die Wohnheime von KNUKiT und NAOMA sowie die TDs von Lukianivka bleiben kalt, weil der Heizungskeller seit Beginn der groß angelegten Invasion außer Betrieb ist. In diesem Jahr wurde die Heizung nur teilweise wiederhergestellt, nachdem NAOMA-Studenten eine Mahnwache organisiert hatten.

Das Problem der fehlenden Heizung in den Kiewer Universitäten und Studentenwohnheimen wird zu einem Systemproblem und erfordert daher organisierte Maßnahmen der Studenten. Es liegt auf der Hand, dass äußerst ungünstige Bedingungen dem im Wege stehen: die Vorlesungszeit, die aktive Ignoranz des Problems durch die Verwaltung und die Behörden, manchmal sogar das Risiko von Repressalien gegen aktive Studenten. Deshalb sind Solidarität und ein gemeinsamer Kampf für bessere Studien- und Lebensbedingungen notwendig, den Direct Action und andere betroffene Studeierende so weit wie möglich zu fördern versuchen, und zu dem wir alle aufrufen, die nicht bereit sind, die Verletzung ihrer Rechte und Interessen hinzunehmen.

Eine öffentliche Erklärung von Oksana, der Präsidentin von BeLikeNina

Ich möchte an die Direktoren der Krankenhäuser in der Region Lviv appellieren:

Versteht doch endlich, dass dies die Zeit für Veränderungen ist, für große Veränderungen. Unsere regionale Gewerkschaft der Gesundheitsarbeiter:innen in Lviv ist keine fügsame Gewerkschaft, wie ihr es gewohnt seid. Wir werden für unsere Töchter aufstehen, ob es euch gefällt oder nicht, ja, wir sind Krankenschwestern und Gesundheitspfleger und wir sind ein wichtiger Teil der Arbeit, wir haben Verantwortung und wir haben Rechte! Ich habe das schon oft erklärt, die Kürzung der Gehälter auf den Mindestlohn, die Nichtzahlung von Gesundheitsleistungen, die Nichtzahlung von Gehältern an „ungehorsame“ Menschen, der Druck auf die Menschen durch das direkte Management, die Versetzung von Krankenschwestern auf schlechter bezahlte Stellen „auf eigenen Wunsch“, die übermäßige Arbeitsbelastung der Krankenschwestern usw. – das sind alles Verbrechen, aber es wird keine „Amnestie“ mehr geben. Das wird durch die Gerichte gehen, es wird durch die Gerichte gehen und es wird öffentlich sein, die Zeit für Veränderungen ist gekommen.

30.November 2023

Ein Mitglied von BeLikeNina stellte sich im Fernsehen dem Premierminister

Yana Demchuk, eine Krankenschwester aus Novohrad-Volynskyi, Mitglied von BeLikeNina, erklärte dem Premierminister in der Fernsehsendung Freedom of Expression, dass es unmöglich ist, vom derzeitigen Gehalt des Pflegepersonals zu leben.

Premierminister Shmyhal hob schuldbewusst die Hände: Es ist kein Geld im Haushalt. Als ehemaliger Direktor von Achmetow [dem ukrainischen Oligarch] weiß er sehr wohl, dass die Gewinne der Oligarchen am Haushalt vorbei ins Ausland fließen. Aber der Minister kann das nicht öffentlich zugeben.

„Der Staat braucht unsere Arbeit, aber er braucht uns nicht. Mit anderen Worten: Es scheint, dass medizinische Leistungen erbracht werden, ohne dass das Gesundheitspersonal sie erbringt. Bislang hat das Gesundheitsministerium keine Standards für die Arbeitsbelastung einer Krankenschwester oder eines Arztes festgelegt. Es gibt keine Qualitätskontrolle der medizinischen Leistungen, keine Analyse des Zusammenhangs zwischen postoperativen Komplikationen und der Anzahl des medizinischen Personals“, sagt BeLikeNina.

Erfolg für das Gesundheitspersonal in Oleksandria

Mitteilung von BeLikeNina

Am Vorabend des Jahreswechsels erreichten die Beschäftigten des Gesundheitswesens der Stadt Oleksandria in der Oblast Kirowohrad die Nachzahlung mehrerer Monatsgehälter für rund 150 Beschäftigte in Höhe von insgesamt 4 Millionen Griwna (96 000 Euro).

Das medizinische Personal des Zentralkrankenhauses der Oblast Oleksandria musste seit September 2023 Gehaltsrückstände hinnehmen. Wegen unzureichender Finanzmittel des ukrainischen staatlichen Gesundheitsdienstes wurde die medizinische Einrichtung aufgelöst und das Personal in ein anderes Krankenhaus (das Zentralkrankenhaus der Stadtverwaltung Oleksandria) verlegt. Das Problem der Lohnschulden wurde jedoch nicht gelöst. Das Pflegepersonal beschloss daher, für seine Gehälter zu kämpfen. Sie wandten sich an den ehemaligen Direktor, an den Nationalen Arbeitsdienst der Ukraine, der eine Inspektion durchführte, und an den Bürgermeister, der versprach, die Frage der Zuweisung zusätzlicher Mittel auf der Stadtratssitzung zu prüfen.

„Eineinhalb Monate Kampf um unser hart verdientes Geld waren nicht umsonst. Unsere Leitung hat nicht reagiert, aber dank der Stadtverwaltung wurden uns am 22. Dezember unsere zwei Monatsgehälter vollständig ausgezahlt und wir erhielten eine Entschädigung für den nicht genommenen Urlaub“, sagte Svetlana Degtyarenko, eine der Krankenschwestern.

Juristische Unterstützung bei der Formulierung ihrer Forderungen erhielten die Gesundheitsarbeiter:innen von Vitaliy Dudin, einem Anwalt der Gesundheitsbewegung BeLikeNina und einem Aktivisten von Sotsialny Rukh.

"Im Namen des Personals des Zentralkrankenhauses des Bezirks Oleksandriya möchten wir Vitaliy Dudin und dem Team von Sotsialny Rukh für ihre Beratung, Unterstützung und kostenlose Hilfe danken! In einer für unser Land so schwierigen Zeit ist diese Hilfe von unschätzbarem Wert. Wenn sich jemand in einer ähnlichen Situation befindet, warten Sie nicht, schweigen Sie nicht, bitten Sie um Hilfe. Unsere Erfahrung zeigt, dass Sie allein nicht weiterkommen werden. In einer solchen Situation braucht man die Hilfe von echten Fachleuten", sagte Svitlana.

Sie dankte auch der Gesundheitsbewegung BeLikeNina für ihre ständige Aufmerksamkeit für die Rechte des medizinischen Personals.

„Die Bewegung BeLikeNina spielt eine wichtige Rolle, wenn es darum geht, auf die Probleme im medizinischen Sektor hinzuweisen. Sie ist die einzige Bewegung in der Ukraine, die sich wirklich für die Rechte des medizinischen Personals einsetzt“, so die Krankenschwester.

27.Dezember 2023, BeLikeNina

Regierung nimmt Gewerkschaften an die Leine

von Thomas Rowley und Serhiy Guz

Hinter den Kulissen treiben ukrainische Spitzenbeamte eine Initiative zur Einrichtung eines eigenen hochrangigen gewerkschaftlichen Beratungsgremiums voran, um die Macht der größten Gewerkschaftsverbände des Landes zu beschneiden, wie openDemocracy erfahren hat.
Aus Dokumenten, die über das Gesetz zur Informationsfreiheit zugänglich gemacht wurden, geht hervor, dass zwei führende Abgeordnete der ukrainischen Regierungspartei der Regierung vorgeschlagen haben, im Juli 2023 einen brandneuen „Rat der Gewerkschaftsführer“ einzurichten – ein ausdrücklicher Versuch, die bestehende Institution für den Dialog der Regierung mit Arbeitgebern und Gewerkschaften zu umgehen.

Globalisierung/Krieg 22. Dezember 2023

Massenhinrichtungen in Gaza

durch israelische Streitkräfte

Am Mittwoch veröffentlichte das Büro des Hochkommissars für Menschenrechte der Vereinten Nationen (OHCHR) einen Bericht, wonach die israelischen Streitkräfte am Dienstag (19.12.) eine Massenexekution von Zivilisten im nördlichen Gazastreifen durchführten, indem sie elf Männer von ihren Familien trennten und sie kurzerhand erschossen.

Nordafrika/Nahost 20. Dezember 2023

Wohin führt Israels Krieg gegen Gaza?

von Gilbert Achcar
Es scheint nun wahrscheinlich, dass der zionistische Staat bis zum Ende dieses Jahres 2023 den Kurs seines Krieges gegen den Gazastreifen ändern und in eine neue Phase übergehen wird.

Globalisierung/Krieg 11. Dezember 2023

Vergesst sie, vergesst alles

von Sophia Deeg
Eine flächendeckende national-identitäre Ideologie hindert die meisten Deutschen, wenn es um Israel-Palästina geht, selbständig zu denken, d.h. überhaupt zu denken. Und Empathie zu empfinden.
Israel/Palästina, „der Nahostkonflikt“ verschwindet kaum jemals ganz aus den Nachrichten in Deutschland, und da gibt es Konstanten, konstant wiederkehrende Formulierungen: „die beiden Seiten“, „kompliziert“, „Terror“, „Existenzrecht“, „besondere Verantwortung Deutschlands“, „gegen jeden Antisemitismus“ …

Zionismus in der Krise – eine Chance für Palästina?

Vortrag von Ilan Pappé

gehalten am 19. Oktober 2023 an der Universität von Berkeley, Kalifornien, USA.

Vielen Dank, dass Sie sich in diesem entscheidenden und schmerzlichen Moment in der Geschichte Israels und Palästinas Zeit für uns nehmen.

Vor dem 7. Oktober 2023 betrachtete der größte Teil der israelisch-jüdischen Gesellschaft die Situation, die in den Wochen davor in Israel entstanden war, mit einer gewissen Furcht und Besorgnis – die Hauptdebatte in Israel drehte sich um seine Zukunft. Die wöchentlichen Demonstrationen von Hunderttausenden Israelis waren Teil einer Protestbewegung gegen den Versuch der Regierung, das Verfassungsrecht zu ändern und ein neues politisches System zu schaffen, in dem die politischen Institutionen die totale Kontrolle über das Justizsystem ausüben und der öffentliche Raum viel stärker von messianischen und religiösen jüdischen Gruppen bestimmt sein sollte.

Nur Online 4. Dezember 2023

Der Standard der Zivilisation

von Perry Anderson
1929 stellte Lucien Febvre die ersten systematischen Überlegungen zur Entwicklung der Bedeutung des Begriffs „Zivilisation“ an, vom singulären Ideal, das er auf das dritte Viertel des 18. Jahrhunderts datierte, bis zum pluralen Fakt, den er am Ende der napoleonischen Epoche ansiedelte. In den Jahren 1944-45 widmete er seine letzte Vorlesung dem Thema „Europa: Entstehung einer Zivilisation“, und ein Jahr später fügte er sogar dem Titel der Zeitschrift Annales, Économies et Sociétés das Wort Civilisations hinzu. Kurz vor seinem Tod schrieb er eine scharfe Notiz, in der er einem Kollegen zustimmte, der Valérys berühmtes Diktum, diese Zivilisation, habe er nun erkannt, sei sterblich, zurückwies: „In Wirklichkeit sind es nicht die Zivilisationen, die sterblich sind. Der Strom der Zivilisation überdauert die vorübergehenden Verfinsterungen … Einfaches Luftablassen eines Windbeutels.“ Ein Jahrzehnt später stimmte Fernand Braudel zu: „Als Paul Valéry erklärte: ‚Zivilisationen, wir wissen, dass ihr sterblich seid‘, hat er sicherlich übertrieben. Die Jahreszeiten der Geschichte bringen Blumen und Früchte zu Fall, doch der Baum bleibt. Zumindest ist er viel schwerer zu fällen.“
Inwieweit hat sich Braudels Zuversicht, dass die Verwendung des Begriffs im Singular nicht mehr von großer Bedeutung sei, als gerechtfertigt erwiesen?

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2023

Nie wieder – das ist jetzt!

20 Jahre Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost
Rede des Vorsitzenden Wieland Hoban

Wir erleben gerade einen Genozid. […] Als Rechtfertigung wurden die Massaker durch Milizen aus Gaza benutzt, die am 7.Oktober mehrere Ortschaften im Süden Israels angriffen. In ihren Reaktionen darauf haben mehrere israelische Politiker deutlich gesagt, dass sie Gaza dem Erdboden gleich machen wollten…
Wer zu dieser Veranstaltung gekommen ist und etwas über die Arbeit der Jüdischen Stimme weiß, weiß natürlich, dass diese Geschichte nicht am 7.Oktober anfing… [sondern] auf die Nakba, die Vertreibung von 750000 Palästinensern ab Ende 1947, zurückgeht, die nie aufgehört hat, die durch den aktuellen Genozid fortgesetzt und in der deutschen Öffentlichkeit kaum anerkannt wird.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2023

Die deutsche Staatsräson…

…und die bedingungslose Solidarität mit Israel
von Angela Klein

Bundeswirtschaftsminister Habeck hat eine Rede gehalten, die als staatsmännisch gefeiert wurde, weil sie verbindlich im Ton war. In der Sache war sie das ganz und gar nicht, sie zeigte das ganze Elend einer weithin defizitären Verarbeitung der Naziverbrechen bis auf den heutigen Tag. Das Elend lässt sich in drei Punkte fassen:

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2023

Connection e.V.

Die Beteiligung am Krieg in der Ukraine verweigern
von Franz Nadler

Nikita R., ein junger Mann aus Russland, wollte gerne mal im Ausland arbeiten – und bekam vier Tage vor dem russischen Angriff auf die Ukraine ein Arbeitsvisum für Polen. Es ging alles gut, er konnte die Arbeit antreten. Aber dann kam der Einberufungsbefehl, zugestellt an die Adresse der Großeltern. »Ich habe immer gedacht, dass die Ukraine und Russland Brudervölker sind. Ich selbst habe Verwandte in der Ukraine. Und so war mir klar, dass ich nicht am Krieg teilnehmen wollte und will … Ich verstand, dass ich auf keinen Fall nach Russland zurückgehen kann.«

Staat/Parteien 1. Dezember 2023

Scholz auf Shoppingtour in Nigeria

Dreckige Energie von einem korrupten Regime in einem verwahrlosten Land
von Klaus Engert

»Das aber ist der Fluch der bösen Tat, daß sie, fortzeugend, immer Böses muss gebären.«
Mit diesem Schiller-Zitat lässt sich die Energie- und Klimapolitik dieser und der vergangenen Bundesregierungen perfekt zusammenfassen.

Parteien/Organisationen 1. Dezember 2023

Für die Europäische Union und auch dagegen

Der Europaparteitag der Partei Die LINKE
von Thies Gleiss

Vom 17. bis 19.November fanden in Augsburg der Parteitag der Partei Die LINKE zur Verabschiedung eines Programms zur Europawahl 2024 und die anschließende Vertreter:innenversammlung zur Wahl einer Kandidat:innenliste statt.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2023

Glück?

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Ich hatte keine Lust mehr. Ich konnte mit dem kriegerischen Geschehen nicht umgehen, schaue fast keine Nachrichten mehr. Nun ist auch klar, dass wir zu kriegsbereiten Menschen verpflichtet werden sollen. Entgegen dem Mehrheitswillen treiben große Koalitionen Militarisierung, Aufrüstung, Kriegsdrohungen voran.

Amerika 1. Dezember 2023

Automobilarbeiterstreik in den USA

Ein Sieg, der die Arbeiterbewegung verändern könnte
Erstmals bestreikten Automobilarbeiter:innen alle drei großen Konzerne gleichzeitig
von Dan La Botz

Die Gewerkschaft United Auto Workers (UAW) führte einen 45tägigen Streik gegen die drei großen US-Autokonzerne – Ford, Stellantis und General Motors – mit dem sie im Oktober nicht nur große Lohnerhöhungen und die Abschaffung der Schichtarbeit vertraglich durchsetzte, sondern auch die Kontrolle der Konzerne über ihre Werke und die Branche einschränkte.

Handel/Banken 1. Dezember 2023

China

Der unverzichtbare Gegner
von Ingo Schmidt

Der lange Wirtschaftsaufschwung hat China für westliche Außenpolitiker zu einer Herausforderung, einer Gefahr, wenn nicht zum Gegner werden lassen. Viele Wirtschaftspolitiker teilen diese Meinung, machen sich aber zugleich Sorgen, dass das Ende des China-Booms die Konjunktur im Westen abwürgt. Nachdem Immobilien- und Finanzkrise in den USA die Weltwirtschaft 2008 in eine nur mit Mühe eingedämmte Rezession gestürzt haben, wurde China zum unverzichtbaren Motor der Kapitalakkumulation. Auch im Westen.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2023

›Der Krieg in Gaza vernebelt die Erinnerung an den Holocaust‹

Nicht die Unterscheidung zwischen Juden und dem Staat Israel ist antisemitisch, sondern ihre Gleichsetzung, meint Enzo Traverso
von Angela Klein

Enzo Traverso, der italienische Historiker mit Schwerpunkt auf Totalitarismus und Erinnerungspolitik, gab in einem Interview mit dem französischen Online-Portal Médiapart seiner Sorge Ausdruck, dass der Krieg in Gaza, geführt auch im Namen der Erinnerung an den Holocaust, zu einem Anstieg des Antisemitismus führen wird. Wie kommt er zu dieser Aussage?

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2023

Internationale Solidarität ist die einzige Hoffnung

Mit dem Angriff vom 7.Oktober hat Hamas den Palästinensern einen Bärendienst erwiesen
Gespräch mit Gilbert Achcar

Gilbert Achcar lehrt an der School of Oriental and African Studies (SOAS, University of London). Er ist der Autor zahlreicher Bücher, darunter Die Araber und der Holocaust. Sein neuestes Buch heißt The New Cold War: The U.S., Russia and China, from Kosovo to Ukraine.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2023

Ein Land am Rande des Abgrunds

Der Gleichheitsgrundsatz ist unabdingbar, wenn wir über eine echte Koexistenz nachdenken wollen
Gespräch mit Michael Warschawski/aus L’Humanité

Der israelische Aktivist Michael Warschwaski ist Autor mehrerer Werke, in denen er die Besetzung und Kolonisierung Palästinas anprangert, und Gründer der NGO Alternative Information Centre, die Aktivist:innen aus Israel und Palästina zusammenbringt.

Keine Waffen nach Israel!

Britische Arbeiter blockieren Waffenexporte
dokumentiert/jacobin.com

Am Freitag, dem 10.November, blockierten über 400 Gewerkschafter und Aktivistinnen der Palästinasolidarität eine britische Fabrik, die Bauteile für Militärflugzeuge liefert, die bei der Bombardierung der Palästinenser in Gaza eingesetzt werden. Auf Jacobin haben sie über ihre Beweggründe geschrieben.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2023

Unmoralisch und illegal

Mit der Lieferung von Waffen an Israel macht sich die ­Bundesregierung der Beihilfe zum Massenmord schuldig
von Shir Hever

Mit der Verschärfung der Kämpfe in Gaza werden immer mehr unschuldige Zivilist:innen getötet. Mehr als zwölftausend Opfer hat dieser Krieg bereits gefordert, mehr als ein Drittel davon sind Kinder, und mehr als ein Zehntel sind Israelis. Die israelische Regierung hat deutlich gemacht, dass der Zweck des Angriffs auf Gaza Rache ist. Hochrangige israelische Beamte entmenschlichen die Palästinenser:innen, internationale Völkerrechtsexperten und Holocaust-Historiker warnen, dass der israelische Angriff auf Gaza den Tatbestand des Völkermords erfüllt.

›In diesem Moment verstecken sich alle hinter dem Staat‹

Dämonisierung, Enthumanisierung und Kriminalisierung arabischer Existenz in Deutschland
Gespräch mit Mohammad Abu Hajar

Mohammad Abu Hajar floh vor neun Jahren aus Syrien nach Deutschland. Dort war er Mitglied der Kommunistischen Partei. Nun schreibt er eine Dissertation in Politischer Ökonomie.

Mohammad Abu Hajar nimmt seit dem 7.Oktober regelmäßig an den Demonstrationen in Berlin und Kassel teil. Violetta Bock sprach mit ihm über die arabische Community, den antikolonialen Widerstand, fehlende Solidarität und Unterdrückung und Unterdrückte.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2023

USA: ›Bedeutsame Veränderung in der öffentlichen Meinung‹

Hunderttausende fordern Waffenstillstand und ein Ende der Komplizenschaft mit Israel
von Hermann Dierkes

Jüdische Organisationen spielen eine führende Rolle bei den anhaltenden Massenprotesten gegen den proisraelischen Kurs der US-Regierung.

Mit über 3 Mrd. US-Dollar jährlich für Waffenhilfe bezuschusst die US-Regierung den israelischen Terrorstaat. Die Zusage wurde am Ende der Regierung Obama gemacht und hat eine Laufzeit von zehn Jahren. Unlängst hat die Biden-Regierung weitere 14 Mrd. losgeeist. Der wichtigste Bündnispartner im Nahen Osten bedarf dringend neuer Munition, Bomben, Raketen und alle Art Waffen für den laufenden Völkermord in Gaza.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2023

Eindrücke von einer Reise in die Ukraine

›Die Gewerkschaft ist die Avantgarde des Volkes‹
von Angela Klein

Vom 9. bis 14.Oktober 2023 reiste eine Gruppe von vier Gewerkschafter:innen aus Deutschland und der Schweiz in die Ukraine. Die Reise wurde organisiert von der Initiative »Solidarität mit den Gewerkschaften in der Ukraine – Humanitäre Hilfe« und finanziell gefördert von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt. Es wurden eine Solidaritätsadresse und Spendengelder übergeben, die die Initiative gesammelt hatte. Es haben sich Ansätze für weitere Unterstützungsarbeit ergeben, die wir in unseren Gewerkschaften fortsetzen wollen. Erste Berichte wurden in SoZ 11/23 veröffentlicht.

Musik 1. Dezember 2023

Die Trostmaschine und das Elend im System

Eine südkoreanische Pop-Band gaukelt heile Welt vor – ein Milliardengeschäft
von Volker Brauch

BTS nennt sich eine siebenköpfige süd­koreanische Boy Group, die sich von Vorgängergruppen deutlich unterscheidet. Es geht nicht nur um Musik, Gesang, Tanz und gute Laune, sondern um ein inszeniertes Kunstprodukt mit hoher emotionaler Verbindung zu ihrer weitweiten Fangemeinde. Permanente Inszenierungen bei Auftritten und im Alltag der Gruppe, mit der die Fangemeinde ARMY auf Trab gehalten wird, vermitteln das Gefühl, mit den Idolen Tür an Tür zu leben, und erzeugen ein gewolltes symbiotisches Abhängigkeitsverhältnis.

Arbeitskämpfe 23. November 2023

Fortlaufend: Arbeitskämpfe, 10/23

Quelle: labour@framagroupes.org

Die nachstehenden Nachrichten und Berichte wurden über die Liste labour@framagroupes.org gepostet; das ist eine Liste der Gewerkschaftsgruppe von European Network Solidarity with Ukraine (ENSU): ukraine-solidarity.eu
Die Nachrichten werden monatlich zusammengefasst, aus dem Englischen übersetzt und auf den Ukraine-Blog gestellt – d.Red.

Gewerkschaften 22. November 2023

Schluss mit der Heuchelei!

Stoppt Israels brutalen Angriff auf die palästinensische Bevölkerung!
Solidaritätserklärung mit palästinensischen Gewerkschaften!


Der Kolonialkrieg, den der Staat Israel führt, hat seit dem letzten Jahrhundert viele Menschenleben gefordert. Das palästinensische Volk hat alle Arten von Gewalt erlebt – im Mai 1948 mit der Nakba, im Juni 1967 mit dem Sechs-Tage-Krieg und heute mit dem Beginn eines neuen, blutigen und beispiellosen Krieges, in dem Tausende von Zivilist:innen getötet worden sind und werden.

Globalisierung/Krieg 22. November 2023

Offener Brief gegen den Missbrauch der Holocaust-Gedenkarbeit

unterzeichnet von verschiedenen Holocaust- und Antisemitismusforschern

Die Berufung auf die Erinnerung an den Holocaust vernebelt unser Verständnis des Antisemitismus, dem Juden heute ausgesetzt sind, und stellt die Ursachen der Gewalt in Israel-Palästina gefährlich falsch dar.

Wir, die Unterzeichnenden, sind Holocaust- und Antisemitismusforscher aus verschiedenen Institutionen. Wir schreiben, um unsere Bestürzung und Enttäuschung darüber zum Ausdruck zu bringen, dass führende Politiker und bekannte Persönlichkeiten des öffentlichen Lebens sich auf die Erinnerung an den Holocaust berufen, um die aktuelle Krise in Gaza und Israel zu erklären.

Globalisierung/Krieg 15. November 2023

Warum Israel den Kontext und die Geschichte des Krieges gegen Gaza auslöschen will

Die Enthistorisierung des Geschehens hilft Israel bei der Verfolgung seiner völkermörderischen Politik in Gaza

von Ilan Pappe

Am 24. Oktober löste eine Erklärung des Generalsekretärs der Vereinten Nationen, Antonio Guterres, eine scharfe Reaktion Israels aus. In seiner Rede vor dem UN-Sicherheitsrat hatte der UN-Chef gesagt, dass er das von der Hamas am 7. Oktober begangene Massaker zwar aufs Schärfste verurteile, die Welt aber daran erinnern wolle, dass es nicht in einem Vakuum stattgefunden habe. Er erklärte, dass man 56 Jahre Besatzung nicht von unserer Beteiligung an der Tragödie, die sich an diesem Tag abspielte, trennen kann.

Nordafrika/Nahost 14. November 2023

„Die Besessenheit von Israel hat mehr mit der deutschen Psyche zu tun als mit der Sicherheit der Juden“

Deutschland ist ein guter Ort, um Jude zu sein. Es sei denn, Sie sind wie ich ein Jude, der Israel kritisiert. 

von Deborah Feldman

Der politische Pro-Israel-Konsens hat alle abweichenden Stimmen zum Schweigen gebracht – wie ich in einer Fernsehdebatte mit dem Vizekanzler feststellen musste.*

Ich lebe jetzt seit fast einem Jahrzehnt in Deutschland, aber die einzigen Menschen, mit denen ich jemals über den Nahostkonflikt diskutieren konnte, sind Israelis und Palästinenser. Die Deutschen neigen dazu, jeden Versuch eines konstruktiven Gesprächs mit der beliebten Phrase abzubrechen, das Thema sei viel zu kompliziert. Infolgedessen sind die Erkenntnisse, die ich über die geopolitischen Entwicklungen der letzten drei Jahrzehnte gewonnen habe, das Ergebnis privater Gespräche, sicher versteckt vor den urteilenden Augen einer deutschen Gesellschaft, die uns gerne darüber belehrt, dass jede Kritik an Israel antisemitisch ist.

Globalisierung/Krieg 6. November 2023

Frankreich: Die Haltung der Linken zu Hamas

Die französische Linke ist tief gespalten

von Bernard Schmid

Gespalten, tief gespalten zeigt sich die politische Linke unterschiedlicher Schattierungen zu den aktuellen Vorgängen im Nahen Osten. Zu den Ursachen zählt, dass das Prisma, durch welches französische Linke den Israel-Palästina-Konflikt weitgehend wahrnehmen – also das der Kolonialkonflikte, mit dem Algerienkrieg als Matrix – Teile von ihnen dazu führt, Bewegungen wie die Hamas primär als zwar ideologisch befremdlichen, doch realen Teil einer Art antikolonialen Aufstandsfront wahrzunehmen.

Nordafrika/Nahost 4. November 2023

„Israel ist gespalten zwischen zwei unvereinbaren Gesellschaftsprojekten“

von Michael Warschawski

Ein Interview mit der französischen Tageszeitung L’Humanité

Der 7. Oktober war das größte Massaker an Juden seit dem Zweiten Weltkrieg. Was halten Sie von dem Paradoxon eines Staates, der geschaffen wurde, um bedrohten Juden in der ganzen Welt einen sicheren Hafen zu bieten, der sich aber als unfähig erwiesen hat, die Sicherheit seiner Bürger zu schützen und zu gewährleisten?

Arbeitskämpfe 4. November 2023

„Ich weiß nicht, wie man dieses System bekämpft, aber ich fang jetzt damit an“

sagt Tonya Shatsylo von #BeLikeNina

Wie im ukrainischen Gesundheitswesen eine neue Gewerkschaft entstanden ist
von Angela Klein

Auf Initiative der Gruppe „Solidarität mit den Gewerkschaften in der Ukraine – Humanitäre Hilfe“ reiste vom 9.-14.10. 2023 eine Gruppe von vier GewerkschafterInnen aus Deutschland und der Schweiz in die Ukraine. Das Ziel der Reise war, mit so vielen verschiedenen Gewerkschaften und gewerkschaftlichen Initiativen wie möglich Kontakt aufzunehmen und aus erster Hand Informationen über die Situation abhängig Beschäftigter in verschiedenen Branchen zu sammeln. Diese Informationen sollen helfen, in eigenen Gewerkschaften für einen engen Austausch und für eine solidarische Unterstützung der ukrainischen KollegInnen zu werben. Eines unserer Treffen führte uns ins Haus der Journalistenunion in Kiew zu Vertreterinnen von #BeLikeNina, einer von Krankenschwestern neu gebildeten Gewerkschaft in den Krankenhäusern.

Globalisierung/Krieg 4. November 2023

Bei der Gewerkschaft der Krankenschwestern

›Ich weiß nicht, wie man dieses System bekämpft, aber ich fang jetzt damit an‹
Wie im ukrainischen Gesundheitswesen eine neue Gewerkschaft entstanden ist
von Angela Klein

Auf Initiative der Gruppe „Solidarität mit den Gewerkschaften in der Ukraine – Humanitäre Hilfe“ reiste vom 9.-14.10. 2023 eine Gruppe von vier GewerkschafterInnen aus Deutschland und der Schweiz in die Ukraine. Das Ziel der Reise war, mit so vielen verschiedenen Gewerkschaften und gewerkschaftlichen Initiativen wie möglich Kontakt aufzunehmen und aus erster Hand Informationen über die Situation abhängig Beschäftigter in verschiedenen Branchen zu sammeln. Diese Informationen sollen helfen, in eigenen Gewerkschaften für einen engen Austausch und für eine solidarische Unterstützung der ukrainischen KollegInnen zu werben. Eines unserer Treffen führte uns ins Haus der Journalistenunion in Kiew zu Vertreterinnen von #BeLikeNina, einer von Krankenschwestern neu gebildeten Gewerkschaft in den Krankenhäusern.

Globalisierung/Krieg 3. November 2023

Israel könnte bereit sein, den Gazastreifen zu „säubern“


Immer mehr Beweise deuten darauf hin

von Jonathan Cook
Alles deutet darauf hin, dass Israel wieder einmal ernsthaft eine massive ethnische Säuberungsaktion in Erwägung zieht, die blitzschnell und mit Unterstützung der USA durchgeführt werden soll
Als die israelischen Streitkräfte am Wochenende damit begannen, in begrenztem Umfang in den nördlichen Gazastreifen einzudringen, mehrten sich die Berichte, dass Israel Pläne zur Vertreibung eines Großteils oder der gesamten Bevölkerung der Enklave in das benachbarte ägyptische Gebiet Sinai vorbereitet.

Flucht/Migration 1. November 2023

Asyl ist keine Krise, sondern eine Chance

Kommunen zeigen, wie eine andere Migrationspolitik möglich ist
Gespräch mit Julia Scheurer und Lea Rau

Die Plattform Moving Cities listet 781 Städte, darunter 239 in Deutschland, auf, die sich für eine solidarische Migrationspolitik einsetzen.
Die Berlin Governance Platform (BGP) vernetzt kommunale Akteure zum Thema Migration.
Julia Scheurer ist Politikwissenschaftlerin, sie arbeitet aktuell als Projektleiterin bei Moving Cities.
Lea Rau ist Advocacy Managerin im Migrationsteam der Berlin Governance Platform.

AKW 1. November 2023

Frankreich und die Atomkraft

Mit dem Fuß auf dem Gaspedal
von Christine Poupin

Das »große Abenteuer der zivilen Kernenergie« ist eine der fixen Ideen von Emmanuel Macron und wird von seiner Ministerin für den ökologischen Übergang als »ein großer ökologischer Fortschritt durch die Mobilisierung aller Hebel der Dekarbonisierung zur Bekämpfung der Klimaerwärmung« bezeichnet.

Amerika 1. November 2023

USA Today

Too big to fail, too weak to lead
von Ingo Schmidt

Das Land ist zutiefst gespalten. Seine Freiheit und Wirtschaftskraft werden von den Großmachtambitionen Russlands und Chinas bedroht. Diese zwei Behauptungen finden sich in fast allen Berichten aus den USA, gleich ob es um die nächste Zinsentscheidung der Zentralbank, Haushaltsquerelen im Kongress, Staatsbesuche im Weißen Haus oder Waffenlieferungen des Pentagon geht.

Europa 1. November 2023

Die Arbeiterpartei der Türkei (TiP)

Ein neuer Versuch antikapitalistischer Politik
von Ayse Tekin

Die jüngsten Wahlergebnisse in der Türkei haben die Hälfte der Wähler mit einem Trauma zurückgelassen, so groß war der Wunsch nach einem Wechsel und der Abwahl von Präsident Erdogan. Während die AKP (Partei der Gerechtigkeit und Entwicklung) und die größte Oppositionspartei CHP (Republikanische Volkspartei) sich auf die Kommunalwahlen im März nächsten Jahres konzentrieren, haben die Parteien aus dem linken »Bündnis für Arbeit und Freiheit« unterschiedliche Konsequenzen gezogen.

Europa 1. November 2023

Wahlen in Polen

Die demokratische Opposition hat gewonnen
von Oko.press

Nachstehend bringen wir einen Kommentar zum Wahlausgang in Polen vom polnischen Online-Portal Oko.press.

Europa 1. November 2023

Der Alltag wird zeigen, wo es langgeht

Es war Tusk, der den Weg für Kaczynski freigemacht hat
von Norbert Kollenda

Die Euphorie ist groß, endlich wurde die PiS entmachtet und die Menschen in Polen haben durch ihre hohe Wahlbeteiligung bewiesen, dass sie politisch wach geworden sind. Und das nach all den Enttäuschungen der letzten 34 Jahre.

Globalisierung/Krieg 1. November 2023

Bei ArcelorMittal

Trotz Krieg wird der Kollektivvertrag gekündigt
von Hermann Nehls

Die vier Gewerkschafter:innen, die in der Zeit vom 10. bis 13.Oktober 2023 in die Ukraine reisten, um Ak­tivis­t:innen zu treffen, besuchten auch die Gewerkschaft der Metall- und Bergbauarbeiter von ArcelorMittal in Krywyj Rih. Das Gespräch fand im Gebäude der Gewerkschaft statt. Es wurde unterbrochen durch einen Bombenalarm, der uns zwang, das Gespräch in einem sicheren Luftschutzkeller fortzuführen.

Globalisierung/Krieg 1. November 2023

Ein Kampf an zwei Fronten

Die polnische Linke und der Krieg in der Ukraine
von Dariusz Zalega

Der Ausbruch des Krieges in der Ukraine schockierte der gesamte polnische Öffentlichkeit. Eine große Welle der Solidarität und Hilfe für die geflüchteten Ukrainer durchzog ganz Polen, dies vor allem auch deshalb, weil die polnische Regierung die ganze Zeit in ihrer Propaganda eine Rhetorik gegen Geflüchtete bemühte. Allerdings richtete sich diese vorwiegend gegen Geflüchtete aus dem globalen Süden, die über die polnisch-belorussische Grenze kamen.

Globalisierung/Krieg 1. November 2023

Die BRICS: Hoffnung auf eine neue Weltordnung? Fehlanzeige

Die Schwellenländer im globalen Süden unternehmen nichts gegen die neoliberale Weltordnung
von Patrick Bond, Johannesburg

Viele Linke setzen sich für eine multipolare Weltordnung ein – im Gegensatz zu einer unipolaren, die von den imperialistischen USA dominiert wird. In diesem Sinne präsentieren sich gerne auch Politiker des Staatenbunds BRICS (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika). Patrick Bond warnt jedoch vor falschen Hoffnungen: Bei den BRICS handele sich um eine bunt zusammengewürfelte Gruppe. Nicht gemeinsame ideologische Grundsätze kennzeichnen diesen Staatenbund, sondern tief verwurzelte, antisoziale, antiökologische und eigennützige Profitinteressen.

Buch 1. November 2023

Braungrauer Kriegsalltag

Der Krieg in der Ukraine aus der Perspektive von unten
von Gaston Kirsche

Igort: Berichte aus der Ukraine. Tagebuch einer Invasion. Aus dem Italienischen von Myriam Alfano. Berlin: Reprodukt, 2023. 168 S., 26 Euro

In seiner Graphic Novel schildert der Zeichner Igort die Grausamkeiten des Krieges durchgehend aus der Perspektive von unten – durch einfache Leute, die der kriegerischen Gewalt ausgeliefert sind. Ein notwendiges Gegenstück zu den geostrategisch daherkommenden großen Diskursen.

Nur Online 27. Oktober 2023

26.Oktober: Aktuelles zu Israel/Palästina

von Thomas Fazi

Inmitten des Nebels von Krieg und Propaganda und des rund um die Uhr ununterbrochenen Informationsflusses kann man leicht aus den Augen verlieren, was tatsächlich passiert. Deshalb habe ich beschlossen, alle paar Tage über den israelisch-palästinensischen Krieg (genauer gesagt, den Krieg Israels gegen Palästina) zu berichten und dabei die wichtigsten Geschichten im Zusammenhang mit dem Konflikt hervorzuheben.

Inhalt des nachstehenden Artikels:
Weitere Beweise für Pläne zur ethnischen Säuberung des Gazastreifens; Gräuelpropaganda; unbeantwortete Fragen zum 7. Oktober; ein verzweifelter Appell palästinensischer Christen; das Bündnis zwischen Netanjahu und Hamas.

Nur Online 26. Oktober 2023

Der Plan für die ethnische Säuberung Gazas

Ursprünglicher Artikel, 17.10.2023

Der Angriff der Hamas auf israelische Städte im Gazastreifen am 7. Oktober lieferte den Vorwand für einen beispiellosen, völkermörderischen Rachefeldzug Israels, bei dem inzwischen fast 5000 Palästinenser, darunter über 2000 Kinder, massakriert wurden – und das könnte erst der Anfang sein. Jetzt propagiert eine israelische Denkfabrik mit Verbindungen zum israelischen Premierminister Benjamin Netanjahu Pläne für eine vollständige ethnische Säuberung des Gazastreifens.

Repression 26. Oktober 2023

Die Verbotspolitik greift nicht

Neukölln, Sonnenallee
von RAMSIS KILANI

Schwergerüstete Polizeipatrouillen und Festnahmen bis tief in die Nacht, Tränengas und Wasserwerfer, brennende Holzbarrikaden und Feuerwerkskörper: Die Unterdrückung von Palästina-Solidarität und die Gegenwehr ähneln in Teilen Berlins Aufstandsszenen in einer besetzten Zone. Seit dem 11.Oktober erneuern Berliner Behörden die Pauschalverbote gegen Palästina-Demos und sogenannte „Ersatzveranstaltungen“.

Globalisierung/Krieg 26. Oktober 2023

Keine antikoloniale Kraft

Zum Charakter der Hamas
von Fabian Lehr

Völlig überraschend sind am 7.Oktober nach einem Hagel von über tausend Raketen und Drohnen Hamas-Kämpfer auf dem Landweg wie von der See her in israelische Ortschaften am Rand des Gazastreifens eingedrungen, haben israelische Armeeposten überwältigt, aber auch willkürlich israelische Zivilisten ermordet, gefoltert und verschleppt. Zum Zeitpunkt der Niederschrift des Artikels gibt es auf israelischer Seite 200 Tote und tausend verwundete – Israel bestätigt, seit sehr lnger Zeit habe es keine auch nur annähernd vergleichbare Opferzahl auf ihrer Seite im Nahostkonflikt gegeben. Gleichzeitig wurden durch israelische Vergeltungsangriffe schon mindestens 238 Palästinenserin getötet und ebenfalls über tausend verwundet.

Nordafrika/Nahost 22. Oktober 2023

„Eine nie endende Nakba“

Eine Antwort auf Olaf Scholz
von Amira Hass

Der deutsche Bundeskanzler Olaf Scholz sagte am 12. Oktober: „Das Leid und die Not der Zivilbevölkerung im Gazastreifen werden eher noch wachsen. Auch dafür trägt die Hamas mit ihrem Angriff auf Israel Verantwortung.“ Ist denn dieses Leid grenzenlos, weil Sie und Ihre Kollegen im Westen Israel grenzenlose Unterstützung zugesagt haben

Die Sprengung von Nordstream 2

Welches Spiel treibt die Bundesregierung?
von Angela Klein

In der Ausgabe 35/2023 vom 28.August widmete der Spiegel der Sabotage gegen die Erdgaspipeline Nordstream 2 einen ausführlichen Bericht. Mehr als zwei Dutzend Journalist:innen des Spiegel und des ZDF hatten sechs Monate lang recherchiert, um herauszufinden, wer die Urheber des Anschlags sein könnten, den der deutsche Generalbundesanwalt als »verfassungsfeindliche Sabotage« qualifiziert hatte.

Flucht/Migration 1. Oktober 2023

Schaut niemand hin, bleiben Menschenrechte auf der Strecke

Die Arbeit von borderline-europe – Menschenrechte ohne Grenzen e.V.
von Judith Gleitze

borderline-europe leistet seit 2007 zivilen Widerstand gegen die europäische Migrations- und Grenzpolitik.

»Wir waren im Juni 2004 mit der Cap Anamur auf dem Mittelmeer unterwegs, als wir etwa hundert Meilen südlich von Lampedusa ein untergehendes Schlauchboot mit 37 Menschen an Bord antrafen. Natürlich haben wir diese Menschen, die wahrscheinlich eine halbe Stunde später ertrunken wären, gerettet und wollten sie in Italien an Land bringen. Das wurde uns jedoch zwei Wochen lang verwehrt.

Amerika 1. Oktober 2023

USA: Automobilarbeiter bestreiken Werke aller drei großen Konzerne

Eine neue Gewerkschaftsführung bringt neuen Wind
von Luis Feliz Leon und Jane Slaughter

Der allererste gleichzeitige Streik bei den drei großen Automobilherstellern – General Motors, Ford und Stellantis* – begann am 15.September, als 13000 Beschäftigte drei Montagewerke in Michigan, Ohio und Missouri bestreikten. Bei den Big 3 sind 146000 Mitglieder der Automobilarbeitergewerkschaft (UAW) beschäftigt.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2023

Die Herrscher der Ukraine und die Geduld des Volkes

Über die Stimmung in der Bevölkerung und unter den Soldaten
Interview mit Genossen der Arbeiterfront der Ukraine

Das nachstehende Interview führt die italienische linkskommunistische Online-Zeitschrift Pungolo rosso mit Genossen der Arbeiterfront der Ukraine (RFU).

Die Arbeiterfront der Ukraine ist nach eigenen Angaben aus einer Telegram-Gruppe von Schülern und Studenten entstanden; sie macht vor allem Bildungsveranstaltungen, Agitation und juristische Beratung. Die Gruppe ist marxistisch-leninistisch orientiert, sie scheint mit dem ML-Flügel der Kommunistischen Organisation in Deutschland in Verbindung zu stehen.

Amerika 1. Oktober 2023

Ecuador: Sieg für die Artenvielfalt

Das Erdöl im Yasuní-Nationalpark bleibt im Boden
von Valeria Bajaña Bilbao

Am 20.August stoppte die Bevölkerung Ecuadors in einem historischen Referendum mit 59 Prozent die Ölförderung im Yasuní-Nationalpark. Zehn Jahre lang haben indigene Gemeinden und Naturschutzorganisationen einen intensiven Kampf darum geführt. Bis zu einem endgültigen Ende der Erdölförderung wird es aber noch ein langer Weg.

Amerika 1. Oktober 2023

Der Yasuní-Nationalpark

Ein einmaliges Reservoir von Flora und Fauna
von Angelica María Bernal

Im Jahr 2008 war Ecuador das erste Land, das die Rechte der Natur in der Verfassung verankerte.

Der Yasuní-Nationalpark befindet sich zum Teil auf angestammtem Gebiet der Waorani. Er ist einzigartig, da er die höchste Artenvielfalt je Quadratkilometer auf der Welt aufweist und Südamerikas Reichtum an Pflanzen-, Amphibien-, Vogel- und Säugetierarten hier voll zur Geltung kommt. Mehr als 150 bedrohte Arten sind dort beheimatet.

Globalisierung/Krieg 1. September 2023

Sagt Nein!

Gedanken zum Antikriegstag
von Angela Klein

Der Ukrainekrieg steht vor einer neuen Eskalationsstufe: Da auch die modernsten Kampfpanzer westlicher Bauart nicht die »Wunderwaffen« waren, als die sie vorgestellt wurden, sollen jetzt Kampfflugzeuge und Marschflugkörper mit einer Reichweite von 500 km her – ausdrücklich zu dem Zweck, die russischen Stellungen hinter der Front angreifen zu können, wie die Regierung in Kiew fordert.

Militarisierung/Rüstung 1. September 2023

Sagt Nein…

…ohne Wenn und Aber
von Helmut Born

Sagt Nein! Unter dieser Überschrift ruft ein Bündnis von Gewerkschafter:innen auf, den Leitantrag von Bundesvorstand und Gewerkschaftsrat zum Bundeskongress der Gewerkschaft Ver.di, »Perspektiven für Frieden, Sicherheit und Abrüstung in einer Welt im Umbruch«, abzulehnen. In dem Aufruf werden die Delegierten des Bundeskongress aufgefordert, nicht die Hand zu heben für einen erneuten Schulterschluss der Gewerkschaften mit dem deutschen Kriegskurs.

Arbeitskämpfe 1. September 2023

Vom Automobilzulieferer zum Lastenradproduzenten

Die GKN-Belegschaft in Florenz ist seit zwei Jahren im Widerstand
von Kathy Ziegler

Statt am 9.Juli 2021 ihre Kündigung und die Schließung der GKN-Fabrik bei Florenz hinzunehmen, halten die Beschäftigten seit zwei Jahren eine unbefristete Betriebsversammlung ab und planen die Konversion des Autozulieferbetriebs. Kathy Ziegler, Mitglied der Initiative »Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für den Klimaschutz«, berichtet von einer Delegationsreise, die sie im vergangenen Juli unternommen hat.

Flucht/Migration 1. September 2023

Ein Blick in den Abgrund

Die EU setzt Genfer Flüchtlingskonvention außer Kraft
vom Komitee für Grundrechte und Demokratie

Nachstehend reproduzieren wir, leicht gekürzt, einen Kommentar des Komitees für Grundrechte und Demokratie in Köln.

937 jüdische Flüchtende versuchten 1939 vergeblich, auf dem Passagierschiff St.Louis vor dem NS-Regime zu fliehen, durften aber weder in Kuba, noch den USA oder Kanada anlanden. Auf Anweisung der Reederei musste das Schiff nach Europa zurück, viele Passagiere fielen den Nazis zum Opfer, nur 250 von ihnen überlebten.

Gewerkschaften 1. September 2023

Wenn schon Frieden, dann sozialer Frieden!

Die deutschen Gewerkschaften und der Ukrainekrieg
von Malte Meyer

Eine Personalie vorweg: Seit dem 1.Mai 2022 ist Oliver Burkhard, der ehemalige Leiter des IG-Metall-Bezirks Nordrhein-Westfalen, Vorstandsvorsitzender des Rüstungskonzerns ThyssenKrupp Marine Systems (TKMS). »Ich hab damals meinen Job für die Mitglieder der IG Metall gemacht, ohne die Unternehmen zu vergessen. Mittlerweile mache ich den Job für ein Unternehmen, aber ohne die Mitarbeitenden zu vergessen«, gab Burkhard, dessen Jahresgehalt schon als Arbeitsdirektor bei Thyssen bei rund 3 Millionen Euro gelegen hatte, im September letzten Jahres gegenüber Zeit online zu Protokoll.

Militarisierung/Rüstung 1. September 2023

Rüstung oder Soziales?

Hundert Milliarden reichen nicht
von Angela Klein

Unsere Freiheit wird jetzt am Dnjepr verteidigt, wird uns gesagt. Dafür sollen wir Opfer bringen – d.h. alle sozialpolitischen Vorhaben der Ampelkoalition werden kassiert, Investitionen in den Klimaschutz, die vorwiegend kosten, stark gekürzt. Es ist nicht erinnerlich, dass diese Alternative in Deutschland in den letzten 60 Jahren so hart gegeneinander gestanden hätte wie derzeit.

Globalisierung/Krieg 1. September 2023

Schocktherapie ohne Ende?

Die Ukraine muss sich der Schuldenknute widersetzen
von Justin Turpel

Seit dem Angriffskrieg Russlands auf die Ukraine kämpft die ukrainische Bevölkerung an zwei Fronten. (1) Im Widerstand gegen den russischen Imperialismus ist die Bevölkerung weitgehend geeint; auch Linke, Gewerkschaften und feministische Bewegung spielen im Widerstand eine wesentliche Rolle, wissen sie doch, dass unter russischer Besatzung elementare bürgerliche Freiheiten außer Kraft und das Überleben linker und emanzipatorischer Organisationen und Bewegungen nicht möglich sein werden.

Globalisierung/Krieg 1. September 2023

Für und gegen den Krieg

In Russland ist die Linke in der Kriegsfrage weitgehend gespalten
von Ewgeniy Kasakow

Leonid Raswosschajew hält sich mit seiner Meinung nicht zurück. Der ehemalige politische Gefangene, der viereinhalb Jahre für seine Teilnahme an den Protesten gegen die Wahlmanipulation 2011–2012 im Gefängnis verbrachte, wirbt unermüdlich für die Unterstützung der »Spezialoperation«. Raswosschajew, Mitglied der Linken Front (LF), beruft sich dabei auf Marx und Lenin, Russland führe einen antiimperialistischen und antikolonialen Krieg.

Globalisierung/Krieg 1. September 2023

Sie schwächen Putins Armee

Russians against war fordern die Unterstützung russischer Deserteure
von Andrej Losin (Russians against war/Wien und Links/Wien)

In Österreich, Deutschland und anderen Ländern Westeuropas leben wir in einer Idylle. Blicken wir aber nach Osten und Süden, sehen wir auf dem Balkan, wie der Krieg dort weiter schwelt, und die Ukraine geht in Rauch in Trümmern auf, wo sie noch vor kurzem eine bessere wirtschaftliche Entwicklung erhofft hat. Und blicken wir Richtung Norden und Westen, sehen wir, wie unzählige Waffen von allerlei Produktion, Herkunft und Qualität allesamt Richtung Ukraine eilen. Es sind die Hilfslieferungen des Westens.

Globalisierung/Krieg 1. September 2023

Free Boris!

Verhaftungen russischer Kriegsgegner
dokumentiert

Boris Kagarlitzki, vielleicht der bekannteste marxistische Denker im postsowjetischen Raum, wurde am 25.Juli wegen seiner Antikriegshaltung verhaftet. Er hatte im Oktober 2022 in einem Beitrag in den sozialen Medien erklärt, der Angriff auf die russische Krim-Brücke, für den die Ukraine verantwortlich gemacht wurde, sei »aus militärischer Sicht verständlich«. Sein Fall ist einer von Hunderten von polizeilichen Ermittlungen gegen russische Kriegsgegner. Seine Verhaftung hat eine hitzige Debatte darüber ausgelöst, ob Kagarlitzki angesichts früherer Äußerungen Solidarität verdient hat.

Militarisierung/Rüstung 1. September 2023

400 Kampfpanzer = 4000 Einwohner

Das Militär ist ein Tabuthema für den weltweiten Klimaschutz
von Elvi Claßen

Die im militärischen Zusammenhang erzeugten CO2-Emissionen (operativer Bereich, Rüstungsproduktion und Krieg) gelten weltweit als Tabuthema. Die Staaten der Welt geben aktuell nicht nur sechsmal so viel für ihr Militär aus wie für Klimaschutzmaßnahmen; der gesamte militärische CO2-Fußabdruck macht auch etwa 5,5 Prozent der globalen Emissionen aus. Wäre das Militär ein Land, wäre es der viertgrößte Emittent weltweit, nach China (33 Prozent), den USA (13 Prozent), Indien (7 Prozent) und vor Russland (5 Prozent); Deutschlands Anteil beträgt 1,8 Prozent.

Nordafrika/Nahost 1. September 2023

Die israelische Protestbewegung

Notwendige Korrekturen an einem falschen Bild
von Shir Hever

Für die deutschen Mainstreammedien und -politiker ist die Protestbewegung ein Abbild der Stereotypen über Israel: säkulare, aschkenasische (Jüdinnen und Juden europäischer Abstammung) Vertreter:innen des Hightech-Sektors und der militärischen Elite. Diejenigen, die dem Klischee »Israel ist die einzige Demokratie im Nahen Osten« Glauben schenken, stellen sich vor, dass Israel ein Land ist, in dem solche Menschen die Mehrheit bilden.

Globalisierung/Krieg 1. September 2023

Niger

Fingerhakeln um Bodenschätze – Die west- und zentralafrikanischen Eliten demonstrieren Unabhängigkeit
von Bernard Schmid

In der ersten Augusthälfte dieses Jahres sah es so aus, als würden die Nachbarstaaten des Niger, von Frankreich gedrängt, in die west- bzw. mittelafrikanische Republik militärisch eingreifen. Dort war es am 26.Juli dieses Jahres zu einem Militärputsch gekommen, bei dem der als pro-französisch geltende, im Februar 2021 demokratisch gewählte Staatspräsident Mohamed Bazoum von der Armee abgesetzt wurde.

Buch 1. September 2023

Ukraine, Krieg, linke Positionen

Das neue Heft von Widerspruch zum Ukrainekrieg
von Angela Klein

Widerspruch 80. Beiträge zu sozialistischer Politik. »Ukraine, Krieg, ­linke Positionen«. Heft 1/2023, ­Zürich. 18 Euro

Auch diese deutschsprachige Theoriezeitschrift versucht einen differenzierten Zugang zum Krieg in der Ukraine. Anders als die in den vorherigen SoZ-Ausgaben besprochenen Zeitschriften Z – Zeitschrift marxistische Erneuerung und Das Argument begibt sich Widerspruch jedoch in die politische Kontroverse.

Buch 1. September 2023

Wessen Wahnsinn ist der Wahnsinn?

Über die Hintergründe des Ukrainekriegs und seine Folgen
von Albrecht Kieser

Kriegsfolgen. Wie der Kampf um die Ukraine die Welt verändert. Hrsg. von Hannes Hofbauer und ­Stefan Kraft. Wien: Promedia, 2023. 255 S., 23 Euro

Wer künftig über den Ukrainekrieg und seine Folgen mitreden will, muss dieses Buch gelesen haben. Es ist eine Pflichtlektüre zumindest für Menschen, die sich aus der kurzatmigen Betrachtungsweise lösen wollen, von der aus diese Schlächterei gemeinhin beurteilt wird.

Nur Online 8. August 2023

Lula, der Gratwanderer

Das erste halbe Jahr der neuen Regierung unter Luís Inácio Lula da Silva neigt sich dem Ende zu. Vielfältige Herausforderungen stehen an.

von Sven Peterke

Während langsam aber sicher der Vorhang für Ex-Präsident Jair Messias Bolsonaro fällt – angesichts der fortgeschrittenen Ermittlungen in diversen Strafverfahren womöglich sogar bald der vergitterte –, versucht die neue Regierung unter Luíz Inácio „Lula“ da Silva ihre progressive Agenda umzusetzen. Hierzu muss der 77jährige fast täglich eine schwierige Gratwanderung zwischen den verschiedenen Interessen und Lagern innerhalb und außerhalb seiner Koalition vollziehen. Bislang scheint ihm diese hochkomplizierte Aufgabe trotz einiger Fehltritte und Widerstände zu gelingen.

Flucht/Migration 1. Juli 2023

Refugees welcome!

Gegen die Abschaffung des Rechts auf Asyl
Rede von Kerem Schamberger

Am 9.Juni fand in München eine Spontandemonstration gegen die Abschaffung des individuellen Rechts auf Asyl statt. Am Tag vorher hatten sich die EU-Innenminister auf einen schmutzigen Deal zur Perfektionierung der Abschottung Europas verständigt. Geflüchteten, die es nach Europa schaffen, wird ein rechtsstaatliches Asylverfahren verweigert, um sie dann schnellstmöglich wieder loszuwerden. Beschlossen wurden haftähnliche Asylzentren an den Außengrenzen der EU, Schnellverfahren und rigorose Abschiebungen der Geflüchteten, denen das Recht auf Asyl verweigert wird.

Klima 1. Juli 2023

Fischsterben

Die Oder hat sich nicht erholt
dokumentiert

Schon wieder sterben Fische in der Oder. Am 10.Juni holten Mitarbeiter der polnischen Wasserbehörde Body Polskie 450 Kilogramm Totfisch aus dem Gleiwitzer Kanal; schon am 20. und am 30.April waren tote Fische unterhalb der Mündung des Kanals in die Oder gemeldet worden.
Im vergangenen Sommer sind 50 Prozent der Fische, 85 Prozent der geschützten Arten und etwa 90 Prozent der Weichtiere in dem vergifteten Fluss gestorben.

Amerika 1. Juli 2023

Steinkohleabbau in Kolumbien

Das Volk der Yupka kämpft um sein Überleben
von der Redaktion

Eine Delegation des Volkes der Yupka aus Kolumbien kam am Ende einer mehrwöchigen Europatour durch fünf verschiedene Länder auf die Ökosozialistische Konferenz um zu berichten, was der Steinkohleabbau im Norden Kolumbiens an ihrem Land und ihrem Volk anrichtet. Sie werben dafür, dass wir den Konzernen, die in ihrem Land Steinkohle abbauen, und denen, die sie hierzulande kaufen, Dampf machen, dass die Rechte der indigenen Bevölkerung endlich anerkannt werden.

Europa 1. Juli 2023

Frankreich

Identitätskampf von Rechts
von Bernard Schmid

Auch in Frankreich ist Identitätspolitik zum politischen Kampfbegriff geworden. Rechte und konservative Kreise bemühen hier das mittlerweile berühmt-berüchtigte Doppelwort vom islamo-gauchisme, einer Konstruktion aus den beiden Adjektiven islamique und gauchiste. Letzteres, abgeleitet von gauche (links), steht traditionell – und in meist abwertendem Sinne, auch wenn manche Personen es in der Vergangenheit trotzig als Selbstbeschreibung benutzten – für einen Linksradikalismus oder Linksaktivismus.

Patriarchat 1. Juli 2023

USA

Die Rechte attackiert geschlechtliche und sexuelle Selbstbestimmung
von Ezra Roth

In den USA eskaliert der Kulturkampf von rechts. Trans Menschen und andere queere und marginalisierte Personen werden für politische Zwecke instrumentalisiert. Politiker:innen, besonders aus der Republikanischen Partei, nutzen trans Menschen als Schachfiguren, denn mit »antiwoken Narrativen« lassen sich Stimmen von Wähler:innen gewinnen – und das Feindbild lenkt ab von wichtigen Debatten wie der Klimakrise oder der sozialen Gerechtigkeit.

Trans Frauen sind Frauen … außer es ist Krieg

Der Entwurf zum neuen Selbstbestimmungsgesetz enttäuscht auf ganzer Linie
von Liv Kühnel

Das Transsexuellengesetz (TSG) ist bald Geschichte. Bisher müssen trans und nichtbinäre Personen für eine Änderung des Geschlechtseintrags noch zwei teure und diskriminierende Gutachten über sich ergehen lassen. Dieser Prozess soll mit dem neuen Selbstbestimmungsgesetz vereinfacht werden.

Startseite 1. Juli 2023

Geier über der Ukraine

Die ukrainische Bevölkerung kämpft an zwei Fronten
von Justin Turpel

Der Krieg hat die Wirtschaft der Ukraine in eine tiefe Rezession gestürzt; innerhalb eines Jahres ist das Bruttoinlandsprodukt (BIP) um rund 30 Prozent gesunken. Ein Drittel der Bevölkerung ist auf der Flucht. Die monatlichen Ausgaben des Staates kann die Regierung nur durch neue Schulden finanzieren.

Patriarchat 1. Juli 2023

Schweiz

Das war der feministische Streik 2023
von BFS Zürich

Am 14.Juni 2023 haben in der Schweiz nach 1991 und 2019 erneut hunderttausende FINTA am feministischen Streik teilgenommen. Alleine in Zürich nahmen am Abend über 120000 an der Streikdemo teil. Die feministische Bewegung in der Schweiz meldete sich nach den Pandemiejahren eindrücklich zurück. Anbei ein Bericht aus Zürich.

Kriegswirtschaft, Wirtschaftskrieg und Rekordgewinne

Reichtum und Luxus boomen. Armut weitet sich aus. Klimaschutz ist kein Thema
von Winfried Wolf

Die Zeit verdichtet sich. Die Ereignisse überschlagen sich. Der Weg in die Selbstzerstörung beschleunigt sich.

Es wird gesagt, der Krieg sei der Vater aller Dinge. Tatsächlich trug der Ukrainekrieg wesentlich zu einer Lage bei, die vor zwei Jahren niemand für möglich hielt: Es gibt einen Umbau zur Kriegswirtschaft. Es existiert ein Wirtschaftskrieg. Es gibt einen Boom bei den Öl- und Rohstoffkonzernen und in der Luxusbranche.

Buch 1. Juli 2023

Ein Krieg gegen die menschliche Zivilisation

Die Umstände des Ukrainekriegs verbieten historische Analogien
von Angela Klein

Ukraine-Krieg – Weltordnungskrieg. Fronten, Folgen, Formen – Eine Zwischenbilanz. Das Argument 340. Hamburg: Argument, 2023. 320 S., 30 Euro

Zur Person 1. Juli 2023

Für Carlo

Die bleibenden Tage von Genua
von Benjamin Lapp

Wir tanzen hinein in bewegte Zeiten
Während die Morgensonne einer neuen Zeit
sich Bahn bricht,
auf all die farbenfrohen jungen Gesichter
die die Welt zum bessern tragen wollen
strömen unsere vielstimmigen Gesänge
zu den Bollwerken der Angst
hinter denen sich unsere Repräsentanten
verschanzen.

Film 1. Juli 2023

El Pampero Cine

Mit Alexandra Kollontai durch Argentinien
von Gaston Kirsche

Trenque Lauquen, Argentinien/Deutschland 2022, Teil 1: 128 Min./ Teil 2: 132 Min. Regie: Laura Citarella, Drehbuch: Laura Citarella, Laura Paredes, OmU. Kinostart: 1.Juni

El Pampero Cine ist das bekannteste Filmkollektiv des neuen argentinischen Kinos und in Europa ein Festivalliebling.

Allgemein 26. Juni 2023

AUS DER „FRIEDENSBEWEGUNG“ EINE GEWERKSCHAFTLICHE ANTI-KRIEGSBEWEGUNG MACHEN

Antikriegskonferenz der IG Metall und Rosa-Luxemburg-Stiftung in Hanau
von Thies Gleiss
Am 23. und 24. Juni organisierten die IG Metall Hanau und die Rosa-Luxemburg-Stiftung eine gemeinsame Konferenz zu den Aufgaben der „Friedensbewegung“ und die Perspektiven des Widerstandes gegen Krieg und Aufrüstung weltweit.

Nur Online 26. Juni 2023

Weder Tränen noch Trinksprüche auf den Tod des Kaimans

von Marco Parodi und Checchino Antonini
Abgesehen von seinen gerichtlichen und familiären Affären war Berlusconi ein klassenloyaler Vertreter des Neoliberalismus, der deshalb mit großem Getöse gefeiert wird. Für uns bleibt er der Anstifter zur Ermordung von Carlo Giuliani und zur schwerwiegendsten Suspendierung der Menschenrechte im Westen seit dem Zweiten Weltkrieg. Er war Komplize und Partner der schlimmsten Diktatoren und der Architekt eines beispiellosen sozialen Gemetzels.

Nur Online 8. Juni 2023

Der Angriff der Ukraine auf NordStream 2

Das berichtet die Washington Post:

Liebe Leserinnen, liebe Leser,

die US-Tageszeitung Washington Post hat am 6.Juni einen ausführlichen Bericht gebracht, wonach die Sprengung von Nord Stream 2 auf das Konto der Militärführung in der Ukraine geht. Auf Grund der Brisanz dieser Veröffentlichung dokumentieren wir diese hier in deutscher Übersetzung.

Übersetzt mit DeepL

Allgemein 8. Juni 2023

Sprengung von NordStream 2

Ein Akt ukrainischer Kriegführung
von Angela Klein

Drohnen auf den Kreml – mehrfache Drohnenangriffe auf Moskau im vergangenen Mai – Exilrussen, angestellt und bezahlt vom ukrainischen militärischen Geheimdienst und ausgerüstet mit NATO-Waffen aus Tschechien und Belgien und minenfesten Fahrzeugen aus Polen und den USA überqueren die russische Grenze und nehmen Dörfer in der Region Belgorod ein – Angriffe auf die Krim … Die ukrainische Führung tut, was sie kann, um den Krieg auf fremdes Territorium auszuweiten.

Europa 8. Juni 2023

Veränderungen = Verschärfungen = Verschlechterungen

Flüchtlinge sollen künftig schon an den EU-Außengrenzen abgefertigt werden

von Angela Huemer

Haftlager an den Außengrenzen, sog. sichere Drittstaaten und Schnellverfahren ohne Prüfung der Fluchtgründe – diese Verschärfungen stehen bevor, sofern sich der EU-Gipfel am 8.Juni darin einig wird. Neu ist daran, dass die deutsche Innenministerin Nancy Faeser Verständnis gegenüber den um einiges härteren Haltungen von Ländern wie Ungarn oder Italien zeigt. Man will sich nun für Asylverfahren an den Außengrenzen Europas einsetzen.

Arbeitswelt 1. Juni 2023

10 Jahre Rana Plaza

Gefragt ist handeln, nicht Lippenbekenntnisse
von Femnet/Gerhard Klas

Die Fashion Revolution Week oder #RememberingRanaPlaza, wie die Betroffenen in Bangladesh das Erinnern an den Einsturz des Fabrikgebäudes am 24.April 2013 nennen, zeigt auch zehn Jahre nach dem Unglück, dass trotz vieler Fortschritte von einer Revolution in der Textilbranche nicht die Rede sein kann. Damals starben 1138 Menschen, während sie für internationale Marken nähten. Derzeit stehen vor allem Slogans und Gedenkaktionen hoch im Kurs.

Klima 1. Juni 2023

Frankreich: Der Kampf ums Wasser

Nicht allein die Dürre macht Trinkwasser knapp
von Christine Poupin

Massive und entschlossene Mobilisierungen gegen Megabecken, Frühjahrsbrände, Dürrewarnungen, Wasservergiftung… Die Nachrichten erinnern auf grausame Weise daran, wie lebensnotwendig Wasser ist und wie sehr der Zugang zu Wasser für alle sowohl durch das Klimachaos als auch durch die kapitalistische Aneignung ernsthaft bedroht ist.

Klima 1. Juni 2023

Knappheit in einer Welt des Überflusses

Wasserkrisen in Indonesien und ihre Ursachen
von Prathiwi Putri

Indonesien liegt auf dem Platz sieben der Länder mit den meisten erneuerbaren Süßwasserressourcen, wenn man die Europäische Union als Staatenbund mit einem Rang knapp über Indonesien ausklammert (an der Spitze liegt Brasilien, gefolgt von Russland, den USA, Kanada, China und Kolumbien). Indonesiens durchschnittliche monatliche Niederschlagsmenge pro Quadratmeter beträgt das ganze Jahr über 180 bis 280 mm; in Deutschland sind es 35 bis 100 mm. Wohin fließt das Wasser auf dem Archipel, wer zapft das Regenwasser an und profitiert davon?

Europa 1. Juni 2023

Wahlen in der Türkei: Eine Rechtsverschiebung

Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Türkei am 14.Mai hat vor allem die extreme Rechte zugelegt
von Masis Kürkcügil

Die Türkei wird seit Jahren von zwei Bündnissystemen beherrscht, dem »Volksbündnis« aus den rechtskonservativen bzw. radikal-islamistischen Parteien AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) und MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung) und dem hauptsächlich von der sozialdemokratischen CHP (Republikanische Volkspartei) geführten und von kleinen Parteien unterstützten »Bündnis der Nation«.

Asien/Australien 1. Juni 2023

Angst besiegt Hoffnung

Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Türkei hat sich das Lagerdenken verfestigt
von Ayse Tekin

Die Parlamentswahlen in der Türkei sind vorbei. Die Wahl des Präsidenten wird in der zweiten Runde entschieden. Der Kandidat des Regierungsbündnisses, Erdogan, hat einen für ihn angenehmen Vorsprung; der Kandidat der Opposition, Kilicdaroglu, zeigt sich kämpferisch, hat aber noch keinen Plan, wie er die fehlenden Prozentpunkte holen will.

Gewaltloser Protest funktioniert nicht

Über die Schwierigkeiten, in Russland Öffentlichkeitsarbeit zu machen
Gespräch mit Marija Menschikowa

Marija Menschikowa ist Russin, wohnt in Deutschland seit Oktober 2020 und promoviert an der Ruhr-Universität Bochum. Sie ist seit Anfang 2019 Mitglied der Russischen Sozialistischen Bewegung (RSD). Sie betreut das Online-Nachrichtenportal Doxa. https://doxa.team/

Europa 1. Juni 2023

Österreich: Das politische System ist ins Rutschen gekommen

Bei den Landtagswahlen in Salzburg hat die KPÖ einen spektakulären Wahlsieg eingefahren
von Nikolaus Dimmel*

Bei den Landtagswahlen in Salzburg am 23.April erzielte die KPÖ, die bislang Wahlergebnisse um die 0,4 Prozent einfuhr, einen spektakulären Wahlsieg: 11,7 Prozent in Salzburg Land, 21,5 Prozent in der Stadt Salzburg. Solche Werte erzielt die KPÖ sonst nur noch in Graz. Den Wahlerfolg verdankt die KPÖ ihrem Spitzenkandidaten Kay-Michael Dankl, einem jungen Mann, der von der Grünen Jugend kommt. Das Wahlergebnis zeigt, dass das repräsentative politische System ins Rutschen gekommen ist. Der nachstehende Artikel ist die Zusammenfassung eines Beitrags, den Nikolaus Dimmel auf www.streifzuege.org geschrieben hat.

Sudan: Deutschland mischt mit im Krieg der Generäle

Die deutsche Regierung unterstützt das sudanesische Regime seit der Unabhängigkeit
von Nora Schmid

Militärflugzeuge fliegen über Khartum. Panzer und Artillerie erschüttern die Straßen. Seit Mitte April tobt ein Machtkampf zwischen den regulären sudanesischen Streitkräften und den paramilitärischen Rapid Support Forces (RSF). Die Kämpfe haben mittlerweile weite Teile des Landes erfasst, darunter das westliche Darfur, Kordofan im Süden und Merowe im Norden. Der deutsche Bundestag hat jüngst einem Bundeswehreinsatz zur Evakuierung deutscher Staatsangehöriger nachträglich zugestimmt. Sichere Migrationsrouten für Sudanes:innen werden verwehrt. Dabei stärkt Deutschland auch die dortigen Militärs, die nun gegeneinander kämpfen.

Genozid an den Armeniern

Immer dieser unnötige Mahnmalärger
von Albrecht Kieser

Als erste Stadt in Deutschland hat Köln seit dem 24.April 2023 ein offiziell aufgestelltes Mahnmal, das an die Opfer des Genozids an den Armeniern und an die deutsche Mitverantwortung unter Kaiser Wilhelm Zwo erinnert.

Europa 1. Juni 2023

Die bürgerliche Demokratie ist ein Fake

›Nichts wird sie aufhalten, deshalb müssen sie gestoppt werden‹ – über das Regime von Emanuel Macron
von Joseph Andras

Nach der Verabschiedung der Rentenreform erinnert der Schriftsteller Joseph Andras an die Gewalt einer Macht, die »ihren ›demokratischen Weg‹ gegen die Demokratie« verfolgt. »Die Weisheit, das ist die Revolution.«

Nur Online 24. Mai 2023

Nakhba ohne Ende

Unter palästinensischen Kindern und Jugendlichen ist die Zahl der Gewaltopfer besonders hoch

Unabhängige Menschenrechtsorganisationen wie die israelische B`Tselem fuehren in ihren Statistiken (differenziert nach Anzahl, Alter, Geschlecht, Tatort) insgesamt 10.219 hauptsächlich von den israelischen Repressionskräften, aber auch von rechtsradikalen Zivilisten ab 1967 getötete Palästinenser auf (update vom 31.12.22). Davon wurden rund 7.500 im Gazastreifen, rund 2.500 im Westjordanland und 122 in Israel selbst getötet. In diesen Zahlen enthalten sind sowohl die Opfer von militärischen Grossangriffen, der Niederschlagung von Aufstandsbewegungen (Intifadas) und grossen Protesten wie im Jahr 2019 am Gaza-Grenzstreifen (Scharfschuetzen töteten 214 Palästinenser, darunter 46 Kinder sowie Krankenpfleger, Journalisten, Rollstuhlfahrer und verstuemmelten zahlreiche weitere), aber auch der alltäglichen Unterdrueckung der Palästinenser. Allein im vergangenen Jahr wurden mindestens 231 PalästinenserInnen getötet oder verstarben in Gefängnissen. 2022 war das seit 2005 tödlichste Jahr fuer die Palästinenser im besetzten Westjordanland und in Ost-Jerusalem mit Schwerpunkten in den Regionen Nablus und Jenin, wo sich der Widerstand wieder entwickelt hat, den die Besatzungsmacht mit allen Mittel zu unterdruecken sucht. Man könnte sagen, die 1948 begonnene Nakba (der Generalangriff auf die Palästinenser) setzt sich bis heute fort. Eine komplette Liste der Getöteten im Jahr 2022, Angaben zu ihrer Person und weiteren wichtigen Einzelheiten wurden juengst u.a. von der US-Internetzeitung Mondoweiss veröffentlicht. Doch auch zum Jahresanfang setzte sich die harte Unterdrueckung fort. 9 Palästinensern wurden getötet, darunter 4 Zivilisten und zwei Kinder. Allein am 12.1. tötete die Besatzungsarmee zwei Palästinenser und verwundete drei weitere, darunter ein Kind (*)

Nur Online 23. Mai 2023

Brasiliens Regierung will Haushaltserstellung demokratisieren

Interview mit Raul Pont, ehemaliger Bürgermeister von Porto Alegre

Die dritte Regierung Lula ist mit dem Versprechen angetreten, wesentliche Punkte der Haushaltspolitik des Bundes erstmals mit der Bevölkerung abzustimmen. Lula: „Wir wollen, dass die Bevölkerung mit ihrem Daumen die Haushaltspolitik markiert“. Das Brasil Participativo genannte Programm wird vom Ministerium für Haushalt und Planung sowie vom Präsidialsekretariat koordiniert. Mit dabei: der im April erstmals einberufene Rat für gesellschaftliche Beteiligung (derzeit mit 68 NGOs, Vereinigungen, Gewerkschaften usw.). Zwischen Mai und August finden in allen 26 Bundesstaaten sowie im Bundesdistrikt Bürgerversammlungen statt (die erste war am 11.5. in Salvador da Bahia), wo kollektive oder individuelle Vorschläge und Forderungen für einen Vierjahresplan eingebracht werden können. Ausserdem steht eine landesweite Internetplattform zur Verfügung. Der Prozess ist auch deshalb von grosser Bedeutung, da die PT mit ihren linken Bündnispartnern im Kongress keine eigene Mehrheit hat und auf bürgerliche Bündnispartner angewiesen ist.

Europa 1. Mai 2023

Europa

Es herrscht Klassenkampf
von Violetta Bock

Mai 2023. Vor unseren Augen gärt es in der Welt. Erschüttert hat uns der Angriff Russlands auf die Ukraine. Stimmen für Verhandlungen werden lauter. Ein Ende der Eskalation zeichnet sich nicht ab.

Klima 1. Mai 2023

Grundwasser für Massentierhaltung

In Sainte-Soline geht die französische Polizei geht mit Brachialgewalt gegen Umweltschützer:innen vor
von Bernard Schmid

»Ökoterrorismus« lautete in Frankreich in den letzten Oktober- und ersten Novembertagen das Reizwort der Woche. Es bezog sich auf Vorfälle bei einer Demonstration am dritten Oktoberwochenende in Sainte-Soline, zu der 6000–8000 Menschen kamen. Dort wurden laut Angaben der Regierung um die sechzig Gendameriebeamte verletzt, umgekehrt sprachen Protestbeteiligte von sechzig verletzten Demonstrant:innen.

Rand Rolf Euler 1. Mai 2023

Ostermarsch

An den Rand notiert
von Rolf Euler

In diesem Jahr nahmen an den Ostermärschen im Ruhrgebiet mehrere hundert Menschen teil. Nach mehreren Auftaktkundgebungen im Rheinland gab es eine Fahrradstaffette von Essen über Gelsenkirchen und Herne nach Bochum am Ostersonntag. Am Montag ging es dann zu Fuß von Dortmund-Dorstfeld in die Innenstadt. Unter dem Hauptmotto »Waffenstillstand statt Waffenlieferungen! Aufrüstung stoppen! Für Frieden und Klimaschutz!« starteten die Teilnehmenden durch die Städte.

Arbeitskämpfe 1. Mai 2023

Frankreich: Macron bleibt auf Konfrontation gebürstet

Der Spruch des Verfassungsrats hat eher Öl ins Feuer gegossen
von Bernard Schmid

Er hatte sich das so schön vorgestellt. Am Abend des 17.April sprach Staatspräsident Emmanuel Macron im französischen Fernsehen, er wollte einen Schlusspunkt unter den Streit um die Rentenreform setzen. Doch es kam anders.

Asien/Australien 1. Mai 2023

Wahlen in der Türkei – Beginnt eine neue Ära?

Träume von einem anatolischen Frühling
von Murat Çakir

Als 1923 die türkische Republik ausgerufen wurde, stand diese vor massiven Problemen innen- wie außenpolitischer Natur. Der werdende Nationalstaat wurde mit Gewalt durchgesetzt; kurdische Aufstände wurden blutig niedergeschlagen, christliche Minderheiten, insbesondere die anatolischen Griechen, aus dem Land verdrängt.

Zwischen sozialen Angriffen und russischen Granaten

Ukrainische Bergleute berichten über ihre Lage
von Jochen Gester

Im Rahmen einer Europa-Rundreise von Vertreter:innen der ukrainischen Bergarbeitergewerkschaft gab es auch einen Gesprächstermin in Berlin, zu dem die Rosa-Luxemburg-Stiftung eingeladen hatte. Die Gäste informierten u.a. darüber, dass in Deutschland ein Treffen mit Christina John von der Grundsatzabteilung der IG Metall stattgefunden hatte und in Frankreich SUD Solidaires wichtigster Organisator und Gastgeber war.

Gewerkschaften 1. Mai 2023

Iran: Jin, Jiyan, Azadî – Frau, Leben, Freiheit

Die Charta der Mindestforderungen der unabhängigen, gewerkschaftlichen und ­zivilgesellschaftlichen Organisationen im Irandokumentiert

Alle unterzeichneten Organisationen dieser Charta kämpfen im Iran seit vielen Jahren für die Rechte der Lohnabhängigen, für die Menschen- und Bürgerrechte, für die Gleichberechtigung der Frauen und gegen jegliche Form der Unterdrückung.Vermutlich zum ersten Mal seit der iranischen Revolution 1979 wagen sich unabhängige gewerkschaftliche Organisationen über ihre unmittelbaren ökonomischen und betriebsbedingten Forderungen hinaus und stellen zusammen mit zivilgesellschaftlichen Organisationen politische Forderungen auf.Die Unterzeichneten grenzen sich von der rechten Opposition und restaurativ-monarchistischen Kräften ab, die unter konstitutionalistisch-liberalen Parolen und mit säkularer Rhetorik die alte Pahlavi-Dynastie (das Schah-Regime) wieder herstellen wollen. Drittens erteilt die Charta autoritären Politikformen von oben wie auch stellvertretenden Politikformen durch Parteien eine Absage. Sie plädiert stattdessen für eine selbstbestimmte, diverse und dezentrale Politik von unten und vertritt somit eine basisdemokratische Perspektive.

Flucht/Migration 1. Mai 2023

Krieg und Exil brütet Krieg und Exil

Das Wirken exilkroatischer Gruppen in Deutschland
von Peter Nowak

Matthias Thaden: Migration und Innere Sicherheit. Kroatische Exilgruppen in der ­Bundesrepublik Deutschland 1945–1980. Berlin: De Gruyter, 2022

Sie warfen die Sprengkörper in die jugoslawische Handelsmission. Dann übergossen sie Möbel, Teppiche und Akten mit Benzin, sodass binnen weniger Minuten alles in Flammen stand. Der Hausmeister der Handelsmission wurde im Beisein seines 12jährigen Sohnes durch einen Lungenschuss getötet.

telegraph

Nr.141/142, 2022/2023, 10 Euro
von ak

Die neue Ausgabe des telegraph überrascht durch ihre eindeutige geopolitische Positionierung. Die Ostberliner Zeitschrift ist aus den Umweltblättern hervorgegangen, die eine wichtige oppositionelle Stimme in der DDR war.

Mitmischen, massiv und mit eigenen Positionen

Stellungnahme des Bundessprecher:innenrates der Antikapitalistischen Linken (AKL) in der LINKEN zum »Manifest für den Frieden«
dokumentiert

Mehr als eine halbe Million Menschen* haben via Internet-Unterschrift das »Manifest für den Frieden« unterschrieben, das von Alice Schwarzer initiiert und dann von Sahra Wagenknecht für eine gemeinsame Initiative aufgegriffen wurde.

Afrika 1. April 2023

Kenia

Klimapolitik gegen die Armen
Ein Gespräch mit David Otieno*

Die 2016 gegründete KPL ist eine Bewegung kenianischer Landwirte und Verbraucher, die sich für eine nachhaltige Agrarökologie und Ernährungssouveränität einsetzt. Sie ist Teil der internationalen Bewegung La Via Campesina. Abdruck des Interviews mit freundlicher Genehmigung aus dem Rundbrief 3/22 von medico international.

Arbeitskämpfe 1. April 2023

Streik

In Frankreich hui, in Deutschland pfui
von Gerhard Klas

Während die Streiks in Frankreich gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters von einer deutlichen Mehrheit der dortigen Bevölkerung begrüßt werden, will die Mehrheit der Deutschen, dass das Streikrecht angesichts der aktuellen Tarifauseinandersetzungen eingeschränkt wird.

Gewerkschaften 1. April 2023

Leserbrief: Politisches Fiasko

Betr.: SoZ 1/2023, S.4 (Gewerkschaftliche Solidarität – humanitäre Hilfe für ukrainische Gewerkschaften)
von Renate Hürtgen

Liebe SoZ-Redaktion,
ich habe unmittelbar, nachdem ihr diesen Aufruf gestartet hattet, eine Spende in euern Spendentopf gegeben, weil ich diese Unterstützung sehr wichtig finde. Eure Erklärung konnte ich jedoch nicht unterschreiben, denn sie ist aus meiner Sicht ein politisches Fiasko.

Arbeitswelt 1. April 2023

›Souveränität ist, wenn die arbeitenden Menschen an der Macht vertreten sind‹

Der Vorsitzende von Sozialnyj Ruch, stellt seine Organisation vor
Gespräch mit Witalyj Dudin

Sozialnyj Ruch ist eine linke Basisorganisation in der Ukraine, die 2015 als Zusammenschluss von demokratischen, libertären und revolutionären sozialistischen Strömungen entstanden ist. Ihre Bandbreite reicht von Sozialdemokraten bis Anarchisten.

Arbeitskämpfe 1. April 2023

GKN Florenz

Fabrikbesetzung für das Klima
von Paul Michel

Das Collettivo di Fabbrica GKN kämpft gegen die Schließung einer Zulieferfabrik der Automobilindustrie nahe Florenz. Das Kollektiv fordert einen radikalen ökologischen Umbau der Produktion. Aus dem Abwehrkampf einer einzelnen Belegschaft ist ein breites Bündnis aus Beschäftigten, Klimaaktivistinnen und Wissenschaftlern geworden.

Asien/Australien 1. April 2023

›Schnittknoblauch‹

Die neue Jugend gegen den kaiserlichen Drachen
von Au Loong-Yu

Bevor Chen Duxiu 1921 die Kommunistische Partei Chinas gründete, rief er 1916 die Zeitschrift Neue Jugend ins Leben, die eine neue Generation von Chinesen in der Idee des Strebens nach persönlicher Freiheit, Demokratie und Sozialismus erziehen sollte. Drei Jahre später lehnte sich die neue Jugend in der großen Bewegung vom 4.Mai sowohl gegen die imperialistische Aggression als auch gegen die feige Pekinger Regierung auf. Chen Duxiu führte seine Partei 1925 zu einer Revolution, doch zwei Jahre später erlitt er eine tragische Niederlage und wurde bald darauf von Stalin degradiert.

Handel/Banken 1. April 2023

Angekommen in der kapitalistischen Krise

Die staatskapitalistische Volksrepublik wird die USA nicht als Hegemonialmacht beerben können
von Tomasz Konicz

Die 2013 ins Leben gerufene »Neue Seidenstraße«, ein ehrgeiziges Investitionsprogramm Pekings in Entwicklungs- und Schwellenländern, sollte eine Ära chinesischer Hegemonie einleiten. Mehr als eine Billion US-Dollar veranschlagte Peking für dieses strategische Entwicklungsprogramm.

Ohne China kein Ende des Krieges in der Ukraine

Washington verschärft die Spannungen mit Peking
von Gilbert Achcar

In seinem 1997 erschienenen Buch The Grand Chessboard (Das große Schachbrett) definierte Zbigniew Brzezinski »die drei großen Imperative der imperialen Geostrategie« wie folgt: »Absprachen unter den Vasallen verhindern und ihre sicherheitspolitische Abhängigkeit aufrechterhalten; die Tributpflichtigen gefügig halten und schützen; und die Barbaren davon abhalten sich zusammenzutun.«
?Der frühere nationale Sicherheitsberater von Jimmy Carter fasste damit in der für ihn typischen machiavellistischen Sprache eine Politik zusammen, die sein republikanischer Amtskollege Henry Kissinger in kühner Weise entworfen und auf den Weg gebracht hatte, als er einen Kalten Krieger par excellence, Richard Nixon, dazu brachte, in der US-amerikanischen Chinapolitik eine Wende einzuleiten.

Arbeitskämpfe 1. April 2023

›Die Klassenfrage steht für uns im Mittelpunkt‹

Ohne innere Veränderungen wird es keinen schnellen Wandel an der Front geben

Gespräch mit Witalyj Dudin

Witalyj Dudin ist Arbeitsrechtler und Vorsitzender von Sozialnyj Ruch [Soziale Bewegung]. Er lebt in Kiew. Ein Artikel von ihm über die Einschränkung der Arbeitsrechte erschien in SoZ 9/2022

Arbeitskämpfe 1. April 2023

Frankreich: Das Kräftemessen geht weiter

Macron hat für seine Rentenreform keine Mehrheit – und will sie dennoch durchsetzen
von Michel Rousseau

Der nachstehende Text ist die schriftliche Fassung eines Vortrags, den Michel Rousseau am 9.März vor der Koordination der Euromärsche gehalten hat. Er wurde nach der Abstimmung über das Misstrauensvotum am 20.März von der Redaktion aktualisiert.

Nordafrika/Nahost 1. April 2023

Palästina

Auf dem Weg zu einer neuen Intifada?
von Andrea Martini

In Ostjerusalem leben hunderttausende Palästinenser (etwa 40 Prozent der Bevölkerung der gesamten Stadt), es ist ein Stadtteil, der durch die mehr als 70jährige zionistische Präsenz und mehr als 50 Jahre israelische Besatzung verwüstet wurde.
Besonders dramatisch ist die Situation im überfüllten arabischen Viertel Silwan, von dem aus man die Kuppel der Al-Aqsa-Moschee bewundern kann. In diesem Viertel leben 60000 Palästinenser, umgeben von israelischen Siedlern, die ein Haus nach dem anderen legal aufkaufen und dabei von reichen religiösen und extremistischen Organisationen unterstützt werden, die Strohleute einsetzen.

Drohnen: Eine Massenware mit grausamen Folgen


Die Ukraine bietet sich als Testfeld für die neuesten Entwicklungen in der Waffentechnologie an
von Christoph Marischka

Der Krieg in der Ukraine stellt tatsächlich eine »Zeitenwende« dar – auch im Hinblick auf die beschleunigte Entwicklung und Umsetzung neuer Technologien auf dem Schlachtfeld. Das gilt insbesondere für Drohnen im Sinne von unbemannten Luftfahrzeugen. Manches, was gerade in der Ukraine passiert, war absehbar. Anderes ist überraschend, und vieles gibt den Drohnenkritiker:innen im nachhinein leider Recht.

Bewegung 1. April 2023

Z. Zeitschrift marxistische ­Erneuerung

Hrsg. IMSF und Forum ­marxistische Erneuerung. 34.Jg., Heft 133, März 2023
von ak

Wie gut, dass es in Deutschland einen Pool von linken Intellektuellen gibt, die, bedingt u.a. durch ihre Herkunft aus der DDR, russisch können und sich in Russland auskennen! Einige davon lässt die aktuelle Ausgabe (Nr.133) der Vierteljahreszeitschrift Z zu Wort kommen.

Ukraine

Verhandeln heißt nicht kapitulieren
von Angela Klein

Der Aufruf Schwarzer/Wagenknecht für einen sofortigen Waffenstillstand und die Aufnahme von Friedensverhandlungen hat einen Nerv getroffen, mehr als eine halbe Million haben ihn Ende Februar unterschrieben.

Klimagerechtigkeit oder Kriegswirtschaft

Krieg: einer der ganz großen Umweltsünder
von Gerhard Klas

Das Militär ist eine Umweltsau: Ein Panzer des Typs Leopard 2 verbraucht im Gelände mehr als 500 Liter Diesel auf 100 Kilometer, Kampfflugzeuge bis zu 5000 Liter Kerosin innerhalb einer Stunde. Es ist kein Geheimnis, wird aber im Rahmen des Weltklimaberichts nicht erfasst: Das Militär ist weltweit einer der größten Treibhausgasemittenten.

Klima 1. März 2023

EU-Mercosur-Abkommen

Ein Geschenk an die Autoindustrie
von Thomas Fritz

1999 beschloss die EU mit den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay eine engere wirtschaftliche Partnerschaft. Zwanzig Jahre lang wurde um ein Handelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur verhandelt. Im Juli 2019, als der rechtsextreme Jair Bolsonaro Präsident Brasiliens war, kam es zu einer politischen Einigung.

Arbeitskämpfe 1. März 2023

Großbritannien

Größte Streikwelle seit einem Jahrzehnt
von Terry Conway

Die Arbeitskämpfe der letzten sieben Monate haben begonnen, den Niedergang der britischen Gewerkschaften umzukehren.

Am 1.Februar traten rund eine halbe Million abhängig Beschäftigte in ganz Großbritannien in den Ausstand – es war die größte Streikwelle seit über einem Jahrzehnt.

Europa 1. März 2023

Erdogan, die Katastrophe und die Bauindustrie

›Der Staat stürzt ein und unter den Trümmern bleibt die Opposition‹
von Serdar Kazak

Das war der letzte Satz in einem sehr alten SoZ-Artikel von mir. Am 6.Februar 2023 um 4.17 Uhr wurde diese Prophezeiung leider wortwörtlich wahr. Wenigstens teilweise. Bei dem Erdbeben sind nicht nur Städte, es ist auch der türkische Staat eingestürzt. Unter den Trümmern sind aber Menschen geblieben. Die benachteiligten ärmeren Klassen sind die größte Opfer dieser Katastrophe.

Europa 1. März 2023

Frankreich: Unbefristete Streiks ab dem 7.März

Die Massenmobilisierung gegen die Rentenreform eilt von Höhepunkt zu Höhepunkt
von Christian Mahieux

Seit Mitte Januar haben an mehreren Tagen jeweils Millionen Menschen gestreikt und demonstriert. Die Bewegung wird fortgesetzt; in Aussicht stehen unbefristete Streiks in mehreren Sektoren und ein Generalstreik im März. An der Spitze der Bewegung steht seit Wochen ein landesweiter Gewerkschaftsverbund, dem CFDT, CGT, FO, CGC, CFTC, UNSA, Solidaires und FSU angehören. Der Grund für diese seltene gewerkschaftliche Aktionseinheit ist der Gesetzentwurf der Regierung zu den Renten.

Europa 1. März 2023

Frankreich: ›Wir waren triumphalistisch‹

Die Hintergründe für die Spaltung der NPA
von François Sabado

Mit der 2009 gegründeten Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) in Frankreich verband sich einst die Hoffnung, der politischen Perspektive eines wirklichen Bruchs mit dem Kapitalismus eine massenwirksame organisatorische Gestalt geben zu können. Dieses Projekt ist mit der Spaltung der NPA im Dezember 2022 endgültig gescheitert. François Sabado, ehemaliges Leitungsmitglied der Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR) und bis 2015 in der Leitung der NPA, der Hauptkraft in der NPA, zieht eine kritische Bilanz.

Amerika 1. März 2023

Peru: Korrupte, Putschisten und Mörder

Die Unfähigkeit zu regieren stürzt das Land in eine Staatskrise
Gespräch mit Hugo Cabieses

Seit dem 7.Dezember 2022 kommt Peru nicht mehr zur Ruhe. An dem Tag hielt der am 6.Juni 2021 mit einer knappen Mehrheit gegen die Tochter des inhaftierte Exdiktators Alberto Fujimori, Keiko Fujimori, zum Präsidenten gewählte, indigene Lehrer Pedro Castillo eine denkwürdige Rede, in der er das Parlament auflösen wollte. Im Gegenzug wurde Castillo vom Parlament »wegen moralischer Unfähigkeit« abgesetzt und hinter Gitter gebracht.

Nordafrika/Nahost 1. März 2023

Israel: Die Scharade ist zu Ende

Warum Netanyahu das Justizsystem im Visier hat
von Shir Hever

Israelische Oppositionsparteien behaupten, Binyamin Netanyahus Angriff auf das Justizsystem habe rein persönliche Gründen, weil er selbst mit drei verschiedenen Korruptionsvorwürfen konfrontiert ist. Dies erklärt aber nicht, warum bei den letzten Wahlen am 1.November 2022 so viele Israelis für Netanyahu und seine Verbündeten gestimmt haben. Netanyahu verteidigt seinen Plan, die Gerichte zu schwächen, mit dem Argument, dass dies sei »der Wille des Volkes« – und das ist nicht ganz falsch.

Arbeitskämpfe 1. März 2023

Vio.Me wird nicht weichen!

Die einzige selbstverwaltete Fabrik in Griechenland
von Manfred Neugroda

In früheren Ausgaben hat die SoZ über die Fabrikbesetzung der Arbeiter:innen von Vio.Me in Thessaloniki und die Fortsetzung ihrer Produktion in Arbeiterselbstverwaltung berichtet. Seit 2012 halten die Arbeiter:innen den Betrieb besetzt, seit 2013 haben sie mit der Produktion von ökologischen Reinigungsmitteln begonnen. Hinzu gekommen ist ein medizinisches Behandlungszentrum der sozialen Klinik der Solidarität und eine Sammelstelle für Hilfsgüter für Flüchtlinge.

Buch 1. März 2023

Gegen den Strom

Die Linke und die Antikriegsbewegung in Russland
von Christoph Wälz

Spezialoperation und Frieden. Die russische Linke ­gegen den Krieg (Hrsg. Ewgeniy ­Kasakow). Münster: Unrast, 2022. 248 S., 16 Euro

Buch 1. März 2023

Nach Norden

Anuk Arudpragasam: Nach Norden. Aus dem Englischen von Hannes Meyer. Berlin: Hanser, 2022. 320 S., 25 Euro
von Gerhard Klas

Wie schon in seinem Debutroman Die Geschichte einer kurzen Ehe beschäftigt sich Anuk Arudpragasam auch in seinem neuen Buch wieder mit dem Krieg. Diesmal stehen die Nachwirkungen und Traumata des Bürgerkriegs im Norden Sri Lankas gegen die Unabhängigkeitsbewegung der Tamil Tigers von 1983 bis 2009 im Mittelpunkt.

Nur Online 22. Februar 2023

Ein totaler Sieg über eine Atommacht ist ohne Atomkrieg nicht möglich

Warum der Ukraine-Krieg nicht gewonnen werden kann
von Fabian Lehr

Während ich diesen Text schreibe, zeichnet sich in der bisher längsten, erbittertsten und blutigsten Schlacht des Ukrainekriegs gerade die wahrscheinlich bald bevorstehende ukrainische Niederlage im von drei Seiten umschlossenen Bachmut ab. Bachmut steht für das Scheitern der Hoffnungen auf einen raschen, großen ukrainischen Sieg, die nach den Rückeroberungen in den Oblasten Charkiw und Kherson im letzten Spätsommer und Herbst aufgekeimt waren.

Nur Online 8. Februar 2023

Präsidentschaftswahl in Nigeria – vom Regen in die Traufe?

von Thadeus Pato, Lagos

Nach acht Jahren und zwei Amtsperioden tritt der amtierende Präsident Muhammad Buhari ab. Er war in den achtziger Jahren kurzzeitig Militärdiktator gewesen, bevor er von eben diesem Militär gestürzt wurde und im Gefängnis landete. Bei der jetzt am 25.2. anstehenden Neuwahl steht zu befürchten, dass die Lage in dem von Bürgerkrieg, Kriminalität und Massenarmut gebeutelten Land sich nicht zum Besseren ändern wird – eher im Gegenteil.

Vor der nächsten Eskalationsstufe des Krieges in der Ukraine

Soll ich, soll ich nicht…
von Jürgen Wagner

Panzerhaubitzen, Iris-T, MARS, Patriot, Gepard, Marder, Leopard… Die Liste der eingesetzten Waffen bezeichnet die Eskalationsschraube in diesem Krieg. Während Olaf Scholz noch versucht, sein Gesicht zu wahren, spielt die ukrainische Außenvertretung bravourös auf dem Klavier des innerwestlichen Kampfes darum, wer bei den taktischen Entscheidungen den Ton angibt.

Flucht/Migration 1. Februar 2023

Wie Migration Ziel- und Herkunftsländern nutzen kann

Gewerkschafter aus Liberia, plädiert für ein internationales Vermittlungssystem
von George Poe Williams

Solange in den Zielländern vorhandenes Fachwissen nicht eingesetzt wird, verschlimmert Migration die Unterversorgung im Herkunftsland nicht, argumentiert der Krankenpfleger und Gewerkschaftsaktivist.

Amerika 1. Februar 2023

Brasilien: Der Alptraum scheint vorbei

Die dritte Regierung Lula beginnt das Blatt zu wenden
von Hermann Dierkes

Eine Woche nachdem in der Hauptstadt Brasília 300000 Menschen Lulas Wahlsieg und seine Amtseinführung gefeiert haben, stürmten mehrere tausend Bolsonaro-Anhänger das Kongressgebäude, den Präsidentenpalast und das Oberste Bundesgericht. Viele von ihnen hatten seit Wochen vor Kasernen und dem Generalstab kampiert – logistisch wohl versorgt – und das Militär zum Putsch aufgefordert. Das Militär unternahm nichts gegen die Putschisten, ebensowenig der Gouverneur von Amazonien, der Bundesstaat, aus dem viele der Putschisten kamen. Lula unterstellte daraufhin die öffentliche Sicherheit rund um die Hauptstadt dem Bund, der Gouverneur wurde seines Amtes enthoben, von den anderen Gouverneuren forderte er Loyalität. Zahlreiche ausländische Regierungen verurteilten den Angriff. Der Bolsonarismus hat sich dadurch politisch isoliert.

Europa 1. Februar 2023

Italien auf dem Weg in die Restauration

Die Vorhaben der Regierung Meloni
von Franco Turigliatto

Die Rechtskoalition, die maßgeblich von der rechtsextremen Partei Fratelli d’Italia (FdI) angeführt wird, hat die Parlamentswahlen vom 25.September gewonnen. Damit beginnt eine Phase voller Gefahren für die Arbeiterbewegung und die bürgerlichen, sozialen und wirtschaftlichen Rechte der Bürger.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2023

Ukraine

›Die Unternehmer nutzen den Krieg, um Arbeiterrechte zu beseitigen‹
Interview mit Juryj Samojlow von der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft

Mitte November 2022, vier Tage nach dem Rückzug der russischen Armee aus Cherson, sprach Ignacy Józwiak von der polnischen Gewerkschaft der Arbeiterinitiative (IP) mit Juryj Samojlow, dem Vorsitzenden der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft in der Stadt Krywyj Rih. Der Bergarbeitergewerkschaft gehören derzeit auch Metallarbeiter und einige medizinische Fachkräfte an. Sie wurde 1992 gegründet und hat in Krywyj Rih 2400 Mitglieder. Samojlow vertritt darüber hinaus den lokalen Bund freier Gewerkschaften, dem auch Eisenbahner, Lehrer, Mediziner und Beschäftigte im Dienstleistungssektor angehören.

Nur Online 25. Januar 2023

Kapitol-Sturm auf brasilianisch

von Hermann Dierkes

Am Sonntag, dem 8. Januar, haben mehrere tausend Bolsonaro-Anhänger das Kongressgebäude (Sitz von Senat und Parlament), den Präsidentenpalast und das Oberste Bundesgericht in der Hauptstadt Brasilia gestürmt und grosse Verwüstungen angerichtet. Viele von ihnen hatten seit Wochen vor Kasernen und dem Generalstab kampiert – logistisch wohl versorgt – und zum Putsch des Militärs aufgefordert, um die neue Regierung Lula zu stürzen.

Staat/Parteien 1. Januar 2023

Die Rechnung …

am Ende des Jahres
von Angela Klein

Der heiße Herbst fand nicht statt. Die Regierung hat eine Menge Geld in die Hand genommen und eine Mehrheit der Bevölkerung befürwortet Sanktionen gegen Russland.

Patriarchat 1. Januar 2023

Frauen in Russland: ›Für die meisten ist Politik tabu‹

Feministinnen aber fordern von der Regierung ein Gesetz gegen häusliche Gewalt
Gespräch mit Walerija Kowalischina

Walerija Kowalischina ist 40 Jahre alt und stammt aus Donezk. Sie zog in den 2000er Jahren nach Russland, weil in der Ukraine keine Arbeit zu bekommen war. Sie lebte dann 20 Jahre in Russland, bevor sie in diesem Herbst mit einem humanitären Visum nach Deutschland kam.
Sie ist ein führendes Mitglied der Russischen Sozialistischen Bewegung (RSD).

Landwirtschaft 1. Januar 2023

Wir haben es satt!

Gutes Essen für alle statt Profite für wenige
dokumentiert

Aufruf zur Demonstration am 21.Januar 2023 in Berlin, 12 Uhr am Brandenburger Tor
Zusammenstehen für eine bäuerliche und ökologischere Landwirtschaft, für Klima-, Tier- und Umweltschutz, für globale Gerechtigkeit und gesundes Essen für alle.

Arbeitskämpfe 1. Januar 2023

Streiks in Großbritannien

Mehr Streiktage als unter Thatcher
von Violetta Bock

Der große Showdown – Regierung will Polizei und Militär einsetzen
Die Arbeitskämpfe in Großbritannien weiten sich aus. Im November stimmten nun auch Krankenpfleger:innen beim NHS (National ­Health Service) in Schottland, ­Wales, Nordirland und England für Streiks. Sie fordern eine Lohnerhöhung von rund 17 Prozent angesichts einer Inflation von 11,1 Prozent. Die Regierung bot bis Mitte Dezember lediglich 4–5 Prozent. Seit 2010 sind die Löhne aber real um 20 Prozent gesunken, wie Forscher von London Economics berechneten.

Europa 1. Januar 2023

Mehr als Inflationsausgleich

Am Gesundheitswesen wird gespart, Konzerne erhalten ­Milliardensubventionen
dokumentiert

Die Lohnschlacht, die derzeit im National Health Service (NHS) entbrennt, ist aus zwei Gründen von zentraler Bedeutung. Sie betrifft sehr viele Beschäftigte: Der NHS ist mit 1,6 Millionen Beschäftigten bei weitem der größte Arbeitgeber in Großbritannien und sogar einer der größten weltweit. Beim aktuellen Lohnkampf geht es vor allem auch darum, den NHS als frei zugänglichen öffentlichen Dienst für alle zu retten bzw. wieder herzustellen.

Industrie 1. Januar 2023

Das Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz

Unternehmer dürfen weiter Menschenrechte missachten
von Volker Brauch

Das im Juni 2021 verabschiedete deutsche Lieferkettensorgfaltspflichtengesetz (LkSG) tritt am 1.1.2023 in Kraft. Was wird es bewirken?

Amerika 1. Januar 2023

Die USA

Eine destruktive Führungsmacht
von Ingo Schmidt

America is great again. Und wir dürfen dabei sein, wenn unter amerikanischer Führung dem russischen Bären die Zähne gezogen und dem chinesischen Drachen das Feuer ausgepustet wird. An der Wall Street klingeln die Kassen. Im Rest des Landes werden Stars and Stripes geschwenkt – und bei allem Patriotismus die Frage gestellt, ob der neue Krieg nicht aus heimischen Kassen bezahlt wird, statt dass die Führungsmacht von Verbündeten und Gegnern Tribute einspielt. Die Fähigkeit zu führen hinkt hinter den verkündeten Ansprüchen weit hinterher. Immer mehr erweisen sich die USA als ein Hindernis auf dem Weg zu einer freien Welt, sie sind eine destruktive Führungsmacht.

Landwirtschaft 1. Januar 2023

Landwirte unter wachsendem Kostendruck – auch in Europa

Die Grüne Woche in Berlin hat eine lange Tradition, der Protest gegen sie mittlerweile auch
dokumentiert

Seit 2011 protestieren Landwirte, Tier- und Umweltschützer gegen die Dominanz der Lebensmittelkonzerne und Düngemittelhersteller und für eine »sozial-ökologische Transformation«. Die Trecker im Demonstrationszug zeigen, dass viele Bäuerinnen und Bauern ökologisch durchaus nachhaltig wirtschaften wollen. Der Bauernverband (DBV), der die Grüne Woche veranstaltet, setzt dagegen auf steigende Agrarexporte, übt den Schulterschluss mit der verarbeitenden Industrie und sperrt sich nach Kräften gegen ökologische Reformen.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2023

Ukraine: ›Die Leute lieben den Krieg‹

Connection e.V. im Gespräch mit einem Kriegsdienstverweigerer aus der Ukraine
Gespräch mit Ruslan Kotsaba

Ruslan Kotsaba ist aus der Ukraine geflohen, weil er öffentlich gegen den Krieg aufgetreten ist, ihm drohen fünf bis sieben Jahre Gefängnis. Am 17.Oktober hielt er einen Vortrag bei der DFG-VK in Mainz, die mit Demonstrationen und Mahnwachen vor dem ukrainischen Konsulat in Mainz gegen seine Festsetzung protestiert hatte. Connection e.V. führte ein Interview mit ihm.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2023

Ukraine: Die Invasion des Kapitals

Sogenannte Geberkonferenzen für die Ukraine sind regelrechte Räubertreffen
von Michael Robert

Ende August stimmten die privaten Auslandsgläubiger der Ukraine dem Ersuchen zu, die Bedienung von Auslandsschulden in Höhe von 20 Mrd. US-Dollar für zwei Jahre auszusetzen. Damit kann das Land einen Zahlungsausfall vermeiden, es spart 6 Mrd. US-Dollar und der Druck auf die Reserven der Zentralbank verringert sich. Diese sind nämlich trotz erheblicher ausländischer Hilfe seit Jahresbeginn um 28 Prozent gesunken.

Asien/Australien 1. Januar 2023

China

Bewegung gegen Kapitalismus und Autoritarismus
von Promise Li

Sozialist:innen müssen den aufstrebenden Widerstand in China unterstützen
Die chinesische Bevölkerung wehrt sich gegen die autoritäre Herrschaft, die kapitalistische Ausbeutung und die tödliche Lockdown-Politik der Regierung. Jetzt gilt es Solidarität zu zeigen.

Nur Online 28. Dezember 2022

Gewerkschaftliche Solidarität

Humanitäre Hilfe für ukrainische Gewerkschaften
dokumentiert

Der russische Angriffskrieg hat zu enormem Leid in der ukrainischen Gesellschaft geführt. Familien mit ausreichenden Finanzmitteln flüchten nach Polen oder in andere westeuropäische Länder. Die arbeitende Bevölkerung mit geringen Ressourcen ist jedoch darauf angewiesen, entweder vor Ort auszukommen oder in eine westlich gelegene ukrainische Stadt zu flüchten. Die Gewerkschaften spielen eine zentrale Rolle in der Aufrechterhaltung notwendiger Dienstleistungen wie in Krankenhäusern oder im öffentlichen Verkehr. Gewerkschaftsmitglieder riskieren dabei zum Teil ihr Leben, in dem sie in östlichen Provinzen weiter in Krankenhäusern die Versorgung oder z. B. als Eisenbahner:innen die Verbindungen zu der Bevölkerung im Osten aufrecht halten.

Nur Online 19. Dezember 2022

Welchen Charakter trägt der Krieg Russlands gegen die Ukraine?">Welchen Charakter trägt der Krieg Russlands gegen die Ukraine?

Wolodymyr Ischtschenko wirft mehr Fragen auf als er Antworten gibt
von Renate Hürtgen

In der SoZ 12/2022 ist der Artikel von einem ukrainischen Autor erschienen, Wolodymyr Ischtschenko, Soziologe und Mitgründer der linken ukrainischen Zeitschrift Commons, den wir als wichtigen Beitrag einer notwendigen Debatte mit unseren ukrainischen und russischen Kolleg*innen und Freund*innen betrachten sollten.

Nur Online 16. Dezember 2022

Fünf Kriege in einem">Fünf Kriege in einem

Der Kampf um die Ukraine
von Susan Watkins

1

Eine klassische Analyse des Zweiten Weltkriegs definiert diesen als Ergebnis fünf verschiedener Arten von Konflikten.1 Erstens als Krieg zwischen den führenden imperialistischen Mächten – Deutschland, Japan, den USA und Großbritannien –, die um die Weltherrschaft konkurrierten.

Europa 1. Dezember 2022

Alles ganz normal?

Faschistische Regierung in Italien
von Angela Klein

Der erdrutschartige Wahlsieg der rechtsextremen Partei Fratelli d’Italia bei den jüngsten Parlamentswahlen wird von italienischen Marxisten als »Wendepunkt historischen Ausmaßes« bezeichnet. Denn er bringt eine Partei an die Macht, die das Erbe des Faschismus antritt.

Europa 1. Dezember 2022

Steuersenkungen adé

Bizarr: Die Londoner City revoltiert gegen Steuersenkungen für Reiche
von Ingo Schmidt

Mitte Oktober bot Großbritannien ein ungewöhnliches Schauspiel: Anleger der City of London protestierten mit dem massenhaften Verkauf von britischen Pfund, Aktien und Staatsanleihen gegen eine Regierungsentscheidung der neu gewählten Tory-Premierministerin Liz Truss und lösten damit eine Finanzkrise aus, die nur eingedämmt werden konnte, weil die Zentralbank mit dem Ankauf von Wertpapieren gegensteuerte.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2022

Israelische Waffen und der Krieg in der Ukraine

Was gegen Palästinenser taugt, taugt nicht gegen russisches Militär
von Shir Hever

Die Position Israels zum Krieg in der Ukraine ist überraschend, denn als größter Empfänger von US-Militärgeldern in der Welt und als ein Staat, der während des Kalten Krieges behauptete, die letzte Bastion der Verteidigung gegen die Ausbreitung des »Kommunismus« im Nahen Osten zu sein, sollte Israel ein enger Verbündeter der NATO sein. Der ukrainische Präsident Wolodomir Selenskyj ist Jude, während Russland gute Beziehungen zu Syrien und zum Iran unterhält.
Dennoch hat Israel in diesem Krieg eine möglichst neutrale Position eingenommen und die Geduld der US-Regierung auf die Probe gestellt. Der frühere Ministerpräsident Bennet versuchte sich sogar erfolglos als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine.

Buch 1. Dezember 2022

Warum die deutsche Erinnerungspolitik gescheitert ist

Eine Kritik am offiziellen Gedenken an den Holocaust
von Hermann Dierkes

Arn Strohmeyer: Falsche Loyalitäten. Israel, der ­Holocaust und die deutsche Erinnerungspolitik. Wien: ProMedia, 2022. 180 S., 19,90 Euro

Die Unterdrückung der Palästinenser durch den israelischen Kolonialstaat und die buchstäblich blinde Ergebenheit der Bundesregierung, der EU und der »westlichen Welt« gegenüber der israelischen Regierung zählt mit zu den schlimmsten weltpolitischen Skandalen unserer Zeit.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2022

Mehr Verwirrung und Scham als Stolz

Reaktionen der russischen Bevölkerung auf die ›Sonderoperation‹ in der Ukraine
dokumentiert

Lewada ist das einzige russische Meinungsforschungsinstitut, das als unabhängig bezeichnet werden kann. Die Behörden stufen es als »ausländischen Agenten« ein. Lewada führte im Oktober eine Umfrage durch, die die Haltung der Befragten zur »Sonderoperation« in der Ukraine zu erkunden versuchte.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2022

Flucht vor der Beteiligung am Krieg

Zahlen zu Russland, Belarus und der Ukraine
dokumentiert

Tausende Militärdienstpflichtige sind seit Anfang des Krieges aus Russland, Belarus und der Ukraine geflüchtet. Genaue Zahlen über die Zahl der wehrpflichtigen Männer, die sich dem Kriegsdienst durch Flucht entzogen haben, liegen nicht vor. Die Organisation Connection e.V. hat Plausibilitätsberechnungen angestellt, die wir hier mit freundlicher Genehmigung in gedrängter Form wiedergeben.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2022

Der Krieg in der Ukraine ist ein Klassenkrieg

Dabei geht es um das Überleben der russischen herrschenden Klasse und ihres ­Modells des politischen Kapitalismus
von Wolodymyr Ischtschenko

Wolodymyr Ischtschenko (Jg. 1982) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Osteuropastudien der FU Berlin. Er hat in Soziologie an der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kiew promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte sind Proteste und soziale Bewegungen, Revolutionen, Radikalisierung, rechte und linke Politik, Nationalismus und Zivilgesellschaft. Er hat zahlreiche Artikel und Interviews über die zeitgenössische ukrainische Politik, die Euromaidan-Revolution und den darauf folgenden Krieg 2013/14 verfasst. Er ist Mitgründer der ukrainischen Zeitschrift Commons und veröffentlicht in verschiedenen Zeitschriften wie Jacobin, New Left Review.

Amerika 1. Dezember 2022

Wahlen in Brasilien

Lula siegt, aber die Zukunft des Landes ist ungewiss
Interview mit Antônio Andrioli

Lula hat die Stichwahl gegen den Präsidenten Jair Bolsonaro gewonnen. Wie bewertest du das Ergebnis?

Es ist ein Sieg der Demokratie nach einem Wahlkampf, in dem Bolsonaro und seine Entourage das Land mit ihren berüchtigten Fake News überflutet, sogar geheime und umfangreiche Haushaltsmittel für Politiker seiner Richtung verteilt und die Bundespolizeibehörden am Tag der Wahl gezielt beauftragt haben, Wähler:innen zu behindern.

Amerika 1. Dezember 2022

US-Wahlen: Eine Niederlage für Trump ist noch kein Sieg für Biden

Der erwartete republikanische Tsunami ist ausgeblieben – drei Gründe dafür
von Angela Klein und Hermann Nehls

Bei den »midterms« in den USA am 8.November, in denen das Repräsentantenhaus komplett und der Senat zu einem Drittel neu gewählt wurden, gab es den von den Meinungsumfragen vorhergesagten massiven Schwenk zugunsten der Republikaner nicht. Die Demokraten, die Partei des Präsidenten, konnten im Senat mit der Hälfte der Sitze plus der ausschlaggebenden Stimme der Vizepräsidentin eine hauchdünne Mehrheit behaupten. Im Repräsentantenhaus haben die Republikaner die Mehrheit.

Buch 1. Dezember 2022

Abdulrazak Gurnah: Nachleben

Aus dem Englischen von Eva Bonné. München: Penguin, 2022. 378 S., 26 Euro
von Gerhard Klas

Nachleben, der neue Roman des letztjährigen Literaturnobelpreisträgers, spielt wie schon sein vielbesprochener Roman Das verlorene Paradies erneut vor dem Hintergrund der deutschen Kolonialherrschaft in Ostafrika. Auf subtile Weise beschreibt der Autor die traumatischen Auswirkungen auf seine Protagonisten und beleuchtet ein weitgehend vernachlässigtes Kapitel der deutschen Geschichte.

Nur Online 30. November 2022

Ocean Viking

Die Irrfahrt des Rettungsschiffes und die französische Migrationspolitik
von Bernard Schmid

So vorteilhaft hatte sich die französische Regierung das vorgestellt: Sie würde in unterschiedliche, ja entgegengesetzte politische Richtungen hin gleichzeitig starke Signale aussenden und sich dadurch nach allen Seiten profilieren. Sie würde das unter Beteiligung von Neofaschisten gebildete Kabinett im Nachbarstaat Italien gleichzeitig vorführen, doch in gewisser Weise auch entlasten.

Arbeitswelt 1. November 2022

Tarifabschluss in der Chemieindustrie

Tarifpolitik in Krieg und Krise
von J.H. Wassermann

Wieder weitgehend geräuschlos, diesmal aber mit erheblicher Beachtung in den Medien, hat die IGBCE einen Tarifabschluss für die 580000 Beschäftigten der Chemischen Industrie getätigt. Bei einer Laufzeit von formal 20 Monaten bis zum 30.Juni 2024 werden die Tariftabellen zum 1.Januar 2023 und 2024 jeweils um 3,25 Prozent erhöht. Außerdem gibt es spätestens Ende Januar 2023 und 2024 jeweils 1500 Euro netto Einmalzahlung – »tarifliches Inflationsgeld« genannt.

Staat/Parteien 1. November 2022

Grüne und Krieg

Die grüne Balance finden
von Albrecht Kieser

Es ist leichter, Menschen zu regieren, denen Angst und Schrecken die Sinne verschlägt und die Sprache vernebelt. Leute also, die nur noch dem einzigen Ziel folgen, stündlich ihr nacktes Überleben zu sichern. Allerdings: Wer nichts mehr zu verlieren hat, könnte noch wütender werden als Uneinsichtige. Die Balance zu finden zwischen erlaubter Kritik und volksgemeinschaftlichem Schulterschluss, ist also heute eine vorrangige staatspolitische Aufgabe.

Arbeitskämpfe 1. November 2022

Ölarbeiter voran

Regierungen drohen das Streikrecht einzuschränken
von Matthias Becker

In Frankreich und Großbritannien nehmen die Arbeitsniederlegungen gegen die Inflation zu. Die Regierungen wollen deshalb das Streikrecht einschränken.

Kolumne Ingo Schmidt 1. November 2022

Europäische Union

Keine Zukunft, keine Alternativen
von Ingo Schmidt

Der russische Einmarsch in der Ukraine bot den Regierungen der EU-Länder die Gelegenheit, Einigkeit zu demonstrieren. Gegen das autokratische Putin-Regime werde das demokratische Europa zusammenstehen. Die praktische Antwort waren Sanktionen gegen Russland, insbesondere der Import von Öl, Gas und Kohle sollte schnellstens heruntergefahren und dann ganz gestoppt werden.

Globalisierung/Krieg 1. November 2022

Boykottiert Katar!

Fußball ist auch für Linke ein wichtiges Interventionsfeld
von Gerhard Klas

»Sport ist unpolitisch« – das war schon immer falsch. Sportliche Großereignisse unisono als »Brot und Spiele« zur Ablenkung der Bevölkerung abzutun, ist heute mindestens grob fahrlässig. Das gilt vor allem für den Fußball, der wie kaum eine andere Sportart Abbild der internationalen Klassengesellschaft geworden ist.

Globalisierung/Krieg 1. November 2022

Lieber Autokraten als Demokraten

Die Machenschaften des internationalen Fussballs
von Bernd M. Beyer und Dietrich Schulze-Marmeling

Warum Katar? Wieso soll man Fußballer bei 30 °C über den Kunstrasen jagen? Weil es Geld bringt. Wem es Geld bringt, und welche politischen Konsequenzen daraus erwachsen, das schildern die ausgewiesenen Fußballkenner Bernd M. Beyer und Dietrich Schulze Marmeling in ihrem Buch. Wir bringen, mit freundlicher Genehmigung des Verlags, eine gekürzte Fassung des Vorworts.

Asien/Australien 1. November 2022

Arbeitsmigrant:innen in Katar organisieren sich

›Wir wollen etwas dagegen tun‹
Interview mit dem Aktivisten Chandra

Ein Großteil der 2,4 Millionen migrantischen Arbeiter:innen in Katar kommt aus Nepal und Indien. Dort herrschen Armut und hohe Arbeitslosigkeit, die sie zwingt, im Ausland Arbeit zu suchen. Aktuell arbeiten knapp 400000 Nepales:innen in Katar, die meisten im Bausektor, aber auch viele in Hotels, Restaurants und Privathaushalten. Ihre Rücküberweisungen machen fast ein Drittel von Nepals Bruttoinlandsprodukt aus.

Globalisierung/Krieg 1. November 2022

Stimmen aus der russischen Antikriegsbewegung

›Die russischen Behörden haben sich selbst in die Enge getrieben‹
dokumentiert*

Putins Teilmobilisierung für den Ukrainekrieg hat eine heftige Fluchtwelle ausgelöst. In den ersten Tagen sollen 200000 Menschen nach Georgien und in die Türkei geflohen sein. Gleichzeitig bleibt die Antikriegsbewegung unterdrückt. Die Flüchtenden kommen zumeist aus gebildeteren städtischen Milieus. Das Gros der in der Ukraine kämpfenden russischen Soldaten kommt hingegen aus entlegenen Regionen des Landes wie Dagestan oder Burjatien. Sie stellen auch das Gros der geschätzt 15000 toten russischen Soldaten.

Globalisierung/Krieg 1. November 2022

Memorial: in Russland verboten

Menschenrechtsorganisation Memorial erhält den Friedensnobelpreis
von Angela Klein

Der diesjährige Friedensnobelpreis ging an Menschenrechtsorganisationen aus Russland, Weißrussland und der Ukraine. Geehrt wurden die Gruppe Memorial, das Zentrum für bürgerliche Freiheiten aus der Ukraine und mit Ales Bjaljatzki den Gründer der Menschenrechtsorganisation Wjasna (Frühling«). Der 60jährige gründete diese Organisation 1996. Ihm drohen zur Zeit zwischen sieben und zehn Jahren Haft wegen angeblicher Steuerhinterziehung. Sieben Mitglieder der Organisation sind derzeit im Gefängnis.

Globalisierung/Krieg 1. November 2022

NATO-Strategie, Bundeswehr-Umbau und Turbomilitarismus

In 180 Tagen 800000 Soldaten an die Ostfront
von Jürgen Wagner

Spätestens seit 2014 gilt folgende Regel: Die NATO formuliert ambitionierte Zielvorgaben und Deutschland erklärt prompt seine Bereitschaft, bei deren Umsetzung eine Führungsrolle einnehmen zu wollen. Mit den Entscheidungen des NATO-Gipfels in Madrid Ende Juni 2022 und den anschließend angekündigten Plänen zum Umbau der Bundeswehr hat das Ganze nun aber eine ganz neue Dimension angenommen.

Europa 1. November 2022

Streiks und Demonstrationen in Frankreich

Aus dem Protest gegen eine Dienstverpflichtung erwächst ein erster Flächenbrand
von Bernard Schmid

Anders als etwa in Teilen Ostdeutschlands führen derzeit in Frankreich keineswegs rechtsextreme oder russlandfreundliche Kräfte die Bewegung an, wenn es darum geht, gegen Kaufkraftverlust durch steigende Energie- und andere Verbraucherpreise zu protestieren. Im Gegenteil. Seit Wochen suchen die Gewerkschaften das Kräftemessen mit der Kapitalseite, um Lohnerhöhungen durchzusetzen und die Abwälzung der Krisenlasten auf die Lohnabhängigen mindestens abzumildern.

Patriarchat 1. November 2022

Iran: ›Frauen, Leben, Freiheit!‹

Der Schleier ist das Symbol für Unterdrückung überhaupt
dokumentiert*

Mahsa Amini, eine 22jährige Iranerin aus Iranisch-Kurdistan, war mit ihrer Familie auf Verwandtenbesuch nach Teheran, als sie von der Sittenpolizei aufgegriffen wurde. Sie trug den vorgeschriebenen Hijab (Schleier, Kopftuch) nicht, wie das Gesetz es verlangt. Sie wurde verhaftet und geschlagen, Tage später starb sie in einem Krankenhaus in Teheran an ihren Verletzungen. Ihr Tod hat eine enorme Protestwelle ausgelöst, die durch alle sozialen Schichten, alle Ethnien geht und alle Regionen des Landes erfasst.

Klima 1. Oktober 2022

›Eine Radikalisierung ist unerlässlich‹

Welche Mittel sind erforderlich, um die Klimawende real einzuläuten?
Gespräch mit Matilde Alvim

Die Klimagerechtigkeitsbewegung diskutiert derzeit über die Wahl der Mittel. Während die letzte Generation Verkehrsadern blockiert, konzentriert sich Ende Gelände auf die fossile Energieversorgung und Wärmeproduktion. Einige Aktivist:innen aus der internationalen Vernetzung von Fridays for Future wollen jetzt mit Besetzungen von Schulen und Universitäten die nächste Eskalationsstufe einleiten.

Handel/Banken 1. Oktober 2022

Kriegsgewinnler

Enteignung statt Extraprofite
von Gerhard Klas

Der Reichtum der einen ist die Armut der anderen: Auf 113 Milliarden Euro beziffert das Netzwerk Steuergerechtigkeit die Extraprofite, die Energiekonzerne in Deutschland seit Beginn des Ukrainekriegs eingefahren haben, erneuerbare Energien und Atomkraft eingerechnet. Extraprofite, das bedeutet Gewinne über die ohnehin einkalkulierten Gewinne hinaus.

Klima 1. Oktober 2022

Das Fischesterben in der Oder kommt nicht überraschend

›Die Einleitung von Grubenabwässern erfolgt praktisch ohne jegliche Kontrolle‹
Gespräch mit Dominik Dobrowolski

Die Vergiftung der Oder im Juli und August führte möglicherweise zu über tausend Tonnen getöteter Fische. Die langfristigen und weiträumigen Folgen für Ökosysteme und menschliche Nutzer:innen sind noch gar nicht abzusehen. Das war eine »Katastrophe mit Ansage«, sagen polnische Umweltschützer. Die Aufsichtsbehörden seien unterfinanziert oder nicht daran interessiert, die giftigen Einleitungen zu unterbinden.

Arbeitskämpfe 1. Oktober 2022

Grossbritannien – Heißer Sommer von Streiks und Solidarität

Abertausende Gewerkschafter haben die größte Streikwelle seit Jahrzehnten losgetreten
von Terry Conway*

Von Juni bis August hat Großbritannien eine Streikwelle gegen die Teuerung erlebt, wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. Dann ist die Queen gestorben und die Gewerkschaften haben alle Streikpläne für Herbst abgesagt.

Amerika 1. Oktober 2022

Die neue linke Welle in Lateinamerika

Eine Herausforderung ohne Ende
von Leo Gabriel

Es ist nicht so lange her, dass eine von der politischen Linken dominierte politische Konjunktur in Lateinamerika zu Ende ging. Noch klingen die Namen Hugo Chávez, Evo Morales, Rafael Correa, Daniel Ortega, Lula, Kirchner usw. nach und werden im allgemeinen mit der Zeit des ökonomischen Aufschwungs der 2000er Jahre assoziiert. Doch ein Jahrzehnt danach kam der große Einbruch: Die meisten der Genannten fielen einer Kampagne zum Opfer, welche die linken Caudillos – ob zu Recht oder zu Unrecht – der Korruption und Vetternwirtschaft bezichtigte und dem Zorn der Bevölkerung preisgab.

Amerika 1. Oktober 2022

Brasilien vor der Präsidentschaftswahl

Wieder Lula oder noch einmal Bolsonaro? – Beide polarisieren, doch das Ergebnis wird kaum eindeutig ausfallen
von Niklas Franzen

Brasilien steuert auf die wichtigste Wahl seiner Geschichte zu. Am 2.Oktober findet im größten Land Lateinamerikas die erste Runde der Präsidentschaftswahl statt. Sollte kein Kandidat über 50 Prozent der Stimmen kommen, gibt es am 30.Oktober eine Stichwahl. Es ist wahrscheinlich, dass es zum großen Showdown zwischen dem aktuellen Amtsinhaber Bolsonaro und Ex-Präsident Luiz Inácio »Lula« da Silva kommen wird. Dann stehen sich nicht nur zwei Personen, sondern auch zwei politische Projekte gegenüber, die die Zukunft des Landes entscheiden werden.

Amerika 1. Oktober 2022

Hass in Gottes Namen

In Brasilien steigt die Zahl evangelikaler Kirchen – eine sichere Bank für Bolsonaro
von Niklas Franzen

Mitte August lässt sich Brasiliens Präsident Jair Bolsonaro auf einer Bühne im Sambódromo im Zentrum Rio de Janeiros vor tausenden Gläubigen öffentlich segnen. Das ist kein Zufall: Am 2.Oktober wird in Brasilien gewählt – und der Rechtsextreme ist auf die Stimmen der bibeltreuen Christen angewiesen.

Amerika 1. Oktober 2022

Chile: Es geht von vorne los

Die sozialen Bewegungen wollen nach dem verlorenen Plebiszit bald wieder aufstehen
von Ute Löhning

Die chilenische Bevölkerung hat den Entwurf für eine neue Verfassung abgelehnt. Die Suche nach den Ursachen dieser Niederlage eines fortschrittlichen Projekts und nach Perspektiven für die Zukunft hat begonnen. Indes wird auch der Handlungsspielraum für die linke Regierung unter Gabriel Boric und ihre Projekte sozialer Umgestaltung enger.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2022

Wie man Frieden sät…

Sabotageakte und Repression in Belarus, der Ukraine und Russland
von Anne Engelhardt

Seit Beginn des Ukrainekriegs sind weltweit innerhalb und zwischen linken Strukturen und Gewerkschaften Diskussionen entbrannt, die sich um zwei Fragen drehen: 1. Ist der Krieg in der Ukraine ein regionaler Semikolonialkrieg oder ein imperialistischer Stellvertreterkrieg? 2. Lässt sich der Konflikt durch Selbstverteidigung und Waffenlieferungen oder durch Diplomatie beenden?

Nordafrika/Nahost 1. Oktober 2022

Flucht nach vorn

Israels Verteidigungsminister greift Menschenrechtsorganisationen an – was steckt dahinter?
von Shir Hever

Am 22.Oktober vergangenen Jahres verbot die israelische Regierung sechs palästinensische Menschenrechtsorganisationen aus dem Westjordanland unter dem Vorwand, sie stünden der PFLP (Volksfront zur Befreiung Palästinas) nahe, die von der israelischen Regierung als Terrororganisation dargestellt wird. Am 18.Juli dieses Jahres führten israelische Soldaten eine Razzia gegen die Büros dieser ­Organisationen in Ramallah durch. Den Befehl dazu erteilt der israelische Verteidigungsminister Benny Gantz – aber der hat ein persönliches Interesse daran.

Buch 1. Oktober 2022

Rechte Schockstrategie

Wie haben vier Jahre Bolsonaro Brasilien verändert?
von Jürgen Kreuzroither

Niklas Franzen: Brasilien über alles. Bolsonaro und die rechte Revolte. Berlin/Hamburg: Assoziation A, 2022. 207 S., 18,95 Euro

Europa 1. Oktober 2022

Wahlen in Schweden

Die Anbiederung an die Rechte zahlt sich nicht aus
von Kjell Östberg

Das Ergebnis der Parlamentswahlen löst ein Erdbeben aus
Bei den Wahlen zum schwedischen Riksdag am 11.September verloren die Sozialdemokraten die Regierungsmacht. Sie werden durch eine rechtsgerichtete Regierung aus Moderaten (Konservativen) und Christdemokraten, möglicherweise auch Liberalen ersetzt werden, die sich um die aktive Unterstützung der rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Schwedendemokraten bemüht und dabei völlig auf diese angewiesen ist.

Nur Online 30. September 2022

Italien nach der Wahl

Gewinn der Faschisten
von Angela Klein

100 Jahre nachdem Mussolini mit seinem Marsch auf Rom die damalige Regierung Facto zum Abdanken zwang und sein faschistisches Regime errichtete, hat Italien fast auf den Monat genau seine geistige Erbin Giorgia Meloni zur Premierministerin gekürt. Wie ist das möglich geworden – auf der Basis einer erklärt antifaschistischen Verfassung!? Hier nur einige Teilaspekte.

Europa 1. September 2022

Bauernproteste

Systemwechsel statt Abwehrkämpfe
von Georg Janßen

Seit Wochen gibt es in den Niederlanden heftige Proteste von Bäuerinnen und Bauern gegen drastische Verschärfungen von Umweltauflagen. Ein Drittel der Betriebe befürchtet das Aus. In Deutschland gibt es dafür vielerorts Unterstützung.

Globalisierung/Krieg 1. September 2022

Knappheit inmitten von Fülle

Die globale Nahrungskrise hat viele Ursachen – keine davon hat mit dem Krieg zu tun
von Frédéric Mousseau*

Im Mai dieses Jahres wurde Indien von der US-Regierung und dem Internationalen Währungsfonds (IWF) aufgefordert, seine Entscheidung, Weizenexporte zu suspendieren, zu überdenken. Angeblich hätte dies vor dem Hintergrund von Russlands Invasion in die Ukraine die Nahrungsmittelknappheit verschärft. Doch das Argument ist unhaltbar, technisch wie moralisch.

Europa 1. September 2022

Ist Gasunabhängigkeit von Russland wirklich so eine gute Idee?

Gründe gegen einen kurzfristig vollständigen Verzicht auf russisches Gas
von Hanno Raußendorf

Dem Überfall Russlands auf die Ukraine begegnet auch Deutschland mit Sanktionen auf Gasimporte. Die Folgen sind einschneidend. Die dringend notwendige Klimawende gerät dabei aus dem Blick.

Globalisierung/Krieg 1. September 2022

Eine Tobinsteuer für Warenterminmärkte

Die Finanzialisierung der Lebensmittelrohstoffmärkte und der ­Klimawandel sind auf Dauer die größten Preistreiber
von David Stein

Seit Anfang August das Abkommen zwischen Russland und die Ukraine über die Getreidelieferungen in Kraft getreten ist und von drei Häfen in Odessa wieder Getreide exportiert werden kann, sinken an den internationalen Rohstoffbörsen die Weizenpreise wieder auf Vorkriegsniveau; Mitte Mai 2022 hatten sie bisher nie erreichte Höhen erreicht. Gleiches gilt für Mais und Raps. Allein die Aussicht auf eine Einigung ließ dies die Preise sinken.

Europa 1. September 2022

Hand auf die Kornkammer Europas

Westliche Konzerne schielen nach ukrainischem Boden
von Ben Reicher und Frederic Mousseau

Am 1.Juli 2021 trat in der Ukraine eine Bodenreform in Kraft, die schrittweise den Kauf bzw. Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen ermöglicht. Das Gesetz wurde im März 2020 von der Werchowna Rada, dem ukrainischen Einkammerparlament, als Voraussetzung dafür verabschiedet, dass die finanziell angeschlagene Regierung ein Darlehen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 5 Mrd. US-Dollar erhalten kann.

Europa 1. September 2022

Ukraine: Der Krieg zerstört auch die Arbeiterrechte

Mitten im Krieg plant die Regierung einen Generalangriff auf die Arbeiterklasse
von Witalij Dudin

Der Krieg in der Ukraine hat nicht nur unmittelbar schreckliche Folgen, er richtet auch großen Schaden für die Rechte der Beschäftigten an. Es ist schmerzlich, dies zuzugeben, aber parallel zur Zerstörung der Wirtschaft und der Infrastruktur durch russische Bomben wird vor den Augen der Bevölkerung ein neues System der Beziehungen zwischen Lohnarbeit und Kapital entwickelt.

Amerika 1. September 2022

Chile – Der neue Verfassungsentwurf

›Es war ein harter Kampf‹
Interview mit Manuela Royo

Manuela Royo Letelier vom Verfassungskonvent ist Anwältin, Historikerin sowie Aktivistin und Sprecherin der Bewegung Modatima, die sich in Chile für Wasser und Umweltschutz engagiert.

Asien/Australien 1. September 2022

Taiwan – Die Ahnungslosigkeit deutscher Außenpolitik

Taiwan gehört zu China
von Rolf Geffken

Von hiesigen Medien und Politikern heißt es, Taiwan sei eine »gefestigte Demokratie«, der man gegen den potenziellen chinesischen »Aggressor« solidarisch beistehen müsse. Dabei handelt es sich um eine extrem vereinfachende und so nicht haltbare Einschätzung. Politik und Medien hier im Land ignorieren zudem komplett, wie stark Taiwan kulturell, sprachlich und politisch gespalten ist.

Asien/Australien 1. September 2022

Indien: Ein Progandawerk im Riefenstahl-Stil

Der Blockbuster The Kashmir Files ist Teil der Agenda des von der BJP-Regierung ­vertretenen Hindunationalismus
von Dominik Müller

Der im Frühjahr veröffentlichte ­indische Blockbuster The Kashmir Files, der sich mit dem Exodus der Kaschmiri-Pandits in den 90er Jahren beschäftigt, ist wegen seiner einseitigen Darstellungen, negativen Stereotypen und historischen Ungenauigkeiten höchst umstritten.

Nur Online 19. Juli 2022

Auf dem Weg zu einem neuen permanenten globalen Krieg?

Der Gipfel in Madrid und das „Neue strategische Konzept“ der NATO

von Jaime Pastor, 2.7.2022

Nach dem äußerst kostspieligen und patriarchalischen Spektakel eines Gipfels zum größeren Ruhm von Joseph Biden und Pedro Sánchez ist die wichtigste Schlussfolgerung, die wir ziehen müssen, dass die NATO in ihrem alten Projekt, sich zum Weltpolizisten im Dienst des westlichen kapitalistischen Blocks aufzuschwingen, nun auch formell einen weiteren Schritt nach vorn gemacht hat.

Amerika 1. Juli 2022

Kolumbien

‹Vivir sabrioso› – gut leben heißt ohne Angst leben
Gespräch mit Ralf Leonhard

Der erste linke Präsident seit 50 Jahren will raus aus der Rohstoffwirtschaft für den Export.

Erstmals seit 50 Jahren ist es einem linken Präsidenten, Gustavo Petro, gelungen, auf der Basis eines breiten Bündnisses ins Amt gewählt zu werden. Wie hat er das geschafft?

Gesellschaft 1. Juli 2022

Kriegsmüdigkeit

Die kleine Schwester des Defätismus
von Albrecht Kieser

Kriegsmüdigkeit ist das Gegenteil von Kriegsbegeisterung. Wer vor Kriegsmüdigkeit warnt, tadelt, dass es an eben dieser Begeisterung fehlt: dem Volk, den Soldaten, den Medien. Der erhobene Zeigefinger will sagen: Müdigkeit macht schläfrig, sie hilft dem Feind.

Arbeitswelt 1. Juli 2022

Automatische Lohnanpassung

Wie sich vor Preissteigerungen schützen?
von Johan Seynaeve

Im Nachbarland Belgien werden Löhne in einem gewissen Umfang automatisch an die Preise angeglichen.

Europa 1. Juli 2022

Kummerkasten und Gemeinschaft

Die LINKE kann von den Erfolgen der KPÖ in Graz viel lernen
von Katharina Lenhardt, Pablo Alderete, Filippo Capezzone

Während die Bundestagswahl 2021 den Abwärtstrend der Wahlergebnisse der LINKEN einleitete, siegte die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) bei den Gemeinderatswahlen in Graz und stellt nun die Oberbürgermeisterin. Wie konnte die KPÖ in Graz den Rückhalt gewinnen, der ihr diese Wahlunterstützung bescherte? Katharina Lenhardt, Pablo Alderete und Filippo Capezzone waren über den 1.Mai einige Tage vor Ort, sprachen mit beteiligten Akteuren und wollten die Hintergründe erfahren. Sie meinen: Es gibt einiges, was wir von Graz lernen können!

Europa 1. Juli 2022

Aufruf von Sozialnyj Ruch

Unterstützt die sozialistische Linke in der Ukraine!
dokumentiert

Diese Spenden sind nicht für humanitäre Arbeit, sondern für den Aufbau einer starken linken Organisation in der Ukraine bestimmt. Diese Spenden brauchen wir, um als politische Organisation zu existieren.

Asien/Australien 1. Juli 2022

Darf man Oligarchen überhaupt enteignen?

Bei der Umsetzung der Sanktionen gegen russische Oligarchen gibt es viele Widerstände
von David Stein

In Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine hat der Rat der Europäischen Union am 23.Februar 2022 ein umfangreiches Sanktionspaket beschlossen. Dieses wurde inzwischen mehrfach erweitert.

Europa 1. Juli 2022

Ukraine – ein Reisebericht

Gewerkschaften und Frauen gegen die russische Invasion
von Jean Vogel

Vom 2. bis 8.Mai besuchte eine Delegation des Europäischen Netzwerks für Solidarität mit der Ukraine das Land. Der Delegation gehörten 26 Personen aus zehn europäischen Ländern an: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Polen, Spanien und der Schweiz. Mit dabei waren Parlamentsabgeordnete aus Dänemark, Finnland, Polen und der Schweiz.

Europa 1. Juli 2022

Finnland

Das ‹glücklichste Land der Welt› will in die NATO
von Michael Heldt

Vor dem Ukrainekrieg war Finnland weltweit vor allem in den Schlagzeilen, weil die Bevölkerung viermal in Folge als zur glücklichsten der Welt erklärt wurde. Ob dieses Glück, dass sich nach schweren Jahren nach 1989 für beträchtliche Teile der Bevölkerung entwickelte, anhalten wird, ist fraglich.

Asien/Australien 1. Juli 2022

Eine Drohne mit lahmen Flügeln

Erdogan beschwört Krieg gegen Rojava, doch seine Wirtschaft liegt am Boden
von Serdar Kazak

Die Deutsche Welle meldete am 1.Juni 2022, «Präsident Erdogan» habe besonderes betont, dass seine Regierung im Kampf gegen den Terrorismus eine neue Etappe erreicht habe und eine Pufferzone von 30 Kilometer Tiefe errichten wird. Diese Wortwahl, «Errichtung einer Pufferzone», kann man übersetzen mit «Vertreibung der Kurden», und Nordsyrien mit Rojava. Wie realistisch ist es, eine so tiefe Pufferzone, oder besser gesagt Besatzungszone zu errichten? Dazu müssen wir zunächst einen kurzen Blick auf Wirtschaft und Politik der Türkei werfen.

Nur Online 23. Juni 2022

Tschüss russisches Gas …

… hallo schnelle Dekarbonisierung
von Simon Pirani*

Drei Monate nach dem Krieg des Kremls gegen die Ukraine arbeiten europäische Politiker an Plänen, die Importe fossiler Brennstoffe aus Russland auf Null zu reduzieren. Die Europäische Kommission will die Gasimporte bis 2027 stoppen – Klimaschützer aber sagen, dies ist viel früher möglich.

Flucht/Migration 12. Juni 2022

POLNISCHE PRESSESCHAU 175, 12.06.2022

Ende der Gastfreundschaft für Ukrainer Przeglad, 13. 06. 2022

Tausende polnischer Bürger haben ihre aus dem Krieg geflohenen Nachbarn aus der Ukraine bei sich aufgenommen, sie mit dem Lebensnotwendigen versorgt, verpflegt und betreut. Der Krieg dauert schon vier Monate und ein Ende ist nicht abzusehen. Nun fehlt aber das Geld. Kein Wunder, dass der Enthusiasmus langsam verfliegt.

Asien/Australien 3. Juni 2022

Fossile Industrie, Rüstung, Geheimdienst

Über den russischen Neo-Imperialismus*
von Bernd Gehrke**

Für Boris Romanchenko1

Eine solche Blamage linker Positionen gab es selten: Mit dem Aggressionskrieg Russlands gegen die unabhängige Ukraine wurde die noch kurz zuvor von vielen und prominenten Linken geäußerte Einschätzung ad absurdum geführt, dass, trotz des militärischen Säbelrasselns an den Grenzen der Ukraine, von Russland keinerlei Kriegsgefahr ausgehe.

Freundliche NATO?

Internationalismus, nicht Nationalismus
von Angela Klein

Krieg ist ein globales Geschehen – in der einen Welt, in der wir seit dem Ersten Weltkrieg leben, allemal. Für das «Herz der Arbeiterbewegung», wie Rosa Luxemburg die Internationale einmal nannte, ist er der Prüfstein par excellence.

Europa 1. Juni 2022

Zu Verhandlungen über Waffenruhe gibt es keine Alternative

Warum das auch mit zivilem ­Widerstand geht
Gespräch mit Stephan Brües vom BSV*

Der Bund für Soziale Verteidigung wurde 1989 in Minden gegründet. Er ist ein Fachverband für gewaltfreie Politik und konstruktive Konfliktbearbeitung.

Europa 1. Juni 2022

Das Asow-Regiment

Saubere Helden
von Gerhard Klas

Jeder Krieg braucht seine Helden. Auch beim Angriffskrieg der russischen Armee auf die Ukraine bemühen beide Seiten das Ideal des männlichen Soldaten in kämpferischer Pose, gekleidet in Tarnanzug mit einer Maschinenpistole in der Hand. Soldaten, die bereit sind, für die nationale Sache ihr Leben zu geben.

Die Schulden der Ukraine sind illegitim

Warum sie gestrichen werden müssen, damit das Land wirtschaftlich wieder auf die Beine kommt
Interview mit Eric Toussaint*

Der Krieg bedeutet für die Ukraine auch eine enorme finanzielle Belastung. Die vielen Waffen, die der Westen großzügig zur Verfügung stellt, müssen ja bezahlt werden. Eine der Forderungen, die ukrainische Linke deshalb immer wieder vorbringen, betrifft die Streichung der Schulden der Ukraine.

Militär weltweit auf Platz sechs der größten Umweltsünder

Militär und Klima: Rüstungsproduktion und Krieg schaden nicht nur dem Menschen, auch dem Klima
von Lorenz Küppers

In der öffentlichen Diskussion rund um die Reduktion von Umweltbelastungen erhält ein entscheidender Sektor viel zu wenig Aufmerksamkeit – das Militär. Das Militär ist für enorme Treibhausgasemissionen und Feinstaubbelastungen verantwortlich. Panzer, Flugzeuge, Schiffe – sie alle verbrauchen immense Mengen an Treibstoff, ob im Krieg oder bei Übungen.

Amerika 1. Juni 2022

Lernen, machen, lehren

Ehrenamtliches Organizing verwandelt den Moment in eine Bewegung
von Stephanie Basile, Brittany Carloni und Andrew Pantazi

In der Diskussion um die Erneuerung der Gewerkschaften wird Organizing oft auf hauptamtliche Projektsekretär:innen reduziert. Wir übersetzen daher einen Text von Stephanie Basile, Brittany Carloni und Andrew Pantazi, der zuerst auf labornotes.org erschien. Am Beispiel der Zeitungsjournalist:innen in den USA zeigen sie, wie es anders gehen kann.

Europa 1. Juni 2022

Frankreich nach den Präsidentschaftswahlen

Antifaschismus ist ein dringendes Gebot
Gespräch mit Christine Poupin

Jean-Luc Mélenchon ist zu den Parlamentswahlen im Juni erneut eine Koalition mit der sozialliberalen Linken eingegangen.
Die SoZ sprach mit Christine Poupin, Sprecherin der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA).

Europa 1. Juni 2022

Teilung der Ukraine – Putins Plan C?

Der russische Krieg zielt auf die Industriegebiete in der Zentralukraine
von Sebastian Gerhardt*

Putin will mehr als nur den Donbass. Er braucht die ukrainische Industrie.

Mit dem Rückzug der russischen Angreifer aus den Gebieten nördlich von Kiew werden die Orte brutaler Kampfhandlungen und einer Vielzahl von Verbrechen an der Zivilbevölkerung zugänglich. Schon zuvor war klar, dass die russische Aggression tausende Zivilisten das Leben gekostet hat.

‹Diese Hölle muss endlich aufhören›

Krieg und Frieden auf dem Weltsozialforum in Mexiko
von Leo Gabriel

Es war ein langer Weg zum diesjährigen Weltsozialforum (WSF), das vom 1. bis 6.Mai in Mexiko-Stadt stattfand – und anscheinend war er derart beschwerlich, dass es die meisten Europäer vorzogen, das WSF, wenn überhaupt, von der bequemen Stube aus auf den Bildschirmen des hauseigenen Laptops zu verfolgen.

Gesellschaft 1. Juni 2022

Die Waffen nieder, oder wer soll sie haben?

Für eine sachliche Diskussion zur Militärpolitik – eine Replik
von Manuel Kellner und Michael Heldt

Betr.: «Wenn die Entwaffnung der Herrschenden so einfach wäre», SoZ 5/2022, S.20

In ihrer Antwort auf unseren Beitrag zur Militärpolitik erwähnt Angela Klein, dass sich Friedrich Engels auch mal für das Milizsystem als Alternative zu den stehenden Heeren ausgesprochen hat. Das ist ein wenig irreführend.

Gesellschaft 1. Juni 2022

Resilienz und: ‹Die Waffen nieder!›

Ein Beitrag zur Debatte
von Rolf Euler

Zu der in der SoZ geführten Debatte um politische Vorstellungen gegen den Krieg, um Friedensbewegung und Bewaffnung, möchte ich vor allem einen anderen Aspekt betonen: den der Resilienz (Widerstandsfähigkeit) einer Gesellschaft gegen Krisen aller Art, auch gegen kriegerische Auseinandersetzungen.

Afrika 1. Juni 2022

Fluchtursachen bekämpfen!

Warum Westafrika einmal reich war und jetzt bitterarm
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Olaf Bernau: Brennpunkt Westafrika. Die Fluchtursachen und was Europa tun sollte. München: C.H.Beck, 2022. 317 S., 18 Euro

Wir wissen, dass sich aus reiner Abenteuerlust kein Mensch aus Afrika auf die gefährliche Flucht nach Europa begibt. Aber was genau sind die Gründe?

Europa 1. Juni 2022

So ist es. Ist es so?

Crossing Europe 2022 in Linz
von Kurt Hofmann

Auch in der ersten Saison des neuen Intendantinnenduos Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler war auf altbekannte Qualitäten Verlass: Weitab der Feelgoodmarke Eurofilm setzten (vorwiegend) junge Filmemacher:innen beim Festival des Europäischen Films abermals neue Akzente abseits des Mainstream.

Nur Online 9. Mai 2022

Krieg in der Ukraine

Ein feministischer Blick auf das Geschehen
von Lidia Cirillo und Nadia de Mond1

Seit vielen Jahren konzentriert sich die politische Arbeit des trans-feministischen Netzwerks „Non Una Di Meno“ (NUDM)2 auf die feministische Bewegung, an der wir uns selbstverständlich aus einem internationalistischen Blickwinkel heraus beteiligen, aber mit den spezifischen Ansprechpartnern einer Geschichte.

Nur Online 9. Mai 2022

Auf dem Weg in den Abgrund

Interview mit New Left Review
Interview mit Wolodymyr Ischtschenko

Ihre Forschung hat sich auf die Veränderungen der ukrainischen politischen Landschaft seit dem Maidan-Aufstand 2014 konzentriert. Welche Art von Umbruch war das? Welche neuen Kräfte betraten da die Arena, und was geschah mit den alten?

‹In diesem Krieg gibt es keinen ideologisch reinen Raum›

Wie die Gruppe gegen die russischen Soldaten kämpft
Gespräch mit Denis von Operation Solidarity

Denis ist aus Kiew und gehört der Gruppe Operation ­Solidarity an.

Können Sie Ihre Gruppe vorstellen? Wie wurde sie ins Leben gerufen? Wer ist beteiligt? Was sind ihre Aufgaben?

Europa 1. Mai 2022

Die Neutralität Österreichs

Kein Vorbild für die Ukraine
von Paul Stern

Aktuell ist in Österreich die Neutralität wieder Gegenstand politischer und rechtlicher Debatten. Im Moskauer Memorandum am 15.April 1955 festgehalten, machte die UdSSR die permanente Neutralität von Österreich zur politischen Bedingung für die Unterzeichnung des Staatsvertrags.

Ukrainekrieg

Russischer Krieg im amerikanischen Weltsystem
von Ingo Schmidt*

Seit dem russischen Angriff auf die Ukraine sind die Reihen der NATO fest geschlossen. Über den Krieg in der Ukraine hinaus versprechen die Regierungen der Mitgliedsländer mehr militärisches Engagement.

Asien/Australien 1. Mai 2022

Die Eigenlogik des Krieges muss gebrochen werden

Die auf Jahrzehnte geplante Hochrüstung beendet das Sterben in der Ukraine nicht
von Angela Klein

Im März veröffentlichte eine Gruppe von Initiator:innen, Prominente aus Politik, Wissenschaft und Gewerkschaften, einen Appell: «Demokratie und Sozialstaat bewahren – keine Hochrüstung ins Grundgesetz». Den Appell haben auffallend viele Gewerkschafter:innen unterschrieben.

Die Steinmeier-Formel

Warum wurde Bundespräsident Steinmeier von Selenskyj zur unerwünschten Person erklärt?
von Roland Czada*

Unser bis 2017 amtierender Außenminister Steinmeier ist in der Ukraine mindestens so bekannt wie Angela Merkel; vielleicht sogar bekannter als sie. Gegen die nach ihm benannte «Steinmeier-Formel» sind am 6.Oktober 2019 in Kiew Tausende auf die Straße gegangen.

Asien/Australien 1. Mai 2022

Die militärische Lage in der Ukraine

Der Schweizer Offizier Jacques Baud rekonstruiert, wie es zum Krieg kam
dokumentiert

Es gibt in bürgerlichen Kreisen durchaus qualifizierte Stimmen, die auf die Mitverantwortung der NATO-Staaten für den Krieg in der Ukraine hinweisen. Sie werden schnell in der Mainstream-Presse, die mittlerweile fanatisch auf Kriegskurs ist, niedergeschrien.

Der ukrainische Botschafter

Ein Freund des Asow-Regiments?
von gk

«Liebe @tagesschau, lassen Sie doch endlich das Asow-Regiment in Ruhe. Bitte. Wie lange wollen Sie dieses russische Fake-Narrativ – jetzt mitten im russischen Vernichtungskrieg gegen Zivilisten, gegen Frauen und Kinder in Mariupol – bedienen?», schrieb der ukrainische Botschafter in Deutschland, Andrij Melnyk am 19.März.

Flucht/Migration 1. Mai 2022

Praktische Solidarität in Zeiten des Krieges

Das offene Abgeordnetenbüro linxxNet der Partei Die LINKE in Leipzig
startet eine erfolgreiche Plattform für die Unterbringung von Geflüchteten

vom linXXnet-Kollektiv

Wie kann praktische Solidarität in Zeiten des Krieges aussehen? Als linXXnet hatten wir keine Zeit für lange Debatten, sondern entschieden bereits wenige Tage nach Beginn des russischen Krieges gegen die Ukraine, dass wir bei der Unterbringung von ankommenden Flüchtenden unterstützen möchten.

Asien/Australien 1. Mai 2022

Nein zum Krieg! Nein zur Beteiligung von Belarus daran!

‹Der Krieg Russlands ist nicht unser Krieg. Wir können ihn stoppen, wir müssen ihn stoppen!›
Aufruf von Alexander Jaraschuk, Belarussischer Kongress der Demokratischen Gewerkschaften (BKDP)

Liebe Landsleute, liebe Arbeiter! Der Krieg Russlands gegen die Ukraine dauert nun schon über einen Monat an. Seit dem Beginn des Krieges hat sich Belarus auf die Seite Russlands gestellt. Seine Truppen dringen von unserem Territorium in die Ukraine ein, Raketen werden abgefeuert, Flugzeuge heben ab.

Afrika 1. Mai 2022

Führt der Ukrainekrieg zu einer Hungerkatastrophe?

In Afrika und im Nahen Osten tickt eine Zeitbombe – die nicht sein muss
von Klaus Meier*

In den Nachrichtensendungen des Fernsehens sehen wir täglich die schrecklichen Bilder des Ukrainekriegs. Weniger bekannt sind die Wirkungen, die der Krieg auf die weltweite Nahrungsversorgung haben wird. Hier tickt eine Zeitbombe. Die Ukraine und Russland sind wichtige Erzeuger von Getreide, Ölsaaten und Düngemittel.

Asien/Australien 1. Mai 2022

Israel und Russland: Heuchelei auf allen Seiten

Warum sich Israels Premierminister als Friedensstifter aufspielen kann
von Moshé Machover

Einige Fehler, wie z.B. Freudsche Ausrutscher, sind lehrreich und regen zum Nachdenken an. Am 24.Februar, dem Tag, an dem Russland seine großangelegte, barbarische Invasion der Ukraine begann, entdeckte USA Today, dass ein in den sozialen Medien weit verbreitetes Foto, das angeblich eine feurige Explosion und Rauch hinter zwei Hochhäusern in der Nähe von Charkiw zeigte, nicht ganz echt war.

‹Fünf Kriege in einem›

Am Beispiel des Zweiten Weltkriegs zeigt Ernest Mandel, wie in einem Krieg
mehrere Arten von Kriegen enthalten sein können
Auszug aus Vortrag von Ernest Mandel*

Jeder dieser Kriege erfordert von den revolutionären Marxisten und Marxistinnen eine andere Herangehensweise.

Wenn die Entwaffnung der Herrschenden so einfach wäre

Betr.: Alternativen zu Bundeswehr und NATO, SoZ 4/2022, S.20
von Angela Klein

Der Beitrag von Michael Heldt und Manuel Kellner (nachstehend: M&M) ist auf eine fast rührende Art aus der Zeit gefallen – aus allen Zeiten. Weil er völlig ahistorisch argumentiert.

Buch 1. Mai 2022

Rechtspopulismus und Islamismus

Heidegger, Jünger und andere geben ideologische Orientierung
von Gerhard Klas

Marc Thörner: Rechtspopulismus und Dschihad. Hamburg: Edition Nautilus, 2021. 184 S., 16 Euro

Marc Thörner ist Buchautor und berichtet seit mehr als zwanzig Jahren für die ARD-Anstalten aus dem Maghreb, den Golfstaaten, Syrien, Irak, Afghanistan und Pakistan. Er hat sich eine Expertise erarbeitet, die sich auch in seiner neuesten Veröffentlichung, Rechtspopulismus und Dschihad wiederfindet.

Das Weltsozialforum erneuert sich…

…und bleibt ein Katalysator für den globalen Systemwandel
von Leo Gabriel*

Vor 20 Jahren wurde das Weltsozialforum (WSF) in Porto Alegre, Brasilien, als Gegenstück zum Weltwirtschaftsforum in Davos gegründet.

Nur Online 30. April 2022

Na puti k Putinu. Eine Argumentation

Verständnis für Putin? Analyse und Auswirkungen
von Erhard Weinholz

Prag, August ’68, sowjetische Panzer gegen einen besseren Sozialismus – eine politische Erfahrung, die bis heute für mich wichtig geblieben ist. Im Sommer darauf meine erste große Reise: eine Woche Moskau, eine Woche Leningrad.

Eine Zeitenwende beim Rüstungshaushalt

Bundeshaushalt 2022: Sondervermögen ‹Bundeswehr›
von Jürgen Wagner*

Von einer «Zeitenwende» sprach Bundeskanzler Olaf Scholz in seiner Regierungserklärung zum Ukrainekrieg am 27.Februar 2022. In der Tat übersteigt das, was er darin angekündigt und mit der Haushaltsplanung bis 2026 umgesetzt hat, alles, was bis kürzlich auch nur ansatzweise für möglich gehalten worden wäre. Der russische Angriff auf die Ukraine ebnet so auch den Weg für eine beispiellose Militarisierung Deutschlands, die eine Reihe von Bereichen betrifft, besonders aber die Rüstungsausgaben.

‹Atomraketen sind Magneten›

Der Krieg und was dagegen getan werden könnte
Gespräch mit Ariane Dettloff

Ariane Dettloff, 78, ist ein Urgestein der Kölner Friedensbewegung und Mitglied der Deutschen Friedensgesellschaft – Vereinigte KriegsdienstgegnerInnen (DFG-VK).

Amerika 1. April 2022

Lieferkettengesetz

Täter werden zu Richtern gemacht
von Kai Beutler und Patricia Juan Pineda

Die Verabschiedung des Lieferkettensorgfaltspflichtengesetzes (LkSG) im Bundestag war ein überfälliger Schritt. Aber in der jetzt geplanten Version wird es weder Menschenrechte noch unabhängige Gewerkschaften schützen. Das liegt am geplanten Beschwerdemechanismus.

Imperialismus und internationale Schulden

Größter Anstieg seit dem Zweiten Weltkrieg
von Gerhard Klas

Angriffskriege sind ein wichtiger und brutaler Bestandteil imperialistischer Politik. Doch es gibt viele andere Mittel, imperialistische Interessen durchzusetzen, die subtiler wirken, aber auch grausame Auswirkungen haben können, zum Beispiel Handelsverträge und Schulden. Genauer: Internationale Kredite.

Die LINKE und der Krieg

Endlich begreifen: Russland ist imperialistisch
von Thies Gleiss

Schon wieder eine weltweite Krise und wieder weiß die Partei Die LINKE nicht, wie sie ihren eigenen programmatischen Inhalten gemäß reagieren muss. «Der Kapitalismus trägt den Krieg in sich wie die Wolke den Regen», dieses Zitat des 1914 ermordeten französischen Sozialisten Jean Jaurès wird seit Gründung der Partei auf nahezu jedem Parteievent ausgerufen.

Afrika 1. April 2022

Der Tod kommt auch aus Deutschland

Covid 19, Patente und der Kapitalismus
von Anne Jung

Anne Jung ist Referentin für globale Gesundheit bei der Hilfs- und Menschenrechtsorganisation medico international. Die Politikwissenschaftlerin leitet dort die Öffentlichkeitsabteilung.

Warum halten Länder wie Deutschland auch angesichts Millionen Toter weltweit weiter an dem Patentsystem fest und versuchen nicht alles, um die Pandemie einzudämmen?

Krieg überschattet Klimaaktionskonferenz

Klimabewegung richtet sich neu aus und könnte den Krieg als Steilvorlage nutzen
von Mark Kortjan*

Am Wochenende vom 25. bis 27.2. fand die Aktionskonferenz der Klimagerechtigkeitsbewegung (AKKON!) statt. Dort sprach man über Pläne, Strategien und Kampagnen für die kommenden Monate. Zeitgleich zur Online-Konferenz überschlugen sich die Ereignisse in der Ukraine. Der Krieg dient jedoch auch als Steilvorlage für die Klimabewegung.

Gemeingüter 1. April 2022

LNG-Terminals, koste es, was es wolle

Grüner Minister will Klimakrise mit Frackinggas befeuern
von Wolfgang Pomrehn

Werden wir in Zukunft bei den Gaslieferungen von den USA abhängig statt von Russland? Das ist keine gute Idee. Und es ginge anders.

Europa 1. April 2022

Lobautunnel

Zäher Widerstand gegen Straßenprojekt in Wien
von Paul Stern

Nach mehrmonatigem Stillstand räumte die Polizei am 1.Februar 2022 eine von zwei besetzten Baustellen des Bauvorhabens Stadtstraße (Budgetansatz 460 Millionen Euro). Was euphemistisch Stadtstraße genannt wird, ist eine teils untertunnelte, vierspurige Autobahn. Sie ist 3,3 km lang und führt durch fruchtbares Ackerland.

Steiler Anstieg

An den Rand notiert
von Rolf Euler

An diesen sonnigen Tagen habe ich länger gehofft, im «Rand» wirklich über ein Randthema und mal nichts von Corona und Krieg schreiben zu können. Zum Beispiel von den lachenden und spielenden Nachbarskindern im Garten, von Frühlingsausflügen und Gartenarbeit, von Solarplänen und Radwegebau.

Amerika 1. April 2022

Kanada

‹Freedom Convoy› und Ausnahmezustand
von Ingo Schmidt*

An der West- und Ostküste brachen sie auf: mit Sattelschleppern, Pick-ups und SUVs, in langen Kolonnen fuhren sie tausende Kilometer, um gegen die Corona-Maßnahmen der liberalen Minderheitsregierung Justin Trudeaus zu protestieren. In der Hauptstadt Ottawa besetzten sie das Regierungsviertel. In Alberta und Ontario blockierten sie Grenzübergänge in die USA. Von der Polizei erteilte Platzverweise, eingezogene Führerscheine und Versicherungspolicen ignorierten sie.

Europa 1. April 2022

Die Linke und der Krieg in der Ukraine

Versuch einer Standortbestimmung
von Angela Klein

«Auf welcher Seite stehst du?», sang einst der verstorbene Liedermacher Walter Mossmann anlässlich der Platzbesetzung gegen das geplante AKW Wyhl. Die Frage ist heute nicht so leicht zu beantworten wie damals.

Europa 1. April 2022

‹Die Linke muss ihren Standpunkt überdenken›

Ein Gespräch mit zwei linken Ukrainern
Interview mit Denys Gorbatsch und Denis Pilasch

Shaun Matsheza und Nick Buxton von Transnational Institute (TNI) sprachen mit zwei Aktivisten aus der Redaktion der linken Zeitschrift Commons, die sich mit der Wirtschaft, Politik, Geschichte und Kultur der Ukraine befasst. Denys Gorbatsch ist Sozialforscher und promoviert derzeit in Frankreich über die Politik der ukrainischen Arbeiterklasse, Denis Pilasch ist Politikwissenschaftler und Aktivist in der sozialen Bewegung Sozialnyj Ruch.

Asien/Australien 1. April 2022

Die Antikriegsbewegung in Russland

Heimatfront zwischen Folter und Massenarmut
von Christoph Wälz

Die Bewegung gegen den Krieg kämpft in Russland nicht nur für den Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine. Sie kämpft unter hohem Repressionsdruck gleichzeitig um eine Zukunft, in der man noch würdig in Russland leben kann.

Europa 1. April 2022

Sanktioniert die Oligarchen, nicht das Volk!

Nicht alle Sanktionen gegen Russland können von uns unterstützt ­werden
von Thomas Piketty*

Thomas Piketty ist Ökonom und Professor an der Paris School of Economics und der École des Hautes Études en ­Sciences Sociales. 2014 sorgte seine Veröffentlichung Das Kapital im 21.Jahrhundert weltweit für große Aufmerksamkeit.

Europa 1. April 2022

Erklärung des International Labour Network of Solidarity and Struggles

Stoppt die russische Aggression in der Ukraine!Keine NATO!
Für eine freie und souveräne Ukraine für arbeitende Männer und Frauen!

dokumentiert

[…] Wir können die Intervention und militärische Unterdrückung der Bevölkerung, die von Russland in Gang gesetzt wurde, nicht akzeptieren; ebenso inakzeptabel ist es, den Vertretern des Imperialismus irgendeinen Raum zu öffnen, die versuchen, ihre Herrschaft mit Hilfe von Kriegen auszuweiten, die den Kapitalisten Profite und mehr Macht sichern.

Flucht/Migration 1. April 2022

Geflüchtete in Polen

‹Gibt es gute Flüchtlinge und schlechte Migranten?›
von Norbert Kollenda

So titelte die polnische Tageszeitung Gazeta Wyborcza. Während die Grenze zur Ukraine nun offen steht, schottet sich Polen an der Grenze zu Belarus weiter ab. Aber selbst bei der Aufnahme der ukrainischen Kriegsflüchtlinge verkündet die polnische Regierung zwar Unterstützung, überlässt sie aber ganz der Zivilgesellschaft.

Europa 1. April 2022

Flucht nach Polen

Die Ungleichbehandlung ist kaum auszuhalten
von Kerem Schamberger

Zwei Arten von Tweets wechseln sich auf dem Twitter-Account des polnischen Grenzschutzes ab. Zum einen werden täglich Zahlen genannt, wie viele weitere Menschen vor dem russischen Krieg in der Ukraine über die Grenze nach Polen geflohen sind. Zum anderen werden täglich Erfolge bei der Abwehr «illegaler» Flüchtlinge aus Belarus vermeldet und Fotos durchschnittener Grenzzäune getwittert, betitelt etwa mit: «Am 11.März versuchten 46 Ausländer illegal auf polnisches Territorium zu gelangen. Sie warfen Steine und Baumstämme auf die Grenzschützer. 26 Migranten wurden festgenommen.»

Erdgasknappheit müssen wir nicht mit mehr Kohle ausgleichen

Öl-, Gas- und Stromverbrauch lassen sich schnell verringern
von Klaus Meier

Die Ampelregierung und ganz besonders die Grünen starteten vor wenigen Monaten mit dem Versprechen eines schnellen ökologischen Umbaus. Darunter ein Ausstieg aus der Kohle bis 2030. Mit dem Überfall Russlands auf die Ukraine trat die Wirklichkeit hinter dem schönen Schein hervor:

Afrika 1. April 2022

Revolution im Sudan

Gewerkschaften, Räte und Imperialismus
von Nora Schmid

Die Demonstrationen im Sudan halten an. Auch nach dem Sturz des ehemaligen Machthabers Omar al-Bashir kämpfen die Menschen gegen die Militärregierung und für soziale Gerechtigkeit.

Für eine Militärpolitik des Proletariats

Alternativen zu Bundeswehr und NATO
von Michael Heldt und Manuel Kellner

Eine konsequent antimilitaristische linke Position ist neu zu entwickeln
Wir sind gegen Kriege, wissen aber, dass es aufgrund zunehmender zwischenimperialistischer Widersprüche in den kommenden Jahrzehnten zu grausamen Kriegen kommen wird und gehen davon aus, dass sie Teil der materiellen Basis für einen neuen Anlauf im Kampf für den Sozialismus sein werden.

Asien/Australien 1. April 2022

Das Los der Schmetterlinge

Nayantara Sahgal: Das Los der Schmetterlinge. Heidelberg: Draupadi, 2021. 114 S., 12 Euro
von Gerhard Klas

2015 gab die zeitlebens politisch engagierte Journalistin und Schriftstellerin ihren Sahitya-Akademie-Preis, die höchste literarische Auszeichnung in Indien, aus Protest gegen die hindu-nationalistische Regierung zurück. In ihrem neuen Roman werden Muslime in Lager getrieben, ihre Leichen über die Straße verstreut und Frauen von einem marodierenden Mob vergewaltigt.

Europa 1. März 2022

Wahlen in Portugal: Niederlage für die linken Parteien

Der Sozialdemokrat António Costa kann wieder allein regieren
von David Kellaway

In vielen Ländern der Welt sind Rechtspopulisten auf dem Vormarsch. So auch in Portugal. Die linken Parteien sind mehr denn je in den politischen Hintergrund gerückt.

Sanktionen gegen Russland: Das SWIFT-Szenario

Die Drohung, Russland aus dem SWIFT-Verkehr auszuschließen, ist eine Nebelkerze
von David Stein

Der angezählte britische Premier Johnson bringt die Abkopplung Russlands vom internationalen Zahlungssystem SWIFT als «potente Waffe» (!) für den Fall ins Spiel, dass Russland die Ukraine angreift.

Stratege oder Opportunist?

Was treibt Putin in der Ukraine für ein Spiel?
von Volodya Vagner

Während hierzulande ein Krieg mit Russland an die Wand gemalt wird, sind russische radikale Linke, die in Opposition zu Putin stehen, ebenso wie die ukrainische Führung weitaus reservierter. Die nachstehenden Beiträge bieten einen Einblick in die Beweggründe für die russische und ukrainische Politik.

Für Frieden und Deeskalation

Erklärung der Russischen Sozialistischen Bewegung (RSD)
dokumentiert

Die derzeitige beispiellose Eskalation um die Ukraine ist der Höhepunkt eines «Neuen Kalten Krieges», der sich seit 2014 zwischen Russland und dem «kollektiven Westen» (vertreten durch die USA, die NATO und die EU-Führung) entwickelt.

Biden und Putin spielen mit dem Feuer

Das Risiko einer Eskalation des Ukrainekonflikts ist real
von Gilbert Achcar*

Es ist keine Übertreibung zu sagen, dass das, was sich derzeit in Europa abspielt, den gefährlichsten Moment der jüngeren Geschichte darstellt. Der Ukrainekonflikt führt uns so nah an einen Dritten Weltkrieg heran, wie zuletzt nur die Kubakrise von 1962.

Inflation: Daten, Erklärungen, Politik (Teil 4)

Lieferketten, Globalisierung & neuer Kalter Krieg
von Ingo Schmidt

Inflation und Inflationsbekämpfung sind Thema Nr.1. Endlich mal wieder was Bekanntes. Die üblichen Verdächtigen werden vorgeführt: Der Geldumlauf ist zu hoch, die Konjunktur läuft heiß, die Gewerkschaften drehen hemmungslos an der Lohn-Preis-Spirale. Aber die Beweislage ist schwach.

Asien/Australien 1. März 2022

Myanmar: Gewaltloser Widerstand oder Sanktionen?

Nach dem Militärputsch haben die Arbeitenden die Wahl zwischen Hunger und Kampf
von Kiana Duncan

Für den Textilarbeiter und Gewerkschaftsaktivisten Thurein Aung hängt die Sicherheit seiner einstündigen Motorradfahrt zur ­Arbeit in Yangon davon ab, welche Kämpfe in den Tagen zuvor stattgefunden haben. Wenn sich der Konflikt zwischen der Militärjunta Myanmars und den Widerstandskräften an der Basis, die Volksverteidigungskräfte (PDF) in den Großstädten, den Industriegebieten nähert, beginnen militärische Kontrollpunkte die Hauptstraßen zu säumen.

Nur Online 27. Februar 2022

Erklärung des International Labour Network of Solidarity and Struggles

Stoppt die russische Aggression in der Ukraine! Keine Nato! Für eine freie und souveräne Ukraine für arbeitende Männer und Frauen!
vom International Labour Network

Am Donnerstag, dem 24.Februar, hat Russland mit der Militäroperation in der Ukraine begonnen, nachdem Wladimir Putin die Unabhängigkeit der Gebiete Donezk und Luhansk anerkannt hat.

Nur Online 24. Februar 2022

Nieder mit den imperialistischen Kriegen!

Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung gegen Putins militärische Aggression!
von Philippe Poutou (Neue Antikapitalistische Partei, NPA)

In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kündigte Putin den Beginn einer „Militäroperation“ in der Ukraine an. Diese ging von den Land- oder Seestreitkräften aus, die in den drei Grenzgebieten der Ukraine stationiert sind. Das Ziel dieses Krieges, da er so genannt werden muss, soll laut Putin die „Entmilitarisierung“ und „Entnazifizierung“ der Ukraine sein – nicht ohne vorher Gebiete zu zerstückeln und zu annektieren, von denen man bis heute nicht weiß, wie weit sie sich ausdehnen werden.

Asien/Australien 1. Februar 2022

Kasachstan: Farben‹revolution› oder Arbeiteraufstand?

Der Ölreichtum fließt in den Westen und hinterlässt ein Armenhaus
Interview mit Ainur Kurmanow*

Das russische Onlineportal Zanovo-media hat ein Interview mit ­Ainur Kurmanow über die jüngsten Revolten in Kasachstan veröffentlicht. Es wurde vom Online-Portal lefteast.org ins Englische übersetzt und durch Hintergrundinformationen ergänzt. Ainur Kurmanow ist ein Leitungsmitglied der Sozialistischen Bewegung Kasachstans.

Amerika 1. Februar 2022

Freiheit für Julian Assange!

Die SoZ schließt sich der großen Zahl von Protesten gegen die Absicht der britischen Regierung an, den Whistleblower Julian Assange an die USA auszuliefern
von Rolf Euler

Nachdem Anfang 2021 ein britisches Gericht die Auslieferung Assanges an die USA abgelehnt hatte, weil sein gesundheitlicher Zustand nach zwei Jahren Isolationshaft eine solche nicht erlauben würde – der UNO-Sonderberichterstatter für Folter sprach allerdings von Folter wegen der Haftbedingungen in England – hat ein Berufungsgericht, das von den USA angerufen wurde, im Dezember hat dieses Urteil geändert.

Buch 1. Februar 2022

Flic – Bulle – Polizist

Ein Blick ins Innenleben des französischen Polizeialltags
von Albrecht Kieser

Valentin Gendrot: Bulle. Undercover in der Polizei von Paris. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2022. 320 S., 20 Euro

Europa 24. Dezember 2021

Atempause für den Nationalpark

Der Bau des Lobau-Tunnels ist einstweilen gestoppt
von Paul Stern

Seit September 2021 verhindern Aktivist:innen der österreichischen Klimagerechtigkeitsbewegung den Bau einer Stadtautobahn in Wien.

Globalisierung/Krieg 24. Dezember 2021

‹Alexa, spiel ein Kriegslied›

Militärs setzen auf Künstliche Intelligenz, Drohnen und autonome Waffen –
ein gefährliches Wettrüsten
von Matthias Becker

Die neue Koalition will die Bundeswehr mit bewaffneten Drohnen ausrüsten. Die Armee wünscht sich das schon lange, aber einige Sozialdemokraten und Grüne zierten sich – bis vor der Bundestagswahl.

Bewegung 24. Dezember 2021

Frankreich: Die Linke riskiert, von der Bildfläche zu verschwinden

Der Wahlkampf hat bereits begonnen, die Umfragen sind deprimierend
von Michel Rousseau

In vier Monaten, am 10.April, findet in Frankreich die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt (die zweite Runde folgt am 24.April). Die Voraussagen sind niederschmetternd bis haarsträubend, trotzdem ist noch alles offen, sagt MICHEL ROUSSEAU, mit dem wir über die politische Situation vor den Wahlen sprachen.

Flucht/Migration 24. Dezember 2021

Demokratischer Konföderalismus statt islamischem Fundamentalismus

Ärzt:innen in Südkurdistan: Eindrücke von einer Delegationsreise
von Christian Haasen*

Der Demokratische Konföderalismus wird vor allem in Verbindung mit der autonomen Föderation Nord- und Ostsyrien (Rojava) gebracht. Er wird aber auch an anderen Orten in Kurdistan praktiziert, etwa wie im Flüchtlingscamp Mahmour. CHRISTIAN HAASEN hat an einer Delegationsreise dreier Ärzt:innen teilgenommen und schildert die Eindrücke, die er gewinnen konnte.

Amerika 22. Dezember 2021

Bitter und bezaubernd

Haitianische Malerei zwischen Vodou und klassischer Moderne
von Angela Klein

Im Jahr 2018 fand in Basel eine Ausstellung über «Kunst aus Haiti 1970–2000» statt. Der daraus entstandene Katalog*, auf dem der vorliegende Artikel mitsamt Illustrationen beruht, ist weiterhin erhältlich.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2021

An die Wand

Die kapitalistische Wirtschaftsweise erstickt an ihrer eigenen Produktion
von Angela Klein

«Ein sehr schlimmes Weihnachtsfest» prophezeit der Chef des Robert-Koch-Instituts (RKI), Lothar Wieder, wenn die Impfquote nicht deutlich steigt und Hotspots wie Discos und Weihnachtsmärkte geschlossen werden. Traurige Weihnachten unken auch die Wirtschaftsverbände – aus anderen Gründen:

Amerika 1. Dezember 2021

Über Youtube zum Sozialismus?

«Wir müssen über unseren Tellerrand hinausschauen»
Gespräch mit Sabrina Fernandes

Sabrina Fernandes ist eine sozialistische Influencerin in Brasilien. Sie kombiniert Spiele mit politischen Themen und ist promovierte Soziologin. Der Name ihres Youtube-Kanals, «Tese Onze», ist angelehnt an die elfte Feuerbachthese von Karl Marx.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2021

Der letzte Kampf der Menschheit – der Kampf für das Leben

Auf der Demonstration am 31.10. in Lützerath sprach der Kolumbianer Juan Pablo Gutiérrez
dokumentiert

Juan Pablo Gutiérrez ist Fotograf und internationaler Gesandter des Volkes der Yupka in Kolumbien.
Die Yupka sind Teil des Netzwerks der Indigenen in Kolumbien (ONIC). Sie kämpfen gegen einen gigantischen Steinkohletagebau, der ihr ­Territorium und ihre Lebensgrundlagen bedroht.

Amerika 1. Dezember 2021

Blutkohle in Kolumbien

Vertreibung, Umweltzerstörung, Mord und Widerstand
von Margaret Buslay*

In den 80er Jahren begann der Kohleabbau im Norden Kolumbiens. El Cerrejón, die größte Kohlemine Lateinamerikas, baut auf 690 qkm jährlich rund 30 Millionen Tonnen Steinkohle ab. Sie gehört dem Schweizer Rohstoffgiganten Glencore. 2020 förderte Glencore weltweit 126,2 Mio. Tonnen Kohle. Glencore wird satte Profite erwarten können, da der Kohlepreis auf dem Weltmarkt in diesem Jahr rasant gestiegen ist.
Die Kohle aus Kolumbien wird u.a. auch im deutschen Kraftwerk Datteln verfeuert.

Amerika 1. Dezember 2021

«Ein Aufruhr kann die Kapitalistenklasse zum Rückzug zwingen»

Großes Potenzial in der Zunahme der Streiks in den USA
von Kim Moody*

In diesem Jahr 2021 haben die Streiks in den USA massiv zugenommen. Es gibt nicht nur mehr Streiks, sondern auch in neuen Bereichen. Der ehemalige US-Arbeitsminister Robert Reich spricht von einem unorganisierten Generalstreik. KIM MOODY spricht von einer zunehmenden Unzufriedenheit mit den Arbeitsbedingungen und der gestiegenen Zuversicht, etwas dagegen tun zu können.

Afrika 1. Dezember 2021

Mali

Was passiert nach dem Abzug der französischen Truppen?
von Bernard Schmid

Die Übergangsregierung versucht, die Jihadisten in eine Lösung einzubinden
Emanuel Macron hat im Juni angekündigt, die französische Militärpräsenz in der westlichen und zentralen Sahelzone (genauer gesagt in den Staaten Mauretanien, Mali, Burkina Faso, Niger und Tschad) nach und nach reduzieren zu wollen. Die Sahelzone ist seit rund zehn Jahren Kampfzone jihadistischer Gruppen.

Europa 1. Dezember 2021

An der polnischen Ostgrenze

Grünes Licht für Migranten
Zusammenstellung von Norbert Kollenda

Der Ort, an dem die EU ihr wahres Gesicht zeigt, heißt Usnarz Górny.
Seit vier Wochen kampiert eine Gruppe von 32 Afghanen im polnisch-belorussischen Grenzgebiet Usnarz Górny. Grenzsoldaten auf beiden Seiten verhindern, dass sie nach Polen einreisen oder nach Weißrussland zurückkehren können. Die polnische Seite weigert sich, ihr Asylgesuch entgegenzunehmen und verweigert jede Hilfeleistung – eine klare Verletzung der Asylgesetze, auf die auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hingewiesen hat.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2021

Nachruf auf Rolf Verleger (1951–2021)

Kritik an Israels Politik ergibt sich aus dem jüdischen Gebot der Nächstenliebe
von Arn Strohmeyer

Rolf Verleger war Psychologe, Hochschullehrer mit dem Forschungsschwerpunkt Neuropsychologie und Mitglied des Zentralrats der Juden in Deutschland. Er hat mehrere Bücher zum Thema Judentum und Israel geschrieben.
Veröffentlichungen u.a.: Israels Irrweg. Eine jüdische Sicht. Köln: Papyrossa, 2010

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2021

Menschenrechtsarbeit = Terror?

Neuer Militärbefehl in Israel kriminalisiert palästinensische Menschenrechtsorganisationen
dokumentiert

Ein Militärbefehl des israelischen Verteidigungsministeriums vom 22.Oktober stuft die palästinensischen Menschenrechtsorganisationen Al-Haq, Addameer, Defense for Children International/Palestine, das Bisan Center for Research and Development sowie die Organisationen Union of Palestinian Women’s Committees und Union of Agricultural Work Committees als «terroristische Organisationen» ein.

Europa 1. Dezember 2021

‹Nicht eine mehr!›

In Polen gehen Zehntausende gegen Frauenmord auf die Straße
von Jan Malewski

Am 8. November 2021 versammelten sich zehntausende Demonstrierende in mehr als 70 polnischen Städten und forderten, wie im vergangenen Jahr, das Recht der Frauen auf freie Wahl. Eine schwangere Frau war im Krankenhaus von Pszczyna (Oberschlesien) gestorben, während die Ärzte darauf warteten, dass «das Herz des Embryos aufhört zu schlagen».

Buch 1. Dezember 2021

Die Gewalt der Siedler und der Fehler von Oslo

Hintergründe des Nahostkonflikts seit der Staatsgründung Israels
von Annette Groth*

Helga Baumgarten: Kein Frieden für Palästina. Der lange Krieg gegen Gaza. Besatzung und Widerstand. Wien: Promedia, 2021. 192 S., 19,90 Euro

Europa 27. November 2021

POLNISCHE PRESSESCHAU 167, 27.11.2021

Die Welt hat genug von der PiS studioopinii.pl 24.11.2021

Die Isolation derjenigen, die Polen regieren, ist eine Tatsache. Dies gilt auch für die dominierende Institution der katholischen Kirche in Polen, die sich nicht nur in den Augen der Welt, sondern auch in den Augen ihrer eigenen Bürger kompromittiert. Die Probleme an der polnischen Grenze zu Belarus werden von Deutschland, Frankreich und den USA gelöst, über die Köpfe der polnischen Politiker hinweg.

Europa 27. November 2021

POLNISCHE PRESSESCHAU 166, 13.11.2021

Opfer des Abtreibungsverbots des Przylebska Tribunals onet.pl 06.11.2021

Der tragische Tod der 30-jährigen Izabela aus Pszczyna löste eine Welle der Empörung und Protesten aus, die in ganz Polen und an mehreren Orten in der Welt stattfanden.

Europa 27. November 2021

POLNISCHE PRESSESCHAU 165, 22.10.2021

Morawiecki vor dem EU Parlament

Springers Fakt 20.10.2021

„Das ist es, was passiert, wenn man die interne Streitfrage auf die Ebene der Europäischen Union überträgt. Das passiert, wenn man glaubt, dass Jaroslaw Kaczynski die gesamte Europäische Union von der PiS-Zentrale in Nowogrodzka aus regieren wird, so wie er Polen regiert“, schreibt Agnieszka Burzynska.

Globalisierung/Krieg 1. November 2021

NoWarNoWarming

Militär, Rüstung und Krieg zerstören das Klima
von Hanno Raußendorf

Fünf Tage vor dem Beginn der UN-Klimakonferenz (31.10.–12.11.) haben Klima- und Friedensaktivist:innen gefordert, endlich auch die militärischen CO2-Emissionen in die Vereinbarungen zum Schutz des Klimas einbeziehen – weltweit haben 25000 Gruppen und Einzelpersonen eine entsprechende Petition im Internet unterschrieben.

Amerika 1. November 2021

Mexiko: Deutsche Bahn im Dienste von Militär, Staat und Kapital

Im Namen des Fortschritts zerstört die DB die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung
von der Recherche-AG des Netzes der Rebellion

Infrastrukturprojekte bringen Fortschritt und Entwicklung, heißt es offiziell. Im Süden Mexikos betreibt u.a. die DB ein Projekt, das zynisch «Tren Maya» (Maya-Zug) genannt wird. Es zerstört Regenwald und die Lebensgrundlage der indigenen Bevölkerung. Die Deutsche Bahn ist daran über ihre Tochter DB Engineering & Consulting GmbH beteiligt.

Europa 1. November 2021

Norwegen

Eine neue Arbeiterpartei auf dem Vormarsch
von Mímir Kristjánsson

Bei den Parlamentswahlen hat die radikale linke Partei Rødt (Rot)
einen historischen Durchbruch erzielt.
In den Umfragen liegt die Partei schon seit Jahren über der Hürde von 4 Prozent, die für den Einzug als vollwertige Fraktion erforderlich sind, sie war bislang aber im Parlament, dem Storting, nur mit einem Abgeordneten vertreten, Bjørnar Moxnes. Das Überschreiten dieses Werts verschafft ihr nun acht Abgeordnete.

Europa 1. November 2021

Italien: Sturm auf das Gewerkschaftshaus

Hundert Jahre nach der Zerstörung der Arbeiterkammern durch die Faschisten greifen sie wieder Gewerkschaftshäuser an
von Franco Turigliatto

Am 9.Oktober stürmten Trupps der faschistischen Gruppe Forza Nuova die Gewerkschaftszentrale der CGIL in Rom. Dies geschah im Rahmen einer Demonstration gegen den sog. Green Pass. Unter den süffisanten Blicken hunderter Menschen drangen sie bis in den 5.Stock des Gebäudes vor, ohne dass die sogenannten Ordnungskräfte dagegen eingeschritten wären.

Arbeitswelt 1. November 2021

Italien: Green-Pass

Der Grüne Pass schürt die Spaltung unter den Beschäftigten
dokumentiert

Beim Angriff auf das Gewerkschaftshaus waren die Faschisten nur zwei Dutzend, aber die Demonstration hatte keinen inneren Zusammenhalt.
Im Gegensatz zu den Verlautbarungen des staatlichen Antifaschismus wiesen die No-Green-Pass- und No-Vax-Proteste am 9.Oktober in Rom zwei Aspekte auf, die nicht zusammen passen: den neofaschistischen Angriff auf das CGIL-Hauptquartier und die große Menge der Demonstrierenden.

Europa 1. November 2021

13 Jahre Knast für humanitäre Hilfe

Italiens Justiz verfolgt ein erfolgreiches Modell der Flüchtlingshilfe
von Angela Klein

Während die Mafia frei herumläuft, soll ein Bürgermeister aus Kalabrien in den Knast – weil er gezeigt hat, dass man Flüchtlingen helfen und verlassene Dörfer wieder aufbauen kann.

Amerika 1. November 2021

‹Mein Körper, meine Entscheidung›

In den USA demonstrieren wieder zehntausende Frauen für das Recht auf Abtreibung
von Dan La Botz

Der Bundesstaat Texas hat kürzlich ein Gesetz verabschiedet, das Abtreibungen verbietet, sobald der Herzschlag des Fötus festgestellt ist – das sind praktisch alle. Das Gesetz ermöglicht zudem Privatpersonen, zivilrechtlich gegen alle vorzugehen, die einer Frau bei einem Schwangerschaftsabbruch helfen – vom Taxifahrer, der eine Frau zur Klinik fährt, bis hin zu Eltern, die ihre Tochter finanziell bei der Abtreibung unterstützen.

Europa 1. November 2021

Frankreich: Die Ignoranz der Herrschenden – nicht nur bei Corona

Die Massenproteste gegen Macrons Corona-Politik und die Defizite des politischen Systems
von Sebastian Chwala

Seit Wochen gehen zehntausende Menschen gegen Macrons harte Corona-Regeln auf die Straße. Es ist eine regelrechte Protestwelle gegen den Staatspräsidenten, dessen Amtszeit im nächsten Jahr endet. Sie ist im Geiste eng mit der Gelbwestenbewegung verwandt, die seit November 2018 existiert und den autoritären und unsozialen Umbau der französischen Republik anprangert.

Europa 1. November 2021

Ende einer Karriere

‹Altkanzler› Sebastian Kurz und seine Prätorianer
von Dieter Braeg

Der große «Held», der sich damit brüstete die Balkanroute geschlossen zu haben und für viele Politiker in der CDU/CSU Vorbild war und ist, erschien am 14.Oktober 2021 zum erstenmal, völlig ohne Kanzlertitel, im österreichischen Nationalrat: Dort wurde er als Parlamentarier vereidigt und sofort mit 100 Prozent zum Fraktionsvorsitzenden gewählt.

Nur Online 27. Oktober 2021

Kommunismus in Graz

Verankerung, Verankerung, Verankerung
von Violetta Bock

„Sprechstunde mit Elke Kahr unter der Treppe“ – so steht es auf einem unscheinbaren weißen Zettel am Volkshaus in Graz. Das Volkshaus ist ein großzügiges Gebäude in der Lagergasse 98a im Bezirk Gries. Hier, im Arbeiterstadtteil, befindet sich der Sitz der KPÖ. Direkt nebenan ein Bildungs- und Kulturzentrum.

Europa 14. Oktober 2021

POLNISCHE PRESSESCHAU 164, 08.10.2021

Auf dem Weg aus der EU? Onet.pl 07.10. 2021

Das Verfassungsgericht hat das Urteil über den Antrag des Premierministers bezüglich des im Vertrag über die Europäische Union verankerten Grundsatzes des Vorrangs des EU-Rechts vor dem nationalen Recht verkündet. Das Verfassungsgericht hat ausgewählte Bestimmungen des Vertrags über die Europäische Union für verfassungswidrig erklärt. Die Entscheidung löste zahlreiche Kommentare von Politikern, Publizisten und Rechtsexperten aus.

Asien/Australien 1. Oktober 2021

Afghanistan

Desaster ohne Ende
von Tobias Pflüger

Es waren dramatische Szenen im August auf dem Flughafen von Kabul. Nachdem die Taliban die Stadt eingenommen hatten, drängten sich hunderte Menschen auf dem Rollfeld in der Hoffnung, eines der Flugzeuge zu erwischen, das sie außer Landes und vor den Taliban in Sicherheit bringen konnte. Es waren Bilder wie im Vietnamkrieg 1975 beim Fall von Saigon. Die deutsche Bundesregierung trägt hier eine Mitverantwortung.

Amerika 1. Oktober 2021

‹Wir sind gekommen, um mit denen zu sprechen, die mit uns sprechen wollen›

Mitte September begann die Rundreise einer Delegation von Zapatistas durch Europa
von Moritz Binzer*

Eine Delegation von Zapatistas befindet sich derzeit auf einer Rundreise durch Europa. Die Einreise über Paris, ihrem ursprünglichen Zielort, war ihnen verwehrt worden. Am 14.September konnten die über hundert Aktivist:innen endlich in Wien landen.

Asien/Australien 1. Oktober 2021

Indien: ‹No farmers, no food›

Die indische Bauernschaft ist von zahllosen Klassen- und Kastenspaltungen durchzogen. Doch der gemeinsame Kampf gegen die Konzerne vereint sie auch
von Aditya Bahl

Im Frühjahr 2021 blockierten mehr als eine halbe Million Bäuerinnen, Bauen und Landarbeiter:innen drei wichtige Autobahnen rund um Neu- Delhi. Sie protestierten gegen die Regierungsentscheidung, Agrarkonzernen die Übernahme des indischen Agrarsektors zu erlauben. Seither haben die Demonstrierenden mit ihren Traktoren und Karren eine politische Kommune auf Rädern improvisiert.

Asien/Australien 1. Oktober 2021

Nichts wird gut in Afghanistan

An die Stelle der Bomben werden ausländische Investoren treten – der Krieg um die Bodenschätze wird mit anderen Mitteln fortgesetzt
von Angela Klein

Einen militärischen und politischen Sieg der Taliban nennt der Afghanistan-Forscher Jonathan Neale den Abzug der NATO-Truppen nach 20 Jahren Krieg. Es ist die schwerste Niederlage der USA seit dem Vietnamkrieg – ungeachtet der Tatsache, dass der Abzug vor eineinhalb Jahren ausgehandelt wurde.

Asien/Australien 1. Oktober 2021

Warum die Taliban gewonnen und die Kommunisten verloren haben

Afghanistans Fluch ist seine geostrategische Lage und seine Armut an Agrarüberschüssen. Das prägt bis heute seine Geschichte und ­Entwicklung und erklärt den Einfluss des Islam
von Jonathan Neale*

Die Armut
Armut und Patriarchat sind der Nährboden für die Herrschaft des Islam
Afghanistan ist weitgehend unfruchtbar und öde, nur in wenigen Gegenden reichen die Niederschläge für den Ackerbau aus. Und nur an wenigen Stellen der Ebenen des Tieflands können die Bauern den Wasserreichtum der Flüsse nutzen.

Asien/Australien 1. Oktober 2021

Zwischen Hoffnung und Furcht

Afghanische Frauen auf dem Land sprechen über Krieg und Frieden
von Martine van Bijlert

Nach dem Friedensabkommen zwischen den USA und den Taliban Ende Februar 2020 führte ein Team des Afghanistan Analysts Network (AAN) eine Untersuchung unter Landfrauen durch. In ausführlichen Gesprächen trug es die Ansichten, Erfahrungen, Ängste und Hoffnungen von afghanischen Frauen auf dem Land zusammen. Nachstehend eine Zusammenfassung.

Nordafrika/Nahost 1. Oktober 2021

Etwas mehr Zuckerbrot als Peitsche

Die israelische Regierung erwartet von den Palästinenser:innen Dankbarkeit für ihr Apartheidregime
von Shir Hever

Die acht Parteien, aus denen sich die fragile israelische Koalition von Ministerpräsident Naftali Bennett zusammensetzt, sind sich nur in einem Punkt einig: in ihrer Angst und in ihrem Hass auf Binyamin Netanyahu. Was die von ihnen jeweils gewünschte israelische Politik gegenüber den Palästinenser:innen angeht, vertreten sie acht unvereinbare Positionen.

Nur Online 3. September 2021

Die Koalition der Ahnungslosen

Am Ende ihrer Afghanistan-Mission
von Helmut Dahmer, Wien

Rückblick

Seit 500 Jahren kolonisieren europäische Staaten und ihre nordamerikanischen Ableger die außereuropäische Welt. Die in Europa (und nur dort) entstandene kapitalistische Wirtschaftsweise, deren Motor die profitable Verwertung privater Kapitale ist, braucht die permanente internationale Expansion und deren militärische Absicherung.

Arbeitswelt 1. September 2021

MAN Österreich: Der trübe Deal mit Magna

Exportförderung auf dem Rücken der Beschäftigten
von Angela Klein und Peter Sachartschenko

Der Umstieg auf Elektromobilität schafft der Zulieferindustrie in Deutschland ein erhebliches Problem, weil viele Komponenten, die für einen Verbrenner notwendig sind, bei einem E-Auto wegfallen. Große Zulieferer wie Bosch oder
ZF Friedrichshafen haben die Zeichen der Zeit erkannt und versuchen umzusatteln, steigen in die Batterieproduktion ein oder entwickeln Technologie für das autonome Fahren. Sie versuchen, ihre Belegschaft zu halten. Schon im benachbarten Österreich gilt diese Regel aber nicht mehr. Hier werden Beschäftigte regelrecht verscherbelt.

Europa 1. September 2021

Gleichschaltung der Medien in Polen

Erst kamen deutsche Konzerne, jetzt greift der Staat zu
von Adam Zaremba

Ende letzten Jahres hat der staatliche Mineralölkonzern Orlen von der deutschen Verlagsgruppe Passau Polska Press übernommen. Dazu gehören 26 der 28 Regionalzeitungen und viele andere Medien.

Europa 1. September 2021

Solidarität!

Säuberungswelle in der Labour Party
dokumentiert

«Der Generalstab von Labour hat beschlossen, dass ich nicht geeignet bin, seiner Partei anzugehören, weil ich die nicht verleugnen werde, die bereits ausgeschlossen wurden. Nun, ich bin stolz darauf, an der Seite der guten Freunde und Genossen zu stehen, die Opfer der Säuberung wurden. Es gibt wirklich eine Hexenjagd.

Amerika 1. September 2021

Kubas Regierung hat die Signale ignoriert

Die soziale Revolte in Kuba tut weh, aber sie kommt nicht überraschend
von Alina Bárbara López Hernández*

Eindrücke von den Massenprotesten in Kuba, die am 11.Juli des Jahres begannen. Der Artikel wurde am 15.Juli 2021 geschrieben.

Nur Online 31. August 2021

Rückkehr der Taliban: Das Ende der Besatzung

Über die erneute Machteroberung der Taliban
Nancy Lindisfarne und Jonathan Neale


Was bedeutet der Sieg der Taliban in Afghanistan? Warum konnte Kabul so schnell erobert
werden? Was passiert jetzt mit den afghanischen Frauen und warum unterstützen so
viele Afghan:innen die Taliban? – Der Artikel stammt von marx21.de, vom 19.August 2021. Mit freundlicher Genehmigung teilen wir ihn hier.

Asien/Australien 30. August 2021

Über das Debakel eines nicht zu gewinnenden Krieges

‹Wir hatten nicht die geringste Ahnung von dem, was wir taten›
von Tariq Ali*

Während US-Militärs langsam aufwachen und schonungslos mit dem Afghanistan-Einsatz abrechnen, will man in Europa die Niederlage nicht akzeptieren.

Asien/Australien 30. August 2021

Schluss mit Auslandseinsätzen!

Wir sind den Afghanen Reparationen schuldig
von Angela Klein

Jetzt vergießen sie Krokodilstränen über das Schicksal der Frauen unter der Herrschaft der Taliban. Man darf sie Krokodilstränen nennen, weil diese Frauen von den Falschen beweint werden. Solche, die sie für ganz andere politische Zwecke instrumentalisieren. Die in der Stunde ihrer Niederlage deutlicher denn je zeigen, wie sehr ihnen das Schicksal der afghanischen Bevölkerung am … vorbeigeht. Was ihre sog. westlichen Werte wert sind.

Nur Online 30. August 2021

RAWA antwortet auf Machtübernahme der Taliban

Kampf für Demokratie und Frauenrechte
Interview mit RAWA

Es wäre lachhaft zu denken, dass Werte wie „Frauenrechte“, „Demokratie“, „Nationsbildung“ wirklich zu den Zielen von USA und NATO in Afghanistan gehört hätten! Sonali Kolhatkar hat mit der Revolutionären Afghanischen Frauenorganisation (RAWA) über die aktuelle Lage gesprochen.

Nur Online 22. Juli 2021

20 Jahre Genua

Kampfansage gegen den Kapitalismus
von Anja

Heute vor 20 Jahren fanden in Genua die Proteste gegen den G8-Gipfel statt. Ich war damals mit 250.000 anderen Menschen auf der Straße und habe gegen den Kapitalismus gekämpft. Die Proteste markierten nur den Endpunkt einer langen, intensiven Vorbereitungs- und Mobilisierungsarbeit.

Nur Online 18. Juli 2021

Das ist keine Naturkatastrophe

Überschwemmungen in Belgien, Deutschland und den Niederlanden
von Daniel Tanuro

Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels haben die schrecklichen Überschwemmungen in Belgien, Teilen von Deutschland und den Niederlanden mehr als 200 Menschen getötet. Zehntausende haben ihr Heim, haben alles verloren und werden für immer traumatisiert bleiben.

Stetiger Machtkampf

NATO-Gipfel kündigt neuen Kalten Krieg an
von Angela Klein

Die Töne aus Berlin, Brüssel und Washington gegenüber Russland und China werden schärfer. Jeder etwas prominentere Menschenrechtsverstoß wird zum Anlass genommen, Sanktionen zu verschärfen, der Ton ist herrisch: Es geht mal wieder darum, wer Herr im Haus ist.

Europa 1. Juli 2021

‹Die alte Welt hat sich noch einmal behauptet›

Bei den Regionalwahlen in Frankreich ist die Partei von Staats­präsident Macron abgestürzt, die Partei von Marine Le Pen hat ihr Wahlziel nicht erreicht
Gespräch mit Christine Poupin

Die Regionalwahlen sind nicht so ausgefallen, wie die Umfragen das vorhergesagt haben: Der Rassemblement National (RN, früher Front National) konnte nicht den Durchbruch erzielen, der ihm vorausgesagt wurde, und hat keine Region erobern können, nicht einmal die sicher geglaubte Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA). Wie interpretierst du das?

Arbeitswelt 1. Juli 2021

Strukturelle und ohnmächtige Gewalt

Hinter der formal-demokratischen Fassade versteckt sich ein Klassenkrieg
von Gerhard Klas

Wo keine politischen Alternativen greifbar sind, entlädt sich die Wut in Aufständen. Für Linke eine Herausforderung.

Gewalt zieht sich wie ein roter Faden durch die politische Geschichte der Menschheit und hat Gesellschaften erschüttert und verändert. Kriege, Terrorregime und Revolutionen sind dabei nur der sichtbarste Teil.

Gesellschaft 1. Juli 2021

Das Gespenst der unerhörten Klassen

Der Kampf um die Wut der unerhörten Klassen ist die entscheidende politische Frage unserer Zeit
von Slave Cubela

Ein Gespenst geht um in der Welt. Es ist nicht das Gespenst des Kommunismus und es erschreckt keineswegs nur die herrschenden Klassen. Wenn es erscheint, taucht es plötzlich auf. Immer wieder ist auch die politische Linke irritiert von seiner Wucht. Es kennt viele Erscheinungsformen.

Asien/Australien 1. Juli 2021

Scheitert Modi an den neuen Agrargesetzen?

Indiens Bauern führen eine Kampagne zur Abwahl der Modi-Regierung
von Dominik Müller

Neben der Corona-Pandemie ist der Kampf der Bauern gegen die Gesetze zur Agrarreform die größte Her­ausforderung für die Regierung von Narendra Modi, seit sie 2014 an die Macht kam. Seit einem halben Jahr kommen sie nicht zum Erliegen. Über vierzig Bauernorganisationen haben jetzt eine Kampagne zur Abwahl der Regierung gestartet, die bis zu den nächsten Wahlen zum Unterhaus 2024 dauern soll.

Nordafrika/Nahost 1. Juli 2021

Israels Führung hat sich verrechnet

Nach der Provokation auf dem Tempelberg stellt sich die Frage: wer hat ­gewonnen, wer verloren?
von ­Moshe Machover*

Die mehrfache Provokation der palästinensischen Bevölkerung in Jerusalem Anfang Mai durch israelische Siedler und Polizei hat eine Vorgeschichte.

Nordafrika/Nahost 1. Juli 2021

Die Hamas – Verbündete oder Feind?

Ihre Rolle im jüngsten palästinensischen Aufstand
von Moshe Machover

Die «Islamische Widerstandsbewegung», Hamas, seit 2007 die politisch führende Kraft im Gaza-Streifen, ist eine Widerstandsbewegung. Es gibt keine Symmetrie zwischen ihr und dem Staat Israel, der ein von messianischem Rassismus befeuertes, zionistisches Kolonialregime führt, das bestrebt ist, die «jüdische Vorherrschaft» aufrechtzuerhalten.

Nordafrika/Nahost 1. Juli 2021

Israel hat eine neue Koalition: die Spinne

Die vierte Parlamentswahl innerhalb von zwei Jahren hat Netanyahu endlich aus dem Amt gejagt
von Shir Hever

Das israelische Wahlsystem ist so aufgebaut, dass es für jede politische Partei schwierig ist, eine einfache Mehrheit zu erreichen. Die Existenz kleiner Parteien macht mehr als eine Mehrheitskoalition möglich, und so findet regelmäßig ein erbitterter Bieterkrieg statt, in dem Gefälligkeiten versprochen werden.

Europa 1. Juli 2021

Der Anfang vom Ende Jugoslawiens

Vor 30 Jahren erklärten Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit
von Heiko Bolldorf*

Am 25.Juni 1991 erklärten Slowenien und Kroatien, die nördlichsten Teilrepubliken Jugoslawiens, ihre Unabhängigkeit. Damit wurde eine Entwicklung eingeleitet, die zum kompletten Zerfall Jugoslawiens führte.

Amerika 1. Juli 2021

‹Sie haben uns alles genommen, sogar die Angst›

Seit sieben Wochen erlebt Kolumbien einen Generalstreik, der ­seinesgleichen sucht
von Forrest Hylton*

Entzündet hat sich der Streik an einer geplanten Steuerreform und Gesundheitsreform. Kurz nach Beginn der Proteste am 28.April wurden beide Vorhaben zurückgezogen, der Finanz- und der Außenminister zum Rücktritt gezwungen. Die Proteste gingen aber überwiegend gewaltlos weiter, während Polizei und Armee immer brutaler reagierten.

Nur Online 30. Juni 2021

Stanislaw Obirek: Zamosc schämt sich für Rosa Luxemburg

2021-06-25 studioopinii.pl
dokumentiert

Wieder einmal habe ich meine Lieblingsstadt besucht. Zamosc ist eine Perle der Renaissance-Architektur. Die Stadt wurde zuerst im Kopf eines der brillantesten polnischen Köpfe erschaffen. Jan Zamoyski (1542-1605) wurde zunächst im calvinistischen Gymnasium in Krasnystaw ausgebildet und studierte dann in Paris und Straßburg.

Nur Online 17. Juni 2021

Teil des Spiels

Fußball und Gesellschaft
von Kurt Hofmann

Eben erst hat sie begonnen: die Fußball-Europameisterschaft 2021, erstmals verteilt auf mehrere Länder und viele Austragungsstätten.

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2021

Die Entsorgung der deutschen Schuld

Antisemitische Angriffe sind zu verurteilen – seien sie verbal oder tätlich. Selbst wenn sie ­eine Reaktion auf israelischen Terror gegen die palästinensische Bevölkerung sind
von Angela Klein

Sie wiederholen spiegelbildlich die nationalistischen Denkmuster, die der Zionismus vorlebt.

Asien/Australien 1. Juni 2021

Indiens Covid-Katastrophe

Das Gesundheitssystem kollabiert und die Massen zahlen für die Kaltschnäuzigkeit des Modi-Regimes
von Hassan Jan

Am 1.Mai hat Indien als erstes Land der Welt die Schwelle von 400000 täglichen Neuerkrankungen mit 3689 Todesfällen überschritten. Das düstere Bild einer älteren Frau mit einer Sauerstoffflasche auf der Straße vor einem mit Covid-Patienten überfüllten Krankenhaus, in dem keine Betten mehr zur Verfügung stehen, entlarvt den durch und durch kriminellen Charakter der herrschenden Klassen, unabhängig von ihrer Parteizugehörigkeit.

Europa 1. Juni 2021

Vom Brexit enttäuscht

Loyalisten in Nordirland entladen ihre Wut an einem Busarbeiter
von Éoin Burns*

Im gesamten April kam es in Belfast und Derry zu einigen der schlimmsten konfessionellen Ausschreitungen, die wir seit Jahrzehnten gesehen haben.

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2021

‹…bis sie auf allen Vieren kriechen›

Im Jerusalemer Stadtteil Sheikh Jarrah leben palästinensische Flüchtlinge seit ihrer ­Vertreibung von Grund und Boden im Jahr 1948. Nun werden sie ein weiteres Mal ­terrorisiert und vertrieben
von Yanis Iqbal

Im Jahr 1983 sagte Rafael Eitan, Stabschef der israelischen Streitkräfte: «Wir erklären offen, dass die Araber kein Recht haben, sich auf auch nur einem Zentimeter von Eretz Israel niederzulassen …

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2021

Stinkwasser

Der Kibbuz Beith-Alpha produziert eine ­Waffe, die an Repressionskräfte in der ganzen Welt exportiert wird
von Moshe Machover

Das zionistische Kolonisations­regime verbreitet ekelerregenden Gestank – buchstäblich.

Ich beziehe mich auf eine israelische Erfindung, die passenderweise «Skunk» genannt und als «nichttödliche Waffe der Massenkontrolle» beschrieben wird.

Nur Online 5. Mai 2021

Brasilien

Nichtigkeit der Urteile gegen Lula und Befangenheit Moros jetzt vom höchstrichterlichen Plenum bestätigt
von Hermann Dierkes

Am 08.03.21 hatte der Bundesrichter Edson Fachin mehrere Urteile des Sondergerichts gegen Korruption inm brasilianischen Curitiba (Bundesstaat Parana) gegen den Ex-Präsidenten Lula da Silva nach 5 Jahren Auseinandersetzungen wegen ”Unzuständigkeit” annuliert (s.a. SoZ 3/21).

Amerika 1. Mai 2021

Amazon Alabama

Niederlage für die Gewerkschaft
von vb

Amazon hat die Gewerkschaftswahl gewonnen, doch die Gewerkschaften werden sie nicht mehr los.
Gebannt haben viele Menschen in den letzten Wochen nach Alabama geblickt.

Amerika 1. Mai 2021

Die Nation der Verfolgten

Lateinamerika: Migration und Flucht nehmen umso mehr zu, je stärker die Kräfte sind, die sie aufzuhalten versuchen
von Leo Gabriel

Zentralamerika ist wie eine Maschine, die ihre Einwohner auswirft», titelte vor kurzem das salvadorianische Internetportal El Faro. Laut der Wirtschaftskommission für Lateinamerika und die Karibik (CEPAL) leben acht von zehn seiner Einwohner an der Grenze zur extremen Armut.

Bewegung 1. Mai 2021

Vom Niedergang einer einstmals erfolgreichen linken Partei

Lange war die Sozialistische Partei (SP) der Niederlande eine der großen Erfolgsgeschichten der europäischen radikalen Linken. In den letzten zehn Jahren ist ihr Stern stetig gesunken
von Alex de Jong*

Die Socialistische Partij (SP) steckt in einer tiefen Krise – die Trennung von ihrem Jugendflügel und lautes Nachdenken über eine Koalition mit der Rechten haben Aktivist:innen demoralisiert.

Bewegung 1. Mai 2021

Linker Wahlerfolg in Wien

Erstes Wahlbündnis fast der gesamten radikalen Linken in Wien
von Paul Stern

Das im Januar 2020 gegründete Wahlprojekt LINKS hatte bis zur Wiener Kommunalwahl… nur acht Monate Zeit, sich zu stabilisieren und einen Wahlkampf in Zeiten der Pandemie zu führen.

Die Jerusalemer Erklärung: Eine Antwort auf Israels Antisemitismus-Definition

Internationale Wissenschaftler unterscheiden klar und unmissverständlich zwischen Judenfeindschaft und legitimer Kritik an Israel
von Arn Strohmeyer*

Es war und ist schwer zu ertragen: Israels mächtiger Propagandaapparat hat seit vielen Jahren versucht, der internationalen Öffentlichkeit einzubläuen, dass Unrecht Recht und das Behaupten des Gegenteils eben Antisemitismus sei.

Nur Online 21. April 2021

JERUSALEMER ERKLÄRUNG ZUM ANTISEMITISMUS

Definition und Leitlinien
dokumentiert

Wir, die Unterzeichnenden, legen die „Jerusalemer Erklärung zum Antisemitismus“ vor. Sie ist das Ergebnis einer Initiative, die ihren Ursprung in Jerusalem hat. Zu den Unterzeichner:innen zählen internationale Wissenschaftler:innen, die in der Antisemitismusforschung und in verwandten Bereichen arbeiten, darunter Jüdische Studien, Holocaust-, Israel-, Palästina- sowie Nahoststudien.

AKW 1. April 2021

Rebellion oder Untergang!

Ein Aufruf zur Rettung unserer Zivilisation
von Noam Chomsky

Die Drohung mit einem Atomkrieg, die Klimakatastrophe und die Aushöhlung der Demokratie nennt der prominente Kritiker der US-amerikanischen Politik wie auch des globalen Kapitalismus, Noam Chomsky, die drei apokalyptischen Reiter des 21.Jahrhunderts in seinem neuen Buch, Rebellion oder Untergang*.

Arbeitskämpfe 1. April 2021

Streik bei Amazon in Italien

Den Taktgeber bremsen
von Violetta Bock

In Italien legten am 22.März die Beschäftigten von Amazon die Arbeit nieder. Schon vorher hatte es an verschiedenen Standorten Kämpfe und Streiks gegeben. Das Besondere diesmal: Der Streik betraf die gesamte Lieferkette in ganz Italien.

Amerika 1. April 2021

Kanada

Fast ein Global Player im Ölgeschäft
von Ingo Schmidt*

Wenn es um Öl geht, stehen der Mittlere Osten, die USA, vielleicht Russland oder noch Venezuela, Libyen und Nigeria im Mittelpunkt des Interesses. Fast immer vergessen wird Kanada, genauer gesagt die Provinz Alberta, auf deren Territorium rund zehn Prozent der weltweit bekannten Ölreserven lagern.

Asien/Australien 1. April 2021

Mensch oder Natur? Der grüne Konflikt

Im Namen des Naturschutzes werden Indigene und Kleinbauern vertrieben
von Kathrin Hartmann

Schutzgebiete sollen die Zerstörung der Wälder aufhalten. Sie sollen ein wichtiger Beitrag zur Rettung des Klimas sein und neuerdings auch helfen, der Verbreitung neuer Virenerkrankungen vorzubeugen. Aber so wie dieser Naturschutz praktiziert wird, geht er häufig auf Kosten Indigener und Kleinbauern.

Europa 1. April 2021

Mit Hoffnung aus der Niederlage

In Griechenland wehren sich Linke gegen die neoliberale Umgestaltung der Universitäten
von Lucy Nowak und Michael Schwarz*

Am 18.Februar hat das griechische Parlament, dominiert durch die rechte Regierung, ein neues Polizei- und Hochschulgesetz erlassen. Die Novelle reißt Wunden aus der Zeit der griechischen Militärdiktatur wieder auf, und zielt im besonderen auf linke Studierende. Die Wochen vor und nach der Verabschiedung waren geprägt von Widerstand und Protesten.

Asien/Australien 1. April 2021

Krieg den Frauen, Friede den Sekten

Die Türkei muss aus der Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen aussteigen – so will es Erdogan
von Nick Brauns

Per Dekret verfügte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in der Nacht zum 20.März den Ausstieg der Türkei aus der Istanbul-Konvention.

Amerika 1. April 2021

Der Bolsonarismus ist schlagbar

Brasilien: Bundesrichter erklärt Urteile gegen Lula für nichtig
von Hermann Dierkes

Die vor etwa fünf Jahren gegen Lula da Silva (75), zentrale Persönlichkeit der lateinamerikanischen Linken, gefällten Urteile wegen Vorteilsnahme, Korruption und Geldwäsche wurden am 8.März einzelrichterlich vom Obersten Bundesgericht in Brasília (STF) für nichtig erklärt. Politisch ist die Entscheidung eine Bombe, ein erster großer Sieg gegen den Bolsonarismus und hat weltweit Beachtung gefunden.

Asien/Australien 1. April 2021

Myanmar

Wie die «Bewegung für zivilen Ungehorsam» siegen könnte
von Aye Min Thant und Yan Aung*

Die «Bewegung des Zivilen Ungehorsams» (CDM), wie sich die Protestbewegung in Myanmar offiziell nennt, hat sich auf einen Langstreckenlauf eingelassen, auf dem Ziele und Strategien noch definiert werden müssen, will sie den Kampf gegen die Streitkräfte gewinnen.

Amerika 1. April 2021

Distanzierung und Normalisierung

Das Verhältnis Israels zu den USA und der arabischen Welt ordnet sich neu
Gespräch mit Michael Warschawski

Am 23.März (nach Redaktionsschluss) fanden in Israel erneut Wahlen zur Knesset statt, den vierten in kurzer Zeit. Ändert sich durch den Amtsantritt Bidens etwas am Verhältnis Israels zu den USA und den arabischen Staaten? Darüber sprach Cinzia Nachira von der italienischen Palästina-Solidarität mit MICHAEL WARSCHAWSKI, dem langjährigen Leiter des Alternative Information Center (AIC) in Jerusalem.

Europa 29. März 2021

POLNISCHE PRESSESCHAU 154, 27.02.2021

Am 10. Februar haben die unabhängigen Medien in Polen aus Protest keine neuen Nachrichten veröffentlicht, sondern ihre Seite sah so aus:

Atombomben in Büchel

Ein Eifeldorf mobilisiert für zivilen Ungehorsam
von Ariane Dettloff*

Auf dem Bundeswehr-Fliegerhorst Büchel in Rheinland Pfalz lagern – von der Bundesregierung weder bestätigt noch de­mentiert – im Rahmen der sog. nuklearen Teilhabe zwanzig US-Atombomben. Im Ernstfall sollen sie von Bundeswehrpiloten abgeworfen werden – unter US-amerikanischem Befehl. Das offene Staatsgeheimnis dieser Stationierung wird regelmäßig von Gruppen der Friedensbewegung skandalisiert.

Nicht nur am Hindukusch, auch im Indischen Ozean

Mit der EU und den USA will Deutschland wieder Weltmacht werden
von Jürgen Wagner*

Deutschlands Sicherheit wird auch am Hindukusch verteidigt», rechtfertigte im Frühjahr 1999 Peter Struck, Verteidigungsminister der ersten «rot-grünen» Bundesregierung die Entsendung deutscher Truppen nach Afghanistan. Heute ergänzt seine Nachfolgerin im Amt, Kramp-Karrenbauer: Und im Indo-Pazifik!, also in den Meeren Südostasiens. In der EU ist darüber ein Streit entbrannt: Mit den USA oder gegen sie?

Asien/Australien 1. März 2021

Der Zukunft zugewandt?

Das Investitionsschutzabkommen zwischen China und der EU
von Ingo Schmidt

Um die Jahreswende einigten sich China und die EU auf ein Investitionsschutzabkommen. Danach sollen Investoren der jeweils anderen Seite mit Einheimischen gleichgestellt werden. Anders als frühere Abkommen brachte es dieses jedoch nicht in die Schlagzeilen.

Asien/Australien 1. März 2021

Was wollen die Protestierenden?

Die Massenmobilisierungen in Russland passen in keine westliche Schablone
von Karine Clément*

Die Gründe für die Massenproteste in Russland sind verschieden und gehen weit über Nawalnys Antikorruptionskampagne hinaus. Alle eint der Wille nach Veränderung, der Wunsch nach Respekt, nach einem Ende der persönlichen Bereicherung. In welche Richtung aber sollen Veränderungen gehen?

Asien/Australien 1. März 2021

Myanmar nach dem Putsch

«Ihr legt euch mit der falschen Generation an»
von Dominik Müller

Die Proteste gegen den Staatsstreich der Generäle vom 1.Februar hören trotz aller Repression nicht auf. In Yangon, dort, wo Medien, Botschaften und internationale NGOs ihren Sitz haben, halten sich die Militärs noch etwas zurück, aber in anderen Teilen Myanmars wird mittlerweile auch scharf geschossen, es gab Tote und Verletzte.

Asien/Australien 1. März 2021

Indien

Bauernproteste, Fridays for Future und globale Ernährung
von Dominik Müller

Das vielzitierte «Schwellenland» Indien ist im wesentlichen immer noch eine Agrargesellschaft.
Nirgendwo außer in China und Indien leben so viele Menschen vom primären Sektor, d.h. von der Fischerei, dem Sammeln und Jagen oder eben von der Land- und Viehwirtschaft.

Unter der Maske der Pandemie

Das neue Gesicht des Weltsozialforums
von Leo Gabriel

Zwanzig Jahre nachdem das Weltsozialforum (WSF) im südbrasilianischen Porto Alegre als Gegenveranstaltung zum Weltwirtschaftsforum in Davos stattgefunden hat, sollte eigentlich Mexiko der Treffpunkt von hunderten sozialen Bewegungen und Nichtregierungsorganisationen sein, um Alternativen zur bestehenden weltweiten multidimensionalen Krise zu diskutieren.

Gesundheit 1. März 2021

«Impfgerechtigkeit»

Globale Solidarität gefordert
von Manuel Kellner

Die WHO sagt ganz offiziell, es müsse «Impfgerechtigkeit» hergestellt werden – ein Begriff analog zur «Klimagerechtigkeit». Tatsächlich sind viele Länder des «globalen Südens» besonders heftig von der Covid-19-Pandemie betroffen.

Arbeitswelt 1. März 2021

Homeoffice, mobiles Arbeiten – alles eine Pampe?

Ein Virus infiziert die Arbeitswelt
von Michael Heldt

Eine schleichende Entwicklung wird, wie so vieles momentan, um ein Vielfaches beschleunigt: Homeoffice. Eine sich ausbreitende Besonderheit wird betriebliche Normalität und ein weiterer Meilenstein für die Aus- und Verlagerung von Arbeit – nicht in der Produktion oder Logistik, sondern diesmal im Büro und unter qualifizierten Fachkräften.

Amerika 1. März 2021

Amazon in Alabama

Erstmals Wahlen zur Anerkennung einer Gewerkschaft
von Violetta Bock

Vom 8.Februar bis 29.März stimmen 6000 Arbeiter:innen im Versandzentrum in Bessemer (Alabama) über die Gewerkschaftsanerkennung ab. In den USA ist die Mehrheit bei solch einer Wahl dafür nötig, damit es eine offizielle Interessensvertretung gibt.

Asien/Australien 1. März 2021

Russland

Alexei Nawalny – keine Alternative
von David Mandel

Um Alexei Nawalnys Rolle zu verstehen, muss man den Charakter des politischen Regimes in der Russischen Föderation begreifen.
In Russland herrscht ein «bonapartistisches» Regime, in dem die Staatsverwaltung und die Nähe zu ihr die Hauptquellen der Akkumulation sind.

Europa 15. Februar 2021

POLNISCHE PRESSESCHAU 153, 31.01.2021

Kaczynski spricht Frauen eigenes Gewissen ab oko.press 27.01. 2021

Ein Nagel im gemeinsamen Sarg von PiS und kath. Kirche

Arbeitskämpfe 2. Februar 2021

Endlich vereint

Gewerkschaften und Umweltverbände in Frankreich Hand in Hand
von Bernard Schmid

Er will sozialen Kampf und Ökologie in Einklang bringen, und das in einem Industriezweig, dessen Produktion jedenfalls in ihrer bisherigen Form unter Klima- und Umweltgesichtspunkten nicht wünschenswert ist – die Rede ist vom Arbeitskampf beim französischen Energiekonzern Total am Raffineriestandort Grandpuits, gut fünfzig Kilometer östlich von Paris.

Europa 2. Februar 2021

Polen

PiS kauft Pressefreiheit auf
von Norbert Kollenda

Der staatliche Mineralölkonzern Orlen hat von der Verlagsgruppe Passau «Polska Press» gekauft. Zur Verlagsgruppe gehören 20 der 24 regionalen Tageszeitungen in 15 der 16 Woiwodschaften, dazu mehr als hundert regionale Magazine und der Zugang zu 17,4 Millionen Nutzern von 500 Online-Portalen.

Amerika 2. Februar 2021

Faschismus eben!

Trump ist abgewählt, aber nicht abserviert
von Helmut Wendler

Die Demokratische Partei und mit ihr sehr viele Vertreter der konservativen, liberalen und sozialdemokratischen Parteien weltweit propagieren, dass es Joe Bidens vornehmste Aufgabe sei, die Nation wieder zu einen und die sich feindlich gegenüberstehenden Blöcke zu versöhnen.

Asien/Australien 2. Februar 2021

Bauernproteste in Indien

Landwirte zeigen Front gegen Supermarktlobbyismus
von D.M.

Entgegen dem beschönigenden Titel ist das Ziel der neuen Gesetze zur «Förderung und Schutz von Bauern», das im September 2020 in Kraft traten, private Investitionen von Agrarunternehmen aus dem In- und Ausland in die Produktion, Verarbeitung, Lagerung, den Transport und die Vermarktung von Agrarprodukten zu fördern.

Amerika 1. Februar 2021

Nazis enttarnen

Trump ist noch längst nicht Geschichte
von Helmut Dahmer, Wien

Seit Jahrzehnten warnen linke Soziologen und Politiker in und außerhalb der USA vor einem spezifisch amerikanischen «Faschismus». Seit dem 6.Januar 2021 wissen wir, wie der aussieht.

Amerika 1. Februar 2021

LehrerInnen im Kampf für sichere Schulen

In Chicago stimmt die Mehrheit gegen Präsenzunterricht
von Violetta Bock

Eigentlich waren die LehrerInnen in Chicago aufgefordert, am 25.Januar in die Schulen zurückzukehren, um den Präsenzunterricht vorzubereiten.

Amerika 1. Februar 2021

Trumps Hochburgen

Im Land der Lumpenmilliardäre
von Mike Davis*

Viel ist von der abgehängten, weißen Arbeiterklasse die Rede, wenn die Frage gestellt wird, wo Trump seine Hochburgen hat. Wenig ins Blickfeld rückt dabei, wer seine Hauptfinanziers sind und welche Siedlungsverschiebungen dafür sorgen, dass sich die Absonderung der ihm nahestehenden Milieus immer weiter verstärkt.

Asien/Australien 1. Februar 2021

Indien

Die Regierungspartei BJP will antikolonialen Kampf umdeuten
von Dominik Müller*

«Wir, das Volk Indiens, haben feierlich beschlossen, Indien zu einer unabhängigen, sozialistischen, säkularen und demokratischen Republik zu machen», so steht es in der Präambel der indischen Verfassung.

Amerika 1. Februar 2021

Von Reagan bis Trump

Kulturkampf und Klassenkampf
von Ingo Schmidt

«Versöhnen statt spalten», Johannes Raus alter Wahlkampfslogan – in den USA re­gier­te Ronald Reagan, als Rau 1987 als Kanz­ler­kandidat antrat –, geistert durch die Redaktionsstuben.

Amerika 1. Februar 2021

Die USA nach den Wahlen

Amerika im Stellungskrieg
von Mike Davis*

Trumps Anteil an der Gesamtzahl der abgegebenen Stimmen hat sich bei den diesjährigen Präsidentschaftswahlen im Vergleich zu 2016 nicht verändert: Trotz vieler Skandale, gebrochener Versprechen, einer Viertelmillion Corona-Toten und acht Millionen Menschen, die während seiner Amtszeit verarmt sind, liegt sein Anteil konstant bei über 46 Prozent.

Nur Online 29. Januar 2021

Zum Holocaustgedenktag

An Vergangenheit erinnern ohne die Gegenwart zu vergessen
von Arn Strohmeyer*

Israel hat die Erinnerung zu einer ethnisch-nationalistischen Ideologie gemacht. Die Palästinenser als sekundäre Opfer des Holocaust werden vollständig ausgespart.

Europa 11. Januar 2021

POLNISCHE PRESSESCHAU 152, 10.01.2021

Warum gewinnt Linke bei Verlusten der PiS nicht dazu? Przeglad, 11.01.2021

Marcin Duma, Umfrageinstitut IBRiS: Weil die Leute, die die PiS verlassen, rechtsorientiert sind. Auch andere Parteien gewinnen deren Stimmen nicht.

Europa 7. Januar 2021

POLNISCHE PRESSESCHAU 151, 20.12.2020

Dolchstoß der PiS gegen Freiheit der Medien

Kaczynski – Chefredakteur der ORLEN – Zeitungen? fragt die liberale katholische Wochenzeitung „Tygodnik Powszechny“(14.12.2020).

Europa 7. Januar 2021

POLNISCHE PRESSESCHAU 150, 05.12.2020

Krzysztof Lozinski: Die Polizei lügt ganz im Sinne der PiS studioopinii, 21. 11. 2020

Erstens ist derzeit keine spontane Versammlung illegal. Die Versammlungsfreiheit ist in der Verfassung garantiert und kann erst nach Ausrufung eines der Ausnahmezustände per Gesetz aufgehoben werden. Aber dies ist nicht geschehen.

Globalisierung/Krieg 5. Januar 2021

G20-Prozess

Prozess gegen TeilnehmerInnen an den G20-Demonstrationen 2017
Gespräch mit Carlotta Grohmann

«Friedlich Demonstrierende sollen kriminalisiert werden»

Afrika 5. Januar 2021

Liberia

Eine kleine Länderkunde
von der Redaktion

Liberia liegt an der Westküste Afrikas, zwischen der Elfenbeinküste im Süden, Gambia im Westen und Sierra Leone im Norden.

Afrika 5. Januar 2021

Liberia vor COVID-19

Bürgerkrieg, Weltbank und Ebola
von der Redaktion

Vierzehn Jahre Bürgerkrieg brachten die medizinische Versorgung in Liberia fast komplett zum Erliegen. Die Infrastruktur wurde bis heute nicht wieder aufgebaut: Es fehlt Medizin, es fehlt Ausrüstung, es fehlen Labore und Instrumente zur Erkennung von Krankheiten.

Amerika 5. Januar 2021

Modelle zum Aufbau von Gewerkschaftsmacht

Eine Replik von Kim Moody auf Jane McAlevey
von Violetta Bock

Anfang November veröffentlichte Kim Moody, unter anderem Mitbegründer von Labor Notes in den USA, eine Replik auf Jane McAleveys Modell des Organizing.

Gesundheit 5. Januar 2021

Mehr Hunger, mehr Schulden

Corona und die Folgen für die Länder des Südens
von Angela Klein

Die Corona-Pandemie trifft reich wie arm, aber nicht in gleichem Maße. Während die Reichen in ihren großen Häusern und auf ihren Landsitzen bequem Abstand halten können, drängen sich Ärmere in kleinen Wohnungen, die kaum Ausweichmöglichkeiten bieten. Und was innerhalb eines Landes gilt, gilt zwischen den Staaten einmal mehr.

Gesundheit 5. Januar 2021

DOKUMENTATION – Patente: hohe Gewinne, viele Tote

Für die Entkopplung von Forschungskosten und Preisen bei Medikamenten
dokumentiert

Die BUKO-Pharmakampagne und medico international (Deutschland), Outras Palavras (Brasilien), People’s Health Movement und Society for International Development haben eine Petition an die Regierungen lanciert, die die Aufhebung des Patentschutzes auf alle unentbehrlichen Medikamente fordert.

Europa 5. Januar 2021

Frankreich: Macron holt den Knüppel aus dem Sack

Massenproteste gegen eine Flut repressiver Gesetze
von Bernard Schmid

Der zunehmenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung, u.a. mit der Art, wie die französische Regierung auf die Pandemie reagiert, will diese nun mit dem Knüppel begegnen. Der Nationalversammlung und dem Senat liegt eine Vielzahl repressiver Gesetze vor, die einen Marsch in den autoritären Staat ankündigen.

Europa 5. Januar 2021

Polen

Polizei als Büttel der PiSser
von Norbert Kollenda

Es ist noch nicht lange her, da wurde weltweit über brutale Polizeiwillkür gegen Schwarze in den USA demonstriert. Nun entfesselt sich diese Gewalt auch in Polen.

Amerika 5. Januar 2021

US-Wahlen

Gewonnen hat der «Trump-Gegner»
von Dianne Feeley*

Zwei Drittel der Menschen, die Joe Biden zum nächsten Präsidenten gewählt haben, taten dies, weil sie Trumps Niederlage wollten.

Afrika 4. Januar 2021

Krankenpfleger im Exil

Im Porträt: George Poe Williams
Gespräch mit George Poe Williams

Weil er für gute Pflege in Liberia kämpft, kann er nicht zurück nach Hause

Afrika 4. Januar 2021

Kinderarbeit auf Kakaoplantagen

Leere Versprechen der Kakaokonzerne
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Zu Weihnachten steigt auch der Bedarf an Schokolade. Aber sie hat einen sehr bitteren Beigeschmack, denn entgegen allen Beteuerungen der Schokoladenindustrie ist es in den letzten zwanzig Jahren nicht gelungen, die Kinderarbeit in den westafrikanischen Ländern zu eliminieren.

Asien/Australien 4. Januar 2021

Chinas Aufstieg

Neoliberale Globalisierung und ihre Grenzen
von Ingo Schmidt

Vorbild oder Feindbild? An China scheiden sich die linken Geister schon lange.

Gesundheit 4. Januar 2021

Bill Gates und Corona

Weder Weltenretter noch Verschwörer
von Kathrin Hartmann*

Er mache sich schwere Vorwürfe, weil er nicht «nachdrücklicher vor der Gefahr gewarnt» habe, sagte Bill Gates im Frühjahr kurz nach Beginn der Corona-Pandemie.
Fast alle Medien verbreiteten seine Worte unhinterfragt.

Amerika 4. Januar 2021

Black Lives Matter und der Wahlkampf der Demokraten

Die Wahlen spiegeln nicht die Gesellschaft
von David McNally*

Bei dieser Wahl ist, stärker noch als bei vorhergehenden, deutlich geworden, wie sehr das Wahlgeschehen abgekoppelt ist von dem, was an der Basis der Gesellschaft geschieht.

Nur Online 2. Dezember 2020

Kommunalwahlen in Brasilien

Klatsche für den Bolsonarismus – Mitte-Rechts-Parteien vorn – neue Kräfteverhältnisse auf der politischen Linken
von Hermann Dierkes

Die Kommunalwahlen vom letzten November waren eine Klatsche für den Bolsonarismus. In den ersten Wahlen seit den Präsidentschafts- und Parlamentswahlen von 2018, bei denen der langjährige parlamentarische Hinterbänkler und Rechtsaußen, Jair Messias Bolsonaro, und seine Partei PSL mächtig auftrumpfen konnten, scheint diese Welle abzuflachen. Die traditionellen Mitte-Parteien bis hin zu den Rechtskonservativen haben offenbar einen Teil des bolsonaristischen Wählerpotentials kanalisieren können und liegen vorn. Das Ergebnis für die Linke insgesamt ist gemischt. Während die PT und auch PCdoB unter dem Strich weiter verloren, konnte die PSOL, die links von der PT steht, erhebliche Erfolge erzielen. 

Europa 1. Dezember 2020

Selbstjustiz in Frankreich

Der Ruf nach Gesinnungsstrafen wird lauter
von Bernard Schmid

Ein abgeschnittener Kopf auf einem Bekennerfoto, der des 47jährigen Geschichts- und Geographielehrers Samuel Paty, abgetrennt mit einem geschärften Fleischermesser:

Europa 1. Dezember 2020

Aufruhr in Polen

Die große Rebellion der Frauen
von Teresa Jakubowska*

Am 22.Oktober 2020 entschied das polnische Verfassungsgericht, dass das Abtreibungsgesetz, das seit 1993 in Kraft ist, in Teilen verfassungswidrig sei.

Afrika 1. Dezember 2020

Verhasst und gefürchtet

Spontaner Aufstand gegen Polizeigewalt in Nigeria
von Klaus Engert

Von außen betrachtet kam der Aufstand, der Nigeria seit dem 8.Oktober erschütterte, aus heiterem Himmel. Aber angesichts der politökonomischen Gesamtsituation im Land war es nur eine Frage der Zeit und bedurfte nur eines Anlasses, damit die aufgestaute Wut der Bevölkerung sich Bahn brechen konnte.

Asien/Australien 1. Dezember 2020

Au Loong-yu: Revolte in Hongkong. Die Protest­bewegung und die Zukunft Chinas.

Berlin: Bertz+Fischer, 2020. 320 S., 14 Euro
von Hermann Dierkes

Au Loong-yu, langjähriger Globalisierungskritiker und Aktivist für Arbeiterrechte aus Hongkong, legt mit seinem zweiten Buch* die bisher beste Analyse der Demokratiebewegung aus linker Sicht vor.

Buch 1. Dezember 2020

Tima Kurdi: Der Junge am Strand. Geschichte einer Familie auf der Flucht

Hamburg: Assoziation A, 2020. 256 S., 19,80 Euro
von Albrecht Kieser

Er ruht sich aus, dieser Junge am Strand. Zwei oder drei Jahre mag er alt sein, die blaue kurze Hose, die er trägt, und das rote T-Shirt prahlen mit ihren Farben. Den Kopf hat er weggedreht vom Betrachter. Er ruht sich aus, er ist erschöpft vom Sterben auf dem Meer. Der Tod hat ihn an Land gespült, nahe des türkischen Badeorts Bodrum. Er hat seine Flucht vor dem IS beendet.

Arbeitswelt 1. November 2020

Für einen Lohn, der zum Leben reicht – in der ganzen EU

Die EU-Kommission hat eine Mindestlohninitiative angekündigt
von Özlem Demirel

Mindestlohn. Deutschland kennt ihn als gesetzlich festgeschriebenen Anspruch aller abhängig Beschäftigten auf eine bestimmte Entlohnung je Zeitstunde.

Amerika 1. November 2020

USA: «Wir stehen am Anfang zunehmender Militanz»

Die Rettungsmaßnahmen der Regierung halten den Niedergang des US-Kapitalismus nicht auf, sie verlängern ihn nur
von Ashley Smith

Bekanntlich war COVID-19 der Auslöser und Brandbeschleuniger, nicht die Ursache der derzeitigen weltweiten Rezession. Die drei Kraftzentren der Weltwirtschaft – China, die USA und die Europäische Union – zeigten schon vor Ausbruch der Pandemie alle Anzeichen einer sich anbahnenden Krise. Danach hat sie sich aber dramatisch verschlimmert.

Asien/Australien 1. November 2020

Krieg um Bergkarabach

Vier Männer mit parallelen Interessen
von Serdar Kazak

Seit dem 27.September erfahren wir jeden Abend in den Nachrichten über anhaltende Kämpfe zwischen Aserbaidschan und Armenien.

Amerika 1. November 2020

Antônio Andrioli: Brasilien zwischen Hoffnung und ­Illusionen. Kritische Blicke auf ein Land in der (Öko-)Krise

München: Oekom, 2020. 280 S., 26 Euro
von Hermann Dierkes

Der brasilianische Agrarwissenschaftler Antônio Inácio Andrioli ist in Deutschland vor allem in der Umwelt- und alternativen Agrarbewegung bekannt. Seine in Osnabrück entstandene Dissertation über genmanipuliertes Soja wurde bereits 2007 als Buch veröffentlicht.*

Amerika 1. November 2020

US-Wahlen

Insolvenzverschlepper gesucht
von Ingo Schmidt

Aufmerksamkeit erregen. Das kann er. Muss er auch. Täglich muss er dem Publikum etwas zum Aufregen, Kopfschütteln oder begeistert Zustimmen geben. Sonst könnten sich weder Anhänger noch Gegner vor der einfachen Wahrheit drücken, dass Trump Amerika nicht wieder groß gemacht, sondern zu dessen Niedergang beigetragen hat.

Nur Online 22. Oktober 2020

Wien hat gewählt – nach vorn?

Dieter Braeg 

Schon lange rätselt die Wissenschaft, warum die Banane krumm ist. Des Rätsels Lösung ist einfach. Die Bananenkrümmung hat mit dem derzeitigen Zustand der österreichischen Politik zu tun, die für die Krümmung der Banane und den Namen „Bananenrepublik“ verantwortlich ist. Kanzler Kurz von der konservativen ÖVP, die ihre Farbe von schwarz auf türkis wechselte, mag nicht nur keine Flüchtlinge aufnehmen (zähneknirschend unterstützt vom grünen Koalitionspartner), er verkündet als Amateurvirologie auch: „Das Virus kommt von dem Auto“! 

Flucht/Migration 1. Oktober 2020

Sind wir denn keine Menschen?

Ein Flüchtling aus Moria berichtet
dokumentiert

Es war eine richtige Maßnahme: Erst dadurch, dass die Flüchtlinge im Lager Moria auf Lesbos ihre unwürdigen und unerträglichen Unterkünfte in Brand gesetzt haben, ist die Politik aufgeschreckt und sieht sich bemüßigt zu handeln, wenn auch in Trippelschritten.

Amerika 1. Oktober 2020

Ein Schrei für das Leben

Die erste Weltversammlung für den Amazonas
von Christophe Aguiton

Am 18. und 19.Juli fand die erste Weltversammlung für das Amazonasgebiet statt, sie war ein bemerkenswerter Erfolg.

Amerika 1. Oktober 2020

Die US-Wirtschaft fährt Achterbahn

Die Gewinne fallen und die Aktienkurse steigen – die Menschen werden ärmer und die Konsumausgaben steigen
von Nick Baker

Mitten in einer globalen Pandemie, einem beispiellosen wirtschaftlichen Zusammenbruch, Massenarbeitslosigkeit, Hunger und Verzweiflung boomt in den USA der Aktienmarkt und die Reichsten der Reichen sind reicher als je zuvor.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2020

Das organisierte Kriegsverbrechen und die neue Antikriegsbewegung

Eine Retrospektive der Kampagne «Rheinmetall Entwaffnen»
von Memo Jansen*

Unterlüß. Eine kleine Stadt in der Südheide. Einwohnerzahl knapp dreieinhalbtausend. Drei Sammelgräber auf dem Gemeindefriedhof. Keine Namen. Keine Hinweise auf die Umstände, die zu dem Tod der hier Begrabenen führten. Es handelt sich um die letzte Ruhestätte der ZwangsarbeiterInnen, die während ihrer Knechtschaft für die Rheinmetall Borsig AG ihr Leben ließen.

Europa 1. Oktober 2020

Etwas besser, aber noch lange nicht gut

Der European Green Deal der EU-Kommission
von Hanno Raußendorf*

Vergangenen Dezember erregte die Kommissionspräsidentin von der Leyen einige Aufmerksamkeit, indem sie einen sog. «European Green Deal» vorschlug, mit dem Treibhausgasemissionen in der EU bis 2050 auf null reduziert werden sollen. Europa solle «der erste klimaneutrale Kontinent der Welt» werden.

Asien/Australien 1. Oktober 2020

Nawalny und die Moral von der Geschichte

Was steckt wirklich dahinter?
von Anton Holberg

Es gibt den Spruch: «Doppelte Moral ist schlimmer als gar keine Moral». Ich weiß nicht, ob das so stimmt, aber dass doppelte Moral widerlich ist und auch die wahre Moral in ihrem Ansehen untergräbt, ist offensichtlich.

Europa 1. Oktober 2020

Belarus

Der Anfang von welchem Ende?
von Catherine Samary

Der sechsten Wiederwahl von Alexander Lukaschenko am 9.August gingen Massenmobilisierungen voraus und folgten auf sie – verursacht durch Betrug und Sozialkürzungen und angeheizt durch Polizeibrutalität. Nach vielfachen Spannungen mit seinem russischen Nachbarn bittet der belarussische Autokrat nun Putin um «Hilfe» gegen den beispiellosen sozialen Protest.

Amerika 1. Oktober 2020

Für eine klassenkämpferische Wahlpolitik

Die Democratic Socialists of America und die Wahlen
Interview mit Meagan Day und Micah Uetricht*

Barry Eidlin interviewt Meagan Day (MD) und Micah Uetricht (MU). Die beiden sind Mitglieder der Democratic Socialists of America (DSA) und veröffentlichten Bigger than Bernie: How we go from the Sanders Campaign to Democratic Socialism (Verso Books, 2020).

Nordafrika/Nahost 1. Oktober 2020

Libanon

Imperialismus im Gewand «humanitärer Hilfe»
von Nabil Sourani

Seit Oktober 2019 entlädt sich die Wut der Bevölkerung in Form von Massenprotesten im ganzen Libanon. Mit Repression sichern Militär und Polizei ein von den USA und der EU aufgebautes System vor den Massen und vor iranischem Einfluss ab.

Europa 1. Oktober 2020

Ausländer raus…

Erinnerung an Christoph Schlingensief
von Dieter Braeg

«Wien ist anders» – das war einmal. In einer Juniwoche im Jahr 2000 zeigte Wien sein wahres Gesicht. Die Deutschen blickten neidisch auf die österreichische Hauptstadt. Anders als heute durften sie damals keine Ausländer abschieben.

Asien/Australien 1. Oktober 2020

Royale Küstenstraße

Australische Künstlerplakate auf Briefmarken
von Kai Böhne

Edward VIII., der 1936 nach dem Tod seines Vaters, George V., zehn Monate den britischen Thron bekleidete, gilt wegen seiner Nähe und seine Sympathien für die Nazis als schwarzes Schaf der Königsfamilie.

Afrika 1. September 2020

Putsch in Mali

Ausländische Truppen sind Teil des Problems, nicht der Lösung
von Christoph Marischka, Informationsstelle Militarisierung

Dienstag, der 18.August 2020. Teile des malischen Militärs reißen in Bamako die Macht an sich. Von der Militärbasis Kati, wenige Kilometer außerhalb der Hauptstadt, sind sie ausgerückt, um führende Politiker, darunter den amtierenden Präsidenten und seinen Premierminister festzusetzen.

Gesundheit 1. September 2020

Der Weltagrarbericht 2020: Noch 60 Ernten?

Oder reicht der Boden für weitere 4 Milliarden Menschen?
Zusammenstellung von Angela Klein

Der neue Weltagrarbericht der UN-Welternährungsorganisation FAO ist in der öffentlichen Aufmerksamkeit untergegangen. Dabei enthält er alarmierende Nachrichten: Die Zahl der Menschen, die hungern, steigt weltweit kontinuierlich an, seit 2014, als die Zahlen erstmals wieder nach oben gingen, um 60 auf 690 Millionen. 750 Millionen sind unterernährt, fast ein Zehntel der Weltbevölkerung.

Nordafrika/Nahost 1. September 2020

Libanon – Produkt eines wilden Kapitalismus

Die Katastrophe von Beirut und die herrschenden Cliquen
Interview mit Gilbert Achcar

Am 4.August explodierten im Hafen von Beirut 3000 Tonnen Ammoniumnitrat, ein Gemisch aus Ammoniak und Salpetersäure, das zur Herstellung von Düngemitteln und Sprengstoffen verwendet wird. Die Explosion löst ein Erdbeben aus.

Buch 1. September 2020

Global Player Israel

Neues Buch von Arn Strohmeyer
von Hermann Dierkes

Arn Strohmeyer: Weltmacht Israel. Wie der nahöstliche Kleinstaat als globaler Player agiert. Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2019. 242 S., 17,90 Euro

Arn Strohmeyer hat seine umfangreichen Publikationen zum Thema Israel/Palästina um ein sehr wichtiges Thema ergänzt. Sein neues Buch untersucht vor allem die Stellung Israels in der Welt und sein außenpolitisches Agieren. Dabei stützt er sich auf die zahlreichen Publikationen kritischer israelischer und jüdischer Wissenschaftler, Autoren und Aktivisten, die in Deutschland viel zu wenig publiziert werden.

Europa 1. September 2020

Einmal die Ersten

Bukowski in Nordmazedonien
von Kai Böhne

Was treibt eigentlich die Post Nordmazedoniens? Die Post Nordmazedoniens treibt, was sie soll: Sie transportiert mal mehr und mal weniger zuverlässig Sendungen diverser Art, lässt Leute an Schaltern anstehen, bis sie blau werden, und macht nebenher noch ein wenig Geschichtspolitik.

Nur Online 18. August 2020

Bewältigung der Covid-19-Krise in Europa

Der Plan von DiEM25
von Eva Betavatzi

Die Europäische Union und ihre Institutionen, einschließlich der EZB, stärken; Die Staatsverschuldung so weit wie möglich, um den Privatsektor zu retten, erhöhen; Die Legitimität der öffentlichen Schulden nicht in Frage stellen; 2000 Euro auf das Bankkonto jedes europäischen Bürgers, egal ob er reich oder in einer prekären Lage ist, einzahlen;

Gesellschaft 18. August 2020

Famous last words?

«Sag mir, wo du stehst» – oder: Coronadeutungsmanöver
dokumentiert

Ist die Krise eine Chance? Und für wen? Nicht wenige hoffen, dass sich nach den tiefen Einschnitten ins Alltagsleben nun neue Räume öffnen werden, um effektiv gegen die Missstände des Kapitalismus im 21.Jahrhundert vorzugehen: Klimaerhitzung, Umweltzerstörung, soziale Ungleichheit, Rassismus und Frauenunterdrückung.

Globalisierung/Krieg 18. August 2020

Palmöl und Marderhund

Wo Wälder für Plantagen abgeholzt werden, bleibt Einheimischen oft nur die Wilderei
von Kathrin Hartmann

Die Corona-Krise hat auf beunruhigende Weise etwas geschafft, woran sich viele Organisationen die Zähne ausgebissen haben: Sie hat soziale und ökologische Verheerungen sichtbar gemacht, die lange bekannt waren, aber ignoriert wurden.

Europa 6. Juli 2020

Schicksalswahl in Polen

Für die Menschen in Polen, die über den Tellerrand hinaus sehen, ist die Präsidentschaftswahl eine entscheidende Wahl.
von Norbert Kollenda

Wenn der jetzige Präsident Andrzej Duda – von seinen Gegnern „Kugelschreiber Kaczynskis“ genannt – gewinnt, wird er wieder alles unterschreiben, was im Auftrag von letzterem der Premier und die Minister an Gesetzen einbringen und ihm vorlegen. Das heißt der autoritäre Staat wird verfestigt. Präses Kaczynski steht jetzt schon über der Verfassung und baut seine Macht aus.

Amerika 1. Juli 2020

Defund the police!

Die beste Art, die Polizei zu reformieren, ist, ihr die Mittel zu streichen.
Interview mit Keith Mann*

Ist der Ausbruch der Massendemonstrationen in den USA der x-te Versuch, nach dem grauenvollen Mord an George Floyd Spannung zu entladen?

Europa 1. Juli 2020

Non-Paper

Ein Wiederaufbaufonds
dokumentiert

Einen der innovativsten Vorschläge macht das spanische Non-Paper*, das die Regierung am 19.April eingereicht hat. Er besteht in der Einrichtung eines Fonds, der von einer eu­ropäischen Daueranleihe in Höhe von rund 1,5 Billionen Euro gespeist wird – das sind 10 Prozent des BIP der EU.

Europa 1. Juli 2020

Wenn die Köchin die Staatsgeschäfte leitet

Von den Anfängen der Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien
von Paul Michel

Die jugoslawische Arbeiterselbstverwaltung und die damit einhergehende Selbstverwaltung der Kommunen sind heutzutage fast vergessen. Von den 50er bis in die 70er Jahre war das Projekt, das die jugoslawischen Kommunisten «erfunden» hatten, nachdem sie 1948 von Stalin exkommuniziert worden waren, in aller Munde.

Nur Online 13. Juni 2020

Macrons Angst vor neuen Demonstrationen

Frankreich hebt den „sanitären Ausnahmezustand“ am 10.Juli auf – aber das Versammlungsverbot bleibt bestehen
von Bernard Schmid

Seitdem auf internationaler Ebene die Revolte infolge der brutalen Tötung von George Floyd ins Rollen gekommen ist, geriet auch in Frankreich viel in Bewegung.

Nur Online 5. Juni 2020

8 Minuten und 46 Sekunden

Nach dem Mord an George Floyd steht Amerika in Flammen
von Tim Kühnel

I can’t breath!“ Dieser Satz geht seit dem 25. Mai 2020 weltweit durch die Presse und die sozialen Medien. Denn es waren einige der letzten Worte die George Floyd, ein 46-jähriger Afroamerikaner, gesagt hat, während ein Polizist seinen Hals auf den Boden presste.

Europa 1. Juni 2020

Letzte Hoffnung EZB?!

Institution, die den europäischen Laden noch zusammenhält
von Ingo Schmidt

Christine Lagarde ist die letzte Hoffnung Europas. Nonchalant setzt sie sich – wie schon ihr Vorgänger Mario Draghi – über die monetaristischen Regeln im EZB-Statut hinweg und verhindert mit großzügigen Geldinfusionen den Stillstand der Warenzirkulation im Euro-Raum.

Asien/Australien 1. Juni 2020

Wie Seuchen entstehen

Der evolutionäre Dampfkochtopf hinter der kapitalistischen Urbanisierung
vom chinesischen Autor*innenkollektiv

Die Pandemie, die das Virus SARS-CoV-2 derzeit verursacht, ist wie seine Vorläufer SARS-CoV, die Vogelgrippe und die Schweinegrippe an der Schnittstelle von Ökonomie und Epidemiologie entstanden.

Es gibt keine Wildnis

«Wilde» Gebiete sind der globalen Ökonomie immanent
vom chinesischen Autor*innenkollektiv

Der Ausbruch der Corona-Pandemie ist weniger eindeutig mit dem Kern des agroindustriellen Systems verbunden als die Schweine- oder Vogelgrippe. Einerseits ist noch nicht vollständig geklärt, woher das Virus kommt.

Der Kapitalismus hat keine Grenze mehr

Dem Ökosystem wird die Chance genommen Übertragungsketten zu unterbrechen
vom chinesischen Autor*innenkollektiv

Es ist eine Tatsache, dass die «natürliche» Sphäre bereits vollständig unter das globale kapitalistische System subsumiert ist. Diesem ist es gelungen, die elementaren klimatischen Bedingungen zu verändern und so viele vorkapitalistische Ökosysteme zu verwüsten, dass die übriggebliebenen nicht mehr so funktionieren wie in der Vergangenheit.

Landgrabbing und die Folgen

Zerstörung von Ökosystemen kann Seuchen hervorbringen
vom chinesischen Autor*innenkollektiv

Die Corona-Pandemie wird oft so dargestellt, als wäre sie eine Art Naturkatastrophe – bestenfalls als wahllos, schlimmstenfalls werden die «unreinen» kulturellen Praktiken der armen Waldbewohner verantwortlich gemacht.

Asien/Australien 1. Juni 2020

Späte Mobilmachung gegen Corona

Der chinesische Staat bekämpft das Virus wie einen Aufstand
vom chinesischen Autor*innenkollektiv

COVID-19 hat eine beispiellose globale Aufmerksamkeit erregt. Ebola, die Vogelgrippe und SARS hatten natürlich auch ihren Medienhype. Aber etwas an der neuen Epidemie ist anders.

Amerika 1. Juni 2020

Können wir die Post noch retten?

In den USA droht ihre Privatisierung
von Alexandra Bradbury*

Der U.S. Postal Service (USPS) ist in großen Schwierigkeiten. Der Verwaltungsrat der Post hat den Kongress um 75 Milliarden Dollar gebeten, um das Unternehmen über Wasser zu halten; ohne sie, so der scheidende Postminister, könnte dem USPS bis September «das Geld ausgehen».

Der Blick ins schwarze Loch

Wenn Gesundheits- und Wirtschaftskrise sich überlagern
von Michel Husson

Die Pandemie hat die Weltwirtschaft gehörig durcheinander gebracht. Es ist unmöglich geworden, Vorhersagen zu treffen. Denn diese Krise gehorcht einer bisher nicht dagewesenen Logik, und wie wir da herauskommen wird nicht nur von wirtschaftlichen, sondern auch von gesundheitlichen und gesellschaftpolitischen Faktoren abhängen.

Asien/Australien 1. Juni 2020

Was ist kapitalistisch an Corona?

Kapitalismus und Landwirtschaft – im Zentrum und an der Peripherie
vom chinesischen Autor*innenkollektiv

Seuchen sind in hohem Grad eine Folge der kapitalistischen Industrialisierung und gleichzeitig ihre Vorboten.
Pocken und andere Viruskrankheiten wurden auch schon in vorkapitalistischer Zeit durch Handelsnetze und die frühe Urbanisierung in Asien und Europa virulent.

Asien/Australien 1. Juni 2020

Das chinesische Gesundheitssystem

Mythos und Wirklichkeit
vom chinesischen Autor*innenkollektiv

Die Parallelen zum aktuellen chinesischen Fall sind auffallend. COVID-19 kann nicht verstanden werden, ohne zu berücksichtigen, wie das globale kapitalistische System Chinas Entwicklung in den letzten Jahrzehnten beeinflusst und sein Gesundheitssystem und den Zustand der öffentlichen Gesundheit umgeformt hat.

Asien/Australien 1. Juni 2020

Folgen der Quarantäne

Politische und ökonomische Auswirkungen
vom chinesischen Autor*innenkollektiv

Aufstandsbekämpfung ist ein verzweifelter Krieg, der erst geführt wird, wenn stabilere Formen der Eroberung, Beschwichtigung oder wirtschaftlichen Einbindung unmöglich geworden sind.

Corona Blog 1. Juni 2020

Alte und neue Epidemien

Was braucht es, um Seuchen zu besiegen?
von Angela Klein

Um die Corona-Pandemie richtig einordnen zu können, hilft ein Blick in die Vergangenheit.

Amerika 1. Juni 2020

Brasilien: Es trifft besonders die Armen

«Die Regeln der WHO greifen hier nicht»
von Chantal Rayes

Das größte Land Lateinamerikas ist auch das am stärksten von COVID-19 betroffene.
Tag und Nacht begräbt Manaus seine Toten. Die Bilder von an­ein­andergereihten Särgen in Massengräbern haben die ganze Welt bewegt.

Amerika 1. Juni 2020

BozoNero

Bolsonaro vor dem Impeachment?
von Hermann Dierkes

Am 21.Mai haben über 400 Organisationen der sozialen Bewegungen und die meisten Parteien der Linken (PT, PSOL, PCdoB, PCB usw.) sowie eine Reihe früherer Minister und weitere Persönlichkeiten die Amtsenthebung des brasilianischen Staatspräsidenten Bolsonaro beantragt.

Asien/Australien 1. Juni 2020

Südkorea und die Corona-Krise

Der Staat weiß alles, tut alles
Gespräch mit Jan Kirchner

Südkorea wird oft als Vorbild im Umgang mit Corona genannt. Anfangs war es nach China am stärksten betroffen, brachte die Ausbreitung aber ohne Lockdown schnell unter Kontrolle. Violetta Bock sprach Mitte Mai mit JAN KIRCHNER, der seit zwei Jahren in Seoul wohnt.

Europa 1. Juni 2020

Proteste und Verhandlungen im Gesundheitswesen

Entwicklung in Frankreich
von Bernard Schmid

Wie wir mehrfach berichteten, bildet die Lage im Gesundheitswesen einen Kristallisationspunkt für Proteste nach dem «déconfinement», also nach der Aufhebung der (im Vergleich zu Deutschland relativ strengen) Ausgangsbeschränkungen, die vom 17.März bis 10.Mai dieses Jahres in Kraft waren.

Amerika 1. Juni 2020

Die junge Generation muss radikalere Wege gehen

Die erste Ausgabe der deutschsprachigen Jacobin über den Niedergang der Sozialdemokratie
von John Will

Seit einigen Jahren ist ein ungebrochener Aufstieg einer sozialistischen Linken in den USA festzustellen. Im Windschatten von Bernie Sanders’ Kampagnen um die Präsidentschaftskandidatur 2016 und 2020 gewann nicht nur der Begriff «Sozialismus» vor allem unter den jüngeren Generationen vermehrt eine positive Bedeutung.

Buch 1. Juni 2020

Jonathan Coe: Middle England

Roman. Wien, Bozen: Folio, 2020. 477 S., 25 Euro
von Paul B. Kleiser

Wer etwas über das soziale und geistige Klima in Großbritannien vor und nach dem Referendum über den Brexit erfahren möchte, dem sei der neue Roman von Jonathan Coe, Middle England, empfohlen. Er handelt von Entwicklungen in den Jahren zwischen 2010 und 2018 und schließt an seine Romane Erste Riten (2001) und Klassentreffen (2004) an.

Amerika 1. Juni 2020

150 Jahre brasilianische Choro-Musik

Briefmarken zum Jubiläum
von Kai Böhne

Choro ist ein Melange aus Walzer, Polka und afrikanischen Sklavenrhythmen.
Zum 120.Geburtstag des brasilianischen Saxophonisten Pixinguinha (1897–1973) wurde der 23.April zum «Internationalen Tag der Choro-Musik» erklärt.

Amerika 23. Mai 2020

Corona in Nicaragua

Ortega kündigt ein Massensterben an
von Matthias Schindler

Am 30.April hielt Daniel Ortega eine Rede, die über verschiedene Medien Nicaraguas live übertragen wurde.

Nur Online 11. Mai 2020

Covid-19 und die Kreisläufe des Kapitals

von Rob Wallace, Alex Liebman, Luis Fernando Chaves, Rodrick Wallace*

Covid-19, die Krankheit die durch das Coronavirus SARS-CoV-2 verursacht wird, dem zweiten Virus, das für eine schwere akute Atemwegserkrankung verantwortlich ist, ist jetzt offiziell eine Pandemie.

Nur Online 3. Mai 2020

Amazon: Widerstand in Zeiten der Pandemie

„Das war es, was den Funken der Revolution ausgelöst hat“
dokumentiert

Episode 1, New York, United States
Interview mit Christian Smalls, Streikführer in New York,
übersetzt und leicht gekürzt von Christian Krähling

Nicht abgesagt

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Eigentlich sollten zur Zeit Zehntausende von Soldaten, Hunderte Panzer und Militärfahrzeuge und Material durch Europa ziehen, um an der Ostgrenze der NATO für «Sicherheit» zu sorgen – ein «Russlandfeldzug» ohne Beispiel, seit die NATO sich nach Osten ausgeweitet hatte.

Europa 1. Mai 2020

Die Tragödie von Bergamo

Ein Massaker, das die Unternehmer nicht vermeiden wollten
von Alba Sidera*

Das von Covid-19 am meisten verwüstete Gebiet Italiens ist ein großes Industriezentrum. Auf Druck der Unternehmer wurde es nie zur roten Zone erklärt. Die Kosten an Menschenleben waren katastrophal.

Europa 1. Mai 2020

Anspannung in Frankreich

Angst vor neuen Unruhen
von Bernard Schmid

Das nennt man «Sinn für Prioritäten haben»: Mitten in der Gesundheitskrise und während die Zahl der KurzarbeiterInnen in Frankreich neun Millionen erreicht, hat die amtierende Arbeitsministerin Muriel Pénicaud augenscheinlich nichts Wichtigeres zu tun, als disziplinarrechtliche Schritte gegen einen unbotmäßige Arbeitsinspektor einzuleiten.

Corona in Israel/Palästina

Vom Notstand zum Ausnahmezustand
von Shir Hever

In Israel herrscht seit 1948 offiziell Notstand. Als die Corona-Krise begann, ging die Regierung sogar noch weiter. Die israelische Geheimpolizei, die Shin-Bet, war befugt, die Handys der gesamten Bevölkerung zu überwachen, um ständig über den Aufenthaltsort jeder Person informiert zu sein.

Afrika 1. Mai 2020

Covid-19 in Nigeria

Nebeneffekte einer Pandemie und ihrer Bekämpfung
von Thadeus Pato

Die Maßnahmen, die zuerst in China und dann in Europa zur Eindämmung der Corona-Pandemie ergriffen wurden, werden aktuell weltweit kopiert. Was das allerdings in Ländern für Folgen haben kann, die weder über ein ausgebautes Gesundheitssystem, noch über soziale Sicherungssysteme verfügen, zeigt sich derzeit unter anderem in Nigeria.

Arbeitswelt 1. Mai 2020

Corona in Indien

Das Leid der muslimischen Tagelöhner
von Dominik Müller

«Es ist eine schreckliche Sache, in solchen Zeiten ein Tagelöhner zu sein, aber noch schlimmer ist es, ein muslimischer Arbeiter zu sein», sagt der 30jährige Ershad Hossain, Arbeiter in einer Textilfabrik der indischen Wirtschaftsmetropole Mumbai, gegenüber dem Online-Magazin The Wire. Sein Heimatdorf liegt mehr als 2000 Kilometer entfernt im Bundesstaat Westbengalen.

Syrien: Eine Katastrophe bahnt sich an

Das Assad-Regime setzt mit Hilfe von Corona seinen Krieg gegen die Bevölkerung fort
von Harald Etzbach

Es gebe in Syrien keine Infektionen mit dem Coronavirus, hat das Assad-Regime lange Zeit behauptet. Trotzdem wurden Mitte März eine Reihe von «präventiven» Maßnahmen ergriffen, darunter Schulschließungen, die Absage von Sport- und Kulturveranstaltungen und Einschränkungen oder Schließungen in der Verwaltung.

Europa 1. Mai 2020

Polen – Wahlen in Zeiten von Corona

Kaczynski lädt zu den Urnen
von Norbert Kollenda

Es geht verdammt nochmal um unser Leben, erhebt euch aus den bequemen Sesseln des Parlaments!» Mit diesen Worten wendet sich ein Kommentator an die Abgeordneten der Opposition und vor allem an ihre Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen.

Amerika 1. Mai 2020

Coronavirus in Lateinamerika

Von der Militarisierung zur «Krise als Chance»
von Leo Gabriel

Virenkrankheiten wie Masern, Malaria und Chicuncuya (eine besonders schmerzhafte Art der Influenza) sind im katastrophengewohnten Lateinamerika keine Seltenheit. Mit dem Coronavirus verhält es sich allerdings anders.

Asien/Australien 1. Mai 2020

Quarantäne und Überwachung in Vietnam

Mit strengen Auflagen erfolgreich gegen den Virus
von Kai Böhne

Durch entschlossenes Vorgehen gelingt in Vietnam eine geringe Ausbreitung des SARS-CoV-2-Virus.

Nur Online 6. April 2020

Wankt Bolsonaros Macht?

Corona-Krise bringt Politgefüge in Brasilien nahe an den Schmelzpunkt
von Christian Russau

„Ihre Regierung ist vorbei“. Diese Worte musste sich Jair Bolsonaro in aller Öffentlichkeit anhören. Das Video der Szene machte Mitte März Furore in den sozialen Netzwerken in Brasilien. Brasiliens rechtsextremer Präsident stand vor seinem Regierungspalast und tat so, als würde er die Worte nicht verstehen.

Amerika 26. März 2020

Mercosur und EU

Nichts als Auto gegen Kuh?
von Antônio Inácio Andrioli*

Durch das Freihandelsabkommen der EU mit dem Mercosur ist vorgesehen, mehr billiges Fleisch und Soja aus Lateinamerika zu importieren – ausgerechnet Produkte, die vor Ort mit Umweltzerstörung und Menschenrechtsverletzungen verbunden sind.

Europa 26. März 2020

Sieg beim 50.Boston-Marathon

Wie Stelios Kyriakides zum Volksheld in Griechenland wurde
von Kai Böhne

Der Läufer Stelios Kyriakides startete, um Hilfsgüter und Spenden für seine Landsleute im zerstörten Griechenland zu sammeln.
Im Jahr 1946 gewann der Grieche Stelios Kyriakides als erster Nichtamerikaner den Boston-Marathon. Mit 2 Stunden 29 Minuten und 27 Sekunden gelang ihm ein neuer Europarekord.

Amerika 26. März 2020

Der Grundwiderspruch der USA

Allgemeine Menschenrechte und Sklaverei
von Paul B. Kleiser

In der von Thomas Jefferson (1743–1826) formulierten und am 4.Juli 1776 verkündeten Unabhängigkeitserklärung der 13 britischen Kolonien, die die USA bilden sollten, heißt es:

Gesellschaft 25. März 2020

Kann Quarantäne die Pandemie stoppen?

Wir lagen vor Madagaskar…und hatten die Pest an Bord
von Klaus Engert

Die Quarantäne war schon in den Zeiten von Pest, Pocken und Cholera ein bewährtes Mittel der Seuchenbekämpfung. Heutzutage liegt man eher mit dem Kreuzfahrtschiff vor Yokohama fest und hat das Coronavirus auf Ober- und Zwischendeck.

Amerika 25. März 2020

Erst streiken, dann verhandeln!

Reaktionen von Beschäftigten auf die Maßnahmen gegen die Coronakrise
von Joe DeManuelle-Hall und Jane Slaughter*

Direkte Aktion zahlt sich aus. Wenn dein Arbeitgeber sich immer noch so benimmt, als würde das Leben der Beschäftigten nicht zählen, nimm dir ein Beispiel an Gewerkschaftsmitgliedern, die ordentlich Muskeln zeigen bevor sie verhandeln – sie machen den Laden einfach dicht.

Arbeitswelt 25. März 2020

Italien im Ausnahmezustand

Streiks für besseren Schutz und 100 Prozent Lohn
von Angela Klein

Allgemeines Versammlungsverbot, Verbot, die «roten Zonen» zu verlassen – aber vor den Werkstoren hören die Schutzmaßnahmen auf. Italien macht vor, wie Ausnahmesituationen genutzt werden, um den Ausnahmezustand – d.h. die Einschränkung demokratischer Rechte – durchzusetzen, und wie Arbeiter sich dagegen wehren.

Europa 25. März 2020

Frankreich: Vorbereitung auf die Zeit nach der Pandemie

Eine Systemalternative liegt nicht mehr im Bereich der Fantasie
Gespräch mit Michel Rousseau

Michel Rousseau ist ein 68er der ersten Stunde und hat an allen großen sozialen Mobilisierungen seither teilgenommen – natürlich auch an der jüngsten Massenbewegung gegen die Renten«reform». Sein besonderes Engagement galt stets den Erwerbslosen, Prekären und Wohnungslosen.

Amerika 25. März 2020

First-Nations-Proteste gegen Pipeline-Bau

Landrechte, Ökologie und fossiles Kapital in Kanada
von Ingo Schmidt

5.Februar 2020: In voller Kampfmontur, mit Nachtsichtgeräten ausgestattet, beginnen Einheiten der Royal Canadian Mounted Police (RCMP) mit der Räumung eines Protestcamps der Wet’suet’wen-Nation im Norden von British Columbia. Durch das Gebiet der Wet’suet’wen soll eine Flüssiggaspipeline gebaut werden.

Amerika 1. März 2020

Mit viel Schwung gegen Drohnen und Krieg

Die Air Base Ramstein muss geschlossen werden!
von Reiner Braun und Pascal Luig*

Es hätte nicht der Ermordung des iranischen Generals Soleimani bedurft, die über die US-Militärbasis Ramstein gesteuert wurde, um immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass die USA über die Relaisstation in Ramstein von deutschem Boden aus völkerrechtswidrig einen Drohnenkrieg führen. Die geschätzte Opferzahl liegt bei über 10000, davon zwei Drittel Zivilisten.

Asien/Australien 1. März 2020

«Der Iran steht vor einer Explosion»

Protestbewegungen gegen die Diktatur
Gespräch mit Mina Khani

Mina Khani stammt aus dem Iran und lebt heute als linke Autorin, Bloggerin und Künstlerin in Berlin. Sie schreibt vor allem über soziale Bewegungen, insbesondere über die Frauenbewegung. Das nachstehende Interview mit Harald Etzbach wurde Ende Januar auf der Webseite der Rosa-Luxemburg-Stiftung veröffentlicht und wird hier stark gekürzt wiedergegeben.

Globales Ökosozialistisches Netzwerk

Politik und Projekt des Ökosozialismus über die Grenzen der Nationalstaaten hinaus nötig
von Wilfried Dubois

Ende Januar trat ein Global Ecosocialist Network (GEN) an die Öffentlichkeit. Zum Selbstverständnis des Netzwerks heißt es auf seiner Webseite (www.globalecosocialistnetwork.net):

Europa 1. März 2020

Ein untypischer Genosse

Zum Tode von Michel Lequenne (1921–1920)
von Wilfried Dubois

Im Mai wäre er 99 Jahre alt ge­worden, nun ist er am 13.Februar gestorben. Michel Lequenne hat nach einer Jugend in Le Havre fast sein gesamtes Leben in Paris gelebt. Er war durch und durch Franzose, ein Intellektueller, der nie eine Universität besucht hat, und ein sehr kritischer, ein querdenkender «Trotzkist».

Europa 1. März 2020

Volle Fahrt voraus für die Seebrücke

«Wir rennen gegen viele Mauern an»
Gespräch mit Jolanta

Die Empörung über die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettungsschiffe und die Situation im Mittelmeer führte 2018 zur Bewegung Seebrücke. Seitdem gehen immer wieder Tausende Menschen auf die Straße oder zeigen mit dezentralen Aktionstagen Solidarität mit Geflüchteten.

Flucht ohne Ausweg

Millionen Menschen werden gerade aus Idlib vertrieben
von Harald Etzbach

Es ist die größte Vertreibungswelle seit dem Zweiten Weltkrieg. Nach neuesten Angaben sind seit dem 1.Dezember – dem Beginn einer neuen Großoffensive des Assad-Regimes und seiner russischen und iranischen Verbündeten – mehr als eine Million Menschen im Nordwesten Syriens, in der Provinz Idlib und im Westen der Provinz Aleppo, auf der Flucht.

Europa 1. März 2020

Zweirad-Traditionsmarke ade

Favorit-Rennräder gib es nur noch auf Briefmarken
von Kai Böhne

Die Produktionsbänder der Fahrradfabrik Favorit stehen still, meldete Radio Prag im Oktober 2019. Die Belegschaft des legendären Fahrradherstellers hatte bereits seit drei Monaten keinen Lohn mehr bekommen. Es war die dritte Insolvenz der Traditionsmarke seit ihrer Privatisierung in den 90er Jahren.

Nordafrika/Nahost 1. Februar 2020

Trumps «Jahrhundertdeal» für Palästina

Israelische Verantwortungen werden ignoriert
von Shir Hever

Als Präsident Trump sein Amt antrat, versprach er, dem Nahen Osten Frieden zu bringen. Er versprach, den «Deal des Jahrhunderts» vorzulegen – eine brillante Lösung für die israelische Besatzung in Palästina.

Asien/Australien 1. Februar 2020

Ein klimatischer «tipping point»

Megafeuer in Australien
von Daniel Tanuro

Der Ausdruck «tipping point» bezeichnet den Punkt, wo ein Systems von einem Zustand des Gleichgewichts in ein anderes «kippt», den Moment also, ab dem es nicht mehr möglich ist zu verhindern, dass aufgehäufte quantitative Änderungen in eine neuen Qualität umschlagen. Der Begriff wird in unterschiedlichsten Bereichen verwendet, von Bevölkerungsstudien über die Sozialwissenschaften bis zum Klimawandel.

Asien/Australien 1. Februar 2020

Enteignet Siemens!

Australien brennt – Siemens zündelt
von Gerhard Klas

«Eigentum verpflichtet» und soll auch dem «Wohle der Allgemeinheit dienen»? Die Siemens-Affäre ist ein weiterer Beleg dafür, dass der Widerspruch zwischen Kapital und Allgemeinwohl durch einen Paragrafen im Grundgesetz nicht zu überwinden ist.

Nordafrika/Nahost 1. Februar 2020

«Die Expansionspolitik des Iran steckt in der Krise»

Über die Kräfteverhältnisse im Nahen Osten
Gespräch mit Gilbert Achcar

Wenn es um den Nahen Osten geht, stehen hierzulande meist die USA und – in geringerem Umfang – die Rolle der EU im Vordergrund. Die Expansionsbestrebungen des Iran werden wenig analysiert. Doch sie sind es, gegen die sich die anhaltenden Massenproteste im Irak, Iran und im Libanon gleichermaßen richten.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2020

Kriegsherd Nahost

Ein Überblick über die Lage
von Paul Kleiser

Am Ende hat Trump nur Sanktionen verhängt und der Iran bei der Bombardierung der Militärbasis darauf geachtet, dass keine feindlichen Soldaten ums Leben kommen. Doch aus den Erfahrungen des Ersten Weltkriegs wissen wir, dass säbelrasselnde Rhetorik nicht Rhetorik bleibt – vor allem nicht, wenn die Interessen- und Bündniskonstellationen so widersprüchlich und das politische Personal an der Spitze der Staaten so autoritär und menschenverachtend ist wie im Konfliktherd Nahost.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2020

Die Türkei im Mittelmeer

Hintergründe der Libyenkonferenz
von Cemal Bilgin

Angeblich soll die Libyenkonferenz, zu der die Bundesregierung die Mächtigen der Welt geladen hatte, das Land nach sechs Jahren Bürgerkrieg befrieden. Bei näherem Hinsehen gewinnt man eher den Eindruck, dass sie eine Notbremse gegen den zunehmenden Einfluss der Türkei und Russlands in der Region sein sollte.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2020

Neue deutsche Außenpolitik

«Wir vertreten unsere Interessen – das müssen wir endlich zugeben»
von Martin Kirsch*

Lange wurde in politischen und politikwissenschaftlichen Debatten behauptet, Deutschland würde sich außen- und verteidigungspolitisch nahezu ausschließlich werteorientiert verhalten.

Europa 1. Februar 2020

Spaltungslinien

Europa und Großbritannien nach der Brexit-Wahl
von Ingo Schmidt

Besser Brexit als Corbyn. Das war wohl die Meinung jener gut betuchten Briten, die lieber in der EU bleiben würden. Es war auch der Tenor der deutschen Medienberichte über die britischen Unterhauswahlen im letzten November.

Amerika 1. Februar 2020

Bolivien: Zurück zu den Anfängen?

Hintergründe für den politischen Absturz von Evo Morales
von Peter Strack

«Evo es Pueblo – Evo ist Volk», heißt weiterhin einer der Twitteraccounts des im November zurückgetretenen Präsidenten Boliviens. Doch das Volk, das ihn vor wenigen Jahren noch mit über 60 Prozent der Stimmen wiedergewählt hatte, folgte dem international in der UNO und in der linken Szene als Lichtgestalt gehandelten Morales immer weniger.

Europa 1. Februar 2020

Rentenreform in Frankreich

Die Eigentore der Regierung
von Bernard Schmid

Es ist so dumm, dass es beinahe schon wieder lustig wird. Diesmal war es nicht nur, wie Anfang Dezember, ein durchgedrehter Lokalpolitiker der Regierungspartei LREM, sondern einer ihrer Abgeordneten in der französischen Nationalversammlung, der in aller Öffentlichkeit aberwitzige Vergleiche zwischen «radikalisierten» Islamisten, Jihadisten, Terror und Streikenden anstellte.

Europa 1. Februar 2020

«Marsch der tausend Roben» in Warschau

Polnische Regierung will unbequeme Richter loswerden
von Artur Nowak*

Im vergangenen Jahr hat das Oberste Gericht in Polen in zwei Urteilen einen Spruch des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg umgesetzt, der die seit 2015 von der mit absoluter Mehrheit regierenden Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (PiS) angestrengten Justizreform betrifft.

Europa 1. Januar 2020

Streik an britischen Hochschulen

Viele Gründe, acht Tage die Arbeit niederzulegen
Gespräch mit Caroline Metz

Vom 25.11. bis 4.12. waren mehr als 120000 Beschäftigte an britischen Hochschulen aufgerufen zu streiken. Anne Engelhardt sprach mit CAROLINE METZ aus Sheffield, die als Postdoktorandin am dortigen Forschungsinstitut für politische Ökonomie (SPERI) arbeitet.

Amerika 1. Januar 2020

Viele Vorschläge und kein Beschluss

Die Diskussion über den Green New Deal in den USA
von Angela Klein

Für einen Green New Deal macht sich seit zehn Jahren die Grüne Partei in den USA stark.

Amerika 1. Januar 2020

Welch ein Green New Deal?

Howie Hawkins fordert einen ökosozialistischen Green New Deal
von Howie Hawkins*

Howie Hawkins hat 1984 die Grüne Partei in den USA mitgegründet. Seit 2010 hat er sich mehrfach mit einem Green-New-Deal-Programm für die Kandidatur der Grünen zu den Gouverneurswahlen von New York beworben; im kommenden Jahr will er damit als Präsidentschaftskandidat der Grünen antreten. Hawkins ist Mitglied von Solidarity.¹

Europa 1. Januar 2020

Frankreich

Der Massenprotest weitet sich aus
von Bernard Schmid

Zwei Wochen vor Weihnachten ist ruchbar geworden, für wen die französische Regierung die Rentenreform macht: für die Versicherungskonzerne. Am 17.De­zem­ber war auch die CDFT bei den Protesten mit dabei.

Arbeitswelt 1. Januar 2020

«Die Rahmenbedingungen müssen stimmen»

Dann kann der Bauer auch Klima- und Insektenschutz
Gespräch mit Elisabeth Fresen (AbL)

In Brüssel werden derzeit die Fördermittel für Landwirtschaft für die Periode 2021–2027 ausgehandelt. Die Agrarförderung ist mit bislang 40 Prozent der größte Posten im EU-Haushalt. Dieser Beitrag soll erheblich gekürzt werden, nämlich auf etwa 28 Prozent – zum einen weil die EU mit Großbritannien demnächst einen Nettozahler verliert, zum anderen weil die EU ihre Prioritäten verschiebt – u.a. in Richtung Aufrüstung.

Gesellschaft 1. Januar 2020

Die Ideologie des «Green New Deal»

Weder neu noch grün
von Bruno Kern

«Wer keinen Begriff von der kapita­listischen Gesellschaft hat und diese implizit als das höchste Stadium einer natürlich sich vollziehenden Menschheitsentwicklung versteht, die oder der hat der Krise wenig mehr als rein technische und marktförmige Lösungen entgegenzusetzen.»
Markus Wissen, der Berliner Sozialwissenschaftler, hat vor kurzem mit diesem prägnanten Satz den ideologischen Gehalt des sog. «Green New Deal» (GND) treffsicher entlarvt.

Amerika 1. Januar 2020

Staatsstreich in Bolivien

Warum Morales gescheitert ist
dokumentiert*

Seit der Verkündung der Resultate der Präsidentschaftswahlen am 20.Oktober durchlebt Bolivien eine tiefe politische Krise. Eine ähnliche Krise hat 2006 den Amtsantritt von Evo Morales begleitet, als er zum erstenmal gewählt wurde.

Amerika 1. Januar 2020

Zankapfel Lithium

Bei den Staatsstreichen in Bolivien ging es immer um die Bodenschätze
dokumentiert*

Bolivien hat in seiner Geschichte eine Vielzahl von Staatsstreichen erlebt, sie wurden vom Militär und der Oligarchie im Interesse transnationaler Bergbaukonzerne durchgeführt. Anfangs waren dies Zinnförderunternehmen, doch Zinn ist nicht mehr das wichtigste Produkt in Bolivien. Dies sind nun die massiven Lithiumvorkommen, die für das Elektroauto von entscheidender Bedeutung sind.

Nur Online 30. Dezember 2019

Robert Habeck – ein deutscher Opportunist

Der Grünen-Chef reist durch Israel und sieht dort nichts, hört nichts und sagt nur Banales
von Arn Strohmeyer

Es gibt das bekannte Bild von den drei Affen, die nichts hören, nichts sehen und nichts sagen. Genauso hat sich der Chef der deutschen Grünen bei und nach seinem Israel-Besuch aufgeführt. Man gehe auf seine Web-Seite und lese da, was er im zionistischen Staat gesehen und erfahren hat: Ein kleines Land, das immer noch bedroht wird und sich tapfer dagegen wehren muss. Die Palästinenser kommen in Habecks Bericht gar nicht oder nur am Rande vor.

Nur Online 14. Dezember 2019

Brexit done

Eine Nachbetrachtung
von Angela Klein
Ein Desaster, gewiss. Ein vorhersehbares dazu.
2017 hat Labour noch gegen eine für Brexit-Hardliner zu zögerlich wirkende Theresa May mit einem auf die soziale Frage fokussierten Wahlkampf gewinnen können.

Nur Online 10. Dezember 2019

Antizionismus nicht gleich Antisemitismus

Appell von jüdischen Hochschullehrer*Innen an die französischen Abgeordneten
aus Le Monde*

Ein Kollektiv von 127 jüdischen Intellektuellen der ganzen Welt ruft die französischen Abgeordneten auf, dem vorliegenden Vorschlag einer Resolution gegen den Antisemitismus nicht zuzustimmen. Dieser Text bringt den Antisemitismus und Antizionismus miteinander in Verbindung, was „hoch problematisch“ ist.

Europa 1. Dezember 2019

Streikbewegung gegen die Rentenreform

Über die Lage in Frankreich vor dem 5.Dezember
Gespräch mit Bernard Schmid

Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt in Frankreich bei 62 Jahren – allerdings nur, wenn man vorher 41,5 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Das ist die Anzahl der Beitragsjahre, die für eine volle Rente erforderlich sind. Die Regelung gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Hat jemand nicht den gesamten Zeitraum in die Rentenkasse eingezahlt, kann er mit vollen Bezügen erst ab 67 in Rente gehen. Diese Regelung gilt ab 2023.

Amerika 1. Dezember 2019

Gemischtes Ergebnis

Bei GM ist die Tarifverhandlung beendet
von Jane Slaughter/Chris Brooks*

Der Streik der Automobilarbeiter in den USA gegen General Motors endete Ende Oktober nach sechs Wochen Streik. Die Arbeiter stimmten dafür, einen Vertrag zu unterschreiben, der eindeutig unbeliebt war, aber mit 57 Prozent Fürstimmen angenommen wurde.

Gesellschaft 1. Dezember 2019

Die weltpolitische Abendröte und die Rebellionen der zivilen Gesellschaft

Perspektiven für einen Strategiewechsel im Weltsozialforum
von Leo Gabriel*

Von Santiago de Chile über Quito und La Paz, von Barcelona über Paris bis Beirut, von Bagdad bis Hongkong reicht der weite Bogen der Städte, deren Straßen sich jeden Tag mit unübersehbaren Menschenmengen füllen, um aus scheinbar geringfügigen Anlässen gegen ihre jeweiligen Regierungen zu protestieren. Gleichzeitig tritt eine neue Generation in Form einer globalisierten Ökobewegung auf den Plan, die den ganzen Erdball wie eine politisierte Ozonschicht umgibt, um das Ende des Planeten zu verhindern.

Europa 1. Dezember 2019

Strategische Souveränität Europas?

… oder ein Flohzirkus widerstreitender Interessen?
von Klaus Dräger

Die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will es schaffen, ihr Team für die EU-Kommission im Dezember 2019 im zweiten Anlauf endlich an den Start zu bringen. Falls die Bestätigung der neuen EU-Kommission diesmal gelingt, hat sie viel vor. Eine «geopolitische Kommission» soll es werden, die die EU auf Weltmachtstatus bringt (militärisch, wirtschaftlich und handelspolitisch).

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2019

Arabische Revolution 2.0 – Mehr als nur ein Frühling

Über den langen Atem der Revolution in der arabischen Region
Interview mit Gilbert Achcar*

Als Ende 2018 die Bevölkerung im Sudan auf die Straße ging und das Ende der autoritären Herrschaft von Omar al-Bashir forderte, rief dies sofort Erinnerungen an 2010 wach. Damals verbrannte sich der tunesische Jugendliche Mohamed Bouzazi als Zeichen des Protests gegen das Regime, dies setzte eine Welle von Volksaufständen und Revolutionen in der gesamten Region in Gang, die als Arabischer Frühling bezeichnet wurden.

Amerika 1. Dezember 2019

Chile in Flammen

Aufstand gegen den Neoliberalismus
von Pablo Leighton*

Am Wochenende vom 18. bis 20.Oktober griffen in Chile Demonstrierende zahllose Symbole des Neoliberalismus an. Ein Hochhaus – Sitz einer europäischen Elektrizitätsgesellschaft – ging in Flammen auf. Geplünderte große TV-Sets wurden in Brand gesteckt. Es gab einen Versuch, das größte katholische Kreuz Südamerikas in Brand zu stecken, in einem Museum, das Papst Johannes Paul II. gewidmet ist, der 1987 mit seinem Besuch in Chile den Diktator Augusto Pinochet legitimiert hatte.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2019

Teile und Herrsche

Im Syrienkonflikt präsentiert sich die neue Ordnungsmacht Russland als «ehrlicher Makler»
von Nick Brauns

Am 30.September 2015 gab der Sprecher des Verteidigungsministeriums der Russischen Föderation bekannt, dass Russland der Bitte der syrischen Regierung um militärische Unterstützung nachgekommen sei. Es folgten massive Luftschläge gegen den sog. Islamischen Staat (IS), aber auch gegen andere gegen Damaskus kämpfende Milizen.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2019

Syrien: Idlib steht unter dreifachem Beschuss…

…und niemand schaut hin
von Harald Etzbach

Die militärische Offensive der Türkei Anfang Oktober hat Syrien wieder einmal eine Zeitlang in den Fokus der internationalen Aufmerksamkeit gerückt. Weltweit fanden größere Demonstrationen gegen die türkische Aggression statt, auch Main­streammedien berichteten umfassend.
Dies steht in auffallendem Kontrast zu dem Schweigen und der Nichtbeachtung eines anderen syrischen Dramas, das sich seit mittlerweile sieben Monaten ein paar hundert Kilometer weiter westlich abspielt: der systematische Vernichtungsfeldzug des syrischen Regimes und Russlands mit beinahe täglichen Artillerie- und Bomberangriffen in der Provinz Idlib im Nordwesten des Landes.

Asien/Australien 1. Dezember 2019

Indien: Hindunationalisten und Kapital Hand in Hand

Und immer wieder Gewalt gegen Minderheiten
von Dominik Müller

Mit dem Wahlsieg der Bharatiya Janata Party (BJP – Indische Volkspartei) hat sich auch in Indien eine Partei der äußersten Rechten durchgesetzt. Sie wird von Konzernen und Wirtschaftsgrößen hofiert. Dafür stand auch der Besuch von Angela Merkel und Gefolge Anfang November.

Nur Online 21. November 2019

Bolivien: Ein Volksaufstand, den die Ultrarechte ausnutzt

Desinformémonos, 11. November 2019
von Raul Zibechi

https://desinformemonos.org/bolivia-un-levantamiento-popular-aprovechado-por-laultraderecha/

Es war der Aufstand des bolivianischen Volkes und seiner Organisationen, der letztlich zum Sturz der Regierung führte.

Nur Online 21. November 2019

Bolivien

Gab es einen Staatsstreich?
von Pablo Solón

Evo Morales hätte seine dritte Amtszeit am 22.Januar 2020 als sehr populärer Präsident beenden können und die Möglichkeit gehabt 2024 erneut zu kandidieren und eventuell sogar zu gewinnen, hätte er nicht seine Wiederwahl für eine vierte Amtszeit erzwungen.

Bildung 1. November 2019

Lehrbücher umschreiben!

Das Europaparlament in den Fußstapfen Kaczynskis
von Andrej Hunko*

Das EU-Parlament ist traditionell nicht eben als Ort ausgewogener geschichtspolitischer Debatten und Resolutionen bekannt. Was sich dieses Parlament aber am 18.September 2019 mit einer erdrückenden Mehrheit von knapp 82 Prozent in der Resolution mit dem Titel «Bedeutung des europäischen Geschichtsbewusstseins für die Zukunft Europas» an Anmaßung, Ignoranz und Geschichtsverdrehung geleistet hat, geht weit über alles bisher dagewesene hinaus.

Asien/Australien 1. November 2019

Krieg um Rojava, Kampf um die Türkei

Der Verrat der USA zwingt die Autonomieverwaltung zum Bündnis mit Damaskus
von Nick Brauns

Am 9.Oktober begann der schon lange von der türkischen Staatsführung angedrohte Angriffskrieg auf die als Rojava bekannte Selbstverwaltungsregion im Norden und Osten Syriens. Vorangegangen war die Erklärung von US-Präsident Donald Trump, die in Nordsyrien offiziell zum Kampf gegen den Islamischen Staat (IS) stationierten US-Soldaten abzuziehen, um einen Zusammenstoß der beiden NATO-Partner zu verhindern.

Flucht/Migration 1. November 2019

Traumschiffe und Alptraumschiffe

Flüchtlingsboot trifft Traumschiff im Mittelmeer
von Ellen Diederich*

Am Sonnabend, den 14.September 2019, gab es in Hamburg wieder den Cruise Day, den Tag also, an dem sich Kreuzfahrtschiffe der Öffentlichkeit vorstellen. Etwa 250000 BesucherInnen kamen. Ich sah einen Bericht in den Nachrichten. In der darauffolgenden Nacht hatte ich einen Alptraum.

Europa 1. November 2019

Frankreich: Showdown am 5.Dezember?

Der Protest gegen die Renten«reform» in Frankreich führt die Gewerkschaften zusammen
von Bernard Schmid

Am 16.Oktober traf eine Nachricht ein, die für das soziale und politische Kräfteverhältnisse in den kommenden Wochen und vielleicht Monaten von Bedeutung sein kann. Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass sich ein Kräftemessen mit der Regierung unter Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Edouard Philippe anbahnt.

Europa 1. November 2019

Portugal–Wahl

Erfolg für die Linke
von Matthias Schindler

Bei den portugiesischen Parlamentswahlen vom 6.Oktober 2019 konnte die politische Linke einen deutlichen Erfolg erringen, während die Rechte eine historische Niederlage erlitt.

Europa 1. November 2019

Parlamentswahlen in Portugal

Sozialdemokraten sahnen ab
von Cristiano Dan

Die Parlamentswahlen am 7.Oktober in Portugal haben den konservativen und rechten Parteien eine deftige Niederlage verpasst. Das «linken Lager» schneidet gut ab, dennoch bleiben gemischte Gefühle.

Europa 1. November 2019

Wahlen in Polen

Die PiS besetzt immer noch das soziale Feld
von Norbert Kollenda

Erneut hat die Partei PiS von Staatspräsident Jaroslaw Kaczynski die Wahlen gewonnen. Wie ist dies möglich, da er doch die Demokratie abbaut und eine Diktatur vorbereitet?

Europa 1. November 2019

Großbritannien: Die Labour Party, die Linke und die EU

Ein Rückblick und ein Ausblick
von Gus Fagan

1975: das erste Referendum
Im Oktober 1972 stimmte das britische Unterhaus, angeführt vom konservativen Premierminister Edward Heath, mit 356 zu 244 Stimmen für einen Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG); der Beitritt erfolgte im Januar 1973. Es gab dazu kein Referendum.

Amerika 1. November 2019

Nicaragua 1979–2019

Vom Triumph der Sandinisten zum demokratischen Aufstand
von Helmut Wendler

Matthias Schindler: Vom Triumph der Sandinisten zum demokratischen Aufstand – ­Nicaragua 1979–2019. Berlin?: Die Buchmacherei, 2019. 173 S., 10 Euro

Seit dem Sieg der Frente Sandinista de Liberación Nacional (FSLN) über die mehr als vierzig Jahre dauernde, von den USA gestützte Familiendiktatur des Somoza-Clans im Jahre 1979, war die Unterstützung der nicaraguanischen Revolution über viele Jahrzehnte für die Linke ein Schwerpunkt deutscher und internationaler Solidaritätsarbeit.

Nur Online 24. Oktober 2019

Die Deutschen und die gegenwärtige Hexenjagd auf „Antisemiten“

Der Anschlag von Halle, die Nakba und der verweigerte Blick durch Galileis Fernrohr
von Arn Strohmeyer

In Bert Brechts Theaterstück „Galilei“ gibt es die berühmte Szene, in der der italienische Astronom den staatlichen, kirchlichen und wissenschaftlichen Autoritäten seiner Zeit die Ungültigkeit des ptolemäischen Weltbildes erklären will.

Nur Online 2. Oktober 2019

‚Operation Ursula‘: Wohin treibt die EU?

von Klaus Dräger

Mit großer Fanfare („Eine Union, die mehr erreichen will“) stellte die künftige Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen ihre  politischen Leitlinien https://ec.europa.eu/commission/interim_de“ und die designierten Kommissionsmitglieder „https://ec.europa.eu/commission/interim/commissioners-designate_de“ vor.

Amerika 1. Oktober 2019

GM-Streikende kämpfen an zwei Fronten

Beschäftigte wehren sich gegen weitere Spaltungen
von Jane Slaughter, Chris Brooks*

Fast 50000 UAW-Beschäftigte streiken gegen General Motors in den USA und gegen ein zweistufiges Einstellungssystem, das die Solidarität der Beschäftigten untergräbt. Doch die Mitglieder müssen möglicherweise an zwei Fronten kämpfen – gegen das Unternehmen und gegen ihre eigene Gewerkschaftsführung.

Amerika 1. Oktober 2019

Die USA steuern auf einen Krieg zu

Kalkulierte Verschärfung von Konflikten
von Mohssen Massarrat*

Nach den jüngsten Luftangriffen auf Ölanlagen in Saudi-Arabien hat die Trump-Regierung gegen die iranische Zentralbank und den Staatsfonds des Landes wegen angeblicher Finanzierung terroristischer Aktivitäten Sanktionen verhängt.

Amerika 1. Oktober 2019

Brandstiftung in Brasilien

Es wird eng für Bolsonaro
von Hermann Dierkes

Zur internationalen Empörung über die Abfackelung des Amazonas kommen jetzt unliebsame Enthüllungen hinzu.

Buch 1. Oktober 2019

«Herrschaft des Unrechts»

Wie juristische Begriffe zu politischen Kampfbegriffen werden
von Paul B. Kleiser

Stephan Detjen, Maximilian Steinbeis: Die Zauberlehrlinge. Der Streit um die Flüchtlingspolitik und der Mythos vom Rechtsbruch. Stuttgart: Klett-Cotta, 2019. 263 S., 18 Euro

Amerika 1. Oktober 2019

China 70 Jahre nach der Revolution

Weltmacht neuen Typs?
von Ingo Schmidt

Vor 70 Jahren verkündete Mao Zedong die Gründung der Volksrepublik China. In den folgenden Jahrzehnten präsentierte sich die chinesische KP als Vorkämpfer antiimperialistischer Bewegungen des Südens. Bevor Nixon und Mao sich 1972 in Peking trafen, war der US-Imperialismus für die KPCh ein Papiertiger. Danach avancierte die einstmals verbündete Sowjetunion zu einem «Sozialimperialisten».

Nordafrika/Nahost 1. Oktober 2019

Wahlwiederholung in Israel

Das erste Mal war es eine Tragödie, das zweite Mal ist es eine Farce
von Shir Hever*

«Laut aktueller Analyse in Ihrer Region wird die Wahlbeteiligung sehr niedrig sein. Im [linken] Tel Aviv und in den arabischen Gemeinden wird sie aber sehr hoch ausfallen. Bitte gehen Sie wählen!»
Diese Botschaft vom Vortag der Wahl am 17.9.19 wurde von der regierenden Likud-Partei am Wahltag selbst an hunderttausende Israelis geschickt.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2019

Die Quadratur des Kreises

Trotz der Einigung zwischen den USA und der Türkei bleibt die Gefahr eines Krieges gegen Rojava hochvon Nick Brauns

Der sog. Sicherheitsmechanismus, den die USA und die Türkei in Nordsyrien vereinbart haben, steht auf höchst unsicherem Grund.
Am zweiten Septemberwochenende fand erstmals eine gemeinsame Patrouillenfahrt von US-Soldaten und türkischen Militärs im Norden Syriens nahe der Stadt Tall Abyad statt. Es folgten gemeinsame Aufklärungsflüge mit Helikoptern über dem auch als Rojava bekannten Selbstverwaltungsgebiet.
«Die Patrouillen waren bei der autonomen Selbstverwaltung bereits im Vorfeld angemeldet worden und sind Teil des Abkommens, das die internationale Koalition geschlossen hat, um den Krieg fernzuhalten und die Stabilität in den Grenzgebieten zu sichern», erklärte das Militärbüro der Demokratischen Selbstverwaltung von Nord- und Ostsyrien im Anschluss.

Europa 1. Oktober 2019

Labour und der Brexit: Kein Vorteil für die Linke

Die Fokussierung auf den Brexit drängt Labour ins Abseits
von Daniel Finn/New Left Review*

Aus sicherer Entfernung kann die Auseinandersetzung um den Brexit als Lehrstück über die Zersetzung bürgerlicher Herrschaft gelesen werden. Und darüber wäre man nicht traurig – käme Labour denn dabei über die Rolle als Retterin bürgerlicher Institutionen hinaus (links von Labour kommt auch nicht viel zustan­de).

Allgemein 1. Oktober 2019

Die Demokratie und ihr «Unterbau»

Der Wiener Strache-Skandal – Ausnahme oder Regel?
von Helmut Dahmer*

«Wenn der Vizi mit Komplizi auf Ibizi wird zum Strizzi…»
Von athenischer, amerikanischer, britischer, französischer, israelischer, auch deutscher (Repräsentativ-)«Demokratie» ist tagaus, tagein die Rede. Dabei werden die verschiedenartigen Voraussetzungen dieser Staatsformen gewohnheitsmäßig beschwiegen oder stillschweigend vorausgesetzt.

Amerika 1. Oktober 2019

Nicht in meinem Namen!

Die unwürdige Rolle der deutschen Botschaft in Nicaragua
von Matthias Schindler

Als jemand, der in den 80er Jahren von Anbeginn an die Solidarität mit Nicaragua und die Bewegung zur Schaffung von Städtepartnerschaften aktiv mit aufgebaut hat, ist es für mich unerträglich, wie die deutsche Diplomatie das aktuelle Regime Ortega unterstützt und dabei auch noch unsere historische Solidaritätsarbeit für sich in Anspruch nimmt.

Flucht/Migration 4. September 2019

Seenotrettung

Verbrechen ohne Strafe
von Rolf Euler

In der Zeit, als das private Seenotrettungsschiff Seawatch 3 im Mittelmeer vor Italien dümpelte, dann einlief und ein Medienrummel um die Kapitänin Carola Rackete losging, waren die Zeitungen voll von Meldungen über den neofaschistischen Kurs des italienischen Innenministers. Völlig an den Rand gedrängt wurde die Verantwortung der EU-Gremien und auch der deutschen Regierung für die Toten im Mittelmeer. Die spätere Aufteilung einer kleinen Zahl von Geflüchteten auf mehrere Länder Europas, die Anklage gegen die Kapitänin, ihre Gegenklage gegen Salvini wegen seiner Pflicht zur Seenotrettung waren einige Tage Schlagzeilen wert, danach war erneut Sendepause bis zu den nächsten mehreren hundert Toten.

Europa 4. September 2019

Mit von der Leyen zur Rüstungsunion

Die alte Verteidigungsministerin will diese Aufgabe an der EU-Spitze fortsetzen
von Jürgen Wagner

Es sind große Stiefel, in die die frischgebackene EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hineintreten will. Schließlich war es ihr Vorgänger, Jean-Claude Juncker, unter dessen Ägide (2014–2019) der zuvor relativ brachliegende Ausbau des EU-Militärapparats massiv voranschritt. Allerdings war von der Leyen als deutsche Verteidigungsministerin daran maßgeblich mitbeteiligt, weshalb vieles dafür spricht, dass auch sie versuchen wird, die nun auf dem Zettel stehenden nächsten Militarisierungsvorhaben zügig umzusetzen.

Europa 1. September 2019

Klimastreik Schweiz präsentiert Charta

Eine Initiative im Vorfeld der Parlamentswahlen am 20.Oktober
dokumentiert

Am 20.August hat der Klimastreik Schweiz eine Charta für die kommenden Wahlen veröffentlicht und eine Webseite eingerichtet, auf der alle Kandidierenden zu den Forderungen der Bewegung Stellung nehmen und mitteilen können, was sie selbst gegen die Klimakrise tun wollen.
Das alles findet nicht nur virtuell statt. Es gibt großformatige Ausdrucke der Charta und Flyer, zum öffentlichen Auftakt der Kampagne ganz analog verteilt werden. Medien sind zu diesem Anlass herzlich eingeladen.

Amerika 1. September 2019

Wo das E-Auto zum Fluch wird

Lithiumabbau in Südamerika bedroht indigene Völker und zerstört die Umwelt
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Elektroautos sind in aller Munde, sie werden gefeiert als das Auto der Zukunft, aber sie verstopfen die Straßen genau so wie herkömmliche Autos und benötigen im Ruhezustand den gleichen Platz wie jedes andere Auto.
Sie sollen die Energiewende einläuten, vor allem den CO2-Ausstoß verringern, doch für die Elektromobilität werden Batterien benötigt. Um diese Elektroautobatterien herzustellen, wird vor allem Lithium gebraucht, ebenso Kobalt.
In den nächsten Jahren werden Unmengen dieser Rohstoffe benötigt, auch Smartphones und Laptops brauchen Lithium-Ionen-Akkus ebenso wie E-Scooter. Die Nachfrage nach Lithium nimmt deshalb rasant zu.

Europa 1. September 2019

Die Wahlen in Griechenland

Syriza hat nicht bezahlen müssen
von Cristiano Dan*

Erstaunlich an den jüngsten Wahlen in Griechenland ist nicht, dass Syriza verloren hat, sondern wie wenig die Partei verloren hat.
Alle Welt, die radikale Linke eingeschlossen, hat Syriza bei den diesjährigen Europa- und den kurz darauffolgenden Parlamentswahlen in Griechenland im Sinkflug gesehen. Eine genaue Analyse der Wahlergebnisse bestätigt das nicht.

Europa 1. September 2019

Syrizas Scheitern

Eine Nachbetrachtung
von Angela Klein

Nach den EU- und Parlamentswahlen in Griechenland, die einen Regierungswechsel zur neu erstarkten Nea Dimokratia gebracht haben, war der Katzenjammer unter Linken wieder groß. Mehrere engagierte Autoren haben dies zum Anlass genommen, noch einmal eine Erklärung für den Kniefall Syrizas vor der Troika und die resignierte, wenn auch empörte, Reaktion der Bevölkerung zu versuchen.

Afrika 1. September 2019

Kampf um Tripolis

Ostlibyscher Militärchef lässt Krankenhäuser und Haftzentren für Flüchtlinge bombardieren
von Bernard Schmid

Mitte August 2019 war der einzige funktionierende Flughafen der libyschen Hauptstadt Tripolis einmal mehr infolge von Kampfhandlungen gesperrt. In der Nacht vom 13. zum 14.August war ein Wachposten auf dem Flughafen von Mitiga, südlich von Tripolis, von Grad-Raketen getötet worden, mehrere andere wurden verletzt.

Arbeitskämpfe 1. Juli 2019

Ein Riesenerfolg

Der Frauenstreik in der Schweiz am 14.Juni setzt neue Maßstäbe
Redaktionskollektiv der Bewegung für den Sozialismus, Zürich

Ohne zentrale Führung, aber mit Hunderten von lokalen Initiativen ist der Schweizer Frauenstreik zu einer richtigen Bewegung geworden.

Der Kushner-Plan für Palästina

Trumps «Jahrhundert-Deal» ist eine Totgeburt
von Arn Strohmeyer*

Amerikaner glauben seit jeher, mit Dollars, Gewalt und salbungsvollen Reden alle Probleme der Welt lösen zu können. Auf die Interessen, Bedürfnisse und Wünsche der Betroffenen meinen sie, keine Rücksicht nehmen zu müssen. Das gilt auch für den US-amerikanischen Plan zur «Lösung» des über hundert Jahre währenden Konflikts der Zionisten mit den Palästinensern.
Das Konzept von US-Präsident Donald Trumps Schwiegersohn Jared Kushner (eines frommen Juden und gläubigen Zionisten), über das zur Zeit in Bahrain verhandelt wird, war und ist eine Totgeburt.

Europa 1. Juli 2019

Die Schweiz – ein ökologisches Vorbild?

Das Nachbarland hat die CO2-Steuer schon 2008 eingeführt
von Lothar Moser*

Die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze preist ihr Modell eines CO2-Gesetzes mit den Worten: «Es soll praktikabel, wirksam und sozial gerecht sein». Lernen könne man von der Schweiz. Wie aber sieht es dort aus?

Amerika 1. Juli 2019

VW in Chattanooga, USA

Erneute Niederlage für die Gewerkschaft
von Chris Brooks*

Die United Auto Workers (UAW) hat bei den jüngsten Gewerkschaftswahlen erneut verloren – wegen einer ausgeklügelten Anti-Gewerkschaftskampagne von VW, Unternehmergruppen und Politikern, aber auch wegen ihres eigenen schwachen und oberflächlichen Organisierungsansatzes.

Asien/Australien 1. Juli 2019

Chinas Aufstieg zur Weltmacht

Über die zweitgrößte Ökonomie der Welt
Interview mit Au Loong Yu

Chinas neuer Aufstieg zu einem neuen Zentrum kapitalistischer Akkumulation hat das Land zunehmend in einen Konflikt mit den USA gebracht. Das folgende Interview mit Au Loong Yu über China als neue imperiale Macht führte Ashley Smith für die US-amerikanische Zeitschrift International Socialist Review.

Arbeitswelt 1. Juli 2019

Ich bin mal eben in China…

Eine Untersuchung über die Arbeitssituation in deutschen Betrieben in China*
von Violetta Bock

Ein Restaurant in einem Arbeiterdorf nahe eines chinesischen Amazon-Betriebsgeländes. Es hatte sich herumgesprochen, dass Besuch aus Deutschland dort aufkreuzen würde. Dennoch war man unsicher, wieviele der chinesischen Beschäftigten kommen würden. Das Treffen fand während der Schicht statt und die KollegInnen mussten extra Überstundenabbau beantragen.

Asien/Australien 1. Juli 2019

Das Verhältnis zu China ändert sich

Junge Aktive sprechen über den Charakter der Massenproteste in Hongkong
Interview aus Jacobin*

Die von Peking eingesetzte Regierung von Hongkong hat versucht, Anfang Juni eine Gesetzesänderung durchzubringen, die die Zahl der Länder, mit denen Hongkong Auslieferungsabkommen unterzeichnet hat (20 bisher), um China zu erweitern. Menschen, die die KP China kritisieren, jährlich die Mahnwachen für die Opfer des Massakers auf dem Tiananmen organisieren und chinesische Dissidenten oder solche, die Solidarität mit Arbeitern und Menschenrechtsaktivisten in China üben, unterstützen, hätten demnach als «Gefährder der nationalen Sicherheit» eingestuft und nach Festlandchina ausgeliefert werden können.

Europa 1. Juli 2019

Neue Allianzen

Nachbetrachtung zu den Europawahlen
von Miguel Urbán Crespo

Die vielleicht wichtigste Neuerung, die die jüngsten EU-Wahlen gebracht haben, ist das Ende der Zweiparteienherrschaft über das Parlament. Miguel Urbán sieht eine neue Konstellation sich nach vorn schieben.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Europaparlaments haben die Europäische Volkspartei (der Konservativen; EVP) und die Progressive Allianz von Sozialisten und Demokraten (S&D) die gemeinsame absolute Mehrheit verfehlt.

Afrika 1. Juli 2019

Sudan: Kampf für Demokratie

Weitere Massenproteste sind angekündigt – Solidarität ist nötig
von Harald Etzbach

Es müssen sich am 3.Juni in der sudanesischen Hauptstadt Khartum schreckliche Szenen abgespielt haben. An diesem Tag überfielen paramilitärische Einheiten das friedliche Sit-in vor dem Oberkommando der sudanesischen Armee. Augenzeugen berichten von Soldaten, die wahllos um sich schossen, auf Demonstranten einprügelten und Zelte niederbrannten.

Amerika 1. Juli 2019

Kuba: Der Trotzki-Kongress in Havanna, 6.–8.Mai 2019

Junge Intellektuelle auf der Suche nach anderen Erklärungen
von Helmut Dahmer*

Anlässlich des 100. Jahrestags der Gründung der Kommunistischen Internationale (im März 1919) planten das Instituto Cubano de Investigación Cultural Juan Marinello und das Philosophische Institut der Universität Havanna in Zusammenarbeit mit dem Trotzki-Museum in Coyoacán (Mexiko; der Casa Museo León Trotski bzw. dem Instituto del Derecho de Asilo) und dem Centro de Estudios Socialistas Carlos Marx (ebenfalls in Mexiko-Stadt) einen nichtöffentlichen «Internationalen akademischen Kongress zu Leben und Werk Leo Trotzkis».

Amerika 1. Juli 2019

Eine revolutionäre Organisation implodiert

Warum sich die ISO der USA aufgelöst hat*
von Manuel Kellner

Die International Socialist Organization (ISO) war viele Jahre lang die mitgliederstärkste Organisation mit sozialistisch-revolutionärem Anspruch und marxistischem Selbstverständnis in den USA. Sie dürfte etwa 800 Mitglieder gehabt haben, etwas über 60 Ortsgruppen (mit jeweils zwischen 5 und 50 Mitgliedern) und Stützpunkte (weniger als 5 Mitglieder). Sie gab eine Monatszeitung (die online Tageszeitung war) und eine vierteljährlich erscheinende Theoriezeitschrift heraus. Eine Reihe ihrer Mitglieder hatten einigen Einfluss in Gewerkschaften und sozialen Bewegungen.

Asien/Australien 1. Juli 2019

PTM in Pakistan

Appell zur Solidarität mit Ali Wazir und Mohsin Dawar
dokumentiert

Am 26.Mai feuerte die Armee in der Region Wasiristan mit scharfer Munition auf einen friedlichen Protestmarsch, der von den beiden Parlamentariern Ali Wazir und Mohsin Dawar angeführt wurde. Dabei kamen mindestens 13 Menschen ums Leben und über 40 wurden verwundet.

Bewegung 20. Juni 2019

EU-Wahl: Niederlage der Linken

Welche Schlussfolgerungen ziehen?
von Jules El-Khatib und Sascha H. Wagner*

Die Europawahlen bedeuten eine Niederlage für die Linke, sowohl in Deutschland, wie auch in anderen europäischen Staaten. In Deutschland ist die Niederlage der Linken, zumindest in der medialen Diskussion, allerdings kaum Thema gewesen, was vor allem an den Einbrüchen der Sozialdemokratie und der Union liegt.

Nur Online 20. Juni 2019

Zum Ausgang der EP-Wahlen 2019

Das Wahlergebnis für DIE LINKE beträgt 5,5 % und ist enttäuschend
von Inge Höger*

Die Wahlbeteiligung ist europaweit angestiegen, DIE LINKE konnte aber davon nicht profitieren. Es ist eine anhaltende Politisierung feststellbar und eine Verschärfung der gesellschaftlichen und politischen Konflikte, was sich in den Ergebnissen wiederspiegelt. Die Erosion der sog. Volksparteien setzte sich bei diesen Wahlen fort. Die im EP tonangebende GroKo von Konservativen und Sozialdemokraten hat keine Mehrheit mehr.

Europa 12. Juni 2019

Polnische Presseschau 134, 04.06.2019

Wahlergebnisse der EU – Wahl in Polen: Polityka, 29. 05. 2019

Wahlbeteiligung: 45,68% Mandate PiS 27, KE 22 , Wiosna 3 und es gibt ein Ost – West – Gefälle

Nur Online 12. Juni 2019

Zum Ausgang der EU-Wahlen und den aktuellen Aufgaben der LINKEN

WAHL-MISSERFOLG MIT ANSAGE
von Lucy Redler und Thies Gleiss

1.
Die Antikapitalistische Linke (AKL) in der LINKEN hat nach dem Parteitag zur EU-Wahl im Februar 2019 in Bonn folgenden Wahlausgang für die Mai-Wahl zum EU-Parlament angekündigt

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2019

Rechtsautoritäre Wende

Die Anti-BDS-Entschließung des Bundestags ist undemokratisch
von Shir Hever

In einer Entschließung vom 17.Mai hat der Bundestag die BDS-Bewegung als antisemitisch verurteilt. Auf dieser Basis lässt sich jede israelkritische Veranstaltung verbieten – auch wenn sie gar nichts mit BDS zu tun hat.

Europa 1. Juni 2019

Genug ist genug

Österreichs unheilige Allianz mit den Rechtspopulisten ist Geschichte
von Leo Gabriel

Wird es nach dem Erdbeben, das die gesamte politische Landschaft Österreichs von den Niederungen des Burgenlands bis zu den Hochalpen Vorarlbergs derzeit erfasst hat, auch nachhaltige Konsequenzen geben?
Das ist die Gretchenfrage, die derzeit die österreichische Innenpolitik ebenso beschäftigt wie Beobachter im benachbarten Deutschland, die bei der Aufdeckung des größten Politskandals der Zweiten Republik eine große, um nicht zu sagen kameraführende, Rolle gespielt haben.

Arbeitskämpfe 1. Juni 2019

LESERBRIEF: Lehrerstreik in Polen ausgesetzt

Betr.: Den Lehrerinnen und Lehrern reicht es, SoZ 5/2019, S.9
von Norbert Kollenda

Im Artikel über den Lehrerstreik in der Mai-Ausgabe ist ein Fehler aufgetreten: Bei den Wahlgeschenken der PiS handelt es sich nicht um solche aus dem Jahr 2015, sondern aus 2019, vor den Europawahlen und auch mit Blick auf die kommenden Parlamentswahlen. Jetzt bekommen nicht die 700.000 Lehrer eine Lohnerhöhung, diese «Linken» wählen ja doch nicht die PiS. Es bekommen die 9 Millionen RentnerInnen seit Anfang Mai eine 13.Rente, schließlich sind sie potenzielle PiS-Wähler. 2015 gab die PiS nach der Regierungsübernahme ab dem 2.Kind 500 Zloty, jetzt gibt es schon ab dem 1.Kind 500 Zloty. Dankbare Eltern werden doch wohl die PiS wählen!?

Arbeitskämpfe 1. Juni 2019

Über den Schweizer Frauen*streik im Juni

«Unsere Forderungen sind konkret genug, um legal zu streiken»
Interview mit Hannah B.

Ein landesweiter Frauenstreik für die aktive Gleichstellung der Frauen in allen gellschaftlichen Bereichen der Schweiz erregte am 14.Juni 1991 weltweite Aufmerksamkeit. Die Losung hieß: «Frauen Basta, niente ­Pasta!» Das Beispiel fand 1994 Nachahmung auch in Deutschland. Doch es hat sich in Sachen Gleichstellung nur wenig getan. Die Schweizerinnen beklagen, dass die bürgerlichen Politiker und die Unternehmen verbindliche Maßnahmen zur Umsetzung des Gleichstellungsartikels aktiv verhindern. Deshalb rufen sie zu einem neuen Frauenstreiktag am 14.Juni 2019 auf.

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2019

Die Haltung der LINKEN zur BDS-Entschließung

Nützliche Handlangerdienste für reaktionäre Entwicklungen
von Hermann Dierkes*

Die Bundestagsdebatte zur Verurteilung der BDS-Kampagne hatte mit Argumenten nichts zu tun, sie waren ein Wust von Textbausteinen aus Lügen, Verleumdungen, Ignoranz, Heuchelei, völker- und menschenrechtswidrigen Positionen. Die AfD forderte sogar das Verbot von BDS und behauptete, der Antisemitismus komme von links und vom Islam!

Europa 1. Juni 2019

Spanien nach den Parlamentswahlen

Podemos ist schon fast von gestern
Interview mit Josep Maria Antentas

Anlässlich der Konferenz von Historical Materialism in Athen führte Paul B. Kleiser für die SoZ am 4.Mai ein Interview mit JOSEP MARIA ANTENTAS über den Ausgang der Parlamentswahlen, die am 28.April in Spanien stattgefunden hatten. Der Ministerpräsident Pedro Sánchez von der PSOE hatte diese Neuwahlen angesetzt, weil sein Haushaltsentwurf im Parlament keine Mehrheit gefunden hatte, nachdem baskische und katalanische Parteien gegen ihn gestimmt hatten. Antentas ist Hochschullehrer für Soziologie an der Autonomen Universität Barcelona.

Amerika 1. Juni 2019

Nach dem gescheiterten Putsch in Venezuela

Welcher Ausweg für den Bolivarismus?
Interview mit Raúl Zibechi

Am 30.April scheiterte der Versuch eines Militärputschs von Oppositionsführer Juan Guaidó. Guaidó hatte im Beisein einer kleinen Gruppe von Soldaten zum Sturz von Maduro aufgerufen und gab an, die Militärbasis La Carlota in der Hauptstadt Caracas zu kontrollieren. Die Soldaten distanzierten sich jedoch später von ihm und auch die Kontrolle über die Militärbasis erwies sich bald als Falschmeldung. Der uruguayische Journalist und Aktivist Raúl Zibechi sieht die Lage für Staatschef Maduro dadurch jedoch nicht verbessert. Das nachstehende Interview führte die italienische Tageszeitung Il Manifesto*.

Asien/Australien 1. Juni 2019

Vor den Neuwahlen in Istanbul

Hersey çok güzel olacak mi? – Wird alles gut?
von Serdar Kazak

Als der Oberste Wahlausschuss die Bürgermeisterwahlen von Istanbul annulliert hatte und der neu gewählte Oberbürgermeister Ekrem Imamoglu sein Amt wieder aufgeben musste, ging er aus dem Rathaus und stieg in den Bus. In diesem Augenblick kam ein Junge zu ihm und sagte: «Ekrem, Bruder… Es wird alles sehr gut.» Der 15jährige, der nur den aberkannten Bürgermeister trösten wollte, hat damit dem Kandidaten der oppositionellen CHP einen schlagkräftigen Wahlslogan beschert. «Es wird alles sehr gut.»

Amerika 1. Juni 2019

Brasilien: gegen Kürzungen im Bildungsbereich

Massenproteste gegen Bolsonaro
von Hermann Dierkes

Am 15.Mai protestierten eine Million Studierende und das Universitätspersonal in über 200 Städten gegen 30prozentige Mittelkürzungen für Bundesuniversitäten, Fachhochschulen und Forschung. Die Regierung Bolsonaro wurde dadurch ganz erheblich unter Druck gesetzt.

Buch 1. Juni 2019

Frankreich: Text über und für die Gelbwesten

«Jede Person, die eine Gelbweste verunglimpft, beleidigt meinen Vater»
von Édouard Louis

Dieser im Dezember 2018 verfasste Text des französischen Schriftstellers Édouard Louis erschien mit dessen freundlicher Genehmigung in l’Anticapitaliste, der Monatszeitschrift der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) (Nr.103, Januar 2019). Ebenfalls im Januar ist das neueste Buch von Édouard Louis unter dem Titel Wer hat meinen Vater umgebracht auf Deutsch erschienen (S.Fischer, 80 S., 16 Euro).

Europa 1. Juni 2019

Crossing Europe 2019

Zum Filmfestival in Linz
von Kurt Hofmann

Kurz vor den Europawahlen vermochte das Filmfestival Crossing Europe, auch in seiner 16.Ausgabe zu überzeugen. Hier eine Auswahl.

Europa 29. Mai 2019

Europawahlen 2019

Rechte und grüne Erfolge
von Angela Klein

Noch nie ist eine Europawahl auf so großes öffentliches Interesse gestoßen wie diesmal, die Wahlbeteiligung lag europaweit bei dem Rekordwert von über 50 Prozent – in Osteuropa, wo sie bislang am niedrigsten lag, hat sie sich zum Teil mehr als verdoppelt.

Nur Online 21. Mai 2019

In Ungarn brodelt es

Streiks und internationale Arbeit der IG Metall*
von Horst Hilse

Wer am Montag, den 6. Mai in Köln den Weg zur örtlichen ISO fand (Webseite: http://intersoz.org/) erlebte einen spannenden Vortrag.
Die Kollegin Marika Varga ist im Rahmen ihrer Arbeit für die Internationale Abteilung der IG Metall ganz nahe an den Ereignissen und beschäftigt sich seit sieben Jahren mit Ungarn.

Europa 21. Mai 2019

Polnische Presseschau 133, 18.05.2019

NUR SAG ES NIEMANDEN https://studioopinii.pl/archiwa/192755

Es ist ein sehr bewegender Film über den Missbrauch durch Priester ist im Netz. Die Filmemacher geben den Opfern Raum, um ihr Leid zu schildern. Ganz anders als in schriftlichen Berichten sehen wir hier die Opfer und können auf diese Weise eher ermessen, was für eine Last sie das Leben lang begleitet. Es ist mutig und anerkennenswert von ihnen sich öffentlich mitzuteilen. Am Beginn wird eine Szene eingesprochen, bei der eine missbrauchte Frau vor einer kirchlichen Untersuchungskommission mit der Hand auf die Bibel den Eid nachsprechen muss:

Europa 8. Mai 2019

Polnische Presseschau 132 A, 28.04.2019

Lehrerstreik ausgesetzt

Der Vorstand der der Lehrergewerkschaft ZNP haben beschlossen den Streik am Samstag, 27. April auszusetzen. Dazu erklären sie auch, dass sie keine Vereinbarungen unterschreiben werden. In Wahrheit könnte der Streik fortgeführt werden und er würde in die Zeit der Abiturprüfungen fallen, führte der Vorsitzende der Gewerkschaft S. Broniarz weiter aus. Die Regierung hätte in keiner Weise ihre Verantwortung für die Schüler wahrgenommen, sondern die Abiturienten einem gering qualifizierten Personal dem Stress ausgesetzt. Deswegen hätte die Gewerkschaft zusammen mit den Eltern und Schülern beschlossen den Streik auszusetzen. Dadurch soll erreicht werden, dass die Schüler geordnet ihren Abschluss machen können.

Afrika 1. Mai 2019

«Das Recht ist mit uns»

Mare Jonio setzt Seenotrettung gegen die italienische Regierung durch
von Judith Gleitze*

Der Rettungseinsatz der Mare Jonio, die 50 Menschen nach Lampedusa bringt, ist kein Akt der Humanität, sondern ein Ausdruck der Verteidigung unserer Rechte.
Palermo, 18.4.2019. «Wir segeln auf dem Meer in dem Bewusstsein, dass wir dort sind, wo wir nicht sein wollen, denn es sollte keine Menschen geben, die gezwungen sind, zu Schiffbrüchigen oder zu RetterInnen zu werden.» So wurde am 4.Oktober 2018 die neue Mission «Mediterranea» in Rom vorgestellt.

Europa 1. Mai 2019

Europawahl am 26.Mai

Wen wählen?
von Angela Klein und Manuel Kellner

Links von der SPD können Menschen bei der bevorstehenden Europawahl am 26.Mai in Deutschland vier Listen ankreuzen; zufriedenstellend ist keine davon.

Europa 1. Mai 2019

Ein Europa für alle?

Die Seebrücke und die Europademonstrationen am 19.Mai
von Christoph Kleine*

Am 26.Mai wird das Europaparlament neu gewählt. Ein weiterer Stimmenzuwachs für die offen rechten, autoritären und rassistischen Parteien wird befürchtet.
Eine Initiative dagegen sind die Großdemonstrationen, die für den 19.Mai in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, Leipzig, Stuttgart, München und zeitgleich in weiteren europäischen Städten geplant sind. Ihr Motto: «Ein Europa für alle: Deine Stimme gegen Nationalismus.» Zum Trägerkreis gehört neben Campact, Attac, dem Paritätischen und Pro Asyl auch die Seebrücke, die seit dem vergangenen Sommer mit Hunderten von Aktionen für ein Ende des Sterbens im Mittelmeer und für sichere Fluchtwege eingetreten ist.

Arbeitskämpfe 1. Mai 2019

Den Lehrerinnen und Lehrern reicht es

Über 70 Prozent in Polen streiken
Gespräch mit Urszula Frey

Die Lehrer sind recht geduldig, das letzte Mal haben sie 1993 gestreikt. Sie sind es gewohnt, dass sie zu den Geringverdienern gehören. 2009 gab es eine Lohnerhöhung, aber die Inflation hat sie längst aufgefressen. Als die PiS im Angesicht der diesjährigen Europa-und Parlamentswahlen Geschenke verteilte, gehörten die 700.000 Lehrer nicht dazu, schließlich zählen sie nicht zu den potenziellen PiS-Wählern. Zu potentiellen PiS Wählern gehören aber die 9 Millionen Rentner, die in diesem Jahr bereits eine 13. Rente ausbezahlt bekommen haben. Nach der Regierungsübernahme 2015 gab es ab dem zweiten Kind außerdem 500 Zloty. Jetzt gibt es auch schon für das erste Kind 500 Zloty.

Urszula Frey unterrichtet seit 21 Jahren an einer Sonderschule und hat dementsprechende Zusatzqualifikationen wie etwa Pädagogik für Kinder mit Autismus, Asperger, Montessori-Pädagogik, u.a. Sie ist Mitglied der Gewerkschaft der Polnischen Lehrer (ZNP). Die ZNP ist die größte Lehrergewerkschaft, sie ist bei den Konservativen als links, ja gar als kommunistisch verschrien, es gibt sie mit kurzen Unterbrechungen (durch Krieg und Kriegsrecht) seit 1905, und sie war auch zu Zeiten der Volksrepublik aktiv. Mit Urszula sprach Norbert Kollenda für die SoZ.

Bewegung 1. Mai 2019

Europawahl 2019

Für eine solidarische Gesellschaft auf die Straße gehen
von ak

Am 19.Mai werden viele wohlmeinende Menschen anlässlich der Europawahlen gegen Nationalismus und Rechtsextremismus auf die Straße gehen. Ein Bündnis aus Attac, Naturfreunden, Pro Asyl, Seebrücke, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband u.a. ruft dazu auf, in sieben Großstädten der Bundesrepublik für ein «demokratisches, friedliches und solidarisches Europa» zu demonstrieren und dafür, am 26.Mai wählen zu gehen. Als einzige Gewerkschaftsgliederung hat die Verwaltungsstelle Ludwigshafen-Frankenthal der IG Metall den Aufruf unterschrieben.

Bewegung 1. Mai 2019

Ein etwas anderer Aufruf

Auf der Linken führt die Truppe um La France Insoumise (FI) einen eigenen Wahlkampf
Aufruf zur Europawahl

Parteien auf der Basis des nachstehenden Aufrufs zu wählen, ist in Deutschland am 26.Mai nicht im Angebot – denn es gibt hier keinen Ableger der linken Abspaltung von der Fraktion Vereinigte Europäische Linke/Nordische Grüne Linke (GUE-NGL). Dennoch lohnt es sich, den Aufruf zur Kenntnis zu nehmen – zeigt er doch, wie von links ein aggressiverer Wahlkampf geführt werden könnte.

Bewegung 1. Mai 2019

Zersplitterte Linke?

Europawahl 2019
von Klaus Dräger

Vom 23. bis 26.Mai 2019 finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Wie stellen sich die Parteien links von Sozialdemokratie und Grünen in der EU dafür auf?
Die Partei der Europäischen Linken (EL) war über Jahrzehnte hinweg stets die dominierende Kraft innerhalb der Linksfraktion (GUE/NGL) im Europäischen Parlament (EP). Dass dies so bleibt, ist nicht sicher – die EL ist in strategischen Fragen untereinander zerrissen, oft auch innerhalb ihrer Mitgliedsparteien.

Arbeitswelt 1. Mai 2019

«Die müssen jetzt nicht mehr auf den Strich»

Über das Projekt «Faire Mobilität» und die Personenfreizügigkeit in der EU
Gespräch mit Szabolcs Sepsi

Die Personenfreizügigkeit für EU-Bürger sorgte und sorgt für erheblichen Sprengstoff. Nicht nur die extreme Rechte schürt Konkurrenzhaltungen innerhalb der Klasse der Lohnabhängigen, das Thema war auch einer der Auslöser für die (dünne) Mehrheit der Befürworter eines Brexit in Großbritannien. Aber auch in Gewerkschaften sind solche Positionen nicht fremd. Die SoZ sprach mit Szablocs Sepsi, der für das DGB-Projekt «Faire Mobilität – Arbeitnehmerfreizügigkeit sozial, gerecht und aktiv» arbeitet.

Europa 1. Mai 2019

Europa vor der Wahl

Der aufhaltsame Aufstieg der Neuen Rechten
von Ingo Schmidt

Parteien der politischen Mitte, allen voran Frankreichs Staatspräsident Macron, warnen vor einem Aufschwung der Antieuropäer bei den anstehenden Wahlen zum Europaparlament. In dessen Folge fänden sich möglicherweise keine Mehrheiten für dringend notwendige Reformen der EU. Man mag diese Warnungen für berechtigt halten oder nicht, sie sind jedenfalls unredlich, kontraproduktiv und falsch adressiert.

Asien/Australien 1. Mai 2019

Kommunalwahlen in der Türkei

Machtkampf um Istanbul
von Serdar Kazak

Vor den Kommunalwahlen vom 31.März hatte Erdogan persönlich gesagt: «Wenn wir in Istanbul stolpern, fallen wir in der Türkei um.» Nun ist es soweit.
Laut Angaben der Hohen Wahlkommission hat Ekrem Imamoglu, der Kandidat der oppositionellen CHP, in der Stadt am Bosporus einen Vorsprung von etwa 17000 Stimmen erreicht.
Die sog. offiziellen Wahlergebnisse sind eigentlich genauso erstaunlich wie die Wahlverluste der AKP in Istanbul. Die Hohe Wahlkommission ist theoretisch ein parteiloses, neutrales Amt. Dem ist aber nicht so.

Europa 1. Mai 2019

Anderes Europa braucht Bewegung

In der EU für Fortschritte kämpfen
von Catherine Samary, Angela Klein

Seit den traumatischen Erfahrungen in Griechenland diskutiert die radikale Linke in Europa über einen Plan B, ohne einen Konsens zu erreichen. Das Referendum über den Brexit in Großbritannien ist ein bitteres Beispiel dafür. Auch hier ist es der antirassistischen und Anti-EU-Linken nicht gelungen, einen glaubwürdigen Weg zu einer Alternative zur EU aufzuzeigen. Dabei beeinflussen sowohl das Vertragswerk der EU wie auch die europäische Politik der Einzelstaaten das Kräfteverhältnis auf nationaler wie auf internationaler Ebene ganz erheblich.

Asien/Australien 1. Mai 2019

«Für uns Schah-Gegner war kein Platz»

Über die widersprüchlichen Folgen der iranischen Revolution
Gespräch mit SAID

Mitte Januar 1979 verließ der Schah des Iran das Land unter dem Druck monatelanger Streiks, die Ende 1978 stattgefunden hatten und die vom Bürgertum wie auch von der Geistlichkeit unterstützt wurden. Zwei Wochen später kehrte der 1964 ins Pariser Exil getriebene Führer der Geistlichkeit, Ayatollah Khomeini, nach Teheran zurück und übernahm alsbald die Macht. Am 1.April wurde die Monarchie per Referendum abgeschafft und durch die neue Staatsform Islamische Republik ersetzt.

Asien/Australien 1. Mai 2019

Wahlen in Israel

Es droht die Annexion des Westjordanlands
von Shir Hever

Am 9.April 2019 fanden in Israel vorgezogene Parlamentswahlen statt. Die Ergebnisse waren im wesentlichen absehbar, da Netanyahus Popularität und sein Verständnis vom israelischen Politiksystem auf einem unvergleichlich höheren Niveau liegen als das aller seiner Gegner.

Afrika 1. Mai 2019

Der Aufstand des 22.Februar in Algerien

Vorgeschichte und Entstehung
von Lamri Lakrache*

Seit der Unabhängigkeit 1962 hat Algerien keine derart breite, tiefe und dauerhafte Massenbewegung mehr gegen das herrschende politische Regime erlebt. Soziale Erschütterungen wie der «Printemps berbère» (Berber-Frühling) 1980, die Brotaufstände 1988, der schwarze Frühling 2001 und der arabischer Frühling 2011 haben trotz ihrer tiefgreifenden politischen Wirkungen nicht so viele Menschen mobilisiert wie der gegenwärtige Massenaufstand.

Amerika 1. Mai 2019

Utopie und Verfall

Nicaragua, Venezuela und neue Perspektiven. Eine Konferenz in Berlin
von Matthias Schindler

Vom 5. bis 7.April fand in der Kulturmarkthalle in Berlin die Konferenz «Nicaragua und die Zukunft der Linken» statt, um über Utopie und Verfall emanzipatorischer Gesellschaftsentwürfe zu reflektieren.

Amerika 1. Mai 2019

Ein Zeichen setzen!

Offener Brief an den Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Corinto/El Realejo e.V.
von Helmut Wendler

Werte Vereinsmitglieder,
vor 35 Jahren, im Jahr 1984, wurde in Köln die Nicaragua-Solidaritätsbewegung ins Leben gerufen. Zunächst aus Anlass des Todes unseres Freundes und Wahlkölners Enrique Schmidt Cuadra in Form der Nicaragua-Koordination-Köln, die später im Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Corinto/El Realejo e.V seine Fortsetzung fand.

Europa 1. Mai 2019

Zur Diagonale 2019

Das Filmfestival in Graz
von Kurt Hofmann

Die Diagonale 2019, das Festival des österreichischen Films, war eine Mischung aus vertrauten Programmformen und neuen Ansätzen. Wenig schien in diesem Jahrgang von ungefähr zu sein und vieles durchdacht.
Erst kürzlich haben die Angriffe der schwarz-blauen Rechtskoalition auf den ORF, die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, wieder zugenommen.

Europa 10. April 2019

Polnische Presseschau 132, 05.04.2019

Wird es unser Frühling (WIOSNA) ? Le Monde diplomatique Polska, Februar 2019

Nachdem die Partei Razem trotz staatlicher Zuschüsse fast in der Versenkung verschwunden ist, stellt sich die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Partei Wiosna (Frühling). Ihr Chef Robert Biedron entwickelt sich zu einem linken Führer und dies nicht in Form eines Apparatschiks wie bei der SLD, aber als ein offener, sozial engagierter Aktivist. Zunächst war er Gründer und Leiter der Kampagne gegen Homophobie, später Abgeordneter der Palikot Bewegung und dann populärer Bürgermeister von Slupsk. Für seine Kompromisslosigkeit und Offenheit gewann er schnell Sympathien und war somit in der Öffentlichkeit recht präsent. Ob es reichen wird ähnlich wie seinerzeit die Palikot Bewegung die drittstärkste Kraft zu werden wird sich zeigen, aber möglich ist es. Wiosna zeigt im Vergleich zu Razem eine Offenheit in alle linke und liberalen Bereiche. Sein Programm ist eindeutig gegen die jetzige Regierung gerichtet. Es wäre zu wünschen, dass Wiosna im Herbst ins Parlament einzieht und gemeinsam mit den Liberalen das Ende für die PiS einläutet. Jetzige Umfragen sprechen dafür, aber…es besteht auch die Gefahr, dass die Stimmen nicht reichen werden, dies dann dazu führen könnte, dass die PiS die Mehrheit bekommt. Dann versinkt das Land im braunen Morast.

Europa 10. April 2019

Polnische Presseschau 131, 02.03.2019

Bürger Koalition” kontra PiS gazeta wyborcza, 26.01.2019

Im Dezember hat sich die Bürgerplattform aufgelöst und im Januar gab es eine Konvention der Bürgerkoalition. Dazu haben sich neben der neoliberalen Bürgerplattform, von der die Idee ausging, die Bauernpartei PSL, die SLD (Verband der Demoakttischen Linken) die neoliberale Nowoczesna und die Grünen angeschlossen. Ihr Ziel ist es eine Koalition über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg zu bilden, die in der Lage sein wird die undemokratische Herrschaft der PiS zu beenden. Zunächst gibt es noch einige Verwirrungen betreffs des Namens. So wollen sie zu den EU Wahlen mit dem Namen „Europäische Koalition“ auftreten.

Nordafrika/Nahost 1. April 2019

Das A-Wort und der Gehorsam der Stadtväter

Anlässlich der Verleihung des Göttinger Friedenspreises
von Angela Klein

Anfang März sollte der Göttinger Friedenspreis an die Organisation «Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost» verliehen werden.
Die Preisverleihung findet traditionell in der Aula der Universität statt. Es soll damit an die ruhmreiche Tradition erinnert werden, die Professoren und Studierende dieser Universität durch ihr mehrfaches Aufbegehren gegen absolutistische Bevormundung und politische Maulkörbe begründet haben: Die Göttinger Sieben, zu denen auch die Brüder Grimm gehörten, lehnten sich in den 1830er Jahren gegen die Aufhebung der liberalen hannoverschen Verfassung auf; 1957 intervenierten die Göttinger Achtzehn, eine Gruppe von 18 hochangesehenen Atomforschern, bei Adenauer gegen die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen.

Nordafrika/Nahost 1. April 2019

Juden wird wieder das Konto gekündigt

Rede von Iris Hefets anlässlich der Verleihung des Göttinger Friedenspreises (Auszüge)
dokumentiert

Der diesjährige Göttinger Friedenspreis, vergeben von der Stiftung Roland Röhl, ging an die Jüdische Stimme für gerechten Frieden in Nahost. Der Zentralrat der Juden hat versucht, das zu verhindern und von der Stiftung die Absetzung der Jury verlangt. Die Stiftung hat das abgelehnt, doch die Preisverleihung konnte nicht, wie üblich, in der Aula der Universität stattfinden. Nachstehend Auszüge aus der Preisrede der Vorsitzenden, Iris Hefets.

Ich kann nicht verschweigen, dass das Erlebnis, als Juden und Jüdinnen unerwünscht zu sein, sehr unangenehm ist. […]

Europa 1. April 2019

Zurück auf Los?

Massendemo in London für ein zweites Referendum
von Angela Klein

Puh… Frischluft! Eine Million Menschen forderten in London am 23.März «Put it to the people!», das Volk soll entscheiden – ein zweites Referendum über den Brexit.

Bildung 1. April 2019

Parteien haben kein Monopol auf politische Willensbildung

Die Aberkennung der Gemeinnützigkeit für Attac ist rechtlich unhaltbar
Gespräch mit Dirk Friedrichs

Dass Nichtregierungsorganisationen die Regierenden in Bedrängnis bringen, wurmt sie gewaltig. Seitdem die Deutsche Umwelthilfe für ihre Forderung nach Fahrverboten in deutschen Innenstädten einen Prozess nach dem anderen gewonnen hat, diskutiert die Bundesregierung offen darüber, wie sie ihr das Handwerk legen kann. Die Aberkennung der Gemeinnützigkeit ist ein Hebel dafür. Dabei geht es nicht nur um die Umwelthilfe, der Angriff ist breiter angelegt.

Europa 1. April 2019

Über den liberalen Feminismus hinaus

Trotz Aufschwung der Rechten: Millionen Menschen auf der Straße am 8.März im Spanischen Staat
von Rebeca Martínez*

Zum zweitenmal hintereinander sind in Spanien am 8.März mehrere Millionen Menschen gegen patriarchalische Gewalt auf die Straße gegangen und haben in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen die Arbeit niedergelegt: die Erwerbsarbeit ebenso wie die Sorgearbeit. Das erste Mal war dies im vergangenen Jahr passiert – schon damals erregte diese Mobilisierung weltweit Aufsehen.

Warten auf den großen Knall

Die Weltwirtschaft rutscht in ihre nächste Krise
von Angela Klein

Die Rezession ist noch nicht da, doch die Stimmung wird schon zunehmend trüber.
Ende letzten Jahres sei Deutschland knapp an einer Rezession vorbeigeschrammt, las man in den Wirtschaftsblättern.

Amerika 1. April 2019

Amerika contra China – Ökonomie und Geopolitik

Wie sich die Beziehungen zwischen beiden Mächten seit den 90er Jahren gewandelt haben
von Susan Watkins

Wachsende Spannungen zwischen Washington und Peking sind noch kein neuer Kalter Krieg. Aber sie zeigen einen bedeutenden Wandel in der Politik der USA an. Seit den 1990er Jahren betonten diese die Kooperation, wenngleich gestützt auf militärische Macht. Ein Ausdruck davon waren die Einfädelung von Chinas Beitritt zur Welthandelsorganisation (WTO) und die Garantie seiner Dollarguthaben auf dem Höhepunkt der Finanzkrise. Heute droht Washington mit einem Zollkrieg und weist NATO-Mitglieder an, die marktführende 5G-Technologie der VR China zu boykottieren.

Amerika 1. April 2019

Schluss mit der Privatisierung der Schulen

Lehrerinnen und Lehrer in Oakland erstreiken mehr Geld für die Schulen
von Samantha Winslow*

Dicht auf den Fersen des erfolgreichen Streiks der Lehrer in Los Angeles im Januar, haben sich Lehrer 340 Meilen nördlich in Oakland der Streikwelle angeschlossen. 3000 Lehrer streikten vom 21.Februar bis zum 1.März an den 86 Schulen, unterstützt von Eltern und Schülern.

Amerika 1. April 2019

Globaler Wirtschaftskrieg

Der Aufstieg Chinas. Zerbricht der Westen?
von Angela Klein

Das Institut für sozial-ökologische Wirtschaftsforschung (isw) gibt in regelmäßigen Abständen Berichte heraus, die sich höchst kompetent mit Strukturfragen der Weltwirtschaft beschäftigen.

Europa 1. April 2019

Zwischen Glasbruch und Militarisierung

Die Auseinandersetzungen um die Bewegung der Gelbwesten in Frankreich eskalieren
von Bernard Schmid

«Wenn man körperlich gebrechlich ist, wenn man leicht zu Boden stürzen kann, dann begibt man sich nicht in Situationen wie diese, an Orte, wo es verboten ist» kommentierte Emmanuel Macron Anfang der letzten Märzwoche die schweren Verletzungen der 73jährigen Demonstrantin Geneviève Legay. Er wünsche ihr «Genesung, aber auch größere Weisheit». Ihr Anwalt konterte: «Man schüttet nicht Kritik über jemanden auf seine oder ihrem Krankenhausbett aus.»
Die Sprecherin von ATTAC in Nizza erlitt einen Schädelbasisbruch, als sie am 23.März während einer Demonstration zu Boden gestürzt war; ihre Überlebenschancen galten zunächst als kritisch.

Europa 1. April 2019

Antisemitismus in Frankreich…

…und wie er benutzt wird
von Bernard Schmid

Der Antisemitismus in Frankreich nimmt zu. Seinen vielleicht schlimmsten Ausdruck fand er jüngst in einer Schmiererei, die am 11.Februar entdeckt wurde.
Der Graffitikünstler Christian Guemy, alias «C215», hatte vor einigen Monaten zwei kunstvoll gemalte, kleine Porträts der 2017 verstorbenen Ministerin und Auschwitz-Überlebenden Simone Veil auf zwei Briefkästen an der Außenwand des Bezirksrathauses im 13.Pariser Arrondissement angebracht. Anlass dazu war die Überführung des Sargs von Simone Veil ins Pariser Panthéon am 1.Juli 2018. In der Nacht waren zwei Hakenkreuze über die Porträts gepinselt worden.

Amerika 1. April 2019

Voreilige Anerkennung

Die Venezuela-Linie der Bundesregierung ist ein historischer Bruch in der deutschen Außenpolitik
von Andrej Hunko*

Durch ihre blinde Gefolgschaft für die Umsturzpolitik der USA in Venezuela hat sich die Bundesregierung in eine diplomatische Sackgasse manövriert.
Mit seiner Selbsternennung zum Präsidenten Venezuelas hat Juan Guaidó ein politisches Erdbeben ausgelöst. Auch wenn gut zwei Monate nach Beginn dieses Putschversuchs die Regierung Maduro weiterhin im Amt ist, bleibt die Situation brandgefährlich. Die Bundesregierung gibt vor, für eine friedliche Lösung zu arbeiten. Doch hat sie durch die vorschnelle Anerkennung Guaidós den Konflikt verschärft.

Amerika 1. April 2019

100 Tage Präsidentschaft AMLOs in Mexiko

Weder Vorverurteilung noch Jubelarien
von Leo Gabriel

Es ist fast genau hundert Tage her, da jubelten Millionen Mexikanerinnen und Mexikaner ihrem neuen Präsidenten Andrés Manuel López Obrador (kurz AMLO genannt) lauthals zu, der die Wahlen vergangenen Juli beim dritten Anlauf mit einer ebenso überragenden wie überraschenden Mehrheit gewonnen hatte. Zwar geben nach wie vor fast 80 Prozent in Meinungsumfragen an, sie würden AMLO noch immer als Hoffnungsträger sehen, doch sind weite Sektoren der mexikanischen Bevölkerung bereits auf Distanz zu ihm gegangen – und das mit gutem Grund.

Zwischen Skylla und Charybdis

Die autonome Selbstverwaltung in Nordsyrien steht nach dem Sieg
über den IS am Wendepunkt
von Nick Brauns

Nach der griechischen Mythologie muss Odysseus sein Schiff in der Meerenge von Messina zwischen dem menschenfressenden Ungeheuer Skylla zu seiner Linken und dem Strudel Charybdis zu seiner Rechten sicher hindurchsteuern. Gleich dem antiken Helden ist es den Kurden in acht Jahren des Krieges und Bürgerkrieges in Syrien gelungen, gestützt auf die eigene Kraft, aber unter geschickter Ausnutzung der Widersprüche der verschiedenen regionalen und internationalen Akteure, einen eigenen Weg zu gehen.

Buch 12. März 2019

Partisanen einer neuen Welt

Eine Geschichte der Linken in der Türkei

von Nihat Özer

Dies ist der Titel eines Buches, das im August 2018 im Verlag Die Buchmacherei erschienen ist. Es behandelt die Geschichte der Linken in der Türkei seit Ende des Osmanischen Reichs bis zur Gegenwart, die hierzulande weitgehend unbekannt ist.

Nur Online 12. März 2019

Europawahl 2019 – Aufstrebende Rechte, zersplitterte Linke?

von Klaus Dräger

Vom 23. bis 26. Mai 2019 finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Die Medien sehen düstere Wolken am europäischen Himmel heraufziehen. Befürchtet wird, dass Rechtspopulisten‘ deutlich stärker als bei der letzten Europawahl 2014 abschneiden und zusammengenommen etwa ein Drittel der Europaabgeordneten stellen könnten – 150 oder mehr von 705 zu vergebenden Mandaten, falls der Brexit wirklich kommt. Italiens Innenminister Matteo Salvini und Chef der hart rechten Lega bemüht sich um eine Zusammenarbeit mit Viktor Orbáns Fidez-Partei in Ungarn und Jaroslaw Kaczynskis PiS in Polen, auch im Hinblick auf ein gemeinsames Vorgehen im Rat der EU.

Stunde der Hardliner

Neuer Rüstungswettlauf nach Kündigung des INF-Vertrags
von Jürgen Wagner*

Am 2.Februar 2019 suspendierten die USA den INF-Vertrag zum Verbot landgestützter substrategischer atomarer Mittelstreckenraketen mit einer Reichweite von 500 bis 5500 Kilometer. Kurz darauf folgte Russland, weshalb viel darauf hindeutet, dass das Abkommen in sechs Monaten endgültig Geschichte sein dürfte.

Arbeitskämpfe 1. März 2019

Lohnerhöhungen in Ungarn

Streik in Györ – Produktionsstopp in Ingolstadt
von Marika Varga*

Ende Januar sorgte ein Streik bei Audi im ungarischen Györ erst für viel Aufsehen und dann für eine satte Lohnerhöhung von 18 Prozent.

Arbeitskämpfe 1. März 2019

Frankreich: Aufruf der Gelbwesten

«Nehmen wir unsere Sache selbst in die Hand»
dokumentiert

Der nachstehende Aufruf wurde auf der ersten landesweiten «Versammlung der Versammlungen» der Gelbwesten am 27.Januar in Commercy vorgeschlagen und verabschiedet. Er wurde den örtlichen Gruppen zur Verabschiedung vorgeschlagen.

Arbeitskämpfe 1. März 2019

Gelbwesten-Versammlung

Bericht von der ersten «Versammlung der Versammlungen» der Gelbwesten
von Louise R.

Am 26. und 27.Januar fand in Commercy (Département Meuse) die Versammlung der Gelbwesten-Versammlungen statt. Über 300 Personen waren anwesend, sie vertraten etwa hundert Delegationen, wovon 75 ein Mandat ihrer örtlichen Gruppe hatten.

Europa 1. März 2019

Den Klimanotstand ausrufen!

Massive Klimastreiks in der Schweiz
dokumentiert

In einigen Ländern ist die Klimastreikbewegung richtig massiv – neben Deutschland sind das vor allem die Schweiz, Belgien und Großbritannien. In der Schweiz hat sie sogar – wenn auch nur symbolisch – die Politik in die Pflicht genommen.
Am 18.Januar sind in 16 Schweizer Städten mehr als 22000 Schülerinnen und Schüler dem Aufruf von Klimastreik Schweiz gefolgt und auf die Straße gegangen – das war der größte Schülerprotest in der Schweiz seit 16 Jahren, und das, obwohl zahlreiche Schulen mit disziplinarischen Maßnahmen gegen die Streikenden gedroht hatten.

Amerika 1. März 2019

Peru zur Jahreswende 2018/19

Proteste gegen die korrupten Eliten
von Helmut Dahmer

Über unserer Gegenwart liegt der Schatten der Geschichte. In Peru sind das die Folgen der Eroberung und Zerstörung der planwirtschaftlich organisierten, bronzezeitlichen Hochkultur des Inkareichs, die weder das Rad, noch das Geld, weder die Schrift, noch das Pulver kannte, durch ein paar hundert technisch überlegene, katholisch geprägte spanische Desperados und Goldsucher im frühen 16.Jahrhundert. Diese «Conquista» begründete die 500 Jahre währende Herrschaft einer «weißen» Minderheit über die indianische, zumeist Ketschua sprechende Mehrheit. Wiederholte Revolten aktiver Minderheiten dieser Mehrheit wurden jeweils mit brutaler Militärgewalt niedergeschlagen.

Amerika 1. März 2019

«Wir haben keine Angst und kämpfen weiter für Gerechtigkeit»

Im Gespräch mit einem Gründungsmitglied der Landlosenbewegung MST
Interview mit João Pedro Stédile

Jair Bolsonaro, der neugewählte Präsident Brasiliens, und der neue Kongress, der mehrheitlich rechts bis extrem rechts zusammengesetzt ist, haben in den wenigen Wochen seit der Wahl das Land schön gehörig umgekrempelt. Gleichzeitig setzt ein Konglomerat aus rechtsextremen Gruppierungen, fundamentalistischen Evangelikalen, militärischen Hardlinern und neoliberalen Ultras das fort, was sie in einem verlogenen und demagogischen Wahlkampf zu bekämpfen vorgaben, vor allem die Korruption. Kaum ein Tag vergeht, an dem nicht neue Korruptionsskandale und deutliche Hinweise auf Verbindungen ins kriminelle Milieu bekannt werden.

Arbeitswelt 1. März 2019

Kampf dreier Linien

Grenzen öffnen, Sozialstaat verteidigen, Klassenkämpfe verbinden
von Ingo Schmidt

Es ist noch nicht so lange her, da zweifelten viele auf der Linken an ihrer Existenzberechtigung. Anderswo riefen Wirtschaftskrise und Aufschwung der neuen Rechten die Linke zum Kampf.

Europa 1. Februar 2019

«EU – Ja oder nein» reicht nicht

Ungenügende Fragestellung im Brexit Debakel
von Angela Klein

«Das war die größte Rebellion in der neuzeitlichen britischen Politik, größer als jede Rebellion irgendeiner Partei seit den Corn Laws», kommentierte ein Reporter der BBC die Abstimmung über den Brexit im britischen Unterhaus am 15.Januar. Ein Drittel der Tories und ihr nordirischer Koalitionspartner DUP hatten zusammen mit der Opposition (Labour, Liberale, Sinn Féin, SNP, Independent) mit 432 zu 202 Stimmen gegen den von der Regierung May mit der EU ausgehandelten Brexit-Vertrag gestimmt.

Europa 1. Februar 2019

Die Brexit-Frage

EU-Mitgliedschaft: Should I stay or should I go?
von Ingo Schmidt

Eins haben Theresa May und Jeremy Corbyn gemeinsam – beide sitzen Parteien vor, die zutiefst über die Frage der britischen EU-Mitgliedschaft gespalten sind. Sollte es über die Brexit-Frage zu Neuwahlen kommen und Corbyn diese gewinnen, sähe er sich der gleichen Herausforderung gegenüber, die eigenen Anhängerschaft zusammenzuhalten, die Mays Regentschaft von Beginn an belastet hat.

Europa 1. Februar 2019

Österreich: Omas gegen Rechts

Omas stehen auf gegen Rassismus und Diskriminierung
Gespräch mit Susanne Scholl*

Was war der Anlass für die Gründung von Omas gegen Rechts. Wie beurteilt ihr die Politik der Kurz-Regierung und die Teilnahme der rechtsextremen FPÖ an der Regierung?
Omas gegen Rechts wurde von Monika Salzer als Reaktion auf die Regierungsbildung durch Sebastian Kurz mit der FPÖ gegründet. Wir sehen in der Regierungsbeteiligung der rechtsaußen stehenden FPÖ eine Gefahr für die Demokratie, den Rechtsstaat und den Sozialstaat.

Amerika 1. Februar 2019

«Wir werden bei GM nicht mehr betteln»

Das General-Motors-Werk in Oshawa, Kanada, wurde besetzt
Interview mit Gewerkschaftsaktivist Tony Leah*

General Motors hat die Schließung von fünf nordamerikanischen Standorten angekündigt, obwohl der Konzern in den vergangenen Jahren mit Rettungspaketen aus Steuergeldern und Zugeständnissen von der Gewerkschaft über Wasser gehalten wurde. Insgesamt fürchten etwa 6700 Beschäftigte um den Verlust ihres Arbeitsplatzes.
Gleichzeitig verdient das Unternehmen weiter Milliarden.

Amerika 1. Februar 2019

Steter Tropfen höhlt den Stein

Die Proteste bei Amazon haben die USA erreicht
von Violetta Bock

Seit fünf Jahren fordert die Gewerkschaft Ver.di Amazon in Deutschland zu Tarifverhandlungen auf. Und weigert sich Jeff Bezos, Gewerkschaften anzuerkennen. Nur ignorieren kann er sie immer weniger.

Arbeitskämpfe 1. Februar 2019

Die Proteste in Frankreich gehen weiter

Mehr Zulauf in den großen Städten
von Bernard Schmid

Die Protestbewegung der «Gelben Westen» ist allem Anschein nach nicht tot zu bekommen, und lässt sich auch durch Emmanuel Macrons Angebot eines institutionalisierten «Großen nationalen Dialogs» bislang nicht eindämmen.

Flucht/Migration 1. Februar 2019

Israelische Rüstungsfirmen gegen Flüchtlinge

Elbit Systems liefert Überwachungstechnologie an EU-Küstenwachen
von Shir Hever

Der 59-Millionen-Euro-Vertrag zwischen der israelischen Firma Elbit Systems und der Europäischen Agentur für die Sicherheit des Seeverkehrs (European Maritime Security Agency – EMSA) vom letzten November ist nicht gerade einer der größten Verträge von Elbit Systems. Aber er ist von größter Bedeutung, um die Marke Elbit Systems weiter zu etablieren, und ebenso für die Migrationspolitik der EU.

Amerika 1. Februar 2019

Sozialisiert General Motors!

GM will 6000 Jobs vernichten, um die Gehälter der Manager aufzubessern –
jetzt werden Alternativen diskutiert
von Toni Gilpin*

General Motors entlässt Arbeiter. Wie wäre es, wenn wir stattdessen die Manager feuern?
Für Tausende von Beschäftigten in ganz Nordamerika hat General Motors diesen Winter extra kalt werden lassen. Am Montag nach dem Erntedankfest (22.11.2018) erklärte GM, dass es im Jahr 2019 drei große Montagewerke und zwei kleinere Produktionsstätten für Getriebe in Nordamerika (einschließlich Kanada) schließen will.

Amerika 1. Februar 2019

Das Schweigen des Präsidenten

Über die Möglichkeit eines Dialogs in Nicaragua
Leo Gabriel sprach mit Daniel Ortega

Dass sich im politisch wie klimatisch heißen Nicaragua gerade der Staatspräsident Daniel Ortega inmitten des schwersten Konflikts seit dem Ausbruch der Revolution vor 40 Jahren in Schweigen hüllt, ist einigermaßen verwunderlich. Der Autor dieser Zeilen ist diesem eigenartigen Phänomen nachgegangen und fündig geworden. Bei einem in dessen Residenz im Barrio del Carmen geführten Gespräch, das zweieinhalb Stunden gedauert hat, wurden die Licht- und Schattenseiten eines Mannes deutlich, von dem das Schicksal des Landes abhängt.

Europa 1. Februar 2019

Elegünk van! – Wir haben genug!

Ungarn – Wut gegen miese Arbeitsbedingungen und andere Missstände wächst
von Marika Varga und Szabolcs Sepsi

Seit dem 8.Dezember 2018 geht eine Protestwelle durch ganz Ungarn. ­Auslöser war ein Ende November ohne Konsultation der Gewerkschaften ins Parlament eingebrachter Gesetzesvorschlag zur Flexibilisierung der Arbeitszeit. SZABOLCS SEPSI vom DGB-Projekt Faire Mobilität und MARIKA VARGA aus dem Bereich Transnationale Gewerkschaftspolitik bei der IG Metall haben die aktuelle Lage und die Vorgeschichte zusammengefasst.

Nur Online 31. Januar 2019

Katalanische Bewegung gegen Zentralstaat

Linke sollten sich aus authentischen Quellen informieren
von Aina Talle und Ana López

Aina Talle ist Politologin aus Barcelona, Mitglied der CUP, der Partei der Kandidatur der Volkseinheit, die in vielen Kommunalräten und im katalanischen Parlament, der Generalitat vertreten ist. Ana López ist Vertreterin eines Komitees für die Verteidigung der Republik, CDRs, und der CDR-Frauen Brüssel. Aus ihrem Gespräch mit unserer katalanischen Korrespondentin ist der folgende Beitrag entstanden.

Europa 2. Januar 2019

Ungerechte Steuern lösen oft Revolutionen aus

Ein historischer Blick auf die Bewegung der gelben Westen
von Eric Toussaint*

Manche Menschen meinen, wenn eine Bewegung sich gegen eine Steuer richtet (ein Instrument, das theoretisch der Umverteilung dienen soll) anstatt für eine Lohnerhöhung zu kämpfen (im weiten Sinne, einschließlich des Soziallohns), ist sie rechts. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Viele revolutionäre Bewegungen sind ausgebrochen, weil die Steuerlast als ungerecht empfunden wurde und für die Mehrheit der Bevölkerung untragbar geworden war.

Europa 2. Januar 2019

Zum UN-Migrationspakt

«Merkmal der globalisierten Welt»
von Angela Klein

In letzter Minute vor seiner Verabschiedung am 12.Dezember in Marrakesch ist der UN-Migrationspakt von seiten der extremen und der populistischen Rechten unter massiven Beschuss geraten. Sie lehnte den Pakt ab, weil er angeblich die nationale Souveränität einschränke.

Amerika 2. Januar 2019

In den USA ist Marxismus kein Schreckgespenst mehr

Über das neue Interesse an sozialistischer Politik
Gespräch mit Laura Raïm

Marxismus ist wieder in. Davon zeugen der relative Erfolg der Kampagne um die Präsidentschaftskandidatur der Demokratischen Partei von Bernie Sanders, der einen «demokratischen Sozialismus» vertritt, die rasanten Mitgliederzuwächse linker Organisationen wie der DSA (Democratic Social­ists of America) und die Erfolge neuer linker Zeitschriftenprojekte wie Jacobin.
Das nachstehende Interview mit der französischen Journalistin Laura Raïm führte Julien Salingue für die Zeitschrift L’Anticapitaliste der französischen NPA (Nouveau Parti Anticapitaliste).

Europa 2. Januar 2019

Hand in Hand für einen «gerechten Übergang»

Der Internationale Gewerkschaftsbund und die polnische Regierung beim UN-Klimagipfel in Katowice
von Daniel Tanuro

Gleich zu Anfang des UN-Klimagipfels in Katowice (2.–14.12.2018) hat die gastgebende polnische Regierung eine Resolution unterbreitet, die einen «gerechten Übergang» fordert. Darin hat Staatspräsident Andrzej Duda nachdrücklich die Bedeutung des sozialen Konsenses für eine erfolgreiche Umweltpolitik hervorgehoben. An die Adresse des französischen Staatspräsidenten gerichtet nahm er Bezug auf die Demonstrationen der gelben Westen und gab Macron den guten Rat, «die Erklärung für einen gerechten Übergang aufzugreifen, ein Wegweiser für ein gutes Gleichgewicht zwischen einer kohlearmen Wirtschaft, neuen Arbeitsplätzen und Lebensqualität».

Arbeitskämpfe 1. Januar 2019

Der Zorn der gelben Westen

Zorn trägt nicht mehr nur die Farben der extremen Rechten
von Angela Klein

In alten Religionen war Zorn – Ausdruck einer Entrüstung, die zuweilen auch gewalttätig werden kann – das Privileg von Göttern und Helden: Zeus, Achilles, auch Wotan oder Jahwe. Gemeinsterblichen war er (mit Ausnahme der Patriarchen) verboten – eine frühe Form, das Gewaltmonopol der Herrschenden durchzusetzen. Viele Völker haben sich in der Geschichte über dieses göttliche Gebot hinweggesetzt und mit ihrem Zorn Staaten und Reiche erschüttert.

Europa 1. Januar 2019

Politische Entwicklung in Österreich

Rechter Umbau der Gesellschaft
von Christian Zeller

In nur einem Jahr hat die ÖVP-FPÖ-Regierung Österreich verändert. Ihr zentrales Ziel besteht darin, für die großen Konzerne und deren Zulieferer die Profitbedingungen zu verbessern. Sie treibt die Umgestaltung der Gesellschaft auf mehreren Achsen voran. Hier seien drei aktuelle Auseinandersetzungen hervorgehoben.

Europa 1. Januar 2019

Polen: Vertuschter Kindesmissbrauch

In die polnische Öffentlichkeit ist Bewegung gekommen
von Norbert Kollenda

Am 2.Oktober hat das Berufungsgericht in Poznan ein Urteil der ersten Instanz bestätigt. Danach bekommt Frau Katarzyna, die mit zwölf Jahren von einem Priester des Ordens Gesellschaft Christi gefangen gehalten und vergewaltigt wurde, eine Million Zloty (230000 Euro) Schmerzensgeld und eine monatliche Rente von 800 Zloty (186 Euro) von dem Orden. Der Richter begründete die Strafe damit, der Orden sei als Arbeitgeber nach polnischem Recht verantwortlich, weil Roman R. sie als Religionslehrer kennenlernte, seine Position als Priester ausnutzte und in die Pfarrei einlud – seine Dienststelle. Nur diese seine Stellung ermöglichte das Verbrechen.

Europa 1. Januar 2019

Frankreich: Eine heterogene Bewegung

Der Auftritt der gelben Westen in sechs Akten
von Bernard Schmid

Nicht die allerbeste, wohl aber die amüsanteste Erklärung für den Ausbruch und den Fortgang der Proteste, die in Frankreich in den letzten vier Wochen in den gelben Warnwesten ein Symbol fanden, fand der Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei La République en marche (LREM) in der Pariser Nationalversammlung. Gilles Le Gendre gab am 17.Dezember 2018 in der Wirtschaftszeitung Les Echos folgende Selbstkritik aus Sicht des Regierungslagers zum besten: «Wir waren zu intelligent. Zu subtil, zu technisch bei unseren Maßnahmen zur Kaufkraft.» Ferner habe man «nicht genug erklärt». Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Bevölkerung zu dumm ist, Wohltaten ohne gute Erklärung zu verstehen, die Fehltritte der Regierung mithin in der (mangelnden) «Pädagogik» zu suchen seien.

Amerika 1. Januar 2019

Exodus im Hinterhof

Der beschwerliche Marsch der zentralamerikanischen Flüchtlinge zur US-Grenze
von Leo Gabriel

Mitte Oktober beschlossen Hunderte von Honduranern aus San Pedro Sula – der mit durchschnittlich 90 ermordeten Männern und Frauen pro 100000 Einwohnern wohl gewaltträchtigsten Metropole Lateinamerikas –, den langen und bis vor kurzem ungemein gefährlichen Weg via Guatemala und Mexiko zur US-Grenze anzutreten.
Damals ahnte noch niemand, dass sie einen auf dem amerikanischen Kontinent einzigartigen Paradigmenwechsel in der Migrantenszene herbeiführen würden.

Buch 1. Januar 2019

Antisemitismus und Israelsolidarität

Moshe Zuckermann: Der allgegenwärtige Antisemitismus oder Die Angst der Deutschen vor der Vergangenheit. Frankfurt a.M.: Westend, 2018. 255 S., € 20
von Larissa Peiffer-Rüssmann

In Deutschland wird jede Kritik an der israelischen Politik umgehend mit dem Vorwurf des Antisemitismus geahndet. Trotzdem können wir angesichts des Unrechts, das den Palästinensern tagtäglich angetan wird, nicht schweigen und müssen uns gleichzeitig der deutsch-jüdischen Vergangenheit stellen. Moshe Zuckermann greift in seinem Buch die Widersprüche in diesem Konflikt auf und analysiert den Realitätsverlust gegenüber Israel. Er zeigt auf, wie das Gedenken an die Judenverfolgungen im Nationalsozialismus begrifflich instrumentalisiert und eine Auseinandersetzung mit der realen israelischen Politik verhindert wird.

Amerika 1. Dezember 2018

Zehn Jahre nach der Finanzkrise

In den USA wie hier: Wirtschaftsberater sind der Vergangenheit zugewandt
von Ingo Schmidt

Was in Deutschland der Sachverständigenrat (SVR) zur Begutachtung der gesamtwirtschaftlichen Entwicklung, umgangssprachlich die «Fünf Weisen» genannt, ist, ist in den USA der Council of Economic Advisors (CEA). Beide Gremien beraten die Regierung bzw. den Präsidenten in wirtschaftpolitischen Fragen. Beide legten ihre Gutachten Anfang November vor.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2018

Israel zwischen Neoliberalismus und Kolonialismus

Die soziale Ungleichheit ist extrem gestiegen
von Shir Hever

Die soziale Ungleichheit in Israel ist groß und vielfältig. 2017 berichtete die OECD, dass der sog. Gini-Koeffizient dort bei 0,346 lag und damit zu den höchsten in der Welt zählte. Im Vergleich dazu lag er in Deutschland bei 0,293. Der Gini-Koeffizient misst die Ungleichheit der Einkommen und kann zwischen 0 (vollständige Gleichheit) und 1 liegen (wenn das Einkommen sich auf nur eine Person konzentriert und alle anderen nichts haben). Das Problem mit dem Gini-Koeffizienten besteht allerdings darin, dass die Daten über Kapitaleinkommen unzuverlässig sind und dass Ungleichheit unter den Reichen selbst aus gesellschaftlicher Sicht kaum von Interesse ist.

Amerika 1. Dezember 2018

Stichwahl in Brasilien

Weitreichende Rechtswende bestätigt
von Hermann Dierkes

Seit dem Ende der Militärdiktatur 1985 und der Verabschiedung einer demokratischen Verfassung 1988 wurde in der Stichwahl am 28. Oktober mit Jair Bolsonaro zum ersten Mal wieder ein ausgesprochen faschistoider Kandidat zum Präsidenten Brasiliens gewählt. Er wird, zusammen mit der von ihm zu bildenden Regierung, zum 1. Januar sein Amt antreten.
Der pensionierte Fallschirmjägerhauptmann war des öfteren durch drastische Bekenntnisse zu Militärdikatur, politischem Mord, Folter, Armen-, Frauen- und Schwulenfeindlichkeit aufgefallen.

Amerika 1. Dezember 2018

Wahlen in Brasilien

Achtungserfolg für die PSOL
von Lucas Orlando*

Die diesjährigen Präsidentschaftswahlen waren die schwierigsten für die brasilianische antikapitalistische Linke seit dem Ende der Militärdiktatur (1964–1985) und den ersten freien Wahlen im Jahr 1989.
Diese Feststellung stellt keine Überraschung dar, da weithin bekannt ist, dass der Neofaschist Jair Bolsonaro die Wahlen gewonnen hat und das Machtgleichgewicht im Land seit seinem parlamentarischen Putsch nach rechts gedriftet ist.

Europa 1. Dezember 2018

Kommunalwahlen in Polen

Gelbe Karte für regierende PiS
von Norbert Kollenda

Die Kommunalwahlen, die in zwei Wahlgängen am 21.10. und 4.11. durchgeführt wurden, hatten Bedeutung als Stimmungsbarometer für die Regierenden und könnten Tendenzen für die kommenden Wahlen aufzeigen: die EU-Wahlen 2019 und die Wahlen zum Sejm 2020. Auf der Zielgeraden hat die PiS geradezu panisch reagiert und sich mit rassistischen und fremdenfeindlich Spots überboten.

Nur Online 30. November 2018

Wohin treibt Brasilien?

Der Bolsonarismus und die politische Linke

von Hermann Dierkes

In den SoZ-Ausgaben vom Oktober und November 2018 haben wir die Ergebnisse der beiden Wahlrunden (Präsidentschafts-, Kongress-, Landtags- und Gouverneurswahlen) in Brasilien aus soziologischer und geografischer Sicht analysiert. Ihre Ergebnisse bringen – bis auf regionale Ausnahmen, vor allem in Nordosten – eine tiefgreifende politische Rechtswende zum Ausdruck. Wir wollen uns im Folgenden mit den tieferen Ursachen der schweren Niederlage der Linken befassen, den Bolsonarismus und seine widersprüchlichen Perspektiven näher untersuchen.

Globalisierung/Krieg 1. November 2018

Zwangsehe mit Hindernissen

Das Erdogan-Putin-Abkommen zu Idlib
von Serdar Kazak

Das Sotschi-Abkommen zwischen Putin und Erdogan über Idlib ist bekannt: In der Stadt am Schwarzen Meer einigten sich der russische und der türkische Staatspräsident am 17.September darauf, bis zum 15.Oktober rund um die letzte Rebellenhochburg Idlib eine entmilitarisierte Zone zu schaffen und Idlib nicht zu bombardieren.

Arbeitswelt 1. November 2018

Die Arbeiterbewegung in China 2015–2017

Ein neuer Bericht des China Labour Bulletin (CLB)
von Violetta Bock

Im Dezember 2015 starteten die chinesischen Autoritäten einen nachhaltigen und koordinierten Angriff auf die zivilgesellschaftlichen Arbeiterorganisationen in der südlichen Provinz von Guangdong. Mehrere Aktivisten wurden festgenommen und ihre Organisationen wurden aufgelöst.

Europa 1. November 2018

«Alles was Recht ist» ist «Jetzt erst recht»

In Österreich wurde das Frauenvolksbegehren 2.0 erfolgreich abgeschlossen
von Ute Abraham

Anfang Oktober konnten Österreichs Bewohner mit ihrer Unterschrift das Frauenvolksbegehren 2.0 unterstützen. Fast eine Million unterschrieben. Die Initiatorinnen knüpften mit dieser Initiative an ein ähnliches Volksbegehren aus dem Jahr 1997 an, das damals zu den zehn erfolgreichsten in Österreich zählte und von fast 650000 Menschen unterstützt wurde,
«Alles was Recht ist»: Unter dem Motto gründete 1997 das UnabhängigeFrauenForum (UFF) eine überparteiliche Plattform, es war eine Reaktion auf die damals beschlossenen Sparpakete der Koalitionsregierung.

Buch 1. November 2018

Fortgesetzte Geschichtsfälschung

Arn Strohmeyer antwortet auf die «Ausstellung zur Staatsgründung Israels»
von Hermann Dierkes

Arn Strohmeyer: Ein klassischer Fall von Geschichtsfälschung. Eine Gegendokumentation. Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2018. 157 S., € 14,90

2008 jährte sich zum 60.Mal die Nakba, die Katastrophe mit Vertreibung, Massakern, Flucht, Zerstörung und Enteignung, mit der das palästinensische Volk die Staatsgründung Israels bezahlen musste – und bis heute bezahlt.

Amerika 24. Oktober 2018

Bekommt auch Brasilien einen rechtsextremen Präsidenten?

Eine Analyse des ersten Wahlgangs

von Hermann Dierkes

Jair Bolsonaro hat die erste Runde der brasilianischen Präsidentschaftswahlen mit 46,03 Prozent (rd. 49 Millionen) der gültigen Stimmen klar gewonnen. Dieses erschreckende Ergebnis für einen rechtsautoritären bis faschistoiden Kandidaten und erklärten Fan der früheren Militärdiktatur (”Damals wurde zuviel gefoltert, statt zu erschiessen”) lag weit über allen Prognosen. Fernando Haddad, ehemaliger Bürgermeister von Sao Paulo und Kandidat des Bündnisses von PT, PCdoB und verschiedenen sozialen Bewegungen, der buchstäblich in letzter Minute für den inhaftierten Lula da Silva ins Rennen geschickt wurde, erhielt 29,28 Prozent (31,3 Mio. Stimmen). Es muss von einer tiefgreifenden rechten Welle in der brasilianischen Gesellschaft gesprochen werden.

Afrika 1. Oktober 2018

Staatschefs auf Afrika-Tour

Der ärmste Kontinent soll den reichen Ländern mal wieder zu Hilfe eilen
von Bernard Schmid

Der afrikanische Kontinent wird derzeit von einigen Großmachtvertretern heftig umworben.
Am 3. und 4.September des Jahres etwa fand in Peking die siebte Ausgabe des China-Afrika-Forums statt, umgerechnet rund eineinhalb Milliarden Euro Kreditzusagen wurden dort getätigt – der Rohstoffhunger Chinas als «verlängerte Werkbank der (kapitalistischen) Welt» treibt das Land seit der zweiten Hälfte des vorigen Jahrzehnts zur immer intensiveren Zusammenarbeit mit einer Reihe afrikanischer Staatsführungen.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2018

Viele kleine Gefechte tun es auch

Das syrische Militär will in Idlib «den ganzen Weg gehen»
von Harald Etzbach

Weitgehend unbeachtet von der westlichen und auch linken Öffentlichkeit demonstrierten in den letzten Wochen Zehntausende Menschen in der syrischen Provinz Idlib gegen die Pläne des Assad-Regimes und Russlands, dieses letzte nicht vom Regime kontrollierte Gebiet zurückzuerobern. Allein in Idlib-Stadt waren trotz unmittelbarer Bedrohung durch Angriffe der syrischen und russischen Luftwaffe etwa 25000 Menschen auf der Straße.

Bildung 1. Oktober 2018

Wie Wikipedia Fakten manipuliert

Am Beispiel Israel–Palästina
von Arn Strohmeyer

Das «Universallexikon Wikipedia» ist nicht nur ins Gerede gekommen, es ist schlicht der Manipulation überführt worden. Und das auf einem äußerst wichtigen politischen Gebiet: dem Konflikt zwischen Israel und den Palästinensern.
Zwar wusste man bisher schon, dass das israelische «Ministerium für Strategische Angelegenheiten» eine gut ausgerüstete kleine «Armee» (eine «Gemeinschaft von Kämpfern» nennt man das dort) auf Wikipedia angesetzt hat, um jede Kritik an der israelischen Politik in Vergangenheit und Gegenwart zu löschen und sie durch proisraelische Inhalte zu ersetzen.

Arbeitskämpfe 1. Oktober 2018

Zur aktuellen Situation in Österreich

12 Stunden am Tag, 60 Stunden die Woche – so geht Flexibilisierung
von Michael Sankari

Vor einigen Jahren noch hätten wir uns in Deutschland mit so grundsätzlichen Angriffen auf die Lebensbedingungen in unserem sprachlich so nahen Nachbarland Österreich beschäftigt. Zu groß wäre die Befürchtung gewesen, dass dies Teil einer größeren Entwicklung ist, die über kurz oder lang auch uns treffen kann.

Amerika 1. Oktober 2018

«Diesmal haben sie uns gesehen»

Trotz der Niederlage im Senat – die argentinischen Frauen geben nicht auf
von Camila Baron und Gabriela Mitidieri*

Der 13.Juni dieses Jahres war ein gewaltiger Erfolg für die Frauen in Argentinien und überhaupt in Lateinamerika: An diesem Tag hatte die Kammer der Abgeordneten einen Gesetzentwurf angenommen, der den Schwangerschaftsabbruch legalisierte (siehe SoZ 7-8/2018). Danach musste das Gesetz aber noch den Senat passieren, einen Hort der Rückständigkeit. Am 8.August wurde es dort mit 38 zu 31 Stimmen abgelehnt. Argentinische Feministinnen haben in einem Beitrag für die argentinische Zeitschrift Intersecciones. Teoría y crítica social beschrieben, wie sie die Abstimmung erlebten und was jetzt werden soll.

Europa 1. Oktober 2018

Frankreich: Mélenchon sattelt um

Kurswechsel bei France Insoumise vor den Europawahlen
von Pauline Graulle*

Sarah Wagenknechts Sammlungsbewegung, die am 4.9. aus der Taufe gehoben wurde, ist Teil eines großflächigeren Versuchs, die Linke in Europa neu aufzustellen – jenseits der Europäischen Linkspartei und mit einem deutlich populistischen und linksnationalistischen Profil. Stichwortgeber dafür war bislang die Bewegung von Jean-Luc Mélenchon in Frankreich, La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich). Sie machte u.a. durch ausgesprochen deutschfeindliche und europafeindliche Äußerungen von sich reden, durch die Festlegung auf einen Austritt aus der EU und, ähnlich wie das bei der Sammlungsbewegung in Deutschland der Fall ist, durch zweideutige Äußerungen zur Migration, die eine gewisse Nähe zum rechten Lager aufwiesen. Das scheint sich nun zu ändern, Ende August hat Mélenchon einen Kurswechsel angekündigt.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2018

Was tun gegen die wachsende Müllflut?

Wegwerfverpackungen und Gegenstrategien
von Klaus Meier

Auf der Erde wird immer mehr Verpackungsmüll produziert. Besonders Plastik erweist sich als kritisch. Die Weltmeere sind voll davon. An ursprünglich idyllischen Stränden in Afrika oder Asien, wo der Müll nicht regelmäßig eingesammelt wird, sieht es heute aus wie auf wilden Müllkippen.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2018

Zehn Jahre nach der großen Krise

Spekulationsblasen im Westen, Investitionsboom im Osten, Instabilität im Süden
von Ingo Schmidt

Nie wieder dürfen Arbeitsplätze und Ersparnisse rechtschaffender Bürger das Opfer gewissenloser Spekulanten werden, erklärten Regierungsvertreter nach dem Bankenkrach mit nachfolgender Weltwirtschaftskrise vor zehn Jahren. Und machten sich doch zu Komplizen bei der Vorbereitung der nächsten großen Krise. Zentralbanken wurden zum Zwischenlager für Papiere, die an der Börse keine Käufer fanden, Staatshaushalte gar zum Endlager für faule Kredite.

Amerika 1. Oktober 2018

Erdogan vs. Trump

Die Krise der türkisch-amerikanischen Beziehungen
von Cemal Bilgin

In den Beziehungen zwischen der Türkei und den USA, beides Mitglieder der NATO, gibt es seit einigen Wochen eine tiefe Krise. Sie hat verschiedene, nicht nur konjunkturelle Ursachen.

Asien/Australien 1. Oktober 2018

Türkei: Der Weg in die Wirtschaftskrise

Wachstum auf Talfahrt
von Cemal Bilgin

Seit der Gründung der Republik bis in die 80er Jahre hat die Türkei eine wirtschaftliche Entwicklung befördert, die auf Importsubstitution setzte (importierte Waren wurden durch Eigenprodukte ersetzt). Einheimische Hersteller wurden mit protektionistischen Maßnahmen und verschiedenen Anreizen gefördert, bis sie in der Lage waren, die benötigte Ware im Inland herzustellen.

Europa 1. Oktober 2018

Die Kafka-Konferenz 1963

Der politische Auslöser des Prager Frühlings
Auszug aus einem Interview mit Eduard Goldstücker*

Vor 50 Jahren wurde dem Versuch, die politischen Verhältnisse in einem sich sozialistisch nennenden Staat zu demokratisieren und eine Arbeiterselbstverwaltung einzuführen, durch den Einmarsch sowjetischer Truppen ein jähes Ende gesetzt. In den Massenmedien konzentriert sich die Erinnerung an den Prager Frühling auf den Kampf zwischen den Kräften des Alten Regimes und den «Reformern».

Europa 1. Oktober 2018

Die Wirtschaftsreformen in der Tschechoslowakei

Technokratische und demokratische Bestrebungen in den 60ern
dokumentiert

Anfang der 60er Jahre geriet die tschechoslowakische Wirtschaft in eine Rezession, das Bruttoinlandsprodukt sank stärker als in anderen europäischen Ländern. Die Probleme, die mit der Übernahme des sowjetischen Modells der Planwirtschaft verbunden waren, machten sich verstärkt bemerkbar.
Ihr Hauptfehler lag darin, dass die Planvorgaben willkürlich von einer wenig informierten zentralen Planungsbürokratie vorgegeben wurden, die mit den realen Vorgängen in den Betrieben wenig zu tun hatten.

Afrika 1. September 2018

Gleiche Rechte für alle, überall

Wir alle können dazu beitragen Fluchtursachen zu bekämpfen
von Angela Klein

So hätten sie’s gern: Als Schutzsuchender sollst du dich von deutschen Grenzen fernhalten, und kommst du doch aus Versehen hierher, wirst du mit allen Mitteln vom ersten Arbeitsmarkt ferngehalten, nicht mal ein Seiteneinstieg soll dir möglich sein, auch dann wenn Arbeitskräfte gesucht werden und du vielleicht die passende Qualifikation hättest. Da könnten ja Ungebetene durchs Rost schlüpfen.

Amerika 1. September 2018

Warum Europa den USA nichts schuldet

Die NATO-Verbündeten zahlen bereits für vermeintliche Sicherung durch die USA
von Mohssen Massarrat*

Trumps Forderung nach einem höheren Beitrag der anderen NATO-Staaten geht an der Realität vorbei. In Wahrheit profitieren die USA schon jetzt.

Arbeitskämpfe 1. September 2018

Europaweiter Aktionstag bei Ryanair

Arbeitskampf für bessere Arbeitsbedingungen
von Violetta Bock

Am 10.8.2018 waren Piloten von Ryanair in fünf europäischen Ländern zum Streik aufgerufen. In Deutschland, Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden legten sie die Arbeit nieder. Dies war in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas der bislang größte Pilotenstreik. Bereits zwei Wochen zuvor hatten Streiks in Portugal, Spanien und Belgien stattgefunden.

Europa 1. September 2018

Frauenstreik in der Schweiz

Am 14.Juni 2019
von Lisi Kalera

In der ach so ruhigen und selbstzufriedenen Schweiz erregte am 14.Juni 1991 ein landesweiter Frauenstreik für die aktive Gleichstellung der Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen weltweite Aufmerksamkeit. Die Losung hieß: «Frauen Basta, niente Pasta!» Das Beispiel fand Nachahmung auch in Deutschland. Doch es hat sich in Sachen Gleichstellung nur wenig getan. Die Schweizerinnen beklagen, dass die bürgerlichen Politiker und die Unternehmen verbindliche Maßnahmen zur Umsetzung des Gleichstellungsartikels aktiv verhindern. Deshalb rufen sie zu einem neuen Frauenstreiktag am 14.Juni 2019 auf.

Europa 1. September 2018

Auch in Polen entsteht eine ­Klimabewegung

Nahe Konin* fand Mitte Juli das erste Klimacamp des Landes statt
dokumentiert

Polen, Tschechien, Niederlande – die Bewegung gegen den Abbau fossiler Energien, insbesondere gegen die besonders klimaschädliche Braunkohle und das Fracking, breitet sich europaweit aus. Nach dem Beispiel und den spektakulären Aktionen von Ende Gelände werden an entsprechenden Standorten Klimacamps, Blockadeaktionen und Demonstrationen organisiert.

Europa 1. September 2018

«Die Grenzen sind wir!»

Proteste gegen Braunkohleabbau in ­Tschechien
dokumentiert

Vom 27.Juni bis 1.Juli fanden Aktionen gegen den Braunkohletageabbau auch in Nordböhmen statt.

Zusammen mit 500 Menschen aus ganz Europa nahmen Aktive von «Ende Gelände» an einer Aktion zivilen Ungehorsams im nordböhmischen Braunkohlerevier teil.

Globalisierung/Krieg 1. September 2018

Kampf um Freihandel?

Oder Angst vor China?
von Ingo Schmidt

Trump gegen den Rest der Welt. Kaum im Amt, steigt er aus den Verhandlungen über transatlantische und transpazifische Freihandelsabkommen aus, droht Kanada und Mexiko mit dem NAFTA-Ausstieg und führt Sonderzölle auf Stahl- und Aluminiumimporte aus Kanada, Mexiko, China und der EU ein.

Flucht/Migration 1. September 2018

Zahlen und Fakten zur Migration

Aktuelle Übersicht mit Daten
dokumentiert

– Die Zahl der Menschen, die weltweit auf der Flucht sind, ist 2017 weiter gestiegen: von 65,6 Millionen Menschen 2016 auf 68,5 Millionen 2017. Die Zahl der nach Deutschland eingereisten Asylsuchenden ist im selben Zeitraum jedoch deutlich gesunken: 2017 sind 187.000 Asylsuchende neu eingereist – gegenüber 280.000 2016 und 890.000 2015.

Afrika 1. September 2018

Europas Schande

Im Sommer 2018 ist die EU in der Europäisierung ­ihrer Abschottungspolitik einen Schritt vorangekommen
von Angela Klein

Nach viertägiger Irrfahrt auf dem Mittelmeer konnte das Rettungsschiff Aquarius mit 141 Flüchtlingen an Bord Mitte August endlich den Hafen von Malta anfahren, nachdem ihm dies zuvor verweigert worden war.

Afrika 1. September 2018

Flucht aus Afrika

Der globale Krieg hat schon begonnen
von Klaus Engert

Allerorten in Europa überbieten sich die politischen Parteien jeglicher Couleur mit Vorschlägen, wie den aktuellen und den zu erwartenden Flüchtlingsströmen zu begegnen sei. Abschottung und Abschiebung propagieren (und praktizieren)  die einen, während andere, u.a. die Bundeskanzlerin, den Königsweg in der «Bekämpfung der Fluchtursachen» ausgemacht haben und dafür tief in den Geldbeutel greifen wollen.

Allgemein 1. September 2018

Eine Bilanz der Sozialproteste in Frankreich

Die erste Runde ging an Macron – und die weiteren?
von Bernard Schmid

Zu Hunderttausenden gingen die Menschen auf die Straße. Der Anteil der jungen Generationen daran war hoch, auch der Migrantenanteil schien beträchtlich. Anweisungen der Sicherheitskräfte wurden des öfteren ignoriert. Es kam zu Ausschreitungen, bei denen im Land insgesamt 292 Menschen festgenommen wurden. In den Pariser Banlieues war der Verkehr auf den Bus- sowie Straßenbahnlinien am Spätnachmittag eingestellt worden, sodass viele Einwohner in ihrer Mobilität eingeschränkt waren.

Nordafrika/Nahost 1. September 2018

Israel verabschiedet Nationsgesetz…

… und wird auch offiziell ein Apartheidstaat – der Mythos der israelischen Demokratie ist am Ende
von Shir Hever*

Die Tage der israelischen Regierungskoalition sind gezählt, Neuwahlen liegen in der Luft. Was hat Netanyahu für die Israelis erreicht, seitdem er 2015 zum vierten Mal zum Premierminister gewählt wurde? Fast nichts – er hat sich auf Außenpolitik konzentriert, und deshalb fällt es ihm schwer, die Öffentlichkeit von seinen zahlreichen Korruptionsaffären abzulenken.

Asien/Australien 1. September 2018

JEFTA ist schlimmer als CETA

Der Freihandelsvertrag mit Japan wurde im Geheimen ausgearbeitet, die nationalen Parlamente sollen nichts zu sagen haben
von Paul B. Kleiser

Am 17.Juli 2018 wurde JEFTA (Japan-EU Free Trade Agreement), der Freihandelsvertrag zwischen der EU und Japan, in Tokyo im Beisein von Minister­präsident Abe für Japan, von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und dem Präsidenten des Europäischen Rats, Donald Tusk, unterzeichnet. Er beinhaltet auch ein weitreichendes «Investitionsschutzabkommen».

Europa 1. September 2018

Griechenland weiter im Schuldturm

Deutschland schreibt schwarze Null auch auf griechische Kosten
dokumentiert*

«Griechenland kehrt in die finanzielle Unabhängigkeit zurück», kommentierten Anfang Juli deutsche Medien das Auslaufen des dritten «Rettungs»programms für Griechenland im August dieses Jahres. Nichts könnte falscher sein.

Allgemein 1. September 2018

Aufbruch in Mexiko

Nach dem fulminanten Wahlsieg von Andrés Manuel López Obrador keimt Hoffnung
von Leo Gabriel*

Das bisherige politische System Mexikos ist am Ende, López Obrador konnte sich mit seiner Sammlungsbewegung MORENA als neue Kraft darstellen.

Nur Online 21. August 2018

Uri Avnery (1923–2018)

Die Stimme des „anderen Israel“

von Arn Strohmeyer

Mit Uri Avnery starb ein unermüdlicher und radikaler Kämpfer für die Versöhnung mit den Palästinensern und für einen Frieden im Nahen Osten.

Nur Online 19. August 2018

Italien und die Seenotrettung

Wo Menschenleben nichts mehr zählen
von Judith Gleitze

Am 4. März 2018 wurde in Italien gewählt. Anfang Juni schließlich stand nach langen Grabenkämpfen die italienische Regierung: aus rechtsgerichteter Lega und dem Movimento 5 Stelle, der 5-Sterne-Bewegung. Damit hat Italien nun eine Regierung, die sich in den europäischen rechtsgerichteten Reigen einfügt. Lega-Innenminister Matteo Salvini hat ganz offensichtlich das Zepter in der Hand. Von der Regierung hört man wenig im Land des sozialen Missstandes und der massiven Arbeitslosigkeit, Thema ist einzig die Bekämpfung der Migration. Hinter diesem Deckmantel, getragen auch vom Movimento 5 Stelle, die den für die Koordination der Ankünfte wichtigen Transportminister, Danilo Toninelli, stellen, können somit die eigentlichen Probleme des Staates sehr gut verdeckt werden. 

Nur Online 19. Juli 2018

Nicaragua: Solidarität mit den Protesten gegen die Regierung

Aufruf von Intellektuellen aus Lateinamerika

In Nicaragua protestieren seit März 2018 hunderttausende Menschen gegen das undemokratische, kientelistische Regime von Daniel Ortega. Dieses reagiert mit brutaler Repression und versucht seither vergebens, die Proteste zu ersticken. Da die Regierung nach wie vor von sich behauptet, links zu sein, und sich auf das Erbe der sandinistischen Revolution von 1979 stützt, sträuben sich weltweit viele Linke, Position zu beziehen. Deshalb veröffentlichen wir hier eine internationale Solidaritätserklärung, welche die staatliche Gewalt verurteilt und den Rücktritt der Regierung fordert. (Red.)

Nur Online 8. Juli 2018

Griechenland weiter im Schuldturm

Deutschland schreibt schwarze Null auch auf griechische Kosten

„Griechenland kehrt in die finanzielle Unabhängigkeit zurück“, kommentierten Anfang Juli deutsche Medien das Auslaufen des 3.“Rettungs“programms für Griechenland im August dieses Jahres. Nichts könnte falscher sein.
Die Vereinbarung vom 22.Juni signalisiert privaten Investmentfonds, dass sie wieder griechische Wertpapier kaufen können, weil dafür öffentliche Garantien gegeben werden. Griechenland kann sich also am Kapitalmarkt wieder refinanzieren. Von finanzieller Unabhängigkeit ist das Land jedoch weiter entfernt denn je. Auch das Ende der Hilfsprogramme ist eine Lüge, das Land steht weiter unter Kuratel und muss immer noch mehr soziale Einschnitte hinnehmen.

Europa 1. Juli 2018

Italien: Neue Rechtsregierung vor alten Zerreißproben

von Ingo Schmidt

Der Sündenbock ist diesmal schon vor der Krise da. Zehn Jahre nach der Großen Rezession und acht Jahre nach der Eurokrise sehen Konjunkturforscher Vorboten eines Abschwungs am Horizont. Geldpolitiker sorgen sich, dass schon leichte Zinserhöhungen in den USA und das Auslaufen der Anleihekäufe durch die EZB einen Börsenkrach auslösen könnten. Unter Diplomaten und Exporteuren geht die Angst vor einem dauerhaften Schwenk der USA von Freihandel zu Protektionismus um. Dabei ist ausgemachte Sache: Schuld sind die Italiener. Wenn man sie gewähren lässt.

Asien/Australien 1. Juli 2018

Der Shanghai-Gipfel in Qingdao

Das Kontrastprogramm zu den G7
von Pepe Escobar

Parallel zum G7-Gipfel in Kanada fand in Qingdao, der Heimatstadt von Konfuzius, der Gipfel der Shanghaier Organisation für Zusammenarbeit (SOZ)¹ statt. Während das Debakel auf dem G7-Gipfel tagelang die Schlagzeilen in Europa beherrschte, fand das zeitgleich stattfindende Gipfeltreffen der asiatischen Mächte in China kaum Beachtung. Dabei war es in jeder Hinsicht ein Kontrastprogramm.

Europa 1. Juli 2018

Warum die Konservativen in Spanien verloren haben

Die dreifache Krise des spanischen Staates
von Brais ­Fernández
Mariano Rajoy, der konservative Präsident des spanischen Staates, musste am 1.?Juni infolge eines Misstauensvotums zurücktreten, das von der Sozialistischen Partei (PSOE) angestrengt und von der nationalistischen baskischen Partei PNV, von Podemos und von der Europäisch-demokratischen Partei Kataloniens (PdeCat), unterstützt worden war. Unmittelbarer Anlass für den Erfolg des Misstrauensvotums war ein Urteil des Nationalen Strafgerichtshofs, das die regierende Volkspartei (PP) für schuldig befunden hatte, Nutznießerin des korrupten Netzwerks «Operation Gürtel» zu sein, das jahrzehntelang systematisch illegale Spenden organisiert hat.

Amerika 1. Juli 2018

Großer Erfolg für die Frauen in Argentinien

Gesetz zur Legalisierung des Schwangerschaftsabbruchs passiert das Abgeordnetenhaus
von Silvana Aiudi

Auch der argentinischen Frauenbewegung ist ein bahnbrechender Sieg gelungen. Nach jahrzehntelangem Kampf der Frauenbewegung hat in Argentinien das Abgeordnetenhaus am 13.?Juni mit 129 zu 125 Stimmen bei einer Enthaltung für eine Entkriminalisierung des Schwangerschaftsabbruchs gestimmt.

Europa 1. Juli 2018

Abtreibungsverbot in Irland mit großer Mehrheit aufgehoben

Ein Sieg der feministischen Bewegung
von Ute Abraham

Am 25.?Mai stimmte eine Mehrheit der Irinnen und Iren für eine Lockerung des Abtreibungsverbots, 66,4 Prozent sprachen sich dafür aus, den 8.?Zusatzartikel aus der Verfassung zu streichen. Von 40 Wahlkreisen überwogen lediglich in einem die Nein-Stimmen. Entsprechend groß war der Jubel und die Erleichterung.

Das Schlüsselwort in der ­Erklärung von Singapur

Zum Treffen zwischen Kim Jong-un und Donald Trump in Singapur
von Pepe Escobar

Dem «Raketenmann», von Trump in Singapur respektvoll als «Vorsitzender Kim» angesprochen, ist ein formidabler Coup gelungen: Im Abschlusstext der Erklärung von Singapur taucht die bislang von der US-Administration hartnäckig geforderte Formel von der «vollständigen, verifizierbaren, irreversiblen Denuklearisierung» nicht auf.

Asien/Australien 1. Juli 2018

Kommunismus oder Monarchie?

Was ist Nordkorea wirklich?
von Andrew Salmon

Vergesst, was ihr über Nordkorea wisst, das meiste davon ist falsch. Es ist allerdings auch nicht leicht, das Land in eine Schublade zu stecken. Ist die isolierte, hoch gerüstete Nation mit 25 Millionen Einwohnern kommunistisch oder eine Monarchie? Ist sie eine sozialistische Kommandowirtschaft oder eine aufstrebende kapitalistische Marktökonomie? Ist sie ein starker oder ein schwacher Staat?

Arbeitswelt 6. Juni 2018

Der Bauer kann zusehen …

Zur Agrarpolitik der EU
von Hanno von Raußendorf*

Seit den Römischen Verträgen von 1957 betreibt Europa eine gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Überaus erfolgreich war sie in Hinblick auf das dort formulierte Ziel der „Versorgungssicherung mit Lebensmitteln zu angemessenen Preisen durch Produktivitätssteigerung“. Ernährte ein Landwirt zur Zeit der römischen Verträge noch um die zehn Personen, so sind es heute in etwa 140. Nicht so gut funktioniert hat die „Steigerung des pro Kopf Einkommens, um den in der Landwirtschaft beschäftigten eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten“. Das mittlere Einkommen je Landwirt in Deutschland liegt um etwa 9 Prozent unter einem gewerblichen Vergleichslohn.

Amerika 1. Juni 2018

Krieg mit anderen Mitteln

In Sachen Kündigung des Iran-Abkommens knickt die EU vor den US-Sanktionen ein
von David Stein

Am 8.Mai hat US-Präsident Trump das «Wiener Abkommen» (Joint Comprehensive Plan of Action – JCPOA), mit dem die Iran-Sanktionen gelockert wurden, aufgekündigt, obwohl sich der Iran an die nukleartechnischen Auflagen des Abkommens gehalten hat. Die Repräsentanten der EU-Staaten protestierten mit harschen Worten gegen die Aufkündigung. Sie wollen am Abkommen festhalten. Kommissionspräsident Juncker will eine EU-Verordnung (sog. blocking statute) erlassen, die es europäischen Firmen verbieten würde, sich an die US-Sanktionen zu halten. Das mediale Getöse klingt allerdings eher wie das Pfeifen im Walde.

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2018

Deutschland, Israel und der Antisemitismus

Israelis mahnen Realitätsbewusstsein an
von Arn Strohmeyer*

Die Bundesregierung und die Regierungsparteien haben zum 70.Geburtstag Israels eine Resolution verabschiedet, die die üblichen Formeln abspult: Lob für die Aufbauarbeit des Staates und seine Demokratie, Erinnerung an den Holocaust, Schuldbekenntnis und die Beschwörung der deutschen Verantwortung für die Existenz und Sicherheit Israels. Kritik an der Landraubpolitik, der rechtswidrigen Besatzung und der Unterdrückung von Millionen Palästinensern kommen in dem Text nicht vor. Und natürlich ist in solchen Texten – ob direkt oder indirekt ausgesprochen – immer die rituelle Formel vermerkt, dass Kritik an der israelischen Politik «israelbezogener Antisemitismus» sei.

Buch 1. Juni 2018

Arn Strohmeyer: Die israelisch-jüdische Tragödie. Von Auschwitz zum Besatzungs- und Apartheidstaat Israel. Das Ende der Verklärung

Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2017. 277 S., € 19,80
von Hermann Dierkes

Unheilvolle «Vergangenheitsbewältigung»

Arn Strohmeyer publiziert seit Jahren sehr lesenswerte Artikel und Bücher zum deutsch-israelischen Verhältnis, zum Holocaust, zum Aufstieg des Zionismus und seiner Dominanz gegenüber völlig anderen, humanen Denktraditionen im Judentum, zum Antisemitismus und über die Unterdrückung der Palästinenser.

Bewegung 1. Juni 2018

Verwirkte Relevanz

DIE LINKE ist mit aktueller Radikalisierung ihres Pro-Israel-Kurses endgültig im ­deutschen Nationalkonsens aufgegangen
Gespräch mit Moshe Zuckermann*

Das Projekt Kritische Aufklärung (PKA) sprach mit dem israelischen Marxisten Moshe Zuckermann über den Antisemitismus-Antrag der Fraktion DIE LINKE im Bundestag. Wir veröffentlichen Auszüge.

Europa 1. Juni 2018

In Groningen bebt die Erde

Gegen Gas und für Klimagerechtigkeit in den Niederlanden
von Johanna Frei*

Im August werden Hunderte internationale Aktivistinnen und Aktivisten in der niederländischen Provinz Groningen zu einem Protestcamp erwartet. Der Grund: In Groningen bebt immer wieder die Erde.

Das letzte große Beben ereignete sich im Januar 2018 mit einer Stärke von 3,4 auf der Richterskala. Die Beben werden durch die seit 1963 betriebene massive Erdgasförderung in der Region verursacht.

Amerika 1. Juni 2018

Nicaragua: Von der Repression zur Implosion

Die sandinistische Revolution in der schwersten Krise ihres Bestehens
von Leo Gabriel (Managua)

Auch sechs Wochen nach dem Ausbruch der seit dem Krieg gegen die «Contras» noch nie dagewesenen Konfrontation zwischen den Sicherheitskräften der Ortega-Regierung und der neuartigen Widerstandsbewegung Movimiento 19 de Abril ist das als «sicherstes Land Zentralamerikas» bekannte Nicaragua nicht zur Ruhe gekommen.

Arbeitskämpfe 1. Juni 2018

Proteste in Frankreich

Politische Vereinnahmungsversuche
von Bernard Schmid

Zweimal gab es im Mai in Frankreich recht starke soziale Protestmobilisierungen parallel zum Streik der Bahnbeschäftigten. Dieser hatte seinen Höhepunkt am 14.Mai, ist aber in der letzten Maiwoche recht weitgehend abgebröckelt. Am Samstag, dem 5.Mai, demonstrierten in Paris rund 70000 unter dem Motto «Eine Party für Macron» (Macron kann was erleben) in Paris. Diese Mobilisierung hatte landesweite Bedeutung.

Europa 1. Juni 2018

Keine EUphorie

Die Reformvorschläge des französischen Präsidenten Macron
von Ingo Schmidt

America-First im Weißen Haus, eine aufstrebende Supermacht im Fernen Osten und andauernde Kriege von Libyen bis Afghanistan. In diesen außenpolitisch unsicheren Zeiten suchen die europäischen Eliten den Schulterschluss. Der französische Präsident Macron ist ihr Stichwortgeber.

An der Sorbonne stellte Macron seine Ideen zur Wiederbelebung des europäischen Einigungsprozesses im vergangenen September der europäischen Öffentlichkeit vor.

Europa 1. Juni 2018

Der eigenständige Weg zum Sozialismus

Das Schisma zwischen Stalin und Tito
von Paul B. Kleiser

Am 28.Juni 1948 wurde die jugoslawische KP aus dem Kominform ausgeschlossen.

Bewegung 1. Juni 2018

Katalonien von unten

Die Komitees zur Verteidigung der Republik übernehmen die Aufgaben der verfolgten Parteien
von Raúl Zibechi

Ich hatte das große Glück, am dritten Jahrestag der NGO Entrepueblos Anfang Mai in Barcelona teilzunehmen und Weggefährten wiederzutreffen, mit denen ich im Exil gekämpft habe. Ich habe fast meine gesamte Zeit dem Kennenlernen der Welt der Unabhängigkeitsverfechter von unten gewidmet, die antikapitalistischer und antipatriarchalischer sind, als ich geahnt hatte.

Es gab Zusammenkünfte mit Vertretern der CDR (Comitès de Defensa de la República – Komitees zur Verteidigung der Republik), der CUP (Candidatura d’Unitat Popular – Kandidatur der Volkseinheit), örtlicher Gruppen, mit Medien, Bewegungen und sozialen Zentren. Es waren nicht die Sprecher/Vorsitzenden, mit denen ich sprach, sondern Aktive der Basis; und dies ist, was ich wahrgenommen habe.

Nur Online 26. Mai 2018

Poulantzas Revisited

Staat, Klassen und sozialistischer Übergang
Interview mit Panagiotis Sotiris

Panagiotis Sotiris ist politisch aktiv in der griechischen Partei Volkseinheit und Mitglied der Gruppe ARAN (Linke Neuzusammensetzung). Er hat Sozialphilosphie und Politische Philosophie an verschiedenen Hochschulen in Griechenland gelehrt. Seine Forschungsinteressen gelten der Marxistischen Philosophie, dem Werk von Louis Althusser und den sozialen und politischen Bewegungen Griechenlands.

Thomas Goes arbeitet als Soziologe in Göttingen.

Nur Online 26. Mai 2018

Internationalismus konkret

Bericht eines Aktivisten der Solidarität mit dem antikolonialen algerischen Befreiungskrieg in Deutschland
Gespräch mit Hans Peiffer*

Warum hast du damals in den 50er und beginnenden 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zusammen mit deinen Genossinnen und Genossen der deutschen Sektion der IV. Internationale die Solidarität mit der algerischen Revolution in den Mittelpunkt der internationalistischen Arbeit gestellt?

Nur Online 25. Mai 2018

Sozialproteste in Frankreich

Analysen und Updates zu den Streiks
von Bernard Schmid

Artikelreihe für Labournet.de, mit regelmäßiger Aktualisierung. Die jüngsten Artikel finden sich immer ganz oben.

Legt ihnen das Handwerk!

NATO-Staaten zündeln in Syrien
von ISO Berlin

Am 14.April haben die USA, Großbritannien und Frankreich Ziele in Syrien mit Marschflugkörpern angegriffen. Diese Angriffe ohne UNO-Mandat sind völkerrechtswidrig.

Säbelrasseln

Der westliche Raketenangriff auf Syrien war ein symbolischer Akt, der die Lage der ­Bevölkerung eher verschlimmert
von Harald Etzbach

Gut eine Woche nach den Luftangriffen, die die USA und ihre Verbündeten Großbritannien und Frankreich als Antwort auf die Giftgaseinsätze in Douma unternahmen, kann eine erste Bilanz gezogen werden.  Was ist geschehen?

Amerika 1. Mai 2018

Labor-Notes-Konferenz 2018

Hoffnung trotz Trump
von Marcel Thiel

Die USA gelten nicht gerade als Epizentrum der Gewerkschaftsbewegung. 6,5 Prozent der Beschäftigten in der Privatwirtschaft und gerade noch 34,4 Prozent der Beschäftigten im öffentlichen Dienst sind Gewerkschaftsmitglieder.

Donald Trump und seine Republikaner stehen für einen strammen antigewerkschaftlichen Kurs. Demgegenüber vermittelte die diesjährige Labor-Notes-Konferenz regelrechte Aufbruchstimmung.

Arbeitskämpfe 1. Mai 2018

Soziale Proteste in Frankreich

Ein Fest für Macron?
von Bernard Schmid

Die Kombination könnte einem bekannt vorkommen: Ähnlich wie im Spätherbst 1986 oder im November und Dezember 1995 findet in Frankreich gleichzeitig ein Streik der Bahnbeschäftigten und ein Protest der Studierenden statt. Ob diese sozialen  Bewegungen allerdings eine vergleichbare Dynamik entfalten können wie damals, muss vorläufig dahin gestellt bleiben.

Amerika 1. Mai 2018

Strategisch zum Sieg

Lehren aus den Lehrerstreiks in den USA
ein Auszug aus dem Jacobin Magazine

Überall in den USA finden derzeit Bildungsstreiks statt – von Arizona über Colorado bis nach North Carolina, sie folgen den Beispielen in Oklahoma und West Virginia, wo alles den Anfang nahm. Im Bundesstaat Oklahoma konnte die Regierung Ende März durch einen Streik gezwungen werden, den Bildungsetat um 400 Millionen Dollar und das Jahresgehalt eines Lehrers um 6000 Dollar zu erhöhen, doch nach zwei Wochen war klar, dass die kompromisslose republikanische Regierung zu weiteren Bildungsausgaben nicht zu bewegen war.

Arbeitswelt 1. Mai 2018

Ungebremste Ausbeutung

Zur Lage der Fahrarbeiter (Lkw-Fahrer) in der EU
von Manfred Dietenberger

Der Beruf des Fernfahrers hat viel von seiner Romantik eingebüßt, Dauerstress ist angesagt.

Die Lkw-Fahrer bereisen zwar ganz Europa, sehen tun sie aber nichts davon. Ein Narr, der dem Sprichwort glaubt, dass Reisen bildet. Für die «Kapitäne der Landstraße» gibt es keine Möglichkeiten, ihre Route zu verlassen, Umwege zu fahren oder Pausen da einzulegen, wo es wert wäre kurz anzuhalten und sich umzusehen. Die Fahrstrecken sind im voraus strikt durchgerechnet, ebenso die Be- und Entladezeiten.

Altmaier auf Schäubles Spuren

Die «Charta der sozialen Marktwirtschaft»
von Ingo Schmidt

Der Aufschwung geht weiter. Unter drei Bedingungen: Keine kreditfinanzierten Staatsausgaben, keine Steuererhöhungen, Deckelung der Sozialabgaben bei 40 Prozent der Bruttolöhne. In einem Spiegel-Interview Ende März erklärte der frisch gekürte Wirtschaftsminister Altmaier, 15 bis 20 Wachstumsjahre seien noch drin, wenn sich die Politik zur Einhaltung dieser Bedingungen verpflichte. In einer Regierungserklärung ein paar Tage zuvor waren es erst 10 bis 15 Jahre.

Europa 1. Mai 2018

Images en lutte

Bilder einer Ausstellung zu 1968
von Bernard Schmid

Die Kunsthochschule Ecole des Beaux Arts in der Pariser Rue Bonaparte wurde zweimal von der Polizei geräumt: einmal im Frühsommer 1968, nach mehrwöchiger Besetzung durch Kunststudierende, Lehrpersonal und andere Rebellierende des Pariser Mai, um vier Uhr morgens. Das andere Mal im Februar 1974, nachdem dort fast drei Jahre lang allwöchentlich Vollversammlungen der im Gefolge des 68er Aufbruchs aufkeimenden feministischen sowie Homosexuellen-Bewegung stattgefunden hatten. Die Regierung unter Präsident Georges Pompidou glaubte, dadurch dem Emanzipationsspuk ein Ende setzen zu können.

Europa 1. Mai 2018

«Ohne die CGT hätte 68 in Frankreich nicht ­dieselbe Bedeutung erlangt»

Erforschung neuer Quellen über die 68er Bewegung in Frankreich
Gespräch mit Ludivine Bantigny

50 Jahre nach 1968 ist Archivmaterial zugänglich, zu dem es vorher keinen Zugang gab. Neuere Forschungen ergeben deshalb stellenweise einen sehr anderen Blick als den, die die Akteure von damals bislang transportierten. Ludivine Bantigny ist Historikerin an der Universität Rouen in Frankreich. Sie hat in den Archiven über die 68er Bewegung geforscht und vor kurzem ein Buch darüber auf französisch veröffentlicht.*

Europa 1. Mai 2018

Getrennt marschieren

Die 68er Bewegung in Italien hat die Dominanz der PCI nicht brechen können
von Diego Giachetti

Die Gesellschaftskrise, die in Italien 1968 offenbar wurde, war Teil eines umfassenderen, gleichzeitigen Prozesses, der die industrialisierten Gesellschaften des Westens, aber auch einige Länder des Ostblocks wie Polen und die CSSR erfasste. Der außerparlamentarische Protest der Jugend traf auf ein neues Selbstbewusstsein der einfachen Arbeiter in den gewerkschaftlichen und betrieblichen Kämpfen, auf eine neue Nachfrage nach öffentlichen Dienstleistungen in den Städten, auf die Einforderung neuer Bürgerrechte.

Europa 1. Mai 2018

1968 in Polen

Studentenunruhen und antisemitische Kampagnen
von Stefan Bekier für Le Monde Diplomatique/Polska

Im März 1968 kam es auch in Polen zu bedeutenden Studentenunruhen. Die Studierenden forderten vor allem mehr Meinungsfreiheit. Der polnische Staat machte Juden als Strippenzieher dafür verantwortlich. Nach unterschiedlichen Quellen wanderten deshalb 13000–20000 Polen jüdischer Abstammung mit ihren Partnern aus Polen aus. Auf ihre polnische Staatsangehörigkeit mussten sie verzichten. Sie bekamen sog Reisepapiere, die nur für eine Ausreise galten.

Afrika 1. Mai 2018

1968 im Senegal

Studierende rebellieren gegen Senghor
von Bernard Schmid

Bei der Jahreszahl «1968» denkt man, von Deutschland aus betrachtet, zunächst einmal an Frankreich. Im günstigeren Falle fällt einem dann noch ein, dass die Geschehnisse  internationaler Natur waren und und sich – neben Westberlin und Paris – auch in Mexiko-Stadt, San Francisco und Tokyo abspielten. Aber in Afrika? Hat man dafür im deutschsprachigen Raum einen Gedanken übrig?

Europa 1. Mai 2018

«Jetzt haben wir eine Trendwende»

Interview mit Ricardo Robles, Ratsmitglied des Linksblocks in Lissabon
dokumentiert

Im portugiesischen Parlament steht der Bloco da Esquerda (BE – Linksblock) seit den nationalen Parlamentswahlen von 2015 zusammen mit der Portugiesischen Kommmunistischen Partei (PCP) in einer Kooperation mit der PS (Sozialdemokraten).

Buch 1. Mai 2018

Glenn Jäger: In den Sand gesetzt. Katar, die FIFA und die Fußball-WM 2022

Köln: PapyRossa, 2018. 311 S., € 16,90
von Anton Holberg

Der Titel dieses hervorragenden Buches führt etwas in die Irre. Der Fußball ist hier im wesentlichen glücklicherweise nur der Aufhänger für eine umfangreiche Studie einerseits über den alltäglichen Kapitalismus und die in seine DNA eingeprägte Kriminalität unter besonderer Beachtung der Korruption und andererseits über die mit beidem innigst verbundene politische Entwicklung des Nahen Ostens, insbesondere seit dem vermeintlichen Arabischen Frühling und hier dem «Bürgerkrieg» in Syrien, der von Anfang an – auch und keineswegs in letzter Instanz – Teil einer viel älteren imperialistischen Agenda war und ist.

Nur Online 19. April 2018

Was alles möglich ist

Die Perspektiven der zweiten schwarz-blauen Regierung in Österreich
von Kurt Hofmann und Monika Mokre

Es mag ein Zufall sein, aber Zufälle gibt es bekanntermaßen nicht, dass am 15.Dezember 2017, als Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache nach kurzen, aber herzlichen Verhandlungen ihre Einigung zur Bildung einer Koalition verkündeten, jenen die Schlagzeile in den österreichischen Medien von einer anderen Meldung gestohlen wurde:

Amerika 1. April 2018

Zum drohenden Handelskrieg

Weder Freihandel noch Protektionismus
von Manuel Kellner und Angela Klein

Die Ankündigung von Donald Trump, die Einfuhr von Stahl und Aluminium in die USA mit Schutzzöllen zu belegen, hat eine Reihe von Reaktionen ausgelöst, die einen globalen Handelskrieg befürchten lassen. Die EU, China, Kanada und weitere Konkurrenten haben prompt mit Gegenmaßnahmen gedroht.

Flucht/Migration 1. April 2018

AfD in Damaskus

Finsterlinge unter sich
von Manuel Kellner

Am 5.März war eine Gruppe von AfD-Politikern zu einem «privaten» Besuch in Damaskus. Sie traf sich mit dem Kumpel des Machthabers Bashar al-Assad, dem Staatsminister und Großmufti Ahmed Hassun. «Es gibt Werbung für Handys und Fernseher», schreibt ein AfD-Politiker aus Damaskus auf Facebook: «Normales Alltagsleben. Man sieht kaum Militär.»

Wenige Kilometer davon entfernt wird das seit fast fünf Jahren belagerte Ost-Ghouta mit 400000 eingeschlossenen Menschen bombardiert, es gibt zahlreiche Tote und Verletzte unter der Zivilbevölkerung.

Amerika 1. April 2018

Das Weltsozialforum in Salvador de Bahía

Im Schatten der Konflikte
von Leo Gabriel und Hermann Dworczak

Das diesjährige 13.Weltsozialforum, das vom 13. bis 17.März in der ehemaligen brasilianischen Sklavenmetropole Salvador de Bahía stattfand, stand ganz unter dem Vorzeichen der spannungsgeladenen politischen Atmosphäre, die derzeit in Brasilien herrscht.

«Ist der Polizeieinsatz rechtswidrig, kann es auch keinen Landfriedensbruch geben»

Über die Prozesswelle gegen Teilnehmende an den Protesten gegen die G20 im Juli letzten Jahres
Gespräch mit Michèle Winkler

«Das politische Großereignis G20 wird nicht durch die von den Herrschenden gefällten Beschlüsse, sondern durch die vielfältigen Gegenproteste und massiven Grundrechtseinschränkungen und die Polizeigewalt in die Geschichte eingehen», schrieb der Bundesvorstand der Roten Hilfe am 18.März, dem Tag der politischen Gefangenen, in einer Sonderausgabe der Roten Hilfe.

Feminismus heißt Widerstand

Rückblick auf den Internationalen Frauentag
dokumentiert

Der diesjährige 8.März erlebte eine sehr kämpferische Frauenbewegung, die teilweise die sozialen Proteste anführte.

Flucht/Migration 1. April 2018

Deutsche Waffen, deutsches Geld…

…produzieren die Flüchtlinge, die die Regierung bekämpft
von Angela Klein

So sieht die neue deutsche Verantwortung aus:

Die Bundesregierung kann sich jetzt rühmen, direkt an der Einnahme Efrîns durch die türkische Armee und der darauf folgenden Vertreibung und ethnischen Säuberung der Stadt von Jeziden beteiligt zu sein. In zweifacher Hinsicht hat sie direkt dazu beigetragen: 1. durch den Einsatz von Leopard-2-Panzern an der nordsyrischen Grenze;  2. indem die AWACS-Aufklärungsflugzeuge ständig die Grenze zu Nordsyrien überfliegen und der NATO, und damit der Türkei, militärisch relevante Daten übermitteln.

Die Münchner Sicherheitskonferenz

Perverse Logik
von Paul B. Kleiser

Seit 54 Jahren findet in München die «Sicherheitskonferenz» statt, zu der in diesem Jahr fast 30 Staats- und Regierungschefs, etwa 100 Außen- und Kriegsminister, zahlreiche Generäle und noch mehr Rüstungslobbyisten zusammenkamen.

Plädoyer für die militärische ­Selbstbehauptung Europas

EU – der einzige Vegetarier in einer Welt von Fleischfressern?
von Jürgen Wagner

Vom 16. bis zum 18.Februar 2018 versammelten sich wieder einmal «Entscheidungsträger» aus Politik, Wirtschaft und Militär zur alljährlichen Münchner Sicherheitskonferenz.

Asien/Australien 1. April 2018

Deutsch-türkische Verhältnisse

Waffen über alles
von Serdar Kazak

Wenn ich versuche, das Verhältnis zwischen der Türkei und Deutschland zu verstehen oder sogar zu erklären, merke ich, dass ich eigentlich versuche, Kaffeesatz zu lesen.

Tödliche U-Boote

Die deutsche Staatsräson hat tiefe Wurzeln im Waffenhandel mit Israel
von Shir Hever*

Waffengeschäfte sind ein entscheidendes Element in den Beziehungen zwischen Deutschland und Israel. Sie haben bereits begonnen, bevor überhaupt diplomatische Beziehungen aufgenommen wurden. Trotz der langjährigen Regierungslinie, keine Waffen in sogenannte Spannungsgebiete zu verkaufen, zählt der Staat Israel zu den größten Kunden bei deutschen Rüstungsgütern und das israelische Militär setzt diese Waffen gegen schutzlose palästinensische Zivilisten ein, besonders im Gaza-Streifen.

Europa 1. April 2018

Parlamentswahlen in Italien

Ohrfeige fürs Establishment
von Angela Klein

Berlusconi kommt nicht wieder und Renzi hat seine Demokratische Partei (PD) vor die Wand gefahren. Zum zweiten Mal seit Anfang der 90er Jahre sind bei den Parlamentswahlen am 4.März die Parteien, die dem Establishment nahestehen, mit Pauken und Trompeten untergegangen.

Trumps Jerusalem-Schachzug

Ungewollt kann er den Palästinensern in die Hände spielen
von Henry Siegman*

Michelle Goldberg, Kolumnistin der New York Times, warf unlängst mit Nachdruck die Frage auf, ob der «liberale Zionismus» die rechtsextremen Trends überleben kann, die heute das politische Leben in Israel beherrschen. ­Auslöser war Donald Trumps Anerkennung von Jerusalem als Hauptstadt Israels, die Goldberg zu Recht als «einen weiteren Nagel im Sarg des ‹liberalen Zionismus›» beschrieb.

Europa 1. April 2018

Griechischer Nationalismus

Die Mazedonienfrage als Spielball der Großmächte
von der Redaktion

Anfang Februar fanden in Athen und anderen griechischen Städten Massendemonstrationen statt, auf denen der Anspruch Griechenlands auf die frühere jugoslawische Republik Mazedonien bekräftigt wurde.

Amerika 1. April 2018

Lateinamerika im Superwahljahr 2018

Zwischen Rechtsruck und Paradigmenwechsel
von Leo Gabriel

Es ist fast ein Vierteljahrhundert her, dass innerhalb eines Jahres in der Mehrzahl der Länder auf dem lateinamerikanischen Kontinent die Parlamente neu gewählt wurden.

Europa 14. März 2018

Ein schwieriges Erbe

Antisemitismus in Polen
von Stanislaw Obirek

Seit dem 29.Januar 2018 verstummt nicht die Kritik an der Novellierung des Gesetzes zum «Nationalen Gedenken» und der «Verfolgung von Verbrechen gegen das polnische Volk».

Europa 14. März 2018

Neuer Premierminister und die Sozialpolitik in Polen

Der Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten in Polen hat im Ausland zu einem positiven Echo geführt
von Ewa Groszewska*

Auf recht unfeine Art wurde Beata Szydlo durch einen erfahrenen Banker ersetzt, Mateusz Morawiecki, von 2007 bis 2015 Präses des Bank Zachodni WBK. Auf der Linken dachten einige, der neue Premier sei ein polnischer Macron. Die einen waren froh, denn sie hofften, Morawiecki werde ein Pro-Europäer sein, andere wiederum meinten, ein Banker werden den Menschen nicht mehr etwas vormachen über die angeblich fortschrittliche Sozialpolitik der PiS und werde den bekannten Weg der Eliten in den Neoliberalismus einschlagen.

Nur Online 14. März 2018

Famous American Zionist turns his back on Israel

The implications of Trump’s Jerusalem ploy (*)
dokumentiert

Henry Siegman, a Holocaust survivor and today in his late eighties, was president of the Project US-Middle East and a former member of the Foreign Affairs Council. He once was head of the American Jewish Congress and the Council of Synagogues of America.

Europa 7. März 2018

Italiens extreme Rechte auf dem Sprung ins Parlament?

CasaPound: Von einer sozialen Bewegung zur politischen Partei
von der Redaktion

Bei den Parlamentswahlen am 4.März könnte die faschistische Rechte ins italienische Parlament einziehen.

Die Formierung einer offen faschistischen Rechten macht in Italien beängstigende Fortschritte. Kristallisationspunkt solcher Formierung ist die Bewegungspartei CasaPound.

Efrin: Erdogans Vietnam?

Seit einem Monat trotzt Efrin in Nordsyrien dem Angriffskrieg der türkischen NATO-Armee
von Nick Brauns

Seit dem 20.Januar führt die Türkei einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Kanton Efrin im Norden Syriens. Aus der Luft und am Boden wird eine während der letzten sieben Jahre vom Krieg verschonte Region angegriffen, in der neben der einheimischen kurdischen Bevölkerung auch hunderttausende arabische Flüchtlinge aus anderen Landesteilen Zuflucht gefunden haben.

Europa 1. März 2018

Moshé Machover – Rausschmiss aus Labour Party unter dem Vorwurf des Antisemitismus?

«Der Vorwurf des Antisemitismus ist eine Waffe im Kampf der Labour-Rechten gegen die Parteilinke»
Gespräch mit Moshé Machover

Moshé Machover ist Mathematiker, Philosoph und Aktivist aus Israel/Palästina/Großbritannien. Er war eingeladen zur Konferenz «Zur Zeit der Verleumder», die am 10.Februar in Berlin stattfand. Machover konnte dazu jedoch nur per Skype beitragen. Anliegen der Konferenz war es gewesen, sich einmal mehr darüber zu verständigen, inwiefern Antizionismus nicht Antisemitismus ist. Sophia Deeg führte das Gespräch mit Moshé Machover deshalb in einem Telefonat mit London.

Europa 1. März 2018

Vor den Wahlen in Italien am 4.März

«Potere al Popolo» – Neue linke Perspektiven
Gespräch mit Viola Corafalo

«Potere al Popolo» (PaP – Die Macht dem Volk) heißt die frisch aus der Taufe gehobene politische Alternative auf der radikalen Linken in Italien, sie wird mehrheitlich von jungen Leuten getragen. Das schafft neue Perspektiven für die seit 15 Jahren schwer gebeutelte radikale Linke, unabhängig von ihrem Abschneiden bei den Parlamentswahlen am 4.?März. Die Genfer Zeitung SolidaritéS sprach mit Viola Carofalo, der Sprecherin von PaP.*

Nordafrika/Nahost 18. Februar 2018

Was ist Antisemitismus?

Ist die Forderung des Zentralrats der Juden nach stärkerer Bestrafung antisemitischer Umtriebe antisemitisch?
von Anton Holberg

Der Bonner General-Anzeiger (GA) berichtete, wie vermutlich die meisten bundesdeutschen Zeitungen, um den 14.12.2017 herum über die Erklärung des Zentralrats der Juden zu antisemitischen Umtrieben in Deutschland und stellte sie in einen Zusammenhang mit großenteils von Arabern und Angehörigen anderer mehrheitlich muslimischer Volksgruppen getragenen Demonstrationen gegen die Ankündigung von US-Präsident Trump, die US-Botschaft von Tel Aviv nach Jerusalem, der «Hauptstadt Israels», zu verlegen.

Globalisierung/Krieg 18. Februar 2018

Allein kann die Türkei gar nichts…

Erklärung der PKK zum türkischen Einmarsch in Efrîn
dokumentiert

In den Morgenstunden des 20.Januar startete die türkische Armee einen Großangriff auf den kurdischen Kanton Efrîn im äußersten Nordwesten Syriens, der Angriff richtete sich zunächst gegen Stellungen der YPG/YPD. Einem Artilleriebeschuss folgte breitflächiges Bombardement von über 100 Zielen, später eine Bodenoffensive. Zum Einsatz sollen dabei auch deutsche Leopard-II-Panzer gekommen sein.

Asien/Australien 18. Februar 2018

Befriedung oder mehr Ungleichheit?

Die Folgen der Neuen Seidenstraße für die innere Entwicklung Chinas
von Robin Lee

Die Neue Seidenstraße ist zwar ein nach außen gerichtetes Expansionsvorhaben, das erwartungsgemäß Chinas politischen und wirtschaftlichen Einfluss in der Welt stärken wird, doch sie hat durchaus auch innenpolitische Auswirkungen.

Einerseits dient die neue Seidenstraße dazu, interne Probleme wie den hohen Bestand an Überkapazitäten zu lösen, andererseits sollen dadurch Profite nach China zurückfließen – aus Überseeinvestitionen, die chinesische Firmen getätigt haben.

Amerika 18. Februar 2018

Israel hat gerade andere Sorgen

Über israelische Reaktionen auf Trump
Gespräch mit Michel Warschawski

Wie reagiert die israelische Bevölkerung auf Trumps Erklärung, die US-Botschaft werde nach Jerusalem, in die Hauptstadt Israels, umziehen? Darüber sprach Cinzia Nachira für die italienische Webseite Rproject (www.rproject.it) mit Michel Warschawski vom Alternative Information Center (AIC) in Jerusalem.

Bewegung 18. Februar 2018

Undemokratisch und manipulierbar

Kritik der «Sammlungsbewegung» à la Lafontaine
von Thies Gleiss*

Grundlegende linke Alternativen sind heute so nötig wie nie zuvor. Doch viele Mandatsträger und Hauptamtliche der LINKEN sind konservativ geworden und ihre Führung flüchtet sich in Ausweichmanöver.

Asien/Australien 4. Februar 2018

Eine wundersame Freundschaft

Erdogan baut ein Terrorregime auf, aber das kümmert die Bundesregierung nicht
von Hasan Bozkaya

Anfang Januar berichteten die Medien über eine Annäherung und verbesserte Kooperation zwischen Deutschland und Türkei, nach einer langen Phase der gegenseitigen Beschimpfungen, Beleidigungen und Mahnungen.

Der türkische Außenminister und der geschäftsführende deutsche Außenminister kündigten gemeinsam an, dass die beiden Staaten ihre Beziehungen verbessern und ein neues Kapitel ihrer Freundschaft aufschlagen wollen.

Asien/Australien 4. Februar 2018

Iran III

Die Lage der Arbeiterbewegung
von Behrooz Farahani

Seit mehreren Jahren ist der Iran Schauplatz beispielloser Streikbewegungen. Nach dem Abkommen von 2015 über das iranische Atomprogramm erwartete die iranische Gesellschaft «bessere Tage», die die «moderate» Regierung Rouhani versprochen hatte. Tatsächlich änderte sich fast nichts. Infolgedessen nahmen die Proteste zu – sie reichten vom Lehrpersonal über Krankenschwestern bis zu den Arbeitern der Ölindustrie, Rentnern und Arbeitslosen. Mehrfach standen die Lehrer an der Spitze von Demonstrationen, die zeitgleich in Dutzenden von Städten organisiert wurden.

Asien/Australien 4. Februar 2018

Iran II

Ein kurzer Abriss der Nachkriegsgeschichte
von Houshang Sepehr

Der Iran ist mit 80 Millionen Einwohnern eines der bevölkerungsreichsten Länder des Mittleren Ostens. Es ist der viertgrößte Erdölproduzent der Welt, 70 Prozent seiner Bevölkerung leben in Städten und fast 90 Prozent können lesen und schreiben. Die Frauen, die gezwungen sind, den Schleier zu tragen, haben im Durchschnitt zwei Kinder und stellen drei Viertel der Studierenden. Die Verfolgung von Oppositionellen ist scharf, sie trifft insbesondere Gewerkschafter.

Asien/Australien 4. Februar 2018

China heute

Einige Daten zu einer imperialistischen Macht
von Pierre Rousset*

Seitdem China in den 80er Jahren zum Übergang in den Kapitalismus aufgebrochen ist, hat sich auch sein internationaler Status drastisch verändert. Heute ist China:

– die zweitgrößte Ökonomie der Welt (je nach Rechenart sogar die stärkste Ökonomie);

Europa 4. Februar 2018

Die neue Regierung in Österreich

Mehr nach rechts oder mehr nach links? Die SPÖ ist gespalten
Gespräch mit Leo Gabriel

Fast 20 Jahre nach der ersten schwarz-blauen Regierung in Österreich wiederholt sich die Konstellation, diesmal mit einer klaren rassistischen und sozialrassistischen Schlagseite. Über deren Politik und Kräfte des Widerstands sprach die SoZ mit Leo Gabriel.

Amerika 1. Februar 2018

Die Neue Seidenstraße

China baut sich ein Weltreich
von Oscar René Vargas*

«Ein Gürtel, eine Straße» heißt das chinesische Projekt für den Ausbau eines weltumspannenden globalen Handels offiziell, inoffiziell wird die 900-Milliarden-Dollar-Initiative der chinesischen Regierung die Neue Seidenstraße genannt – das größte Projekt seit dem Marshall-Plan der US-Regierung nach dem Zweiten Weltkrieg.

Asien/Australien 1. Februar 2018

Der 19.Parteitag der KP Chinas

Chinas Weltmachtambitionen
von Pierre Rousset

Der 19.Parteitag der KPCh hat den Aufstieg von Xi Jinping besiegelt und einem Regimewechsel sein O.K. gegeben. Hinter der Fassade institutioneller Kontinuität erfährt das Einparteisystem eine radikale Transformation seiner gesellschaftlichen Grundlagen – mit ähnlicher Tragweite wie der Übergang von der maoistischen Periode zu Deng Xiaoping.

Asien/Australien 1. Februar 2018

Angst vor den entwurzelten Klassen

Pekings Stadtverwaltung vertreibt Hunderttausende Arbeitsmigranten
von Wu Qiang*

Am 18.November tötete ein Feuer 19 Menschen im Township Jiugong im Pekinger Distrikt Daxing. Einige Tage später setzte die Stadtverwaltung eine massive Säuberungsaktion gegen «überflüssige Menschen» in den Vorstädten in Gang. Innerhalb einer Woche wurden über 200000 Arbeitsmigranten aus ihren Mietwohnungen und von ihren Arbeitsplätzen vertrieben.

Amerika 1. Februar 2018

US-Steuerreform

Konzerne über alles
von Ingo Schmidt

Die Mehrheit der US-Amerikaner war dagegen. Ökonomen erwarten keine positiven Konjunktureffekte, warnen aber vor weiter eskalierenden Staatsschulden. Die Demokraten empören sich über die einseitige Bevorzugung der Reichen. Die republikanischen Abgeordneten in Senat und Repräsentantenhaus stimmen nahezu geschlossen für Donald Trumps Steuerreform. Und die Börse jubelt.

Asien/Australien 1. Februar 2018

Iran I

Die Wurzeln der Revolte
von Babak Kia/Houshang Sepehr*

Seit dem 28.Dezember 2017 erlebt der Iran Massenproteste gegen die Preissteigerungen bei Lebensmitteln, Massenarbeitslosigkeit, wachsende soziale Ungleichheit, ein brutales Sparprogramm und politische Unterdrückung.

Die Demonstrationen begannen in Mashhad, der zweitgrößten Stadt des Landes, sie breiteten sich auf 80 Städte und Dörfer und die Hauptstadt aus.

Asien/Australien 1. Februar 2018

Trotz allem, Geschäfte sind wichtiger

Zum Treffen der Außenminister der Türkei und Deutschlands
von Serdar Kazak

Wie wir Presseberichten entnehmen konnten, traf Bundesaußenminister Gabriel seinen türkischen Amtskollegen Çavusoglu in seiner Heimatstadt Goslar. Es war ein Gegenbesuch des türkischen Ministers, das erste «informelle» Treffen «zwischen den Freunden» hatte schon im November im türkischen Urlaubsort Antalya stattgefunden.

Europa 31. Januar 2018

Leserbrief: Gegen die Unabhängigkeit

Betr.: Katalonien in der SoZ, November 2017

von Matthias Schindler

Die Repression der Regierung Rajoy gegen Katalonien ist zurückzuweisen. Das Recht der Katalanen auf Selbstbestimmung muss verteidigt werden. Die undemokratische Konstruktion des spanischen Staates, die Verfassung von 1978, die Dreieinigkeit König–Militär–Katholische Kirche und der spanische Nationalismus müssen kritisch hinterfragt werden. Daraus folgt aber nicht automatisch, die Abtrennung Kataloniens von Spanien anzustreben.

Globalisierung/Krieg 31. Januar 2018

Nach Trumps jüngster Provokation

Perspektiven für Palästina
von Manuel Kellner

Warum bestimmte politische Gruppierungen getrennt bleiben, obwohl sie mehr oder weniger dieselben Grundüberzeugungen haben, das wissen nur Götter, Gräber und Gelehrte. Ich selbst würde mich – vorläufig – gerne der dritten Kategorie zurechnen, wenn nicht mein Tagwerk mich meist daran hinderte, diese Rolle zu spielen. Marx 21 hat einen aktuellen Beitrag zum hierzulande höchst umstrittenen israelisch-palästinensischen Konflikt veröffentlicht, dem ich voll und ganz zustimme. Das finde ich immerhin bemerkenswert.

Arbeitswelt 31. Januar 2018

ThyssenKrupp und Tata: Eine Fusion bedeutet immer Ärger

Über den Stand der Verhandlungen zwischen ThyssenKrupp und Tata sowie über den Widerstand der Beschäftigten
Gespräch mit Binali Demir

Seit eineinhalb Jahren berichten die Medien über Fusionspläne zwischen dem europäischen Teil des indischen Stahlkonzerns Tata und und dem deutschen Thyssen-Konzern. Beide wollen ihre Stahlsparte zu einem neuen europäischen Stahlkonzern verschmelzen. Der Konzernsitz soll in die Niederlande verlegt werden.

Europa 27. Januar 2018

POLNISCHE PRESSESCHAU 122 vom 27.01. 2018

Neue Minister aber keine neue Politik opinie.     wp.pl   09.01.2018

Unter dem Schatten des Obersten Premiers Kaczy?ski wird es keine Änderung der PiS – Politik geben. Die entlassenen Minister waren nur ein Symptom, schreiben zwei Vertreter der Partei RAZEM in einem Artikel. Hier geht es nur um eine kosmetische Reparatur. Die Regierenden möchten etwas Ruhe im Laden haben, vor allen Dingen was das Gesundheitswesen und die Umwelt (es gab Proteste auch seitens der EU, weil der Bialowieza – Urwald abgeholzt wurde) anbelangt.

Bildung 1. Januar 2018

Grüße von der Heimatfront

Ostereier an die Front
von Anja Lorenz*

Die Schule sollte Kinder eigentlich zu kritischem Denken und Friedensliebe erziehen. Eine Lehrerin des Neckargemünder Max-Born-Gymnasiums ging jedoch ganz andere Wege.

Europa 1. Januar 2018

Der Rhein

Wie ein Fluss dem Handel untertan wird
von Winfried Wolf*

Der Rhein ist mit einer gesamten Länge von 1233 Kilometern selbst in Europa ein eher kleinerer Strom – gerade mal der zehntlängste. Umso kompakter wird uns bei diesem Fluss jedoch die Bedeutung eines großen Gewässers für sehr unterschiedliche Regionen und höchst verschiedene Menschen vermittelt.

Amerika 1. Januar 2018

Brasilien: Eine große Rolle rückwärts

Soziale und ökonomische Rückschritte
von Lucas Marcondes*

Seit dem parlamentarischen Coup von 2016 gibt es politisch immer mehr Rückschritte in Brasilien. Das Land, das seine koloniale Struktur nie überwunden hat, dessen Gesellschaft von starker Ungleichheit geprägt ist und alle möglichen Formen von Unterdrückung und Ausbeutung kennt, geht derzeit einen skandalösen Krebsgang.

Amerika 1. Januar 2018

Alles nur Verschwörung

Warum Erdogan Trumps Aufwertung von Jerusalem gelegen kommt
von Serdar Kazak

«Man zahlt das Geld der Nutte und das Schmiergeld dem Beamten, bevor das Geschäft beginnt.»

Diese «Weisheit» gehört dem türkisch-iranischen Goldhändler Reza Zarrab, der seit einem Jahr in den USA in U-Haft sitzt und seit einigen Wochen vor einem dortigen Bundesgericht umfangreiche Geständnisse über seine Geschäfte mit den türkischen Behörden ablegt. Durch seine Geständnisse hat der Staatsanwalt ihn vom «Angeklagtem» zum «Kronzeugen» befördert.

Asien/Australien 1. Januar 2018

Türkei: Akademiker für den Frieden

Massenprozess gegen über tausend Wissenschaftler wegen «Terrorismus»
von Hasan Bozkaya

Bei der Parlamentswahlen am 7.Juni 2015 verlor Erdogans Partei AKP ihre Mehrheit im türkischen Parlament. Die AKP konnte alleine keine Regierung bilden. Auf diese Niederlage reagierten Erdogan und seine Kumpanen mit einer zweigleisigen Strategie. Einerseits verhinderten sie mit allen Mitteln Koalitionsgespräche, andererseits starteten sie massive militärische Operationen gegen kurdische Städte. Schon nach zwei Monaten sah es in den kurdischen Städten Cizre, Nusaybin und in den historischen Stadtteilen von Diyarbakir aus wie im Kriegsgebiet von Syrien.

Asien/Australien 16. Dezember 2017

China führt ­«Bonitätssystem» ein

Beeurteilung aller Bürger
von Rolf Euler

China hat von den Internetkonzernen bzw. der NSA und anderen Datensammlern «gut» gelernt. Es will ein «Bonitätssystem» eingeführen, das auf der Gesamtkontrolle des Internets und seiner Nutzer beruht und letztlich zu einer Einstufung aller 1,4 Milliarden Bürger führen soll.

Schon länger kontrolliert die chinesische Regierung das Internet und was in China dort angeklickt werden kann.

Amerika 16. Dezember 2017

Zum regierenden Irrsinn

Beispiele USA, Nordkorea, EU
von Manuel Kellner

Donald Trump, an der Spitze des militärisch weitaus stärksten Staats der Welt, setzt gegenüber dem Regime von Kim Jong Un weiterhin auf Provokation. Nachdem in Nordkoreas offizieller Presse Trumps Rede vor dem südkoreanischen Parlament als «rücksichtslose Äußerungen eines verkalkten Alten» bezeichnet worden war, konterte er auf Twitter, er würde Kim Jong Un «niemals als ‹klein und fett› bezeichnen.»

Flucht/Migration 16. Dezember 2017

Wieder 50 Tote im Mittelmeer

«Libysche Küstenwache» torpediert Rettungsaktion
von Judith Gleitze*

Unter den Augen der EU und mit deren finanzieller Unterstützung macht die libysche Küstenwache auf offener See Jagd auf Flüchtlinge. Aus einer Pressemitteilung von borderline europe.

Am 6.November ereignete sich eine Tragödie in internationalen Gewässern, etwa 30 Seemeilen nördlich von Tripolis, Libyen.

Europa 16. Dezember 2017

Polen: Selbstverbrennung

 Verzweifelter Appell im Zentrum von Warschau

Am 19.10. hat sich ein 54jähriger Mann aus der Nähe von Krakau im Zentrum von Warschau selbst verbrannt. Er richtete dazu einen aufrüttelnden Appell an seine Landsleute. Dieser beginnt: «Ich einfacher normaler Mensch – so wie Ihr es auch seid – rufe euch alle auf, wartet nicht länger! Diese Regierung müssen wir schnellstens absetzen, bevor sie unser Land endgültig vernichtet, bevor sie uns endgültig unserer Freiheit beraubt.

Europa 16. Dezember 2017

Autonomie-Referenden in Norditalien

Ein politisches Manöver
von Franco Turigliatto

Linke Kritiker der Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien ziehen gern eine Parallele zum  Referendum, das die rechtsextreme Lega Nord in Italien am 22.Oktober in der Lombardei und in Venetien durchgeführt hat. Franco Turigliatto von Sinistra Anticapitalista findet, hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.

Europa 16. Dezember 2017

Frankreich: Kurswechsel beim Front National

Der Austritt aus der EU steht nicht mehr an oberster Stelle
von Bernard Schmid

Es gibt Momente in der Geschichte, anhand derer sich relativ sauber und trennscharf ein «Davor» und ein «Danach» unterscheiden lassen. Dies trifft, was die wechselhafte jüngere Geschichte der extremen Rechten in Frankreich betrifft, für den 3.Mai 2017 fraglos zu.

Amerika 16. Dezember 2017

Daniel Viglietti (1939–2017)

Stimme der lateinamerikanischen Revolution
von hgm

Am 30.Oktober starb der uruguayische Sänger und Songschreiber Daniel Viglietti im Alter von 78 Jahren in Montevideo. Er war einer der bekanntesten Vertreter des uruguayischen und lateinamerikanischen populären und politischen Liedes. Sein Freund Eduardo Galeano nannte ihn die «wohlklingende Stimme, die die Wände erzittern lässt». Drei Tage vor seinem plötzlichen Tod war Viglietti noch bei einem Konzert zu Ehren Che Guevaras aufgetreten.

Globalisierung/Krieg 3. Dezember 2017

COP 23 – UN Klimakonferenz

Der Kohleausstieg steht auf der Tagesordnung
von Wolfgang Pomrehn

Es war nicht viel erwartet worden, und es ist nicht allzu viel herausgekommen, bei dieser Klimakonferenz. Zum 23. Mal hatte man sich getroffen, seitdem die UN-Klimaschutzrahmenkonvention in Kraft getreten ist. Darin haben sich die Staaten der Welt – und es haben tatsächlich inzwischen alle, oder so gut wie alle UN-Mitglieder, auch die USA, die Konvention ratifiziert – verpflichtet, das globale Klima zu schützen und gefährliche Veränderungen zu vermeiden. Seitdem ist viel zu wenig geschehen und die Industriestaaten haben ihre Emissionen bei weitem nicht genügend reduziert, um den Anstieg in den Entwicklungs- und Schwellenländern zu kompensieren, wie einst versprochen, aber vertraglich nie richtig fixiert worden war.

Europa 3. Dezember 2017

Wie kommt die Demokratiebewegung in Katalonien aus der Defensive?

Einflüsse, Auswirkungen und Aussichten
Interview mit Josep Maria Antentas

«Es braucht einen Fahrplan für einen Bruch mit dem nachfranquistischen Regime von 1978», sagt Josep Maria Antentas, Dozent für Soziologie an der Autonomen Universität Barcelona (UAB) und Leitungsmitglied von Revolta Global. Das Interview mit ihm führte Dan LaBotz, Mitherausgeber der US-amerikanischen Zeitschrift New Politics.

Europa 1. Dezember 2017

«Madrid wird das Problem nicht durch Repression lösen können»

Andrej Hunko hat in den Tagen der Unabhängigkeitserklärung Katalonien besucht
Gespräch mit Andrej Hunko

Die katalanische Regierung ist abgesetzt, ihre Vertreter und die Sprecher der Unabhängigkeitsbewegung werden vor Gericht gestellt. Doch die Unabhängigkeitsbewegung lässt sich nicht einschüchtern. Zuletzt haben wieder 750000 Menschen gegen die Verhaftungen demonstriert, die Mobilisierung der Anhänger des Rechts auf Selbstbestimmung stellt diejenige der Anhänger Spaniens in den Schatten. Premierminister Rajoy hat fürs erste zwar sein Anliegen durchgesetzt, dass in Katalonien am 21.Dezember wieder Wahlen stattfinden, doch ist nicht klar, ob das nicht ein Pyrrhussieg für ihn wird, wenn die jetzige Parlamentsmehrheit bestätigt wird.

Amerika 1. Dezember 2017

«Wir brauchen nicht noch mehr Autos»

Die Gewerkschaftsaktivistin zur Situation in der US-Autoindustrie
Gespräch mit Dianne Feeley

Dianne Feeley lebt in Detroit und hat früher bei Ford und bei American Axle, einem Autozulieferer, gearbeitet. Sie ist auch nach ihrem Ausscheiden aus dem Arbeitsleben im Local 22 der United Autoworkers (UAW) aktiv und schreibt für Labor Notes, der wichtigsten Zeitschrift konsequenter Gewerkschaftsaktiven in den USA. Sie gehört zum Herausgeberkreis der Zeitschrift Against the Current und zur Leitung der marxistischen Organisation Solidarity. Für die SoZ sprach Paul Michel mit Dianne Feeley.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2017

Globale Containerschifffahrt

Wo die Ausbeutung am ärgsten ist
von Manuel Kellner

Ohne die menschenunwürdigen und naturzerstörerischen, weltumspannenden und unterpreisigen Transporte gäbe es keine Globalisierung.

Fünfzigtausend Handelsschiffe, die weitaus meisten von ihnen mit Containern beladen, tragen 90 Prozent des globalen Güterverkehrs. Die Menschen an Bord spiegeln die internationale Arbeitsteilung und die Ungleichheit der Lage der Beschäftigten weltweit.

Europa 1. Dezember 2017

Katalonien vor den Neuwahlen

Fakten, Umfragewerte und Einschätzungen
von ak

Die Entscheidung der Madrider Regierung, die katalanische Regierung abzusetzen und für den 21.Dezember Neuwahlen anzusetzen, verspricht keine Klärung der politischen Lage.

Wenn derzeit Wahlen in Katalonien wären, hätten die Anhänger einer wie auch immer gearteten Unabhängigkeit weiterhin eine knappe Mehrheit.

Nur Online 30. November 2017

Leserbrief zum Katalonien Thema

Zu SoZ, Nov. 2017, Katalonien
von Matthias Schindler

Es gibt aus linker Perspektive keinen Zweifel daran, dass die Repression der Regierung Rajoy gegen die katalanischen Bewegungen für mehr Autonomie bis hin zur staatlichen Unabhängigkeit energisch zurückgewiesen werden muss. Ebenso muss das Recht auf Selbstbestimmung für die Katalan/innen, wie auch für jede andere Volksgruppe, ohne Wenn und Aber verteidigt werden. Bedeutet dies aber auch, dass es richtig ist, die Abtrennung Kataloniens von Spanien und die Gründung eines neuen katalanischen Staates zu unterstützen?

Nur Online 22. November 2017

Katalonien: Überm Kesselrand

Nur die halbe Geschichte*

von Raul Zelik

Für viele deutsche Medien ist Carles Puigdemont ein politischer Hasardeur, Mariano Rajoy ein gesetzestreuer Ministerpräsident, der bisweilen ein wenig über die Stränge schlägt. Und am Ende wollen die Katalanen bloß nicht teilen. Unser Autor widerspricht.

Asien/Australien 1. November 2017

Wie haben die Deutschtürken gestimmt?

Ein noch unerforschtes Terrain
von Günter Bergmann

Der türkische Staatschef Erdogan hat vor der Bundestagswahl seine Landsleute aufgefordert, ihre Stimme nicht den «Türkeifeinden» CDU und SPD oder Grünen zu geben. Nach der Wahl wüsste man gern, ob seine Landsleute in Deutschland sich daran gehalten haben. Ein bisschen schaut es danach aus.

Arbeitskämpfe 1. November 2017

Häuserkampf gegen das Arbeitsgesetz in Frankreich

Bei den Protesten gelingen Teilerfolge
von Bernard Schmid

Die Auseinandersetzung um die derzeit ablaufende «Reform» im französischen Arbeitsrecht setzt den Konflikt vom vergangenen Jahr fort.

Im Frühjahr und Sommer 2016 kämpfte eine soziale Bewegung mit Streiks, Demonstrationen, Platzbesetzungen und Straßenkämpfen fünf Monate lang gegen das sog. «Arbeitsgesetz» (Loi Travail). Dieses wurde unter François Hollande dennoch verabschiedet und trat am 8.August 2016 in Kraft.

Asien/Australien 1. November 2017

Vom Oktober 1917…

…zum «Sozialismus des 21.Jahrhunderts
von Catherine Samary*

Nicht jede Vergangenheit hat dieselbe Zukunft. Der Oktober 1917 wird nicht leicht beerdigt werden können. Da wurde gewagt, die bestehende Ordnung in Frage zu stellen – ohne Rezepte und nicht ohne tragische Irrtümer, im Kampf mit den Kriegen und der sozialen Gewalt der Herrschenden. Hundert Jahre später, obwohl der Kommunismus nicht mehr als Option erscheint, ähneln die Herausforderungen doch denen des Oktober vor hundert Jahren.

Asien/Australien 1. November 2017

Der Traum vom eigenen Staat

Das Kurdistan-Referendum im Nordirak ist eine Katastrophe für die bürgerliche kurdische Führung
von Nick Brauns

Mit einer großen Mehrheit von 92 Prozent stimmten die Kurden im Nordirak am 25.September für die Bildung eines unabhängigen kurdischen Staates. Die Wahlbeteiligung bei dem völkerrechtlich nicht bindenden Referendum lag bei 72 Prozent, vor allem Araber und Turkmenen in den außerhalb des Autonomiegebietes gelegenen kurdischen Siedlungsgebieten, aber auch viele Kurden, die dem kurdischen Präsidenten Massud Barzani ablehnend gegenüber stehen, hatten die Abstimmung boykottiert.

Europa 1. November 2017

Scheidung auf katalanisch

Dürfen die Katalanen aus dem Spanischen Staat aussteigen?
von Angela Klein

«Ein Dialog auf Augenhöhe über eine Verfassung des Spanischen Staates, der den in ihm wohnenden Völker gleiche Rechte gibt», das ist der Preis des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont, zu dem er auf eine einseitige Unabhängigkeitserklärung verzichten würde. Dass die spanische Verfassung stark reformbedürftig ist, sehen viele Verfassungsrechtler genauso. Madrid aber besteht auf dieser Verfassung und wirft den Katalanen egoistischen Nationalismus vor. Dürfen die Katalanen aus dem Spanischen Staat aussteigen?

Europa 1. November 2017

Unabhängigkeit oder Föderation?

Die Demokratiebewegung in Katalonien steckt in einer strategischen Sackgasse
nach Josep Maria Antentas

Föderation oder Unabhängigkeit? Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die linke Debatte über die Perspektiven für Katalonien. Doch das ist eine falsche Gegenüberstellung.

Globalisierung/Krieg 31. Oktober 2017

Kampf dem Atomtod

Die UNO hat ein weltweites Atomwaffenverbot initiiert
von Manuel Kellner

Im Jahr 1956 verkündete der damalige westdeutsche Verteidigungsminister Franz Josef Strauß (CSU), die Ausrüstung der Bundeswehr mit Atomwaffen sei beschlossene Sache. Dagegen stand 1957 und 1958 eine neue soziale Bewegung auf: «Kampf dem Atomtod», sie gilt als Vorläuferin der Ostermarschbewegung und der Studierendenbewegung der 60er Jahre. Die Bundeswehr wurde nicht mit Atomwaffen ausgerüstet, die Bundesrepublik Deutschland gestattet aber bis heute die Stationierung von US-Atomwaffen auf deutschem Boden. Heute ist höchste Zeit für eine neue Bewegung gegen den Atomtod.

Afrika 31. Oktober 2017

Rendite, Rendite!

Der gefährliche Paradigmenwechsel der deutschen Entwicklungspolitik
von Niema Movassat*

Lassen wir uns durch die Rekordwerte des Entwicklungshaushalts und Deutschlands steigenden Anteil der öffentlichen Ausgaben für Entwicklungszusammenarbeit nicht in die Irre führen: Die deutsche Entwicklungspolitik erlebt derzeit einen Rückschlag nach dem anderen. Nicht nur wird die Entwicklungszusammenarbeit vor den Karren der menschenverachtenden Flucht- und Migrationsabwehr gespannt.

Amerika 31. Oktober 2017

Probleme werden nicht verschwinden, wenn Trump abtritt

Die Bewegung gegen Trump und die Chancen seines Bleibens
Gespräch mit Dianne Feeley

Bevor Irma kam und Trump auf eine etwas weniger egozentrische Kommunikationsschiene hob, ist er in fast jedes Fettnäpfchen getreten, das sich ihm dargeboten hat, zuletzt als er pöbelnde und mordende Nazis gegen Gegendemonstranten in Schutz nahm. Die US-amerikanische Gesellschaft reagiert darauf mit deutlichen Zeichen der Distanzierung und der Abgrenzung. Doch die Republikanische Partei steht hinter ihm, solange Trump ihre neokonservative Agenda durchsetzt und solange sie ihn einigermaßen im Griff hat.

Nur Online 28. Oktober 2017

Österreich nach den Nationalratswahlen

Neoliberale Hegemonie
von Christian Zeller

Die vorgezogene Nationalratswahl vom 15. Oktober brachte eine klare Rechtsverschiebung in der österreichischen Gesellschaft zum Ausdruck. Der junge Außenminister Sebastian Kurz riss im Mai dieses Jahres in einem langfristig angelegten und sorgfältig geplanten Manöver die Führung der ÖVP an sich und ließ die Koalitionsregierung mit der SPÖ platzen. Obwohl seit längerer Zeit klar war, dass die Regierung gescheitert war, erwischte der Bruch der Regierungskoalition den SPÖ Bundeskanzler Kern auf dem falschen Fuß. Kurz schaffte es in kurzer Zeit, die ÖVP neu aufzustellen, sich selber als Kraft der Veränderung und des Aufbruchs darzustellen und die SPÖ als Vertreterin der ungeliebten Politikerkaste alt aussehen zu lassen. 

Nur Online 14. Oktober 2017

Katalonien: Demokratie vs. Ausnahmezustand

Gegen den spanischen Nationalismus

von Jaime Pastor *

 

Nachdem wir es müde geworden sind, harte Anschuldigungen zu hören und zu lesen wie „Aufstand, Aufruhr, Staatsputsch, Nazismus…“,  wo noch die äußerst kriegerische Rede von König Felipe VI hinzu kommt und jetzt auch noch die Finanzoligarchie neben solchen finsteren Veteranen wie Alfonso Guerra der PSOE, scheint eine erneute Steigerung der Repression gegen den sozialen und politischen pro-Souveränitäts- und pro-Unabhängigkeits- Block bevorzustehen.

Nur Online 12. Oktober 2017

„Mein Katalonien“

Historische Kontinuitäten und das Fehlen einer gesellschaftlichen Aufarbeitung stehen hinter dem Konflikt in Katalonien *

Der Konflikt zwischen der spanischen Zentralregierung und der katalanischen Gesellschaft droht nach dem Referendum vom 1.10.2017, das von brutalen Polizeieinsätzen begleitet wurde, weiter zu eskalieren. Zuletzt untersagte das spanische Verfassungsgericht dem katalanischen Parlament, am kommenden Montag zu tagen, wo die Ergebnisse des Unabhängigkeitsreferendums bekannt gegeben werden sollten – und gegebenenfalls die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien verkündet.

Amerika 2. Oktober 2017

Nissan, USA: Selbstgemachte Probleme

Erneut verliert die Autogewerkschaft in den USA den Kampf für ihre Anerkennung in einem Großbetrieb
von Dianne Feeley*

Anfang August steckte die amerikanische Automobilarbeitergewerkschaft UAW (United Automobile Workers) in der Kampagne für ihre Anerkennung als Gewerkschaft am Nissan Standort in Canton, Mississippi, eine desaströse Niederlage ein. 63 Prozent der Belegschaft stimmte mit Nein – 10 Prozent mehr noch als bei Volkswagen in Chattanooga, Tennessee, vor dreieinhalb Jahren. Mehr als die Hälfte der Belegschaft muss in den USA für die Gewerkschaft stimmen, damit sie als gewerkschaftliche Vertretung anerkannt wird.

Afrika 2. Oktober 2017

Die offenen Adern Afrikas

Es tut dem Kontinent nicht gut, dass sich das internationale Großkapital für ihn interessiert
von Klaus Engert

Afrika ist seit kurzem ins Zentrum der geopolitischen Aufmerksamkeit der Industriestaaten gerückt – wegen seiner Bodenschätze, wegen seiner Kriege, wegen seiner Flüchtlinge.

Die weißen Flecken auf der Karte des zweitgrößten Kontinents der Erde sind seit dem 19.Jahrhundert beseitigt, aber die Blutflecken darauf wurden seither immer größer.

Afrika 2. Oktober 2017

Frauen im subsaharischen Afrika

Opfer von Landraub und patriarchalischen Strukturen
von Klaus Engert

Die Wirklichkeit der überwältigenden Mehrheit der Frauen in Afrika ist nach wie vor von ökonomischer wie ideologischer Abhängigkeit in einer männerdominierten Lebenswelt geprägt.

Afrika 2. Oktober 2017

Flucht in Afrika

Wo Flüchtlinge ganze Städte bilden
von Klaus Engert

Die Zahlen über die Verteilung von Flüchtlingen über die Kontinente müssen Europäer immer wieder beschämen…

Als ich im Jahr 1996 in Nordkenia in der Versorgung der Kriegsopfer aus dem Bürgerkrieg im Sudan arbeitete, hatte ich einmal im Monat auch ein Flüchtlingscamp chirurgisch zu betreuen. Es handelte sich um das in der nordkenianischen Steppe, einer der ärmsten Regionen Kenias, im Gebiet der Turkana gelegene, von der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen UNHCR eingerichtete Camp Kakuma.

Afrika 2. Oktober 2017

Diamonds are not forever

Botswanas fragwürdiger Reichtum
von Klaus Engert

Botswana, der Binnenstaat mit Grenzen zu Südafrika, Zimbabwe, Namibia und Zambia, ist ein Paradebeispiel für die positiven wie für die negativen Seiten des Rohstoffreichtums des afrikanischen Kontinents.

Afrika 1. Oktober 2017

Der deutsche Völkermord an den Herero

Bis heute ungesühnt
von Klaus Engert

Die Geschichte Schwarzafrikas ist voll von Kriegen und Massakern an der einheimischen Bevölkerung. Aber die fast völlige Auslöschung eines ganzen Volkes, der Herero, in der damaligen deutschen Kolonie Südwestafrika (heute: Namibia) ist etwas Einmaliges und für Deutschland etwas Besonderes. Das Thema ist ungebrochen aktuell, denn erst jetzt, nach über 100 Jahren, wurde dieser Völkermord endlich offiziell als das anerkannt, was er ist.

Afrika 1. Oktober 2017

Herero und Nama gehören an den Verhandlungstisch

Deutsche Seite tut sich schwer
von Niema Movassat*

Es hätte ein Wendepunkt im Umgang mit der eigenen Kolonialvergangenheit werden können, als sich die Bundesregierung 2015 in Verhandlungen mit der namibischen Seite begab, um den Genozid an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 im damaligen Deutsch-Südwestafrika aufzuarbeiten. Doch der Prozess, ursprünglich angetreten, um Versöhnung zu fördern, ist dabei, alte Wunden aufzureißen und neue Verwerfungen zu schaffen.

Afrika 1. Oktober 2017

Frankreichs Militärmission

Truppen in Afrika
von Bernard Schmid

Mit der Ernennung des neuen Generalstabschefs knüpft Frankreich an ein finsteres Kapitel seiner Vergangenheit an.

Der Herr General war erzürnt: Kurz nach der Militärparade zum französischen Nationalfeiertag, der Truppenshow vom 14.Juli dieses Jahres, trat der Generalstabschef der vier Waffengattungen, Pierre de Villiers, wutentbrannt zurück. Er warf Staatspräsident Emmanuel Macron vor, im Haushaltsjahr 2017 Einsparungen im Rüstungshaushalt vorzunehmen.

Afrika 1. Oktober 2017

Auf unsicheren Füßen

Der deutsch-französische Afrikaplan
dokumentiert

Wenn es darum geht, die Außengrenzen der EU tief in südsaharische Afrika hineinzuschieben, sind sich Merkel und Macron sehr einig.

Es war mal wieder ein neuer Anlauf, um angeblich Frieden im zerrissenen Libyen zu stiften: Am 25.Juli 2017 empfing Frankreichs Staatspräsident Macron in La Celle-Saint Cloud bei Paris den offiziell von der UNO als Chef einer «Einheitsregierung» anerkannten Faiez Sarraj sowie den faktischen Militärherrscher über die Osthälfte Libyens: den «Marschall» Khalifa Haftar.

Asien/Australien 1. Oktober 2017

Myanmar: die Rohingya im Visier

Der Hass der Buddhisten
von Dominik Müller

Selbst der als so friedfertig geltende Buddhismus kann, wie alle Religionen, von Hasspredigern für ihre Zwecke vereinnahmt werden – wie z.Zt. in Myanmar. Dort hatten viele buddhistische Mönche, Angehörige des eher konservativen Theravada-Buddhismus, die Mabatha gegründet, die einflussreiche «Organisation zum Schutz der Rasse und Religion». Ihr Feindbild: Muslime, vor allem die muslimische Minderheit der Rohingya.

Europa 1. Oktober 2017

Walka: Kämpferisch für Polen

Neue Gewerkschaft gegründet
dokumentiert

Die neue Gewerkschaft Walka (www.walka.org.pl) setzt sich für die 30-Stunden-Woche ein.

Da fragen sich diejenigen, die die Situation in Polen etwas kennen: Noch eine Gewerkschaft? Gibt es deren nicht mehr als genug? Dieser Auffassung sind die Gründer der neuen Gewerkschaft nicht.

Asien/Australien 1. Oktober 2017

Russland: Was kommt nach Putin?

Kai Ehlers im Gespräch mit Boris Kagarlitzki
Interview

Mitte Juni demonstrierten erneut Tausende vorwiegend junger Menschen in etwa 200 Städten Russlands gegen die Korruption, gegen Putin, Medwedew und die herrschende Oligarchenschicht. Dazu aufgerufen hatte der bürgerliche Oppositionsführer Alexej Nawalny, der sich selbst als nationalistischer Demokrat versteht. Vorangegangen waren ähnliche Proteste im März, wo die Demonstrationen jedoch teilweise verboten und Demonstranten verhaftet wurden, darunter auch Nawalny selbst.

Amerika 1. Oktober 2017

USA: Linksruck der Democratic Socialists of America

Die „neue“ DSA
von Dan La Botz*

Die sozialistische Bewegung in den USA hat einen Riesenschritt nach vorn geschafft als sich Anfang August rund 700 Delegierte, die rund 25000 Mitglieder der Democratic Socialists of America (DSA) repräsentierten, in Chicago zur zweijährigen Hauptversammlung der Organisation einfanden. Es war die erste Versammlung, seitdem die DSA nach den letztjährigen Wahlen ihre Mitgliedschaft verdreifacht hat.

Globalisierung/Krieg 1. September 2017

G20 ein Erfolg? Nein!

Die urbane Aufstandsbekämpfung hat nichts gebracht
von Peter Erlanson*

Fast hätten sie es geschafft, die Staatenlenker, die doch nur Marionetten ihrer nationalen oder internationalen Kapitalfraktionen sind. Fast wäre der G20-Gipfel in Hamburg ein Erfolg für Merkel und Kapitalismus & Co geworden. Fast…

Globalisierung/Krieg 1. September 2017

G20 – Die Tage von Hamburg

Eine kleine Chronologie
von Christian Haasen

– 2.Juli: Die von Nichtregierungsorganisationen organisierte Protestwelle hatte angekündigt, 50000 Menschen mobilisieren zu können und meinte, damit die Großdemonstration am 8.Juli zu übertreffen. Es kamen aber nur 12000–15000, was deutlich macht, dass dieses Spektrum seine Mobilisierungskraft überschätzt hat und vor allem die Gewerkschaften nicht präsent waren. Politisch hat sich Campact damit ins Abseits gestellt.

Afrika 1. September 2017

Seenotrettung in Gefahr

Wie Europa abgeschottet wird
von Judith Gleitze

Massive Abwehrmassnahmen senken die Ankunftszahlen von Bootsflüchtlingen – mit schrecklichen Folgen.

Anfang August genehmigte der italienische Senat auf Anfrage der Regierung Fayez al-Sarraj die Unterstützung der libyschen Küstenwache mit einem Logistik- und einem Patrouillenschiff. Human Rights Watch kritisierte: «Nach Jahren der Rettung von Leben auf See hilft Italien nun Libyen, obwohl bekannt ist, dass Menschen dort der großen Gefahr von Folter, sexueller Gewalt und Zwangsarbeit ausgesetzt sind.»

Europa 1. September 2017

Hoch-Zeiten für Wucher

Der Anstieg der privaten Verschuldung fördert einen neuen, alten Geschäftszweig: den Wucher
von David Stein

Die fortgesetzte Abwälzung der Krisenlasten auf die unteren Einkommen befördert eine neue Blase: die Kreditkartenblase. Mit unheilvollen Folgen.

Die Aussichten auf den Brexit sind düster. Besonders für die Pauperisierten am unteren Teil der Sozialpyramide in Großbritannien. Die Konsumausgaben im Mai 2017 liegen um 0,8 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Die Verbraucher spüren die Auswirkungen steigender Preise und eines zögerlichen durchschnittlichen Lohnwachstums von 1,7 Prozent.

Afrika 1. September 2017

Luzifer als Dauergast. Hitzewellen machen Nordafrika und Nahen Osten unbewohnbar

Der Einwanderungsdruck wird zunehmen
von Klaus Meier

Der Sommer macht keinen Spaß mehr. Was Klimawandel bedeutet und wie stark er uns schon auf den Pelz rückt, erlebten in diesem Sommer die Länder Südeuropas: Die Hitzewelle Luzifer produzierte Dauertemperaturen über 40 °C und kaum nächtliche ­Abkühlung. In Süditalien wurden zeitweise Temperaturen von 50 °C gemessen, die Bürgermeister haben die Bevölkerung aufgefordert, zu Hause zu bleiben. In Portugal leidet fast das gesamte Land unter der Hitze, das Wasser wird knapp. In Bosnien droht ein großflächiger Stromausfall, in allen südeuropäischen Ländern wüten ausgedehnte Waldbrände. Auch die Landwirtschaft leidet:

Globalisierung/Krieg 1. September 2017

Die Hintergründe der Qatar-Krise

Der Wahlsieg Trumps hat die Karten im Nahen Osten neu gemischt
von Gilbert Achcar

Ein schwelender Konflikt unter den Herrschenden am Persischen Golf hat sich Anfang Juni zu einer offenen Krise entwickelt, als Saudi-Arabien, die Vereinigten Arabischen Emirate, Ägypten und Bahrain den gesamten Land-, Luft- und Schiffsverkehr mit Qatar einstellten und die diplomatischen Beziehungen abbrachen. Um die Kampagne dieser Regierungen zu verstehen, müssen wir hinter Vorwürfe wie den der Terrorismusunterstützung schauen. Solche Vorwürfe verlieren jede Glaubwürdigkeit, wenn sie von Akteuren erhoben werden, die seit Jahrzehnten genau dies tun.

Amerika 1. September 2017

Venezuela zwischen den Fronten

Die gesellschaftliche Polarisierung ist auch Ergebnis der Unzulänglichkeiten von Chávez’ Reformprojekt
von Leo Gabriel

Die meisten Venezolaner sind des teilweise blutigen Machtkampfs zwischen dem amtierenden Präsidenten Nicolás Maduro von der Vereinigten Sozialistischen Partei Venezuelas (PSUV) und dem rechten Parteienbündnis «Tisch der Demokratischen Einheit» (MUD) überdrüssig. Sie wollen eine möglichst baldige politische Lösung des Konflikts.

Asien/Australien 2. Juli 2017

Dunkle Wolken über Asien

In der am meisten exportgetriebenen Region der Welt verlangsamt sich das Exportwachstum
von Martin Hart-Landsberg*

Der Aufstieg Chinas in der Weltwirtschaft hat deren Gesicht verändert. Zwar konzentriert sich der größte Reichtum immer noch in den USA, US-Konzerne dominieren die internationale Wirtschaft, nehmen in allen Wirtschaftssektoren Spitzenpositionen ein. Doch den größten Beitrag zum weltweiten Wachstum des Bruttoinlandsprodukts (BIP) liefert inzwischen China.

Afrika 2. Juli 2017

Berliner Afrika-Konferenz

Die Jagdsaison ist eröffnet
von Thadeus Pato

«Bei der Einladung zu der Konferenz hat sich die … Regierung von der Überzeugung leiten lassen, dass alle eingeladenen Regierungen den Wunsch teilen, den Eingeborenen Afrikas den Anschluss an die Zivilisation zu ermöglichen…»

Das ist kein Zitat aus der Eröffnungsrede für die Berliner «Afrikakonferenz» im Rahmen des G20-Gipfels, der am 12./13.Juni unter dem Vorsitz der Bundesregierung in Hamburg stattfindet, sondern aus der Begrüßung der Teilnehmer der sog. Kongo- oder Westafrikakonferenz von 1884/85 durch Reichskanzler Otto von Bismarck.

Afrika 2. Juli 2017

Deutsche Militärpräsenz in Afrika

Von der Schutztruppe zum NATO-Einsatz
von Klaus Engert

George Bernard Shaw war ein kluger Mann und ein Pazifist. Was er zum Krieg vor beinahe hundert Jahren sagte, ist heute so wahr wie damals: «Es gehört zum Wesen des Krieges, dass seine wirklichen Gründe und Ziele nicht dem entsprechen, was als casus belli proklamiert wird.»

Arbeitswelt 2. Juli 2017

VioMe vor der Entscheidung

Fortbestand durch Zwangsversteigerung bedroht
von Manfred Neugroda

Seit Mai 2011 halten die Arbeiter den Betrieb VioMe im griechischen Thessaloniki besetzt (die SoZ berichtete mehrfach zuletzt in SoZ 3/2016), seit Februar 2013 produzieren sie in Eigenregie und als Arbeiterselbstverwaltung Seifen und Reinigungsmittel, seit letztem Jahr sind sie als Sozialkooperative anerkannt.

Europa 2. Juli 2017

Wer ist Jean-Luc Mélenchon?

Porträt eines linken Populisten
von Pierre Rousset

Vielen, ob hierzulande oder in Frankreich, gilt er als Linker, zwar ein Reformist und auch nicht unbedingt von der appetitlichen Sorte, aber doch ein Strohhalm. Die Entwicklung, die er in der letzten Zeit durchgemacht hat, legt eher nahe, dass man an seinem Beispiel studieren kann, was linker Populismus ist.

Europa 2. Juli 2017

Die Linke zum Sieg führen auf den Trümmern der Parteien?

Theorie und Praxis des Linkspopulismus
von Pierre Rousset

Mélenchon hat eine Nase für das Neue – das ist eine seiner Stärken. Er ist auch ein begabter Kommunikator, was er für sich nutzt bis hin zum Missbrauch. In einer Präsidialdemokratie wie in Frankreich ist das ein Trumpf.

Europa 2. Juli 2017

Wie stoppen wir die Rechten in Europa?

Bericht von ISO-Veranstaltungen in Köln und Berlin
von Angela Klein

Für Olivier Besancenot war es erst das zweite Mal, dass er in Deutschland gesprochen hat, sein erster Weg führte ihn vor drei Jahren nach Berlin – da stand die Veranstaltung der Neuen antikapitalistischen Organisation (NaO) noch unter dem Motto «Die kommenden Aufstände in Südeuropa – was tun?»

De-Globalisierung statt Protektionismus und Freihandel

Neues zu JEFTA, Globalisierung und G20
von Angela Klein

Pünktlich zum Gipfeltreffen der G20 am 7. und 8.Juli hat Greenpeace wesentliche Dokumente des bislang geheim verhandelten Freihandelsabkommens der EU mit Japan veröffentlicht.

Europa 1. Juli 2017

Über die Schwächen linker Globalisierungskritik

«Wir können nicht nur einen Teil des Machtblocks kritisieren»
Gespräch mit Thomas Sablowski

Die G20, das Treffen der 20 ökonomisch wichtigsten Staaten der Welt, wurden 1999 aus der Taufe gehoben, um weltweite Wirtschaftskrisen wie die Asienkrise zwei Jahre zuvor gemeinsam zu bewältigen und in Grenzen zu halten. Während die 1994 gegründete Welthandelsorganisation WTO mit ihrem Ansatz, ein gemeinsames Regelwerk für die Weltwirtschaft zu schaffen, weitgehend stecken geblieben ist, haben die Treffen der G20 keinen verbindlichen Charakter.

Arbeitswelt 1. Juli 2017

Die Verzerrungen der Globalisierung

Die USA dominieren weiter die Weltwirtschaft
von Martin Hart-Landsberg

Die kapitalistische Globalisierung verstärkt nicht nur die soziale und regionale Ungleichheit, sie liefert vom tatsächliche Geschehen auch ein verzerrtes Bild. Früher gab die volkswirtschaftliche Statistik eines Landes Aufschluss über ihre reale Wirtschaftskraft und ihre Postion auf dem Weltmarkt. Heute ist das nicht mehr so.

Nur Online 9. Juni 2017

Hoffnung glimmt auf

Labours Wahlerfolg in Großbritannien

Geiles Ergebnis. Labour ist gelungen, was 1997 Tony Blair gelungen war: ein Zugewinn von 10 Prozentpunkten (bei Blair waren es 9); mit 41% der Stimmen ist Corbyn fast an das Ergebnis der Tories herangekommen (42%). Und das nicht mit einem sozialliberalen, sondern mit einem deutlich linkssozialdemokratischen Programm, das voll darauf gesetzt hat, dass es nicht in erster Linie die Brexit-Frage, sondern die sozialen Fragen sind, die den Leuten unter den Nägeln brennen.

Europa 1. Juni 2017

Frankreich – soziale Polarisierung weit weniger ausgeprägt als die politische

Eine Radiografie der Stimmenverteilung im ersten Wahlgang
von Frédéric Sawicki*

Die Karte der Wahlergebnisse des 1.Wahlgangs der Präsidentschaftswahlen in Frankreich, aufgeschlüsselt nach Départements, zeigt einen gelben Westen/Südwesten (Macron), einen tiefblauen Osten/Nordosten (Le Pen), mit drei hellblauen Einsprengseln für den Konservativen Fillon und zwei roten Flecken für Mélenchon im Südwesten. Paris ist dreigeteilt zwischen Macron, Fillon und Mélenchon. Bei näherer Betrachtung ist das Bild viel differenzierter.

Europa 1. Juni 2017

Die «gute Seite» des Brexit

EUropa will Militärmacht werden
von Jürgen Wagner*

Der Brexit und Trumps Wahlsieg haben die Türen geöffnet für eine neue Qualität der EU: ihren Sprung zu einer Militärmacht mit Weltgeltung. Mit dem Vertrag von Lissabon, dem Grundlagenvertrag der EU, ist das nicht vereinbar. Keine Frage, dass dies auch einen Paradigmenwechsel für die Bundeswehr bedeutet.

Europa 1. Juni 2017

Europa der variablen Geometrie

Eine neoliberale Alternative zum Brexit
von Ingo Schmidt

Die Griechen hatten die Wahl, sich entweder den Spardiktaten aus Brüssel und Berlin zu beugen oder aus dem Euro, vielleicht sogar der EU, zu fliegen. Sie haben sich mehrheitlich für den Verbleib entschieden. Per Referendum stimmte in Großbritannien im Juni letzten Jahres eine knappe Mehrheit für den Austritt aus der EU.

Amerika 1. Juni 2017

Der Sozialismus des 21.Jahrhunderts und seine Perversion

Politische Korruption in Brasilien und Venezuela
von Antonio Moscato*

Es ist schmerzhaft, über die aktuellen Ereignisse in Venezuela mit einer Linken zu diskutieren, die so desorientiert ist wie nie zuvor.

Amerika 1. Juni 2017

Trumps Politik im Nahen Osten

Viel Geld für die Saudis und Deals mit der Türkei
von Harald Etzbach

Gibt es eine neue Trump-Doktrin für den Nahen Osten? Das vielleicht nicht, in jedem Fall aber ist sie brutaler als die seines Vorgängers.

Amerika 1. Juni 2017

Säbelrasseln in Ostasien

Die koreanische Krise birgt die Gefahr einer «unkontrollierten Katastrophe»
von Pierre Rousset

Die bisherigen Bemühungen der USA, Nordkorea am Bau einer Atombombe zu hindern, sind bisher gescheitert. Auf der Militärparade anlässlich des 105.Geburtstags von Kim Il-sung wurde eine Waffe gezeigt, die einer ballistischen Interkontinentalrakete ähnelt.

Im vergangenen Jahr hat Nordkorea zwei Atomwaffentests durchgeführt und in der diesjährigen Neujahrsansprache angekündigt, die Vorbereitungen für den Start einer ballistischen Interkontinentalrakete würden auf Hochtouren laufen.

Europa 1. Juni 2017

Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil XII

Die Ermordung von Andreu Nin…und die Akten des KGB
von Reiner Tosstorff

Im Mai 1937 kommt es zu bewaffneten Kämpfen zwischen der republikanischen Regierung, unterstützt von der KP, auf der einen Seite, Anarchisten und der POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista – Arbeiterpartei der marxistischen Einigung) auf der anderen Seite (siehe SoZ 5/2017). Letztere verloren den Kampf, die Führung der POUM wurde verhaftet, die Partei in die Illegalität getrieben.

Asien/Australien 1. Mai 2017

Das Referendum in der Türkei

Demokratische Wahlen?
von Mehmet Simsek

«Dieses Land hat die demokratischsten Wahlen durchgeführt, wie sie kein einziges Land im Westen je erlebt hat», erklärte der türkische Staatspräsident Erdogan in Ankara nach der Verkündung der knappen Mehrheit für ein Ja im Referendum um die Änderung der türkischen Verfassung. Was er sich unter «demokratisch» vorstellt, demonstrierte er am Umgang vor allem mit der kurdischen Opposition.

Europa 1. Mai 2017

Mélenchon ist ein schlechter Verlierer

Unklare Aussage zur Stichwahl zwischen Macron und Le Pen
von Bernard Schmid

Bei einem Wahlabenddiner am Sonntagabend in Paris sind rund zwanzig Menschen versammelt. Alle sind Juristinnen oder Juristen, fast alle im Arbeitsrecht tätig, z.B. als Anwältinnen – ausschließlich auf Gewerkschafts- oder Beschäftigtenseite – oder als Hochschullehrer. Über die Hälfte hier hat Jean-Luc Mélenchon gewählt, ein Drittel den Sozialdemokraten Benoît Hamon. Eine Minderheit hat Emmanuel Macron im ersten Wahlgang unterstützt, mit dem taktischen Kalkül, Marine Le Pen schon in der ersten Runde auf den zweiten Platz zu verweisen. Einzelne haben Philippe Poutou gewählt, den Kandidaten der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA).

Europa 1. Mai 2017

Der 1. Wahlgang der Präsidentschaftswahlen in Frankreich

«Ausdruck einer tiefen politischen Krise»
von Philippe Poutou

Erklärung des Kandidaten der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA)

Wir bedanken uns natürlich zuerst bei allen Wählerinnen und Wählern, die für uns gestimmt haben. Mit ihrer Wahl wollten sie die Ablehnung eines Systems zum Ausdruck bringen, dessen Berufspolitiker in vielen Fällen korrupt sind und dafür sorgen, dass die Macht in diesem Land weiterhin von den Kapitalisten und Bänkern ausgeübt wird. Sie wollten bekräftigen, dass eine wirkliche Veränderung nur mit Mobilisierungen von unten und im Bruch mit diesem System kommen kann.

Europa 1. Mai 2017

Frankreich: «Die berechtigte Empörung in die antikapitalistische Richtung lenken»

Über die Präsidentschaftswahlen in Frankreich, die Kampagne der NPA und den Kampf gegen Rechts
Gespräch mit Olivier Besancenot

Olivier Besancenot ist zusammen mit Christine Poupin, Armelle Pertus und dem Präsidentschaftskandidaten Philippe Poutou Sprecher der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) in Frankreich. 1974 geboren, war er zunächst in SOS Racisme und in der JCR, der Jugendorganisation der Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR), der Sektion der IV. Internationale in Frankreich, aktiv. Obgleich er studierter Historiker ist, arbeitet er seit 1997 als Postbote. Im Jahr 2002 war er Präsidentschaftskandidat der LCR und holte überraschend 1,2 Millionen Stimmen (4,3%).

Arbeitskämpfe 1. Mai 2017

Trucker-Streik in Russland

Totgeschwiegen
von labournet.de

Seit dem 27.März 2017 befinden sich russische Lkw-Fahrer in einem unbefristeten Streik gegen das Mautsystem «Platon», weil es die zu 80 Prozent selbstfahrenden Unternehmer in ihrer Existenz bedroht – zugunsten der großen Logistikfirmen. Ihr gewerkschaftsähnlicher Zusammenschluss heißt OPR, etwa 10000 Fuhrleute sind darin organisiert.

Arbeitswelt 1. Mai 2017

Polen: Die Sozialpolitik der PiS

Wie die autoritäre Rechtsregierung Kinder aus der Armut befreit
von Ewa Groszewska*

Rechtsextreme Regierungen setzen  häufig ein radikalliberales Wirtschaftsprogramm durch – aber sie können auch anders. Das zeigt das Beispiel der regierenden Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) in Polen.

Europa 1. Mai 2017

EWF statt IWF?

Die Eurozone soll einen Europäischen Währungsfonds bekommen
von Angela Klein

Finanzminister Schäuble hat sich bei Angela Merkel durchgesetzt: Die Eurozone soll einen Europäischen Währungsfonds bekommen, der anstelle des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Fall von Staatsüberschuldung und Finanzkrisen einspringt.

Amerika 1. Mai 2017

Donald Trump und Russland

Die Glücksritter der wilden Neunziger
von Paul B. Kleiser

Donald Trump ist nicht nur ein politischer Abenteurer, er ist Berichten zufolge auch ein Vertreter der wilden Spekulantenhorde, die für den Finanzcrash von 2007/2008 verantwortlich ist.

Selbst seriöse Publikationen wie die New York Times berichteten noch vor kurzem, zwischen den USA und Russland bahnten sich unter Präsident Trump verbesserte Beziehungen an. CNN behauptete sogar, die beiden Männer Putin und Trump würden eine echte Männerfreundschaft entwickeln und eine Achse Washington–Moskau aufbauen.

Operation Euphrat fehlgeschlagen

Die Türkei scheiterte beim Versuch, die kurdische YPG von der Schlacht um Raqqa auszuschließen
von Serdar Kazak*

Nach dem Abschuss eines russischen Kampfflugzeugs durch die Türkei am 24.November 2015 marschierten Anfang Dezember 2015 türkische Truppen in Nordirak ein. Im Rahmen dieser Militäroffensive drangen türkische Truppen am 24.August 2016 auch auf syrisches Gebiet vor und besetzten das vom IS verlassene Dscharabulus. Hauptziel der Offensive war, dem Vormarsch kurdischer Truppen gegen den IS entlang der türkischen Grenze zuvorzukommen und einen Zusammenschluss mit Truppen aus Rojava zu verhindern.

Freiheit und Würde

Palästinensische Gefangene protestieren mit einem Hungerstreik gegen ihre Haftbedingungen
von Ahmad Jaradat*

Palästinenser organisieren derzeit zahlreiche Massendemonstrationen in Solidarität mit ihren Landsleuten, die in den israelischen Gefängnissen in einen unbefristeten Hungerstreik getreten sind.

Am ersten Tag des Hungerstreiks für Freiheit und Würde, am 17.April, dem palästinensischen Tag der Gefangenen, verweigerten 1600 Gefangene die Nahrungsmittelaufnahme.

Europa 1. Mai 2017

Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil XI

Bürgerkrieg im Bürgerkrieg: Die Mai-Tage 1937 in Barcelona
von Reiner Tosstorff

Vor 80 Jahren, vom 3. bis zum 7.Mai 1937, kam es in Barcelona zu bewaffneten Auseinandersetzungen innerhalb des republikanischen Lagers: zwischen den Anarchisten und der antistalinistischen POUM (Arbeiterpartei der marxistischen Einigung) einerseits und der PCE (Kommunistische Partei Spaniens) und der katalanischen Regierung andererseits. Dieser «Bürgerkrieg im Bürgerkrieg» ist vor allem durch den Erlebnisbericht bekannt geworden, den der englische Schriftsteller George Orwell in seinem Buch Mein Katalonien davon gegeben hat.

Nur Online 12. April 2017

„Die berechtigte Empörung in die antikapitalistische Richtung lenken“

 

Olivier Besancenot zu den Präsidentschaftswahlen in Frankreich, zur Kampagne der NPA und zum Kampf gegen Rechts *

Am 23. April läuft in Frankreich der erste Wahlgang der Präsidentschaftswahlen. Was ist das Profil der aussichtsreichsten KandidatInnen und warum sind viele von ihnen nicht von den seit langer Zeit bestehenden großen Parteien aufgestellt worden?

Asien/Australien 1. April 2017

Soll er oder soll er nicht?

Türkischer Wahlkampf in Deutschland
von Angela Klein

Am Ende hat Erdogan einen halben Rückzieher gemacht und seine Minister nicht mehr auf Wahlkampftournee geschickt: die bürokratischen Hürden, Zeit- und Gesichtsverlust wären hoch gewesen und die Zeit lief ihm davon. Am 27.März hat der Wahlgang für das Referendum begonnen. Außerdem war ruchbar geworden, dass das türkische Wahlgesetz selber einen Wahlkampf im Ausland nicht zulässt.

Europa 1. April 2017

Niederlande: Rechtsruck bei den Wahlen

Die Wahlgewinner auf der Linken
von Alex de Jong*

Wie erwartet, brachten die Wahlen in den Niederlanden einen Rechtsruck – doch nicht in der erwarteten Weise.

Am spektakulärsten ist der Zusammenbruch der sozialdemokratischen PvdA. Ihre Verluste waren noch größer als erwartet – die Partei übertraf ihren eigenen Rekord aus dem Jahr 2002 und erlitt die größte Wahlniederlage in der Geschichte der Niederlande –, doch eine richtige Überraschung war das nicht.

Europa 1. April 2017

Wahlen in den Niederlanden

Kurze Wahlanalyse
von Christiano Dan/Red.

Die scheidende Regierung – eine Allianz aus der rechtsliberalen VVD (Volkspartei für Freiheit und Demokratie) und der sozialdemokratischen PvdA (Partei der Arbeit) – hat eine massive Niederlage erlitten: 2012 waren beide Parteien zusammen auf 51,5% der Stimmen gekommen, 2017 sind es nur noch 27% – ein Verlust von 24,5 Prozentpunkten, also fast eine Halbierung: von 79 Sitzen auf nunmehr 42.

Thema Geldwäsche

Infos zur Definition und zum Stellenwert
dokumentiert

Was ist Geldwäsche?

Vereinfacht ausgedrückt ist Geldwäsche die Umwandlung von kriminell erworbenem Geld in «sauberes Geld», damit es von staatlichen Stellen nicht aufgespürt und konfisziert werden kann.

Europa 1. April 2017

Rumänien: Korruption?

Alles Schuld der Armen…
von Cristiano Dan

Die Mobilisierungen der ersten Februarwochen waren die bedeutendsten in Rumänien seit fast drei Jahrzehnten, als 1989 das Ceaucescu-Regime gestürzt wurde. War das ein vorzeitiger «rumänischer Frühling»?

Korruption ist in Rumänien weit verbreitet und sie gehört bekämpft – gleichgültig ob man sie als «Degeneration» des kapitalistischen Systems begreift (wie die Liberaldemokraten) oder als ihm systemimmanent.

Europa 1. April 2017

Griechenland 1967

Vor 50 Jahren putschten die Obristen
von Paul B. Kleiser

Am 21.April 1967 putschte eine Gruppe niederrangiger Offiziere der griechischen Armee gegen die demokratisch gewählte Regierung der Zentrumsunion von Giorgos Papandreou und etablierte ein sieben Jahre währendes Terrorregime. Bis zu 80000 politische Gefangene wurden gemacht und teilweise auf kahle Inseln deportiert. Wie konnte es 18 Jahre nach dem Ende des blutigen Bürgerkriegs zu diesem Staatsstreich kommen?

Afrika 1. April 2017

Tom Burgis: Der Fluch des Reichtums. Warlords, Konzerne, Schmuggler und die Plünderung Afrikas

Frankfurt am Main: Westend, 2016. 351 S., 24 Euro
von Paul B. Kleiser

Im vergangenen Jahr sind über 5000 Menschen beim Versuch ertrunken, aus Afrika über das Mittelmeer nach Europa zu gelangen. Auf die Flüchtlingsbewegungen reagieren die Europäer mit immer brutaleren Methoden der Abschottung.

Asien/Australien 1. April 2017

100 Jahre russische Revolution, Teil 2

Februarrevolution und Aprilthesen
von Manuel Kellner

Der Sturz der Kapitalherrschaft durch Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte hat viele spätere antikapitalistische Bewegungen beflügelt. Die bürokratische Diktatur diskreditierte jedoch die sozialistische Idee. 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bleibt – 100 Jahre nach der Oktoberrevolution?*

Nur Online 2. März 2017

Podemos nach Vistalegre 2

Regierungspartei im Wartestand?

von Klaus Dräger

Die spanische linkspopulistische Partei Podemos (‚Wir können es‘) hielt am Wochenende vom 11. und 12. Februar 2017 in der Madrider Stierkampfarena Vistalegre ihre zweite ’nationale Bürgerversammlung‘ (Asamblea Ciudadana) ab. Zwischen der Gründungskonferenz von Podemos im Oktober 2014 (Vistalegre 1) und diesem Kongress liegen mehr als zwei bewegte Jahre, in denen die junge politische Kraft mit einer zentralistischen Durchbruch-Strategie stärkste Partei werden und die Regierungsmacht in Spanien erobern wollte.

Amerika 1. März 2017

Trump macht nicht nur «Zicken»

Ernste Risiken für Weltfrieden und Klima
von Daniel Tanuro

Trump hat ein Projekt: Er will die USA führen, wie man ein Großunternehmen führt, aus ihr eine Festung des «christlich-jüdischen Kapitalismus» machen, sie radikal umstrukturieren, um sie wieder zum unangefochtenen Welthegemon zu machen. Keine Schonfrist für das Personal, Brutalität gegenüber den Konkurrenten, Ignoranz gegenüber der äußeren Umwelt – mit solchem Verhalten überträgt er sein privates Geschäftsgebaren auf die Gesellschaft.

Amerika 1. März 2017

Vom Women’s March zum Internationalen Frauenstreik

Voraussetzungen und Folgen der größten Mobilisierung in der Geschichte der USA
von Cinzia Arruzza

Die Organisatorinnen des Women’s March auf Washington erwarteten eine große Beteiligung, doch die fast 3 Millionen Menschen, die im ganzen Land und in einer Reihe von Städten auf der ganzen Welt auf die Straßen strömten, übertrafen selbst die optimistischsten Erwartungen und waren für Donald Trump eine richtige Blamage.

Landraub an den Palästinensern für legal erklärt

Siedler drohen mit finalem Angriff auf das Westjordanland
von Sergio Yahni*

Anfang Februar beschloss das israelische Parlament das sog. Legalisierungsgesetz (Regularization Bill) mit 62 gegen 52 Stimmen. Dieses Gesetz ermächtigt die israelische Regierung, privaten palästinensischen Grund und Boden in der Westbank, auf dem bislang illegal jüdische Siedlungen errichtet wurden, nachträglich zu enteignen. Die palästinensischen Eigentümer bleiben nominell Eigentümer, die Nutzung ihres Bodens ist ihnen damit aber verwehrt, sie müssen eine finanzielle Entschädigung durch den Staat akzeptieren.

Arbeitskämpfe 1. März 2017

Streiks von Migranten erfordern Wagemut

Über den «Tag ohne uns», seine Vorgeschichte und seine Lehren
Gespräch mit Valery Alzaga

«Fünfeinhalb Millionen geborene Briten leben als Migranten außerhalb des Landes, viele britische Staatsbürger sind Kinder von Migranten, und viele gebürtige Ausländer nennen Großbritannien ihre Heimat. Weltweit gibt es über 100 Millionen Migranten. Migration ist ein selbstverständlicher Teil ein jeder Gesellschaft. Deshalb müssen die Migranten bleiben.»

Flucht/Migration 1. März 2017

«50 aus Idomeni»

Kommunale Initiativen fordern die Aufnahme von Geflüchteten aus Griechenland
von Stefan Wilker*

Damit die Bundesregierung ihren Verpflichtungen zur Aufnahme von Flüchtlingen aus EU-Programmen nachkommt, braucht es politischen Druck von unten. Eine Initiative aus Osnabrück macht vor, wie es gehen kann.

Als im Frühjahr 2016 die Balkanroute geschlossen wurde, saßen plötzlich zehntausende Flüchtlinge in Griechenland fest.

Scheinriese G20

Keine Einigkeit bei der Regulierung von Finanztechnologieunternehmen
von David Stein

Deutschland hat in diesem Jahr den Vorsitz in den G20. Das Thema Digitalisierung und deren Gestaltung soll eines der finanzpolitischen Schwerpunkte der deutschen G20-Präsidentschaft sein.

Amerika 1. März 2017

Chicago, USA: Widerstand im Zeitalter von Trump

Eine Stadt am Rustbelt auf den Beinen gegen Trump
von Gönül Düzer*

Chicago ist bekannt als eine Stadt des Widerstands – in vielen Bereichen: Arbeiterrechte, Rechte der Schwarzen, Widerstand gegen Polizeigewalt, Kampf um die Rechte der Frauen und Homosexuellen. Hier will ich auf die Proteste gegen Präsident Trump eingehen. Ich werde nicht alle Kritik erwähnen, nur einige davon benennen. Ich will zeigen, wie Widerstand sich in Chicago anfühlt und wie er aussieht. Dabei greife ich auf meine eigenen Notizen und Erinnerungen an Protestaktionen zurück.

Amerika 1. März 2017

Mexiko: Gegen Trump und gegen Nieto

Erstmals seit langem scheint wieder eine Linkswende möglich
von Leo Gabriel

Die hiesigen Massenmedien haben die Proteste vom 13.Februar als Schulterschluss der Bevölkerung mit der mexikanischen Regierung interpretiert. Dem ist mitnichten so.

Wer dieser Tage das Land der Azteken bereist, wird bemerken, dass bei den meisten Bürgern der Geduldsfaden zum Zerreißen gespannt ist.

Amerika 1. März 2017

Philippinen: «America first» hat fürchterliche Folgen

Auswirkungen von Trumps Politik
Interview mit Richard Solis*

Welche Folgen wird die Präsidentschaft von Trump für die Philippinen haben?
Der Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA wird für unser Land dramatische Folgen haben, insbesondere Trumps Politik gegenüber den Migranten. Das Geld, das diese Menschen ihren Angehörigen in den Philippinen schicken, macht 65% des gesamten Devisenflusses in die Philippinen aus.

Amerika 1. März 2017

Donald Trump – Totengräber der Globalisierung?

Ökonomischer Nationalismus keine Alternative
von Ingo Schmidt

Er kann einem fast leid tun. Will Amerika groß machen, verspricht aber dessen Abschottung. Trumps Vorgänger haben Amerikas Größe stets auf dessen ­Offenheit zurückgeführt.

Protektionismus ist keine Lösung

Löst Donald Trump einen Autokrieg aus?
von Stephan Krull

Der Automobilindustrie droht Ungemach, der US-amerikanischen wie der europäischen. Nicht nur wegen der Drohung des neuen US-Präsidenten, hohe Zölle auf Einfuhren zu erheben. Sondern auch, weil der Weltmarkt übersättigt und der ölgetriebene Privat-Pkw eh ein Auslaufmodell ist.

Wachstum, Wachstum über alles – so lautet der Zwang der kapitalistischen Ökonomie, das gilt natürlich auch für die Welt-Automobilbranche.

Gesellschaft 1. März 2017

Rechte für alle!

Eine Kampagne des Alter Summit
dokumentiert

Der Alter Summit ist ein europäisches Netzwerk von Gewerkschaften, sozialen Bewegungen und NGOs. Im vergangenen November hat es eine Kampagne zum Thema «Rechte für alle!» beschlossen. Die wurde nun auf dem Folgetreffen im Februar konkretisiert.

Schnee von Morgen

Über die Grundlagen der Zusammenarbeit zwischen Kurden und der syrischen Regierung
von Serdar Kazak*

Der «Fall» oder die «Befreiung» von Aleppo liegt nun mehr als einen Monat zurück. In unserer schnelllebigen Gegenwart ist das eine lange Zeit. Es ist schon der Schnee von gestern. Doch die Reaktionen der Genossinnen und Genossen sowohl in der Türkei als auch in Deutschland waren sehr emotional und unsachlich. Mit etwas Distanz lassen sich die Ereignisse besser analysieren.

Europa 1. März 2017

Zweierlei Sozialdemokratie

Französische Linke vor den Präsidentschaftswahlen
von Bernard Schmid

Ziemlich überraschend hat die französische Sozialdemokratie mit dem Erbe der Regierungsjahre des Noch-Präsidenten François Hollande und seines Premierministers Manuel Valls gebrochen.

Valls hat am 29.Januar die zweite Runde der Vorwahl um die Präsidentschaftskandidatur der Sozialistischen Partei (PS) verloren.

Afrika 1. März 2017

Machtwechsel in Gambia

Manchmal kommt es anders…
von Bernard Schmid

Ursprünglich galt die Präsidentschaftswahl vom 1.Dezember 2016 im westafrikanischen Gambia als abgekartetes Spiel. Nur der seit 1994 autokratisch regierende Präsident Yayha Jammeh könne gewinnen.

Europa 1. März 2017

War Lech Walesa ein Spitzel?

Hetzkampagnen in Polen
von Norbert Kollenda

Die Witwe von General Kiszczak bot vor einem Jahr dem Institut des Nationalen Gedenkens, IPN, das für die Aufarbeitung der Geheimdienstdokumente zuständig ist, für 90000 Zloty Papiere aus dem Nachlass ihres Mannes an, der bis 1990 Innenminister war. Der IPN-Vorsitzende, Lukasz Kaminski, übergab die Dokumente in Sache «Bolek» im Eiltempo der Öffentlichkeit. Weder Historiker noch Grafologen konnten vorher ihre Echtheit überprüfen.

Europa 1. März 2017

Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil X

Die KP als Totengräber der Revolution
von Paul Michel

Nach den Wahlen am 17.Februar 1936 bekam die Kommunistische Partei Spaniens (Partido Comunista de España – PCE) einen deutlichen Mitgliederzuwachs. Er beschleunigte sich noch einmal in den Monaten nach Francos Putsch. Zur Jahreswende 1936/37 war die PCE die dominierende Kraft im republikanischen Lager, und sie nutzte diese Machtposition, um ihre Vorstellungen anderen Kräften aufzuzwingen.

Asien/Australien 1. März 2017

Serie: 100 Jahre russische Revolution, Teil 1

Die Revolution von 1905
von Manuel Kellner

1917–2017 · Was bleibt?
Revolutionäre haben ihren eigenen Kalender. Lange Zeit bezogen sie sich auf die französischen Revolutionen von 1789, 1830 und 1848. Die Monate der Pariser Kommune von 1871 galten ihnen 34 Jahre lang als grundlegende Erfahrung. Erst die russische Revolution von 1905 gab der strategischen Debatte der sozialistischen Linken neue Impulse. Zwölf Jahre später brach die russische Revolution wieder aus

Amerika 1. Februar 2017

Die Opposition begrüßt Donald Trump

«Wir übernahmen die Stadt» – Ein Augenzeugenbericht
von David Richardson*

Freitag, Tag der Amtseinführung

Ich wohne drei Straßen südlich und drei Straßen östlich von der Kuppel des Kapitols, knapp außerhalb des Areals, das am 20.Januar, dem Tag der Amtseinführung von Donald Trump, unter strenger Polizeikontrolle war. Als ich aus dem Fenster sah, sah ich nicht einen Fußgänger, ich wusste, dass Trumps Unterstützer nicht so zahlreich erschienen waren.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2017

Im Dreiklang gegen den G20

Das Treffen der führenden Industriestaaten findet dieses Jahr in Hamburg statt
von Florian Osuch

Globalisierungskritiker bereiten sich auf das geplante Gipfeltreffen vor. Die Stadt reagiert mit Gefängnisbau.

Im Juli 2017 findet in Hamburg ein Gipfel der G20-Staaten statt.

Amerika 1. Februar 2017

Bald Streik bei VW in Chattanooga?

In den USA will VW die Gewerkschaft nicht anerkennen
von Chris Brooks

VW USA gilt unter den ausländischen Automobilfirmen als das Unternehmen mit den brutalsten Arbeitsbedingungen. Seit Jahren kämpft die Gewerkschaft der Automobilarbeiter (UAW) deshalb für ihre Anerkennung im Betrieb.

Europa 1. Februar 2017

Italien nach dem Referendum

Chronik einer aufgeschobenen Krise
von Ingo Schmidt

Auch in Italien hat die EZB versucht, die politischen Verhältnisse in ihrem Sinne zu stabilisieren – und ist damit bislang gescheitert.

Europa 1. Februar 2017

Eine Kapitulation wie in Griechenland vermeiden!

Zehn Vorschläge für eine Machtübernahme durch das Volk
von Eric Toussaint*

Griechenland steht nicht mehr im Zentrum der EU-Krise, die heißen Debatten darum, welche Maßnahmen die Regierung SYRIZA ergreifen müsste, um sich gegen die Troika zu behaupten, sind abgeklungen, und selbst die Griechenlandsolidarität ist auf den kleinen Kreis derer geschrumpft, die kontinuierlich an konkreten Projekten arbeiten. Zu den letzteren zählt vor allem die Unterstützung des Kampfes gegen die Wasserprivatisierung in Griechenland.

Europa 1. Februar 2017

Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil IX

Die Regierung Largo Caballero und der Wiederaufbau des Staatsapparats
von Paul Michel

Der Spanische Bürgerkrieg 1936–1939 war die letzte Chance, dem endgültigen Sieg des Faschismus in Europa noch einmal etwas entgegenzusetzen und den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. In der Linken ist der Streit über die Verantwortung für die Niederlage der antifaschistischen Kräfte bis heute stark umstritten. Grund genug für diese Zeitung, die politische und soziale Entwicklung in jenen Jahren noch einmal nachzuzeichnen.*

Afrika 1. Februar 2017

Kolonien ein Randthema?

Das DHM und die deutsche koloniale Vergangenheit
von Angela Klein

Im Jahr 2009, mitten in den Wirren der Finanzkrise, starteten einige entwicklungspolitische Gruppen und Einzelpersonen einen Kampagnenaufruf «125 Jahre Berliner Afrika-Konferenz – erinnern – aufarbeiten – wiedergutmachen», mit dem sie um Aufmerksamkeit für die koloniale Vergangenheit Deutschlands warben.

Afrika 1. Februar 2017

Deutscher Kolonialismus – eine Ausstellung in Berlin

Versuch einer Aufarbeitung
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Das Deutsche Reich gehörte von 1884 bis 1919 zu den großen Kolonialmächten – über 35 Jahre lang. Umso erstaunlicher ist es, dass es im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin, das sich als Ort der «Vermittlung von Geschichte» versteht, «kaum Hinweise auf Deutschlands Kolonialgeschichte» gibt, wie schon vor Jahren eine Gruppe junger Historikerinnen kritisierte.

Nur Online 31. Januar 2017

Wären es doch nur Propaganda-Lügen!

Mörderische Geostrategie Linke tun sich schwer, den syrischen Aufstand gegen das Assad-Regime wahrzunehmen
von Freitag-Community-Mitglied Sophia Deeg*

In den Äußerungen solcher Progressiven kommen die Aufständischen ausschließlich vor als „Islamisten, die ein Kalifat anstreben“- so letzthin im Freitag in Bezug auf Aleppo nachzulesen(1), ungeachtet der vielfach dokumentierten Tatsache, dass die so Geschmähten bereits 2014 einen zweiten Aufstand ausriefen – den gegen Daesh.(2)

Nur Online 18. Januar 2017

Angesichts der Massaker in Aleppo:

Brief an einen „Genossen“, der darauf besteht, das nicht zu Rechtfertigende zu rechtfertigen*

von Julien Salingue

 Genosse”,

Seit ein paar Wochen nehme ich mir vor, Dir zu schreiben. Die tragischen Ereignisse von Aleppo und Deine Reaktion oder manchmal auch Nicht-Reaktion darauf haben mich überzeugt, dass es so weit ist: Ich muss mich an Dich wenden; nicht unbedingt, um Dich zu überzeugen, denn ich fürchte, dafür ist es leider schon zu spät. Aber um die Dinge wenigstens ausgesprochen zu haben, so dass du später nicht sagen kannst, Du habest es nicht gewusst.

Europa 9. Januar 2017

Personenfreizügigkeit und neoliberale EU

von Klaus Dräger

Die Begrenzung der Zuwanderung aus osteuropäischen EU-Staaten spielte eine zentrale Rolle in der offiziellen Kampagne der Befürworter eines Austritts Großbritanniens aus der EU.

Dies galt erst recht für die fremdenfeindliche Stimmungsmache der rechtspopulistischen UK Independence Party (UKIP) zum Brexit.  33 Prozent derjenigen, die für den Brexit stimmten, gaben als wichtigsten Grund für ihre Entscheidung an, dass ein Austritt Großbritanniens aus der EU die „beste Chance eröffne, die Kontrolle über die Grenzen des Landes und die Zuwanderung wieder zu gewinnen.“ Die rechte Leave-Kampagne hat somit tiefe Spuren im politischen Klima Großbritanniens hinterlassen – keine Frage.  Für die überwiegende Mehrheit der für den Brexit Stimmenden – die übrigen 67 Prozent – waren aber andere Themen und Motive offenbar maßgeblicher. (1)

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2017

Teile und herrsche

Der Fall Ost-Aleppos
von Angela Klein und Manuel Kellner

«Wir werden wiederkommen, oh Liebe.» Auf den Ruinen dessen, was einmal Aleppo war, hinterlassen Kämpfer für ein demokratisches Syrien einen letzten Gruß, bevor sie in die lange Kolonne grüner Busse steigen, die sie in ein Niemandsland westlich von Aleppo bringen wird. Unterzeichnet: 15.12.2016. Eine Liebeserklärung unter vielen anderen an diese Stadt, die einmal ein Zentrum gesellschaftlicher, musikalischer und kulinarischer Hochkultur war. Diese Stadt gibt es nicht mehr, nicht nur ihre Häuser, auch ihr soziales Gefüge ist zerstört.

Flucht/Migration 1. Januar 2017

Wer Geld hat, darf einreisen

Über die libanesische Flüchtlingspolitik
Gespräch mit Elissa Shamma

Der Sommer 2015, der Sommer der großen Fluchtbewegung, kam für die europäischen Regierungen alles andere als überraschend. Er war nämlich eine Folge dessen, dass die libanesische Regierung für Syrer, die vor dem Assad-Regime flohen, die Grenzen dichtmachte. Libanon war die erste Station der Flüchtlinge gewesen. Die sog. inernationale Gemeinschaft trifft eine große Mitverantwortung für die Lage, in die die Flüchtlinge dadurch gebracht wurden – und für die politischen Konsequenzen, die sich daraus vor allem in der EU daraus ergaben.

Arbeitswelt 1. Januar 2017

Polen: Barbara Rosolowska braucht unsere Solidarität

Gerichtsprozess gegen Scheinselbständigkeit
von Peter Nowak

Die Zahl der polnischen Carebeschäftigten, also der im Gesundheitsbereich Tätigen in Deutschland wächst. Schließlich ist das Lohngefälle zwischen beiden Ländern groß.

Auch die Hebamme Barbara Rosolowska könnte mit dem Zug aus ihrem westpolnischen Wohnort in knapp 80 Minuten in Berlin sein. Doch sie nimmt eine deutlich schlechtere Zugverbindung und einen dreimal geringeren Lohn in Kauf und arbeitet weiter im polnischen Gorzów.

Amerika 1. Januar 2017

Donald Trump: Die personifizierte Sackgasse

Vergiftetes gesellschaftliches Klima und kein mehrheitsfähiger Konsens sichtbar
von Ingo Schmidt

Rückblende 2008: Mit dem Versprechen von Wandel und Versöhnung gewinnt Barack Obama zuerst das parteiinterne Rennen um die Kandidatur zur Präsidentschaftswahl gegen Hillary Clinton und schlägt sodann, bei einem leichten Anstieg der Wahlbeteiligung auf 58,2%, den republikanischen Kandidaten John McCain mit 69,5 gegenüber 60 Millionen Stimmen.

Amerika 1. Januar 2017

Die Fallstricke des Anti-Trumpismus

Was aus den Fehlern der Opposition gegen Berlusconi zu lernen ist
von Cinzia Arruzza*

Während der US-Präsidentschaftswahlkampagne wimmelte es von Vergleichen zwischen Donald Trump und dem früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Sie sind in der Tat nicht unbegründet.

Bewegung 1. Januar 2017

Gleiche Rechte für alle!

Europäisches Netzwerk sozialer Bewegungen will Aufstieg der Rechten mit grenzübergreifender Kampagne für gleiche soziale Rechte für alle beantworten
von Angela Klein

Während die Linke darüber diskutiert, ob man aus der EU aussteigen soll oder nicht, suchen soziale Bewegungen einen Ausweg aus Sparpolitik und Fremdenfeindlichkeit im Kampf für gleiche soziale Rechte.

Arbeitswelt 1. Januar 2017

Mit der Bindung an die KP ist auch die Identität verloren gegangen

Didier Eribon über den Erfolg des Front National in der Arbeiterschaft
von Paul B. Kleiser

Didier Eribon: Rückkehr nach Reims. Berlin: Suhrkamp, 2015. 238 S., 18 Euro

Dieses Buch des französischen, an der Universität Amiens lehrenden Soziologen Didier Eribon wurde bereits 2009 veröffentlicht, ist aber erst im vergangenen Jahr auf deutsch erschienen. Es hat hierzulande, vor allem in linken Kreisen, eher mehr Aufmerksamkeit gefunden als in Frankreich.

Europa 1. Januar 2017

Italien sagt Nein zu Renzis Verfassungsreform

Die autoritäre Wende ging daneben
von Cinzia Arruzza

Ginge es nach dem Medienecho, könnte man meinen, das Ergebnis des italienischen Referendums vom 4. Dezember sei ein weiterer Sieg der Rechtspopulisten über die Demokratie. Tatsächlich ist der Sieg des Nein ein Sieg der Demokratie und muss als Sieg für die Verteidigung der sozialen Rechte gefeiert werden.

Europa 1. Januar 2017

Italien: Die Verfassung von 1948

Warum die Bourgeoisie sie los werden will
von Franco Turigliatto*

In den Wochen der Auseinandersetzungen um die Verfassungsreform der Regierung Renzi nahmen Linke sehr unterschiedliche Haltungen zur italienischen Verfassung ein. Die CUB-Gewerkschaften etwa wollten die Ablehnung dieser Reform gar nicht in ihre Agenda für den Herbst aufnehmen – was sie dann glücklicherweise korrigiert haben. Andere wiederum waren scharfe Gegner von Renzis Reform,

Europa 1. Januar 2017

Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil VIII

Francos Weg zum Caudillostaat
von Paul Michel

An die 100000 Menschen wurden im Verlauf der drei Jahre Bürgerkrieg in der «nationalistischen Zone» umgebracht. Sie fielen nicht militärischen Auseinandersetzungen, sondern dem gezielten Terror der nationalistischen Machthaber zum Opfer, 50–70% von ihnen wurden zwischen Juli und September 1936 ermordet.

Amerika 1. Januar 2017

Das Lebenswerk von Fidel Castro

Unbeugsam im Widerstand gegen den US-Imperialismus
von Dave Kellaway

Bilder von Fidel füllten über Jahrzehnte die Wochenschauen: abgerissen und besiegt nach der blutigen Attacke auf die Moncadakaserne; im feinen Anzug als freier Mann beim Gang aus dem Gefängnis ins Exil; bei einem Interview mit einem US-Journalisten 1958 in einem Versteck in den Bergen; beim triumphalen Einmarsch mit Che, Cienfuegos und den anderen jungen bärtigen Kriegern in Havanna;

Nur Online 30. Dezember 2016

Ja oder Nein? Entschieden Nein!

Der Ausgang des Verfassungsreferendums in Italien
von Diego Giachetti*

In den vergangenen Monaten hat Italien die massivste und längste Wahlkampagne in der Geschichte der Republik erlebt, höchstpersönlich angeführt vom Chef der Regierung, „unserem“ Matteo Renzi, ein echter Scharlatan der Politik im Dienst der Interessen der Bourgeoisie. Aufgrund seines egozentrischen Charakters, fortgerissen vom Rausch des Erfolgs, hat er sich entschlossen, mit dem Referendum alles auf eine Karte zu setzen.

Asien/Australien 13. Dezember 2016

Massenproteste in Südkorea

Koreanische Gewerkschaften fordern: Park muss weg und ihre Politik mit ihr
von Helmut Weiss

12. November 2016 in Südkorea (und keineswegs nur in Seoul): Es war einer jener Tage, die man lange nicht vergisst – eine jener Demonstrationen, deren Anfang und Ende unbestimmbar bleiben, weil sie überall ist: Erstmals seit langer Zeit musste die Polizei von Seoul – auf richterliche Anweisung – die gesamte Innenstadt für eine Demonstration frei geben und für den Verkehr schließen.

Amerika 13. Dezember 2016

USA: «Die Beschäftigten können den Spieß umdrehen»

Über Arbeitsplatzaussichten und die Schwachstellen der modernen Industrieproduktion
Interview mit Kim Moody

Digitalisierung und Roboterisierung machen die Arbeit überflüssig – diese Vorstellung  wird stark von den Medien gepuscht. Der US-amerikanische Arbeitssoziologe und Gewerkschaftsaktivist Kim Moody ist da anderer Meinung, er sieht im Gegenteil neue Chancen auf die Arbeiterbewegung zukommen. Das Interview führte Chris Brooks.

Europa 13. Dezember 2016

Türkei: Auf dem Weg in die Diktatur

Die Welle der Gewalt gegen Kurden ebnet den Weg in ein autoritäres Regime
von Francis O’Connor

Die politische Situation in der Türkei verschlechtert sich zunehmend seit dem Putschversuch im Sommer dieses Jahres, der vorgeblich von der sog. Gülen-Bewegung ausgegangen ist, der ehemals Verbündeten der regierenden AKP. Dieser Putsch hat zu einem Gegenputsch geführt, der kontinuierlich fortschreitet und im Verlaufe dessen Erdogan und seine Verbündeten Oppositionelle aller Richtungen, vor allem aber Kurden, mundtot macht, ausgrenzt und verhaftet.

Europa 13. Dezember 2016

Griechenland im Herbst 2016

Konzerne und Oligarchen halten die Hand auf
von Paul B. Kleiser

Seit drei Jahren dümpelt die griechische Wirtschaft ohne Wachstum dahin, nachdem sie 2009 in eine tiefe Rezession gefallen und das Bruttoinlandsprodukt um ein Viertel eingebrochen war. Ob es im kommenden Jahr wieder aufwärts geht, wie Alexis Tsipras auf der Industriemesse in Thessaloniki lauthals verkündete, steht in den Sternen.

Europa 13. Dezember 2016

Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil VII

Die Internationalen Brigaden – «Unsere Heimat ist heute vor Madrid»
von Paul Michel

Heute erinnert in Albacete nur noch ein (kleines) Denkmal daran, welche Bedeutung dieser Ort im spanischen Bürgerkrieg hatte. Seit dem 14. Oktober 1936, als die ersten internationalen Freiwilligen dem Ruf «¡A las armas!», «Zu den Waffen!» folgend hier ankamen, glich die Stadt einem aufgewühlten Ameisenhaufen, wie André Malraux in seinem berühmten Roman Die Hoffnung schreibt.

Globalisierung/Krieg 12. Dezember 2016

G20 – Aktionsplanungen

Bundesweite Aktionskonferenz am 3./4.Dezember in Hamburg 

von Florian Osuch

Im Juli 2017 findet in Hamburg ein Gipfel der G20-Staaten statt. Dieses informelle Gremium umfasst die führenden Industrie- und Schwellenländer. Eigentlich sind es nur 19 Staaten plus die Europäische Union. Zu den wirtschaftlichen Schwergewichten USA, Japan, Deutschland, Großbritannien und Frankreich kommen die einwohnerstarken Staaten China, Indien, Indonesien, Brasilien und Mexiko hinzu. Auch Russland ist wieder mit an Bord, nachdem das Land von den G8-Treffen ausgeschlossen wurde, ebenso die Türkei, Saudi-Arabien, Südafrika und Argentinien.

Globalisierung/Krieg 12. Dezember 2016

G20 – Theater geopolitischer Konflikte

Ein kurzer Abriss seiner Geschichte

von Alexis Passadakis

Wenige Wochen vor der Bundestagswahl, am 7. und 8.Juli, findet in Hamburg der inzwischen dreizehnte G20-Gipfel statt. In der ersten Phase dieser informellen Gruppe, von 2008 bis 2010, stand das unmittelbare Management der Finanzkrise auf der Tagesordnung. Seitdem hat der Gipfel relativ an Bedeutung eingebüßt. Zugleich ist er aber Ausdruck der herrschenden Weltunordnung und Bühne für die mächtigsten politischen Akteure. 

Amerika 1. Dezember 2016

Neoliberalismus der Demokraten

Er brachte Trump den Sieg
von Naomi Klein

Die Menschen haben ihr Gefühl von ­Sicherheit, Status und sogar Identität verloren. Das Wahlresultat ist der Schrei eines Amerika, das verzweifelt einen radikalen Wandel will.

Amerika 1. Dezember 2016

Clinton hat ihre Niederlage verdient

Wählerbashing nach US-Präsidentschaftswahlen ist fehl am Platz
von Angela Klein

Soviel Zerknirschung der liberalen Presse über ihre eigene «Abgehobenheit» war noch nie. Doch was bleibt davon hängen? Dass der «weiße Arbeiter» auch in den USA am Aufstieg des Rechtsextremismus schuld ist, nachdem er diese Suppe schon in Großbritannien eingebrockt hat.

Amerika 1. Dezember 2016

Steuergeschenke und Rohstoffplünderung

Trumps Wirtschaftsprogramm
von Angela Klein

Die Börse wusste als erste, wo der Hammer hängt: Der Kursrutsch nach der Wahl von Donald Trump dauerte nur kurz, dann schnellten die Aktienkurse der Branchen nach oben, die sich ausrechnen können, vom Wirtschaftsprogramm Trumps zu profitieren, und das sind vor allem: Bau, Pharma, Banken.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2016

Klimaverhandlungen in Marrakesch

Öl und Kohle sind Vergangenheit
von Wolfgang Pomrehn

Die dürftigen Ergebnisse der diesjährigen UN-Klimakonferenz stehen in einem eigenartigen Gegensatz zu den fast euphorischen Reaktionen vieler Regierungen und auch mancher beobachtenden Umweltorganisation. Der allgemeine Tenor ist: Egal ob in den USA demnächst ein erklärter Mann der Öl- und Frackingindustrie ins Weiße Haus einzieht, wir machen weiter. Von einem nicht aufzuhaltenden Impuls (irreversable momentum) ist die Rede.

Amerika 1. Dezember 2016

«Wir können nicht mehr nur die andere Wange hinhalten»

Reaktionen in der Bevölkerung auf die US-Präsidentenwahl
Gespräch mit Daniel Clain*

Donald Trump hat in seinem Wahlkampf eine Sprache der Gewalt gebraucht. Das hat Folgen. Viele seiner Anhänger sehen sich nun ermutigt, den Worten Taten folgen zu lassen. Daniel Clain berichtet von zunehmenden tätlichen Angriffen auf alles, was in das selbstzufriedene Weltbild weißer amerikanischer Kleinbürger in der Provinz nicht hineinpasst. Und wie die Betroffenen darauf reagieren.

Amerika 1. Dezember 2016

Donald Trump und die deutsche Wirtschaft

«Eine Hand die schenkt, wird nicht gekränkt»*
von Manfred Dietenberger

Die deutsche Wirtschaft wird vom Export dominiert. Die USA sind im vergangenen Jahr zum wichtigsten Abnehmer für deutsche Exportwaren aufgestiegen und lösten damit Frankreich ab. Die deutschen Warenexporte in die USA stiegen 2015 um fast 19% auf 114 Milliarden Euro. Nun heißt der künftige US-Präsident Donald Trump. Was bedeutet das für das deutsche Unternehmertum?

Amerika 1. Dezember 2016

Argentinien: «Schwarzer Mittwoch» in Buenos Aires

Massendemonstration gegen Morde an Frauen
von Ana Fornaro

Am 19. Oktober, einem Mittwoch, demonstrierten 100000 Menschen in Buenos Aires unter starkem Dauerregen gegen die grassierende Gewalt gegen Frauen: Von 2008 bis 2016 wurden in Argentinien 2094 Morde aus Frauenhass registriert. Unmittelbarer Anlass für die Großdemonstration war der Tod der 16jährigen Lucía Pérez, sie war am 8. Oktober vergewaltigt und ermordet worden.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2016

20 Jahre Google

20 Jahre Daten suchen, finden und verraten
von Rolf Euler

Jede kennt sie, jeder benutzt sie – in Europa deckt Google mehr als 90% aller Internetsuchen ab. Die Suchmaschine ist automatisch auf den meisten Rechnern voreingestellt, beim Betriebssystem Windows sowohl im Internet-Explorer als auch im Browser Chrome, der eine Schöpfung von Google ist.

Amerika 1. Dezember 2016

North Dakota Pipeline – Der Ölkrieg in den USA

Standing Rock wird zum Symbol des Widerstands
von Dattel*

Wer in diesen Tagen auf die Berichterstattung der Medien blickt, könnte meinen, das Schicksal der Welt würde vom Ausgang der Wahlen in den USA abhängen. Für viele steht bereits fest, dass die großen Konzerne und Banken in jedem Fall die Hauptgewinner der Wahl sind. Doch abseits des Spektakels bröckelt die Vormachtstellung der USA an allen Enden.

Nur Online 14. November 2016

Trump im Weißen Haus

Rechtsaußen gegen das Establishment?

von Dan La Botz*

Der Sieg des Republikaners Donald Trump bringt den reaktionärsten Präsidenten der jüngsten Geschichte der Vereinigten Staaten an die Macht. Sie leitet auch eine ungewisse Zukunft ein, nicht zuletzt deshalb, weil dieser Mann politisch ein völliger Outsider ist. Fest steht jedoch, dass sein Sieg zu Angriffen auf die Welt der Arbeit, auf Frauen, Latinos, AfroamerikanerInnen und LGBT-Menschen sein wird.

Nur Online 14. November 2016

Donald Trump –

… letzter gewählter Präsident der USA?

von Ernst Wolff*

Donald Trump hat sich im US-Wahlkampf als Vorkämpfer für die Interessen des kleinen Mannes ausgegeben. Er hat versprochen, ins Ausland verlegte Arbeitsplätze zurückzuholen, Millionen gut bezahlte neue Arbeitsplätze zu schaffen und den Lebensstandard sowohl der Mittelschicht, als auch der Arbeiterschaft kräftig anzuheben. Er ist als „Feind des korrupten Establishments“ aufgetreten und hat angekündigt, „den Sumpf in Washington“ trockenzulegen.

Globalisierung/Krieg 1. November 2016

Wallonien gegen CETA

Ein voller Erfolg – wie können wir ihn nutzen?
von Daniel Tanuro

Erfolge im Kampf gegen die alles zermalmende Walze des Neoliberalismus sind so selten, dass man sie genießen und feiern muss, wenn sie sich doch einmal einstellen. Das Parlament Walloniens hat sich geweigert, dem belgischen Staat für die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens CETA grünes Licht zu geben, und während diese Zeilen geschrieben werden, weigert sich die Regionalregierung auch,

Europa 1. November 2016

Schwarzer Montag in Polen

Frauen demonstrieren für ihre Rechte
dokumentiert

«Ich war dabei, nahm es in mir auf und bin tief ergriffen. Das war eine außergewöhnliche Versammlung – unter dem Schirm im Regen, unter 300000 Versammelten, vor allem Frauen, aber von uns Männern waren auch einige dabei. Die Stimme der Vernunft und der gesellschaftlichen Verantwortung führte uns auf die Straße. Besonders war ich über die Teilnahme von Jugendlichen erfreut!»

Europa 1. November 2016

Polen: Massenproteste

Stimmen zum 3.Oktober
dokumentiert

Zbigniew Kowalewski, Mitbegründer von Solidarnosc:
«Die Dynamik und der Schwung des montäglichen ‹schwarzen Protestes› überraschte alle – die Initiatoren und Organisatoren, die Teilnehmer selbst, die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), die Kirche, die Opposition, alle.

Europa 1. November 2016

Polens Abtreibungsrecht

Wie es in der Praxis aussieht
dokumentiert

Das geltende Gesetz über den Schwangerschaftsabbruch in Polen ist sehr restriktiv und gehört zu den Gesetzen, die am wenigsten zum Tragen kommen, weil Ärzte, Staatsanwälte und andere Verantwortliche den Frauen die Information über ihre Rechte vorenthalten – oft kennen Frauen ihre Rechtslage nicht und es gibt keine Berufungsinstanz. Ihre Opfer sind in erster Linie Frauen und Mädchen aus einfachen Verhältnissen und ohne Geld.

Amerika 1. November 2016

Mexiko: Zapatistas wollen zur Wahl antreten

Die EZLN will die Probleme der indigenen Bevölkerung ins Zentrum der Präsidentschaftswahl 2018 rücken
von Angela Klein

Die Zapatistische Nationale Befreiungsarmee (EZLN) und der Nationale Indigene Kongress (CNI) haben vereinbart, zusammen mit Völkern und Gemeinden über die Aufstellung einer indigenen Frau als Präsidentschaftskandidatin für die Wahlen 2018 zu beraten.

Europa 1. November 2016

Griechenland: Bericht der Expertenkommission

Verhandlungen über Arbeitsmarktreformen
von Paul Michel

Am 30.September 2016 präsentierte der griechische Arbeitsminister Giorgos Katrougalos den Bericht der ­internationalen Expertenkommission über die griechischen «Arbeitsmarktinstitutionen». Die Einsetzung der ­Expertenkommission war im dritten Memorandum vom August 2016 festgeschrieben worden. Sie arbeitete von April bis Ende September 2016.

Amerika 1. November 2016

Brasilien: Eine Ohrfeige für beide Hauptparteien

Bei den Kommunalwahlen Anfang Oktober erlitt die PT dramatische Verluste
von Fabrizio Burattini*

Am 2.Oktober fanden in Brasilien Kommunalwahlen statt. Es ging darum, die Bürgermeister und Stadträte aller wichtigen Metropolen und von über 5000 weiteren Kommunen des größten Landes Lateinamerikas zu bestimmen.

Amerika 1. November 2016

Kolumbien: Der Sprung ins Nichts

In einem Referendum wurde das Friedensabkommen mit der FARC abgelehnt
von Ainara Lertxundi*

Am 2.Oktober stimmte die kolumbianische Bevölkerung mit einer knappen Mehrheit von 50,2% gegen das Friedensabkommen, das in einem vierjährigen Prozess zwischen der Regierung und den FARC (Revolutionäre Streitkräfte Kolumbiens) ausgehandelt worden war. Die Wahlbeteiligung lag bei historisch niedrigen 37,4%.

Arbeitswelt 1. Oktober 2016

800 Euro weniger in der Tasche – durch CETA

Die Kritik am Freihandel und ihre Kehrseite
von Angela Klein

Schade, dass diese Nachricht für den SPD-Konvent vier Tage zu spät kam: «CETA kostet 200000 Arbeitsplätze in Europa und 30000 in Kanada.» Zu diesem Ergebnis kam eine aktuelle Studie der Tufts University in Boston, Massachusetts, die am 22.September in Deutschland bekannt wurde. Sie basiert auf Modellen der Vereinten Nationen, dem United Nations Global Police Model.

Asien/Australien 1. Oktober 2016

Frieden gibt es nur ohne Assad

Russland und der Syrienkonflikt
von Kristin Helberg*

Während im UN-Sicherheitsrat die Großmächte sich gegenseitig Vorwürfe machen, wird Aleppo in Schutt und Asche gelegt, 2 Millionen Menschen sind von der Trinkwasserversorgung abgeschnitten. Dabei gäbe es Wege, den Krieg zu beenden.

Europa 1. Oktober 2016

Im Zentrum des Klassenkampfs

Corbyn und die Labour Party
von Andy Stowe*

In einer Urabstimmung wurde der bisherige Vorsitzende der Labour Party und Führer ihres linken Parteiflügels, Jeremy Corbyn, am 24.9. mit einer noch größeren Mehrheit wiedergewählt, als er vor einem Jahr ins Amt gekommen war, nämlich mit 61,8% (gegenüber 59% 2015).

Amerika 1. Oktober 2016

Mercosur und der Putsch in Brasilien

Rolle rückwärts auch in der Außenpolitik
von Emir Sader*

Argentiniens Wirtschaftsminister Alfonso Prat-Gay hat den politischen Umsturz in Brasilien als «gute Gelegenheit für die Neugründung des Mercosur» bezeichnet. Das Zusammentreffen zweier Regierungen [Argentinien und Brasilien], die mit der Öffnung der Märkte und der Wiederannäherung an den Norden, insbesondere an die USA, das neoliberale Modell wiederherstellen wollen, ermögliche es, die regionalen Integrationsprozesse wieder abzubauen.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2016

«Gegen CETA müssen wir weiter auf die Straße gehen»

Über den Beschluss des SPD-Konvents
Gespräch mit Helmut Born

Ende Oktober soll das Freihandelsabkommen der EU mit Kanada, genannt CETA, auf dem EU-Kanada-Gipfel unterzeichnet werden. CETA wird jedoch vor allem wegen der Schiedsgerichte gefürchtet, die außerhalb des gesetzlichen Justizwesens angesiedelt sind und die Interessen der «Investoren» schützen sollen. Zusammen mit dem «Gemeinsamen CETA-Ausschuss» haben sie faktisch die Möglichkeit, an den nationalen Parlamenten vorbei neues Recht zu setzen (siehe SoZ 9/2016).

Asien/Australien 1. Oktober 2016

Die türkische Politik in der Sackgasse

Der Staat droht zu zerfallen
von Serdar Kazak*

Die reale Machtposition Erdogans ist bedeutend schwächer, als es von außen aussieht. Das jedoch verheißt nichts Gutes.

Zunächst jedoch zur Situation der Flüchtlinge. Von einer allgemeinen Situation der Flüchtlinge in der Türkei kann keine Rede sein.

Asien/Australien 1. Oktober 2016

Mit dem Rücken zur Wand

Mit der Zwangsverwaltung von Dutzenden kurdischer Städte kehrt die offene türkische Kolonialherrschaft nach Kurdistan zurück
von Nick Brauns

Wer gehofft hat, der gescheiterte Putsch in der Türkei und die nachfolgenden Säuberungen des Staatsapparats von Anhängern des Predigers Fethullah Gülen werde den wieder vom Krieg überzogenen Kurden im Südosten des Landes wenigstens eine Atempause ermöglichen, sieht sich getäuscht. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nutzt die ihm durch den Ausnahmezustand verliehenen Sondervollmachten bereits nach wenigen Wochen zu einem verschärften Vorgehen gegen die zivile Organisierung der Kurden.

Europa 1. Oktober 2016

Jenseits von EU und Eurozone

Die schwierige Suche nach einem anderen Europa
von Ingo Schmidt

Die Linke entzweit sich mal wieder an der nationalen Frage. Soll man den Austritt aus der Eurozone oder der EU als Schritt zur Wiedergewinnung nationaler Souveränität gegenüber dem supranationalen Neoliberalismus der EU-Institutionen begrüßen, oder deren Fortbestand als kleineres Übel gegenüber einer andernfalls drohenden Eskalation konkurrierender Nationalismen und zwischenstaatlicher Konflikte unterstützen?

Arbeitskämpfe 1. Oktober 2016

Indien: größter Generalstreik der Weltgeschichte

Für mehr Lohn und mehr Rente
von der Redaktion

Am 2. September fand in Indien der wohl größte Streik in der Weltgeschichte statt: 180 Millionen Menschen streikten für einen umfangreichen Forderungskatalog, u.a. für die Erhöhung des Mindestlohns und der Renten und gegen die hindunationalistische Regierung der BJP. Der folgende Text basiert auf einer ausführlichen englischsprachigen Erklärung des indischen Gewerkschaftsverbands CITU, der politisch der reformistischen Communist Party of India (Marxist) (CPIM) nahesteht.

Arbeitskämpfe 1. Oktober 2016

Eine juristische Premiere

Pakistanische Textilarbeiterinnen verklagen KiK in Dortmund
dokumentiert

Pakistanische Arbeiterinnen verklagen die Textilbilligfirma KiK auf Schadensersatz wegen des Brandes in der Textilfabrik Ali Enterprises in Karachi vor vier Jahren. Gerichtsstand ist Dortmund. Das dortige Landgericht hat die Klage angenommen und gewährt den Klägerinnen Prozesskostenhilfe. Dies ist der erste Prozess dieser Art in Deutschland, und es wird sicher eine wichtige Entscheidung werden.

Amerika 1. Oktober 2016

Wie weiter mit der Sanders-Kampagne?

Über die USA vor den Präsidentschaftswahlen
Gespräch mit Joanna Misnik

«Black Lives Matter», die Bernie-Sanders-Bewegung, der Präsidentschaftswahlkampf mit der ersten Frau als Kandidatin einer der großen Parteien sowie mit einer Figur wie Donald Trump – die politische Situation in den USA trifft auf großes Interesse. Das folgende, hier auszugsweise wiedergegebene Interview führte Anticapitaliste,

Nur Online 26. September 2016

Schluss mit den Bomben auf Aleppo!

Es fehlt der Aufschrei der linken Kräfte

von Manuel Kellner

Die schwere Bombardierung Aleppos durch die Luftwaffe des Assad-Regimes, unterstützt von der Luftwaffe Russlands, bringt unvorstellbares Leid für die Zivilbevölkerung. 250.000 Menschen sind im Ostteil der Stadt eingeschlossen, laut dem Kinderhilfswerk der UNO Unicef darunter 100.000 Kinder, die dem Bombenhagel hilflos ausgeliefert sind.

Gesellschaft 1. September 2016

Der Diskurs der Angst

Mit Verunsicherung der Gesellschaft zur Militarisierung
von Angela Klein

Die Anschläge in Würzburg, Ansbach und München haben die Bevölkerung in Schrecken versetzt. Erstmals werden die Folgen des «Krieges gegen den Terror» auch in Deutschland unmittelbar spürbar. Sogleich ergreift die Bundesregierung die Gelegenheit beim Schopf, um die Bevölkerung auf Krieg einzustimmen. Restbestände von Pazifismus sollen den Menschen ausgetrieben werden, sie stehen den Plänen im Weg, Deutschland wieder zu einer Militärmacht zu machen.

Globalisierung/Krieg 1. September 2016

Einstimmen auf den Krieg

Militarisierung der Gesellschaft
von Manfred Dietenberger

Deutschlands Interessen werden längst nicht mehr nur an seinen Landesgrenzen verteidigt, sondern auch am Hindukusch. Es blieb der rot-grüne Bundesregierung vorbehalten sich aus der Völker mordenden deutschen Vergangenheit als Kriegsnation mit «humanistischem» Elan zu emanzipieren.

Europa 1. September 2016

Polen: Was bleibt nach Franziskus?

Eindrücke nach dem Papst Besuch
von Stanislaw Obirek*

Eine große Welle von Kommentaren ergoss sich über Polen vor, während und nach dem Besuch von Papst Franziskus Ende Juli. Sie sagen viel über die Kommentatoren, weniger aber über Franziskus aus. Was er gesagt und wie er sich verhalten hat, wurde so allgemein beschrieben, dass jeder daraus lesen konnte, was er wollte.

Asien/Australien 1. September 2016

Der lange Arm Erdogans

Über die türkisch-kurdischen Gemeinden in Deutschland nach dem Putsch
Gespräch mit Mehmet Simsek

Trotz des stillen Staatsstreichs von Erdogan und seines Marsches in den Führerstaat unterstützt die deutsche Innenpolitik weiterhin Erdogans Krieg gegen die Kurden.

Amerika 1. September 2016

Das 12.Weltsozialforum in Montréal

Eine andere Welt ist nötig! Gemeinsam machen wir sie möglich
von Leo Gabriel*

Mit 35000 Teilnehmenden und mehr als 1250 Veranstaltungen war das Weltsozialforum im kanadischen Montréal zwar nicht das größte, aber vielleicht das außergewöhnlichste seiner Art. Die Tatsache, dass es zum ersten Mal in seiner 15jährigen Geschichte in einem Land des globalen Nordens stattgefunden hat, tat zwar der inhaltlichen Qualität keinen Abbruch, hatte aber dennoch seinen Preis.?

Amerika 1. September 2016

Das Weltsozialforum

Geschrumpft, aber wichtig
von Gerhard Klas

Mitte August ging das 13.Weltsozialforum im kanadischen Montréal zu Ende. Gekommen waren gerade einmal 15000 Teilnehmer. In den 2000er Jahren hatte diese größte globale Versammlung sozialer Bewegungen und NGOs in Indien und Brasilien über 100000 Teilnehmer angelockt.

Europa 1. September 2016

Europa: Angst vor der Ungleichheit

Ausgleich der Institutionen scheitert
von Ingo Schmidt

Angst herrscht in Europa. In den Gläubigerstaaten der Eurozone die Angst, Brüssel würde vom Munde abgesparte Steuergelder zur Subventionierung eines ausschweifenden Lebensstils in Südeuropa verschwenden. In den Schuldnerstaaten die Angst, von Brüssel und Berlin erst an den Bettelstab gebracht zu werden und dann vielleicht doch noch aus dem Euro zu fliegen.

Europa 1. September 2016

Griechenland: Ansprüche an die BRD

Parlamentsbericht verlangt Reparationen
von Paul Michel

Ein Ausschuss des griechischen Parlaments hat Ende Juli den lang erwarteten Bericht über die griechischen Reparationsforderungen gegenüber Deutschland fertiggestellt. Anfang September soll es darüber im griechischen Parlament zu einer Abstimmung kommen.

Asien/Australien 1. September 2016

Erdogan will die Kurden aus ihren Gebieten vertreiben

Über den «zivilen Putsch» und die Entstehung einer neuen Allianz der Linken
Gespräch mit Nes’e Kartal

Gegenüber der Umwälzung des Staatsapparats, die Erdogan eingeleitet hat, nimmt sich der gescheiterte Putsch einiger Militärs geradezu stümperhaft aus. Tempo und Umfang, in denen der Staatsapparat von den mutmaßlichen Gegnern Erdogans gesäubert wird, sind atemberaubend.

Asien/Australien 1. September 2016

Erdogan und das «Geschenk Allahs»

Der Staatsstreich hinter dem Putsch
von Emre Öngün

Der Putschversuch in der Türkei in der Nacht vom 15. auf den 16.Juli 2016 wirft zahlreiche Fragen auf: über die dahinter stehenden Kräfte, aber auch über die politische Neuordnung, die nach seiner Niederschlagung in Gang gekommen ist.

Asien/Australien 1. September 2016

Maulwurfsarbeit

Die Gülen-Bewegung am Werk
von ak

In den westlichen Medien wird die Gülen-Bewegung gern als aufgeklärte Variante des Islam dargestellt. Dem ist nicht so, das bestätigen zahlreiche Analysen unabhängiger Journalisten, die nicht verdächtig sind, Erdogan-Anhänger zu sein.

Asien/Australien 1. September 2016

Gülen ist kein Unschuldsknabe

Machtübernahmepläne und Bewegung
von Ezgi Basaran*

Nach dem 9. September 2011 wurde Gülen im Westen als Alternative zum aufsteigenden radikalen Islamismus gehandelt, als Verfechter des Friedens und interkulturellen Dialogs. Kenner der Gülen-Bewegung weisen diese Zuschreibung zurück. Die Journalistin Ezgi Basaran schreibt dazu auf hürriyetdailynews.com:

Amerika 1. September 2016

Parteitag der Green Party in den USA

Genug davon, das kleinere von zwei Übeln zu wählen
von Charles Holm, Chase Newton*

Nachdem Hillary Clinton zur Spitzenkandidatin der Demokratischen Partei bei den anstehenden US-Präsidentschaftswahlen nominiert wurde und die Kampagne von Bernie Sanders sich damit totgelaufen hat, ist Jill Stein von den Grünen die neuen Hoffnungsträgerin auf der Linken.

Europa 1. September 2016

Rechtsruck in Großbritannien

Die UKIP-isierung der Tories
von Alan Thornett*

Die Träume derer, die im Brexit eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses nach links gesehen haben, sind schnell zerplatzt. Die neue britische Regierung ist die rechteste seit Thatchers Zeiten.

Europa 1. September 2016

Offener Brief an die britische Linke von einem griechischen Linken

Warum die Stimme für den Brexit keine rassistische war
von Verso*

Der griechische Dozent für Politische Theorie am Londoner King’s College, Stathis Kouvelakis, ist unseren Leserinnen und Lesern als Mitglied des Zentralkomitees von SYRIZA und engagierter Befürworter eines Austritts aus dem Euro während der sogenannten Griechenland-Krise 2010–2015 bekannt.

Europa 1. September 2016

Großbritannien ist nicht Griechenland

Eine Antwort auf die Brexit-Fans
von Angela Klein

In der Brexit-Kampagne ist das linke Nein zur EU untergegangen. Jetzt kann sich die britische Regierung auf den «Volkswillen» berufen, wenn sie gegen Migranten vorgeht.

Europa 1. September 2016

Frankreich: Nach neuem Gesetzestext

Das Ringen um das Arbeitsgesetz geht in die nächste Runde
von Bernard Schmid

Es ist der vorläufig letzte Akt im Ringen um das «Arbeitsgesetz»: Staatspräsident François Hollande hat den Text nun unterzeichnet, und er wurde am 8.August im Amtsblatt der Französischen Republik veröffentlicht.

Europa 1. September 2016

Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil IV

Der rote Sommer der Anarchie
von Paul Michel

Die Kollektivierung der Industrie in Katalonien
Wenige Jahre nach der Zwangskollektivierung von Industrie und Landwirtschaft in der Sowjetunion mit der Folge enormer wirtschaftlicher und sozialer Katastrophen und parallel zu der darauffolgenden Welle der Moskauer Prozesse erlebte Spanien zumindest in den von der Gewerkschaftskonföderation CNT dominierten Landesteilen einen «roten Sommer der Anarchie».

Nur Online 24. August 2016

Unidos Podemos

Probleme und Perspektiven der Confluencia
von Klaus Dräger

Die Parlamentswahl in Spanien am 26. Juni 2016 verlief für die europäische ‚radikale Linke‘ enttäuschend. Podemos, Izquierda  Unida (IU), die Grünen (Equo) und lokale und regionale Kräfte aus sozialen Bewegungen waren erstmals landesweit in einem gemeinsamen Wahlbündnis angetreten – Unidos Podemos (Gemeinsam können wir’s). Eine confluencia (Zusammenfluss) der oppositionellen sozialen und politischen Strömungen jenseits der PSOE sollte so Kräfte bündeln und dadurch mehr Mandate erreichen, weil das spanische Wahlrecht größere Formationen begünstigt.

Nur Online 24. August 2016

Nach dem Brexit…

…ist vor dem Brexit
von Mirko Düsterdieck*

Der Brexit ist bis dato für die EU Institutionen ein Novum. Aber welche politischen Rückschlüsse sind nach diesem Ereignis eigentlich zuziehen?
Welche Konsequenzen hat das Abstimmungsergebnis für die Briten, aber auch für die Kontinentaleuropäer? Da gehen bisher die Meinungen im politisch linken Lager in Deutschland auseinander.

Nur Online 21. August 2016

Türkei: Nationale Versöhnung…

erstickt Özgür Gündem – no pasaran!

dokumentiert

Die nationale Aufbruchstimmung nach dem Putschversuch am 15. Juli ist durch die Unterstützung und Legitimierung der Oppositionsparteien zu einer sehr starken Waffe der AKP geworden. In dieser Atmosphäre reicht es aus, die politische Entscheidungen und Operationen der AKP zu hinterfragen, um als Vaterlandsverräter zu gelten.

Europa 1. Juli 2016

Wahlen in Spanien

Erster Rückschlag für Podemos
von Manuel Garí

Der Zyklus der spanischen Wahlen, der im Gefolge der Bewegung 15M den Aufschwung einer neuen antineoliberalen, politischen Kraft mit Massenbasis ermöglichte, ist an ein Ende gelangt. Offen sind nur noch die Wahlen zum galizischen und baskischen Regionalparlament.

Bewegung 1. Juli 2016

Die Linke nach dem Brexit

It’s capitalism, stupid!
von Angela Klein

Es ist Staatskrise in Großbritannien – und in der EU. Und die antikapitalistische Linke außerhalb von Labour stellt fest, dass sie kein Projekt hat, um einen linken Ausweg aus dieser Krise aufzuzeigen. Auch nach dem Sieg des Brexit findet sie nicht zu der politischen Initiative, die jetzt nötig wäre. Sie ist darauf zurückgeworfen, zur Bekämpfung des grassierenden Rassismus im Land aufzurufen. Und innerhalb der Labour Party hat sie alle Hände voll zu tun, den schleichenden Putsch der Parteirechten gegen den Parteivorsitzenden Corbyn abzuwehren.

Europa 1. Juli 2016

Brexit – Kommentar & Meinung

Ein verheerendes Referendum zeigt ein gespaltenes Großbritannien
von Terry Conway*

Nach einer bitteren und zutiefst reaktionären Kampagne hat Großbritannien am 23.Juni mit 51,9% zu 48,1% für den Austritt aus der EU gestimmt. Der Vorsitzende der United Kingdom Independence Party (UKIP), Nigel Farage, feiert seinen Sieg gemeinsam mit seinen Kameraden aus dem rechten euroskeptischen Flügel der Conservative Party.

Europa 1. Juli 2016

Brexit – Ein Desaster oder ein großer Sieg?

Die Haltungen über den Umgang mit der EU bleiben geteilt
von europe-solidaire.org und Mailinglisten*

Der Ausgang des britischen Referendums über die EU ist in Kreisen der antikapitalistischen Linken sehr unterschiedlich interpretiert worden. Dabei kreist die Debatte hauptsächlich um zwei Fragen:

Amerika 1. Juli 2016

Streik bei Verizon in den USA

Selbst die größten Konzerne können besiegt werden
von Dan DiMaggio*

39000 Streikende von Verizon nahmen am 1.Juni ihre Arbeit wieder auf. Sie kehrten erhobenen Hauptes nach 45 Tagen in den Betrieb zurück.

Flucht/Migration 1. Juli 2016

welcome2stay

Eindrücke von der ersten Konferenz der Fluchthelferbewegung
von Karl-Ludwig Ostermann

«Ein kleines Stück Brot in der Heimat
ist besser als ein großes in Europa
– nur, Zuhause war kein Brot»

Plakat in Leipzig

Flucht/Migration 1. Juli 2016

Auf ewig in der Vorhölle

Noch nie gab es so viele Flüchtlinge wie heute
von Angela Huemer

Während die UNHCR einen neuen Höchststand von Flüchtlingen meldet und immer mehr Menschen auf der Flucht sterben, droht sich Europas Abschottungspolitik zu verschärfen.

Europa 1. Juli 2016

Die radikale Linke muss sich neu aufstellen

Aktuelle Lage in Griechenland und Umgruppierungsversuche der griechischen Linken
Gespräch mit Stathis Kouvelakis*

Nach der Zustimmung der Parteiführung von SYRIZA im Juli 2015 zum sog. Dritten Memorandum traten viele Parteimitglieder aus und bildeten eine neue Organisation, die «Volkseinheit» (LAE). Deren erster Kongress sollte ursprünglich im Januar stattfinden, wurde aber verschoben und findet nun Ende Juni statt. Paul Michel sprach darüber mit Stathis Kouvelakis.

Europa 1. Juli 2016

Frankreich: Totgesagte leben länger

Die Proteste gegen das neue Arbeitsgesetz sind noch nicht am Ende
von Bernard Schmid

Totgesagte oder Totgewünschte leben oftmals länger. Dies gilt, jedenfalls in gewissen Grenzen, auch nach dreieinhalb Monaten ununterbrochener Sozialproteste in Frankreich.

Europa 1. Juli 2016

Regimedämmerung in Frankreich

Vom Kampf gegen das Arbeitsgesetz zum Kampf für demokratische Freiheiten
von Vincent Présumey*

Die gesellschaftliche Auseinandersetzung um das neue Arbeitsgesetz wächst sich aus zu einer Krise der V.Republik.

Die Angaben der Gewerkschaften, wonach am 14.Juni in Paris eine Million Menschen demonstriert haben (plus 200000 im Rest des Landes) sind absolut glaubwürdig.

Nur Online 24. Juni 2016

Frankreich: Gegen Arbeitsrechts-„Reform“

Fortsetzung der Kämpfe

von Bernhard Schmid

Pariser Demonstration am gestrigen Donnerstag lief im Käfig ab, pardon: im Kreis umehr * Aber noch relativ starke Beteiligung in Paris, während sie anderswo deutlich zurückgeht * Streiks sind überwiegend zu Ende, doch Blockadeaktionen fanden am Vormittag des „Aktionstags“ statt * Glasbruch am Hauptsitz der CFDT * Bei der Bahngesellschaft SNCF verzichtet die CGT darauf, das Vetorecht der Mehrheitsgewerkschaften gegen das neue Kollektivabkommen (ungefähr: Tarifvertrag) auszuüben, und winkt es damit durch.

Nur Online 16. Juni 2016

Frankreich: Kampf gegen das Arbeitsgesetz

Großdemonstration am 14. Juni*

von Bernard Schmid

Paris gestern: Zentraldemonstration groß, doch infolge militanter Zusammenstöße in drei Teile zerbrochen * Gewerkschaften gelangen mehrheitlich nicht bis auf den Abschlussort * Konservativer (aussichtsreichster) Präsidentschaftskandidat Alain Juppé ab nun für Demonstrationsverbot; Premier Manuel Valls appelliert an die CGT für „ein Ende der Großdemonstrationen“ * Ein Demonstrant schwebt zwischen Leben & Tod * Besetzungsversuche: ein Flop.

Europa 1. Juni 2016

Oxi! Basta! Enough!

Nein sagen reicht nicht
von Angela Klein

«Es gibt viele gute Gründe, die EU zu verlassen», schreibt der Kolumnist des britischen Guardian, Paul Mason, zur Debatte über den Brexit und einen linken Austritt aus der EU. «Die EU ist keine Demokratie und kann keine werden. Im Gegenteil, sie schafft das einladendste Umfeld der Welt für couponschneidende Monopolkonzerne, steuerhinterziehende Eliten und organisiertes Verbrechen.

Europa 1. Juni 2016

Lexit statt Brexit?

Die britische Linke und der EU-Austritt
von Terry Conway*

Am 23.Juni stimmt Großbritannien in einem Referendum über den Verbleib des Landes in der EU bzw. seinen Austritt aus derselben ab. Die Entscheidung, ein solches Referendum durchzuführen, war ein Zugeständnis von David Cameron, mit dem der Premierminister versuchte, die rechten Euroskeptiker in seiner eigenen Konservativen Partei zu beschwichtigen. Wie vorauszusehen war, hat dies nur zu einem Anstieg reaktionärer Stimmungen geführt.

Arbeitswelt 1. Juni 2016

Neue EU-Richtlinie

Alles ist Geschäftsgeheimnis
von Gerhard Klas

Geht es nach einer neuen EU-Richtlinie, der im April die Mehrheit der Abgeordneten im EU-Parlament zustimmte, laufen Journalisten und ihre Quellen, die etwa an den Enthüllungen über die Briefkastenfirmen in Panama beteiligt sind, künftig das Risiko, strafrechtlich verfolgt zu werden.

Arbeitskämpfe 1. Juni 2016

Vor einem neuen Mai 68?

Erklärung der Unterschiede zu heute
Gespräch mit Alain Krivine

Frankreich liefert gerade ein Musterbeispiel für die Instabilität der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Europa. An die drei Monate dauert nun schon der Kampf gegen das neue Arbeitsgesetz – und es würde keiner eine Wette darauf abschließen, wie er zu Ende geht.

Arbeitskämpfe 1. Juni 2016

Frankreich: Den Streik unterstützen heißt volltanken

So denken immer mehr Unterstützer der französischen Sozialproteste
von Bernard Schmid

Ökologisch motivierte Bedenken gegen den motorisierten Individualverkehr hin oder her: Jetzt muss ein voller Autotank her und dazu noch ein paar Kanister. Denn der Streik, der am Ende der vorletzten Maiwoche in den französischen Raffinerien begonnen hat, soll möglichst schnell seine Wirkung zeigen.

Europa 1. Juni 2016

7.Mai: 200000 gegen Kaczynski

Größte Demonstration in der Geschichte Polens
von Norbert Kollenda

Den Menschen reicht es, all dieser Hass und die Einteilung der Polen in gute, echte Polen – sprich, die Unterstützer Kaczynskis – und die anderen, die schlechteste Sorte, die «Postkommunisten», Radfahrer usw. usf. Sie sehen die Errungenschaften der Demokratie in Gefahr und gehen auf die Straße.

Arbeitswelt 1. Juni 2016

Festanstellung statt Scheinselbständigkeit

Eine polnische Hebamme zieht vor Gericht
von Norbert Kollenda

Die Kliniken in Polen haben eine Form gefunden, um den Mangel am mittleren medizinischen Personal zu bewältigen. Zunehmend stellen sie Arbeitskräfte auf zivilrechtlicher Basis – also als Scheinselbstständige – ein, die dürfen sogar bis zu 350 Stunden im Monat arbeiten. Bei der Arbeitslosigkeit in vielen Gegenden sind Frauen dankbar dafür, haben die Männer doch oft keine Arbeit.

Flucht/Migration 1. Juni 2016

Mare Nostrum

Am Rande notiert
von Rolf Euler

«Mare Nostrum?» Ist das Mittelmeer immer noch «unser Meer?» fragen die Ruhrfestspiele Recklinghausen in ihrem diesjährigen Motto. Das Fragezeichen im 70.Jahr der Festspiele versucht aus mehreren Gründen, zum Denken anzuhalten. Es ist – neben anderen, dem Theater geschuldeten Gründen – auch eine Reaktion auf die Flucht von Tausenden in den letzten Jahren, an deren Schicksal die Ruhrfestspiele in mehreren Aufführungen und Veranstaltungen anknüpfen.

Europa 1. Juni 2016

Griechenland: Die zweite Kapitulation

Die Regierung verkauft automatische Kürzungen als Erfolg
von Paul Michel

Seit Juli 2015 ist für Griechenland zu den ohnehin schon schweren Lasten noch die Versorgung der Flüchtlinge hinzugekommen. Griechenland erhält von den Machthabern der EU dafür – im Gegensatz zur Türkei – weder nennenswerte finanzielle Hilfsleistungen noch Erleichterungen bei den Sparauflagen für den Haushalt. Stattdessen verlangte die Quadriga von der SYRIZA-Regierung weitere Kürzungen.

Europa 1. Juni 2016

Zerwürfnisse in der Eurogruppe?

Wer auf Spaltungen zwischen den Herrschenden setzt, hegt falsche Hoffnungen
von Paul Michel

Im Vorfeld des Treffens der Finanzminister der Eurogruppe am 9.Mai in Brüssel redeten vor allem die Medien «tiefgreifende Zerwürfnisse» in der Quadriga herbei.

Europa 1. Juni 2016

Deutsche Besatzung 2.0

Fraport übernimmt die griechischen Flughäfen
von Imke Meyer*

Alle Vorteile bleiben beim Konzern, alle Nachteile beim Staat – das ist das Rezept, nach dem die Privatisierung des griechischen Staatsvermögens vorgenommen wird, eine mit keinem Feigenblatt mehr verhüllte Form des Kolonialismus. Bedurfte es früher noch einer Armee, um sich einen fremden Staat untertan zu machen, reichen dazu heute die Sturmtruppen der Troika.

Verfassungskonferenz von unten

Die syrische Zivilgesellschaft rüstet sich für den Frieden
von Leo Gabriel*

Vom 27. bis 30.April fand auf Burg Schlaining in Österreich eine von der internationalen Friedensinitiative www.peaceinsyria.org organisierte Konferenz statt. Sie hatte sich die Aufgabe gestellt, die Grundlagen einer neuen Verfassung für Syrien zu entwerfen.

Europa 1. Juni 2016

Präsidentschaftswahlen in Österreich

Eine Aufholjagd macht Geschichte
von Leo Gabriel

Die Würfel sind gefallen: Der ehemalige langjährige Chef der Grünen, Alexander Van der Bellen, hat mit nur 31026 Stimmen (0,3%) Vorsprung die Stichwahl um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten gegen Norbert Hofer, den Kandidaten der rechtspopulistischen FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) gewonnen.

Nur Online 1. Juni 2016

Linke für offene Grenzen für alle? – Debatte, Teil I

Es besteht die Möglichkeit…
von Anton Holberg

Btr.: „Müssen Linke für offene  Grenzen für alle sein?“  (SoZ Mai 2016, S.19)
(Ungekürzte Fassung – nur online)

Um weitere Stellungsnahme bittend veröffentlichte die „Sozialistische Zeitung“(SoZ) im Mai zwei Beiträge zur Parole „Offene Grenzen für Alle“,

Europa 1. Juni 2016

Linke für offene Grenzen für alle? – Debatte, Teil II

Abstrus

Tino Plancherel schreibt in der Mai-Ausgabe der SoZ von «eurozentristisch verblendeten Vertretern der absoluten Personenfreizügigkeit». Er begründet seine ablehnende Haltung gegenüber offenen Grenzen für Flüchtlinge mit dem Ärztemangel in armen Ländern. Das ist schon deshalb Unsinn, weil die «Ärzte» (respektive alle Arten gut ausgebildeter Leute aus solchen Gegenden) in ihrer Mehrzahl nicht als Flüchtlinge, sondern als angeworbene Arbeitskräfte in zahlungskräftigere Länder kommen. Mit den aktuellen Flüchtlingsdramen hat das null und nichts zu tun.

Europa 1. Juni 2016

Linke für offene Grenzen für alle? – Debatte, Teil III

Schöne Grüße aus Griechenland,

wo ca. 80000 Flüchtlinge zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen, zum Teil in gefängnissartigen Lagen leben – in einem Land mit einer mehrheitlich «sozialistischen» Regierung.

Afrika 4. Mai 2016

Europas Geschichte mit Afrika

Eine kleine Geschichte der Migration
von Angela Huemer

Angesichts der vielen Menschen, die aktuell auf der Flucht sind, dabei ihr Leben lassen oder vor Zäunen ausharren, und angesichts der zunehmenden Abwehrmassnahmen und in Erwägung gezogener Notstandsgesetze (Österreich) lohnt ein Blick darauf, dass es Migration immer schon gab – vor allem innerhalb des afrikanischen Kontinents –, und dass Europa nur einer der Zielorte ist – und das erst seit kurzem.

Europa 1. Mai 2016

Die Reichen müssen beschützt werden

Zur Militarisierung der EU-Flüchtlingspolitik
von Angela Klein

Grenzzäune, bewaffnete Patrouillen, Aufklärungsdrohnen, Konzentrationscamps, Kriegsschiffe: Die Militarisierung der Flüchtlingspolitik datiert nicht erst seit dem vergangenen Jahr. Sie geht zurück auf eine französisch-britische Initiative aus dem Jahr 2009 und noch weiter in die 90er Jahre. Sie ist die offenherzige Antwort der Herrschenden auf die Folgen der kapitalistischen Globalisierung.

Europa 1. Mai 2016

Belgien: Idealer Nährboden für islamischen Terrorismus

Rekrutierungserfolg für Jihadisten hausgemacht?
von Mauro Gasparini*

«Jetzt ist es passiert». Viele Einwohner von Brüssel hatten dieses Gefühl am 22.März, als die terroristischen Attentate die belgische Hauptstadt trafen, so sehr hatten Medien und Politik die Gemüter darauf vorbereitet. Schon im November 2015 hatten Regierung und Geheimdienste für ganz Brüssel wegen «unmittelbarer Gefahr im Verzuge» den Belagerungszustand verhängt, womit alles städtische Leben vier lange Tage erlosch – das war ein regelrechter Großversuch in Sachen Ausnahmezustand. Seitdem hat die Armee die Vorherrschaft über die Straßen von Brüssel und anderer großer Städte wie Antwerpen übernommen.

Europa 1. Mai 2016

Österreich – Umgang mit Fluchtmigration

Kirche contra Regierung
dokumentiert

Mitte April besuchte Papst Franziskus Lesbos und kehrte mit zwölf Flüchtlingen in den Vatikan zurück – ein symbolischer Akt. Seinen ersten Besuch als Papst überhaupt hatte er 2013 Lampedusa abgestattet. Wenige sind so deutlich wie er, wenn es um menschliche Flüchtlingspolitik geht.

Arbeitskämpfe 1. Mai 2016

Nuit debout – Wir müssen den Platz jeden Tag neu besetzen

Über die neue Protestbewegung in Frankreich
Gespräch mit Theo und Elie

Jetzt hat auch Frankreich seine Bewegung der Plätze, ähnlich wie vor einigen Jahren Spanien und Griechenland, aber doch ganz anders. Das fängt schon damit an, dass die Nacht zum Tag gemacht wird und der Platz der Republik, von dem alles ausging, jeden Tag neu besetzt werden muss.

Amerika 1. Mai 2016

Labor-Notes Chicago

Mit Herz und Verstand Aufrührer
von Violetta Bock

Vom 1. bis 3.April fand in Chicago eine Konferenz von Basisgewerkschaftern vor allem aus den USA statt. Auch eine kleine dreiköpfige Delegation aus Deutschland fand ihren Weg dorthin.

Amerika 1. Mai 2016

Lehrer an vorderster Front

Bildungsproteste in Chicago
von Violetta Bock

20000 zogen auf der Demonstration der Lehrerinnen und Lehrer am frühen Abend des 1.April durch Chicago. Sie war der Abschluss des Aktionstags für Schulen.

Amerika 1. Mai 2016

Die Labor-Notes-Konferenz

Ein Ort von Gleichgesinnten
Interview mit Jane Slaughter

Jane Slaughter ist eine der Gründerinnen von Labor Notes und begleitet deren Konferenzen seitdem. Im Gespräch mit Violetta Bock erzählt sie, wie die Konferenz für sie war und was Labor Notes auszeichnet.

Amerika 1. Mai 2016

Eindrücke von der Labor-Notes-Konferenz

Sechs Lehren aus L.A.
dokumentiert

Arlene Inouye ist im Vorstand der United Teachers Los Angeles. Sie erzählt, wie ihre Gewerkschaft 2014 an einem Tiefpunkt angelangt war und wie sie diese, nachdem sie die Führung austauschten, von innen heraus vollkommen neu und mit einer klaren Strategie aufbauten.

Europa 1. Mai 2016

Debout!

Das Gesicht der neuen Protestbewegung in Frankreich
von Bernard Schmid

Wer hätte damit gerechnet! Vor zwei Monaten noch klagten französische Aktivisten über die Lähmung der sozialen Bewegungen – doch die Riesendemonstration am 31.März hat alles verändert.

Nach der Nuit debout – der «wachen Nacht» – bringt die französische Sozialprotest- und Platzbesetzerbewegung nun neue Varianten hervor.

BRICS-Serie, Teil 6 und Schluss

Das Ende der Illusionen
von Ingo Schmidt

Es ist still geworden um die BRICS. Investmentbankern galten sie vor wenigen Jahren als Wachstumsmärkte, Globalisierungskritiker sahen sie als eine politisch regulierte Alternative zum Neoliberalismus, Antiimperialisten als Gegenmacht zu US-Imperialismus und NATO.

Flucht/Migration 1. Mai 2016

Flüchtlingspolitik in Thüringen

Gelungenes Beispiel für eine andere Politik?
von Johanna Scheringer-Wright

Zu Beginn der Regierungszeit von Rot-Rot-Grün (r2g) 2014 machte Thüringen Schlagzeilen mit einer menschlicheren und weltoffenen Flüchtlingspolitik. Ministerpräsident Bodo Ramelow demonstrierte persönlich und medienwirksam die Weltoffenheit und Hilfsbereitschaft Thüringens beim Empfang von Geflüchteten. Jetzt bröckelt diese Weltoffenheit.

Flucht/Migration 1. Mai 2016

Flüchtlinge und Wohnungsnot nach dem Krieg

Wie man damals damit umging
von Manfred Dietenberger

Der Zweite Weltkrieg war die Ursache für die größte Wohnungsnot in der deutschen Geschichte. In die zerbombten und oft schwer zerstörten Städte strömten Soldaten, Vertriebene, befreite KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und viele andere Menschen, die die Kriegswirren entwurzelt hatten.

Flucht/Migration 1. Mai 2016

Der schmutzige Deal

Die Flüchtlingspolitik der Türkei und die Situation der Flüchtlinge
von Murat Çakir*

Der «Gemeinsame Aktionsplan», der am 29.November 2015 zwischen der EU und der Türkei vereinbart wurde, wurde von der offiziellen Politik als «Befreiungsschlag» gefeiert. In der Öffentlichkeit gilt er als schmutziger Deal, der einzig das Ziel verfolgt, die Flüchtlinge von der EU fern zu halten. Als ob damit die Flüchtlingsproblematik aus der Welt geschaffen wäre! Aus dem Auge, aus dem Sinn. Ach, wenn alles so einfach wäre!

Europa 1. Mai 2016

Hinter Stacheldraht

Die Lage der Flüchtlinge auf Lesbos – ein Reisebericht
von Paul Kleiser

Trotz des Abkommens mit der Türkei steigt die Zahl der Flüchtlinge in Griechenland weiter. Der Autor hat sich an Ostern auf der Insel Lesbos umgesehen.

Nach der Schließung der Grenzen der Balkanstaaten und Österreichs halten sich gegenwärtig noch über 50000 Flüchtlinge und Migranten in Griechenland auf – die vielen Flüchtlinge, die sich seit Jahren legal oder illegal im Land aufhalten, sind dabei nicht mitgerechnet.

Amerika 1. Mai 2016

Brasilien: Roussef vor dem Aus

Die Ära PT geht zu Ende
von Bea Whitaker, João Machado*

Am 17.April stimmte die Abgeordnetenkammer des brasilianischen Parlaments für die Amtsenthebung der Präsidentin Dilma Roussef von der regierenden PT (Arbeiterpartei).

Arbeitswelt 1. April 2016

Neues Arbeitsgesetz in Frankreich

Die CFDT ist wieder Steigbügelhalter
von Bernard Schmid

Zum zehnten Geburtstag gab es ein richtiges Ständchen: An der Party nahmen mehrere hunderttausend Menschen teil, und es werden noch weitere erwartet. Ungefähr so könnte man die Wiederkehr des Jahrestags jener Sozialproteste, die zum bislang letzten Mal in Frankreich eine Regierung zu einem Rückzieher zwingen konnten, beschreiben.

Arbeitskämpfe 1. April 2016

Streiks und Streikrecht in Portugal

Wo Streikende nicht behindert werden dürfen
von Anne Engelhardt*

In Portugal gab es unterschiedliche Versuche der Herrschenden, die Löhne und Arbeitsbedingungen unter dem Vorwand der Krise anzugreifen. Doch die Bevölkerung wehrt sich, zu kleinen Teilen auch erfolgreich. Auf was für ein Streikrecht kann sie dabei zurückgreifen?

Europa 1. April 2016

Teure «billige» Kohle

Auch in Polen ist das Festhalten an der Kohleverstromung ein teures Unterfangen
von Norbert Kollenda

Durch den Kohlebergbau ist in Polen eine Konzentration von abhängig Beschäftigten sowohl im Bergbau als auch in der nachfolgenden Industrie entstanden. Bei Erdöl und Erdgas gibt es diese Arbeitermacht nicht, da können die Eigentümer (oder Putin) mehr oder weniger machen, was sie wollen.

Flucht/Migration 1. April 2016

Sicheres Herkunftsland Marokko?

Stellungnahme von Menschen aus Marokko
dokumentiert

Seit Monaten finden in Marokko viele Demonstrationen und Kundgebungen von den Bürgerinnen und Bürgern des Landes statt. In Städten wie Tanger, Casablanca, Rabat und Sale kämpfen Menschen für den Schutz von Frauen und Kindern und gegen die soziale Verarmung.

Flucht/Migration 1. April 2016

Internationale Konferenz der europäischen Refugee-Bewegungen

Jenseits des «Willkommen»
von Stefanie Kron, Massimo Perinelli*

Auf dem Hamburger Kampnagel wurde Ende Februar über Selbstorganisierung von und Solidarität mit Flüchtenden diskutiert.

Aus den verschiedensten Unterkünften, Camps und Lagern in der Bundesrepublik und dem europäischen Ausland – darunter London, Calais, Lampedusa, Paris, Lesvos und Thessaloniki – kamen vom 26. bis 28.2. mehr als 1500 Menschen in dem Hamburger Theater Kampnagel zur dreitägigen «International Conference of Refugees and Migrants» zusammen.

Europa 1. April 2016

Das portugiesische Experiment

Neue Parlamentsmehrheit stoppt neokonservativen Verarmungskurs
von Hermann Dierkes

Bei den Wahlen im letzten Oktober hat der rechte Parteienblock die absolute Mehrheit verloren. Ein schwerer Schlag auch für die neoliberale EU und die Merkel-Freunde. Die sozialdemokratische PS (Sozialistische Partei) hatte zwar kaum dazu gewonnen, aber der Erfolg der politischen Linken – insbesondere des Bloco de Esquerda (Linksblock) – war enorm.

Europa 1. April 2016

«Brot statt Militarismus»

Ein Osteuropäisches Sozialforum in Wroclaw – und die ganze Welt kam
von Norbert Kollenda

Seit Jahren hegten Aktivisten in Polen den Wunsch, ein Sozialforum zu veranstalten, auf dem die besondere Lage in den ehemaligen sogenannten sozialistischen Ländern analysiert und eine Antwort versucht wird auf die Frage, die im Programm so formuliert wurde: «Wie können wir ein politisches Bewusstsein in Osteuropa schaffen, wie eine gemeinsame Strategie des Kampfes entwickeln, die Zusammenarbeit koordinieren und ein ökologisches Bewusstsein wecken?»

Amerika 1. April 2016

US-Vorwahlen

Warum Sanders und Trump beim Wahlvolk so gut ankommen
von Ingo Schmidt

Die Macht der Parteiapparate hat ihre Grenzen. Demokratische und republikanische Führungszirkel in den USA haben bei den derzeit laufenden Vorwahlen große Schwierigkeiten, ihre Wunschkandidaten für die Präsidentschaftswahlen im November durchzusetzen.

Amerika 1. April 2016

Ein Gespräch über das Comeback des Sozialismus in den USA

«Die Sanders-Kampagne bietet eine große Chance, Sozialismus wieder populär zu machen»
Gespräch zwischen Alan Maass und Bashar Sunkara

Meinungsumfragen zufolge nimmt in den USA die Zahl der Leute, die sich mit dem Sozialismus identifizieren oder zumindest eine positivere Sicht vom Sozialismus als vom Kapitalismus haben, zu. Wo kommen all die Sozialisten her? Der Hauptgrund ist natürlich die Kampagne von Bernie Sanders, aber es gibt auch andere Faktoren, die erklären, warum der Sozialismus en vogue ist.

Amerika 1. April 2016

Labor for Bernie

Die Kampagne für Bernie Sanders ist noch nicht gelaufen
von Dianne Feeley*

Die Unterstützung für den demokratischen Präsidentschaftskandidaten Bernie Sanders bleibt aufrecht, obwohl nach derzeitiger Zählung der Wahlmänner eine Nominierung von Hillary Clinton immer wahrscheinlicher erscheint.

Europa 1. April 2016

EU-Debatte

Auf der Suche nach dem Ausgang
von Steffen Stierle*

Raus aus der EU oder die EU von innen reformieren? Diese Debatte hat nach der erzwungenen Kapitulation der griechischen Regierung im Sommer letzten Jahres in der Linken mächtig an Fahrt aufgenommen. Die SoZ dokumentiert in lockerer Reihenfolge unterschiedliche Standpunkte.

Europa 1. April 2016

Gesetzesänderungen in Großbritannien, Österreich

Neue Gesetze zu Sexualstrafrecht und häusliche Gewalt
von Angela Huemer

Am 11.Mai 2011 beschloss der Europarat die sog. Istanbuler Konvention, ein Übereinkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Insgesamt haben sie 38 Mitgliedstaaten des Europarats unterzeichnet; ratifiziert und in Kraft getreten ist sie seither in 21 Staaten – nicht in Deutschland.

Nur Online 24. März 2016

Die Barbarei der Fanatiker bekämpfen

Widerstand gegen die Tendenz zum Starken Staat entwickeln

Erklärung von isl und RSB zu den Anschlägen in Brüssel

Derzeit müssen wir von 35 Todesopfern und fast 200 Verletzten ausgehen. Diese Zahlen können in den nächsten Stunden und Tagen noch ansteigen. Mit diesem abscheulichen Akt wurde wahllos unter der Zivilbevölkerung gewütet. Wir trauern um die Opfer. Den Angehörigen der Opfer gehört unser Mitgefühl.

Nur Online 22. März 2016

Blinde und barbarische Gewalttaten

NPA Frankreichs zu den Anschlägen in Brüssel

dokumentiert

Die Neue Antikapitalistische Partei (NPA) verurteilt die beiden terroristischen Attentate in Brüssel, die mindestens 34 Tote und mehr als 198 Verletzte zur Folge gehabt haben. Sie drückt den Opfern und ihren Angehörigen ihre Solidarität aus.

Nur Online 22. März 2016

Anschläge in Brüssel

LCR/SAP, Sektion der Vierten Internationale in Belgien

Die LCR/SAP verurteilt in aller Schärfe die feigen terroristischen Attentate des 22. März in Brüssel. Keinerlei politische oder religiöse Motive können diese niederträchtigen Verbrechen rechtfertigen. Die LCR/SAP erklärt allen den unschuldigen Opfern dieser blinden Gewalttaten ihre Unterstützung und ihre tief betroffene Solidarität.

Nur Online 22. März 2016

Blinder Terror mit Folgen

Kommentar zum Blutbad in Brüssel
von Manuel Kellner

Die neuen Anschläge in Brüssel sind einmal mehr blinder Terror, diesmal mit mindestens 34 Toten und fast zweihundert Verletzten, alles unschuldige Zivilpersonen. So wie die modernen Interventionskriege der führenden Industrieländer mit ihrer überlegenen Militärmacht immer barbarischer zwecks Einschüchterung bewusst zivile Opfer ins Visier nehmen, so auch diese Attentäter, die den Krieg nach Europa tragen.

Nur Online 9. März 2016

Zur Kandidatur von Bernie Sanders

Für eine unabhängige linke Politik

Erklärung von Solidarity, USA*

Solidarity betont die strategische Notwendigkeit, eine Massenbasis für eine unabhängige politische Aktivität der Arbeiterklasse zu organisieren, die die arbeitenden Menschen, die unabhängigen sozialen Bewegungen und Organisationen der Unterdrückten in einem Kampf um ihre gemeinsamen Interessen gegen den Kapitalismus und seine politischen Vertreter vereinigt.

Flucht/Migration 2. März 2016

Asylpaket II

Verfahren im Schnelldurchgang
dokumentiert

Im Eilverfahren, binnen einer Woche, wurde das Asylpaket II durch den Bundestag gebracht – wie alle Gesetze, die die parlamentarischen Kontrollrechte beschneiden und die Entfaltung einer gesellschaftlichen Opposition im Keim ersticken sollen. Aus gutem Grund: Von «Brandmalen» und «Konzentrationslagern» sind die darin enthaltenen Regelungen nicht mehr weit entfernt.

Europa 2. März 2016

Gianis Varoufakis will die EU retten

DIEM25: Democracy in Europe Movement 2025
von Thies Gleiss

Am 9.Februar 2016 lud der frühere griechische Finanzminister und mittlerweile Popstar der gefälligen EU-Kritik, Gianis Varoufakis, zur Abendversammlung in die Berliner Volksbühne, um sein Projekt «Democracy in Europe Movement 2025» aus der Taufe zu heben.

Amerika 2. März 2016

«Im ganzen Land gibt es Entlassungen»

Autobauer bei GM in Brasilien kämpfen für Geld, Arbeitsplätze und ihre Rechte
von Bea Sassermann

Das Jahr 2016 fängt «gut» an: Am 18.Januar treten die Arbeiter von General Motors in São José dos Campos in Brasilien in den Streik. Es geht um die Höhe der Gewinnbeteiligung, die mit der Gewerkschaft ausgehandelt werden muss. Nach einer Woche Streik geht der Disput am 25.Januar in die Schlichtung. Am 26.Januar akzeptieren die Arbeiter das Schlichtungsergebnis und beenden den Streik. Aber es geht in São José dos Campos um mehr als Geld.

Europa 2. März 2016

Kill the Bill

Neues Antigewerkschaftsgesetz in Großbritannien
von Terry Conway*

Die britischen Antigewerkschaftsgesetze, eingeführt unter Margaret Thatcher und von der Labour-Regierung nicht abgeschafft, sind die restriktivsten in der ganzen EU. Nun schlagen die Tories ein neues Gesetz vor, das das kollektive Organisieren noch mehr erschweren soll.

Das Gegenteil von Transparenz

Erfahrungsbericht aus dem TTIP-Leseraum
von Katja Kipping*

Seit Anfang Februar dürfen die Abgeordneten des Bundestags jeweils zwei Stunden lang Einblick in die Dokumente über das Transatlantische Freihandelsabkommen nehmen, dem sie im Bundestag zustimmen sollen. Katja Kipping hat von der Möglichkeit Gebrauch gemacht und über ihre Erfahrungen berichtet.

Europa 2. März 2016

1.März: Transnationaler Streik

Gegen das Europa der Austerität und der Grenzen
von Peter Nowak

«Ganz sicher gibt es etwas wie ein ‹Wir› und ‹den Anderen› im heutigen Europa. Dieser Gegensatz besteht aber nicht zwischen Demokratie und Terror, sondern zwischen denen, die ausgebeutet werden, und denen, die ausbeuten, zwischen denen, die sich auf die Suche nach einem besseren Leben machen, und denen, die Grenzen, Zäune und Mauern errichten.

Europa 2. März 2016

Humanitäre Fluchtwege

Ein Pilotprojekt aus Italien
von Angela Huemer

Eine ökumenisch-institutionelles Pilotprojekt schafft auf beispielhafte Weise legale Einreisewege für Flüchtlinge.

Syrien: Zangenbewegung gegen die Opposition

Krieg gegen die syrische Bevölkerung
von Joseph Daher

Wir sind derzeit Zeugen eines weiteren Versuchs, politisch wie militärisch dem Aufstand in Syrien ein Ende zu setzen. Die militärische Offensive der Regimestreitkräfte, unterstützt von Bodentruppen der konfessionellen Hezbollah- und Schiitenmilizen sowie von iranischen und russischen Luftschlägen, setzt sich – trotz rhetorischer Verurteilung – mit Duldung der westlichen imperialistischen Mächte fort, während die syrische Opposition von denselben internationalen Kräften zu diplomatischen Verhandlungen gedrängt wird, damit sie sich den Bedingungen des Assad-Regimes beugt.

Afrika 2. März 2016

BRICS-Serie, Teil 5

Südafrika: Der geschwärzte Kapitalismus
von Ingo Schmidt

Unter dem Apartheidregime ging es der schwarzen Bevölkerungsmehrheit besser: Zu dieser traurigen Einschätzung ließ sich der Anti-Apartheid-Veteran Desmond Tutu 2014, 20 Jahre nach dem Ende des Apartheidregimes, hinreißen. Und fügte hinzu, er sei froh, dass viele der alten Kampfgefährten die seither erfolgte Ausbreitung von Ungleichheit, Armut und Korruption nicht mehr miterleben mussten.

Arbeitskämpfe 2. März 2016

Generalstreik gegen Rentenreform

Neue Protestwelle in Griechenland wirft Fragen auf
von Paul Michel

Am 4.Februar fand in Griechenland ein weiterer Generalstreik gegen die geplante Rentenreform statt. Es war der 36.Generalstreik seit November 2010.
Zum Streik aufgerufen hatten der Dachverband der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst (ADEDY), der Verband der Gewerkschaften in der Privatwirtschaft (GSEE) und der der KKE nahestehende Gewerkschaftsverband PAME. Der Protest richtete sich in erster Linie gegen das Vorhaben der Regierung SYRIZA, die Renten- und Sozialversicherung mit höheren Abgaben zu belasten und die Renten dafür ein weiteres Mal zu kürzen – aber auch gegen weitere Steuererhöhungen.

Arbeitswelt 2. März 2016

VIO.ME macht weiter

Drei Jahre betriebliche Selbstverwaltung
von Hans Bürger

Mitte Februar (13./14.2.) feierte VIO.ME sein dreijähriges Bestehen als selbstverwalteter Betrieb – mit Workshops und Musik.

Seit 2013 produziert die Belegschaft in eigener Regie umweltfreundliche Seifen und Reinigungsmittel ohne chemische Zusätze. Inzwischen hat der Betrieb offiziell den Status einer Sozialkooperative mit eigener Steuernummer erlangt. Die Produkte werden ohne Zwischenhändler auf informellen Märkten und in sozialen Zentren in Griechenland vertrieben. Eine breite internationale Solidartätsbewegung unterstützt das Projekt durch Spenden und durch die Abnahme der Produkte.

Europa 2. März 2016

Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil II

1936 – Zeit der Massenbewegungen
von Paul Michel

Am 16.1.1936 wurde die Volksfront (Frente Popular) gegründet. Sie umfasste im wesentlichen die gemäßigten Republikaner (Republikanische Linke und Republikanische Union), die sozialdemokratische PSOE (Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) und den ihr nahestehenden Gewerkschaftsverband UGT, die stalinistische PCE (Kommunistische Partei Spaniens) sowie die unabhängigen Kommunisten der POUM (Arbeiterpartei der marxistischen Einigung).

Nur Online 5. Februar 2016

Generalstreik in Griechenland

gegen Rentenreform ist voller Erfolg!*

von Elisa Hübel

Alle Sektoren waren massiv beteiligt! Die ersten Berufsverbände gingen bereits zwei Tage vorher in den Streik, so dass man eher von einem Rollstreik nach italienischem Vorbild sprechen muss. alleine in Athen waren ca. 100 000 auf der zentralen Demo.Aber auch in kleinen Orten fanden Kundgebungen statt.
Am Donnerstag fand in Griechenland ein Generalstreik statt. Es war der 36. dieser Art seit November 2010. Daran beteiligten sich Vertreter der unterschiedlichsten Berufszweige: das öffentliche Leben war stark beeinträchtigt. Es fuhren weder Schiffe noch Eisenbahnen.

Asien/Australien 1. Februar 2016

Der Anschlag in Istanbul

Wirkung verpufft?
von Murat Cakir*

Nach den Anschlägen in Istanbul verkündete die Regierung Erdogan sehr rasch, diese seien das Werk des IS. Doch Zweifel sind angebracht.
Die Tatsache, dass weder der deutsche Bundesinnenminister, der sich zu dem Zeitpunkt in der Türkei aufhielt, noch deutsche Geheimdienste mit Sicherheit den Anschlag von Sultanahmet direkt dem IS zuordnen, zeigt, dass mehr dahinter steckt.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2016

Mit nationalistischen Parolen in den Syrienkrieg

Demonstration gegen den Syrien-Einsatz der Bundeswehr am 23.1.2016
Rede von Christoph Marischka*

Liebe Freundinnen und Freunde,
…was mit ersten Auslandseinsätzen der Bundeswehr Anfang der 90er Jahre am Golf und in Somalia begann und mit Luftangriffen auf Jugoslawien seinen ersten Höhepunkt fand, was sich mit fünfzehn Jahren Krieg in Afghanistan und zahlreichen, ebenso fruchtlosen – ja, katastrophalen – Einsätzen in Afrika fortsetzte, erreicht mit dem Einsatz in Syrien, im Irak und nicht zuletzt in der Türkei eine ganz neue Qualität.

Europa 1. Februar 2016

Tahrir in Europa

Die Verweigerungshaltung der europäischen Linken
von Marieme Helie Lucas*

Die Reaktionen auf die Sylvesternacht in Köln und anderswo konnten nicht überraschen: Vertuschung der Vorfälle, ihrer internationalen Koordinierung und ihres Umfangs so lange wie möglich durch die politisch Verantwortlichen, ihre Polizei und die Medien, die damit wie gewohnt die Rechte der Frauen dem sozialen Frieden opfern.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2016

Die Waffen und Hämmer nieder!

Fiktives Gespräch mit einem antimilitaristischen Arbeiter
von Manfred Dietenberger

In der SoZ vom Januar 2016 nahm Manfred Dietenberger die Position der IG Metall zur Rüstungsproduktion unter die Lupe und kontrastierte sie mit antimilitaristischen Initiativen der Rüstungsarbeiter nach dem Ersten Weltkrieg. Der Bericht darüber begeisterte ihn so sehr, dass er mit einem der Protagonisten, Rudolf Rocker, ein fiktives Interview führte.

Amerika 1. Februar 2016

Flint/Michigan, USA

Verseuchtes Trinkwasser – ein Ewigkeitsproblem
von Angela Huemer

Um zu sparen holten die Bewohner von Flint, Michigan, seit April 2014 ihr Wasser aus dem gleichnamigen Fluss. Unbehandelt. Die Folge: unabsehbare Gesundheitsschäden durch Bleivergiftungen. Es lohnt sich im Detail nachzusehen, wie es zu einer solchen Verschmutzung des Trinkwassers in einem der reichsten Länder der Welt kommen konnte.

Arbeitswelt 1. Februar 2016

Frankreich: Reform des Arbeitsgesetzbuchs

Das Arbeitsrecht steht unter Beschuss
von Pierre Cours-Salies*

In Frankreich nehmen der Unternehmerverband MEDEF und die Regierung Hollande derzeit eine Grundfeste der sozialen Rechte aufs Korn: das Arbeitsgesetzbuch. Angeblich ist es zu umfangreich und muss abgespeckt werden, tatsächlich waren es die Unternehmer, die in den letzten zwanzig Jahren einen Haufen Ausnahmen von den gesetzlichen Bestimmungen durchgesetzt haben, sie machen etwa ein Drittel des Gesetzbuchs aus!

Afrika 1. Februar 2016

Sheraton Addis Abbeba

Wenn Luxus und Ausbeutung aufeinandertreffen
Interview mit einem Gewerkschaftsaktivisten aus Äthiopien

Dawit Samuel Misganaw* aus Äthiopien hat 14 Jahre in der Hauptstadt Addis Abbeba im Sheraton Addis gearbeitet. Das Luxushotel ist Teil der Starwood’s Luxury Collection und wird vor allem von internationalen Gästen zu Tagungszwecken besucht.
Dawit wurde 2013 gekündigt, weil er die Gewerkschaft Sheraton Addis Basic Labor Union (SABLU) aufgebaut hatte.

Europa 1. Februar 2016

Portugal: Fortschritte und Widersprüche der neuen Regierung

Portugal: Fortschritte und Widersprüche der neuen Regierung
von João Camargo*

Nach den Wahlen in Portugal im letzten Oktober schien es unwahrscheinlich, dass ihr Ergebnis so weitreichende Folgen haben würde. Die sozialdemokratische Sozialistische Partei (PS) unter António Costa hatte zu wählen zwischen einer totalen Kapitulation gegenüber der Mitte-Rechts-Partei oder einem Linksruck; sie hat sich zunächst für den Linksruck entschieden.

Europa 1. Februar 2016

Präsidentschaftswahlen in Portugal

Die Revanche der Rechten
von Cristiano Dan

Was zu befürchten war, ist eingetreten. Der Präsidentschaftskandidat der rechten Parteien, Marcelo Rebelo de Sousa, wurde im ersten Wahlgang mit rund 52% der Stimmen gewählt.

Europa 1. Februar 2016

«Die Kapitulation im Juli war nicht objektiv unvermeidlich»

Über die Gründe für die Kapitulation von Tsipras vor den Gläubigern und die Arbeit der Linken in SYRIZA
von Antonis Davanellos

Antonis Davanellos ist Mitglied der Leitung von DEA (Internationale Arbeiterlinke), die Teil der Linken Plattform in SYRIZA war. Er war auch Mitglied des Zentralkomitees von SYRIZA.

Europa 1. Februar 2016

Wie viel Integration wollen wir?

Für einen Dritten Weg in der Debatte um die Zukunft der EU
von Peter Wahl

Die ungeheure Brutalität, mit der die Troika gegen den Versuch der ersten Regierung SYRIZA vorgegangen ist, sich aus dem Teufelskreis der Schulden und der Memoranden zu befreien, hat in der europäischen Linken große Perplexität ausgelöst. Die Reaktionen waren unterschiedlich, aber auf allen Seiten ist das Bedürfnis groß, darüber zu reden, Analysen und Einschätzungen auszutauschen und, nicht zuletzt, Strategien zu entwickeln.

Europa 1. Februar 2016

Wie die Demokratie verteidigen?

Plädoyer für eine Machtübernahme des Volkes in Polen und anderswo
von Przemyslaw Wielgosz

Es war zu erwarten, dass die Regierung der PiS (Partei Recht und Gerechtigkeit) zu gesellschaftlichen Protesten führen würde. Es war aber nicht zu erwarten, dass es so schnell und in solch einem Ausmaß geschah. Das ist eine gute Nachricht.

Europa 1. Februar 2016

Die PiS ist die Erbin der Transformation

Über die Abschaffung der Dritten Republik
Gespräch mit Karol Modzelewski*

Die Aufhebung selbst der formalen Unabhängigkeit der Justiz und der Medien weckt bei vielen Polen die Angst vor einem stillen Staatsstreich. Nachstehend dazu Auszüge aus einem Interview der Monatszeitschrift Przeglad mit Karol Modzelewski (11.1.2016).

Asien/Australien 1. Februar 2016

Umworben von Washington und Moskau

In der Türkei stehen die Kurden mit dem Rücken zur Wand, doch in Syrien gewinnen sie Handlungsspielraum
von Nick Brauns

Erdogans Wiederaufnahme des Krieges gegen die Kurden in der Türkei wird durch die Stärkung der Kurden im Kampf gegen den IS in Syrien konterkariert.
Erstmals seit den 90er Jahren ist die türkische Armee im Dezember mit Panzern in die von Kurden bewohnten Städte im Osten des Landes eingerückt.

Amerika 1. Februar 2016

Lateinamerika: Ende eines Zyklus

Die «fortschrittlichen» Regierungen stehen an einem Wendepunkt
von Virginia de la Siega*

Zwei kürzliche Ereignisse – der Sieg des rechten Kandidaten Mauricio Macri in der zweiten Runde der argentinischen Präsidentschaftswahlen am 22.November und der Sieg der rechten Opposition bei den Parlamentswahlen in Venezuela am 6.Dezember – haben die die politische Landkarte Südamerikas drastisch verändert und scheinen ein Ende der in den späten 1990er Jahren begonnenen «progressiven» Phase auf dem Kontinent einzuläuten.

Amerika 1. Februar 2016

Politik in Venezuela

Schwanengesang auf den Chavismus?
von Juan Agulló, Rafael Rico Ríos*

Vor 17 Jahren, am 6.Dezember 1998, gewann Hugo Chávez mit deutlicher Mehrheit (56,2%) die Präsidentschaftswahlen in Venezuela. Das Land begrub damit das Zwei-Parteien-System – bis dato hatten sich die bürgerlichen Parteien COPEI und AD an der Regierung abgewechselt – und trat aus dem ständigen Teufelskreis von Krise und Umstrukturierungen aus.

Asien/Australien 1. Februar 2016

BRICS-Serie, Teil 4

China: Der unmögliche Kapitalismus
von Ingo Schmidt

Im «Kommunistischen Manifest» bezeichneten Marx und Engels die «wohlfeilen Preise» kapitalistisch hergestellter Waren als die «schwere Artillerie, mit der [die Bourgeoisie] alle chinesischen Mauern in den Grund schießt … und alle Nationen zwingt, die Produktionsweise der Bourgeoisie sich anzueignen, wenn sie nicht zugrunde gehen wollen».

Asien/Australien 1. Februar 2016

Razzia gegen chinesische Arbeiterorganisationen

Eine neue Stufe der Repression

Am 3.Dezember wurden vier chinesische Arbeiterorganisationen in den südlichen Produktionszentren Guangzhou und Foshan von der Polizei angegriffen. Dutzende Angestellte, Familienmitglieder und Arbeiter wurden verhört, sieben blieben über einen Monat in Haft. Vier wurden bislang formell verurteilt: drei, weil sie durch Organisierung von Versammlungen die soziale Ordnung gestört hätten, einer wegen dem Vorwurf der Veruntreuung.

Europa 1. Februar 2016

Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil I

Vom Ende der Monarchie zur Volksfront
von Paul Michel

Große gesellschaftliche Transformationen in Europa sind immer ein europäischer Prozess. Daran zu erinnern lohnt sich vor allem in der heutigen Situation, wo es erneut massive gesellschaftliche Umbrüche in Europa gibt. In Spanien hat sich 1936–1939 das Schicksal Europas entschieden: Erst durch das Scheitern dieser Revolution wurde der Weg frei für den Zweiten Weltkrieg und die Vorherrschaft des Faschismus.

Europa 1. Januar 2016

Europas Hütehund…

…die Türkei
von Angela Klein

Der europapolitische Ansatz der «Merkel-Linie» in der Flüchtlingspolitik hat eine fatale Wendung genommen: Ging es zunächst darum, «Menschen in Not» zu helfen und alle EU-Länder dabei mit in die Pflicht zu nehmen, ist dieser Ansatz längst dem Junktim gewichen, dass Hilfe für die bereits Angekommenen nur möglich ist, wenn gleichzeitig die Außenmauern der EU so hoch gezogen werden, dass niemand anderes mehr reinkommt.

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2016

Der Bundeswehreinsatz in Syrien

Völkerrechts- und grundgesetzwidrig
von Angela Klein

Militärisch gesehen ist der deutsche Beitrag zum Kriegseinsatz gegen den IS in Syrien mit Tornados für die Aufklärung, einer Fregatte und Luftbetankung französischer Kampfjets symbolischer als die Auseinandersetzung darum vermuten ließe. Politisch aber geht es auch diesmal hauptsächlich um die Enttabuisierung eines völkerrechts- und grundgesetzwidrigen Einsatzes – jenseits aller politischen Vernunft, um auch militärisch wieder eine Macht zu werden.

Europa 1. Januar 2016

Wir feiern den Wahlsieg…

…aber wir arbeiten am Bruch
Erklärung von Anticapitalistas*

Die Auflehnung gegen die Politik der Einschnitte und der Angriffe auf die arbeitende Bevölkerung, die am 15.Mai 2011 (15M) begann, hatte nun auch Folgen an der Wahlurne. Ein weiterer Beweis dafür, dass viele Leute nicht klein beigeben und dass es eine breite soziale Basis dafür gibt, weiterhin für eine radikale politische und soziale Veränderung zu arbeiten, die den Zwangsräumungen, den Missbräuchen der Banken und der Ausbeutung und Prekarisierung der Arbeit, der Machogewalt, der Behinderung der freien Selbstbestimmung der Völker und der Zerstörung der Natur ein Ende bereitet.

Europa 1. Januar 2016

Regionalwahlen in Frankreich

Linke in der Sackgasse
von Roger Martelli/d.Red.*

Welch ein Ergebnis! Im ersten Wahlgang enthält die sich die Hälfte der Wahlberechtigten, im zweiten Wahlgang sinkt der Anteil der Enthaltungen nur deshalb auf 41,5%, weil parteiübergreifend Front gemacht wird gegen einen Durchmarsch der rechtsextremen FN. Dadurch hat diese ihr Wahlziel, in zwei Regionen die Regionalpräsidentin zu stellen, nicht erreicht.

Europa 1. Januar 2016

«Postfaschismus» in Europa

Der politische Wandlungsprozess der rechtsextremen Parteien
Gespräch mit Enzo Traverso

Am Ende hat sie ihr Wahlziel doch nicht geschafft: Marine Le Pen, die Vorsitzende der rechtsextremen FN, ist nicht Regionalpräsidentin in ihrem Wahlbezirk Nord-Pas-de-Calais-Picardie geworden. Und auch ihre Nichte, Marion Maréchal-Le Pen, die sich noch stärker aus der Mottenkiste faschistischer ideologischer Versatzstücke bedient, hat in der Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur ihr Wahlziel in der zweiten Runde der Regionalwahlen verfehlt.

Afrika 1. Januar 2016

Was tut die Bundeswehr in Mali?

Der Kriegseinsatz an der Seite Frankreichs ist hochgradig konterproduktiv
von Bernard Schmid

Die Sahelzone wird, neben dem Aktionsraum des IS in Syrien und im Irak, zu den nächsten Einsatzorten der deutschen Bundeswehr zählen. In Mali sollen die deutschen Streitkräfte die seit Januar 2013 in dem westafrikanischen Land intervenierende französische Armee «entlasten».

Globalisierung/Krieg 1. Januar 2016

Schluss mit der Waffenproduktion!

Ein Kampf im Interesse der Allgemeinheit
von Manfred Dietenberger

Ausgerechnet am Internationalen Tag der Menschenrechte (10.12.) starteten als «Vorauskommando» ein mit 40 Soldaten besetzter Bundeswehr-Airbus A400M gefolgt von zwei «Tornado»-Kampfjets in den Krieg nach Syrien. Ausgerechnet vom Fliegerhorst Jagel in Schleswig-Holstein, dem Stationierungsort, wo das Aufklärungsgeschwader 51 (vormals Sturzkampfgeschwader 2) als Traditionsgeschwader der Luftwaffe im Zweiten Weltkrieg seit April 1993 stolz den Beinamen «Immelmann» trägt – benannt nach einem berüchtigten Jagdflieger des Ersten Weltkriegs.

Europa 1. Januar 2016

Frankreich und Belgien auf dem Marsch in den autoritären Sicherheitsstaat

Ausnahmezustand – für wen?
von der Redaktion

In Frankreich wie in Belgien werden unter dem Vorwand des «Kampfes gegen den Terrorismus» Notstandsmaßnahmen verhängt, die ganz andere Ziele verfolgen als die verkündeten.

Europa 1. Januar 2016

Notstand der Demokratie!

Ein Aufruf aus Belgien wider die Angst
von lcr-lagauche.org*

In Belgien haben 40 Erstunterzeichner aus Wissenschaft, Gewerkschaften und politischen Aktivisten einen Aufruf lanciert mit dem Titel: «Von der Angst zum Widerstand – Notstand der Demokratie!» Er beschreibt den zweifelhaften Charakter der Notstandsmaßnahmen der belgischen Regierung.

Europa 1. Januar 2016

Ist die Klimabewegung die Zukunft des Antikapitalismus?

Eine erste politische Bilanz der Proteste gegen den UN-Klimagipfel
aus Regards.fr*

Der Ausnahmezustand hat verhindert, dass die Aktionen rund um den Klimagipfel in Paris den Massencharakter annehmen konnten, der im Vorfeld erhofft worden war. Erschwerend kam hinzu, dass das Bündnis Coalition Climat 21 uneins war, wie es darauf reagieren sollte. Dennoch haben in den beiden ersten Dezemberwochen zahlreiche Aktionen stattgefunden, an denen jeweils Tausende beteiligt waren.

Asien/Australien 1. Januar 2016

BRICS-Serie, Teil 3

Indien: Der informelle Kapitalismus
von Ingo Schmidt

Einst die Kronjuwele im britischen Kolonialreich, ist Indien heute ein neoliberales Juwel. Anderswo führen Weltmarktöffnung und Deregulierung zu Finanz- und Wirtschaftskrisen. In Indien war es bislang andersherum. 1991 nahm die Regierung einen IWF-Kredit zur Eindämmung einer akuten Zahlungsbilanzkrise in Anspruch. Die daran geknüpften Auflagen führten zu einer Entfesselung des Neoliberalismus, mit dem frühere Regierungen nur vorsichtig experimentiert hatten.

Flucht/Migration 1. Januar 2016

Zusammenbruch der öffentlichen Daseinsvorsorge in Berlin

Der Ansturm der Flüchtlinge offenbart das Scheitern des neoliberalen Staates
Gespräch mit Rainer Balcerowiak*

Über die unhaltbaren Zustände beim Landesamt für Gesundheit und Soziales (LaGeSo) wird derzeit auch überregional berichtet. Worum handelt es sich bei diesem Amt?
Das LaGeSo ist die Anlaufstelle für die Erstregistrierung. Alle Flüchtlinge, die in Berlin ankommen, müssen sich zuerst hier melden, erst dann können sie in Notunterkünften oder anderweitig untergebracht werden, und erst auf dieser Grundlage können sie ihren Asylantrag stellen. Den müssen sie aber beim Bundesamt für Migration und Flüchtlinge, dem BAMF, stellen.

Europa 1. Januar 2016

Griechenland: Frontstaat des Abschottungsregimes

Griechenland: Frontstaat des Abschottungsregimes
von Paul Michel

Nachdem Griechenland die Souveränität über seinen Haushalt genommen wurde, ist es jetzt auch nicht mehr Herr seiner Grenzen.
Seit dem 18.November 2015 entwickelt sich Idomeni, ein Ort an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien, für Tausende von Flüchtlingen zum Ort des Horrors. Die Entscheidung der mazedonischen Regierung vom 19.November, ihre Grenze für alle Flüchtenden mit Ausnahme derer aus Syrien, Afghanistan und Irak zu schließen, hatte katastrophale Folgen.

Europa 1. Januar 2016

Polens liberales Aufbegehren

Verfassungsbruch bringt Tausende auf die Straße
von Norbert Kollenda

Am 12.Dezember waren nicht, wie erwartet, 5000 oder 10000 Menschen in Warschau auf der Straße, sondern 50000, und weitere Tausende bei Demonstrationen in Danzig, Posen und in anderen Städten. Aber es waren nicht Kaczynskis Leute – seine Politik hat die Menschen aufgebracht. Am Samstag darauf waren wieder Tausende in 20 Städten Polens auf der Straße.

Europa 1. Januar 2016

Parlamentswahlen in Spanien

Das Zweiparteiensystem ist gebrochen
von Flavio Guidi*

Bei den jüngsten Parlamentswahlen in Spanien hat die Linke (einschließlich der sozialdemokratischen PSOE) die Mehrzahl der Stimmen erzielt (rund 52%), doch wegen des undemokratischen Wahlgesetzes erhält sie nicht die Mehrheit der Sitze.

Europa 1. Januar 2016

Tschechische Republik: Neue Rechtspartei im Aufwind

Die Chancen auf einen Anschluss an Westniveau schwinden zusehends
von Stepán Steiger

Mit der derzeitigen Wirtschaftspolitik bleibt Tschechien dauerhaft vom Westniveau abgehängt, fürchten die tschechischen Gewerkschaften. Das gibt einer neuen, rechtsnationalistischen Partei Auftrieb.

Nordafrika/Nahost 1. Januar 2016

Zehn Jahre Boycott – Divestment – Sanctions (BDS)

Im Visier: die Komplizen der Besatzungspolitik
von Sophia Deeg

Die Kampagne gegen die israelische Besatzung Palästinas ist international erfolgreich.
Als zu Anfang der 2000er Jahre Palästinenser innerhalb und außerhalb Palästinas ihre Illusionen über den Oslo-Prozess, «die internationale Staatengemeinschaft» und die eigene korrupte Führung begruben und über eine wirksame Strategie von unten nachdachten, rieten südafrikanische Antiapartheidaktivisten zu einer ähnlichen internationalen Kampagne für gleiche Rechte wie die, die in Südafrika zum Erfolg geführt hatte.

Nur Online 22. Dezember 2015

Kurze Geschichte des IS

Der »Islamische Staat« entstand aus den zerstörten Hoffnungen des „arabischen Frühlings“

von Adam Hanieh (dokumentiert*)

Nach den Anschlägen in Paris am 13. November brachten viele Linke den Aufstieg des »Islamischen Staats« (IS) mit der zunehmenden imperialistischen Gewalt im Nahen Osten in Verbindung: Krieg und Imperialismus einerseits sowie der wachsende dschihadistische Terrorismus andererseits würden sich wechselseitig verstärken. Diese Analyse greift zu kurz.

Nur Online 22. Dezember 2015

Ausnahmezustand in Frankreich

Kriegsdiskurs des Präsidenten

von Gilbert Achcar

Mit der Ausrufung des Ausnahmezustandes begeht Frankreich einen Fehler
Der Kriegsdiskurs des französischen Präsidenten zielt darauf ab, diese Maßnahme zur Norm zu machen.
Ein strategischer Irrtum, verbunden mit einem politischen Fehler, der das Risiko des Terrorismus
weiter anwachsen lässt.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2015

Krieg! Krieg?

Krieg! Krieg?
von Angela Klein

«Frankreich ist im Krieg», erklärt der französische Staatspräsident François Hollande nach den Anschlägen vom 13.November. Er präzisiert: «Kein Zivilisationskrieg, sondern ein Krieg gegen den jihadistischen Terrorismus.» Die Formulierung ist so ungenau und die Implikationen des Begriffs «Krieg» so weitreichend, dass die Bezeichnung «Krieg» an dieser Stelle zurückgewiesen werden muss.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2015

Eure Kriege, unsere Toten

Eure Kriege, unsere Toten
von Julien Salingue*

Es sind die Unseren, die in der letzten Nacht gestorben sind.
Auf der Terrasse eines Restaurants, in einer Bar, auf der Straße, in einem Konzertsaal.
Gestorben, weil Mörder beschlossen haben, inmitten von Paris zuzuschlagen und in die Menge zu schießen, um soviele Opfer wie möglich zu machen.
11.30 Uhr. Sarkozy erklärt gerade: «Wir sind im Krieg.»

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2015

Die Kriegführung des Islamischen Staates

Rache, nicht wahlloser Mord
von Patrick Cockburn*

Der Islamische Staat (IS) hat stets Zivilisten in großer Zahl massakriert, um seine Stärke zu zeigen und seinen Feinden Furcht einzuflößen. Der Westen nimmt diese Scheußlichkeiten allerdings nur wahr, wenn sie auf seinen Straßen geschehen, obwohl Selbstmordattentäter des IS am 12.November in Beirut 43 Menschen und am 13.November in Bagdad 26 weitere töteten.

Gemeingüter 1. Dezember 2015

EuGH kippt Datenabkommen mit den USA

Kein «sicherer Hafen» für deine Daten
von Rolf Euler

Es bedurfte erst eines Urteils des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) um juristisch festzuschreiben, was die kritische Internetgemeinde wusste und längst kritisiert hatte: Die Datenübertragung von personenbezogenen Daten zu Firmen in die USA kann nicht unter dem «Safe-Harbour-Siegel» laufen.

Gesellschaft 1. Dezember 2015

Spitzensport – ein Wintermärchen

Fußball: Lichtgestalten, Big Business und Korruption
von Manuel Kellner

Wir könnten auch über die Dopingskandale bei den Radprofis oder den Leichtathleten reden, oder vielleicht über die Autobiografie von André Agassi, der die verhunzte Kindheit, die jahrzehntelangen Schmerzen und den körperlichen Ruin beschrieben hat, die unweigerlich mit der Selbstbehauptung unter den besten Tennisspielern verbunden sind. Die Projektionsflächen des Publikums, das seine Fluchtwelten braucht, um das eigene Leben als lebenswert zu empfinden, sind Gegenstand bedeutender Investitionen und machtpolitischer Kalküle – das geht auf die Knochen dieser Aktiven wie auch der vielen Millionen Passiven, die sich auf ihren Sofas oder in ihren Sky-Kneipen bei Bier und Kartoffelchips nicht wirklich (sondern höchstens in der Einbildung) spielerisch und gesundheitsfördernd entfalten.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2015

«Die Klimaverhandlungen sind eine Farce»

Forderung nach Strategiewechsel in der Bewegung gegen Klimawandel
Gespräch mit Pablo Solón

Seit die Vereinten Nationen im Jahr 1992 eine Klimarahmenkonvention angenommen haben, hat es zwei Klimaabkommen der Staaten gegeben, die der Konvention beigetreten sind (bis heute 146 Länder): das Kyoto-Protokoll 1997, das die Klimaziele für den Zeitraum 2008–2012 festlegte; und das Abkommen von Cancún 2010, das für den Zeitraum 2012–2020 gilt. Cancún beschloss, was in Kopenhagen 2009 gescheitert war: dass nämlich keine gemeinsamen verpflichtenden Klimaziele benannt werden, sondern die Partnerländer der Konvention jeweils freiwillige Absichtserklärungen formulieren.

Europa 1. Dezember 2015

Frankreich im Ausnahmezustand

Wer ist da im Visier?
von Bernard Schmid

Noch in der Nacht des Pariser Blutbads verhängte die französische Regierung den Notstand. Dieser beinhaltet unter anderem ein allgemeines Versammlungsverbot unter freiem Himmel. Nur Spontankundgebungen für Trauer und Gedenken wurden de facto toleriert. Doch beispielsweise die für Anfang Dezember vorgesehenen Proteste rund um den UN-Klimagipfel wurden offiziell untersagt.

Europa 1. Dezember 2015

Europol wird zur Superbehörde

Im Windschatten der jüngsten Terroranschläge rüstet die EU-Polizei mächtig auf
von Andrej Hunko*

Die Anschläge in Paris wurden in mehreren Ländern geplant und organisiert. Grenzüberschreitende, koordinierte Ermittlungen sind deshalb richtig und wichtig. Das darf nicht bedeuten, dass sich ein Sicherheitsapparat zur Gefahrenabwehr verselbständigt. Genau dies beobachten wir aber gerade bei Europol.

Europa 1. Dezember 2015

DGB und CGT

Wie Gewerkschaften auf die Terroranschläge reagieren
von Manfred Dietenberger

Bei sechs menschenverachtenden Anschlägen wurden am 13.November in Paris willkürlich 130 Menschen ermordet, über 350 Menschen verletzt. Kein Mensch, den das nicht aufwühlt. Kein Gewerkschafter, der da mit den Opfern und ihren Angehörigen nicht mitleidet und gemeinsam mit der Pariser Bevölkerung die Attentäter und deren Drahtzieher (der sog. Islamische Staat) verabscheut.

Arbeitskämpfe 1. Dezember 2015

Auf dem Weg zum transnationalen sozialen Streik?

Bericht vom Treffen in Poznan
von Peter Nowak

Am ersten Oktober-Wochenende hatte die anarchosyndikalistische polnische Gewerkschaft Inicjatywa Pracownicza (Arbeiterinitiative) zum transnationales Streikmeeting nach Poznan eingeladen. Zu den etwa 150 Teilnehmenden gehörten Aktivisten sozialer Zentren Italiens und die Gruppe Angry Workers aus Großbritannien. Aus Deutschland waren vor allem Vertreter der Interventionistischen Linken und des Blockupy-Netzwerk gekommen.

Flucht/Migration 1. Dezember 2015

Überfordern uns die Flüchtlinge?

Soziale Ungleichheit ist ein Haupthindernis für Integration
von Manuel Kellner

«Wir schaffen das», sagte die Kanzlerin. Die Äußerung empörte ihren Fraktionspartner CSU, die seitdem nicht müde wird, mit allen verfügbaren Mitteln Stimmung zu machen, damit in der Öffentlichkeit der Eindruck entsteht, wir schaffen es nicht, die Fluchtwelle überfordert uns, den Flüchtlingen muss die Tür vor der Nase zugesperrt werden.

Flucht/Migration 1. Dezember 2015

OBs äußern sich zur Bewältigung der Flüchtlingswelle

«Wir schaffen das!»

Deutschland ist mit den Flüchtlingen überfordert? Das sehen die Oberbürgermeister der 30 größten deutschen Städte anders.
In den 30 Metropolen lebt fast ein Viertel der Bevölkerung. Spiegel Online hat sie im vergangenen Oktober nach ihrer Einschätzung gefragt.
Das Ergebnis passt nicht zur Panikmache einiger Medien und Politiker.

Europa 1. Dezember 2015

Flüchtlinge in Polen

Haltung: Nicht erwünscht
von Norbert Kollenda

Es gibt viele widersprüchliche Berichte darüber, wie die polnische Bevölkerung zu den Flüchtlingen steht. Fakt ist, dass die Regierung sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sperrt. Ich denke, sobald eine Flut von Flüchtlingen nach Polen käme, würden wir erfahren, wie die Bevölkerung reagiert – schließlich sind die Polen als gastfreundlich bekannt. Wer hätte denn vorher in Deutschland vermutet, dass eine Welle von Hilfsbereitschaft die Flüchtlinge willkommen heißt?

Europa 1. Dezember 2015

Wahlen in Polen

Zahlen und Fakten
von Ewa Groszewska*

Bei den Parlamentswahlen in Polen am 25.Oktober haben zwei Parteien am besten abgeschnitten, die bereits vorher die politische Szene dominierten: die neoliberale Bürgerplattform (PO) und die Partei «Recht und Gerechtigkeit» (PiS).

Asien/Australien 1. Dezember 2015

Parlamentswahlen in der Türkei

Die Angst hat gesiegt
von Murat Çakir

Die Parlamentswahlen vom 1.November haben die Wahlergebnisse vom 7.Juni 2015 zugunsten der AKP «korrigiert», die «Partei der Gerechtigkeit und Hoffnung» holte ihre Parlamentsmehrheit zurück. Die CHP (Republikanische Volkspartei) konnte ihre Position nicht ausbauen und bleibt größte Oppositionspartei. Die HDP (Demokratische Partei der Völker) wurde trotz Verluste drittstärkste Kraft im Parlament und konnte die hohe Wahlhürde von 10% erneut überwinden. Die neofaschistische MHP (Partei der nationalistischen Bewegung) ist schwer angeschlagen und die größte Wahlverliererin.

Europa 1. Dezember 2015

Griechenland: erster Generalstreik…

… gegen neue Regierung
dokumentiert

Der Generalstreik am 12.November war der erste seit der Regierungsübernahme von SYRIZA. Dazu aufgerufen hatten die beiden Gewerkschaftsdachverbände ADEDY (öffentlicher Dienst) und GSEE (Privatwirtschaft), die der KKE nahestehende PAME sowie zahlreiche unabhängige Basisgewerkschaften und Organisation der außerparlamentarischen Linken.

Europa 1. Dezember 2015

Viomechaniki Mechaleftiki – Vio.me

Es droht die Zwangsversteigerung
von ah

Seit 1981 gibt es die Firma Viomechaniki Mechaleftiki, kurz Vio.me. Sie stellte einst Chemikalien für die Bauindustrie her. 2009 ging die Mutterfirma, Filgeram-Johnson, pleite. 2011 schickte die Eigentümerfamilie Filipou die Fabrik in die Insolvenz, die Löhne wurden nicht mehr ausbezahlt, die Beschäftigten einfach ihrem Schicksal überlassen. In erster Instanz gab es dafür eine Verurteilung zu 123 Monaten Gefängnis, in zweiter Instanz wurde sie auf 43 Monate reduziert.

Europa 1. Dezember 2015

Griechenlandsolitreffen in Kassel

Ein bedeutender Schritt nach vorn
von Paul Michel

Etwa 40 Personen aus Gruppen der bundesweiten Griechenlandsolidarität trafen sich am 21./22.November in Kassel, um über ihre weitere Arbeit zu beraten.

Europa 1. Dezember 2015

Portugal: Tolerierungsabkommen mit PS

«Wir haben die Gelegenheit, die Sparmaßnahmen rückgängig zu machen»
Gespräch mit Ferdinand Rosa (Bloco de Esquerda)

Das Tolerierungsabkommen, das die Sozialistische Partei (PS) in Portugal mit dem Linksblock (Bloco de Esquerda), der Portugiesischen Kommunistischen Partei (PCP) und den Grünen jeweils separat abgeschlossen hat, ist für das Land eine Premiere. Zum einen, weil sich der Linksblock dezidiert als Antiausteritätspartei versteht, zum anderen, weil die Parteien links von der PS bislang immer gespalten waren.

Europa 1. Dezember 2015

Tauziehen in Portugal

Regierungskrise: Zwischen Tolerierungsabkommen und Diktat des Staatspräsidenten
von esquerda.net*

Am 8.November verkündete der Vorsitzende der sozialdemokratischen Sozialistischen Partei (PS) ein Tolerierungsabkommen, das die PS in separaten Verhandlungen mit dem Linksblock (Bloco de Esquerda) und der Portugiesischen Kommunistischen Partei (PCP) ausgehandelt hatte. Die PS hat darin über 70 Maßnahmen zugestimmt, die sie in ihr Regierungsprogramm übernehmen will.

Asien/Australien 1. Dezember 2015

BRICS-Serie, Teil 2

Russland: Der ungeliebte Kapitalismus
von Ingo Schmidt

Zu Oligarchen mutierte Apparatschiks, Banker und Berater aus dem Westen und ein Zusammenbruch der Wirtschaft tiefer als die Depression in den USA oder Deutschland in den 1930er Jahren – so hat der Kapitalismus in Russland Einzug gehalten.

Nur Online 30. November 2015

Erklärung des Nationalen Bundeskomitees der CGT

Mittwoch, den 18. November 2015
von Laura*

Das Nationale Bundeskomitee der CGT, das am 17./18. November getagt hat, bezeugt zuallererst seine Solidarität mit allen von der Tragödie des Freitag, den 13. November betroffenen Familien und sagt ihnen die Unterstützung durch die CGT zu. Sie begrüßt noch einmal die außerordentliche Mobilisierung aller Beschäftigten der öffentlichen Dienste und Unternehmen.

Nur Online 14. November 2015

Nach Paris: Nein zu Rassismus und imperialistischen Kriegen

Erklärung der SWP*

Die erschreckenden Morde in Paris sind furchtbar. Unsere Sympathie gilt den Opfern, deren Familen und Freunden. Wir dürfen aber nicht erlauben, dass dieser Horror den Rassismus und die Islamophobie entfacht.

Nur Online 14. November 2015

Sozialismus oder Barbareien

Der mörderische Islamismus ist Phänomen der Moderne

von Joseph Daher*

Rosa Luxemburg pflegte während des Ersten Weltkriegs und der darauf folgenden deutschen Revolution zu sagen “Sozialismus oder Barbarei”. Heute sollten wir sagen „Sozialismus oder Barbareien“. Ja in der Tat, die Barbarei hat heute viele Gesichter…

Nur Online 14. November 2015

Gegen die Angst: die Solidarität!

Communiqué von Ensemble*

Dokumentiert

Heute trauern wir.

Die mörderischen terroristischen Angriffe am Freitag, den 13. November haben viele zu Opfern gemacht. Das ist eine schreckliche Tragödie. Unser Mitgefühl und unsere Solidarität gelten allen Menschen, die von diesem Drama betroffen sind, den Familien der Opfer und allen ihnen Nahestehenden.

Nur Online 14. November 2015

Ihre Kriege, unsere Toten

Die Barbarei der imperialistischen Kriege gebiert jene des Terrorismus

Kommuniqué der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) Frankreichs

Die grauenhaften Attentate, die am Freitagabend [13. 11. 2015] in Paris verübt wurden und mehr als 120 Menschenleben und Dutzende Verletzte forderten, diese blinden Gewalttaten rufen Entrüstung und Abscheu hervor. Die NPA drückt ihre Anteilnahme und Solidarität mit den Opfern und ihren Nahestehenden aus. Dieses schreckliche Drama ist umso empörender, als es unschuldige Opfer trifft und die Mörder es auf die Bevölkerung abgesehen haben.

Asien/Australien 1. November 2015

Die Troika der Türkei

Der IS agiert nicht allein
von Yusuf Karatas (Yeni Hayat)*

MIT und it [dt. «Köter»] – dieser Reim bezeichnete in der jüngsten Vergangenheit die Zusammenarbeit des türkischen Geheimdienstes mit den «Grauen Wölfen», die beide die gesellschaftliche Opposition mit allen Mitteln inklusive Mordanschlägen bekämpfen. Seit neuestem gesellt sich auch der IS (mit der türkischen Bezeichnung ISID) zu diesem Duo, er ergänzt dessen Terror mit Anschlägen und damit baut es zu einer Troika aus.

Globalisierung/Krieg 1. November 2015

Russlands Intervention in Syrien

Versuch, das Assad-Regime zu retten
von Manuel Kellner

Der Kampf gegen die barbarischen Mörderbanden des sogenannten Islamischen Staats (IS) ist der gängige Vorwand zur Rechtfertigung der militärischen Operationen ausländischer Mächte in Syrien. Das ist der verbale gemeinsame Nenner zwischen den USA – deren Luftschläge bislang in der Tat hauptsächlich gegen IS-Stellungen gerichtet waren – und Putin-Russland.

Arbeitswelt 1. November 2015

Auch Papierlose haben Rechte

Die Gewerkschaft Solidaires in Frankreich berät Einwanderer ohne Papiere
von Benoit Clément*

Für papierlose Einwanderer besteht in Frankreich die Möglichkeit, durch Arbeit anerkannt zu werden. Dafür müssen sie nachweisen, dass sie sich schon länger im Land aufhalten und eine bestimmte Zeit lang einer Beschäftigung nachgegangen sind, wofür sie wiederum Lohnabrechnungen brauchen.

Arbeitskämpfe 1. November 2015

Auf Kosten des Personals

Air France kriegt den Hals nicht voll und will zweistellige Renditen
von Léon Crémieux*

Etwa 3000 Beschäftigte, Boden- und fliegendes Personal, demonstrierten am 5.Oktober vor dem Firmensitz von Air France, viele von ihnen in ihrer Berufskleidung, gegen die Pläne der Geschäftsleitung, erneut Stellen zu streichen, diesmal in der Größenordnung von 2900 – angeblich wegen der unnachgiebigen Haltung der Pilotengewerkschaft. Die Demonstranten überwanden den Zaun vor dem Eingang zum Gebäude, drängten die anwesende Bereitschaftspolizei CRS zur Seite und stürmten die Vorstandssitzung.

Amerika 1. November 2015

BRICS-Serie, Teil 1

Brasilien: Grenzen des Klassenkompromisses
von Ingo Schmidt

In SoZ 10/2015 ging der Autor der Frage nach, ob die BRICS-Staaten (Brasilien, Russland, Indien, China, Südafrika) Gegenmacht zum westlichen Imperialismus oder subimperialistischer Ordnungsfaktor sind. In einer Serie werden die Länder nun einzeln behandelt, beginnend mit Brasilien.
Seit zwölf Jahren ist das brasilianische Präsidentenamt in der Hand der Arbeiterpartei (PT).

Flucht/Migration 1. November 2015

Wer nicht geht, wird ausgehungert

Leistungen für Asylbewerber werden unter das Existenzminimum gedrückt
von Harald Thomé

Am 15.Oktober stimmte der Bundestag über die Neufassung des Asylbewerberleistungsgesetzes ab (jetzt «Asylverfahrenbeschleunigungsgesetz» genannt). Auf Antrag der Koalitionsfraktionen sieht es noch weitergehende Leistungskürzungen vor als der Gesetzentwurf der Bundesregierung (siehe dazu SoZ 10/2015).

Europa 1. November 2015

Griechenland nach der Kehrtwende von SYRIZA

«Es wird jetzt sehr schwer, eine neue Perspektive aufzubauen»
Interview mit Manfred Klingele

Manfred Klingele hat mit über 30 Kolleginnen und Kollegen, die in deutschen Gewerkschaften und in sozialen Bewegungen aktiv sind, im September Griechenland besucht. Die SoZ sprach mit ihm über seine Eindrücke.

Europa 1. November 2015

Der Fraport-Deal

Hessens Regierung sahnt kräftig mit ab
von Thomas Klein*

Wenn es nicht so traurig wäre, man könnte darüber lachen: Die Fraport AG, Betreiberin des Frankfurter Flughafens, will die 14 lukrativen, schwarze Zahlen schreibenden Flughäfen in Griechenland kaufen. Alle anderen Flughäfen, die rote Zahlen schreiben, sollen beim griechischen Staat verbleiben. Und dieser Deal wird von einer Großen Koalition der Fraport-Unterstützer im Hessischen Landtag (CDU, SPD, FDP und Grüne) als großartiges Geschäft hingestellt, dass «den Griechen nutzt».

Flucht/Migration 1. November 2015

Unterlassene Hilfeleistung ist strafbar

Eine verantwortliche Politik muss her – kein neues Asylgesetz!
von M. Moustapha Diallo*

«Von denjenigen, die gegen die Flüchtlinge wettern, würden wahrscheinlich 80% Flüchtlinge in der eigenen Familie finden, wenn sie drei Generationen zurückblickten!», kommentierte neulich der Trainer des SC Freiburg, Christian Streich, die hetzerischen Äußerungen pöbelnder Massen. Dieser kritische Blick auf die drängende Flüchtlingsproblematik kontrastiert aufs Eklatanteste mit der Haltung des zuständigen Ministers de Maizière.

Flucht/Migration 1. November 2015

An der Grenze

Anfang Oktober 2015, zwischen Salzburg und Freilassing
von Angela Huemer

Seit langem beschäftige ich mich mit dem Thema Flucht und Migration. Als nun die Euphorie von Anfang September nach und nach einer, sehr freundlich gesagt, miesepetrigen Stimmung wich, traf ich eine Entscheidung. Bei den diversen Äußerungen von rassistischem Antiislamismus und den hämischen Bemerkungen «Wir schaffens ja doch nicht» schnellt regelmäßig mein Blutdruck in die Höhe. Gleichzeitig gab es in unseren Breiten selten so viele Fälle von Großherzigkeit.

Flucht/Migration 1. November 2015

Grenzkontrollen lösen keine Flüchtlingskrise

…dafür befördern sie ein Geschäft
von Hein de Haas

Auf seinem Blog heindehaas.blogspot.de beleuchtet der niederländische, in Oxford lehrende Migrationsforscher Hein de Haas seit Jahren Hintergründe zu Flucht und Migration. Angesichts der vermehrten Panikmache bringen wir hier eine Zusammenfassung seiner jüngsten Beiträge.

Flucht/Migration 1. November 2015

Die Kosten illegalisierter Einwanderung

Zahlen und Fakten
von themigrantsfiles.com

Nach Angaben der Flüchtlingsorganisation der Vereinten Nationen, UNHCR, sind derzeit weltweit 60 Millionen Menschen auf der Flucht – das ist die höchste Zahl seit dem Ende des Zweiten Weltkriegs. Allein im ersten Halbjahr 2014 machten sich 5,5 Millionen Menschen auf die Flucht; im gesamten Jahr 2014 suchten jedoch nur 600.000 Menschen Asyl in Europa. Dazu mussten sie erhebliche und wachsende Hindernisse überwinden: finanzielle, materielle und bürokratische.

Asien/Australien 1. November 2015

Trotz des nationalistischen Trommelfeuers

Erdogan steht mit dem Rücken zur Wand
von Murat Çakir*

Wohin steuert das Land, das einst als Modell des Westens für die islamische Welt gehandelt wurde? In einen blutigen Bürgerkrieg? Oder wird der «schmutzige Krieg» der 90er Jahre fortgeführt? Bei den Wahlen am 1.November wird sich zeigen, ob Erdogans Eskalationsstrategie aufgeht.

Nordafrika/Nahost 1. November 2015

Palästina: Ausweitung der Repression

«Jerusalems Altstadt ist eine Geisterstadt»
von Sai Englert

Israel hat seine Repression gegen die Palästinenser verschärft. Extremistische Banden marodieren mit Rufen wie «Tod den Arabern» auf den Straßen auf der Suche nach palästinensischen Opfern, und die israelischen Behörden haben die Palästinenser vom Vorplatz der Al-Aqsa-Moschee verbannt. Doch für die westlichen Medien geht die Gewalt von den Palästinensern aus, während das obszöne Ausmaß der Gewalt gegen die Palästinenser und der Kontext der militärischen Besatzung übergangen werden.

Nordafrika/Nahost 1. November 2015

Palästina – Provokationen, Ursachen, Verantwortungen

«Die Gewalt ist Frucht der Politik Netanyahus»
Interview mit Michel Warschawski

Israels Ministerpräsident Netanyahu sieht in den zunehmenden palästinensischen Angriffen nur eine neue terroristische Kampagne, die nichts mit der Politik Israels in den besetzten Gebieten zu tun hat. Diese These wird nicht nur von Palästinensern bestritten, auch von israelischen Aktivisten wie Michel Warschawski vom Alternative Information Center in Jerusalem. Mit ihm sprach am 13.10. die linke italienische Tageszeitung Il manifesto.

Europa 1. November 2015

Wahlen in Portugal

Erfolge für den Linksblock und die Kräfte gegen das Spardiktat
von Adriano Campos, Jorge Costa*

Die Rechte hat die portugiesischen Parlamentswahlen gewonnen, dabei aber sowohl Wählerinnen und Wähler als auch Mandate verloren.
Das Wahlergebnis läutet das Ende der absoluten Mehrheit für die bislang aggressivste Austeritätspolitik ein, die in Portugal je am Ruder war. Die Koalition aus den beiden konservativen Parteien PSD und CDS unter Führung des Premierministers Pedro Passos Coelho hat 38,5% der Stimmen erhalten. Im Vergleich zu den vorangegangenen Wahlen 2011 hat die Rechte 740.000 Stimmen und 28 Mandate verloren.

Europa 1. November 2015

Wahlen in Katalonien

Mehrheit für die Unabhängigkeit
von Andreu Coll

Bei einer starken Wahlbeteiligung von fast 80% waren die Wahlen zum Regionalparlament in Katalonien am 27.September ein Plebiszit für den Ministerpräsidenten Artur Mas und in geringerem Maß für die CUP.

Europa 1. November 2015

Wien bleibt Wien, oder?

Nach den Wahlen vom 11.Oktober
von Dieter Braeg

Bei den Wiener Bürgermeisterwahlen wurde die SPÖ erneut, wenn auch mit Verlusten, stärkste Partei.
«Die Linken haben eine Mehrheit», stellte Florian Klenk, Chefredakteur des Wiener Stadtmagazins Falter fest. Damit meinte er, die Strache-FPÖ sei bei dieser Gemeinderats- und Bezirksratswahl in Wien zwar Sieger gewesen, aber beim Duell Strache gegen den SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl, da habe die Sozialdemokratie «gewonnen».

Amerika 1. November 2015

Griechenland, von Chile aus gesehen

«Erstmalig haben wir mehr Lösungen als Probleme an der Hand»
von Carlos Pérez Soto*

Die Nacht der Hoffnung vor dem großen Ochi in Athen: Das demokratische «Nein» der vielen wird später vom Grundgesetz der europäischen Austerität missachtet. Griechenland ist aus chilenischer Perspektive nur ein weiteres starkes Beispiel für die Entdemokratisierung im Neoliberalismus.

Nur Online 31. Oktober 2015

Einladung: EU-Spardiktatur? OXI NO NEIN!

Treffen der Griechenland Solidaritätsgruppen
von Paul Michel

Viel ist passiert in den letzten Monaten in Griechenland. Unter dem gewaltigen Druck der Troika hat SYRIZA kapituliert und sich von einer entschiedenen Gegnerin der Austeritätspolitik zur Vollstreckerin des 3. Memorandums gewandelt. Klar ist, das neue Memorandum bedeutet für die Bevölkerung mehr Arbeitslosigkeit, mehr Armut, mehr Privatisierung, mehr persönliches Elend – und weniger Einkommen, weniger Rente, weniger Sozialleistungen, weniger Demokratie, weniger staatliche Souveränität!

Europa 1. Oktober 2015

Ein Putsch von oben

TTIP und die Demokratie
von Wilhelm Neurohr*

Freihandelsabkommen dienen geopolitischen Zielen, sie sind sozusagen die «Waffen» im globalen Wirtschaftskrieg. Sie produzieren ganz wenige Gewinner und ganz viele Verlierer. Kritische Menschen haben das durchschaut und begehren gegen die «Konzernherrschaft» und gegen die Ablösung des Primats der Politik durch das Primat der Wirtschaft heftiger auf denn je.

Europa 1. Oktober 2015

«Uns bleibt der Kampf gegen das Memorandum»

Auszüge aus einer Erklärung von DEA* zu den Wahlen in Griechenland
Übersetzung: Céline Spieker, Angela Huemer**

Die Wahlen am 20.September erfolgten auf Initiative von Alexis Tsipras und hatten zwei Ziele:
Tsipras wollte die Handlungsfähigkeit des Regierungslagers stärken, bevor die Beschäftigten und die einfache Bevölkerung die Folgen des Abkommens mit den Kreditgebern vom 13.Juli auf bittere Weise am eigenen Leib erfahren. Dabei wurde die Parteiführung von SYRIZA von den Euromächten voll unterstützt. Sie hatte ebenso die Unterstützung der Massenmedien, die auf den Inhalt des neuen Memorandums mit nahezu keinem Wort eingingen.

Europa 1. Oktober 2015

Corbyn ist Labour-Vorsitzender

Doch eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
von Stephen Hall*

Die Nachricht von der Wahl Jeremy Corbyns zum Vorsitzenden der britischen Labour Party am 12.September, als er im ersten Wahlgang mit 59,9% der 422.871 abstimmenden Mitglieder seinen nächsten Mitbewerber weit hinter sich ließ, zeigt einen stark wachsenden Rückhalt radikaler linker Ideen in der britischen Gesellschaft an. Sie verweist auch auf die zunehmende Unterstützung für ein alternatives ökonomisches und politisches Herangehen an den fortgesetzten Abbau sozialer Errungenschaften im Namen der sogenannten Sparpolitik.

Europa 1. Oktober 2015

«Die Regierung treibt ein Spiel, das über die Flüchtlinge hinausgeht»

András Toth* erklärt Orbáns Krisenmanagement und die Stimmung in der Bevölkerung
im Gespräch mit SoZ

«Die Türken stehen vor Wien und Ungarn rettet das Abendland.» Mit solchen Legenden kann man eine Bevölkerung leider bei der Stange halten, wenn man die Medien kontrolliert, ja, fast gleichschaltet, und sich per Wahlgesetzänderung verfassungsändernde Mehrheiten im Parlament verschafft. Viktor Orbán, ungarischer Ministerpräsident, spielt meisterhaft auf dieser Klaviatur. Hat doch der Flüchtlingsstrom erfolgreich von seinen innenpolitischen Problemen abgelenkt.

Arbeitskämpfe 1. Oktober 2015

«Nie jestemy robotami!» – «Wir sind keine Roboter»

Internationales Treffen von Amazon-Beschäftigten in Poznan
von Violetta Bock

Vom 11. bis 13.September fand in Poznan das zweite internationale Treffen mit rund 30 Teilnehmenden aus den Amazon-Standorten Poznan, Brieselang und Bad Hersfeld statt. Schon im April hatte es ein erstes Treffen in Bad Hersfeld gegeben. Damit wurde das, was in den letzten zwei Jahren über die offiziellen Kanäle der Gewerkschaften nur sehr begrenzt funktionierte, nun von den Aktiven selbst fortgeführt: sich nämlich direkt mit den Beschäftigten aus anderen Standorten auszutauschen.

Asien/Australien 1. Oktober 2015

China

Die erste kapitalistische Krise
von Alejandro Nadal*

Die Wachstumsraten der chinesischen Wirtschaft wurden in der ganzen Welt bewundert. Man hatte den Eindruck, der Kapitalismus sei in China angekommen, um all seine Tugenden zu zeigen. Als sich seine Defekte zeigten, zog die Mehrheit der Kommentatoren es vor, sie zu ignorieren. Heute steuert die chinesische Ökonomie auf eine Krise zu – ihre erste makroökonomische kapitalistische Krise.

Europa 1. Oktober 2015

Wien wählt… anders?

Ein breites linkes Bündnis kann auf Zuspruch hoffen
von Dieter Braeg

In Wien wird am 11.Oktober gewählt. Während die FPÖ sich Hoffnungen auf das Bürgermeisteramt macht, gibt sich die SPÖ noch siegessicher. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Listen, die bei der Wahl antreten.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2015

Die BRICS-Staaten

Gegenmacht oder subimperialistischer Ordnungsfaktor?
von Ingo Schmidt

Die geopolitische Einordnung des Verhältnisses dieser Staaten zum Weltkapitalismus geht weit auseinander.
Wir schreiben das Jahr 2001. Mit der Dot.com-Blase platzt der Traum einer krisenfreien New Economy. Für Gelder, die nicht in den Strudel zusammenbrechender Hightechaktien gerissen wurden, müssen neue Anlagefelder gefunden werden.

Asien/Australien 1. Oktober 2015

Die «Kristallnacht der AKP»

Die antikurdischen Pogrome in der Türkei
von Emre Öngün

In der ersten Septemberwoche zerstörten nationalistische Stoßtrupps in der Türkei Hunderte Büros der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP). Die Stadt Cizre im türkisch-irakisch-syrischen Dreiländereck wurde von der Armee umstellt, Spezialeinheiten machten Jagd auf kurdische Einrichtungen, PKK-Anhänger und Strukturen der Selbstverwaltung. In Diyarbakir schoss die Polizei Gasgranaten in Wohnhäuser.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2015

Kollektivhaft gegen Kurden

Mehmet Demir verurteilt für Taten, die er nicht begangen hat
von Manuel Kellner

Am 28.August hat die 3.Kammer des Oberlandesgerichts Hamburg den kurdischen Politiker Mehmet Demir zu drei Jahren Gefängnis verurteilt. Mehmet Demir hat keinerlei strafwürdige Handlungen begangen, und dennoch wurde er wie ein Verbrecher behandelt. Wie ist das möglich?

Europa 1. Oktober 2015

Europa mauert sich ein

De Maizières Gesetzentwurf für Flüchtlinge: Auf die Straße geworfen
von der SoZ-Redaktion

Der Asylkompromiss von 1993 brachte die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl und die Einführung des «Asylbewerberleistungsgesetzes». Begleitet von Pogromen griff es Stichworte vom rechten Rand – «Asylmissbrauch» und «Deutschland ist kein Einwanderungsland» – auf und zwang Asylsuchende in ein unwürdiges Leben. Das Gesetz verneint einen Anspruch auf Asyl, wenn man aus einem «sicheren Drittstaat» oder einem «sicheren Herkunftsstaat» kommt.

Flucht/Migration 1. Oktober 2015

Versagen in Gesetzesform

Regierungskoalition setzt in der Flüchtlingspolitik weiter auf Abschreckung
von Ulla Jelpke

Dublin ist tot!? So hieß es in den Tagen, als die Bundesregierung einen «Notstand» erkannte und die Grenzen für Zehntausende Flüchtlinge öffnete. Jetzt hat der Bundesinnenminister den Leichnam wiederbelebt, stinkender und fratzenhafter als je zuvor.

Europa 1. Oktober 2015

«Festung Europa» schließen!

Für eine grundlegende Neuorientierung der EU-Migrationspolitik
von Andrej Hunko*

Die aktuelle «Flüchtlingskrise» zeigt wieder einmal, wie grundsätzlich falsch die EU-Migrationspolitik ausgerichtet ist. Derzeitige Vorschläge sehen lediglich mickrige Summen für die Verbesserung der Lage in den Herkunftsländern vor. Stattdessen werden die Instrumente zur Überwachung und Kontrolle geschärft. Die Mitverantwortung für die Ursachen der Flucht wird dabei ausgeblendet.

Europa 1. Oktober 2015

Orbáns neue Gesetze

Zur Abschottung Ungarns
Quelle: Pester Lloyd, 02.09.2015

Am 15.September trat ein Paket von 13 Gesetzen in Kraft, mit deren Hilfe Flüchtlinge aus Ungarn ferngehalten werden sollen. Im einzelnen ist vorgesehen:

Flucht/Migration 1. Oktober 2015

Flüchtlingshilfe in Hamburg-St.Pauli

«Diese Bewegung ist eine Stätte der Solidarisierung»
das Interview führte Manuel Kellner

…und außerdem steigert sie die Mobilisierungsbereitschaft gegen Nazis. Christian Haasen* ist mit dabei.

Flucht/Migration 1. Oktober 2015

Willkommenskultur oder Grenzzäune?

Fortsetzung der Abschottungspolitik konterkariert die massenhafte Hilfsbereitschaft
von Manuel Kellner

Die EU kann sich nicht auf Quoten einigen, jeder schiebt die Verantwortung dem nächsten zu, allenthalben werden wieder Grenzkontrollen eingeführt und im Mittelmeer bekommen Soldaten den Auftrag, Schlepperboote (randvoll mit Flüchtlingen?) aufzubringen und zu zerstören. Von einer Willkommenskultur ist die Politik noch weit entfernt.

Europa 1. Oktober 2015

Ein bisschen Solidarität…

…gibt es auch in Frankreich
von Bernard Schmid

Ganz Frankreich ist in Rassismus abgeglitten. Ganz Frankreich? Nein! Ein kleiner Teil der Öffentlichkeit widersteht tapfer dem Zeitgeist und… So oder ähnlich könnte ein Bericht über die Solidaritätsinitiativen mit den Geflüchteten beginnen.
Die Solidaritätsinitiativen auf französischem Boden haben nicht gewartet, bis Ende August EU-weit die «Flüchtlingskrise» ausgerufen wurde. Schon in den Monaten zuvor hatte sich die Situation der Geflüchteten zugespitzt.

Europa 1. Oktober 2015

«Widerstand gegen die Invasoren»

Die Debatte in Frankreich
von Bernard Schmid

Auch in Frankreich wird, wie anderswo in der EU, heftig über Migranten und Geflüchtete diskutiert. Bislang sind die Flüchtlingszahlen im Land, etwa im Vergleich zur BRD, eher gering. Im laufenden Jahr, das bereits als Rekordjahr gilt, wird mit 65.000 Asylanträgen in ganz Frankreich gerechnet – während die deutsche Bundesregierung seit August die Zahl von 800.000 im Jahr verbreitet.

Flucht/Migration 1. Oktober 2015

Flucht in Syrien und aus Syrien

Ausmaß und Ursachen
von Manuel Kellner

Der Islamische Staat (IS) ist nicht der Hauptverantwortliche für die Massenflucht aus Syrien. Die Verantwortung teilt er sich brüderlich mit dem Westen und der Assad-Diktatur.
Laut Bericht von Amnesty International vom 4.September dieses Jahres sind über die Hälfte der Bevölkerung Syriens (20 Millionen) auf der Flucht, die meisten im eigenen Land.

Arbeitswelt 1. Oktober 2015

Eine Reise durch die Ukraine

Besuch bei dem Gewerkschaftskollegen und Aktivisten Pawlo Lysjanskyi
von Georg Heidel*

Anfang des Jahres besuchte Pawlo Lysjanskyi, stellvertretender Vorsitzender der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft der Ukraine (NPGU), die Bundesrepublik, um über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter und ihrer Angehörigen zu informieren. Die Reise führte ihn durch mehrere Städte der Bundesrepublik, auch nach Berlin. Seine Berichte vermittelten einen guten Einblick in die Lebensverhältnisse seiner Kolleginnen und Kollegen, vor allem vom Leid und der Not auf beiden Konfliktseiten unter den Bedingungen des Krieges.

Arbeitswelt 1. Oktober 2015

Die Regierung will keine föderale Struktur

Gespräch mit Pawlo Lysjanskyi (Auszüge)
das Gespräch führte Georg Heidel

Für wie viele Gewerkschaften bzw. Mitglieder trägst du Verantwortung?
Ich berate folgende Gewerkschaftsgruppen: Gewerkschaft der Melnikov-Schacht, 100 Menschen; Gewerkschaft der Ärzte vom Städtischen Krankenhaus der Stadt Swetlodarsk (Nahfrontlinie, 500 Menschen); Krankenhaus der Siedlung Mironowski (Nahfrontlinie, 68 Menschen); Maschinenbauwerk der Stadt Prowolje, 48 Menschen.

Europa 1. Oktober 2015

Ausbruch aus dem Währungsgefängnis

Das Programm der Volkseinheit zu den Wahlen vom 20.September
von der Plattform der LAE

Anfang August bildete der linke Flügel von SYRIZA ein neues Bündnis aus 13 radikalen und revolutionären Strömungen und Organisationen, die beim kompromisslosen Nein zur Austeritätspolitik und zu den Memoranden bleiben. Die Initiative dazu ging von 25 Parlamentsabgeordneten von SYRIZA aus, die gegen das dritte Memorandum stimmten, das die Regierung Tsipras unterschrieben hatte. Tsipras konnte das Memorandum nur mit den Stimmen der bürgerlichen Opposition durchbringen und kündigte daraufhin an, er werde zurückztreten und den Weg für Neuwahlen freimachen.

Europa 1. Oktober 2015

Alles nicht ernst gemeint

Ein EZB-Vorstand gibt zu, dass die Drohung mit dem Grexit leer war
von Romaric Godin*

Der Vizepräsident der Europäischen Zehntralbank (EZB), Vitor Constancio, hat zugegeben, dass die Drohung mit dem Grexit «nie ernst gemeint» gewesen sei. Das wirft ein neues Licht auf die Ereignisse in diesem Sommer.
In einem Interview mit der britischen Nachrichtenagentur Reuters vom 16.September erklärte Constancio, der berühmte Grexit sei «niemals eine ernsthafte Option gewesen, weil das nicht legal gewesen wäre». Er bedauert, dass nunmehr «Zweifel ausgeräumt werden müssen über den Bestand der Währungsunion».

Europa 30. September 2015

Wahlen in Oberösterreich

Die Flüchtlingsfrage erklärt nicht alles
von Hermann Dworczak*

Die Wahlen in Oberösterreich bescherten der ÖVP und der SPÖ katastrophale Verluste. Die Konservativen rutschten in einem ihrer Stammländer unter 40 die Sozialdemokratie gar unter 20 Prozent. Letztere hatte vor nicht allzu langer Zeit die Chance, die Schwarzen zu überflügeln- jetzt verlor sie Hochburgen wie die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes Wels oder Lenzing (mit seiner riesigen Papierfabrik) an die blau-braune FPÖ, die 30 Prozent der Stimmen einfuhr und gerade unter ArbeiterInnen und Jugendlichen reüssierte. Die Grünen legten gerademal um ein Prozent zu.

Nur Online 21. September 2015

Erfolg von SYRIZA – Misserfolg der Linken

Eine erste Bewertung der Wahlen in Griechenland

 von Michael Aggelidis*

Der Wahlerfolg von SYRIZA, die mit 35,5% (im Januar 36,34%) als stärkste Kraft aus den Parlamentswahlen vom 20. September hervorgeht, ist aus zwei Gründen positiv. Erstens drückt sich darin ein Reflex breiter Schichten gegen die politische Rechte und extreme Rechte aus sowie die anhaltende Abwendung von der weit nach rechts gerückten ex-sozialdemokratischen PASOK.

Gesellschaft 1. September 2015

Computer«spiele»-Messe Gamescom

Kriegsspiele und die Erinnerung an den wirklichen Krieg
von Rolf Euler

Anfang August sind die Erinnerungstage an die Atombombenabwürfe auf Hiroshima und Nagasaki. Ende August und Anfang September erinnern wir an den Beginn der Weltkriege – Antikriegstage allesamt. Nicht so in Köln, wenn die Computerspielmesse brummt.

Europa 1. September 2015

Ende eines Lernprozesses

Die Hilflosigkeit der Linken gegenüber der Troika
von Ingo Schmidt und Angela Klein

Am Ende der Verhandlungen, über die Griechenland ein Ende der Austerität und den Beginn eines anderen Europa erreichen wollte, blieb nur noch die Wahl, aus dem Euro gedrängt zu werden oder zu kapitulieren.
Im nachhinein gesehen, wäre ein früher Grexit wirtschaftlich einfacher gewesen, obwohl die Vorteile einer Abwertung gegenüber den Kosten einer umstellungsbedingten Rezession nicht abzuschätzen sind.

Flucht/Migration 1. September 2015

Guter Flüchtling, schlechter Flüchtling?

Diese Einteilung gefährdet die Willkommenskultur
SoZ im Gespräch mit Claus Prölß (Kölner Flüchtlingsrat)

Während in der Bevölkerung die Bereitschaft wächst, staatliche Defizite auszugleichen und ankommende Flüchtlinge mit dem Notwendigsten zu versorgen, nutzen Nazis die Verunsicherung für rassistische Mobilisierungen. Die staatlichen Behörden reagieren aufgescheucht und kopflos. Alles, was sie an längerfristigen Konzepten hervorbringen, läuft darauf hinaus, Flüchtlinge in gute und böse, sprich: in auf dem Arbeitsmarkt verwertbare und nicht verwertbare einzuteilen.

Flucht/Migration 1. September 2015

Nadelöhr Calais

Zwei Minister, eine Übereinkunft und keine Lösung des Flüchtlingsproblems
von Angela Huemer

Seit 1999 gibt es immer wieder britisch-französische Konflikte über den Umgang mit Flüchtlingen, die über dieses Nadelöhr vom Schengen-Raum nach Großbritannien wollen. Anbei ein kleiner Überblick.

Flucht/Migration 1. September 2015

Wieviele kommen?

Einige Zahlen zu Flucht
von Angela Huemer

Das UN-Flüchtlingshochkommissariat gibt jedes Jahr einen Überblick zur Situation von Flüchtlingen auf der ganzen Welt. Die nachstehende Zusammenstellung beruht auf dem Bericht über das Jahr 2014.
59,5 Millionen Menschen können nicht dort leben, wo sie eigentlich herkommen. Davon ist die überwiegende Zahl im eigenen Land auf der Flucht, «internally displaced» heißt das im Fluchtfachchargon, nämlich 38,2 Millionen Menschen.

Europa 1. September 2015

Polit-Wende in Österreich?

Das Nachbarland nähert sich ungarischen Verhältnissen an
von Dieter Braeg

In Österreich gewinnt die ungarische Flüchtlingspolitik an Unterstützung.
Nach den Landtagswahlen in den österreichischen Bundesländern Burgenland und Steiermark am 31.Mai 2015 ergibt sich folgendes Bild: In der Steiermark regiert in Zukunft ein ÖVP-Landeshauptmann (vergleichbar mit dem deutschen Ministerpräsidenten), die SPÖ stellt nur noch den Vize-Landeshauptmann, obwohl sie – trotz hoher Verluste – die stimmstärkste Partei wurde.

Europa 1. September 2015

Proti Stassi

Flüchtlingshilfe auf Lesbos
von Angela Huemer

Elias Bierdel, ehemaliger Leiter der Cap Anamur und wegen Flüchtlingshilfe schon mal als Schleuser angeklagt, wollte sich eigentlich dieser Tage wieder anderen Dingen zuwenden. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Angesichts der Lage in Griechenland, insbesonders auf Lesbos, einer Insel, die er gut kennt, weil er dort einmal gelebt hat, konnte er nicht anders und hat Hilfe organisiert für die vielen, die die Insel von der nahen Türkei aus erreichen.

Europa 1. September 2015

Jeremy Corbyn

Der Kandidat gegen das Projekt Angst
von Richard Seymour

Zum Erstaunen und Missfallen des politischen Establishments in Großbritannien hat die Labour Party einen neuen Shooting Star: Jeremy Corbyn, der gerade versucht, die Kandidatenkür in der Partei für sich zu entscheiden.

Europa 1. September 2015

Schäubles Coup

Autoritäre Neuordnung der Eurozone nach den Vorstellungen des deutschen Finanzministers
von Angela Klein

Auf den ersten Blick kann das Kapitel Griechenland zunächst geschlossen werden: das von fast zwei Dritteln der Bevölkerung getragene «Ochi» (Nein), die Rebellion gegen die Spardiktate der europäischen Finanzinstitutionen, hat eine krachende Niederlage erfahren. Griechenland ist von einem gleichberechtigten Partner in der EU zum Kolonialland zurückgestuft, das jeden Cent, den es ausgibt, zur Genehmigung vorlegen muss, sehenden Auges den ausländischen Besatzern das Landesvermögen zur Plünderung freigeben muss und auf ewig die Kette der Schuldknechtschaft umgehängt bekommen hat.

Europa 1. September 2015

Aus dem Nähkästchen geplaudert

Nachgefragt bei Varoufakis
Yanis Varoufakis Interview (Monthly)

Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat nach seinem Rücktritt einige aufschlussreiche Informationen aus dem Inneren der Regierungskreise preisgegeben. Wir entnehmen sie einem Interview, das der griechisch-australische Romanautor Christos Tsiolkas mit Varoufakis führte und das in der australischen Zeitschrift Monthly erschien.

Europa 1. September 2015

Endlose Schuldenfalle

Das neue Griechenlandpaket
dokumentiert

Bestehend aus dem Abkommen vom 12./13.Juli und dem dritten Memorandum vom 11.August, stuft es Griechenland auf den Status einer Kolonie zurück.

Europa 1. September 2015

Ordnung herrscht in Athen…

…Aber nicht in Europa
von Ingo Schmidt

Sie haben doch etwas gemeinsam. Yanis Varoufakis und Wolfgang Schäuble, die sich in monatelangen Verhandlungen über die Eurokrise und einen drohenden Staatsbankrott Griechenlands nichts geschenkt haben, betrachten die Währungsunion als ein unvollendetes Projekt. Ohne eine Politische Union, so die von beiden geteilte Überzeugung, wird die Eurozone zerfallen. Allerdings können ihre Vorstellungen, wie eine solche zu gestalten wäre, unterschiedlicher nicht sein.

Europa 1. September 2015

Was ist in Griechenland gescheitert?

Einige Lehren aus SYRIZA
von Stathis Kouvelakis*

In einer Niederlage, vor allem einer schweren Niederlage mit historischen Ausmaßen, versteht es sich nicht von selbst, was genau gescheitert ist. In Griechenland war dies die Strategie der SYRIZA-Mehrheit, die sich als «linkes Europäertum» bezeichnen lässt. Es war das Konzept, dass sich die Memoranden und die Sparpolitik im vorgegebenen Rahmen der Eurozone und der EU überwinden lassen. Wenn wir uns nur glaubwürdig genug als «gute Europäer» erweisen würden, die am Euro festhalten, würde dies in den Verhandlungen honoriert.

Europa 1. September 2015

Die «gute Drachme»?

Ein Beitrag zur Griechenlanddebatte
von Michel Husson*

Der Austritt aus dem Euro wird fast immer als eine Art Zauberstab dargestellt, mit dessen Hilfe man der Beherrschung durch den Finanzkapitalismus wie auch den inneren Widersprüchen zwischen Arbeit und Kapital entkommen könnte. Doch es handelt sich dabei nicht wirklich um einen Königsweg. Es besteht die Gefahr, aus dem Euro-Austritt die Lösung aller Probleme der griechischen Wirtschaft zu machen, ob es nun um die Produktionsstrukturen oder die Macht der Oligarchie geht.

Europa 1. September 2015

OCHI! – NEIN!

Das Referendum – ein Klassenvotum
von Stathis Kouvelakis

Im Referendum vom 5.Juli lehnte die griechische Bevölkerung das von den Institutionen vorgeschlagene Sparpaket mit einer großen Mehrheit von 61,2% ab – obwohl es eine Liquiditätskrise gab, viele Banken geschlossen waren und die Medien und die Parteien des alten Regimes eine hysterische Gegenkampagne entfachten. Kaum jemand hat mit einem solchen Ergebnis gerechnet, nicht einmal in der Linken Plattform. Die meisten rechneten mit etwas um die 55%.

Europa 1. September 2015

Die Solidarität (besser) organisieren!

Anmerkungen zu Stand und Möglichkeiten der Griechenlandsolidarität in der BRD
von Paul Michel

Die Parole «Solidarität mit der SYRIZA-Regierung» dürfte wohl in Zukunft eher selten auf Plakaten und Transparenten von Aktiven der Griechenland-Solidaritätsgruppen zu finden sein. Aber sonst ändert sich eigentlich gar nicht so viel bei der Griechenland-Solidarität. Ändern sollte sich allerdings eines: Wir sollten besser werden!

Europa 1. September 2015

«Das eigentliche Problem wird ausgeblendet»

Die Schwierigkeiten gewerkschaftlicher Solidaritätsarbeit mit Griechenland
Interview mit Steffen Lehndorff

Du warst einer der Initiatoren des Aufrufs «Griechenland nach der Wahl – Keine Gefahr, sondern eine Chance für Europa», der sich vor allem an Gewerkschafter wendet. Inwieweit ist es gelungen, die Solidarität mit den Menschen in Griechenland, die unter den Diktaten der Troika leiden, in den Gewerkschaften zu fördern?

Afrika 1. September 2015

«Wir sind hier, weil ihr bei uns seid»

Einige Gründe, warum Afrikaner fliehen
von Klaus Meier

Warum sind so viele bereit, ihre Heimat zu verlassen und sich großen Gefahren, sogar dem Tod auszusetzen? Beim Hinterfragen der Fluchtursachen stößt man rasch auf den europäischen Imperialismus, der auch noch zu Beginn des 21.Jahrhunderts spürbar ist.

Asien/Australien 1. September 2015

Die türkische Vielfachkrise

… und das gefährliche Spiel mit der Eskalationsschraube
von Murat Cakir

Die Türkei ist in einer Vielfachkrise gefangen. Noch scheint keine Lösung in Sicht. Im Gegenteil, das gefährliche Spiel der AKP mit der Eskalationsschraube birgt das Risiko, dass die Vielfachkrise sich noch mehr vertieft und in einen bürgerkriegsähnlichen Konflikt mündet. Erdogan und seine AKP schrecken nicht davor zurück, die Staatsform in Richtung einer offenen Diktatur zu verschieben.

Nur Online 24. August 2015

Griechenland: „Volkseinheit“

Neugruppierung der Linken*

von Stathis Kouvelakis

25 Abgeordnete von Syriza sind am frühen Morgen des  21. August aus der Parlamentsfraktion ausgeschieden, um eine neue Fraktion mit dem Namen „Volkseinheit“ [Laiki Enotita, LAE] zu bilden. Die meisten von ihnen gehören der Linken Plattform an, es haben sich aber einige andere wie Vangelis Diamantopou­los oder Rachel Makri, eine enge Mitarbeiterin von Zoe Kostantopoulou angeschlossen.1 Das ist eine wichtige Entwicklung in der griechischen Politik, aber auch für die radikale Linke in Griechenland und auf internationaler Ebene.

Nur Online 24. August 2015

Drittes Hilfspaket für Griechenland:

Der Kaputtsparkurs geht weiter

von Paul Michel

Die Machthaber der EU versuchen den Eindruck zu erwecken, als sei mit  dem sogenannten „Dritten Hilfspaket“ nach Monaten von Turbulenzen, endlich eine Lösung gefunden, die die Lage beruhigt und die Voraussetzung für eine Stabilisierung und eine wirtschaftliche Erholung Griechenlands schafft.

Nur Online 24. August 2015

Aufruf von griechischen Linken

Mobilisieren gegen das neue Memorandum

dokumentiert

Einleitung: Politische Konstituierung der Front des „Nein“
Die Entwicklungen in Athen sind dramatisch, ihr Tempo steigt an. In den wenigen Stunden wird das griechische Parlament für das neue, das dritte Memorandum stimmen, das zwischen der Syriza-Regierung und den Europäern gemäß dem neuen Standard-Express-Verfahren einer Debatte an einem einzigen Tag (und in einer Nacht …) vereinbart worden ist.

Nur Online 21. August 2015

Griechenland: Neuformierung der Linken

Nach Kapitulation von Syriza: Erste Schritte zu neuer Partei*

Interview von Lucy Redler mit Andros Payiatsos

Nach der Kapitulation der Syriza-geführten Regierung gegenüber den Institutionen Eurogruppe, IWF und EZB veröffentlichte Xekinima eine Stellungnahme mit dem Titel „Tsipras hat den Rubikon überschritten“, ruft seitdem zur Bildung einer neuen linken Massenorganisation auf und hat mit anderen linken Organisationen eine konkrete Initiative ergriffen. Andros Payiatsos ist Sprecher von Xekinima.

Nur Online 27. Juli 2015

Varoufakis: »Sie haben uns in die Falle gelockt«

Yanis Varoufakis Interview von Harry Lambert beim NewStatesman in London
Auszug aus nd – neues deutschland

Yanis Varoufakis über seine Erfahrungen in fünf Monaten als griechischer Finanzminister, über die Rolle Wolfgang Schäubles und den Druck den die Gläubiger ausübten.

Nur Online 25. Juli 2015

Überlegungen zu Griechenland

von Angela Klein

Die blitzartige Kapitulation der griechischen Regierung nach dem komfortabel gewonnenen Referendum gegen das Austritätsprogramm von EU und IWF kam für alle überraschend. Die absehbaren Folgen werden verheerend sein: Erneut wurde den Bevölkerungen in Europa vorgeführt, dass – auch unter einer linken, Anti-Austeritätsregierung – kein Ausweg aus den neoliberalen Zerstörungsorgien in Sicht ist. TINA regiert weiter. Erneut hat eine linke Regierung das Vertrauen, das die Bevölkerung in sie gesetzt hat, schmählich verraten und damit die Glaubwürdigkeitskrise der Linken verstärkt. Es steht zu befürchten, dass dies den Kräften der nationalistischen, extremen Rechten weiter Auftrieb geben wird.

Nur Online 19. Juli 2015

Ein Erfahrungsraum revolutionärer Umgestaltungen

Eine militante Untersuchung über selbstverwaltete Betriebe in Argentinien
von Jochen Gester

Unter dem Titel „Wir übernehmen“ gibt es ein neues Buch im Mandelbaum-Verlag Wien. Bei diesem kleinen feinen Verlag hat die Analyse zeitgenössicher Arbeiter/innenbewegungen einen festen Platz. Besetzt wird er vor allem durch linke Aktivist/innen in operaistischer Tradition, die es verstehen ihre sozialwissenschaftliche Ausbildung mit profunden Kenntnissen der Arbeitswelt zu verbinden.

Nur Online 19. Juli 2015

„Durch Diskussion allein kann die Troika nicht überzeugt werden“

Griechenland: Ein alternativer Vorschlag zur Kapitulation vom 15./16.Juli 2015
Eric Toussaint (1)

In der Nacht vom 15. auf den 16.Juli hat das griechische Parlament auf Verlangen des Premierministers vor den Forderungen der Gläubiger kapituliert und damit den Willen der griechischen Bevölkerung, wie er am 5.Juli seinen Ausdruck gefunden hatte, mit Füßen getreten. 32 Abgeordnete von Syriza haben die Ehre der Partei gerettet, indem sie dagegen gestimmt haben (hinzu kommen 7 Abgeordnete von Syriza, die sich enthalten haben). Mit der Ablehnung der Kapitulation haben diese Abgeordneten das Wählermandat und das Parteiprogramm respektiert und sich der Erpressung nicht gebeugt. Der Premierminister hat eine Mehrheit bekommen dank der Parteien der Rechten: Nea Dimokratia, Pasok (die nichts Sozialistisches mehr an sich hat), To Potami und die Unabhängigen Griechen. Das hat die Situation radikal verändert.

Nur Online 19. Juli 2015

Das Diktat, der Kniefall und der Weg in die Diktatur

Die dramatischen Ereignisse der letzten Woche haben die Weichen um die Zukunft Griechenlands und Europas neu gestellt. Die Sache hat zwei Aspekte:

* das Knebelabkommen in Reaktion auf das griechische Referendum, maßgeblich von der deutschen Regierung diktiert, kommt dem Einmarsch der Wehrmacht mit finanziellen Mitteln gleich;
* die Art und Weise, wie Tsipras kapituliert ist, ist für die gesamte europäische Linke ein schwerer Schlag.
Zum dritten aber bedeuten Diktat und Kniefall vom 12./13.Juli das Ende der EU, wie wir sie kannten.

Nur Online 19. Juli 2015

Die deutsche Rolle in Griechenland

„Die bedingungslose Kapitulation war Deutschland nicht genug, es will den karthagischen Frieden.“ Die konservative US-amerikanische Tageszeitung Washington Post (12.7.2015) analysiert die deutsche Rolle bei den Verhandlungen mit der griechischen Regierung.

Germany doesn’t want to save Greece. It seems to want to humiliate Greece.
Greece has offered an almost unconditional surrender on its bailout, but Germany might not accept anything less than a Carthaginian peace. In other words, a deal that not only forces Athens to submit, but also humiliates it in the process.

Nur Online 12. Juli 2015

Das Handy*

„und es sterben haufenweise Kinder…“

von Ernesto Cardenal

Du sprichst in dein Handy
und redest und redest
und lachst in dein Handy

Nur Online 7. Juli 2015

Spendenaufruf: Syrien – Raqqa

Solidarität mit den Flüchtlingen aus Raqqa!

Das Haus von Raqqa in Urfa, einer Stadt im Südosten der Türkei nahe der Grenze zu Syrien, wurde im November 2013 von einer Organisation der syrischen Zivilgesellschaft aus der 160 Kilometer entfernten syrischen Stadt Raqqa gegründet worden. Die Bevölkerung von Raqqa, die sich gegen das Regime des Bashar al-Assad erhoben hatte, litt zunächst unter den Schlägen seiner gegenrevolutionären Truppen und fiel dann in die Hände bewaffneter Kämpfer des aus dem Irak kommenden IS, der einen sektiererischen «Gottesstaat» im Irak und in der gesamten Levante errichten wollen, die Bevölkerung terrorisieren und nicht zögern, Oppositionelle, die anderer Meinung sind und für demokratische Verhältnisse kämpfen, zu foltern und zu enthaupten.

Das hat einen Teil der Bevölkerung von Raqqa zu Flüchtlingen gemacht. Im Haus von Raqqa wurden hunderte von ihnen empfangen und betreut, zahlreicheFamilien haben dort Unterkunft gefunden.

Nur Online 5. Juli 2015

Griechenland: Aufruf – Sagt Nein!

Aufruf aus deutschen Gewerkschaften an griechische Kolleginnen und Kollegen

Sagt NEIN zur Erpressung durch EU-Kommission, EZB und IWF
Sagt NEIN zur Fortsetzung der sozialen Demontage

Die Verhandlungen der letzten Monate und Tage zeigen: Die EU-Kommission, die EZB und der IWF wollen eure demokratische Entscheidung vom 25. Januar 2015 nicht akzeptieren. Die neue Regierung unter Ministerpräsident Aleksis Tsipras soll gezwungen werden, die alte, gescheiterte Politik der Memoranden fortzusetzen.

Europa 1. Juli 2015

SYRIZA

Über den Umgang mit Widersprüchen
von Angela Klein

Unter dem Druck der Zuspitzung des Konflikts zwischen der Regierung SYRIZA und der Troika nimmt auf der sozialistischen Linken das Bedürfnis nach Kritik am Kurs der Athener Regierung zu. Indes scheint mir die Zeit dafür noch nicht gekommen, und dies soll in fünf Argumenten dargelegt werden.

Europa 1. Juli 2015

Öcalan schlägt Erdogan

Wahlerfolg der HDP verhindert Diktaturpläne des türkischen Präsidenten
von Nick Brauns

Öcalan schlägt Erdogan – so lässt sich kurz das Ergebnis der türkischen Parlamentswahlen vom 7.Juni zusammenfassen. Zwar standen weder Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan noch der inhaftierte Vorsitzende der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Abdullah Öcalan selbst zur Wahl. Doch beide Politiker haben diese Abstimmung in entscheidendem Masse beeinflusst.

Amerika 1. Juli 2015

Eine Bremse für TTIP

Demokraten verweigern Obama Vollmachten
von Manuel Kellner

Das Transpazifische Freihandelsabkommen TTP, das die US-Regierung mit elf pazifischen Staaten abschließen will, hängt in der Luft. Fast geschlossen haben die Angeordneten der Demokratischen Partei im Senat dagegen gestimmt, US-Präsident Obama mit sog. Fast-Track-Vollmachten auszustatten, die ihm erlauben, Handelsverträge so aushandeln, dass die beiden Häuser des US-Kongresses an ihnen nichts mehr ändern können, ihnen nur noch insgesamt zustimmen oder sie ablehnen können. Das Verfahren soll die Beratungen beschleunigen.

Europa 1. Juli 2015

Der neue Bürgermeister von Cádiz

José María González Santos*: «Wir wollen für und mit den Bürgern regieren»
im Gespräch mit SoZ

In mehreren Städten Spaniens haben bei den jüngsten Kommunalwahlen linke Bürgerlisten mit Unterstützung der Partei Podemos, die aus der Bewegung 15M hervorgegangen ist, aus dem Stand Bürgermeisterposten erobert, so auch in Cádiz (Andalusien). Die Liste «Por Cádiz sí se puede – Candidatura de Unidad Popular» wurde zweitstärkste Partei. Ihr Spitzenkandidat war José María González.

Arbeitskämpfe 1. Juli 2015

Streikwelle in der türkischen Automobilindustrie

«Liebling, kümmere dich um die Kinder, ich bin am kämpfen»
von Jochen Gester

Im Mai wurde die Türkei von einer außergewöhnlichen Streikwelle erfasst. Betroffen war die Metallindustrie mit Schwerpunkt auf Betrieben der Automobilindustrie. Das regionale Zentrum bildete Bursa, das 100 Kilometer südlich von Istanbul am Marmarmeer liegt. Hier konzentrieren sich viele Tochterniederlassungen und Zulieferbetriebe großer Autokonzerne, die in ihren ausgelagerten Fertigungsstätten niedrige Löhne bei hoher Arbeitsbelastung zahlen.

Europa 1. Juli 2015

Wahlen in Spanien

Eine Ohrfeige für die Systemparteien
von Manuel Garí

Am 24.Mai fanden in 9000 Gemeinden des spanischen Staates, in 13 autonomen Regionen (mit Ausnahme von Andalusien, Galicien, Katalonien und dem Baskenland) sowie für die Provinzräte der baskischen Provinzen Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, der Kanaren und der drei balearischen Inseln Wahlen statt.

Buch 1. Juli 2015

Die Krise in Griechenland

Die Krise in Griechenland. Ursprünge, Verlauf, Folgen (Hrsg. U.-D.Klemm, W.Schultheiß)*
von Paul B. Kleiser

Anders als der Buchtitel vermuten lässt, behandelt der vom früheren deutschen Botschafter in Athen, Wolfgang Schultheiß (2005–2010), und dem früheren Kulturattaché und späteren Botschafter in Marokko, Ulf-Dieter Klemm, herausgegebene Sammelband keineswegs nur die Wirtschaftskrise in Hellas seit dem Jahr 2009, sondern geht auch auf geschichtliche Entwicklungen seit der Unabhängigkeit des Landes 1830 bis in die jüngste Zeit ein.

Europa 1. Juli 2015

Griechenland: Zurück auf Los

Das Gläubigerkartell will SYRIZA fertigmachen
von Dick Nichols*

Eine Zeitlang sah es im späten Mai so aus, als sei ein Ende der Verhandlungen mit den «Institutionen» (EU, EZB und IWF) über die Bedingungen für die Freigabe der letzten Tranche über 2,7 Mrd. Euro in Sicht. Das Verhandlungsteam der Regierung SYRIZA sprach von «fruchtbaren Diskussionen» und einem «substanziellen Prozess», Regierungssprecher erklärten sogar, ein Abkommen könne «in ein bis zwei Wochen», spätestens bis zum 18.Juni erzielt werden.

Nur Online 29. Juni 2015

Griechenland: Volksabstimmung am 5. Juli

Ein anderes Europa ist nötig!

von Manuel Kellner

mit 178 Jastimmen und 120 Neinstimmen hat das griechische Parlament dem Vorschlag von Alexis Tsipras zugestimmt, am 5. Juli eine Volksabstimmung über die Bedingungen der Eurogruppe durchzuführen.

Nur Online 25. Juni 2015

Unvollständiges Bild gezeichnet

Paul Kleisers Bilanz zu 100 Tagen Syriza

von Paul Michel

Paul Kleisers Zwischenbilanz von 100 Tage Regierung Tsipras beschränkt sich auf die Benennung zahlreicher konkreter Maßnahmen der Regierung Tsipras. Viele andere Aspekte, die für eine Bilanz der Entwicklung unerlässlich sind, bleiben außen vor.

Nur Online 25. Juni 2015

Khalaf Almohamad *: Für ein demokratisches Syrien

Aufruf für das Raqqa-Haus für alle Syrer in Urfa in der Türkei**

 Wie ist das militärische Kräfteverhältnis in Syrien einzuschätzen? Stimmt es, dass die Freie Syrische Armee (FSA) und andere demokratisch orientierte Kräfte sehr geschwächt sind gegenüber den islamistischen Kräften, dass sie aber noch bestimmte Zonen kontrollieren?

Nur Online 25. Juni 2015

Zum Treffen der Griechenlandsoligruppen in Berlin

Vortrag von Theano Fotiou beim Treffen von Griechenlandsoligruppen am 21.06.15
dokumentiert

Am 19.Juni demonstrierten um die 5000 Menschen gegen die unmenschliche Flüchtlingspolitik und die Erpressungspolitik gegenüber Griechenland. Auf der Kundgebung hielt die griechische Ministerin für Arbeit, soziale Sicherheit und Solidarität eine sehr engagierte Rede.

Nur Online 13. Juni 2015

Gegen G7

Gipfel der Alternativen in München
von Paul B. Kleiser

Vor fast einem Jahr begannen in München und darüber hinaus die Debatten, wie man auf den geplanten Gipfel der G7 in Elmau an der österreichischen Grenze reagieren solle. Vor allem die Frage des Demonstrationsortes (München oder Garmisch) führte zu langen Auseinandersetzungen. Schließlich einigte man sich darauf, dass es in München im Vorfeld des Gipfels eine Großdemonstration und einen inhaltlichen Alternativgipfel geben solle.

Nur Online 10. Juni 2015

Die Regierung Tsipras verteidigen!

Verhältnis von Solidarität und Kritik

von Horst Hilse*

Am 08. 12. 2009 stufte die Ratingagentur Fitch die Bonität des griechischen Staates von „A“ auf „BBB´“ herab, nach einer Woche folgte die Agentur Standard and Poor‘s mit demselben Schritt. Das bedeutete, dass die Kreditgeber von dem Stichtag ab sofort 2,9% mehr Zinsen fordern konnten – doppelt so viel wie bei Deutschland.

Nur Online 8. Juni 2015

Ein anderer Thessalonicher Brief

Theologinnen und Theologen richten sich an den Evangelischen Kirchentag in Stuttgart

von faktencheckhellas*

Erklärung der FCH-Redaktion: Wir freuen uns, dass wir den unten folgenden gemeinsamen ökumenischen Brief von Frauen und Männern verschiedener Kirchen in Griechenland, darunter prominente Professoren und Professorinnen, der Dekan einer Fakultät, eine Dichterin, eine Islamwissenschaftlerin, ein Priester und Mitglieder im Ökumenischen Rat der Kirchen in unserer Publikation FCH veröffentlichen können. Er richtete sich an den Evangelischen Kirchentag, der in Stuttgart vom 3. bis zum 6. Juni mit mehr als Hunderttausend Besucherinnen und Besuchern stattfindet. Möge dieser Brief Türen öffnen und neue Diskurse entfachen.

Nur Online 3. Juni 2015

Alexis Tsipras: Europa am Scheideweg

Gastbeitrag des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras (Syriza) *
Le Monde

Am 25. Januar dieses Jahres hat das griechische Volk, eine mutigen Entschluss gefasst. Es hat den Weg unnachgiebiger Austerität, den das Memorandum ihm gewiesen hatte in Frage zu stellen gewagt und einer neuen Regierung, die frei ist von den Lasten und vetternwirtschaftlichen Verstrickungen der Vergangenheit das Mandat erteilt, mit ihren Partnern zu verhandeln, um zu einem ehrenhaften Kompromiss zu finden; zu einer Übereinkunft, die das Land in der Eurozone hält, mit einem nachhaltigen Wirtschaftsprogramm, frei von der festgefahrenen Hartnäckigkeit und den Fehlern der Vergangenheit.

Europa 1. Juni 2015

Piräus, das «Tor nach Europa»

Ehemalige chinesische Rotgardisten in neuer Rolle
von Jochen Gester

Griechenland ist aufs Prokrustes-Bett der Troika gespannt und es ist offensichtlich, dass die Herren des Verfahrens nicht gewillt sind, der linken griechischen Regierung zum Überleben zu verhelfen. Sie kann wählen zwischen dem Grexit, der im freien Fall der Wirtschaft enden kann, oder dem Verrat ihrer Ziele.

Arbeitskämpfe 1. Juni 2015

Amazon Polen

Widerstand gegen steigenden Arbeitsdruck
von Violetta Kuhn

Immer wieder heißt es, Streiks bei Amazon könnten durch die Umlegung nach Polen abgefedert werden. Doch damit könnte bald Schluss sein, denn auch dort beginnen die Beschäftigten sich zu organisieren.

Gestrandete Flüchtlingspolitik

Wie mit Zahlen über die Bootsflüchtlinge Schindluder getrieben wird
von Angela Huemer

Seit rund 25 Jahren sterben Bootsflüchtlinge im Mittelmeerraum. 2014 und 2015 waren es besonders viele. Ein Rückblick tut not, zur besseren Beurteilung der Gegenwart.

EU spielt Schiffe versenken

Pläne der EU, gegen Schleuser militärisch vorzugehen, nehmen «Kollateralschäden» bewusst in Kauf
von Angela Huemer

Nur einen Tag, nachdem am 19.April rund 800 Flüchtlinge bei der Überfahrt über das Mittelmeer ums Leben gekommen waren, reagierte der EU-Rat für Auswärtige Angelegenheiten mit einem 10-Punkte-Plan.

Fähren statt Frontex

Wie die EU mit den Flüchtlingen umgehen sollte
von watchthemed.net

Die Webseite watchthemed.net hat als Reaktion auf den Zehn-Punkte-Plan der EU einen eigenen Zehn-Punkte-Plan veröffentlicht, wie Flüchtlingen auf menschenwürdige Art und Weise geholfen werden kann. Hier der Wortlaut in Auszügen:

Terroristen oder Unternehmer?

Die Schlepperindustrie in Libyen
von Bernard Schmid

Sogenannte «Schlepper» für Migranten, vor allem wenn sie in und um Libyen herum aktiv sind, haben derzeit in Europa die denkbar schlechteste Presse. Frankreichs Präsident François Hollande bezeichnete sie bei einem Fernsehauftritt rundheraus als «Terroristen» – ein Begriff, der fast alle Maßnahmen zu legitimieren scheint.

Europa 1. Juni 2015

Wahlen in Großbritannien

Die Legitimität des Parlaments ist stark angeschlagen
von Socialist Resistance

Die Kombination aus einer Angstkampagne der Tories und einem schwachen Abschneiden der Labour Party bescherte den Tories bei den britischen Parlamentswahlen vom 7.Mai eine absolute Mehrheit, die niemand erwartet hat, nicht einmal sie selbst.

Europa 1. Juni 2015

Griechenland: Wohin geht SYRIZA?

Gorgopotamos grüßt Alamana*
von Giannis Milios

Die Zeit drängt: Eine Vereinbarung müsse «in den nächsten beiden Wochen unter Dach und Fach gebracht werden, bevor die Liquiditätsfrage der Regierung zur Fessel werde», äußerte Finanzminister Varoufakis Mitte Mai nach einem x-ten Treffen mit der Eurogruppe. Ob die Ende Mai fälligen Gehälter und Renten ausgezahlt werden konnten, stand bei Redaktionsschluss nicht fest.

Europa 1. Juni 2015

Griechenland: 100 Tage Regierung Tsipras

Eine Zwischenbilanz
von Paul B. Kleiser

Die neue griechische Regierung unter Alexis Tsipras ist nun gut hundert Tage im Amt, Zeit, eine erste Bilanz zu versuchen.

Europa 1. Juni 2015

Griechenland: Welcher Weg aus der Falle?

Eine Stellungnahme von DEA
von der Internationalen Arbeiterlinken DEA

Die griechische sozialistische Organisation DEA (Internationale Arbeiterlinke)* veröffentlicht in ihrer Zeitung Ergatiki Aristera (Nr.335 vom 29.4.) einen Leitartikel, in dem sie dazu aufruft, eine klaren Trennungsstrich gegenüber der Erpressungspolitik der Gläubigerstaaten zu ziehen.

Geschichte 1. Juni 2015

«…gleichgültig, ob darüber Armenier zugrunde gehen»

Der Völkermord an den Armeniern und die deutsche Mitschuld
von Paul B. Kleiser

Die ersten Pogrome fanden bereits in den Jahren 1895/96 statt: Sie kosteten über 100.000 Opfer. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieg jedoch wurden die Armenier Ziel einer Ausrottungspolitik des Osmanischen Reichs, das seit dem Staatsstreich gegen Sultan Abdul Hamid II. 1909 von den «Jungtürken» geführt wurde. Wie konnte es zu diesem Aghet (Katastrophe) genannten Genozid kommen, das bis zu 1,5 Millionen Opfer forderte?

BAYER in Vietnam – Konzern & Vergangenheit

Agent Orange & Co.
von Jan Pehrke

Vor vierzig Jahren endete der Vietnam-Krieg. Aber Opfer fordert er immer noch. Das zeigt jetzt ein neuer Dokumentarfilm, dessen Titel „Lighter than Orange“ schon einen Hinweis auf den Grund für das lange Fortdauern des Schreckens gibt. Er spielt nämlich auf das seine giftige Wirkung bis heute entfaltende Pestizid Agent Orange an.

Vietnamkrieg und Meinungsfreiheit

Eine Geschichte für viele
von Manuel Kellner

Im Fernsehen, in den Tageszeitungen gab es immer wieder Berichte über den Krieg in Vietnam. Wir, drei 16- bis 17jährige Jungs in Brüssel, die sich seit der zweiten Jahreshälfte 1971 für kommunistische Revolutionäre hielten, und ein maoistischer Klassenkamerad, hatten Zugang zu den Gegeninformationen des Vietcong. Eines Tages wird Alarm geschlagen: Die fortgesetzte Bombardierung von Hanoi und Haiphong könnte die Dämme zerstören, mit einer unabsehbaren Zahl von Opfern.

Europa 1. Juni 2015

Abgeschobene Roma in Serbien und im Kosovo

Was passiert mit den Rückkehrern?
von Larissa Peiffer-Rüssmann

Die bis zu 500.000 von den Nazis ermordeten Sinti und Roma haben zwar seit Oktober 2012 ein Denkmal in Berlin, aber die Lebenden werden weiter diskriminiert und abgeschoben.

Nur Online 18. Mai 2015

Revolution – ein Problem für deutsche Linke

Das Beispiel Syrien

von Sophia Deeg

Als sich im März 2014 der Beginn des syrischen Aufstands zum dritten Mal jährte, schrieb ich anlässlich einer kleinen Kundgebung in Berlin, die ganz ohne Unterstützung durch deutsche (oder andere) Linke blieb, die traditionelle Linke bringe es nicht über sich, „politisch solidarisch zu sein mit der syrischen Revolution und sie als einen legitimen Kampf anzuerkennen.“ (1)

Nur Online 17. Mai 2015

SYRIZA-Linke für „Bruch“

Welcher Weg aus der Falle heraus?

Leitartikel der Zeitung von DEA*

Die Haltung der Gläubiger – die an die katastrophalen Zugeständnisse der Vorgängerregierung Samaras/Venizelos, aber auch an die schwerwiegenden Fehler anknüpfen, die in der Vereinbarung vom 20. Februar enthalten sind – hat die von SYRIZA geführte Regierung in eine fatale Falle gelockt.

Nur Online 4. Mai 2015

Griechenland im Stellungskrieg mit der EU

Wie sich die Verhandlungen mit der Regierung SYRIZA entwickelt haben, wie es hinter den Kulissen zugeht und wieso Grundrechte nicht überall gelten.
Interview von Johanna Jaufer mit Theodoros Paraskevopoulos*

Drei Tage vor den griechischen Parlamentswahlen haben Sie mir in einem Interview angekündigt, „es wird wie der Vietnam-Krieg, nur ohne Blut“. Hat sich das bewahrheitet?

Auf jeden Fall. Es ist ein Stellungskrieg – ohne Blut natürlich. „Stellungskrieg“, weil die Hardliner in der Europäischen Union in den ersten zwei, drei Wochen nach der Wahl – auch beim Abkommen vom Februar – Positionen räumen mussten. Wir versuchen jetzt, die gewonnenen Positionen auszuweiten, und sie versuchen, diese Positionen zurückzuerobern.

Europa 1. Mai 2015

Die Demokratie neu erfinden

Soziale Kämpfe europäisieren!

von Manuel Kellner und Angela Klein

In einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin mahnen Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf u.a. eine neue europäische Krisenpolitik und die Rückzahlung des griechischen Zwangskredits aus dem Zweiten Weltkrieg an: «Wenn wir am 8.Mai 2015 zum siebzigstenmal an das Ende des Krieges denken, verneigen wir uns abermals vor dem Leid und den Toten des von den Nationalsozialisten entfachten Zweiten Weltkriegs, der Europa in Schutt und Asche legte.

Bewegung 1. Mai 2015

SYRIZA-Regierung und soziale Bewegungen

Außerparlamentarische Aktivitäten nicht stoppen!

Gespräch mit Marina Karastergiou

Geht es nach dem Willen der Kapitalbesitzer und ihrer Freunde in der Politik soll Griechenland bis 2015 zum größten Goldproduzenten Europas werden. Im Dezember 2003 fädelte ein PASOK-Minister einen Deal ein: Er kaufte für 11 Mio. Euro die bestehenden Goldminen auf der Halbinsel Chalkidiki, südöstlich von Thessaloniki, und verkaufte sie am selben Tag zum selben Preis an Hellas Gold.

Flucht/Migration 1. Mai 2015

Tod auf hoher See

Routine und Worthülsen

von Angela Huemer

Vor einigen Jahren, ich glaube es war 2008/2009, versuchte ich eine Zeit lang monatlich in der SoZ zu vermelden, wie viele Flüchtlinge an einer der Grenzen Europas gestorben waren. Die Quelle dafür war Gabriele del Grandes Blog «FortressEurope».

Asien/Australien 1. Mai 2015

Fünf Frauen und der 8.März 2015 in China

«Anzettelung von Streit und Provokation»

von Jochen Gester

Am 6. und 7.März kam es in China zu einer recht spektakulären Verhaftungsaktion. Zehn junge feministische Aktivistinnen hatten rund um den 8.März, dem Internationalen Frauentag, ungewöhnliche Aktionen in ihren Heimatstädten Peking, Guangzhou und Hangzhou geplant. Außer ihnen wurden noch andere Aktivisten auf dem Tiananmenplatz von der Polizei in Gewahrsam genommen.

Europa 1. Mai 2015

Korrupte Griechen?

Treiben der deutschen Rüstungskonzerne in Griechenland

von Franziska Lindner

Jedesmal, wenn die Athener Regierung bei den Verhandlungen mit der EU einen Vorschlag zur Haushaltssanierung vorlegt, wird ihr vorgehalten, die Zahlen seien «nicht belastbar», sie solle lieber mal anfangen, die Korruption im Land anständig zu bekämpfen. Deren Urheber sitzen allerdings nicht zuletzt in Deutschland.

Europa 1. Mai 2015

Kriegsschuld verjährt nicht!

Griechenland fordert 278,7 Milliarden

von Paul Kleiser

Die neue, von SYRIZA geführte Regierung hat ein Thema wieder auf die Tagesordnung gesetzt, das die Vorgängerregierungen eher mit Samthandschuhen angefasst haben: Die Kriegsschulden des Deutschen Reichs bei Griechenland aus der Zeit der Besatzung 1941–1944 sowie die Entschädigung für die Verbrechen und Zerstörungen der Wehrmacht, die eine breite Blutspur durch das Land gezogen hat.

Europa 1. Mai 2015

Griechenland muss aus dem Euro raus!

„Regierung SYRIZA auf falscher Spur“

Gespräch mit Costas Lapavitsas

Die neugewählte Regierung SYRIZA ist angetreten, das Diktat der Sparpolitik (der «Memoranden») zu brechen. Dennoch musste der griechische Finanzminister bei den Verhandlungen mit der Eurogruppe im vergangenen Februar dicke Kröten schlucken: für die eingeleiteten humanitären Maßanhmen dürfen keine neuen Kredite aufgenommen werden;

Afrika 1. Mai 2015

Wahlen in Nigeria

«Ich hoffe, es kommt nicht schlimmer»

von Klaus Engert*

Die Wahlen in Nigeria vom 28.März (Präsidentenwahl) und 11.April (Gouverneurswahlen in 28 Bundesstaaten) brachten in beiden Fällen einen Erdrutschsieg des All Progressives Congress (APC), eines Zusammenschlusses von vier vorwiegend regional verankerten Parteien.

Amerika 1. Mai 2015

Amerikagipfel und Krise der US-Hegemonie

In Panama war der Kaiser halbnackt

von Guillermo Almeyra

Auf dem Amerika-Gipfel in Panama (8.–10.4.) hat Obama zugegeben, dass 53 Jahre Sanktionspolitik gegenüber der kubanischen Revolution gescheitert sind, und die Normalisierung der politischen Beziehungen zwischen Kuba und den USA in Aussicht gestellt.

Europa 1. Mai 2015

Gegen Krieg und Not in der Ukraine

Aufruf zur gewerkschaftlichen Solidarität

Dokumentiert

Aus der Veranstaltungsreihe mit Pawlo Lysianskyi von der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft der Ukraine (siehe SoZ 3/2015) ist eine Initiative zur Solidarität mit der von Krieg und Not betroffenen Bevölkerung entstanden. Wir dokumentieren den Aufruf.

Die politische Situation in der Ukraine ist alarmierend. Es herrscht Krieg.

Nur Online 27. April 2015

Kuba–USA

Neue Ära in den politischen Beziehungen

von Janette Habel

Auf dem Amerika-Gipfel in Panama (8.–10.4.) hat Obama zugegeben, dass 53 Jahre Sanktionspolitik gegenüber der kubanischen Revolution gescheitert sind und die Regierung in Havanna als legitime Vertretung des kubanischen Volkes anerkannt.

Nur Online 22. April 2015

Kuba–USA: Eine neue Ära in den politischen Beziehungen

von Janette Habel

Auf dem Amerika-Gipfel in Panama (8.–10.4.) hat Obama zugegeben, dass 53 Jahre Sanktionspolitik gegenüber der kubanischen Revolution gescheitert sind und die Regierung in Havanna als legitime Vertretung des kubanischen Volkes anerkannt. Um diese bedeutende diplomatische Veränderung zu verstehen, die historische Folgen für ganz Lateinamerika hat, muss man zu den Ursprüngen der kubanischen Revolution zurückgehen, einer Revolution, die seit dem Beginn des 20.Jahrhunderts vom Willen getrieben wurde, mit der nordamerikanischen Vorherrschaft zu brechen und die nationale Unabhängigkeit zu erringen.

Europa 1. April 2015

Sie geifern wie zu Brandts Zeiten

Die deutschen Medien in der Voodoo-Realität

von Robert Misik

«Der Geisterfahrer», titelte der Spiegel unmittelbar nach der Wahl von Alexis Tsipras. In den Tagesthemen der öffentlich-rechtlichen ARD wird EU-Parlamentspräsident Martin Schulz von einer Moderatorin salopp gefragt, ob er dem Griechen-Premier auch schon ordentlich «auf die Finger geklopft» habe.

Bewegung 1. April 2015

«Ihr seid die wahren Vandalen…

…Bühne für euren Vandalismus ist der ganze Planet.» Blockupy 2015

von Angela Klein

Mit diesen Worten quittierte die Globalisierungskritikerin Naomi Klein auf der Blockupy-Kundgebung die medialen Bemühungen, die Massenproteste gegen die EZB wieder einmal hinter brennenden Autos verschwinden zu lassen.

Europa 1. April 2015

Eurogruppe zieht Schlinge enger

Sozialprogramme Griechenlands Schäuble und EU Dorn im Auge

von Paul Michel

Immer wieder mahnen Berlin, Frankfurt am Main und Brüssel «Reformmaßnahmen» von der griechischen Regierung an. Der Haken dabei: Sie meinen mit Reformen etwas anderes als die griechische Regierung. Sie wollen die Fortsetzung der gescheiterten Troika-Politik.

Europa 1. April 2015

Bisherige Maßnahmen der Regierung in Athen

von der SoZ-Redaktion

Während die Eurogruppe gehofft hatte, die griechische Regierung werde nun jeden Schritt mit ihr abstimmen, bringt diese ganz ohne Absprache mit Brüssel die ersten Sofortmaßnahmen durchs Parlament.

Europa 1. April 2015

Griechenland: Schulden-Audit angekündigt

von der SoZ-Redaktion

Die Präsidentin des griechischen Parlaments, Zoe Konstantopoulou, hat auf einer Pressekonferenz am 17.März 2015 die Einrichtung einer Kommission angekündigt, die die griechischen Staatsschulden prüfen soll.

Europa 1. April 2015

Europäische Zentralbank in der Krise

Verarmung made in Frankfurt a.M. *

von Thomas Sablowski und Etienne Schneider

Die Europäische Zentralbank (EZB) ist ein Organ der EU. Ihre Aufgaben und Grundlagen sind im Vertrag von Maastricht festgelegt. Mit ihrer Einführung wurden die nationalen Notenbanken zwar nicht aufgelöst, die zentrale geldpolitische Entscheidungsgewalt liegt nun aber bei der EZB.

Europa 1. April 2015

Yanis Varoufakis –

– ein unerwünschter Retter des Kapitalismus

von Ingo Schmidt

«Denn sie wissen nicht was sie tun»: In einer Schlüsselszene des Films rasen die beiden Hauptdarsteller auf eine Steilklippe zu. Wer zuerst aussteigt, gilt als Feigling. Tatsächlich bleibt einer der beiden Darsteller am Türgriff seines Wagens hängen und stürzt mit diesem in den Tod. In der Euro-Version des James-Dean-Klassikers haben die Finanzminister Deutschlands und Griechenlands die Hauptrollen übernommen.

Europa 1. April 2015

Rassistische Welle in Frankreich

Wo ist der «Geist des 11.Januar» geblieben?

von Bernard Schmid

«Geist des 11.Januar, bist du noch da?» Diese Frage wird derzeit in Frankreich vielfach gestellt – und oft mit Nein beantwortet. Das Datum spielt auf die Großdemonstrationen nach den jihadistischen Anschlägen in Paris vom 7. und 9.Januar dieses Jahres an.

Bewegung 1. April 2015

Schwache Gegenmobilisierungen

Linke tut zu wenig gegen Rassismus

von Bernard Schmid

Als Antwort auf die ebenso unangenehme wie gefährliche ideologische Großwetterlage, die im Artikel zur rasisstischen Welle in Frankreich (Link!) beschrieben wird, gab es in jüngerer Zeit unterschiedliche Mobilisierungsansätze.

Eine Achse der Gegenmobilisierung war der Versuch verschiedener Kräfte, sich auf eine Schwerpunktkampagne gegen antimuslimischen Rassismus zu einigen.

Asien/Australien 1. April 2015

Durchs halb so wilde Kurdistan

Ein Reisebericht

von Leo Gabriel

Der Wiener Journalist und Koordinator der Friedensinitiative «Peace in Syria» (www.peaceinsyria. org) war gemeinsam mit Kollegen in der von Kurden kontrollierten syrischen Provinz Rojava unterwegs. Dies ist sein Bericht.

Angesichts der weltweiten Bedrohung durch die als Islamischer Staat (IS) bezeichnete Terrororganisation sind Journalistenreisen durch die Kampfgebiete Syriens heute eine Seltenheit geworden.

Europa 1. April 2015

Thesen zur Krise des Euro-Systems

Deutschland, der Foulspieler, soll das Feld verlassen

von Holger Weiss

Ein Plädoyer für den Ausstieg aus dem Euro – nicht nur Griechenlands

1 Um die jeweils aktuellen Ausformungen der Euro-Krise zu verstehen, müssen die Grundachsen der Währungsunion und ihre systematische Verletzung durch die deutsche Politik begriffen werden.

Europa 1. März 2015

Griechenland nach der Wahl –

Keine Gefahr, sondern eine Chance für Europa

Der nachstehende Aufruf der deutschen Gewerkschaftsvorsitzenden hat europaweit große Aufmerksamkeit erregt. Er wurde inzwischen von 8800 Menschen aus verschiedensten europäischen Ländern unterzeichnet (Stand: 23.2.) und enthält eine deutliche Unterstützung der SYRIZA-Regierung, von der man sich wünscht, dass sie auch Gestalt in Form materieller Hilfe und politischen Drucks annehmen möge.

Europa 1. März 2015

SYRIZA-Regierungsantritt

Die Chance nutzen!

von Angela Klein

Der Regierungsantritt von SYRIZA ist eine Chance für die Linke in Europa und für alle sozialen Bewegungen, die gegen die Kahlschlagpolitik und für einen sozialen Ausweg aus der Krise kämpfen.

Europa 1. März 2015

Etwas nassforsch, die Herren

In Sachen Griechenland spielen Brüssel und Berlin mit dem Feuer

von Paul Michel

Der Wahlausgang ist ein deutliches NEIN zur Politik der Troika und eine Niederlage für die Bundesregierung. Mit dem Regierungswechsel in Athen hat auch ihre Positionierung als Zuchtmeister Europas Schrammen davongetragen.

Minsk II:

Die Widersprüche der deutschen Regierungsposition

von Angela Klein

Der Auftritt der Kanzlerin auf der Münchner Sicherheitskonferenz und ihre Initiative zum Abkommen Minsk II sind in zweierlei Hinsicht bemerkenswert.

Europa 1. März 2015

Gianis Varoufakis: «Wir bluffen nicht»

Griechischer Finanzminster zur Verhandlungsposition der griechischen Regierung*

Ich schreibe diesen Text am Rand einer entscheidenden Verhandlung mit den Gläubigern meines Landes – eine Verhandlung, deren Ergebnis eine ganze Generation prägen und sogar zum Wendepunkt in Europas Experiment einer Währungsunion werden kann.

Militärmacht Deutschland:

«Vorwärtsstrategie»

von Arno Klönne

Ursula von der Leyen, zuständig für «Verteidigung», hat jetzt einen «Startschuss» abgegeben, so nannten es die regierungsfrommen Medien.

Wird TTIP für die SPD so etwas wie Hartz IV?

Alexis Passadakis zum wachsenden Widerstand gegen das Transatlantische Freihandelsabkommen

Seit Frühjahr 2014 hat die EU-Kommission die Verhandlungen über die Investor-Staat-Streitbeilegung (ISDS, kurz auch Konzernjustiz genannt) mit den USA ausgesetzt. Die Kritik daran war so groß geworden, dass sich die Kommission gezwungen sah, einige Reformvorschläge zu machen und eine öffentliche Konsultation zum Thema durchzuführen.

Europa 1. März 2015

Niedriglöhne in Polen

…und der Abwärtstrend geht weiter

von Jacek Rosolowski

Die polnischen Arbeiter stehen mit ihren Löhnen im EU-Vergleich am Ende der Skala. Der Mindestlohn beträgt derzeit 1750 Zloty (420 Euro), 2015 soll der Durchschnittslohn etwa 1000 Euro betragen.

Arbeitswelt 1. März 2015

Angriff auf ILO-Normen

 

Arbeitgeber wollen Streikrecht auch international nicht mehr anerkennen

von Jochen Gester

Am 18.Februar hat der Internationale Gewerkschaftsbund zu einem globalen «Aktionstag zur Verteidigung des Streikrechts zum Schutz vor Unterdrückung und Versklavung bei der Arbeit» aufgerufen.

Arbeitskämpfe 1. März 2015

Türkei: Gefährdung der «nationalen Sicherheit»?

AKP-Regierung verbietet Streik in der Metallindustrie

von Jochen Gester

Staatliche Versuche das Streikrecht einzuschränken sind keine deutsche Spezialität. Das zeigt der Blick nach Europa. Gesetze oder geplante Initiativen dazu gibt es bereits in Frankreich, Italien und Spanien, gar nicht zu reden von der Aufhebung des gewerkschaftlichen Koalitionsrechts unter der Herrschaft der Troika in Griechenland. In dessen Nachbarland Türkei zieht Regierungschef Tayyip Erdogan nun nach.

Europa 1. März 2015

Auf welchen Kompromiss hat sich die griechische Regierung eingelassen?

von Angela Klein

Der Beschluss der Eurogruppe vom 18.Februar 2015 über die Fortsetzung der Hilfen für Griechenland hat sehr unterschiedliche Reaktionen provoziert: Die einen sehen die Hardliner in Berlin als Sieger und sprechen von einer «Kapitulation» der griechischen Regierung; diese selbst sieht den Sieg auf ihrer Seite. Schaut man sich den Text genau an, hat man eher den Eindruck eines tatsächlichen Kompromisses.

Arbeitskämpfe 1. März 2015

Polnische Bergleute im Streik

Zehn Tage, die Oberschlesien erschütterten

von Dariusz Zalega

Die Schlacht ist gewonnen, aber nicht der Krieg – so kann das Ergebnis der letzten Proteste gegen die Schließung von Zechen beim Kohlekonzern Kompania Weglowa A.G. umschrieben werden. In den anderen Kohlekonzernen ist es auch nicht ruhig. Eines ändert sich allerdings – die gesellschaftliche Einstellung zu den Protesten der Bergleute.

Europa 1. März 2015

Wer gibt in Europa den Ton an?

Draghi/Juncker oder Tsipras/Varoufakis?

von Ingo Schmidt

Die Hoffnung auf ein Ende der Troika-Diktatur und ihrer Sparprogramme hat die Wahlen in Griechenland entschieden. Seit Tsipras und Varoufakis über eine Streichung oder Umschuldung der griechischen Auslandsschulden verhandeln, geht in anderen Hauptstädten der Eurozone die Angst um.

Europa 1. März 2015

Autoritäre Neuordnung in der Ukraine

«Auf Deserteure ist zu schießen»

von Andrea Ferrario und Angela Klein

Das neue Minsker Abkommen ist ein starkes Signal, die Lage in der Ukraine auf anderem als auf militärischem Weg zu stabilisieren. Ob dies gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob Staatschef Poroschenko dazu willens und in der Lage ist oder ob die Kriegspartei, mit tatkräftiger Unterstützung der USA und von Teilen der EU, doch noch die Oberhand gewinnt.

Europa 1. März 2015

«Die Gewerkschaft ist gegen den Krieg»

Pawlo Lysjanskyj (NPGU) zur Lage in der (Ost-)Ukraine

Auf Einladung der Jakob-Moneta-Stiftung kam der stellvertretende Vorsitzende der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft der Ukraine (NPGU), Pawlo Lysjanskyj, Ende Januar nach Deutschland und sprach dort in vier Städten: Berlin, München, Stuttgart und Köln. Jedesmal ging es um dieselben zwei Fragenkomplexe: Informationen über die Gewerkschaft und die Lage der Bergarbeiter; die Folgen des Krieges. Auf der Veranstaltung in Berlin antwortete Lysjanskyj u.a. auf die nachstehenden Fragen; wir haben sie ergänzt durch einige zusätzliche Informationen aus Köln.

Europa 1. März 2015

Eine Arbeiterjugend in der Ukraine

Pawlo Lysjanskyj

Die Ukraine ist ein sehr junger Staat. In welchem politischen Klima man dort nach seiner Gründung 1991 aufwuchs, erzählte uns Pawlo Lysjanskyj nach der Kölner Veranstaltung am 29.1. Das Gespräch ist in der Ich-Form wiedergegeben.

Europa 1. März 2015

SYRIZA ist ein Sandkorn im Getriebe

 

Eric Toussaint über die ersten Schritte der neuen griechischen Regierung

Die neue Regierung, die Griechenland aus dem Jammertal der Spardiktate führen will, hat die politische Bühne mit Paukenschlägen betreten. Von den Dogmatikern in der EU wird sie hart bedrängt, den alten Kurs fortzusetzen. Welche Optionen hat die Regierung überhaupt?

Afrika 1. März 2015

Boko Haram:

Räuberbande mit ideologischem Mäntelchen

von Klaus Engert

Eigentlich sollten am 14.Februar in Nigeria die Präsidentschaftswahlen stattfinden. Der amtierende Präsident Goodluck Ebele Jonathan von der People’s Democratic Party tritt gegen den Ex-Militärdiktator Muhammadu Buhari vom All Progressives Congress an.

Europa 1. März 2015

Spanien: Podemos

Erbe oder Verfälschung der 15M-Bewegung?

von Jesús Jaén

Am 31.Januar hat Podemos in Madrid zu einer riesigen Demonstration aufgerufen. Laut Polizei nahmen rund 100000 Menschen daran teil, nach Angaben der Organisatoren 300000. Sie war vergleichbar mit den Kundgebungen der sog. Indignados bzw. den Generalstreiks im Jahr 2012.

Europa 1. Februar 2015

Der hohle Zahn des Westens

Krieg gegen die Menschen des Südens und Ostens

von Angela Klein

Welch ein Unterschied zu den 90er und 2000er Jahren! Damals brannten in Deutschland die Asylbewerberheime und deutsche Bundesregierungen gaben dem nationalen Einheitstaumel nach: Sie schafften das Asylrecht 1993 faktisch ab, wiederholten nacheinander, Deutschland sei «kein Einwanderungsland», die «deutsche Leitkultur» wurde zum Unwort des Jahres 2000, Jürgen Rüttgers mahnte: «Kinder statt Inder!» Vorläufiger Höhepunkt dieser Kampagnen war Sarrazins Klage, Deutschland werde von einer Welle von Asylbewerbern «überrannt».

Bewegung 1. Februar 2015

Die Tage nach dem Attentat auf Charlie Hebdo

Reaktionen aus der Bevölkerung

von Sophia Deeg

Am 7.1., dem Tag des Attentats auf die Redaktion von Charlie Hebdo bin ich bereits seit Wochen in Paris. Ich treffe in dieser Zeit eine Freundin, Aktivistin der UJFP (Französisch-Jüdische Union für den Frieden), die mir eindringlich schildert, wie Muslime und Araber in Frankreich auf Schritt und Tritt rassistisch diskriminiert werden, im Alltag, in den Medien, von der Politik, von rechts bis weit hinein in die Linke.

Bewegung 1. Februar 2015

Wahlsieg von SYRIZA

Internationale Solidarität!

von Manuel Kellner

Nachdem mehrere Wellen beeindruckender Massenstreiks und Demonstrationen die bittere Lage von vielen Millionen Griechen nicht haben wenden können, richten sich die Hoffnungen der griechischen Bevölkerung nun auf die neue SYRIZA-Regierung.

Europa 1. Februar 2015

Die Kette der Spardiktate brechen

„Griechenland ist das schwache Glied“

sagt Panos Petrou vom linken Flügel der SYRIZA

Aus den Parlamentswahlen in Griechenland am 25.Januar 2015 ist SYRIZA als stärkste Kraft hervorgegangen, hat aber die absolute Mehrheit verfehlt und eine Koalition mit der nationalistischen Partei ANEL gebildet, die die von der Troika aus EU, EZB und IWF aufgezwungene Sparpolitik ebenfalls strikt ablehnt.

Europa 1. Februar 2015

«Ich bin nicht Charlie»

Gegen die stupide Vermengung von Islam und Terror

von Shlomo Sand

Nichts kann einen Mordanschlag rechtfertigen, schon gar nicht einen kaltblütig ausgeführten Massenmord. Was Anfang Januar in Paris geschehen ist, ist ein absolut unentschuldbares Verbrechen. Das zu sagen, ist nicht originell: Millionen Menschen denken und empfinden so, und dies völlig zurecht.

Europa 1. Februar 2015

Chancen und Risiken bei Wahlsieg von SYRIZA

Unterstützung aus Chefgläubigerstaat nötig

von Ingo Schmidt

Im September 2011 bekannte sich Angela Merkel vor dem Bundestag zum «Budgetrecht (als einem) Kernrecht des Parlaments». Allerdings werde die von ihr geführte Regierung die «parlamentarische Mitbestimmung so gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist».

Europa 1. Februar 2015

Charlie und Pegida

 

Hüben wie drüben: Einwanderer als Sündenböcke

von Manuel Kellner

Die beeindruckende Massenmobilisierung in Paris unter der Parole «Je suis Charlie» (Ich bin Charlie) hat nicht nur den Willen zur Verteidigung der Pressefreiheit zum Ausdruck gebracht. Immer wieder beteuerten die Demonstrierenden auch, Einwanderer, Muslime und Jihadisten dürften nicht in einen Topf geworfen werden, und betonten ihren Willen zum friedlichen Zusammenleben unabhängig von Herkunft und religiösem Bekenntnis.

Europa 1. Februar 2015

Charlies Karikaturen

Gegen Herrschende oder gegen Beherrschte?

von Manuel Kellner

Charlie Hebdo ist eine linke Zeitschrift, die bei der politischen Rechten und extremen Rechten und auch bei konservativen und neoliberalen Sozialdemokraten alles andere als beliebt war und ist. 1995 sammelte sie 200000 Unterschriften für das Verbot der rechtsextremen Front National.

Europa 1. Februar 2015

Charlie Hebdo: Linksliberale Mobilisierung…

… und rassistische Hetze

von Bernard Schmid

Die Mobilisierung auf den Straßen Frankreichs, fünf Tage nach der Ermordung von zwölf Menschen in der Redaktion der Satirezeitung Charlie Hebdo (am 7.Januar) und zwei Tage nach der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt HyperCacher war enorm. Die französischen Medien sprechen von rund 4 Millionen Menschen, davon 2 Millionen in Paris.

Europa 1. Februar 2015

Charlie Hebdo: Wer waren die Attentäter?

Produkte der französischen Gesellschaft

von Bernard Schmid

Weder die Brüder Kouachi noch der Mörder Coulibaly waren Einwanderer. Sie waren französische Staatsbürger, in Frankreich aufgewachsen und Produkte der französischen Gesellschaft. Ein ehemals «illegaler» Einwanderer war hingegen Lassana Bathily, der 15 Menschen im koscheren Supermarkt gerettet hat.

Europa 1. Februar 2015

Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo

Ihre Verantwortung und unsere – eine Sicht aus Frankreich

von Alain Bihr

Wie soll man – über die unvermeidliche Gefühlsreaktion und die angebrachte Verurteilung hinaus – auf die Ermordung eines großen Teil der Redaktion von Charlie Hebdo, gefolgt vom Mord an vier Personen in einem koscheren Supermarkt, reagieren? Was sollte getan werden? Und vor allem: Was sollte nicht getan werden?

Europa 1. Februar 2015

Griechenland: Ein Schuldenschnitt…

… ist unvermeidlich

von Gregor Kritidis

Kaum war die Nachricht eingetroffen, dass es in Griechenland am 25.Januar 2015 Neuwahlen gibt, reagierte die Bundesregierung: Via Spiegel ließ sie inoffiziell verkünden, im Falle eines Wahlsiegs von SYRZIA, der Koalition der Radikalen Linken, stehe ein Grexit – das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone – auf der Tagesordnung.

Europa 1. Februar 2015

Das Regierungsprogramm von SYRIZA

vorgestellt auf der Internationalen Messe in Thessaloniki am 15.September 2014

Wir verlangen ein starkes Verhandlungsmandat mit dem Ziel, Folgendes zu vereinbaren:

– Streichung des größeren Teils des nominellen Werts der öffentlichen Schulden auf einer europäischen Schuldenkonferenz, damit sie tragbar sind. So wie es für Deutschland 1953 möglich war, ist es auch für die südeuropäischen Länder einschließlich Griechenlands möglich.

Globalisierung/Krieg 1. Februar 2015

Die Attraktion des «Kalifats»

Was bietet der Jihad?

von Helmut Dahmer

Eines der beunruhigenden und noch unzureichend verstandenen Phänomene der Gegenwart ist der von islamistischen Gruppen ausgerufene neue «Heilige Krieg» oder Jihad, der sich gegen den Westen und die westliche Lebensform insgesamt, gegen Andersgläubige und Ungläubige, vor allem aber auch gegen zu Nichtmuslimen erklärte Muslime nichtsunnitischen oder – enger noch – nichtwahhabitischen Bekenntnisses richtet.

Buch 1. Februar 2015

Israel Schwerpunkt auf der Leipziger Buchmesse

Der Neue ISP Verlag sagt deshalb Teilnahme ab

von Martin Lejeune

Mit ihrem Messeschwerpunkt «1965–2015. Deutschland – Israel» «würdigt» die Leipziger Buchmesse im März 2015 ein «besonderes Jubiläum»: 50 Jahre deutsch-israelische diplomatische Beziehungen.

Nur Online 30. Januar 2015

Die Aufgaben der Linken nach dem Sieg von SYRIZA

Erklärung von DEA (Internationalistische Arbeiter-Linke)

Vorbemerkung der Redaktion von Socialist Worker, Chicago.

Alexis Tsipras ist nun Ministerpräsident von Griechenland und steht damit an der Spitze einer Regierung, die nach dem Wahlsieg der Koalition der radikalen Linken, kurz SYRIZA, gebildet wurde. Diese Regierung hat eindeutig die Aufgabe, eine Abkehr von der Austeritätspolitik durchzuführen, die das Land in die Krise gestürzt hat. Teil dieser SYRIZA-geführten Regierung ist aber auch eine rechte nationalistische Partei, die „Unabhängigen Griechen“, deren reaktionärer Gründer und Führungsfigur Verteidigungsminister ist.

Nur Online 28. Januar 2015

Herzlichen Glückwunsch an Syriza!

Der Wahlsieg von Syriza am 25.Januar erfüllt die Linke und die Arbeiterbewegung in Europa mit Hoffnung: Hoffnung auf ein Ende der Spardiktate und der neoliberalen Geisterpolitik.

Nur Online 28. Januar 2015

Hoffnung statt Zynismus

Vier Thesen zum Wahlausgang in Griechenland

Wir posten hier einen Beitrag von http://mosaik-blog.at/hoffnung-statt-zynismus-vier-thesen-zur-griechenland-wahl/

Nur Online 28. Januar 2015

Greek elections Against austerity regime

Declaration of left activists in and on East-Central Europe

Note from the LeftEast editors: with this text Left-wing activists working in/on East-Central Europe support the struggle of SYRIZA in Greece in the coming election on the 25th of January 2015. If you would like your name or that of your organization to be added to the list, please write to:lefteasteditors@gmail . com

Nur Online 24. Januar 2015

Alexis Tsipras: Einer gegen Alle?

Regierungswechsel gilt als sicher

von Wassilis Aswestopoulos

Alexis Tsipras erfreut sich einer seltenen Ehre, innenpolitisch hat er alle anderen Parteien einig gegen sich. Jede Partei stichelt auf eine eigene Art und Weise und doch versuchen viele griechische Parteien einen Weg zu finden, um doch noch mit SYRIZA ins Geschäft zu kommen. Tsipras spielte – frei nach dem Motto Georg von Frundsbergs: „Je mehr Feind, je mehr Glück.“ – bei seiner Abschlussrede am Athener Omonia-Platz mit allen gegen ihn ins Feld gebrachten Klischees.
Nur Online 24. Januar 2015

EU soll Griechenlands Schulden prüfen

Syriza beim Wort nehmen!

von Eric Toussaint

Seit in Griechenland für den 25. Januar 2015 Wahlen angekündigt wurden, wird die Möglichkeit, dass Syriza den Wahlsieg davonträgt und eine Regierung bildet, der Öffentlichkeit und insbesondere der in der Eurozone als Bedrohung präsentiert.

Nur Online 19. Januar 2015

Charlie sein oder nicht sein, das ist nicht die Frage

Stellungnahme der Französischen Jüdischen Union für den Frieden (UJFP)

In dem Chaos, hervorgerufen durch das monströse Attentat, das zwölf Menschen das Leben gekostet hat, fällt es zunächst schwer, sich zurechtzufinden und zu unterscheiden zwischen denen, die unter dem Banner des Slogans „Je suis Charlie“ einzig ihren gerechtfertigten Schmerz und ihre Wut zum Ausdruck bringen, denen, die „das Amalgam (die Verwechslung oder Gleichsetzung von Islam und Terrorismus) fürchten“ und denen, die zur nationalen (und internationalen) Einheit gegen den radikalen Islamismus aufrufen.
Wenn auf dieses Verbrechen selbstverständlich mit Schmerz und Wut reagiert wird, fragt sich doch – Wut auf wen genau?

Nur Online 11. Januar 2015

Wir sind alle Charlie Hebdo

Solidaritätserklärung der SoZ-Redaktion

Liebe Freunde von Charlie-Hebdo,

wir sind an eurer Seite, in der Trauer und im Zorn. Und wir hoffen, dass aus dem barbarischen Akt ein Geist der Revolte wachsen wird, der sich gegen jedweden Fundamentalismus und Faschismus, welcher Couleur auch immer, auflehnt.
Wir wenden uns gegen die Versuche der extremen Rechten in Deutschland, das Wasser auf ihre Mühlen zu leiten, und wir glauben an die Notwendigkeit einer arabisch-europäischen antifaschistischen Bewegung.
Wir sind alle Charlie!

Redaktion der Sozialistischen Zeitung, Köln, 10.

Arbeitskämpfe 1. Januar 2015

Ein Gespenst geht um in Europa

Streikwelle kündigt neue Phase des sozialen Kampfs an

von Angela Klein

„So geht es nicht“ schallte es am 12.Dezember in den Straßen der italienischen Städte der Regierung Renzi entgegen. „8 Milliarden Sozialkürzungen und 10 Milliarden Unternehmergeschenke? So geht es nicht“, ist der Weckruf seit Anfang November auch in Belgien. Und in Griechenland hat Ende November der gefühlt 23.Generalstreik seit Beginn der Krise das Land lahmgelegt.

Europa 1. Januar 2015

Griechenland vor Neuwahlen?

SYRIZA hat gute Chancen

von Paul B. Kleiser

Eigentlich müsste der neue Staatspräsident in Griechenland erst im Februar 2015 gewählt werden, doch der konservative Regierungschef Antonis Samaras hat den ersten Wahlgang auf den 17.Dezember vorgezogen. Der bisherige Präsident Karolos Papoulias kann nach zehnjähriger Amtszeit nicht wiedergewählt werden.

Nordafrika/Nahost 1. Januar 2015

«Friedliches Zusammenleben der Völker»

Gespräch mit Amina Ossi, stellvertretende Ministerin
der Autonomen Regierung Cizîrê in Syrisch-Kurdistan

Vom 1. bis 9.Dezember 2014 hielt sich eine zehnköpfige akademische Delegation mit Teilnehmern aus mehreren europäischen Ländern und den USA in Rojava auf. Das Ziel war, die Solidarität mit Rojava auch in universitären Kontexten zu verankern und Grundlagen für weiterführende Publikationen zu erarbeiten. Organisator war das Kurdische Zentrum für Öffentlichkeitsarbeit Civaka Azad in Frankfurt.

Bewegung 1. Januar 2015

Generalstreik in Belgien

Kraftprobe zwischen Arbeit und Kapital

von Manuel Kellner

Die Streikbewegung in Belgien ist in vielerlei Hinsicht nicht vergleichbar mit dem, was wir in Deutschland kennen. Zunächst einmal handelt es sich um politische Streiks, denn sie richten sich gegen die neoliberale Sparpolitik der sog. «Mitte-Rechts-Regierung» aus Neoliberalen, Konservativen und (flämischen) Nationalisten (wirtschaftspolitisch ebenfalls neoliberal).

Amerika 1. Januar 2015

Bolivien: Erfolgssträhne von Evo Morales

Mit Volldampf zum Sozialismus?

von Robert Lessmann

Die Wahlen vom Oktober 2014 waren für Evo Morales und seine «Bewegung zum Sozialismus» (Movimiento al Socialismo, MAS) bereits der siebte Urnengang, den sie seit dem Erdrutschsieg vom Dezember 2005 mit absoluter Mehrheit gewonnen haben. Wenn Morales und sein Kabinett im Januar die dritte Amtszeit beginnen, können sie mit einer Zweidrittelmehrheit bis 2020 durchregieren.

Amerika 1. Januar 2015

Mexiko trauert nicht, es wütet!

Bevölkerung fordert den Rücktritt des Präsidenten

von Ricardo Loewe

Nichts wird wieder so sein wie vor dem unheilbringenden 26.September, als die Polizei der Stadt Iguala sechs junge Menschen exekutierte, einen schwer verwundete und 43 verschwinden ließ – allesamt friedliche und unbewaffnete Menschen. Dieser entsetzliche Angriff war für die Gesellschaft ein Wendepunkt.

Nordafrika/Nahost 1. Januar 2015

Wohin blickt Rojava?

 

Nach Syrien oder nach Kurdistan?

Der revolutionäre Prozessauf der Suche nach Partnern

von Christian Zeller

Die andauernde Schlacht um Kobanê hat der Weltöffentlichkeit den kurdischen Befreiungskampf in Syrisch-Kurdistan bekannt gemacht. Im Schatten des Bürgerkriegs findet hier seit drei Jahren ein beeindruckender revolutionärer Veränderungsprozess statt. Dieser ist auf eine breite Solidaritätsbewegung angewiesen ist, wobei die Widersprüche nicht zu unterschätzen sind.

Arbeitskämpfe 21. Dezember 2014

Streik in Belgien

Vor einer bedeutenden Kraftprobe

von DANIEL TANURO*

Der 24-stündige Streik, der die belgische Arbeiterklasse am Montag, den 15. Dezember mobilisiert hat, war ein enormer Erfolg. Das ganze Land ist vollkommen paralysiert worden: in Flandern, in Wallonien und in Brüssel, die Privatwirtschaft und die öffentlichen Betriebe, die Industrie und die Dienstleistungen, das Transportwesen und der Handel, die großen und die kleinen Unternehmen.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2014

Vergeblicher Versuch, über die Mauer in Palästina zu sprechen

Die Mauer muss weg – welche Mauer denn?

von Hermann Dierkes

Der eigentliche Eklat und Skandal um den 25.Jahrestag des Mauerfalls waren nicht die etwas fragwürdigen Begleitumstände bei dem Versuch, Gregor Gysi im Bundestag zur Rede zu stellen. Es war die vorherige erfolgreiche Intervention der drei Bundestagsabgeordneten Beck (Grüne), Pau (LINKE) und Robbe (SPD) gegen eine Veranstaltung in der Berliner Volksbühne mit Max Blumenthal und David Sheen zum Krieg gegen Gaza und gleichzeitig das Verbot eines Versammlungsraums der Linksfraktion im Bundestag durch die Fraktionsspitze um Gregor Gysi.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2014

Brief der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost

 an die beiden MdBs Pau und Beck sowie an Reinhold Robbe, DIG

Sehr geehrte Frau Pau,

sehr geehrter Herr Beck,

sehr geehrter Herr Robbe,

als Mitglieder der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V. (EJJP Deutschland) beziehen wir hiermit Stellung zu Ihrem Brief vom letzten Wochenende an die Leitung der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, der zu einer Absage der geplanten Veranstaltung mit den Journalisten Max Blumenthal und David Sheen führte.

Europa 1. Dezember 2014

Italien: Prekarisierung für alle

Renzis Programm für den italienischen Wirtschaftsaufschwung

von Angela Klein

Matteo Renzi, italienischer Premierminister seit dem 25.Februar 2014, gilt den Massenmedien hierzulande wahlweise als Hoffnungsträger oder als unzuverlässiger Stänkerer gegen Merkels Spardiktat. Was die Italiener selbst von ihm halten, bringen sie seit Monaten auf der Straße zum Ausdruck: am 25.Oktober mit einer Million Gewerkschaftern in Rom, am 8.November mit 100000 Staatsdienern, ebenfalls in Rom, dazwischen mit einer Vielzahl von kleineren, sehr harten Kämpfen gegen Massenentlassungen, Betriebsschließungen, Protestaktionen an den Schulen, von Migranten u.a.

Bewegung 1. Dezember 2014

In Italien bahnt sich ein neues soziales Bündnis an

14N: Social Strike

Am 2.November fand in Rom zum zweitenmal eine Versammlung zur Vorbereitung eines Sozialen Streiks statt, die eine echte Neuerung darstellt: Sie umfasste nämlich nicht nur Metallarbeiter, sondern auch prekär Beschäftigte in den verschiedensten Beschäftigungsverhältnissen, Erwerbslose, Migranten und Ausgegrenzte. Und sie setzte sich Ziele, die über den 14.November hinausweisen. Wir entnehmen den Beitrag der Webseite communianet.org.

Bewegung 1. Dezember 2014

Belgien Widerstand gegen die Sparkeule

von Angela Klein

Im Nachbarland Belgien scheint sich ein Stimmungsumschwung anzubahnen: Für den 6.November hatten die belgischen Gewerkschaften gemeinsam zu einer Demonstration in Brüssel gegen die unsozialen Maßnahmen der neuen Regierung aufgerufen.

Amerika 1. Dezember 2014

400000 in New York für Ausstieg aus Kohle und Öl

Neuer Schwung in der Bewegung für Klimagerechtigkeit

von Patrick Bond

«Nicht auf dem Planeten Erde!» Die Bewegung für Klimagerechtigkeit hat die Beschränkung auf Umweltfragen überwunden und ist auf dem Weg zu einer globalen Bewegung, die die von fossilen Brennstoffen getriebene Produktion mit all ihren Folgeerscheinungen – Armut, Exportwirtschaft, Migration, Artensterben – grundsätzlich in Frage stellt. Patrick Bond hat an der Demonstration in New York teilgenommen und seine Eindrücke in einem Artikel für den venezolanischen Sender TeleSur festgehalten.

Alternativwirtschaft 1. Dezember 2014

Marinaleda, Andalusien

Das Dorf, wo Menschen wichtiger sind als Profit

von Liam Barrington und Len Wilton

In der blühenden spanischen Kleinstadt Marinaleda ist das Leben von den Prinzipien der gegenseitigen Hilfe und der direkten Aktion geprägt. Ist das eine Alternative – in einem Land, das von der Last der Schulden gelähmt ist?

Europa 1. Dezember 2014

Die Parlamentswahlen in der Ukraine

Resignation und Kriegsgeschrei

von Angela Klein

Die Parlamentswahlen in der Ukraine vom 26.Oktober 2014 haben die «Kriegsparteien» nach vorn gebracht und zugleich die Macht der Oligarchen gefestigt. Die Wahlbeteiligung variierte von 32% im Ostteil des Landes (dort, wo es möglich war zu wählen) bis zu über 65% im Westteil; im Landesdurchschnitt soll sie bei 52% gelegen haben (2012: 58%). Zum Vergleich: Bei Kongresswahlen in den USA liegt sie bei etwa 40%.

Europa 1. Dezember 2014

Ukraine: Wahlergebnisse der Parlamentswahlen

vom 26.Oktober 2014

Formal waren die Wahlen in den von Kiew kontrollierten Gebieten nicht zu beanstanden.

29 Parteien stellten sich zur Wahl, darunter Steigbügelhalter des alten Janukowitsch-Regimes wie die KP ebenso wie die Faschisten vom Rechten Sektor. Die 2321 internationalen Wahlbeobachter, darunter auch russische, hatten am Verlauf wenig zu beanstanden.

Europa 1. Dezember 2014

Die Wahlen in der Ostukraine vom 2.11.2014

Keine regulären Bedingungen

Das zwischen der Regierung in Kiew und den Vertretern der «Volksrepubliken» Donezk und Lugansk Anfang September in Minsk ausgehandelte Abkommen (siehe SoZ 10/2014) sah u.a. Wahlen «in einigen Gebieten der Bezirke Donezk und Lugansk» vor, gemäß dem Gesetz über die Selbstregierung, das vom Parlament in Kiew angenommen worden war.

Nordafrika/Nahost 1. Dezember 2014

Libyen drei Jahre nach den Sturz Qadhafis

Wo rohe Kräfte sinnlos walten

von Bernard Schmid

Triumph war gestern. Am 15.September 2011 reisten der damalige französische Präsident Nicolas Sarkozy und der britische Premierminister David Cameron ins libysche Benghazi (Bengasi) und kassierten dort den Applaus der Menge. Diese spendete ihnen Beifall, weil vor allem französische und britische NATO-Truppen kurz zuvor einen maßgeblichen Beitrag zum Sturz des alten Regimes unter Muammar Al-Qadhafi geleistet hatten.

Europa 1. Dezember 2014

Griechenland-Solidarität

Erstes bundesweites Koordinationstreffen

von Paul Michel

Am 2.November trafen sich in Hamburg etwa 30 Leute aus verschiedenen Städten sowie Vertreter der Griechenland-Soli-Delegationsreisen der Gewerkschaftslinken, von Ver.di, Attac, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und des Verbandes demokratischer Ärztinnen und Ärzte.

Nur Online 19. November 2014

Warum ich Gregor Gysi konfrontiert habe

von David Sheen

In der vergangenen Woche waren die deutschen Medien voller Artikel, die mich und meinen Kollegen Max Blumenthal der Verbreitung von Judenhass bezichtigt haben. Diese haltlosen Anschuldigungen sind nicht nur diffamierend, sondern stellen auch eine echte Bedrohung für meine Sicherheit dar, da ich in Israel lebe, wo Dissidenten als „Zerstörer Israels“ gebrandmarkt werden und oft Opfer von Vergewaltigungsdrohungen und gewaltsamen körperlichen Angriffen werden.

Nordafrika/Nahost 19. November 2014

Brief der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost

an die beiden MdBs Pau und Beck sowie an Reinhold Robbe, DIG

Betr.: Absage der Veranstaltung mit Max Blumenthal und David Sheen

Sehr geehrte Frau Pau, sehr geehrter Herr Beck, sehr geehrter Herr Robbe,

als Mitglieder der Jüdischen Stimme für gerechten Frieden in Nahost e.V. (EJJP Deutschland) beziehen wir hiermit Stellung zu Ihrem Brief vom letzten Wochenende an die Leitung der Volksbühne am Rosa-Luxemburg-Platz, der zu einer Absage der geplanten Veranstaltung mit den Journalisten Max Blumenthal und David Sheen führte.

Nordafrika/Nahost 19. November 2014

Die Mauer muss weg – welche Mauer denn?

Vom vergeblichen Versuch, in der Berliner Volksbühne über die Mauer in Palästina zu sprechen

von Hermann Dierkes

Der eigentliche Eklat und Skandal um den 25.Jahrestag des Mauerfalls waren nicht die etwas fragwürdigen Begleitumstände bei dem Versuch, Gregor Gysi im Bundestag zur Rede zu stellen. Es war die vorherige erfolgreiche Intervention der drei Bundestagsabgeordneten Beck (Grüne), Pau (LINKE) und Robbe (SPD) gegen eine Veranstaltung in der Berliner Volksbühne mit Max Blumenthal und David Sheen zum Krieg gegen Gaza und gleichzeitig das Verbot eines Versammlungsraums der Linksfraktion im Bundestag durch die Fraktionsspitze um Gregor Gysi. Was die beiden hervorragenden und engagierten Journalisten aus Israel und den USA in Berlin erleben mussten, war wieder so typisch für die deutschen Verhältnisse, dass es einem die Sprache verschlägt.

Globalisierung/Krieg 1. November 2014

Kobanê und die syrische Revolution

Selektive Wahrnehmungen

von Harald Etzbach

Seit Mitte September ist der vor allem von Kurden bewohnte nordsyrische Kanton Kobanê (arabisch: Ain al-Arab) mit dem gleichnamigen Hauptort heftigen Angriffen durch die Milizen des sog. «Islamischen Staates» (IS/ISIS) ausgesetzt. Bisher sollen über 600 Menschen ums Leben gekommen sein, darunter etwa 300 IS-Kämpfer. Manche Schätzungen gehen von der doppelten Anzahl von Toten aus.

Globalisierung/Krieg 1. November 2014

Die Kommune von Kobanê

Warum USA und Türkei die kurdische Stadt verbluten lassen*

von Nick Brauns

Nur mit ihrem Mut und ihren Kalaschnikows trotzen einige tausend Männer und Frauen in der Stadt Kobanê im Norden Syriens bereits seit Mitte September den mit Panzer und Artillerie vorrückenden mörderischen Gotteskriegern des Islamischen Staates (IS).

Globalisierung/Krieg 1. November 2014

Militärisch wird sich der IS nicht besiegen lassen

 

Waffenlieferungen ins kurdische und irakische Kriegsgebiet bleiben falsch

von Jan van Aken*

In SoZ 9/2014 führten wir mit dem außenpolitischen Sprecher der Fraktion Die LINKE im Bundestag, Jan van Aken, ein Gespräch über Waffenlieferungen an die – damals noch irakischen – Kurden. Van Aken lehnte sie damals mit der Begründung ab, die syrischen Kurden von der YPG würden diese Forderung nicht stellen. Nun hat sich die Lage unter dem Ansturm der Terrormilizen des IS geändert und die YPG fordert u.a. panzerbrechende Waffen. Wir haben van Aken gefragt, ob er unter diesen Umständen weiter bei seiner Ablehnung von Waffenlieferungen bleibt. Nebenstehend seine Antwort.

Amerika 1. November 2014

Krieg gegen Studierende in Mexiko

Ermordet, gefoltert und verschwunden

von Ricardo Loewe

Bei einem Angriff der Polizei auf Lehramtsstudierende wurden am 26.September in Iguala im mexikanischen Bundesstaat Guerrero sechs Menschen getötet, 20 verwundet und 43 Studierende verhaftet, die seither verschwunden sind. Es ist nur der jüngste Akt einer jahrelangen systematischen Strategie des Staates zur Ausschaltung einer unbequemen, oppositionellen Studentenorganisation.

Globalisierung/Krieg 1. November 2014

Kobanê, Symbol des Widerstands

Solidaritätsaktionen in Syrien künden von neuem, antiimperialistischen Bewusstsein

von Ghayath Naisse

Der nachstehende Beitrag wurde am 7.Oktober geschrieben und ist deshalb in Teilen von der Entwicklung überholt. Dennoch ist der Verweis auf arabische Solidaritätsaktionen in Syrien wertvoll – und hier gänzlich unbekannt.

Seit über zwei Wochen angegriffen und belagert, läuft die kurdische Stadt Kobanê in Nordsyrien Gefahr, in die Hände der reaktionären Kräfte des Islamischen Staats (IS, auf Arabisch Daesh genannt) zu fallen. Der IS profitiert von der Komplizenschaft des türkischen Staates.

Globalisierung/Krieg 1. November 2014

Wer ist der Islamische Staat (IS)?

Eine Zusammenstellung von Adopt a Revolution

Im Schatten des Aufstands der syrischen Bevölkerung gegen die Assad-Diktatur haben sich Jihadisten in Syrien eine Machtbasis aufbauen können. Lange Zeit vom Regime zumindest toleriert, wenn nicht gefördert, hat der «Islamische Staat in Irak und Syrien» (ISIS) mittlerweile weite Gebiete Syriens und nach einer Offensive im Juni 2014 auch große Teile des Irak unter seine Kontrolle gebracht. «Adopt a Revolution» beobachtet die Entwicklung der Jihadisten in Syrien seit Beginn des syrischen Aufstands. Die nachstehenden Hintergrundinformationen beruhen in erster Linie auf den intensiven Kontakten mit syrischen Aktivisten.

Nordafrika/Nahost 1. November 2014

Türkei: Die strukturelle Hegemonie…

… des sunnitischen Konservatismus

von Murat Cakir

Der erste Teil dieses Artikels (SoZ 10/2014) endete mit der Feststellung, dass der «Geist von Gezi» immer noch lebendig ist, wie sich am Wahlerfolg der kurdischen HDP bei den Präsidentschaftswahlen am 10.August zeigte. Er machte auch eine Einschränkung: «Um den Aufbau einer starken Wahlalternative vorantreiben zu können, müsste die HDP die soziale Frage in den Mittelpunkt stellen … [und] eine Verbindung zu den noch AKP wählenden, verarmten und hochverschuldeten religiös-konservativen Massen herstellen…» Der zweite Teil des Artikels geht auf die strukturellen Hindernisse für ein solches Unterfangen ein.

Globalisierung/Krieg 1. November 2014

Debatte: Linke für Waffenlieferungen in Krisengebiete?

Sollen Linke fordern, dass die Bundesregierung an die (kurdischen) Kämpfer gegen den IS Waffen liefert? Die Frage wird überaus kontrovers diskutiert, ist doch die Preisgabe des Widerstands gegen ausländische Militäreinsätze der Bundeswehr und gegen Rüstungsexporte das Haupthindernis auf dem Weg der Linkspartei zur Regierungsbeteiligung im Bund. Zumal die Forderung nicht nur vom rechten Flügel der Linkspartei, sondern auch von Strömungen erhoben wird, die sich weit links davon wähnen. Wir dokumentieren nachstehend zwei Beiträge; sie mögen einen Aufschlag bilden.

Asien/Australien 1. November 2014

Die Regenschirmbewegung in Hongkong

Gegen soziale Ungleichheit und Hegemonie der Oligarchen

von Sung Vincent

Die Regenschirmbewegung speist sich aus allen sozialen Schichten Hongkongs. Sie unterscheidet sich von den Protesten der vergangenen Jahrzehnte durch ihre Methoden gewaltfreien Widerstands, ihre Spontaneität und die massive Störung der öffentlichen Ordnung. Ausgelöst wurde sie durch die politische Frage, wie demokratisch die kommenden Präsidentschaftswahlen sein werden, dahinter stehen aber tieferliegende soziale und ökonomische Spannungen.

Nur Online 31. Oktober 2014

BLOCKUPY zum Ukraine-Konflikt

Gegen Nationalismus und Rassismus – für eine linke, internationalistische Anti-Kriegsbewegung!

BLOCKUPY steht für ein demokratisches Europa von unten. Wir sind Teil einer linken, internationalistischen Antikriegsbewegung, in der keine nationalistischen, rassistischen oder antisemitischen Deutungen des Ukraine-Konflikts Platz haben. Gegen die Logik der kapitalistischen Staatenkonkurrenz um Einfluss, Ressourcen und Macht stellen wir die Perspektive einer grenzübergreifenden Solidarität von Unten.

Nur Online 10. Oktober 2014

Kampf um Kobanê

Ausnahmezustand in der Türkei und die Aufgaben der internationalen Solidarität
von Errol Babacan und Murat Çakir

Seit mehr als drei Wochen wird die syrische Stadt Kobanê von schwer bewaffneten Milizen des »Islamischen Staats« (IS) belagert. Die Verteidigungseinheiten der Bevölkerung Kobanês haben trotz hoffnungslos erscheinender militärischer Unterlegenheit lange Zeit ein Eindringen des IS verhindern können. Nun finden offenbar erbitterte Häuserkämpfe statt. Zu befürchten ist ein weiteres Massaker des IS. Die Lage ist dringlich und zugleich komplex, denn der Kampf um Kobanê ist auch einer um die angemessenen Mittel internationaler Solidarität.

Nur Online 9. Oktober 2014

Der Sog des „Kalifats“

Warum ziehen Hunderte von jungen Leuten in den „Djihad“?

von Helmut Dahmer, Wien

Die vagen mittelalterlichen Berichte von einem „Kinder“-Kreuzzug und die Verdichtung dieser Überlieferung in Gestalt der Sage vom „Rattenfänger“, der eigentlich ein „Kinderfänger“ war, erinnern uns daran, dass der kamikazehafte Aufbruch Hunderter junger Männer aus den westlichen Wohlstandsoasen in den von islamistischen Sekten neuerlich ausgerufenen „Heiligen Krieg“ nicht etwas völlig Neuartiges ist.

Nordafrika/Nahost 1. Oktober 2014

Rojava: Beispiel für eine solidarische Gesellschaft

Gegen die Ethnisierung des Sozialen

von Ulf Petersen

Im Windschatten der syrischen Revolution haben Kurden im Nordosten Syriens ein Gemeinwesen geschaffen, das einen demokratischen und egalitären Entwicklungsweg zu gehen sucht.

Europa 1. Oktober 2014

Volksabstimmung in Schottland

Ein siegreiches Nein mit einem Haufen Problemen

von Alan Thornett

Der Vorschlag eines unabhängigen Schottland ist beim Referendum vom 18.September gescheitert und die herrschenden Eliten haben einen gewaltigen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen. Es war eine Niederlage, die auf Angst und Einschüchterung beruhte, organisiert von einer «Nein-Kampagne» im Einklang mit Downing Street. 55,2% stimmten mit Nein, 44,8% mit Ja, d.h. für ein unabhängiges Schottland.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2014

NATO-Gipfel in Wales

«Speerspitze» für einen neuen Kalten Krieg vereinbart

von Jürgen Wagner

Eine neue NATO-Truppe soll innerhalb von zwei bis fünf Tagen an der Peripherie einsatzfähig sein.

Die bisherige Eskalationsspirale zwischen Russland und dem Westen gipfelte buchstäblich beim Treffen der Staats- und Regierungschefs der NATO-Staaten am 4./5.September 2014 in Wales.

Europa 1. Oktober 2014

«Marsch fürs Läbe» in Zürich

Auf dem zeitgleich mit Berlin stattfindenden «Marsch fürs Läbe» in Zürich waren 2000 fundamentalistische Christen und 300–400 Gegendemonstrantinnen anwesend.
von Helle Gebhardt, BFS Zürich

Der Verein «Marsch fürs Läbe» wurde im Jahr 2011 mit dem Ziel gegründet, Veranstaltungen «zum Schutz des Lebens» durchzuführen. Dazu gehört auch die seit 2010 jährlich stattfindende Kundgebung «Marsch fürs Läbe». Präsident des Vereins ist Daniel Regli, der derzeit auch für die rechtslastige SVP im Gemeinderat der Stadt Zürich sitzt.

Der christlich-fundamentalistische Verein zieht gegen die bis zur 12.Schwangerschaftswoche gesetzlich erlaubte Abtreibung zu Felde und will die sogenannte Fristenregelung abschaffen. Sie war im Jahr 2002 schweizweit in einer Volksabstimmung von 72% der Abstimmenden angenommen worden. Auch wenn diese Fristenregelung noch lange nicht das bedeutet, was wir unter einem selbstbestimmten Leben verstehen, weil sie unter anderem beinhaltet, dass eine Notlage geltend gemacht werden muss um abtreiben zu dürfen, so ist die Möglichkeit eines legalen Schwangerschaftsabbruchs doch ein wichtiger Fortschritt und ein zentrales Frauenrecht.

Die Argumente der selbsternannten «Lebensschützer» beziehen sich ausschließlich auf das Wohl des Kindes, welches sie sichern wollen. Sie verschieben den Fokus weg von der Frau und geben vor, «den Schwächsten der Gesellschaft» eine Stimme zu geben. So können sie ihre Meinung als die Meinung der «Unterdrückten und Nicht-Gehörten» darstellen. Bezeichnenderweise sind die auf der Webseite genannten Mitglieder und die am «Marsch fürs Läbe» aufgebotenen Redner ausschließlich Männer. Um ihre Position zu untermauern, berufen sie sich auf die Bibel, nach deren Anweisungen sie angeblich handeln.

Konservatismus und Frauenfeindlichkeit

Die Werte, welche der «Marsch fürs Läbe» vermittelt, sind problematisch und rückständig. Die christliche Familie, die der Verein auf seiner Webseite als «wahren Reichtum» bezeichnet, wird zum Idealbild stilisiert. Zu einer ordentlichen Familie gehören demnach sowohl die Ehe wie auch eine kirchliche Hochzeit. Homosexuelle und Andersgläubige dürfen jedoch nicht kirchlich heiraten, und viele Menschen leben unverheiratet in Beziehungen zusammen – allein das macht klar, wie realitätsfern und – gerade in Bezug auf andere Lebensentwürfe – ausgrenzend dieses Idealbild ist. Diese fundamentalistischen Vorstellungen von Familie sind Teil eines frauen- und männerfeindlichen, reaktionären Gesamtbildes.

Religiöse und fundamentalistische Ansichten gewinnen insbesondere in Krisenzeiten, wo gesellschaftliche Institutionen von den herrschenden Klassen torpediert und abgebaut werden, wieder an Boden. Religion ist allerdings lange nicht gleichbedeutend mit reaktionären Ideologien. Schon der Ausdruck von Karl Marx, der «Religion als Opium des Volkes» bezeichnete, attestiert dieser durchaus auch positive Eigenschaften. Wenn Menschen in religiösem Glauben einen Zufluchtsort finden, den ihnen die kapitalistische Gesellschaft nicht bieten kann, ist daran nicht viel auszusetzen. Einer emanzipatorischen Bewegung kann nicht daran gelegen sein, den individuellen Glauben zu verteufeln.

Etwas anderes ist es aber, unter dem Deckmantel der Religion erzkonservative und rückwärtsgewandte Ideologien zu propagieren, die darauf aus sind, Frauen und gesellschaftliche Minderheiten zu diskriminieren und ihrer Freiheit zu berauben. Das sind reaktionäre Antworten auf die Krisen des Kapitalismus, denen es etwas entgegenzusetzen gilt.

Abtreibung und soziale Sicherheit

Diese Verbindung ist entscheidend. Schwangerschaftsabbruch, aber auch pränatale Diagnostik und die zurzeit kontrovers diskutierte Sterbehilfe sind keine Felder individueller Moral. Die Entscheidung, ob während der Schwangerschaft Tests durchgeführt werden sollen, um allfällige Behinderungen des Kindes frühzeitig zu erkennen, ist nur vordergründig eine persönliche. Viel zu oft werden soziale, aber auch ökonomische Rahmenbedingungen in der Debatte um Leben und Sterben vernachlässigt.

Das Recht auf Abtreibung ist in den letzten Jahrzehnten erkämpft worden und stellt gerade für eine – noch lange nicht erreichte – Gleichstellung der Geschlechter ein zentrales Element dar. Ebenso wichtig ist aber, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, nicht vom Einkommen der Eltern abhängen darf. Krippenplätze, Kinderbetreuung und finanzielle Erleichterungen sind deshalb genauso wichtig, wenn wir ein selbstbestimmtes Leben und eine freie Entscheidung über das Kinderkriegen fordern. Die christlichen Fundamentalisten vom «Marsch fürs Läbe» gehen auf diese sozioökonomischen Hintergründe kaum ein. Für sie zählt «Gottes Wort», und das nimmt nun einmal keine Rücksicht auf gesellschaftliche Zusammenhänge. Dafür haben sie die christliche Familie auserwählt, die den ökonomischen Rahmen bilden soll, in dem Kinder zur Welt kommen. Der Mann vedient Geld, die Frau besorgt den Rest.

Gerade in Krisenzeiten, wo auch in der Schweiz viele bestehende Institutionen, die den Menschen zumindest bis zu einem gewissen Grad eine soziale Sicherheit versprachen, von den herrschenden Klassen zerstört werden, wo Krippenplätze knapp sind und ein Kind manchmal eine erhebliche ökonomische Belastung bedeutet, erfreut sich die Institution «Familie» wachsender Beliebtheit.

Kinder zu bekommen oder nicht ist eine extrem persönliche Entscheidung. Eine Entscheidung, die jeder Mensch, besonders aber jede Frau, frei und ohne gesellschaftliche, ökonomische oder moralische Zwänge treffen sollte. Davon sind wir heute aus den genannten Gründen weit entfernt. Noch immer hängt die Entscheidung für oder gegen ein Kind von viel zu vielen äußeren Faktoren ab.

Unser Ziel muss deshalb sein, jeder Frau die Möglichkeit zu geben, frei über einen Schwangerschaftsabbruch bestimmen zu können. Diese Wahlfreiheit beginnt bei der Gleichstellung und der Entscheidungsfreiheit der Frau in der Liebesbeziehung und endet beim Beruf, der mit einem Kind vereinbar ist. Alle diese Faktoren beeinflussen uhre Entscheidung und müssen berücksichtigt werden. Es reicht nicht, die Abtreibung rechtlich zu erlauben. Sie muss eine wirkliche Option sein. Keine Frau sollte gezwungen sein, aufgrund von sozialem Druck ein Kind abzutreiben. Genauso wenig aber sollte eine Frau dazu gezwungen werden, eines auszutragen.

Amerika 1. Oktober 2014

Ferguson, USA

Der Mord an Michael Brown und die Militarisierung der Polizei

von Malik Miah

Nach der Ermordung des schwarzen Jugendlichen Michael Brown durch einen weißen Polizisten in Ferguson im Bundesstaat Missouri am 9.August wurde die überwiegend von Schwarzen bewohnte Stadt nahe der Metropole St.Louis von Protesten gegen Rassismus erschüttert.

Gemeingüter 1. Oktober 2014

CETA, TTIP und der Investorenschutz

Bundesregierung auf Schlingerkurs

von Steffen Stierle

Die Proteste gegen das transatlantische Wirtschaftsabkommen TTIP entfalten politischen Druck. Das zeigt der Schlingerkurs der Bundesregierung in den letzten Monaten.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2014

Europäische Bürgerinitiative gegen TTIP und CETA

EU-Kommission verweigert Zulassung

230 Organisationen aus 21 EU-Ländern haben eine Europäische Bürgerinitiative (EBI) auf den Weg gebracht. Sie fordert die Aufhebung der Verhandlungsmandate und damit ein Stopp von CETA und TTIP. Eine Million Unterschriften hätte sie gebraucht. Der Erfolg schien fast sicher.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2014

Angst vor China

Die strategische Bedeutung der Freihandelsabkommen TTIP und TTP

von Klaus Meier

Bei den Freihandelsabkommen TTIP und TTP geht es vor allem um die Anerkennung der US-Patente.

Das Transatlantischen Freihandelsabkommen TTIP, das zurzeit zwischen den USA und der EU verhandelt wird, ist in aller Munde. Weniger bekannt ist, dass die USA parallel dazu an einem ähnlichen, Transpazifischen Abkommen (TPP) arbeiten. An TTP sind derzeit zwölf Anrainerstaaten des Pazifik beteiligt, darunter neben den USA die Länder Japan, Vietnam, Neuseeland, Mexiko, Malaysia, Chile, Singapur. Bemerkenswerterweise fehlt China.

Afrika 1. Oktober 2014

Nigeria: Ein Land auf Öl

Obwohl Nigeria dank seines Ölreichtums die größte Volkswirtschaft Afrikas ist, kommt bei den Armen wenig davon an.
von Klaus Engert

Am Morgen des 18.Juni 2014 zog eine gigantische schwarze Rauchsäule von der Lagune der Lagos vorgelagerten Insel Ilora in Richtung Victoria Island. Eine Flamme stach weit sichtbar in den Himmel. In der Nacht zuvor war eine Pipeline, die den offshore angelieferten Sprit über die Inseln aufs Festland befördert, in die Luft geflogen – nicht zum ersten Mal.

Buch 1. Oktober 2014

Tayfun Guttstadt: Çapulcu

Die Gezi-Park-Bewegung und die neuen Proteste in der Türkei. Münster: Unrast, 2014. 327 S., 18 Euro

von Bernard Schmid

Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Türkei riefen im vergangenen Jahr zeitweilig erhebliche Hoffnungen in fortschrittlichen Kreisen hervor, brachte doch die breite Protestbewegung ab dem Juni 2013 die Verhältnisse auf spektakuläre Weise zum Tanzen. Nichtsdestotrotz gewann die islamistisch-wirtschaftsliberale Regierungspartei unter Recep Tayyip Erdogan (AKP) vielerorts sowohl die Kommunalwahlen im März dieses Jahres als auch die Präsidentschaftswahl im August.

Europa 1. Oktober 2014

Des Sultans Scheindemokratie

Die Türkei nach den Präsidentschaftswahlen

von Murat Çak?r

Am 10.August 2014 fanden in der Türkei die ersten Wahlen zum Staatspräsidenten in der Geschichte der Republik statt. Bis dahin wurden alle Staatspräsidenten vom Parlament gewählt. Recep Tayyip Erdogan konnte nach fast zwölfjähriger Amtszeit als Ministerpräsident diese Wahlen mit 51,8% der Stimmen im ersten Wahlgang für sich entscheiden.

Europa 1. Oktober 2014

«Sozialistische Ukraine»

Linke Aktivisten schließen sich zur Partei zusammen

Die Konferenz «Der Krieg in der Ukraine und die Politik der Linken» am 6./7.September im Ukrainischen Haus in Kiew brachte ca. 100 Teilnehmende aus der Ukraine und dem Ausland zusammen. Sie erklärte, dass der Krieg im Donbass nur den herrschenden Klassen und den Imperialisten im Westen und im Osten nütze.

Europa 1. Oktober 2014

Einigung auf Kosten Dritter

Signale der Entspannung zwischen der EU und Russland

von Angela Klein

Im Zeitraum zwischen dem 4. und dem 12.September fielen mehrere wichtige Entscheidungen über die Ukraine und das Verhältnis zu Russland: die Vereinbarungen von Minsk zwischen den Regierung der Ukraine und Russlands, den Separatisten und der OSZE; die Erklärungen der EU zum Assoziierungsabkommen mit der Ukraine und zu den Sanktionen gegen Russland; sowie die Beschlüsse auf dem NATO-Gipfel in Wales.

Europa 1. Oktober 2014

Gegen Rassismus, für Solidarität

Das Jugendsommerlager der IV.Internationale 2014

von Olga Dedinas

Das diesjährige Sommercamp der IV.Internationalen stand im Zeichen der Palästina-Solidarität, angesichts der Angriffe auf den Gazastreifen, die auch während der Zeit des Camps anhielten.

Obgleich bei den Diskussionen um den Nahostkonflikt in Deutschland oft verhärtete Fronten aufeinanderprallen, blieben sie auf dem Camp solidarisch.

Europa 1. Oktober 2014

Vier Lügen, die die Welt erschüttern

Wahrheitswidrige Propaganda erschwert eine Lösung des Ukraine-Konflikts

von Leo Gabriel

Auch wenn sich jetzt das Rad der Geschichte plötzlich wieder zu drehen scheint und die ukrainische Regierung ein Gesetz verabschiedet hat, das der Region Donbass eine zumindest teilweise Autonomie zuzugestehen scheint, ist dem Frieden noch lange nicht zu trauen. Denn unter dem Lügengebäude, das jetzt langsam zum Vorschein kommt, liegen mindestens zweitausend Menschen begraben, die das Schicksal ereilt hat, nur weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren oder weil sie an die Propaganda des Westens oder des Ostens geglaubt haben.

Nur Online 30. September 2014

Kobane: Völkermord? Was tun?

Wir haben keine internationalen Brigaden!

von Walerij Lobanowskyj

Irgendwie setzt sich der Eindruck fest, dass kaum wer von den Entwicklungen rund um die kurdische Stadt Kobane Notiz nimmt. Wahrscheinlich liegt das daran, dass immer noch viele nicht genug wissen um die Nachrichten einordnen zu können – abgesehen davon, dass manche vor antiim­pe­ria­lis­ti­schen Brettern vorm Kopf einfach keine klare Sicht haben (ihr glaubt nicht was für volli­di­tiosche E-Mails mir ins Postfach rauschen…). Wenn ich damit jemandem jetzt Unrecht tue, bitte ich um Entschuldigung.

Nur Online 20. September 2014

Zur ukrainischen Linken und der Kampagne gegen „Borotba“

Vorwürfe wenig stichhaltig

von Andrej Hunko

Zur Wertung der Politik der ukrainischen linken Organisation Borotba gibt es unterschiedliche Einschätzungen in der Linken. Darum bringen wir hier einen Beitrag von Andrej Hunko von Anfang Juli, der eine andere Sichtweise darstellt als diejenige von Angela Klein in der SoZ vom September (http://www.sozonline.de/wp-admin/post.php?post=12233&action=edit).

Nur Online 20. September 2014

Welches Notprogramm taugt für die Krise?

Für ein Europa der Solidarität

von Damien Millet und Eric Toussaint

Gemäß der Kriterien des Internationalen Währungsfonds führten die europäischen Regierungen strenge Sparmassnahmen durch: Kürzung der öffentlichen Ausgaben, die Einfrierung von Gehältern bzw. Gehaltskürzungen für Beamte, reduzierter Zugang zu wichtigen öffentlichen Einrichtungen und Sozialhilfe, höheres Rentenalter etc.; erhöhte Kosten für den öffentlichen Transport, Wasser- und Gesundheitsversorgung, Ausbildung etc.; höhere und besonders unfaire Steuern wie die Mehrwertssteuer; massive Privatisierung von Firmen in Wettbewerbssektoren.

Nur Online 5. September 2014

Iran. Petition: „Lassen Sie Behnam Ebrahimzadeh sofort frei!“

Aus dem Französischen von Alencontre, dort veröffentlicht am 2. September 2014

Am 12. Juni 2010 – nachdem er bereits 2009 in Zusammenhang mit einer Demonstration zum 1. Mai, die von den Repressionskräften des Regimes heftig angegriffen worden war, schon einmal inhaftiert worden war – wurde Behnam Ebrahimzadeh verhaftet. Am 13. Dezember 2010, an halbes Jahr nach dieser Verhaftung, hat der „Revolutionäre Gerichtshof“ von Teheran Behnam Ebrahimzadeh zu 20 Jahren Gefängnis verurteilt.  Er wird verfolgt, weil er den Aufbau unabhängige Arbeiterorganisationen unterstützt.

Globalisierung/Krieg 1. September 2014

Zehn Forderungen der Hamas

Mitte Juli gab Hamas ihre Bedingungen für einen zehnjährigen Waffenstillstand bekannt. Der bekannte Kolumnist der israelischen Tageszeitung Haaretz, Gideon Levy, beschuldigt die israelische Regierung, diese Forderungen rigoros abzulehnen, obwohl sie «wichtig sind und langfristig den Interessen des Staates Israel entsprechen». Stattdessen ziehe Israel es vor, «die Hamas gnadenlos zu bekämpfen, und das nur aus Rache». Die Forderungen lauten:

Globalisierung/Krieg 1. September 2014

«Den Widerstand unterstützen»

Redebeitrag von Maya Mosler-Cohen auf der Kölner Kundgebung
gegen die Bombardierung von Gaza am 20.Juli 2014

Die Protestkundgebungen gegen die Bombardierung von Gaza durch die iraelische Luftwaffe wurden von den Medien wie auch vom größten Teil der deutschen Politiker vehement als «antisemitisch» angegriffen. Rufe wie «Tod den Juden» erklangen jedoch nur vereinzelt und von kleinen Minderheiten, von denen sich die Organisatoren distanzierten. Darauf zielte der Vorwurf aber in der Hauptsache auch nicht. In der Hauptsache zielte er darauf, dass die Organisatoren die israelische Besatzung anprangerten. Damit setzt sich der nachstehende Redebeitrag auseinander.

Globalisierung/Krieg 1. September 2014

Warum feuert die Hamas Raketen auf Israel?

Der ungleiche Kampf in Palästina

von Eric Ruder

Israel behauptet, es werde die Bombardierung von Gaza beenden, wenn die Hamas aufhört, Raketen auf Israel abzufeuern, einen Waffenstillstand akzeptiert und Israel anerkennt. Doch die Hamas hat genau dies nach dem Waffenstillstand vom November 2012 getan. Das Jahr 2013 war für Israel eines der ruhigsten, wenn nicht das ruhigste Jahr.

Nordafrika/Nahost 1. September 2014

«Waffenembargo gegen Israel»

Sechs Friedensnobelpreisträger und 58 weitere bekannte Persönlichkeiten fordern die UNO und die Regierungen in aller Welt auf, sofortige Schritte für ein umfassendes Waffenembargo gegen Israel einzuleiten. Der Aufruf wurde am 18.Juli in der britischen Tageszeitung The Guardian veröffentlicht.

Afrika 1. September 2014

Ebola, Armut und Rassismus

Sechs Gründe, warum die Krankheit zu einer Epidemie wird

von Klaus Engert

Die deutschen Behörden haben unbemerkt eine unangenehme Wahrheit ausgesprochen: Ebola ist bzw. wäre für Deutschland (und andere reiche Industriestaaten) kein besonders großes Problem. In den betroffenen Ländern ist das völlig anders. Aus mehreren Gründen.

Globalisierung/Krieg 1. September 2014

Gegen Internet-Kolonisierung

Demo „Freiheit statt Angst“

von Rolf Euler

Die aktuellen Nachrichten über weitere Ausspähaktionen der Geheimdienste gehen fast schon «im Rauschen» unter. Es tauchen immer mehr Details der allgemeinen Überwachung auf, genauso auch der Versuch, alles herunterzuspielen, was die NSA so gemacht hat. Aus gutem Grund: Gerade wird bekannt, dass der BND, genau wie die amerikanischen und britischen Brüder von NSA und GCHQ, auf breiter Front Daten abgreift und dabei sicher nicht nur die Türkei ins Blickfeld nimmt.

Globalisierung/Krieg 1. September 2014

«Waffenexporte sollen wieder hoffähig werden»

Jan van Aken zur Debatte über Waffenlieferungen in den Irak

«Haltet den Dieb» ist vielleicht noch die treffendste Umschreibung des Schauspiels, das die Debatte um Waffenlieferungen an die Kurden derzeit darbietet. Dieselbe Bundesregierung, die seit Jahren – und in den letzten Jahren zunehmend – islamistische Regime aufrüstet, entrüstet sich nun darüber, dass die Zauberlehrlinge sich verselbständigen und lässt eine öffentliche Debatte gewähren, die danach ruft, nun fleißig die Gegner aufzurüsten.

Europa 1. September 2014

Nach dem Abschuss der MH17

Propagandakrieg gegen Russland

von Paul Michel

Was sich seit dem Abschuss des malaysischen Flugzeugs über der Ostukraine abspielt ist bizarr – und verläuft doch nach altbekanntem Muster. Das Missverhältnis zwischen den bekannten Fakten und der offiziellen Version der Verhältnisse ist krass.

Globalisierung/Krieg 1. September 2014

Staatlich verordneter Mord

Implikationen einer Kriegführung mit bewaffneten Drohnen*

 Die Bundeswehr will bewaffnete Drohnen anschaffen. Das ist völkerrechtswidrig, grundgesetzwidrig und inhuman.

Drohnen sind unbemannte, ferngesteuerte Flugkörper.

Gewerkschaften 1. September 2014

In gefährlichen Gewässern

Gewerkschaften am 1.September 2014

von Jochen Gester

Unbeeindruckt von der Ausbreitung der Kriege und dem zunehmenden Konfrontationskurs der USA und der EU gegen Russland reden Betriebsräte der Rüstungsindustrie und auch ihre Gewerkschaft, die IG Metall, einer Aufrüstung das Wort.

Geschichte 1. September 2014

Produktion und Krieg

Der Erste Weltkrieg und heute: Ähnlichkeiten und Unterschiede

von Ingo Schmidt

Die Kriegführung ist immer auch ein Abbild der zu einem gegebenen Zeitpunkt herrschenden Produktionsverhältnisse. Ein Vergleich mit der Zeit vor hundert Jahren ist aufschlussreich.

Amerika 1. September 2014

Das Treiben der Hedgefonds in Argentinien

Land unter Geiern

von Renaud Vivien*

Der Oberste Gerichtshof der USA hat am 16.Juni im Anleihenstreit mit Argentinien eine Beschwerde des Landes abgelehnt: Zwölf Jahre nach der Staatspleite muss Buenos Aires damit weitere 1,3 Milliarden Dollar an Schulden zurückzahlen – an zwei US-amerikanische Hedgefonds.

Europa 1. September 2014

Schweiz: Ecopop gegen Überbevölkerung

Eine fremdenfeindliche Initiative

von Nicola Cianferoni

In der Schweiz will eine Initiative die «Überbevölkerung» begrenzen, um den gegebenen Lebensstandard und die natürliche Umwelt zu erhalten.

Europa 1. September 2014

Der Erdgaskrieg – eine Dreiecksbeziehung

Im Gasstreit bündeln sich die Konflikte zwischen Russland, der Ukraine und der EU

von Angela Klein

Der neue, sog. «kalte Krieg» mit Russland wird nicht nur auf dem Feld der Sanktionen ausgefochten. Um freiere Hand für einen Konfrontationskurs zu haben, sucht die EU nach Alternativen zum russischen Erdgas.

Europa 1. September 2014

Querfront auf russisch

Eine Konferenz in Jalta

von Angela Klein

Am 6./7.Juli fand in Jalta eine Konferenz von Menschen aus West- und Osteuropa statt (es sollen 50–70 Teilnehmer gewesen sein). Sie hat eine der üblichen Erklärungen hervorgebracht, die in letzter Zeit mehrfach von Linken unterschrieben wurden – mit manch richtiger Forderung gegen die Intervention des Westens, aber Stillschweigen über die Rolle Russlands und den zweifelhaften Charakter der bewaffneten Akteure in der Ostukraine.1

Arbeitswelt 1. September 2014

Das Treiben von Organika Polska in Bosnien-Herzegowina

Kampf gegen Raubinvestoren

von Monika Karbowska

Im Februar und März kam es in Bosnien zu großen sozialen Protesten. Gern haben die Medien über das Anzünden von Gebäuden berichtet, wenig jedoch über die Proteste der arbeitenden Bevölkerung und ihre Ursachen.

Europa 1. September 2014

Belgien: Spektakulärer Wahlerfolg der PTB-GO!

Gewerkschaft sucht neuen politischen Partner

Interview mit Daniel Tanuro*

Zu den Parlamentswahlen und Europawahlen am 25.Mai 2014 trat die radikale Linke in Belgien mit einer Liste PTB-GO! (Gauche d’Ouverture, Linke der Öffnung) an. Die Liste wurde von den Organisationen PTB/PVDA, LCR/SAP (Sektion der IV.Internationale), PC (Parti Communiste) sowie Einzelpersonen gebildet und von Teilen der Gewerkschaftsbewegung, namentlich dem sozialistisch-sozialdemokratischen Gewerkschaftsdachverband FGTB von Charleroi – mit über hunderttausend Mitgliedern der zweitgrößte Regionalverband –, unterstützt.

Europa 1. September 2014

Was ist die Partei der Arbeit Belgiens (PTB)?

von Daniel Tanuro

Die PTB/PVDA (Parti du travail de Belgique/Partij van de Arbeid van België) ist aus einer sektiererischen und autoritär geführten maostalinistischen Organisation hervorgegangen, der TPO/AMADA (Alle Macht den Arbeitern), mit allem was dazu gehörte: Kampf gegen die Sowjetunion als «sozialimperialistischen Hauptfeind» und gegen Kuba als dessen «fünfte Kolonne», Rechtfertigung der Verbrechen des Stalin-Regimes, der Roten Khmer, von Kim Il-sung usw.

Nordafrika/Nahost 1. September 2014

Gegen Apartheid in Israel

Weltweite Kampagne für die Rechte der palästinensischen Bevölkerung

von Ilona Herrmann

Die Kampagne «Boykott, Desinvestment, Sanktionen» (BDS) ist derzeit die einzige weltweite Bewegung, die in der Lage ist, mit zivilen Mitteln Druck auf die israelische Regierung auszuüben, dass sie die Blockade des Gazastreifens beendet. Einer ihrer Schwerpunkte ist die Forderung, Produkte aus den Siedlungen zu kennzeichnen.

Nordafrika/Nahost 1. September 2014

Das Raqqa-Haus, Keimzelle eines freien Syrien

Interview mit Khalaf al-Mohammad

In SoZ 7/2014 stellten wir das Projekt «Ein Haus für Flüchtlinge aus Raqqa» vor. Das Projekt in Urfa, im Südosten der Türkei nahe der syrischen Grenze, betreut Flüchtlinge, hauptsächlich aus Raqqa. Hier wird auch eine Form der demokratischen Selbstorganisation geprobt. Darüber sprach Manuel Kellner mit Khalaf al-Mohammad*.

Nordafrika/Nahost 1. September 2014

Solidarität mit den Flüchtlingen aus Raqqa!

Das Haus von Raqqa in Urfa, einer Stadt im Südosten der Türkei nahe der Grenze zu Syrien, wurde im November 2013 von einer Organisation der syrischen Zivilgesellschaft aus der 160 Kilometer entfernten syrischen Stadt Raqqa gegründet worden.

Nur Online 30. August 2014

Von Gaza bis Kurdistan:


Das Recht auf Widerstand und Selbstbestimmung

von Christian Zeller*

Der Krieg der israelischen Armee gegen die palästinensische Bevölkerung in Gaza im Juli und August 2014 erscheint in der veröffentlichten Meinung in den deutschsprachigen Ländern als Ausdruck eines unlösbaren Konflikts.

Nur Online 30. August 2014

Demo zum Jahrestag von Ghouta in Frankfurt am Main

Solidarität mit dem Kampf gegen das Assad-Regime und den „Islamischen Staat“

von Manuel Kellner

In etwa 150 Personen demonstrierten in Frankfurt am Main am 23. August 2014 zum Jahrestag des Giftgasangriffs in Ghouta und in Solidarität mit der Bewegung für Demokratie, Unabhängigkeit und Menschenrechte in Syrien. Angesichts von über 190.000 Toten nach UNO-Angaben, vielen Millionen Flüchtlingen, Verletzten, Ausgehungerten, von aller Hilfe Abgeschnittenen in Syrien ist das eine geringe Zahl.

Nur Online 30. August 2014

Überlegungen zur aktuellen Situation in der Ukraine

Unbewältigte Erbschaft des 20. Jahrhunderts

von Helmut Dahmer

(1) Die Ukraine war und ist, wie der Name sagt und ein Blick in den historischen Atlas oder auf die heutige Landkarte bestätigt, ein Grenzland. Von Moldawien im Südwesten bis Russland im Osten und Südosten hat die heutige Republik Ukraine, der zweitgrößte europäische Flächenstaat (nach Russland), gemeinsame Grenzen mit sieben Staaten (außer den genannten sind das Rumänien, Ungarn, die Slowakei, Polen und Weißrussland).

Europa 29. August 2014

Belgien: Spektakulärer Wahlerfolg der PTB-GO!

Gewerkschaft sucht neuen politischen Partner

Interview mit Daniel Tanuro*

Zu den Parlamentswahlen und Europawahlen am 25.Mai 2014 trat die radikale Linke in Belgien mit einer Liste PTB-GO! (Gauche d’Ouverture, Linke der Öffnung) an. Die Liste wurde von den Organisationen PTB/PVDA, LCR/SAP (Sektion der IV.Internationale), PC (Parti Communiste) sowie Einzelpersonen gebildet und von Teilen der Gewerkschaftsbewegung, namentlich dem sozialistisch-sozialdemokratischen Gewerkschaftsdachverband FGTB von Charleroi – mit über hunderttausend Mitgliedern der zweitgrößte Regionalverband –, unterstützt.

Nur Online 6. Juli 2014

Ukraine’s fractures

An Interview with Volodymyr Ishchenko
by New Left Review, 16 June 2014

Since the start of the Maidan protests six months ago, Ukraine has been at the centre of a crisis which has exposed and deepened the fault-lines—geopolitical, historical, linguistic, cultural—that traverse the country. These divisions have grown through the entwinement of opposed political camps with the strategic ambitions of Russia and the West, the former bidding to maintain its grip over its ex-Soviet bailiwick even as the latter relentlessly expands its sphere of influence.

Kiev-based sociologist Volodymyr Ishchenko discusses the unfolding of the Ukrainian crisis and its outcomes to date, against the backdrop of the political and economic order that emerged after 1991.

Nur Online 3. Juli 2014

Solidarität mit den Flüchtlingen aus dem syrischen Raqqa!

Spendenaufruf

Das Haus von Raqqa in Urfa, einer Stadt im Südosten der Türkei, nahe der Grenze zu Syrien, ist im November 2013 von einer Organisation der syrischen Zivilgesellschaft aus der 160 km entfernten syrischen Stadt Raqqa gegründet worden.

Im Irak ernten die USA die Früchte ihrer Besatzungspolitik

Lage außer Kontrolle

von Ashley Smith

Die dreiste Eroberung der zweitgrößten Stadt im Irak, Mossul, und der anschließende militärische Vormarsch unter dem Banner der ISIS (Islamischer Staat im Irak und Syrien; die Gruppe nennt sich selbst ISIL, Islamischer Staat im Irak und in der Levante) hat unter konfessionellen Vorzeichen einen neuen Bürgerkrieg entfacht, der die ganze Region in Brand stecken kann.

Flucht/Migration 30. Juni 2014

Zehn Jahre «Cap Anamur»

„Beihilfe zur illegalen Einwanderung“

von Angela Huemer

Vor zehn Jahren rettete das Schiff der deutschen Hilfsorganisation Cap Anamur 37 Bootsflüchtlinge – mit weitreichenden Folgen.

Lübeck, Jakobikirche, am 20.Juni. Der schöne alte Backsteinbau ist die Kirche der Seefahrer. Am frühen Nachmittag herrscht Gewusel in und um die Kirche, die letzten Vorbereitungen für die Gedenkfeier um 16 Uhr werden erledigt. «Menschenrechte in Seenot» ist das Motto, die Feier wurde von den Lübeckern initiiert und getragen.

Afrika 30. Juni 2014

USA: 15 Dollar Mindestlohn in Seattle

Die Stadt Seattle im US-Bundesstaat Washington hat den Mindestlohn auf 15 Dollar (etwa 11 Euro) erhöht: ein Meilenstein, der hart umkämpft bleibt.

Vor einigen Jahren schien der Ruf nach einem Mindestlohn von 15 Dollar pro Stunde aus den Reihen der Niedriglöhner bei Walmart und der Fast-Food-Sparte kühn und inspirierend, keiner dachte, dass man ihn in absehbarer Zeit durchsetzen könnte.

Der Niedergang der US-Hegemonie

Imperialismus heute

von Vincent Présumey

Die Kommentierung der Ereignisse in der Ukraine hat in der Linken eine Kontroverse zum Vorschein gebracht, die sich zuvor schon, etwa im Konflikt um Syrien, angedeutet hatte: Für die einen ist der Imperialismus nur im Westen angesiedelt, Russland und dessen enge Verbündete sind hingegen das Opfer und das Rückgrat der «antiimperialistischen Kräfte». Spiegelbildlich sehen die anderen im Westen die Kräfte des «Fortschritts» und der «Demokratie», in Russland und seinen Verbündeten hingegen die Verkörperung des Bösen

Europa 30. Juni 2014

EU schwingt sich zur Kolonialmacht auf

Freihandel, Rohstoffe und Soldaten

von Angela Klein

Immer offener und raubeiniger reklamiert die Europäische Union für sich eine Führungsrolle unter den Weltmächten. Ihre lange zu beobachtende relative Zurückhaltung als militärischer Akteur in der Weltpolitik war nicht einer Aversion gegenüber harter Machtpolitik geschuldet, sondern der Konstellation des Kalten Krieges, der die USA als einziger, der Sowjetunion mindestens gleichrangiger Atommacht, zwangsläufig zur unbestrittenen Hegemonialmacht bestimmte. Militärstrategische Fragen spielten auf EU-Ebene deshalb lange keine Rolle, sie waren Sache der NATO und damit der USA.

Europa 30. Juni 2014

Russlands Pläne für eine eigene Investitionszone

Von Jelzin zu Putin

von Vincent Présumey

Großrussland ist der Traum Putins und der ihm anhängenden Diaspora.

Der russische Imperialismus von heute ist ein Produkt des Verfalls der poststalinistischen Bürokratie der Sowjetunion. Die Verschmelzung des Partei- und Staatsapparats, der die Arbeiterklasse ab 1923 politisch enteignete, brachte auch eine Rückkehr des großrussischen Chauvinismus mit sich, mit gravierenden Folgen vor allem in den ehemals vom Zarenreich unterdrückten Nationen (Ukraine, Georgien usw.). Hinzu kamen die Zwangskollektivierung mit ihren Millionen Hungertoten und eine brutal durchgesetzte Industrialisierung sowie schließlich die Liquidierung der alten bolschewistischen Partei mit der physischen Ausrottung der Kader der Oktoberrevolution.

Europa 30. Juni 2014

Die Ideologie des Putin-Regimes

Der Stalin-Zarismus

von Vincent Présumey

Putins Regime trifft im Westen nicht nur auf den bekannten Russenhass, er übt auf Teile des Bürgertums und des Kleinbürgertums im westlichen Ausland auch eine eigene Faszination auf: Faszination für die «Ordnung», die er hergestellt hat, sein autokratisches Regime, seine Betonung von Religion und Familie als angeblich spezifisch «russische» Werte. Putin hat es verstanden, seine Herrschaft durch eine Ideologie abzustützen, die seine Think-tanks und ihm nahestehende Netzwerke ausgearbeitet haben – auch in dieser Hinsicht ahmt er die Neoliberalen und die sie umlagernde Sphäre von Kulturschaffenden, Medien und Wissenschaftlern nach.

Europa 30. Juni 2014

Die Verfassung der «Volksrepublik Donezk»

Auszüge aus der Verfassung der Volksrepublik Donezk, wie sie auf der Webseite der «Volksrepublik» veröffentlicht ist:

Wir, der Oberste Rat der Volksrepublik Donezk,

im Gefühl, integraler Bestandteil der Russischen Welt zu sein, verstanden als russische Zivilisation, als Gemeinschaft des russischen und anderer Völker,

im Bewusstsein der Unteilbarkeit des Schicksals der gesamten Russischen Welt und im Willen, wie in der Vergangenheit auch weiterhin Bestandteil von ihr zu sein,

Europa 30. Juni 2014

Die Wahlen in der Ukraine

Oligarchen und extreme Rechte

von Angela Klein

Die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine haben mal wieder einem schwerreichen Oligarchen, Petro Poroschenko, das Mandat gegeben. Der demokratische und antioligarchische Impuls der Maidanbewegung ist gebrochen. Sie hat es nicht vermocht, ihrem Anliegen in einer eigenständigen, unabhängigen Kandidatur einen politischen Ausdruck zu verleihen.

Europa 30. Juni 2014

Die Bergleute im Donbass schlagen Alarm

Was wird aus ihnen wenn der Staat keine Subventionen mehr zahlt?

von Zbigniew Kowalewski

Auf die Separatisten und die Perspektive einer «Föderalisierung» sind die Bergleute in der Ostukraine nicht gut zu sprechen. Sie wollen nicht so enden wie ihre russischen Kollegen.

Kann man einen Staatsbetrieb verstaatlichen? Im Donbass haben die russischen Separatisten gezeigt, dass sie das können. Sie haben den Staatsbetrieb DP Donbassanthrazit in der Region Lugansk «verstaatlicht». Er umfasst sieben Bergwerke und zehn weitere Betriebe. Ungefähr 15000 Personen sind dort beschäftigt, die monatliche Lohnsumme beträgt einschließlich der Sozialversicherungsbeiträge 85 Mio. Hryvnia (5,2 Mio. Euro).

Asien/Australien 30. Juni 2014

China vor 25 Jahren: Das Massaker auf dem Tiananmen

Die Demokratiebewegung von 1989

von Au Loong Yu und Bai Ruixue

Die Demokratiebewegung ist allgemein als Studentenbewegung bekannt. Dabei wird häufig übersehen, dass die Beteiligung der Arbeiterklasse in einem späteren Stadium sehr zentral wurde und auch zu einer unabhängigen Organisierung von Arbeitenden führte. Das beunruhigte die KPCh und war einer der Gründe für die Zerschlagung der Bewegung am 4.Juni. Danach war die Arbeiterklasse atomisiert und demoralisiert.

Europa 30. Juni 2014

1941/44: Deutsche Terrorherrschaft in Griechenland

Zum 70.Jahrestag des Massakers in Distomo

 aus Griechenland-Info Nr.7

Am 10.Juni jährte sich das von Soldaten der Wehrmacht angerichtete Massaker von Distomo bei Delphi zum siebzigsten Mal. Dabei wurden das Dorf niedergebrannt und 218 Frauen, Alte und Kinder bestialisch umgebracht. Es war einer der traurigen Höhepunkte einer langen Blutspur der Wehrmacht in Griechenland.

Nordafrika/Nahost 30. Juni 2014

Syrien: Assads Macht konsolidiert

Linke Versäumnisse in Sachen Solidarität

von Manuel Kellner

Die Präsidentschaftswahlen des 3.Juni endeten mit dem offiziell verkündeten Ergebnis von 88,7% für den alten und neuen Präsidenten Bashar al-Assad. Das Ergebnis stand im wesentlichen schon vorher fest. Die beiden Gegenkandidaten waren keine wirklichen Gegenkandidaten. Die Wahlen waren alles andere als geheim. Viele haben unter Zwang und Druck gewählt.

Nordafrika/Nahost 30. Juni 2014

Ein Haus für Flüchtlinge aus Raqqa

 

Zivilgesellschaftliches Projekt braucht Unterstützung

von Franka Holland und Manuel Kellner

Die anhaltenden bewaffneten Konflikte in Syrien haben großen Teilen der Bevölkerung unvorstellbares Leid gebracht. Luftwaffe und Artillerie des Assad-Regimes haben ganze Städte und Dörfer des Landes, die unter Kontrolle bewaffneter Rebellen waren, in Schutt und Asche gelegt. Die UNO hat aufgehört, die Toten zu zählen. Es dürften inzwischen über 160.000 sein. Viele Millionen sind ins Ausland geflohen oder im Land auf der Flucht.

Buch 30. Juni 2014

Mit Mikrokrediten gegen die Armut?

Rendite machen und Gutes tun? Mikrokredite und die Folgen neoliberaler Entwicklungspolitik. Hrsg. Gerhard Klas, Philip Mader. Frankfurt a.M.: Campus, 2014. 217 S., 19,90 Euro

von Paul B. Kleiser

Eines der Ideologeme des Neoliberalismus besteht in der Vorstellung, jeder sei seines Glückes Schmied. Demnach brauchen arme Menschen vor allem im globalen Süden kein gutes Ausbildungs- und Gesundheitssystem, sondern «Mikrokredite» zur Herstellung von einfachen Produkten, die sie dann auf dem Markt mit Gewinn verkaufen und damit die Kredite zurückzahlen. Längerfristig würde dadurch in den Entwicklungsländern die Armut abgebaut, so die offizielle Propaganda.

Buch 30. Juni 2014

Europas Strippenzieher

Wer in Brüssel wirklich regiert. Cerstin Gammelin, Raimund Löw: Berlin 2014. 384 S., 19,99 Euro

 von Paul B. Kleiser

Das Buch der beiden Autoren ist in mehrerlei Hinsicht von Interesse: Löw hat als langjähriger Brüsseler Korrespondent des Österreichischen Rundfunks (ORF) offensichtlich gute Beziehungen zu den Brüsseler «Sherpas», die für die Politiker die Drecksarbeit machen dürfen (aber auch gute Hintergrundinformationen besitzen); auf dieser Grundlage berichtet er häufig detailliert über die Hintergründe von Entscheidungen (und die Abgründe der Treffen); außerdem kommt er aus einem kleinen Land, was seine Kritik am Gerangel beflügelt. Die Journalistin Cerstin Gammelin schreibt für die Süddeutsche Zeitung.

Nur Online 30. Juni 2014

Zapatistisches Hologramm

Zum Rücktritt des Subcomandante Marcos

von Gaston Kirsche

Der langjährige Pressesprecher der zapatistischen Armee im mexikanischen Chiapas, Subcomandante Insurgente Marcos, ist zurückgetreten, damit der Personenkult um ihn ein Ende hat und die politischen Botschaften des EZLN wieder in den Vordergrund treten. Denn der Kampf der Zapatistas geht weiter.

Nur Online 29. Juni 2014

Rechtsradikale Eurasien-Westeuropa-Connection

Am 3.Juni berieten die Führer der russischen Eurasien-Bewegung mit westeuropäischen Rechtspopulisten, Aristokraten und Unternehmern auf einem Geheimtreffen in Wien über die Rettung Europas vor Liberalismus und Schwulenlobby. Der Tagesanzeiger aus der Schweiz berichtete, hier ist der Link zum lesenswerten Artikel:
http://www.tagesanzeiger.

Nur Online 14. Juni 2014

BLOCKUPY zum Ukraine-Konflikt:

Gegen Nationalismus und Rassismus – für eine linke, internationalistische Anti-Kriegsbewegung!

BLOCKUPY steht für ein demokratisches Europa von unten. Wir sind Teil einer linken, internationalistischen Antikriegsbewegung, in der keine nationalistischen, rassistischen oder antisemitischen Deutungen des Ukraine-Konflikts Platz haben. Gegen die Logik der kapitalistischen Staatenkonkurrenz um Einfluss, Ressourcen und Macht stellen wir die Perspektive einer grenzübergreifenden Solidarität von Unten.

Für eine Kampagne gegen Militarisierung

von Arno Klönne

Der Konflikt um die Ukraine hat nachhaltige Folgen in den strategischen Bedingungen internationaler Politik: Die NATO dringt weiter nach Osteuropa vor; neue Aufrüstung ist angesagt; die Machteliten in den USA kalkulieren damit, die russische Staatlichkeit zur Erosion bringen zu können; die davon abweichenden Pläne der EU, insbesondere die der Bundesrepublik, haben sich als Fiasko erwiesen; innerhalb des transatlantischen Bündnisses hat der Große Bruder in Washington nun fast allein das Sagen. Und in der Bundesrepublik betreiben die etablierten Medien ganz überwiegend ideelle Kriegstreiberei. Die Mehrheit der Bevölkerung hierzulande steht dem kritisch und misstrauisch gegenüber, sie hat keine Freude an einem neuen Kalten Krieg.

Amerika 14. Juni 2014

«Die Fifa führt sich auf wie eine Kolonialmacht»

Das schmutzige Geschäft mit der Fußball-WM

von Lothar Moser

«Die FIFA [führt sich] im Hinblick auf die WM wie eine Kolonialmacht auf. Brasiliens katzbuckelnden Politikern zwangen er und seine Verbandskollegen ein WM-Gesetz auf, Zehntausende Kleinhändler müssen ihre Plätze räumen für die Sponsoren der hohen FIFA. Das Gesetz ermächtigt Kommunen, für das Event mehr Schulden aufzuladen als sonst erlaubt. Das müssen diese auch, wenn sie die Vorgabe der FIFA für Stadien, Hotels oder Infrastrukturmaßnahmen erfüllen wollen», schrieb die Süddeutsche Zeitung am 17.Juli 2013.

Nur Online 13. Juni 2014

Die schwarze Seele der Republik Donezk

von Andrea Ferrario

Der folgende Beitrag zeigt, dass sich in der Führung der „Republik Donezk“ Neofaschisten befinden, die direkt oder indirekt mit Russland verbunden sind. Diese Rechtsextremisten genießen keinerlei reale Unterstützung in der Bevölkerung und an ihrer Seite agieren bis zum heutigen Tag anonyme Paramilitärs. Die Hauptakteure der Marionettenrepublik sind fast alle neofaschistischer und ultranationalistischer Provenienz, mit Verbindungen, die eindeutig nach Russland weisen. Es handelt sich nicht um eine verschwommene Hypothese, sondern um eine klar verifizierbare Tatsache.

Europa 2. Juni 2014

Europa driftet nach rechts

Einmischung der Bevölkerung einfordern!

von Angela Klein

Europawahlen sind traditionell Meinungswahlen, da es eine europäische Regierung nicht gibt und der Rat der Europäischen Union (die Versammlung der Staats- und Regierungschefs) das Vorschlagsrecht für den Kommissionspräsidenten hat. Diese seine Machtstellung sollte bei den diesjährigen Wahlen mit der Benennung von Spitzenkandidaten erstmals angekratzt werden. Dennoch boten die Europawahlen auch diesmal die Möglichkeit, der jeweils eigenen Regierung einen Denkzettel zu verpassen.

Europa 2. Juni 2014

Erdogan in Deutschland: Eine unerträgliche Heuchelei

Der Besuch eines türkischen Despoten und die Doppelzüngigkeit deutscher Politik

von Murat Çakir

Wer’s glaubt, wird selig! Als ob in der BRD die «europäischen Werte» nicht längst ausgehöhlt wären und diese in der Türkei je gegolten hätten, bescheinigt Wolfgang Bosbach (CDU) dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, dass «die Türkei sich unter ihm mit Riesenschritten von europäischen Werten» entferne. Aus allen Bundestagsfraktionen sind ähnliche Worte zu hören: Erdogan scheint in Köln nicht willkommen zu sein.

Doch die Bundesregierung ist anderer Auffassung und heißt Erdogan «als Ministerpräsident eines Landes, das uns ein wirklich enger und wichtiger Partner ist», herzlich willkommen. Dennoch scheuen sich weder Regierungssprecher Seibert («Wir erwarten ein sensibles, ein verantwortungsvolles Auftreten»), noch Außenminister Steinmeier («Unsere Demokratie hält es aus, wenn sich Herr Erdogan an seine Landsleute wendet») kleinere Seitenhiebe zu verteilen – immerhin sind am 25.

Asien/Australien 2. Juni 2014

Indien nach den Wahlen

Über die Unschuld des Narendra Modi

von Dominik Müller

Kaum war der Wahlsieg der BJP am 16.Mai verkündet, sprachen die Regierungen in Washington und Berlin dem künftigen Premierminister Narendra Modi freundliche Einladungen aus. Zwei Jahre zuvor wäre eine Einreise des Hindunationalisten Narendra Modi in die USA oder in die EU noch undenkbar gewesen. Zahlreiche Menschenrechtsorganisationen und Berichterstatter der Vereinten Nationen werfen ihm seine Rolle bei den Massakern 2002 in Gujarat, einem indischen Bundesstaat, vor, den Modi als Chefminister regierte. Jetzt rollen westliche Regierungen dem umstrittenen Narendra Modi, der in wenigen Tagen vereidigt wird, den roten Teppich aus.

«Die Städte werden brennen, …

… wenn Brasilien nicht gewinnt»

Gespräch mit Christopher Gaffney

Wenn in einer so fußballvernarrten Nation wie Brasilien Planung wie Ablauf der kommenden WM durch anhaltende Massenproteste massiv gestört wird, dann ist dies sicher ein Anzeichen fürgewaltige soziale Gärungsprozesse, vor allem aber ein weltweit sichtbares Zeichen dafür, dass diese Sorte von «Sportereignissen» mehr und mehr zum Sinnbild für die Zerstörungskraft der neoliberalen Weltordnung wird.

Europa 2. Juni 2014

Griechenland: Vom Wahlsieg von SYRIZA…

 … zu einem politischen Sieg der Linken

von DEA, Internationale Arbeiterlinke in SYRIZA

Das Ergebnis der Europawahlen ist mit 26,6% oder 1,5 Millionen Stimmen für SYRIZA ein klarer Wahlsieg für die radikale Linke. Es hat sich erwiesen, dass die Regierungskoalition aus Nea Dimokratia und PASOK in der Minderheit ist – zum ersten Mal nicht allein durch Meinungsumfragen, sondern durch ein offizielles Wahlergebnis. Diese Regierung hat keine Legitimation mehr für ihre brutale Sparpolitik.

Europa 2. Juni 2014

Frankreich: Der Erfolg des Front National…

…  ist der Preis für unsere Schwäche

von Alain Bihr

Als das Ergebnis der Europawahlen in Frankreich bekannt wurde, waren viele höchst konsterniert. Der Front National wurde mit fast 25% im Landesdurchschnitt die mit Abstand stärkste Kraft, wobei er im Wahlkreis Nordost, wo Marine Le Pen Kandidatin war, sogar 33,6% erreichte, im Wahlkreis Ost, wo ihr Ehemann angetreten war, 29% und im Wahlkreis Südost, wo ihr Vater kandidierte, 28,2%.

Europa 2. Juni 2014

Großbritannien: Die UKIP…

… rüttelt das Parteiensystem durch

von Liam Mac Uaid

Am Wahlerfolg der UKIP lässt sich nichts schönreden: Zum erstenmal in Großbritannien hat eine Partei abseits der herkömmlichen Regierungs- und Oppositionsparteien eine nationale Wahl gewonnen. Niemand, rechts oder links, nahm sie ernst. Nun hat sie einen Sprung von 11 Prozentpunkten gemacht und mit 28% das beste Wahlergebnis erzielt. Warum war UKIP so erfolgreich?

Europa 2. Juni 2014

Ungarn: Sieg der Rechten…

… und Verschiebungen im linksliberalen Lager

von Matyas Benyik

Die regierende rechte FIDESZ-Partei errang bei den Europawahlen einen überragenden Sieg: 51,5% der Stimmen (12 Sitze von 21) bei einer Wahlbeteiligung von lediglich 28,9%. Das ist eine Stimmenzuwachs von rund 8 Prozentpunkten im Vergleich zu den Parlamentswahlen im vergangenen April. Die rechtsextreme Partei Jobbik kam mit 14,7% auf Platz 2 (3 Sitze).

Amerika 2. Juni 2014

Das schmutzige Geschäft mit der Fußball-WM

«Die Fifa führt sich auf wie eine Kolonialmacht»

von Lothar Moser

«Die FIFA [führt sich] im Hinblick auf die WM wie eine Kolonialmacht auf. Brasiliens katzbuckelnden Politikern zwangen er und seine Verbandskollegen ein WM-Gesetz auf, Zehntausende Kleinhändler müssen ihre Plätze räumen für die Sponsoren der hohen FIFA. Das Gesetz ermächtigt Kommunen, für das Event mehr Schulden aufzuladen als sonst erlaubt. Das müssen diese auch, wenn sie die Vorgabe der FIFA für Stadien, Hotels oder Infrastrukturmaßnahmen erfüllen wollen», schrieb die Süddeutsche Zeitung am 17.Juli 2013.

Europa 2. Juni 2014

Frankreich: Die neue Strategie des Front National

Eine Herausforderung für die radikale Linke

von Alain Bihr

Seit Marine Le Pen als Nachfolgerin ihres Vaters an die Spitze des Front National getreten ist, wiederholen die Medien bis zum Überdruss, der Front National versuche, sich zu «entdämonisieren» und seinen Diskurs «nach links hin» zu korrigieren. Damit reproduzieren sie einmal mehr die Propaganda des Front National und verschleiern, worum es bei dieser angeblichen Wende geht und wieviel Kontinuität sie in Wirklichkeit enthält.

Europa 2. Juni 2014

Italien: Die „Forconi“

Die «forconi»

Sozialer Protest in den Landesfarben Italiens

von Henri Wilno

Ende 2013 fanden in zahlreichen italienischen Städten Straßenblockaden, Platzbesetzungen und «spontane» Kundgebungen statt. Die beteiligten Akteure gehörten sozialen Gruppen an, die für gewöhnlich nicht mit solchen Kampfformen in Verbindung gebracht werden: Händler, Handwerker, Lkw-Fahrer, Kleinbauern zusammen mit Personen, die mehr oder weniger am Rande der Gesellschaft stehen, Vorstadtjugendliche, Erwerbslose und auch Studierende. Sie werden oft als forconi bezeichnet: diejenigen, die Heugabeln schwenken.

Europa 2. Juni 2014

Ukraine: Soziale Proteste…

… im Jahr 2013 sprunghaft angestiegen

vom Center for Society Research in Kiew

Die sozialen Hintergründe der Massenproteste der letzten Monate im ganzen Land werden gern ausgeblendet. Dabei waren sie im vergangenen Jahr zahlreich und haben massiv zugenommen – und dies unabhängig von Maidan oder Anti-Maidan.

Europa 2. Juni 2014

Die Bergleute des Kriwbass auf der Straße

Gegen Oligarchen und Separatisten

von Linke Opposition

Am 11.Mai sind die Bergleute von Kriwoj Rog (in der Industrieregion von Dnepropetrowsk, dem «Kriwbass») mit der Forderung nach einer 100%igen Lohnerhöhung auf die Straße gegangen. Der Marsch einiger hundert Personen durch die Hauptstraßen der Stadt wurde von der unabhängigen Gewerkschaft der Bergleute der Ukraine organisiert.

Europa 2. Juni 2014

Wer sind die ukrainischen Separatisten?

Die Rolle extrem rechter Kräfte

von Nikolai Mitrochin

Die meisten «Volksgouverneure», «Milizen» und «Garden» und andere Anführer separatistischer Organistionen im Südosten der Ukraine waren vor dem Sturz von Janukowitsch an Politik auf Landesebene nicht beteiligt, nur wenige von ihnen saßen als Abgeordnete in gewählten Gremien oder waren mehr oder weniger bekannte öffentliche Funktionsträger. Die meisten von ihnen scheinen um die dreißig zu sein. Wer sind diese Leute?

Europa 2. Juni 2014

Die tschechische Linke

Kein Licht im Tunnel

von Stepan Steiger

Aus der Entfernung betrachtet, bietet die tschechiche Linke das Bild einer zerrütteten Landschaft: mit zwei starken, alten Bäumen und einigen nicht allzu gepflegten Büschen sowie vielen kleinen Kräutern. Die Bäume sind die zwei etablierten Parteien, die Tschechische Sozialdemokratische Partei (CSSD) und die Kommunistische Partei von Böhmen und Mähren (KSCM).

Nur Online 7. Mai 2014

EU, Internationales Recht und Austerität

Rechtsgutachten der Universität Bremen

von Michael Aggelidis

Besprechung, Übersicht und politische Auswirkungen des Rechtsgutachtens des Zentrums für europäische Rechtspolitik der Universität Bremen/Prof. Andreas Fischer-Lescano im Auftrag unter anderem des Europäischen Gewerkschaftsbunds (EGB).

Europa 1. Mai 2014

Die Alternative für Deutschland und ihr Programm für Europa

Keine Anti-EU-Partei

Gekürzt aus: antifaschistische nachrichten, Nr.7, 2014

Unter der Flagge der Ablehnung der EU fordert die Alternative für Deutschland (AfD) vor allem eine Radikalisierung des neoliberalen Programms.

Der Erfurter Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) am 22./23. März sollte zum Triumphzug für Parteisprecher Bernd Lucke werden.

Das Geschäft mit der Erderwärmung…

…und das ökosozialistische Ei des Kolumbus

von Daniel Tanuro

Alle Parteien haben den Kampf gegen den Klimawandel in ihre Programme aufgenommen. Doch die Erwärmung der Erdatmosphäre nimmt immer schneller zu. In den 90er Jahren erwärmte die Atmosphäre sich noch um 1% jährlich, im darauffolgenden Jahrzehnt beschleunigte sich der Anstieg der CO2-Konzentration in der Atmosphäre bereits auf 3%. Derzeit schwankt er um einen Wert von 2%, trotz der wirtschaftlichen Flaute.

Ohne Deutschland ist der US-Drohnenkrieg nicht möglich

Fragwürdige deutsch-amerikanische Zusammenarbeit

von Andrej Hunko

Ohne Deutschland ist der «gesamte Drohnenkrieg des US-Militärs nicht möglich», erklärt ein früherer US-Drohnenpilot. Die Bundesanwaltschaft möchte indes, dass Gras über die Tötung deutscher Staatsangehöriger wächst.

Europa 1. Mai 2014

Über eine Million Menschen bei den «Märschen für die Würde» am 22.März in Madrid

«Nur die Menschen selbst können die Menschen retten»

von Jerôme Duval

Trotz der Behauptung der spanischen Regierung, der wirtschaftliche Aufschwung sei voll im Gange, gibt es in Spanien keinen Mangel an Gründen für Demonstrationen. Um nur einen Grund zu nennen: Laut einem Caritas-Bericht müssen derzeit 3 Millionen Menschen mit weniger als 307 Euro im Monat auskommen. Das sind doppelt so viele wie zu Beginn der Krise 2007.

Europa 1. Mai 2014

Spanien: Erfolge bei Konflikten

Es lohnt sich zu kämpfen

von Esther Vivas

Bei den zahlreichen Konflikte, die es in letzter Zeit in Spanien gab, hat es auch eine Reihe von Erfolgen gegeben.

«Widerstand ist sinnlos», hören wir immer wieder. «Nach jahrelangen Protesten geht die Krise immer noch weiter – was soll die Mühe?», fragen andere und flößen uns ein Gefühl der Apathie und Resignation ein.

Europa 1. Mai 2014

Spanien: Podemos…

…  und die Notwendigkeit einer neuen Politik

von Teresa Rodríguez

Podemos («Wir können») ist eine Initiative mit dem Ziel, der Massenbewegung gegen die Troika einen politischen Ausdruck zu verleihen. Es handelt sich weder um eine Partei noch um eine bloße Meinungsströmung. Die Initiative hat sich in sog. Zirkeln organisiert mit dem Ziel, zur Entstehung einer neuen politischen Kraft beizutragen. Podemos will mit eigenen Listen zu den kommenden Europawahlen antreten.

«Staatsstreich in Zeitlupe»

 

Das US-EU-Transatlantische Handelsabkommen (TTIP) muss zu Fall gebracht werden

von Jochen Gester

Obwohl ein politisches Großprojekt und nunmehr auch Gegenstand medialer Berichterstattung bleibt das TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) nach wie vor ein Phantom. Denn ein Text für das beabsichtigte Freihandelsabkommen zwischen den USA und der EU liegt bis heute nicht vor. Die von Wikileaks veröffentlichten Dokumente sind Verhandlungsrichtlinien.

Europa 1. Mai 2014

EU in der Krise

Die kommenden Europawahlen polarisieren stärker als je zuvor Gegner und Befürworter der EU. Doch am Ende ist das die falsche Fragestellung

von Angela Klein

Die jüngste Weltwirtschaftskrise hat auch zu einer politischen Krise der EU geführt. Sie betrifft den Zusammenhalt der Union, aber auch einzelner Nationalstaaten. Vor allem aber zerstört das gewählte Krisenmanagement die parlamentarische Demokratie und bereitet neuen, autoritären Herrschaftsformen den Weg – national wie auch europaweit.

Europa 1. Mai 2014

Sofortprogramm für ein anderes Europa

Aufhebung der Konkurrenz

von Angela Klein

Die linke Debatte darüber, wie Europa anders gestaltet werden könnte, steht ganz am Anfang. Nachstehend soll nur eine Skizze in fünf Punkten entworfen werden.

Das Programm setzt voraus, dass in irgendeiner Weise (egal ob über Wahlen oder über die Handlungsunfähigkeit der alten Regierung) eine gesellschaftliche Situation entsteht, wo die da unten nicht mehr wollen.

Europa 1. Mai 2014

EU und Parlamente – Souveränität für wen?

Merkels Eiertanz

von Angela Klein

Im Kompetenzstreit zwischen der Exekutive in Brüssel und der in den Hauptstädten der Mitgliedstaaten gehen die Parlamente unter.

Die konservativen Parteien halten am Vorrang der Nationalstaaten fest. Die Kanzlerin hat den Europäischen Rat zum zentralen Ort des Krisenmanagements gemacht und sich als standhafte Gegnerin von Eurobonds profiliert.

Europa 1. Mai 2014

Vereint zur Europawahl

Frankreichs Linke streitet um das Verhältnis zur Sozialdemokratie

von Bernard Schmid

Wie hältst du’s mit der Sozialdemokratie? Die Gretchenfrage hat schon öfter die Kräfte links von ihr gespalten. Nun hat es die französische Linksfront (Front de gauche) getroffen.

Europa 1. Mai 2014

Maidan oder Anti-Maidan?

Die Lage in der Ukraine ist differenzierter

von Wolodymyr Ischtschenko

Sowenig wie die Proteste auf dem Maidan hauptsächlich das Werk westlicher Agenten und rechtsextremer Schläger waren, sowenig sind die Anti-Maidan-Proteste im Osten der Ukraine nur das Werk russischer Agenten und eingeschleuster Sicherheitskräfte.

Asien/Australien 1. Mai 2014

Wahlkampf mit Goldman Sachs

Bei den Wahlen in Indien droht der Vormarsch der Rechten

von Dominik Müller

815 Millionen Menschen wählen derzeit das Parlament der «größten Demokratie der Welt», am 16.Mai werden die Ergebnisse bekannt gegeben. Aussichtsreicher Kandidat für das Amt des Premierministers in Indien ist Narendra Modi von der Indischen Volkspartei (BJP).

Asien/Australien 1. Mai 2014

Hommage an Sampat Pal

Amana Fontanella-Khan: Pink Sari Revolution – Die Geschichte von Sampat Pal, der Gulabi Gang und ihrem Kampf für die Frauen Indiens. Berlin: Hanser, 2014. 272 S., 19,80 Euro

von Gerhard Klas

Seit eineinhalb Jahren berichten Medien immer wieder von Vergewaltigungen in Indien. Mit Pink Sari Revolution ist nun ein Buch erschienen, das den Widerstand von einfachen, armen Frauen gegen die alltägliche Gewalt und Unterdrückung am Beispiel der Gulabi Gang beleuchtet, die in Zentralindien aktiv ist.

Nur Online 28. April 2014

Ukraine: Ein Lehrstück

West-östliche Machtpolitik

von Horst Hilse

In den letzten Wochen hatte ich Gelegenheit an zwei Debattentreffen zwischen sieben ukrainischen und russischen Bürgern teilzunehmen, die derzeit in NRW leben. Ich war von der freundschaftlichen und sachlichen Athmosphäre sehr angenehm überrascht und angetan. Sie sprachen sehr gut deutsch und beantworteten stundenlang geduldig und ausführlich meine Fragen.

Meine naive Dummheit mit dem „Westlinken Koordinatensystem im Kopf“ erheiterte die Runde öfter mal. Aus der Runde hatten vier Personen (drei russische Bürger) an den Maidanmassenprotesten im Januar 3 Tage lang selbst teilgenommen. Ich bemühte mich um Verständnis und ein erstes Ergebnis ist nachfolgend zu lesen.

Nur Online 17. April 2014

Das kurdische Rojava in Syrien braucht Hilfe in der Not

 

Unterstützen Sie ein demokratisches Experiment!

Syrien braucht jetzt Frieden und Demokratie. Rojava in Syrien braucht heute unsere Anerkennung und Solidarität. Unterstützen Sie die humanitäre Nothilfe für die kurdischen Gebiete in Syrien! Ein Aufruf.

Die Ereignisse in Syrien sind eine beschämende menschliche Katastrophe. Nunmehr im vierten Jahr wird versucht, eine unverhofft aufgebrochene Freiheitsbewegung mit exzessiver Gewalt blutig zu ersticken.

Nur Online 6. April 2014

Europäischer Gewerkschaftsbund: Zehntausende in Brüssel

Dein Europa = Kapital ! Unser Europa = Solidarität!

von Horst Hilse

 

So hatten belgische Gewerkschaftskollegen im gewerkschaftlichen Demozug am Freitagnachmittag kurz und bündig auf großen Plakaten formuliert. Zu der gewerkschaftlichen Großdemonstration gegen die europäische Sparpolitik in Brüssel am Freitag kamen weit mehr als gedacht.

Nur Online 1. April 2014

Aufruf für Frieden in Syrien

Konferenz in Österreich

Am 8. und 9. März trafen sich Syrer mit unterschiedlichem sozialem, intellektuellem, politischem und nationalem Hintergrund auf der Burg Schlaining, Österreich, im Rahmen eines „Allseitigen Ratschlages für eine politische Lösung“, organisiert von der internationalen Initiative www.peaceinsyria.org.

Europa 1. April 2014

Die Krim-Krise

Vorspiel für Kriege zwischen den „Blöcken“?

von Angela Klein

Nein, Putin ist kein Demokrat, schon gar kein «lupenreiner» (Schröder). Er führt in Russland ein autokratisches Regime, das Oppositionelle verfolgt und kritische Meinungsäußerungen unterdrückt, wenn es ihm opportun erscheint. Er sieht sich nur einem Ziel verpflichtet: Russland wieder zu einer Großmacht zu machen.

Afrika 1. April 2014

Krieg in der Zentralafrikanischen Republik und die EU-Militärintervention

Ethnisierung schafft Zerfall

von Bernard Schmid

Das Land drohte im Chaos zu versinken, aber das Machtkarussell war nicht defekt. Es drehte sich im Januar dieses Jahres gleich zweimal hintereinander: Am 10.Januar 2014 gab der seit knapp zehn Monaten amtierende «Übergangspräsident» der krisengeschüttelten Zentralafrikanischen Republik, Michel Djotodia, auf und warf das Handtuch.

Nordafrika/Nahost 1. April 2014

«Kein Komplott, sondern Teil der arabischen Revolution»

Josef Daher über das Scheitern der Genfer Friedenskonferenz und die Lage in Syrien

Die Friedenskonferenz zu Syrien («Genf II») mit ihren zwei Verhandlungsrunden vom 23. bis 31.Januar und vom 10. bis 15.Februar 2014 ist ebenso ergebnislos auseinandergelaufen wie Genf I am 23.Juni 2012. Ihr Ziel, eine Übergangsregierung aus dem Assad-Regime und der Opposition zu bilden, war nicht durchsetzbar. Die syrische Revolution geht weiter, aber sie ist auf einem Tiefpunkt angelangt. Das ist jedenfalls die Meinung von JOSEF DAHER, einem Mitglied der Revolutionären Linken Strömung, einer syrischen Organisation, die der IV.Internationale nahe steht. Daher lebt im Exil in Lausanne. Manuel Kellner sprach mit ihm für die SoZ am 1.März.

Europa 1. April 2014

EU macht NATO-Politik

«Weder Moskau noch Brüssel» ist nur die halbe Wahrheit

von Birger Scholz

Der Zusammenbruch des «real existierenden Sozialismus» brachte nicht das Ende der Geschichte und auch keine «Pax Americana», sondern nur die Wiederkehr eines wohlbekannten Imperialismus, modernistisch Geopolitik genannt. In Asien war dies mit dem Aufstieg Chinas und der sich anbahnenden Konfrontation mit den USA und ihren Verbündeten schon längst sichtbar.

Asien/Australien 1. April 2014

Schwierigkeiten der Gewerkschaftsarbeit in Pakistan

Nasir Mansoor: «Die Arbeiter leben in zwei Welten»

NASIR MANSOOR ist stellvertretender Vorsitzender des pakistanischen Gewerkschaftsverbands National Trade Union Federation Pakistan. Die Gewerkschaft wurde am 1.Oktober 1999 gegründet. Sie arbeitet in allen möglichen Sektoren und allen Landesteilen.  Sie arbeitet auch eng mit der Awami Workes Party zusammen. Anlässlich eines von Medico International organisierten Kongresses «Von Wohltätigkeit zu Solidarität», war Mansoor in Frankfurt am Main. Die Fragen stellte Theo Völkl.

Europa 1. April 2014

Eine Ärztedelegation hat Griechenland besucht

SOS Gesundheit

von Paul B. Kleiser

Mitte Februar fuhren sieben Ärztinnen und Ärzte zusammen mit der Geschäftsführerin des Verbandes demokratischer Ärzte und Ärztinnen, Nadja Rakowitz, und dem Autor dieses Artikels nach Athen, um die Lage im Gesundheitswesen genauer kennenzulernen und Hilfsmaßnahmen zu besprechen.

Europa 1. April 2014

Schweiz: „Gegen Masseneinwanderung“

Lehren aus dem Abstimmungsergebnis

von der Redaktion A l’Encontre

Nach der Annahme der Initiative der Schweizerischen Volkspartei (SVP) «Gegen die Masseneinwanderung» am 9.Februar 2014 haben Experten die Stimmung der Wählerinnen und Wähler in den Gemeinden, Kantonen, auf dem Land und in der Stadt sowie in den verschiedenen Sprachregionen befragt, um die «Gründe» und die Geisteshaltung zu untersuchen, die ihr Abstimmungsverhalten leiteten.

Arbeitswelt 1. April 2014

Schweiz: Mobilität für alle Studierenden ohne Beschränkungen

Für ein Erasmus++

von Nicola Cianferoni

Eine unmittelbare Konsequenze der Volksabstimmung «Gegen die Masseneinwanderung» ist der Ausschluss der Schweiz aus dem Erasmus+-Programm. Darauf reagierte jungen Leute empört und brachten das auf spontanen Demonstrationen gegen das Abstimmungsergebnis in Zürich, Bern und Genf zum Ausdruck.

Europa 1. April 2014

Die Ukraine und die Linke

Das Unverständnis des Westens gegenüber dem Osten

von Angela Klein

Ein großer Teil von Linken in Deutschland bewertet die Ereignisse in der Ukraine vom Standpunkt des antifaschistischen Kampfes (im besseren Fall), wenn nicht gar vom Standpunkt des Kalten Krieges aus. Die Anliegen der Hunderttausende, die zwischen Dezember und Februar auf die Straße gegangen sind, gelten (wiederum im besten Fall) als Beiwerk oder werden überhaupt ignoriert oder gar als nützliche Idioten des Westens behandelt.

Europa 1. April 2014

Der Euro-Maidan ist keine aufgesetzte Bewegung

Die Tage der Proteste und ihre Akteure

von Sachar Popowitsch

Sachar Popowitsch war vom ersten Tag an auf dem Maidan mit einer roten Fahne. Er hat auf dem Platz nicht geschlafen, ihn aber fast jeden Tag besucht.

Nie habe ich seit 2004 so viele Menschen im Zentrum von Kiew demonstrieren sehen wie an jenem 24.November, dem Tag der ersten Massendemonstration von Euro-Maidan.

Nordafrika/Nahost 1. April 2014

Syrien: Der Friede ist denkbar

Konferenz in Österreich

von Leo Gabriel

Wenige Wochen nach der gescheiterten Verhandlungsrunde in Genf fand auf der Friedensburg Schlaining, rund 100 Kilometer südlich von Wien, die von der Öffentlichkeit kaum wahrgenommene Konferenz «Konsultation für eine politische Lösung in Syrien» statt. 25 Vertreter verschiedener Bereiche der syrischen Zivilgesellschaft waren zu Gast.

Geschichte 1. April 2014

Der Große Krieg

Deutschlands imperialistische Bestrebungen

von Paul B. Kleiser

Der Erste Weltkrieg war in vielerlei Hinsicht ein einschneidendes Ereignis. Er forderte mindestens 10 Millionen Tote – rechnet man die indirekten Opfer, etwa die der Hungersnöte oder der Spanischen Grippe hinzu, bis zu 17 Millionen. Am Ende des Krieges waren 40 Staaten mit etwa 70 Millionen Soldaten an ihm beteiligt.

Geschichte 1. April 2014

Schriftsteller im Ersten Weltkrieg

Es war Krieg und (fast) alle gingen hin

von Dieter Braeg

Das Jahr 2014 hatte noch gar nicht angefangen, da «gedachte», ja «feierte» man den Beginn des Ersten Weltkriegs in jenen Medien, die dafür sorgen, dass Berta von Suttners Feststellung in Vergessenheit geriet: «Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden.»

Amerika 31. März 2014

US-Automobilgewerkschaft verliert Anerkennungswahlen

«No 2 UAW»

von Jochen Gester

Die Siegesfeier fiel aus. Die UAW (United Auto Workers) scheiterte erneut beim Versuch, als Gewerkschaft in einem Montagebetrieb der Autoindustrie (VW Chattanooga) im weitgehend gewerkschaftsfreien Süden der USA anerkannt zu werden.

Der scheidende UAW-Vorsitzende Bob King hatte sich zuvor noch überzeugt gezeigt:

Europa 31. März 2014

Chevron in Zurawlow/Polen

Die längste Protestblockade seit dem Krieg

von Miron Deuter und Halina Mirowska

Zurawlow in der Region Zamosc ist ein kleines Dorf, umgeben von Feldern. Es hat zwei Nachbardörfer, Szczelatyn und Rogow. Verwaltungsmäßig gehören sie zur Gemeinde Grabowiec, im Bezirk Zamosc. Und hier, auf dem Feld, dicht an der örtlichen Asphaltstraße, findet die seit 1945 längste Blockade statt.

Europa 31. März 2014

Schweiz: Die ungelösten Probleme der Personenfreizügigkeit

Knappe Mehrheit für die Begrenzung der Einwanderung

BFS Jugend Zürich *

Am 9.Februar 2014 hat die stimmberechtigte Bevölkerung in der Schweiz überraschend eine von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) lancierte Initiative angenommen. Sie fordert, die Einwanderung aus den EU-Ländern mittels Kontingenten zu begrenzen und somit die bis dahin geltende Personenfreizügigkeit mit den Staaten der EU aufzuheben.

Europa 31. März 2014

«Die große Mehrheit will keinen Bürgerkrieg»

Jean-Marie Chauvier über die Spaltung der Ukraine

Der belgische Journalist ist Mitarbeiter von Le Monde Diplomatique und hervorragender Kenner der Ukraine. Das Interview führte die Zeitschrift der Partei der Arbeit Belgiens (PTB/PvdA), Solidaire.

Mit welchen wirtschaftlichen Problemen hat die ukrainische Bevölkerung zu tun, insbesondere die Lohnabhängigen, Kleinbauern und Erwerbslosen?

Seit der Auflösung der UdSSR 1991 ist die Bevölkerung der Ukraine von 51,4 auf 45 Millionen gesunken.

Europa 31. März 2014

Bulgarien: Massenproteste unter falscher Flagge

Eine nur kleine Zahl linker kritischer Stimmen

von Mariya Ivancheva

In den letzten fünf Jahren gab es im «postsozialistischen» Bulgarien immer wieder anhaltende Proteste. Sie waren jedoch spontan weder anti-neoliberal noch antikapitalistisch. Denn die neoliberalen und korrupten Parteien an der Macht werden oft mit «Kommunismus» gleichgesetzt.

Europa 31. März 2014

Das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine

Fordert viel und gibt nix

von Angela Klein

Der Konflikt innerhalb der Ukraine und mit der EU eskalierte, als sich der ukrainische Staatspräsident im November 2013 auf dem EU-Gipfel in Vilnius unerwartet erdreistete, dem bis dato vorgeschlagenen Assoziierungsabkommen mit der EU seine Unterschrift zu verweigern. Was enthält das Abkommen?

Globalisierung/Krieg 31. März 2014

Die globale Freihandelsordnung

In die Jahre gekommen

von Ingo Schmidt

Am 1.Januar 1994 trat der Vertrag über die Nordamerikanische Freihandelszone (NAFTA) zwischen Kanada, Mexiko und den USA in Kraft. Mitte April desselben Jahres folgte nach siebenjährigen Verhandlungen die Gründung der Welthandelsorganisation (WTO). Ein Jahr zuvor war auf dem EU-Gipfel in Kopenhagen die Marschrichtung für die EU-Osterweiterung festgelegt worden.

Europa 31. März 2014

Spannendes Spanien: Proteste mit Symbolcharakter in Burgos

Zerstörerische Sparmaßnahmen und wer davon profitiert

von Gaston Kirsche

Die rechtskonservative Regierung Spaniens reagiert in der anhaltenden Wirtschaftskrise zunehmend mit Repression gegen soziale Bewegungen und versucht, der Gesellschaft per Gesetz und Verordnung ein reaktionäres Rollback zu verordnen. Zuletzt flammten Proteste in der Stadt Burgos auf.

Afrika 31. März 2014

Verfassungsreferendum in Tunesien

Verzicht auf die Scharia

von Bernard Schmid

Wenn alle feiern, darf man erwarten, dass Wichtiges unter den Tisch gekehrt wurde. So verhält es sich auch mit den Festlichkeiten zur Verabschiedung der neuen Verfassung und dem Antritt einer neuen (Übergangs-)Regierung in Tunesien. Die so gestiftete scheinbare Friede-Freude-Einstimmigkeit-Seligkeit droht, den revolutionären Impuls unter den Teppich zu kehren.

Europa 31. März 2014

Die Quadratur des Kreises

Der britische Regisseur Ken Loach sprach in Berlin über Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen vereinigten Linken

von Thomas Eipeldauer

Es gibt nicht viele Filmemacher wie Ken Loach. Die Heldinnen und Helden seiner Werke sind diejenigen, die in den Blockbuster-Movies nicht vorkommen oder nur die Kulisse abgeben, vor der sich die eigentliche Geschichte abspielt: Die kämpferischen Reinigungsarbeiterinnen in Bread and Roses (2000), die spanischen Anarchisten und Sozialisten in Land and Freedom (1995) oder die sympathischen Whiskey-Diebe aus der schottischen Unterschicht in The Angels’ Share.

Afrika 31. März 2014

Verfassungsreferendum in Ägypten

Absage an die Muslimbrüder

von Bernard Schmid

Kommt nach der Kaiserin Sissi nun der Imperator Al-Sissi? Solche ironischen Wortspiele richtet die internationale Presse nun des öfteren an die ägyptische Politik. Ihr neuer starker Mann ist der frühere General – und seit dem 27.Januar zum Marschall beförderte – 59jährige Berufsmilitär Abdelfattah Al-Sissi. Er gilt als Kandidat für die Präsidentschaftswahl, die voraussichtlich im April dieses Jahres stattfinden soll.

Nur Online 29. März 2014

Frankreich: Kommunalwahlen März 2014

Die Bedeutung des Durchbruchs der rechtsextremen Front National (FN)

von Johann Schögler*

Für die Front National (FN) von Marine Le Pen war schon vor dem 2. Wahldurchgang der Kommunalwahlen am 30. März klar, dass sie sich fest als dritte Kraft neben der Sozialdemokratie von Hollande, die die größten Verluste einfuhr und der rechtskonservativen Oppositionspartei UMP von Copé, die – obwohl intern auch in einer Krise – leicht zulegen konnte, etabliert hat.

Nur Online 29. März 2014

Die Solidarnosc und die Ultrarechte

Keltische Kreuze und rassistische Losungen

von Jacek Roso?owski

Die Sympathien für die Rechten innerhalb einer großen Zahl von Funktionären der Solidarnosc überraschen nicht. Ganz deutlich ist die Annäherung dieser Gewerkschaft an die Partei von Jaros?aw Kaczy?ski – PiS. Durch eine ständig anwachsende autoritäre und nationalistische Tendenz in der polnischen Politik, arbeiten immer mehr regionale Gliederungen dieser Gewerkschaft mit Ultrarechten zusammen.

Nur Online 24. März 2014

Linker Orientalismus – Syrien und Die Linke

Die Bewegung gegen das Assad-Regime wird skeptisch beäugt

von Sophia Deeg*

Am 15.3.2014 jährte sich zum dritten Mal der Beginn des syrischen Aufstands gegen das Assad-Regime. In Berlin fand aus diesem Anlass eine bescheidene Kundgebung überwiegend syrischer UnterstützerInnen der Revolution statt. In den Reden klang immer wieder die Enttäuschung und das Unverständnis angesichts der fehlenden Hilfe seitens der „Internationalen Gemeinschaft“ an.

Nur Online 23. März 2014

Überstürzte NaO Erklärung zur Ukraine

Kritik an einer Erklärung der Neuen Antikapitalistischen Organisation (NaO)

Siehe: http://nao-prozess.de/solidaritaet-mit-den-arbeiterinnen-und-linken-in-der-ukraine/

von Paul Michel u. Tino P. Sankara

Es ist gewiss anerkennenswert, dass die NAO recht frühzeitig, am 2. März, eine politische Erklärung in die politische Arena wirft. Andrerseits war klar, dass das gewiss nicht einfache Thema zu diesem Zeitpunkt in der Berliner NAO Gruppe keineswegs erschöpfend durchdiskutiert war, dass die Erklärung nicht Ausdruck einer seriösen Diskussion war

Nur Online 19. März 2014

Ukrainische Revolution

Die Maidan-Bewegung ging von Bevölkerung aus

Interview mit Vasyl Cherepanin*

Zunächst einmal: was hast du während der Maidan-Bewegung gemacht?

Das Forschungszentrum Visuelle Kultur hat seit September 2013 auf dem Maidan teilgenommen. Wir haben mitgeholfen im Rahmen der offenen Universität auf dem Maidan ein Bildungsangebot für die auf dem „globale Proteste“ genannten Platz Anwesenden auf die Beine zu stellen, womit versucht wurde, den ukrainischen Aufstand in einen breiteren Kontext zu stellen, den der Aufstände des arabischen Frühlings, der Occupy-Bewegungen, der Indignados und der verschiedenen sozialen Bewegungen auf Weltebene im Jahr 2013.

Amerika 6. März 2014

US-Automobilgewerkschaft verliert Anerkennungswahlen

«No 2 UAW»

von Jochen Gester

Die Siegesfeier fiel aus. Die UAW (United Auto Workers) scheiterte erneut beim Versuch, als Gewerkschaft in einem Montagebetrieb der Autoindustrie (VW Chattanooga) im weitgehend gewerkschaftsfreien Süden der USA anerkannt zu werden.

Europa 1. März 2014

Europa nach dem Schweizer Volksentscheid

Ohne soziale Mindeststandards und Regulierung wird Freizügigkeit nicht funktionieren

von Birger Scholz

Selten waren sich die Eliten in der Schweiz und der EU so einig. Konservative, Grüne und Sozialdemokraten, Kapitalverbände wie Gewerkschaften, bis hin zur deutschen Linkspartei sind schockiert.

Wer den Status quo der EU verteidigt muss sich zu Recht Sorgen machen. Denn bekanntlich ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit neben dem freien Waren- und Kapitalverkehr eine der zentralen «Grundfreiheiten» der EU.

Europa 1. März 2014

NSA-Aushorchprogramm

Strafanzeige gegen Bundesregierung und -behörden

von Rolf Euler

Der 11.Februar sollte der Tag sein, an dem «wir zurückschlagen»: Proteste gegen die Überwachung durch NSA, GHCQ und andere Geheimdienste sollten zusammengefasst und verstärkt werden. Dazu aufgerufen hatten verschiedene Bürgerrechtsorganisationen, etwa die US-amerikanische Electronic Frontier Foundation*.

Europa 1. März 2014

Die Linke Opposition meldet sich zu Wort

In der Ukraine, auch auf dem Maidan in Kiew, gibt es auch eine linke Opposition. Sie ist schwach und wird, ebenso wie unabhängige Gewerkschaften, von den Anhängern der Swoboda-Partei physisch angegriffen und hat Schwierigkeiten, einen Raum für sich zu behaupten. Aber sie existiert und hat sich jetzt mit einem Zehn-Punkte-Plan zu Wort gemeldet, der alle antioligarchischen Kräfte zusammenbringen soll.

Europa 1. März 2014

Machtwechsel in der Ukraine

Wird das Regime jetzt noch autoritärer?

von Angela Klein

Die Weltwirtschaftskrise hat einige Länder Osteuropas noch stärker gebeutelt als die südeuropäischen. Soziale Verelendung und korrupte politische Regime haben in verschiedenen Ländern zahlreiche Menschen auf die Straße getrieben. Dabei führen sie den Kampf gegen die Oligarchen an der Macht teilweise immer noch mit antikommunistischen Parolen. Wir veröffentlichen Artikel zur Ukraine, Bosnien und Bulgarien, stellen das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine vor und stellen es in den Zusammenhang mit der globalen Freihandelsordnung.

Europa 1. März 2014

Bosnien-Herzegowina: Wer Hunger sät, wird Wut ernten

von Chiara Milan

Bosnien-Herzegowina ist wieder in den Schlagzeilen als ein Land, das in Flammen steht. Am 5.Februar gingen Beschäftigte der jüngst privatisierten Fabriken von Tuzla, der drittgrößten Stadt des Landes, auf die Straße. Sie forderten die Bezahlung der Beiträge zu ihrer Kranken- und Rentenversicherung und ihren Lohn, der seit 50 Monaten aussteht.

Europa 1. März 2014

Das Bürgerplenum von Tuzla

Die Bürger entdecken wieder die direkte Demokratie

Am 8.Februar startete in Tuzla, der wichtigsten Industriestadt der Föderation von Bosnien-Herzegowina, das «Bürgerplenum».

Es tritt allabendlich um 18 Uhr zusammen, offen für jeden.

Europa 1. März 2014

Die Forderungen der Arbeiter und Bürger des Kantons Tuzla

Erklärung vom 7.Februar 2014

«Heute schaffen die Menschen in Tuzla eine bessere Zukunft. Die Regierung hat ihren Rücktritt erklärt und die Macht abgegeben; das war unsere erste Forderung.

Globalisierung/Krieg 27. Februar 2014

«Handelshemmnis» Gewerkschaftsrechte

Das geplante Transatlantische Freihandelsabkommen kostet Arbeitsplätze und stellt die Koalitionsfreiheit in Frage

vom Netzwerk Seattle to Brussels

Den Weltmarkt nennt Karl Marx in den Grundrissen das «Übergreifen der bürgerlichen Gesellschaft über den Staat». Mit dem Transatlantischen Freihandelsabkommen zwischen der EU und den USA (TTIP) planen die beiden Seiten genau dieses: ein Abkommen, das die jeweiligen Kapitale diesseits und jenseits des Atlantiks von staatlichen Fesseln befreit. Anfang Juli wurde die erste Verhandlungsrunde zu dieser größten Freihandelszone der Welt eingeläutet, 2015 soll es in Kraft treten.

Schon jetzt ist der transatlantische Handel sehr bedeutend: Jeden Tag werden Waren und Dienstleistungen im Wert von 1,8 Mrd. Dollar über den Großen Teich geliefert, das sind 30% des gesamten Welthandels.

Asien/Australien 27. Februar 2014

Wahlen in Bangladesh

Die Gewalt ist ein Symptom für die tiefe Krise

von Pierre Rousset

Bei den Parlamentswahlen in Bangladesh am 5.Januar gab es schwere Auseinandersetzungen zwischen den Anhängern der Opposition, die die Wahlen boykottiert hatte, und den sog. Sicherheitskräften. Dabei starben 18 Menschen. In 161 Wahllokalen mussten die Wahlen verschoben werden.

Asien/Australien 27. Februar 2014

China privatisiert Agrarland

von Ingo Schmidt

Auf dem ZK-Plenum der KP Chinas im November vergangenen Jahres präsentierte der neue Staatspräsident Xi Jinping Eckpunkte seiner neuen Wirtschaftspolitik. Dabei liegt ihm besonders die Privatisierung von Agrarland am Herzen.

Bislang gibt es in China kein Privateigentum an Agrarland, nur in den Städten gibt es private Immobilienmärkte. Agrarland ist nach wie vor öffentliches Eigentum, Bauern haben aber Nutzungsrechte, die ihnen eine Existenzsicherung unabhängig vom Verkauf ihrer Arbeitskraft an kapitalistische Unternehmer erlauben. Im Umland der großen Städte und Industriezentren hat die Verdrängung von Bauern durch Neubausiedlungen in den letzten Jahren immer wieder für Konflikte gesorgt.

Afrika 27. Februar 2014

Das Geschäft mit dem Boden

«Einer muss dabei verlieren»

von Gerhard Klas

Zum Thema Landgrabbing sind in den vergangenen Monaten zahlreiche neue Bücher erschienen.

Vor knapp vier Jahren nahm die Finanzkrise in den USA mit dem Platzen der Immobilienblase ihren Anfang, und bis heute bestimmt sie die Politik der G20-Staaten. In Vergessenheit geraten ist hingegen die damalige Nahrungsmittelkrise, die zu weltweiten Hungerprotesten führte.

Dabei verursachen die neuen Trends in der Finanzwelt – die Milliardeninvestitionen in landwirtschaftliche Anbauflächen – weiter steigende Preise für Grundnahrungsmittel. «Landgrabbing», Landraub, wird dieses Phänomen von Kritikern genannt.

Afrika 27. Februar 2014

Der neue Kolonialismus

Was unterscheidet Landgrabbing von früheren Landnahmen?

von Angela Klein

Sie geben sich gern als die Retter der Welt. Sie bekämpfen den Hunger, schaffen Arbeitsplätze und wehren dem Klimawandel: die großen Agrarunternehmen und ihre Finanziers, Kapitalsammelstellen wie Investmentfonds, Agrarfonds, Pensionsfonds, Großbanken und -versicherungen mit den Spekulanten im Schlepptau.

Auf ihren Webseiten machen sie sich Sorgen um das Wachstum der Bevölkerung (laut UNO auf 9,2 Milliarden bis 2020) bei gleichzeitiger Abnahme der Verfügbarkeit von Ackerland (laut Deutsche Stiftung Weltbevölkerung von 0,45 Hektar pro Kopf 1960 auf 0,21 Hektar 2020). Freilich gehen sie dabei davon aus, dass die zunehmende Knappheit billigen Öls (Peak Oil) durch Agrosprit ersetzt werden muss (das nennen sie «Bio-Energie»), und dass die vor allem in Asien und Afrika anwachsende Bevölkerung dem westlichen Konsum-, und vor allem Fleischkonsummodell nacheifern wird und soll.

Afrika 27. Februar 2014

Großer Raubzug in Afrika

Erst holten sich die Weißen die Sklaven, dann Genussmittel und Rohstoffe, jetzt das Land

von Angela Klein

Afrika ist der begehrteste Kontinent für Landräuber. Seine großen Flächen angeblich ungenutzten Landes, seine Aufspaltung in 54 oft schwache Staaten (zum Vergleich: Südamerika ist mit etwas mehr als halb soviel Fläche in elf größere Staaten aufgeteilt), von denen etliche von autoritären und korrupten Diktatoren geführt werden, machen es wieder einmal zur leichten Beute. Dabei kommt die Gefahr nicht nur von außen, das unselige Erbe des Kolonialismus setzt sich auch von innen in neuem Gewand fort.

Seit dem Ende der weißen Herrschaft über Südafrika brechen burische Farmer wieder nach Norden auf. Die meisten führte es bislang in Nachbarländer wie Mosambik, Botswana oder Zambia – als Verwalter von Plantagen, Leiter von Bergwerken oder touristischen Einrichtungen.

Europa 27. Februar 2014

Rechte Regierung will Abtreibung wieder verbieten

Empörung in Spanien

von Sandra Ezquerra

Am 20.Dezember 2013 veröffentlichte die von der rechten Volkspartei (PP) getragene spanische Regierung den Entwurf für das neue «Gesetz für den Schutz des ungeborenen Lebens und für die Rechte der schwangeren Frau». Eine Verabschiedung dieses Entwurfs wäre die dritte Änderung des Abtreibungsrechts in den letzten dreißig Jahren und der wichtigste Angriff auf dem Gebiet der sexuellen und Reproduktionsrechte seit der Franco-Diktatur.

Zuerst reformierte die sozialdemokratischen PSOE-Regierung das Abtreibungsrecht der Franco-Diktatur, das war 1985. Abtreibung blieb dabei ein Straftatbestand und war nur unter drei Bedingungen und innerhalb gewisser Fristen erlaubt: bei Vergewaltigung innerhalb einer Frist von 12 Wochen, bei Missbildungen des Fötus innerhalb einer Frist von 22 Wochen und bei Gefahr für die physische und mentale Gesundheit der Schwangeren unbefristet.

Europa 27. Februar 2014

Deutsche Konzerne in Griechenland unter Korruptionsverdacht

Waffengeschäfte laufen wie geschmiert

von Paul Michel

Deutsche Unternehmen sollen Millionen Bestechungsgelder für milliardenschwere Waffengeschäfte mit Griechenland gezahlt haben.

Antonis Kantas, im griechischen Verteidigungsministerium von 1992 bis 2002 Leiter des Direktorats Rüstung, hat ein Geständnis ablegt: Mehr als 10 Millionen Dollar Bestechungsgeld hat er für Waffengeschäfte mit U-Booten, Panzern, Kampfflugzeugen und Raketen gezahlt. Das waren Geschäfte mit Firmen aus Deutschland, Frankreich, Russland, Brasilien und Schweden. «Ich habe so viele Schmiergeldzahlungen angenommen, dass ich mich gar nicht mehr an alle erinnere» (Frankfurter Rundschau, 7.1.

Europa 27. Februar 2014

Ukraine zwischen russischer Fuchtel und EU-Armenhaus

von Alexander Busgalin

Im November 2013 besetzten tausende Ukrainer den Maidan-Platz (Unabhängigkeitsplatz) in Kiew. Sie protestierten gegen eine Entscheidung ihres Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch, die Beitrittsverhandlungen mit der EU auszusetzen und stattdessen, wie andere ehemalige Sowjetrepubliken, einer Zollunion mit Russland beizutreten.

Die Ukraine ist stark verschuldet, die Regierung hatte deshalb von der EU einen Kredit in Höhe von 27 Mrd. Dollar als Gegenleistung für die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens erbeten. Die EU hatte daraufhin harte neoliberale Reformen im Stil der Schocktherapie für Griechenland im Verlauf der Eurokrise oder der für Russland 1992 unter Jelzin verlangt.

Nordafrika/Nahost 27. Februar 2014

Ist Syrien noch zu retten?

In Aachen trafen sich Vertreter der syrischen Opposition

von Leo Gabriel

Unter diesem provokanten Titel trafen sich am 17.Januar im Bürgerzentrum der katholischen Kirchengemeinde in Aachen verschiedene Vertreter der wichtigsten Organisationen der syrischen Opposition, um über die Perspektiven der «Genfer Staatenkonferenz» (Genf II) zu diskutieren, die ab dem 22.Januar in Montreux über Krieg und Frieden in diesem leidgeprüften Land beraten sollte.

Vor einem Publikum von über 100 Interessierten, das vor allem aus türkischen und syrischen Kurden bestand, machte gleich zu Beginn Zuhat Kobani, der Sprecher der der PKK nahestehenden kurdischen PYD (Partei der demokratischen Einheit), einen interessanten Vorschlag: Wenn die Kämpfer tatsächlich die Demokratie umsetzen wollten, mögen sie sich an den 59 kurdischen Selbstverwaltungsgemeinden im Nordosten Syriens ein Beispiel nehmen, die – dem syrischen «Mosaik an Ethnien und Religionen» Rechnung tragend – einen dritten Weg eingeschlagen hätten.

Die Kurden bedauerten zutiefst, dass sie, ebenso wie der National Body for Democratic Change (NBC, auch Nationales Koordinationskomitee genannt), dem sie angehören, nicht nach Genf eingeladen wären, was das NBC so sehr verstimmt hat, dass es am Vortag der Aachener Tagung seinen Rückzug aus der Genfer Konferenz ankündigte.

Asien/Australien 27. Februar 2014

Die Bundeswehr in Afghanistan

Ein Comic über den verschleierten Krieg

von Manuel Kellner

David Schraven hat tausende Seiten offizieller Dokumente gesichtet und mit einer Reihe von deutschen Soldaten gesprochen. Die gewonnenen Erkenntnisse verarbeitete er nicht zu einer klassischen Reportage, sondern machte daraus zusammen mit dem Zeichner Vincent Burmeister einen Comic.*

«Soldaten sind keine Brunnenbauer. Soldaten sind Soldaten. Sie tragen Waffen.

Geschichte 27. Februar 2014

Ausstellung: Die Künstler der Avantgarde im Ersten Weltkrieg

Umsturz und Krieg

von Angela Klein

Es war Krieg und alle gingen hin, allen voran die Intellektuellen, die die öffentliche Meinung prägten: Schriftsteller, Künstler, Philosophen, Journalisten. Tausende ließen alles stehen und liegen, was sie bisher getan hatten und meldeten sich freiwillig zum Krieg – nicht nur in Deutschland. Auch die der bürgerlich-dekadenten Gesellschaft kritisch gegenüberstehende junge Künstlergeneration – Maler des Expressionismus und Kubismus – ließ sich vor deren Karren spannen. Es war ein Massenwahn, in die Geschichte eingegangen als «Augusterlebnis».

Die Bonner Ausstellung «1914.

Geschichte 23. Februar 2014

Ein Krieg, den keiner wollte?

Erinnerungspolitik zum Thema «1914»

von Arno Klönne

Einhundert Jahre seit dem «Ausbruch» des Ersten Weltkriegs: Dieses eigentlich düstere Jubiläum ist in der medialen Verwertung hochgradig rentabel, es bietet in Fülle Gelegenheiten zu Geschichtstourismus im weitesten Sinne, vom Buchmarkt bis zum Museum. Es fehlt dabei nicht an Absurditäten: Beispielsweise stellt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin «Kleider im Krieg» aus; ohne die Jahre 1914–1918, so wirbt sie, wäre «die Befreiung der Frau vom Korsett und langen Rock nicht möglich gewesen». Was sind, daran gemessen, schon die 20 Millionen Kriegsopfer damals…

Wirklich Grund zum Jubeln hat das traditionell deutschnationale Gemüt. Genau rechtzeitig ist ein «Buch des Jahres» erschienen und rasch zum Superseller geworden, Die Schlafwandler von Christopher Clark. In einem Interview mit der Jungen Freiheit, dem wöchentlichen Organ der Neuen Rechten, hat der Autor seine Leistung für das hiesige Nationalgefühl auf den Punkt gebracht: Durch sein Werk sei nun endlich nachgewiesen, dass Preußen-Deutschland unter Wilhelm II.

Nur Online 7. Februar 2014

Europas „konstituierender Prozess“?

Beitrag zur EU-Debatte in der LINKEN

von Raul Zelik *

Für jemanden, der wie ich Mitglied der LINKEN ist, sich aber keiner Strömung der Partei zurechnet, ist der bisherige Verlauf der Europa-Debatte einigermaßen irritierend. Es ist, als wollten die Beteiligten wieder einmal das alte Klischee bekräftigen, dass es im Politikbetrieb weniger um Inhalte als um parteitaktische Überlegungen und mediale Anerkennung geht.

Europa 1. Februar 2014

Schmutzkampagne zum sogenannten Freizügigkeitsmissbrauch

Ein Gespenst geht um in Deutschland - der "Sozialtourismus"

von Larissa Peiffer-Rüssmann

Die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU, die ab dem 1.Januar 2014 auch Bulgaren und Rumänen einschließt, hat eine Schmutzkampagne ohnegleichen ausgelöst.

Zu Recht ist der Begriff «Sozialtourismus» zum «Unwort des Jahres 2013» gewählt worden. Da wird eine Minderheit aus Rumänien und Bulgarien beschimpft, sie missbrauche unsere Sozialsysteme, obwohl nach den Zahlen des Instituts für Arbeitsmarktforschung bis zur Jahresmitte 2013 nur 0,6% der Hartz-IV-Bezieher Bulgaren oder Rumänen waren.

Der EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien hat den deutschen Unternehmen nicht nur neue Märkte, sondern auch Fachkräfte wie Ärzte, Ingenieure und Techniker beschert, die angeworben wurden, mittlerweile hier arbeiten und in die Sozialversicherungen einzahlen.

Europa 1. Februar 2014

Europa braucht eine Sozialunion

Migration aus Osteuropa: Europäischer Arbeitsmarkt braucht europäische Regelungen

von Angela Klein

Wenn er so weiter macht, wird Horst Seehofer seinen Wettlauf mit der AfD um die Stimmen am rechten Rand verlieren. Die rechtspopulistische Partei mit der offenen Flanke zur extremen Rechten liegt in Umfragen jetzt bei 7% und wird weiter wachsen, je stärker der Bocksgesang gegen die (mal wieder) Ausländer und «Sozialschmarotzer», die angeblich unsere Sozialkassen plündern, anschwillt. Seehofer hat sich den Leitsatz von FJ Strauss zu eigen gemacht: Rechts von mir darf keine Partei hochkommen. Rechtspopulismus kann die CSU besser, soll das heißen: siehe Pkw-Maut, siehe die Hetze gegen Migranten aus Osteuropa. Da wird er die Rechnung ohne den Wirt machen: Je mehr er und seinesgleichen dazu beitragen, eine rassistische Stimmung zu verbreiten, desto mehr Auftrieb werden die AfD und alle bekommen, die in ihrem Kielwasser schwimmen.

Europa 1. Februar 2014

EU reformieren?

Streit in der LINKEN zum Europawahlprogramm

von Manuel Kellner

Wie steht die Linke zur EU? Im Vorfeld des Parteitags, der über das Wahlprogramm zu den Europawahlen entscheidet, gibt es darüber Streit in der Partei Die LINKE. Schon im Bundestagswahlprogramm waren die Passagen zur EU nicht klar: Einerseits wurden deren Grundlagen (insbesondere der Verfassungsvertrag von Lissabon) abgelehnt, andererseits wurde die Reform der EU als Perspektive formuliert.
Prominente des Forums Demokratischer Sozialismus (FDS) wie Dietmar Bartsch, denen es in erster Linie darum geht, SPD und Grünen mit Blick auf die Bundestagswahlen 2017 die «Regierungstauglichkeit» der LINKEN auch auf Bundesebene zu beweisen, haben sich in der Öffentlichkeit vor allem gegen die Präambel des Entwurfs zum Wahlprogramm ausgesprochen. Fraktionschef Gregor Gysi, inzwischen wieder die wichtigste Führungsfigur der Partei, äußert sich im gleichen Sinne: bei der Präambel seien «nicht alle Formulierungen glücklich».

Europa 1. Februar 2014

Griechenland: Klientelismus oder Staatsreform

SYRIZA muss sich entscheiden

von Birger Scholz

Nach Auffassung der Ökonomen Daron Acemoglu und James A. Robinson entscheiden letztlich funktionierende Institutionen, insbesondere gesicherte Eigentums- und Vertragsrechte und eine funktionierende Staatsverwaltung, über den wirtschaftlichen Erfolg von Nationen. Solche Institutionen sind weder gottgegeben, noch Resultat spezifischer Kulturen, sondern das Produkt politischer Prozesse.

Arbeitskämpfe 1. Februar 2014

Südkorea: Regierung unterdrückt Gewerkschaften

"Behinderung des Geschäftsbetriebs"

von Jochen Gester

Die neue Ministerpräsidentin Südkoreas, Park Geun-hye, Tochter des Staatschefs zu Zeiten der Militärdiktatur, Park Chung-hee (1961–1979), hatte im Wahlkampf 2013 von «Demokratisierung der Wirtschaft» und von «Wohlfahrtspolitik für die Durchschnittsmenschen» gesprochen. Doch das war bloße Demagogie.
Die «innere Feinderklärung» und der Führungsstil Park Geun-hyes erinnern eher an die des Vaters. Die zu vergebenden Ämter wurden bevorzugt mit Militärs besetzt. Eines ihrer ersten Gesetze galt der Verschärfung der Strafen für leichte Gesetzesübertretungen.

Afrika 1. Februar 2014

Südafrika: Metallarbeitergewerkschaft NUMSA fordert Abkehr vom ANC

„Den ANC stürzen, wie die Apartheid gestürzt worden ist“

von Jochen Gester

Im Dezember 2013 fand eine Sonderkonferenz der südafrikanischen Metallarbeitergewerkschaft (NUMSA) statt, die einen Wendepunkt für die Arbeiterbewegung des Landes bedeuten kann.

Arbeitskämpfe 1. Februar 2014

Kambodscha: Regierungsgewalt gegen streikende Textilarbeiterinnen

Kampf um Mindestlohn und gewerkschaftliche Solidarität

von Jochen Gester

Am 3.Januar des neuen Jahres befahl die Regierung des Königreichs Kambodscha ihrer Militärpolizei, auf eine Demonstration streikender Textilarbeiterinnen zu schießen. Es gab fünf Tote und Dutzende von Schwerverletzten. 39 Arbeiterinnen wurden verhaftet und an unbekanntem Ort inhaftiert. Angesichts der massiven staatlichen Gewalt haben die Gewerkschaften den Streik vorerst abgebrochen, halten jedoch an ihren Forderungen fest.

Europa 1. Februar 2014

Ukraine: Zwischen russischer Fuchtel und EU-Armenhaus

Das skandinavische Modell steht nicht zur Auswahl

von Alexander Busgalin

Im November 2013 besetzten tausende Ukrainer den Maidan-Platz (Unabhängigkeitsplatz) in Kiew. Sie protestierten gegen eine Entscheidung ihres Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch, die Beitrittsverhandlungen mit der EU auszusetzen und stattdessen, wie andere ehemalige Sowjetrepubliken, einer Zollunion mit Russland beizutreten.

Die Ukraine ist stark verschuldet, die Regierung hatte deshalb von der EU einen Kredit in Höhe von 27 Mrd. Dollar als Gegenleistung für die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens erbeten. Die EU hatte daraufhin harte neoliberale Reformen im Stil der Schocktherapie für Griechenland im Verlauf der Eurokrise oder der für Russland 1992 unter Jelzin verlangt.

Amerika 1. Januar 2014

Wahlbetrug in Honduras

… mit Billigung der EU

von Angela Huemer

Am 13.Dezember gab der Oberste Wahlrat von Honduras das Wahlergebnis vom 24.November statt. Mit 36,9% der Stimmen wurde Juan Orlando Hernández, Kandidat der Nationalen Partei, zum Staatspräsident gewählt. Xiomara Zelaya Castro, die Kandidatin der Linkspartei LIBRE (Libertad y Refundación), kam mit 27,8% auf den zweiten Platz, Mauricio Villeda von der Liberalen Partei erhielt 20,3% und der Kandidat der «Antikorruptionspartei» (PAC), Salvador Nasralla, 13,3% der Stimmen – offiziell.

Asien/Australien 21. Dezember 2013

Soforthilfe für Opfer der Katastrophe auf den Pilippinen

Dringender Aufruf für Spenden

von Pierre Rousset

Der Verein Europe Solidaire sans frontières (ESSF, Solidarisches Europa ohne Grenzen) ruft dringend zu Spenden auf. Pierre Rousset schreibt dazu auf www.europe-solidaire.org:

Asien/Australien 21. Dezember 2013

Verantwortungslosigkeit und Korruption – nicht nur auf den Philippinen

Zwei Augen hat der Taifun

von Angela Klein

Soviel Zynismus ist kaum zu überbieten: Während in Warschau die geballte Macht der Energiekonzerne darauf drängt, noch mehr Erdöl und Erdgas unter noch zerstörerischen Bedingungen zu fördern und noch mehr Kohle abbauen zu können, hat der Taifun Haiyan auf den Philippinen schätzungsweise eine halbe Million Menschen obdachlos gemacht, ihre Dörfer und Städte vollkommen zerstört; die Zahl der Todesopfer wird in die zehntausende gehen.

Globalisierung/Krieg 21. Dezember 2013

Kanadisch-Europäische Freihandelszone

Vorbote einer weiteren Globalisierung oder der Fragmentierung?

von Ingo Schmidt

Mitte Oktober haben die kanadische Regierung und die EU-Kommission der Öffentlichkeit einen Freihandelsvertrag vorgestellt, der nun zur Ratifizierung ansteht. Dieser Vertrag betritt insofern Neuland, als er die bislang weitgehend geschlossenen Märkte für Agrarprodukte und das öffentliche Auftragswesen für ausländische Konkurrenten öffnet. Daneben sind eine weitere Liberalisierung des Handels mit Dienstleistungen sowie ein Schutz ausländischer Investitionen vorgesehen.

Arbeitskämpfe 21. Dezember 2013

Interview mit Beschäftigten von Gate Gourmet in Genf

«Wir machen nur grüne Salate»

Der Internationale Flughafen Genf ist erneut der Schauplatz eines Streiks. Nach den Beschäftigten von Swissport, Dnata und ISS Aviation im Jahr 2010 sind nun die Angestellten von Gate Gourmet, einem der weltweit führenden Cateringunternehmen für Fluggesellschaften, an der Reihe. Aus gutem Grund: Das Unternehmen will eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für sein Personal in Genf und Zürich durchsetzen.

Der Umstrukturierungsplan sieht eine Senkung der Lohnmasse vor. Die «Betriebskosten» sollen reduziert werden, um gegenüber anderen Dienstleistern an Flughäfen konkurrenzfähig zu bleiben.

Auf dem Zürcher Flughafen hat die Gewerkschaft SSP-VPOD auf Verhandlungen verzichtet und den vom Unternehmen vorgeschlagenen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) akzeptiert. Auf dem Genfer Flughafen ist die Lage eine andere, hier hat dieselbe Gewerkschaft und auch das Personal, das in hohem Maße gewerkschaftlich organisiert ist, diesen neuen Plan rundheraus ablehnt. In Anbetracht des Widerstands hat Gate Gourmet beschlossen, den Tarifvertrag zum Jahresende 2013 zu kündigen und neue, individuelle Arbeitsverträge einzuführen. Als Reaktion darauf sind etwa zwanzig Beschäftigte am 14.September in den Streik getreten. Eineinhalb Monate später ist die Lage blockiert: Die Streikenden halten durch, obwohl sechs von ihnen mit sofortiger Wirkung entlassen wurden.

Am 31.Oktober fand anlässlich einer Betriebsversammlung und in Anwesenheit von Beschäftigten anderer Unternehmen vor der Abfertigungshalle des Flughafens eine Pressekonferenz statt. Die Streikenden legten der Flughafendirektion eine Resolution vor, die von 2025 auf dem Flughafen Beschäftigten unterzeichnet wurde – einem Drittel der überhaupt am Flughafen Beschäftigten. Sie verlangen einen besseren Schutz der Arbeitsbedingungen durch Stärkung der bestehenden Tarifverträge und deren Ausdehnung auf alle Branchen.

Drei der Streikenden, Dominique, Théo und eine Kollegin, die anonym bleiben will, begaben sich am 25.Oktober, dem 42.Streiktag, in die Genfer Universität, um ihren Kampf den Studierenden mitzuteilen.

Nicola Cianferoni und Camilla Mina nutzten die Gelegenheit zum nachstehenden Interview.

Europa 20. Dezember 2013

Hat die polnische Linke eine Zukunft?

Die Palikot-Bewegung

von Teresa Jakubowa

Die 2010 gegründete Bewegung zur Unterstützung von Palikot (Ruch poparcia Palikota) hat trotz eines rechtsliberale Steuerprogramms vorwiegend linke Kräfte angezogen. Wie konnte es dazu kommen? Die Autorin, Mitglied der Racja Polskiej Lewicy (Ratio der Polnischen Linken), deren Vorsitzende sie bis 2011 war, erklärt das. Heute engagiert sie sich sie in Hinblick auf das Zusammengehen mit Palikot dafür, dort linke Positionen durchzusetzen.

Asien/Australien 20. Dezember 2013

Atomstrom gilt in Indien als «grüne» Energie

 

und soll westlichen Konzernen Milliardengewinne bescheren

von Dominik Müller

Erneuerbare Energien und Atomstrom werden in Indien von der etablierten Politik in einem Atemzug als Alternativen zu den klimaschädlichen fossilen Energieträgern genannt und die eigenen Atomkraftwerke als „sicher“ bezeichnet. Auf den Widerstand aus der Bevölkerung wird mit Repression geantwortet. Zur Bindung an US-Konzerne sollen jetzt Bürgschaften mit deutschen Steuergeldern hinzukommen.

Europa 20. Dezember 2013

Griechenland – SOS Chalkidiki

Vom Armenhaus zur Goldmine?

von Ilona Herrmann

Erst wenn der letzte Baum gerodet, die letzten Flüsse vergiftet sind, werdet ihr feststellen, dass man Gold nicht essen kann. Nach den Lebensgrundlagen der Menschen wird in Nordgriechenland nun auch weiträumig die Natur zerstört – ausgerechnet durch Goldabbau.

Nur Online 19. Dezember 2013

Honduras: Anatomie eines Wahlbetrugs

Wirklichkeit hinter den offiziellen Zahlen

von Leo Gabriel

Bei den Wahlen Ende November in Honduras lief vieles nicht korrekt. Leo Gabriel konnte das als einer der EU-Kurzzeitbeobachter aus erster Hand dokumentieren. Hier bringen wir seine ungekürzte Reportage – eine kurze Zusammenfassung seiner Erkenntnisse ist in der Januar-Ausgabe der SoZ zu finden.

Globalisierung/Krieg 1. Dezember 2013

Der Norden darf subventionieren, der Süden nicht

Die 9.Ministerkonferenz der WTO in Bali

Nach ihrem Start im Jahr 2001 kollabierte die aktuelle WTO-Runde 2003 im mexikanischen Cancún. Seitdem stagniert der Prozess zu einem neuen multilateralen Freihandelsabkommen. Nun soll auf der kommenden Ministerkonferenz in Bali (3.–6.Dezember) ein neuer Anlauf dafür gestartet werden. Darüber sprach Alexis Passadakis (Mitglied im Rat von Attac) mit MARC MAES, dem Handelsexperten bei der entwicklungspolitischen Organisation «11.11.11» (www.11.be) aus Brüssel.

Amerika 1. Dezember 2013

Wahlen in Argentinien

Achtungserfolg für radikale Linke

In Argentinien wurden am 27.Oktober die Hälfte der Abgeordneten und ein Drittel der Sitze im Senat neu gewählt. Das Resultat waren eine Niederlage für die amtierende Präsidentin Fernández de Kirchner und ihr linksperonistisches Bündnis Frente para la Victoria (FPV – Front für den Sieg) sowie Stimmengewinne für die gespaltene, z.T. ebenfalls peronistische, rechte Opposition.

Europa 1. Dezember 2013

Polen steht auf Kohle

Warschau ist ein schlechtes Pflaster fürs Klima
von Norbert Kollenda

Der diesjährige Klimagipfel findet in Warschau statt, in einem EU-Land, das einen besonders hohen CO2-Ausstoß hat. Und es sieht nicht danach aus, dass die Regierung ernsthaft bemüht wäre, dem entgegenzuwirken.

Amerika 1. Dezember 2013

Wahlen in Honduras

Neue linke Partei fordert Putschistenregierung heraus
von Magdalena Heuwieser

Am 24.November werden in Honduras Wahlen abgehalten – die ersten wirklichen seit dem Putsch gegen den damaligen Präsidenten Manuel Zelaya im Jahr 2009. Denn die Wahlen, die drei Monate nach dem Staatsstreich stattfanden und Porfirio Lobo von der Nationalen Partei zum Präsidenten machten, waren illegitim. Sie wurden in einem von Repression und Menschenrechtsverletzungen gezeichneten Ambiente einberufen, unter vielerlei Unregelmäßigkeiten durchgeführt und von der Mehrheit der Bevölkerung boykottiert. Nun fordert die neue Linkspartei LIBRE das über hundertjährige faktische Zweiparteiensystem heraus.

Nur Online 1. November 2013

Arabische Linke gegen US-Angriff

Linke aus Ägypten, Syrien, Irak, Marokko, Libanon und Tunesien stellen sich gegen einen US-Angriff auf Syrien und erklären ihre Solidarität mit der syrischen Revolution.

Eine gemeinsame Erklärung linker Organisationen aus Nordafrika und dem Nahen Osten gegen einen militärischen Angriff auf Syrien ist etwas Spektakuläres – vor allem wenn sie vom antidiktatorischen Geist der arabischen Revolution beseelt ist und nicht der Logik folgt: Schulterschluss mit Assad gegen die imperialistische Aggression. Hier der Wortlaut:

Amerika 1. November 2013

Weltmacht USA: Ein Papier(geld)tiger?

von Ingo Schmidt

Der Aufstieg der USA zur Weltmacht war von Warnungen vor ihrem Niedergang begleitet. Erst ging die Bedrohung vom Sowjetkommunismus und von den antikolonialen Befreiungsbewegungen aus, danach von den aufstrebenden Exportmächten Deutschland, Japan und schließlich vom vormals revolutionären China. Kurzzeitig wurde sogar der Euro als Herausforderung des Weltgelds US-Dollar angesehen. Aber: Statt die Weltmacht niederzuringen, sind die Herausforderer, allen voran die Sowjets, von der Bühne abgetreten oder haben sich im Weltkapitalismus amerikanischer Prägung eingerichtet. Jetzt sind sie die Bedrohten.

Amerika 1. November 2013

US-Haushaltskrise

Die Demokraten gewinnen eine Schlacht, die Republikaner vielleicht den Krieg
von Ingo Schmidt

In der ersten Oktoberhälfte musste die amerikanische Bundesregierung ihren Betrieb bis auf einige Notdienste, etwa den Militärbetrieb, einstellen. Die Tea-Party-Fraktion der Republikanischen Partei verweigerte die Zustimmung zu einem neuen Haushalt sowie zur Anhebung der Schuldengrenze, die zur Finanzierung laufender Ausgaben, aber auch der Bedienung von Altschulden notwendig war.

Amerika 1. November 2013

US-Haushaltskrise

Die Demokraten gewinnen eine Schlacht, die Republikaner vielleicht den Krieg
von Ingo Schmidt

In der ersten Oktoberhälfte musste die amerikanische Bundesregierung ihren Betrieb bis auf einige Notdienste, etwa den Militärbetrieb, einstellen.

Europa 1. November 2013

Der Hunger kehrt nach Europa zurück

Das Rote Kreuz schlägt Alarm: 43 Millionen Menschen in Europa sind vom Hunger bedroht. Europa befinde sich in der „schlimmsten humanitären Krise seit sechs Jahrzehnten“. Schuld ist die Finanzkrise.
von Rolf Euler

Man weiß es und liest es doch mit Erschrecken: In vielen Ländern Europas wird seit der Finanzkrise gehungert. Und zwar im alten, verdrängten und vergessenen Sinn: Die Menschen haben nicht genug zum Essen. Das marktgängig aufgezogene Europa bietet Millionen Menschen vor allem in Südeuropa nicht das Einkommen, das zum Leben ausreicht.

Arbeitskämpfe 1. November 2013

Griechenland: Die Vereinzelung überwinden

SYRIZA ruft auf zur Bildung von Widerstandskomitees

Interview mit Panos Petrou von DEA
Im Juni dieses Jahres schloss die griechische Regierung den staatlichen Rundfunksender ERT. Die Antwort darauf waren wütende Proteste der Bevölkerung, sie führten zu einem Stimmungsumschwung in der Bevölkerung, der nach dem Mord am linken Rapper Pavlos Fyssas zusätzlichen Auftrieb bekam. In dieser Situation fand Mitte September ein fünftägiger Streik der Lehrerinnen und Lehrer statt, flankiert von weiteren Ausständen in Teilbereichen des öffentlichen Dienstes und einer großen Demonstration. Zugleich musste die Regierung erstmals energischer gegen die Führung der neofaschistischen Chrysi Avgi vorgehen.
Paul Michel sprach über die neue Lage in Griechenland mit Panos Petrou. Petrou ist Redakteur der Zeitung Ergatiki Aristera, herausgegeben von DEA (Internationale Arbeiterlinke), einer Gründungsorganisation von SYRIZA und Teil der Linken Plattform von SYRIZA (siehe auch SoZ 9/2013).

Arbeitskämpfe 1. November 2013

Streik bei Gate Gourmet in Genf

Der landesweite Gesamtarbeitsvertrag wird gegen die Beschäftigten im Cateringbereich gewendet
von Nicola Cianferoni

Sechs Monate lang streikten die Kolleginnen und Kollegen von Gate Gourmet am Flughafen Düsseldorf für bessere Arbeitsbedingungen. Das war im Jahr 2006. Der Streik erregte großes Aufsehen und erfuhr viel Unterstützung. Seit dem 14.September 2013 wird nun auf dem Genfer Internationalen Flughafen gestreikt. Nach den Streiks bei Swissport, Dnata und ISS Aviation vor drei Jahren ist die Reihe an Gate Gourmet, dem weltweit führenden Restaurantunternehmen für Fluggesellschaften.

Europa 1. November 2013

«Das Ziel der Massnahmen ist, Flüchtlinge an der Abfahrt zu hindern»

Nach der Katastrophe vor Lampedusa

Fulvio Vassallo Paleologo über die Flüchtlingspolitik der EU

Der Hamburger Senat beruft sich auf das Dublin-II-Abkommen, das ihm angeblich gebietet, die afrikanischen Flüchtlinge nach Italien zurückzuschicken. Und die EU will angeblich Maßnahmen ergreifen, um die Seenotrettung zu verbessern. Angela Huemer sprach über diese Fragen mit dem italienischen Juristen und Aktivisten Fulvio Vassallo Paleologo.

Amerika 1. November 2013

Ein turbulentes Jahr in Kolumbien

Nationaler Agrarstreik zwingt Präsident zu Verhandlungen
von Werner Hörtner

Das zu Ende gehende Jahr war in Kolumbien von zwei historischen Ereignissen gekennzeichnet, die auf den ersten Blick nichts miteinander zu tun haben und doch in einer engen Beziehung zueinander stehen: einmal die Friedensverhandlungen zwischen der FARC-Guerilla und der Regierung sowie verschiedene Aufstände im Land, die schliesslich zum zweiten in einen «nationalen Agrarstreik» mündeten.

Afrika 1. November 2013

Eritrea – ein Land im Abseits

Warum aus diesem Land so viele Flüchtlinge kommen
von Angela Huemer

Die Mehrzahl der Flüchtlinge, die Anfang Oktober 2013 vor Lampedusa starben, waren Eritreer. Das erst seit 1993 unabhängige Eritrea entgeht systematisch der Aufmerksamkeit der Weltöffentlichkeit. Die ehemaligen Kolonialmächte Italien und England schweigen geflissentlich über ihre Verbrechen dort, und Präsident Isaias Afwerki sorgt für eine rigorose Abschottung des Landes und die massive Unterdrückung der eigenen Bevölkerung.

Arbeitskämpfe 1. November 2013

Bankangestellte in Griechenland wehren sich

Der Verband der Leiharbeiter im griechischen Bankensektor hat für den 17.Oktober zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen. Im nachstehenden Brief an die regulär beschäftigten Kolleginnen und Kollegen erklärt er seinen Schritt:

Bewegung 1. November 2013

Portugal zwischen Hoffnung, Widerstand und Alltagsbewältigung

von Michael Barg

Die geplanten Haushaltskürzungen für den Staatshaushalt Portugals in 2014 waren Anlass zu Großdemonstrationen am 19.Oktober in Porto und Lissabon. Die großen Gewerkschaften und Sozialverbände hatten aufgerufen, gegen Rentenkürzungen und Einsparungen im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich zu demonstrieren. Ab 2014 sollen alle Renten über 600 Euro um 10% gekürzt werden.

Globalisierung/Krieg 4. Oktober 2013

Die «Kriege gegen den Terror»

Teurer als der Zweite Weltkrieg

Die Kriege, die die NATO seit Anfang der 90er Jahre geführt hat, endeten allesamt mit Zuständen größerer Instabilität und Verarmung, mit enormen wirtschaftliche Rückschlägen für die direkt betroffenen Staaten, mit großen Menschenopfern und mit enormen finanziellen Kosten – auch für die NATO-Staaten selbst.

Nordafrika/Nahost 4. Oktober 2013

Die Sache mit den Chemiewaffen

von Angela Klein

Manchmal wäre es gut zuzugeben, dass das eigene politische Urteil eher von einem Vorurteil geprägt war als von Tatsachenkenntnis. So verhält es sich auch mit den Chemiewaffen des syrischen Diktators Assad: Es bedurfte eines Aufschreis der Welt, der amerikanischen Drohung mit einer Militärintervention und der russischen Vermittlung, bis Assad am 10.September endlich einräumte, er werde die Chemiewaffen aufgeben, von denen er immer behauptet hat, er habe sie nicht. Seine Propaganda wurde leider auch hierzulande von manchen Linken, die sich für Antiimperialisten halten, getreu wiederholt und die Wahrheit in geradezu grotesker Weise auf den Kopf gestellt:

Europa 1. Oktober 2013

Denkverbote und Alternativen in der Euro-Krise

Warum der Euro kein Dogma sein darf
von Birger Scholz

Einiges deutet auf ein langsames Ende der tiefen Rezession in Griechenland hin. Nach zwanzig Quartalen Rezession und einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von gut 30 Prozent ist das so überraschend nicht. Ein Ende dieser längsten Rezession in der Wirtschaftsgeschichte heißt jedoch keineswegs, dass es wieder steil aufwärts geht.

Arbeitskämpfe 1. Oktober 2013

Protesttage in Warschau

Sternmarsch statt Generalstreik
von Norbert Kollenda

Am 14. September nahmen 100–200.000 Menschen an einem Sternmarsch in Warschau teil. Dies war der Höhepunkt der viertägigen Proteste, die die drei großen Gewerkschaften Solidarnosc, OPZZ und FZZ vereinbart hatten.

Arbeitswelt 1. Oktober 2013

Wenn der Mindestlohn Lohndumping fördert

Der neue Kollektivvertrag in der Schweizerischen Metallindustrie
von Giuseppe Sergi

Am 1.Juli ist in der schweizerischen Metall- und Elektroindustrie ein neuer Gesamtarbeitsvertrag in Kraft getreten. Er betrifft etwa ein Drittel der 300.000 in diesem Sektor Beschäftigten, der für die eidgenössische Wirtschaft eine zentrale Bedeutung hat.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2013

Transatlantische Freihandelszone

Chance für einen Neustart der globalisierungskritischen Bewegung
von Ingo Schmidt

Seit Juli verhandeln die NAFTA-Mitglieder USA, Kanada und Mexiko mit der EU, deren Beitrittskandidaten und den EFTA-Staaten Schweiz, Norwegen, Island und Liechtenstein über eine ‚Transatlantic Trade and Investment Partnership’ (TTIP). Die Überlegungen dazu reichen bis in die 1990er Jahre zurück, als neben regionalen Handelsabkommen mit der Welthandelsorganisation WTO auch ein globales Rahmenwerk für Handel und Investitionen geschaffen wurde.

Europa 1. Oktober 2013

Tödlicher Nazi-Terror gegen Linke in Griechenland

von Paul Michel

Die rechtsextreme Partei Goldene Morgenröte (Chrysi Avgi) hetzt in Griechenland schon länger gegen Migranten, Homosexuelle und Linke. Nun hat einer ihrer Anhänger einen linksgerichteten Rapper bei einer Aktion eines organisierten Rollkommandos erstochen.

Arbeitskämpfe 1. Oktober 2013

Griechenland erlebt neue Streikwelle

Proteste gegen geplante Massenentlassungen
von Paul Michel

Seit dem 16.September, gibt es im öffentlichen Dienst in Griechenland massive Streikaktionen. Der jüngste Ausstand der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes richtet sich gegen eine von der griechischen Regierung mit der Gläubigertroika getroffene Vereinbarung. Unter dem Druck der internationalen Geldgeber will die Regierung in Athen bis Ende 2014 15.000 Staatsbedienstete entlassen, davon 4000 noch in diesem Jahr.

Bewegung 1. Oktober 2013

Den antifaschistischen Kampf in den Mittelpunkt rücken!

Aus einer Erklärung von Kokkino (Rot)

Die kaltblütige Ermordung des 34 Jahre alten Paulos Fyssas durch Neonazis bewertet die Organisation Kokkino (Rot) vom linken Flügel der Partei Syriza als „Anfang eines völlig neuen Abschnitts in der Vorgehensweise der Faschisten“ und als „offene Kriegserklärung der Faschisten an die Linke und die Arbeiterbewegung“.

Nordafrika/Nahost 1. Oktober 2013

Leiden und Mut in der syrischen Revolution

Eindrücke von einer Reise nach Syrien
von Franka Holland

Nach drei Wochen in Syrien, in der grenznahen Region zur Türkei und in Istanbul, wo die Autorin jeweils zahlreiche Gespräche mit syrischen AktivistInnen führte, erscheint die Positionsbildung und Debatte zur syrischen Revolution in der deutschen Linken noch unwirklicher. Franka Holland bereiste Syrien im Sommer 2013.

Nordafrika/Nahost 1. Oktober 2013

Die Islamisten an der Arbeit

Erfahrungen mit der islamischen Regierung in Tunesien und Ägypten
von Bernard Schmid

Während die Einbindung radikal-islamistischer Kräfte sowie das Ignorieren der alltäglichen Bedürfnisse der Bevölkerung zum gewaltsamen Aus für die Regierung der Muslimbrüder in Ägypten führten, ließ die tunesische islamistische Regierungspartei, die eine Drei-Parteien-Koalition anführt, nach der Ermordung eines linken Intellektuellen radikale Moslems wie eine heiße Kartoffel fallen.

Europa 1. September 2013

Nach der Wahl die Grausamkeiten

Pläne für eine weitere Sparrunde liegen bereits in der Schublade – streng geheim
von Paul Michel

Unspektakulär dümpelt der Wahlkampf dahin, die Kanzlerin kann sich im Umfragehoch sonnen. Sollte die FDP den Wiedereinzug ins Parlament schaffen, können sich Angela Merkels Wahlkampfstrategen die Hände reiben. Denn die Regierung verspricht im Wahlkampf einige optische Verbesserungen für ihr Klientel. Die dürften aber nach den Wahlen Makulatur sein. Denn im Haus ihres wichtigsten Mannes, Finanzminister Schäuble, liegen bereits die Blaupausen für eine Agenda 2020.

Nordafrika/Nahost 1. September 2013

Ägypten: Blutbad am Nil

die Redaktion

Anfang Juli hat die ägyptische Armee die große Unzufriedenheit in der Bevölkerung über die Politik der Regierung Mursi, die sich in Massendemonstrationen und einer starken Absetzbewegung von den Muslimbrüdern bemerkbar gemacht hatte, dazu genutzt, diese Regierung handstreichartig abzusetzen und eine Übergangsregierung einzusetzen, an der sie selbst in Person des Verteidigungsministers al-Sisi beteiligt und die ihr zum größten Teil hörig ist.

Nordafrika/Nahost 1. September 2013

«Ich fühle mich wie ein Ball, den man in jede Richtung treten kann»

Der Prozess gegen Dogan Akhanli wurde vertagt
von Peter Bach

Dogan Akhanli ist ein türkischstämmiger Schriftsteller, der seit 1995 in Köln lebt. In der Türkei wurde er von der Militärjunta verfolgt und saß zwei Jahre im Militärgefängnis in Istanbul. Am 10.August 2010 versuchte Akhanli, in die Türkei einzureisen, dabei wurde er festgenommen und mehrere Monate in Untersuchungshaft gesperrt; angeblich soll er 1989 an einem Raubüberfall teilgenommen haben. Am 12.Oktober 2011 wurde er aus Mangel an Beweisen freigesprochen. Am 31.7.2013 wurde in Istanbul erneut über Dogan Akhanli verhandelt.

Europa 1. September 2013

SYRIZA auf dem Weg zur Wahlpartei

Der Parteitag im Juli hat den Charakter des ehemaligen Bündnisses verändert
von Stathis Kouvelakis

Vom 10. bis 14.Juli fand im Athener Taekwondo-Stadion der Gründungsparteitag von SYRIZA-EKM statt. Der knapp 91-jährige Manolis Glezos wehrte sich dagegen, seine Bewegung der aktiven Bürger aufzulösen. Aus Protest trat er seinen Sitz im Parteitagspräsidium nicht an.

Europa 1. September 2013

Die Schweiz und Deutschland im Zweiten Weltkrieg

von Charles-André Udry

Die Beziehungen zwischen dem helvetischen und dem deutschen Kapitalismus waren während des Zweiten Weltkriegs besonders eng. Darüber ist geforscht worden, unter anderem von einer offiziellen Kommission in der Schweiz unter der Leitung von Jean-François Bergier. Der Bergier-Bericht wird nun von den Rechten angegriffen.

Europa 1. September 2013

Deutschland und die Schweiz: Partner in der Konkurrenz

von Charles-André Udry

Von einem deutschen Kapitalismus zu sprechen, ist eher missbräuchlich. Denn seit rund 15 Jahren unterläuft dieser einen Prozess zunehmender Fusionen mit dem Kapital seines Hinterlands – und das Hinterland reicht über Kroatien, Slowenien, der Slowakei, der Tschechischen Republik bis nach Polen und Ungarn. Darüber hinaus hat die gegenseitige Durchdringung des deutschen, schweizerischen, österreichischen, holländischen Kapitals eine Art Kernland des europäischen Kapitalismus geschaffen.

Europa 1. September 2013

Müllskandal in Griechenland

Deponie im Trinkwasserschutzgebiet
von Paul B. Kleiser

Mitten in ein idyllisches Erholungsgebiet auf dem Peloponnes wird eine 60 Hektar große Mülldeponie gebaut. «In Griechenland ist das Absurde die Regel und das Vernünftige die Ausnahme», sagt der griechische Schriftsteller Christos Ikonomou. Man findet das bestätigt, wenn man die Geschichte der Müllkippe recherchiert, die die Stadt Egio am Rande der Gemeinde Kamares am Golf von Korinth plant.

Globalisierung/Krieg 1. September 2013

EU-USA-Freihandelsabkommen TTIP

Eine transatlantische Verfassung für die Konzerne
von Pia Eberhardt

Genfood, Hormonfleisch und Chlorhühnchen auf den Tellern. Kaum noch Tests zur Überprüfung der Sicherheit von Chemikalien. Niedrigere Arbeits- und Sozialstandards. Das könnte das geplante Freihandelsabkommen TTIP (Transatlantic Trade and Investment Partnership) zwischen der EU und den USA Verbrauchern und Beschäftigten bescheren. Seit Juli laufen die Verhandlungen.

Nordafrika/Nahost 1. September 2013

Syrien in den Wirbeln des Todes

Hilferuf eines Bloggers
Vorbemerkung: Am Morgen des 21.August hat die syrische Armee begonnen, die östlichen Vorstädte von Damaskus zu bombardieren. Einige davon sind seit Anfang des Jahres unter der Kontrolle der Rebellen. Die oppositionsnahe Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte gab an, Regierungstruppen hätten die Gegend um Ghuta in der Nacht von Kampfflugzeugen aus bombardiert und Raketenwerfer eingesetzt. Bei den Angriffen sollen auch Chemiewaffen eingesetzt worden sein – das jedenfalls berichten übereinstimmend mehrere Gruppen von Aufständischen, sowie syrische Partner von medico international.

Nordafrika/Nahost 1. September 2013

Die kurdische Frage, die Freie Syrische Armee und die Islamisten

von Joseph Daher

In der letzten Zeit gab es im Nordosten Syriens, wo die kurdische Bevölkerung die Mehrheit bildet, vermehrt Kämpfe zwischen den kurdischen Milizen der Volksverteidigungseinheiten (YPG) und islamistischen Gruppen. Die YPG sind der bewaffnete Flügel der Partei der Demokratischen Union (PYD), das ist der syrische Ableger der Kurdischen Arbeiterpartei (PKK); die islamistischen Gruppen sind in diesem Fall die al-Nusra-Front und die Gruppe Islamischer Staat im Irak und Großsyrien (ISIS).

Nordafrika/Nahost 1. September 2013

Einige Überlegungen zur Krise in Ägypten

Das erste Ziel muss die Klassenunabhängigkeit sein
von Pierre Rousset

Ich bin kein Ägyptenspezialist. Ich informiere mich anhand qualitativ hochwertiger Berichte und Analysen von Aktivisten.. Ich vergleiche sie mit den asiatischen Erfahrungen, über die ich mehr weiß, wobei mir klar ist, dass Analogien eher helfen, Fragen zu stellen und Hypothesen zu entwerfen, als Antworten zu finden.

Amerika 1. September 2013

«Ich will keinen Ball, ich will eine Schule»

Fahrpreise, Fußball, Homophobie: Hintergründe der Massenproteste in Brasilien

Die Verlierer der brasilianischen Wirtschaftsaufstiegs sind die mittleren Schichten der Lohnabhängigen, sagt JOÃO MACHADO* im Gespräch mit solidaritéS, Schweiz.

Bewegung 5. Juli 2013

Frankfurt – Istanbul 2

Erdogan muss weg!

Am 22.Juni folgten 30.000–40.000 Menschen dem Aufruf der Alevitischen Gemeinde zu einer Großkundgebung nach Köln – bedeutend mehr, als die Organisatoren erwartet hatten – und brachten ihre Solidarität mit den Protesten gegen Erdogan zum Ausdruck.

Arbeitskämpfe 5. Juli 2013

Die Beschäftigten im Textilbereich können sich jetzt organisieren

Heiner Koehnen (TIE) über internationale Solidarität am Beispiel des Brandschutzabkommens für Bangladesh

Am 24.April stürzte bei einem Brand in der Nähe von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh, ein achtstöckiges Gebäude mit mehreren Fabriken ein; 1100 Menschen verloren dabei ihr Leben, über 2500 wurden verletzt. Die Bilder gingen um die Welt und führten zu verbreiteter Empörung über die Arbeitsbedingungen im Bekleidungssektor in Südasien.

Europa 5. Juli 2013

«Linke Einheit» in Großbritannien

Links von Labour soll eine neue Partei entstehen
von Alan Thornett

Die Auswirkungen der Sparpolitik haben die Politik in Großbritannien ins Chaos gestürzt. Beide Parteien der Regierungskoalition (die Tories und die Liberaldemokraten) haben bei den Kommunalwahlen Anfang Mai an die Unabhängigskeitspartei UKIP verloren, eine rechtspopulistische und migrantenfeindliche Partei, die alle großen Parteien nach rechts zieht. Die Labour Party hat besser, aber dennoch sehr bescheiden abgeschnitten. Sie vertritt eine eigene Version der Sparpolitik und hat selber der migrantenfeindlichen Stimmung Vorschub geleistet.

Bewegung 5. Juli 2013

Alter Summit und griechische Linke

Eine Woche in Athen
von Michael Aggelidis

Michael Aggelidis* hat zusammen mit Franka Holland und Manuel Kellner am Alter Summit in Athen teilgenommen. Der Vorbereitungskreis für den Summit hatte schon im Vorfeld ein Manifest erarbeitet, das dort dann «verabschiedet» wurde. Die Reise bot hauptsächlich Gelegenheit, mit SYRIZA-Linken zu sprechen.

Europa 5. Juli 2013

Überall ist Taksim! Überall ist Widerstand!

Ein Brief aus Istanbul
von Tayfun Guttstadt

Der Aufstand rund um den Gezi-Park, einem der letzten grünen Flecken im Herzen Istanbuls, begann am 27.Mai. Er konnte erst am 16.Juni von der Polizei geräumt werden, drei Wochen dauerten die Zusammenstöße zwischen der Polizei und den Parkschützern, zu denen sich immer mehr Menschen gesellten, die mit Erdogan ganz eigene Hühnchen zu rupfen haben. Der Preis dafür war die paramilitärische Repression war eine Ausweitung der Proteste auf das ganze Land, vor allem auch auf die Hauptstadt Ankara.

Bewegung 5. Juli 2013

Ein Volk wird zur «Besatzungsmacht»

Die Protestbewegung sucht nach neuen Formen der Demokratie
von Mehmet Çalli

Vor zwei Jahren beschloss das Stadtparlament von Istanbul, auf dem Gelände des Gezi-Parks am Taksim-Platz die frühere Topcu-Kaserne wieder aufzubauen. Damals konnte niemand ahnen, dass mit diesem Beschluss der Grundstein für eine Widerstandsbewegung gelegt würde, die drei Wochen lang die Türkei tief erschüttern und die ganze Welt in Atem halten sollte.

Europa 5. Juli 2013

«Rebellieren ist etwas, worauf man stolz ist»

Özlem Onaran über die Aufstände in der Türkei

In der Türkei hat sich eine neue Generation erhoben, die unter der konservativ-neoliberalen und autoritären Führung der AKP aufgewachsen ist. Was sind die Gründe für ihre Unzufriedenheit? Was haben Taksim, Tahrir und Syntagma gemeinsam?

Europa 5. Juli 2013

Taksim, von Beytüssebap aus gesehen

von Ulf Petersen

Die ganze Welt schaute im Juni gebannt auf Istanbul. Die Kleinstadt Beytüssebap in den Bergen kurz vor der Grenze zum Irak ist etwa 1300 Kilometer vom Gezi-Park entfernt. Sie ist eine Hochburg des 1984 begonnen Kampfes der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans). Was bedeutet «Überall ist Taksim, überall ist Widerstand» für den kurdischen Südosten der Türkei?

Bewegung 5. Juli 2013

Riots in Schweden

Viele junge Menschen haben keine Perspektive mehr
von Anders Svensson

Am 19.Mai 2013 begannen Aufstände migrantischer Jugendlicher in Husby, einem verwahrlosten Stadtteil im Norden von Stockholm – dem Vernehmen nach, weil eine Woche zuvor ein älterer Mann von der Polizei erschossen worden war, nachdem er angeblich Polizisten gedroht hatte, sie mit einer Machete umzubringen. Die Aufstände sprangen bald auf andere arme Stadtteile und auch auf andere Städte wie Örebro, Linköping, Södertälje und Göteborg über.

Europa 5. Juli 2013

Polen schwenkt nach rechts

Linke auf dem Rückzug
von Jaroslaw Urbanski

Will man den Zustand der polnischen Linken verstehen, muss man zur Situation nach 1989 zurückgehen. Die «Transformation» damals hat Nachwirkungen bis heute, vor allem in Form hoher Arbeitslosigkeit – im jährlichen Durchschnitt beträgt sie seit 1990 13,9%. Dies hat zu einer Arbeitsemigration von über 2 Millionen Menschen, einem Anwachsen sozialer Ungleichheit und einer immer stärker hervortretenden Armut in unterschiedlichen Formen geführt.

Nordafrika/Nahost 5. Juli 2013

Wie kann Solidarität mit der demokratischen Opposition in Syrien aussehen?

Sand ins Getriebe der Rüstungswirtschaft
von Arno Klönne

Einiges in den Texten zum Thema Syrien in der SoZ-Juniausgabe kommt mir fragwürdig vor. Schon das Zitat aus dem Beitrag von Gilbert Achcar auf der Titelseite – da wird «dem Westen» vorgeworfen, er habe in Syrien «die demokratische Opposition» nicht «unterstützt» und so die Chancen zum Umbruch  in Syrien vermasselt. Aber wer ist «der Westen»? Die regierenden Machtgruppen in den NATO-Staaten?

Nordafrika/Nahost 5. Juli 2013

Ein Besuch bei Assad

Internationale Friedensinitiative hofft auf zivilgesellschaftliche Konferenz

Eine Delegation der «Internationalen Friedensinitiative für Syrien» aus zwölf hervorragenden Vertretern der Zivilgesellschaft aus neun Ländern*, ist vom 2. bis 8.Juni erst nach Beirut und dann nach Damaskus gereist und hat in Syrien Vertreter der Regierung und der Opposition getroffen, u.a. den Vizeaußenminister, den Informationsminister, den Mufti, führende Mitglieder der internen Opposition, und konnte zwei Stunden «off the records» mit Bashar al-Assad persönlich sprechen. Die SoZ sprach mit LEO GABRIEL, dem Koordinator der Delegation.

Arbeitskämpfe 5. Juli 2013

ERT-Sender in Griechenland wird geschlossen

Samaras überreizt und erntet Sturm
von Paul Michel

In einer Nacht- und Nebelaktion verfügte Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras ohne Rücksprache mit seinen Koalitionspartnern aus PASOK und Dimar am 11.Juni 2013 die Schließung des staatlichen Rundfunk- und Fernsehsenders ERT. Damit wurden von einem Moment auf den anderen rund 2700 Beschäftigte arbeitslos. Es darf davon ausgegangen werden, dass bei der Entscheidung zur Schließung des Senders die Troika ihre Finger im Spiel hatte.

Europa 5. Juli 2013

Für eine Föderative Republik Europa

Aufruf von Karl Heinz Roth, Marcel van der Linden, Gregor Kritidis u.a.

In der Debatte um einen Austritt aus der Eurozone haben sich zuletzt auch Karl Heinz Roth und eine Reihe anderer linker Intellektueller zu Wort gemeldet. Sein «Aufruf für ein egalitäres Europa» stellt sich bewusst in die Tradition des linkssozialistischen und antifaschistischen Europagedankens und greift damit einen Faden wieder auf, der in Deutschland lange gerissen war.

Arbeitskämpfe 12. Juni 2013

Streik der Hafenarbeiter in Hongkong

«Ich arbeite neben meiner Scheiße, ich esse neben meiner Scheiße»
von Frido Wenten

Am 28.März traten die Hafenarbeiter in Hongkong, die meistens Leiharbeiter sind, in einen 40tägigen Streik für höhere Löhne. Er traf auf große Unterstützung in der Bevölkerung des Stadtstaats und hatte großes internationales Echo.

Europa 12. Juni 2013

Manifest europäischer Ökonomen

Was tun mit dem Euro?

In der Linkspartei tobt derzeit die Debatte um den Umgang mit Europa: Soll man aus dem Euro aussteigen oder soll man Europa verteidigen? Ein Kreis von linken Ökonomen, der auf dem Sozialforum in Tunis aufgetreten ist, hält beide Ansätze für falsch und entwirft ein kleines Übergangsprogramm für den Ausstieg aus der Krise. Die vollständige Fassung erscheint in Emanzipation, Sommer 2013.

Europa 12. Juni 2013

Frankreich: Die Homo-Ehe und das Trauma von 1789

Der Streit um die Homo-Ehe hat eine neue rechte Bewegung hervorgebracht
von Bernard Schmid

Zuerst die gute Nachricht: Die amtierende sozialdemokratisch-grüne Regierung hat ein Wahlversprechen, das eine progressive Veränderung beinhaltet, eingelöst. Ein einziges, und es wird wohl für längere Zeit auch das einzige bleiben. Es wurde wohl nur deswegen eingelöst, weil es «keinen Konflikt mit der Wirtschaft» auslöste und unmittelbar kein Geld kostete. Doch mit einem derartigen Aufruhr um das Thema hatte die sozialdemokratisch-grüne Regierung nicht gerechnet.

Nordafrika/Nahost 12. Juni 2013

Zwischen Bürgerkrieg und ausländischen Interessen

Die demokratische Opposition in Syrien
von Angela Klein

Der britische Sender BBC stellte am 16.Mai ein Video auf seine Homepage, das «Berichte über Chemiewaffenangriffe in der nordsyrischen Stadt Sarageb am 29.April zu bestätigen scheint. Augenzeugen und Opfer sagen, Hubschrauber der Regierung hätten mindestens zwei Behälter mit Giftgas über der Stadt abgeworfen.» Die Ärzte im städtischen Krankenhaus führten Notbehandlungen mit dekontaminierende Duschen und Abgabe von Atropin durch – das u.a. als Gegengift bei Vergiftungen mit Nervenkampfstoffen eingesetzt wird –, bevor die Opfer in ein Krankenhaus in die Türkei gebracht wurden.

Nordafrika/Nahost 12. Juni 2013

Assads Chemiewaffen

von A. Ahmed Abdul Razaq

Nach wie vor gibt es in der weltweit veröffentlichten Meinung keine Klarheit über den Einsatz von Chemiewaffen in Syrien. Das Regime von Bashar al-Assad lässt die UNO-Inspekteure nicht ins Land. Allein das spricht Bände. Für besondere Verwirrung hat Carla Del Ponte gesorgt.

Nordafrika/Nahost 12. Juni 2013

Freedom Spray

Ein Reisebericht aus Syrien
von Julia Bar-Tal

Der nachstehende Reisebericht stammt vom Januar 2013. Die Autorin möchte, dass er vor dem Hintergrund der rapiden Entwicklungen und in Anbetracht der Aktualität beachtet wird. Er stellt einen kleinen Ausschnitt dessen dar, was in Syrien passiert.

Nordafrika/Nahost 12. Juni 2013

«Die demokratische Opposition ist auf tragische Weise alleingelassen»

Gilbert Achcar über die Interessen der ausländischen Mächte in Syrien

Weil die demokratische Opposition im Ausland keine Unterstützung findet, gewinnen Extremisten die Oberhand und der Diktatur wird der Rücken gestärkt.

FIND–FIX–FINISH!

Die gezielte Tötung als neue Form von Krieg und Bürgerkrieg – Teil 3 und Schluss: Drohne und Ausnahmezustand
von Wolfgang Ratzel

Stell dir vor, du bist ein Systemfeind und liegst im Bett, kuschelig, warm und träumst halbwach in der Dämmerung des neuen Tages. Da kracht die Tür aus dem Rahmen, wooooaammm!! «Polizei! Polizei!» Aus dem Dunkeln erscheinen vermummte Gestalten: «Keine Bewegung!» «Hände auf die Decke!» «Wir wollen deine Hände sehen!» Kreuzweise sind Maschinenpistolen auf dich gerichtet. Du legst die Hände auf die Decke. Der erste Vermummte reißt dich aus dem Bett, verdreht dir die Arme, Handschellen klicken. Dein Kopf ist zur Erde gewandt.

Nordafrika/Nahost 12. Juni 2013

Solidarität mit dem syrischen Kampf für Würde und Freiheit

Petition der Kampagne für weltweite Solidarität mit der syrischen Revolution

Am nachfolgenden Aufruf, der aus Deutschland nur eine einzige Unterschrift trägt, hat sich eine kontroverse Diskussion entspannt, die sehr grundsätzliche Fragen internationaler Solidarität aufwirft. Wir dokumentieren den Aufruf sowie zwei Diskussionsbeiträge, stellvertretend für andere.

Nordafrika/Nahost 12. Juni 2013

Syrien: Debatte über den Charakter des Konflikts

Den syrischen Staat gegen imperialistische Einmischung verteidigen!

Am Aufruf „Solidarität mit dem syrischen Kampf für Würde und Freiheit“, der aus Deutschland nur eine einzige Unterschrift trägt, hat sich eine kontroverse Diskussion entspannt, die sehr grundsätzliche Fragen internationaler Solidarität aufwirft. Wir dokumentieren den Aufruf sowie zwei Diskussionsbeiträge, stellvertretend für andere.

Bewegung 30. Mai 2013

Das Weltsozialforum

Ein Instrument der Vergangenheit oder auch für die Zukunft?
von Esther Vivas

Seit dem Ersten Weltsozialforum (WSF) im Januar 2001, gedacht als Kontrapunkt zum Weltwirtschaftsforum in Davos und deshalb zeitgleich mit ihm, ist viel Zeit vergangen. Das WSF ist aus der Bewegung gegen die kapitalistische Globalisierung entstanden und zeitweise zu einer Antikriegsbewegung geworden.

Bewegung 30. Mai 2013

Das WSF in Tunis

Eine Veranstaltung mit Perspektive
von Johann Schögler

Vom 26. bis 30.März 2013 fand in Tunis das diesjährige Weltsozialforum (WSF) statt. Zum ersten Mal war es in einem arabischsprachigen Land zu Gast – eine notwendige Konsequenz aus den Umbrüchen zwischen Marokko und dem Arabisch-Persischen Golf seit Anfang 2011.

Europa 30. Mai 2013

Die Aussicht auf eine große Koalition bringt Italien in Wallung

Neues Feuer für die radikale Linke
von Angela Klein

Einen Staatsstreich nannte Beppe Grillo, neues Enfant terrible der italienischen Politik, die Wiederwahl von Staatspräsident Napolitano. Ein sprachlicher Exzess, sicher, und unzutreffend, denn die Armee wurde nicht – brauchte nicht – dafür zur Hilfe gerufen (zu werden). Es reichte die Absprache zwischen Berlusconi und dem Führer der Demokratischen Partei (PD), Bersani.

Arbeitskämpfe 30. Mai 2013

Generalstreik in Oberschlesien

«Einer für alle, alle für einen!»
von Bernd Gehrke

Unter der Losung der vier Musketiere ruhte am 26.März für mehrere Stunden die Arbeit im öffentlichen Personennahverkehr, bei der Eisenbahn, im Großteil der Kohlegruben, Stahl- und Hüttenwerke, aber auch in einigen Teilen des Gesundheitswesens und der Unterricht an vielen Schulen. Rund 100.000 Beschäftigte aus etwa 600 Betrieben beteiligten sich am Generalstreik in der polnischen Wojewodschaft Slask (Schlesien).

Europa 30. Mai 2013

Statt Zuschuss gibt es jetzt Schulden

Erwerbslose Existenzgründer werden mit Mikrokrediten gelockt – und aufs Kreuz gelegt
von Gerhard Klas

Sparen, sparen heißt es in der Krise. Vor allem bei denen, die sowieso wenig haben: den Erwerbslosen. In Deutschland sollen sie sich jetzt selbst aus der Misere befreien – mit Hilfe von Mikrokrediten.

Europa 30. Mai 2013

Chrysi Avghi: Stiefelnazis, keine Rechtspopulisten

Dimitris Psarras über Hintergrund und Charakter der «Goldenen Morgenröte»

Weimar in Athen: Im Zusammenbruch des politischen Systems und dem kometenhaften Aufschwung einer Nazipartei des alten Typs scheint sich Geschichte zu wiederholen. Auch die notwendige antifaschistische Einheitsfront ist eine Lektion, die nochmal zu lernen ist.

FIND–FIX–FINISH!

Die gezielte Tötung als neue Form von Krieg und Bürgerkrieg
Teil 2:
Über den Drohnenkrieg gegen den inneren Feind
von Wolfgang Ratzel

Stell dir vor, du bist eine Systemfeindin oder ein Systemfeind; du erwachst nach einer lauen Sommernacht; du räkelst und streckst dich in den Morgen. Als du aber deine Augen aufschlägst, blinzelst du nicht in gleißende Sonnenstrahlen, sondern in etwas, das aussieht wie ein Spielzeug-Helikopter, feingliedrig, winzig, putzig, mit vier leise sirrenden Kleinstrotoren; lustig rot-gelb gestreift; mit zwei winzigen röhrchenhaften Öffnungen, die an einen Mund erinnern, der dir etwas mitteilen will.

Bewegung 1. Mai 2013

Totgesagte leben länger

Das Weltsozialforum in Tunis 2013 war ein interkultureller Erfolg
von Leo Gabriel

«Ist das Weltsozialforum überhaupt relevant?», lautete die vom US-amerikanischen Politologen Immanuel Wallerstein aufgeworfene Gretchenfrage, die das Weltsozialforum seit seiner Gründung im Januar 2001 in Porto Alegre, Brasilien, begleitet. An dieser Frage rieben sich immer wieder diejenigen, die das WSF als eine Art weltweiter Avantgarde eines in sich tief gespaltenen Globalisierungsprozesses sehen wollen, mit jenen, die es als gigantischen Treffpunkt hunderter, ja tausender Initiativen ansehen, die den vorherrschenden neoliberalen, kriegstreiberisch-gewalttätigen, umweltzerstörerischen, von Rassismus und Sexismus geprägten Systemen eine realistische Alternative entgegensetzen wollen.

In die eigene Kraft vertrauen

Öcalans Friedensappell und die Reaktionen unter den Kurden
von Nick Brauns

In einem Friedensappell hat der gefangene Vorsitzende der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, anlässlich des kurdischen Newroz-Fests am 21.März zu einem Rückzug der Guerilla aus der Türkei aufgerufen. Vor zwei Millionen Menschen wurde in Diyarbakir die Erklärung verlesen, in der Öcalan zur Freiheit und Geschwisterlichkeit der bislang durch imperialistische Interventionskriege und künstliche Grenzen gegeneinander aufgehetzten und unterdrückten Völker im Mittleren Osten aufruft: «Eine Tür öffnet sich von der Phase des bewaffneten Widerstands zur Phase der demokratischen Politik.»

Bewegung 1. Mai 2013

Griechenland: Überleben in der Krise

Die Selbsthilfe der landwirtschaftlichen Produzenten
von Ilona Herrmann

Lohn- und Gehaltssenkungen, Rentenkürzungen bis zu 40% und ein Mindestlohn von 492 Euro bringen immer mehr Menschen in Griechenland in extreme Armut. Hinzu kommen eine Arbeitslosenquote von 27% und eine Jugendarbeitslosigkeit von 60%. Mittlerweile hat Griechenland, gefolgt von Spanien, die höchste Erwerbslosenquote der Welt erreicht. Arbeitslosengeld von 360 Euro gibt es für maximal 18 Monate (ab 2014 nur noch 16 Monate), danach ist Schluss, andere Sozialleistungen gibt es nicht. Die Zahl der Obdachlosen ist seit Beginn der Krise um 30% gestiegen. Die Lebensverhältnisse der Armen werden immer öfter mit der Hungerkatastrophe von 1941 zu Beginn der deutschen Besatzung verglichen. Um zu überleben sind die Menschen auf Suppenküchen, Spenden, Tauschhandel und kostenlose medizinische Versorgung angewiesen.

Flucht/Migration 1. Mai 2013

Weltsozialforum in Tunis

Verbindungen zu aktuellen Kämpfen vor Ort

Das Weltsozialforum begreift sich nicht nur als Forum der Debatte, es will auch aktuelle Kämpfe länderübergreifend vernetzen. In Tunis ergab sich dazu Gelegenheit in Bezug auf einen Call-Center-Streik und auf den Kampf von Flüchtlingen in einem tunesischen Lager.

60.000 TeilnehmerInnen, darunter 80 Prozent aus dem Inland, also aus Tunesien selbst. 1750 beteiligte Initiativen und Organisationen aus Tunesien, 454 französische, 350 marokkanische Organisationen, 200 ägyptische und 160 brasilianische: So lauten einige Zahlen zum diesjährigen Weltsozialforum (WSF), das Ende März in Tunis stattfand.

Amerika 25. April 2013

Hugo Chávez (1954–2013)

Der gebremste Rebell
von Nick Rogers

Wenn jemand auf dem Höhepunkt seiner Karriere stirbt, nachdem er zum vierten Mal und zuletzt mit einem Abstand von 10% zum Präsidenten gewählt worden ist, scheint es vielleicht voreilig, über seine Hinterlassenschaft ein endgültiges Urteil abzugeben. Die Nagelprobe auf das, was von Hugo Chávez bleibt, kommt dann, wenn der Stab an andere übergeben wird.

Europa 25. April 2013

Milliardär Stronach

So wenig Steuern wie möglich
von Dieter Braeg

Bei den Landtagswahlen in Kärnten und Niederösterreich am 3.März 2013 stellte sich das Team Stronach erstmals zur Wahl und erzielte 11,3% in Kärnten und 9,8% in Niederösterreich.  Obwohl die Partei bisher kein Programm hat (es soll im April präsentiert werden) kämpft es mit neoliberalen Schlagworten, garniert mit großer EU-Skepsis.

Globalisierung/Krieg 25. April 2013

Gezielte Tötung – die Zukunft von Krieg und Bürgerkrieg

Find–Fix–Finish!
von Wolfgang Ratzel

«Stell dir vor, es ist Krieg und keiner geht hin.» Dieser Wunschtraum der Friedensbewegungen aller Länder könnte bald globale Wirklichkeit werden, aber anders als gedacht: Es geht nämlich keiner hin, weil Drohnen, Mikro- und Nanoroboter «hingehen». Diese Zukunft des Krieges als Schattenkrieg der gezielten Tötung ist bei einigen, aber längst nicht bei allen, Aufrufen zu den Ostermärschen angekommen.

Europa 25. April 2013

Parlamentswahlen in Italien am 26.Februar

Auch die Zweite Republik ist am Ende
von Salvatore Cannavò

Die vergangenen Parlamentswahlen in Italien haben erneut einen Bruch im politischen System gebracht. Die Kandidaten der Troika wurden abgestraft, von der «radikalen» Linken ist parlamentarisch nichts übriggeblieben. Dafür hat es eine Antiparteienbewegung, die ausdrücklich gegen das politische Establishment aufgetreten ist, zur landesweit drittstärksten Kraft gebracht. Das Wahlforschungsinstitut Istituto Cattaneo hat das Wahlergebnis auf der Basis der absoluten Stimmen analysiert und kommt zu folgenden Ergebnissen.

Europa 25. April 2013

Verloren hat die Troika

Aber die alte Linke ist tot

Bei den Wahlen zum italienischen Parlament am 26.Februar 2013 endeten all diejenigen abgeschlagen, die dem Sparkurs der Troika (EU-Kommission, EZB und IWF) die Stange gehalten haben: der Technokratenregent Monti und die Demokratische Partei (PD), die ihn bis zum Schluss aus Gründen der Staatsräson unterstützt hat. Die Sparpolitik hat nicht überzeugt und keine Unterstützung gefunden. Wer sich, wie Berlusconi, rechtzeitig davon abgesetzt hat, konnte seine Haut noch retten, wer sich auf dem Altar der EZB geopfert hat, wurde vernichtet.

Europa 25. April 2013

Wer hat für Grillo gestimmt?

von Salvatore Cannavò

Die Stimmen für Grillo werden häufig als Proteststimmen bezeichnet. Doch um welchen Protest handelt es sich? Ein Protest gegen die «Kaste» der Berufspolitiker, sicher. Schaut man aber näher hin, stellt man jedoch fest, dass Grillo vor allem dort Stimmen geholt hat, wo es starke soziale Bewegungen gab: Umweltbewegungen oder Arbeiterproteste. Hierzu ein kleiner Überblick:

Europa 25. April 2013

Grillo folgt einer rechten Ideologie

von Wu Ming

Wir sind überzeugt, dass der Grillismus im wesentlichen eine rechte Ideologie und Weltanschauung transportiert. Die Diskurse der beiden Chefs, Grillo und Casaleggio, sind eine Mixtur aus verschiedenen Populismen und interklassistischen Mythen, mit starken Elementen des Liberalismus und sogar der «anarchokapitalistischen» Rechten in den USA (nicht umsonst hat ein herausragender Vertreter der Bewegung, Vittorio Bertola, gerade hier auf Giap erklärt: «Ich mag Ron Paul»). Bei einigen Themen, z.B. Einwanderung, wurden auf dem Blog von Grillo und auch in Teilen seiner Bewegung geradezu krypto-faschistische Äußerungen getan.

Europa 25. April 2013

Lange Gesichter auf der Linken

von Michele Corsi

Als Linker müsste sich jemand begreifen, der sich in einem Konflikt zwischen einem sozial Unterdrückten oder Schwachen oder Diskriminierten… und einem Unterdrücker oder Privilegierten… auf die Seite des ersteren stellt. Von diesem Standpunkt aus gesehen ist das Wahlergebnis Anlass zur Freude. Wenn die Leute eine Stimme gegen das System abgeben wollten, warum haben sie dann nicht die Parteien oder Wahlbündnisse der radikalen Linken gewählt, SEL oder Rivoluzione Civile? Ganz einfach, weil sie nicht glaubwürdig waren.

Europa 25. April 2013

Zusammenschluss in der Gegenwehr

Konferenz der SYRIZA-Linken in Athen
von Paul B. Kleiser

Vom 1. bis 3.März fand in Athen eine Konferenz der SYRIZA-Linken mit internationaler Beteiligung statt. Die Konferenz wurde im Wesentlichen von den innerparteilichen Strömungen DEA, Kokkino und APO vorbereitet, die früher alle dem griechischen Ableger der britischen SWP angehörten. An der Konferenz nahmen bis zu tausend Menschen teil.

Nordafrika/Nahost 25. April 2013

Tunesien im Jahr 2 der Revolution

Die Regierungspartei steht von allen Seiten unter Druck

von Bernard Schmid

Es wirkt wie ein bitteres Déjà-vu: Am Dienstag, dem 12.März, verbrennt sich ein 27-jähriger junger Arbeitsloser, der mangels anderer Verdienstmöglichkeit auf der Straße Zigaretten verkauft, um seine Mutter und seine drei Brüder zu versorgen. Dabei ruft er: «Seht her, hier ist die Jugend, die Zigaretten verkauft, hier ist die Arbeitslosigkeit!» Am folgenden Tag stirbt er an den Folgen seiner Brandverletzungen.

Arbeitskämpfe 25. April 2013

Indien: Ein Generalstreik von monströsen Ausmaßen

von Lutz Getzschmann

Etwa 100 Millionen Menschen beteiligten sich am 20. und 21.Februar an einem zweitägigen Generalstreik in Indien, sie sorgten dafür, dass in vielen Teilen des Landes das alltägliche Leben vollständig zum Stillstand kam, in anderen Landesteilen stark beeinträchtigt war.

Arbeitskämpfe 25. April 2013

China: Die Rolle der Gewerkschaften und die Qualität der Arbeitskämpfe

von Peter Franke

Wurden früher chinesische Arbeiterinnen und Arbeiter und insbesondere ArbeitsmigrantInnen vom Land überwiegend als Opfer einer brutalen kapitalistischen Entwicklung geschildert, so werden sie heute häufig als Subjekte wahrgenommen, die für ihre Interessen und Rechte kämpfen. Vollzieht sich hier eine Wende? Und von welcher Qualität sind diese Kämpfe?

Nordafrika/Nahost 25. April 2013

Erstes Forum der syrischen marxistischen Linken in Europa

Mehrere Vertreter der syrischen Linken haben am 2./3.März in Brüssel ihre erste Versammlung organisiert. Sie haben über die Herausforderungen diskutiert, mit denen die syrische Linke, die zum diktatorischen Regime in Opposition steht und sich an der Volksrevolution beteiligt, konfrontiert ist, über die Übergangsphase und die zukünftige Rolle der Linken. Nachstehend ihre Abschlusserklärung.

Nur Online 13. April 2013

Die Rechte der Palästinenser respektieren (Langfassung)

Omar Barghouti stellt die Kampagne für den Boykott israelischer Institutionen und Unternehmen vor

Interview mit Harald Etzbach

OMAR BARGOUTI ist ein unabhängiger palästinensischer Menschenrechtsaktivist und Mitbegründer der palästinensischen zivilgesellschaftlichen Bewegung für Boykott, Desinvestition und Sanktionen (BDS). Vor kurzem erschien im Neuen ISP Verlag sein Buch Boykott – Desinvestment – Sanktionen. Die weltweite Kampagne gegen Israels Apartheid und die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas.  In zwei gut besuchten Veranstaltungen anlässlich der Leipziger Buchmesse stellte Barghouti es im März in Leipzig und Berlin vor. HARALD ETZBACH sprach mit ihm im Anschluss an seinen Deutschlandaufenthalt.

Buch 2. April 2013

Roadmap zum Frieden?

Abdullah Öcalan, Die Roadmap für Verhandlungen: Gefängnisschriften.
Bonn 2013: Pahl-Rugenstein. 146 Seiten, Paperback: 9,90 Euro.
von Nick Brauns

Zwischen dem in Isolationshaft auf der Gefängnisinsel Imrali gefangene Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, und dem türkischen Geheimdienst laufen derzeit Verhandlungen über ein Ende des Krieges in Kurdistan. Wie eine solche Lösung aussehen könnte, hat Öcalan bereits im Jahr 2009 in einer „Roadmap für Verhandlungen“ skizziert. Der vom türkischen Staat eineinhalb Jahre lang geheim gehaltene Text ist auch für die weiteren Verhandlungen von zentraler Bedeutung, betont die Internationale Initiative „Freiheit für Abdullah Öcalan –  Frieden in Kurdistan“; sie ist die Herausgeberin der nun vom Pahl-Rugenstein Verlag vorgelegten deutschen Übersetzung.

 

Nordafrika/Nahost 1. April 2013

Die Rechte der Palästinenser respektieren

Omar Barghouti stellt die Kampagne für den Boykott israelischer Institutionen und Unternehmen vor

Interview mit Harald Etzbach

OMAR BARGOUTI ist ein unabhängiger palästinensischer Menschenrechtsaktivist und Mitbegründer der palästinensischen zivilgesellschaftlichen Bewegung für Boykott, Desinvestition und Sanktionen (BDS). Vor kurzem erschien im Neuen ISP Verlag sein Buch Boykott – Desinvestment – Sanktionen. Die weltweite Kampagne gegen Israels Apartheid und die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas.  In zwei gut besuchten Veranstaltungen anlässlich der Leipziger Buchmesse stellte Barghouti es im März in Leipzig und Berlin vor. HARALD ETZBACH sprach mit ihm im Anschluss an seinen Deutschlandaufenthalt.

Europa 2. März 2013

Griechenland: Kriegsrecht gegen Streikende

Mit Junta-Methoden nimmt die Regierung Kurs auf den Ausnahmestaat
von Paul Michel

Die Lage im krisengeschüttelten Griechenland verschärft sich weiter. Ein Drittel aller Griechen, fast 3,5 Millionen Menschen, haben kein Geld für vernünftige Ernährung, Arzneimittel, zum Heizen oder zum Bezahlen von Rechnungen. Die im Auftrag der großen Troika aus EU, EZB und IWF regierende kleine Troika aus Nea Dimokratia (ND), PASOK und Dimar tut nichts, um die Not zu lindern. Dafür durfte sich die reiche Elite an Weihnachten über ein Geschenk von Finanzminister Giannis Stournaras (ND) freuen: Die Luxussteuer auf Pools, Privatflugzeuge, Luxuslimousinen, Yachten und luxuriöse Villen wurde abgeschafft.

Europa 2. März 2013

Attac zur Einführung der Finanztransaktionssteuer

Interview mit Detlev von Larcher

Elf Länder der Eurozone haben die Einführung einer Finanztransaktionssteuer beschlossen. Ist die Hauptforderung von Attac damit erfüllt? Die SoZ sprach mit Detlev von Larcher, Mitglied der Arbeitsgruppe Finanzmärkte und Steuern bei Attac und ehemals Mitglied im Koordinierungskreis.

Arbeitskämpfe 2. März 2013

Bei Vio.Me, Thessaloniki, ist die Produktion jetzt in Arbeiterhand

Wir denken, dass das die Zukunft der Arbeiterkämpfe ist“,
sagt Makis Anagnostou, Vertreter der Betriebsgewerkschaft von Vio.Me

Seit Mai 2011 hat die Belegschaft der Baustoffe produzierenden Fabrik Viomichaniki Metaleftiki (Vio.Me) keinen Lohn mehr gesehen. Eigentümer und Manager haben sich davon gemacht. Zurückgelassen haben sie den Maschinenpark, die Arbeiter haben ihn besetzt und vor Demontage geschützt, er war ihr Unterpfand für jede weitere Perspektive.

Europa 2. März 2013

Solidarisch in der Aufstandsbekämpfung

EU berät über militärische Unterstützung in «Krisen und Katastrophen»
von Andrej Hunko

Ein neues Papier wirbelt die Sicherheitsarchitektur der EU durcheinander: Im vergangenen Dezember haben die EU-Kommission und die Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik einen Vorschlag zur Ausgestaltung der sogenannten «Solidaritätsklausel» vorgelegt. Die Ausformulierung dieser Klausel war im Vertrag von Lissabon bzw. im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) gefordert worden.

Afrika 2. März 2013

Tunesien: Generalstreik und Regierungsumbildung

Nach dem Mord an einem Oppositionspolitiker stellen sich die Muslimbrüder neu auf
von Bernard Schmid

Zum ersten Mal seit dem 26.Januar 1978 riefen die tunesischen Gewerkschaften am 8.Februar dieses Jahres zum Generalstreik auf. Dies hatte der Vorstand des Gewerkschaftsdachverbands UGTT kurzfristig zwei Tage zuvor beschlossen. Der Streikaufruf wurde äußerst massiv befolgt.

Nordafrika/Nahost 2. März 2013

Auf der Suche nach politischer Unabhängigkeit

In Ägypten beginnt eine neue Phase der Revolution
von Jacques Chastaing

Nichts ist beendet oder geregelt in Ägypten. Die Macht der Muslimbrüder bleibt zerbrechlich, ihr Einfluss in der Bevölkerung schwindet – dank einer Arbeiter- und Volksbewegung, die nicht aufhört zu kämpfen und unleugbar einen Prozess der Radikalisierung durchläuft.

Nordafrika/Nahost 2. März 2013

Anhaltende Proteste in Ägypten

Die politischen Kräfte blockieren sich gegenseitig
von Pedram Shahyar

Ägypten kommt nicht zur Ruhe. Im Dezember löste ein weiterer Griff der Moslembrüder zur Macht eine heftige Protestwelle aus, und der Jahrestag der Revolution am 25.Januar war von massiven Demonstrationen und Ausschreitungen begleitet. Neben Kairo und Alexandria waren dieses Mal die Hafenstädte um den Suezkanal das Zentrum der Revolte.

Nordafrika/Nahost 2. März 2013

Ägypten: Eine Chronik der wichtigsten Ereignisse seit dem Sturz Mubaraks

Die arabische Revolution 2011 wird gern verglichen mit der europäischen Revolution 1848. In einer Hinsicht sticht diese Parallele ganz besonders ins Auge: Trotz ihrer Zuspitzung auf den Rücktritt Mubaraks und demokratische Freiheiten wurde sie – insbesondere in Tunesien und Ägypten – von einer starken sozialen Bewegung ausgelöst und vorangetrieben, die ihre Wurzeln in den Betrieben, an Schulen und Universitäten hatten. Wie 1848 war 2011, zumindest in Tunesien und Ägypten, im Kern eine proletarische Bewegung.

Nordafrika/Nahost 2. März 2013

Die kurdische Frage und die PKK

Die Doppelstrategie der türkischen Regierung
von Nick Brauns

Seit Ende letzten Jahres laufen Geheimverhandlungen zwischen dem Vorsitzenden der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK), Abdullah Öcalan, der auf der Gefängnisinsel Imrali im Marmarameer inhaftiert ist, und dem türkischen Geheimdienst. Glaubt man der türkischen Presse, ist ein Ende des 30-jährigen Krieges in Kurdistan in greifbare Nähe gerückt – er hat weit über 40.000 Menschenleben gekostet. Doch gibt es ernste Zweifel an den Absichten der islamisch-konservativen AKP-Regierung von Ministerpräsident Recep Tayyip Erdogan.

Nordafrika/Nahost 2. März 2013

Kann es in Syrien überhaupt eine Revolution geben?

Betr.: «Freiheit braucht Beistand», SoZ 2/2013

Im Februar veröffentlicht die SoZ einen Beitrag von Harald Etzbach, in dem dieser sich kritisch mit der Kritik am Aufruf von Medico international, «Freiheit braucht Beistand», auseinandersetzt. Darauf reagierte Anton Holberg mit einer Antwort, die sich in ihrer gesamten Länge auf www.labournetaustria.at findet. Harald Etzbachs Replik ist in ihrer gesamten Länge auf www.linkezeitung.de zu finden.

Europa 2. März 2013

Präsidentschaftswahlen in Tschechien

Milos Zeman wird die Linke eher schwächen
von Stepan Steiger

Milos Zeman, der am 27.Januar die Präsidentschaftswahlen in Tschechien gewonnen hat, gilt als schillernde Figur: Einerseits prangert den Sparkurs der Regierung als asozial an und fordert einen Wohlfahrtsstaat nach skandinavischem Muster, andererseits verstand er es in der Vergangenheit, sich mit dem Rechtsliberalen Vaclav Klaus Pfründe und Schmiergelder zu teilen. An einen politischen Kurswechsel glaubt niemand.

Arbeitskämpfe 10. Februar 2013

Bleibt Schlesien standhaft … und organisiert den Generalstreik?

von Przemyslaw Wielgosz

Als vor fünf Jahren die erste Welle der Krise in Polen aufschlug, haben sich die größten Gewerkschaften wie kleine Kinder an der Nase herumführen lassen. Eine nach der anderen hat den Pakt der Regierung zur Krisenbewältigung unterzeichnet, dabei gaben sie den Arbeitgebern die Möglichkeit, noch einfacher als bisher Beschäftigte zu entlassen und noch mehr unsichere Arbeitsverträge abzuschließen.

Arbeitswelt 10. Februar 2013

EU-Arbeitszeitrichtlinie: Frontalangriff auf Arbeitszeiten

Die Verhandlungen über die Reform der EU-Arbeitszeitrichtlinie sind gescheitert
von Jochen Gester

Weil die Arbeitgeber Bereitschaftsdienste und Wartezeiten im Rahmen der Arbeit nicht mehr als Arbeitszeit werten wollen, brachten die Gewerkschaften die Verhandlungen zur Arbeitsrichtlinie zum Scheitern.
Kurz vor Weihnachten brachten die europäischen Gewerkschaftsverbände in einer Presseerklärung ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, dass sie keine Möglichkeit mehr sehen, ihre Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden über die Arbeitszeitrichtlinie fortzusetzen.

Weltpolitik und Waffenexporte

Sicherheitspolitischer Kurswechsel: Die Bundesregierung rüstet die Golfstaaten zu Ordnungshütern im Nahen Osten auf
von Julian Engerer

Es schlug große Wellen, als im Juli 2011 der Beschluss des Bundessicherheitsrats bekannt wurde, mindestens 200 Leopard-2-Panzer nach Saudi-Arabien zu liefern. Aus der Opposition und selbst aus den Reihen der Koalition regte sich heftiger Widerstand gegen diesen Deal. Eigentlich galt der Grundsatz, keine Waffenexporte in Spannungsgebiete zu genehmigen, der zwar immer wieder umgangen wurde, aber zumindest auf dem Papier Bestand hatte.

Europa 10. Februar 2013

EU-Militärunion: Bündeln und Teilen

Der geteilte Krieg und das Ende der Demokratie
von Claudia Haydt

Die Wirtschaftskrise befördert in der EU nicht nur die Bankenunion, sondern auch die Militärunion. Die Entscheidungshoheit des Bundestags über den Einsatz deutscher Soldaten wird damit ausgehebelt.

Europa 10. Februar 2013

Soll Zypern vor der Staatspleite gerettet werden?

Der griechische Teil Zyperns ist der nächste Dominostein im europäischen Krisendrama
von Gregor Kritidis

Die drohende Pleite des geteilten Inselstaats bringt das Begründungsgebäude der Bankenrettungspolitik ins Wanken. Den Antrag auf EU-Finanzhilfe hat die Regierung Zyperns vor langem gestellt – seit Sommer letzten Jahres ist die Insel offiziell zu einem Fall für den europäischen Rettungsschirm geworden, seitdem wird über die Konditionen der «Rettung» verhandelt.

Europa 10. Februar 2013

SYRIZA wird Partei

40% stimmten auf der Delegiertenkonferenz für eine Linksregierung mit KKE und ANTARSYA
von Paul Michel

Die griechische «Koalition der radikalen Linken» (SYRIZA) rückte hierzulande ins mediale Scheinwerferlicht, als sie in zwei aufeinanderfolgenden Parlamentswahlen innerhalb von drei Jahren ihren Stimmenanteil von knapp 4,6% auf 26,9% steigerte und den Wahlsieg 2012 nur knapp verfehlte. Mit einem Mal schien eine linke Alternative zu den griechischen politischen Statthaltern der Troika und der von ihnen forcierten brutalen Sparpolitik zum Greifen nahe.

Nordafrika/Nahost 10. Februar 2013

Tunesien: Keine Ruhe an der sozialen Front

von Bernard Schmid

Die Phase des vermeintlichen Stillstands der Revolution in Tunesien scheint vorüber: Die sozialen Kämpfe melden sich mit Wucht zurück.
Friedhofsruhe sieht anders aus: Am 1.Dezember 2012 berichtete die tunesische Tageszeitung La Presse, im Jahr 2012 hätten 11.282 Protestbewegungen im Land stattgefunden (2011: etwa 16.000). Darunter waren rund 1500 gewerkschaftlich organisierte und 4500 «wilde» Streiks.

Nordafrika/Nahost 10. Februar 2013

Kurdenmorde in Frankreich

Die Hypothese eines kurdischen Fememords scheint wenig plausible
von Bernard Schmid

In der Nacht vom 9. zum 10.Januar dieses Jahres wurden in einer Bürowohnung (die auch das «Kurdische Informationszentrum» beherbergt) die Leichen dreier kurdischer Politikerinnen aufgefunden. Sie waren mit mehreren Schüssen aus nächster Nähe getötet worden.

Nordafrika/Nahost 10. Februar 2013

«Freiheit braucht Beistand»

Ein Aufruf und seine Kritiker
von Harald Etzbach

Mitte Dezember letzten Jahres veröffentlichte die Kampagne «Adopt a Revolution» zusammen mit der Menschenrechtsorganisation Medico international den Aufruf «Freiheit braucht Beistand» (veröffentlicht in SoZ 1/2013). Er stellt den syrischen Aufstand endlich wieder in den Zusammenhang des arabischen Frühlings, in dem sich vor allem die junge Generation der arabischen Länder vor zwei Jahren gegen autoritäre Herrscher erhob und für politische und soziale Rechte auf die Straße ging.

Nur Online 5. Februar 2013

Crisis in the British SWP:

Statement by SWP Central Committee
13 January 2013

Dear comrade
There has been a series of attacks on the Socialist Workers Party in the media and by assorted bloggers. They concern the party’s handling of serious allegations against a leading member and the arguments (partly arising from the case) leading up to and during our recent conference.

Asien/Australien 5. Februar 2013

Die Akademie für Marxismus on China

Eine kritische Stimme
von Hermann Dworczak
China wird – nicht ganz zu Unrecht – assoziiert mit Wachstumsfetischismus, blindem Vertrauen in die Segnungen des «Marktes» und ausufernder Konsumideologie. Aber es gibt auch Gruppierungen, die gegen den Strom schwimmen. Die Akademie für Marxismus in der Chinesischen Akademie der Sozialwissenschaften ist eine von ihnen.

Afrika 5. Februar 2013

Frankreich führt Krieg in Mali

Die offizielle Begründung für die Militärintervention ist nicht sehr plausibel

von Bernard Schmid

Monate hindurch hatte die offizielle französische Politik erklärt, man müsse etwas in Mali tun, nachdem Dschihadisten die Nordhälfte des Landes besetzt hatten – Frankreich selbst werde aber auf keinen Fall die intervenierende Macht sein, die das Heft in der Hand hält. Mitte Juli hielt Laurent Fabius laut Figaro die Anwendung militärischer Gewalt in Mali für wahrscheinlich, man könne dabei jedoch nicht in der ersten Reihe stehen, weil man als frühere Kolonialmacht dazu ungeeignet sei und ein Eingreifen Frankreichs scharfe Gegenreaktionen hervorrufen könne.

Nur Online 24. Januar 2013

Krise in der SWP

Sind Feminismus und Marxismus zu vereinbaren
Ein Vergewaltigungsfall erschüttert derzeit die britische SWP, die größte Organisation auf der radikalen Linken in Großbritannien. Nachstehend ein Kommentar von Socialist Resistance, der britischen Sektion der IV.Internationale.

On the situation in the SWP: No Marxism without feminism
January 19, 2013 6:42 pm

Arbeitskämpfe 11. Januar 2013

Appell griechischer AktivistInnen von Florenz 10+10 (November 2012)

von Tassos Koronakis, Myrto Bolota, Natasha Theodorakopoulou

Die Lage ist explosiv. die offizielle Arbeitslosenquote liegt für Männer bei 22,5%, für Frauen bei 29%, für junge Leute bei über 50%. In einigen Regionen unseren Landes, die von radikaler Deindustrialisierung und der vollkommenen Auflösung wichtiger wirtschaftlicher Aktivitäten betroffen sind, liegt die Arbeitslosigkeit bei 80%. Die Löhne sind um 40% gekürzt worden, die Realeinkommen sind allerdings (wegen des steilen Anstiegs der Steuerlast) noch stärker gesunken.

Nur Online 11. Januar 2013

The Empire in Decline

— an interview with Gilbert Achcar

GILBERT ACHCAR is professor at the School of Oriental and African Studies of the University of London. His most recent book was The Arabs and the Holocaust. The Arab-Israeli War of Narratives (New York: Metropolitan, 2010). His next book, The People Want: A Radical Exploration of the Arab Uprising, is scheduled for publication in June 2013 (Los Angeles: University of California Press).

He was interviewed by David Finkel from the Against the Current editorial board.

Nordafrika/Nahost 9. Januar 2013

Freiheit braucht Beistand

Aufruf von Medico international und Adopt a Revolution (Auszüge)
Betroffenheit, Ohnmacht, Tragödie – das sind die Schlagworte der medialen Berichterstattung über Syrien. Eine politische Rettung ist nicht in Sicht. Was können wir tun, wenn wir nicht wegschauen und schweigen wollen?
In Syrien droht die Zerstörung des Gemeinwesens durch eine Gewaltherrschaft, die ihren Sturz auf unabsehbare Zeit hinauszögern will, und durch eine militärische Gegengewalt, deren Sieg nicht absehbar ist.

Nordafrika/Nahost 9. Januar 2013

Syrien vor der Entscheidung

von Harald Etzbach

Die Tage des Assad-Regimes in Syrien sind gezählt. Auch dessen Verbündeten scheint dies zunehmend klar zu werden. Die syrische Regierung verliere mehr und mehr die Kontrolle, so Russlands stellvertretender Außenminister Bogdanow Mitte Dezember, ein Sieg der Opposition sei nicht mehr auszuschließen.

Europa 9. Januar 2013

«Um das iberische Proletariat zu einen, muss der spanische Staat zerschlagen werden»

Andreu Coll Blackwell (Revolta Global) zur Forderung nach der Unabhängigkeit Kataloniens und der Haltung der radikalen Linken

Amerika 8. Januar 2013

Frontalangriff auf Arbeiterrechte in Michigan

Das neue Knechtschaftsgesetz
von George Lakoff

Mitte Dezember wurde im US-Bundesstaat Michigan ein sog. «Right-to-work»-Gesetz verabschiedet. Das Gesetz bestimmt u.a., dass Gewerkschaftsbeiträge nicht mehr obligatorisch sind.

Arbeitswelt 8. Januar 2013

Bangladesh: Die Opfer des Textilbooms

von Lutz Getzschmann

Mindestens 120 Beschäftigte einer Textilfabrik – die meisten davon Frauen – starben am 24.November bei einem Feuer in der Nähe von Dhaka, der Hauptstadt von Bangladesh. Der Brand war offenbar in der zweiten Etage der siebenstöckigen Fabrik ausgebrochen und hatte die Fluchtwege aus den höheren Stockwerken blockiert.

Europa 8. Januar 2013

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Warschau

Hetzkampagne gegen linke Gewerkschaft
von Norbert Kollenda/Bernd Gehrke

In einer E-Mail vom 18.11.2012 an Vertreter der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) in Berlin, die auch an Mitglieder der Fraktion DIE LINKE im Bundestag weitergeleitet wurde, bezichtigt die Büroleiterin der RLS Warschau, Joanna Gwiazdecka, die linke polnische Gewerkschaft Sierpien 80, diese würde die Sozialpolitik der Nazis zum Vorbild nehmen.

Nur Online 8. Januar 2013

Revolution and Imperialism in Syria

Fred Leplat argues that socialists cannot be neutral or ambivalent about Bashar al-Assad’s bloody dictatorship.
http://socialistresistance.org/4432/revolution-and-imperialism-in-syria

Bewegung 8. Januar 2013

«Solidarität mit allen!»

Appell griechischer Aktivisten aus Florenz 10+10

Wir appellieren an euch, die hier in Florenz anwesenden Bewegungen, bei unseren Bestrebungen um solidarische Strukturen und Aktionen mitzuwirken.
Die Lage ist explosiv. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt für Männer bei 22,5%, für Frauen bei 29%, für junge Leute bei über 50%. In einigen Regionen unseren Landes, die von radikaler Deindustrialisierung und der vollkommenen Auflösung wichtiger wirtschaftlicher Aktivitäten betroffen sind, liegt die Arbeitslosigkeit bei 80%. Die Löhne sind um 40% gekürzt worden, die Realeinkommen sind allerdings (wegen des steilen Anstiegs der Steuerlast) noch stärker gesunken.

Nordafrika/Nahost 8. Januar 2013

Palästina/Israel im Dezember 2012

UNO-Anerkennung und neue Formen des Widerstands
von Martin Forberg

Im Zuge des israelischen Angriffs auf den Gazastreifen vom 15. bis zum 21.November wurden 162 Palästinenser und 5 Israelis getötet.  Am 12.Dezember erschoss eine 19-jährige israelische Soldatin einen 17-jährigen Palästinenser in Hebron im Westjordanland. Die israelische Tageszeitung Ha’aretz titelte in ihrem Bericht über die folgenden Demonstrationen bezeichnenderweise: «Die palästinensische Polizei kämpft darum, gewaltsame Demonstrationen in Hebron einzudämmen.»

Buch 8. Januar 2013

Omar Barghouti: Boykott – Desinvestment – Sanktionen

Die weltweite Kampagne gegen Israels Apartheid und die völkerrechtswidrige Besatzung Palästinas
Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, 2012. 232 S., 19,80 Euro.
von Martin Forberg

Dieses Buch führt in eine palästinensische zivilgesellschaftliche Kampagne ein, die seit 2005 international von sich reden macht. Seit den Diskussionen um die US-amerikanische Philosophin Judith Butler, der diesjährigen Trägerin des Theodor-W.-Adorno-Preises, ist die BDS-Kampagne auch in Deutschland ein Begriff, denn Judith Butler unterstützt die Kampagne.

Nordafrika/Nahost 8. Januar 2013

Verfassungskampf in Ägypten

Die Islamisten verlieren die politische Hegemonie
von Pedram Shayar

Ägypten erlebte im Dezember 2012 eine Welle von neuen Protesten. Auslöser waren der Verfassungsentwurf des islamistisch dominierten Verfassungsgebenden Versammlung, aber vor allem die präsidiale Erklärung des ersten islamistischen Präsidenten Mursi von den Moslembrüdern. Darin hatte Mursi die Justiz entmachtet und sich unbegrenzte Autorität zugebilligt.

Nordafrika/Nahost 8. Januar 2013

Syrische Kurden zwischen dem Assad-Regime und der Türkei

Selbstverwaltung als dritter Weg
von Nick Brauns

Syriens Kurden versuchen, sich aus dem Bürgerkrieg zwischen der Baath-Diktatur und der vom Ausland unterstützten arabischen Opposition herauszuhalten. Doch ihre Selbstverwaltungsstrukturen sind bedroht.

Europa 15. Dezember 2012

Hilferuf aus Russlands Linken

Linke Opposition gegen Putin soll mundtot gemacht werden

Wir, Vertreter von russischen linken Organisationen, wenden uns mit einem Aufruf zur Solidarität an unsere Genossinnen und Genossen überall auf der Welt.
Es geht um eine Repressionskampagne der russischen Behörden, die in der jüngeren Geschichte Russlands ohne Beispiel ist. Ihr Ziel ist es, die Linke als organisierte politische Kraft auszulöschen. Wir sind konfrontiert mit Verhaftungen, Drohungen, Prügeleien, aggressiven Medienangriffen und Schritten zur Illegalisierung linker Gruppen:

Amerika 12. Dezember 2012

Präsidentschaftswahlen in den USA 2012

Warum hat Obama gewonnen?
Bis zuletzt war es eine Zitterpartie, dann hat Obama die US-Präsidentschaftswahl überraschend klar gewonnen. Warum?

Nordafrika/Nahost 12. Dezember 2012

Gaza: Der ganz normale israelische Terror

von Harald Etzbach

Seit dem 14. November regnet es wieder Bomben auf Gaza. Der Vorwand für die israelische Operation «Säule der Verteidigung» war der Abschuss einer Panzerabwehrrakete aus dem Gazastreifen auf ein israelisches Panzerfahrzeug auf der anderen Seite der Grenze.

Amerika 12. Dezember 2012

US-Wahl 2012: Die Kampagne der Green Party

Eine ernstzunehmende Kraft auf der Linken
von Michael Rubin/Linda Thompson

Bei den diesjährigen US-Präsidentschaftswahlen verhielten sich sozialistische Organisationen in den USA wie Solidarity oder die International Socialist Organization (ISO) etwa so: Wählen kann man die Kandidaten der Green Party, der Socialist Party USA oder (in Kalifornien) der Peace and Freedom Party; deren Kandidaturen werden aber so randständig sein, dass es besser ist, sich auf die soziale Mobilisierung zu konzentrieren.
Die Green Party gilt, im Gegensatz zu Europa, als deutlich links.

Nordafrika/Nahost 12. Dezember 2012

Die syrische Opposition stellt sich neu auf

Ein Porträt ihres Vorsitzenden Moaz al-Khatib
Die syrische Opposition hat sich neu aufgestellt: Aus der Syrischen Nationalinitiative von Riad Seif und dem Syrischen Nationalrat unter der neuen Führung von George Sabra wurde die «Nationale Koalition der Syrischen revolutionären und der oppositionellen Kräfte» gebildet.

Bewegung 12. Dezember 2012

Zehn Jahre nach dem 1.Europäischen Sozialforum in Florenz

Ein neuer Anlauf mit Hindernissen
von Angela Klein

Zwei Jahre nach dem letzten Europäischen Sozialforum in Istanbul hat das Nachfolgetreffen sozialer Bewegungen, «Florenz 10+10» vom 8. bis 11.November, wichtige Erwartungen nicht erfüllt, in Teilbereichen aber Fortschritte gebracht.
Über 4000 Teilnehmende, 300 Netzwerke und Organisationen aus 28 Ländern ganz Europas – das war mehr, als die Organisatoren erhofft hatten.

Europa 11. Dezember 2012

Kommunalwahlen in Belgien

am 17.Oktober 2012

Wahldebakel der extremen Rechten, steiler Aufstieg der separatistischen Nationalliberalen und Aufschwung der radikalen Linken um die Partei der Arbeit (PTB/PVDA) – das ist der wahlpolitische Trend, der bei den Kommunal- und Provinzwahlen in Belgien am 17.Oktober zum Ausdruck kam.

Europa 11. Dezember 2012

Ein neuer Star am belgischen Wahlhimmel

Daniel Tanuro über den Aufstieg der Belgischen Partei der Arbeit (PTB)

Bei den letzten Kommunalwahlen in Belgien hat die Belgische Partei der Arbeit (PTB/PVDA) einen Achtungserfolg erzielt. Der fiel nicht vom Himmel, sondern ist Ergebnis einer neuen Linie der Partei. Die SoZ sprach mit Daniel Tanuro aus Belgien.

Europa 11. Dezember 2012

Krisenpolitik in Frankreich

Unternehmer treiben Regierung vor sich her
von Bernard Schmid

Mit seiner Glatze sieht er ein bisschen aus wie Kommissar Kojak: Louis Gallois, der frühere Chef der französischen Bahngesellschaft SNCF sowie Direktor des Flugzeugbauers EADS. Unter der Regierung von Präsident François Hollande erarbeitete er an der Spitze einer einschlägigen Kommission einen Untersuchungsbericht zum Thema «Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit französischer Unternehmen», der am 5.November offiziell vorgelegt wurde. Tags darauf beschloss das französische Kabinett seine praktische Umsetzung.

Europa 11. Dezember 2012

Leben in der humanitären Katastrophe

Eindrücke nach einer Athenreise
von Paul Michel

Ende September 2012 reiste eine Delegation aus dem Sozialform München nach Athen, um sich dort aus eigener Anschauung und im Gespräch mit Aktivisten aus sozialen Bewegungen und linken Organisationen ein Bild von der Lage in Griechenland zu machen.

Europa 11. Dezember 2012

Folter in griechischen Gefängnissen

von Christoph Dreier

Demonstranten, die sich in Griechenland gegen die faschistische Partei Chrysi Avgi eingesetzt haben, sind nach ihrer Festnahme durch die Polizei schwer misshandelt worden.
Die Szenen, über die Betroffene berichten, erinnern an die Folterpraxis in Gefängnissen wie Abu Ghraib: die Gefangenen wurden geschlagen und nackt gefilmt, ihre Haut wurde verbrannt.

Bewegung 11. Dezember 2012

Agora99 in Madrid

Wir organisieren ein Europa von unten!
von Kelly Mulvaney, Hanno Bruchmann
Auf der Agora99 vom 2. bis 4.November in Madrid traf sich der stärker bewegungsorientierte Teil der No-Troika-Proteste. Es gab große Übereinstimmung mit den Mobilisierungsakzenten und den Fragestellungen, die auch bei Firenze 10+10 diskutiert wurden. Interessant wird sein, wie die Prozesse zusammengeführt werden können.
Nur Online 8. November 2012

Solidarität gegen politische Repression in Russland

Ein Aufruf von russischen Linken

Heute wenden wir, die Repräsentant_innen von russischen linken Organisationen, uns mit einem Aufruf zur Solidarität an unsere Genoss_innen überall auf der Welt. Dieser Aufruf und eure Antwort darauf sind für uns sehr wichtig. Zur Zeit haben es nicht mit einem weiteren Fall der Verurteilung von Unschuldigen durch die russische Straf„justiz“ oder einem weiteren Fall zu tun, wo menschliches Leben durch den repressiven Staatsapparat zerbrochen wird. Jetzt haben die Behörden gegen uns eine Repressionskampagne gestartet, die in der jüngeren Geschichte Russlands ohne Beispiel ist, eine Kampagne, deren Ziel es ist, die Linke als organisierte politische Kraft auszulöschen.

Europa 6. November 2012

Bravo, Bernd Riexinger

von Angela Klein

«Nestbeschmutzer, Vaterlandsverräter» – das sind Ehrentitel für einen deutschen Linken. Das Gegeifere eines Teils der deutschen Presse über deinen Auftritt auf der Athener Demonstration gegen Merkel zeigt, dass du einen wunden Punkt getroffen hast. Wenn nämlich der Zorn über den Rentendiebstahl und die Verwahrlosung des Gesundheits- und Bildungssystems hierzulande den Schritt schaffte, sich mit den Protesten in Südeuropa zusammenzuschließen (da geht es auch um Rentenkürzungen und Privatisierungen im Gesundheitssystem), dann hätten die hohen Herren da oben ausgespielt. So wacklig, wie ihre Krisenpolitik dasteht, halten sie sich nämlich nur, weil sie uns bislang gegeneinander ausspielen können. Da hat der Vorsitzende der Linkspartei ein ermutigendes Beispiel von Solidarität gegeben!

Bewegung 6. November 2012

«Der Krieg gegen die Menschen in Griechenland muss aufhören»

Christos Sideris über die Selbsthilfe im griechischen Gesundheitswesen
Das griechische Gesundheitssystem bricht zusammen. Früher musste man aus privater Tasche etwas zuzahlen, um den Arzt oder das Krankenhauspersonal zu bestechen. Heute ist an die Stelle der Korruption die Privatisierung getreten – deren legitimes Kind.

Arbeitskämpfe 6. November 2012

Auch in Polen droht Gesundheitsnotstand

Demonstration, Konferenz und europäisches Netzwerktreffen in Warschau
von Norbert Kollenda

Am 5. Oktober versammelten sich im Zentrum von Warschau 5000–7000 Krankenschwestern und Hebammen und andere Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen – allerdings keine Ärzte – sowie eine Abordnung der Gewerkschaft «August 80» zu einer Demonstration. Die Gewerkschaft der Krankenschwestern und Hebammen (OZZ PiP) hatte beim Netzwerktreffen im Mai in Paris zu einem «Europäischen Weißen Städtchen» eingeladen. Damit sollte an das vor fünf Jahren entstandene «Weiße Städtchen» (den Streik der Krankenschwestern) erinnert werden, dessen Forderungen immer noch nicht erfüllt wurden (siehe das Video auf Labournet*).

Europa 6. November 2012

Wie Barroso die EU «modernisieren» will

EU-Kommission plant den nächsten, autoritären Integrationsschritt
von Angela Klein

Die EU-Kommission drängt auf Tempo: Zum EU-Gipfel im Dezember will sie eine Roadmap für eine verstärkte Wirtschafts- und Währungsunion vorlegen.
Am 12.September, zur selben Zeit, als das Bundesverfassungsgericht bekanntgab, warum es den ESM-Vertrag und den Fiskalpakt für verfassungsgemäß hält, sprach der Vorsitzende der EU-Kommission, Herr Barroso, in Straßburg vor dem Europaparlament. Mutmaßlich im Wissen über den Tenor des BVG-Urteils skizzierte er, wie er sich die nächsten Schritte der europäischen Integration vorstellt. Für mehr Mitspracherechte ist da wenig Platz.
Europa 3. November 2012

Selbsthilfeprojekte in Griechenland

«Wir erwarten keine Wohltätigkeit, sondern Solidarität!»
Vom 15. bis 22.September 2012 fuhr eine europäische Gruppe von Gewerkschaftern und solidarischen Menschen nach Griechenland, um sich selbst ein Bild zu machen von den verheerenden sozialen Zuständen und vor allem, um ein konkretes Zeichen der Solidarität zu setzen. Die nachstehende Vorstellung verschiedener Projekte, die mit gesammelten Spendengeldern unterstützt werden konnten, ist dem Reisetagebuch entnommen, das die Delegation im Laufe der Woche geschrieben hat.

Bewegung 3. November 2012

Massenproteste und politische Krise auf der iberischen Halbinsel

Was den Griechen bislang nicht gelungen ist, schaffen Spanier und Portugiesen: Die Krise auf der Iberischen Halbinsel hat zu einer Konvergenz der Massenkämpfe geführt, die erstmals den Grundstein für einen (süd-)europäischen Generalstreik legt.

Nordafrika/Nahost 3. November 2012

Zwischen internationaler Hilfe, Islam und nationaler Opposition

Kritische Anmerkungen zur syrischen Opposition
von Ghayath Naïssé

Wie oft in Revolutionen gibt es eine Kluft zwischen den aufständischen Massen und den Organisationen, die vorgeben, in ihrem Namen zu sprechen. So auch in Syrien, wo gleich zwei große Bündnisse behaupten, die Revolution zu repräsentieren: Dabei lehnt sich das eine an die westlichen imperialistischen Länder und ihre Verbündeten in der Golfregion an, das andere zeichnet sich durch versöhnlerische Positionen gegenüber dem Regime aus. Die syrische Bevölkerung aber will ihre demokratischen Ziele ebenso durchsetzen wie die nationale Unabhängigkeit verteidigen. Nachstehend werden die wichtigsten Strömungen beschrieben.

Nordafrika/Nahost 3. November 2012

Charakter und Rolle des bewaffneten Widerstands in Syrien

von Khalil Hasbah

Die soziale Basis der bewaffneten Oppositionsgruppen speist sich aus denselben Milieus wie die revolutionäre Bewegung: marginalisierte Arbeiter, Mitglieder subalterner Klassen und die Mittelschicht, die unter der beschleunigten neoliberalen Politik seit dem Amtsantritt Basher al-Assads zu leiden hatte. Diese Gruppen haben eine Verankerung unter den Aufständischen, sind jedoch zu heterogen, als dass sie eine geschlossene Kraft im Dienst einer ausländischen Macht bilden könnten.

Amerika 3. November 2012

Wahlen in Venezuela

Warum Chávez gewonnen hat
Interview mit Dario Azzellini

Gegen zahlreiche Unkenrufe der internationalen Massenmedien hat Hugo Chávez am 7.Oktober auch seine vierte Wahl zum Staatspräsidenten mit klarer Mehrheit gewonnen: 54,4% stimmten für ihn, 45% für seinen bürgerlichen Gegenkandidaten Capriles. Chávez ist seit 1999 im Amt. Die Wahlbeteiligung lag bei 81%. Vor allem die Armenviertel stehen nach wie vor fest zu ihm. Chávez gewann in 22 von 24 Bundesstaaten (er verlor in Mérida und Táchira). Chávez besiegte Capriles auch in Miranda, wo Capriles Gouverneur ist.
Dario Azzellini erklärt im Gespräch mit Alf Zachäus, warum Chávez gewonnen hat.

Amerika 3. November 2012

Venezuelas «schlechte» Beispiele

Die Propagandamaschine gegen Chávez
von Dario Azzellini
Gegen Venezuela läuft die größte Propagandakampagne seit dem Vietnamkrieg. Das ist wichtig. Es soll niemand wissen, was wirklich los ist in dem Land. Und je tiefer die Krise, desto größer die Lügen und Unterschlagungen in der Presse.

Europa 1. Oktober 2012

Neue Runde der Grausamkeiten in Griechenland

von Wolfgang Pomrehn

Das Perfide an der Schuldenlösung für Griechenland ist, dass die Gläubiger das Land bei jeder einzelnen Auszahlung einer Tranche erpressen können.

Bewegung 1. Oktober 2012

Auf nach Florenz!

Neuer Anlauf für eine europäische Koordination des Widerstands
von Angela Klein

Vom 14. bis 16.September trafen sich in Mailand Veteranen des Europäischen Sozialforums (ESF) und einige Vertreter neuer sozialer Bewegungen, um im November in Florenz einen neuen Anlauf für eine Europäisierung der sozialen Bewegungen zu nehmen.

Nordafrika/Nahost 1. Oktober 2012

Die USA haben ein Interesse, Syrien zu zerstören

Michel Kilo über die zivile Opposition und die Perspektiven nach Assad

Michel Kilo ist einer der führenden linken Oppositionellen in Syrien. Er wurde 1940 in einer christlichen Familie in der syrischen Hafenstadt Latakia geboren, studierte Journalismus in Ägypten und Deutschland und schrieb für die libanesische Tageszeitung An-Nahar sowie für die in London erscheinende Al-Quds al-Arabi.

Globalisierung/Krieg 1. Oktober 2012

Durchgewunken

Zum Urteil des Bundesverfassungsgerichts über ESM-Vertrag und Fiskalpakt
von Angela Klein

Das Urteil ist ein Sieg für die Bundesregierung auf der ganzen Linie. Gleich der erste Satz lautet: «Die zulässigen Anträge sind überwiegend unbegründet» … und werden im Hauptsacheverfahren «überwiegend ohne Erfolg bleiben.»

Europa 1. Oktober 2012

Der Kater der SP

Wahlen in den Niederlanden
von Willem Bos

Die rechtsliberale VVD unter Führung von Premierminister Mark Rutte ist Siegerin der niederländischen Parlamentswahlen vom 12.September. Mit 41 von 150 Sitzen schlug sie die sozialdemokratische PvdA, die auf 38 Sitze kommt.

Arbeitskämpfe 1. Oktober 2012

Arbeiterproteste in Sardinien

von Angela Huemer

Im Südwesten Sardiniens kämpfen Bergleute und Arbeiter des Aluminium-Multis Alcoa um ihre Zukunft – unter Tage wie auch hoch in der Luft.

Afrika 1. Oktober 2012

Grobe Fahrlässigkeit auf allen Seiten

Bobby Marie zum Marikana-Massaker in Südafrika

Rolf Euler, selbst ehemaliger Bergmann, sprach in Frankfurt am Main mit Bobby Marie von der südafrikanischen Benchmarks-Stiftung über das Massaker bei der Mine Lonmin (siehe auch SoZ 9/2012).

Afrika 1. Oktober 2012

IndustriALL zum Massaker an südafrikanischen Minenarbeitern

von Jochen Gester

«IndustriALL verurteilt wilde Morde bei der Lonmin-Mine in Südafrika», so kommentierte der neu gegründete internationale Dachverband der Industriegewerkschaften den blutigen Arbeitskonflikt in der Platinmine in Marikana. In der als Solidaritätserklärung ausgegebenen Stellungnahme werden die Morde an den streikenden Arbeitern bedauert, gleichzeitig aber auch ziemlich abstruse Behauptungen über die Gründe des Ausstands aufgestellt.

Europa 3. September 2012

Wird das BVG den Staatsstreich legitimieren?

von Angela Klein

Es wäre ja schön, wenn das Bundesverfassungsgericht (BVG) am 12.September feststellen würde, dass der Fiskalpakt verfassungswidrig ist. Das ist er, weil die Parlamente ihr Haushaltsrecht aus der Hand geben und sich damit selbst entmachten, während es auf europäischer Ebene keine demokratischen Verfahren der Entscheidung über öffentliche Einnahmen und Ausgaben gibt.

Bewegung 3. September 2012

Mailand, Florenz, Athen…

Aufbau einer europäischen sozialen Bewegung

von Felipe van Keirsbilck

Die Zeit drängt. Während das europäische Finanzkapital im Verein mit dem Gros des politischen Führungspersonals europäische Instrumente entwickelt, um beispiellose soziale und politische Rückschritte durchzusetzen, hinkt die Europäisierung der sozialen Bewegungen mächtig hinterher. Im Herbst soll ein neuer Anlauf gestartet werden.

Arbeitskämpfe 3. September 2012

Der schwarze Marsch

Asturiens Bergleute wieder an der Spitze des Widerstands

von Angela Klein

Sie sind die Enkel der 34er und die Kinder der 62er: die asturischen Bergleute, die heute um ihr Überleben kämpfen. Mehr als 300 von ihnen hatten sich am 22.Juni aus der Region zwischen der Atlantikküste und dem Kantabrischen Gebirge auf den Weg gemacht und den nördlichen Teil von Kastilien und León durchquert; am 10.Juli traf der «schwarze Marsch» in Madrid ein – nach drei Wochen und 400 Kilometer Fußmarsch.

Arbeitskämpfe 3. September 2012

Bergarbeiterinnen in Asturien im Streik

«Wir haben um die Arbeit kämpfen müssen»

Unter den Bergarbeitern, die die asturischen Bergwerke seit Ende Mai bestreiken, sind auch viele Frauen. Anders als in Deutschland arbeiten sie auch unter Tage. Ein Gespräch mit MARÍA GONZÁLEZ, Bergarbeiterin aus der Zeche «María Luisa» in Asturien.

Europa 3. September 2012

Blank dank der Bank

Bankenrettung und Sparpolitik in Spanien

von Paul Michel

Während im Bundestag eine ganz große, schwarz-gelb-rot-grüne Koalition das Hilfspaket für die spanischen und vor allem die deutschen, französischen und englischen Banken durchwinkte, protestierten in Spanien am 19.Juli fast 4 Millionen Menschen gegen dieses Paket. Aufgerufen hatten alle großen Gewerkschaftsverbände und unzählige weitere Organisationen. Und das mit gutem Grund.

Europa 3. September 2012

Eine politisch-soziale Front gegen den Kahlschlag

Vorschläge aus Izquierda Anticapitalista, Spanien

von Jaime Pastor

Wir kommen nun beschleunigt in eine Lage, die derjenigen Griechenlands ähnelt und hervorgerufen wird durch die perverse Logik, dass die große Mehrheit der Bevölkerung für private Schulden aus der Finanz- und Immobilienblase zahlen soll.

Afrika 3. September 2012

Südafrika: Tödliche Ungleichheit

Schwarze Polizisten schießen auf schwarze Minenarbeiter

von Angela Huemer

Am 10.August begannen 3000 Bergleute – alle damit beschäftigt, mit Bohrhämmern platinführende Schichten aus dem Gestein zu lösen, was mit die schwerste Arbeit unter Tage ist – in der Lonmin-Mine in Marikana einen wilden Streik. Marikana liegt im Bojanala Platinum Distrikt in der südafrikanischen Provinz North West.

Europa 2. Juli 2012

Madame Njet und der deutsche Weg

von Angela Klein

Das deutsche Europa, das war bislang der Weg nach Theo Waigel: freier Verkehr für Waren, Dienstleistungen und Kapital, keine Haftung für die daraus in anderen Mitgliedstaaten entstehenden sozialen und ökonomischen Schäden, Hilfen mit dem Tropfenzähler und auch nur gegen strenge Auflagen (die Deutschland dann selbst nicht einhielt). Es begann mit dem Stabilitätspakt und endet mit dem Fiskalpakt.

Europa 2. Juli 2012

Griechenland nach den Wahlen

Wir brauchen eine große europäische Solidaritätskampagne
von Moisis Litsis

Bei den letzten Wahlen in Griechenland versuchten die lokale und die ausländische Elite den Menschen Angst zu machen, um den Aufstieg der «Koalition der radikalen Linken» (SYRIZA) zu stoppen. Sie behaupteten, zur Wahl stehe, ob Griechenland in der Eurozone bleibe oder nicht.

Europa 2. Juli 2012

Ein Dringlichkeitsprogramm gegen die Krise

Eric Toussaint nennt Grundlagen für eine europäische Antikrisenfront

In Übereinstimmung mit den Forderungen des IWF haben die Regierungen der europäischen Länder beschlossen, ihren Bevölkerungen eine rigide Sparpolitik zu verordnen – mit drastischen Einschnitten bei den öffentlichen Ausgaben: Entlassungen im öffentlichen Dienst, Einfrierung oder Senkung der Gehälter der öffentlich Bediensteten, Reduzierung des Zugangs zu elementaren Dienstleistungen und sozialen Schutzmaßnahmen, Erhöhung des Renteneintrittsalters.

Europa 2. Juli 2012

Schengen-Abkommen

Europa muss sozial und solidarisch sein!
von Andrej Hunko

Bis zu zweijährige Kontrollen an den EU-Binnengrenzen sind eine Absage an die innereuropäische Reisefreiheit. Der Rat der Innen- und Justizminister beschloss Anfang Juni neue Regelungen zum sog. Schengen-Abkommen.

Arbeitskämpfe 2. Juli 2012

Sssanyong Motors in Korea

Geschichte und Folgen einer Werksbesetzung

von Jochen Gester

Voraussichtlich im August dieses Jahres werden der ehemalige Vorsitzende der koreanischen Metallgewerkschaft KMWU bei der Ssangyong Motor Company und der Vizepräsident der KMWU, Kwon Sun-man, aus dem Gefängnis entlassen. Aus diesem Anlass sei hier noch einmal an den 2009 erbittert geführten Arbeitskampf erinnert.

Arbeitskämpfe 2. Juli 2012

Eine Frau ganz oben

Erfolgreicher Arbeitskampf auf der südkoreanischen Hanjin-Werft

von Jochen Gester

Über ein Jahr lang wurde auf einer südkoreanischen Werft mit vollem Einsatz ein außergewöhnlicher Arbeitskampf geführt und mit einem unerwarteten Erfolg der Arbeiterinnen und Arbeiter beendet. Im Mittelpunkt stand eine Frau, deren Mut und menschliche Stärke eine herausragende Rolle spielten.

Europa 2. Juli 2012

Kickt den Hass aus den Stadien

Fußball-EM in Polen –1

von Norbert Kollenda

Wir kennen es, dass es in Fußballstadien immer wieder zu Gewaltakten kommt, die oft einen fremdenfeindlichen Hintergrund haben: seien es nun Neonazis oder andere Nationalisten oder gar örtliche «Patrioten», die was gegen Menschen haben, die anders sind oder anders aussehen. Diese Probleme gibt es leider überall auf der Welt und auch in Polen.

Amerika 2. Juli 2012

Studierendenproteste in Québec

Vom Linksnationalismus zur sozialen Mobilisierung
von Ingo Schmidt

Anfang des Jahres erklärte die Regierung der kanadischen Provinz Québec, sie werde die Studiengebühren in den nächsten fünf Jahren um 82% anheben. Angespannte Kassenlage und steigende Kosten im Ausbildungssektor ließen leider keine andere Wahl.

Amerika 2. Juli 2012

Wisconsin: Republikanischer Gouverneur im Amt bestätigt

von Angela Huemer

Die vielen Bemühungen um die Abwahl des gewerkschaftsfeindlichen Gouverneur Scott Walker blieben umsonst: Mitte Juni wurde er mit 53,1% der Stimmen im Amt bestätigt.

Arbeitskämpfe 2. Juli 2012

Brot statt Spiele

Während der EM gab es in Polen nicht nur Fußball, sondern auch Protest
von Norbert Kollenda

Norbert Kollenda nahm am 10.Juni an einer Demonstration in Poznan teil und sammelte Stimmen zu verschiedenen aktuellen Problemkreisen: Wohnung, Kultur und Sport, Kinderkrippenplätze, Gesundheitswesen, Gewerkschaftsarbeit.

Europa 1. Juli 2012

Wer ist die Linksfront in Frankreich?

von Bernhard Schmid

Die französische Linksfront war der Shootingstar bei den Präsidentschaftswahlen im Mai. Bei den Parlamentswahlen wurde sie von den Sozialdemokraten abgedrängt.

Europa 1. Juli 2012

Die Misserfolge der NPA

Missachtung der Einheit und der Faktor Besancenot
von Bernhard Schmid

Kurz nach ihrer Gründung 2009 wurden der NPA noch Umfragewerte von 10% vorhergesagt. Die jetzigen Wahlergebnisse bei den Präsidentschafts- wie bei den Parlamentswahlen kommen bestenfalls auf ein Zehntel.

Europa 1. Juli 2012

Bankenkrach in Spanien

Spätfolge einer Immobilienblase
von Angela Klein

Rodrigo Rato, bis Anfang Mai Chef der Bankia, Spaniens viertgrößter Bank, ist einer der Hauptverantwortlichen für die spanische Immobilien- und die nachfolgende Bankenkrise. Der Sprössling zweier schwerreicher Familien aus Asturien war von 1996 bis 2000, und dann noch einmal 2003 und 2004, Wirtschaftsminister in der Regierung Aznar.

Arbeitskämpfe 1. Juli 2012

Klassenkampf mit Steinschleudern

Spanische Bergarbeiterstreiks

von Dorothea Wuhrer

Bergarbeiter und eine erzkonservative Regierung: Eine Konfrontation dieser Konfliktparteien sorgt in der Regel für erbitterte Auseinandersetzungen. In Nordspanien geht es seit bald vier Wochen hart zur Sache.

Europa 1. Juli 2012

Last Exit: Monetäre Staatsfinanzierung

Die spanische Lektion
von Birger Scholz

«Die Kapitalmärkte sind für spanische Banken geschlossen», heißt es in einer aktuellen Studie der Ratingagentur Moody’s. Schon jetzt refinanzieren sich die meisten spanischen Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB), indem sie forderungsbesicherte Anleihen hinterlegen. Doch auch dieser Weg gestaltet sich immer schwieriger, weil den Banken langsam, aber unerbittlich, die Hypotheken ausgehen, mit denen sie die Anleihen besichern. Der Grund: Die Erholung des Immobilienmarkts bleibt aus.

Amerika 1. Juli 2012

Arbeiterselbstverwaltung in Venezuela

«Wir glauben an einen Sozialismus, bei dem die Arbeiter selbst etwas schaffen»
Interview mit Paulo Cumana und Felix Martínez

Im April waren zwei venezolanische Arbeiter zu Gast in Deutschland. Auf Einladung der deutschen Gruppe Interbrigadas, die solidarische Projekte in Venezuela betreut, sprachen sie auf mehreren Veranstaltungen über Ansätze von Arbeiterselbstverwaltung in Venezuela. Im Anschluss an die Veranstaltung in Köln sprach mit ihnen Angela Klein.

Nordafrika/Nahost 1. Juli 2012

Wahlen in Ägypten

Zwischen Instabilität und sanftem Putsch
von Pedram Shahyar

Der Vertreter der islamistischen Muslimbrüderschaft Mohamed Mursi konnte die Präsidentschaftswahlen in Ägypten knapp gewinnen. Der Verlauf der Wahlen führte Ägypten allerdings wieder in chaotische Zustände und schockierte viele.

Amerika 1. Juli 2012

Ein sympathischer Radikaler

Der peruanische Revolutionär Hugo Blanco

von Gert Eisenbürger

Der Mann ist eine lebende Legende. Diese bei einem Menschen mit einem beeindruckenden Lebenswerk gern genutzte Floskel geht jedoch am Kern dessen vorbei, was Hugo Blanco, geboren 1934, auszeichnet.

Amerika 1. Juli 2012

Tomás Borge (1930–2012)

Comandante der Revolution (FSLN)

von Matthias Schindler

Am 30.April 2012 starb Tomás Borge. Im Alter von 81 Jahren erlag der nicht unumstrittene Revolutionär und spätere Innenminister im Militärhospital der nicaraguanischen Hauptstadt Managua einem Lungenleiden.

Amerika 1. Juli 2012

Der Kampf gegen «Belo Monte»

von Martin Keßler

Der Regisseur der Dokumentation Countdown am Xingu II (siehe Filmbesprechung) informiert über die langjährige Geschichte des Staudammprojekts und den anhaltenden Widerstand dagegen.

Für die Indigenen des brasilianischen Amazonasgebiets ist der Xingu ein heiliger Fluss. Doch dieser Tage wird ihr Fluss geschändet.

Europa 2. Juni 2012

Schulden müssen tragfähig sein

Jürgen Kaiser plädiert für ein geordnetes Staateninsolvenzverfahren

Hätte es den Schuldenschnitt vom Februar 2012 schon im April 2010 gegeben, läge Griechenlands Staatsverschuldung jetzt bei 82% des Bruttoinlandsprodukts – und nicht bei 158% Ende 2011 mit Aussicht auf eine Absenkung auf 129% – im Jahr 2020!

Arbeitskämpfe 1. Juni 2012

Wilder Streik der Stahlwerker in Polen

von Dariusz Zalega

Anfang Mai ging der längste wilde Streik Polens in Chorzów zu Ende. Die Arbeiter haben verloren, fühlen sich aber nicht besiegt.

Europa 1. Juni 2012

Wahlen in Griechenland

Votum gegen Brüssel

von Gregor Kritidis

In den letzten zwei Jahren hat in Griechenland eine breite Massenbewegung die von der EU und dem IWF verordnete Austerity-Politik erbittert bekämpft. Mehrfach geriet die Regierung ins Taumeln, und nur durch massiven Druck und Interventionen von außen konnte die Hegemonie des herrschenden Blocks stabilisiert werden. Mit jeder weiteren Protestwelle erodierte die soziale und politische Basis der bisher regierenden Parteien jedoch weiter.

Europa 1. Juni 2012

Weimar in Athen

Der Aufstieg der Nazis und die Ohnmacht der Linken

von Giorgos Mitralias

Bar antifaschistischer Traditionen und einer entsprechenden Praxis, stehen fast alle Strömungen der griechischen Linken ohnmächtig und manövrierunfähig vor dem rasanten Aufschwung der extremen Rechten.

Europa 1. Juni 2012

Erklärung von Alexis Tsipras

Fraktionsvorsitzender des Linksbündnisses SYRIZA, nach der Übernahme des Mandats zur Regierungsbildung am 8.Mai 2012

Die Wahlentscheidung vom 6.Mai lässt sich nicht beliebig interpretieren: Die überwältigende Mehrheit der Bürger hat gegen die barbarische Memorandenpolitik gestimmt [Memoranden heißen in Griechenland die von der Troika oktroyierten Kürzungspakete der Regierung].

Europa 1. Juni 2012

Wer ist SYRIZA?

von Giorgios Mitralias

Schreckgespenst für die einen, Hoffnung für die anderen: Am 6.Mai hat das Wahlbündnis SYRIZA einen spektakulären Auftritt auf der politischen Bühne Europa hingelegt.

Europa 1. Juni 2012

Wer profitiert von den griechischen Schulden?

Blockupy und die aktuelle Lage in Griechenland

von Stephan Lindner

Geht es nach der Stadt Frankfurt, ist Demokratie entbehrlich. Lautstarker Protest gegen menschenverachtende Politik wäre einfach verboten. Egal ob ein Konzert von Konstantin Wecker, eine Mahnwache der Ordensleute für den Frieden, eine Diskussion besorgter Menschen über die Krise, eine internationale Großdemonstration oder das Besetzen von Straßen und Plätzen nach dem Vorbild von Occupy Wallstreet – nichts davon dürfte stattfinden.

Europa 1. Juni 2012

Was zerlegt die NPA?

Ein Querblick auf den Krisenprozess der Neuen Antikapitalistischen Partei in Frankreich

von Willi Hajek

Frankreich hat einen neuen Präsidenten. Im Land ist eine große Erleichterung festzustellen über die Ablösung von Sarkozy. Genau das ist aber auch der gemeinsame Grundgedanke: Hollandreou – so wurde er von Mélenchon, dem redegewandten Kandidaten der Linksfront, genannt – wurde nicht wegen seines Programms noch wegen seiner perspektivischen Vorstellungen, sondern eher als einer gewählt, der zumindest nicht Sarkozys «Kultur des Hasses», fortsetzen wird.

Europa 1. Juni 2012

Wahlen in Frankreich

Die konservative Rechte öffnet sich für die Rechtsextremen

von Bernhard Schmid

Die Wirtschafts- und Sozialkrise spült in einer Reihe von EU-Ländern auch rechtsextreme, autoritäre, faschistisch-nationalistische Kräfte nach oben. In ihrem konkreten Auftreten unterscheiden sich diese Parteien mitunter. Die ungarische «Jobbik» ist explizit antisemitisch und steht vergleichsweise nahe am historischen Nationalsozialismus. Hingegen konzentriert die niederländische PVV unter Geert Wilders all ihre Angriffe auf muslimische Einwanderer.

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2012

Syrien: Ein Waterloo für den arabischen Frühling?

von Leo Gabriel

Seit dem Ausbruch der Unruhen in Daraa vor etwa einem Jahr ist nicht nur Syrien, sondern auch das gesamte geopolitische Umfeld im Nahen Osten nicht mehr zur Ruhe gekommen.

Nordafrika/Nahost 1. Juni 2012

Noch einmal: Linke und Syrien

Zu: «Der Verlust des proletarischen Internationalismus. Syrien und deutsche Linke», SoZ 3/2012

von Harald Etzbach

Mein in der SoZ 3/2012 erschienener Artikel zum «Verlust des proletarischen Internationalismus» hat einiges an Reaktionen hervorgerufen, positiv-zustimmende, aber auch – wie nicht anders zu erwarten – ablehnende Kritik.

Bewegung 1. Juni 2012

Das Subversive-Forum in Zagreb

von Heiko Bolldorf

Das Zagreber Subversive-Festival wurde 2008 durch den kroatischen Philosophen Srecko Horvat und den Schriftsteller Igor Stiks aus Sarajevo ins Leben gerufen.

Amerika 1. Mai 2012

Aufschrei der Geldbesitzer

Argentinien holt sich seine Erdölgesellschaft zurück
von Guillermo Almeyra

Die Ankündigung der argentinischen Regierung, die argentinische Tochtergesellschaft YPF des spanischen Erdölkonzerns Repsol wieder in staatliches Eigentum zu überführen, hat bei der spanischen Regierung und in den Gremien der EU lauten Protest hervorgerufen.

Europa 1. Mai 2012

Maulkorb für den Bundestag

Eine Frage der Zeit
von Andrej Hunko

Der von CDU, SPD und FDP geplante Maulkorb für kritische Abgeordnete ist aufgrund der breiten Empörung mittlerweile vom Tisch. Dennoch lohnt eine Nachbetrachtung dieses bemerkenswerten Vorgangs. Es ist zu erwarten, dass es nicht der Letzte seiner Art war, demokratische und soziale Standards in der EU einzureißen.

Arbeitskämpfe 1. Mai 2012

Die siegreichen Näherinnen von Yssingeaux

von Manfred Dietenberger

Die Arbeitslosigkeit in Frankreich hat den höchsten Stand seit zwölf Jahren erreicht. Die Zahl der Erwerbslosen stieg im letzten Quartal 2011 auf 2,86 Millionen = 9,8% einschließlich der Überseeterritorien (bei Präsident Sarkozys Amtsantritt vor fünf Jahren lag sie noch bei 7,8%). Ohne die einstigen Kolonien liegt sie bei 9,4%.

Amerika 1. Mai 2012

Frühlingserwachen

Ausblick auf die Occupy-Bewegung in den USA
von Angela Huemer

Mitte März wurde vielerorts des sechsmonatigen Bestehens der Occupy-Bewegung gedacht, die am 17.September mit der Besetzung des Zuccotti-Parks in New York City begonnen hatte und sich dann rasch wie ein Lauffeuer über die ganze USA und weltweit verbreitete.

Europa 1. Mai 2012

Der Fiskalpakt

Ein Ermächtigungsgesetz der Finanzmärkte
von Angela Klein

Diktaturen sind eine hässliche Sache: Sie verbinden sich mit Machtusurpation, Ausnahmezustand, blutiger Niederschlagung von Opposition, Unterdrückung von Meinungsfreiheit, Folter. Diktatoren haben ein Gesicht.

Europa 1. Mai 2012

Der Europäische Stabilitätsmechanismus

Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) genießt sehr weitreichende Immunitätsrechte, die ihn vor dem Zugriff der Gerichte oder einer Rechenschaftspflicht vor einem nationalen Parlament weitgehend entheben. Sein Gouverneursrat setzt sich aus den Finanzministern der ESM-Mitgliedsländer zusammen, sein Direktorium aus den Finanz-Staatssekretären.

Europa 1. Mai 2012

Schuldenaudit: Auch in Europa aktuell

Sind wir Spielball oder Bürger? Die Ablehnung, für die Schulden zu zahlen, wächst
von Angela Klein

Immer mehr Europäer wollen für die Staatsverschuldung geradestehen. In immer mehr Ländern gibt es Initiativen und Kampagnen für die Schuldenstreichung und gegen den Fiskalpakt – so auch in Deutschland.Schulden werden landläufig mit übermäßigen Ausgaben assoziiert, Schuldenabbau wird daher gleichgesetzt mit Ausgabenkürzungen.

Europa 1. Mai 2012

Demokratie statt Fiskalpakt

Krisenlösung und Europa gehen nur ganz anders

Ein Aufruf von Wissenschaftlern gegen den Fiskalpakt und für ein sozialökologisches Europa.

Frühjahr 2012. Merkel und Sarkozy eilen von Gipfel zu Gipfel, um den Euro zu retten. Der Boulevard hetzt gegen die Menschen in Griechenland. Der Kampf um die Krisenlösung spitzt sich dramatisch zu: Bis Anfang 2013 will ein autoritär-neoliberales Bündnis aus Kapitalverbänden, Finanzindustrie, EU-Kommission, deutscher Regierung und weiteren Exportländern den jüngst in Brüssel beschlossenen «Fiskalpakt» im Schnellverfahren durch die Parlamente bringen.

Europa 1. Mai 2012

Wahlerfolg der Linken bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich

Ein neuer Wind weht durch Europa
von Angela Klein

Aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich am 22.April 2012 geht François Hollande von der sozialdemokratischen PS (Parti Socialiste) als eindeutiger Sieger hervor, während Staatspräsident Sarkozy eine doppelte Wahlniederlage eingefahren hat.

Europa 1. Mai 2012

Philippe Poutou (NPA) über seine Präsidentschaftskandidatur

«Wir wollen keine Zweitausgabe der PS»

Philippe Poutou war der Präsidentschaftskandidat der NPA. Beim ersten Wahlgang am 22.April holte er 1,15% der Stimmen, 2007 hatte die LCR mit Olivier Besancenot noch 4,08% geholt. Gegenüber der Zeitung Le Monde erklärte Poutou am 11.April, warum er dennoch kandidiert hat.

Europa 1. Mai 2012

NPA und Front de Gauche

Who is who

In der Folge der Kampagne gegen den EU-Verfassungsvertrag 2005, die eine bedeutende Mobilisierung im ganzen Land und die flächendeckende Gründung von Einheitskomitees ausgelöst hatte, holte Olivier Besancenot bei den Präsidentschaftswahlen 2007 4% der Stimmen für die LCR (Ligue Communiste Révolutionnaire).

Europa 1. Mai 2012

«Eine breite antikapitalistische Partei wird außerhalb der NPA entstehen»

über die Krise der Neuen Antikapitalistischen Partei in Frankreich
von Alban Heuze

Wann eine breite antikapitalistische Partei entsteht, hängt davon ab, wie die NPA bei den bevorstehenden Wahlen abschneidet, doch das Ob ist entschieden: Ein größerer Teil der Neuen Antikapitalistischen Partei, die im Januar 2009 gegründet wurde, bereitet sich darauf vor, die Partei wieder zu verlassen und in die Linksfront einzutreten.

Asien/Australien 1. Mai 2012

Durchbruch für unabhängige Gewerkschaften in Indien

Leiharbeiter in der indischen Autoproduktion
von Heiner Köhnen

Am 27.Februar 2012 gelang es den Beschäftigten von Maruti-Suzuki, dem größten indischen Autoproduzenten, nach neunmonatigen Auseinandersetzungen eine unabhängige Gewerkschaft zu gründen. Dies ist ein historischer Durchbruch in der nach China weltweit am stärksten expandierenden Volkswirtschaft.

Der globale Marsch auf Jerusalem

Neue Stolpersteine und neue Bündnisse
von Leo Gabriel

«Am 30.März 2012 werden wir, von allen Kontinenten kommend, uns an der palästinensischen Grenze mit Jordanien, Ägypten, Syrien und dem Libanon einfinden und zu einem friedlichen Marsch nach Jerusalem vereinigen», so lautete der internationale Aufruf zum „Global March on Jerusalem“ (GMJ), dessen erklärtes Ziel es war, «den arabischen Frühling nach Jerusalem zu bringen».

Gilad Atzmon ist keiner von uns

Palästinenser distanzieren sich von antijüdischer Palästina-«Solidarität»
von Sophia Deeg

Einem in weiten Kreisen der palästinensischen und internationalen Bewegung für die Rechte der Palästinenser wegen seiner dubiosen Verschwörungstheorien unerwünschten «Mitstreiter», Gilad Atzmon, bietet die «Palästina-Solidaritätsbewegung» – anscheinend immer noch eher eine «Israel-Empörungsbewegung» – hierzulande eine Bühne. Sein unerwünschtes Grußwort auf der Stuttgarter Palästina-Konferenz 2010 wirkt bis heute nach.

Geschichte 1. Mai 2012

Vor 50 Jahren: Algerien wird unabhängig

von Sylvain Pattieu
Am 18.März 1962 unterzeichnete Frankreich das Abkommen von Evian, mit dem es die Unabhängigkeit Algeriens anerkannte, das seit 1830 französische Kolonie war. Die algerische Regierung proklamierte am 5.Juli offiziell die Unabhängigkeit des nordafrikanischen Landes. Damit endete ein antikolonialer Befreiungskampf, der 1954 begonnen hatte und, wie später der Vietnamkrieg, ein wichtiger Kristallisationspunkt für die Herausbildung einer radikalen Linken in Europa war.

Nordafrika/Nahost 4. April 2012

Sanktionen gegen Syrien und Iran

von Angela Klein

Das Sanktionsregime, das Anfang des Jahres verhängt wurde, stellt die erste Phase eines regulären Kriegs gegen Iran dar. Man hofft, so heißt es zynisch, die iranische Wirtschaft werde kollabieren.

Nordafrika/Nahost 2. April 2012

Iran: Westen auf Kriegskurs

von Angela Klein

«Er kommt, er kommt nicht, er kommt, er kommt nicht» – das Rätselraten um die Wahrscheinlichkeit eines militärischen Angriffs gegen den Iran nimmt zuweilen die Züge eines Gänseblümchenspiels an.

Asien/Australien 2. April 2012

Massaker in Afghanistan

Der gar nicht so einzelne Einzeltäter

von Tariq Ali

In den meisten Kolonialkriegen werden Menschen willkürlich verhaftet, gefoltert und oftmals getötet. Nicht einmal ein Schein von Legalität wird als nötig erachtet. Der amerikanische «Einzeltäter», der an einem Sonntagmorgen [11.März] unschuldige Afghanen niedermetzelte, ist bei weitem keine Ausnahme.

Nordafrika/Nahost 2. April 2012

Was zählt, ist der demokratische Aufbruch

Der Politikwissenschaftler Fawwaz Traboulsi über die Perspektiven einer gefährdeten Revolution

im Gespräch mit Martin Glasenapp

Ende Februar trifft Martin Glasenapp von Medico international FAWWAZ TRABOULSI im altehrwürdigen Hotel Bristol nahe der Hamra, der alten Einkaufsstraße im westlichen Beirut, es gibt Tee und Gebäck. In der Ecke läuft ein libanesischer Fernsehkanal. Die Bilder aus Syrien bilden eine schier endlose Schleife: Flüchtlinge, Panzer, bewaffnete Gruppen und Rauchwolken über der Stadt Homs. Bei dieser Gelegenheit wurde das nachstehende Gespräch aufgezeichnet.

Amerika 2. April 2012

Strafverfahren gegen Nestlé

Mehrfacher Mord an kolumbianischen Gewerkschaftern

von Jochen Gester

Kolumbien ist ein Land mit vielen Bodenschätzen und anderen natürlichen Reichtümern. Es ist deshalb ein bevorzugtes Investitionsgebiet internationaler Konzerne. Auch Großunternehmen aus der EU sichern sich mit einem Freihandelsabkommen einen privilegierten Zugriff.

Europa 2. April 2012

Energiedebatte in Polen

Atomkraftwerke und Schiefergas sollen Wunder bewirken

von Dariusz Zalega

Die Energiefrage ist eine zutiefst politische Frage. Dies zeigen in Polen die Diskussionen, die zum Thema des Baus von Atomkraftwerken oder der Gewinnung von Schiefergas, geführt werden.

Asien/Australien 2. April 2012

Das EU-Indien-Freihandelsabkommen

Ansturm auf einen Milliardenmarkt

von Gerhard Klas

Zwischen Indien und der EU laufen seit Monaten Verhandlungen über ein Freihandelsabkommen. Wegen gravierender Meinungsunterschiede liegt es derzeit auf Eis. Es würde nahezu 1,7 Milliarden Menschen betreffen, also fast ein Drittel der Weltbevölkerung, und hätte vor allem für die ärmere indische Bevölkerung schwerwiegende Folgen.

Arbeitskämpfe 2. April 2012

Generalstreik in Indien

Für einen nationalen Mindestlohn und Festanstellung

von Kunal Chattopadhyay

Elf indienweite Gewerkschaftsverbände und rund 5000 Gewerkschaften riefen zusammen am 28.Februar 2012 zum Streik auf. Daraus wurde ein Generalstreik.

Buch 2. April 2012

Marc Thörner, Die arabische Revolution und ihre Feinde

Hamburg: Edition Nautilus, 2012.

Dass die Politik des Westens gegenüber der «arabischen Welt» nicht unbedingt von tief empfundenen demokratischen Überzeugungen geleitet wird, ist mittlerweile eine Binsenweisheit und spätestens während der arabischen Demokratiebewegung wohl auch dem oberflächlichsten Beobachter klargeworden.

Journalisten als Kriegsopfer

«Von den Schrecken des Krieges präzise und ohne Vorurteile berichten»

Direkte Berichterstattung aus Krisengebieten ist unumgänglich und sehr gefährlich. Zuletzt wurden wir daran erinnert, als am 22.Februar das Medienzentrum von Homs gezielt bombardiert wurde, wobei mehrere Journalisten ums Leben kamen – unter ihnen war die in England ansässige amerikanische Journalistin Marie Colvin. Nachstehend bringen wir Ausschnitte aus einer Rede Marie Colvins zu Ehren getöteter und verwundeter Journalisten vom November 2010 sowie Auszüge aus ihrem allerletzten Bericht aus Homs.

Nordafrika/Nahost 2. April 2012

«Wir leben in der Angst vor einem Massaker»

Marie Colvins letzter Bericht aus Syrien

Sie nennen es den Witwenkeller. Verängstigte Frauen und Kinder sind hier inmitten improvisierter Betten und verstreuter Habseligkeiten gefangen im Horror von Homs, die syrische Stadt, die seit zwei Wochen unerlässlich bombardiert wird.

Unter den 300, die sich im Keller der Holzfabrik im belagerten Stadtviertel Baba Amr drängen, ist die 20-jährige Noor, deren Mann und Zuhause den Raketen zum Opfer gefallen sind.

Nordafrika/Nahost 2. April 2012

30.März: Globaler Marsch nach Jerusalem

von Elsa Rassbach

Jedes Jahr am 30.März begehen Palästinenser überall auf der Welt den Tag des Bodens, einen Tag, der an die Proteste im Jahr 1976 gegen die israelischen Politik der  Inbesitznahme von arabischem Land erinnert – es war der erste breite Widerstand der arabischen Bevölkerung Israels nach 1948.

Europa 2. April 2012

Nationale Souveränität oder Bruch mit dem Kapitalismus?

Die griechische Bourgeoisie sitzt bei der Troika mit im Boot

von Andreas Kloke

In der reformistischen wie auch in der außerparlamentarischen, antikapitalistisch-revolutionär griechischen Linken sind seit dem ersten Memorandum der Regierung Papandreou eine Reihe von Fragen über die Ursachen und Verantwortlichen dieser Politik und die Möglichkeiten eines Auswegs aus der Diktatur der Kreditgeber aufgetaucht.

Europa 2. April 2012

Das zweite Griechenlandpaket

Kampfansage an die Sozialhaushalte

von Angela Klein

Am 8.März haben über 85% der privaten Gläubiger Griechenlands (Banken, Versicherungen, Pensionsfonds, usw.) darin eingewilligt, der griechischen Regierung 107 Mrd. Euro Schulden zu erlassen. Diese «Gläubigerbeteiligung» am Schuldenschnitt war Voraussetzung dafür, dass die Troika einem weiteren Hilfspaket über 130 Mrd. Euro zustimmte. Auf dem Papier liest sich das, als hätten die Gläubiger auf 53,3% ihrer Forderungen verzichtet. In Wirklichkeit sind sie weich gefallen.

Europa 13. März 2012

Warum kann Griechenland seine Schulden nicht bezahlen?

Dass Griechenland nicht in der Lage sei, seine Schulden zu bezahlen, gilt als ausgemacht – gleichermaßen bei denen, die das Land deshalb aus dem Euro rauswerfen wollen, wie auch bei denen, die das zu Anlass nehmen, den Griechen das «deutsche Modell» aufzuoktroyieren. An der Stichhaltigkeit der Behauptung ist zu zweifeln.

Europa 13. März 2012

Ein Versailles für Griechenland

von Angela Klein

Um die griechische Staatsschuld zu begleichen, muss man keine Rettungspakete bemühen, die die Krisenlasten auf die Bevölkerungen anderer EU-Länder abwälzen. Es würde reichen, wenn Deutschland an Griechenland endlich seine Kriegsschulden zurückzahlte und wenn der griechischen Wirtschaft auf die Beine geholfen würde, statt den Banken in großem Maßstab das Geld hinterher zu werfen.

Nordafrika/Nahost 13. März 2012

Der Verlust des proletarischen Internationalismus

Syrien und deutsche Linke
von Harald Etzbach

Menschenrechte, Bürgerrechte, Internationalismus sind Begriffe, die im Vokabular einer gewissen Linken in Deutschland fehlen. Sie denkt lieber in geopolitischen als in klassenpolitischen Kategorien und schlägt sich systematisch auf die Seite der Staaten, die dem Weltbeherrschungsdrang der westlichen Industrieländer im Weg stehen. Das ist nicht sehr glaubwürdig.

Nordafrika/Nahost 13. März 2012

«Wir brauchen medizinische und humanitäre Hilfe»

Elias Perabo unterstützt aus Deutschland die nichtbewaffnete syrische Opposition

Es ist notwendig, in Deutschland und anderswo gegen die Gefahr einer imperialistischen Militärintervention in Syrien zu protestieren und darauf aufmerksam zu machen, dass sie in Wirklichkeit den Iran zum Ziel hat. Aufrufe dieser Art gibt es inzwischen mehrere, u.a. von IPPNW und von der Friedensbewegung.

Es ist notwendig, aber es reicht nicht. Solange die westliche Staatenwelt die einzige politische Kraft bleibt, auf die sich nicht bewaffnete und sich nicht als Handlanger des Westens missbrauchen lassen wollende Oppositionelle stützen können, solange darf niemand der syrischen Opposition vorwerfen, sie sei das trojanische Pferd des Imperialismus.

Es gibt hierzulande eine Struktur der Solidarität mit der nicht bewaffneten syrischen Opposition: «Adopt a Revolution».

Elias Perabo, 31, ist Politikwissenschaftler und arbeitet für diese zivilgesellschaftliche Kampagne. Mit ihm sprach Harald Etzbach für die SoZ.

Asien/Australien 13. März 2012

Politische Aufbruchstimmung in Kasachstan

Andrej Hunko über die unschönen Seiten des neuen Rohstoff-«Partnerlands»

Im Rahmen des Staatsbesuchs von Präsident Nursultan Nasarbajew Anfang Februar hat die Bundesregierung ein weithin kritisch aufgenommenes Rohstoffabkommen mit Kasachstan abgeschlossen. Dabei geht es vor allem um die sog. «seltenen Erden», bei denen bislang China mit einem Weltmarktanteil von 90% führender Exporteur ist. Das Abkommen ist laut Bundesregierung «Bestandteil der Rohstoffstrategie und soll Partnerländer bei einer nachhaltigen wirtschaftlichen und gesellschaftlichen Entwicklung unterstützen und zur Rohstoffversorgung der deutschen Wirtschaft beitragen».

Amerika 13. März 2012

Arbeiterselbstverwaltung in Venezuela

Ein alternatives Modell zum Kapitalismus
von Eva Haule

Im März und April besuchen zwei verschiedene Delegationen von Arbeitern aus Venezuela die Bundesrepublik, um über ihre Erfahrungen mit Arbeiterselbstverwaltung zu berichten (für die Termine siehe Kästen). In Venezuela wächst auf bemerkenswerte Weise der Anspruch der organisierten Arbeiterschaft, einen eigenen Beitrag zur Zukunft der bolivarischen Revolution zu leisten. Dabei stoßen sie auf Hindernisse nicht nur seitens der privaten Unternehmer und der ihnen nahe stehenden Medien, sondern auch in der Regierungspartei PSUV und bei den Gewerkschaften. Der nachstehende Text wurde im Jahr 2011 geschrieben.

Europa 13. März 2012

Griechenland: Eine beispiellose humanitäre Krise

von Sonia Mitralia

Fast zwei Jahre nach Beginn der Schocktherapie für Griechenland, verabreicht von der Europäischen Zentralbank (EZB), der Europäischen Kommission und dem Internationalen Wirtschaftsfonds (IWF), ist die Bilanz katastrophal, empörend und unmenschlich.

Arbeitskämpfe 13. März 2012

Solidarität mit Griechenland

Britischer Aufruf

Endlich scheint Europa wach zu werden: Solidaritätserklärungen mit dem griechischen Volk sprießen derzeit aus dem Boden, am 18.Februar gab es in verschiedenen europäischen Ländern Solidaritätsaktionen vor Konsulaten und Botschaften, die sich gegen das Handeln der Troika und des deutsch-französischen Regierungsduos wandten.

Bewegung 13. März 2012

Griechenland: Krankenhaus unter Arbeiterkontrolle

Belegschaft ruft zum allgemeinen Volkswiderstand auf

Bislang wehrten sich die Griechen vor allem mit Demonstrationen und Besetzungen gegen die Krise. Im nordgriechischen Kilkis wird ein neuer Weg eingeschlagen.

Die Beschäftigten im städtischen Krankenhaus von Kilkis in Zentralmakedonien haben das Hospital besetzt und eine Erklärung herausgegeben, wonach es nun vollständig unter Arbeiterkontrolle steht. Damit reagiert die Belegschaft auf die zunehmend schärferen Sparmaßnahmen des Regimes. Alle Entscheidungen werden von nun an von den «Beschäftigten auf der Vollversammlung» getroffen.

Bewegung 13. März 2012

Eleftherotypia: Tageszeitung in Selbstverwaltung

von Moissis Litsis

Am 15.Februar erschien Eleftherotypia, eine der am weitesten verbreiteten Tageszeitungen Griechenlands, in neuem Gewand: Die Belegschaft, die seit sieben Monaten keinen Lohn mehr erhält, gibt Eleftherotypia der Arbeiter in Eigenregie heraus. Moissis Litsis, Wirtschaftsredakteur und Mitglied des Redaktionskomitees, hat in der Rubrik «Freie Tribüne» dazu folgenden Text veröffentlicht:

Europa 13. März 2012

«Ein wenig Pétain, ein wenig Dollfuss»

Interview mit Gáspár Miklós Tamás über die Lage in Ungarn

Gáspár Miklós Tamás gehörte in den 80er Jahren zu den führenden intellektuellen Dissidenten Ungarns. Heute ist er einer der profiliertesten Vertreter der ungarischen Linken, er sprach am 2.Januar 2012 auf der Protestkundgebung gegen die Regierung Orbán.

Nordafrika/Nahost 13. März 2012

Israels Interesse am Krieg gegen den Iran

«Ich glaube immer noch, dass es Gelegenheiten gibt, viele Menschen zu vertreiben»
von Moshe Machover

Der US-Verteidigungsminister will einen Bericht nicht dementieren, wonach Israel «sehr wahrscheinlich» im April, Mai oder Juni den Iran militärisch angreifen wird.

Nordafrika/Nahost 13. März 2012

Verschärfte grenzübergreifende Kurdenverfolgung in der Türkei

Verhaftungen wie nach dem Militärputsch
von Nick Brauns

In der Türkei vergeht kaum ein Tag ohne Polizeirazzien in Parteibüros, Redaktionen und Rathäusern. Allein in den ersten sechs Wochen dieses Jahres haben Menschenrechtsorganisationen mehr als 1500 Festnahmen prokurdischer und linker Oppositioneller gezählt. So durchsuchten Antiterroreinheiten der Polizei am 13.Februar die Zentrale der linksgerichteten Gewerkschaftsföderation des öffentlichen Dienstes (KESK) und zweier Einzelgewerkschaften in Ankara.

Globalisierung/Krieg 13. März 2012

Die stillen Krieger der Globalisierung

Nicholas Shaxson: Schatzinseln. Wie Steueroasen die Demokratie untergraben
Zürich: Rotpunkt, 2011, 416 S., 24,50 Euro
von Paul B. Kleiser

Gemeinhin wird angenommen, bei Steueroasen handele es sich um Fluchtgebiete für Steuerhinterzieher und Waschanlagen zur «Säuberung» von Geldern aus kriminellen Geschäften, etwa Drogen-, Frauen- oder Waffenhandel, die für die «reale» Weltwirtschaft von untergeordneter Bedeutung sind. Die Grundthese des neuen Buches Schatzinseln des investigativen Journalisten Nicholas Shaxson lautet jedoch: Die von ihm «Offshore-Zentren» genannten «Finanzplätze» spielen eine entscheidende Rolle im heutigen Wirtschaftsgeschehen;

Europa 5. Februar 2012

Das Bellen der Kriegshunde

von Tom Hayden

In den letzten zehn Jahren war der Autor skeptisch bezüglich eines möglichen Krieges mit dem Iran. Die potenziellen Kosten überwogen den Nutzen. Nun, da das Wahljahr 2012 seinen Lauf nimmt, bin ich nicht sicher. Die politischen und geopolitischen Dynamiken unterstreichen ein steigendes Kriegsrisiko.

Arbeitskämpfe 5. Februar 2012

Die Belegschaft hält stand

Bellinzona, Werkstätten Schweizer Bahn

von Rainer Thormann

Der Streik in Bellinzona im Frühjahr 2008 wurde weit über die Landesgrenzen hinaus als erfolgreicher Arbeitskampf bekannt. Inzwischen hat die Belegschaft einen erneuten Angriff der Spitze der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) vorübergehend abgewehrt.

Asien/Australien 5. Februar 2012

Eine kurze Geschichte von Doro-Chiba

Japanische Eisenbahn: Langer Kampf gegen Privatisierung

Nemetico

2011 besuchten drei japanischen Aktivisten der Eisenbahnergewerkschaft Doro-Chiba und des Studierendenverbands Zengakuren mehrere Städte in Deutschland und trafen u.a. mit der GDL zusammen. Seit 2009 haben deutsche Aktivisten Kontakt zu Doro-Chiba. Die Gewerkschaft verfügt seitdem über eine kleine deutschsprachige Abteilung seines «Internationalen Arbeitersolidaritätskomitees», das für den Aufbau internationaler Beziehungen verantwortlich ist.

Europa 5. Februar 2012

An der Rüstung keinesfalls sparen

Waffenexporte aus Deutschland steigen massiv

von Rolf Euler

Zu Deutschlands Exporterfolgen gehören ganz wesentlich Waffen – der drittgrößte Waffenexporteur der Welt ist wieder der «Meister aus Deutschland». Mit 2,1 Milliarden Euro war die Summe 2010 um über 60% höher als 2009. Exportiert werden nicht mehr hauptsächlich Artillerie und Panzer, sondern zunehmend kleine Waffen wie Gewehre und Pistolen, aber auch Hightechgeräte wie Ortungssysteme, Drohnen und die zugehörige Software.

Amerika 5. Februar 2012

Der neue Machtkampf mit China ums Öl

Kehrtwende in der US-Außenpolitik

von Michael T. Klare

Lässt die Regierung Obama die Beziehungen zu China eskalieren? Beim Versuch, zwei desaströse Kriege endlich abzuschließen, hat sie womöglich einen neuen Kalten Krieg in Asien eröffnet. Der Schlüssel zur weltweiten Vorherrschaft: Öl.

Nordafrika/Nahost 5. Februar 2012

Freiheit für die arabischen Völker

Schluss mit der Repression in Ägypten und Syrien

Gegen jede direkte und indirekte ausländische Militärintervention in der Region

Der nachstehende Aufruf ist ein ebenso ermutigendes, wie seltenes Zeichen einer breiten politischen Solidaritätskampagne aus einem europäischen Land, Italien, mit den Akteuren der arabischen Revolution.

Nordafrika/Nahost 5. Februar 2012

Wirtschaftskrieg und Regime change

Sanktionen gegen den Iran

Die Verhängung von Wirtschaftssanktionen gegen den Iran und die neue Runde der Aufrüstung vor allem Saudi-Arabiens verschärfen die Gefahr eines Militärschlags gegen Iran.
Am 24.Januar 2012 hat die EU die Einfuhr iranischen Erdöls ab kommendem Juli verboten; das Einfuhrverbot gilt auch für petrochemische Produkte und für Ausrüstungsgüter des Ölsektors. Neue Investitionen in Ölfirmen im Iran sind nicht mehr erlaubt. Zudem werden Konten der iranischen Zentralbank eingefroren.

Amerika 5. Februar 2012

Wisconsin (USA): Eine Million für die Abwahl von Gouverneur Walker

von Angela Huemer

Mehr als doppelt so viele Menschen wie nötig unterzeichneten die Petition für die Abwahl von Gouverneur Walker.
In der letzten Ausgabe (Seite 15, SoZ 12/2011) berichteten wir über die Massenproteste gegen das selbstherrliche Wirken des Gouverneurs Walker im US-Bundesstaat Wisconsin und der Initiative für sein Abwahl. Binnen zweier Monate wurden eine Million Unterschriften dafür gesammelt. Weitere 900000 Unterschriften legen den Grundstock für die Abwahl seiner Stellvertreterin Kleefisch und von vier Senatoren.

Afrika 5. Februar 2012

Tunesien: Ein Jahr nach dem Aufstand

Für die Linke wird alles komplizierter

von Alain Baron

Am 1.Januar 2011 hätte noch niemand geglaubt, dass Tunesiens Staatspräsident zwei Wochen später fliehen müsste. Was ist seitdem passiert? Haben sich die Hoffnungen der revoltierenden Bevölkerung erfüllt?

Globalisierung/Krieg 5. Februar 2012

Am 31.März und im Mai: auf nach Frankfurt/Main

Am 21. und 22.Januar fanden in Frankfurt am Main zwei Vorbereitungstreffen statt, um die Krisenproteste für dieses Jahr zu planen.

von Detlef Georgia Schulze, Peter Nowak

Bereits im letzten Jahr hatte das Ums-Ganze-Bündnis von Gruppen aus der BRD und Österreich die Initiative zu einem europäischen antikapitalistischen Aktionstag ergriffen. Mittlerweile hat sich ein internationales Netzwerk gebildet, dem weitere Gruppen aus der BRD, u.a. die anarchosyndikalistische Gewerkschaft FAU sowie lokale Zusammenhänge, und Gruppen aus Griechenland, Polen, Italien und Belgien angehören.

Europa 5. Februar 2012

Wirtschaftliche Ungleichgewichte sprengen den Euro

von Birger Scholz

Keine Frage. Es steht schlecht um den Euro. Das hat mittlerweile selbst die Europäische Zentralbank (EZB) eingesehen und sagte die Feier zum zehnjährigen Jubiläum seiner Einführung still und leise ab.

Amerika 1. Januar 2012

USA: Occupy the Winter

Wie soll es nach der Räumung der Zeltplätze und angesichts des Wintereinbruchs mit der Besetzungsbewegung in den USA weiter gehen? Dazu Vorschläge von Dokumentarfilmregisseur Michael Moore für die Generalversammlung von Occupy Wall Street.

Europa 1. Januar 2012

«Die vorgeschlagenen Wege vertiefen die EU-Krise nur»

Joachim Hirsch plädiert für eine wirkliche politische Union

Können sich die Regierungen den Erpressungen der Banken und des Finanzkapitals widersetzen? Ja, sagt Joachim Hirsch, emeritierter Professor für Politikwissenschaft der Universität Frankfurt. Doch dazu müssen sie sich radikal von der neoliberalen Politik abwenden, die immer noch bestimmend ist. Die Frage, ob es einen Ausweg aus der Krise gibt, ist also letzten Endes eine politische und sie erfordert einen Systemwechsel. Die «Lösungen», die derzeit gehandelt werden, werden die Krise eher verschärfen; dabei geht es auch nicht um mehr oder weniger Europa, sondern um jeweils unterschiedliche Auffassungen vom «nationalen Interesse».

Asien/Australien 1. Januar 2012

Die Bonner Afghanistankonferenz und die Proteste gegen den Krieg

In kolonialer Manier

von Werner Ruhoff

Die USA wollen sich in Afghanistan dauerhaft festsetzen und stoßen damit auf Widerstand.

Seit Obamas Wahl zum ohnmächtigsten Mächtigen haben die USA die Zahl der Soldaten in Afghanistan auf mehr als 130000 verdoppelt. Die afghanischen Zivilopfer, einschließlich der 142 in Kunduz, sind seit 2008 um ein Drittel auf über 3000 gestiegen, die Dunkelziffer wird höher geschätzt. Mehr als 700000 Menschen sind seit 2006 geflüchtet.

Industrie 1. Januar 2012

Rheinmetall in Kurdistan

Hochkonjunktur für das Geschäft mit dem Tod

von Ann-Kristin Kowarsch

Rheinmetall ist Deutschlands größter Waffenhersteller, bekannt vor allem für den Bau des Panzers «Leopard». Das Geschäft mit dem Krieg boomt. Einer der besten Kunden ist die Türkei, deren Regierung Waffen von Rheinmetall bevorzugt gegen Kurden einsetzt.

Europa 1. Januar 2012

Das britische Sparprogramm

Krieg gegen Arbeiter und Arme

von Susan Pashkoff

In der britischen Regierung sitzen 23 Millionäre (von 29 Kabinettsmitgliedern). Die destabilisieren mit ihrem überflüssigen Vermögen nicht nur die Kreditwirtschaft, sie führen unter dem Deckmantel des Sparens auch einen regelrechten Krieg gegen Lohnabhängige und Arme.

Arbeitskämpfe 1. Januar 2012

Generalstreik in England

Am 30.November 2011 fand der größte Generalstreik in der britischen Geschichte seit 1926 statt.

von Fred Leplat

Der Streik drehte sich vor allem um die Verteidigung der Renten für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Über 29 Gewerkschaften waren an ihm beteiligt, darunter die drei größten, UNISON, UNITE und GMB. Insgesamt nahmen über 2,5 Millionen Beschäftigte im staatlichen Gesundheitswesen (NHS), in den Kommunalverwaltungen und staatlichen Behörden daran teil.

Europa 1. Januar 2012

Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) schlägt vor: Ein neuer Vertrag für den Euro

Der BDI hat seine europapolitischen Vorstellungen in «12 Thesen aus einer industriellen Perspektive» gepackt, die er am 7.Dezember veröffentlichte.

Europa 1. Januar 2012

EU-Gipfel vom 8./9.Dezember

Die Beschlüsse

Nach dem Nein Großbritanniens zu einer Änderung der EU-Verträge im Sinne einer «fiskalpolitischen Stabilitätsunion» (Sarkozy) haben die 17 Euroländer plus einige weitere EU-Länder beschlossen, untereinander einen neuen Vertrag zu schließen, um der Eurokrise Herr zu werden. Dieser Vertrag soll im März 2012 von den Regierungschefs beschlossen werden.

Europa 1. Januar 2012

Zu den Brüsseler Beschlüssen der EU

Wenn der Bock zum Gärtner gemacht wird

von Angela Klein

Hält man sich an die Legende, dass die Eurokrise mit der «Griechenpleite» begonnen hat, rückt vor allem ein Akteur in den Vordergrund: Goldman Sachs. Die US-amerikanische Investmentbank half Griechenland Anfang 2002 den Kredit einzufädeln, den das Land brauchte, um sein Haushaltsdefizit zu kaschieren und eurokompatibel zu werden. Acht Jahre und eine Bankenkrise später erweist sich dieser Kredit als Sargnagel der griechischen Wirtschaft und, wer weiß, vielleicht des Euro insgesamt.

Bewegung 1. Januar 2012

Das Russland der Empörten

Die Bewegung gegen die Wahlfälschungen

von Carine Clément

Die Wahlen zur russischen Duma am 4.Dezember endeten wie gewohnt mit massiven Fälschungen und dem Druck der Machthaber, um den Sieg der regierenden Partei «Einiges Russland» zu sichern. Diesmal hat die Wahlfälschung aber jedes Maß überschritten und die größte Protestbewegung seit dem Zusammenbruch der UdSSR vor zwanzig Jahren provoziert.

Bewegung 1. Januar 2012

Der Spreu trennt sich vom Weizen

Die russische Protestbewegung kann der Linken Auftrieb geben

von Boris Kagarlitzki

In einem Interview für Socialist Worker, USA, erklärte Boris Kagarlitzki am 15.Dezember:

Nordafrika/Nahost 1. Januar 2012

Ägypten: Die Revolution geht wieder auf die Straße

Mustafa Ali erlebte in Kairo die zweite Protestwelle

Ein Polizeiangriff auf ein kleines Sit-in auf dem Tahrirplatz am 19.November hat zu einer neuen Protestwelle geführt. Sie hat die Übergangsregierung zu Fall gebracht und die Umstände der Parlamentswahlen verändert. Lee Sustar von der US-amerikanischen Wochenzeitung Socialist Worker sprach mit Mustafa Ali, einem Journalisten bei Ahram Online und Mitglied der Revolutionären Sozialisten aus Ägypten.

Nordafrika/Nahost 1. Januar 2012

Syrische Opposition gespalten

Der Syrische Nationalrat und seine Verbindungen zum Westen

von Khalil Habash

Am 11.Dezember wurde in Syrien ein «Streik der Würde» ausgerufen wurde, in den Hochburgen des Protests überall im Land wurde er weitgehend unterstützt. Ursprünglich war die Initiative dazu von Gruppen im Land ausgegangen, dann wurde sie vom Syrischen Nationalrat übernommen. Polizeikräfte versuchten, die Streiks mit Gewalt zu beenden. Die Gemeindewahlen, die am 12.Dezember durchgeführt wurden, um die Menschen von Protesten abzuhalten, sind gescheitert.

Nordafrika/Nahost 1. Januar 2012

Syrien: Gegen ausländische Einmischung

Erklärung der Koordination der lokalen Komitees

Die lokalen syrischen Komitees pochen auf das Recht auf Selbstbestimmung und auf Befreiung vom autoritären Regime.

Europa 1. Januar 2012

Roma in Ungarn

Am Rande der Gesellschaft mitten in Europa

von Aljoscha Pilger

Das Leben der Roma im poststalinistischen Ungarn ist geprägt von Armut, sozialer Ausgrenzung, materiellen Entbehrungen, verbaler rassistischer Hetze und gewalttätigen Übergriffen – teilweise mit Todesfolge. Sie leben am sprichwörtlichen «Rande» einer Gesellschaft, die sie als Projektionsfläche für gesellschaftliche Krisenerscheinungen und Umbrüche missbraucht.

Europa 1. Januar 2012

Kroatien vor dem EU-Beitritt

Das nächste Griechenland?

von Heiko Bolldorf

Am 9.Dezember 2011 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel den Beitrittsvertrag mit Kroatien, das zum 1.Juli 2013, nach Ratifizierung des Vertrags durch alle Mitgliedstaaten, Mitglied der EU werden soll. Im Frühjahr wird in Kroatien allerdings noch ein Referendum über den Beitritt stattfinden; nach gegenwärtigen Umfragen sind etwa 60% der Bevölkerung dafür.

Europa 1. Januar 2012

«Ich bereue keine Sekunde dieses Kampfes»

Vor 30 Jahren wurde in Polen der Kriegszustand verhängt

Der «kurze Sommer» der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc in Polen war der fortgeschrittenste Versuch in einem osteuropäischen Land, der bürokratischen Planungsdiktatur einen echten Selbstverwaltungssozialismus mit Massenanhang entgegen zu setzen. Dieser Versuch wurde durch die Verhängung der Kriegsrechts am 13.Dezember 1981 erstickt. Den Niedergang des Nominalsozialismus hat das nicht aufgehalten, wohl aber die Weichen für die Rechtsentwicklung der Solidarnosc nach 1989 und das geringe Engagement der Arbeiterklasse in der Wendezeit gestellt.
Im Westen waren die Kräfte, die die unabhängige Gewerkschaft auch im Untergrund noch unterstützten, gering. Kamil Majchrzak sprach mit MARCEL GERBER, einem Schweizer Unterstützer der Solidarnosc, über die damalige Solidaritätsarbeit.

Europa 30. Dezember 2011

Wahlen in Polen: Eine neoliberale Mehrheit

Ein Unternehmer stellt sich gegen die Kirche und sucht Unterstützung bei den Linken

von Dariusz Zalega

Die Wahlen zum Sejm, dem polnischen Parlament, am 9.10. bescherten eine Überraschung: Die antiklerikale Palikot-Bewegung stellte erstmals Kandidaten auf und erzielte auf Anhieb einen großen Erfolg. Das Medienereignis hat völlig verdrängt, dass die neoliberalen Reformen an der Weichsel jetzt Tempo aufnehmen werden – denn dies verlangen die «Finanzmärkte».

Europa 30. Dezember 2011

Rechtsextreme in der Überzahl

Polnischer Unabhängigkeitstag beherrscht von faschistischen Schlägern

von Malgorzata Swiatek

Am 11.November «feierte» Polen seinen Unabhängigkeitstag. Selbst die offiziellen Feierlichkeiten gingen unter den Schlägerorgien faschistischer und extrem nationalistischer Gruppen unter. Die Polizei war völlig überfordert.

Europa 30. Dezember 2011

Polen: Containersiedlungen

In Polen gibt es große Wohnungsprobleme. Die meisten Menschen haben keine reichen Brüder und Schwestern, die ihnen Häuser sanieren und bauen. Die, die Geld haben, kaufen sich zunehmend Wohnungen in geschlossenen Wohnanlagen. Da sind sie unter sich, es gibt einen Wachschutz, der ihnen den Pöbel fernhält. Die Bürgermeisterin von Warschau schickt ihre Verwaltungsangestellten nach Rio de Janeiro, damit sie sich ansehen, wie dort das Problem der wachsenden Stadtbevölkerung gelöst wird.

Amerika 30. Dezember 2011

Raus aus den Parks – rauf auf die Brücken

United States of Occupation – Nach dem Aktionstag vom 17.November
von
Jon Chisum, John Dennehy, Brad Edmondson, Ruth Fowler, Charlie Lockwood, Joanie Masters, Keesha Renna, Kevin Schiesser, Jenna Spitz, David Swanson, JoAnn Wypijewski

Der Zuccotti Park nahe der New Yorker Wall Street ist noch besetzt, gecampt wird dort nicht mehr. Nach zwei Monaten ihres Bestehens verfestigt und wandelt sich die Bewegung. Die Phase der Parkbesetzungen neigt sich – auch aus klimatischen Gründen – seinem Ende zu. «Wegen des vor der Tür stehenden Winters», sagt Michael Levitin von Occupy Wall Street Journal in der Wochenzeitung Die Zeit (17.11.), «mussten sowieso neue Strategien und Orte in Betracht gezogen werden. Die Besetzungen werden weitergehen, aber die entscheidende Frage ist, ob die Besetzung von Parks gegenüber anderen Aktionen nicht an Bedeutung verliert.»

Amerika 30. Dezember 2011

«Eine Idee kann man nicht räumen»

Die Räumung der Protestierenden vom Zuccotti Park in New York war vor allem feige, durchgeführt im Schutz der Dunkelheit und möglichst unter Ausschluss der Medien. Vor der Räumung waren die örtlichen U-Bahnen und die Brooklyn-Bridge gesperrt worden, wodurch man verhinderte, dass Sympathisanten der Protestierenden zum Platz kommen. Im Zuge der Räumung wurde die Polizei zunehmend härter, Journalisten wurden verhaftet und immer weiter vom Geschehen weggedrängt. Die Presse durfte das Geschehen nicht aus der Luft verfolgen, Anrainer wurden angewiesen, in ihren Häusern zu bleiben.

Amerika 30. Dezember 2011

Jeder kann sich einbringen

USA: Die Besonderheiten der OWS-Bewegung

von Abra Quinn

Die Menschen sollen selbst herausfinden, worum es ihnen geht.

Eins der Schilder auf dem am 2.11.2011 von Occupy Oakland organisierten Generalstreik lautete: «Es gibt Jahrzehnte, in denen nichts geschieht, und Wochen, in denen Jahrzehnte geschehen – W.I.Lenin.» Die Occupy-Wall-Street-Bewegung, in «Tweet-Speak» auch bekannt als #OWS, scheint einer der Momente der Geschichte zu sein, bei dem der Wandel, nachdem er sich jahrelang im Tempo eines Gletschers vollzog, plötzlich Sprünge nach vorne macht.

Amerika 30. Dezember 2011

Wähler erobern Arbeiterrechte zurück

Ohio und Wisconsin
von Angela Huemer

Während Ohios Wähler bereits erfolgreich arbeitnehmerfeindliche Gesetze abgeschafft haben, schicken sich Wisconsins Wähler an, den republikanischen Gouverneur Scott Walker seines Amtes zu entheben.

Anfang November war Feiern angesagt für Ohios Gewerkschaften. Der Grund: Mit einer überwältigenden Mehrheit von 61% sprachen sich Ohios Wähler gegen das Gesetz «Senate Bill 5» aus, das die Rechte von rund 400000 öffentlich Bediensteten massiv beschnitten hätte. Vor allem das Streikrecht und das Recht auf kollektive Tarifverhandlungen wollte das Gesetz massiv eingeschränken.

Globalisierung/Krieg 30. Dezember 2011

«Uns wird eine Kriegslogik vorgeschlagen»

Italien besetzt von EZB und Wall Street

von Giorgio Cremaschi

Nicht die Bezahlung der Schulden, sondern die Schaffung sozialer Gleichheit hält der Vorsitzende der italienischen Metallarbeitergewerkschaft FIOM für den Schlüssel zur Lösung der Krise.

Europa 30. Dezember 2011

Europa braucht eine neue Verfassung

Sie können es nicht

von Angela Klein

Zwei Regierungen hat die EU im vergangenen Monat zu Fall gebracht: Dem griechischen Ministerpräsidenten wurde der Plan vereitelt, seine auf eine Stimme geschrumpfte Parlamentsmehrheit mit Hilfe eines Referendums über die nächste Zumutung aus Brüssel zu retten. Und der italienische Premierminister wurde persönlich als nicht mehr vertrauenswürdig erklärt und aus dem Amt gedrängt. Das ist neu in Europa: Nicht nur Gesetze und Haushalte, neuerdings werden auch Regierungen in Brüssel gemacht.

Europa 30. Dezember 2011

Schuldenkrise: Raus aus dem Euro?

Die Debatte in der griechischen Linken

von Haris Triandafilidou

Griechenlands Linke hat scharf gegen das von Papandreou vorgeschlagene Referendum protestiert und statt dessen Neuwahlen gefordert. In den Umfragen lagen Anfang November die beiden großen Parteien Syriza und KKE zusammen bei 20%. Doch die Zerrissenheit ist groß, vor allem das Wahlbündnis Syriza ist gespalten. Ein Hauptkonfliktpunkt ist die Haltung zur EU und zum Euro.

Nordafrika/Nahost 30. Dezember 2011

Israel spielt mit dem Krieg

Iranisches Atomprogramm

von Jonathan Cook Übersetzung: Harald Etzbach

Israel versucht, die Unsicherheit der internationalen Gemeinschaft über den Mitte November veröffentlichten Bericht der UN-Atomenergiebehörde (IAEA) über das nukleare Programm des Iran zu nutzen, um einen möglichen Militärschlag gegen den Iran zu rechtfertigen.

Amerika 8. November 2011

Eine neue Wirtschaftscharta für das amerikanische Volk

Im Internet entsteht derzeit das Programm der Occupy-Wall-Street-Bewegung (siehe http://tapnec.wikispaces.com). Nach dem Verfahren von Wikipedia wurde bislang ein Text von 70 Seiten zusammengestellt, der auf den wöchentlichen Generalversammlungen im Zuccotti-Park diskutiert wird und dort am 20.November verabschiedet werden soll.

Bewegung 8. November 2011

«Um die mindeste Forderung zu verwirklichen, muss man die Regierung stürzen»

Griechenland
Von Sonia Mitralia

Beitrag zur Eröffnung der Konferenz «Europe against Austerity», die am 1.Oktober 2011 von der Londoner Coalition of Resistance organisiert wurde.

Nordafrika/Nahost 8. November 2011

Libyen: Rezept für die künftigen Kriege?

Zum Tod von Gaddafi

von HARALD ETZBACH
Ob die Umstände, unter denen Libyens Revolutionsführer Muammar al-Gaddafi Ende Oktober nahe seiner Heimatstadt Sirte getötet wurde, jemals aufgeklärt werden, ist unklar. Vieles weist auf eine Hinrichtung durch die mit der NATO verbündeten libyschen Oppositionsmilizen hin.

Arbeitswelt 8. November 2011

Niederlande: Neues Gesetz unterläuft Mindestlohn

von Piet van der Lende

In den Niederlanden wird das bisherige Sozialsystem bald durch ein neues auf den Kopf gestellt.

In Deutschland gibt es neue Ansätze für subventionierte Arbeit [gemeint sind die 1-Euro-Jobs]. Dabei werden Arbeitsplätze geschaffen, bei denen die Arbeit zusätzlich sein muss – finanziert wird das mit EU-Geldern. Bis vor kurzem hatten wir in den Niederlanden ein ähnliches System, es ist jetzt aber ein Gesetz geplant, das zu ändern.

Europa 8. November 2011

Zwangsarbeit

Zur Diskussion um einen Begriff
von Piet van der Lende
Zunehmend müssen Arbeitslose unbezahlte oder unterbezahlte Arbeit verrichten, nur damit sie «die Disziplin» nicht verlernen.

Europa 8. November 2011

Ungarn: ein Beispiel für Zwangsarbeit

«Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen»

In Ungarn müssen einige hunderttausend Arbeitslose dort in Zukunft für 30–60% des Mindestlohns arbeiten, etwa in großen Staatsprojekten wie dem Bau von Deichen, Kanälen usw. Zur Organisation und Bewachung dieser Projekte hat die Regierung viele Tausende bereits pensionierte Polizisten und Soldaten einberufen. Ihre Pensionierung wird rückgängig gemacht.

Europa 8. November 2011

Regierung ohne Volk

Griechenland am Rande des Ausnahmezustands

von Aris Leonas
In Griechenland gibt es Anzeichen dafür, dass das Land vor gewaltigen Veränderungen steht.
Der Verfall grundlegender Funktionen des Staates und die weit verbreitete Gewissheit, dass die Schulden Griechenlands nicht in den Griff zu bekommen sind, liefern ein Bild politischer Instabilität und Krise, das allem Anschein nach eine allgemeine politische Krise in den übrigen Ländern Südeuropas und schließlich auch im Herzen der Eurozone ankündigt. Darauf deuten die zunehmenden Spannungen durch die Finanzkrise und die Uneinigkeit zwischen den Regierungen der Eurozone hin.

Europa 8. November 2011

Schuldenschnitt und Hebelung

Wirtschaft verstehen

Am Wochenende trafen sich die Euro-Staats- und Regierungschefs und beschlossen einen höheren Schuldenschnitt für Griechenland und höhere Eigenkapitalquoten für die angeschlagenen Banken. Keinen Durchbruch gab es bei der nötigen Ausweitung des Rettungsfonds ESFS. Wir wollten wissen, wie der Gipfel zu bewerten ist, und fragten BIRGER SCHOLZ.
Der Gipfel hat die Banken aufgefordert, bis zu 60% ihrer Forderungen an Griechenland abzuschreiben. Ist das nicht der richtige Weg?

Bewegung 8. November 2011

Die Massendemonstration scheitert

Der 15.Oktober in Rom – Große Debatte um die jugendlichen Randalierer

Etwa 200000 Menschen demonstrierten am 15.Oktober in Rom. Statt einer neuen Massenbewegung Auftrieb zu geben, ging das Anliegen der Demonstration jedoch in den Auseinandersetzungen zahlreicher Jugendlicher mit der Polizei unter.

Europa 8. November 2011

Die KKE schützt das Parlament

Der 20.Oktober in Athen – Straßenschlacht zwischen den Demonstranten

Es gibt eine alte Parole in Griechenland: «Staat, wo du doch die KNEtes hast, was brauchst du noch Bullen?» «KNEtes» sind die Mitglieder der Jugendorganisation der KKE, der KP Griechenlands. Zum Beispiel bewachen sie bei den Feiern um den 17.11. (Tag des Aufstands 1973) immer das Polytechnikum, damit Anarchisten dort nichts «anstellen».

Nordafrika/Nahost 8. November 2011

Die ersten freien Wahlen nach dem «Arabischen Frühling»

Tunesien
Von Bernhard Schmid
In Tunesien fanden am Sonntag, dem 23.Oktober, die ersten freien, pluralistischen und unmanipulierten Wahlen seit den (unvollendeten) Revolutionen in Nordafrika im Winter 2010/11 statt; bei Redaktionsschluss lagen die genaue Ergebnisse noch nicht vor. In jedem Fall sind Auswirkungen auf die ägyptischen Wahlen Ende November zu erwarten.
Stärkste Kraft wurde die moderat islamistische Partei En-Nahdha (die «Wiedergeburt») mit rund 35% der Stimmen. Ihr könnten bis zu 40% der Sitze in der Verfassungsgebenden Versammlung zufallen.

Europa 3. Oktober 2011

Der Gang in die Schuldknechtschaft

von Angela Klein

Nun verhängt auch die Kanzlerin Maulkörbe. Ihr Wirtschaftsminister darf nicht sagen, was jeder denkt: Dass Griechenland zahlungsunfähig ist und Rezepte, die so tun, als sei das nicht so, alles nur noch schlimmer machen können. Die Regierung ist dabei, eine Bataille zu verlieren, da ist Maul halten die erste Bürgerpflicht. Weil die Finanzmärkte sonst noch nervöser werden und die Aktien noch rasanter in den Keller fahren könnten, als es ohnehin schon der Fall ist.

Europa 3. Oktober 2011

Das Schuldendiktat ist eine Form der Kriegführung

Klaus Dräger über Eurobonds, das deutsche Europa und die Erpressung der Schuldner

Die Euro-Rettungspakete reichen nicht aus, um Griechenland oder ein anderes der südeuropäischen Länder in die Lage zu versetzen, seine Schulden zurückzuzahlen. Das wissen auch die Akteure auf den Finanzmärkten. Wenn sie trotzdem auf der Rückzahlung der Schulden bestehen, dann deshalb, weil ihnen das einen Hebel an die Hand gibt, in großem Stil Raubbau am öffentlichen Eigentum, an Löhnen und gewerkschaftlichen Standards zu treiben. Für das deutsche Kapital geht es überdies um die Veränderung der Wertschöpfungsketten in Europa.

Amerika 3. Oktober 2011

Was mich die Aussperrung über internationale Arbeitersolidarität gelehrt hat

13 Monate Arbeitskampf bei Honeywell, USA

Erfahrungsbericht eines Kollegen aus Illinois

von John Paul Smith
Im Internet-Blog Working in these times hat der Autor seine Erfahrungen mit internationaler gewerkschaftlicher Solidarität beschrieben.

Vor einem Jahr, als Honeywell International mich und 228 meiner Kolleginnen und Kollegen aus der Fabrik in Metropolis im Bundesstaat Illinois aussperrte, hätte ich mir nicht träumen lassen, dass ich einmal in Deutschland und Belgien erklären würde, was bei uns passiert. Aber genau dahin hat mich dieser Kampf, der offiziell in der Woche endete, in der der neue Dreijahresvertrag angenommen wurde, geführt.

Europa 3. Oktober 2011

Eine Wirtschaftsregierung à la Merkel und Sarkozy

Der Preis für das Euro-Rettungspaket

Die Parlamente der Eurozone stimmen ihrer eigenen Entmachtung zu

von Klaus Dräger

Die Große Krise 2008 hat die Europäische Union zugleich auseinander getrieben und stärker zusammengeführt. Noch weiter auseinander gedriftet sind Leistungsbilanzen und Wachstumsquoten. Zugleich konnten die Banken und Finanzinstitute die Schuldenkrise nutzen und sich die Politik unterwerfen. Um der «Rettung des Euro» willen wird nun eine europäische Integration vorangetrieben, die ausschließlich an den Interessen des Finanzkapitals ausgerichtet ist.

Europa 3. Oktober 2011

Die Rettung des Euro oder: Ein Loch reißt das nächste

von Klaus Dräger

Das Management der sog. Eurokrise und das Bemühen der EU-Institutionen, um jeden Preis die Stabilität des Euro zu bewahren, stellen eine Haupttriebkraft für die Errichtung einer «europäischen Wirtschaftsregierung» dar. Dieser Prozess hat unterschiedliche Phasen durchlaufen.

Europa 3. Oktober 2011

Die Schuldner vor dem Ausbluten schützen

Lehren für Griechenland aus den Erfahrungen Argentiniens

von Claudio Katz

Im Jahr 2002 erklärte Argentinien mit einem Schuldenberg von 100 Mrd. US-Dollar seine Zahlungsunfähigkeit. Griechenland macht derzeit dasselbe Drama durch. Für die Bewältigung der Schuldenkrise lassen sich aus dem argentinischen Beispiel Lehren ziehen.

Europa 3. Oktober 2011

«Griechenland zum Verkauf»

So titelten deutsche Wirtschaftszeitungen nach dem Beschluss des Europäischen Rats im Juli über ein zweites Rettungspaket für die Banken. In Griechenland heißen die Abgesandten der Troika (IWF, EU-Kommission, EZB) «Männer in Schwarz». Wie Dürers apokalyptische Reiter bringen sie Elend und Zerstörung.

Europa 3. Oktober 2011

Rechtsextremismus in Skandinavien

Über rechtspopulistische Parteien dringt er in die gesellschaftliche Mitte vor

von Edeltraut Felfe

Nachdem rassistische Parteien und Milieus in Europa keine Zusammenhänge mit der Gedankenwelt des Mörders finden konnten, verstärken sie ihre Aktivitäten. Organisationen wie «Stoppt Norwegens Islamisierung» und die Norwegian Defence League rekrutieren neue Mitglieder.

Nordafrika/Nahost 3. Oktober 2011

Der Westen hat (noch) keine Kontrolle über Libyen

Gilbert Achcar über die Interessen der NATO in Libyen

Der nachstehende Auszug bildet den zweiten Teil eines langen Interviews, das Tom Mills von der Online-Zeitung New Left Project mit Gilbert Achcar, Dozent an der School of Oriental and African Studies in London, geführt hat.

Nordafrika/Nahost 3. Oktober 2011

Mehr Interventionen werden folgen

Gaddafis Sturz und seine Bedeutung für Afrika

von Mahmood Mamdani

Was passiert in Afrika, wenn jeder im Inneren nach äußerer Intervention ruft?

«Kampala ist stumm angesichts des Sturzes von Gaddafi», lautete die Schlagzeile eines oppositionellen Blattes in der Hauptstadt Ugandas und brachte damit die Stimmung auf den Punkt. Ob man nun trauert oder feiert, es ist unmissverständlich eine Art Trauma, das die afrikanische Reaktion auf den Sturz Gaddafis bestimmt.

Nordafrika/Nahost 3. Oktober 2011

Israelisch-palästinensische Erklärung

Die UN-Initiative ist ein legitimer Schritt

Anfang September 2011 äußerten sich etwa zwanzig israelische und palästinensische Parteien und Bewegungen zum Antrag der Palästinensischen Autonomiebehörde auf Aufnahme Palästinas in die UNO und zum Zusammenhang zwischen den sozialen Protesten in Israel und dem Kampf gegen die Besatzung.

Nordafrika/Nahost 3. Oktober 2011

Ist die Zwei-Staaten-Lösung am Ende?

Die UNO-Entscheidung über den Palästinenserstaat könnte ein überraschendes Ergebnis zeitigen

von Carlo Strenger
Israels politische und militärische Führung bereitet sich auf die Eventualität von Massenprotesten in der Westbank vor, sollten voraussichtlich rund 140 Staaten Ende September einen unabhängigen Staat Palästina anerkennen.

Bewegung 1. September 2011

Aufstände in Großbritannien

Was ist der Einbruch in eine Bank gegen den Besitz einer Bank?

von Terry Conway

Am englischen Beispiel erleben wir, wohin die Reise geht: Obwohl es der Übermaß an Reichtum in den Händen Weniger ist, der die Krise verursacht, weil er keine vernünftigen Anlageformen mehr findet, kriegen diese Leute den Hals immer noch nicht voll. Die demokratische Maske fällt, der Raubzug an Lebenschancen und öffentlichem Eigentum wird brutaler; hinter der Diktatur des Marktes lauert der Polizeiknüppel.

Afrika 1. September 2011

Eine vermeidbare Katastrophe

Zur Hungersnot in Ostafrika

Die Bilder von der Hungersnot in Ostafrika sind aus den Massenmedien verschwunden, die Weltgemeinschaft geht zur Tagesordnung über. Den Vereinten Nationen fehlen eine Milliarde Dollar Soforthilfe.

«Das ist keine Katastrophe, die vom Himmel gefallen ist», empört sich der Vorsitzende des bischöflichen Hilfswerks Misereor, Josef Sayer, und zeigt mit dem Finger auf die Regierungen. «Für mich besteht eher der Mangel im Verhalten der Staaten.» Statt einmaliger Aufwendungen fordert er langfristige Programme im Kampf gegen den Hunger.

Europa 1. September 2011

Hass auf Muslime und Linke

Der Massenmörder von Oslo – Affinitäten zwischen gewalttätigen und «bürgerlichen» Rechtsextremen

von Bernard Schmid

Der moderne Rechtsextremismus hetzt heute gegen Multikulturalismus, Muslime und Marxismus wie weiland der alte gegen den Bolschewismus und die «jüdische Weltverschwörung».

Europa 1. September 2011

Anders Breivik Vorbote und Nachkomme faschistischer «Befreiung»

von Horst Hilse

Die Terroraktion des Attentäters von Oslo kommt nicht aus heiterem Himmel. Sie ist weder die Tat eines Verrückten, noch die eines Sonderlings.
Der Attentäter entstammt dem existenzbedrohten Mittelstand. Sein Vater verließ Frau und Kind früh und setzte sich nach Frankreich ab. Breivik, 32 Jahre alt und Bio-Unternehmer, lebte noch bei seiner Mutter, eine Krankenschwester. Er engagierte sich in der Rassistenbewegung seines Landes, der «Fortschrittspartei» und war von 2003 bis 2006 sogar Parteivorsitzender für den Bezirk Oslo-West.

Afrika 1. September 2011

Das Beispiel Kenya

Kenya ist das am höchsten industrialisierte Land Ostafrikas. Das verarbeitende Gewerbe trägt 9% zum Bruttoinlandsprodukt (BIP) bei, der Tourismus 62%, die Landwirtschaft 23%. In der Landwirtschaft arbeiten 60% der Bevölkerung, die meisten in der Subsistenzwirtschaft.

Afrika 1. September 2011

Die Krise in Darfur

Sudan: Die ethnische Darstellung der Konflikte ist eine Erfindung des Kolonialismus

von Paul B. Kleiser

Die Bilder der Hungerkatastrophe in Äthiopien und Somalia führen uns Afrika wieder als den Kontinent des Elends vor, der der Mildtätigkeit bedarf. Auch wenn die anhaltende Dürre die wesentliche Ursache der Katastrophe ist, ziehen sich durch viele Beiträgen doch kolonialistische und rassistische Argumentationsmuster.

Arbeitskämpfe 1. September 2011

Transnationale Solidarität stärken

Eine gewerkschaftliche Reise ins «Plastikmeer von Almería»

Ein Bericht von Dieter A. Behr
Im Mai 2011 besuchte eine Delegation österreichischer Gewerkschafter vom Verein «Weltumspannend arbeiten» die spanische Region, die für ihre industrielle Gemüseproduktion bekannt ist.

Europa 1. September 2011

Europa und seine Krise

Des einen Überschuss ist des anderen Defizit

Es ist immer wieder das gleiche Spiel: Die Finanzwelt spekuliert auf die Zahlungsunfähigkeit eines Staates. Dadurch werden die Zinsen, zu denen der Staat Kredite aufnehmen kann, in die Höhe und der Staatshaushalt der Pleite näher getrieben.

Nordafrika/Nahost 1. September 2011

Hass auf die Tycoons

Israels Jugend fühlt sich geprellt

«Bislang hatte es den Anschein, als könne nichts die rechtsextreme Regierung von Netanyahu erschüttern: nicht die Palästinenser, nicht die Hizbollah, nicht die Drohungen aus dem Iran, nicht der Ärger Obamas, nicht die internationale Isolierung, nicht die Boykotte … Die Trumpfkarte der Regierung war das Wirtschaftswachstum, das sicherte ihr politisches Überleben. Anders als Spanien oder Griechenland, die vor dem Bankrott stehen, erfreut sich Israel weiterhin hoher Wachstumsraten, die Erwerbslosigkeit liegt gerade bei 5,7%, der Durchschnittslohn bei 1700 Euro. Die bittere Wahrheit, die die israelische Mittelklasse entdecken musste, ist aber, dass dieses Wachstum die Menschen unten nicht erreicht; der Reichtum bleibt in den Händen von 18 Familien hängen, die den Staat gekauft haben.

Nordafrika/Nahost 1. September 2011

Die Kosten der Besatzung

Die israelische Bevölkerung zahlt einen hohen Preis für den «jüdischen Staat»

Shir Hever

Die israelische Gesellschaft steckt in einer tiefen Krise. Sie ist das Ergebnis des fast 45-jährigen Versuchs, auf Kosten der ansässigen palästinensischen Bevölkerung einen jüdischen Staat durchzusetzen. Die wirtschaftlichen Kosten der Besatzung, gepaart mit der neoliberalen Ausrichtung der Regierungspolitik, bedrohen den israelischen Staat inzwischen mehr als jede Kassam-Rakete.

Nordafrika/Nahost 29. Juli 2011

Deutsche Linke und die arabische Revolution

Der Feind meines Feindes
von Harald Etzbach

Ein Teil der deutschen Linken tut sich schwer mit den arabischen Protestbewegungen – jedenfalls mit manchen von ihnen.

Europa 29. Juli 2011

Antisemitismusvorwurf

Eine hinterhältige Waffe
von Michael Warschawski
Roger Cukierman, Anfang des 21.Jahrhunderts Chef von Frankreichs jüdischer Gemeinde, hat einmal der israelischen Zeitung Haaretz stolz erzählt, wie er Ariel Sharon empfohlen hat, Israel solle die harsche internationale Kritik an den Massakern vom Oktober 2000 dadurch ersticken, dass es eine neue Front eröffnet: die des Antisemitismus.

Bewegung 29. Juli 2011

«Wir gehen erst,wenn ihr geht»

Gespräch mit Ilona Herrmann über die Bewegung für direkte Demokratie in Griechenland
Die spanischen Empörten nahmen sich den Tahrirplatz in Kairo zum Vorbild, als sie am 15.Mai die Hauptplätze von Barcelona und Madrid besetzten. Eine neue Aktionsform war gefunden, um die Entschlossenheit des Widerstands gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Lohnabhängigen und die öffentlichen Haushalte zum Ausdruck zu bringen. Auf einem der vielen Plakate und Transparente stand: «Pssst, die Griechen schlafen noch.»

Europa 29. Juli 2011

Spanien: Democracia real, ya!

Begegnung mit der Bewegung des 15.Mai
von Nacho Álvarez
Die Bewegung des 15.Mai wird das politische und soziale Leben Spaniens stark verändern.

Europa 29. Juli 2011

Volksentscheide in Italien

Die Ära Berlusconi geht zu Ende
von Salvatore Cannavò
Das Referendum vom 12.Juni bescherte dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi eine dreifache Niederlage: Es werden keine neuen Atomkraftwerke gebaut, das Wasser wird nicht privatisiert, und Berlusconi bekommt keinen Freifahrtschein für seine Gesetzesverletzungen.

Nordafrika/Nahost 29. Juli 2011

Parlamentswahlen in der Türkei

Im Garten der Geschwisterlichkeit. Die Wahlerfolge der Kurdenpartei BDP
von Ulf Petersen
Durch die Aufstellung unabhängiger Kandidaten und Kandidatinnen ist der kurdischen BDP bei den Parlamentswahlen in der Türkei am 12.Juni ein großer Erfolg gelungen.

Amerika 29. Juli 2011

Ollanta Humala gewinnt die Wahlen in Peru

Er ist eher für die Multis als für die Campesinos
Interview mit Hugo Blanco
Am 5.Juni ging Ollanta Humala als Sieger aus der Stichwahl um die Präsidentschaft Perus hervor. Alf Zachäus sprach mit dem peruanischen Ökosozialisten Hugo Blanco.

Nordafrika/Nahost 29. Juli 2011

Reisebericht aus Palästina – Teil II

Eindrücke aus einem besetzten Land
von Paul B. Kleiser
Bir Zeit ist ein sehr altes arabisches Dorf, das zu einer Stadt herangewachsen ist. In den letzten Jahren wurde die historische Innenstadt mit europäischen Geldern stilvoll restauriert. Die Universität von Bir Zeit, die bedeutendste Bildungseinrichtung in der Westbank,…

Bewegung 15. Juli 2011

Massenrevolte in Griechenland

Zu Hunderttausenden erklären die griechischen Empörten ihren neoliberalen Henkern den Krieg
von Yorgos Mitralias

Zwei Wochen nach ihrem Beginn überflutet die Bewegung der „Empörten“ die Plätze der Städte im Land mit gewaltigen Menschenmengen. Sie schreien ihre Wut heraus und lassen die Regierung Papandreou und ihre lokalen und internationalen Unterstützer erzittern.

Bewegung 2. Juni 2011

Europäische Konferenz zur Verteidigung des öffentlichen Gesundheitswesens

Erklärung von Amsterdam
Auf Initiative der Freien Gewerkschaft „August ’80“ aus Polen haben sich am 7. und 8.Mai 2011 in Amsterdam AktivistInnen von Gewerkschaften, Initiativen und politischen Organisationen versammelt, die in sechs europäischen Ländern für die Verteidigung des öffentlichen Gesundheitswesens streiten: Polen, Frankreich, Großbritannien, Irland, Deutschland und Schweden.

Asien/Australien 28. Mai 2011

Lizenz zum Töten

von Angela Klein
Am 1.Mai wurde Osama Bin Laden in seinem unbewachten Haus von einem Kommando von 79 US-Navy Seals getötet, die per Hubschrauber auf pakistanisches Territorium eingedrungen waren.

Afrika 28. Mai 2011

Libyen: Verbrechen und Menschenrechte nach Maß

von Kamil Majchrzak
Deutschland behauptet, am Krieg gegen Libyen nicht beteiligt zu sein, deckt ihn aber politisch wie militärisch.

Europa 28. Mai 2011

1.Mai in Polen

Niederknien statt demonstrieren
von Norbert Kollenda
Unverschämterweise nutzte die katholische Kirche den 1.Mai zur Seligsprechung des polnischen Papstes, «Johannes Paul des Großen».

Asien/Australien 28. Mai 2011

Japans Nuklearsklaven

Das furchtbare Geheimnis der Atomkraftwerksbetreiber
von David Jiménez
Japanische Unternehmen stellen seit Jahrzehnten Bedürftige ein, um Atomanlagen zu reinigen. Viele sterben an Krebs. Im Jahr 2003 schrieb David Jiménez über diesen unglaublichen Skandal den nachstehenden Artikel für die Zeitschrift Crónica, die Sonntagsbeilage von El mundo, der zweitgrößten spanischen Tageszeitung. Leider hat er an Aktualität nichts eingebüßt.

Bewegung 28. Mai 2011

Gesundheitssysteme in Europa

Gemeinsame Probleme und unterschiedliche Lösungen
von Norbert Kollenda
Unter diesem Arbeitstitel stand eine europäische Konferenz, die auf Initiative der polnischen Gewerkschaft August ’80 am 7. und 8.Mai 2011 in Amsterdam im Internationalen Institut für Forschung und Bildung (IIRE) stattfand.

Europa 27. Mai 2011

Schengen und die Festung Europa

Außengrenzen abschaffen
von Rene Jokisch
Die italienische Regierung setzt sich für offene und unkontrollierte Grenzen ein.Der etwas widersprüchliche Eindruck, den ein großer Teil der aktuellen Debatte über die Migrationspolitik in der EU vermittelt, lässt sich leicht aufklären.

Europa 27. Mai 2011

Forderung nach Schuldenauditorien nimmt Fahrt auf

von Andrej Hunko

«Athen muss mehr tun als bisher», ist die Reaktion der EU-Regierungen darauf, dass ihre «Griechenlandhilfe» der griechischen Wirtschaft den Griechen nicht hilft, sondern sie ruiniert – trotz eines Kreditprogramms von 110 Mrd. Euro (über drei Jahre).

Europa 27. Mai 2011

Staatsschulden offenlegen

Ein Überblick über die bisherigen Initiativen
von Eric Toussaint, CADTM Belgien
Seit dem vergangenen Herbst entwickeln soziale Bewegungen in Europa in Bezug auf die Frage, wie mit den Staatsschulden umgegangen werden soll, mehr und mehr gemeinsame Positionen.

Nordafrika/Nahost 27. Mai 2011

Ein Reisebericht aus Palästina (I)

Eindrücke aus einem besetzten Land
von Paul B. Kleiser

Die großen Umbrüche in der arabischen Region mit dem Sturz zweier Diktaturen und den Massenmobilisierungen in Bahrain, im Jemen und in Syrien haben auch deutliche Auswirkungen auf Israel und Palästina.

Nordafrika/Nahost 27. Mai 2011

Palästinenser fordern das Recht auf Rückkehr

Naqba-Tag: Reclaim the home
von Angela Klein

Die arabische Revolution stellt die bisherige Nahostpolitik der USA und der EU in Frage. Offiziell weiß man das in Washington, Berlin, London und Paris, doch fällt es den alten Kolonialmächten schwer, daraus Konsequenzen zu ziehen.

Nordafrika/Nahost 27. Mai 2011

Wer wird die arabische Welt neu gestalten?

Die Bevölkerung oder die USA?
von Tariq Ali

Die Phase 1 des arabischen Frühlings ist vorüber. Die Phase 2 – der Versuch, echte Volksbewegungen zu zerschlagen oder einzudämmen – hat begonnen.

Nordafrika/Nahost 27. Mai 2011

Syrien: Die Revolte der lokalen Komitees

von Hala Kodmani

«Wenn man mir vor einem Monat erzählt hätte, dass sich eine Protestbewegung wie die heutige in verschiedenen Städten des Landes ausbreitet, hätte ich geantwortet, das ist reine Fiktion», sagt ein vierzigjähriger Mann aus dem syrischen Kleinbürgertum, den wir Hassan nennen wollen. Obwohl er ganz frisch bei den Protesten dabei ist, beginnt er an diesen «Aufstand der Würde gegen ein Regime, das nichts zu bieten hat», zu glauben.

Amerika 27. Mai 2011

Kuba nach dem Parteitag

von Guillermo Almeyra
Vom 16. bis 19.April fand in Havanna der erste Parteitag der Kommunistischen Partei Kubas nach 14 Jahren statt.

Amerika 27. Mai 2011

Chávez opfert der Staatsräson

Journalist an Kolumbien ausgeliefert
von Antonio Moscato
Ende April lieferte Venezuelas Präsident Chávez einen schwedisch-kolumbianischen Journalisten an die kolumbianische Regierung aus. Bei vielen Freunden der «bolivarianischen Revolution» hat dies Proteste und Bestürzung ausgelöst.

Afrika 27. Mai 2011

Südafrikareise

Wo der Orion auf dem Kopf steht
Reise in ein fernes, uns nahes Land
von Rolf Euler

Wir reisen nach Südafrika. Ein in vieler Hinsicht so nahes Land: europäisch in vielen Städten, touristisch in den Tierreservaten, an den Stränden und in den Bergen, verkehrsmäßig erschlossen fürs Auto.

Europa 27. April 2011

Smolensk: Ein Jahr nach dem Flugzeugunglück

von Norbert Kollenda
Viele Menschen in Polen sahen mit gemischten Gefühlen dem ersten Jahrestag der Flugzeugkatastrophe von Smolensk entgegen. Die meisten haben genug von den ständig wiederkehrenden Verschwörungstheorien der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), der der verstorbene Staatspräsident angehörte.

Europa 27. April 2011

Reisefreiheit auch für Tunesier

Omeyya Seddik über die Lage in Tunesien, die Flüchtlinge und die Beziehungen zu Europa
Interview mit Angela Huemer

Der Tunesier Omeyya Seddik ist Politologe und Teil der Fédération des Tunisiens pour une Citoyenneté des deux Rives (FTCR). Diese Nichtregierungsorganisation gibt es seit den 70er Jahren. Anfangs hieß sie «Vereinigung der tunesischen Arbeitsmigranten», zu Beginn der 90er Jahre änderten sie ihren Namen. Die FTCR bearbeitet Themen wie Diskriminierung, Immigration, Sozialforen, Gesundheit und die Lage in den Pariser Vorstädten. Ihr vorherrschendes Anliegen ist die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen dem nördlichen und dem südlichen Ufer des Mittelmeeres.

Europa 21. April 2011

Polnische Krankenschwestern im Hungerstreik

Hände weg vom Arbeitsrecht!
von Norbert Kollenda

Am 22.März fand eine Solidaritätskundgebung mit den Krankenschwestern vor dem polnischen Parlament (Sejm) in Warschau statt, daran nahmen einige hundert Personen teil. Gleichzeitig erklärten fünf der im Sejm protestierenden Krankenschwestern, dass sie in den Hungerstreik treten.

Europa 21. April 2011

Frontalangriff der Tories auf die britische Gesellschaft

Die Sprache des Klassenhasses
von Alan Thornett und Billy Curtis

Am 26.März gingen geschätzte 250.000–400.000 Menschen gegen ein Sparpaket auf die Straße, von dem Margret Thatcher geträumt hätte. Der «Marsch für eine Alternative» fand unter der Führung des britischen Gewerkschaftsverbands TUC statt. Der hatte sich mit dieser Antwort reichlich Zeit gelassen.

Europa 21. April 2011

Griechenland unter dem Zeichen des Spardiktats

Es fehlt eine echte Alternative
von E.Ule-Rich

Griechenland hat viele Probleme – vor allem die Korruption und die Perspektivlosigkeit der Jugend. Leider fehlt es derzeit auch an einer substanziellen Alternative.
Griechenland ist ein modernes Land. In den letzten 30 Jahren hat es wirtschaftlich einen großen Aufschwung genommen (siehe Tabelle I). Sein Bruttosozialprodukt liegt knapp unter dem Durchschnitt der EU (gleichauf mit Italien), was vor wenigen Jahren noch nicht der Fall war.

Europa 21. April 2011

Der EU-Pakt für Wettbewerbsfähigkeit

Diktat nach dem Muster des IWF
Interview mit Michel Husson
Auf der letzten Tagung des Europäischen Rats wurde, vor allem auf deutsches Drängen, ein EU-Pakt für Wettbewerbsfähigkeit vereinbart. Sein Kern ist die Einführung einer Schuldenbremse und eines potenziellen Haushaltskommissars für alle EU-Länder.
Das nachstehende Interview gab der französische Ökonom Michel Husson der Zeitschrift Ecole Emancipée, die zur französischen Lehrergewerkschaft FSU gehört (März 2011).

Nordafrika/Nahost 21. April 2011

In Syrien hat das Regime von Assad noch Unterstützung

Reformversprechen und scharfe Munition
von Harald Etzbach

Noch Ende Januar erklärte Syriens Präsident Baschar al-Assad in einem langen Interview mit dem Wall Street Journal, warum der Funke der Demokratiebewegungen Nordafrikas nicht auf Syrien überspringen werde. Syrien sei stabil, meinte Assad, die Menschen stünden hinter ihrer Regierung, die im Gegensatz zu den Regimes in Tunis und Kairo niemals die Interessen der USA und anderer westlicher Länder bedient habe.

Nordafrika/Nahost 21. April 2011

Nicht die halbe Revolution und nicht die halbe Demokratie

Weitere Massenproteste in Ägypten
von May Elmahdi

Am 7.April zogen erneut Hunderttausende (anderen Meldungen zufolge eine Million) nach dem Freitagsgebet durch die Stadt und warfen der Militärführung vor, sie sei «Teil des korrupten Regimes» gewesen und habe von Mubarak profitiert. Die Armee hat scharf geschossen, zwei Männer starben. Zwei Tage später strömten wieder Tausende auf den Tahrir-Platz.

Nordafrika/Nahost 21. April 2011

Der arabische Raum und die Frauen

Bildung und Kleinfamilie verändern die Rolle der Frauen in der Gesellschaft
von Gema Martín Múñoz

Die arabischen Gesellschaften werden von Außenstehenden oft als rigide wahrgenommen, resistent gegenüber Veränderungen, weil meist nur die herrschende Schicht gesehen wird, die sich gegen Entwicklung und Veränderung wehrt. Das vorherrschende Frauenbild ist das von Opfern, passiv, exotisch, verhüllt, die eher auf Ereignisse reagieren, anstatt aktiv daran teilzunehmen.

Nordafrika/Nahost 20. April 2011

Die Muslimbrüder und die soziale Frage (II)

Der Islam predigt die Versöhnung von Kapital und Arbeit
von Hossam Tammam und Patrick Haenni

Der sunnitische Islamismus empfindet tiefes Unbehagen gegenüber der sozialen Frage. Die Muslimbrüder in Ägypten sind ein Beispiel dafür, wie sich Kritik an Profitgier und Korrption mit der Ablehnung einer sozialen Konfliktorientierung paart. Der erste Teil des nachstehenden Artikels (erschienen in SoZ 4/2011) behandelt die korporatistische Weltsicht der Brüder und ihr Verhältnis zur Geschäftswelt. Der zweite und letzte Teil handelt von ihrem Verhältnis zur Arbeiterschaft.

Nordafrika/Nahost 20. April 2011

Zur NATO-Intervention in Libyen

Das Abschlachten musste verhindert werden
Christian Haasen, Hamburg

Hat die libysche Bevölkerung das Recht, von imperialistischen Nationen Hilfe im Kampf gegen Gaddafi zu fordern?

Nordafrika/Nahost 20. April 2011

Der besondere Charakter der libyschen Revolution

Zur Debatte über Libyen und die NATO-Intervention
von Marco Ferrando

Nachstehend dokumentieren wir einen Auszug aus einem Beitrag von Marco Ferrando, einem führenden Mitglied der PCL (Kommunistische Arbeiterpartei) aus Italien. Ferrando geht hier detailliert auf den Charakter der libyschen Revolution ein.

Nordafrika/Nahost 5. April 2011

Nein zu Gaddafi, Nein zum Krieg

von Angela Klein

Die Hauptkriegstreiber sitzen diesmal nicht in den USA, sondern in Europa: Vor allem die alten Kolonialmächte Frankreich, Großbritannien und – nach einer spektakulären Kehrtwende – auch Italien wittern ihre Chance, den Einfluss, den sie durch die Unabhängigkeitsbewegungen der 50er Jahre verloren haben, wieder zurückzugewinnen.

Europa 5. April 2011

«Die Zukunft der Kirche in Polen wird eine radikal andere sein»

Interview mit dem Theologen Stanislaw Obirek

Von außen wird die römisch-katholische Kirche (in der Folge ist diese Kirche gemeint) in Polen als eine starke Kraft wahrgenommen, die fast die ganze Bevölkerung hinter sich hat. Volle Kirchen und Massenversammlungen prägen das Bild, aber stimmt es?

Norbert Kollenda sprach darüber mit Stanislaw Obirek.

Nordafrika/Nahost 16. Februar 2011

Revolution nach Plan

Eine sehr interessanter Artikel in der Faz vom 15.Februar 2011  über die Art und Weise, wie die Jugendlichen in Ägypten ihren Protest organisiert haben.

Hier der Link:
http://www.faz.net/s/Rub87AD10DD0AE246EF840F23C9CBCBED2C/Doc~E08EF25A51BC34003A0F39A3A783AA1DC~ATpl~Ecommon~Scontent.

Nordafrika/Nahost 2. Februar 2011

Quo vadis Tunesien?

Nach dem Sturz des Diktators folgen Umwälzungen im ganzen Land
von Bernhard Schmid

Der größte Unsicherheitsfaktor in Tunesien ist derzeit die Frage, ob sich die Übergangsregierung, die nach der Flucht von Staatspräsident Zine el-Abidine Ben Ali am 14. Januar gebildet wurde, halten kann.

Der Druck auf die provisorische Regierung unter Premierminister Mohammed Ghannouchi ist gewachsen. Unterschiedliche Strömungen der politischen und sozialen Opposition fordern ihren Rücktritt, da sie mehrheitlich aus «Kaziken» des alten Regimes besteht. Auch wenn ihre führenden Mitglieder sowie Parlamentspräsident Foued Mebazaa, der die Übergangsperiode nach den geltenden Verfassungsbestimmungen leitet, formell ihre Mitgliedschaft in der bisherigen Staatspartei RCD (Konstitutionell-Demokratische Sammlungsbewegung) niederlegten, so bleiben sie doch Männer des alten Regimes.

Nordafrika/Nahost 2. Februar 2011

Brotaufstand in Algerien

Etwas ist diesmal anders an den Unruhen in Nordafrika
von Karim Metref

In der zweiten Januarwoche löste eine 30%ige Preissteigerung bei Grundnahrungsmitteln und die anhaltend hohe Jugendarbeitslosigkeit Massenproteste in Algerien aus, die auch zu gewaltsamen Auseinandersetzungen mit der Polizei führten, bei denen fünf Menschen ums Leben kamen. Trotz Demonstrationsverbot rief die «Laizistische Sammlungsbewegung für Kultur und Demokratie» (RCD) für den 22.Januar zu einem Marsch für mehr Demokratie auf.

Nordafrika/Nahost 2. Februar 2011

Quo vadis Tunesien?

Nach dem Sturz des Diktators folgen Umwälzungen im ganzen Land
von Bernhard Schmid

Der größte Unsicherheitsfaktor in Tunesien ist derzeit die Frage, ob sich die Übergangsregierung, die nach der Flucht von Staatspräsident Zine el-Abidine Ben Ali am 14. Januar gebildet wurde, halten kann.

Nordafrika/Nahost 2. Februar 2011

Stellungnahme von Attac Tunesien

Die Herausforderung der Revolution

Ein Volksaufstand in Tunesien zwang den Diktator Ben Ali zur Flucht. Die große demokratische Revolution hat die alte Regierung jedoch noch nicht besiegt.

Nordafrika/Nahost 2. Februar 2011

Keine Rücksicht auf deutsche Befindlichkeiten

Zur Stuttgarter Palästina-Konferenz und Stuttgarter Erklärung
von Ilan Pappé

Vor kurzem wurden die Organisatoren der Stuttgarter Konferenz und besonders jene, die die Stuttgarter Erklärung [siehe unten] unterschrieben haben, von mehreren deutschen Autoren und Politikern heftig kritisiert, auch in dem für Deutsche aus der linken Mitte so typischen, aggressiven Ton.

Europa 2. Februar 2011

«Noch nie war es so schlimm»

G.M. Tamás über die neuen ungarischen Verhältnisse und den Rechtsruck auch andernorts

Gáspár Miklós Tamás, gebürtig 1948 aus Siebenbürgen, ist Philosoph. Er hatte in den 80er Jahren Berufsverbot aus politischen Gründen, war von 1989 bis 1994 Abgeordneter im ungarischen Parlament und ist Vorsitzender der Grünen Linken Ungarns. Nach dem Wahlsieg der FIDESZ hat er seine Stelle am Philosophischen Institut in Budapest verloren. Mit ihm sprach Karlen Vesper (Neues Deutschland).

Europa ist stark beunruhigt über das neue Mediengesetz in Ungarn. Wie schlimm ist es?

Europa 2. Februar 2011

Russland: Die Wiederkehr des Faschismus

von Boris Kagarlitzki
Die Erschiessung eines Moskauer Fussballfans am 4.Dezember mutmasslich durch einen muslimischen Mann hat eine Kette von Kundgebungen und Gewalttaten ultranationalistischer Gruppen ausgelöst.

Amerika 2. Februar 2011

Kuba, ein politischer Reisebericht

Errungenschaften, Mängel und Kurzschlüsse
von Hermann Dworczak

Im Anschluß an den UN-Klimagipfel bzw. den Alternativgipfel in Cancún machte ich mich zu einer politischen Reise nach Kuba auf. Nach über 20 Jahren wollte ich mir erneut einen Überblick verschaffen, wie es um die kubanische Revolution bestellt ist.

Europa 2. Februar 2011

Die «Retter» Europas

Der Europäische Stabilitätsmechanismus sichert eine Transferunion – zugunsten des Finanzkapitals
von Klaus Dräger
«Im Finanzsektor sehen wir ein wenig ‹upside›, aber viel ‹downside› mit Blick auf den Zustand der europäischen Haushalte. Die guten Nachrichten von den Unternehmen sind bereits in den Aktienbewertungen eingepreist, aber was soll da noch kommen? Die Emerging Markets finde ich da verlockender.» Fondsmanager und Anlageberater Ewan Thompson im manager magazin.

Während die Mehrheit der Bevölkerung unter drakonischen Sparpaketen ächzt und stöhnt, gelingt es den EU-Staats- und Regierungschefs trotz allem nicht so recht, «die Märkte» zu beruhigen.

Europa 2. Februar 2011

Europa und die Demokratie

Tunesien, Ungarn, Flüchtlinge: Die EU steht autoritären Regimen bei und verletzt Menschenrechte
von Andrej Hunko

Die Europäische Union präsentiert sich gern als der Hort der Menschenrechte in der Welt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte aber wirft ihr Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Flüchtlingen vor; der französische Staatspräsident hat dem tunesischen Diktator Ben Ali noch wenige Tage vor seinem Sturz militärische Unterstützung angeboten, und Vertreter der CDU verbitten sich allzu harsche Kritik gegenüber der extrem rechten Regierung in Ungarn.

Nur Online 26. Januar 2011

Die polnische Solidarnosc – eine verratene Revolution

von Zbigniew Marcin Kowalewski

Eine Revolution  kann auf zwei Arten eine Niederlage erleiden – entweder wird sie erstickt oder verraten. Die Tragödie der polnischen Revolution 1980-81 liegt daran, dass sie beiden Niederlagen erlegen ist. Sie wurde von all denen verraten, die im Fahrwasser der heutigen politischen Eliten sich auf den August 1980  und  ihre Abstammung von der Solidarnosc berufen. In dem sie den Kapitalismus restaurierten, sind sie den Interessen der Gesellschaft untreu geworden, die in der Revolution zum Ausdruck gekommen war und haben somit alles über Bord geworfen, was ursprünglich angezielt war.

Heute wird im Rahmen der generellen Fälschung des Charakters und der Geschichte des “August” und der Ereignisse der folgenden 16 Monate  ein “antikommunistisches nationales Ereignis” gemacht – allerdings haben sie damit wenig Glück, denn alle Spuren ließen sich nicht verwischen, zumal diese Ereignisse eine typische und klassischen Revolution der Arbeiterschaft war. Seitdem vor 150 Jahren der Kapitalismus entstand, sind solche Revolutionen immer wieder aufgetreten. Die Arbeiter haben sie zur Verteidigung der Rechte, Interessen und Würde ihrer Arbeiterklasse durchgeführt.

Europa 8. Dezember 2010

Volksabstimmung in der Schweiz

Die Saat des Hasses
Sonderjustiz für Ausländer beschlosse
n
von Paolo Gilardi

Am 28.November haben in der Schweiz 53% der Wählerinnen und Wähler«Ja» zur direkten Abschiebung sog. «krimineller Ausländer» gesagt. Die von der rechtspopulistischen SVP lancierte Gesetzesvorlage sieht die umgehende Abschiebung von Ausländern vor, die sich des Mordes, Raubs oder des «illegalen Bezugs von Sozialleistungen» schuldig gemacht haben.

Arbeitskämpfe 8. Dezember 2010

Kambodscha: Streiks in der Textilindustrie

Arbeiterinnen fordern existenzsichernde Mindestlöhne
von Lutz Getzschmann

In der asiatischen Textilindustrie scheinen sich die seit einiger Zeit immer wieder aufflammenden Streiks zu einem kontinentalen Kampfzyklus der Textilarbeiterinnen zu verdichten, Sie bestätigen damit die vor einigen Jahren von Beverly Silver in ihrer Studie Forces of Labor aufgestellte Devise: «Where capital goes, conflict goes».

Europa 8. Dezember 2010

Polen: Von der Solidarnosc zur Solidarität

30 Jahre Arbeiterbewegung: Brüche und Veränderungen
von Przemyslaw Wielgosz

Die Arbeiterbewegung in Polen haben in den letzten drei Jahrzehnten eine komplizierte und dramatische Entwicklung erlebt. Von einer revolutionären Explosion Anfang der 80er über Umbruch und Fall in den 90ern, mit immer wiederkehrende Versuchen einer Neubelebung. Von einer großen Gewerkschaft, in die Strukturen einer sozialen Bewegung eingebunden waren, zu unkoordinierten Versuchen, neue Taktiken und Organisationsstrukturen zu erarbeiten.

Europa 8. Dezember 2010

Ungarn: Aufschwung der extremen Rechten

Ein Bodensatz von Intoleranz und Konkurrenzkampf
von Matyas Benyik

Wenn Menschen ihr tägliches Leben als Wettkampf sehen, gibt es keinen Raum mehr für gesellschaftliche Vielfalt und interkulturellen Dialog. Der öffentliche Diskurs wird nach und nach von den Argumenten fremdenfeindlicher und extremistischer Gruppen bestimmt, die gleiche Rechte für alle als Gefahr für den Staat und seine Bewohner sehen. Es steht außer Frage, dass die brennenste politische Frage Ungarns derzeit das spektakuläre Anwachsen der extremen Rechten ist.

Europa 8. Dezember 2010

Irland: Unter EU-Aufsicht

Sparkurs und Bankenrettung treiben das Land in die Schuldenfalle
von J.M.Thorn

Es sind nicht die Staatsschulden, die den Preis für die irischen Staatsanleihen in die Höhe treiben. Der Krankheit Eurokrise wird die flasche Diagnose gestellt und die falsche Kur verschrieben.
Wie ernst Irlands Lage ist, wurde im Oktober klar, als die Regierung ihren Vierjahresplan für 2011–2014 veröffentlichte.

Amerika 4. November 2010

Chávez hat zwar gewonnen…

…aber auch einiges verloren
von Antonio Moscato
Berücksichtigt man die schwierige wirtschaftliche Situation, die Unruhe angesichts der steigenden Kriminalität und die Unzufriedenheit mit der verbreiteten Korruption, ist das Wahlergebnis für Chávez’ PSUV bei den Parlamentswahlen in Venezuela am 26.9. zufriedenstellend.

Europa 4. November 2010

Freihandelsabkommen EU/Indien

Ökologisch und sozial ein Desaster
von Gerhard Klas
Im Schatten der Verhandlungen zwischen der EU und China fanden Mitte Oktober in Delhi auch Verhandlungen über ein europäisch-indisches Freihandelsabkommen statt. Seit 2007 verhandeln die EU-Kommission und die indische Regierung auf höchster Ebene. Spätestens Anfang kommenden Jahres soll das Abkommen unter Dach und Fach sein.

Europa 4. November 2010

«Was das Parlament beschließt, kann die Straße wieder auflösen»

Olivier Besancenot diskutiert mit Lesern von Le Monde Online*
«Wenn es einen Michelin-Führer der Proteste gäbe, hätte Frankreich drei Sterne verdient, dicht gefolgt von Griechenland mit zwei Sternen», schreibt Tariq Ali in einem Kommentar zum Aufstand gegen die Rente mit 67 in Frankreich.

Europa 4. November 2010

Italien: Die soziale Opposition lebt

Rom, 16.Oktober: Massendemonstration von Arbeitern und Studierenden
von Bruno Demartinis

Am 16.Oktober demonstrierten die sozialen Bewegungen in Italien, angeführt von der Metallarbeitergewerkschaft FIOM für gewerkschaftliche Rechte, Demokratie und gegen deren Preisgabe durch die Mauschelpolitik einiger gewerkschaftlicher Dachverbände mit den Unternehmern und der Regierung.

Europa 4. November 2010

Italien: Wie weiter nach dem 16.Oktober?

Einheit und Radikalität: Kann aus einer Demonstration eine richtige Bewegung entstehen?
von Salvatore Cannavò

Zum Schluss gab der Generalsekretär der CGIL, Guglielmo Epifani, dem Druck der Piazza nach – den Studierenden und Arbeitern, die während seiner ganzen Rede den Generalstreik gefordert hatten. Er musste sagen: «Wir werden ihn machen», ohne genauer auszuführen, wie oder wann.

Europa 4. November 2010

Die Hoffnung ist auf der Seite der FIOM

von Loris Campetti

«Wenn Ihr wissen wollt, wie viele wir sind, dann müsst ihr uns schon zählen!» Das war eine schöne Replik der FIOM angesichts der Reaktion der Politiker, die nur mit 20.000 bis 40.000 Teilnehmer gerechnet hatten.

Amerika 4. November 2010

USA: Aufstand der Mittelschicht

Die Tea-Party-Bewegung und die Tradition des Rechtspopulismus
Interview mit Dianne Feeley vor den Senatswahlen

Dianne Feeley war Produktionsarbeiterin bei American Axle & Manufacturing in Detroit. Sie ist als Rentnerin weiterhin in der UAW aktiv und Redakteurin der Zeitschrift Against the Current (www.solidarity-us.org).

Europa 4. November 2010

Schweden: Rassisten im Reichstag

Nach den Wahlen im September kann sich die bürgerliche Minderheitsregierung auf die rechtsradikalen «Schwedendemokraten» stützen.
von Edeltraut Felfe

Schweden wurde von 1932 bis in die Mitte der 70er Jahre ununterbrochen, danach bis 2006 die längste Zeit, von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SAP) regiert. Auch unter Linken in der Bundesrepublik galt Schweden bis in die jüngste Zeit als nachahmenswertes Beispiel eines demokratisch und sozial regulierten Kapitalismus.

Amerika 3. November 2010

Wirtschaftsreformen in Kuba

Den Karren vor die Ochsen gespannt. Linke Kritiker fordern einen anderen Weg
von Pedro Campos

Anfang August kündigte Kubas Staatspräsident Raúl Castro an, 1,3 Millionen Arbeitsstellen im kubanischen Staatsdienst zu streichen. Zugleich solle das Wachstum privater Unternehmen im Dienstleistungsbereich gefördert werden. Beschwichtigend meinte er, die Maßnahmen seien lediglich ein «Update» des kubanischen Wirtschaftssystems und keine «Marktreformen» nach «kapitalistischem Rezept».

Amerika 3. November 2010

Halbzeit für Obama

Tariq Ali
The Obama Syndrome – Surrender at Home, War Abroad
London: Verso, 2010

von Hermann Dierkes

Was hat sich im Weißen Haus seit dem Wechsel von Bush zu Obama tatsächlich geändert? Bis auf die stimmungsvolle Musik sehr wenig, so der pakistanisch-britische Autor, Aktivist und Filmemacher Tariq Ali in seinem neuesten, bisher nur auf Englisch vorliegenden Buch The Obama Syndrome.

Europa 4. Oktober 2010

Krach unter den Deutschen in der europäischen Linksfraktion

Mindestlohn 5,60 Euro?
Interview mit Claudia Haydt *

Die Mehrheit der deutschen Deelegation in der Fraktion der Linken im Europaparlament sucht in der Frage des Mindestlohns die Annäherung an die Positionen der Sozialdemokratie.

Europa 4. Oktober 2010

Frankreich, Generalstreik für Rente mit 60

Annick Coupé, Sprecherin der Union Syndicale Solidaires, im Gespräch mit der französischen Onlinezeitung Mediapart.fr (11.9.2010).

Am 7.September gingen in Frankreich über 2 Millionen Menschen gegen die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 62 Jahre auf die Straße. Am 23.September waren es ebenso viele. DIe Regierung zeigt sich davon unbeeindruckt. Die Basisgewerkschaft Solidaires wirbt deshalb für einen unbefristeten Generalstreik.

Amerika 4. Oktober 2010

Brasilien, Neuer Gewerkschaftsverband gegründet

von Beatrix Sassermann

Anfang Juni wurde in Brasilien ein neuer Gewerkschaftsverband gegründet. Die Gründung blieb jedoch unvollständig: Wegen mangelnder Konsensfähigkeit und unterschiedlichen politischen und organisatorischen Vorstellungen blieben wichtige Gewerkschaften fern.

Arbeitswelt 3. Oktober 2010

«Die Befreiung lesen und denken»

Der chinesiche Musiker Sun Heng über sein Museum für Kunst und Kultur der Wanderarbeiter und die «Heimstatt für Wanderarbeiter» in Peking

Der Künstler Matthijs der Bruijne bereiste 2008/09 China, um Träume von Arbeitern aufzunehmen. Dabei traf er den Musiker Sun Heng, Gründer des «Museums für Kunst und Kultur der Wanderarbeiter». Exponate dieses Museums sind im Rahmen der Ausstellung «Das Potosí-Prinzip» zu sehen, zudem tourt Sun Heng im Oktober durch Deutschland.

Nordafrika/Nahost 3. Oktober 2010

Israel, Rechtsextreme greifen Hochschulfreiheit an

Einschüchterungen und Drohungen gegen «Postzionisten»
von Neve Gordon

In Israel gehen rechtsextreme Organisationen dazu über, eine Gleichschaltung der Hochschulen zu fordern.

Arbeitskämpfe 3. Oktober 2010

Bangladesch, Der Streik der Textilarbeiterinnen

Die angekündigte Anhebung des Mindestlohns reicht nicht zum Leben
von Lutz Getzschmann

In den letzten Jahren haben zahlreiche internationale Textilkonzerne Bangladesch als Billiglohnland entdeckt, seitdem die Textilarbeiterinnen in China und anderen süd- und ostasiatischen Ländern in erfolgreichen Lohnkämpfen beträchtliche Lohnsteigerungen erzielen konnten. Nun setzten sie sich in diesem Sommer auch in Bangladesch zur Wehr.

Asien/Australien 2. September 2010

Hilfe von Bewegung zu Bewegung

Pakistan: Internationale Solidarität in der Katastrophe
von Pierre Rousset

In einem Brief vom 15.August an den Präsidenten der Europäischen Kommission José Manuel Barroso erklärt Frankreich Staatspräsident Nicolas Sarkozy sich bereit, im «Rahmen der Nato nationale militär-logistische Mittel» zur Verfügung zu stellen, darunter Schiffe und Flugzeuge; er erwartet, dass Europa dasselbe tut. «Darüber hinaus hat Europa auch ein Interesse, die Entwicklung und die Stabilität des Landes zu sichern.»

Asien/Australien 2. September 2010

Die Afghanisierung des Krieges ist zum Scheitern verurteilt

von Jonna Schürkes

In den Strategiepapieren der Bundesregierung wie der Regierung Obama zu Afghanistan geht es im Wesentlichen nur noch darum, die afghanische Regierung möglichst schnell zu befähigen, dass sie die Aufständischen in ihrem Land selber bekämpfen und damit das Risiko für die NATO-Soldaten verringern.

Asien/Australien 2. September 2010

«Der Krieg ist verloren»

Tariq Ali über die Aussichten in Afghanistan
Alle Beteiligten wissen ziemlich gut darüber Bescheid, was die pakistanische Armee mit verschiedenen Taliban-Einheiten getan hat, seit Afghanistan vor nunmehr fast neun Jahren besetzt worden ist.

Asien/Australien 1. September 2010

Schlimmer als vier Kriege

Flut in Pakistan
Die menschlichen Ursachen der Katastrophe

Die Überschwemmung des größten Teils des Industals trägt Züge einer menschengemachten, historischen Katastrophe. Das UN-Amt für die Koordinierung humanitärer Angelegenheiten (OCHA) schätzt, dass 20 Millionen Pakistani äußerste Not leiden.

Asien/Australien 1. September 2010

Pakistan: Die Wohltätigkeit Cäsars

Die politischen Implikationen der Flut
Die am stärksten von der Flut getroffenen Regionen Pakistans sind zugleich diejenigen, die hauptsächlich von Pashtunen bewohnt werden – einem Bevölkerungsteil, der eh notorisch ausgegrenzt wird.

Arbeitskämpfe 2. Juli 2010

China: Die Arbeiterbewegung auf dem Vormarsch

Die moderne Kommunikationstechnik verschafft Wanderarbeitern ganz neue Möglichkeiten sich zu organisieren.
von Dexter Roberts

Ein Pekinger Vorort war jüngst Schauplatz für eine Abendvorstellung in radikaler Politik. Eine aus Arbeitern bestehende Schauspieltruppe las Gedichte vor, die das harte Leben von Wanderarbeitern in Fabriken der Elektroindustrie und auf Baustellen beschrieben. Lieder wurden zur Gitarre gesungen, sie trugen Titel wie «Marginalisiertes Leben», «Industriegebiet», «Arbeiten – unser Ruhm und unsere Hölle», «Solidarisch kämpfen».

Die Wirklichkeit hinter dem Freihandel

Zum Freihandelsabkommen EU–Kolumbien
von David Hachfeld
Anfang des Jahres verkündete die EU-Kommission stolz den Abschluss eines Freihandelsabkommens zwischen der EU und Kolumbien. Das Abkommen würde unter anderem die soziale Sicherheit in Kolumbien verbessern und zur Bekämpfung von Armut beitragen, erklärte der zuständige EU-Kommissar De Gucht anlässlich der Vorstellung des Abkommens vor dem Europäischen Parlament.

Europa 2. Juli 2010

«Wir leben unter unseren Verhältnissen»

Heinz Bierbaum erklärt die Forderung nach einer Wirtschaftsregierung für Europa

Die «Rettungsschirme» für Griechenland und für den Euro verletzen das Vertragswerk von Maastricht und Lissabon und haben zu einer erneuten Diskussion darüber geführt, nach welchen Regeln das Zusammenleben in Europa geordnet sein soll. Frankreich hat erneut die Forderung nach einer Wirtschaftsregierung ins Spiel gebracht; bei den politischen und Wirtschaftsführern in Deutschland sorgt diese für eine reflexartige Abwehrreaktion.

Bewegung 2. Juli 2010

ESF: Mehr Handlungskraft entwickeln

Alessandra Mecozzi über ihre Erwartungen vor dem 6.ESF in Istanbul
Die Teilnahme am Europäischen Sozialforum in Istanbul vom 1. bis 4.Juli verspricht diesmal eine eher magerere Beteiligung, vor allem aus dem europäischen Ausland. Dies steht im scharfen Widerspruch zu den Aufgaben einer gemeinsamen europäischen Aktionsperspektive der Gewerkschaften und der sozialen Bewegungen.

Europa 2. Juli 2010

Griechenland: Jeder kämpft für sich allein

Die fehlende Einheit der Linken öffnet den Weg für Populisten.
Interview mit YORGOS MITRALIAS
Die Abwälzung der Krisenlasten auf die arbeitende Bevölkerung und eine ungenügende politische Antwort und Geschlossenheit der Linken begünstigen die populistische Ausschlachtung der Krise. Die SoZ sprach mit Yorgos Mitralias, Mitglied der Gruppe Kokkino und des linken Bündnisses Syriza.

Nordafrika/Nahost 2. Juli 2010

Der Überfall auf die Gaza-Flotille und ihre Folgen

von Angela Klein
Am frühen Morgen des 31.Mai, zwischen 4 Uhr und 4.30 Uhr, überfiel ein schwer bewaffnetes Kommando israelischer Soldaten eine kleine Flotte von sechs Schiffen, die 10.000 Tonnen Hilfsgüter für den Gazastreifen geladen hatte. Ziel der Flotille war, Gaza auf dem Seeweg mit Gütern zu versorgen, die bis dahin mit zum Teil willkürlichen Begründungen auf dem Landweg von Israel nicht durchgelassen wurden, darunter medizinisches Material, Schulbedarf, Nahrungsmittel, Baumaterial.

Nordafrika/Nahost 2. Juli 2010

Was geschah auf der Mavi Marmara?

Augenzeugen berichten
Der Türkische Rat für forensische Medizin hat im Auftrag des türkischen Justizministeriums die Autopsien vorgenommen und das Ergebnis am 4.Juni gegenüber dem britischen Guardian vorgestellt.

Nordafrika/Nahost 2. Juli 2010

Die Blockade des Gazastreifens ist völkerrechtswidrig

RICHARD FALK widerspricht der israelischen Auslegung
Die israelische Regierung beruft sich zur Rechtfertigung des Überfalls auf die Flotille und im weiteren Sinne der Blockade des Gazastreifens auf das «Handbuch von San Remo über das bei bewaffneten Konflikten geltende internationale Recht».

Nordafrika/Nahost 2. Juli 2010

«Wir haben einen internationalen Erfolg teuer erkauft»

Matthias Jochheim, IPPNW, war auf der Mavi Marmara
Ihr habt auf der ganzen Linie Erfolg gehabt: Eure Güter werden jetzt in den Gazastreifen transportiert –
…alle sicher nicht…

…Ägypten hat den Grenzübergang aufgemacht und die Weltöffentlichkeit wurde aufgerüttelt. Wie siehst du das?
Dass wir auf der ganzen Linie Erfolg gehabt haben, kann ich nicht sagen, immerhin sind neun Menschen ums Leben gekommen. Wir können nur hoffen, dass ihr Tod nicht umsonst war, und dass die fürchterliche Blockade des Gazastreifens wieder dauerhaft auf die internationalen Tagesordnung kommt.

Was hast du selber von dem Überfall mitbekommen?

Nordafrika/Nahost 2. Juli 2010

Eine neue Achse im Mittleren Osten

Israels Angst
von Pepe Escobar

Alle Welt fragt sich nach dem tieferen Grund für Israels Überfall auf die Mavi Marmara.
Warum wollte Israel mit einer bewussten und methodischen Operation, die laut Erklärungen israelischer Militärs in hebräischen Medien über eine Woche im Voraus geplant war, ein unbewaffnetes Schiff auf humanitärer Mission angreifen? Warum wollten israelische Kommandos neun unbewaffnete Aktivisten mit 9-Millimeter-Geschossen aus unmittelbarer Nähe erschießen darunter einen US-Bürger?

Nordafrika/Nahost 2. Juli 2010

Völkerrecht und Menschenrechte

Ein Positionspapier zu Israel/Palästina (Auszüge)
Eine Kurskorrektur der deutschen Außenpolitik ist überfällig. Die Bundesrepublik Deutschland und die EU sind nach den USA Israels wichtigster Wirtschafts- und Rüstungspartner. Sie können das Pulverfass Nahost entschärfen und zu einer gerechten Lösung des weltpolitischen Konfliktherds beitragen, wenn sie Völkerrecht und Menschenrechten universell Geltung verschaffen. Dem stehen massive geopolitische Interessen entgegen. Sie können nur durch starken öffentlichen Druck gekontert werden.

Asien/Australien 2. Juli 2010

Thailand: Monarchie ohne Legitimation

Ein Militärputsch, zwei Gerichtsbeschlüsse und ein Blutbad ertränken die Demokratie
von Danielle Sabaï

Nach der Finanzkrise 1997 (der sog. Asienkrise) gab es insgesamt drei Versuche, in Thailand das in den 30er Jahren errichtete, überholte politische System auf dem Weg der Parlamentswahlen abzulösen: 2001, 2005 und 2007. Beim zweiten Mal putschte die Armee gegen die gewählte Regierung Thaksin, beim dritten Mal wurde die Regierung Samak per Gerichtsbeschluss aufgelöst, die regierende Partei PPP verboten.

Arbeitswelt 1. Juli 2010

«Alle sieben Sekunden ein Handgriff»

Der «Selbstmordexpress»
Elektronikhersteller FoxConn am Pranger
von Jochen Gester

iPhones und ähnliche Kommunikationsmittel werden millionenfach hergestellt und verkauft und sind aus dem Alltag in den reichen Länder kaum mehr weg zu denken. Nun wird dieser Alltag durch Nachrichten aus den Produktionsstätten China erheblich getrübt.

Arbeitskämpfe 1. Juli 2010

Honda-Arbeiter im Streik

«Die Zeiten haben sich geändert»
von Jochen Gester

Am 17.Mai traten die Beschäftigten des Honda-Werks in Foshan, Provinz Guangdong im Süden Chinas, in den Streik. Zeitweise legte der Streik die Produktion in allen Honda-Werken Chinas lahm und zeigt das wachsende Selbstbewusstsein der chinesischen Arbeiterklasse. In einem Streikbulletin heißt es:

Europa 1. Juli 2010

Wahlen in den Niederlanden

Wachsende Instabilität
von Willem Bos

Die Parlamentswahlen am 9.Juni haben die politische Landschaft der Niederlande umgewälzt.
Größte Verliererin war die christdemokratische CDA des bisherigen Ministerpräsidenten Balkenende.

Amerika 1. Juli 2010

EU-Freihandelsabkommen mit Lateinamerika

Kein Problem mit Menschenrechtsverletzungen
von Alexander King und Carlos Hainsfurth

Fast wäre der diesjährige EU-Lateinamerika-Gipfel am 18.Mai gar nicht zustande gekommen. Weil die spanische Ratspräsidentschaft auch den honduranischen Präsidenten Porfirio Lobo zum Gipfel nach Madrid eingeladen hatte, drohten etliche lateinamerikanische Regierungen mit Boykott.

Europa 3. Juni 2010

Europa neu erfinden

von Angela Klein

Es könnte alles ganz einfach sein:
Die Europäische Zentralbank (EZB) übernimmt die notleidenden Staatsanleihen zu einem niedrigen Zinssatz von 1 bis 2%. Die Anleihen werden entsprechend umgeschuldet, die Zinsausfälle übernehmen die bisher kreditgebenden Banken. Das Gespenst des Staatsbankrotts hat sich damit erledigt.

Europa 3. Juni 2010

Nationaltaumel in Polen

Wer hat die Leiche vertauscht?
von Norbert Kollenda
Neulich schrieb mir jemand: «Das Flugzeug nach Smolensk bestieg ein kleiner, streitsüchtiger, fremdenfeindlicher und mittelmäßiger Politiker, Autor solche Aussagen wie: ‹Verpiss dich Alter›, ‹Roter Affe›, ‹Frau, ich mach Sie fertig!›, der nicht einmal den Refrain unserer Nationalhymne kennt. Belächelt nicht nur von den Satirikern und eine Witzfigur in ganz Europa, ein Dilettant und ein Präsident mit einem rekordverdächtig niedrigem Ansehen in der Gesellschaft.

Europa 3. Juni 2010

Istanbul: Der 1.Mai auf dem Taksim-Platz

von Esen Uslu

Erstmals seit 1978 feierten in diesem Jahr türkische Lohnabhängige den 1.Mai mit einem Marsch zum Taksim-Platz, traditionell Treffpunkt für Kundgebungen der Arbeiterklasse.

Europa 3. Juni 2010

Polen: Kommerzialisierung des Gesundheitswesens

von Norbert Kollenda

Die Privatisierung des Gesundheitswesens stößt in Polen auf Widerstand. Das polnische Gesundheitswesen krankt seit langem. Die vom Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ) bereitgestellten finanziellen Mittel reichen vorne und hinten nicht.

Europa 3. Juni 2010

Europa auf neue Füße stellen

von Michel Husson

Die Krise des Euro hat die Unstimmigkeiten und Widersprüche des Euro und der Europäischen Union auf schmerzliche Weise offen gelegt. Eine gemeinsame Währung setzt einen erhöhten Grad an Übereinstimmung zwischen den beteiligten Ländern voraus oder politische Entscheidungen und Institutionen, die in der Lage sind, eine solche Übereinstimmung herzustellen. Keine dieser beiden Voraussetzungen ist gegeben.

Europa 2. Juni 2010

Elias Vetrakos über die Sparmaßnahmen der Regierung Papandreou

«Eine Katastrophe für alle Beschäftigten»

Elias Vetrakos ist ein führender Vertreter der Gewerkschaft der Angestellten im öffentlichen Dienst die wichtigste und größte Gewerkschaft in Griechenland. Der argentinischen Zeitschrift Clarín gab er am 12.Mai ein Interview.

Atomwaffensperrvertrag

Doppelte Sicherheitsstandards
von Mohssen Massarrat

Solange Israel dem Atomwaffensperrvertrag nicht beitritt, gibt es keine Lösung.
Die friedliche Nutzung der Atomenergie war historisch gesehen ein Nebenprodukt der Atombombe. Acht Jahre nach der Zündung der ersten Atombombe in Hiroshima ebnete Eisenhower 1953 mit seiner programmatischen Rede vor der UNO, «Atoms for Peace», den Weg für den Beginn der kommerziellen Nutzung

Nordafrika/Nahost 23. Mai 2010

«Ihr solltet die deutsch-israelische Militärkooperation anprangern»

Jamal Jumaa begründet, warum gegen die israelische Besetzung nur noch Sanktionen helfen
Sophia Deeg sprach mit JAMAL JUMAA, dem Koordinator der Kampagne «Stop the Wall» über die Bedeutung von BDS für die palästinensische Bevölkerung.

Der 30.März ist in Palästina der Tag des Bodens ein Tag des Protests gegen die fortgesetzte Landnahme durch israelische Siedler und gegen die Vertreibung der palästinensischen Bevölkerung.

Amerika 22. Mai 2010

USA: Ärzte kritisieren Obamas Gesundheitsgesetz

Ärzte für ein Nationales Gesundheitsprogramm

Am 21.März verabschiedete der US-Kongress die Gesundheitsreform das wurde als eine «historische Abstimmung» und ein Schritt zu einer allgemeinen Gesundheitsversorgung der US-Bevölkerung bezeichnet.

Europa 22. Mai 2010

Die deutsch-französische Agenda 2020

Stärkere Zusammenarbeit in der Rüstung und Flüchtlingsabwehr
von Carsten Albrecht

«Die Europäische Union ist in Gefahr, weil andere Weltregionen wettbewerbsfähiger sind als wir», sagt Frankreichs Premierminister François Fillon. Darüber, wie man mit dieser Gefahr umgeht ist sich die konservative Regierung jedoch uneinig:

Nordafrika/Nahost 22. Mai 2010

Palästina: Illegal im eigenen Land

Militärerlass droht mit Massendeportationen von der Westbank
von Amira Hass

Ein neuer Erlass des israelischen Militärs (Israeli Defense Forces – IDF), der Infiltration verhindern soll, wird diese Woche in Kraft treten. Er macht es möglich, dass Zehntausende von Palästinensern aus der Westbank deportiert werden bzw. dass sie angeklagt und mit sieben Jahren Gefängnis bestraft werden.

Europa 2. April 2010

Griechenland ruft Europa

von Angela Klein

Deutschland fordert von Griechenland ein Sparprogramm, das des IWF würdig und geeignet ist, den Inselstaat in eine tiefe Depression zu stürzen. Die Lohnsenkungen, Renten- und Ausgabenkürzungen werden das Bruttoinlandsprodukt weiter drücken und damit das Haushaltsdefizit weiter erhöhen eine teuflische Spirale nach unten.

Asien/Australien 2. April 2010

Gezielte Tötung mit Tradition

In Afghanistan beantwortet die Bundeswehr Terror mit Gegenterror
Aufruf für den „umgehenden Abzug der Truppen aus Afghanistan“

Anlässlich der Verlängerung des ISAF-Mandats durch den Bundestag und haben Redakteure von Amos und kultuRRevolution die Argumente der Kriegsbefürworter auseinandergenommen.

Amerika 2. April 2010

Der Wiederaufbau des Bildungssystems muss der erste Schritt sein

Katja Maurer über die Möglichkeiten einer nachhaltigen Hilfe in Haiti
Haiti ist so schnell aus den deutschen Schlagzeilen verschwunden, wie das Erdbeben sie in dieselben hinein katapultiert hat. Nach den Bildern des Grauens bleiben vorwiegend Fragezeichen, ob und wie das Armenhaus der Welt wieder auf eigene Beine kommen kann. Die Hilfsorganisation Medico international ist Teil des Bündnisses «Entwicklung hilft», das in Deutschland einen großen Teil der Katastrophenhilfe für Haiti organisiert hat.

Europa 2. April 2010

«Es ist unmöglich, unter den Regeln von Maastricht zu leben»

Die Folgen der Krise für Griechenland
von Yannis Almpanis

Mit dem Eintritt in die Eurozone haben die griechischen Regierungen den Reedern und Kaufleuten geholfen, Anschluss an das europäische Finanzkapital zu finden dafür wurden Bilanzen gefälscht und die Staatskasse geplündert. Jetzt ist das Debakel perfekt, und wieder bedient der sog. Rettungsplan nur die Interessen der Spekulanten und Banken.

Europa 2. April 2010

Unter deutschem Diktat

Griechenland und die EU
von Angela Klein

Dass Griechenland in die Krise geraten ist, hat nicht nur mit dem Angriff angelsächsischer Spekulanten zu tun, sondern auch mit dem Euro und der Konstruktion der EU. Die Krise 2008 hat die bestehenden wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Eurozone verschärft.

Europa 2. April 2010

Die Rolle der Spekulanten

Wer verursachte die Krise in Griechenland?
von Angela Klein

Es gibt keinen Grund, selbstgerecht mit dem Finger auf die Griechen zu zeigen. Deren Regierung hat nichts anderes getan, als unsere Kommunalpolitiker seit Einführung des Euro auch tun: Sie versuchen an Geld zu kommen, indem sie die Einnahmen aus Häusern, Schienennetzen und anderer öffentlicher Infrastruktur 30 Jahre lang Heuschrecken überlassen, die ihnen dafür mit einem einmaligen Betrag aus der Klemme helfen. Sie machen das unter strenger Geheimhaltung, hinter dem Rücken der Stadträte und der Öffentlichkeit, d.h. sie betrügen.

Europa 2. April 2010

Wir werden nicht zahlen!

«Vidh skulum ekki gjalda!» (Wir werden nicht zahlen)
von Andrej Hunko

In keinem Land konzentrieren sich die Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte so ausgeprägt wie in Island.
Auf die Privatisierung und Deregulierung des Finanzsektors in den 90er Jahren folgte eine aberwitzige Spekulationsblase und private Bereicherung in den 2000er Jahren. Das rasant wachsende isländische Kapital expandierte wie kaum anderswo.

Europa 2. April 2010

Das Gesundheitssystem der Schweiz

Ein Modell für Deutschland? Schwarz-gelbe Gesundheitspolitik im Spiegel schweizerischer Erfahrungen
von Sebastian Schief und Maurizio Coppola
Mit den Bundestagswahlen am 27.September 2009 haben sich die Mehrheiten in Deutschland zugunsten einer konservativ-liberalen Koalition verschoben. Besonders die versprochene Transformation des Gesundheitswesens ist aus einer schweizerischen Perspektive von Interesse.

Europa 2. April 2010

Serbische Arbeiter gegen Privatisierung und Betriebsschließung

Bis zur Selbstverstümmelung
von Jochen Gester

Anfang März kam im Rahmen einer Rundreise durch Deutschland, Österreich und die Schweiz eine Delegation serbischer Arbeiter nach Berlin.

Nachlese zur Münchner Sicherheitskonferenz

Der Westen spielt mit dem Feuer
von Jürgen Wagner

Vom 5. bis 7.Februar 2010 versammelte sich die westliche Kriegselite nebst einigen internationalen Gästen einmal mehr bei der alljährlichen Münchner Sicherheitskonferenz, um die künftigen Militarisierungsschritte auf den Weg zu bringen.

Asien/Australien 4. März 2010

Afghanistan: Bundeswehr rüstet zum «Endkampf»

von Arno Neuber
Zusätzliche 850 Soldaten (350 davon als «Einsatzreserve»), eine Umschichtung der eingesetzten Truppe, die Aufstockung der Kriegskasse für den Afghanistan-Einsatz in den nächsten zwölf Monaten um mehr als 271 Mio. Euro und sog. «einsatzbedingte Zusatzkosten» für den Krieg in Afghanistan von mehr als einer Mrd. Euro im laufenden Jahr die Bundeskanzlerin nennt das einen «sehr viel stärker defensiven Ansatz» der Bundeswehr am Hindukusch.

Nordafrika/Nahost 4. März 2010

«Die Verantwortlichen haben Angst, unter Druck zu geraten»

Christine Buchholz (MdB DIE LINKE) über den Auftritt von Shimon Peres im Bundestag und die Haltung der LINKEN
Der amerikanische Autor jüdischer Herkunft, Norman Finkelstein, hat in Deutschland faktisches Redeverbot. Ausgesprochen hat es u.a. die Rosa-Luxemburg-Stiftung, die unter dem Druck angekündigter Störaktionen durch den LINKEN-Arbeitskreis BAK Shalom eine für den 26.2. geplante Veranstaltung mit Finkelstein über den Gazakrieg und die deutsche Verantwortung abgesagt hat.

Amerika 3. März 2010

Brasilianische Fischer gegen deutsches Stahlwerk

Schwere Umwelt- und Menschenrechtsverletzungen von ThyssenKrupp bei Rio de Janeiro
von Christian Russau

In Brasilien benimmt sich der Stahlkonzern ThyssenKrupp wie eine Umweltsau und ein Mafiaboss in einem.

Nordafrika/Nahost 3. März 2010

Die Arbeiter müssen sich an der Bewegung gegen die Diktatur beteiligen

Reza Shalguni über den Charakter der iranischen Opposition
Während die Atompläne des Iran Schlagzeilen machen, gehen die Proteste gegen die iranische Regierung weiter. Von außen ist es schwierig, die Lage richtig einzuschätzen. Um eine genauere Analyse und Antworten auf offene Fragen zu erhalten, sprach Anton Holberg mit REZA SHALGUNI, Gründungsmitglied der Organisation Revolutionärer Arbeiter Irans (Rahe Kargar – Weg des Arbeiters).

Amerika 3. März 2010

Die Friedrich-Naumann-Stiftung in Honduras

«Freiheit und Verantwortung»
von Hans Stimmer

«Mit allen Kräften für eine liberale Welt: Dafür ist die Friedrich-Naumann-Stiftung (FNS) für die Freiheit im Rahmen ihrer internationalen Arbeit in aller Welt im Einsatz. Wir fördern den Aufbau demokratischer, marktwirtschaftlicher und rechtsstaatlicher Strukturen, damit immer mehr Menschen in liberalen, demokratischen Gesellschaften leben können.

Amerika 3. März 2010

Haiti: Die bejubelte Invasion

Anstelle der Hilfe dominiert das Sicherheitsdenken
Christoph Marischka

Die USA nutzten das Erdbeben in Haiti für eine erneute Invasion. Aber auch andere Vertreter der internationalen Gemeinschaft zeigen koloniale Kontinuität.

Amerika 3. März 2010

Haiti: Koloniale Kontinuitäten

von Christoph Marischka
Der Großteil der Bevölkerung Haitis stammt von aus Afrika verschleppten Sklaven ab, die in der zunächst spanischen, später französischen Kolonie überwiegend auf Plantagen einer kleinen europäischen Oberschicht arbeiten mussten.

Europa 3. März 2010

Der Kampf der Tabakarbeiter in der Türkei

von Nick Brauns

Seit Monaten kämpfen die Beschäftigten des staatlichen Tabak- und Alkoholmonopols Tekel gegen ihre privatisierungsbedingte Entlassung.

Amerika 6. Februar 2010

Haiti: Unter dem Deckmantel der Hilfe kommt die militärische Besatzung

von Angela Klein
Tagelang kam die Hilfe nicht an: wegen der verstopften Straßen, der mangelnden Infrastruktur, des Zusammenbruchs einer eh höchst fragilen öffentlichen Ordnung. Aber auch weil die US-Armee, die ab Donnerstag nacht den Flughafen besetzte, erst darauf bedacht waren, die militärische Kontrolle über die Hauptstadt zu übernehmen, bevor sie daran ging, Flugzeuge mit Hilfsgütern zu

Amerika 6. Februar 2010

Haitis Not und unsere Rolle darin

von Peter Hallward

Wenn wir diesem verwüsteten Land ernsthaft helfen wollen, müssen wir aufhören, es zu kontrollieren und auszubeuten.
Jede große Stadt auf der Welt hätte von einem Erdbeben der Größenordnung, das am Nachmittag des 12.Januar die Hauptstadt Haitis verwüstete, ausgedehnte Schäden davongetragen. Doch es ist kein Zufall, dass ein so großer Teil von Port-au-Prince jetzt wie

Amerika 6. Februar 2010

Welche Hilfe senden die USA?

von Antonio Moscato
Die USA kennen Haiti gut, sie sind Jahre dort gewesen, auch in jüngster Zeit. Sie haben das unglückliche Land von 1915 bis 1934 besetzt und seine Staatskasse gleich nach Washington gebracht. Auch danach haben sie bis 1945 seine Zoll- und Wirtschaftspolitik

Arbeitskämpfe 6. Februar 2010

Arbeiterprotest bei Rieter (Winterthur)

Kurz, massiv, entschlossen
Der Schweizer Konzern Rieter hat Entlassungen in Italien nach erfolgreichen Protesten zurückgenommen.

Amerika 6. Februar 2010

Aufruf von Boliviens Präsident Evo Morales

zur Weltkonferenz der Völker über den Klimawandel und die Rechte der Mutter Erde, Cochabamba, Bolivien, 19.-22.April 2010

Europa 6. Februar 2010

Bolkestein meldet sich zurück

Öffentliche und private Dienste kommen massiv unter Druck
von Annette Groth

Am 29. Dezember ist die im November 2006 verabschiedete Dienstleistungsrichtlinie (DLR) in Deutschland in Kraft gesetzt worden. Deutsche und europäische Gewerkschaften, Attac, zahlreiche Berufsgenossenschaften sowie linke Parteien hatten 2005/06 massiv gegen die DLR und das sog. «Herkunftslandprinzip» protestiert.

Arbeitskämpfe 6. Februar 2010

Weihnachtsstreik bei Pariser Metro beendet

Ergebnis geheim
von Carsten Albrecht
Das Pariser Nahverkehrsunternehmen setzte Verwaltungsangestellte als Zugführer ein und die Sicherheit ihrer Passagiere aufs Spiel.

Bildung 30. Dezember 2009

Wir haben unsere Forderungen auch an den Finanzminister gestellt

Die österreichischen Studierenden haben im WS 2009/2010 mit spektakulären Besetzungsaktionen ab Ende Oktober einen Stein ins Rollen gebracht; die Bewegung gegen die Wiedereinführung von Klassenschranken in der Bildungspolitik breitete sich flächendeckend aus und mündete in eine internationale Aktionswoche.

Die SoZ sprach mit Roman Birke, einem Streikaktivisten an der Uni Wien.

Europa 29. Dezember 2009

Selbstmordwelle in Frankreich

Ergebnis von Leistungsdruck und Isolation
von Bernhard Schmid

In Frankreich wird voraussichtlich bald ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zum Thema der Arbeitsbedingungen in einem Privatunternehmen eingesetzt. Grund sind die dramatischen Zustände bei der französischen Telekom, die im Sommer und Herbst dieses Jahres in einer Selbstmordwelle gipfelten, sie erregten ein bisher nicht gekanntes öffentliches Aufsehen.

Europa 28. Dezember 2009

Bergbauunglück in Polen

Profitgier tötet
von Patryk Kosela

Am 18.September dieses Jahres kamen in der Zeche „Wujek-Slask” in Ruda Slaska, 20 Kilometer nordwestlich von Katowice, insgesamt 20 Bergleute ums Leben. Es war eine Tragödie, die ohne weiteres als perfider Mord bezeichnet werden könnte. Die Zeche liegt 1050 m unter der Erde. Zwölf Kumpel waren sofort tot, acht starben in den darauf folgenden Tagen. Viele andere Kumpel

Amerika 27. Dezember 2009

Buy American!

Eine Kampagne von Unternehmern und Gewerkschaften
von Judy Ancel

Am 7.April protestierten Stahlarbeiter in Granite City, Illinois, auf einer Kundgebung gegen die Verwendung von Röhren aus Indien für eine Mammut-Ölpipeline, die von Alberta nach Illinois gelegt werden soll. Zweitausend Stahlarbeiter waren gerade aus dem Werk Granite City von U.S.Steel entlassen worden; sie hätten den Stahl für solche Röhren herstellen können. Die Kundgebung wurde organisiert von der

Asien/Australien 26. Dezember 2009

Afghanistan: Sie reden von Krieg

Militärisch soll die Bundeswehr Krieg führen, politisch lieber nicht.
von Claudia Haydt

Karl Theodor zu Guttenberg, Freiherr und gelernter Gebirgsjäger, ist die stärkste mediale Waffe der Bundesregierung. Es sieht so aus, als würde die Bundeswehr seine Schützenhilfe brauchen. Guttenberg gelang es, in den Medien den Eindruck von Ehrlichkeit zu erzeugen, als er im Gegensatz zu seinem Vorgänger Franz Josef Jung nicht mehr von einer Stabilisierungsmaßnahme in Afghanistan sprach, sondern von Krieg. Bei genauem Hinsehen erweist sich allerdings, dass Guttenberg das Werfen von Nebelkerzen lediglich auf ein höheres rhetorisches Niveau gebracht hat.

Nordafrika/Nahost 26. Dezember 2009

Demokratische Öffnung für Kurden?

In der Türkei wird wieder von den demokratischen Rechten der Kurden gesprochen.
von Ulf Petersen

Nach jahrelangem Stillstand im Konflikt um die Rechte der Kurden war in diesem Jahr die Rede von einer „demokratischen Öffnung” (türkisch: demokratik açilma). Premierminister Erdogan bezeichnete sogar einmal die Diskriminierung ethnischer Minderheiten in der Türkei als „faschistoid”. Die liberaleren Medien transportieren große Hoffnungen und wagen sich weit vor.

Nordafrika/Nahost 26. Dezember 2009

Der Staatsstreich im Iran

Ein Rückblick auf die Wahlfälschung im Juni und die Bewegung, die dadurch ausgelöst wurde
von Mehdi Kia

Einige Monate sind seit dem als Präsidentschaftswahl verkleideten Staatsstreich im Iran vergangen. Es schien, als habe sich der Sieger festigen und die Oppositionskräfte in die Defensive drängen können. Die massiven regierungsfeindlichen Demonstrationen am letzten Freitag des Ramadan und dann diejenigen anlässlich des Jahrestags der Besetzung der US-Botschaft am 4.11.79 haben nicht nur gezeigt, dass die Opposition noch am Leben ist, sondern auch, dass sie sich zunehmend radikalisiert. Was auch immer in den nächsten Wochen und

Europa 26. Dezember 2009

Betriebesterben in Polen

Die Orte des neuen Widerstands
von Kamil Majchrzak

Seit der liberalen Schocktherapie Anfang der 90er Jahr gilt Polen als Musterschüler des Kapitalismus. Doch die Grenze zwischen Boom und Bankrott verläuft, wie die baltischen Staaten gezeigt haben, fließend. Als im September das polnische Amt für Statistik (GUS) die Wirtschaftszahlen für das Jahr 2008 vorstellte,

Afrika 26. Dezember 2009

Die Bedingungen des Tabakanbaus in Malawi

«Ich weiß, dass Tabak für andere Leute den Tod bedeutet, aber für uns bedeutet Tabak das Leben», erklärt Godfrey Chapola von der malawischen Tabakkontrollkommission vor laufender Kamera. Er spricht vom Leben der etwa 7 Millionen Menschen in Malawi, die ihren Lebensunterhalt durch Tabakanbau verdienen. Ein Leben, das gekennzeichnet ist von harter, ungesunder Arbeit, von Armut, von Schulden. Ein Leben in Schuldknechtschaft.
von Sonja von Eichborn