Imperialismus ist keine Lösung
Von Peter Mertens
Wir dokumentieren im Folgenden eine Rede, die der Generalsekretär der belgischen Arbeiterpartei PVDA-PTB Peter Mertens im Juni auf einer internationalen Antikriegskonferenz in London hielt.
A Sparkle Is Growing Across Europe: European Imperialism Is Not The Answer
In diesem Raum herrscht eine besondere Atmosphäre, und ich bin froh, hier in London ein Teil davon zu sein – und das ist nicht nur die Atmosphäre Londons, sondern eine internationalistische Atmosphäre.
In Belgien sind alle Ministerien von Sparmaßnahmen betroffen. Öffentliches Bildungswesen, Gesundheitswesen, öffentlicher Nahverkehr: Überall wird gekürzt. Doch es gibt eine Ausnahme: ein Ministerium, das keine Kürzungen vornimmt, sondern mehr Geld erhält als je zuvor, und das ist natürlich das Verteidigungsministerium.
Kriegspolitik beginnt im Alltag
Movimento No Base – ein antimilitaristisches Bündnis in der Toskana
von Gerhard Klas
Die italienische Bewegung Movimento No Base ist 2022 aus einem ganz lokalen Konflikt heraus entstanden. Vor allem richtete sich ihr Widerstand gegen den Bau einer neuen Militärbasis am Stadtrand von Pisa, die 140 Hektar umfassen sollte, darunter Teile eines Naturschutzgebiets. Tatsächlich ging es um die großen gesellschaftlichen Fragen: um Militarisierung, um die Umwidmung öffentlicher Mittel, um die Belastung von Landschaft und Infrastruktur. Wer diese Bewegung verstehen will, muss sie deshalb nicht nur als Protest gegen ein Bauprojekt lesen, sondern als politisches Signal gegen eine Ordnung, die Kriegsvorbereitung über soziale Bedürfnisse stellt.
Klima und Klassenkampf
Ihr Verhältnis aus polnischer Sicht
von Norbert Kollenda
Przemyslaw Wielgosz: Pogoda dla rewolucjonistów. Jak zmienic swiat w czasie katastrofy (Ein Wetter für Revolutionäre. Wie die Welt verändern in einer Zeit der Katastrophe)
Krakau: karakter, 2026
POLNISCHE PRESSESCHAU 255
Von Norbert Kollenda
18. 04. 2026
Liebe Leserinnen und Leser!
Beachten Sie bitte, dass ich teilweise durch KI die Artikel zusammen fassen lasse, dies ist an den Zwischenüberschriften und * zu erkennen. Wie ist Eure/Ihre Meinung dazu?
Machtwechsel in Ungarn
Demokratischer Generationswechsel?
von Tibor Meszmann und Marika Varga
Ungarn hat am 12.April 2026 gewählt. Die neue Regierungspartei Tisza hat quasi aus dem Stand eine Zweidrittelmehrheit im Parlament erreicht. Und das ist noch nicht alles. Der »Diktator« und Autokrat Viktor Orbán geht am Wahlabend gegen 21 Uhr ans Mikrofon, gratuliert dem Gewinner und kündigt an, künftig in der Opposition aktiv für die Belange seiner »2,5 Millionen« Wähler:innen streiten zu wollen.
Griechenland bedroht Kollektiv
›Es ist und bleibt ein Viertel von unten‹
Musa Kaplan im Gespräch mit Mol und Nora
Die Gemeinschaft des besetzten Prosfygika in Athen lebt Kollektivität. Jetzt droht der griechische Staat sie zu räumen.
Mol und Nora sind beide Teil der Community und aktiv im Internationalistischen Komitee und in der Struktur für technische Arbeiten. Mit ihnen sprach Musa Kaplan.
Frankreich: Rechter Terror gegen Antifa
Die Terrorstrategie der Rechten ist bei den Kommunalwahlen nicht aufgegangen
von Bernard Schmid
Vor den Kommunalwahlen in Frankreich am 15. und 22.März entfesselten Nazis und Konservative Hand in Hand eine regelrechte Terrorkampagne gegen Antifas und Linke.
Migrant:innen willkommen!
Berlin kann von Madrid lernen
von Ayse Tekin
Die spanische Regierung plant die Legalisierung einer halben Million Migrant:innen, die bislang ohne gesicherten Aufenthaltsstatus im Land leben und arbeiten. Spanien hat auch in früheren Jahren eine solche Politik betrieben und damit nicht nur diesen Menschen eine Zukunft gegeben, sondern auch ihrer unbegrenzten Ausbeutung als »Illegale« einen Riegel vorgeschoben.
Harte Urteile und Fake-Beweise
Repression gegen Antifaschist:innen
von Silke Makowski
Der gesamte sogenannte Budapest-Komplex ist eine einzige Ballung von Rechtsbeugungen, Rechtsbrüchen und Unrechtsjustiz – eine ungarisch-deutsche Hetzjagd auf alle, die der NS-Verherrlichung durch Nazis beim jährlichen »Tag der Ehre« entgegentreten. Wer gegen den Aufmarsch in SS- und Wehrmachtsuniformen durch die ungarische Hauptstadt aufbegehrt, wird zum Freiwild erklärt.
Karawane zur Verteidigung der Menschlichkeit festgenommen
In der Türkei gefolterte Europäer:innen erwägen rechtliche Schritte gegen türkische Beamte
dokumentiert
Am 15.Januar reisten zahlreiche Aktivist:innen aus verschiedenen europäischen Ländern im Rahmen der »Karawane zur Verteidigung der Menschlichkeit« in die kurdische Region der Türkei. Dort wollten sie ihre Solidarität mit dem Widerstand der Bevölkerung der belagerten Stadt Kobane zum Ausdruck bringen und über die humanitäre Lage in der demokratischen Selbstverwaltung von Nordostsyrien berichten.
Geächtet und gebannt
Wie die EU Menschen ohne Anklage ihrer Rechte beraubt
von Peter Nowak
Hannes Hofbauer: Aller Rechte beraubt. Mit außergerichtlichen EU-Sanktionen zum autoritären Staat. Promedia: Wien, 2026. 224 S., 22 Euro
Die EU, die sich gerne als Hort der demokratischen Werte feiern lässt, greift zu Instrumenten, die die Fundamente des Rechtsstaats aushebeln. Das beschreibt der Historiker und Publizist Hannes Hofbauer in seinem Buch Aller Rechte beraubt sehr gut.
Der Budapest-Komplex
Deutsch-ungarische Verfolgungsoffensive gegen Antifaschismus
von Silke Makowski
Am 13.Januar 2026 begann vor dem Oberlandesgericht Düsseldorf der bisher größte Prozess im sog. Budapest-Komplex. Sechs Antifaschist:innen sind angeklagt, sich im Februar 2023 in der ungarischen Hauptstadt an körperlichen Auseinandersetzungen mit Nazis beteiligt zu haben. Im Mammut-Prozess gegen Paula, Nele, Emi, Moritz, Clara und Luca sind bisher 72 Verhandlungstage geplant.
100 Jahre Kommune Interhelpo
Erfolg und Ende einer Basisinitiative
von Kai Böhne
»Als die Kommunisten versuchten, ein Paradies in der Steppe zu errichten«, betitelt die Journalistin Klára Votavová ihre Reportage, die 2024 zunächst im tschechischen Magazin Voxpot erschien und kurz darauf durch einen Nachdruck im US-amerikanischen Magazin Jacobin internationale Aufmerksamkeit erlangte. Votavová beschäftigt sich mit einem fruchtbaren Solidaritätsprojekt, das im September 2025 auch von der Kirgisischen Expresspost (KEP) mit Sonderbriefmarken gewürdigt wurde. Worum geht es?
›Sozialismus oder Barbarei‹
Zarah Sultanas Rede auf der Gründungskonferenz von Your Party
dokumentiert
Im folgenden dokumentieren wir die Rede, die Zarah Sultana auf der Gründungskonferenz von Your Party, der neuen britischen Linkspartei, am 30.November in Liverpool gehalten hat.
Griechenland: Studierende werden kriminalisiert
Athens symbolträchtige Hochschule von Sondereinheiten der Polizei gestürmt
von Finia Schaike
Griechenlands konservativ-nationalistische Regierung verschärft die Repression an den Universitäten des Landes. Neue Gesetze sehen vor, dass Studierende für bis zu zwei Jahren vom Unterricht suspendiert werden müssen, sobald die Staatsanwaltschaft aus was für Gründen auch immer gegen sie ermittelt.
Island: Der Tag an dem alles still stand
›An fast keinem Arbeitsplatz war eine Frau zu sehen‹
von Gisela Notz
Zum »Internationalen Jahr der Frau« (IWY), das die UNO für das Jahr 1975 ausgerufen hat, fanden unter dem Motto »Gleichheit, Entwicklung, Frieden« in vielen Ländern der Erde Veranstaltungen statt. Große Kongresse wurden in Mexiko-Stadt und in Berlin, der damaligen Hauptstadt der DDR, veranstaltet. Auch in Bonn, der Hauptstadt der BRD, wurde gefeiert. Kaum jemand spricht heute noch davon.
Frankreich
Koloniale Nostalgie
dokumentiert
Am 30.Oktober gelang es dem Rassemblement National, einer rassistischen Partei, die von ehemaligen Mitgliedern der OAS und der Waffen-SS gegründet wurde, mit Hilfe der konservativen Partei Les Républicains erstmalig, einen eigenen Antrag im Parlament durchzubringen.
Die OAS war eine französische Terrorgruppe, die in der Endphase des Algerienkriegs Anfang der 60er Jahre die Unabhängigkeit des Landes zu verhindern versuchte. Der Antrag des RN forderte die Kündigung des französisch-algerischen Abkommens von 1968, das das Aufenthaltsrecht von Algeriern in Frankreich regelt. Wir veröffentlichen eine Erklärung der NPA (Nouveau Parti Anticapitaliste).
Frankreich: Die Reichen sollen zahlen
Die Regimekrise in Frankreich und Ansätze zu ihrer Lösung
Gespräch mit Olivier Besancenot
Olivier Besancenot ist einer der Sprecher der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) in Frankreich.
Das Gespräch führte Angela Klein.
Griechenland: In den Klauen der Konzerne und Finanzfonds
Zehn Jahre nach dem Euro-Diktat
von Wolfgang Pomrehn
»Wir haben keine Bahn mehr.« Das Resümee von Panagiotis Kalitsis ist deprimierend. »In Nordgriechenland fährt nichts mehr.« Die Verbindungen ins Ausland sind eingestellt. Einzig zwischen Athen und Thessaloniki verkehren noch zwei Züge pro Tag und Richtung, daneben gibt es nur noch eine S-Bahn-ähnliche Strecke zwischen Athen und Korinth, fasst der Bahningenieur und Gewerkschafter das Ergebnis von 30 Jahren Privatisierung und Deregulierung zusammen.
Macron, Merz & Starmer
Die Nachhut der liberalen Demokratie
von Ingo Schmidt
Weite Teile der Welt werden von Autokraten regiert. Putin ist der Schlimmste von allen, Xi nicht viel besser und sogar Amerika, der Hort der Freiheit, ist in die Hände eines Möchtegernkönigs gefallen. Nur das von unbeugsamen Demokraten bewohnte Europa leistet der Autokratie Widerstand. Angeführt von den Staats- bzw. Regierungschefs Deutschlands, Frankreichs und Großbritanniens.
Niederlande: Wilders treibt die rechte Mitte vor sich her
In seinem Windschatten marschieren Nazis durch die Straßen
von Alex de Jong
Am 29.Oktober finden in den Niederlanden erneut Parlamentswahlen statt. Anfang Juni verlor die Regierung von Ministerpräsident Dick Schoof ihre Mehrheit, als die rechtsextreme PVV von Geert Wilders die Koalition sprengte.
Bergarbeiteraufstand 1525
Soziale Bewegung der Bergleute im Königreich Ungarn
von Kai Böhne
Die ersten mittelalterlichen Städte im Königreich Ungarn entstanden zu Beginn des 13.Jahrhunderts vorrangig auf dem Gebiet der heutigen Slowakei. Verantwortlich hierfür war der Bergbau, der vom Spätmittelalter bis ins 18.Jahrhundert ermöglichte, dass sich das slowakische Gebiet zum wohlhabendsten Teil des Königreichs Ungarn entwickeln konnte.
„Legen wir alles lahm!“
Frankreichs Antwort auf Sozialkürzungen, Aufrüstung und Repression
von Bernard Schmid, Paris
Ein »Ultimatum« hatten die französischen Gewerkschaften in der vorletzten Septemberwoche dem neuen Premierminister Sébastien Lecornu gestellt. Ihn hatte Staatspräsident Emmanuel Macron nur 24 Stunden, nachdem Lecornus Amtsvorgänger François Bayrou am 8.September bei einer Vertrauensabstimmung im Parlament gescheitert war, eingesetzt.
Österreich
Die Neutralität – ein Schild gegen Kriegstreiberei
von Wilhelm Langthaler, Wien
Am 18.Oktober demonstriert die demokratische und soziale Opposition in Wien für Frieden, Neutralität und Souveränität.
In der österreichischen Bevölkerung ist die im Staatsvertrag von 1955 verankerte »immerwährende Neutralität«, die dem Land seine Selbständigkeit zurückgab, tief verankert. Spätestens seit der Wende 1989–91 betreiben die Herrschenden allerdings systematisch die Annäherung an die NATO.
Klimakrise, Männlichkeit und der neue Autoritarismus
›Das autoritäre Begehren begreifen‹
Interview mit Cara Daggett
Cara New Dagett ist US-amerikanische Politikwissenschaftlerin. Das Interview führten Karin Zennig und Christian Sälzer für den Rundbrief 2/25 von medico international, in dem die längere Originalversion zu lesen ist.
Nationalistisch gewendet
Über den Charakter der Proteste in Serbien
von Krunoslav Stojakovic
Seit dem 25. November 2024 dauern in Serbien die Proteste gegen die nationalkonservative Regierung und den allmächtigen Staatspräsidenten Aleksandar Vucic an. In dieser Zeit ist einiges in Bewegung geraten.
Zerstörung oder Entwicklung?
Wiederaufbauperspektiven der Ukraine
von Angela Klein
Statt nachhaltigem Wiederaufbau blüht der Ukraine eine Zukunft als Waffenschmiede.
Am 22. Juli rief eine Entscheidung von Staatspräsident Selenskyj bei der EU und den G7-Staaten große Aufregung hervor: Im Schweinsgalopp hatte er ein Gesetz durchs Parlament gebracht, das die Arbeit der beiden Antikorruptionsbehörden NABU (Nationales Antikorruptionsbüro) und SAPO (Spezialisierte Antikorruptionsstaatsanwaltschaft) unter die Aufsicht des von ihm persönlich bestallten Generalstaatsanwalts stellte und sie damit ihrer Unabhängigkeit beraubte – angeblich gäbe es unter ihnen russische Spione.
Rechtsruck in Polen
Der Verlierer heißt Tusk
von Angela Klein
Der PiS-Kandidat, Karol Nawrocki, hat, wenn auch knapp, die Wahl zur polnischen Präsidentschaft gewonnen (50,9 zu 49,1 Prozent, rund 370.000 Stimmen Vorsprung). In Brüssel und anderen europäischen Hauptstädten ist das Gejammer jetzt groß, weil der neue Präsident »antiukrainisch und antideutsch« (Taz) eingestellt ist, weil er die Stellung Trumps in Europa stärkt, weil er jedes Gesetz der Regierung Tusk blockieren kann…
Deutschland & die Auflösung der PKK
Kurd:innen in Deutschland bleiben verfolgt
von Peter Nowak
Gnadenlos: Unbeeindruckt von der Selbstauflösung der PKK werden in Deutschland kurdische Aktivist*innen am Fließband verurteilt. Die deutsche Justiz stellt sogar Anträge zur Auslieferung vermeintlicher Unterstützer*innen der PKK in den Niederlanden und Zypern. Dort stellen die Delikte, die ihnen von deutschen Behörden vorgeworfen werden, keine Straftat dar.
Wasserversorgung in Großbritannien
Teuer, gesundheitsgefährdend, überschuldet
von Terry Conway
Jede Woche berichten britische Medien über die hiesige Wasserkrise: im Juni wies die Umweltbehörde darauf hin, dass England bis zum Jahr 2055 eine Wasserknappheit von fünf Milliarden Litern im Jahr droht. Als Ursachen werden der Klimawandel, das Bevölkerungswachstum und die Bevölkerungskonzentration sowie die industrielle Entwicklung genannt, insbesondere die sehr durstigen Callcenter. Die Presse appelliert meist an individuelle Nutzer, ihren Verbrauch zu senken.
Portugal
Die Rechte auf dem Vormarsch
von Matthias Schindler
Das gesellschaftliche Klima ist in Portugal aktuell durch eine scharfe soziale und politische Polarisation gekennzeichnet.
Seit dem Sturz der Salazar-Diktatur am 25.April 1974 haben die beiden vorherrschenden Parteien – die sozialdemokratische Partido Socialista (PS) und die konservative Partido Social Demócrata (PSD) – die Geschicke des Landes geprägt.
Massenproteste in Serbien
Der schwierige Weg in die politische Unabhängigkeit
von Vladimir Unkovski-Korica
Am 28.Januar stürzten anhaltende Massenproteste in Serbien die Regierung. Auslöser war der Einsturz eines Vordachs des Bahnhofs von Novi Sad am 1.November, wobei 15 Menschen getötet wurden. Der Angriff der Ordnungskräfte auf eine Trauerfeier von Studierenden und Mitarbeitern der Theaterfakultät der Universität Belgrad am 22.November setzte eine beispiellose Mobilisierung von Studierenden und Arbeitenden in Gang. Sie kulminierte in der Forderung nach Neuwahlen. Die Forderung ist bislang nicht erfüllt und sorgt für immer neue, breite Proteste, zuletzt am 2.Juni. Der nachstehende Beitrag erläutert den Hintergrund der Proteste.
PKK: Auflösung zur Transformation
Die PKK beendet die Methode des bewaffneten Kampfes und löst ihre organisatorischen Strukturen auf
von Holger Deilke
Für jeweils kurze Zeit gab es ein Zeitfenster, in denen die Medien in Deutschland (und anderswo auf der Welt) ihr Augenmerk auf einen möglichen Friedensprozess in der Türkei richteten: Abdullah Öcalan – Reber (kurdisch für »Vordenker«) der kurdischen Befreiungsbewegung und mithin auch der PKK – gab am 27. Februar eine Erklärung ab, in der die Orientierung weg vom bewaffneten Kampf hin zur Stärkung und Mobilisierung der Zivilgesellschaft und ihrer Strukturen verbunden wurde mit der Aufforderung, die PKK und ihre bewaffneten Formationen (HPG – Volksverteidigungskräfte) aufzulösen.
Verkehrswende in Frankreich
Tausend kleine Schritte
dokumentiert
Straff und zügig will Frankreich sein Verkehrswesen umbauen und der Elektromobilität, der Schiene und dem Rad mehr Raum geben.
Zugpferde beim klimafreundlichen und nachhaltigen Umbau sind nicht nur Paris, sondern auch einige Regionen wie beispielsweise Okzitanien. Die transition écologique ist eine Initiative der Städte.
Die neue Jugendbewegung in der Türkei
›Die Kinder von Gezi sind erwachsen und sind jetzt hier‹
von Ayse Tekin
Jede Bewegung ist ein Ergebnis seiner Zeit und der Umstände. Das gilt auch für den unerwarteten Märzaufstand der Studierenden in der Türkei.
Solidarität statt Konkurrenz
Die große Standortlüge
von Thorsten Donnermeier
Zölle in den USA. Niedrige Industriestrompreise in Deutschland. Sogenannte Systemkonkurrenz mit China Die Krankenstände müssen sinken. Der Achtstundentag wird in Frage gestellt. Ein Feiertag muss weg.
Ein regelrechtes Trommelfeuer prasselt auf uns nieder. Wofür? Alles für den Standort. Mal sollen wir Opfer bringen für den Standort Europa, um im Konkurrenzkampf der Wirtschaftsblöcke zu bestehen, mal für Deutschland, um in Europa konkurrenzfähig zu sein.
Grönland: Für das vollständige Recht auf Lostrennung …
… ohne Einmischung fremder Mächte
von Stefan Godau
Der kürzlich stattgefundene und von Protesten begleitete Besuch des US-Vizepräsidenten JD Vance machte erneut deutlich, dass Trump fest entschlossen ist, seine imperialistischen Gelüste zu verwirklichen – auch auf Kosten des Verhältnisses zum NATO-Mitglied Dänemark. Was bedeutet dies für die kommenden Jahre und für das Verhältnis zur dänischen Kolonialmacht?
Schulden der Ukraine
von Eric Toussaint
Schulden sind ein Instrument in den Händen der Gläubiger, um unter anderem auf Staaten Druck auszuüben. Wer sind die Gläubiger der Ukraine? Wie groß ist ihre Bedeutung? Was fordern sie als Gegenleistung für ihre Kredite? Welche Rolle spielt die Europäische Union? Warum steht die Integration der Ukraine in die Europäische Union im Widerspruch zu den Interessen des ukrainischen Volkes? Was geschieht mit den eingefrorenen russischen Vermögenswerten? Warum sollen der Ukraine die Schulden erlassen werden? Warum will Selenskyj keinen Schuldenerlass? Welche Alternativen gibt es zur derzeitigen Verschuldung?
Sterben für die EU?
Oder sich der Kriegsproduktion verweigern?
von Wolfgang Pomrehn
Nachdem der neue US-Präsident begonnen hat, die gewohnte internationale Ordnung durcheinanderzuwirbeln, scheint die große Unübersichtlichkeit perfekt. Die europäischen Verbündeten werden in unverblümter Offenheit als Subalterne behandelt, offen faschistische Kräfte in Westeuropa unterstützt und dann auch noch ein Handel mit dem russischen Präsidenten zulasten der Ukraine vorbereitet.
Massenproteste in der Türkei
Wer ist Imamoglu und was macht er anders als Erdogan?
von Serdar Kazak
Der Istanbuler Bürgermeister Ekrem Imamoglu wurde am 19. März festgenommen. Das hat eine unerwartete und fast beispiellose Reaktion hervorgerufen.
Die Studierenden an der Universität Istanbul haben zunächst einen unauffälligen Protestmarsch in Richtung Rathaus gestartet. Studierende mehrerer anderer Universitäten folgten.
ÖPNV
Von den Franzosen lernen
von Paul Michel
Immer mehr Kommunen klagen über knappe Kassen. Weil das Geld fehlt, werden Bus- und Bahnangebote reduziert: Takte werden ausgedünnt, manche Linien am Wochenende gestrichen, andere ganz eingestellt. Geplante Anschaffungen von Bussen und Straßenbahnen werden storniert, bestehende Planungen auf Eis gelegt. Gleichzeitig erhöhen viele Verkehrsbetriebe die Fahrpreise.
Schweden
Hafenarbeiter blockieren Waffen für Israel
von Hermann Dierkes
Der Schwedische Hafenarbeiterverband (Svenska Hamnarbetarförbundet) hat im Dezember per Mitgliederentscheid beschlossen, Waffen- und Munitionslieferungen für und aus Israel zu boykottieren, da diese für den Völkermord an den Palästinensern eingesetzt werden können bzw. diesen unterstützen.
Von Kern und Funktion des Rassismus
Der Aufstieg der Partei von Geert Wilders in den Niederlanden
von Alex de Jong
Als Begründung, warum er sich im Bundestag bei seinem Migrationsantrag auf die Stimmen der AfD stützte, verwies Friedrich Merz auf die Niederlande als Beispiel für ein Land, das versucht, die Einwanderung zu stoppen. Die Niederlande haben ihr »liberales« und »tolerantes« Selbstverständnis aufgegeben, die Rechtsextremen sind an der Macht und bekommen immer mehr Zulauf. Wie sind sie dahin gekommen?
Österreich
Kickls Machtträume sind geplatzt
von Wilfried Hanser
Mit seinen provokanten und unannehmbaren Forderungen, die er der ÖVP zudem über die Medien ausgerichtet hatte, hat der Bundesparteiobmann der rechtsextremen FPÖ seine Chancen vermasselt.
Spät, aber doch hat die ÖVP realisiert, worauf und mit wem sie sich da eingelassen hat: Für seine Hilfe bei der Umsetzung des extrem neoliberalen Zerstörungsprogramms vom Wirtschaftsflügel der ÖVP wollte er das Bundeskanzleramt und einige Schlüsselministerien mit Einfluss im Staats- und Beamtenapparat.
Frankreich: Neue Volksfront
von Elfriede Müller und Hermann Nehls
Der Freundeskreis der IV. Internationale und die ISO haben in Zusammenarbeit mit der Rosa-Luxemburg- Stiftung am 24. Januar 2025 in Berlin eine Veranstaltung mit Olivier Besancenot (NPA) zur Neuen Volksfront in Frankreich organisiert. Zu den 100 Teilnehmenden gehörten auch Vertreterinnen der LFI, La France insoumise.
Das „junge Europa“ schaut sehr alt aus
von Przemyslaw Wielgosz
Die internationale Politik von Donald Trump ist klassischer Imperialismus ohne Beschönigung. Das Zeichnen einer Karte von Einflusssphären, ethnische Säuberungen als Mittel zur Problemlösung, offener Annexionismus, Zugang zu Ressourcen im Austausch gegen Sicherheitsgarantien für formal souveräne Staaten (d.h. de facto deren Herabsetzung auf die Position nicht-souveräner Bananenrepubliken) erschrecken die europäische politische Klasse heute.
Europäisches Workers-Economy-Netzwerk
Vernetzung von Betrieben in der Hand der Arbeitenden
von Elisabeth Voß
Angesicht sich zuspitzender Krisen sind Gegenwehr und Alternativen notwendiger denn je. Seit zehn Jahren vernetzen sich europäische Betriebe, die von den Beschäftigten übernommen wurden. Von Anfang an lag der Schwerpunkt auf dem Mittelmeerraum und öffnete sich auch für Neugründungen ohne Vorgeschichte von Betriebsbesetzungen. Willkommen wären ebenfalls Betriebe aus anderen europäischen Ländern, die sind aber bislang nicht vertreten.
Normalisierung rechtsextremer Macht
Ein Überblick über die Lage in der EU
von Ayse Tekin
Im vergangenen Jahr gab es mehr als 70 Wahlen weltweit. In fast allen kam es zu Stimmengewinnen oder gar absoluten Mehrheiten für rechtsgerichtete Parteien und autokratische Politiker. Alle instrumentalisieren gezielt Themen wie Krieg, Migration, Klimakrise, religiöse Konflikte und Genderidentitäten, um die gesellschaftliche Spaltung voranzutreiben. Europäische Rechtspopulisten und Rechtsextreme wollen die wirtschaftlichen und sozialen Probleme auf Kosten der Migrant:innen lösen. Das ist nichts anderes als Ethnisierung der Verteilungsungerechtigkeit.
Green Deal war gestern
Haushalt und Personal der neuen EU-Kommission
von Klaus Dräger und Herman Michiel
Nach geheimen politischen Verhandlungen zwischen den Regierungschefs, die den drei sogenannten »proeuropäischen« politischen Familien angehören, wurde Ursula von der Leyen Ende Juni 2024 für eine weitere fünfjährige Amtszeit als Kommissionspräsidentin vorgeschlagen und vom Europäischen Parlament (EP) bestätigt.
Kickl ante Portas!
Rechtsextremer Scharfmacher wird Kanzler in Österreich
von Wilfried Hanser
In Österreich löst zur Zeit eine politische Hiobsbotschaft die nächste, noch schlimmere, ab.
Bei der Nationalratswahl vom 29.September erhielt die rechtsextreme Partei FPÖ unter dem Scharfmacher Kickl unglaubliche 28,8 Prozent der Stimmen und wurde damit stärkste Partei. Kickl ist kein Wolf, der Kreide frisst, er hetzt ganz offen, er hofiert die Identitären als »interessante rechte NGO« und das Wort »Remigration« bezeichnet er – lange vor Alice Weidel von der AfD – ganz ungeniert als sein Programm.
Die neue EU-Kommission und ihr Credo
von Herman Michiel / Klaus Dräger
Militarisierung, Festung Europa, ‚Wettbewerbsfähigkeit‘
Nach sechsmonatigem politischen Gerangel mit dem Europäischen Parlament hat die neue von-der-Leyen-Kommission am 1. Dezember 2024 ihre Arbeit aufgenommen. Ist die Europäische Kommission, die „Regierung“, die Exekutive der Union? Oder ist sie auch die ‚Legislative‘? Wie ist die EU in dieser Hinsicht aufgestellt?
Die Hütte brennt
Klima der Unsicherheit führt zu politischen Brandherden
von Angela Klein
Eine Woche, zwei politische Abstürze: Nach 54 Jahren bricht das Regime Assad in Syrien zusammen. Nach dreimonatiger Regierungszeit wird der französische Premier Michel Barnier aus dem Amt gejagt.
Der Sturz von Assad birgt das Potenzial einer Aufteilung Syriens in einen von Israel kontrollierten und einen von der Türkei beherrschten Teil. In der Region findet eine imperialistische Neuaufteilung statt, die auf Kosten von Palästinensern und der Kurden geht. Eine militärische Auseinandersetzung mit dem Iran kann in Anbetracht der kommenden Präsidentschaft Trumps nicht mehr ausgeschlossen werden.
In Frankreich wiederum werden die Institutionen der von De Gaulle gegründeten Fünften Republik mit der Krise des Parteiensystems nicht mehr fertig.
Frankreich: politische und soziale Krise
Die Institutionen der Fünften Republik haben ausgedient
Gespräch mit Christine Poupin
Frankreich steht inmitten einer starken sozialen und zugleich politischen und institutionellen Krise.
Christine Poupin ist Sprecherin der französischen NPA (Nouveau Parti Anticapitaliste). Mit ihr sprach Angela Klein
Über das Recht der Völker auf Selbstbestimmung
von Angela Klein
Die IV.Internationale hält aus gutem Grund das Recht der Völker auf Selbstbestimmung sehr hoch: es ist die Grundlage für jeden antiimperialistischen Kampf. Was Recht auf Selbstbestimmung im einzelnen bedeutet, unterliegt freilich dem jeweiligen Klasseninteresse und auch der geschichtlichen Entwicklung.
In der Ukraine ist der Wunsch, sich für den Staat zu opfern, sehr schwach
Volodymyr Ishchenko ist ein ukrainischer Soziologe, der politisch aktiv war und sich an mehreren linken Initiativen in der Ukraine beteiligte, bevor er 2019 nach Deutschland kam. Ishchenko arbeitet derzeit an der Freien Universität in Berlin und setzt dort seine Forschungen über die ukrainischen „Revolutionen“, die Linke und die politische Gewalt der extremen Rechten fort, die er seit 20 Jahren untersucht. Seit dem Ausbruch des Krieges in der Ukraine hat er in mehreren internationalen Medien ausführlich über verschiedene Aspekte des Konflikts geschrieben.
Nachstehend ein Interview, das er Philippe Alcoy und Sasha Yaropolskaya von der Zeitschrift Révolution Permanente gegeben hat.
Ein Jahr Streik bei Tesla in Schweden
Der lange Kampf für einen Tarifvertrag zeigt noch keinen Erfolg
von Lars Henriksson
Am 27.Oktober ist der seit hundert Jahren längste Streik in Schweden in sein zweites Jahr getreten. Der Konflikt zwischen der Gewerkschaft IF Metall und dem Tesla-Konzern ist zu einem Thema geworden, das weit über die mehrere hundert direkt betroffenen Automechaniker hinausgeht.
Lars Henriksson, ehemals langjähriger Volvo-Arbeiter und seit 45 Jahren aktives Mitglied von IF Metall, hat die Situation und die Herausforderungen für die Gewerkschaft in der schwedischen Online-Zeitung Internationalen zusammengefasst.

Ex-GKN Florenz
Bereit zur Aufnahme der neuen Produktion
von Kathy Ziegler
Am 13.Oktober 2024 fand in Campi Bisenzio bei Florenz die erste Versammlung der Genossenschaft GKN For Future (GFF) statt; viele Arbeiter des Fabrikkollektivs Ex-GKN, das auch GFF-Gründer ist, Genossenschaftsmitglieder und Vertreter:innen verschiedener Gruppen wie Fridays for Future aus Florenz nahmen daran teil. Prominenter Gast war Greta Thunberg, die in ihrer Rede alle ermutigte, weiter an das ökosoziale Projekt der GFF zu glauben und dafür zu kämpfen.
›European War Deal‹
Die neue EU-Kommission steht ganz im Zeichen der Militarisierung
von Herman Michiel und Klaus Dräger
Auf ihrem Gipfeltreffen Ende Juni 2024 haben die EU-Staats- und
-Regierungschefs beschlossen, dass Portugals ehemaliger Premierminister António Costa die Nachfolge von Charles Michel als Präsident des Europäischen Rats antreten wird. Ursula von der Leyen wurde für eine zweite fünfjährige Amtszeit als Kommissionspräsidentin bestätigt. Außerdem ernannten sie die estnische Premierministerin Kaja Kallas zur neuen »Hohen Vertreterin der EU für Außen- und Sicherheitspolitik«, die dieses Amt vom spanischen Sozialdemokraten Josep Borrell übernimmt.
Folgen der Parlamentswahlen in Österreich
Der Wahlsieg der FPÖ und das strategische Dilemma der Sozialdemokratie
von Wilfried Hanser
Bei den Nationalratswahlen (Parlament) in Österreich am 29.September hat die konservative Volkspartei (ÖVP) etwa 30 Prozent ihrer Wähler:innen verloren, sie wurde von der rechtsextremen FPÖ überholt und findet sich auf dem zweiten Platz wieder. Dennoch befindet sie sich in einer komfortablen Situation: Sie kann mit ihren nur noch 26,3 Prozent weiterhin den Kanzler stellen und sich die Koalitionspartnerinnen aussuchen. Rechnerisch kann sie wahlweise entweder mit der rechtsextremen FPÖ, mit der Sozialdemokratie (mit knapper Mehrheit) oder mit zwei unterschiedlichen Varianten einer Dreierkoalition (mit SPÖ + Neos oder mit SPÖ + Grüne) weiterregieren.
›Siamo tutti exGKN!‹
Vor 40 Jahren: Der Streik der britischen Bergleute
Frauen waren das Rückgrat eines historischen Arbeitskampfes
von Ayse Tekin
Vor 40 Jahren, vom 10. bis 20.Oktober 1984, besuchten Frauen der streikenden Bergleute aus England, Kay Sutcliffe und Marie Collins, Deutschland, um hier für Solidarität mit einem spektakulären Arbeitskampf zu werben. Auf zahlreichen Veranstaltungen wurde Geld gesammelt. In Köln bildete sich eine Unterstützergruppe für die Zeche Snowdown, die von dem Arbeitskreis »Frau und Arbeit« getragen wurde. Die Gruppe sammelte Geld und Geschenke, eine Delegation aus fünf Frauen brachte sie persönlich zur Weihnachtszeit nach Aylesham/Kent.
Macron begibt sich in die Hände Le Pens
Die politischen Winkelzüge des französischen Präsidenten und die Lage der Linken
von Léon Crémieux
»Das Volk hat das Vertrauen der Regierung verscherzt. Wäre es da nicht doch einfacher, die Regierung löste das Volk auf und wählte ein anderes?«
Bertolt Brecht, Die Lösung, 1953
Ja zum Krieg – quer Beet durch die Fraktionen
Das neue Europäische Parlament bestätigt seine militaristische Gesinnung
Von Herman Michiel und Klaus Dräger
Im Juni 2024 wurde ein neues 720-köpfiges Europäisches Parlament gewählt, das vom 16. bis 19. Juli in Straßburg seine erste Plenarsitzung abhielt. Diese erste Sitzung gibt sofort den Ton an, den wir von diesem Parlament in den nächsten fünf Jahren erwarten können: den Ton militärischer Marschmusik.
Ein Sommer des Rassismus
Migrant:innen – als Arbeitskräfte ausgebeutet, als Menschen verachtet
von Gerhard Klas
Am 19.Juni starb der Inder Satnam Singh südöstlich von Rom. Der 31jährige war anderthalb Tage zuvor bei der Melonenernte in eine Maschine geraten. Sein rechter Arm wurde abgetrennt, seine Beine wurden zerquetscht.
›Wir brauchen konkrete Erfolge‹
Die Perspektiven der Linken nach ihrem Sieg im zweiten Wahlgang der Parlamentswahlen
Gespräch mit Olivier Besancenot
Macron lässt sich sichtbar Zeit mit der Regierungsbildung. Und auch bei der Neuen Volksfront (NFP) ist die Findung einer gemeinsamen Kandidatin für das Amt der Premierministerin holprig verlaufen. Meinst du, Macron wird Lucie Castets am Ende doch akzeptieren und zur Premierministerin ernennen?
Betriebe rückerobern statt Sozialplan verhandeln
Rückeroberte Betriebe vernetzen sich europaweit
von Manfred Neugroda
Noch ist er nicht entschieden, doch das Beispiel des Kampfes der Belegschaft um die Rückeroberung ihres Betriebs GKN bei Florenz hat die Gewerkschafts- und Arbeiter:innenbewegung und die Linke in Deutschland und Europa angefeuert. Mit ihm wird die Diskussion um den Kampf gegen Betriebsschließungen über das in Deutschland übliche Niveau von Sozialplan oder Sozialtarif hinausgehoben und auf eine grundlegende Systemtransformation orientiert. Mit dabei bedacht wird auch die Verbindung von Ökonomie und Ökologie.
Mélenchon: „Die politische Krise tendiert zu einer Regimekrise“
Interview mit dem Vorsitzenden von La France Insoumise (LFI) am 23.7.2024
Nach den Parlamentswahlen am 30.6. und 7.7.2024 ist die Regierung Gabriel Attal noch im Amt, Yaël Braun-Pivet wurde erneut zur Präsidentin der Nationalversammlung gewählt. Alles ändert sich, damit sich nichts ändert: Ist das Ihrer Meinung nach der Plan von Emmanuel Macron?
Der Präsident der Republik hat das Parlament aufgelöst, um eine politische Klärung zu erreichen. Das sind seine Worte! Nicht unsere. In dutzenden Umfragen lag Rassemblement National (RN) in den Medienkommentaren an der Spitze und wir waren die Letzten. Das Ergebnis aber war das genaue Gegenteil. In diesem Moment hätte der Präsident der Republik, hätte er das Wahlergebnis akzeptiert, wie es in anderen Demokratien üblich ist, eine/n Vertreter/in der Neuen Volksfront zur/m Premierminister/in berufen. Aber nein, er sagt: „Niemand hat gewonnen!“ Dabei haben wir eine relative Mehrheit, so wie er im Jahr 2022.
Wiederaufbaukonferenz für die Ukraine
Kein Erfolg im Interesse der ukrainischen Bevölkerung
von David Stein
Die Konferenz, die auf Einladung des deutschen G7-Vorsitzes und der EU-Kommission am 11. und 12.Juni 2024 in Berlin stattfand, wurde von den Veranstaltern und den Medien als „Wiederaufbau-Konferenz“ bezeichnet. Tatsächlich stand die Konferenz jedoch unter dem Motto: „United in defence. United in recovery. Stronger together“ (Vereint in der Verteidigung. Vereint im Wiederaufbau. Gemeinsam sind wir stärker).
Der faschistischen Gefahr begegnen
Erklärung der NPA zum 1.Wahlgang der Parlamentswahlen in Frankreich
Diese Parlamentswahlen bestätigen auf erschreckende Weise die Gefahr, die von der extremen Rechten ausgeht, die historisch hohe Ergebnisse erzielt. Sie sind das Ergebnis einer Kombination aus der Zunahme von Nationalismus und Rassismus in bestimmten Bevölkerungsgruppen, der zunehmenden Unterstützung der herrschenden Klassen wie auch von einem Teil der Medien für die extreme Rechte, und dem Zusammenbruch der rechten Mitte (Macronisten und Die Republikaner), deren Politik die Bevölkerung anwidert. Mit der Übernahme der Regierungsmacht durch den Rassemblement National (RN) und seinen Verbündeten und Unterstützern wächst die Gefahr eines Neofaschismus in Frankreich nochmal.
Die gute Nachricht dieses Wahlkampfes ist das Aufbäumen der Linken. Ihre beachtlichen Ergebnisse verdanken sich der Einheit ihrer politischen, assoziativen und gewerkschaftlichen Kräfte, die Hunderttausende von Menschen zu Demonstrationen und zu den Urnen geführt haben. Diese Einheit darf man nicht rot anmalen, nicht vergessen, wer die Verantwortung für die liberale Politik von Regierungen, die sich als links bezeichneten, trägt – von Mitterrand bis Hollande – und für die
Desorientierung und Wut der Volksklassen, die diese erlitten haben.
Nach den Europawahlen
Wo bleibt die Linke?
von Miguel Urbán
Die vergangenen Europawahlen haben Wachstum und Stärke der extremen Rechten erneut bestätigt. Ihre derzeitige Aufsplitterung auf drei Fraktionen im Europaparlament trübt das Bild ein wenig, aber mit knapp über 20 Prozent ist sie nun die zweitstärkste Kraft in Europa – noch vor den Sozialdemokraten.
Kampf für soziale Rechte auch in Kriegszeiten
Die gewerkschaftliche Ukrainekonferenz war ein voller Erfolg
von Angela Klein, Hermann Nehls, Justin Turpel
Am Samstag, dem 8. Juni 2024, fand im Berliner IG-Metall-Haus die Veranstaltung »Für einen selbstbestimmten Wiederaufbau der Ukraine« mit 70 Teilnehmenden statt. Gewerkschafter:innen und Aktivist:innen aus der Ukraine waren angereist. Die Veranstaltung war vom Arbeitskreis Internationalismus der IG Metall Berlin und der Initiative »Solidarität mit ukrainischen Gewerkschaften« organisiert worden. Sie war ein voller Erfolg.
Europawahlen
Im Norden ist die Linke auf dem Vormarsch
von Hermann Dierkes, Angela Klein und Peter Nielsen
Die extreme Rechte hat in den skandinavischen Ländern entgegen dem kontinentaleuropäischen Trend massiv verloren, während Linke und Grüne stark zugelegt haben. In Belgien hingegen war der Wahlerfolg der PTB-PVDA begleitet vom gleichzeitigen Vormarsch des rechtsextremen Vlaams Belang, der mit 14,5 Prozent stärkste Partei wurde.
›Wenn die Angst das Lager wechselt, geht alles sehr schnell‹
Der Aufschwung der extremen Rechten in Frankreich
von Olivier Besancenot
Der Wahlerfolg des Rassemblement National (RN) bei den Europawahlen macht es möglich, dass Marine Le Pen die nächste Staatspräsidentin von Frankreich wird. Und das Angebot des Vorsitzenden der Republikanischen Partei (die Konservativen) an Le Pen, ein gemeinsames Wahlbündnis zu bilden, zeigt, dass die Brandmauer gegen rechts bröckelt (der Vorsitzende ist inzwischen geschasste worden).
Olivier Besancenot (NPA) sprach auf der Ökosozialistischen Konferenz der ISO am 1. Juni über die Rechtsentwicklung in Frankreich und wie sie aufzuhalten ist.
Ein europäisches Dilemma
Vorschläge gegen Europamüdigkeit
von Matthias Becker
Europa 2050 – souverän, sozial, handlungsfähig. Hrsg. T.Hartmann-Cwiertnia u.a. Bonn: Dietz, 2024. 168 S., 18 Euro
Ein neuer Sammelband aus der Friedrich-Ebert-Stiftung will Hoffnung für die Zukunft der Europäischen Union schüren. Doch das Buch belegt eher, wie gespalten die Union in Wirklichkeit ist.
NPA kandidiert in einem Wahlkreis
Freundeskreis der ISO, Berlin
Im Rahmen des Volksfrontabkommens konnte die NPA (offiziell) einen Wahlkreis besetzen. Und zwar handelt es sich um den Wahlkreis Aude 1. Das ist Carcassonne Stadt und Umland. Philippe Poutou hat die Kandidatur angenommen. Dieser Wahlkreis hat ca. 98.000 Wähler:innen. Er ist eigentlich traditionell links, aber 2022 konnte die Front National (jetzt RN) ihn gewinnen. Ihr Vertreter Barthes ist ein besonders widerliches Exemplar. Als im Januar vor Ort Bauernprosteste ausbrachen und die Chefin der Grünen in Carcassonne zu Besuch war, stand Barthes mit einem Schild ihr gegenüber, auf dem stand: „Geh Suppe kochen, du Schlampe“.
G7 vor Entscheidung: Ukrainische Schuldenzahlungen weiter aussetzen
von Eric Toussaint
Wieso diskutieren die G7 über die Schulden der Ukraine?Seit über einem Jahr diskutieren die Staats- und Regierungschefs der wichtigsten Mächte, die sich nach der russischen Invasion in der Ukraine gegen Russland verbündet haben (Deutschland, Kanada, USA, Frankreich, Italien, Japan und Großbritannien), über die Finanzierung des Krieges und des Wiederaufbaus der Ukraine, ohne sich bislang einigen zu können.
Es sei daran erinnert, dass im Rahmen der von den NATO-Verbündeten verhängten Sanktionen in den westlichen Ländern Vermögenswerte der Russischen Föderation in Höhe von knapp 300 Milliarden US-Dollar blockiert wurden. Der größte Teil davon befindet sich in einem „Clearhouse“ namens Euroclear mit Sitz in Brüssel.
Wer sind die Gläubiger der Ukraine?
#Widersetzt euch!
Ob Essen, Thüringen oder international – den Rechten das Steuer entreißen
von Violetta Bock
Dunkle Schatten liegen über Europa. Vom 6. bis 9.Juni wird das Europaparlament gewählt und schon jetzt weist alles daraufhin, dass die Rechtsverschiebung der letzten Jahre sich weiter verfestigen wird. Eine europäische Entwicklung, die sich national verschieden ausformt.

Was will die AfD in Bezug auf Europa?
von Albrecht Kieser
Die AfD ist tierisch gut drauf, wenn es um Europa geht. Der Grund liegt auf der Hand: Europa ist für viele Menschen nur ein Monstrum, fern ab, undemokratische Strukturen, Kapitalistenlobbyismus, inflationäre Vorschriften, Dummheit inklusive. Da wird die AfD mit ihren gut fünfzig Seiten langen Europaprogramm* ganz sicher alles besser machen. Und zwar im künftigen »Bund europäischer Nationen«. Warum es da und für wen besser wird, sollten alle wissen, die der AfD auf diesem Weg folgen möchten.
›Einen Fuß in die Institutionen, hundert Füße auf die Straße‹
Miguel Urbán über seine Arbeit im Europaparlament und die kommenden EU-Wahlen
Gespräch mit Miguel Urbán
Miguel Urbán Crespo (geb. 1980) ist Europaabgeordneter (seit 2015) und Mitglied von Anticapitalistas im spanischen Staat. Seit 2013 ist er in verschiedenen Bewegungen aktiv: antikoloniale Bewegungen, für das Recht auf Wohnen, Antikriegsproteste, Occupy-Aktionen. Er war auch einer der Gründer von Podemos
Verhängnisvolle Freundschaft
Über Grundzüge des US-Imperialismus
von Angela Klein
Werner Rügemer: Verhängnisvolle Freundschaft. Wie die USA Europa eroberten. Köln: Papyrossa, 2023. 328 S., 22,90 Euro
Da denkt man, das Register der Verbrechen der US-Regierungen enthalte nichts mehr, was nicht bekannt wäre – doch weit gefehlt! Werner Rügemer unternimmt in seinem neuen Buch den Versuch, die Systematik hinter diesen Verbrechen zu erforschen und sie aus dem Entstehungsprozess der Vereinigten Staaten von Amerika selbst herzuleiten. Dabei ergeben sich etliche Erkenntnisgewinne.
Europawahlen 2024 – Die extreme Rechte auf dem Vormarsch
Ein Blick auf die aktuelle Stimmung in Frankreich
von Edouard Soulier
Vom 6. bis 9.Juni finden die Wahlen zum Europäischen Parlament (EP) statt. Vorhergesagt wird ein starker Zuwachs der extremen Rechten und der Ultrakonservativen, vor allem aufgrund der Zuwächse der Partei von Marine Le Pen in Frankreich (RN – Rassemblement National), der AfD in Deutschland und der Partei von Geert Wilders in den Niederlanden (PVV). Eine Meinungsumfrage vom 20.März sieht die RN als stärkste Partei im EP.
Petition für Boris Kagarlitzki
Freiheit für alle politischen Gefangenen in Russland
dokumentiert
Wir, die Unterzeichnenden, waren zutiefst schockiert als wir erfuhren, dass der führende russische sozialistische Intellektuelle und Antikriegsaktivist Boris Kagarlitzki (65) am 13.Februar zu fünf Jahren Gefängnis verurteilt wurde.
Eine andere Ukraine ist möglich
Für einen selbstbestimmten Wiederaufbau
dokumentiert
Alternativkonferenz zur Ukraine Recovery Conference, Berlin, 8.Juni
Nach Lugano (2022) und London (2023) findet am 11. und 12.Juni 2024 in Berlin die dritte Ukraine-Wiederaufbaukonferenz (Ukraine Recovery Conference, UCR) statt. Die Wiederaufbaukonferenzen haben die Ukraine-Reform-Konferenzen abgelöst, die seit 2017 jährlich stattgefunden haben.
Eine Bremse gegen die Autokratie
Zum Ausgang der Kommunalwahlen in der Türkei
von Ayse Tekin
Bei den Kommunalwahlen in der Türkei am 31.März sind die Fronten der drei Blöcke, die sich bei den Präsidentschaftswahlen im Mai 2023 abgezeichnet hatten, in Bewegung geraten.
25.April immer, Faschismus nie wieder!
von Matthias Schindler
Am 25. April 2024 fand in Lissabon, Portugal, die zweitgrößteDemonstration in der Geschichte des Landes statt. Die größte gab es am1. Mail 1974 - eine Woche nach dem Sturz der Diktatur - als praktischdas ganze Volk auf die Straßen strömte, um die neu gewonnene Freiheit zufeiern. Weitere große Demonstrationen fanden gestern auch in Porto undin Coimbra statt.
Auferstanden aus Ruinösem
Die KPÖ kommt in Salzburg in die Stichwahl für das Amt des Bürgermeisters
von Dieter Braeg
Ein Zitat von Mozart, das die »Mozartfestspielstadt Salzburg« noch immer verdrängt: »Ich hoffe nicht, dass es nötig ist zu sagen, dass mir an Salzburg sehr wenig und am Erzbischof gar nichts gelegen ist und ich auf beide scheiße.«
Ukraine
Eskalation oder Kapitulation?
von Tomasz Konicz
Die Ukraine ist dabei, den Krieg zu verlieren. Wird der Westen intervenieren, um einen strategischen Sieg Russlands zu verhindern – auch bei einem drohenden Atomkrieg?
Wahlen in Russland
Putin fühlt sich jetzt sicherer
von Angela Klein
Putin bleibt mit 88,5 Prozent der abgegebenen Stimmen Präsident (2018: 76,7 Prozent). Das ist nicht überraschend. Die hohe Wahlbeteiligung von 77,5 Prozent schon eher; sie soll laut dem russischen Exilmedium Meduza darauf zurückzuführen sein, dass die Präsidialverwaltung eine Wahlbeteiligung zwischen 70 und 80 Prozent als Ziel ausgegeben habe und die Behörden zu ungewöhnlichen Mitteln der Mobilisierung bis hin zum Zwang für Staatsbedienstete gegriffen hätten.
Die Ukraine und die liberale Opposition in Russland
Trotz gemeinsamem Gegner kommen sie nicht zusammen
von Francesca Kabel und Serhiy Morgunov*
Die Ukraine und die liberale russische Opposition haben einen gemeinsamen Feind. Beide wollen, dass die Herrschaft von Präsident Wladimir Putin und sein Krieg gegen die Ukraine beendet werden. Doch die ukrainische Reaktion auf den Tod des russischen Oppositionsführers Alexej Nawalny hat deutlich gemacht, wie tief die Kluft zwischen beiden Seiten ist –
und wie schwierig es ist, eine dauerhafte Versöhnung zwischen den beiden Nachbarn zu erreichen, selbst wenn Putin nicht mehr da wäre.
Die Nelken sind verblüht
Zum 50.Jahrestag der portugiesischen Revolution
von Paul Stern
Agenten der faschistischen Geheimpolizei PIDE ermorden noch vier Menschen, bevor ihre Zentrale von den aufständischen Massen eingenommen wird: Am Morgen des 25.April 1974 besetzt die Bewegung der Streitkräfte (MFA – Movimento das Forças Armadas) verschiedene strategische Punkte in Lissabon und stürzt die 1926 errichtete faschistische Diktatur von António de Oliveira Salazar, dem Führer des Estado Novo. Das Ziel der Bewegung ist die Beendigung der 13 Jahre zuvor begonnenen Kolonialkriege, freie Wahlen und die Einführung einer bürgerlichen Demokratie.
Wahlen in Portugal
Dramatischer Rechtsruck
von Fernando Rosa
Die Ergebnisse der Parlamentswahlen vom 10.März 2024 zeigen einen deutlichen Rechtsruck in der politischen Situation des Landes: Die rassistische und faschistische extreme Rechte, die unter dem Namen Chega (Es reicht) antrat, hat am stärksten zugenommen (18 Prozent der Stimmen und 48 Abgeordnete).
Die Sozialistische Partei (PS) erlebte einen brutalen Absturz und verlor eine halbe Million Stimmen, vor allem an die extreme Rechte. Die traditionelle Rechte, vertreten durch die konservative PSD, trat mit dem Bündnis Demokratische Allianz (AD) an, das sogar weniger Stimmen errang als 2022 die PSD allein.
Ernährung und Einkommen für alle
Französische Bauern und Gewerkschaften zusammen gegen die Agrarkrise
Gespräch mit Christine Poupin
Europaweit hat sich die Bauernschaft gegen das Verschwinden ihres Berufsstands erhoben. Christine Poupin berichtet über die Proteste in Frankreich und erläutert einen Vorschlag der Confédération Paysanne zur Lösung der Agrarkrise. Mit ihr sprach Angela Klein.
Ausverkauf
IWF und Weltbank wollen die Ukraine mit Schulden gefügig machen
von Justin Turpel
Seit mehr als zwei Jahren wehrt sich die Ukraine gegen die Aggression und Besetzung durch Putins Armee. Mit großen Anstrengungen kämpft das Land gegen die Invasion, wobei Linke und die Gewerkschaften eine unschätzbare Rolle im Widerstand spielen.
Gegen alle Klischees
Die Jugendlichen der Banlieues
von Gerhars Klas
Diaty Diallo: Zwei Sekunden brennende Luft. Aus dem Französischen von Nouria Behloul und Lena Müller. Hamburg: Assoziation A, 2023. 192 S., 20 Euro
Europa, Europa
Ein Film über die Flüchtlingsabwehr an Polens Grenze zu Belarus
von Gaston Kirsche
Green Border – Zielona granica
Polen, Frankreich, Tschechische Republik, Belgien 2023
Regie: Agnieszka Holland
152 Minuten
Ein Vorbild für Lindner?
Bürgergeld auf italienisch
von Angela Klein
Die faschistoide Regierung von Giorgia Meloni in Rom macht seit ihrem Amtsantritt am 22.10.2022 Jagd auf drei Personenkreise: Migrant:innen, Frauen, Erwerbslose. Letztere schauen seit dem 1.Januar dieses Jahres buchstäblich in die Röhre, Meloni hat das Bürgergeld nämlich abgeschafft und durch eine Form der Sozialhilfe ersetzt, die nur einem sehr eingeschränkten Personenkreis zugute kommt. Italien ist damit wieder das einzige Land in Europa, das kein universelles Mindestsicherungssystem für die gesamte Bevölkerung hat.
Für die Europäische Union und auch dagegen
Der Europaparteitag der Partei Die LINKE
von Thies Gleiss
Vom 17. bis 19.November fanden in Augsburg der Parteitag der Partei Die LINKE zur Verabschiedung eines Programms zur Europawahl 2024 und die anschließende Vertreter:innenversammlung zur Wahl einer Kandidat:innenliste statt.
Eindrücke von einer Reise in die Ukraine
›Die Gewerkschaft ist die Avantgarde des Volkes‹
von Angela Klein

Vom 9. bis 14.Oktober 2023 reiste eine Gruppe von vier Gewerkschafter:innen aus Deutschland und der Schweiz in die Ukraine. Die Reise wurde organisiert von der Initiative »Solidarität mit den Gewerkschaften in der Ukraine – Humanitäre Hilfe« und finanziell gefördert von der Stiftung Menschenwürde und Arbeitswelt. Es wurden eine Solidaritätsadresse und Spendengelder übergeben, die die Initiative gesammelt hatte. Es haben sich Ansätze für weitere Unterstützungsarbeit ergeben, die wir in unseren Gewerkschaften fortsetzen wollen. Erste Berichte wurden in SoZ 11/23 veröffentlicht.
Fortlaufend: Arbeitskämpfe, 10/23
Quelle: labour@framagroupes.org
Die nachstehenden Nachrichten und Berichte wurden über die Liste labour@framagroupes.org gepostet; das ist eine Liste der Gewerkschaftsgruppe von European Network Solidarity with Ukraine (ENSU): ukraine-solidarity.eu
Die Nachrichten werden monatlich zusammengefasst, aus dem Englischen übersetzt und auf den Ukraine-Blog gestellt – d.Red.
„Ich weiß nicht, wie man dieses System bekämpft, aber ich fang jetzt damit an“
sagt Tonya Shatsylo von #BeLikeNina
Wie im ukrainischen Gesundheitswesen eine neue Gewerkschaft entstanden ist
von Angela Klein
Auf Initiative der Gruppe „Solidarität mit den Gewerkschaften in der Ukraine – Humanitäre Hilfe“ reiste vom 9.-14.10. 2023 eine Gruppe von vier GewerkschafterInnen aus Deutschland und der Schweiz in die Ukraine. Das Ziel der Reise war, mit so vielen verschiedenen Gewerkschaften und gewerkschaftlichen Initiativen wie möglich Kontakt aufzunehmen und aus erster Hand Informationen über die Situation abhängig Beschäftigter in verschiedenen Branchen zu sammeln. Diese Informationen sollen helfen, in eigenen Gewerkschaften für einen engen Austausch und für eine solidarische Unterstützung der ukrainischen KollegInnen zu werben. Eines unserer Treffen führte uns ins Haus der Journalistenunion in Kiew zu Vertreterinnen von #BeLikeNina, einer von Krankenschwestern neu gebildeten Gewerkschaft in den Krankenhäusern.
Frankreich und die Atomkraft
Mit dem Fuß auf dem Gaspedal
von Christine Poupin
Das »große Abenteuer der zivilen Kernenergie« ist eine der fixen Ideen von Emmanuel Macron und wird von seiner Ministerin für den ökologischen Übergang als »ein großer ökologischer Fortschritt durch die Mobilisierung aller Hebel der Dekarbonisierung zur Bekämpfung der Klimaerwärmung« bezeichnet.
Die Arbeiterpartei der Türkei (TiP)
Ein neuer Versuch antikapitalistischer Politik
von Ayse Tekin
Die jüngsten Wahlergebnisse in der Türkei haben die Hälfte der Wähler mit einem Trauma zurückgelassen, so groß war der Wunsch nach einem Wechsel und der Abwahl von Präsident Erdogan. Während die AKP (Partei der Gerechtigkeit und Entwicklung) und die größte Oppositionspartei CHP (Republikanische Volkspartei) sich auf die Kommunalwahlen im März nächsten Jahres konzentrieren, haben die Parteien aus dem linken »Bündnis für Arbeit und Freiheit« unterschiedliche Konsequenzen gezogen.
Wahlen in Polen
Die demokratische Opposition hat gewonnen
von Oko.press
Nachstehend bringen wir einen Kommentar zum Wahlausgang in Polen vom polnischen Online-Portal Oko.press.
Der Alltag wird zeigen, wo es langgeht
Es war Tusk, der den Weg für Kaczynski freigemacht hat
von Norbert Kollenda
Die Euphorie ist groß, endlich wurde die PiS entmachtet und die Menschen in Polen haben durch ihre hohe Wahlbeteiligung bewiesen, dass sie politisch wach geworden sind. Und das nach all den Enttäuschungen der letzten 34 Jahre.
Ein Kampf an zwei Fronten
Die polnische Linke und der Krieg in der Ukraine
von Dariusz Zalega
Der Ausbruch des Krieges in der Ukraine schockierte der gesamte polnische Öffentlichkeit. Eine große Welle der Solidarität und Hilfe für die geflüchteten Ukrainer durchzog ganz Polen, dies vor allem auch deshalb, weil die polnische Regierung die ganze Zeit in ihrer Propaganda eine Rhetorik gegen Geflüchtete bemühte. Allerdings richtete sich diese vorwiegend gegen Geflüchtete aus dem globalen Süden, die über die polnisch-belorussische Grenze kamen.
Die Herrscher der Ukraine und die Geduld des Volkes
Über die Stimmung in der Bevölkerung und unter den Soldaten
Interview mit Genossen der Arbeiterfront der Ukraine
Das nachstehende Interview führt die italienische linkskommunistische Online-Zeitschrift Pungolo rosso mit Genossen der Arbeiterfront der Ukraine (RFU).
Die Arbeiterfront der Ukraine ist nach eigenen Angaben aus einer Telegram-Gruppe von Schülern und Studenten entstanden; sie macht vor allem Bildungsveranstaltungen, Agitation und juristische Beratung. Die Gruppe ist marxistisch-leninistisch orientiert, sie scheint mit dem ML-Flügel der Kommunistischen Organisation in Deutschland in Verbindung zu stehen.
Vom Automobilzulieferer zum Lastenradproduzenten
Die GKN-Belegschaft in Florenz ist seit zwei Jahren im Widerstand
von Kathy Ziegler
Statt am 9.Juli 2021 ihre Kündigung und die Schließung der GKN-Fabrik bei Florenz hinzunehmen, halten die Beschäftigten seit zwei Jahren eine unbefristete Betriebsversammlung ab und planen die Konversion des Autozulieferbetriebs. Kathy Ziegler, Mitglied der Initiative »Gewerkschafterinnen und Gewerkschafter für den Klimaschutz«, berichtet von einer Delegationsreise, die sie im vergangenen Juli unternommen hat.
Ein Blick in den Abgrund
Die EU setzt Genfer Flüchtlingskonvention außer Kraft
vom Komitee für Grundrechte und Demokratie
Nachstehend reproduzieren wir, leicht gekürzt, einen Kommentar des Komitees für Grundrechte und Demokratie in Köln.
937 jüdische Flüchtende versuchten 1939 vergeblich, auf dem Passagierschiff St.Louis vor dem NS-Regime zu fliehen, durften aber weder in Kuba, noch den USA oder Kanada anlanden. Auf Anweisung der Reederei musste das Schiff nach Europa zurück, viele Passagiere fielen den Nazis zum Opfer, nur 250 von ihnen überlebten.
Fischsterben
Die Oder hat sich nicht erholt
dokumentiert
Schon wieder sterben Fische in der Oder. Am 10.Juni holten Mitarbeiter der polnischen Wasserbehörde Body Polskie 450 Kilogramm Totfisch aus dem Gleiwitzer Kanal; schon am 20. und am 30.April waren tote Fische unterhalb der Mündung des Kanals in die Oder gemeldet worden.
Im vergangenen Sommer sind 50 Prozent der Fische, 85 Prozent der geschützten Arten und etwa 90 Prozent der Weichtiere in dem vergifteten Fluss gestorben.
Frankreich
Identitätskampf von Rechts
von Bernard Schmid
Auch in Frankreich ist Identitätspolitik zum politischen Kampfbegriff geworden. Rechte und konservative Kreise bemühen hier das mittlerweile berühmt-berüchtigte Doppelwort vom islamo-gauchisme, einer Konstruktion aus den beiden Adjektiven islamique und gauchiste. Letzteres, abgeleitet von gauche (links), steht traditionell – und in meist abwertendem Sinne, auch wenn manche Personen es in der Vergangenheit trotzig als Selbstbeschreibung benutzten – für einen Linksradikalismus oder Linksaktivismus.
Schweiz
Das war der feministische Streik 2023
von BFS Zürich
Am 14.Juni 2023 haben in der Schweiz nach 1991 und 2019 erneut hunderttausende FINTA am feministischen Streik teilgenommen. Alleine in Zürich nahmen am Abend über 120000 an der Streikdemo teil. Die feministische Bewegung in der Schweiz meldete sich nach den Pandemiejahren eindrücklich zurück. Anbei ein Bericht aus Zürich.
Weder Tränen noch Trinksprüche auf den Tod des Kaimans
von Marco Parodi und Checchino Antonini
Abgesehen von seinen gerichtlichen und familiären Affären war Berlusconi ein klassenloyaler Vertreter des Neoliberalismus, der deshalb mit großem Getöse gefeiert wird. Für uns bleibt er der Anstifter zur Ermordung von Carlo Giuliani und zur schwerwiegendsten Suspendierung der Menschenrechte im Westen seit dem Zweiten Weltkrieg. Er war Komplize und Partner der schlimmsten Diktatoren und der Architekt eines beispiellosen sozialen Gemetzels.
Der Angriff der Ukraine auf NordStream 2
Das berichtet die Washington Post:
Liebe Leserinnen, liebe Leser,
die US-Tageszeitung Washington Post hat am 6.Juni einen ausführlichen Bericht gebracht, wonach die Sprengung von Nord Stream 2 auf das Konto der Militärführung in der Ukraine geht. Auf Grund der Brisanz dieser Veröffentlichung dokumentieren wir diese hier in deutscher Übersetzung.
Übersetzt mit DeepL
Veränderungen = Verschärfungen = Verschlechterungen
Flüchtlinge sollen künftig schon an den EU-Außengrenzen abgefertigt werden
von Angela Huemer
Haftlager an den Außengrenzen, sog. sichere Drittstaaten und Schnellverfahren ohne Prüfung der Fluchtgründe – diese Verschärfungen stehen bevor, sofern sich der EU-Gipfel am 8.Juni darin einig wird. Neu ist daran, dass die deutsche Innenministerin Nancy Faeser Verständnis gegenüber den um einiges härteren Haltungen von Ländern wie Ungarn oder Italien zeigt. Man will sich nun für Asylverfahren an den Außengrenzen Europas einsetzen.
Frankreich: Der Kampf ums Wasser
Nicht allein die Dürre macht Trinkwasser knapp
von Christine Poupin
Massive und entschlossene Mobilisierungen gegen Megabecken, Frühjahrsbrände, Dürrewarnungen, Wasservergiftung… Die Nachrichten erinnern auf grausame Weise daran, wie lebensnotwendig Wasser ist und wie sehr der Zugang zu Wasser für alle sowohl durch das Klimachaos als auch durch die kapitalistische Aneignung ernsthaft bedroht ist.
Wahlen in der Türkei: Eine Rechtsverschiebung
Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Türkei am 14.Mai hat vor allem die extreme Rechte zugelegt
von Masis Kürkcügil
Die Türkei wird seit Jahren von zwei Bündnissystemen beherrscht, dem »Volksbündnis« aus den rechtskonservativen bzw. radikal-islamistischen Parteien AKP (Partei für Gerechtigkeit und Entwicklung) und MHP (Partei der Nationalistischen Bewegung) und dem hauptsächlich von der sozialdemokratischen CHP (Republikanische Volkspartei) geführten und von kleinen Parteien unterstützten »Bündnis der Nation«.
Angst besiegt Hoffnung
Bei den Parlaments- und Präsidentschaftswahlen in der Türkei hat sich das Lagerdenken verfestigt
von Ayse Tekin
Die Parlamentswahlen in der Türkei sind vorbei. Die Wahl des Präsidenten wird in der zweiten Runde entschieden. Der Kandidat des Regierungsbündnisses, Erdogan, hat einen für ihn angenehmen Vorsprung; der Kandidat der Opposition, Kilicdaroglu, zeigt sich kämpferisch, hat aber noch keinen Plan, wie er die fehlenden Prozentpunkte holen will.
Gewaltloser Protest funktioniert nicht
Über die Schwierigkeiten, in Russland Öffentlichkeitsarbeit zu machen
Gespräch mit Marija Menschikowa
Marija Menschikowa ist Russin, wohnt in Deutschland seit Oktober 2020 und promoviert an der Ruhr-Universität Bochum. Sie ist seit Anfang 2019 Mitglied der Russischen Sozialistischen Bewegung (RSD). Sie betreut das Online-Nachrichtenportal Doxa. https://doxa.team/
Österreich: Das politische System ist ins Rutschen gekommen
Bei den Landtagswahlen in Salzburg hat die KPÖ einen spektakulären Wahlsieg eingefahren
von Nikolaus Dimmel*
Bei den Landtagswahlen in Salzburg am 23.April erzielte die KPÖ, die bislang Wahlergebnisse um die 0,4 Prozent einfuhr, einen spektakulären Wahlsieg: 11,7 Prozent in Salzburg Land, 21,5 Prozent in der Stadt Salzburg. Solche Werte erzielt die KPÖ sonst nur noch in Graz. Den Wahlerfolg verdankt die KPÖ ihrem Spitzenkandidaten Kay-Michael Dankl, einem jungen Mann, der von der Grünen Jugend kommt. Das Wahlergebnis zeigt, dass das repräsentative politische System ins Rutschen gekommen ist. Der nachstehende Artikel ist die Zusammenfassung eines Beitrags, den Nikolaus Dimmel auf www.streifzuege.org geschrieben hat.
Genozid an den Armeniern
Immer dieser unnötige Mahnmalärger
von Albrecht Kieser
Als erste Stadt in Deutschland hat Köln seit dem 24.April 2023 ein offiziell aufgestelltes Mahnmal, das an die Opfer des Genozids an den Armeniern und an die deutsche Mitverantwortung unter Kaiser Wilhelm Zwo erinnert.
Die bürgerliche Demokratie ist ein Fake
›Nichts wird sie aufhalten, deshalb müssen sie gestoppt werden‹ – über das Regime von Emanuel Macron
von Joseph Andras
Nach der Verabschiedung der Rentenreform erinnert der Schriftsteller Joseph Andras an die Gewalt einer Macht, die »ihren ›demokratischen Weg‹ gegen die Demokratie« verfolgt. »Die Weisheit, das ist die Revolution.«
Grundwasser für Massentierhaltung
In Sainte-Soline geht die französische Polizei geht mit Brachialgewalt gegen Umweltschützer:innen vor
von Bernard Schmid
»Ökoterrorismus« lautete in Frankreich in den letzten Oktober- und ersten Novembertagen das Reizwort der Woche. Es bezog sich auf Vorfälle bei einer Demonstration am dritten Oktoberwochenende in Sainte-Soline, zu der 6000–8000 Menschen kamen. Dort wurden laut Angaben der Regierung um die sechzig Gendameriebeamte verletzt, umgekehrt sprachen Protestbeteiligte von sechzig verletzten Demonstrant:innen.
Frankreich: Macron bleibt auf Konfrontation gebürstet
Der Spruch des Verfassungsrats hat eher Öl ins Feuer gegossen
von Bernard Schmid
Er hatte sich das so schön vorgestellt. Am Abend des 17.April sprach Staatspräsident Emmanuel Macron im französischen Fernsehen, er wollte einen Schlusspunkt unter den Streit um die Rentenreform setzen. Doch es kam anders.
Wahlen in der Türkei – Beginnt eine neue Ära?
Träume von einem anatolischen Frühling
von Murat Çakir
Als 1923 die türkische Republik ausgerufen wurde, stand diese vor massiven Problemen innen- wie außenpolitischer Natur. Der werdende Nationalstaat wurde mit Gewalt durchgesetzt; kurdische Aufstände wurden blutig niedergeschlagen, christliche Minderheiten, insbesondere die anatolischen Griechen, aus dem Land verdrängt.
Streik
In Frankreich hui, in Deutschland pfui
von Gerhard Klas
Während die Streiks in Frankreich gegen die Erhöhung des Renteneintrittsalters von einer deutlichen Mehrheit der dortigen Bevölkerung begrüßt werden, will die Mehrheit der Deutschen, dass das Streikrecht angesichts der aktuellen Tarifauseinandersetzungen eingeschränkt wird.
›Souveränität ist, wenn die arbeitenden Menschen an der Macht vertreten sind‹
Der Vorsitzende von Sozialnyj Ruch, stellt seine Organisation vor
Gespräch mit Witalyj Dudin
Sozialnyj Ruch ist eine linke Basisorganisation in der Ukraine, die 2015 als Zusammenschluss von demokratischen, libertären und revolutionären sozialistischen Strömungen entstanden ist. Ihre Bandbreite reicht von Sozialdemokraten bis Anarchisten.
GKN Florenz
Fabrikbesetzung für das Klima
von Paul Michel
Das Collettivo di Fabbrica GKN kämpft gegen die Schließung einer Zulieferfabrik der Automobilindustrie nahe Florenz. Das Kollektiv fordert einen radikalen ökologischen Umbau der Produktion. Aus dem Abwehrkampf einer einzelnen Belegschaft ist ein breites Bündnis aus Beschäftigten, Klimaaktivistinnen und Wissenschaftlern geworden.
Frankreich: Das Kräftemessen geht weiter
Macron hat für seine Rentenreform keine Mehrheit – und will sie dennoch durchsetzen
von Michel Rousseau
Der nachstehende Text ist die schriftliche Fassung eines Vortrags, den Michel Rousseau am 9.März vor der Koordination der Euromärsche gehalten hat. Er wurde nach der Abstimmung über das Misstrauensvotum am 20.März von der Redaktion aktualisiert.
EU-Mercosur-Abkommen
Ein Geschenk an die Autoindustrie
von Thomas Fritz
1999 beschloss die EU mit den Mercosur-Ländern Brasilien, Argentinien, Paraguay und Uruguay eine engere wirtschaftliche Partnerschaft. Zwanzig Jahre lang wurde um ein Handelsabkommen zwischen der EU und dem Mercosur verhandelt. Im Juli 2019, als der rechtsextreme Jair Bolsonaro Präsident Brasiliens war, kam es zu einer politischen Einigung.
Großbritannien
Größte Streikwelle seit einem Jahrzehnt
von Terry Conway
Die Arbeitskämpfe der letzten sieben Monate haben begonnen, den Niedergang der britischen Gewerkschaften umzukehren.
Am 1.Februar traten rund eine halbe Million abhängig Beschäftigte in ganz Großbritannien in den Ausstand – es war die größte Streikwelle seit über einem Jahrzehnt.
Erdogan, die Katastrophe und die Bauindustrie
›Der Staat stürzt ein und unter den Trümmern bleibt die Opposition‹
von Serdar Kazak
Das war der letzte Satz in einem sehr alten SoZ-Artikel von mir. Am 6.Februar 2023 um 4.17 Uhr wurde diese Prophezeiung leider wortwörtlich wahr. Wenigstens teilweise. Bei dem Erdbeben sind nicht nur Städte, es ist auch der türkische Staat eingestürzt. Unter den Trümmern sind aber Menschen geblieben. Die benachteiligten ärmeren Klassen sind die größte Opfer dieser Katastrophe.
Frankreich: Unbefristete Streiks ab dem 7.März
Die Massenmobilisierung gegen die Rentenreform eilt von Höhepunkt zu Höhepunkt
von Christian Mahieux
Seit Mitte Januar haben an mehreren Tagen jeweils Millionen Menschen gestreikt und demonstriert. Die Bewegung wird fortgesetzt; in Aussicht stehen unbefristete Streiks in mehreren Sektoren und ein Generalstreik im März. An der Spitze der Bewegung steht seit Wochen ein landesweiter Gewerkschaftsverbund, dem CFDT, CGT, FO, CGC, CFTC, UNSA, Solidaires und FSU angehören. Der Grund für diese seltene gewerkschaftliche Aktionseinheit ist der Gesetzentwurf der Regierung zu den Renten.
Frankreich: ›Wir waren triumphalistisch‹
Die Hintergründe für die Spaltung der NPA
von François Sabado
Mit der 2009 gegründeten Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) in Frankreich verband sich einst die Hoffnung, der politischen Perspektive eines wirklichen Bruchs mit dem Kapitalismus eine massenwirksame organisatorische Gestalt geben zu können. Dieses Projekt ist mit der Spaltung der NPA im Dezember 2022 endgültig gescheitert. François Sabado, ehemaliges Leitungsmitglied der Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR) und bis 2015 in der Leitung der NPA, der Hauptkraft in der NPA, zieht eine kritische Bilanz.
Vio.Me wird nicht weichen!
Die einzige selbstverwaltete Fabrik in Griechenland
von Manfred Neugroda
In früheren Ausgaben hat die SoZ über die Fabrikbesetzung der Arbeiter:innen von Vio.Me in Thessaloniki und die Fortsetzung ihrer Produktion in Arbeiterselbstverwaltung berichtet. Seit 2012 halten die Arbeiter:innen den Betrieb besetzt, seit 2013 haben sie mit der Produktion von ökologischen Reinigungsmitteln begonnen. Hinzu gekommen ist ein medizinisches Behandlungszentrum der sozialen Klinik der Solidarität und eine Sammelstelle für Hilfsgüter für Flüchtlinge.
Italien auf dem Weg in die Restauration
Die Vorhaben der Regierung Meloni
von Franco Turigliatto
Die Rechtskoalition, die maßgeblich von der rechtsextremen Partei Fratelli d’Italia (FdI) angeführt wird, hat die Parlamentswahlen vom 25.September gewonnen. Damit beginnt eine Phase voller Gefahren für die Arbeiterbewegung und die bürgerlichen, sozialen und wirtschaftlichen Rechte der Bürger.
Frauen in Russland: ›Für die meisten ist Politik tabu‹
Feministinnen aber fordern von der Regierung ein Gesetz gegen häusliche Gewalt
Gespräch mit Walerija Kowalischina
Walerija Kowalischina ist 40 Jahre alt und stammt aus Donezk. Sie zog in den 2000er Jahren nach Russland, weil in der Ukraine keine Arbeit zu bekommen war. Sie lebte dann 20 Jahre in Russland, bevor sie in diesem Herbst mit einem humanitären Visum nach Deutschland kam.
Sie ist ein führendes Mitglied der Russischen Sozialistischen Bewegung (RSD).
Streiks in Großbritannien
Mehr Streiktage als unter Thatcher
von Violetta Bock
Der große Showdown – Regierung will Polizei und Militär einsetzen
Die Arbeitskämpfe in Großbritannien weiten sich aus. Im November stimmten nun auch Krankenpfleger:innen beim NHS (National Health Service) in Schottland, Wales, Nordirland und England für Streiks. Sie fordern eine Lohnerhöhung von rund 17 Prozent angesichts einer Inflation von 11,1 Prozent. Die Regierung bot bis Mitte Dezember lediglich 4–5 Prozent. Seit 2010 sind die Löhne aber real um 20 Prozent gesunken, wie Forscher von London Economics berechneten.
Mehr als Inflationsausgleich
Am Gesundheitswesen wird gespart, Konzerne erhalten Milliardensubventionen
dokumentiert
Die Lohnschlacht, die derzeit im National Health Service (NHS) entbrennt, ist aus zwei Gründen von zentraler Bedeutung. Sie betrifft sehr viele Beschäftigte: Der NHS ist mit 1,6 Millionen Beschäftigten bei weitem der größte Arbeitgeber in Großbritannien und sogar einer der größten weltweit. Beim aktuellen Lohnkampf geht es vor allem auch darum, den NHS als frei zugänglichen öffentlichen Dienst für alle zu retten bzw. wieder herzustellen.
Landwirte unter wachsendem Kostendruck – auch in Europa
Die Grüne Woche in Berlin hat eine lange Tradition, der Protest gegen sie mittlerweile auch
dokumentiert
Seit 2011 protestieren Landwirte, Tier- und Umweltschützer gegen die Dominanz der Lebensmittelkonzerne und Düngemittelhersteller und für eine »sozial-ökologische Transformation«. Die Trecker im Demonstrationszug zeigen, dass viele Bäuerinnen und Bauern ökologisch durchaus nachhaltig wirtschaften wollen. Der Bauernverband (DBV), der die Grüne Woche veranstaltet, setzt dagegen auf steigende Agrarexporte, übt den Schulterschluss mit der verarbeitenden Industrie und sperrt sich nach Kräften gegen ökologische Reformen.
Gewerkschaftliche Solidarität
Humanitäre Hilfe für ukrainische Gewerkschaften
dokumentiert
Der russische Angriffskrieg hat zu enormem Leid in der ukrainischen Gesellschaft geführt. Familien mit ausreichenden Finanzmitteln flüchten nach Polen oder in andere westeuropäische Länder. Die arbeitende Bevölkerung mit geringen Ressourcen ist jedoch darauf angewiesen, entweder vor Ort auszukommen oder in eine westlich gelegene ukrainische Stadt zu flüchten. Die Gewerkschaften spielen eine zentrale Rolle in der Aufrechterhaltung notwendiger Dienstleistungen wie in Krankenhäusern oder im öffentlichen Verkehr. Gewerkschaftsmitglieder riskieren dabei zum Teil ihr Leben, in dem sie in östlichen Provinzen weiter in Krankenhäusern die Versorgung oder z. B. als Eisenbahner:innen die Verbindungen zu der Bevölkerung im Osten aufrecht halten.
Alles ganz normal?
Faschistische Regierung in Italien
von Angela Klein
Der erdrutschartige Wahlsieg der rechtsextremen Partei Fratelli d’Italia bei den jüngsten Parlamentswahlen wird von italienischen Marxisten als »Wendepunkt historischen Ausmaßes« bezeichnet. Denn er bringt eine Partei an die Macht, die das Erbe des Faschismus antritt.
Steuersenkungen adé
Bizarr: Die Londoner City revoltiert gegen Steuersenkungen für Reiche
von Ingo Schmidt
Mitte Oktober bot Großbritannien ein ungewöhnliches Schauspiel: Anleger der City of London protestierten mit dem massenhaften Verkauf von britischen Pfund, Aktien und Staatsanleihen gegen eine Regierungsentscheidung der neu gewählten Tory-Premierministerin Liz Truss und lösten damit eine Finanzkrise aus, die nur eingedämmt werden konnte, weil die Zentralbank mit dem Ankauf von Wertpapieren gegensteuerte.
Israelische Waffen und der Krieg in der Ukraine
Was gegen Palästinenser taugt, taugt nicht gegen russisches Militär
von Shir Hever
Die Position Israels zum Krieg in der Ukraine ist überraschend, denn als größter Empfänger von US-Militärgeldern in der Welt und als ein Staat, der während des Kalten Krieges behauptete, die letzte Bastion der Verteidigung gegen die Ausbreitung des »Kommunismus« im Nahen Osten zu sein, sollte Israel ein enger Verbündeter der NATO sein. Der ukrainische Präsident Wolodomir Selenskyj ist Jude, während Russland gute Beziehungen zu Syrien und zum Iran unterhält.
Dennoch hat Israel in diesem Krieg eine möglichst neutrale Position eingenommen und die Geduld der US-Regierung auf die Probe gestellt. Der frühere Ministerpräsident Bennet versuchte sich sogar erfolglos als Vermittler zwischen Russland und der Ukraine.
Mehr Verwirrung und Scham als Stolz
Reaktionen der russischen Bevölkerung auf die ›Sonderoperation‹ in der Ukraine
dokumentiert
Lewada ist das einzige russische Meinungsforschungsinstitut, das als unabhängig bezeichnet werden kann. Die Behörden stufen es als »ausländischen Agenten« ein. Lewada führte im Oktober eine Umfrage durch, die die Haltung der Befragten zur »Sonderoperation« in der Ukraine zu erkunden versuchte.
Der Krieg in der Ukraine ist ein Klassenkrieg
Dabei geht es um das Überleben der russischen herrschenden Klasse und ihres Modells des politischen Kapitalismus
von Wolodymyr Ischtschenko
Wolodymyr Ischtschenko (Jg. 1982) ist wissenschaftlicher Mitarbeiter am Institut für Osteuropastudien der FU Berlin. Er hat in Soziologie an der Nationalen Taras-Schewtschenko-Universität Kiew promoviert. Seine Forschungsschwerpunkte sind Proteste und soziale Bewegungen, Revolutionen, Radikalisierung, rechte und linke Politik, Nationalismus und Zivilgesellschaft. Er hat zahlreiche Artikel und Interviews über die zeitgenössische ukrainische Politik, die Euromaidan-Revolution und den darauf folgenden Krieg 2013/14 verfasst. Er ist Mitgründer der ukrainischen Zeitschrift Commons und veröffentlicht in verschiedenen Zeitschriften wie Jacobin, New Left Review.
Ocean Viking
Die Irrfahrt des Rettungsschiffes und die französische Migrationspolitik
von Bernard Schmid
So vorteilhaft hatte sich die französische Regierung das vorgestellt: Sie würde in unterschiedliche, ja entgegengesetzte politische Richtungen hin gleichzeitig starke Signale aussenden und sich dadurch nach allen Seiten profilieren. Sie würde das unter Beteiligung von Neofaschisten gebildete Kabinett im Nachbarstaat Italien gleichzeitig vorführen, doch in gewisser Weise auch entlasten.
Ölarbeiter voran
Regierungen drohen das Streikrecht einzuschränken
von Matthias Becker
In Frankreich und Großbritannien nehmen die Arbeitsniederlegungen gegen die Inflation zu. Die Regierungen wollen deshalb das Streikrecht einschränken.
Europäische Union
Keine Zukunft, keine Alternativen
von Ingo Schmidt
Der russische Einmarsch in der Ukraine bot den Regierungen der EU-Länder die Gelegenheit, Einigkeit zu demonstrieren. Gegen das autokratische Putin-Regime werde das demokratische Europa zusammenstehen. Die praktische Antwort waren Sanktionen gegen Russland, insbesondere der Import von Öl, Gas und Kohle sollte schnellstens heruntergefahren und dann ganz gestoppt werden.
Streiks und Demonstrationen in Frankreich
Aus dem Protest gegen eine Dienstverpflichtung erwächst ein erster Flächenbrand
von Bernard Schmid
Anders als etwa in Teilen Ostdeutschlands führen derzeit in Frankreich keineswegs rechtsextreme oder russlandfreundliche Kräfte die Bewegung an, wenn es darum geht, gegen Kaufkraftverlust durch steigende Energie- und andere Verbraucherpreise zu protestieren. Im Gegenteil. Seit Wochen suchen die Gewerkschaften das Kräftemessen mit der Kapitalseite, um Lohnerhöhungen durchzusetzen und die Abwälzung der Krisenlasten auf die Lohnabhängigen mindestens abzumildern.
›Eine Radikalisierung ist unerlässlich‹
Welche Mittel sind erforderlich, um die Klimawende real einzuläuten?
Gespräch mit Matilde Alvim
Die Klimagerechtigkeitsbewegung diskutiert derzeit über die Wahl der Mittel. Während die letzte Generation Verkehrsadern blockiert, konzentriert sich Ende Gelände auf die fossile Energieversorgung und Wärmeproduktion. Einige Aktivist:innen aus der internationalen Vernetzung von Fridays for Future wollen jetzt mit Besetzungen von Schulen und Universitäten die nächste Eskalationsstufe einleiten.
Das Fischesterben in der Oder kommt nicht überraschend
›Die Einleitung von Grubenabwässern erfolgt praktisch ohne jegliche Kontrolle‹
Gespräch mit Dominik Dobrowolski
Die Vergiftung der Oder im Juli und August führte möglicherweise zu über tausend Tonnen getöteter Fische. Die langfristigen und weiträumigen Folgen für Ökosysteme und menschliche Nutzer:innen sind noch gar nicht abzusehen. Das war eine »Katastrophe mit Ansage«, sagen polnische Umweltschützer. Die Aufsichtsbehörden seien unterfinanziert oder nicht daran interessiert, die giftigen Einleitungen zu unterbinden.
Grossbritannien – Heißer Sommer von Streiks und Solidarität
Abertausende Gewerkschafter haben die größte Streikwelle seit Jahrzehnten losgetreten
von Terry Conway*
Von Juni bis August hat Großbritannien eine Streikwelle gegen die Teuerung erlebt, wie seit fast 40 Jahren nicht mehr. Dann ist die Queen gestorben und die Gewerkschaften haben alle Streikpläne für Herbst abgesagt.
Wie man Frieden sät…
Sabotageakte und Repression in Belarus, der Ukraine und Russland
von Anne Engelhardt
Seit Beginn des Ukrainekriegs sind weltweit innerhalb und zwischen linken Strukturen und Gewerkschaften Diskussionen entbrannt, die sich um zwei Fragen drehen: 1. Ist der Krieg in der Ukraine ein regionaler Semikolonialkrieg oder ein imperialistischer Stellvertreterkrieg? 2. Lässt sich der Konflikt durch Selbstverteidigung und Waffenlieferungen oder durch Diplomatie beenden?
Wahlen in Schweden
Die Anbiederung an die Rechte zahlt sich nicht aus
von Kjell Östberg
Das Ergebnis der Parlamentswahlen löst ein Erdbeben aus
Bei den Wahlen zum schwedischen Riksdag am 11.September verloren die Sozialdemokraten die Regierungsmacht. Sie werden durch eine rechtsgerichtete Regierung aus Moderaten (Konservativen) und Christdemokraten, möglicherweise auch Liberalen ersetzt werden, die sich um die aktive Unterstützung der rechtspopulistischen und fremdenfeindlichen Schwedendemokraten bemüht und dabei völlig auf diese angewiesen ist.
Italien nach der Wahl
Gewinn der Faschisten
von Angela Klein
100 Jahre nachdem Mussolini mit seinem Marsch auf Rom die damalige Regierung Facto zum Abdanken zwang und sein faschistisches Regime errichtete, hat Italien fast auf den Monat genau seine geistige Erbin Giorgia Meloni zur Premierministerin gekürt. Wie ist das möglich geworden – auf der Basis einer erklärt antifaschistischen Verfassung!? Hier nur einige Teilaspekte.
Bauernproteste
Systemwechsel statt Abwehrkämpfe
von Georg Janßen
Seit Wochen gibt es in den Niederlanden heftige Proteste von Bäuerinnen und Bauern gegen drastische Verschärfungen von Umweltauflagen. Ein Drittel der Betriebe befürchtet das Aus. In Deutschland gibt es dafür vielerorts Unterstützung.
Ist Gasunabhängigkeit von Russland wirklich so eine gute Idee?
Gründe gegen einen kurzfristig vollständigen Verzicht auf russisches Gas
von Hanno Raußendorf
Dem Überfall Russlands auf die Ukraine begegnet auch Deutschland mit Sanktionen auf Gasimporte. Die Folgen sind einschneidend. Die dringend notwendige Klimawende gerät dabei aus dem Blick.
Hand auf die Kornkammer Europas
Westliche Konzerne schielen nach ukrainischem Boden
von Ben Reicher und Frederic Mousseau
Am 1.Juli 2021 trat in der Ukraine eine Bodenreform in Kraft, die schrittweise den Kauf bzw. Verkauf von landwirtschaftlichen Flächen ermöglicht. Das Gesetz wurde im März 2020 von der Werchowna Rada, dem ukrainischen Einkammerparlament, als Voraussetzung dafür verabschiedet, dass die finanziell angeschlagene Regierung ein Darlehen des Internationalen Währungsfonds (IWF) in Höhe von 5 Mrd. US-Dollar erhalten kann.
Ukraine: Der Krieg zerstört auch die Arbeiterrechte
Mitten im Krieg plant die Regierung einen Generalangriff auf die Arbeiterklasse
von Witalij Dudin
Der Krieg in der Ukraine hat nicht nur unmittelbar schreckliche Folgen, er richtet auch großen Schaden für die Rechte der Beschäftigten an. Es ist schmerzlich, dies zuzugeben, aber parallel zur Zerstörung der Wirtschaft und der Infrastruktur durch russische Bomben wird vor den Augen der Bevölkerung ein neues System der Beziehungen zwischen Lohnarbeit und Kapital entwickelt.
Automatische Lohnanpassung
Wie sich vor Preissteigerungen schützen?
von Johan Seynaeve
Im Nachbarland Belgien werden Löhne in einem gewissen Umfang automatisch an die Preise angeglichen.
Kummerkasten und Gemeinschaft
Die LINKE kann von den Erfolgen der KPÖ in Graz viel lernen
von Katharina Lenhardt, Pablo Alderete, Filippo Capezzone
Während die Bundestagswahl 2021 den Abwärtstrend der Wahlergebnisse der LINKEN einleitete, siegte die Kommunistische Partei Österreichs (KPÖ) bei den Gemeinderatswahlen in Graz und stellt nun die Oberbürgermeisterin. Wie konnte die KPÖ in Graz den Rückhalt gewinnen, der ihr diese Wahlunterstützung bescherte? Katharina Lenhardt, Pablo Alderete und Filippo Capezzone waren über den 1.Mai einige Tage vor Ort, sprachen mit beteiligten Akteuren und wollten die Hintergründe erfahren. Sie meinen: Es gibt einiges, was wir von Graz lernen können!
Aufruf von Sozialnyj Ruch
Unterstützt die sozialistische Linke in der Ukraine!
dokumentiert
Diese Spenden sind nicht für humanitäre Arbeit, sondern für den Aufbau einer starken linken Organisation in der Ukraine bestimmt. Diese Spenden brauchen wir, um als politische Organisation zu existieren.
Darf man Oligarchen überhaupt enteignen?
Bei der Umsetzung der Sanktionen gegen russische Oligarchen gibt es viele Widerstände
von David Stein
In Reaktion auf den völkerrechtswidrigen Angriff auf die Ukraine hat der Rat der Europäischen Union am 23.Februar 2022 ein umfangreiches Sanktionspaket beschlossen. Dieses wurde inzwischen mehrfach erweitert.
Ukraine – ein Reisebericht
Gewerkschaften und Frauen gegen die russische Invasion
von Jean Vogel
Vom 2. bis 8.Mai besuchte eine Delegation des Europäischen Netzwerks für Solidarität mit der Ukraine das Land. Der Delegation gehörten 26 Personen aus zehn europäischen Ländern an: Belgien, Dänemark, Deutschland, Finnland, Frankreich, Großbritannien, Österreich, Polen, Spanien und der Schweiz. Mit dabei waren Parlamentsabgeordnete aus Dänemark, Finnland, Polen und der Schweiz.
Finnland
Das ‹glücklichste Land der Welt› will in die NATO
von Michael Heldt
Vor dem Ukrainekrieg war Finnland weltweit vor allem in den Schlagzeilen, weil die Bevölkerung viermal in Folge als zur glücklichsten der Welt erklärt wurde. Ob dieses Glück, dass sich nach schweren Jahren nach 1989 für beträchtliche Teile der Bevölkerung entwickelte, anhalten wird, ist fraglich.
Eine Drohne mit lahmen Flügeln
Erdogan beschwört Krieg gegen Rojava, doch seine Wirtschaft liegt am Boden
von Serdar Kazak
Die Deutsche Welle meldete am 1.Juni 2022, «Präsident Erdogan» habe besonderes betont, dass seine Regierung im Kampf gegen den Terrorismus eine neue Etappe erreicht habe und eine Pufferzone von 30 Kilometer Tiefe errichten wird. Diese Wortwahl, «Errichtung einer Pufferzone», kann man übersetzen mit «Vertreibung der Kurden», und Nordsyrien mit Rojava. Wie realistisch ist es, eine so tiefe Pufferzone, oder besser gesagt Besatzungszone zu errichten? Dazu müssen wir zunächst einen kurzen Blick auf Wirtschaft und Politik der Türkei werfen.
Tschüss russisches Gas …
… hallo schnelle Dekarbonisierung
von Simon Pirani*
Drei Monate nach dem Krieg des Kremls gegen die Ukraine arbeiten europäische Politiker an Plänen, die Importe fossiler Brennstoffe aus Russland auf Null zu reduzieren. Die Europäische Kommission will die Gasimporte bis 2027 stoppen – Klimaschützer aber sagen, dies ist viel früher möglich.
Fossile Industrie, Rüstung, Geheimdienst
Über den russischen Neo-Imperialismus*
von Bernd Gehrke**
Für Boris Romanchenko1
Eine solche Blamage linker Positionen gab es selten: Mit dem Aggressionskrieg Russlands gegen die unabhängige Ukraine wurde die noch kurz zuvor von vielen und prominenten Linken geäußerte Einschätzung ad absurdum geführt, dass, trotz des militärischen Säbelrasselns an den Grenzen der Ukraine, von Russland keinerlei Kriegsgefahr ausgehe.
Zu Verhandlungen über Waffenruhe gibt es keine Alternative
Warum das auch mit zivilem Widerstand geht
Gespräch mit Stephan Brües vom BSV*
Der Bund für Soziale Verteidigung wurde 1989 in Minden gegründet. Er ist ein Fachverband für gewaltfreie Politik und konstruktive Konfliktbearbeitung.
Das Asow-Regiment
Saubere Helden
von Gerhard Klas
Jeder Krieg braucht seine Helden. Auch beim Angriffskrieg der russischen Armee auf die Ukraine bemühen beide Seiten das Ideal des männlichen Soldaten in kämpferischer Pose, gekleidet in Tarnanzug mit einer Maschinenpistole in der Hand. Soldaten, die bereit sind, für die nationale Sache ihr Leben zu geben.
Frankreich nach den Präsidentschaftswahlen
Antifaschismus ist ein dringendes Gebot
Gespräch mit Christine Poupin
Jean-Luc Mélenchon ist zu den Parlamentswahlen im Juni erneut eine Koalition mit der sozialliberalen Linken eingegangen.
Die SoZ sprach mit Christine Poupin, Sprecherin der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA).
Teilung der Ukraine – Putins Plan C?
Der russische Krieg zielt auf die Industriegebiete in der Zentralukraine
von Sebastian Gerhardt*
Putin will mehr als nur den Donbass. Er braucht die ukrainische Industrie.
Mit dem Rückzug der russischen Angreifer aus den Gebieten nördlich von Kiew werden die Orte brutaler Kampfhandlungen und einer Vielzahl von Verbrechen an der Zivilbevölkerung zugänglich. Schon zuvor war klar, dass die russische Aggression tausende Zivilisten das Leben gekostet hat.
So ist es. Ist es so?
Crossing Europe 2022 in Linz
von Kurt Hofmann
Auch in der ersten Saison des neuen Intendantinnenduos Sabine Gebetsroither und Katharina Riedler war auf altbekannte Qualitäten Verlass: Weitab der Feelgoodmarke Eurofilm setzten (vorwiegend) junge Filmemacher:innen beim Festival des Europäischen Films abermals neue Akzente abseits des Mainstream.
Die Neutralität Österreichs
Kein Vorbild für die Ukraine
von Paul Stern
Aktuell ist in Österreich die Neutralität wieder Gegenstand politischer und rechtlicher Debatten. Im Moskauer Memorandum am 15.April 1955 festgehalten, machte die UdSSR die permanente Neutralität von Österreich zur politischen Bedingung für die Unterzeichnung des Staatsvertrags.
Die Eigenlogik des Krieges muss gebrochen werden
Die auf Jahrzehnte geplante Hochrüstung beendet das Sterben in der Ukraine nicht
von Angela Klein
Im März veröffentlichte eine Gruppe von Initiator:innen, Prominente aus Politik, Wissenschaft und Gewerkschaften, einen Appell: «Demokratie und Sozialstaat bewahren – keine Hochrüstung ins Grundgesetz». Den Appell haben auffallend viele Gewerkschafter:innen unterschrieben.
Die militärische Lage in der Ukraine
Der Schweizer Offizier Jacques Baud rekonstruiert, wie es zum Krieg kam
dokumentiert
Es gibt in bürgerlichen Kreisen durchaus qualifizierte Stimmen, die auf die Mitverantwortung der NATO-Staaten für den Krieg in der Ukraine hinweisen. Sie werden schnell in der Mainstream-Presse, die mittlerweile fanatisch auf Kriegskurs ist, niedergeschrien.
Nein zum Krieg! Nein zur Beteiligung von Belarus daran!
‹Der Krieg Russlands ist nicht unser Krieg. Wir können ihn stoppen, wir müssen ihn stoppen!›
Aufruf von Alexander Jaraschuk, Belarussischer Kongress der Demokratischen Gewerkschaften (BKDP)
Liebe Landsleute, liebe Arbeiter! Der Krieg Russlands gegen die Ukraine dauert nun schon über einen Monat an. Seit dem Beginn des Krieges hat sich Belarus auf die Seite Russlands gestellt. Seine Truppen dringen von unserem Territorium in die Ukraine ein, Raketen werden abgefeuert, Flugzeuge heben ab.
Israel und Russland: Heuchelei auf allen Seiten
Warum sich Israels Premierminister als Friedensstifter aufspielen kann
von Moshé Machover
Einige Fehler, wie z.B. Freudsche Ausrutscher, sind lehrreich und regen zum Nachdenken an. Am 24.Februar, dem Tag, an dem Russland seine großangelegte, barbarische Invasion der Ukraine begann, entdeckte USA Today, dass ein in den sozialen Medien weit verbreitetes Foto, das angeblich eine feurige Explosion und Rauch hinter zwei Hochhäusern in der Nähe von Charkiw zeigte, nicht ganz echt war.
Na puti k Putinu. Eine Argumentation
Verständnis für Putin? Analyse und Auswirkungen
von Erhard Weinholz
Prag, August ’68, sowjetische Panzer gegen einen besseren Sozialismus – eine politische Erfahrung, die bis heute für mich wichtig geblieben ist. Im Sommer darauf meine erste große Reise: eine Woche Moskau, eine Woche Leningrad.
Lobautunnel
Zäher Widerstand gegen Straßenprojekt in Wien
von Paul Stern
Nach mehrmonatigem Stillstand räumte die Polizei am 1.Februar 2022 eine von zwei besetzten Baustellen des Bauvorhabens Stadtstraße (Budgetansatz 460 Millionen Euro). Was euphemistisch Stadtstraße genannt wird, ist eine teils untertunnelte, vierspurige Autobahn. Sie ist 3,3 km lang und führt durch fruchtbares Ackerland.
Die Linke und der Krieg in der Ukraine
Versuch einer Standortbestimmung
von Angela Klein
«Auf welcher Seite stehst du?», sang einst der verstorbene Liedermacher Walter Mossmann anlässlich der Platzbesetzung gegen das geplante AKW Wyhl. Die Frage ist heute nicht so leicht zu beantworten wie damals.
‹Die Linke muss ihren Standpunkt überdenken›
Ein Gespräch mit zwei linken Ukrainern
Interview mit Denys Gorbatsch und Denis Pilasch
Shaun Matsheza und Nick Buxton von Transnational Institute (TNI) sprachen mit zwei Aktivisten aus der Redaktion der linken Zeitschrift Commons, die sich mit der Wirtschaft, Politik, Geschichte und Kultur der Ukraine befasst. Denys Gorbatsch ist Sozialforscher und promoviert derzeit in Frankreich über die Politik der ukrainischen Arbeiterklasse, Denis Pilasch ist Politikwissenschaftler und Aktivist in der sozialen Bewegung Sozialnyj Ruch.
Die Antikriegsbewegung in Russland
Heimatfront zwischen Folter und Massenarmut
von Christoph Wälz
Die Bewegung gegen den Krieg kämpft in Russland nicht nur für den Abzug der russischen Truppen aus der Ukraine. Sie kämpft unter hohem Repressionsdruck gleichzeitig um eine Zukunft, in der man noch würdig in Russland leben kann.
Sanktioniert die Oligarchen, nicht das Volk!
Nicht alle Sanktionen gegen Russland können von uns unterstützt werden
von Thomas Piketty*
Thomas Piketty ist Ökonom und Professor an der Paris School of Economics und der École des Hautes Études en Sciences Sociales. 2014 sorgte seine Veröffentlichung Das Kapital im 21.Jahrhundert weltweit für große Aufmerksamkeit.
Erklärung des International Labour Network of Solidarity and Struggles
Stoppt die russische Aggression in der Ukraine! – Keine NATO!
Für eine freie und souveräne Ukraine für arbeitende Männer und Frauen!
dokumentiert
[…] Wir können die Intervention und militärische Unterdrückung der Bevölkerung, die von Russland in Gang gesetzt wurde, nicht akzeptieren; ebenso inakzeptabel ist es, den Vertretern des Imperialismus irgendeinen Raum zu öffnen, die versuchen, ihre Herrschaft mit Hilfe von Kriegen auszuweiten, die den Kapitalisten Profite und mehr Macht sichern.
Flucht nach Polen
Die Ungleichbehandlung ist kaum auszuhalten
von Kerem Schamberger
Zwei Arten von Tweets wechseln sich auf dem Twitter-Account des polnischen Grenzschutzes ab. Zum einen werden täglich Zahlen genannt, wie viele weitere Menschen vor dem russischen Krieg in der Ukraine über die Grenze nach Polen geflohen sind. Zum anderen werden täglich Erfolge bei der Abwehr «illegaler» Flüchtlinge aus Belarus vermeldet und Fotos durchschnittener Grenzzäune getwittert, betitelt etwa mit: «Am 11.März versuchten 46 Ausländer illegal auf polnisches Territorium zu gelangen. Sie warfen Steine und Baumstämme auf die Grenzschützer. 26 Migranten wurden festgenommen.»
Wahlen in Portugal: Niederlage für die linken Parteien
Der Sozialdemokrat António Costa kann wieder allein regieren
von David Kellaway
In vielen Ländern der Welt sind Rechtspopulisten auf dem Vormarsch. So auch in Portugal. Die linken Parteien sind mehr denn je in den politischen Hintergrund gerückt.
Erklärung des International Labour Network of Solidarity and Struggles
Stoppt die russische Aggression in der Ukraine! Keine Nato! Für eine freie und souveräne Ukraine für arbeitende Männer und Frauen!
vom International Labour Network
Am Donnerstag, dem 24.Februar, hat Russland mit der Militäroperation in der Ukraine begonnen, nachdem Wladimir Putin die Unabhängigkeit der Gebiete Donezk und Luhansk anerkannt hat.
Nieder mit den imperialistischen Kriegen!
Solidarität mit der ukrainischen Bevölkerung gegen Putins militärische Aggression!
von Philippe Poutou (Neue Antikapitalistische Partei, NPA)
In der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag kündigte Putin den Beginn einer „Militäroperation“ in der Ukraine an. Diese ging von den Land- oder Seestreitkräften aus, die in den drei Grenzgebieten der Ukraine stationiert sind. Das Ziel dieses Krieges, da er so genannt werden muss, soll laut Putin die „Entmilitarisierung“ und „Entnazifizierung“ der Ukraine sein – nicht ohne vorher Gebiete zu zerstückeln und zu annektieren, von denen man bis heute nicht weiß, wie weit sie sich ausdehnen werden.
Freiheit für Julian Assange!
Die SoZ schließt sich der großen Zahl von Protesten gegen die Absicht der britischen Regierung an, den Whistleblower Julian Assange an die USA auszuliefern
von Rolf Euler
Nachdem Anfang 2021 ein britisches Gericht die Auslieferung Assanges an die USA abgelehnt hatte, weil sein gesundheitlicher Zustand nach zwei Jahren Isolationshaft eine solche nicht erlauben würde – der UNO-Sonderberichterstatter für Folter sprach allerdings von Folter wegen der Haftbedingungen in England – hat ein Berufungsgericht, das von den USA angerufen wurde, im Dezember hat dieses Urteil geändert.
Flic – Bulle – Polizist
Ein Blick ins Innenleben des französischen Polizeialltags
von Albrecht Kieser
Valentin Gendrot: Bulle. Undercover in der Polizei von Paris. Hamburg: Hoffmann und Campe, 2022. 320 S., 20 Euro
Atempause für den Nationalpark
Der Bau des Lobau-Tunnels ist einstweilen gestoppt
von Paul Stern
Seit September 2021 verhindern Aktivist:innen der österreichischen Klimagerechtigkeitsbewegung den Bau einer Stadtautobahn in Wien.
Frankreich: Die Linke riskiert, von der Bildfläche zu verschwinden
Der Wahlkampf hat bereits begonnen, die Umfragen sind deprimierend
von Michel Rousseau
In vier Monaten, am 10.April, findet in Frankreich die erste Runde der Präsidentschaftswahlen statt (die zweite Runde folgt am 24.April). Die Voraussagen sind niederschmetternd bis haarsträubend, trotzdem ist noch alles offen, sagt MICHEL ROUSSEAU, mit dem wir über die politische Situation vor den Wahlen sprachen.
An der polnischen Ostgrenze
Grünes Licht für Migranten
Zusammenstellung von Norbert Kollenda
Der Ort, an dem die EU ihr wahres Gesicht zeigt, heißt Usnarz Górny.
Seit vier Wochen kampiert eine Gruppe von 32 Afghanen im polnisch-belorussischen Grenzgebiet Usnarz Górny. Grenzsoldaten auf beiden Seiten verhindern, dass sie nach Polen einreisen oder nach Weißrussland zurückkehren können. Die polnische Seite weigert sich, ihr Asylgesuch entgegenzunehmen und verweigert jede Hilfeleistung – eine klare Verletzung der Asylgesetze, auf die auch der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte hingewiesen hat.
‹Nicht eine mehr!›
In Polen gehen Zehntausende gegen Frauenmord auf die Straße
von Jan Malewski
Am 8. November 2021 versammelten sich zehntausende Demonstrierende in mehr als 70 polnischen Städten und forderten, wie im vergangenen Jahr, das Recht der Frauen auf freie Wahl. Eine schwangere Frau war im Krankenhaus von Pszczyna (Oberschlesien) gestorben, während die Ärzte darauf warteten, dass «das Herz des Embryos aufhört zu schlagen».
POLNISCHE PRESSESCHAU 167, 27.11.2021
Die Welt hat genug von der PiS studioopinii.pl 24.11.2021
Die Isolation derjenigen, die Polen regieren, ist eine Tatsache. Dies gilt auch für die dominierende Institution der katholischen Kirche in Polen, die sich nicht nur in den Augen der Welt, sondern auch in den Augen ihrer eigenen Bürger kompromittiert. Die Probleme an der polnischen Grenze zu Belarus werden von Deutschland, Frankreich und den USA gelöst, über die Köpfe der polnischen Politiker hinweg.
POLNISCHE PRESSESCHAU 166, 13.11.2021
Opfer des Abtreibungsverbots des Przylebska Tribunals onet.pl 06.11.2021
Der tragische Tod der 30-jährigen Izabela aus Pszczyna löste eine Welle der Empörung und Protesten aus, die in ganz Polen und an mehreren Orten in der Welt stattfanden.
POLNISCHE PRESSESCHAU 165, 22.10.2021
Morawiecki vor dem EU Parlament
Springers Fakt 20.10.2021
„Das ist es, was passiert, wenn man die interne Streitfrage auf die Ebene der Europäischen Union überträgt. Das passiert, wenn man glaubt, dass Jaroslaw Kaczynski die gesamte Europäische Union von der PiS-Zentrale in Nowogrodzka aus regieren wird, so wie er Polen regiert“, schreibt Agnieszka Burzynska.
Norwegen
Eine neue Arbeiterpartei auf dem Vormarsch
von Mímir Kristjánsson
Bei den Parlamentswahlen hat die radikale linke Partei Rødt (Rot)
einen historischen Durchbruch erzielt.
In den Umfragen liegt die Partei schon seit Jahren über der Hürde von 4 Prozent, die für den Einzug als vollwertige Fraktion erforderlich sind, sie war bislang aber im Parlament, dem Storting, nur mit einem Abgeordneten vertreten, Bjørnar Moxnes. Das Überschreiten dieses Werts verschafft ihr nun acht Abgeordnete.
Italien: Sturm auf das Gewerkschaftshaus
Hundert Jahre nach der Zerstörung der Arbeiterkammern durch die Faschisten greifen sie wieder Gewerkschaftshäuser an
von Franco Turigliatto
Am 9.Oktober stürmten Trupps der faschistischen Gruppe Forza Nuova die Gewerkschaftszentrale der CGIL in Rom. Dies geschah im Rahmen einer Demonstration gegen den sog. Green Pass. Unter den süffisanten Blicken hunderter Menschen drangen sie bis in den 5.Stock des Gebäudes vor, ohne dass die sogenannten Ordnungskräfte dagegen eingeschritten wären.
Italien: Green-Pass
Der Grüne Pass schürt die Spaltung unter den Beschäftigten
dokumentiert
Beim Angriff auf das Gewerkschaftshaus waren die Faschisten nur zwei Dutzend, aber die Demonstration hatte keinen inneren Zusammenhalt.
Im Gegensatz zu den Verlautbarungen des staatlichen Antifaschismus wiesen die No-Green-Pass- und No-Vax-Proteste am 9.Oktober in Rom zwei Aspekte auf, die nicht zusammen passen: den neofaschistischen Angriff auf das CGIL-Hauptquartier und die große Menge der Demonstrierenden.
13 Jahre Knast für humanitäre Hilfe
Italiens Justiz verfolgt ein erfolgreiches Modell der Flüchtlingshilfe
von Angela Klein
Während die Mafia frei herumläuft, soll ein Bürgermeister aus Kalabrien in den Knast – weil er gezeigt hat, dass man Flüchtlingen helfen und verlassene Dörfer wieder aufbauen kann.
Frankreich: Die Ignoranz der Herrschenden – nicht nur bei Corona
Die Massenproteste gegen Macrons Corona-Politik und die Defizite des politischen Systems
von Sebastian Chwala
Seit Wochen gehen zehntausende Menschen gegen Macrons harte Corona-Regeln auf die Straße. Es ist eine regelrechte Protestwelle gegen den Staatspräsidenten, dessen Amtszeit im nächsten Jahr endet. Sie ist im Geiste eng mit der Gelbwestenbewegung verwandt, die seit November 2018 existiert und den autoritären und unsozialen Umbau der französischen Republik anprangert.
Ende einer Karriere
‹Altkanzler› Sebastian Kurz und seine Prätorianer
von Dieter Braeg
Der große «Held», der sich damit brüstete die Balkanroute geschlossen zu haben und für viele Politiker in der CDU/CSU Vorbild war und ist, erschien am 14.Oktober 2021 zum erstenmal, völlig ohne Kanzlertitel, im österreichischen Nationalrat: Dort wurde er als Parlamentarier vereidigt und sofort mit 100 Prozent zum Fraktionsvorsitzenden gewählt.
Kommunismus in Graz
Verankerung, Verankerung, Verankerung
von Violetta Bock
„Sprechstunde mit Elke Kahr unter der Treppe“ – so steht es auf einem unscheinbaren weißen Zettel am Volkshaus in Graz. Das Volkshaus ist ein großzügiges Gebäude in der Lagergasse 98a im Bezirk Gries. Hier, im Arbeiterstadtteil, befindet sich der Sitz der KPÖ. Direkt nebenan ein Bildungs- und Kulturzentrum.
POLNISCHE PRESSESCHAU 164, 08.10.2021
Auf dem Weg aus der EU? Onet.pl 07.10. 2021
Das Verfassungsgericht hat das Urteil über den Antrag des Premierministers bezüglich des im Vertrag über die Europäische Union verankerten Grundsatzes des Vorrangs des EU-Rechts vor dem nationalen Recht verkündet. Das Verfassungsgericht hat ausgewählte Bestimmungen des Vertrags über die Europäische Union für verfassungswidrig erklärt. Die Entscheidung löste zahlreiche Kommentare von Politikern, Publizisten und Rechtsexperten aus.
‹Wir sind gekommen, um mit denen zu sprechen, die mit uns sprechen wollen›
Mitte September begann die Rundreise einer Delegation von Zapatistas durch Europa
von Moritz Binzer*
Eine Delegation von Zapatistas befindet sich derzeit auf einer Rundreise durch Europa. Die Einreise über Paris, ihrem ursprünglichen Zielort, war ihnen verwehrt worden. Am 14.September konnten die über hundert Aktivist:innen endlich in Wien landen.
MAN Österreich: Der trübe Deal mit Magna
Exportförderung auf dem Rücken der Beschäftigten
von Angela Klein und Peter Sachartschenko
Der Umstieg auf Elektromobilität schafft der Zulieferindustrie in Deutschland ein erhebliches Problem, weil viele Komponenten, die für einen Verbrenner notwendig sind, bei einem E-Auto wegfallen. Große Zulieferer wie Bosch oder
ZF Friedrichshafen haben die Zeichen der Zeit erkannt und versuchen umzusatteln, steigen in die Batterieproduktion ein oder entwickeln Technologie für das autonome Fahren. Sie versuchen, ihre Belegschaft zu halten. Schon im benachbarten Österreich gilt diese Regel aber nicht mehr. Hier werden Beschäftigte regelrecht verscherbelt.
Gleichschaltung der Medien in Polen
Erst kamen deutsche Konzerne, jetzt greift der Staat zu
von Adam Zaremba
Ende letzten Jahres hat der staatliche Mineralölkonzern Orlen von der deutschen Verlagsgruppe Passau Polska Press übernommen. Dazu gehören 26 der 28 Regionalzeitungen und viele andere Medien.
Solidarität!
Säuberungswelle in der Labour Party
dokumentiert
«Der Generalstab von Labour hat beschlossen, dass ich nicht geeignet bin, seiner Partei anzugehören, weil ich die nicht verleugnen werde, die bereits ausgeschlossen wurden. Nun, ich bin stolz darauf, an der Seite der guten Freunde und Genossen zu stehen, die Opfer der Säuberung wurden. Es gibt wirklich eine Hexenjagd.
Das ist keine Naturkatastrophe
Überschwemmungen in Belgien, Deutschland und den Niederlanden
von Daniel Tanuro
Zum Zeitpunkt der Erstellung dieses Artikels haben die schrecklichen Überschwemmungen in Belgien, Teilen von Deutschland und den Niederlanden mehr als 200 Menschen getötet. Zehntausende haben ihr Heim, haben alles verloren und werden für immer traumatisiert bleiben.
‹Die alte Welt hat sich noch einmal behauptet›
Bei den Regionalwahlen in Frankreich ist die Partei von Staatspräsident Macron abgestürzt, die Partei von Marine Le Pen hat ihr Wahlziel nicht erreicht
Gespräch mit Christine Poupin
Die Regionalwahlen sind nicht so ausgefallen, wie die Umfragen das vorhergesagt haben: Der Rassemblement National (RN, früher Front National) konnte nicht den Durchbruch erzielen, der ihm vorausgesagt wurde, und hat keine Region erobern können, nicht einmal die sicher geglaubte Region Provence-Alpes-Côte d’Azur (PACA). Wie interpretierst du das?
Der Anfang vom Ende Jugoslawiens
Vor 30 Jahren erklärten Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit
von Heiko Bolldorf*
Am 25.Juni 1991 erklärten Slowenien und Kroatien, die nördlichsten Teilrepubliken Jugoslawiens, ihre Unabhängigkeit. Damit wurde eine Entwicklung eingeleitet, die zum kompletten Zerfall Jugoslawiens führte.
Stanislaw Obirek: Zamosc schämt sich für Rosa Luxemburg
2021-06-25 studioopinii.pl
dokumentiert
Wieder einmal habe ich meine Lieblingsstadt besucht. Zamosc ist eine Perle der Renaissance-Architektur. Die Stadt wurde zuerst im Kopf eines der brillantesten polnischen Köpfe erschaffen. Jan Zamoyski (1542-1605) wurde zunächst im calvinistischen Gymnasium in Krasnystaw ausgebildet und studierte dann in Paris und Straßburg.
Teil des Spiels
Fußball und Gesellschaft
von Kurt Hofmann
Eben erst hat sie begonnen: die Fußball-Europameisterschaft 2021, erstmals verteilt auf mehrere Länder und viele Austragungsstätten.
Vom Brexit enttäuscht
Loyalisten in Nordirland entladen ihre Wut an einem Busarbeiter
von Éoin Burns*
Im gesamten April kam es in Belfast und Derry zu einigen der schlimmsten konfessionellen Ausschreitungen, die wir seit Jahrzehnten gesehen haben.
Vom Niedergang einer einstmals erfolgreichen linken Partei
Lange war die Sozialistische Partei (SP) der Niederlande eine der großen Erfolgsgeschichten der europäischen radikalen Linken. In den letzten zehn Jahren ist ihr Stern stetig gesunken
von Alex de Jong*
Die Socialistische Partij (SP) steckt in einer tiefen Krise – die Trennung von ihrem Jugendflügel und lautes Nachdenken über eine Koalition mit der Rechten haben Aktivist:innen demoralisiert.
Linker Wahlerfolg in Wien
Erstes Wahlbündnis fast der gesamten radikalen Linken in Wien
von Paul Stern
Das im Januar 2020 gegründete Wahlprojekt LINKS hatte bis zur Wiener Kommunalwahl… nur acht Monate Zeit, sich zu stabilisieren und einen Wahlkampf in Zeiten der Pandemie zu führen.
Streik bei Amazon in Italien
Den Taktgeber bremsen
von Violetta Bock
In Italien legten am 22.März die Beschäftigten von Amazon die Arbeit nieder. Schon vorher hatte es an verschiedenen Standorten Kämpfe und Streiks gegeben. Das Besondere diesmal: Der Streik betraf die gesamte Lieferkette in ganz Italien.
Mit Hoffnung aus der Niederlage
In Griechenland wehren sich Linke gegen die neoliberale Umgestaltung der Universitäten
von Lucy Nowak und Michael Schwarz*
Am 18.Februar hat das griechische Parlament, dominiert durch die rechte Regierung, ein neues Polizei- und Hochschulgesetz erlassen. Die Novelle reißt Wunden aus der Zeit der griechischen Militärdiktatur wieder auf, und zielt im besonderen auf linke Studierende. Die Wochen vor und nach der Verabschiedung waren geprägt von Widerstand und Protesten.
Krieg den Frauen, Friede den Sekten
Die Türkei muss aus der Istanbul-Konvention gegen Gewalt an Frauen aussteigen – so will es Erdogan
von Nick Brauns
Per Dekret verfügte der türkische Präsident Recep Tayyip Erdogan in der Nacht zum 20.März den Ausstieg der Türkei aus der Istanbul-Konvention.
POLNISCHE PRESSESCHAU 154, 27.02.2021
Am 10. Februar haben die unabhängigen Medien in Polen aus Protest keine neuen Nachrichten veröffentlicht, sondern ihre Seite sah so aus:
Was wollen die Protestierenden?
Die Massenmobilisierungen in Russland passen in keine westliche Schablone
von Karine Clément*
Die Gründe für die Massenproteste in Russland sind verschieden und gehen weit über Nawalnys Antikorruptionskampagne hinaus. Alle eint der Wille nach Veränderung, der Wunsch nach Respekt, nach einem Ende der persönlichen Bereicherung. In welche Richtung aber sollen Veränderungen gehen?
Homeoffice, mobiles Arbeiten – alles eine Pampe?
Ein Virus infiziert die Arbeitswelt
von Michael Heldt
Eine schleichende Entwicklung wird, wie so vieles momentan, um ein Vielfaches beschleunigt: Homeoffice. Eine sich ausbreitende Besonderheit wird betriebliche Normalität und ein weiterer Meilenstein für die Aus- und Verlagerung von Arbeit – nicht in der Produktion oder Logistik, sondern diesmal im Büro und unter qualifizierten Fachkräften.
Russland
Alexei Nawalny – keine Alternative
von David Mandel
Um Alexei Nawalnys Rolle zu verstehen, muss man den Charakter des politischen Regimes in der Russischen Föderation begreifen.
In Russland herrscht ein «bonapartistisches» Regime, in dem die Staatsverwaltung und die Nähe zu ihr die Hauptquellen der Akkumulation sind.
POLNISCHE PRESSESCHAU 153, 31.01.2021
Kaczynski spricht Frauen eigenes Gewissen ab oko.press 27.01. 2021
Ein Nagel im gemeinsamen Sarg von PiS und kath. Kirche
Endlich vereint
Gewerkschaften und Umweltverbände in Frankreich Hand in Hand
von Bernard Schmid
Er will sozialen Kampf und Ökologie in Einklang bringen, und das in einem Industriezweig, dessen Produktion jedenfalls in ihrer bisherigen Form unter Klima- und Umweltgesichtspunkten nicht wünschenswert ist – die Rede ist vom Arbeitskampf beim französischen Energiekonzern Total am Raffineriestandort Grandpuits, gut fünfzig Kilometer östlich von Paris.
Polen
PiS kauft Pressefreiheit auf
von Norbert Kollenda
Der staatliche Mineralölkonzern Orlen hat von der Verlagsgruppe Passau «Polska Press» gekauft. Zur Verlagsgruppe gehören 20 der 24 regionalen Tageszeitungen in 15 der 16 Woiwodschaften, dazu mehr als hundert regionale Magazine und der Zugang zu 17,4 Millionen Nutzern von 500 Online-Portalen.
POLNISCHE PRESSESCHAU 152, 10.01.2021
Warum gewinnt Linke bei Verlusten der PiS nicht dazu? Przeglad, 11.01.2021
Marcin Duma, Umfrageinstitut IBRiS: Weil die Leute, die die PiS verlassen, rechtsorientiert sind. Auch andere Parteien gewinnen deren Stimmen nicht.
POLNISCHE PRESSESCHAU 151, 20.12.2020
Dolchstoß der PiS gegen Freiheit der Medien
Kaczynski – Chefredakteur der ORLEN – Zeitungen? fragt die liberale katholische Wochenzeitung „Tygodnik Powszechny“(14.12.2020).
POLNISCHE PRESSESCHAU 150, 05.12.2020
Krzysztof Lozinski: Die Polizei lügt ganz im Sinne der PiS studioopinii, 21. 11. 2020
Erstens ist derzeit keine spontane Versammlung illegal. Die Versammlungsfreiheit ist in der Verfassung garantiert und kann erst nach Ausrufung eines der Ausnahmezustände per Gesetz aufgehoben werden. Aber dies ist nicht geschehen.
Frankreich: Macron holt den Knüppel aus dem Sack
Massenproteste gegen eine Flut repressiver Gesetze
von Bernard Schmid
Der zunehmenden Unzufriedenheit in der Bevölkerung, u.a. mit der Art, wie die französische Regierung auf die Pandemie reagiert, will diese nun mit dem Knüppel begegnen. Der Nationalversammlung und dem Senat liegt eine Vielzahl repressiver Gesetze vor, die einen Marsch in den autoritären Staat ankündigen.
Selbstjustiz in Frankreich
Der Ruf nach Gesinnungsstrafen wird lauter
von Bernard Schmid
Ein abgeschnittener Kopf auf einem Bekennerfoto, der des 47jährigen Geschichts- und Geographielehrers Samuel Paty, abgetrennt mit einem geschärften Fleischermesser:
Aufruhr in Polen
Die große Rebellion der Frauen
von Teresa Jakubowska*
Am 22.Oktober 2020 entschied das polnische Verfassungsgericht, dass das Abtreibungsgesetz, das seit 1993 in Kraft ist, in Teilen verfassungswidrig sei.
Für einen Lohn, der zum Leben reicht – in der ganzen EU
Die EU-Kommission hat eine Mindestlohninitiative angekündigt
von Özlem Demirel
Mindestlohn. Deutschland kennt ihn als gesetzlich festgeschriebenen Anspruch aller abhängig Beschäftigten auf eine bestimmte Entlohnung je Zeitstunde.
Krieg um Bergkarabach
Vier Männer mit parallelen Interessen
von Serdar Kazak
Seit dem 27.September erfahren wir jeden Abend in den Nachrichten über anhaltende Kämpfe zwischen Aserbaidschan und Armenien.
Wien hat gewählt – nach vorn?
Dieter Braeg
Schon lange rätselt die Wissenschaft, warum die Banane krumm ist. Des Rätsels Lösung ist einfach. Die Bananenkrümmung hat mit dem derzeitigen Zustand der österreichischen Politik zu tun, die für die Krümmung der Banane und den Namen „Bananenrepublik“ verantwortlich ist. Kanzler Kurz von der konservativen ÖVP, die ihre Farbe von schwarz auf türkis wechselte, mag nicht nur keine Flüchtlinge aufnehmen (zähneknirschend unterstützt vom grünen Koalitionspartner), er verkündet als Amateurvirologie auch: „Das Virus kommt von dem Auto“!
Etwas besser, aber noch lange nicht gut
Der European Green Deal der EU-Kommission
von Hanno Raußendorf*
Vergangenen Dezember erregte die Kommissionspräsidentin von der Leyen einige Aufmerksamkeit, indem sie einen sog. «European Green Deal» vorschlug, mit dem Treibhausgasemissionen in der EU bis 2050 auf null reduziert werden sollen. Europa solle «der erste klimaneutrale Kontinent der Welt» werden.
Nawalny und die Moral von der Geschichte
Was steckt wirklich dahinter?
von Anton Holberg
Es gibt den Spruch: «Doppelte Moral ist schlimmer als gar keine Moral». Ich weiß nicht, ob das so stimmt, aber dass doppelte Moral widerlich ist und auch die wahre Moral in ihrem Ansehen untergräbt, ist offensichtlich.
Belarus
Der Anfang von welchem Ende?
von Catherine Samary
Der sechsten Wiederwahl von Alexander Lukaschenko am 9.August gingen Massenmobilisierungen voraus und folgten auf sie – verursacht durch Betrug und Sozialkürzungen und angeheizt durch Polizeibrutalität. Nach vielfachen Spannungen mit seinem russischen Nachbarn bittet der belarussische Autokrat nun Putin um «Hilfe» gegen den beispiellosen sozialen Protest.
Ausländer raus…
Erinnerung an Christoph Schlingensief
von Dieter Braeg
«Wien ist anders» – das war einmal. In einer Juniwoche im Jahr 2000 zeigte Wien sein wahres Gesicht. Die Deutschen blickten neidisch auf die österreichische Hauptstadt. Anders als heute durften sie damals keine Ausländer abschieben.
Einmal die Ersten
Bukowski in Nordmazedonien
von Kai Böhne
Was treibt eigentlich die Post Nordmazedoniens? Die Post Nordmazedoniens treibt, was sie soll: Sie transportiert mal mehr und mal weniger zuverlässig Sendungen diverser Art, lässt Leute an Schaltern anstehen, bis sie blau werden, und macht nebenher noch ein wenig Geschichtspolitik.
Bewältigung der Covid-19-Krise in Europa
Der Plan von DiEM25
von Eva Betavatzi
Die Europäische Union und ihre Institutionen, einschließlich der EZB, stärken; Die Staatsverschuldung so weit wie möglich, um den Privatsektor zu retten, erhöhen; Die Legitimität der öffentlichen Schulden nicht in Frage stellen; 2000 Euro auf das Bankkonto jedes europäischen Bürgers, egal ob er reich oder in einer prekären Lage ist, einzahlen;
Schicksalswahl in Polen
Für die Menschen in Polen, die über den Tellerrand hinaus sehen, ist die Präsidentschaftswahl eine entscheidende Wahl.
von Norbert Kollenda
Wenn der jetzige Präsident Andrzej Duda – von seinen Gegnern „Kugelschreiber Kaczynskis“ genannt – gewinnt, wird er wieder alles unterschreiben, was im Auftrag von letzterem der Premier und die Minister an Gesetzen einbringen und ihm vorlegen. Das heißt der autoritäre Staat wird verfestigt. Präses Kaczynski steht jetzt schon über der Verfassung und baut seine Macht aus.
Non-Paper
Ein Wiederaufbaufonds
dokumentiert
Einen der innovativsten Vorschläge macht das spanische Non-Paper*, das die Regierung am 19.April eingereicht hat. Er besteht in der Einrichtung eines Fonds, der von einer europäischen Daueranleihe in Höhe von rund 1,5 Billionen Euro gespeist wird – das sind 10 Prozent des BIP der EU.
Wenn die Köchin die Staatsgeschäfte leitet
Von den Anfängen der Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien
von Paul Michel
Die jugoslawische Arbeiterselbstverwaltung und die damit einhergehende Selbstverwaltung der Kommunen sind heutzutage fast vergessen. Von den 50er bis in die 70er Jahre war das Projekt, das die jugoslawischen Kommunisten «erfunden» hatten, nachdem sie 1948 von Stalin exkommuniziert worden waren, in aller Munde.
Macrons Angst vor neuen Demonstrationen
Frankreich hebt den „sanitären Ausnahmezustand“ am 10.Juli auf – aber das Versammlungsverbot bleibt bestehen
von Bernard Schmid
Seitdem auf internationaler Ebene die Revolte infolge der brutalen Tötung von George Floyd ins Rollen gekommen ist, geriet auch in Frankreich viel in Bewegung.
Letzte Hoffnung EZB?!
Institution, die den europäischen Laden noch zusammenhält
von Ingo Schmidt
Christine Lagarde ist die letzte Hoffnung Europas. Nonchalant setzt sie sich – wie schon ihr Vorgänger Mario Draghi – über die monetaristischen Regeln im EZB-Statut hinweg und verhindert mit großzügigen Geldinfusionen den Stillstand der Warenzirkulation im Euro-Raum.
Proteste und Verhandlungen im Gesundheitswesen
Entwicklung in Frankreich
von Bernard Schmid
Wie wir mehrfach berichteten, bildet die Lage im Gesundheitswesen einen Kristallisationspunkt für Proteste nach dem «déconfinement», also nach der Aufhebung der (im Vergleich zu Deutschland relativ strengen) Ausgangsbeschränkungen, die vom 17.März bis 10.Mai dieses Jahres in Kraft waren.
Jonathan Coe: Middle England
Roman. Wien, Bozen: Folio, 2020. 477 S., 25 Euro
von Paul B. Kleiser
Wer etwas über das soziale und geistige Klima in Großbritannien vor und nach dem Referendum über den Brexit erfahren möchte, dem sei der neue Roman von Jonathan Coe, Middle England, empfohlen. Er handelt von Entwicklungen in den Jahren zwischen 2010 und 2018 und schließt an seine Romane Erste Riten (2001) und Klassentreffen (2004) an.
Die Tragödie von Bergamo
Ein Massaker, das die Unternehmer nicht vermeiden wollten
von Alba Sidera*
Das von Covid-19 am meisten verwüstete Gebiet Italiens ist ein großes Industriezentrum. Auf Druck der Unternehmer wurde es nie zur roten Zone erklärt. Die Kosten an Menschenleben waren katastrophal.
Anspannung in Frankreich
Angst vor neuen Unruhen
von Bernard Schmid
Das nennt man «Sinn für Prioritäten haben»: Mitten in der Gesundheitskrise und während die Zahl der KurzarbeiterInnen in Frankreich neun Millionen erreicht, hat die amtierende Arbeitsministerin Muriel Pénicaud augenscheinlich nichts Wichtigeres zu tun, als disziplinarrechtliche Schritte gegen einen unbotmäßige Arbeitsinspektor einzuleiten.
Polen – Wahlen in Zeiten von Corona
Kaczynski lädt zu den Urnen
von Norbert Kollenda
Es geht verdammt nochmal um unser Leben, erhebt euch aus den bequemen Sesseln des Parlaments!» Mit diesen Worten wendet sich ein Kommentator an die Abgeordneten der Opposition und vor allem an ihre Kandidaten für die Präsidentschaftswahlen.
Sieg beim 50.Boston-Marathon
Wie Stelios Kyriakides zum Volksheld in Griechenland wurde
von Kai Böhne
Der Läufer Stelios Kyriakides startete, um Hilfsgüter und Spenden für seine Landsleute im zerstörten Griechenland zu sammeln.
Im Jahr 1946 gewann der Grieche Stelios Kyriakides als erster Nichtamerikaner den Boston-Marathon. Mit 2 Stunden 29 Minuten und 27 Sekunden gelang ihm ein neuer Europarekord.
Erst streiken, dann verhandeln!
Reaktionen von Beschäftigten auf die Maßnahmen gegen die Coronakrise
von Joe DeManuelle-Hall und Jane Slaughter*
Direkte Aktion zahlt sich aus. Wenn dein Arbeitgeber sich immer noch so benimmt, als würde das Leben der Beschäftigten nicht zählen, nimm dir ein Beispiel an Gewerkschaftsmitgliedern, die ordentlich Muskeln zeigen bevor sie verhandeln – sie machen den Laden einfach dicht.
Italien im Ausnahmezustand
Streiks für besseren Schutz und 100 Prozent Lohn
von Angela Klein
Allgemeines Versammlungsverbot, Verbot, die «roten Zonen» zu verlassen – aber vor den Werkstoren hören die Schutzmaßnahmen auf. Italien macht vor, wie Ausnahmesituationen genutzt werden, um den Ausnahmezustand – d.h. die Einschränkung demokratischer Rechte – durchzusetzen, und wie Arbeiter sich dagegen wehren.
Frankreich: Vorbereitung auf die Zeit nach der Pandemie
Eine Systemalternative liegt nicht mehr im Bereich der Fantasie
Gespräch mit Michel Rousseau
Michel Rousseau ist ein 68er der ersten Stunde und hat an allen großen sozialen Mobilisierungen seither teilgenommen – natürlich auch an der jüngsten Massenbewegung gegen die Renten«reform». Sein besonderes Engagement galt stets den Erwerbslosen, Prekären und Wohnungslosen.
Mit viel Schwung gegen Drohnen und Krieg
Die Air Base Ramstein muss geschlossen werden!
von Reiner Braun und Pascal Luig*
Es hätte nicht der Ermordung des iranischen Generals Soleimani bedurft, die über die US-Militärbasis Ramstein gesteuert wurde, um immer wieder darauf aufmerksam zu machen, dass die USA über die Relaisstation in Ramstein von deutschem Boden aus völkerrechtswidrig einen Drohnenkrieg führen. Die geschätzte Opferzahl liegt bei über 10000, davon zwei Drittel Zivilisten.
Ein untypischer Genosse
Zum Tode von Michel Lequenne (1921–1920)
von Wilfried Dubois
Im Mai wäre er 99 Jahre alt geworden, nun ist er am 13.Februar gestorben. Michel Lequenne hat nach einer Jugend in Le Havre fast sein gesamtes Leben in Paris gelebt. Er war durch und durch Franzose, ein Intellektueller, der nie eine Universität besucht hat, und ein sehr kritischer, ein querdenkender «Trotzkist».
Volle Fahrt voraus für die Seebrücke
«Wir rennen gegen viele Mauern an»
Gespräch mit Jolanta
Die Empörung über die Kriminalisierung der zivilen Seenotrettungsschiffe und die Situation im Mittelmeer führte 2018 zur Bewegung Seebrücke. Seitdem gehen immer wieder Tausende Menschen auf die Straße oder zeigen mit dezentralen Aktionstagen Solidarität mit Geflüchteten.
Zweirad-Traditionsmarke ade
Favorit-Rennräder gib es nur noch auf Briefmarken
von Kai Böhne
Die Produktionsbänder der Fahrradfabrik Favorit stehen still, meldete Radio Prag im Oktober 2019. Die Belegschaft des legendären Fahrradherstellers hatte bereits seit drei Monaten keinen Lohn mehr bekommen. Es war die dritte Insolvenz der Traditionsmarke seit ihrer Privatisierung in den 90er Jahren.
Spaltungslinien
Europa und Großbritannien nach der Brexit-Wahl
von Ingo Schmidt
Besser Brexit als Corbyn. Das war wohl die Meinung jener gut betuchten Briten, die lieber in der EU bleiben würden. Es war auch der Tenor der deutschen Medienberichte über die britischen Unterhauswahlen im letzten November.
Rentenreform in Frankreich
Die Eigentore der Regierung
von Bernard Schmid
Es ist so dumm, dass es beinahe schon wieder lustig wird. Diesmal war es nicht nur, wie Anfang Dezember, ein durchgedrehter Lokalpolitiker der Regierungspartei LREM, sondern einer ihrer Abgeordneten in der französischen Nationalversammlung, der in aller Öffentlichkeit aberwitzige Vergleiche zwischen «radikalisierten» Islamisten, Jihadisten, Terror und Streikenden anstellte.
«Marsch der tausend Roben» in Warschau
Polnische Regierung will unbequeme Richter loswerden
von Artur Nowak*
Im vergangenen Jahr hat das Oberste Gericht in Polen in zwei Urteilen einen Spruch des Europäischen Gerichtshofs (EuGH) in Luxemburg umgesetzt, der die seit 2015 von der mit absoluter Mehrheit regierenden Partei für Freiheit und Gerechtigkeit (PiS) angestrengten Justizreform betrifft.
Streik an britischen Hochschulen
Viele Gründe, acht Tage die Arbeit niederzulegen
Gespräch mit Caroline Metz
Vom 25.11. bis 4.12. waren mehr als 120000 Beschäftigte an britischen Hochschulen aufgerufen zu streiken. Anne Engelhardt sprach mit CAROLINE METZ aus Sheffield, die als Postdoktorandin am dortigen Forschungsinstitut für politische Ökonomie (SPERI) arbeitet.
Frankreich
Der Massenprotest weitet sich aus
von Bernard Schmid
Zwei Wochen vor Weihnachten ist ruchbar geworden, für wen die französische Regierung die Rentenreform macht: für die Versicherungskonzerne. Am 17.Dezember war auch die CDFT bei den Protesten mit dabei.
«Die Rahmenbedingungen müssen stimmen»
Dann kann der Bauer auch Klima- und Insektenschutz
Gespräch mit Elisabeth Fresen (AbL)
In Brüssel werden derzeit die Fördermittel für Landwirtschaft für die Periode 2021–2027 ausgehandelt. Die Agrarförderung ist mit bislang 40 Prozent der größte Posten im EU-Haushalt. Dieser Beitrag soll erheblich gekürzt werden, nämlich auf etwa 28 Prozent – zum einen weil die EU mit Großbritannien demnächst einen Nettozahler verliert, zum anderen weil die EU ihre Prioritäten verschiebt – u.a. in Richtung Aufrüstung.
Brexit done
Eine Nachbetrachtung
von Angela Klein
Ein Desaster, gewiss. Ein vorhersehbares dazu.
2017 hat Labour noch gegen eine für Brexit-Hardliner zu zögerlich wirkende Theresa May mit einem auf die soziale Frage fokussierten Wahlkampf gewinnen können.
Antizionismus nicht gleich Antisemitismus
Appell von jüdischen Hochschullehrer*Innen an die französischen Abgeordneten
aus Le Monde*
Ein Kollektiv von 127 jüdischen Intellektuellen der ganzen Welt ruft die französischen Abgeordneten auf, dem vorliegenden Vorschlag einer Resolution gegen den Antisemitismus nicht zuzustimmen. Dieser Text bringt den Antisemitismus und Antizionismus miteinander in Verbindung, was „hoch problematisch“ ist.
Streikbewegung gegen die Rentenreform
Über die Lage in Frankreich vor dem 5.Dezember
Gespräch mit Bernard Schmid
Das gesetzliche Renteneintrittsalter liegt in Frankreich bei 62 Jahren – allerdings nur, wenn man vorher 41,5 Jahre in die Rentenkasse eingezahlt hat. Das ist die Anzahl der Beitragsjahre, die für eine volle Rente erforderlich sind. Die Regelung gilt für Männer und Frauen gleichermaßen. Hat jemand nicht den gesamten Zeitraum in die Rentenkasse eingezahlt, kann er mit vollen Bezügen erst ab 67 in Rente gehen. Diese Regelung gilt ab 2023.
Strategische Souveränität Europas?
… oder ein Flohzirkus widerstreitender Interessen?
von Klaus Dräger
Die designierte EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen will es schaffen, ihr Team für die EU-Kommission im Dezember 2019 im zweiten Anlauf endlich an den Start zu bringen. Falls die Bestätigung der neuen EU-Kommission diesmal gelingt, hat sie viel vor. Eine «geopolitische Kommission» soll es werden, die die EU auf Weltmachtstatus bringt (militärisch, wirtschaftlich und handelspolitisch).
Lehrbücher umschreiben!
Das Europaparlament in den Fußstapfen Kaczynskis
von Andrej Hunko*
Das EU-Parlament ist traditionell nicht eben als Ort ausgewogener geschichtspolitischer Debatten und Resolutionen bekannt. Was sich dieses Parlament aber am 18.September 2019 mit einer erdrückenden Mehrheit von knapp 82 Prozent in der Resolution mit dem Titel «Bedeutung des europäischen Geschichtsbewusstseins für die Zukunft Europas» an Anmaßung, Ignoranz und Geschichtsverdrehung geleistet hat, geht weit über alles bisher dagewesene hinaus.
Frankreich: Showdown am 5.Dezember?
Der Protest gegen die Renten«reform» in Frankreich führt die Gewerkschaften zusammen
von Bernard Schmid
Am 16.Oktober traf eine Nachricht ein, die für das soziale und politische Kräfteverhältnisse in den kommenden Wochen und vielleicht Monaten von Bedeutung sein kann. Es mehren sich die Anzeichen dafür, dass sich ein Kräftemessen mit der Regierung unter Präsident Emmanuel Macron und Premierminister Edouard Philippe anbahnt.
Portugal–Wahl
Erfolg für die Linke
von Matthias Schindler
Bei den portugiesischen Parlamentswahlen vom 6.Oktober 2019 konnte die politische Linke einen deutlichen Erfolg erringen, während die Rechte eine historische Niederlage erlitt.
Parlamentswahlen in Portugal
Sozialdemokraten sahnen ab
von Cristiano Dan
Die Parlamentswahlen am 7.Oktober in Portugal haben den konservativen und rechten Parteien eine deftige Niederlage verpasst. Das «linken Lager» schneidet gut ab, dennoch bleiben gemischte Gefühle.
Wahlen in Polen
Die PiS besetzt immer noch das soziale Feld
von Norbert Kollenda
Erneut hat die Partei PiS von Staatspräsident Jaroslaw Kaczynski die Wahlen gewonnen. Wie ist dies möglich, da er doch die Demokratie abbaut und eine Diktatur vorbereitet?
Großbritannien: Die Labour Party, die Linke und die EU
Ein Rückblick und ein Ausblick
von Gus Fagan
1975: das erste Referendum
Im Oktober 1972 stimmte das britische Unterhaus, angeführt vom konservativen Premierminister Edward Heath, mit 356 zu 244 Stimmen für einen Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG); der Beitritt erfolgte im Januar 1973. Es gab dazu kein Referendum.
‚Operation Ursula‘: Wohin treibt die EU?
von Klaus Dräger
Mit großer Fanfare („Eine Union, die mehr erreichen will“) stellte die künftige Präsidentin der EU-Kommission Ursula von der Leyen ihre politischen Leitlinien „https://ec.europa.eu/commission/interim_de“ und die designierten Kommissionsmitglieder „https://ec.europa.eu/commission/interim/commissioners-designate_de“ vor.
Labour und der Brexit: Kein Vorteil für die Linke
Die Fokussierung auf den Brexit drängt Labour ins Abseits
von Daniel Finn/New Left Review*
Aus sicherer Entfernung kann die Auseinandersetzung um den Brexit als Lehrstück über die Zersetzung bürgerlicher Herrschaft gelesen werden. Und darüber wäre man nicht traurig – käme Labour denn dabei über die Rolle als Retterin bürgerlicher Institutionen hinaus (links von Labour kommt auch nicht viel zustande).
Die Demokratie und ihr «Unterbau»
Der Wiener Strache-Skandal – Ausnahme oder Regel?
von Helmut Dahmer*
«Wenn der Vizi mit Komplizi auf Ibizi wird zum Strizzi…»
Von athenischer, amerikanischer, britischer, französischer, israelischer, auch deutscher (Repräsentativ-)«Demokratie» ist tagaus, tagein die Rede. Dabei werden die verschiedenartigen Voraussetzungen dieser Staatsformen gewohnheitsmäßig beschwiegen oder stillschweigend vorausgesetzt.
Mit von der Leyen zur Rüstungsunion
Die alte Verteidigungsministerin will diese Aufgabe an der EU-Spitze fortsetzen
von Jürgen Wagner
Es sind große Stiefel, in die die frischgebackene EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen hineintreten will. Schließlich war es ihr Vorgänger, Jean-Claude Juncker, unter dessen Ägide (2014–2019) der zuvor relativ brachliegende Ausbau des EU-Militärapparats massiv voranschritt. Allerdings war von der Leyen als deutsche Verteidigungsministerin daran maßgeblich mitbeteiligt, weshalb vieles dafür spricht, dass auch sie versuchen wird, die nun auf dem Zettel stehenden nächsten Militarisierungsvorhaben zügig umzusetzen.
Klimastreik Schweiz präsentiert Charta
Eine Initiative im Vorfeld der Parlamentswahlen am 20.Oktober
dokumentiert
Am 20.August hat der Klimastreik Schweiz eine Charta für die kommenden Wahlen veröffentlicht und eine Webseite eingerichtet, auf der alle Kandidierenden zu den Forderungen der Bewegung Stellung nehmen und mitteilen können, was sie selbst gegen die Klimakrise tun wollen.
Das alles findet nicht nur virtuell statt. Es gibt großformatige Ausdrucke der Charta und Flyer, zum öffentlichen Auftakt der Kampagne ganz analog verteilt werden. Medien sind zu diesem Anlass herzlich eingeladen.
Die Wahlen in Griechenland
Syriza hat nicht bezahlen müssen
von Cristiano Dan*
Erstaunlich an den jüngsten Wahlen in Griechenland ist nicht, dass Syriza verloren hat, sondern wie wenig die Partei verloren hat.
Alle Welt, die radikale Linke eingeschlossen, hat Syriza bei den diesjährigen Europa- und den kurz darauffolgenden Parlamentswahlen in Griechenland im Sinkflug gesehen. Eine genaue Analyse der Wahlergebnisse bestätigt das nicht.
Syrizas Scheitern
Eine Nachbetrachtung
von Angela Klein
Nach den EU- und Parlamentswahlen in Griechenland, die einen Regierungswechsel zur neu erstarkten Nea Dimokratia gebracht haben, war der Katzenjammer unter Linken wieder groß. Mehrere engagierte Autoren haben dies zum Anlass genommen, noch einmal eine Erklärung für den Kniefall Syrizas vor der Troika und die resignierte, wenn auch empörte, Reaktion der Bevölkerung zu versuchen.
Ein Riesenerfolg
Der Frauenstreik in der Schweiz am 14.Juni setzt neue Maßstäbe
Redaktionskollektiv der Bewegung für den Sozialismus, Zürich
Ohne zentrale Führung, aber mit Hunderten von lokalen Initiativen ist der Schweizer Frauenstreik zu einer richtigen Bewegung geworden.
Die Schweiz – ein ökologisches Vorbild?
Das Nachbarland hat die CO2-Steuer schon 2008 eingeführt
von Lothar Moser*
Die deutsche Bundesumweltministerin Svenja Schulze preist ihr Modell eines CO2-Gesetzes mit den Worten: «Es soll praktikabel, wirksam und sozial gerecht sein». Lernen könne man von der Schweiz. Wie aber sieht es dort aus?
Neue Allianzen
Nachbetrachtung zu den Europawahlen
von Miguel Urbán Crespo
Die vielleicht wichtigste Neuerung, die die jüngsten EU-Wahlen gebracht haben, ist das Ende der Zweiparteienherrschaft über das Parlament. Miguel Urbán sieht eine neue Konstellation sich nach vorn schieben.
Zum ersten Mal in der Geschichte des Europaparlaments haben die Europäische Volkspartei (der Konservativen; EVP) und die Progressive Allianz von Sozialisten und Demokraten (S&D) die gemeinsame absolute Mehrheit verfehlt.
EU-Wahl: Niederlage der Linken
Welche Schlussfolgerungen ziehen?
von Jules El-Khatib und Sascha H. Wagner*
Die Europawahlen bedeuten eine Niederlage für die Linke, sowohl in Deutschland, wie auch in anderen europäischen Staaten. In Deutschland ist die Niederlage der Linken, zumindest in der medialen Diskussion, allerdings kaum Thema gewesen, was vor allem an den Einbrüchen der Sozialdemokratie und der Union liegt.
Zum Ausgang der EP-Wahlen 2019
Das Wahlergebnis für DIE LINKE beträgt 5,5 % und ist enttäuschend
von Inge Höger*
Die Wahlbeteiligung ist europaweit angestiegen, DIE LINKE konnte aber davon nicht profitieren. Es ist eine anhaltende Politisierung feststellbar und eine Verschärfung der gesellschaftlichen und politischen Konflikte, was sich in den Ergebnissen wiederspiegelt. Die Erosion der sog. Volksparteien setzte sich bei diesen Wahlen fort. Die im EP tonangebende GroKo von Konservativen und Sozialdemokraten hat keine Mehrheit mehr.
Polnische Presseschau 134, 04.06.2019
Wahlergebnisse der EU – Wahl in Polen: Polityka, 29. 05. 2019
Wahlbeteiligung: 45,68% Mandate PiS 27, KE 22 , Wiosna 3 und es gibt ein Ost – West – Gefälle
Zum Ausgang der EU-Wahlen und den aktuellen Aufgaben der LINKEN
WAHL-MISSERFOLG MIT ANSAGE
von Lucy Redler und Thies Gleiss
1.
Die Antikapitalistische Linke (AKL) in der LINKEN hat nach dem Parteitag zur EU-Wahl im Februar 2019 in Bonn folgenden Wahlausgang für die Mai-Wahl zum EU-Parlament angekündigt
Genug ist genug
Österreichs unheilige Allianz mit den Rechtspopulisten ist Geschichte
von Leo Gabriel
Wird es nach dem Erdbeben, das die gesamte politische Landschaft Österreichs von den Niederungen des Burgenlands bis zu den Hochalpen Vorarlbergs derzeit erfasst hat, auch nachhaltige Konsequenzen geben?
Das ist die Gretchenfrage, die derzeit die österreichische Innenpolitik ebenso beschäftigt wie Beobachter im benachbarten Deutschland, die bei der Aufdeckung des größten Politskandals der Zweiten Republik eine große, um nicht zu sagen kameraführende, Rolle gespielt haben.
LESERBRIEF: Lehrerstreik in Polen ausgesetzt
Betr.: Den Lehrerinnen und Lehrern reicht es, SoZ 5/2019, S.9
von Norbert Kollenda
Im Artikel über den Lehrerstreik in der Mai-Ausgabe ist ein Fehler aufgetreten: Bei den Wahlgeschenken der PiS handelt es sich nicht um solche aus dem Jahr 2015, sondern aus 2019, vor den Europawahlen und auch mit Blick auf die kommenden Parlamentswahlen. Jetzt bekommen nicht die 700.000 Lehrer eine Lohnerhöhung, diese «Linken» wählen ja doch nicht die PiS. Es bekommen die 9 Millionen RentnerInnen seit Anfang Mai eine 13.Rente, schließlich sind sie potenzielle PiS-Wähler. 2015 gab die PiS nach der Regierungsübernahme ab dem 2.Kind 500 Zloty, jetzt gibt es schon ab dem 1.Kind 500 Zloty. Dankbare Eltern werden doch wohl die PiS wählen!?
Über den Schweizer Frauen*streik im Juni
«Unsere Forderungen sind konkret genug, um legal zu streiken»
Interview mit Hannah B.
Ein landesweiter Frauenstreik für die aktive Gleichstellung der Frauen in allen gellschaftlichen Bereichen der Schweiz erregte am 14.Juni 1991 weltweite Aufmerksamkeit. Die Losung hieß: «Frauen Basta, niente Pasta!» Das Beispiel fand 1994 Nachahmung auch in Deutschland. Doch es hat sich in Sachen Gleichstellung nur wenig getan. Die Schweizerinnen beklagen, dass die bürgerlichen Politiker und die Unternehmen verbindliche Maßnahmen zur Umsetzung des Gleichstellungsartikels aktiv verhindern. Deshalb rufen sie zu einem neuen Frauenstreiktag am 14.Juni 2019 auf.
Spanien nach den Parlamentswahlen
Podemos ist schon fast von gestern
Interview mit Josep Maria Antentas
Anlässlich der Konferenz von Historical Materialism in Athen führte Paul B. Kleiser für die SoZ am 4.Mai ein Interview mit JOSEP MARIA ANTENTAS über den Ausgang der Parlamentswahlen, die am 28.April in Spanien stattgefunden hatten. Der Ministerpräsident Pedro Sánchez von der PSOE hatte diese Neuwahlen angesetzt, weil sein Haushaltsentwurf im Parlament keine Mehrheit gefunden hatte, nachdem baskische und katalanische Parteien gegen ihn gestimmt hatten. Antentas ist Hochschullehrer für Soziologie an der Autonomen Universität Barcelona.
Vor den Neuwahlen in Istanbul
Hersey çok güzel olacak mi? – Wird alles gut?
von Serdar Kazak
Als der Oberste Wahlausschuss die Bürgermeisterwahlen von Istanbul annulliert hatte und der neu gewählte Oberbürgermeister Ekrem Imamoglu sein Amt wieder aufgeben musste, ging er aus dem Rathaus und stieg in den Bus. In diesem Augenblick kam ein Junge zu ihm und sagte: «Ekrem, Bruder… Es wird alles sehr gut.» Der 15jährige, der nur den aberkannten Bürgermeister trösten wollte, hat damit dem Kandidaten der oppositionellen CHP einen schlagkräftigen Wahlslogan beschert. «Es wird alles sehr gut.»
Frankreich: Text über und für die Gelbwesten
«Jede Person, die eine Gelbweste verunglimpft, beleidigt meinen Vater»
von Édouard Louis
Dieser im Dezember 2018 verfasste Text des französischen Schriftstellers Édouard Louis erschien mit dessen freundlicher Genehmigung in l’Anticapitaliste, der Monatszeitschrift der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) (Nr.103, Januar 2019). Ebenfalls im Januar ist das neueste Buch von Édouard Louis unter dem Titel Wer hat meinen Vater umgebracht auf Deutsch erschienen (S.Fischer, 80 S., 16 Euro).
Crossing Europe 2019
Zum Filmfestival in Linz
von Kurt Hofmann
Kurz vor den Europawahlen vermochte das Filmfestival Crossing Europe, auch in seiner 16.Ausgabe zu überzeugen. Hier eine Auswahl.
Europawahlen 2019
Rechte und grüne Erfolge
von Angela Klein
Noch nie ist eine Europawahl auf so großes öffentliches Interesse gestoßen wie diesmal, die Wahlbeteiligung lag europaweit bei dem Rekordwert von über 50 Prozent – in Osteuropa, wo sie bislang am niedrigsten lag, hat sie sich zum Teil mehr als verdoppelt.
In Ungarn brodelt es
Streiks und internationale Arbeit der IG Metall*
von Horst Hilse
Wer am Montag, den 6. Mai in Köln den Weg zur örtlichen ISO fand (Webseite: http://intersoz.org/) erlebte einen spannenden Vortrag.
Die Kollegin Marika Varga ist im Rahmen ihrer Arbeit für die Internationale Abteilung der IG Metall ganz nahe an den Ereignissen und beschäftigt sich seit sieben Jahren mit Ungarn.
Polnische Presseschau 133, 18.05.2019
NUR SAG ES NIEMANDEN https://studioopinii.pl/archiwa/192755
Es ist ein sehr bewegender Film über den Missbrauch durch Priester ist im Netz. Die Filmemacher geben den Opfern Raum, um ihr Leid zu schildern. Ganz anders als in schriftlichen Berichten sehen wir hier die Opfer und können auf diese Weise eher ermessen, was für eine Last sie das Leben lang begleitet. Es ist mutig und anerkennenswert von ihnen sich öffentlich mitzuteilen. Am Beginn wird eine Szene eingesprochen, bei der eine missbrauchte Frau vor einer kirchlichen Untersuchungskommission mit der Hand auf die Bibel den Eid nachsprechen muss:
Polnische Presseschau 132 A, 28.04.2019
Lehrerstreik ausgesetzt
Der Vorstand der der Lehrergewerkschaft ZNP haben beschlossen den Streik am Samstag, 27. April auszusetzen. Dazu erklären sie auch, dass sie keine Vereinbarungen unterschreiben werden. In Wahrheit könnte der Streik fortgeführt werden und er würde in die Zeit der Abiturprüfungen fallen, führte der Vorsitzende der Gewerkschaft S. Broniarz weiter aus. Die Regierung hätte in keiner Weise ihre Verantwortung für die Schüler wahrgenommen, sondern die Abiturienten einem gering qualifizierten Personal dem Stress ausgesetzt. Deswegen hätte die Gewerkschaft zusammen mit den Eltern und Schülern beschlossen den Streik auszusetzen. Dadurch soll erreicht werden, dass die Schüler geordnet ihren Abschluss machen können.
«Das Recht ist mit uns»
Mare Jonio setzt Seenotrettung gegen die italienische Regierung durch
von Judith Gleitze*
Der Rettungseinsatz der Mare Jonio, die 50 Menschen nach Lampedusa bringt, ist kein Akt der Humanität, sondern ein Ausdruck der Verteidigung unserer Rechte.
Palermo, 18.4.2019. «Wir segeln auf dem Meer in dem Bewusstsein, dass wir dort sind, wo wir nicht sein wollen, denn es sollte keine Menschen geben, die gezwungen sind, zu Schiffbrüchigen oder zu RetterInnen zu werden.» So wurde am 4.Oktober 2018 die neue Mission «Mediterranea» in Rom vorgestellt.
Europawahl am 26.Mai
Wen wählen?
von Angela Klein und Manuel Kellner
Links von der SPD können Menschen bei der bevorstehenden Europawahl am 26.Mai in Deutschland vier Listen ankreuzen; zufriedenstellend ist keine davon.
Ein Europa für alle?
Die Seebrücke und die Europademonstrationen am 19.Mai
von Christoph Kleine*
Am 26.Mai wird das Europaparlament neu gewählt. Ein weiterer Stimmenzuwachs für die offen rechten, autoritären und rassistischen Parteien wird befürchtet.
Eine Initiative dagegen sind die Großdemonstrationen, die für den 19.Mai in Hamburg, Berlin, Köln, Frankfurt, Leipzig, Stuttgart, München und zeitgleich in weiteren europäischen Städten geplant sind. Ihr Motto: «Ein Europa für alle: Deine Stimme gegen Nationalismus.» Zum Trägerkreis gehört neben Campact, Attac, dem Paritätischen und Pro Asyl auch die Seebrücke, die seit dem vergangenen Sommer mit Hunderten von Aktionen für ein Ende des Sterbens im Mittelmeer und für sichere Fluchtwege eingetreten ist.
Den Lehrerinnen und Lehrern reicht es
Über 70 Prozent in Polen streiken
Gespräch mit Urszula Frey
Die Lehrer sind recht geduldig, das letzte Mal haben sie 1993 gestreikt. Sie sind es gewohnt, dass sie zu den Geringverdienern gehören. 2009 gab es eine Lohnerhöhung, aber die Inflation hat sie längst aufgefressen. Als die PiS im Angesicht der diesjährigen Europa-und Parlamentswahlen Geschenke verteilte, gehörten die 700.000 Lehrer nicht dazu, schließlich zählen sie nicht zu den potenziellen PiS-Wählern. Zu potentiellen PiS Wählern gehören aber die 9 Millionen Rentner, die in diesem Jahr bereits eine 13. Rente ausbezahlt bekommen haben. Nach der Regierungsübernahme 2015 gab es ab dem zweiten Kind außerdem 500 Zloty. Jetzt gibt es auch schon für das erste Kind 500 Zloty.
Urszula Frey unterrichtet seit 21 Jahren an einer Sonderschule und hat dementsprechende Zusatzqualifikationen wie etwa Pädagogik für Kinder mit Autismus, Asperger, Montessori-Pädagogik, u.a. Sie ist Mitglied der Gewerkschaft der Polnischen Lehrer (ZNP). Die ZNP ist die größte Lehrergewerkschaft, sie ist bei den Konservativen als links, ja gar als kommunistisch verschrien, es gibt sie mit kurzen Unterbrechungen (durch Krieg und Kriegsrecht) seit 1905, und sie war auch zu Zeiten der Volksrepublik aktiv. Mit Urszula sprach Norbert Kollenda für die SoZ.
Europawahl 2019
Für eine solidarische Gesellschaft auf die Straße gehen
von ak
Am 19.Mai werden viele wohlmeinende Menschen anlässlich der Europawahlen gegen Nationalismus und Rechtsextremismus auf die Straße gehen. Ein Bündnis aus Attac, Naturfreunden, Pro Asyl, Seebrücke, dem Paritätischen Wohlfahrtsverband u.a. ruft dazu auf, in sieben Großstädten der Bundesrepublik für ein «demokratisches, friedliches und solidarisches Europa» zu demonstrieren und dafür, am 26.Mai wählen zu gehen. Als einzige Gewerkschaftsgliederung hat die Verwaltungsstelle Ludwigshafen-Frankenthal der IG Metall den Aufruf unterschrieben.
Ein etwas anderer Aufruf
Auf der Linken führt die Truppe um La France Insoumise (FI) einen eigenen Wahlkampf
Aufruf zur Europawahl
Parteien auf der Basis des nachstehenden Aufrufs zu wählen, ist in Deutschland am 26.Mai nicht im Angebot – denn es gibt hier keinen Ableger der linken Abspaltung von der Fraktion Vereinigte Europäische Linke/Nordische Grüne Linke (GUE-NGL). Dennoch lohnt es sich, den Aufruf zur Kenntnis zu nehmen – zeigt er doch, wie von links ein aggressiverer Wahlkampf geführt werden könnte.
Zersplitterte Linke?
Europawahl 2019
von Klaus Dräger
Vom 23. bis 26.Mai 2019 finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Wie stellen sich die Parteien links von Sozialdemokratie und Grünen in der EU dafür auf?
Die Partei der Europäischen Linken (EL) war über Jahrzehnte hinweg stets die dominierende Kraft innerhalb der Linksfraktion (GUE/NGL) im Europäischen Parlament (EP). Dass dies so bleibt, ist nicht sicher – die EL ist in strategischen Fragen untereinander zerrissen, oft auch innerhalb ihrer Mitgliedsparteien.
«Die müssen jetzt nicht mehr auf den Strich»
Über das Projekt «Faire Mobilität» und die Personenfreizügigkeit in der EU
Gespräch mit Szabolcs Sepsi
Die Personenfreizügigkeit für EU-Bürger sorgte und sorgt für erheblichen Sprengstoff. Nicht nur die extreme Rechte schürt Konkurrenzhaltungen innerhalb der Klasse der Lohnabhängigen, das Thema war auch einer der Auslöser für die (dünne) Mehrheit der Befürworter eines Brexit in Großbritannien. Aber auch in Gewerkschaften sind solche Positionen nicht fremd. Die SoZ sprach mit Szablocs Sepsi, der für das DGB-Projekt «Faire Mobilität – Arbeitnehmerfreizügigkeit sozial, gerecht und aktiv» arbeitet.
Europa vor der Wahl
Der aufhaltsame Aufstieg der Neuen Rechten
von Ingo Schmidt
Parteien der politischen Mitte, allen voran Frankreichs Staatspräsident Macron, warnen vor einem Aufschwung der Antieuropäer bei den anstehenden Wahlen zum Europaparlament. In dessen Folge fänden sich möglicherweise keine Mehrheiten für dringend notwendige Reformen der EU. Man mag diese Warnungen für berechtigt halten oder nicht, sie sind jedenfalls unredlich, kontraproduktiv und falsch adressiert.
Kommunalwahlen in der Türkei
Machtkampf um Istanbul
von Serdar Kazak
Vor den Kommunalwahlen vom 31.März hatte Erdogan persönlich gesagt: «Wenn wir in Istanbul stolpern, fallen wir in der Türkei um.» Nun ist es soweit.
Laut Angaben der Hohen Wahlkommission hat Ekrem Imamoglu, der Kandidat der oppositionellen CHP, in der Stadt am Bosporus einen Vorsprung von etwa 17000 Stimmen erreicht.
Die sog. offiziellen Wahlergebnisse sind eigentlich genauso erstaunlich wie die Wahlverluste der AKP in Istanbul. Die Hohe Wahlkommission ist theoretisch ein parteiloses, neutrales Amt. Dem ist aber nicht so.
Anderes Europa braucht Bewegung
In der EU für Fortschritte kämpfen
von Catherine Samary, Angela Klein
Seit den traumatischen Erfahrungen in Griechenland diskutiert die radikale Linke in Europa über einen Plan B, ohne einen Konsens zu erreichen. Das Referendum über den Brexit in Großbritannien ist ein bitteres Beispiel dafür. Auch hier ist es der antirassistischen und Anti-EU-Linken nicht gelungen, einen glaubwürdigen Weg zu einer Alternative zur EU aufzuzeigen. Dabei beeinflussen sowohl das Vertragswerk der EU wie auch die europäische Politik der Einzelstaaten das Kräfteverhältnis auf nationaler wie auf internationaler Ebene ganz erheblich.
Ein Zeichen setzen!
Offener Brief an den Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Corinto/El Realejo e.V.
von Helmut Wendler
Werte Vereinsmitglieder,
vor 35 Jahren, im Jahr 1984, wurde in Köln die Nicaragua-Solidaritätsbewegung ins Leben gerufen. Zunächst aus Anlass des Todes unseres Freundes und Wahlkölners Enrique Schmidt Cuadra in Form der Nicaragua-Koordination-Köln, die später im Verein zur Förderung der Städtepartnerschaft Köln-Corinto/El Realejo e.V seine Fortsetzung fand.
Zur Diagonale 2019
Das Filmfestival in Graz
von Kurt Hofmann
Die Diagonale 2019, das Festival des österreichischen Films, war eine Mischung aus vertrauten Programmformen und neuen Ansätzen. Wenig schien in diesem Jahrgang von ungefähr zu sein und vieles durchdacht.
Erst kürzlich haben die Angriffe der schwarz-blauen Rechtskoalition auf den ORF, die öffentlich-rechtliche Rundfunkanstalt, wieder zugenommen.
Polnische Presseschau 132, 05.04.2019
Wird es unser Frühling (WIOSNA) ? Le Monde diplomatique Polska, Februar 2019
Nachdem die Partei Razem trotz staatlicher Zuschüsse fast in der Versenkung verschwunden ist, stellt sich die Frage nach der Zukunftsfähigkeit der Partei Wiosna (Frühling). Ihr Chef Robert Biedron entwickelt sich zu einem linken Führer und dies nicht in Form eines Apparatschiks wie bei der SLD, aber als ein offener, sozial engagierter Aktivist. Zunächst war er Gründer und Leiter der Kampagne gegen Homophobie, später Abgeordneter der Palikot Bewegung und dann populärer Bürgermeister von Slupsk. Für seine Kompromisslosigkeit und Offenheit gewann er schnell Sympathien und war somit in der Öffentlichkeit recht präsent. Ob es reichen wird ähnlich wie seinerzeit die Palikot Bewegung die drittstärkste Kraft zu werden wird sich zeigen, aber möglich ist es. Wiosna zeigt im Vergleich zu Razem eine Offenheit in alle linke und liberalen Bereiche. Sein Programm ist eindeutig gegen die jetzige Regierung gerichtet. Es wäre zu wünschen, dass Wiosna im Herbst ins Parlament einzieht und gemeinsam mit den Liberalen das Ende für die PiS einläutet. Jetzige Umfragen sprechen dafür, aber…es besteht auch die Gefahr, dass die Stimmen nicht reichen werden, dies dann dazu führen könnte, dass die PiS die Mehrheit bekommt. Dann versinkt das Land im braunen Morast.
Polnische Presseschau 131, 02.03.2019
„Bürger Koalition” kontra PiS gazeta wyborcza, 26.01.2019
Im Dezember hat sich die Bürgerplattform aufgelöst und im Januar gab es eine Konvention der Bürgerkoalition. Dazu haben sich neben der neoliberalen Bürgerplattform, von der die Idee ausging, die Bauernpartei PSL, die SLD (Verband der Demoakttischen Linken) die neoliberale Nowoczesna und die Grünen angeschlossen. Ihr Ziel ist es eine Koalition über alle Meinungsverschiedenheiten hinweg zu bilden, die in der Lage sein wird die undemokratische Herrschaft der PiS zu beenden. Zunächst gibt es noch einige Verwirrungen betreffs des Namens. So wollen sie zu den EU Wahlen mit dem Namen „Europäische Koalition“ auftreten.
Zurück auf Los?
Massendemo in London für ein zweites Referendum
von Angela Klein
Puh… Frischluft! Eine Million Menschen forderten in London am 23.März «Put it to the people!», das Volk soll entscheiden – ein zweites Referendum über den Brexit.
Über den liberalen Feminismus hinaus
Trotz Aufschwung der Rechten: Millionen Menschen auf der Straße am 8.März im Spanischen Staat
von Rebeca Martínez*
Zum zweitenmal hintereinander sind in Spanien am 8.März mehrere Millionen Menschen gegen patriarchalische Gewalt auf die Straße gegangen und haben in verschiedenen gesellschaftlichen Bereichen die Arbeit niedergelegt: die Erwerbsarbeit ebenso wie die Sorgearbeit. Das erste Mal war dies im vergangenen Jahr passiert – schon damals erregte diese Mobilisierung weltweit Aufsehen.
Zwischen Glasbruch und Militarisierung
Die Auseinandersetzungen um die Bewegung der Gelbwesten in Frankreich eskalieren
von Bernard Schmid
«Wenn man körperlich gebrechlich ist, wenn man leicht zu Boden stürzen kann, dann begibt man sich nicht in Situationen wie diese, an Orte, wo es verboten ist» kommentierte Emmanuel Macron Anfang der letzten Märzwoche die schweren Verletzungen der 73jährigen Demonstrantin Geneviève Legay. Er wünsche ihr «Genesung, aber auch größere Weisheit». Ihr Anwalt konterte: «Man schüttet nicht Kritik über jemanden auf seine oder ihrem Krankenhausbett aus.»
Die Sprecherin von ATTAC in Nizza erlitt einen Schädelbasisbruch, als sie am 23.März während einer Demonstration zu Boden gestürzt war; ihre Überlebenschancen galten zunächst als kritisch.
Antisemitismus in Frankreich…
…und wie er benutzt wird
von Bernard Schmid
Der Antisemitismus in Frankreich nimmt zu. Seinen vielleicht schlimmsten Ausdruck fand er jüngst in einer Schmiererei, die am 11.Februar entdeckt wurde.
Der Graffitikünstler Christian Guemy, alias «C215», hatte vor einigen Monaten zwei kunstvoll gemalte, kleine Porträts der 2017 verstorbenen Ministerin und Auschwitz-Überlebenden Simone Veil auf zwei Briefkästen an der Außenwand des Bezirksrathauses im 13.Pariser Arrondissement angebracht. Anlass dazu war die Überführung des Sargs von Simone Veil ins Pariser Panthéon am 1.Juli 2018. In der Nacht waren zwei Hakenkreuze über die Porträts gepinselt worden.
Europawahl 2019 – Aufstrebende Rechte, zersplitterte Linke?
von Klaus Dräger
Vom 23. bis 26. Mai 2019 finden die Wahlen zum Europäischen Parlament statt. Die Medien sehen düstere Wolken am europäischen Himmel heraufziehen. Befürchtet wird, dass Rechtspopulisten‘ deutlich stärker als bei der letzten Europawahl 2014 abschneiden und zusammengenommen etwa ein Drittel der Europaabgeordneten stellen könnten – 150 oder mehr von 705 zu vergebenden Mandaten, falls der Brexit wirklich kommt. Italiens Innenminister Matteo Salvini und Chef der hart rechten Lega bemüht sich um eine Zusammenarbeit mit Viktor Orbáns Fidez-Partei in Ungarn und Jaroslaw Kaczynskis PiS in Polen, auch im Hinblick auf ein gemeinsames Vorgehen im Rat der EU.
Lohnerhöhungen in Ungarn
Streik in Györ – Produktionsstopp in Ingolstadt
von Marika Varga*
Ende Januar sorgte ein Streik bei Audi im ungarischen Györ erst für viel Aufsehen und dann für eine satte Lohnerhöhung von 18 Prozent.
Frankreich: Aufruf der Gelbwesten
«Nehmen wir unsere Sache selbst in die Hand»
dokumentiert
Der nachstehende Aufruf wurde auf der ersten landesweiten «Versammlung der Versammlungen» der Gelbwesten am 27.Januar in Commercy vorgeschlagen und verabschiedet. Er wurde den örtlichen Gruppen zur Verabschiedung vorgeschlagen.
Gelbwesten-Versammlung
Bericht von der ersten «Versammlung der Versammlungen» der Gelbwesten
von Louise R.
Am 26. und 27.Januar fand in Commercy (Département Meuse) die Versammlung der Gelbwesten-Versammlungen statt. Über 300 Personen waren anwesend, sie vertraten etwa hundert Delegationen, wovon 75 ein Mandat ihrer örtlichen Gruppe hatten.
Den Klimanotstand ausrufen!
Massive Klimastreiks in der Schweiz
dokumentiert
In einigen Ländern ist die Klimastreikbewegung richtig massiv – neben Deutschland sind das vor allem die Schweiz, Belgien und Großbritannien. In der Schweiz hat sie sogar – wenn auch nur symbolisch – die Politik in die Pflicht genommen.
Am 18.Januar sind in 16 Schweizer Städten mehr als 22000 Schülerinnen und Schüler dem Aufruf von Klimastreik Schweiz gefolgt und auf die Straße gegangen – das war der größte Schülerprotest in der Schweiz seit 16 Jahren, und das, obwohl zahlreiche Schulen mit disziplinarischen Maßnahmen gegen die Streikenden gedroht hatten.
«EU – Ja oder nein» reicht nicht
Ungenügende Fragestellung im Brexit Debakel
von Angela Klein
«Das war die größte Rebellion in der neuzeitlichen britischen Politik, größer als jede Rebellion irgendeiner Partei seit den Corn Laws», kommentierte ein Reporter der BBC die Abstimmung über den Brexit im britischen Unterhaus am 15.Januar. Ein Drittel der Tories und ihr nordirischer Koalitionspartner DUP hatten zusammen mit der Opposition (Labour, Liberale, Sinn Féin, SNP, Independent) mit 432 zu 202 Stimmen gegen den von der Regierung May mit der EU ausgehandelten Brexit-Vertrag gestimmt.
Die Brexit-Frage
EU-Mitgliedschaft: Should I stay or should I go?
von Ingo Schmidt
Eins haben Theresa May und Jeremy Corbyn gemeinsam – beide sitzen Parteien vor, die zutiefst über die Frage der britischen EU-Mitgliedschaft gespalten sind. Sollte es über die Brexit-Frage zu Neuwahlen kommen und Corbyn diese gewinnen, sähe er sich der gleichen Herausforderung gegenüber, die eigenen Anhängerschaft zusammenzuhalten, die Mays Regentschaft von Beginn an belastet hat.
Österreich: Omas gegen Rechts
Omas stehen auf gegen Rassismus und Diskriminierung
Gespräch mit Susanne Scholl*
Was war der Anlass für die Gründung von Omas gegen Rechts. Wie beurteilt ihr die Politik der Kurz-Regierung und die Teilnahme der rechtsextremen FPÖ an der Regierung?
Omas gegen Rechts wurde von Monika Salzer als Reaktion auf die Regierungsbildung durch Sebastian Kurz mit der FPÖ gegründet. Wir sehen in der Regierungsbeteiligung der rechtsaußen stehenden FPÖ eine Gefahr für die Demokratie, den Rechtsstaat und den Sozialstaat.
Die Proteste in Frankreich gehen weiter
Mehr Zulauf in den großen Städten
von Bernard Schmid
Die Protestbewegung der «Gelben Westen» ist allem Anschein nach nicht tot zu bekommen, und lässt sich auch durch Emmanuel Macrons Angebot eines institutionalisierten «Großen nationalen Dialogs» bislang nicht eindämmen.
Elegünk van! – Wir haben genug!
Ungarn – Wut gegen miese Arbeitsbedingungen und andere Missstände wächst
von Marika Varga und Szabolcs Sepsi
Seit dem 8.Dezember 2018 geht eine Protestwelle durch ganz Ungarn. Auslöser war ein Ende November ohne Konsultation der Gewerkschaften ins Parlament eingebrachter Gesetzesvorschlag zur Flexibilisierung der Arbeitszeit. SZABOLCS SEPSI vom DGB-Projekt Faire Mobilität und MARIKA VARGA aus dem Bereich Transnationale Gewerkschaftspolitik bei der IG Metall haben die aktuelle Lage und die Vorgeschichte zusammengefasst.
Katalanische Bewegung gegen Zentralstaat
Linke sollten sich aus authentischen Quellen informieren
von Aina Talle und Ana López
Aina Talle ist Politologin aus Barcelona, Mitglied der CUP, der Partei der Kandidatur der Volkseinheit, die in vielen Kommunalräten und im katalanischen Parlament, der Generalitat vertreten ist. Ana López ist Vertreterin eines Komitees für die Verteidigung der Republik, CDRs, und der CDR-Frauen Brüssel. Aus ihrem Gespräch mit unserer katalanischen Korrespondentin ist der folgende Beitrag entstanden.
Ungerechte Steuern lösen oft Revolutionen aus
Ein historischer Blick auf die Bewegung der gelben Westen
von Eric Toussaint*
Manche Menschen meinen, wenn eine Bewegung sich gegen eine Steuer richtet (ein Instrument, das theoretisch der Umverteilung dienen soll) anstatt für eine Lohnerhöhung zu kämpfen (im weiten Sinne, einschließlich des Soziallohns), ist sie rechts. Die Wirklichkeit sieht anders aus: Viele revolutionäre Bewegungen sind ausgebrochen, weil die Steuerlast als ungerecht empfunden wurde und für die Mehrheit der Bevölkerung untragbar geworden war.
Zum UN-Migrationspakt
«Merkmal der globalisierten Welt»
von Angela Klein
In letzter Minute vor seiner Verabschiedung am 12.Dezember in Marrakesch ist der UN-Migrationspakt von seiten der extremen und der populistischen Rechten unter massiven Beschuss geraten. Sie lehnte den Pakt ab, weil er angeblich die nationale Souveränität einschränke.
Hand in Hand für einen «gerechten Übergang»
Der Internationale Gewerkschaftsbund und die polnische Regierung beim UN-Klimagipfel in Katowice
von Daniel Tanuro
Gleich zu Anfang des UN-Klimagipfels in Katowice (2.–14.12.2018) hat die gastgebende polnische Regierung eine Resolution unterbreitet, die einen «gerechten Übergang» fordert. Darin hat Staatspräsident Andrzej Duda nachdrücklich die Bedeutung des sozialen Konsenses für eine erfolgreiche Umweltpolitik hervorgehoben. An die Adresse des französischen Staatspräsidenten gerichtet nahm er Bezug auf die Demonstrationen der gelben Westen und gab Macron den guten Rat, «die Erklärung für einen gerechten Übergang aufzugreifen, ein Wegweiser für ein gutes Gleichgewicht zwischen einer kohlearmen Wirtschaft, neuen Arbeitsplätzen und Lebensqualität».
Der Zorn der gelben Westen
Zorn trägt nicht mehr nur die Farben der extremen Rechten
von Angela Klein
In alten Religionen war Zorn – Ausdruck einer Entrüstung, die zuweilen auch gewalttätig werden kann – das Privileg von Göttern und Helden: Zeus, Achilles, auch Wotan oder Jahwe. Gemeinsterblichen war er (mit Ausnahme der Patriarchen) verboten – eine frühe Form, das Gewaltmonopol der Herrschenden durchzusetzen. Viele Völker haben sich in der Geschichte über dieses göttliche Gebot hinweggesetzt und mit ihrem Zorn Staaten und Reiche erschüttert.
Politische Entwicklung in Österreich
Rechter Umbau der Gesellschaft
von Christian Zeller
In nur einem Jahr hat die ÖVP-FPÖ-Regierung Österreich verändert. Ihr zentrales Ziel besteht darin, für die großen Konzerne und deren Zulieferer die Profitbedingungen zu verbessern. Sie treibt die Umgestaltung der Gesellschaft auf mehreren Achsen voran. Hier seien drei aktuelle Auseinandersetzungen hervorgehoben.
Polen: Vertuschter Kindesmissbrauch
In die polnische Öffentlichkeit ist Bewegung gekommen
von Norbert Kollenda
Am 2.Oktober hat das Berufungsgericht in Poznan ein Urteil der ersten Instanz bestätigt. Danach bekommt Frau Katarzyna, die mit zwölf Jahren von einem Priester des Ordens Gesellschaft Christi gefangen gehalten und vergewaltigt wurde, eine Million Zloty (230000 Euro) Schmerzensgeld und eine monatliche Rente von 800 Zloty (186 Euro) von dem Orden. Der Richter begründete die Strafe damit, der Orden sei als Arbeitgeber nach polnischem Recht verantwortlich, weil Roman R. sie als Religionslehrer kennenlernte, seine Position als Priester ausnutzte und in die Pfarrei einlud – seine Dienststelle. Nur diese seine Stellung ermöglichte das Verbrechen.
Frankreich: Eine heterogene Bewegung
Der Auftritt der gelben Westen in sechs Akten
von Bernard Schmid
Nicht die allerbeste, wohl aber die amüsanteste Erklärung für den Ausbruch und den Fortgang der Proteste, die in Frankreich in den letzten vier Wochen in den gelben Warnwesten ein Symbol fanden, fand der Fraktionsvorsitzende der Regierungspartei La République en marche (LREM) in der Pariser Nationalversammlung. Gilles Le Gendre gab am 17.Dezember 2018 in der Wirtschaftszeitung Les Echos folgende Selbstkritik aus Sicht des Regierungslagers zum besten: «Wir waren zu intelligent. Zu subtil, zu technisch bei unseren Maßnahmen zur Kaufkraft.» Ferner habe man «nicht genug erklärt». Es ist ja hinlänglich bekannt, dass die Bevölkerung zu dumm ist, Wohltaten ohne gute Erklärung zu verstehen, die Fehltritte der Regierung mithin in der (mangelnden) «Pädagogik» zu suchen seien.
Kommunalwahlen in Polen
Gelbe Karte für regierende PiS
von Norbert Kollenda
Die Kommunalwahlen, die in zwei Wahlgängen am 21.10. und 4.11. durchgeführt wurden, hatten Bedeutung als Stimmungsbarometer für die Regierenden und könnten Tendenzen für die kommenden Wahlen aufzeigen: die EU-Wahlen 2019 und die Wahlen zum Sejm 2020. Auf der Zielgeraden hat die PiS geradezu panisch reagiert und sich mit rassistischen und fremdenfeindlich Spots überboten.
«Alles was Recht ist» ist «Jetzt erst recht»
In Österreich wurde das Frauenvolksbegehren 2.0 erfolgreich abgeschlossen
von Ute Abraham
Anfang Oktober konnten Österreichs Bewohner mit ihrer Unterschrift das Frauenvolksbegehren 2.0 unterstützen. Fast eine Million unterschrieben. Die Initiatorinnen knüpften mit dieser Initiative an ein ähnliches Volksbegehren aus dem Jahr 1997 an, das damals zu den zehn erfolgreichsten in Österreich zählte und von fast 650000 Menschen unterstützt wurde,
«Alles was Recht ist»: Unter dem Motto gründete 1997 das UnabhängigeFrauenForum (UFF) eine überparteiliche Plattform, es war eine Reaktion auf die damals beschlossenen Sparpakete der Koalitionsregierung.
Zur aktuellen Situation in Österreich
12 Stunden am Tag, 60 Stunden die Woche – so geht Flexibilisierung
von Michael Sankari
Vor einigen Jahren noch hätten wir uns in Deutschland mit so grundsätzlichen Angriffen auf die Lebensbedingungen in unserem sprachlich so nahen Nachbarland Österreich beschäftigt. Zu groß wäre die Befürchtung gewesen, dass dies Teil einer größeren Entwicklung ist, die über kurz oder lang auch uns treffen kann.
Frankreich: Mélenchon sattelt um
Kurswechsel bei France Insoumise vor den Europawahlen
von Pauline Graulle*
Sarah Wagenknechts Sammlungsbewegung, die am 4.9. aus der Taufe gehoben wurde, ist Teil eines großflächigeren Versuchs, die Linke in Europa neu aufzustellen – jenseits der Europäischen Linkspartei und mit einem deutlich populistischen und linksnationalistischen Profil. Stichwortgeber dafür war bislang die Bewegung von Jean-Luc Mélenchon in Frankreich, La France Insoumise (Das unbeugsame Frankreich). Sie machte u.a. durch ausgesprochen deutschfeindliche und europafeindliche Äußerungen von sich reden, durch die Festlegung auf einen Austritt aus der EU und, ähnlich wie das bei der Sammlungsbewegung in Deutschland der Fall ist, durch zweideutige Äußerungen zur Migration, die eine gewisse Nähe zum rechten Lager aufwiesen. Das scheint sich nun zu ändern, Ende August hat Mélenchon einen Kurswechsel angekündigt.
Erdogan vs. Trump
Die Krise der türkisch-amerikanischen Beziehungen
von Cemal Bilgin
In den Beziehungen zwischen der Türkei und den USA, beides Mitglieder der NATO, gibt es seit einigen Wochen eine tiefe Krise. Sie hat verschiedene, nicht nur konjunkturelle Ursachen.
Türkei: Der Weg in die Wirtschaftskrise
Wachstum auf Talfahrt
von Cemal Bilgin
Seit der Gründung der Republik bis in die 80er Jahre hat die Türkei eine wirtschaftliche Entwicklung befördert, die auf Importsubstitution setzte (importierte Waren wurden durch Eigenprodukte ersetzt). Einheimische Hersteller wurden mit protektionistischen Maßnahmen und verschiedenen Anreizen gefördert, bis sie in der Lage waren, die benötigte Ware im Inland herzustellen.
Die Kafka-Konferenz 1963
Der politische Auslöser des Prager Frühlings
Auszug aus einem Interview mit Eduard Goldstücker*
Vor 50 Jahren wurde dem Versuch, die politischen Verhältnisse in einem sich sozialistisch nennenden Staat zu demokratisieren und eine Arbeiterselbstverwaltung einzuführen, durch den Einmarsch sowjetischer Truppen ein jähes Ende gesetzt. In den Massenmedien konzentriert sich die Erinnerung an den Prager Frühling auf den Kampf zwischen den Kräften des Alten Regimes und den «Reformern».
Die Wirtschaftsreformen in der Tschechoslowakei
Technokratische und demokratische Bestrebungen in den 60ern
dokumentiert
Anfang der 60er Jahre geriet die tschechoslowakische Wirtschaft in eine Rezession, das Bruttoinlandsprodukt sank stärker als in anderen europäischen Ländern. Die Probleme, die mit der Übernahme des sowjetischen Modells der Planwirtschaft verbunden waren, machten sich verstärkt bemerkbar.
Ihr Hauptfehler lag darin, dass die Planvorgaben willkürlich von einer wenig informierten zentralen Planungsbürokratie vorgegeben wurden, die mit den realen Vorgängen in den Betrieben wenig zu tun hatten.
Gleiche Rechte für alle, überall
Wir alle können dazu beitragen Fluchtursachen zu bekämpfen
von Angela Klein
So hätten sie’s gern: Als Schutzsuchender sollst du dich von deutschen Grenzen fernhalten, und kommst du doch aus Versehen hierher, wirst du mit allen Mitteln vom ersten Arbeitsmarkt ferngehalten, nicht mal ein Seiteneinstieg soll dir möglich sein, auch dann wenn Arbeitskräfte gesucht werden und du vielleicht die passende Qualifikation hättest. Da könnten ja Ungebetene durchs Rost schlüpfen.
Europaweiter Aktionstag bei Ryanair
Arbeitskampf für bessere Arbeitsbedingungen
von Violetta Bock
Am 10.8.2018 waren Piloten von Ryanair in fünf europäischen Ländern zum Streik aufgerufen. In Deutschland, Schweden, Irland, Belgien und den Niederlanden legten sie die Arbeit nieder. Dies war in der Geschichte der größten Billig-Airline Europas der bislang größte Pilotenstreik. Bereits zwei Wochen zuvor hatten Streiks in Portugal, Spanien und Belgien stattgefunden.
Frauenstreik in der Schweiz
Am 14.Juni 2019
von Lisi Kalera
In der ach so ruhigen und selbstzufriedenen Schweiz erregte am 14.Juni 1991 ein landesweiter Frauenstreik für die aktive Gleichstellung der Frauen in allen gesellschaftlichen Bereichen weltweite Aufmerksamkeit. Die Losung hieß: «Frauen Basta, niente Pasta!» Das Beispiel fand Nachahmung auch in Deutschland. Doch es hat sich in Sachen Gleichstellung nur wenig getan. Die Schweizerinnen beklagen, dass die bürgerlichen Politiker und die Unternehmen verbindliche Maßnahmen zur Umsetzung des Gleichstellungsartikels aktiv verhindern. Deshalb rufen sie zu einem neuen Frauenstreiktag am 14.Juni 2019 auf.
Auch in Polen entsteht eine Klimabewegung
Nahe Konin* fand Mitte Juli das erste Klimacamp des Landes statt
dokumentiert
Polen, Tschechien, Niederlande – die Bewegung gegen den Abbau fossiler Energien, insbesondere gegen die besonders klimaschädliche Braunkohle und das Fracking, breitet sich europaweit aus. Nach dem Beispiel und den spektakulären Aktionen von Ende Gelände werden an entsprechenden Standorten Klimacamps, Blockadeaktionen und Demonstrationen organisiert.
«Die Grenzen sind wir!»
Proteste gegen Braunkohleabbau in Tschechien
dokumentiert
Vom 27.Juni bis 1.Juli fanden Aktionen gegen den Braunkohletageabbau auch in Nordböhmen statt.
Zusammen mit 500 Menschen aus ganz Europa nahmen Aktive von «Ende Gelände» an einer Aktion zivilen Ungehorsams im nordböhmischen Braunkohlerevier teil.
Europas Schande
Im Sommer 2018 ist die EU in der Europäisierung ihrer Abschottungspolitik einen Schritt vorangekommen
von Angela Klein
Nach viertägiger Irrfahrt auf dem Mittelmeer konnte das Rettungsschiff Aquarius mit 141 Flüchtlingen an Bord Mitte August endlich den Hafen von Malta anfahren, nachdem ihm dies zuvor verweigert worden war.
Eine Bilanz der Sozialproteste in Frankreich
Die erste Runde ging an Macron – und die weiteren?
von Bernard Schmid
Zu Hunderttausenden gingen die Menschen auf die Straße. Der Anteil der jungen Generationen daran war hoch, auch der Migrantenanteil schien beträchtlich. Anweisungen der Sicherheitskräfte wurden des öfteren ignoriert. Es kam zu Ausschreitungen, bei denen im Land insgesamt 292 Menschen festgenommen wurden. In den Pariser Banlieues war der Verkehr auf den Bus- sowie Straßenbahnlinien am Spätnachmittag eingestellt worden, sodass viele Einwohner in ihrer Mobilität eingeschränkt waren.
JEFTA ist schlimmer als CETA
Der Freihandelsvertrag mit Japan wurde im Geheimen ausgearbeitet, die nationalen Parlamente sollen nichts zu sagen haben
von Paul B. Kleiser
Am 17.Juli 2018 wurde JEFTA (Japan-EU Free Trade Agreement), der Freihandelsvertrag zwischen der EU und Japan, in Tokyo im Beisein von Ministerpräsident Abe für Japan, von EU-Kommissionspräsident Jean-Claude Juncker und dem Präsidenten des Europäischen Rats, Donald Tusk, unterzeichnet. Er beinhaltet auch ein weitreichendes «Investitionsschutzabkommen».
Griechenland weiter im Schuldturm
Deutschland schreibt schwarze Null auch auf griechische Kosten
dokumentiert*
«Griechenland kehrt in die finanzielle Unabhängigkeit zurück», kommentierten Anfang Juli deutsche Medien das Auslaufen des dritten «Rettungs»programms für Griechenland im August dieses Jahres. Nichts könnte falscher sein.
Italien und die Seenotrettung
Wo Menschenleben nichts mehr zählen
von Judith Gleitze
Am 4. März 2018 wurde in Italien gewählt. Anfang Juni schließlich stand nach langen Grabenkämpfen die italienische Regierung: aus rechtsgerichteter Lega und dem Movimento 5 Stelle, der 5-Sterne-Bewegung. Damit hat Italien nun eine Regierung, die sich in den europäischen rechtsgerichteten Reigen einfügt. Lega-Innenminister Matteo Salvini hat ganz offensichtlich das Zepter in der Hand. Von der Regierung hört man wenig im Land des sozialen Missstandes und der massiven Arbeitslosigkeit, Thema ist einzig die Bekämpfung der Migration. Hinter diesem Deckmantel, getragen auch vom Movimento 5 Stelle, die den für die Koordination der Ankünfte wichtigen Transportminister, Danilo Toninelli, stellen, können somit die eigentlichen Probleme des Staates sehr gut verdeckt werden.
Griechenland weiter im Schuldturm
Deutschland schreibt schwarze Null auch auf griechische Kosten
„Griechenland kehrt in die finanzielle Unabhängigkeit zurück“, kommentierten Anfang Juli deutsche Medien das Auslaufen des 3.“Rettungs“programms für Griechenland im August dieses Jahres. Nichts könnte falscher sein.
Die Vereinbarung vom 22.Juni signalisiert privaten Investmentfonds, dass sie wieder griechische Wertpapier kaufen können, weil dafür öffentliche Garantien gegeben werden. Griechenland kann sich also am Kapitalmarkt wieder refinanzieren. Von finanzieller Unabhängigkeit ist das Land jedoch weiter entfernt denn je. Auch das Ende der Hilfsprogramme ist eine Lüge, das Land steht weiter unter Kuratel und muss immer noch mehr soziale Einschnitte hinnehmen.
Italien: Neue Rechtsregierung vor alten Zerreißproben
von Ingo Schmidt
Der Sündenbock ist diesmal schon vor der Krise da. Zehn Jahre nach der Großen Rezession und acht Jahre nach der Eurokrise sehen Konjunkturforscher Vorboten eines Abschwungs am Horizont. Geldpolitiker sorgen sich, dass schon leichte Zinserhöhungen in den USA und das Auslaufen der Anleihekäufe durch die EZB einen Börsenkrach auslösen könnten. Unter Diplomaten und Exporteuren geht die Angst vor einem dauerhaften Schwenk der USA von Freihandel zu Protektionismus um. Dabei ist ausgemachte Sache: Schuld sind die Italiener. Wenn man sie gewähren lässt.
Warum die Konservativen in Spanien verloren haben
Die dreifache Krise des spanischen Staates
von Brais Fernández
Mariano Rajoy, der konservative Präsident des spanischen Staates, musste am 1.?Juni infolge eines Misstauensvotums zurücktreten, das von der Sozialistischen Partei (PSOE) angestrengt und von der nationalistischen baskischen Partei PNV, von Podemos und von der Europäisch-demokratischen Partei Kataloniens (PdeCat), unterstützt worden war. Unmittelbarer Anlass für den Erfolg des Misstrauensvotums war ein Urteil des Nationalen Strafgerichtshofs, das die regierende Volkspartei (PP) für schuldig befunden hatte, Nutznießerin des korrupten Netzwerks «Operation Gürtel» zu sein, das jahrzehntelang systematisch illegale Spenden organisiert hat.
Abtreibungsverbot in Irland mit großer Mehrheit aufgehoben
Ein Sieg der feministischen Bewegung
von Ute Abraham
Am 25.?Mai stimmte eine Mehrheit der Irinnen und Iren für eine Lockerung des Abtreibungsverbots, 66,4 Prozent sprachen sich dafür aus, den 8.?Zusatzartikel aus der Verfassung zu streichen. Von 40 Wahlkreisen überwogen lediglich in einem die Nein-Stimmen. Entsprechend groß war der Jubel und die Erleichterung.
Der Bauer kann zusehen …
Zur Agrarpolitik der EU
von Hanno von Raußendorf*
Seit den Römischen Verträgen von 1957 betreibt Europa eine gemeinsame Agrarpolitik (GAP). Überaus erfolgreich war sie in Hinblick auf das dort formulierte Ziel der „Versorgungssicherung mit Lebensmitteln zu angemessenen Preisen durch Produktivitätssteigerung“. Ernährte ein Landwirt zur Zeit der römischen Verträge noch um die zehn Personen, so sind es heute in etwa 140. Nicht so gut funktioniert hat die „Steigerung des pro Kopf Einkommens, um den in der Landwirtschaft beschäftigten eine angemessene Lebenshaltung zu gewährleisten“. Das mittlere Einkommen je Landwirt in Deutschland liegt um etwa 9 Prozent unter einem gewerblichen Vergleichslohn.
Krieg mit anderen Mitteln
In Sachen Kündigung des Iran-Abkommens knickt die EU vor den US-Sanktionen ein
von David Stein
Am 8.Mai hat US-Präsident Trump das «Wiener Abkommen» (Joint Comprehensive Plan of Action – JCPOA), mit dem die Iran-Sanktionen gelockert wurden, aufgekündigt, obwohl sich der Iran an die nukleartechnischen Auflagen des Abkommens gehalten hat. Die Repräsentanten der EU-Staaten protestierten mit harschen Worten gegen die Aufkündigung. Sie wollen am Abkommen festhalten. Kommissionspräsident Juncker will eine EU-Verordnung (sog. blocking statute) erlassen, die es europäischen Firmen verbieten würde, sich an die US-Sanktionen zu halten. Das mediale Getöse klingt allerdings eher wie das Pfeifen im Walde.
In Groningen bebt die Erde
Gegen Gas und für Klimagerechtigkeit in den Niederlanden
von Johanna Frei*
Im August werden Hunderte internationale Aktivistinnen und Aktivisten in der niederländischen Provinz Groningen zu einem Protestcamp erwartet. Der Grund: In Groningen bebt immer wieder die Erde.
Das letzte große Beben ereignete sich im Januar 2018 mit einer Stärke von 3,4 auf der Richterskala. Die Beben werden durch die seit 1963 betriebene massive Erdgasförderung in der Region verursacht.
Proteste in Frankreich
Politische Vereinnahmungsversuche
von Bernard Schmid
Zweimal gab es im Mai in Frankreich recht starke soziale Protestmobilisierungen parallel zum Streik der Bahnbeschäftigten. Dieser hatte seinen Höhepunkt am 14.Mai, ist aber in der letzten Maiwoche recht weitgehend abgebröckelt. Am Samstag, dem 5.Mai, demonstrierten in Paris rund 70000 unter dem Motto «Eine Party für Macron» (Macron kann was erleben) in Paris. Diese Mobilisierung hatte landesweite Bedeutung.
Keine EUphorie
Die Reformvorschläge des französischen Präsidenten Macron
von Ingo Schmidt
America-First im Weißen Haus, eine aufstrebende Supermacht im Fernen Osten und andauernde Kriege von Libyen bis Afghanistan. In diesen außenpolitisch unsicheren Zeiten suchen die europäischen Eliten den Schulterschluss. Der französische Präsident Macron ist ihr Stichwortgeber.
An der Sorbonne stellte Macron seine Ideen zur Wiederbelebung des europäischen Einigungsprozesses im vergangenen September der europäischen Öffentlichkeit vor.
Der eigenständige Weg zum Sozialismus
Das Schisma zwischen Stalin und Tito
von Paul B. Kleiser
Am 28.Juni 1948 wurde die jugoslawische KP aus dem Kominform ausgeschlossen.
Katalonien von unten
Die Komitees zur Verteidigung der Republik übernehmen die Aufgaben der verfolgten Parteien
von Raúl Zibechi
Ich hatte das große Glück, am dritten Jahrestag der NGO Entrepueblos Anfang Mai in Barcelona teilzunehmen und Weggefährten wiederzutreffen, mit denen ich im Exil gekämpft habe. Ich habe fast meine gesamte Zeit dem Kennenlernen der Welt der Unabhängigkeitsverfechter von unten gewidmet, die antikapitalistischer und antipatriarchalischer sind, als ich geahnt hatte.
Es gab Zusammenkünfte mit Vertretern der CDR (Comitès de Defensa de la República – Komitees zur Verteidigung der Republik), der CUP (Candidatura d’Unitat Popular – Kandidatur der Volkseinheit), örtlicher Gruppen, mit Medien, Bewegungen und sozialen Zentren. Es waren nicht die Sprecher/Vorsitzenden, mit denen ich sprach, sondern Aktive der Basis; und dies ist, was ich wahrgenommen habe.
Poulantzas Revisited
Staat, Klassen und sozialistischer Übergang
Interview mit Panagiotis Sotiris
Panagiotis Sotiris ist politisch aktiv in der griechischen Partei Volkseinheit und Mitglied der Gruppe ARAN (Linke Neuzusammensetzung). Er hat Sozialphilosphie und Politische Philosophie an verschiedenen Hochschulen in Griechenland gelehrt. Seine Forschungsinteressen gelten der Marxistischen Philosophie, dem Werk von Louis Althusser und den sozialen und politischen Bewegungen Griechenlands.
Thomas Goes arbeitet als Soziologe in Göttingen.
Sozialproteste in Frankreich
Analysen und Updates zu den Streiks
von Bernard Schmid
Artikelreihe für Labournet.de, mit regelmäßiger Aktualisierung. Die jüngsten Artikel finden sich immer ganz oben.
Soziale Proteste in Frankreich
Ein Fest für Macron?
von Bernard Schmid
Die Kombination könnte einem bekannt vorkommen: Ähnlich wie im Spätherbst 1986 oder im November und Dezember 1995 findet in Frankreich gleichzeitig ein Streik der Bahnbeschäftigten und ein Protest der Studierenden statt. Ob diese sozialen Bewegungen allerdings eine vergleichbare Dynamik entfalten können wie damals, muss vorläufig dahin gestellt bleiben.
Ungebremste Ausbeutung
Zur Lage der Fahrarbeiter (Lkw-Fahrer) in der EU
von Manfred Dietenberger
Der Beruf des Fernfahrers hat viel von seiner Romantik eingebüßt, Dauerstress ist angesagt.
Die Lkw-Fahrer bereisen zwar ganz Europa, sehen tun sie aber nichts davon. Ein Narr, der dem Sprichwort glaubt, dass Reisen bildet. Für die «Kapitäne der Landstraße» gibt es keine Möglichkeiten, ihre Route zu verlassen, Umwege zu fahren oder Pausen da einzulegen, wo es wert wäre kurz anzuhalten und sich umzusehen. Die Fahrstrecken sind im voraus strikt durchgerechnet, ebenso die Be- und Entladezeiten.
Images en lutte
Bilder einer Ausstellung zu 1968
von Bernard Schmid
Die Kunsthochschule Ecole des Beaux Arts in der Pariser Rue Bonaparte wurde zweimal von der Polizei geräumt: einmal im Frühsommer 1968, nach mehrwöchiger Besetzung durch Kunststudierende, Lehrpersonal und andere Rebellierende des Pariser Mai, um vier Uhr morgens. Das andere Mal im Februar 1974, nachdem dort fast drei Jahre lang allwöchentlich Vollversammlungen der im Gefolge des 68er Aufbruchs aufkeimenden feministischen sowie Homosexuellen-Bewegung stattgefunden hatten. Die Regierung unter Präsident Georges Pompidou glaubte, dadurch dem Emanzipationsspuk ein Ende setzen zu können.
«Ohne die CGT hätte 68 in Frankreich nicht dieselbe Bedeutung erlangt»
Erforschung neuer Quellen über die 68er Bewegung in Frankreich
Gespräch mit Ludivine Bantigny
50 Jahre nach 1968 ist Archivmaterial zugänglich, zu dem es vorher keinen Zugang gab. Neuere Forschungen ergeben deshalb stellenweise einen sehr anderen Blick als den, die die Akteure von damals bislang transportierten. Ludivine Bantigny ist Historikerin an der Universität Rouen in Frankreich. Sie hat in den Archiven über die 68er Bewegung geforscht und vor kurzem ein Buch darüber auf französisch veröffentlicht.*
Getrennt marschieren
Die 68er Bewegung in Italien hat die Dominanz der PCI nicht brechen können
von Diego Giachetti
Die Gesellschaftskrise, die in Italien 1968 offenbar wurde, war Teil eines umfassenderen, gleichzeitigen Prozesses, der die industrialisierten Gesellschaften des Westens, aber auch einige Länder des Ostblocks wie Polen und die CSSR erfasste. Der außerparlamentarische Protest der Jugend traf auf ein neues Selbstbewusstsein der einfachen Arbeiter in den gewerkschaftlichen und betrieblichen Kämpfen, auf eine neue Nachfrage nach öffentlichen Dienstleistungen in den Städten, auf die Einforderung neuer Bürgerrechte.
1968 in Polen
Studentenunruhen und antisemitische Kampagnen
von Stefan Bekier für Le Monde Diplomatique/Polska
Im März 1968 kam es auch in Polen zu bedeutenden Studentenunruhen. Die Studierenden forderten vor allem mehr Meinungsfreiheit. Der polnische Staat machte Juden als Strippenzieher dafür verantwortlich. Nach unterschiedlichen Quellen wanderten deshalb 13000–20000 Polen jüdischer Abstammung mit ihren Partnern aus Polen aus. Auf ihre polnische Staatsangehörigkeit mussten sie verzichten. Sie bekamen sog Reisepapiere, die nur für eine Ausreise galten.
«Jetzt haben wir eine Trendwende»
Interview mit Ricardo Robles, Ratsmitglied des Linksblocks in Lissabon
dokumentiert
Im portugiesischen Parlament steht der Bloco da Esquerda (BE – Linksblock) seit den nationalen Parlamentswahlen von 2015 zusammen mit der Portugiesischen Kommmunistischen Partei (PCP) in einer Kooperation mit der PS (Sozialdemokraten).
Was alles möglich ist
Die Perspektiven der zweiten schwarz-blauen Regierung in Österreich
von Kurt Hofmann und Monika Mokre
Es mag ein Zufall sein, aber Zufälle gibt es bekanntermaßen nicht, dass am 15.Dezember 2017, als Sebastian Kurz und Heinz-Christian Strache nach kurzen, aber herzlichen Verhandlungen ihre Einigung zur Bildung einer Koalition verkündeten, jenen die Schlagzeile in den österreichischen Medien von einer anderen Meldung gestohlen wurde:
Zum drohenden Handelskrieg
Weder Freihandel noch Protektionismus
von Manuel Kellner und Angela Klein
Die Ankündigung von Donald Trump, die Einfuhr von Stahl und Aluminium in die USA mit Schutzzöllen zu belegen, hat eine Reihe von Reaktionen ausgelöst, die einen globalen Handelskrieg befürchten lassen. Die EU, China, Kanada und weitere Konkurrenten haben prompt mit Gegenmaßnahmen gedroht.
Parlamentswahlen in Italien
Ohrfeige fürs Establishment
von Angela Klein
Berlusconi kommt nicht wieder und Renzi hat seine Demokratische Partei (PD) vor die Wand gefahren. Zum zweiten Mal seit Anfang der 90er Jahre sind bei den Parlamentswahlen am 4.März die Parteien, die dem Establishment nahestehen, mit Pauken und Trompeten untergegangen.
Griechischer Nationalismus
Die Mazedonienfrage als Spielball der Großmächte
von der Redaktion
Anfang Februar fanden in Athen und anderen griechischen Städten Massendemonstrationen statt, auf denen der Anspruch Griechenlands auf die frühere jugoslawische Republik Mazedonien bekräftigt wurde.
Ein schwieriges Erbe
Antisemitismus in Polen
von Stanislaw Obirek
Seit dem 29.Januar 2018 verstummt nicht die Kritik an der Novellierung des Gesetzes zum «Nationalen Gedenken» und der «Verfolgung von Verbrechen gegen das polnische Volk».
Neuer Premierminister und die Sozialpolitik in Polen
Der Wechsel im Amt des Ministerpräsidenten in Polen hat im Ausland zu einem positiven Echo geführt
von Ewa Groszewska*
Auf recht unfeine Art wurde Beata Szydlo durch einen erfahrenen Banker ersetzt, Mateusz Morawiecki, von 2007 bis 2015 Präses des Bank Zachodni WBK. Auf der Linken dachten einige, der neue Premier sei ein polnischer Macron. Die einen waren froh, denn sie hofften, Morawiecki werde ein Pro-Europäer sein, andere wiederum meinten, ein Banker werden den Menschen nicht mehr etwas vormachen über die angeblich fortschrittliche Sozialpolitik der PiS und werde den bekannten Weg der Eliten in den Neoliberalismus einschlagen.
Italiens extreme Rechte auf dem Sprung ins Parlament?
CasaPound: Von einer sozialen Bewegung zur politischen Partei
von der Redaktion
Bei den Parlamentswahlen am 4.März könnte die faschistische Rechte ins italienische Parlament einziehen.
Die Formierung einer offen faschistischen Rechten macht in Italien beängstigende Fortschritte. Kristallisationspunkt solcher Formierung ist die Bewegungspartei CasaPound.
Moshé Machover – Rausschmiss aus Labour Party unter dem Vorwurf des Antisemitismus?
«Der Vorwurf des Antisemitismus ist eine Waffe im Kampf der Labour-Rechten gegen die Parteilinke»
Gespräch mit Moshé Machover
Moshé Machover ist Mathematiker, Philosoph und Aktivist aus Israel/Palästina/Großbritannien. Er war eingeladen zur Konferenz «Zur Zeit der Verleumder», die am 10.Februar in Berlin stattfand. Machover konnte dazu jedoch nur per Skype beitragen. Anliegen der Konferenz war es gewesen, sich einmal mehr darüber zu verständigen, inwiefern Antizionismus nicht Antisemitismus ist. Sophia Deeg führte das Gespräch mit Moshé Machover deshalb in einem Telefonat mit London.
Vor den Wahlen in Italien am 4.März
«Potere al Popolo» – Neue linke Perspektiven
Gespräch mit Viola Corafalo
«Potere al Popolo» (PaP – Die Macht dem Volk) heißt die frisch aus der Taufe gehobene politische Alternative auf der radikalen Linken in Italien, sie wird mehrheitlich von jungen Leuten getragen. Das schafft neue Perspektiven für die seit 15 Jahren schwer gebeutelte radikale Linke, unabhängig von ihrem Abschneiden bei den Parlamentswahlen am 4.?März. Die Genfer Zeitung SolidaritéS sprach mit Viola Carofalo, der Sprecherin von PaP.*
Eine wundersame Freundschaft
Erdogan baut ein Terrorregime auf, aber das kümmert die Bundesregierung nicht
von Hasan Bozkaya
Anfang Januar berichteten die Medien über eine Annäherung und verbesserte Kooperation zwischen Deutschland und Türkei, nach einer langen Phase der gegenseitigen Beschimpfungen, Beleidigungen und Mahnungen.
Der türkische Außenminister und der geschäftsführende deutsche Außenminister kündigten gemeinsam an, dass die beiden Staaten ihre Beziehungen verbessern und ein neues Kapitel ihrer Freundschaft aufschlagen wollen.
Die neue Regierung in Österreich
Mehr nach rechts oder mehr nach links? Die SPÖ ist gespalten
Gespräch mit Leo Gabriel
Fast 20 Jahre nach der ersten schwarz-blauen Regierung in Österreich wiederholt sich die Konstellation, diesmal mit einer klaren rassistischen und sozialrassistischen Schlagseite. Über deren Politik und Kräfte des Widerstands sprach die SoZ mit Leo Gabriel.
Die Neue Seidenstraße
China baut sich ein Weltreich
von Oscar René Vargas*
«Ein Gürtel, eine Straße» heißt das chinesische Projekt für den Ausbau eines weltumspannenden globalen Handels offiziell, inoffiziell wird die 900-Milliarden-Dollar-Initiative der chinesischen Regierung die Neue Seidenstraße genannt – das größte Projekt seit dem Marshall-Plan der US-Regierung nach dem Zweiten Weltkrieg.
Trotz allem, Geschäfte sind wichtiger
Zum Treffen der Außenminister der Türkei und Deutschlands
von Serdar Kazak
Wie wir Presseberichten entnehmen konnten, traf Bundesaußenminister Gabriel seinen türkischen Amtskollegen Çavusoglu in seiner Heimatstadt Goslar. Es war ein Gegenbesuch des türkischen Ministers, das erste «informelle» Treffen «zwischen den Freunden» hatte schon im November im türkischen Urlaubsort Antalya stattgefunden.
Leserbrief: Gegen die Unabhängigkeit
Betr.: Katalonien in der SoZ, November 2017
von Matthias Schindler
Die Repression der Regierung Rajoy gegen Katalonien ist zurückzuweisen. Das Recht der Katalanen auf Selbstbestimmung muss verteidigt werden. Die undemokratische Konstruktion des spanischen Staates, die Verfassung von 1978, die Dreieinigkeit König–Militär–Katholische Kirche und der spanische Nationalismus müssen kritisch hinterfragt werden. Daraus folgt aber nicht automatisch, die Abtrennung Kataloniens von Spanien anzustreben.
POLNISCHE PRESSESCHAU 122 vom 27.01. 2018
Neue Minister aber keine neue Politik opinie. wp.pl 09.01.2018
Unter dem Schatten des Obersten Premiers Kaczy?ski wird es keine Änderung der PiS – Politik geben. Die entlassenen Minister waren nur ein Symptom, schreiben zwei Vertreter der Partei RAZEM in einem Artikel. Hier geht es nur um eine kosmetische Reparatur. Die Regierenden möchten etwas Ruhe im Laden haben, vor allen Dingen was das Gesundheitswesen und die Umwelt (es gab Proteste auch seitens der EU, weil der Bialowieza – Urwald abgeholzt wurde) anbelangt.
Der Rhein
Wie ein Fluss dem Handel untertan wird
von Winfried Wolf*
Der Rhein ist mit einer gesamten Länge von 1233 Kilometern selbst in Europa ein eher kleinerer Strom – gerade mal der zehntlängste. Umso kompakter wird uns bei diesem Fluss jedoch die Bedeutung eines großen Gewässers für sehr unterschiedliche Regionen und höchst verschiedene Menschen vermittelt.
Alles nur Verschwörung
Warum Erdogan Trumps Aufwertung von Jerusalem gelegen kommt
von Serdar Kazak
«Man zahlt das Geld der Nutte und das Schmiergeld dem Beamten, bevor das Geschäft beginnt.»
Diese «Weisheit» gehört dem türkisch-iranischen Goldhändler Reza Zarrab, der seit einem Jahr in den USA in U-Haft sitzt und seit einigen Wochen vor einem dortigen Bundesgericht umfangreiche Geständnisse über seine Geschäfte mit den türkischen Behörden ablegt. Durch seine Geständnisse hat der Staatsanwalt ihn vom «Angeklagtem» zum «Kronzeugen» befördert.
Türkei: Akademiker für den Frieden
Massenprozess gegen über tausend Wissenschaftler wegen «Terrorismus»
von Hasan Bozkaya
Bei der Parlamentswahlen am 7.Juni 2015 verlor Erdogans Partei AKP ihre Mehrheit im türkischen Parlament. Die AKP konnte alleine keine Regierung bilden. Auf diese Niederlage reagierten Erdogan und seine Kumpanen mit einer zweigleisigen Strategie. Einerseits verhinderten sie mit allen Mitteln Koalitionsgespräche, andererseits starteten sie massive militärische Operationen gegen kurdische Städte. Schon nach zwei Monaten sah es in den kurdischen Städten Cizre, Nusaybin und in den historischen Stadtteilen von Diyarbakir aus wie im Kriegsgebiet von Syrien.
Zum regierenden Irrsinn
Beispiele USA, Nordkorea, EU
von Manuel Kellner
Donald Trump, an der Spitze des militärisch weitaus stärksten Staats der Welt, setzt gegenüber dem Regime von Kim Jong Un weiterhin auf Provokation. Nachdem in Nordkoreas offizieller Presse Trumps Rede vor dem südkoreanischen Parlament als «rücksichtslose Äußerungen eines verkalkten Alten» bezeichnet worden war, konterte er auf Twitter, er würde Kim Jong Un «niemals als ‹klein und fett› bezeichnen.»
Polen: Selbstverbrennung
Verzweifelter Appell im Zentrum von Warschau
Am 19.10. hat sich ein 54jähriger Mann aus der Nähe von Krakau im Zentrum von Warschau selbst verbrannt. Er richtete dazu einen aufrüttelnden Appell an seine Landsleute. Dieser beginnt: «Ich einfacher normaler Mensch – so wie Ihr es auch seid – rufe euch alle auf, wartet nicht länger! Diese Regierung müssen wir schnellstens absetzen, bevor sie unser Land endgültig vernichtet, bevor sie uns endgültig unserer Freiheit beraubt.
Autonomie-Referenden in Norditalien
Ein politisches Manöver
von Franco Turigliatto
Linke Kritiker der Unabhängigkeitsbewegung in Katalonien ziehen gern eine Parallele zum Referendum, das die rechtsextreme Lega Nord in Italien am 22.Oktober in der Lombardei und in Venetien durchgeführt hat. Franco Turigliatto von Sinistra Anticapitalista findet, hier werden Äpfel mit Birnen verglichen.
Frankreich: Kurswechsel beim Front National
Der Austritt aus der EU steht nicht mehr an oberster Stelle
von Bernard Schmid
Es gibt Momente in der Geschichte, anhand derer sich relativ sauber und trennscharf ein «Davor» und ein «Danach» unterscheiden lassen. Dies trifft, was die wechselhafte jüngere Geschichte der extremen Rechten in Frankreich betrifft, für den 3.Mai 2017 fraglos zu.
Wie kommt die Demokratiebewegung in Katalonien aus der Defensive?
Einflüsse, Auswirkungen und Aussichten
Interview mit Josep Maria Antentas
«Es braucht einen Fahrplan für einen Bruch mit dem nachfranquistischen Regime von 1978», sagt Josep Maria Antentas, Dozent für Soziologie an der Autonomen Universität Barcelona (UAB) und Leitungsmitglied von Revolta Global. Das Interview mit ihm führte Dan LaBotz, Mitherausgeber der US-amerikanischen Zeitschrift New Politics.
«Madrid wird das Problem nicht durch Repression lösen können»
Andrej Hunko hat in den Tagen der Unabhängigkeitserklärung Katalonien besucht
Gespräch mit Andrej Hunko
Die katalanische Regierung ist abgesetzt, ihre Vertreter und die Sprecher der Unabhängigkeitsbewegung werden vor Gericht gestellt. Doch die Unabhängigkeitsbewegung lässt sich nicht einschüchtern. Zuletzt haben wieder 750000 Menschen gegen die Verhaftungen demonstriert, die Mobilisierung der Anhänger des Rechts auf Selbstbestimmung stellt diejenige der Anhänger Spaniens in den Schatten. Premierminister Rajoy hat fürs erste zwar sein Anliegen durchgesetzt, dass in Katalonien am 21.Dezember wieder Wahlen stattfinden, doch ist nicht klar, ob das nicht ein Pyrrhussieg für ihn wird, wenn die jetzige Parlamentsmehrheit bestätigt wird.
Katalonien vor den Neuwahlen
Fakten, Umfragewerte und Einschätzungen
von ak
Die Entscheidung der Madrider Regierung, die katalanische Regierung abzusetzen und für den 21.Dezember Neuwahlen anzusetzen, verspricht keine Klärung der politischen Lage.
Wenn derzeit Wahlen in Katalonien wären, hätten die Anhänger einer wie auch immer gearteten Unabhängigkeit weiterhin eine knappe Mehrheit.
Leserbrief zum Katalonien Thema
Zu SoZ, Nov. 2017, Katalonien
von Matthias Schindler
Es gibt aus linker Perspektive keinen Zweifel daran, dass die Repression der Regierung Rajoy gegen die katalanischen Bewegungen für mehr Autonomie bis hin zur staatlichen Unabhängigkeit energisch zurückgewiesen werden muss. Ebenso muss das Recht auf Selbstbestimmung für die Katalan/innen, wie auch für jede andere Volksgruppe, ohne Wenn und Aber verteidigt werden. Bedeutet dies aber auch, dass es richtig ist, die Abtrennung Kataloniens von Spanien und die Gründung eines neuen katalanischen Staates zu unterstützen?
Katalonien: Überm Kesselrand
Nur die halbe Geschichte*
von Raul Zelik
Für viele deutsche Medien ist Carles Puigdemont ein politischer Hasardeur, Mariano Rajoy ein gesetzestreuer Ministerpräsident, der bisweilen ein wenig über die Stränge schlägt. Und am Ende wollen die Katalanen bloß nicht teilen. Unser Autor widerspricht.
Wie haben die Deutschtürken gestimmt?
Ein noch unerforschtes Terrain
von Günter Bergmann
Der türkische Staatschef Erdogan hat vor der Bundestagswahl seine Landsleute aufgefordert, ihre Stimme nicht den «Türkeifeinden» CDU und SPD oder Grünen zu geben. Nach der Wahl wüsste man gern, ob seine Landsleute in Deutschland sich daran gehalten haben. Ein bisschen schaut es danach aus.
Häuserkampf gegen das Arbeitsgesetz in Frankreich
Bei den Protesten gelingen Teilerfolge
von Bernard Schmid
Die Auseinandersetzung um die derzeit ablaufende «Reform» im französischen Arbeitsrecht setzt den Konflikt vom vergangenen Jahr fort.
Im Frühjahr und Sommer 2016 kämpfte eine soziale Bewegung mit Streiks, Demonstrationen, Platzbesetzungen und Straßenkämpfen fünf Monate lang gegen das sog. «Arbeitsgesetz» (Loi Travail). Dieses wurde unter François Hollande dennoch verabschiedet und trat am 8.August 2016 in Kraft.
Vom Oktober 1917…
…zum «Sozialismus des 21.Jahrhunderts
von Catherine Samary*
Nicht jede Vergangenheit hat dieselbe Zukunft. Der Oktober 1917 wird nicht leicht beerdigt werden können. Da wurde gewagt, die bestehende Ordnung in Frage zu stellen – ohne Rezepte und nicht ohne tragische Irrtümer, im Kampf mit den Kriegen und der sozialen Gewalt der Herrschenden. Hundert Jahre später, obwohl der Kommunismus nicht mehr als Option erscheint, ähneln die Herausforderungen doch denen des Oktober vor hundert Jahren.
Scheidung auf katalanisch
Dürfen die Katalanen aus dem Spanischen Staat aussteigen?
von Angela Klein
«Ein Dialog auf Augenhöhe über eine Verfassung des Spanischen Staates, der den in ihm wohnenden Völker gleiche Rechte gibt», das ist der Preis des katalanischen Regierungschefs Carles Puigdemont, zu dem er auf eine einseitige Unabhängigkeitserklärung verzichten würde. Dass die spanische Verfassung stark reformbedürftig ist, sehen viele Verfassungsrechtler genauso. Madrid aber besteht auf dieser Verfassung und wirft den Katalanen egoistischen Nationalismus vor. Dürfen die Katalanen aus dem Spanischen Staat aussteigen?
Unabhängigkeit oder Föderation?
Die Demokratiebewegung in Katalonien steckt in einer strategischen Sackgasse
nach Josep Maria Antentas
Föderation oder Unabhängigkeit? Zwischen diesen beiden Polen bewegt sich die linke Debatte über die Perspektiven für Katalonien. Doch das ist eine falsche Gegenüberstellung.
Österreich nach den Nationalratswahlen
Neoliberale Hegemonie
von Christian Zeller
Die vorgezogene Nationalratswahl vom 15. Oktober brachte eine klare Rechtsverschiebung in der österreichischen Gesellschaft zum Ausdruck. Der junge Außenminister Sebastian Kurz riss im Mai dieses Jahres in einem langfristig angelegten und sorgfältig geplanten Manöver die Führung der ÖVP an sich und ließ die Koalitionsregierung mit der SPÖ platzen. Obwohl seit längerer Zeit klar war, dass die Regierung gescheitert war, erwischte der Bruch der Regierungskoalition den SPÖ Bundeskanzler Kern auf dem falschen Fuß. Kurz schaffte es in kurzer Zeit, die ÖVP neu aufzustellen, sich selber als Kraft der Veränderung und des Aufbruchs darzustellen und die SPÖ als Vertreterin der ungeliebten Politikerkaste alt aussehen zu lassen.
Katalonien: Demokratie vs. Ausnahmezustand
Gegen den spanischen Nationalismus
von Jaime Pastor *
Nachdem wir es müde geworden sind, harte Anschuldigungen zu hören und zu lesen wie „Aufstand, Aufruhr, Staatsputsch, Nazismus…“, wo noch die äußerst kriegerische Rede von König Felipe VI hinzu kommt und jetzt auch noch die Finanzoligarchie neben solchen finsteren Veteranen wie Alfonso Guerra der PSOE, scheint eine erneute Steigerung der Repression gegen den sozialen und politischen pro-Souveränitäts- und pro-Unabhängigkeits- Block bevorzustehen.
„Mein Katalonien“
Historische Kontinuitäten und das Fehlen einer gesellschaftlichen Aufarbeitung stehen hinter dem Konflikt in Katalonien *
Der Konflikt zwischen der spanischen Zentralregierung und der katalanischen Gesellschaft droht nach dem Referendum vom 1.10.2017, das von brutalen Polizeieinsätzen begleitet wurde, weiter zu eskalieren. Zuletzt untersagte das spanische Verfassungsgericht dem katalanischen Parlament, am kommenden Montag zu tagen, wo die Ergebnisse des Unabhängigkeitsreferendums bekannt gegeben werden sollten – und gegebenenfalls die Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien verkündet.
Herero und Nama gehören an den Verhandlungstisch
Deutsche Seite tut sich schwer
von Niema Movassat*
Es hätte ein Wendepunkt im Umgang mit der eigenen Kolonialvergangenheit werden können, als sich die Bundesregierung 2015 in Verhandlungen mit der namibischen Seite begab, um den Genozid an den Herero und Nama zwischen 1904 und 1908 im damaligen Deutsch-Südwestafrika aufzuarbeiten. Doch der Prozess, ursprünglich angetreten, um Versöhnung zu fördern, ist dabei, alte Wunden aufzureißen und neue Verwerfungen zu schaffen.
Frankreichs Militärmission
Truppen in Afrika
von Bernard Schmid
Mit der Ernennung des neuen Generalstabschefs knüpft Frankreich an ein finsteres Kapitel seiner Vergangenheit an.
Der Herr General war erzürnt: Kurz nach der Militärparade zum französischen Nationalfeiertag, der Truppenshow vom 14.Juli dieses Jahres, trat der Generalstabschef der vier Waffengattungen, Pierre de Villiers, wutentbrannt zurück. Er warf Staatspräsident Emmanuel Macron vor, im Haushaltsjahr 2017 Einsparungen im Rüstungshaushalt vorzunehmen.
Auf unsicheren Füßen
Der deutsch-französische Afrikaplan
dokumentiert
Wenn es darum geht, die Außengrenzen der EU tief in südsaharische Afrika hineinzuschieben, sind sich Merkel und Macron sehr einig.
Es war mal wieder ein neuer Anlauf, um angeblich Frieden im zerrissenen Libyen zu stiften: Am 25.Juli 2017 empfing Frankreichs Staatspräsident Macron in La Celle-Saint Cloud bei Paris den offiziell von der UNO als Chef einer «Einheitsregierung» anerkannten Faiez Sarraj sowie den faktischen Militärherrscher über die Osthälfte Libyens: den «Marschall» Khalifa Haftar.
Walka: Kämpferisch für Polen
Neue Gewerkschaft gegründet
dokumentiert
Die neue Gewerkschaft Walka (www.walka.org.pl) setzt sich für die 30-Stunden-Woche ein.
Da fragen sich diejenigen, die die Situation in Polen etwas kennen: Noch eine Gewerkschaft? Gibt es deren nicht mehr als genug? Dieser Auffassung sind die Gründer der neuen Gewerkschaft nicht.
Russland: Was kommt nach Putin?
Kai Ehlers im Gespräch mit Boris Kagarlitzki
Interview
Mitte Juni demonstrierten erneut Tausende vorwiegend junger Menschen in etwa 200 Städten Russlands gegen die Korruption, gegen Putin, Medwedew und die herrschende Oligarchenschicht. Dazu aufgerufen hatte der bürgerliche Oppositionsführer Alexej Nawalny, der sich selbst als nationalistischer Demokrat versteht. Vorangegangen waren ähnliche Proteste im März, wo die Demonstrationen jedoch teilweise verboten und Demonstranten verhaftet wurden, darunter auch Nawalny selbst.
Seenotrettung in Gefahr
Wie Europa abgeschottet wird
von Judith Gleitze
Massive Abwehrmassnahmen senken die Ankunftszahlen von Bootsflüchtlingen – mit schrecklichen Folgen.
Anfang August genehmigte der italienische Senat auf Anfrage der Regierung Fayez al-Sarraj die Unterstützung der libyschen Küstenwache mit einem Logistik- und einem Patrouillenschiff. Human Rights Watch kritisierte: «Nach Jahren der Rettung von Leben auf See hilft Italien nun Libyen, obwohl bekannt ist, dass Menschen dort der großen Gefahr von Folter, sexueller Gewalt und Zwangsarbeit ausgesetzt sind.»
Hoch-Zeiten für Wucher
Der Anstieg der privaten Verschuldung fördert einen neuen, alten Geschäftszweig: den Wucher
von David Stein
Die fortgesetzte Abwälzung der Krisenlasten auf die unteren Einkommen befördert eine neue Blase: die Kreditkartenblase. Mit unheilvollen Folgen.
Die Aussichten auf den Brexit sind düster. Besonders für die Pauperisierten am unteren Teil der Sozialpyramide in Großbritannien. Die Konsumausgaben im Mai 2017 liegen um 0,8 Prozent unter dem entsprechenden Vorjahreswert. Die Verbraucher spüren die Auswirkungen steigender Preise und eines zögerlichen durchschnittlichen Lohnwachstums von 1,7 Prozent.
VioMe vor der Entscheidung
Fortbestand durch Zwangsversteigerung bedroht
von Manfred Neugroda
Seit Mai 2011 halten die Arbeiter den Betrieb VioMe im griechischen Thessaloniki besetzt (die SoZ berichtete mehrfach zuletzt in SoZ 3/2016), seit Februar 2013 produzieren sie in Eigenregie und als Arbeiterselbstverwaltung Seifen und Reinigungsmittel, seit letztem Jahr sind sie als Sozialkooperative anerkannt.
Wer ist Jean-Luc Mélenchon?
Porträt eines linken Populisten
von Pierre Rousset
Vielen, ob hierzulande oder in Frankreich, gilt er als Linker, zwar ein Reformist und auch nicht unbedingt von der appetitlichen Sorte, aber doch ein Strohhalm. Die Entwicklung, die er in der letzten Zeit durchgemacht hat, legt eher nahe, dass man an seinem Beispiel studieren kann, was linker Populismus ist.
Die Linke zum Sieg führen auf den Trümmern der Parteien?
Theorie und Praxis des Linkspopulismus
von Pierre Rousset
Mélenchon hat eine Nase für das Neue – das ist eine seiner Stärken. Er ist auch ein begabter Kommunikator, was er für sich nutzt bis hin zum Missbrauch. In einer Präsidialdemokratie wie in Frankreich ist das ein Trumpf.
Wie stoppen wir die Rechten in Europa?
Bericht von ISO-Veranstaltungen in Köln und Berlin
von Angela Klein
Für Olivier Besancenot war es erst das zweite Mal, dass er in Deutschland gesprochen hat, sein erster Weg führte ihn vor drei Jahren nach Berlin – da stand die Veranstaltung der Neuen antikapitalistischen Organisation (NaO) noch unter dem Motto «Die kommenden Aufstände in Südeuropa – was tun?»
Über die Schwächen linker Globalisierungskritik
«Wir können nicht nur einen Teil des Machtblocks kritisieren»
Gespräch mit Thomas Sablowski
Die G20, das Treffen der 20 ökonomisch wichtigsten Staaten der Welt, wurden 1999 aus der Taufe gehoben, um weltweite Wirtschaftskrisen wie die Asienkrise zwei Jahre zuvor gemeinsam zu bewältigen und in Grenzen zu halten. Während die 1994 gegründete Welthandelsorganisation WTO mit ihrem Ansatz, ein gemeinsames Regelwerk für die Weltwirtschaft zu schaffen, weitgehend stecken geblieben ist, haben die Treffen der G20 keinen verbindlichen Charakter.
Hoffnung glimmt auf
Labours Wahlerfolg in Großbritannien
Geiles Ergebnis. Labour ist gelungen, was 1997 Tony Blair gelungen war: ein Zugewinn von 10 Prozentpunkten (bei Blair waren es 9); mit 41% der Stimmen ist Corbyn fast an das Ergebnis der Tories herangekommen (42%). Und das nicht mit einem sozialliberalen, sondern mit einem deutlich linkssozialdemokratischen Programm, das voll darauf gesetzt hat, dass es nicht in erster Linie die Brexit-Frage, sondern die sozialen Fragen sind, die den Leuten unter den Nägeln brennen.
Frankreich – soziale Polarisierung weit weniger ausgeprägt als die politische
Eine Radiografie der Stimmenverteilung im ersten Wahlgang
von Frédéric Sawicki*
Die Karte der Wahlergebnisse des 1.Wahlgangs der Präsidentschaftswahlen in Frankreich, aufgeschlüsselt nach Départements, zeigt einen gelben Westen/Südwesten (Macron), einen tiefblauen Osten/Nordosten (Le Pen), mit drei hellblauen Einsprengseln für den Konservativen Fillon und zwei roten Flecken für Mélenchon im Südwesten. Paris ist dreigeteilt zwischen Macron, Fillon und Mélenchon. Bei näherer Betrachtung ist das Bild viel differenzierter.
Die «gute Seite» des Brexit
EUropa will Militärmacht werden
von Jürgen Wagner*
Der Brexit und Trumps Wahlsieg haben die Türen geöffnet für eine neue Qualität der EU: ihren Sprung zu einer Militärmacht mit Weltgeltung. Mit dem Vertrag von Lissabon, dem Grundlagenvertrag der EU, ist das nicht vereinbar. Keine Frage, dass dies auch einen Paradigmenwechsel für die Bundeswehr bedeutet.
Europa der variablen Geometrie
Eine neoliberale Alternative zum Brexit
von Ingo Schmidt
Die Griechen hatten die Wahl, sich entweder den Spardiktaten aus Brüssel und Berlin zu beugen oder aus dem Euro, vielleicht sogar der EU, zu fliegen. Sie haben sich mehrheitlich für den Verbleib entschieden. Per Referendum stimmte in Großbritannien im Juni letzten Jahres eine knappe Mehrheit für den Austritt aus der EU.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil XII
Die Ermordung von Andreu Nin…und die Akten des KGB
von Reiner Tosstorff
Im Mai 1937 kommt es zu bewaffneten Kämpfen zwischen der republikanischen Regierung, unterstützt von der KP, auf der einen Seite, Anarchisten und der POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista – Arbeiterpartei der marxistischen Einigung) auf der anderen Seite (siehe SoZ 5/2017). Letztere verloren den Kampf, die Führung der POUM wurde verhaftet, die Partei in die Illegalität getrieben.
Das Referendum in der Türkei
Demokratische Wahlen?
von Mehmet Simsek
«Dieses Land hat die demokratischsten Wahlen durchgeführt, wie sie kein einziges Land im Westen je erlebt hat», erklärte der türkische Staatspräsident Erdogan in Ankara nach der Verkündung der knappen Mehrheit für ein Ja im Referendum um die Änderung der türkischen Verfassung. Was er sich unter «demokratisch» vorstellt, demonstrierte er am Umgang vor allem mit der kurdischen Opposition.
Mélenchon ist ein schlechter Verlierer
Unklare Aussage zur Stichwahl zwischen Macron und Le Pen
von Bernard Schmid
Bei einem Wahlabenddiner am Sonntagabend in Paris sind rund zwanzig Menschen versammelt. Alle sind Juristinnen oder Juristen, fast alle im Arbeitsrecht tätig, z.B. als Anwältinnen – ausschließlich auf Gewerkschafts- oder Beschäftigtenseite – oder als Hochschullehrer. Über die Hälfte hier hat Jean-Luc Mélenchon gewählt, ein Drittel den Sozialdemokraten Benoît Hamon. Eine Minderheit hat Emmanuel Macron im ersten Wahlgang unterstützt, mit dem taktischen Kalkül, Marine Le Pen schon in der ersten Runde auf den zweiten Platz zu verweisen. Einzelne haben Philippe Poutou gewählt, den Kandidaten der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA).
Der 1. Wahlgang der Präsidentschaftswahlen in Frankreich
«Ausdruck einer tiefen politischen Krise»
von Philippe Poutou
Erklärung des Kandidaten der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA)
Wir bedanken uns natürlich zuerst bei allen Wählerinnen und Wählern, die für uns gestimmt haben. Mit ihrer Wahl wollten sie die Ablehnung eines Systems zum Ausdruck bringen, dessen Berufspolitiker in vielen Fällen korrupt sind und dafür sorgen, dass die Macht in diesem Land weiterhin von den Kapitalisten und Bänkern ausgeübt wird. Sie wollten bekräftigen, dass eine wirkliche Veränderung nur mit Mobilisierungen von unten und im Bruch mit diesem System kommen kann.
Frankreich: «Die berechtigte Empörung in die antikapitalistische Richtung lenken»
Über die Präsidentschaftswahlen in Frankreich, die Kampagne der NPA und den Kampf gegen Rechts
Gespräch mit Olivier Besancenot
Olivier Besancenot ist zusammen mit Christine Poupin, Armelle Pertus und dem Präsidentschaftskandidaten Philippe Poutou Sprecher der Neuen Antikapitalistischen Partei (NPA) in Frankreich. 1974 geboren, war er zunächst in SOS Racisme und in der JCR, der Jugendorganisation der Ligue Communiste Révolutionnaire (LCR), der Sektion der IV. Internationale in Frankreich, aktiv. Obgleich er studierter Historiker ist, arbeitet er seit 1997 als Postbote. Im Jahr 2002 war er Präsidentschaftskandidat der LCR und holte überraschend 1,2 Millionen Stimmen (4,3%).
Trucker-Streik in Russland
Totgeschwiegen
von labournet.de
Seit dem 27.März 2017 befinden sich russische Lkw-Fahrer in einem unbefristeten Streik gegen das Mautsystem «Platon», weil es die zu 80 Prozent selbstfahrenden Unternehmer in ihrer Existenz bedroht – zugunsten der großen Logistikfirmen. Ihr gewerkschaftsähnlicher Zusammenschluss heißt OPR, etwa 10000 Fuhrleute sind darin organisiert.
Polen: Die Sozialpolitik der PiS
Wie die autoritäre Rechtsregierung Kinder aus der Armut befreit
von Ewa Groszewska*
Rechtsextreme Regierungen setzen häufig ein radikalliberales Wirtschaftsprogramm durch – aber sie können auch anders. Das zeigt das Beispiel der regierenden Partei für Recht und Gerechtigkeit (PiS) in Polen.
EWF statt IWF?
Die Eurozone soll einen Europäischen Währungsfonds bekommen
von Angela Klein
Finanzminister Schäuble hat sich bei Angela Merkel durchgesetzt: Die Eurozone soll einen Europäischen Währungsfonds bekommen, der anstelle des Internationalen Währungsfonds (IWF) im Fall von Staatsüberschuldung und Finanzkrisen einspringt.
Donald Trump und Russland
Die Glücksritter der wilden Neunziger
von Paul B. Kleiser
Donald Trump ist nicht nur ein politischer Abenteurer, er ist Berichten zufolge auch ein Vertreter der wilden Spekulantenhorde, die für den Finanzcrash von 2007/2008 verantwortlich ist.
Selbst seriöse Publikationen wie die New York Times berichteten noch vor kurzem, zwischen den USA und Russland bahnten sich unter Präsident Trump verbesserte Beziehungen an. CNN behauptete sogar, die beiden Männer Putin und Trump würden eine echte Männerfreundschaft entwickeln und eine Achse Washington–Moskau aufbauen.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil XI
Bürgerkrieg im Bürgerkrieg: Die Mai-Tage 1937 in Barcelona
von Reiner Tosstorff
Vor 80 Jahren, vom 3. bis zum 7.Mai 1937, kam es in Barcelona zu bewaffneten Auseinandersetzungen innerhalb des republikanischen Lagers: zwischen den Anarchisten und der antistalinistischen POUM (Arbeiterpartei der marxistischen Einigung) einerseits und der PCE (Kommunistische Partei Spaniens) und der katalanischen Regierung andererseits. Dieser «Bürgerkrieg im Bürgerkrieg» ist vor allem durch den Erlebnisbericht bekannt geworden, den der englische Schriftsteller George Orwell in seinem Buch Mein Katalonien davon gegeben hat.
„Die berechtigte Empörung in die antikapitalistische Richtung lenken“
Olivier Besancenot zu den Präsidentschaftswahlen in Frankreich, zur Kampagne der NPA und zum Kampf gegen Rechts *
Am 23. April läuft in Frankreich der erste Wahlgang der Präsidentschaftswahlen. Was ist das Profil der aussichtsreichsten KandidatInnen und warum sind viele von ihnen nicht von den seit langer Zeit bestehenden großen Parteien aufgestellt worden?
Soll er oder soll er nicht?
Türkischer Wahlkampf in Deutschland
von Angela Klein
Am Ende hat Erdogan einen halben Rückzieher gemacht und seine Minister nicht mehr auf Wahlkampftournee geschickt: die bürokratischen Hürden, Zeit- und Gesichtsverlust wären hoch gewesen und die Zeit lief ihm davon. Am 27.März hat der Wahlgang für das Referendum begonnen. Außerdem war ruchbar geworden, dass das türkische Wahlgesetz selber einen Wahlkampf im Ausland nicht zulässt.
Niederlande: Rechtsruck bei den Wahlen
Die Wahlgewinner auf der Linken
von Alex de Jong*
Wie erwartet, brachten die Wahlen in den Niederlanden einen Rechtsruck – doch nicht in der erwarteten Weise.
Am spektakulärsten ist der Zusammenbruch der sozialdemokratischen PvdA. Ihre Verluste waren noch größer als erwartet – die Partei übertraf ihren eigenen Rekord aus dem Jahr 2002 und erlitt die größte Wahlniederlage in der Geschichte der Niederlande –, doch eine richtige Überraschung war das nicht.
Wahlen in den Niederlanden
Kurze Wahlanalyse
von Christiano Dan/Red.
Die scheidende Regierung – eine Allianz aus der rechtsliberalen VVD (Volkspartei für Freiheit und Demokratie) und der sozialdemokratischen PvdA (Partei der Arbeit) – hat eine massive Niederlage erlitten: 2012 waren beide Parteien zusammen auf 51,5% der Stimmen gekommen, 2017 sind es nur noch 27% – ein Verlust von 24,5 Prozentpunkten, also fast eine Halbierung: von 79 Sitzen auf nunmehr 42.
Rumänien: Korruption?
Alles Schuld der Armen…
von Cristiano Dan
Die Mobilisierungen der ersten Februarwochen waren die bedeutendsten in Rumänien seit fast drei Jahrzehnten, als 1989 das Ceaucescu-Regime gestürzt wurde. War das ein vorzeitiger «rumänischer Frühling»?
Korruption ist in Rumänien weit verbreitet und sie gehört bekämpft – gleichgültig ob man sie als «Degeneration» des kapitalistischen Systems begreift (wie die Liberaldemokraten) oder als ihm systemimmanent.
Griechenland 1967
Vor 50 Jahren putschten die Obristen
von Paul B. Kleiser
Am 21.April 1967 putschte eine Gruppe niederrangiger Offiziere der griechischen Armee gegen die demokratisch gewählte Regierung der Zentrumsunion von Giorgos Papandreou und etablierte ein sieben Jahre währendes Terrorregime. Bis zu 80000 politische Gefangene wurden gemacht und teilweise auf kahle Inseln deportiert. Wie konnte es 18 Jahre nach dem Ende des blutigen Bürgerkriegs zu diesem Staatsstreich kommen?
100 Jahre russische Revolution, Teil 2
Februarrevolution und Aprilthesen
von Manuel Kellner
Der Sturz der Kapitalherrschaft durch Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte hat viele spätere antikapitalistische Bewegungen beflügelt. Die bürokratische Diktatur diskreditierte jedoch die sozialistische Idee. 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bleibt – 100 Jahre nach der Oktoberrevolution?*
Podemos nach Vistalegre 2
Regierungspartei im Wartestand?
von Klaus Dräger
Die spanische linkspopulistische Partei Podemos (‚Wir können es‘) hielt am Wochenende vom 11. und 12. Februar 2017 in der Madrider Stierkampfarena Vistalegre ihre zweite ’nationale Bürgerversammlung‘ (Asamblea Ciudadana) ab. Zwischen der Gründungskonferenz von Podemos im Oktober 2014 (Vistalegre 1) und diesem Kongress liegen mehr als zwei bewegte Jahre, in denen die junge politische Kraft mit einer zentralistischen Durchbruch-Strategie stärkste Partei werden und die Regierungsmacht in Spanien erobern wollte.
Streiks von Migranten erfordern Wagemut
Über den «Tag ohne uns», seine Vorgeschichte und seine Lehren
Gespräch mit Valery Alzaga
«Fünfeinhalb Millionen geborene Briten leben als Migranten außerhalb des Landes, viele britische Staatsbürger sind Kinder von Migranten, und viele gebürtige Ausländer nennen Großbritannien ihre Heimat. Weltweit gibt es über 100 Millionen Migranten. Migration ist ein selbstverständlicher Teil ein jeder Gesellschaft. Deshalb müssen die Migranten bleiben.»
Zweierlei Sozialdemokratie
Französische Linke vor den Präsidentschaftswahlen
von Bernard Schmid
Ziemlich überraschend hat die französische Sozialdemokratie mit dem Erbe der Regierungsjahre des Noch-Präsidenten François Hollande und seines Premierministers Manuel Valls gebrochen.
Valls hat am 29.Januar die zweite Runde der Vorwahl um die Präsidentschaftskandidatur der Sozialistischen Partei (PS) verloren.
War Lech Walesa ein Spitzel?
Hetzkampagnen in Polen
von Norbert Kollenda
Die Witwe von General Kiszczak bot vor einem Jahr dem Institut des Nationalen Gedenkens, IPN, das für die Aufarbeitung der Geheimdienstdokumente zuständig ist, für 90000 Zloty Papiere aus dem Nachlass ihres Mannes an, der bis 1990 Innenminister war. Der IPN-Vorsitzende, Lukasz Kaminski, übergab die Dokumente in Sache «Bolek» im Eiltempo der Öffentlichkeit. Weder Historiker noch Grafologen konnten vorher ihre Echtheit überprüfen.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil X
Die KP als Totengräber der Revolution
von Paul Michel
Nach den Wahlen am 17.Februar 1936 bekam die Kommunistische Partei Spaniens (Partido Comunista de España – PCE) einen deutlichen Mitgliederzuwachs. Er beschleunigte sich noch einmal in den Monaten nach Francos Putsch. Zur Jahreswende 1936/37 war die PCE die dominierende Kraft im republikanischen Lager, und sie nutzte diese Machtposition, um ihre Vorstellungen anderen Kräften aufzuzwingen.
Serie: 100 Jahre russische Revolution, Teil 1
Die Revolution von 1905
von Manuel Kellner
1917–2017 · Was bleibt?
Revolutionäre haben ihren eigenen Kalender. Lange Zeit bezogen sie sich auf die französischen Revolutionen von 1789, 1830 und 1848. Die Monate der Pariser Kommune von 1871 galten ihnen 34 Jahre lang als grundlegende Erfahrung. Erst die russische Revolution von 1905 gab der strategischen Debatte der sozialistischen Linken neue Impulse. Zwölf Jahre später brach die russische Revolution wieder aus
Italien nach dem Referendum
Chronik einer aufgeschobenen Krise
von Ingo Schmidt
Auch in Italien hat die EZB versucht, die politischen Verhältnisse in ihrem Sinne zu stabilisieren – und ist damit bislang gescheitert.
Eine Kapitulation wie in Griechenland vermeiden!
Zehn Vorschläge für eine Machtübernahme durch das Volk
von Eric Toussaint*
Griechenland steht nicht mehr im Zentrum der EU-Krise, die heißen Debatten darum, welche Maßnahmen die Regierung SYRIZA ergreifen müsste, um sich gegen die Troika zu behaupten, sind abgeklungen, und selbst die Griechenlandsolidarität ist auf den kleinen Kreis derer geschrumpft, die kontinuierlich an konkreten Projekten arbeiten. Zu den letzteren zählt vor allem die Unterstützung des Kampfes gegen die Wasserprivatisierung in Griechenland.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil IX
Die Regierung Largo Caballero und der Wiederaufbau des Staatsapparats
von Paul Michel
Der Spanische Bürgerkrieg 1936–1939 war die letzte Chance, dem endgültigen Sieg des Faschismus in Europa noch einmal etwas entgegenzusetzen und den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. In der Linken ist der Streit über die Verantwortung für die Niederlage der antifaschistischen Kräfte bis heute stark umstritten. Grund genug für diese Zeitung, die politische und soziale Entwicklung in jenen Jahren noch einmal nachzuzeichnen.*
Personenfreizügigkeit und neoliberale EU
von Klaus Dräger
Die Begrenzung der Zuwanderung aus osteuropäischen EU-Staaten spielte eine zentrale Rolle in der offiziellen Kampagne der Befürworter eines Austritts Großbritanniens aus der EU.
Dies galt erst recht für die fremdenfeindliche Stimmungsmache der rechtspopulistischen UK Independence Party (UKIP) zum Brexit. 33 Prozent derjenigen, die für den Brexit stimmten, gaben als wichtigsten Grund für ihre Entscheidung an, dass ein Austritt Großbritanniens aus der EU die „beste Chance eröffne, die Kontrolle über die Grenzen des Landes und die Zuwanderung wieder zu gewinnen.“ Die rechte Leave-Kampagne hat somit tiefe Spuren im politischen Klima Großbritanniens hinterlassen – keine Frage. Für die überwiegende Mehrheit der für den Brexit Stimmenden – die übrigen 67 Prozent – waren aber andere Themen und Motive offenbar maßgeblicher. (1)
Polen: Barbara Rosolowska braucht unsere Solidarität
Gerichtsprozess gegen Scheinselbständigkeit
von Peter Nowak
Die Zahl der polnischen Carebeschäftigten, also der im Gesundheitsbereich Tätigen in Deutschland wächst. Schließlich ist das Lohngefälle zwischen beiden Ländern groß.
Auch die Hebamme Barbara Rosolowska könnte mit dem Zug aus ihrem westpolnischen Wohnort in knapp 80 Minuten in Berlin sein. Doch sie nimmt eine deutlich schlechtere Zugverbindung und einen dreimal geringeren Lohn in Kauf und arbeitet weiter im polnischen Gorzów.
Die Fallstricke des Anti-Trumpismus
Was aus den Fehlern der Opposition gegen Berlusconi zu lernen ist
von Cinzia Arruzza*
Während der US-Präsidentschaftswahlkampagne wimmelte es von Vergleichen zwischen Donald Trump und dem früheren italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi. Sie sind in der Tat nicht unbegründet.
Gleiche Rechte für alle!
Europäisches Netzwerk sozialer Bewegungen will Aufstieg der Rechten mit grenzübergreifender Kampagne für gleiche soziale Rechte für alle beantworten
von Angela Klein
Während die Linke darüber diskutiert, ob man aus der EU aussteigen soll oder nicht, suchen soziale Bewegungen einen Ausweg aus Sparpolitik und Fremdenfeindlichkeit im Kampf für gleiche soziale Rechte.
Mit der Bindung an die KP ist auch die Identität verloren gegangen
Didier Eribon über den Erfolg des Front National in der Arbeiterschaft
von Paul B. Kleiser
Didier Eribon: Rückkehr nach Reims. Berlin: Suhrkamp, 2015. 238 S., 18 Euro
Dieses Buch des französischen, an der Universität Amiens lehrenden Soziologen Didier Eribon wurde bereits 2009 veröffentlicht, ist aber erst im vergangenen Jahr auf deutsch erschienen. Es hat hierzulande, vor allem in linken Kreisen, eher mehr Aufmerksamkeit gefunden als in Frankreich.
Italien sagt Nein zu Renzis Verfassungsreform
Die autoritäre Wende ging daneben
von Cinzia Arruzza
Ginge es nach dem Medienecho, könnte man meinen, das Ergebnis des italienischen Referendums vom 4. Dezember sei ein weiterer Sieg der Rechtspopulisten über die Demokratie. Tatsächlich ist der Sieg des Nein ein Sieg der Demokratie und muss als Sieg für die Verteidigung der sozialen Rechte gefeiert werden.
Italien: Die Verfassung von 1948
Warum die Bourgeoisie sie los werden will
von Franco Turigliatto*
In den Wochen der Auseinandersetzungen um die Verfassungsreform der Regierung Renzi nahmen Linke sehr unterschiedliche Haltungen zur italienischen Verfassung ein. Die CUB-Gewerkschaften etwa wollten die Ablehnung dieser Reform gar nicht in ihre Agenda für den Herbst aufnehmen – was sie dann glücklicherweise korrigiert haben. Andere wiederum waren scharfe Gegner von Renzis Reform,
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil VIII
Francos Weg zum Caudillostaat
von Paul Michel
An die 100000 Menschen wurden im Verlauf der drei Jahre Bürgerkrieg in der «nationalistischen Zone» umgebracht. Sie fielen nicht militärischen Auseinandersetzungen, sondern dem gezielten Terror der nationalistischen Machthaber zum Opfer, 50–70% von ihnen wurden zwischen Juli und September 1936 ermordet.
Ja oder Nein? Entschieden Nein!
Der Ausgang des Verfassungsreferendums in Italien
von Diego Giachetti*
In den vergangenen Monaten hat Italien die massivste und längste Wahlkampagne in der Geschichte der Republik erlebt, höchstpersönlich angeführt vom Chef der Regierung, „unserem“ Matteo Renzi, ein echter Scharlatan der Politik im Dienst der Interessen der Bourgeoisie. Aufgrund seines egozentrischen Charakters, fortgerissen vom Rausch des Erfolgs, hat er sich entschlossen, mit dem Referendum alles auf eine Karte zu setzen.
Türkei: Auf dem Weg in die Diktatur
Die Welle der Gewalt gegen Kurden ebnet den Weg in ein autoritäres Regime
von Francis O’Connor
Die politische Situation in der Türkei verschlechtert sich zunehmend seit dem Putschversuch im Sommer dieses Jahres, der vorgeblich von der sog. Gülen-Bewegung ausgegangen ist, der ehemals Verbündeten der regierenden AKP. Dieser Putsch hat zu einem Gegenputsch geführt, der kontinuierlich fortschreitet und im Verlaufe dessen Erdogan und seine Verbündeten Oppositionelle aller Richtungen, vor allem aber Kurden, mundtot macht, ausgrenzt und verhaftet.
Griechenland im Herbst 2016
Konzerne und Oligarchen halten die Hand auf
von Paul B. Kleiser
Seit drei Jahren dümpelt die griechische Wirtschaft ohne Wachstum dahin, nachdem sie 2009 in eine tiefe Rezession gefallen und das Bruttoinlandsprodukt um ein Viertel eingebrochen war. Ob es im kommenden Jahr wieder aufwärts geht, wie Alexis Tsipras auf der Industriemesse in Thessaloniki lauthals verkündete, steht in den Sternen.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil VII
Die Internationalen Brigaden – «Unsere Heimat ist heute vor Madrid»
von Paul Michel
Heute erinnert in Albacete nur noch ein (kleines) Denkmal daran, welche Bedeutung dieser Ort im spanischen Bürgerkrieg hatte. Seit dem 14. Oktober 1936, als die ersten internationalen Freiwilligen dem Ruf «¡A las armas!», «Zu den Waffen!» folgend hier ankamen, glich die Stadt einem aufgewühlten Ameisenhaufen, wie André Malraux in seinem berühmten Roman Die Hoffnung schreibt.
Schwarzer Montag in Polen
Frauen demonstrieren für ihre Rechte
dokumentiert
«Ich war dabei, nahm es in mir auf und bin tief ergriffen. Das war eine außergewöhnliche Versammlung – unter dem Schirm im Regen, unter 300000 Versammelten, vor allem Frauen, aber von uns Männern waren auch einige dabei. Die Stimme der Vernunft und der gesellschaftlichen Verantwortung führte uns auf die Straße. Besonders war ich über die Teilnahme von Jugendlichen erfreut!»
Polen: Massenproteste
Stimmen zum 3.Oktober
dokumentiert
Zbigniew Kowalewski, Mitbegründer von Solidarnosc:
«Die Dynamik und der Schwung des montäglichen ‹schwarzen Protestes› überraschte alle – die Initiatoren und Organisatoren, die Teilnehmer selbst, die Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), die Kirche, die Opposition, alle.
Polens Abtreibungsrecht
Wie es in der Praxis aussieht
dokumentiert
Das geltende Gesetz über den Schwangerschaftsabbruch in Polen ist sehr restriktiv und gehört zu den Gesetzen, die am wenigsten zum Tragen kommen, weil Ärzte, Staatsanwälte und andere Verantwortliche den Frauen die Information über ihre Rechte vorenthalten – oft kennen Frauen ihre Rechtslage nicht und es gibt keine Berufungsinstanz. Ihre Opfer sind in erster Linie Frauen und Mädchen aus einfachen Verhältnissen und ohne Geld.
Griechenland: Bericht der Expertenkommission
Verhandlungen über Arbeitsmarktreformen
von Paul Michel
Am 30.September 2016 präsentierte der griechische Arbeitsminister Giorgos Katrougalos den Bericht der internationalen Expertenkommission über die griechischen «Arbeitsmarktinstitutionen». Die Einsetzung der Expertenkommission war im dritten Memorandum vom August 2016 festgeschrieben worden. Sie arbeitete von April bis Ende September 2016.
Im Zentrum des Klassenkampfs
Corbyn und die Labour Party
von Andy Stowe*
In einer Urabstimmung wurde der bisherige Vorsitzende der Labour Party und Führer ihres linken Parteiflügels, Jeremy Corbyn, am 24.9. mit einer noch größeren Mehrheit wiedergewählt, als er vor einem Jahr ins Amt gekommen war, nämlich mit 61,8% (gegenüber 59% 2015).
Die türkische Politik in der Sackgasse
Der Staat droht zu zerfallen
von Serdar Kazak*
Die reale Machtposition Erdogans ist bedeutend schwächer, als es von außen aussieht. Das jedoch verheißt nichts Gutes.
Zunächst jedoch zur Situation der Flüchtlinge. Von einer allgemeinen Situation der Flüchtlinge in der Türkei kann keine Rede sein.
Mit dem Rücken zur Wand
Mit der Zwangsverwaltung von Dutzenden kurdischer Städte kehrt die offene türkische Kolonialherrschaft nach Kurdistan zurück
von Nick Brauns
Wer gehofft hat, der gescheiterte Putsch in der Türkei und die nachfolgenden Säuberungen des Staatsapparats von Anhängern des Predigers Fethullah Gülen werde den wieder vom Krieg überzogenen Kurden im Südosten des Landes wenigstens eine Atempause ermöglichen, sieht sich getäuscht. Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan nutzt die ihm durch den Ausnahmezustand verliehenen Sondervollmachten bereits nach wenigen Wochen zu einem verschärften Vorgehen gegen die zivile Organisierung der Kurden.
Jenseits von EU und Eurozone
Die schwierige Suche nach einem anderen Europa
von Ingo Schmidt
Die Linke entzweit sich mal wieder an der nationalen Frage. Soll man den Austritt aus der Eurozone oder der EU als Schritt zur Wiedergewinnung nationaler Souveränität gegenüber dem supranationalen Neoliberalismus der EU-Institutionen begrüßen, oder deren Fortbestand als kleineres Übel gegenüber einer andernfalls drohenden Eskalation konkurrierender Nationalismen und zwischenstaatlicher Konflikte unterstützen?
Polen: Was bleibt nach Franziskus?
Eindrücke nach dem Papst Besuch
von Stanislaw Obirek*
Eine große Welle von Kommentaren ergoss sich über Polen vor, während und nach dem Besuch von Papst Franziskus Ende Juli. Sie sagen viel über die Kommentatoren, weniger aber über Franziskus aus. Was er gesagt und wie er sich verhalten hat, wurde so allgemein beschrieben, dass jeder daraus lesen konnte, was er wollte.
Der lange Arm Erdogans
Über die türkisch-kurdischen Gemeinden in Deutschland nach dem Putsch
Gespräch mit Mehmet Simsek
Trotz des stillen Staatsstreichs von Erdogan und seines Marsches in den Führerstaat unterstützt die deutsche Innenpolitik weiterhin Erdogans Krieg gegen die Kurden.
Europa: Angst vor der Ungleichheit
Ausgleich der Institutionen scheitert
von Ingo Schmidt
Angst herrscht in Europa. In den Gläubigerstaaten der Eurozone die Angst, Brüssel würde vom Munde abgesparte Steuergelder zur Subventionierung eines ausschweifenden Lebensstils in Südeuropa verschwenden. In den Schuldnerstaaten die Angst, von Brüssel und Berlin erst an den Bettelstab gebracht zu werden und dann vielleicht doch noch aus dem Euro zu fliegen.
Griechenland: Ansprüche an die BRD
Parlamentsbericht verlangt Reparationen
von Paul Michel
Ein Ausschuss des griechischen Parlaments hat Ende Juli den lang erwarteten Bericht über die griechischen Reparationsforderungen gegenüber Deutschland fertiggestellt. Anfang September soll es darüber im griechischen Parlament zu einer Abstimmung kommen.
Erdogan will die Kurden aus ihren Gebieten vertreiben
Über den «zivilen Putsch» und die Entstehung einer neuen Allianz der Linken
Gespräch mit Nes’e Kartal
Gegenüber der Umwälzung des Staatsapparats, die Erdogan eingeleitet hat, nimmt sich der gescheiterte Putsch einiger Militärs geradezu stümperhaft aus. Tempo und Umfang, in denen der Staatsapparat von den mutmaßlichen Gegnern Erdogans gesäubert wird, sind atemberaubend.
Erdogan und das «Geschenk Allahs»
Der Staatsstreich hinter dem Putsch
von Emre Öngün
Der Putschversuch in der Türkei in der Nacht vom 15. auf den 16.Juli 2016 wirft zahlreiche Fragen auf: über die dahinter stehenden Kräfte, aber auch über die politische Neuordnung, die nach seiner Niederschlagung in Gang gekommen ist.
Maulwurfsarbeit
Die Gülen-Bewegung am Werk
von ak
In den westlichen Medien wird die Gülen-Bewegung gern als aufgeklärte Variante des Islam dargestellt. Dem ist nicht so, das bestätigen zahlreiche Analysen unabhängiger Journalisten, die nicht verdächtig sind, Erdogan-Anhänger zu sein.
Gülen ist kein Unschuldsknabe
Machtübernahmepläne und Bewegung
von Ezgi Basaran*
Nach dem 9. September 2011 wurde Gülen im Westen als Alternative zum aufsteigenden radikalen Islamismus gehandelt, als Verfechter des Friedens und interkulturellen Dialogs. Kenner der Gülen-Bewegung weisen diese Zuschreibung zurück. Die Journalistin Ezgi Basaran schreibt dazu auf hürriyetdailynews.com:
Rechtsruck in Großbritannien
Die UKIP-isierung der Tories
von Alan Thornett*
Die Träume derer, die im Brexit eine Verschiebung des Kräfteverhältnisses nach links gesehen haben, sind schnell zerplatzt. Die neue britische Regierung ist die rechteste seit Thatchers Zeiten.
Offener Brief an die britische Linke von einem griechischen Linken
Warum die Stimme für den Brexit keine rassistische war
von Verso*
Der griechische Dozent für Politische Theorie am Londoner King’s College, Stathis Kouvelakis, ist unseren Leserinnen und Lesern als Mitglied des Zentralkomitees von SYRIZA und engagierter Befürworter eines Austritts aus dem Euro während der sogenannten Griechenland-Krise 2010–2015 bekannt.
Großbritannien ist nicht Griechenland
Eine Antwort auf die Brexit-Fans
von Angela Klein
In der Brexit-Kampagne ist das linke Nein zur EU untergegangen. Jetzt kann sich die britische Regierung auf den «Volkswillen» berufen, wenn sie gegen Migranten vorgeht.
Frankreich: Nach neuem Gesetzestext
Das Ringen um das Arbeitsgesetz geht in die nächste Runde
von Bernard Schmid
Es ist der vorläufig letzte Akt im Ringen um das «Arbeitsgesetz»: Staatspräsident François Hollande hat den Text nun unterzeichnet, und er wurde am 8.August im Amtsblatt der Französischen Republik veröffentlicht.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil IV
Der rote Sommer der Anarchie
von Paul Michel
Die Kollektivierung der Industrie in Katalonien
Wenige Jahre nach der Zwangskollektivierung von Industrie und Landwirtschaft in der Sowjetunion mit der Folge enormer wirtschaftlicher und sozialer Katastrophen und parallel zu der darauffolgenden Welle der Moskauer Prozesse erlebte Spanien zumindest in den von der Gewerkschaftskonföderation CNT dominierten Landesteilen einen «roten Sommer der Anarchie».
Unidos Podemos
Probleme und Perspektiven der Confluencia
von Klaus Dräger
Die Parlamentswahl in Spanien am 26. Juni 2016 verlief für die europäische ‚radikale Linke‘ enttäuschend. Podemos, Izquierda Unida (IU), die Grünen (Equo) und lokale und regionale Kräfte aus sozialen Bewegungen waren erstmals landesweit in einem gemeinsamen Wahlbündnis angetreten – Unidos Podemos (Gemeinsam können wir’s). Eine confluencia (Zusammenfluss) der oppositionellen sozialen und politischen Strömungen jenseits der PSOE sollte so Kräfte bündeln und dadurch mehr Mandate erreichen, weil das spanische Wahlrecht größere Formationen begünstigt.
Nach dem Brexit…
…ist vor dem Brexit
von Mirko Düsterdieck*
Der Brexit ist bis dato für die EU Institutionen ein Novum. Aber welche politischen Rückschlüsse sind nach diesem Ereignis eigentlich zuziehen?
Welche Konsequenzen hat das Abstimmungsergebnis für die Briten, aber auch für die Kontinentaleuropäer? Da gehen bisher die Meinungen im politisch linken Lager in Deutschland auseinander.
Türkei: Nationale Versöhnung…
erstickt Özgür Gündem – no pasaran!
dokumentiert
Die nationale Aufbruchstimmung nach dem Putschversuch am 15. Juli ist durch die Unterstützung und Legitimierung der Oppositionsparteien zu einer sehr starken Waffe der AKP geworden. In dieser Atmosphäre reicht es aus, die politische Entscheidungen und Operationen der AKP zu hinterfragen, um als Vaterlandsverräter zu gelten.
Wahlen in Spanien
Erster Rückschlag für Podemos
von Manuel Garí
Der Zyklus der spanischen Wahlen, der im Gefolge der Bewegung 15M den Aufschwung einer neuen antineoliberalen, politischen Kraft mit Massenbasis ermöglichte, ist an ein Ende gelangt. Offen sind nur noch die Wahlen zum galizischen und baskischen Regionalparlament.
Die Linke nach dem Brexit
It’s capitalism, stupid!
von Angela Klein
Es ist Staatskrise in Großbritannien – und in der EU. Und die antikapitalistische Linke außerhalb von Labour stellt fest, dass sie kein Projekt hat, um einen linken Ausweg aus dieser Krise aufzuzeigen. Auch nach dem Sieg des Brexit findet sie nicht zu der politischen Initiative, die jetzt nötig wäre. Sie ist darauf zurückgeworfen, zur Bekämpfung des grassierenden Rassismus im Land aufzurufen. Und innerhalb der Labour Party hat sie alle Hände voll zu tun, den schleichenden Putsch der Parteirechten gegen den Parteivorsitzenden Corbyn abzuwehren.
Brexit – Kommentar & Meinung
Ein verheerendes Referendum zeigt ein gespaltenes Großbritannien
von Terry Conway*
Nach einer bitteren und zutiefst reaktionären Kampagne hat Großbritannien am 23.Juni mit 51,9% zu 48,1% für den Austritt aus der EU gestimmt. Der Vorsitzende der United Kingdom Independence Party (UKIP), Nigel Farage, feiert seinen Sieg gemeinsam mit seinen Kameraden aus dem rechten euroskeptischen Flügel der Conservative Party.
Brexit – Ein Desaster oder ein großer Sieg?
Die Haltungen über den Umgang mit der EU bleiben geteilt
von europe-solidaire.org und Mailinglisten*
Der Ausgang des britischen Referendums über die EU ist in Kreisen der antikapitalistischen Linken sehr unterschiedlich interpretiert worden. Dabei kreist die Debatte hauptsächlich um zwei Fragen:
Die radikale Linke muss sich neu aufstellen
Aktuelle Lage in Griechenland und Umgruppierungsversuche der griechischen Linken
Gespräch mit Stathis Kouvelakis*
Nach der Zustimmung der Parteiführung von SYRIZA im Juli 2015 zum sog. Dritten Memorandum traten viele Parteimitglieder aus und bildeten eine neue Organisation, die «Volkseinheit» (LAE). Deren erster Kongress sollte ursprünglich im Januar stattfinden, wurde aber verschoben und findet nun Ende Juni statt. Paul Michel sprach darüber mit Stathis Kouvelakis.
Frankreich: Totgesagte leben länger
Die Proteste gegen das neue Arbeitsgesetz sind noch nicht am Ende
von Bernard Schmid
Totgesagte oder Totgewünschte leben oftmals länger. Dies gilt, jedenfalls in gewissen Grenzen, auch nach dreieinhalb Monaten ununterbrochener Sozialproteste in Frankreich.
Regimedämmerung in Frankreich
Vom Kampf gegen das Arbeitsgesetz zum Kampf für demokratische Freiheiten
von Vincent Présumey*
Die gesellschaftliche Auseinandersetzung um das neue Arbeitsgesetz wächst sich aus zu einer Krise der V.Republik.
Die Angaben der Gewerkschaften, wonach am 14.Juni in Paris eine Million Menschen demonstriert haben (plus 200000 im Rest des Landes) sind absolut glaubwürdig.
Frankreich: Gegen Arbeitsrechts-„Reform“
Fortsetzung der Kämpfe
von Bernhard Schmid
Pariser Demonstration am gestrigen Donnerstag lief im Käfig ab, pardon: im Kreis umehr * Aber noch relativ starke Beteiligung in Paris, während sie anderswo deutlich zurückgeht * Streiks sind überwiegend zu Ende, doch Blockadeaktionen fanden am Vormittag des „Aktionstags“ statt * Glasbruch am Hauptsitz der CFDT * Bei der Bahngesellschaft SNCF verzichtet die CGT darauf, das Vetorecht der Mehrheitsgewerkschaften gegen das neue Kollektivabkommen (ungefähr: Tarifvertrag) auszuüben, und winkt es damit durch.
Frankreich: Kampf gegen das Arbeitsgesetz
Großdemonstration am 14. Juni*
von Bernard Schmid
Paris gestern: Zentraldemonstration groß, doch infolge militanter Zusammenstöße in drei Teile zerbrochen * Gewerkschaften gelangen mehrheitlich nicht bis auf den Abschlussort * Konservativer (aussichtsreichster) Präsidentschaftskandidat Alain Juppé ab nun für Demonstrationsverbot; Premier Manuel Valls appelliert an die CGT für „ein Ende der Großdemonstrationen“ * Ein Demonstrant schwebt zwischen Leben & Tod * Besetzungsversuche: ein Flop.
Oxi! Basta! Enough!
Nein sagen reicht nicht
von Angela Klein
«Es gibt viele gute Gründe, die EU zu verlassen», schreibt der Kolumnist des britischen Guardian, Paul Mason, zur Debatte über den Brexit und einen linken Austritt aus der EU. «Die EU ist keine Demokratie und kann keine werden. Im Gegenteil, sie schafft das einladendste Umfeld der Welt für couponschneidende Monopolkonzerne, steuerhinterziehende Eliten und organisiertes Verbrechen.
Lexit statt Brexit?
Die britische Linke und der EU-Austritt
von Terry Conway*
Am 23.Juni stimmt Großbritannien in einem Referendum über den Verbleib des Landes in der EU bzw. seinen Austritt aus derselben ab. Die Entscheidung, ein solches Referendum durchzuführen, war ein Zugeständnis von David Cameron, mit dem der Premierminister versuchte, die rechten Euroskeptiker in seiner eigenen Konservativen Partei zu beschwichtigen. Wie vorauszusehen war, hat dies nur zu einem Anstieg reaktionärer Stimmungen geführt.
Neue EU-Richtlinie
Alles ist Geschäftsgeheimnis
von Gerhard Klas
Geht es nach einer neuen EU-Richtlinie, der im April die Mehrheit der Abgeordneten im EU-Parlament zustimmte, laufen Journalisten und ihre Quellen, die etwa an den Enthüllungen über die Briefkastenfirmen in Panama beteiligt sind, künftig das Risiko, strafrechtlich verfolgt zu werden.
Vor einem neuen Mai 68?
Erklärung der Unterschiede zu heute
Gespräch mit Alain Krivine
Frankreich liefert gerade ein Musterbeispiel für die Instabilität der politischen und gesellschaftlichen Verhältnisse in Europa. An die drei Monate dauert nun schon der Kampf gegen das neue Arbeitsgesetz – und es würde keiner eine Wette darauf abschließen, wie er zu Ende geht.
Frankreich: Den Streik unterstützen heißt volltanken
So denken immer mehr Unterstützer der französischen Sozialproteste
von Bernard Schmid
Ökologisch motivierte Bedenken gegen den motorisierten Individualverkehr hin oder her: Jetzt muss ein voller Autotank her und dazu noch ein paar Kanister. Denn der Streik, der am Ende der vorletzten Maiwoche in den französischen Raffinerien begonnen hat, soll möglichst schnell seine Wirkung zeigen.
7.Mai: 200000 gegen Kaczynski
Größte Demonstration in der Geschichte Polens
von Norbert Kollenda
Den Menschen reicht es, all dieser Hass und die Einteilung der Polen in gute, echte Polen – sprich, die Unterstützer Kaczynskis – und die anderen, die schlechteste Sorte, die «Postkommunisten», Radfahrer usw. usf. Sie sehen die Errungenschaften der Demokratie in Gefahr und gehen auf die Straße.
Festanstellung statt Scheinselbständigkeit
Eine polnische Hebamme zieht vor Gericht
von Norbert Kollenda
Die Kliniken in Polen haben eine Form gefunden, um den Mangel am mittleren medizinischen Personal zu bewältigen. Zunehmend stellen sie Arbeitskräfte auf zivilrechtlicher Basis – also als Scheinselbstständige – ein, die dürfen sogar bis zu 350 Stunden im Monat arbeiten. Bei der Arbeitslosigkeit in vielen Gegenden sind Frauen dankbar dafür, haben die Männer doch oft keine Arbeit.
Griechenland: Die zweite Kapitulation
Die Regierung verkauft automatische Kürzungen als Erfolg
von Paul Michel
Seit Juli 2015 ist für Griechenland zu den ohnehin schon schweren Lasten noch die Versorgung der Flüchtlinge hinzugekommen. Griechenland erhält von den Machthabern der EU dafür – im Gegensatz zur Türkei – weder nennenswerte finanzielle Hilfsleistungen noch Erleichterungen bei den Sparauflagen für den Haushalt. Stattdessen verlangte die Quadriga von der SYRIZA-Regierung weitere Kürzungen.
Zerwürfnisse in der Eurogruppe?
Wer auf Spaltungen zwischen den Herrschenden setzt, hegt falsche Hoffnungen
von Paul Michel
Im Vorfeld des Treffens der Finanzminister der Eurogruppe am 9.Mai in Brüssel redeten vor allem die Medien «tiefgreifende Zerwürfnisse» in der Quadriga herbei.
Deutsche Besatzung 2.0
Fraport übernimmt die griechischen Flughäfen
von Imke Meyer*
Alle Vorteile bleiben beim Konzern, alle Nachteile beim Staat – das ist das Rezept, nach dem die Privatisierung des griechischen Staatsvermögens vorgenommen wird, eine mit keinem Feigenblatt mehr verhüllte Form des Kolonialismus. Bedurfte es früher noch einer Armee, um sich einen fremden Staat untertan zu machen, reichen dazu heute die Sturmtruppen der Troika.
Präsidentschaftswahlen in Österreich
Eine Aufholjagd macht Geschichte
von Leo Gabriel
Die Würfel sind gefallen: Der ehemalige langjährige Chef der Grünen, Alexander Van der Bellen, hat mit nur 31026 Stimmen (0,3%) Vorsprung die Stichwahl um das Amt des österreichischen Bundespräsidenten gegen Norbert Hofer, den Kandidaten der rechtspopulistischen FPÖ (Freiheitliche Partei Österreichs) gewonnen.
Linke für offene Grenzen für alle? – Debatte, Teil II
Abstrus
Tino Plancherel schreibt in der Mai-Ausgabe der SoZ von «eurozentristisch verblendeten Vertretern der absoluten Personenfreizügigkeit». Er begründet seine ablehnende Haltung gegenüber offenen Grenzen für Flüchtlinge mit dem Ärztemangel in armen Ländern. Das ist schon deshalb Unsinn, weil die «Ärzte» (respektive alle Arten gut ausgebildeter Leute aus solchen Gegenden) in ihrer Mehrzahl nicht als Flüchtlinge, sondern als angeworbene Arbeitskräfte in zahlungskräftigere Länder kommen. Mit den aktuellen Flüchtlingsdramen hat das null und nichts zu tun.
Linke für offene Grenzen für alle? – Debatte, Teil III
Schöne Grüße aus Griechenland,
wo ca. 80000 Flüchtlinge zum Teil unter menschenunwürdigen Bedingungen, zum Teil in gefängnissartigen Lagen leben – in einem Land mit einer mehrheitlich «sozialistischen» Regierung.
Die Reichen müssen beschützt werden
Zur Militarisierung der EU-Flüchtlingspolitik
von Angela Klein
Grenzzäune, bewaffnete Patrouillen, Aufklärungsdrohnen, Konzentrationscamps, Kriegsschiffe: Die Militarisierung der Flüchtlingspolitik datiert nicht erst seit dem vergangenen Jahr. Sie geht zurück auf eine französisch-britische Initiative aus dem Jahr 2009 und noch weiter in die 90er Jahre. Sie ist die offenherzige Antwort der Herrschenden auf die Folgen der kapitalistischen Globalisierung.
Belgien: Idealer Nährboden für islamischen Terrorismus
Rekrutierungserfolg für Jihadisten hausgemacht?
von Mauro Gasparini*
«Jetzt ist es passiert». Viele Einwohner von Brüssel hatten dieses Gefühl am 22.März, als die terroristischen Attentate die belgische Hauptstadt trafen, so sehr hatten Medien und Politik die Gemüter darauf vorbereitet. Schon im November 2015 hatten Regierung und Geheimdienste für ganz Brüssel wegen «unmittelbarer Gefahr im Verzuge» den Belagerungszustand verhängt, womit alles städtische Leben vier lange Tage erlosch – das war ein regelrechter Großversuch in Sachen Ausnahmezustand. Seitdem hat die Armee die Vorherrschaft über die Straßen von Brüssel und anderer großer Städte wie Antwerpen übernommen.
Österreich – Umgang mit Fluchtmigration
Kirche contra Regierung
dokumentiert
Mitte April besuchte Papst Franziskus Lesbos und kehrte mit zwölf Flüchtlingen in den Vatikan zurück – ein symbolischer Akt. Seinen ersten Besuch als Papst überhaupt hatte er 2013 Lampedusa abgestattet. Wenige sind so deutlich wie er, wenn es um menschliche Flüchtlingspolitik geht.
Nuit debout – Wir müssen den Platz jeden Tag neu besetzen
Über die neue Protestbewegung in Frankreich
Gespräch mit Theo und Elie
Jetzt hat auch Frankreich seine Bewegung der Plätze, ähnlich wie vor einigen Jahren Spanien und Griechenland, aber doch ganz anders. Das fängt schon damit an, dass die Nacht zum Tag gemacht wird und der Platz der Republik, von dem alles ausging, jeden Tag neu besetzt werden muss.
Debout!
Das Gesicht der neuen Protestbewegung in Frankreich
von Bernard Schmid
Wer hätte damit gerechnet! Vor zwei Monaten noch klagten französische Aktivisten über die Lähmung der sozialen Bewegungen – doch die Riesendemonstration am 31.März hat alles verändert.
Nach der Nuit debout – der «wachen Nacht» – bringt die französische Sozialprotest- und Platzbesetzerbewegung nun neue Varianten hervor.
Hinter Stacheldraht
Die Lage der Flüchtlinge auf Lesbos – ein Reisebericht
von Paul Kleiser
Trotz des Abkommens mit der Türkei steigt die Zahl der Flüchtlinge in Griechenland weiter. Der Autor hat sich an Ostern auf der Insel Lesbos umgesehen.
Nach der Schließung der Grenzen der Balkanstaaten und Österreichs halten sich gegenwärtig noch über 50000 Flüchtlinge und Migranten in Griechenland auf – die vielen Flüchtlinge, die sich seit Jahren legal oder illegal im Land aufhalten, sind dabei nicht mitgerechnet.
Neues Arbeitsgesetz in Frankreich
Die CFDT ist wieder Steigbügelhalter
von Bernard Schmid
Zum zehnten Geburtstag gab es ein richtiges Ständchen: An der Party nahmen mehrere hunderttausend Menschen teil, und es werden noch weitere erwartet. Ungefähr so könnte man die Wiederkehr des Jahrestags jener Sozialproteste, die zum bislang letzten Mal in Frankreich eine Regierung zu einem Rückzieher zwingen konnten, beschreiben.
Streiks und Streikrecht in Portugal
Wo Streikende nicht behindert werden dürfen
von Anne Engelhardt*
In Portugal gab es unterschiedliche Versuche der Herrschenden, die Löhne und Arbeitsbedingungen unter dem Vorwand der Krise anzugreifen. Doch die Bevölkerung wehrt sich, zu kleinen Teilen auch erfolgreich. Auf was für ein Streikrecht kann sie dabei zurückgreifen?
Teure «billige» Kohle
Auch in Polen ist das Festhalten an der Kohleverstromung ein teures Unterfangen
von Norbert Kollenda
Durch den Kohlebergbau ist in Polen eine Konzentration von abhängig Beschäftigten sowohl im Bergbau als auch in der nachfolgenden Industrie entstanden. Bei Erdöl und Erdgas gibt es diese Arbeitermacht nicht, da können die Eigentümer (oder Putin) mehr oder weniger machen, was sie wollen.
Das portugiesische Experiment
Neue Parlamentsmehrheit stoppt neokonservativen Verarmungskurs
von Hermann Dierkes
Bei den Wahlen im letzten Oktober hat der rechte Parteienblock die absolute Mehrheit verloren. Ein schwerer Schlag auch für die neoliberale EU und die Merkel-Freunde. Die sozialdemokratische PS (Sozialistische Partei) hatte zwar kaum dazu gewonnen, aber der Erfolg der politischen Linken – insbesondere des Bloco de Esquerda (Linksblock) – war enorm.
«Brot statt Militarismus»
Ein Osteuropäisches Sozialforum in Wroclaw – und die ganze Welt kam
von Norbert Kollenda
Seit Jahren hegten Aktivisten in Polen den Wunsch, ein Sozialforum zu veranstalten, auf dem die besondere Lage in den ehemaligen sogenannten sozialistischen Ländern analysiert und eine Antwort versucht wird auf die Frage, die im Programm so formuliert wurde: «Wie können wir ein politisches Bewusstsein in Osteuropa schaffen, wie eine gemeinsame Strategie des Kampfes entwickeln, die Zusammenarbeit koordinieren und ein ökologisches Bewusstsein wecken?»
EU-Debatte
Auf der Suche nach dem Ausgang
von Steffen Stierle*
Raus aus der EU oder die EU von innen reformieren? Diese Debatte hat nach der erzwungenen Kapitulation der griechischen Regierung im Sommer letzten Jahres in der Linken mächtig an Fahrt aufgenommen. Die SoZ dokumentiert in lockerer Reihenfolge unterschiedliche Standpunkte.
Gesetzesänderungen in Großbritannien, Österreich
Neue Gesetze zu Sexualstrafrecht und häusliche Gewalt
von Angela Huemer
Am 11.Mai 2011 beschloss der Europarat die sog. Istanbuler Konvention, ein Übereinkommen zur Verhütung und Bekämpfung von Gewalt gegen Frauen. Insgesamt haben sie 38 Mitgliedstaaten des Europarats unterzeichnet; ratifiziert und in Kraft getreten ist sie seither in 21 Staaten – nicht in Deutschland.
Blinde und barbarische Gewalttaten
NPA Frankreichs zu den Anschlägen in Brüssel
dokumentiert
Die Neue Antikapitalistische Partei (NPA) verurteilt die beiden terroristischen Attentate in Brüssel, die mindestens 34 Tote und mehr als 198 Verletzte zur Folge gehabt haben. Sie drückt den Opfern und ihren Angehörigen ihre Solidarität aus.
Anschläge in Brüssel
LCR/SAP, Sektion der Vierten Internationale in Belgien
Die LCR/SAP verurteilt in aller Schärfe die feigen terroristischen Attentate des 22. März in Brüssel. Keinerlei politische oder religiöse Motive können diese niederträchtigen Verbrechen rechtfertigen. Die LCR/SAP erklärt allen den unschuldigen Opfern dieser blinden Gewalttaten ihre Unterstützung und ihre tief betroffene Solidarität.
Blinder Terror mit Folgen
Kommentar zum Blutbad in Brüssel
von Manuel Kellner
Die neuen Anschläge in Brüssel sind einmal mehr blinder Terror, diesmal mit mindestens 34 Toten und fast zweihundert Verletzten, alles unschuldige Zivilpersonen. So wie die modernen Interventionskriege der führenden Industrieländer mit ihrer überlegenen Militärmacht immer barbarischer zwecks Einschüchterung bewusst zivile Opfer ins Visier nehmen, so auch diese Attentäter, die den Krieg nach Europa tragen.
Gianis Varoufakis will die EU retten
DIEM25: Democracy in Europe Movement 2025
von Thies Gleiss
Am 9.Februar 2016 lud der frühere griechische Finanzminister und mittlerweile Popstar der gefälligen EU-Kritik, Gianis Varoufakis, zur Abendversammlung in die Berliner Volksbühne, um sein Projekt «Democracy in Europe Movement 2025» aus der Taufe zu heben.
Kill the Bill
Neues Antigewerkschaftsgesetz in Großbritannien
von Terry Conway*
Die britischen Antigewerkschaftsgesetze, eingeführt unter Margaret Thatcher und von der Labour-Regierung nicht abgeschafft, sind die restriktivsten in der ganzen EU. Nun schlagen die Tories ein neues Gesetz vor, das das kollektive Organisieren noch mehr erschweren soll.
1.März: Transnationaler Streik
Gegen das Europa der Austerität und der Grenzen
von Peter Nowak
«Ganz sicher gibt es etwas wie ein ‹Wir› und ‹den Anderen› im heutigen Europa. Dieser Gegensatz besteht aber nicht zwischen Demokratie und Terror, sondern zwischen denen, die ausgebeutet werden, und denen, die ausbeuten, zwischen denen, die sich auf die Suche nach einem besseren Leben machen, und denen, die Grenzen, Zäune und Mauern errichten.
Humanitäre Fluchtwege
Ein Pilotprojekt aus Italien
von Angela Huemer
Eine ökumenisch-institutionelles Pilotprojekt schafft auf beispielhafte Weise legale Einreisewege für Flüchtlinge.
Generalstreik gegen Rentenreform
Neue Protestwelle in Griechenland wirft Fragen auf
von Paul Michel
Am 4.Februar fand in Griechenland ein weiterer Generalstreik gegen die geplante Rentenreform statt. Es war der 36.Generalstreik seit November 2010.
Zum Streik aufgerufen hatten der Dachverband der Gewerkschaften im öffentlichen Dienst (ADEDY), der Verband der Gewerkschaften in der Privatwirtschaft (GSEE) und der der KKE nahestehende Gewerkschaftsverband PAME. Der Protest richtete sich in erster Linie gegen das Vorhaben der Regierung SYRIZA, die Renten- und Sozialversicherung mit höheren Abgaben zu belasten und die Renten dafür ein weiteres Mal zu kürzen – aber auch gegen weitere Steuererhöhungen.
VIO.ME macht weiter
Drei Jahre betriebliche Selbstverwaltung
von Hans Bürger
Mitte Februar (13./14.2.) feierte VIO.ME sein dreijähriges Bestehen als selbstverwalteter Betrieb – mit Workshops und Musik.
Seit 2013 produziert die Belegschaft in eigener Regie umweltfreundliche Seifen und Reinigungsmittel ohne chemische Zusätze. Inzwischen hat der Betrieb offiziell den Status einer Sozialkooperative mit eigener Steuernummer erlangt. Die Produkte werden ohne Zwischenhändler auf informellen Märkten und in sozialen Zentren in Griechenland vertrieben. Eine breite internationale Solidartätsbewegung unterstützt das Projekt durch Spenden und durch die Abnahme der Produkte.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil II
1936 – Zeit der Massenbewegungen
von Paul Michel
Am 16.1.1936 wurde die Volksfront (Frente Popular) gegründet. Sie umfasste im wesentlichen die gemäßigten Republikaner (Republikanische Linke und Republikanische Union), die sozialdemokratische PSOE (Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) und den ihr nahestehenden Gewerkschaftsverband UGT, die stalinistische PCE (Kommunistische Partei Spaniens) sowie die unabhängigen Kommunisten der POUM (Arbeiterpartei der marxistischen Einigung).
Generalstreik in Griechenland
gegen Rentenreform ist voller Erfolg!*
von Elisa Hübel
Alle Sektoren waren massiv beteiligt! Die ersten Berufsverbände gingen bereits zwei Tage vorher in den Streik, so dass man eher von einem Rollstreik nach italienischem Vorbild sprechen muss. alleine in Athen waren ca. 100 000 auf der zentralen Demo.Aber auch in kleinen Orten fanden Kundgebungen statt.
Am Donnerstag fand in Griechenland ein Generalstreik statt. Es war der 36. dieser Art seit November 2010. Daran beteiligten sich Vertreter der unterschiedlichsten Berufszweige: das öffentliche Leben war stark beeinträchtigt. Es fuhren weder Schiffe noch Eisenbahnen.
Der Anschlag in Istanbul
Wirkung verpufft?
von Murat Cakir*
Nach den Anschlägen in Istanbul verkündete die Regierung Erdogan sehr rasch, diese seien das Werk des IS. Doch Zweifel sind angebracht.
Die Tatsache, dass weder der deutsche Bundesinnenminister, der sich zu dem Zeitpunkt in der Türkei aufhielt, noch deutsche Geheimdienste mit Sicherheit den Anschlag von Sultanahmet direkt dem IS zuordnen, zeigt, dass mehr dahinter steckt.
Tahrir in Europa
Die Verweigerungshaltung der europäischen Linken
von Marieme Helie Lucas*
Die Reaktionen auf die Sylvesternacht in Köln und anderswo konnten nicht überraschen: Vertuschung der Vorfälle, ihrer internationalen Koordinierung und ihres Umfangs so lange wie möglich durch die politisch Verantwortlichen, ihre Polizei und die Medien, die damit wie gewohnt die Rechte der Frauen dem sozialen Frieden opfern.
Frankreich: Reform des Arbeitsgesetzbuchs
Das Arbeitsrecht steht unter Beschuss
von Pierre Cours-Salies*
In Frankreich nehmen der Unternehmerverband MEDEF und die Regierung Hollande derzeit eine Grundfeste der sozialen Rechte aufs Korn: das Arbeitsgesetzbuch. Angeblich ist es zu umfangreich und muss abgespeckt werden, tatsächlich waren es die Unternehmer, die in den letzten zwanzig Jahren einen Haufen Ausnahmen von den gesetzlichen Bestimmungen durchgesetzt haben, sie machen etwa ein Drittel des Gesetzbuchs aus!
Portugal: Fortschritte und Widersprüche der neuen Regierung
Portugal: Fortschritte und Widersprüche der neuen Regierung
von João Camargo*
Nach den Wahlen in Portugal im letzten Oktober schien es unwahrscheinlich, dass ihr Ergebnis so weitreichende Folgen haben würde. Die sozialdemokratische Sozialistische Partei (PS) unter António Costa hatte zu wählen zwischen einer totalen Kapitulation gegenüber der Mitte-Rechts-Partei oder einem Linksruck; sie hat sich zunächst für den Linksruck entschieden.
Präsidentschaftswahlen in Portugal
Die Revanche der Rechten
von Cristiano Dan
Was zu befürchten war, ist eingetreten. Der Präsidentschaftskandidat der rechten Parteien, Marcelo Rebelo de Sousa, wurde im ersten Wahlgang mit rund 52% der Stimmen gewählt.
«Die Kapitulation im Juli war nicht objektiv unvermeidlich»
Über die Gründe für die Kapitulation von Tsipras vor den Gläubigern und die Arbeit der Linken in SYRIZA
von Antonis Davanellos
Antonis Davanellos ist Mitglied der Leitung von DEA (Internationale Arbeiterlinke), die Teil der Linken Plattform in SYRIZA war. Er war auch Mitglied des Zentralkomitees von SYRIZA.
Wie viel Integration wollen wir?
Für einen Dritten Weg in der Debatte um die Zukunft der EU
von Peter Wahl
Die ungeheure Brutalität, mit der die Troika gegen den Versuch der ersten Regierung SYRIZA vorgegangen ist, sich aus dem Teufelskreis der Schulden und der Memoranden zu befreien, hat in der europäischen Linken große Perplexität ausgelöst. Die Reaktionen waren unterschiedlich, aber auf allen Seiten ist das Bedürfnis groß, darüber zu reden, Analysen und Einschätzungen auszutauschen und, nicht zuletzt, Strategien zu entwickeln.
Wie die Demokratie verteidigen?
Plädoyer für eine Machtübernahme des Volkes in Polen und anderswo
von Przemyslaw Wielgosz
Es war zu erwarten, dass die Regierung der PiS (Partei Recht und Gerechtigkeit) zu gesellschaftlichen Protesten führen würde. Es war aber nicht zu erwarten, dass es so schnell und in solch einem Ausmaß geschah. Das ist eine gute Nachricht.
Die PiS ist die Erbin der Transformation
Über die Abschaffung der Dritten Republik
Gespräch mit Karol Modzelewski*
Die Aufhebung selbst der formalen Unabhängigkeit der Justiz und der Medien weckt bei vielen Polen die Angst vor einem stillen Staatsstreich. Nachstehend dazu Auszüge aus einem Interview der Monatszeitschrift Przeglad mit Karol Modzelewski (11.1.2016).
Umworben von Washington und Moskau
In der Türkei stehen die Kurden mit dem Rücken zur Wand, doch in Syrien gewinnen sie Handlungsspielraum
von Nick Brauns
Erdogans Wiederaufnahme des Krieges gegen die Kurden in der Türkei wird durch die Stärkung der Kurden im Kampf gegen den IS in Syrien konterkariert.
Erstmals seit den 90er Jahren ist die türkische Armee im Dezember mit Panzern in die von Kurden bewohnten Städte im Osten des Landes eingerückt.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil I
Vom Ende der Monarchie zur Volksfront
von Paul Michel
Große gesellschaftliche Transformationen in Europa sind immer ein europäischer Prozess. Daran zu erinnern lohnt sich vor allem in der heutigen Situation, wo es erneut massive gesellschaftliche Umbrüche in Europa gibt. In Spanien hat sich 1936–1939 das Schicksal Europas entschieden: Erst durch das Scheitern dieser Revolution wurde der Weg frei für den Zweiten Weltkrieg und die Vorherrschaft des Faschismus.
Europas Hütehund…
…die Türkei
von Angela Klein
Der europapolitische Ansatz der «Merkel-Linie» in der Flüchtlingspolitik hat eine fatale Wendung genommen: Ging es zunächst darum, «Menschen in Not» zu helfen und alle EU-Länder dabei mit in die Pflicht zu nehmen, ist dieser Ansatz längst dem Junktim gewichen, dass Hilfe für die bereits Angekommenen nur möglich ist, wenn gleichzeitig die Außenmauern der EU so hoch gezogen werden, dass niemand anderes mehr reinkommt.
Wir feiern den Wahlsieg…
…aber wir arbeiten am Bruch
Erklärung von Anticapitalistas*
Die Auflehnung gegen die Politik der Einschnitte und der Angriffe auf die arbeitende Bevölkerung, die am 15.Mai 2011 (15M) begann, hatte nun auch Folgen an der Wahlurne. Ein weiterer Beweis dafür, dass viele Leute nicht klein beigeben und dass es eine breite soziale Basis dafür gibt, weiterhin für eine radikale politische und soziale Veränderung zu arbeiten, die den Zwangsräumungen, den Missbräuchen der Banken und der Ausbeutung und Prekarisierung der Arbeit, der Machogewalt, der Behinderung der freien Selbstbestimmung der Völker und der Zerstörung der Natur ein Ende bereitet.
Regionalwahlen in Frankreich
Linke in der Sackgasse
von Roger Martelli/d.Red.*
Welch ein Ergebnis! Im ersten Wahlgang enthält die sich die Hälfte der Wahlberechtigten, im zweiten Wahlgang sinkt der Anteil der Enthaltungen nur deshalb auf 41,5%, weil parteiübergreifend Front gemacht wird gegen einen Durchmarsch der rechtsextremen FN. Dadurch hat diese ihr Wahlziel, in zwei Regionen die Regionalpräsidentin zu stellen, nicht erreicht.
«Postfaschismus» in Europa
Der politische Wandlungsprozess der rechtsextremen Parteien
Gespräch mit Enzo Traverso
Am Ende hat sie ihr Wahlziel doch nicht geschafft: Marine Le Pen, die Vorsitzende der rechtsextremen FN, ist nicht Regionalpräsidentin in ihrem Wahlbezirk Nord-Pas-de-Calais-Picardie geworden. Und auch ihre Nichte, Marion Maréchal-Le Pen, die sich noch stärker aus der Mottenkiste faschistischer ideologischer Versatzstücke bedient, hat in der Region Provence-Alpes-Côte-d’Azur ihr Wahlziel in der zweiten Runde der Regionalwahlen verfehlt.
Frankreich und Belgien auf dem Marsch in den autoritären Sicherheitsstaat
Ausnahmezustand – für wen?
von der Redaktion
In Frankreich wie in Belgien werden unter dem Vorwand des «Kampfes gegen den Terrorismus» Notstandsmaßnahmen verhängt, die ganz andere Ziele verfolgen als die verkündeten.
Notstand der Demokratie!
Ein Aufruf aus Belgien wider die Angst
von lcr-lagauche.org*
In Belgien haben 40 Erstunterzeichner aus Wissenschaft, Gewerkschaften und politischen Aktivisten einen Aufruf lanciert mit dem Titel: «Von der Angst zum Widerstand – Notstand der Demokratie!» Er beschreibt den zweifelhaften Charakter der Notstandsmaßnahmen der belgischen Regierung.
Ist die Klimabewegung die Zukunft des Antikapitalismus?
Eine erste politische Bilanz der Proteste gegen den UN-Klimagipfel
aus Regards.fr*
Der Ausnahmezustand hat verhindert, dass die Aktionen rund um den Klimagipfel in Paris den Massencharakter annehmen konnten, der im Vorfeld erhofft worden war. Erschwerend kam hinzu, dass das Bündnis Coalition Climat 21 uneins war, wie es darauf reagieren sollte. Dennoch haben in den beiden ersten Dezemberwochen zahlreiche Aktionen stattgefunden, an denen jeweils Tausende beteiligt waren.
Griechenland: Frontstaat des Abschottungsregimes
Griechenland: Frontstaat des Abschottungsregimes
von Paul Michel
Nachdem Griechenland die Souveränität über seinen Haushalt genommen wurde, ist es jetzt auch nicht mehr Herr seiner Grenzen.
Seit dem 18.November 2015 entwickelt sich Idomeni, ein Ort an der Grenze zwischen Griechenland und Mazedonien, für Tausende von Flüchtlingen zum Ort des Horrors. Die Entscheidung der mazedonischen Regierung vom 19.November, ihre Grenze für alle Flüchtenden mit Ausnahme derer aus Syrien, Afghanistan und Irak zu schließen, hatte katastrophale Folgen.
Polens liberales Aufbegehren
Verfassungsbruch bringt Tausende auf die Straße
von Norbert Kollenda
Am 12.Dezember waren nicht, wie erwartet, 5000 oder 10000 Menschen in Warschau auf der Straße, sondern 50000, und weitere Tausende bei Demonstrationen in Danzig, Posen und in anderen Städten. Aber es waren nicht Kaczynskis Leute – seine Politik hat die Menschen aufgebracht. Am Samstag darauf waren wieder Tausende in 20 Städten Polens auf der Straße.
Parlamentswahlen in Spanien
Das Zweiparteiensystem ist gebrochen
von Flavio Guidi*
Bei den jüngsten Parlamentswahlen in Spanien hat die Linke (einschließlich der sozialdemokratischen PSOE) die Mehrzahl der Stimmen erzielt (rund 52%), doch wegen des undemokratischen Wahlgesetzes erhält sie nicht die Mehrheit der Sitze.
Tschechische Republik: Neue Rechtspartei im Aufwind
Die Chancen auf einen Anschluss an Westniveau schwinden zusehends
von Stepán Steiger
Mit der derzeitigen Wirtschaftspolitik bleibt Tschechien dauerhaft vom Westniveau abgehängt, fürchten die tschechischen Gewerkschaften. Das gibt einer neuen, rechtsnationalistischen Partei Auftrieb.
Ausnahmezustand in Frankreich
Kriegsdiskurs des Präsidenten
von Gilbert Achcar
Mit der Ausrufung des Ausnahmezustandes begeht Frankreich einen Fehler
Der Kriegsdiskurs des französischen Präsidenten zielt darauf ab, diese Maßnahme zur Norm zu machen.
Ein strategischer Irrtum, verbunden mit einem politischen Fehler, der das Risiko des Terrorismus
weiter anwachsen lässt.
Frankreich im Ausnahmezustand
Wer ist da im Visier?
von Bernard Schmid
Noch in der Nacht des Pariser Blutbads verhängte die französische Regierung den Notstand. Dieser beinhaltet unter anderem ein allgemeines Versammlungsverbot unter freiem Himmel. Nur Spontankundgebungen für Trauer und Gedenken wurden de facto toleriert. Doch beispielsweise die für Anfang Dezember vorgesehenen Proteste rund um den UN-Klimagipfel wurden offiziell untersagt.
Europol wird zur Superbehörde
Im Windschatten der jüngsten Terroranschläge rüstet die EU-Polizei mächtig auf
von Andrej Hunko*
Die Anschläge in Paris wurden in mehreren Ländern geplant und organisiert. Grenzüberschreitende, koordinierte Ermittlungen sind deshalb richtig und wichtig. Das darf nicht bedeuten, dass sich ein Sicherheitsapparat zur Gefahrenabwehr verselbständigt. Genau dies beobachten wir aber gerade bei Europol.
DGB und CGT
Wie Gewerkschaften auf die Terroranschläge reagieren
von Manfred Dietenberger
Bei sechs menschenverachtenden Anschlägen wurden am 13.November in Paris willkürlich 130 Menschen ermordet, über 350 Menschen verletzt. Kein Mensch, den das nicht aufwühlt. Kein Gewerkschafter, der da mit den Opfern und ihren Angehörigen nicht mitleidet und gemeinsam mit der Pariser Bevölkerung die Attentäter und deren Drahtzieher (der sog. Islamische Staat) verabscheut.
Auf dem Weg zum transnationalen sozialen Streik?
Bericht vom Treffen in Poznan
von Peter Nowak
Am ersten Oktober-Wochenende hatte die anarchosyndikalistische polnische Gewerkschaft Inicjatywa Pracownicza (Arbeiterinitiative) zum transnationales Streikmeeting nach Poznan eingeladen. Zu den etwa 150 Teilnehmenden gehörten Aktivisten sozialer Zentren Italiens und die Gruppe Angry Workers aus Großbritannien. Aus Deutschland waren vor allem Vertreter der Interventionistischen Linken und des Blockupy-Netzwerk gekommen.
Flüchtlinge in Polen
Haltung: Nicht erwünscht
von Norbert Kollenda
Es gibt viele widersprüchliche Berichte darüber, wie die polnische Bevölkerung zu den Flüchtlingen steht. Fakt ist, dass die Regierung sich gegen die Aufnahme von Flüchtlingen sperrt. Ich denke, sobald eine Flut von Flüchtlingen nach Polen käme, würden wir erfahren, wie die Bevölkerung reagiert – schließlich sind die Polen als gastfreundlich bekannt. Wer hätte denn vorher in Deutschland vermutet, dass eine Welle von Hilfsbereitschaft die Flüchtlinge willkommen heißt?
Wahlen in Polen
Zahlen und Fakten
von Ewa Groszewska*
Bei den Parlamentswahlen in Polen am 25.Oktober haben zwei Parteien am besten abgeschnitten, die bereits vorher die politische Szene dominierten: die neoliberale Bürgerplattform (PO) und die Partei «Recht und Gerechtigkeit» (PiS).
Parlamentswahlen in der Türkei
Die Angst hat gesiegt
von Murat Çakir
Die Parlamentswahlen vom 1.November haben die Wahlergebnisse vom 7.Juni 2015 zugunsten der AKP «korrigiert», die «Partei der Gerechtigkeit und Hoffnung» holte ihre Parlamentsmehrheit zurück. Die CHP (Republikanische Volkspartei) konnte ihre Position nicht ausbauen und bleibt größte Oppositionspartei. Die HDP (Demokratische Partei der Völker) wurde trotz Verluste drittstärkste Kraft im Parlament und konnte die hohe Wahlhürde von 10% erneut überwinden. Die neofaschistische MHP (Partei der nationalistischen Bewegung) ist schwer angeschlagen und die größte Wahlverliererin.
Griechenland: erster Generalstreik…
… gegen neue Regierung
dokumentiert
Der Generalstreik am 12.November war der erste seit der Regierungsübernahme von SYRIZA. Dazu aufgerufen hatten die beiden Gewerkschaftsdachverbände ADEDY (öffentlicher Dienst) und GSEE (Privatwirtschaft), die der KKE nahestehende PAME sowie zahlreiche unabhängige Basisgewerkschaften und Organisation der außerparlamentarischen Linken.
Viomechaniki Mechaleftiki – Vio.me
Es droht die Zwangsversteigerung
von ah
Seit 1981 gibt es die Firma Viomechaniki Mechaleftiki, kurz Vio.me. Sie stellte einst Chemikalien für die Bauindustrie her. 2009 ging die Mutterfirma, Filgeram-Johnson, pleite. 2011 schickte die Eigentümerfamilie Filipou die Fabrik in die Insolvenz, die Löhne wurden nicht mehr ausbezahlt, die Beschäftigten einfach ihrem Schicksal überlassen. In erster Instanz gab es dafür eine Verurteilung zu 123 Monaten Gefängnis, in zweiter Instanz wurde sie auf 43 Monate reduziert.
Griechenlandsolitreffen in Kassel
Ein bedeutender Schritt nach vorn
von Paul Michel
Etwa 40 Personen aus Gruppen der bundesweiten Griechenlandsolidarität trafen sich am 21./22.November in Kassel, um über ihre weitere Arbeit zu beraten.
Portugal: Tolerierungsabkommen mit PS
«Wir haben die Gelegenheit, die Sparmaßnahmen rückgängig zu machen»
Gespräch mit Ferdinand Rosa (Bloco de Esquerda)
Das Tolerierungsabkommen, das die Sozialistische Partei (PS) in Portugal mit dem Linksblock (Bloco de Esquerda), der Portugiesischen Kommunistischen Partei (PCP) und den Grünen jeweils separat abgeschlossen hat, ist für das Land eine Premiere. Zum einen, weil sich der Linksblock dezidiert als Antiausteritätspartei versteht, zum anderen, weil die Parteien links von der PS bislang immer gespalten waren.
Tauziehen in Portugal
Regierungskrise: Zwischen Tolerierungsabkommen und Diktat des Staatspräsidenten
von esquerda.net*
Am 8.November verkündete der Vorsitzende der sozialdemokratischen Sozialistischen Partei (PS) ein Tolerierungsabkommen, das die PS in separaten Verhandlungen mit dem Linksblock (Bloco de Esquerda) und der Portugiesischen Kommunistischen Partei (PCP) ausgehandelt hatte. Die PS hat darin über 70 Maßnahmen zugestimmt, die sie in ihr Regierungsprogramm übernehmen will.
BRICS-Serie, Teil 2
Russland: Der ungeliebte Kapitalismus
von Ingo Schmidt
Zu Oligarchen mutierte Apparatschiks, Banker und Berater aus dem Westen und ein Zusammenbruch der Wirtschaft tiefer als die Depression in den USA oder Deutschland in den 1930er Jahren – so hat der Kapitalismus in Russland Einzug gehalten.
Die Troika der Türkei
Der IS agiert nicht allein
von Yusuf Karatas (Yeni Hayat)*
MIT und it [dt. «Köter»] – dieser Reim bezeichnete in der jüngsten Vergangenheit die Zusammenarbeit des türkischen Geheimdienstes mit den «Grauen Wölfen», die beide die gesellschaftliche Opposition mit allen Mitteln inklusive Mordanschlägen bekämpfen. Seit neuestem gesellt sich auch der IS (mit der türkischen Bezeichnung ISID) zu diesem Duo, er ergänzt dessen Terror mit Anschlägen und damit baut es zu einer Troika aus.
Auch Papierlose haben Rechte
Die Gewerkschaft Solidaires in Frankreich berät Einwanderer ohne Papiere
von Benoit Clément*
Für papierlose Einwanderer besteht in Frankreich die Möglichkeit, durch Arbeit anerkannt zu werden. Dafür müssen sie nachweisen, dass sie sich schon länger im Land aufhalten und eine bestimmte Zeit lang einer Beschäftigung nachgegangen sind, wofür sie wiederum Lohnabrechnungen brauchen.
Auf Kosten des Personals
Air France kriegt den Hals nicht voll und will zweistellige Renditen
von Léon Crémieux*
Etwa 3000 Beschäftigte, Boden- und fliegendes Personal, demonstrierten am 5.Oktober vor dem Firmensitz von Air France, viele von ihnen in ihrer Berufskleidung, gegen die Pläne der Geschäftsleitung, erneut Stellen zu streichen, diesmal in der Größenordnung von 2900 – angeblich wegen der unnachgiebigen Haltung der Pilotengewerkschaft. Die Demonstranten überwanden den Zaun vor dem Eingang zum Gebäude, drängten die anwesende Bereitschaftspolizei CRS zur Seite und stürmten die Vorstandssitzung.
Griechenland nach der Kehrtwende von SYRIZA
«Es wird jetzt sehr schwer, eine neue Perspektive aufzubauen»
Interview mit Manfred Klingele
Manfred Klingele hat mit über 30 Kolleginnen und Kollegen, die in deutschen Gewerkschaften und in sozialen Bewegungen aktiv sind, im September Griechenland besucht. Die SoZ sprach mit ihm über seine Eindrücke.
Der Fraport-Deal
Hessens Regierung sahnt kräftig mit ab
von Thomas Klein*
Wenn es nicht so traurig wäre, man könnte darüber lachen: Die Fraport AG, Betreiberin des Frankfurter Flughafens, will die 14 lukrativen, schwarze Zahlen schreibenden Flughäfen in Griechenland kaufen. Alle anderen Flughäfen, die rote Zahlen schreiben, sollen beim griechischen Staat verbleiben. Und dieser Deal wird von einer Großen Koalition der Fraport-Unterstützer im Hessischen Landtag (CDU, SPD, FDP und Grüne) als großartiges Geschäft hingestellt, dass «den Griechen nutzt».
Trotz des nationalistischen Trommelfeuers
Erdogan steht mit dem Rücken zur Wand
von Murat Çakir*
Wohin steuert das Land, das einst als Modell des Westens für die islamische Welt gehandelt wurde? In einen blutigen Bürgerkrieg? Oder wird der «schmutzige Krieg» der 90er Jahre fortgeführt? Bei den Wahlen am 1.November wird sich zeigen, ob Erdogans Eskalationsstrategie aufgeht.
Wahlen in Portugal
Erfolge für den Linksblock und die Kräfte gegen das Spardiktat
von Adriano Campos, Jorge Costa*
Die Rechte hat die portugiesischen Parlamentswahlen gewonnen, dabei aber sowohl Wählerinnen und Wähler als auch Mandate verloren.
Das Wahlergebnis läutet das Ende der absoluten Mehrheit für die bislang aggressivste Austeritätspolitik ein, die in Portugal je am Ruder war. Die Koalition aus den beiden konservativen Parteien PSD und CDS unter Führung des Premierministers Pedro Passos Coelho hat 38,5% der Stimmen erhalten. Im Vergleich zu den vorangegangenen Wahlen 2011 hat die Rechte 740.000 Stimmen und 28 Mandate verloren.
Wahlen in Katalonien
Mehrheit für die Unabhängigkeit
von Andreu Coll
Bei einer starken Wahlbeteiligung von fast 80% waren die Wahlen zum Regionalparlament in Katalonien am 27.September ein Plebiszit für den Ministerpräsidenten Artur Mas und in geringerem Maß für die CUP.
Wien bleibt Wien, oder?
Nach den Wahlen vom 11.Oktober
von Dieter Braeg
Bei den Wiener Bürgermeisterwahlen wurde die SPÖ erneut, wenn auch mit Verlusten, stärkste Partei.
«Die Linken haben eine Mehrheit», stellte Florian Klenk, Chefredakteur des Wiener Stadtmagazins Falter fest. Damit meinte er, die Strache-FPÖ sei bei dieser Gemeinderats- und Bezirksratswahl in Wien zwar Sieger gewesen, aber beim Duell Strache gegen den SPÖ-Bürgermeister Michael Häupl, da habe die Sozialdemokratie «gewonnen».
Griechenland, von Chile aus gesehen
«Erstmalig haben wir mehr Lösungen als Probleme an der Hand»
von Carlos Pérez Soto*
Die Nacht der Hoffnung vor dem großen Ochi in Athen: Das demokratische «Nein» der vielen wird später vom Grundgesetz der europäischen Austerität missachtet. Griechenland ist aus chilenischer Perspektive nur ein weiteres starkes Beispiel für die Entdemokratisierung im Neoliberalismus.
Einladung: EU-Spardiktatur? OXI NO NEIN!
Treffen der Griechenland Solidaritätsgruppen
von Paul Michel
Viel ist passiert in den letzten Monaten in Griechenland. Unter dem gewaltigen Druck der Troika hat SYRIZA kapituliert und sich von einer entschiedenen Gegnerin der Austeritätspolitik zur Vollstreckerin des 3. Memorandums gewandelt. Klar ist, das neue Memorandum bedeutet für die Bevölkerung mehr Arbeitslosigkeit, mehr Armut, mehr Privatisierung, mehr persönliches Elend – und weniger Einkommen, weniger Rente, weniger Sozialleistungen, weniger Demokratie, weniger staatliche Souveränität!
Ein Putsch von oben
TTIP und die Demokratie
von Wilhelm Neurohr*
Freihandelsabkommen dienen geopolitischen Zielen, sie sind sozusagen die «Waffen» im globalen Wirtschaftskrieg. Sie produzieren ganz wenige Gewinner und ganz viele Verlierer. Kritische Menschen haben das durchschaut und begehren gegen die «Konzernherrschaft» und gegen die Ablösung des Primats der Politik durch das Primat der Wirtschaft heftiger auf denn je.
«Uns bleibt der Kampf gegen das Memorandum»
Auszüge aus einer Erklärung von DEA* zu den Wahlen in Griechenland
Übersetzung: Céline Spieker, Angela Huemer**
Die Wahlen am 20.September erfolgten auf Initiative von Alexis Tsipras und hatten zwei Ziele:
Tsipras wollte die Handlungsfähigkeit des Regierungslagers stärken, bevor die Beschäftigten und die einfache Bevölkerung die Folgen des Abkommens mit den Kreditgebern vom 13.Juli auf bittere Weise am eigenen Leib erfahren. Dabei wurde die Parteiführung von SYRIZA von den Euromächten voll unterstützt. Sie hatte ebenso die Unterstützung der Massenmedien, die auf den Inhalt des neuen Memorandums mit nahezu keinem Wort eingingen.
Corbyn ist Labour-Vorsitzender
Doch eine Schwalbe macht noch keinen Sommer
von Stephen Hall*
Die Nachricht von der Wahl Jeremy Corbyns zum Vorsitzenden der britischen Labour Party am 12.September, als er im ersten Wahlgang mit 59,9% der 422.871 abstimmenden Mitglieder seinen nächsten Mitbewerber weit hinter sich ließ, zeigt einen stark wachsenden Rückhalt radikaler linker Ideen in der britischen Gesellschaft an. Sie verweist auch auf die zunehmende Unterstützung für ein alternatives ökonomisches und politisches Herangehen an den fortgesetzten Abbau sozialer Errungenschaften im Namen der sogenannten Sparpolitik.
«Die Regierung treibt ein Spiel, das über die Flüchtlinge hinausgeht»
András Toth* erklärt Orbáns Krisenmanagement und die Stimmung in der Bevölkerung
im Gespräch mit SoZ
«Die Türken stehen vor Wien und Ungarn rettet das Abendland.» Mit solchen Legenden kann man eine Bevölkerung leider bei der Stange halten, wenn man die Medien kontrolliert, ja, fast gleichschaltet, und sich per Wahlgesetzänderung verfassungsändernde Mehrheiten im Parlament verschafft. Viktor Orbán, ungarischer Ministerpräsident, spielt meisterhaft auf dieser Klaviatur. Hat doch der Flüchtlingsstrom erfolgreich von seinen innenpolitischen Problemen abgelenkt.
«Nie jestemy robotami!» – «Wir sind keine Roboter»
Internationales Treffen von Amazon-Beschäftigten in Poznan
von Violetta Bock
Vom 11. bis 13.September fand in Poznan das zweite internationale Treffen mit rund 30 Teilnehmenden aus den Amazon-Standorten Poznan, Brieselang und Bad Hersfeld statt. Schon im April hatte es ein erstes Treffen in Bad Hersfeld gegeben. Damit wurde das, was in den letzten zwei Jahren über die offiziellen Kanäle der Gewerkschaften nur sehr begrenzt funktionierte, nun von den Aktiven selbst fortgeführt: sich nämlich direkt mit den Beschäftigten aus anderen Standorten auszutauschen.
Wien wählt… anders?
Ein breites linkes Bündnis kann auf Zuspruch hoffen
von Dieter Braeg
In Wien wird am 11.Oktober gewählt. Während die FPÖ sich Hoffnungen auf das Bürgermeisteramt macht, gibt sich die SPÖ noch siegessicher. Darüber hinaus gibt es eine Vielzahl von Listen, die bei der Wahl antreten.
Die «Kristallnacht der AKP»
Die antikurdischen Pogrome in der Türkei
von Emre Öngün
In der ersten Septemberwoche zerstörten nationalistische Stoßtrupps in der Türkei Hunderte Büros der prokurdischen Demokratischen Partei der Völker (HDP). Die Stadt Cizre im türkisch-irakisch-syrischen Dreiländereck wurde von der Armee umstellt, Spezialeinheiten machten Jagd auf kurdische Einrichtungen, PKK-Anhänger und Strukturen der Selbstverwaltung. In Diyarbakir schoss die Polizei Gasgranaten in Wohnhäuser.
Europa mauert sich ein
De Maizières Gesetzentwurf für Flüchtlinge: Auf die Straße geworfen
von der SoZ-Redaktion
Der Asylkompromiss von 1993 brachte die Abschaffung des Grundrechts auf Asyl und die Einführung des «Asylbewerberleistungsgesetzes». Begleitet von Pogromen griff es Stichworte vom rechten Rand – «Asylmissbrauch» und «Deutschland ist kein Einwanderungsland» – auf und zwang Asylsuchende in ein unwürdiges Leben. Das Gesetz verneint einen Anspruch auf Asyl, wenn man aus einem «sicheren Drittstaat» oder einem «sicheren Herkunftsstaat» kommt.
«Festung Europa» schließen!
Für eine grundlegende Neuorientierung der EU-Migrationspolitik
von Andrej Hunko*
Die aktuelle «Flüchtlingskrise» zeigt wieder einmal, wie grundsätzlich falsch die EU-Migrationspolitik ausgerichtet ist. Derzeitige Vorschläge sehen lediglich mickrige Summen für die Verbesserung der Lage in den Herkunftsländern vor. Stattdessen werden die Instrumente zur Überwachung und Kontrolle geschärft. Die Mitverantwortung für die Ursachen der Flucht wird dabei ausgeblendet.
Orbáns neue Gesetze
Zur Abschottung Ungarns
Quelle: Pester Lloyd, 02.09.2015
Am 15.September trat ein Paket von 13 Gesetzen in Kraft, mit deren Hilfe Flüchtlinge aus Ungarn ferngehalten werden sollen. Im einzelnen ist vorgesehen:
Ein bisschen Solidarität…
…gibt es auch in Frankreich
von Bernard Schmid
Ganz Frankreich ist in Rassismus abgeglitten. Ganz Frankreich? Nein! Ein kleiner Teil der Öffentlichkeit widersteht tapfer dem Zeitgeist und… So oder ähnlich könnte ein Bericht über die Solidaritätsinitiativen mit den Geflüchteten beginnen.
Die Solidaritätsinitiativen auf französischem Boden haben nicht gewartet, bis Ende August EU-weit die «Flüchtlingskrise» ausgerufen wurde. Schon in den Monaten zuvor hatte sich die Situation der Geflüchteten zugespitzt.
«Widerstand gegen die Invasoren»
Die Debatte in Frankreich
von Bernard Schmid
Auch in Frankreich wird, wie anderswo in der EU, heftig über Migranten und Geflüchtete diskutiert. Bislang sind die Flüchtlingszahlen im Land, etwa im Vergleich zur BRD, eher gering. Im laufenden Jahr, das bereits als Rekordjahr gilt, wird mit 65.000 Asylanträgen in ganz Frankreich gerechnet – während die deutsche Bundesregierung seit August die Zahl von 800.000 im Jahr verbreitet.
Eine Reise durch die Ukraine
Besuch bei dem Gewerkschaftskollegen und Aktivisten Pawlo Lysjanskyi
von Georg Heidel*
Anfang des Jahres besuchte Pawlo Lysjanskyi, stellvertretender Vorsitzender der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft der Ukraine (NPGU), die Bundesrepublik, um über die Lebens- und Arbeitsbedingungen der Bergarbeiter und ihrer Angehörigen zu informieren. Die Reise führte ihn durch mehrere Städte der Bundesrepublik, auch nach Berlin. Seine Berichte vermittelten einen guten Einblick in die Lebensverhältnisse seiner Kolleginnen und Kollegen, vor allem vom Leid und der Not auf beiden Konfliktseiten unter den Bedingungen des Krieges.
Die Regierung will keine föderale Struktur
Gespräch mit Pawlo Lysjanskyi (Auszüge)
das Gespräch führte Georg Heidel
Für wie viele Gewerkschaften bzw. Mitglieder trägst du Verantwortung?
Ich berate folgende Gewerkschaftsgruppen: Gewerkschaft der Melnikov-Schacht, 100 Menschen; Gewerkschaft der Ärzte vom Städtischen Krankenhaus der Stadt Swetlodarsk (Nahfrontlinie, 500 Menschen); Krankenhaus der Siedlung Mironowski (Nahfrontlinie, 68 Menschen); Maschinenbauwerk der Stadt Prowolje, 48 Menschen.
Ausbruch aus dem Währungsgefängnis
Das Programm der Volkseinheit zu den Wahlen vom 20.September
von der Plattform der LAE
Anfang August bildete der linke Flügel von SYRIZA ein neues Bündnis aus 13 radikalen und revolutionären Strömungen und Organisationen, die beim kompromisslosen Nein zur Austeritätspolitik und zu den Memoranden bleiben. Die Initiative dazu ging von 25 Parlamentsabgeordneten von SYRIZA aus, die gegen das dritte Memorandum stimmten, das die Regierung Tsipras unterschrieben hatte. Tsipras konnte das Memorandum nur mit den Stimmen der bürgerlichen Opposition durchbringen und kündigte daraufhin an, er werde zurückztreten und den Weg für Neuwahlen freimachen.
Alles nicht ernst gemeint
Ein EZB-Vorstand gibt zu, dass die Drohung mit dem Grexit leer war
von Romaric Godin*
Der Vizepräsident der Europäischen Zehntralbank (EZB), Vitor Constancio, hat zugegeben, dass die Drohung mit dem Grexit «nie ernst gemeint» gewesen sei. Das wirft ein neues Licht auf die Ereignisse in diesem Sommer.
In einem Interview mit der britischen Nachrichtenagentur Reuters vom 16.September erklärte Constancio, der berühmte Grexit sei «niemals eine ernsthafte Option gewesen, weil das nicht legal gewesen wäre». Er bedauert, dass nunmehr «Zweifel ausgeräumt werden müssen über den Bestand der Währungsunion».
Wahlen in Oberösterreich
Die Flüchtlingsfrage erklärt nicht alles
von Hermann Dworczak*
Die Wahlen in Oberösterreich bescherten der ÖVP und der SPÖ katastrophale Verluste. Die Konservativen rutschten in einem ihrer Stammländer unter 40 die Sozialdemokratie gar unter 20 Prozent. Letztere hatte vor nicht allzu langer Zeit die Chance, die Schwarzen zu überflügeln- jetzt verlor sie Hochburgen wie die zweitgrößte Stadt des Bundeslandes Wels oder Lenzing (mit seiner riesigen Papierfabrik) an die blau-braune FPÖ, die 30 Prozent der Stimmen einfuhr und gerade unter ArbeiterInnen und Jugendlichen reüssierte. Die Grünen legten gerademal um ein Prozent zu.
Erfolg von SYRIZA – Misserfolg der Linken
Eine erste Bewertung der Wahlen in Griechenland
von Michael Aggelidis*
Der Wahlerfolg von SYRIZA, die mit 35,5% (im Januar 36,34%) als stärkste Kraft aus den Parlamentswahlen vom 20. September hervorgeht, ist aus zwei Gründen positiv. Erstens drückt sich darin ein Reflex breiter Schichten gegen die politische Rechte und extreme Rechte aus sowie die anhaltende Abwendung von der weit nach rechts gerückten ex-sozialdemokratischen PASOK.
Ende eines Lernprozesses
Die Hilflosigkeit der Linken gegenüber der Troika
von Ingo Schmidt und Angela Klein
Am Ende der Verhandlungen, über die Griechenland ein Ende der Austerität und den Beginn eines anderen Europa erreichen wollte, blieb nur noch die Wahl, aus dem Euro gedrängt zu werden oder zu kapitulieren.
Im nachhinein gesehen, wäre ein früher Grexit wirtschaftlich einfacher gewesen, obwohl die Vorteile einer Abwertung gegenüber den Kosten einer umstellungsbedingten Rezession nicht abzuschätzen sind.
Polit-Wende in Österreich?
Das Nachbarland nähert sich ungarischen Verhältnissen an
von Dieter Braeg
In Österreich gewinnt die ungarische Flüchtlingspolitik an Unterstützung.
Nach den Landtagswahlen in den österreichischen Bundesländern Burgenland und Steiermark am 31.Mai 2015 ergibt sich folgendes Bild: In der Steiermark regiert in Zukunft ein ÖVP-Landeshauptmann (vergleichbar mit dem deutschen Ministerpräsidenten), die SPÖ stellt nur noch den Vize-Landeshauptmann, obwohl sie – trotz hoher Verluste – die stimmstärkste Partei wurde.
Proti Stassi
Flüchtlingshilfe auf Lesbos
von Angela Huemer
Elias Bierdel, ehemaliger Leiter der Cap Anamur und wegen Flüchtlingshilfe schon mal als Schleuser angeklagt, wollte sich eigentlich dieser Tage wieder anderen Dingen zuwenden. Doch erstens kommt es anders und zweitens als man denkt. Angesichts der Lage in Griechenland, insbesonders auf Lesbos, einer Insel, die er gut kennt, weil er dort einmal gelebt hat, konnte er nicht anders und hat Hilfe organisiert für die vielen, die die Insel von der nahen Türkei aus erreichen.
Jeremy Corbyn
Der Kandidat gegen das Projekt Angst
von Richard Seymour
Zum Erstaunen und Missfallen des politischen Establishments in Großbritannien hat die Labour Party einen neuen Shooting Star: Jeremy Corbyn, der gerade versucht, die Kandidatenkür in der Partei für sich zu entscheiden.
Schäubles Coup
Autoritäre Neuordnung der Eurozone nach den Vorstellungen des deutschen Finanzministers
von Angela Klein
Auf den ersten Blick kann das Kapitel Griechenland zunächst geschlossen werden: das von fast zwei Dritteln der Bevölkerung getragene «Ochi» (Nein), die Rebellion gegen die Spardiktate der europäischen Finanzinstitutionen, hat eine krachende Niederlage erfahren. Griechenland ist von einem gleichberechtigten Partner in der EU zum Kolonialland zurückgestuft, das jeden Cent, den es ausgibt, zur Genehmigung vorlegen muss, sehenden Auges den ausländischen Besatzern das Landesvermögen zur Plünderung freigeben muss und auf ewig die Kette der Schuldknechtschaft umgehängt bekommen hat.
Aus dem Nähkästchen geplaudert
Nachgefragt bei Varoufakis
Yanis Varoufakis Interview (Monthly)
Der ehemalige griechische Finanzminister Yanis Varoufakis hat nach seinem Rücktritt einige aufschlussreiche Informationen aus dem Inneren der Regierungskreise preisgegeben. Wir entnehmen sie einem Interview, das der griechisch-australische Romanautor Christos Tsiolkas mit Varoufakis führte und das in der australischen Zeitschrift Monthly erschien.
Endlose Schuldenfalle
Das neue Griechenlandpaket
dokumentiert
Bestehend aus dem Abkommen vom 12./13.Juli und dem dritten Memorandum vom 11.August, stuft es Griechenland auf den Status einer Kolonie zurück.
Ordnung herrscht in Athen…
…Aber nicht in Europa
von Ingo Schmidt
Sie haben doch etwas gemeinsam. Yanis Varoufakis und Wolfgang Schäuble, die sich in monatelangen Verhandlungen über die Eurokrise und einen drohenden Staatsbankrott Griechenlands nichts geschenkt haben, betrachten die Währungsunion als ein unvollendetes Projekt. Ohne eine Politische Union, so die von beiden geteilte Überzeugung, wird die Eurozone zerfallen. Allerdings können ihre Vorstellungen, wie eine solche zu gestalten wäre, unterschiedlicher nicht sein.
Was ist in Griechenland gescheitert?
Einige Lehren aus SYRIZA
von Stathis Kouvelakis*
In einer Niederlage, vor allem einer schweren Niederlage mit historischen Ausmaßen, versteht es sich nicht von selbst, was genau gescheitert ist. In Griechenland war dies die Strategie der SYRIZA-Mehrheit, die sich als «linkes Europäertum» bezeichnen lässt. Es war das Konzept, dass sich die Memoranden und die Sparpolitik im vorgegebenen Rahmen der Eurozone und der EU überwinden lassen. Wenn wir uns nur glaubwürdig genug als «gute Europäer» erweisen würden, die am Euro festhalten, würde dies in den Verhandlungen honoriert.
Die «gute Drachme»?
Ein Beitrag zur Griechenlanddebatte
von Michel Husson*
Der Austritt aus dem Euro wird fast immer als eine Art Zauberstab dargestellt, mit dessen Hilfe man der Beherrschung durch den Finanzkapitalismus wie auch den inneren Widersprüchen zwischen Arbeit und Kapital entkommen könnte. Doch es handelt sich dabei nicht wirklich um einen Königsweg. Es besteht die Gefahr, aus dem Euro-Austritt die Lösung aller Probleme der griechischen Wirtschaft zu machen, ob es nun um die Produktionsstrukturen oder die Macht der Oligarchie geht.
OCHI! – NEIN!
Das Referendum – ein Klassenvotum
von Stathis Kouvelakis
Im Referendum vom 5.Juli lehnte die griechische Bevölkerung das von den Institutionen vorgeschlagene Sparpaket mit einer großen Mehrheit von 61,2% ab – obwohl es eine Liquiditätskrise gab, viele Banken geschlossen waren und die Medien und die Parteien des alten Regimes eine hysterische Gegenkampagne entfachten. Kaum jemand hat mit einem solchen Ergebnis gerechnet, nicht einmal in der Linken Plattform. Die meisten rechneten mit etwas um die 55%.
Die Solidarität (besser) organisieren!
Anmerkungen zu Stand und Möglichkeiten der Griechenlandsolidarität in der BRD
von Paul Michel
Die Parole «Solidarität mit der SYRIZA-Regierung» dürfte wohl in Zukunft eher selten auf Plakaten und Transparenten von Aktiven der Griechenland-Solidaritätsgruppen zu finden sein. Aber sonst ändert sich eigentlich gar nicht so viel bei der Griechenland-Solidarität. Ändern sollte sich allerdings eines: Wir sollten besser werden!
«Das eigentliche Problem wird ausgeblendet»
Die Schwierigkeiten gewerkschaftlicher Solidaritätsarbeit mit Griechenland
Interview mit Steffen Lehndorff
Du warst einer der Initiatoren des Aufrufs «Griechenland nach der Wahl – Keine Gefahr, sondern eine Chance für Europa», der sich vor allem an Gewerkschafter wendet. Inwieweit ist es gelungen, die Solidarität mit den Menschen in Griechenland, die unter den Diktaten der Troika leiden, in den Gewerkschaften zu fördern?
Die türkische Vielfachkrise
… und das gefährliche Spiel mit der Eskalationsschraube
von Murat Cakir
Die Türkei ist in einer Vielfachkrise gefangen. Noch scheint keine Lösung in Sicht. Im Gegenteil, das gefährliche Spiel der AKP mit der Eskalationsschraube birgt das Risiko, dass die Vielfachkrise sich noch mehr vertieft und in einen bürgerkriegsähnlichen Konflikt mündet. Erdogan und seine AKP schrecken nicht davor zurück, die Staatsform in Richtung einer offenen Diktatur zu verschieben.
Griechenland: „Volkseinheit“
Neugruppierung der Linken*
von Stathis Kouvelakis
25 Abgeordnete von Syriza sind am frühen Morgen des 21. August aus der Parlamentsfraktion ausgeschieden, um eine neue Fraktion mit dem Namen „Volkseinheit“ [Laiki Enotita, LAE] zu bilden. Die meisten von ihnen gehören der Linken Plattform an, es haben sich aber einige andere wie Vangelis Diamantopoulos oder Rachel Makri, eine enge Mitarbeiterin von Zoe Kostantopoulou angeschlossen.1 Das ist eine wichtige Entwicklung in der griechischen Politik, aber auch für die radikale Linke in Griechenland und auf internationaler Ebene.
Drittes Hilfspaket für Griechenland:
Der Kaputtsparkurs geht weiter
von Paul Michel
Die Machthaber der EU versuchen den Eindruck zu erwecken, als sei mit dem sogenannten „Dritten Hilfspaket“ nach Monaten von Turbulenzen, endlich eine Lösung gefunden, die die Lage beruhigt und die Voraussetzung für eine Stabilisierung und eine wirtschaftliche Erholung Griechenlands schafft.
Aufruf von griechischen Linken
Mobilisieren gegen das neue Memorandum
dokumentiert
Einleitung: Politische Konstituierung der Front des „Nein“
Die Entwicklungen in Athen sind dramatisch, ihr Tempo steigt an. In den wenigen Stunden wird das griechische Parlament für das neue, das dritte Memorandum stimmen, das zwischen der Syriza-Regierung und den Europäern gemäß dem neuen Standard-Express-Verfahren einer Debatte an einem einzigen Tag (und in einer Nacht …) vereinbart worden ist.
Griechenland: Neuformierung der Linken
Nach Kapitulation von Syriza: Erste Schritte zu neuer Partei*
Interview von Lucy Redler mit Andros Payiatsos
Nach der Kapitulation der Syriza-geführten Regierung gegenüber den Institutionen Eurogruppe, IWF und EZB veröffentlichte Xekinima eine Stellungnahme mit dem Titel „Tsipras hat den Rubikon überschritten“, ruft seitdem zur Bildung einer neuen linken Massenorganisation auf und hat mit anderen linken Organisationen eine konkrete Initiative ergriffen. Andros Payiatsos ist Sprecher von Xekinima.
Varoufakis: »Sie haben uns in die Falle gelockt«
Yanis Varoufakis Interview von Harry Lambert beim NewStatesman in London
Auszug aus nd – neues deutschland
Yanis Varoufakis über seine Erfahrungen in fünf Monaten als griechischer Finanzminister, über die Rolle Wolfgang Schäubles und den Druck den die Gläubiger ausübten.
Überlegungen zu Griechenland
von Angela Klein
Die blitzartige Kapitulation der griechischen Regierung nach dem komfortabel gewonnenen Referendum gegen das Austritätsprogramm von EU und IWF kam für alle überraschend. Die absehbaren Folgen werden verheerend sein: Erneut wurde den Bevölkerungen in Europa vorgeführt, dass – auch unter einer linken, Anti-Austeritätsregierung – kein Ausweg aus den neoliberalen Zerstörungsorgien in Sicht ist. TINA regiert weiter. Erneut hat eine linke Regierung das Vertrauen, das die Bevölkerung in sie gesetzt hat, schmählich verraten und damit die Glaubwürdigkeitskrise der Linken verstärkt. Es steht zu befürchten, dass dies den Kräften der nationalistischen, extremen Rechten weiter Auftrieb geben wird.
„Durch Diskussion allein kann die Troika nicht überzeugt werden“
Griechenland: Ein alternativer Vorschlag zur Kapitulation vom 15./16.Juli 2015
Eric Toussaint (1)
In der Nacht vom 15. auf den 16.Juli hat das griechische Parlament auf Verlangen des Premierministers vor den Forderungen der Gläubiger kapituliert und damit den Willen der griechischen Bevölkerung, wie er am 5.Juli seinen Ausdruck gefunden hatte, mit Füßen getreten. 32 Abgeordnete von Syriza haben die Ehre der Partei gerettet, indem sie dagegen gestimmt haben (hinzu kommen 7 Abgeordnete von Syriza, die sich enthalten haben). Mit der Ablehnung der Kapitulation haben diese Abgeordneten das Wählermandat und das Parteiprogramm respektiert und sich der Erpressung nicht gebeugt. Der Premierminister hat eine Mehrheit bekommen dank der Parteien der Rechten: Nea Dimokratia, Pasok (die nichts Sozialistisches mehr an sich hat), To Potami und die Unabhängigen Griechen. Das hat die Situation radikal verändert.
Das Diktat, der Kniefall und der Weg in die Diktatur
Die dramatischen Ereignisse der letzten Woche haben die Weichen um die Zukunft Griechenlands und Europas neu gestellt. Die Sache hat zwei Aspekte:
* das Knebelabkommen in Reaktion auf das griechische Referendum, maßgeblich von der deutschen Regierung diktiert, kommt dem Einmarsch der Wehrmacht mit finanziellen Mitteln gleich;
* die Art und Weise, wie Tsipras kapituliert ist, ist für die gesamte europäische Linke ein schwerer Schlag.
Zum dritten aber bedeuten Diktat und Kniefall vom 12./13.Juli das Ende der EU, wie wir sie kannten.
Die deutsche Rolle in Griechenland
„Die bedingungslose Kapitulation war Deutschland nicht genug, es will den karthagischen Frieden.“ Die konservative US-amerikanische Tageszeitung Washington Post (12.7.2015) analysiert die deutsche Rolle bei den Verhandlungen mit der griechischen Regierung.
Germany doesn’t want to save Greece. It seems to want to humiliate Greece.
Greece has offered an almost unconditional surrender on its bailout, but Germany might not accept anything less than a Carthaginian peace. In other words, a deal that not only forces Athens to submit, but also humiliates it in the process.
Griechenland: Aufruf – Sagt Nein!
Aufruf aus deutschen Gewerkschaften an griechische Kolleginnen und Kollegen
Sagt NEIN zur Erpressung durch EU-Kommission, EZB und IWF
Sagt NEIN zur Fortsetzung der sozialen Demontage
Die Verhandlungen der letzten Monate und Tage zeigen: Die EU-Kommission, die EZB und der IWF wollen eure demokratische Entscheidung vom 25. Januar 2015 nicht akzeptieren. Die neue Regierung unter Ministerpräsident Aleksis Tsipras soll gezwungen werden, die alte, gescheiterte Politik der Memoranden fortzusetzen.
SYRIZA
Über den Umgang mit Widersprüchen
von Angela Klein
Unter dem Druck der Zuspitzung des Konflikts zwischen der Regierung SYRIZA und der Troika nimmt auf der sozialistischen Linken das Bedürfnis nach Kritik am Kurs der Athener Regierung zu. Indes scheint mir die Zeit dafür noch nicht gekommen, und dies soll in fünf Argumenten dargelegt werden.
Öcalan schlägt Erdogan
Wahlerfolg der HDP verhindert Diktaturpläne des türkischen Präsidenten
von Nick Brauns
Öcalan schlägt Erdogan – so lässt sich kurz das Ergebnis der türkischen Parlamentswahlen vom 7.Juni zusammenfassen. Zwar standen weder Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan noch der inhaftierte Vorsitzende der Arbeiterpartei Kurdistans (PKK) Abdullah Öcalan selbst zur Wahl. Doch beide Politiker haben diese Abstimmung in entscheidendem Masse beeinflusst.
Eine Bremse für TTIP
Demokraten verweigern Obama Vollmachten
von Manuel Kellner
Das Transpazifische Freihandelsabkommen TTP, das die US-Regierung mit elf pazifischen Staaten abschließen will, hängt in der Luft. Fast geschlossen haben die Angeordneten der Demokratischen Partei im Senat dagegen gestimmt, US-Präsident Obama mit sog. Fast-Track-Vollmachten auszustatten, die ihm erlauben, Handelsverträge so aushandeln, dass die beiden Häuser des US-Kongresses an ihnen nichts mehr ändern können, ihnen nur noch insgesamt zustimmen oder sie ablehnen können. Das Verfahren soll die Beratungen beschleunigen.
Der neue Bürgermeister von Cádiz
José María González Santos*: «Wir wollen für und mit den Bürgern regieren»
im Gespräch mit SoZ
In mehreren Städten Spaniens haben bei den jüngsten Kommunalwahlen linke Bürgerlisten mit Unterstützung der Partei Podemos, die aus der Bewegung 15M hervorgegangen ist, aus dem Stand Bürgermeisterposten erobert, so auch in Cádiz (Andalusien). Die Liste «Por Cádiz sí se puede – Candidatura de Unidad Popular» wurde zweitstärkste Partei. Ihr Spitzenkandidat war José María González.
Streikwelle in der türkischen Automobilindustrie
«Liebling, kümmere dich um die Kinder, ich bin am kämpfen»
von Jochen Gester
Im Mai wurde die Türkei von einer außergewöhnlichen Streikwelle erfasst. Betroffen war die Metallindustrie mit Schwerpunkt auf Betrieben der Automobilindustrie. Das regionale Zentrum bildete Bursa, das 100 Kilometer südlich von Istanbul am Marmarmeer liegt. Hier konzentrieren sich viele Tochterniederlassungen und Zulieferbetriebe großer Autokonzerne, die in ihren ausgelagerten Fertigungsstätten niedrige Löhne bei hoher Arbeitsbelastung zahlen.
Wahlen in Spanien
Eine Ohrfeige für die Systemparteien
von Manuel Garí
Am 24.Mai fanden in 9000 Gemeinden des spanischen Staates, in 13 autonomen Regionen (mit Ausnahme von Andalusien, Galicien, Katalonien und dem Baskenland) sowie für die Provinzräte der baskischen Provinzen Araba, Bizkaia und Gipuzkoa, der Kanaren und der drei balearischen Inseln Wahlen statt.
Die Krise in Griechenland
Die Krise in Griechenland. Ursprünge, Verlauf, Folgen (Hrsg. U.-D.Klemm, W.Schultheiß)*
von Paul B. Kleiser
Anders als der Buchtitel vermuten lässt, behandelt der vom früheren deutschen Botschafter in Athen, Wolfgang Schultheiß (2005–2010), und dem früheren Kulturattaché und späteren Botschafter in Marokko, Ulf-Dieter Klemm, herausgegebene Sammelband keineswegs nur die Wirtschaftskrise in Hellas seit dem Jahr 2009, sondern geht auch auf geschichtliche Entwicklungen seit der Unabhängigkeit des Landes 1830 bis in die jüngste Zeit ein.
Griechenland: Zurück auf Los
Das Gläubigerkartell will SYRIZA fertigmachen
von Dick Nichols*
Eine Zeitlang sah es im späten Mai so aus, als sei ein Ende der Verhandlungen mit den «Institutionen» (EU, EZB und IWF) über die Bedingungen für die Freigabe der letzten Tranche über 2,7 Mrd. Euro in Sicht. Das Verhandlungsteam der Regierung SYRIZA sprach von «fruchtbaren Diskussionen» und einem «substanziellen Prozess», Regierungssprecher erklärten sogar, ein Abkommen könne «in ein bis zwei Wochen», spätestens bis zum 18.Juni erzielt werden.
Griechenland: Volksabstimmung am 5. Juli
Ein anderes Europa ist nötig!
von Manuel Kellner
mit 178 Jastimmen und 120 Neinstimmen hat das griechische Parlament dem Vorschlag von Alexis Tsipras zugestimmt, am 5. Juli eine Volksabstimmung über die Bedingungen der Eurogruppe durchzuführen.
Unvollständiges Bild gezeichnet
Paul Kleisers Bilanz zu 100 Tagen Syriza
von Paul Michel
Paul Kleisers Zwischenbilanz von 100 Tage Regierung Tsipras beschränkt sich auf die Benennung zahlreicher konkreter Maßnahmen der Regierung Tsipras. Viele andere Aspekte, die für eine Bilanz der Entwicklung unerlässlich sind, bleiben außen vor.
Zum Treffen der Griechenlandsoligruppen in Berlin
Vortrag von Theano Fotiou beim Treffen von Griechenlandsoligruppen am 21.06.15
dokumentiert
Am 19.Juni demonstrierten um die 5000 Menschen gegen die unmenschliche Flüchtlingspolitik und die Erpressungspolitik gegenüber Griechenland. Auf der Kundgebung hielt die griechische Ministerin für Arbeit, soziale Sicherheit und Solidarität eine sehr engagierte Rede.
Die Regierung Tsipras verteidigen!
Verhältnis von Solidarität und Kritik
von Horst Hilse*
Am 08. 12. 2009 stufte die Ratingagentur Fitch die Bonität des griechischen Staates von „A“ auf „BBB´“ herab, nach einer Woche folgte die Agentur Standard and Poor‘s mit demselben Schritt. Das bedeutete, dass die Kreditgeber von dem Stichtag ab sofort 2,9% mehr Zinsen fordern konnten – doppelt so viel wie bei Deutschland.
Ein anderer Thessalonicher Brief
Theologinnen und Theologen richten sich an den Evangelischen Kirchentag in Stuttgart
von faktencheckhellas*
Erklärung der FCH-Redaktion: Wir freuen uns, dass wir den unten folgenden gemeinsamen ökumenischen Brief von Frauen und Männern verschiedener Kirchen in Griechenland, darunter prominente Professoren und Professorinnen, der Dekan einer Fakultät, eine Dichterin, eine Islamwissenschaftlerin, ein Priester und Mitglieder im Ökumenischen Rat der Kirchen in unserer Publikation FCH veröffentlichen können. Er richtete sich an den Evangelischen Kirchentag, der in Stuttgart vom 3. bis zum 6. Juni mit mehr als Hunderttausend Besucherinnen und Besuchern stattfindet. Möge dieser Brief Türen öffnen und neue Diskurse entfachen.
Alexis Tsipras: Europa am Scheideweg
Gastbeitrag des griechischen Ministerpräsidenten Alexis Tsipras (Syriza) *
Le Monde
Am 25. Januar dieses Jahres hat das griechische Volk, eine mutigen Entschluss gefasst. Es hat den Weg unnachgiebiger Austerität, den das Memorandum ihm gewiesen hatte in Frage zu stellen gewagt und einer neuen Regierung, die frei ist von den Lasten und vetternwirtschaftlichen Verstrickungen der Vergangenheit das Mandat erteilt, mit ihren Partnern zu verhandeln, um zu einem ehrenhaften Kompromiss zu finden; zu einer Übereinkunft, die das Land in der Eurozone hält, mit einem nachhaltigen Wirtschaftsprogramm, frei von der festgefahrenen Hartnäckigkeit und den Fehlern der Vergangenheit.
Piräus, das «Tor nach Europa»
Ehemalige chinesische Rotgardisten in neuer Rolle
von Jochen Gester
Griechenland ist aufs Prokrustes-Bett der Troika gespannt und es ist offensichtlich, dass die Herren des Verfahrens nicht gewillt sind, der linken griechischen Regierung zum Überleben zu verhelfen. Sie kann wählen zwischen dem Grexit, der im freien Fall der Wirtschaft enden kann, oder dem Verrat ihrer Ziele.
Amazon Polen
Widerstand gegen steigenden Arbeitsdruck
von Violetta Kuhn
Immer wieder heißt es, Streiks bei Amazon könnten durch die Umlegung nach Polen abgefedert werden. Doch damit könnte bald Schluss sein, denn auch dort beginnen die Beschäftigten sich zu organisieren.
Wahlen in Großbritannien
Die Legitimität des Parlaments ist stark angeschlagen
von Socialist Resistance
Die Kombination aus einer Angstkampagne der Tories und einem schwachen Abschneiden der Labour Party bescherte den Tories bei den britischen Parlamentswahlen vom 7.Mai eine absolute Mehrheit, die niemand erwartet hat, nicht einmal sie selbst.
Griechenland: Wohin geht SYRIZA?
Gorgopotamos grüßt Alamana*
von Giannis Milios
Die Zeit drängt: Eine Vereinbarung müsse «in den nächsten beiden Wochen unter Dach und Fach gebracht werden, bevor die Liquiditätsfrage der Regierung zur Fessel werde», äußerte Finanzminister Varoufakis Mitte Mai nach einem x-ten Treffen mit der Eurogruppe. Ob die Ende Mai fälligen Gehälter und Renten ausgezahlt werden konnten, stand bei Redaktionsschluss nicht fest.
Griechenland: 100 Tage Regierung Tsipras
Eine Zwischenbilanz
von Paul B. Kleiser
Die neue griechische Regierung unter Alexis Tsipras ist nun gut hundert Tage im Amt, Zeit, eine erste Bilanz zu versuchen.
Griechenland: Welcher Weg aus der Falle?
Eine Stellungnahme von DEA
von der Internationalen Arbeiterlinken DEA
Die griechische sozialistische Organisation DEA (Internationale Arbeiterlinke)* veröffentlicht in ihrer Zeitung Ergatiki Aristera (Nr.335 vom 29.4.) einen Leitartikel, in dem sie dazu aufruft, eine klaren Trennungsstrich gegenüber der Erpressungspolitik der Gläubigerstaaten zu ziehen.
Abgeschobene Roma in Serbien und im Kosovo
Was passiert mit den Rückkehrern?
von Larissa Peiffer-Rüssmann
Die bis zu 500.000 von den Nazis ermordeten Sinti und Roma haben zwar seit Oktober 2012 ein Denkmal in Berlin, aber die Lebenden werden weiter diskriminiert und abgeschoben.
SYRIZA-Linke für „Bruch“
Welcher Weg aus der Falle heraus?
Leitartikel der Zeitung von DEA*
Die Haltung der Gläubiger – die an die katastrophalen Zugeständnisse der Vorgängerregierung Samaras/Venizelos, aber auch an die schwerwiegenden Fehler anknüpfen, die in der Vereinbarung vom 20. Februar enthalten sind – hat die von SYRIZA geführte Regierung in eine fatale Falle gelockt.
Griechenland im Stellungskrieg mit der EU
Wie sich die Verhandlungen mit der Regierung SYRIZA entwickelt haben, wie es hinter den Kulissen zugeht und wieso Grundrechte nicht überall gelten.
Interview von Johanna Jaufer mit Theodoros Paraskevopoulos*
Drei Tage vor den griechischen Parlamentswahlen haben Sie mir in einem Interview angekündigt, „es wird wie der Vietnam-Krieg, nur ohne Blut“. Hat sich das bewahrheitet?
Auf jeden Fall. Es ist ein Stellungskrieg – ohne Blut natürlich. „Stellungskrieg“, weil die Hardliner in der Europäischen Union in den ersten zwei, drei Wochen nach der Wahl – auch beim Abkommen vom Februar – Positionen räumen mussten. Wir versuchen jetzt, die gewonnenen Positionen auszuweiten, und sie versuchen, diese Positionen zurückzuerobern.
Die Demokratie neu erfinden
Soziale Kämpfe europäisieren!
von Manuel Kellner und Angela Klein
In einem Offenen Brief an die Bundeskanzlerin mahnen Elmar Altvater, Birgit Mahnkopf u.a. eine neue europäische Krisenpolitik und die Rückzahlung des griechischen Zwangskredits aus dem Zweiten Weltkrieg an: «Wenn wir am 8.Mai 2015 zum siebzigstenmal an das Ende des Krieges denken, verneigen wir uns abermals vor dem Leid und den Toten des von den Nationalsozialisten entfachten Zweiten Weltkriegs, der Europa in Schutt und Asche legte.
SYRIZA-Regierung und soziale Bewegungen
Außerparlamentarische Aktivitäten nicht stoppen!
Gespräch mit Marina Karastergiou
Geht es nach dem Willen der Kapitalbesitzer und ihrer Freunde in der Politik soll Griechenland bis 2015 zum größten Goldproduzenten Europas werden. Im Dezember 2003 fädelte ein PASOK-Minister einen Deal ein: Er kaufte für 11 Mio. Euro die bestehenden Goldminen auf der Halbinsel Chalkidiki, südöstlich von Thessaloniki, und verkaufte sie am selben Tag zum selben Preis an Hellas Gold.
Korrupte Griechen?
Treiben der deutschen Rüstungskonzerne in Griechenland
von Franziska Lindner
Jedesmal, wenn die Athener Regierung bei den Verhandlungen mit der EU einen Vorschlag zur Haushaltssanierung vorlegt, wird ihr vorgehalten, die Zahlen seien «nicht belastbar», sie solle lieber mal anfangen, die Korruption im Land anständig zu bekämpfen. Deren Urheber sitzen allerdings nicht zuletzt in Deutschland.
Kriegsschuld verjährt nicht!
Griechenland fordert 278,7 Milliarden
von Paul Kleiser
Die neue, von SYRIZA geführte Regierung hat ein Thema wieder auf die Tagesordnung gesetzt, das die Vorgängerregierungen eher mit Samthandschuhen angefasst haben: Die Kriegsschulden des Deutschen Reichs bei Griechenland aus der Zeit der Besatzung 1941–1944 sowie die Entschädigung für die Verbrechen und Zerstörungen der Wehrmacht, die eine breite Blutspur durch das Land gezogen hat.
Griechenland muss aus dem Euro raus!
„Regierung SYRIZA auf falscher Spur“
Gespräch mit Costas Lapavitsas
Die neugewählte Regierung SYRIZA ist angetreten, das Diktat der Sparpolitik (der «Memoranden») zu brechen. Dennoch musste der griechische Finanzminister bei den Verhandlungen mit der Eurogruppe im vergangenen Februar dicke Kröten schlucken: für die eingeleiteten humanitären Maßanhmen dürfen keine neuen Kredite aufgenommen werden;
Gegen Krieg und Not in der Ukraine
Aufruf zur gewerkschaftlichen Solidarität
Dokumentiert
Aus der Veranstaltungsreihe mit Pawlo Lysianskyi von der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft der Ukraine (siehe SoZ 3/2015) ist eine Initiative zur Solidarität mit der von Krieg und Not betroffenen Bevölkerung entstanden. Wir dokumentieren den Aufruf.
Die politische Situation in der Ukraine ist alarmierend. Es herrscht Krieg.
Sie geifern wie zu Brandts Zeiten
Die deutschen Medien in der Voodoo-Realität
von Robert Misik
«Der Geisterfahrer», titelte der Spiegel unmittelbar nach der Wahl von Alexis Tsipras. In den Tagesthemen der öffentlich-rechtlichen ARD wird EU-Parlamentspräsident Martin Schulz von einer Moderatorin salopp gefragt, ob er dem Griechen-Premier auch schon ordentlich «auf die Finger geklopft» habe.
Eurogruppe zieht Schlinge enger
Sozialprogramme Griechenlands Schäuble und EU Dorn im Auge
von Paul Michel
Immer wieder mahnen Berlin, Frankfurt am Main und Brüssel «Reformmaßnahmen» von der griechischen Regierung an. Der Haken dabei: Sie meinen mit Reformen etwas anderes als die griechische Regierung. Sie wollen die Fortsetzung der gescheiterten Troika-Politik.
Bisherige Maßnahmen der Regierung in Athen
von der SoZ-Redaktion
Während die Eurogruppe gehofft hatte, die griechische Regierung werde nun jeden Schritt mit ihr abstimmen, bringt diese ganz ohne Absprache mit Brüssel die ersten Sofortmaßnahmen durchs Parlament.
Griechenland: Schulden-Audit angekündigt
von der SoZ-Redaktion
Die Präsidentin des griechischen Parlaments, Zoe Konstantopoulou, hat auf einer Pressekonferenz am 17.März 2015 die Einrichtung einer Kommission angekündigt, die die griechischen Staatsschulden prüfen soll.
Europäische Zentralbank in der Krise
Verarmung made in Frankfurt a.M. *
von Thomas Sablowski und Etienne Schneider
Die Europäische Zentralbank (EZB) ist ein Organ der EU. Ihre Aufgaben und Grundlagen sind im Vertrag von Maastricht festgelegt. Mit ihrer Einführung wurden die nationalen Notenbanken zwar nicht aufgelöst, die zentrale geldpolitische Entscheidungsgewalt liegt nun aber bei der EZB.
Yanis Varoufakis –
– ein unerwünschter Retter des Kapitalismus
von Ingo Schmidt
«Denn sie wissen nicht was sie tun»: In einer Schlüsselszene des Films rasen die beiden Hauptdarsteller auf eine Steilklippe zu. Wer zuerst aussteigt, gilt als Feigling. Tatsächlich bleibt einer der beiden Darsteller am Türgriff seines Wagens hängen und stürzt mit diesem in den Tod. In der Euro-Version des James-Dean-Klassikers haben die Finanzminister Deutschlands und Griechenlands die Hauptrollen übernommen.
Rassistische Welle in Frankreich
Wo ist der «Geist des 11.Januar» geblieben?
von Bernard Schmid
«Geist des 11.Januar, bist du noch da?» Diese Frage wird derzeit in Frankreich vielfach gestellt – und oft mit Nein beantwortet. Das Datum spielt auf die Großdemonstrationen nach den jihadistischen Anschlägen in Paris vom 7. und 9.Januar dieses Jahres an.
Schwache Gegenmobilisierungen
Linke tut zu wenig gegen Rassismus
von Bernard Schmid
Als Antwort auf die ebenso unangenehme wie gefährliche ideologische Großwetterlage, die im Artikel zur rasisstischen Welle in Frankreich (Link!) beschrieben wird, gab es in jüngerer Zeit unterschiedliche Mobilisierungsansätze.
Eine Achse der Gegenmobilisierung war der Versuch verschiedener Kräfte, sich auf eine Schwerpunktkampagne gegen antimuslimischen Rassismus zu einigen.
Thesen zur Krise des Euro-Systems
Deutschland, der Foulspieler, soll das Feld verlassen
von Holger Weiss
Ein Plädoyer für den Ausstieg aus dem Euro – nicht nur Griechenlands
1 Um die jeweils aktuellen Ausformungen der Euro-Krise zu verstehen, müssen die Grundachsen der Währungsunion und ihre systematische Verletzung durch die deutsche Politik begriffen werden.
Griechenland nach der Wahl –
Keine Gefahr, sondern eine Chance für Europa
Der nachstehende Aufruf der deutschen Gewerkschaftsvorsitzenden hat europaweit große Aufmerksamkeit erregt. Er wurde inzwischen von 8800 Menschen aus verschiedensten europäischen Ländern unterzeichnet (Stand: 23.2.) und enthält eine deutliche Unterstützung der SYRIZA-Regierung, von der man sich wünscht, dass sie auch Gestalt in Form materieller Hilfe und politischen Drucks annehmen möge.
SYRIZA-Regierungsantritt
Die Chance nutzen!
von Angela Klein
Der Regierungsantritt von SYRIZA ist eine Chance für die Linke in Europa und für alle sozialen Bewegungen, die gegen die Kahlschlagpolitik und für einen sozialen Ausweg aus der Krise kämpfen.
Etwas nassforsch, die Herren
In Sachen Griechenland spielen Brüssel und Berlin mit dem Feuer
von Paul Michel
Der Wahlausgang ist ein deutliches NEIN zur Politik der Troika und eine Niederlage für die Bundesregierung. Mit dem Regierungswechsel in Athen hat auch ihre Positionierung als Zuchtmeister Europas Schrammen davongetragen.
Gianis Varoufakis: «Wir bluffen nicht»
Griechischer Finanzminster zur Verhandlungsposition der griechischen Regierung*
Ich schreibe diesen Text am Rand einer entscheidenden Verhandlung mit den Gläubigern meines Landes – eine Verhandlung, deren Ergebnis eine ganze Generation prägen und sogar zum Wendepunkt in Europas Experiment einer Währungsunion werden kann.
Niedriglöhne in Polen
…und der Abwärtstrend geht weiter
von Jacek Rosolowski
Die polnischen Arbeiter stehen mit ihren Löhnen im EU-Vergleich am Ende der Skala. Der Mindestlohn beträgt derzeit 1750 Zloty (420 Euro), 2015 soll der Durchschnittslohn etwa 1000 Euro betragen.
Auf welchen Kompromiss hat sich die griechische Regierung eingelassen?
von Angela Klein
Der Beschluss der Eurogruppe vom 18.Februar 2015 über die Fortsetzung der Hilfen für Griechenland hat sehr unterschiedliche Reaktionen provoziert: Die einen sehen die Hardliner in Berlin als Sieger und sprechen von einer «Kapitulation» der griechischen Regierung; diese selbst sieht den Sieg auf ihrer Seite. Schaut man sich den Text genau an, hat man eher den Eindruck eines tatsächlichen Kompromisses.
Polnische Bergleute im Streik
Zehn Tage, die Oberschlesien erschütterten
von Dariusz Zalega
Die Schlacht ist gewonnen, aber nicht der Krieg – so kann das Ergebnis der letzten Proteste gegen die Schließung von Zechen beim Kohlekonzern Kompania Weglowa A.G. umschrieben werden. In den anderen Kohlekonzernen ist es auch nicht ruhig. Eines ändert sich allerdings – die gesellschaftliche Einstellung zu den Protesten der Bergleute.
Wer gibt in Europa den Ton an?
Draghi/Juncker oder Tsipras/Varoufakis?
von Ingo Schmidt
Die Hoffnung auf ein Ende der Troika-Diktatur und ihrer Sparprogramme hat die Wahlen in Griechenland entschieden. Seit Tsipras und Varoufakis über eine Streichung oder Umschuldung der griechischen Auslandsschulden verhandeln, geht in anderen Hauptstädten der Eurozone die Angst um.
Autoritäre Neuordnung in der Ukraine
«Auf Deserteure ist zu schießen»
von Andrea Ferrario und Angela Klein
Das neue Minsker Abkommen ist ein starkes Signal, die Lage in der Ukraine auf anderem als auf militärischem Weg zu stabilisieren. Ob dies gelingt, hängt maßgeblich davon ab, ob Staatschef Poroschenko dazu willens und in der Lage ist oder ob die Kriegspartei, mit tatkräftiger Unterstützung der USA und von Teilen der EU, doch noch die Oberhand gewinnt.
«Die Gewerkschaft ist gegen den Krieg»
Pawlo Lysjanskyj (NPGU) zur Lage in der (Ost-)Ukraine
Auf Einladung der Jakob-Moneta-Stiftung kam der stellvertretende Vorsitzende der Unabhängigen Bergarbeitergewerkschaft der Ukraine (NPGU), Pawlo Lysjanskyj, Ende Januar nach Deutschland und sprach dort in vier Städten: Berlin, München, Stuttgart und Köln. Jedesmal ging es um dieselben zwei Fragenkomplexe: Informationen über die Gewerkschaft und die Lage der Bergarbeiter; die Folgen des Krieges. Auf der Veranstaltung in Berlin antwortete Lysjanskyj u.a. auf die nachstehenden Fragen; wir haben sie ergänzt durch einige zusätzliche Informationen aus Köln.
Eine Arbeiterjugend in der Ukraine
Pawlo Lysjanskyj
Die Ukraine ist ein sehr junger Staat. In welchem politischen Klima man dort nach seiner Gründung 1991 aufwuchs, erzählte uns Pawlo Lysjanskyj nach der Kölner Veranstaltung am 29.1. Das Gespräch ist in der Ich-Form wiedergegeben.
SYRIZA ist ein Sandkorn im Getriebe
Eric Toussaint über die ersten Schritte der neuen griechischen Regierung
Die neue Regierung, die Griechenland aus dem Jammertal der Spardiktate führen will, hat die politische Bühne mit Paukenschlägen betreten. Von den Dogmatikern in der EU wird sie hart bedrängt, den alten Kurs fortzusetzen. Welche Optionen hat die Regierung überhaupt?
Spanien: Podemos
Erbe oder Verfälschung der 15M-Bewegung?
von Jesús Jaén
Am 31.Januar hat Podemos in Madrid zu einer riesigen Demonstration aufgerufen. Laut Polizei nahmen rund 100000 Menschen daran teil, nach Angaben der Organisatoren 300000. Sie war vergleichbar mit den Kundgebungen der sog. Indignados bzw. den Generalstreiks im Jahr 2012.
Der hohle Zahn des Westens
Krieg gegen die Menschen des Südens und Ostens
von Angela Klein
Welch ein Unterschied zu den 90er und 2000er Jahren! Damals brannten in Deutschland die Asylbewerberheime und deutsche Bundesregierungen gaben dem nationalen Einheitstaumel nach: Sie schafften das Asylrecht 1993 faktisch ab, wiederholten nacheinander, Deutschland sei «kein Einwanderungsland», die «deutsche Leitkultur» wurde zum Unwort des Jahres 2000, Jürgen Rüttgers mahnte: «Kinder statt Inder!» Vorläufiger Höhepunkt dieser Kampagnen war Sarrazins Klage, Deutschland werde von einer Welle von Asylbewerbern «überrannt».
Die Tage nach dem Attentat auf Charlie Hebdo
Reaktionen aus der Bevölkerung
von Sophia Deeg
Am 7.1., dem Tag des Attentats auf die Redaktion von Charlie Hebdo bin ich bereits seit Wochen in Paris. Ich treffe in dieser Zeit eine Freundin, Aktivistin der UJFP (Französisch-Jüdische Union für den Frieden), die mir eindringlich schildert, wie Muslime und Araber in Frankreich auf Schritt und Tritt rassistisch diskriminiert werden, im Alltag, in den Medien, von der Politik, von rechts bis weit hinein in die Linke.
Wahlsieg von SYRIZA
Internationale Solidarität!
von Manuel Kellner
Nachdem mehrere Wellen beeindruckender Massenstreiks und Demonstrationen die bittere Lage von vielen Millionen Griechen nicht haben wenden können, richten sich die Hoffnungen der griechischen Bevölkerung nun auf die neue SYRIZA-Regierung.
Die Kette der Spardiktate brechen
„Griechenland ist das schwache Glied“
sagt Panos Petrou vom linken Flügel der SYRIZA
Aus den Parlamentswahlen in Griechenland am 25.Januar 2015 ist SYRIZA als stärkste Kraft hervorgegangen, hat aber die absolute Mehrheit verfehlt und eine Koalition mit der nationalistischen Partei ANEL gebildet, die die von der Troika aus EU, EZB und IWF aufgezwungene Sparpolitik ebenfalls strikt ablehnt.
«Ich bin nicht Charlie»
Gegen die stupide Vermengung von Islam und Terror
von Shlomo Sand
Nichts kann einen Mordanschlag rechtfertigen, schon gar nicht einen kaltblütig ausgeführten Massenmord. Was Anfang Januar in Paris geschehen ist, ist ein absolut unentschuldbares Verbrechen. Das zu sagen, ist nicht originell: Millionen Menschen denken und empfinden so, und dies völlig zurecht.
Chancen und Risiken bei Wahlsieg von SYRIZA
Unterstützung aus Chefgläubigerstaat nötig
von Ingo Schmidt
Im September 2011 bekannte sich Angela Merkel vor dem Bundestag zum «Budgetrecht (als einem) Kernrecht des Parlaments». Allerdings werde die von ihr geführte Regierung die «parlamentarische Mitbestimmung so gestalten, dass sie trotzdem auch marktkonform ist».
Charlie und Pegida
Hüben wie drüben: Einwanderer als Sündenböcke
von Manuel Kellner
Die beeindruckende Massenmobilisierung in Paris unter der Parole «Je suis Charlie» (Ich bin Charlie) hat nicht nur den Willen zur Verteidigung der Pressefreiheit zum Ausdruck gebracht. Immer wieder beteuerten die Demonstrierenden auch, Einwanderer, Muslime und Jihadisten dürften nicht in einen Topf geworfen werden, und betonten ihren Willen zum friedlichen Zusammenleben unabhängig von Herkunft und religiösem Bekenntnis.
Charlies Karikaturen
Gegen Herrschende oder gegen Beherrschte?
von Manuel Kellner
Charlie Hebdo ist eine linke Zeitschrift, die bei der politischen Rechten und extremen Rechten und auch bei konservativen und neoliberalen Sozialdemokraten alles andere als beliebt war und ist. 1995 sammelte sie 200000 Unterschriften für das Verbot der rechtsextremen Front National.
Charlie Hebdo: Linksliberale Mobilisierung…
… und rassistische Hetze
von Bernard Schmid
Die Mobilisierung auf den Straßen Frankreichs, fünf Tage nach der Ermordung von zwölf Menschen in der Redaktion der Satirezeitung Charlie Hebdo (am 7.Januar) und zwei Tage nach der Geiselnahme im jüdischen Supermarkt HyperCacher war enorm. Die französischen Medien sprechen von rund 4 Millionen Menschen, davon 2 Millionen in Paris.
Charlie Hebdo: Wer waren die Attentäter?
Produkte der französischen Gesellschaft
von Bernard Schmid
Weder die Brüder Kouachi noch der Mörder Coulibaly waren Einwanderer. Sie waren französische Staatsbürger, in Frankreich aufgewachsen und Produkte der französischen Gesellschaft. Ein ehemals «illegaler» Einwanderer war hingegen Lassana Bathily, der 15 Menschen im koscheren Supermarkt gerettet hat.
Nach dem Anschlag auf Charlie Hebdo
Ihre Verantwortung und unsere – eine Sicht aus Frankreich
von Alain Bihr
Wie soll man – über die unvermeidliche Gefühlsreaktion und die angebrachte Verurteilung hinaus – auf die Ermordung eines großen Teil der Redaktion von Charlie Hebdo, gefolgt vom Mord an vier Personen in einem koscheren Supermarkt, reagieren? Was sollte getan werden? Und vor allem: Was sollte nicht getan werden?
Griechenland: Ein Schuldenschnitt…
… ist unvermeidlich
von Gregor Kritidis
Kaum war die Nachricht eingetroffen, dass es in Griechenland am 25.Januar 2015 Neuwahlen gibt, reagierte die Bundesregierung: Via Spiegel ließ sie inoffiziell verkünden, im Falle eines Wahlsiegs von SYRZIA, der Koalition der Radikalen Linken, stehe ein Grexit – das Ausscheiden Griechenlands aus der Eurozone – auf der Tagesordnung.
Das Regierungsprogramm von SYRIZA
vorgestellt auf der Internationalen Messe in Thessaloniki am 15.September 2014
Wir verlangen ein starkes Verhandlungsmandat mit dem Ziel, Folgendes zu vereinbaren:
– Streichung des größeren Teils des nominellen Werts der öffentlichen Schulden auf einer europäischen Schuldenkonferenz, damit sie tragbar sind. So wie es für Deutschland 1953 möglich war, ist es auch für die südeuropäischen Länder einschließlich Griechenlands möglich.
Die Aufgaben der Linken nach dem Sieg von SYRIZA
Erklärung von DEA (Internationalistische Arbeiter-Linke)
Vorbemerkung der Redaktion von Socialist Worker, Chicago.
Alexis Tsipras ist nun Ministerpräsident von Griechenland und steht damit an der Spitze einer Regierung, die nach dem Wahlsieg der Koalition der radikalen Linken, kurz SYRIZA, gebildet wurde. Diese Regierung hat eindeutig die Aufgabe, eine Abkehr von der Austeritätspolitik durchzuführen, die das Land in die Krise gestürzt hat. Teil dieser SYRIZA-geführten Regierung ist aber auch eine rechte nationalistische Partei, die „Unabhängigen Griechen“, deren reaktionärer Gründer und Führungsfigur Verteidigungsminister ist.
Herzlichen Glückwunsch an Syriza!
Der Wahlsieg von Syriza am 25.Januar erfüllt die Linke und die Arbeiterbewegung in Europa mit Hoffnung: Hoffnung auf ein Ende der Spardiktate und der neoliberalen Geisterpolitik.
Hoffnung statt Zynismus
Vier Thesen zum Wahlausgang in Griechenland
Wir posten hier einen Beitrag von http://mosaik-blog.at/hoffnung-statt-zynismus-vier-thesen-zur-griechenland-wahl/
Greek elections Against austerity regime
Declaration of left activists in and on East-Central Europe
Note from the LeftEast editors: with this text Left-wing activists working in/on East-Central Europe support the struggle of SYRIZA in Greece in the coming election on the 25th of January 2015. If you would like your name or that of your organization to be added to the list, please write to:lefteasteditors@gmail . com
Alexis Tsipras: Einer gegen Alle?
Regierungswechsel gilt als sicher
von Wassilis Aswestopoulos
| Alexis Tsipras erfreut sich einer seltenen Ehre, innenpolitisch hat er alle anderen Parteien einig gegen sich. Jede Partei stichelt auf eine eigene Art und Weise und doch versuchen viele griechische Parteien einen Weg zu finden, um doch noch mit SYRIZA ins Geschäft zu kommen. Tsipras spielte – frei nach dem Motto Georg von Frundsbergs: „Je mehr Feind, je mehr Glück.“ – bei seiner Abschlussrede am Athener Omonia-Platz mit allen gegen ihn ins Feld gebrachten Klischees. | |
EU soll Griechenlands Schulden prüfen
Syriza beim Wort nehmen!
von Eric Toussaint
Seit in Griechenland für den 25. Januar 2015 Wahlen angekündigt wurden, wird die Möglichkeit, dass Syriza den Wahlsieg davonträgt und eine Regierung bildet, der Öffentlichkeit und insbesondere der in der Eurozone als Bedrohung präsentiert.
Charlie sein oder nicht sein, das ist nicht die Frage
Stellungnahme der Französischen Jüdischen Union für den Frieden (UJFP)
In dem Chaos, hervorgerufen durch das monströse Attentat, das zwölf Menschen das Leben gekostet hat, fällt es zunächst schwer, sich zurechtzufinden und zu unterscheiden zwischen denen, die unter dem Banner des Slogans „Je suis Charlie“ einzig ihren gerechtfertigten Schmerz und ihre Wut zum Ausdruck bringen, denen, die „das Amalgam (die Verwechslung oder Gleichsetzung von Islam und Terrorismus) fürchten“ und denen, die zur nationalen (und internationalen) Einheit gegen den radikalen Islamismus aufrufen.
Wenn auf dieses Verbrechen selbstverständlich mit Schmerz und Wut reagiert wird, fragt sich doch – Wut auf wen genau?
Wir sind alle Charlie Hebdo
Solidaritätserklärung der SoZ-Redaktion
Liebe Freunde von Charlie-Hebdo,
wir sind an eurer Seite, in der Trauer und im Zorn. Und wir hoffen, dass aus dem barbarischen Akt ein Geist der Revolte wachsen wird, der sich gegen jedweden Fundamentalismus und Faschismus, welcher Couleur auch immer, auflehnt.
Wir wenden uns gegen die Versuche der extremen Rechten in Deutschland, das Wasser auf ihre Mühlen zu leiten, und wir glauben an die Notwendigkeit einer arabisch-europäischen antifaschistischen Bewegung.
Wir sind alle Charlie!
Redaktion der Sozialistischen Zeitung, Köln, 10.
Ein Gespenst geht um in Europa
Streikwelle kündigt neue Phase des sozialen Kampfs an
von Angela Klein
„So geht es nicht“ schallte es am 12.Dezember in den Straßen der italienischen Städte der Regierung Renzi entgegen. „8 Milliarden Sozialkürzungen und 10 Milliarden Unternehmergeschenke? So geht es nicht“, ist der Weckruf seit Anfang November auch in Belgien. Und in Griechenland hat Ende November der gefühlt 23.Generalstreik seit Beginn der Krise das Land lahmgelegt.
Griechenland vor Neuwahlen?
SYRIZA hat gute Chancen
von Paul B. Kleiser
Eigentlich müsste der neue Staatspräsident in Griechenland erst im Februar 2015 gewählt werden, doch der konservative Regierungschef Antonis Samaras hat den ersten Wahlgang auf den 17.Dezember vorgezogen. Der bisherige Präsident Karolos Papoulias kann nach zehnjähriger Amtszeit nicht wiedergewählt werden.
Generalstreik in Belgien
Kraftprobe zwischen Arbeit und Kapital
von Manuel Kellner
Die Streikbewegung in Belgien ist in vielerlei Hinsicht nicht vergleichbar mit dem, was wir in Deutschland kennen. Zunächst einmal handelt es sich um politische Streiks, denn sie richten sich gegen die neoliberale Sparpolitik der sog. «Mitte-Rechts-Regierung» aus Neoliberalen, Konservativen und (flämischen) Nationalisten (wirtschaftspolitisch ebenfalls neoliberal).
Streik in Belgien
Vor einer bedeutenden Kraftprobe
von DANIEL TANURO*
Der 24-stündige Streik, der die belgische Arbeiterklasse am Montag, den 15. Dezember mobilisiert hat, war ein enormer Erfolg. Das ganze Land ist vollkommen paralysiert worden: in Flandern, in Wallonien und in Brüssel, die Privatwirtschaft und die öffentlichen Betriebe, die Industrie und die Dienstleistungen, das Transportwesen und der Handel, die großen und die kleinen Unternehmen.
Italien: Prekarisierung für alle
Renzis Programm für den italienischen Wirtschaftsaufschwung
von Angela Klein
Matteo Renzi, italienischer Premierminister seit dem 25.Februar 2014, gilt den Massenmedien hierzulande wahlweise als Hoffnungsträger oder als unzuverlässiger Stänkerer gegen Merkels Spardiktat. Was die Italiener selbst von ihm halten, bringen sie seit Monaten auf der Straße zum Ausdruck: am 25.Oktober mit einer Million Gewerkschaftern in Rom, am 8.November mit 100000 Staatsdienern, ebenfalls in Rom, dazwischen mit einer Vielzahl von kleineren, sehr harten Kämpfen gegen Massenentlassungen, Betriebsschließungen, Protestaktionen an den Schulen, von Migranten u.a.
In Italien bahnt sich ein neues soziales Bündnis an
14N: Social Strike
Am 2.November fand in Rom zum zweitenmal eine Versammlung zur Vorbereitung eines Sozialen Streiks statt, die eine echte Neuerung darstellt: Sie umfasste nämlich nicht nur Metallarbeiter, sondern auch prekär Beschäftigte in den verschiedensten Beschäftigungsverhältnissen, Erwerbslose, Migranten und Ausgegrenzte. Und sie setzte sich Ziele, die über den 14.November hinausweisen. Wir entnehmen den Beitrag der Webseite communianet.org.
Belgien Widerstand gegen die Sparkeule
von Angela Klein
Im Nachbarland Belgien scheint sich ein Stimmungsumschwung anzubahnen: Für den 6.November hatten die belgischen Gewerkschaften gemeinsam zu einer Demonstration in Brüssel gegen die unsozialen Maßnahmen der neuen Regierung aufgerufen.
Marinaleda, Andalusien
Das Dorf, wo Menschen wichtiger sind als Profit
von Liam Barrington und Len Wilton
In der blühenden spanischen Kleinstadt Marinaleda ist das Leben von den Prinzipien der gegenseitigen Hilfe und der direkten Aktion geprägt. Ist das eine Alternative – in einem Land, das von der Last der Schulden gelähmt ist?
Die Parlamentswahlen in der Ukraine
Resignation und Kriegsgeschrei
von Angela Klein
Die Parlamentswahlen in der Ukraine vom 26.Oktober 2014 haben die «Kriegsparteien» nach vorn gebracht und zugleich die Macht der Oligarchen gefestigt. Die Wahlbeteiligung variierte von 32% im Ostteil des Landes (dort, wo es möglich war zu wählen) bis zu über 65% im Westteil; im Landesdurchschnitt soll sie bei 52% gelegen haben (2012: 58%). Zum Vergleich: Bei Kongresswahlen in den USA liegt sie bei etwa 40%.
Ukraine: Wahlergebnisse der Parlamentswahlen
vom 26.Oktober 2014
Formal waren die Wahlen in den von Kiew kontrollierten Gebieten nicht zu beanstanden.
29 Parteien stellten sich zur Wahl, darunter Steigbügelhalter des alten Janukowitsch-Regimes wie die KP ebenso wie die Faschisten vom Rechten Sektor. Die 2321 internationalen Wahlbeobachter, darunter auch russische, hatten am Verlauf wenig zu beanstanden.
Die Wahlen in der Ostukraine vom 2.11.2014
Keine regulären Bedingungen
Das zwischen der Regierung in Kiew und den Vertretern der «Volksrepubliken» Donezk und Lugansk Anfang September in Minsk ausgehandelte Abkommen (siehe SoZ 10/2014) sah u.a. Wahlen «in einigen Gebieten der Bezirke Donezk und Lugansk» vor, gemäß dem Gesetz über die Selbstregierung, das vom Parlament in Kiew angenommen worden war.
Griechenland-Solidarität
Erstes bundesweites Koordinationstreffen
von Paul Michel
Am 2.November trafen sich in Hamburg etwa 30 Leute aus verschiedenen Städten sowie Vertreter der Griechenland-Soli-Delegationsreisen der Gewerkschaftslinken, von Ver.di, Attac, der Rosa-Luxemburg-Stiftung und des Verbandes demokratischer Ärztinnen und Ärzte.
BLOCKUPY zum Ukraine-Konflikt
Gegen Nationalismus und Rassismus – für eine linke, internationalistische Anti-Kriegsbewegung!
BLOCKUPY steht für ein demokratisches Europa von unten. Wir sind Teil einer linken, internationalistischen Antikriegsbewegung, in der keine nationalistischen, rassistischen oder antisemitischen Deutungen des Ukraine-Konflikts Platz haben. Gegen die Logik der kapitalistischen Staatenkonkurrenz um Einfluss, Ressourcen und Macht stellen wir die Perspektive einer grenzübergreifenden Solidarität von Unten.
Volksabstimmung in Schottland
Ein siegreiches Nein mit einem Haufen Problemen
von Alan Thornett
Der Vorschlag eines unabhängigen Schottland ist beim Referendum vom 18.September gescheitert und die herrschenden Eliten haben einen gewaltigen Seufzer der Erleichterung ausgestoßen. Es war eine Niederlage, die auf Angst und Einschüchterung beruhte, organisiert von einer «Nein-Kampagne» im Einklang mit Downing Street. 55,2% stimmten mit Nein, 44,8% mit Ja, d.h. für ein unabhängiges Schottland.
«Marsch fürs Läbe» in Zürich
Auf dem zeitgleich mit Berlin stattfindenden «Marsch fürs Läbe» in Zürich waren 2000 fundamentalistische Christen und 300–400 Gegendemonstrantinnen anwesend.
von Helle Gebhardt, BFS Zürich
Der Verein «Marsch fürs Läbe» wurde im Jahr 2011 mit dem Ziel gegründet, Veranstaltungen «zum Schutz des Lebens» durchzuführen. Dazu gehört auch die seit 2010 jährlich stattfindende Kundgebung «Marsch fürs Läbe». Präsident des Vereins ist Daniel Regli, der derzeit auch für die rechtslastige SVP im Gemeinderat der Stadt Zürich sitzt.
Der christlich-fundamentalistische Verein zieht gegen die bis zur 12.Schwangerschaftswoche gesetzlich erlaubte Abtreibung zu Felde und will die sogenannte Fristenregelung abschaffen. Sie war im Jahr 2002 schweizweit in einer Volksabstimmung von 72% der Abstimmenden angenommen worden. Auch wenn diese Fristenregelung noch lange nicht das bedeutet, was wir unter einem selbstbestimmten Leben verstehen, weil sie unter anderem beinhaltet, dass eine Notlage geltend gemacht werden muss um abtreiben zu dürfen, so ist die Möglichkeit eines legalen Schwangerschaftsabbruchs doch ein wichtiger Fortschritt und ein zentrales Frauenrecht.
Die Argumente der selbsternannten «Lebensschützer» beziehen sich ausschließlich auf das Wohl des Kindes, welches sie sichern wollen. Sie verschieben den Fokus weg von der Frau und geben vor, «den Schwächsten der Gesellschaft» eine Stimme zu geben. So können sie ihre Meinung als die Meinung der «Unterdrückten und Nicht-Gehörten» darstellen. Bezeichnenderweise sind die auf der Webseite genannten Mitglieder und die am «Marsch fürs Läbe» aufgebotenen Redner ausschließlich Männer. Um ihre Position zu untermauern, berufen sie sich auf die Bibel, nach deren Anweisungen sie angeblich handeln.
Konservatismus und Frauenfeindlichkeit
Die Werte, welche der «Marsch fürs Läbe» vermittelt, sind problematisch und rückständig. Die christliche Familie, die der Verein auf seiner Webseite als «wahren Reichtum» bezeichnet, wird zum Idealbild stilisiert. Zu einer ordentlichen Familie gehören demnach sowohl die Ehe wie auch eine kirchliche Hochzeit. Homosexuelle und Andersgläubige dürfen jedoch nicht kirchlich heiraten, und viele Menschen leben unverheiratet in Beziehungen zusammen – allein das macht klar, wie realitätsfern und – gerade in Bezug auf andere Lebensentwürfe – ausgrenzend dieses Idealbild ist. Diese fundamentalistischen Vorstellungen von Familie sind Teil eines frauen- und männerfeindlichen, reaktionären Gesamtbildes.
Religiöse und fundamentalistische Ansichten gewinnen insbesondere in Krisenzeiten, wo gesellschaftliche Institutionen von den herrschenden Klassen torpediert und abgebaut werden, wieder an Boden. Religion ist allerdings lange nicht gleichbedeutend mit reaktionären Ideologien. Schon der Ausdruck von Karl Marx, der «Religion als Opium des Volkes» bezeichnete, attestiert dieser durchaus auch positive Eigenschaften. Wenn Menschen in religiösem Glauben einen Zufluchtsort finden, den ihnen die kapitalistische Gesellschaft nicht bieten kann, ist daran nicht viel auszusetzen. Einer emanzipatorischen Bewegung kann nicht daran gelegen sein, den individuellen Glauben zu verteufeln.
Etwas anderes ist es aber, unter dem Deckmantel der Religion erzkonservative und rückwärtsgewandte Ideologien zu propagieren, die darauf aus sind, Frauen und gesellschaftliche Minderheiten zu diskriminieren und ihrer Freiheit zu berauben. Das sind reaktionäre Antworten auf die Krisen des Kapitalismus, denen es etwas entgegenzusetzen gilt.
Abtreibung und soziale Sicherheit
Diese Verbindung ist entscheidend. Schwangerschaftsabbruch, aber auch pränatale Diagnostik und die zurzeit kontrovers diskutierte Sterbehilfe sind keine Felder individueller Moral. Die Entscheidung, ob während der Schwangerschaft Tests durchgeführt werden sollen, um allfällige Behinderungen des Kindes frühzeitig zu erkennen, ist nur vordergründig eine persönliche. Viel zu oft werden soziale, aber auch ökonomische Rahmenbedingungen in der Debatte um Leben und Sterben vernachlässigt.
Das Recht auf Abtreibung ist in den letzten Jahrzehnten erkämpft worden und stellt gerade für eine – noch lange nicht erreichte – Gleichstellung der Geschlechter ein zentrales Element dar. Ebenso wichtig ist aber, dass die Entscheidung, ein Kind zu bekommen, nicht vom Einkommen der Eltern abhängen darf. Krippenplätze, Kinderbetreuung und finanzielle Erleichterungen sind deshalb genauso wichtig, wenn wir ein selbstbestimmtes Leben und eine freie Entscheidung über das Kinderkriegen fordern. Die christlichen Fundamentalisten vom «Marsch fürs Läbe» gehen auf diese sozioökonomischen Hintergründe kaum ein. Für sie zählt «Gottes Wort», und das nimmt nun einmal keine Rücksicht auf gesellschaftliche Zusammenhänge. Dafür haben sie die christliche Familie auserwählt, die den ökonomischen Rahmen bilden soll, in dem Kinder zur Welt kommen. Der Mann vedient Geld, die Frau besorgt den Rest.
Gerade in Krisenzeiten, wo auch in der Schweiz viele bestehende Institutionen, die den Menschen zumindest bis zu einem gewissen Grad eine soziale Sicherheit versprachen, von den herrschenden Klassen zerstört werden, wo Krippenplätze knapp sind und ein Kind manchmal eine erhebliche ökonomische Belastung bedeutet, erfreut sich die Institution «Familie» wachsender Beliebtheit.
Kinder zu bekommen oder nicht ist eine extrem persönliche Entscheidung. Eine Entscheidung, die jeder Mensch, besonders aber jede Frau, frei und ohne gesellschaftliche, ökonomische oder moralische Zwänge treffen sollte. Davon sind wir heute aus den genannten Gründen weit entfernt. Noch immer hängt die Entscheidung für oder gegen ein Kind von viel zu vielen äußeren Faktoren ab.
Unser Ziel muss deshalb sein, jeder Frau die Möglichkeit zu geben, frei über einen Schwangerschaftsabbruch bestimmen zu können. Diese Wahlfreiheit beginnt bei der Gleichstellung und der Entscheidungsfreiheit der Frau in der Liebesbeziehung und endet beim Beruf, der mit einem Kind vereinbar ist. Alle diese Faktoren beeinflussen uhre Entscheidung und müssen berücksichtigt werden. Es reicht nicht, die Abtreibung rechtlich zu erlauben. Sie muss eine wirkliche Option sein. Keine Frau sollte gezwungen sein, aufgrund von sozialem Druck ein Kind abzutreiben. Genauso wenig aber sollte eine Frau dazu gezwungen werden, eines auszutragen.
Tayfun Guttstadt: Çapulcu
Die Gezi-Park-Bewegung und die neuen Proteste in der Türkei. Münster: Unrast, 2014. 327 S., 18 Euro
von Bernard Schmid
Die gesellschaftlichen Verhältnisse in der Türkei riefen im vergangenen Jahr zeitweilig erhebliche Hoffnungen in fortschrittlichen Kreisen hervor, brachte doch die breite Protestbewegung ab dem Juni 2013 die Verhältnisse auf spektakuläre Weise zum Tanzen. Nichtsdestotrotz gewann die islamistisch-wirtschaftsliberale Regierungspartei unter Recep Tayyip Erdogan (AKP) vielerorts sowohl die Kommunalwahlen im März dieses Jahres als auch die Präsidentschaftswahl im August.
Des Sultans Scheindemokratie
Die Türkei nach den Präsidentschaftswahlen
von Murat Çak?r
Am 10.August 2014 fanden in der Türkei die ersten Wahlen zum Staatspräsidenten in der Geschichte der Republik statt. Bis dahin wurden alle Staatspräsidenten vom Parlament gewählt. Recep Tayyip Erdogan konnte nach fast zwölfjähriger Amtszeit als Ministerpräsident diese Wahlen mit 51,8% der Stimmen im ersten Wahlgang für sich entscheiden.
«Sozialistische Ukraine»
Linke Aktivisten schließen sich zur Partei zusammen
Die Konferenz «Der Krieg in der Ukraine und die Politik der Linken» am 6./7.September im Ukrainischen Haus in Kiew brachte ca. 100 Teilnehmende aus der Ukraine und dem Ausland zusammen. Sie erklärte, dass der Krieg im Donbass nur den herrschenden Klassen und den Imperialisten im Westen und im Osten nütze.
Einigung auf Kosten Dritter
Signale der Entspannung zwischen der EU und Russland
von Angela Klein
Im Zeitraum zwischen dem 4. und dem 12.September fielen mehrere wichtige Entscheidungen über die Ukraine und das Verhältnis zu Russland: die Vereinbarungen von Minsk zwischen den Regierung der Ukraine und Russlands, den Separatisten und der OSZE; die Erklärungen der EU zum Assoziierungsabkommen mit der Ukraine und zu den Sanktionen gegen Russland; sowie die Beschlüsse auf dem NATO-Gipfel in Wales.
Gegen Rassismus, für Solidarität
Das Jugendsommerlager der IV.Internationale 2014
von Olga Dedinas
Das diesjährige Sommercamp der IV.Internationalen stand im Zeichen der Palästina-Solidarität, angesichts der Angriffe auf den Gazastreifen, die auch während der Zeit des Camps anhielten.
Obgleich bei den Diskussionen um den Nahostkonflikt in Deutschland oft verhärtete Fronten aufeinanderprallen, blieben sie auf dem Camp solidarisch.
Vier Lügen, die die Welt erschüttern
Wahrheitswidrige Propaganda erschwert eine Lösung des Ukraine-Konflikts
von Leo Gabriel
Auch wenn sich jetzt das Rad der Geschichte plötzlich wieder zu drehen scheint und die ukrainische Regierung ein Gesetz verabschiedet hat, das der Region Donbass eine zumindest teilweise Autonomie zuzugestehen scheint, ist dem Frieden noch lange nicht zu trauen. Denn unter dem Lügengebäude, das jetzt langsam zum Vorschein kommt, liegen mindestens zweitausend Menschen begraben, die das Schicksal ereilt hat, nur weil sie zum falschen Zeitpunkt am falschen Ort waren oder weil sie an die Propaganda des Westens oder des Ostens geglaubt haben.
Zur ukrainischen Linken und der Kampagne gegen „Borotba“
Vorwürfe wenig stichhaltig
von Andrej Hunko
Zur Wertung der Politik der ukrainischen linken Organisation Borotba gibt es unterschiedliche Einschätzungen in der Linken. Darum bringen wir hier einen Beitrag von Andrej Hunko von Anfang Juli, der eine andere Sichtweise darstellt als diejenige von Angela Klein in der SoZ vom September (http://www.sozonline.de/wp-admin/post.php?post=12233&action=edit).
Welches Notprogramm taugt für die Krise?
Für ein Europa der Solidarität
von Damien Millet und Eric Toussaint
Gemäß der Kriterien des Internationalen Währungsfonds führten die europäischen Regierungen strenge Sparmassnahmen durch: Kürzung der öffentlichen Ausgaben, die Einfrierung von Gehältern bzw. Gehaltskürzungen für Beamte, reduzierter Zugang zu wichtigen öffentlichen Einrichtungen und Sozialhilfe, höheres Rentenalter etc.; erhöhte Kosten für den öffentlichen Transport, Wasser- und Gesundheitsversorgung, Ausbildung etc.; höhere und besonders unfaire Steuern wie die Mehrwertssteuer; massive Privatisierung von Firmen in Wettbewerbssektoren.
Nach dem Abschuss der MH17
Propagandakrieg gegen Russland
von Paul Michel
Was sich seit dem Abschuss des malaysischen Flugzeugs über der Ostukraine abspielt ist bizarr – und verläuft doch nach altbekanntem Muster. Das Missverhältnis zwischen den bekannten Fakten und der offiziellen Version der Verhältnisse ist krass.
Schweiz: Ecopop gegen Überbevölkerung
Eine fremdenfeindliche Initiative
von Nicola Cianferoni
In der Schweiz will eine Initiative die «Überbevölkerung» begrenzen, um den gegebenen Lebensstandard und die natürliche Umwelt zu erhalten.
Der Erdgaskrieg – eine Dreiecksbeziehung
Im Gasstreit bündeln sich die Konflikte zwischen Russland, der Ukraine und der EU
von Angela Klein
Der neue, sog. «kalte Krieg» mit Russland wird nicht nur auf dem Feld der Sanktionen ausgefochten. Um freiere Hand für einen Konfrontationskurs zu haben, sucht die EU nach Alternativen zum russischen Erdgas.
Querfront auf russisch
Eine Konferenz in Jalta
von Angela Klein
Am 6./7.Juli fand in Jalta eine Konferenz von Menschen aus West- und Osteuropa statt (es sollen 50–70 Teilnehmer gewesen sein). Sie hat eine der üblichen Erklärungen hervorgebracht, die in letzter Zeit mehrfach von Linken unterschrieben wurden – mit manch richtiger Forderung gegen die Intervention des Westens, aber Stillschweigen über die Rolle Russlands und den zweifelhaften Charakter der bewaffneten Akteure in der Ostukraine.1
Das Treiben von Organika Polska in Bosnien-Herzegowina
Kampf gegen Raubinvestoren
von Monika Karbowska
Im Februar und März kam es in Bosnien zu großen sozialen Protesten. Gern haben die Medien über das Anzünden von Gebäuden berichtet, wenig jedoch über die Proteste der arbeitenden Bevölkerung und ihre Ursachen.
Belgien: Spektakulärer Wahlerfolg der PTB-GO!
Gewerkschaft sucht neuen politischen Partner
Interview mit Daniel Tanuro*
Zu den Parlamentswahlen und Europawahlen am 25.Mai 2014 trat die radikale Linke in Belgien mit einer Liste PTB-GO! (Gauche d’Ouverture, Linke der Öffnung) an. Die Liste wurde von den Organisationen PTB/PVDA, LCR/SAP (Sektion der IV.Internationale), PC (Parti Communiste) sowie Einzelpersonen gebildet und von Teilen der Gewerkschaftsbewegung, namentlich dem sozialistisch-sozialdemokratischen Gewerkschaftsdachverband FGTB von Charleroi – mit über hunderttausend Mitgliedern der zweitgrößte Regionalverband –, unterstützt.
Was ist die Partei der Arbeit Belgiens (PTB)?
von Daniel Tanuro
Die PTB/PVDA (Parti du travail de Belgique/Partij van de Arbeid van België) ist aus einer sektiererischen und autoritär geführten maostalinistischen Organisation hervorgegangen, der TPO/AMADA (Alle Macht den Arbeitern), mit allem was dazu gehörte: Kampf gegen die Sowjetunion als «sozialimperialistischen Hauptfeind» und gegen Kuba als dessen «fünfte Kolonne», Rechtfertigung der Verbrechen des Stalin-Regimes, der Roten Khmer, von Kim Il-sung usw.
Überlegungen zur aktuellen Situation in der Ukraine
Unbewältigte Erbschaft des 20. Jahrhunderts
von Helmut Dahmer
(1) Die Ukraine war und ist, wie der Name sagt und ein Blick in den historischen Atlas oder auf die heutige Landkarte bestätigt, ein Grenzland. Von Moldawien im Südwesten bis Russland im Osten und Südosten hat die heutige Republik Ukraine, der zweitgrößte europäische Flächenstaat (nach Russland), gemeinsame Grenzen mit sieben Staaten (außer den genannten sind das Rumänien, Ungarn, die Slowakei, Polen und Weißrussland).
Belgien: Spektakulärer Wahlerfolg der PTB-GO!
Gewerkschaft sucht neuen politischen Partner
Interview mit Daniel Tanuro*
Zu den Parlamentswahlen und Europawahlen am 25.Mai 2014 trat die radikale Linke in Belgien mit einer Liste PTB-GO! (Gauche d’Ouverture, Linke der Öffnung) an. Die Liste wurde von den Organisationen PTB/PVDA, LCR/SAP (Sektion der IV.Internationale), PC (Parti Communiste) sowie Einzelpersonen gebildet und von Teilen der Gewerkschaftsbewegung, namentlich dem sozialistisch-sozialdemokratischen Gewerkschaftsdachverband FGTB von Charleroi – mit über hunderttausend Mitgliedern der zweitgrößte Regionalverband –, unterstützt.
Ukraine’s fractures
An Interview with Volodymyr Ishchenko
by New Left Review, 16 June 2014
Since the start of the Maidan protests six months ago, Ukraine has been at the centre of a crisis which has exposed and deepened the fault-lines—geopolitical, historical, linguistic, cultural—that traverse the country. These divisions have grown through the entwinement of opposed political camps with the strategic ambitions of Russia and the West, the former bidding to maintain its grip over its ex-Soviet bailiwick even as the latter relentlessly expands its sphere of influence.
Kiev-based sociologist Volodymyr Ishchenko discusses the unfolding of the Ukrainian crisis and its outcomes to date, against the backdrop of the political and economic order that emerged after 1991.
EU schwingt sich zur Kolonialmacht auf
Freihandel, Rohstoffe und Soldaten
von Angela Klein
Immer offener und raubeiniger reklamiert die Europäische Union für sich eine Führungsrolle unter den Weltmächten. Ihre lange zu beobachtende relative Zurückhaltung als militärischer Akteur in der Weltpolitik war nicht einer Aversion gegenüber harter Machtpolitik geschuldet, sondern der Konstellation des Kalten Krieges, der die USA als einziger, der Sowjetunion mindestens gleichrangiger Atommacht, zwangsläufig zur unbestrittenen Hegemonialmacht bestimmte. Militärstrategische Fragen spielten auf EU-Ebene deshalb lange keine Rolle, sie waren Sache der NATO und damit der USA.
Russlands Pläne für eine eigene Investitionszone
Von Jelzin zu Putin
von Vincent Présumey
Großrussland ist der Traum Putins und der ihm anhängenden Diaspora.
Der russische Imperialismus von heute ist ein Produkt des Verfalls der poststalinistischen Bürokratie der Sowjetunion. Die Verschmelzung des Partei- und Staatsapparats, der die Arbeiterklasse ab 1923 politisch enteignete, brachte auch eine Rückkehr des großrussischen Chauvinismus mit sich, mit gravierenden Folgen vor allem in den ehemals vom Zarenreich unterdrückten Nationen (Ukraine, Georgien usw.). Hinzu kamen die Zwangskollektivierung mit ihren Millionen Hungertoten und eine brutal durchgesetzte Industrialisierung sowie schließlich die Liquidierung der alten bolschewistischen Partei mit der physischen Ausrottung der Kader der Oktoberrevolution.
Die Ideologie des Putin-Regimes
Der Stalin-Zarismus
von Vincent Présumey
Putins Regime trifft im Westen nicht nur auf den bekannten Russenhass, er übt auf Teile des Bürgertums und des Kleinbürgertums im westlichen Ausland auch eine eigene Faszination auf: Faszination für die «Ordnung», die er hergestellt hat, sein autokratisches Regime, seine Betonung von Religion und Familie als angeblich spezifisch «russische» Werte. Putin hat es verstanden, seine Herrschaft durch eine Ideologie abzustützen, die seine Think-tanks und ihm nahestehende Netzwerke ausgearbeitet haben – auch in dieser Hinsicht ahmt er die Neoliberalen und die sie umlagernde Sphäre von Kulturschaffenden, Medien und Wissenschaftlern nach.
Die Verfassung der «Volksrepublik Donezk»
Auszüge aus der Verfassung der Volksrepublik Donezk, wie sie auf der Webseite der «Volksrepublik» veröffentlicht ist:
Wir, der Oberste Rat der Volksrepublik Donezk,
im Gefühl, integraler Bestandteil der Russischen Welt zu sein, verstanden als russische Zivilisation, als Gemeinschaft des russischen und anderer Völker,
im Bewusstsein der Unteilbarkeit des Schicksals der gesamten Russischen Welt und im Willen, wie in der Vergangenheit auch weiterhin Bestandteil von ihr zu sein,
Die Wahlen in der Ukraine
Oligarchen und extreme Rechte
von Angela Klein
Die Präsidentschaftswahlen in der Ukraine haben mal wieder einem schwerreichen Oligarchen, Petro Poroschenko, das Mandat gegeben. Der demokratische und antioligarchische Impuls der Maidanbewegung ist gebrochen. Sie hat es nicht vermocht, ihrem Anliegen in einer eigenständigen, unabhängigen Kandidatur einen politischen Ausdruck zu verleihen.
Die Bergleute im Donbass schlagen Alarm
Was wird aus ihnen wenn der Staat keine Subventionen mehr zahlt?
von Zbigniew Kowalewski
Auf die Separatisten und die Perspektive einer «Föderalisierung» sind die Bergleute in der Ostukraine nicht gut zu sprechen. Sie wollen nicht so enden wie ihre russischen Kollegen.
Kann man einen Staatsbetrieb verstaatlichen? Im Donbass haben die russischen Separatisten gezeigt, dass sie das können. Sie haben den Staatsbetrieb DP Donbassanthrazit in der Region Lugansk «verstaatlicht». Er umfasst sieben Bergwerke und zehn weitere Betriebe. Ungefähr 15000 Personen sind dort beschäftigt, die monatliche Lohnsumme beträgt einschließlich der Sozialversicherungsbeiträge 85 Mio. Hryvnia (5,2 Mio. Euro).
1941/44: Deutsche Terrorherrschaft in Griechenland
Zum 70.Jahrestag des Massakers in Distomo
aus Griechenland-Info Nr.7
Am 10.Juni jährte sich das von Soldaten der Wehrmacht angerichtete Massaker von Distomo bei Delphi zum siebzigsten Mal. Dabei wurden das Dorf niedergebrannt und 218 Frauen, Alte und Kinder bestialisch umgebracht. Es war einer der traurigen Höhepunkte einer langen Blutspur der Wehrmacht in Griechenland.
Europas Strippenzieher
Wer in Brüssel wirklich regiert. Cerstin Gammelin, Raimund Löw: Berlin 2014. 384 S., 19,99 Euro
von Paul B. Kleiser
Das Buch der beiden Autoren ist in mehrerlei Hinsicht von Interesse: Löw hat als langjähriger Brüsseler Korrespondent des Österreichischen Rundfunks (ORF) offensichtlich gute Beziehungen zu den Brüsseler «Sherpas», die für die Politiker die Drecksarbeit machen dürfen (aber auch gute Hintergrundinformationen besitzen); auf dieser Grundlage berichtet er häufig detailliert über die Hintergründe von Entscheidungen (und die Abgründe der Treffen); außerdem kommt er aus einem kleinen Land, was seine Kritik am Gerangel beflügelt. Die Journalistin Cerstin Gammelin schreibt für die Süddeutsche Zeitung.
Rechtsradikale Eurasien-Westeuropa-Connection
Am 3.Juni berieten die Führer der russischen Eurasien-Bewegung mit westeuropäischen Rechtspopulisten, Aristokraten und Unternehmern auf einem Geheimtreffen in Wien über die Rettung Europas vor Liberalismus und Schwulenlobby. Der Tagesanzeiger aus der Schweiz berichtete, hier ist der Link zum lesenswerten Artikel:
http://www.tagesanzeiger.
BLOCKUPY zum Ukraine-Konflikt:
Gegen Nationalismus und Rassismus – für eine linke, internationalistische Anti-Kriegsbewegung!
BLOCKUPY steht für ein demokratisches Europa von unten. Wir sind Teil einer linken, internationalistischen Antikriegsbewegung, in der keine nationalistischen, rassistischen oder antisemitischen Deutungen des Ukraine-Konflikts Platz haben. Gegen die Logik der kapitalistischen Staatenkonkurrenz um Einfluss, Ressourcen und Macht stellen wir die Perspektive einer grenzübergreifenden Solidarität von Unten.
Die schwarze Seele der Republik Donezk
von Andrea Ferrario
Der folgende Beitrag zeigt, dass sich in der Führung der „Republik Donezk“ Neofaschisten befinden, die direkt oder indirekt mit Russland verbunden sind. Diese Rechtsextremisten genießen keinerlei reale Unterstützung in der Bevölkerung und an ihrer Seite agieren bis zum heutigen Tag anonyme Paramilitärs. Die Hauptakteure der Marionettenrepublik sind fast alle neofaschistischer und ultranationalistischer Provenienz, mit Verbindungen, die eindeutig nach Russland weisen. Es handelt sich nicht um eine verschwommene Hypothese, sondern um eine klar verifizierbare Tatsache.
Europa driftet nach rechts
Einmischung der Bevölkerung einfordern!
von Angela Klein
Europawahlen sind traditionell Meinungswahlen, da es eine europäische Regierung nicht gibt und der Rat der Europäischen Union (die Versammlung der Staats- und Regierungschefs) das Vorschlagsrecht für den Kommissionspräsidenten hat. Diese seine Machtstellung sollte bei den diesjährigen Wahlen mit der Benennung von Spitzenkandidaten erstmals angekratzt werden. Dennoch boten die Europawahlen auch diesmal die Möglichkeit, der jeweils eigenen Regierung einen Denkzettel zu verpassen.
Erdogan in Deutschland: Eine unerträgliche Heuchelei
Der Besuch eines türkischen Despoten und die Doppelzüngigkeit deutscher Politik
von Murat Çakir
Wer’s glaubt, wird selig! Als ob in der BRD die «europäischen Werte» nicht längst ausgehöhlt wären und diese in der Türkei je gegolten hätten, bescheinigt Wolfgang Bosbach (CDU) dem türkischen Ministerpräsidenten Erdogan, dass «die Türkei sich unter ihm mit Riesenschritten von europäischen Werten» entferne. Aus allen Bundestagsfraktionen sind ähnliche Worte zu hören: Erdogan scheint in Köln nicht willkommen zu sein.
Doch die Bundesregierung ist anderer Auffassung und heißt Erdogan «als Ministerpräsident eines Landes, das uns ein wirklich enger und wichtiger Partner ist», herzlich willkommen. Dennoch scheuen sich weder Regierungssprecher Seibert («Wir erwarten ein sensibles, ein verantwortungsvolles Auftreten»), noch Außenminister Steinmeier («Unsere Demokratie hält es aus, wenn sich Herr Erdogan an seine Landsleute wendet») kleinere Seitenhiebe zu verteilen – immerhin sind am 25.
Griechenland: Vom Wahlsieg von SYRIZA…
… zu einem politischen Sieg der Linken
von DEA, Internationale Arbeiterlinke in SYRIZA
Das Ergebnis der Europawahlen ist mit 26,6% oder 1,5 Millionen Stimmen für SYRIZA ein klarer Wahlsieg für die radikale Linke. Es hat sich erwiesen, dass die Regierungskoalition aus Nea Dimokratia und PASOK in der Minderheit ist – zum ersten Mal nicht allein durch Meinungsumfragen, sondern durch ein offizielles Wahlergebnis. Diese Regierung hat keine Legitimation mehr für ihre brutale Sparpolitik.
Frankreich: Der Erfolg des Front National…
… ist der Preis für unsere Schwäche
von Alain Bihr
Als das Ergebnis der Europawahlen in Frankreich bekannt wurde, waren viele höchst konsterniert. Der Front National wurde mit fast 25% im Landesdurchschnitt die mit Abstand stärkste Kraft, wobei er im Wahlkreis Nordost, wo Marine Le Pen Kandidatin war, sogar 33,6% erreichte, im Wahlkreis Ost, wo ihr Ehemann angetreten war, 29% und im Wahlkreis Südost, wo ihr Vater kandidierte, 28,2%.
Großbritannien: Die UKIP…
… rüttelt das Parteiensystem durch
von Liam Mac Uaid
Am Wahlerfolg der UKIP lässt sich nichts schönreden: Zum erstenmal in Großbritannien hat eine Partei abseits der herkömmlichen Regierungs- und Oppositionsparteien eine nationale Wahl gewonnen. Niemand, rechts oder links, nahm sie ernst. Nun hat sie einen Sprung von 11 Prozentpunkten gemacht und mit 28% das beste Wahlergebnis erzielt. Warum war UKIP so erfolgreich?
Ungarn: Sieg der Rechten…
… und Verschiebungen im linksliberalen Lager
von Matyas Benyik
Die regierende rechte FIDESZ-Partei errang bei den Europawahlen einen überragenden Sieg: 51,5% der Stimmen (12 Sitze von 21) bei einer Wahlbeteiligung von lediglich 28,9%. Das ist eine Stimmenzuwachs von rund 8 Prozentpunkten im Vergleich zu den Parlamentswahlen im vergangenen April. Die rechtsextreme Partei Jobbik kam mit 14,7% auf Platz 2 (3 Sitze).
Frankreich: Die neue Strategie des Front National
Eine Herausforderung für die radikale Linke
von Alain Bihr
Seit Marine Le Pen als Nachfolgerin ihres Vaters an die Spitze des Front National getreten ist, wiederholen die Medien bis zum Überdruss, der Front National versuche, sich zu «entdämonisieren» und seinen Diskurs «nach links hin» zu korrigieren. Damit reproduzieren sie einmal mehr die Propaganda des Front National und verschleiern, worum es bei dieser angeblichen Wende geht und wieviel Kontinuität sie in Wirklichkeit enthält.
Italien: Die „Forconi“
Die «forconi»
Sozialer Protest in den Landesfarben Italiens
von Henri Wilno
Ende 2013 fanden in zahlreichen italienischen Städten Straßenblockaden, Platzbesetzungen und «spontane» Kundgebungen statt. Die beteiligten Akteure gehörten sozialen Gruppen an, die für gewöhnlich nicht mit solchen Kampfformen in Verbindung gebracht werden: Händler, Handwerker, Lkw-Fahrer, Kleinbauern zusammen mit Personen, die mehr oder weniger am Rande der Gesellschaft stehen, Vorstadtjugendliche, Erwerbslose und auch Studierende. Sie werden oft als forconi bezeichnet: diejenigen, die Heugabeln schwenken.
Ukraine: Soziale Proteste…
… im Jahr 2013 sprunghaft angestiegen
vom Center for Society Research in Kiew
Die sozialen Hintergründe der Massenproteste der letzten Monate im ganzen Land werden gern ausgeblendet. Dabei waren sie im vergangenen Jahr zahlreich und haben massiv zugenommen – und dies unabhängig von Maidan oder Anti-Maidan.
Die Bergleute des Kriwbass auf der Straße
Gegen Oligarchen und Separatisten
von Linke Opposition
Am 11.Mai sind die Bergleute von Kriwoj Rog (in der Industrieregion von Dnepropetrowsk, dem «Kriwbass») mit der Forderung nach einer 100%igen Lohnerhöhung auf die Straße gegangen. Der Marsch einiger hundert Personen durch die Hauptstraßen der Stadt wurde von der unabhängigen Gewerkschaft der Bergleute der Ukraine organisiert.
Wer sind die ukrainischen Separatisten?
Die Rolle extrem rechter Kräfte
von Nikolai Mitrochin
Die meisten «Volksgouverneure», «Milizen» und «Garden» und andere Anführer separatistischer Organistionen im Südosten der Ukraine waren vor dem Sturz von Janukowitsch an Politik auf Landesebene nicht beteiligt, nur wenige von ihnen saßen als Abgeordnete in gewählten Gremien oder waren mehr oder weniger bekannte öffentliche Funktionsträger. Die meisten von ihnen scheinen um die dreißig zu sein. Wer sind diese Leute?
Die tschechische Linke
Kein Licht im Tunnel
von Stepan Steiger
Aus der Entfernung betrachtet, bietet die tschechiche Linke das Bild einer zerrütteten Landschaft: mit zwei starken, alten Bäumen und einigen nicht allzu gepflegten Büschen sowie vielen kleinen Kräutern. Die Bäume sind die zwei etablierten Parteien, die Tschechische Sozialdemokratische Partei (CSSD) und die Kommunistische Partei von Böhmen und Mähren (KSCM).
EU, Internationales Recht und Austerität
Rechtsgutachten der Universität Bremen
von Michael Aggelidis
Besprechung, Übersicht und politische Auswirkungen des Rechtsgutachtens des Zentrums für europäische Rechtspolitik der Universität Bremen/Prof. Andreas Fischer-Lescano im Auftrag unter anderem des Europäischen Gewerkschaftsbunds (EGB).
Die Alternative für Deutschland und ihr Programm für Europa
Keine Anti-EU-Partei
Gekürzt aus: antifaschistische nachrichten, Nr.7, 2014
Unter der Flagge der Ablehnung der EU fordert die Alternative für Deutschland (AfD) vor allem eine Radikalisierung des neoliberalen Programms.
Der Erfurter Parteitag der Alternative für Deutschland (AfD) am 22./23. März sollte zum Triumphzug für Parteisprecher Bernd Lucke werden.
Über eine Million Menschen bei den «Märschen für die Würde» am 22.März in Madrid
«Nur die Menschen selbst können die Menschen retten»
von Jerôme Duval
Trotz der Behauptung der spanischen Regierung, der wirtschaftliche Aufschwung sei voll im Gange, gibt es in Spanien keinen Mangel an Gründen für Demonstrationen. Um nur einen Grund zu nennen: Laut einem Caritas-Bericht müssen derzeit 3 Millionen Menschen mit weniger als 307 Euro im Monat auskommen. Das sind doppelt so viele wie zu Beginn der Krise 2007.
Spanien: Erfolge bei Konflikten
Es lohnt sich zu kämpfen
von Esther Vivas
Bei den zahlreichen Konflikte, die es in letzter Zeit in Spanien gab, hat es auch eine Reihe von Erfolgen gegeben.
«Widerstand ist sinnlos», hören wir immer wieder. «Nach jahrelangen Protesten geht die Krise immer noch weiter – was soll die Mühe?», fragen andere und flößen uns ein Gefühl der Apathie und Resignation ein.
Spanien: Podemos…
… und die Notwendigkeit einer neuen Politik
von Teresa Rodríguez
Podemos («Wir können») ist eine Initiative mit dem Ziel, der Massenbewegung gegen die Troika einen politischen Ausdruck zu verleihen. Es handelt sich weder um eine Partei noch um eine bloße Meinungsströmung. Die Initiative hat sich in sog. Zirkeln organisiert mit dem Ziel, zur Entstehung einer neuen politischen Kraft beizutragen. Podemos will mit eigenen Listen zu den kommenden Europawahlen antreten.
EU in der Krise
Die kommenden Europawahlen polarisieren stärker als je zuvor Gegner und Befürworter der EU. Doch am Ende ist das die falsche Fragestellung
von Angela Klein
Die jüngste Weltwirtschaftskrise hat auch zu einer politischen Krise der EU geführt. Sie betrifft den Zusammenhalt der Union, aber auch einzelner Nationalstaaten. Vor allem aber zerstört das gewählte Krisenmanagement die parlamentarische Demokratie und bereitet neuen, autoritären Herrschaftsformen den Weg – national wie auch europaweit.
Sofortprogramm für ein anderes Europa
Aufhebung der Konkurrenz
von Angela Klein
Die linke Debatte darüber, wie Europa anders gestaltet werden könnte, steht ganz am Anfang. Nachstehend soll nur eine Skizze in fünf Punkten entworfen werden.
Das Programm setzt voraus, dass in irgendeiner Weise (egal ob über Wahlen oder über die Handlungsunfähigkeit der alten Regierung) eine gesellschaftliche Situation entsteht, wo die da unten nicht mehr wollen.
EU und Parlamente – Souveränität für wen?
Merkels Eiertanz
von Angela Klein
Im Kompetenzstreit zwischen der Exekutive in Brüssel und der in den Hauptstädten der Mitgliedstaaten gehen die Parlamente unter.
Die konservativen Parteien halten am Vorrang der Nationalstaaten fest. Die Kanzlerin hat den Europäischen Rat zum zentralen Ort des Krisenmanagements gemacht und sich als standhafte Gegnerin von Eurobonds profiliert.
Vereint zur Europawahl
Frankreichs Linke streitet um das Verhältnis zur Sozialdemokratie
von Bernard Schmid
Wie hältst du’s mit der Sozialdemokratie? Die Gretchenfrage hat schon öfter die Kräfte links von ihr gespalten. Nun hat es die französische Linksfront (Front de gauche) getroffen.
Maidan oder Anti-Maidan?
Die Lage in der Ukraine ist differenzierter
von Wolodymyr Ischtschenko
Sowenig wie die Proteste auf dem Maidan hauptsächlich das Werk westlicher Agenten und rechtsextremer Schläger waren, sowenig sind die Anti-Maidan-Proteste im Osten der Ukraine nur das Werk russischer Agenten und eingeschleuster Sicherheitskräfte.
Ukraine: Ein Lehrstück
West-östliche Machtpolitik
von Horst Hilse
In den letzten Wochen hatte ich Gelegenheit an zwei Debattentreffen zwischen sieben ukrainischen und russischen Bürgern teilzunehmen, die derzeit in NRW leben. Ich war von der freundschaftlichen und sachlichen Athmosphäre sehr angenehm überrascht und angetan. Sie sprachen sehr gut deutsch und beantworteten stundenlang geduldig und ausführlich meine Fragen.
Meine naive Dummheit mit dem „Westlinken Koordinatensystem im Kopf“ erheiterte die Runde öfter mal. Aus der Runde hatten vier Personen (drei russische Bürger) an den Maidanmassenprotesten im Januar 3 Tage lang selbst teilgenommen. Ich bemühte mich um Verständnis und ein erstes Ergebnis ist nachfolgend zu lesen.
Europäischer Gewerkschaftsbund: Zehntausende in Brüssel
Dein Europa = Kapital ! Unser Europa = Solidarität!
von Horst Hilse
So hatten belgische Gewerkschaftskollegen im gewerkschaftlichen Demozug am Freitagnachmittag kurz und bündig auf großen Plakaten formuliert. Zu der gewerkschaftlichen Großdemonstration gegen die europäische Sparpolitik in Brüssel am Freitag kamen weit mehr als gedacht.
Die Krim-Krise
Vorspiel für Kriege zwischen den „Blöcken“?
von Angela Klein
Nein, Putin ist kein Demokrat, schon gar kein «lupenreiner» (Schröder). Er führt in Russland ein autokratisches Regime, das Oppositionelle verfolgt und kritische Meinungsäußerungen unterdrückt, wenn es ihm opportun erscheint. Er sieht sich nur einem Ziel verpflichtet: Russland wieder zu einer Großmacht zu machen.
EU macht NATO-Politik
«Weder Moskau noch Brüssel» ist nur die halbe Wahrheit
von Birger Scholz
Der Zusammenbruch des «real existierenden Sozialismus» brachte nicht das Ende der Geschichte und auch keine «Pax Americana», sondern nur die Wiederkehr eines wohlbekannten Imperialismus, modernistisch Geopolitik genannt. In Asien war dies mit dem Aufstieg Chinas und der sich anbahnenden Konfrontation mit den USA und ihren Verbündeten schon längst sichtbar.
Eine Ärztedelegation hat Griechenland besucht
SOS Gesundheit
von Paul B. Kleiser
Mitte Februar fuhren sieben Ärztinnen und Ärzte zusammen mit der Geschäftsführerin des Verbandes demokratischer Ärzte und Ärztinnen, Nadja Rakowitz, und dem Autor dieses Artikels nach Athen, um die Lage im Gesundheitswesen genauer kennenzulernen und Hilfsmaßnahmen zu besprechen.
Schweiz: „Gegen Masseneinwanderung“
Lehren aus dem Abstimmungsergebnis
von der Redaktion A l’Encontre
Nach der Annahme der Initiative der Schweizerischen Volkspartei (SVP) «Gegen die Masseneinwanderung» am 9.Februar 2014 haben Experten die Stimmung der Wählerinnen und Wähler in den Gemeinden, Kantonen, auf dem Land und in der Stadt sowie in den verschiedenen Sprachregionen befragt, um die «Gründe» und die Geisteshaltung zu untersuchen, die ihr Abstimmungsverhalten leiteten.
Schweiz: Mobilität für alle Studierenden ohne Beschränkungen
Für ein Erasmus++
von Nicola Cianferoni
Eine unmittelbare Konsequenze der Volksabstimmung «Gegen die Masseneinwanderung» ist der Ausschluss der Schweiz aus dem Erasmus+-Programm. Darauf reagierte jungen Leute empört und brachten das auf spontanen Demonstrationen gegen das Abstimmungsergebnis in Zürich, Bern und Genf zum Ausdruck.
Die Ukraine und die Linke
Das Unverständnis des Westens gegenüber dem Osten
von Angela Klein
Ein großer Teil von Linken in Deutschland bewertet die Ereignisse in der Ukraine vom Standpunkt des antifaschistischen Kampfes (im besseren Fall), wenn nicht gar vom Standpunkt des Kalten Krieges aus. Die Anliegen der Hunderttausende, die zwischen Dezember und Februar auf die Straße gegangen sind, gelten (wiederum im besten Fall) als Beiwerk oder werden überhaupt ignoriert oder gar als nützliche Idioten des Westens behandelt.
Der Euro-Maidan ist keine aufgesetzte Bewegung
Die Tage der Proteste und ihre Akteure
von Sachar Popowitsch
Sachar Popowitsch war vom ersten Tag an auf dem Maidan mit einer roten Fahne. Er hat auf dem Platz nicht geschlafen, ihn aber fast jeden Tag besucht.
Nie habe ich seit 2004 so viele Menschen im Zentrum von Kiew demonstrieren sehen wie an jenem 24.November, dem Tag der ersten Massendemonstration von Euro-Maidan.
Chevron in Zurawlow/Polen
Die längste Protestblockade seit dem Krieg
von Miron Deuter und Halina Mirowska
Zurawlow in der Region Zamosc ist ein kleines Dorf, umgeben von Feldern. Es hat zwei Nachbardörfer, Szczelatyn und Rogow. Verwaltungsmäßig gehören sie zur Gemeinde Grabowiec, im Bezirk Zamosc. Und hier, auf dem Feld, dicht an der örtlichen Asphaltstraße, findet die seit 1945 längste Blockade statt.
Schweiz: Die ungelösten Probleme der Personenfreizügigkeit
Knappe Mehrheit für die Begrenzung der Einwanderung
BFS Jugend Zürich *
Am 9.Februar 2014 hat die stimmberechtigte Bevölkerung in der Schweiz überraschend eine von der Schweizerischen Volkspartei (SVP) lancierte Initiative angenommen. Sie fordert, die Einwanderung aus den EU-Ländern mittels Kontingenten zu begrenzen und somit die bis dahin geltende Personenfreizügigkeit mit den Staaten der EU aufzuheben.
«Die große Mehrheit will keinen Bürgerkrieg»
Jean-Marie Chauvier über die Spaltung der Ukraine
Der belgische Journalist ist Mitarbeiter von Le Monde Diplomatique und hervorragender Kenner der Ukraine. Das Interview führte die Zeitschrift der Partei der Arbeit Belgiens (PTB/PvdA), Solidaire.
Mit welchen wirtschaftlichen Problemen hat die ukrainische Bevölkerung zu tun, insbesondere die Lohnabhängigen, Kleinbauern und Erwerbslosen?
Seit der Auflösung der UdSSR 1991 ist die Bevölkerung der Ukraine von 51,4 auf 45 Millionen gesunken.
Bulgarien: Massenproteste unter falscher Flagge
Eine nur kleine Zahl linker kritischer Stimmen
von Mariya Ivancheva
In den letzten fünf Jahren gab es im «postsozialistischen» Bulgarien immer wieder anhaltende Proteste. Sie waren jedoch spontan weder anti-neoliberal noch antikapitalistisch. Denn die neoliberalen und korrupten Parteien an der Macht werden oft mit «Kommunismus» gleichgesetzt.
Das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine
Fordert viel und gibt nix
von Angela Klein
Der Konflikt innerhalb der Ukraine und mit der EU eskalierte, als sich der ukrainische Staatspräsident im November 2013 auf dem EU-Gipfel in Vilnius unerwartet erdreistete, dem bis dato vorgeschlagenen Assoziierungsabkommen mit der EU seine Unterschrift zu verweigern. Was enthält das Abkommen?
Spannendes Spanien: Proteste mit Symbolcharakter in Burgos
Zerstörerische Sparmaßnahmen und wer davon profitiert
von Gaston Kirsche
Die rechtskonservative Regierung Spaniens reagiert in der anhaltenden Wirtschaftskrise zunehmend mit Repression gegen soziale Bewegungen und versucht, der Gesellschaft per Gesetz und Verordnung ein reaktionäres Rollback zu verordnen. Zuletzt flammten Proteste in der Stadt Burgos auf.
Die Quadratur des Kreises
Der britische Regisseur Ken Loach sprach in Berlin über Notwendigkeit und Möglichkeit einer neuen vereinigten Linken
von Thomas Eipeldauer
Es gibt nicht viele Filmemacher wie Ken Loach. Die Heldinnen und Helden seiner Werke sind diejenigen, die in den Blockbuster-Movies nicht vorkommen oder nur die Kulisse abgeben, vor der sich die eigentliche Geschichte abspielt: Die kämpferischen Reinigungsarbeiterinnen in Bread and Roses (2000), die spanischen Anarchisten und Sozialisten in Land and Freedom (1995) oder die sympathischen Whiskey-Diebe aus der schottischen Unterschicht in The Angels’ Share.
Frankreich: Kommunalwahlen März 2014
Die Bedeutung des Durchbruchs der rechtsextremen Front National (FN)
von Johann Schögler*
Für die Front National (FN) von Marine Le Pen war schon vor dem 2. Wahldurchgang der Kommunalwahlen am 30. März klar, dass sie sich fest als dritte Kraft neben der Sozialdemokratie von Hollande, die die größten Verluste einfuhr und der rechtskonservativen Oppositionspartei UMP von Copé, die – obwohl intern auch in einer Krise – leicht zulegen konnte, etabliert hat.
Die Solidarnosc und die Ultrarechte
Keltische Kreuze und rassistische Losungen
von Jacek Roso?owski
Die Sympathien für die Rechten innerhalb einer großen Zahl von Funktionären der Solidarnosc überraschen nicht. Ganz deutlich ist die Annäherung dieser Gewerkschaft an die Partei von Jaros?aw Kaczy?ski – PiS. Durch eine ständig anwachsende autoritäre und nationalistische Tendenz in der polnischen Politik, arbeiten immer mehr regionale Gliederungen dieser Gewerkschaft mit Ultrarechten zusammen.
Überstürzte NaO Erklärung zur Ukraine
Kritik an einer Erklärung der Neuen Antikapitalistischen Organisation (NaO)
Siehe: http://nao-prozess.de/solidaritaet-mit-den-arbeiterinnen-und-linken-in-der-ukraine/
von Paul Michel u. Tino P. Sankara
Es ist gewiss anerkennenswert, dass die NAO recht frühzeitig, am 2. März, eine politische Erklärung in die politische Arena wirft. Andrerseits war klar, dass das gewiss nicht einfache Thema zu diesem Zeitpunkt in der Berliner NAO Gruppe keineswegs erschöpfend durchdiskutiert war, dass die Erklärung nicht Ausdruck einer seriösen Diskussion war
Ukrainische Revolution
Die Maidan-Bewegung ging von Bevölkerung aus
Interview mit Vasyl Cherepanin*
Zunächst einmal: was hast du während der Maidan-Bewegung gemacht?
Das Forschungszentrum Visuelle Kultur hat seit September 2013 auf dem Maidan teilgenommen. Wir haben mitgeholfen im Rahmen der offenen Universität auf dem Maidan ein Bildungsangebot für die auf dem „globale Proteste“ genannten Platz Anwesenden auf die Beine zu stellen, womit versucht wurde, den ukrainischen Aufstand in einen breiteren Kontext zu stellen, den der Aufstände des arabischen Frühlings, der Occupy-Bewegungen, der Indignados und der verschiedenen sozialen Bewegungen auf Weltebene im Jahr 2013.
Europa nach dem Schweizer Volksentscheid
Ohne soziale Mindeststandards und Regulierung wird Freizügigkeit nicht funktionieren
von Birger Scholz
Selten waren sich die Eliten in der Schweiz und der EU so einig. Konservative, Grüne und Sozialdemokraten, Kapitalverbände wie Gewerkschaften, bis hin zur deutschen Linkspartei sind schockiert.
Wer den Status quo der EU verteidigt muss sich zu Recht Sorgen machen. Denn bekanntlich ist die Arbeitnehmerfreizügigkeit neben dem freien Waren- und Kapitalverkehr eine der zentralen «Grundfreiheiten» der EU.
NSA-Aushorchprogramm
Strafanzeige gegen Bundesregierung und -behörden
von Rolf Euler
Der 11.Februar sollte der Tag sein, an dem «wir zurückschlagen»: Proteste gegen die Überwachung durch NSA, GHCQ und andere Geheimdienste sollten zusammengefasst und verstärkt werden. Dazu aufgerufen hatten verschiedene Bürgerrechtsorganisationen, etwa die US-amerikanische Electronic Frontier Foundation*.
Die Linke Opposition meldet sich zu Wort
In der Ukraine, auch auf dem Maidan in Kiew, gibt es auch eine linke Opposition. Sie ist schwach und wird, ebenso wie unabhängige Gewerkschaften, von den Anhängern der Swoboda-Partei physisch angegriffen und hat Schwierigkeiten, einen Raum für sich zu behaupten. Aber sie existiert und hat sich jetzt mit einem Zehn-Punkte-Plan zu Wort gemeldet, der alle antioligarchischen Kräfte zusammenbringen soll.
Machtwechsel in der Ukraine
Wird das Regime jetzt noch autoritärer?
von Angela Klein
Die Weltwirtschaftskrise hat einige Länder Osteuropas noch stärker gebeutelt als die südeuropäischen. Soziale Verelendung und korrupte politische Regime haben in verschiedenen Ländern zahlreiche Menschen auf die Straße getrieben. Dabei führen sie den Kampf gegen die Oligarchen an der Macht teilweise immer noch mit antikommunistischen Parolen. Wir veröffentlichen Artikel zur Ukraine, Bosnien und Bulgarien, stellen das EU-Assoziierungsabkommen mit der Ukraine vor und stellen es in den Zusammenhang mit der globalen Freihandelsordnung.
Bosnien-Herzegowina: Wer Hunger sät, wird Wut ernten
von Chiara Milan
Bosnien-Herzegowina ist wieder in den Schlagzeilen als ein Land, das in Flammen steht. Am 5.Februar gingen Beschäftigte der jüngst privatisierten Fabriken von Tuzla, der drittgrößten Stadt des Landes, auf die Straße. Sie forderten die Bezahlung der Beiträge zu ihrer Kranken- und Rentenversicherung und ihren Lohn, der seit 50 Monaten aussteht.
Das Bürgerplenum von Tuzla
Die Bürger entdecken wieder die direkte Demokratie
Am 8.Februar startete in Tuzla, der wichtigsten Industriestadt der Föderation von Bosnien-Herzegowina, das «Bürgerplenum».
Es tritt allabendlich um 18 Uhr zusammen, offen für jeden.
Die Forderungen der Arbeiter und Bürger des Kantons Tuzla
Erklärung vom 7.Februar 2014
«Heute schaffen die Menschen in Tuzla eine bessere Zukunft. Die Regierung hat ihren Rücktritt erklärt und die Macht abgegeben; das war unsere erste Forderung.
Rechte Regierung will Abtreibung wieder verbieten
Empörung in Spanien
von Sandra Ezquerra
Am 20.Dezember 2013 veröffentlichte die von der rechten Volkspartei (PP) getragene spanische Regierung den Entwurf für das neue «Gesetz für den Schutz des ungeborenen Lebens und für die Rechte der schwangeren Frau». Eine Verabschiedung dieses Entwurfs wäre die dritte Änderung des Abtreibungsrechts in den letzten dreißig Jahren und der wichtigste Angriff auf dem Gebiet der sexuellen und Reproduktionsrechte seit der Franco-Diktatur.
Zuerst reformierte die sozialdemokratischen PSOE-Regierung das Abtreibungsrecht der Franco-Diktatur, das war 1985. Abtreibung blieb dabei ein Straftatbestand und war nur unter drei Bedingungen und innerhalb gewisser Fristen erlaubt: bei Vergewaltigung innerhalb einer Frist von 12 Wochen, bei Missbildungen des Fötus innerhalb einer Frist von 22 Wochen und bei Gefahr für die physische und mentale Gesundheit der Schwangeren unbefristet.
Deutsche Konzerne in Griechenland unter Korruptionsverdacht
Waffengeschäfte laufen wie geschmiert
von Paul Michel
Deutsche Unternehmen sollen Millionen Bestechungsgelder für milliardenschwere Waffengeschäfte mit Griechenland gezahlt haben.
Antonis Kantas, im griechischen Verteidigungsministerium von 1992 bis 2002 Leiter des Direktorats Rüstung, hat ein Geständnis ablegt: Mehr als 10 Millionen Dollar Bestechungsgeld hat er für Waffengeschäfte mit U-Booten, Panzern, Kampfflugzeugen und Raketen gezahlt. Das waren Geschäfte mit Firmen aus Deutschland, Frankreich, Russland, Brasilien und Schweden. «Ich habe so viele Schmiergeldzahlungen angenommen, dass ich mich gar nicht mehr an alle erinnere» (Frankfurter Rundschau, 7.1.
Ukraine zwischen russischer Fuchtel und EU-Armenhaus
von Alexander Busgalin
Im November 2013 besetzten tausende Ukrainer den Maidan-Platz (Unabhängigkeitsplatz) in Kiew. Sie protestierten gegen eine Entscheidung ihres Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch, die Beitrittsverhandlungen mit der EU auszusetzen und stattdessen, wie andere ehemalige Sowjetrepubliken, einer Zollunion mit Russland beizutreten.
Die Ukraine ist stark verschuldet, die Regierung hatte deshalb von der EU einen Kredit in Höhe von 27 Mrd. Dollar als Gegenleistung für die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens erbeten. Die EU hatte daraufhin harte neoliberale Reformen im Stil der Schocktherapie für Griechenland im Verlauf der Eurokrise oder der für Russland 1992 unter Jelzin verlangt.
Europas „konstituierender Prozess“?
Beitrag zur EU-Debatte in der LINKEN
von Raul Zelik *
Für jemanden, der wie ich Mitglied der LINKEN ist, sich aber keiner Strömung der Partei zurechnet, ist der bisherige Verlauf der Europa-Debatte einigermaßen irritierend. Es ist, als wollten die Beteiligten wieder einmal das alte Klischee bekräftigen, dass es im Politikbetrieb weniger um Inhalte als um parteitaktische Überlegungen und mediale Anerkennung geht.
Schmutzkampagne zum sogenannten Freizügigkeitsmissbrauch
Ein Gespenst geht um in Deutschland - der "Sozialtourismus"
von Larissa Peiffer-Rüssmann
Die Arbeitnehmerfreizügigkeit in der EU, die ab dem 1.Januar 2014 auch Bulgaren und Rumänen einschließt, hat eine Schmutzkampagne ohnegleichen ausgelöst.
Zu Recht ist der Begriff «Sozialtourismus» zum «Unwort des Jahres 2013» gewählt worden. Da wird eine Minderheit aus Rumänien und Bulgarien beschimpft, sie missbrauche unsere Sozialsysteme, obwohl nach den Zahlen des Instituts für Arbeitsmarktforschung bis zur Jahresmitte 2013 nur 0,6% der Hartz-IV-Bezieher Bulgaren oder Rumänen waren.
Der EU-Beitritt von Rumänien und Bulgarien hat den deutschen Unternehmen nicht nur neue Märkte, sondern auch Fachkräfte wie Ärzte, Ingenieure und Techniker beschert, die angeworben wurden, mittlerweile hier arbeiten und in die Sozialversicherungen einzahlen.
Europa braucht eine Sozialunion
Migration aus Osteuropa: Europäischer Arbeitsmarkt braucht europäische Regelungen
von Angela Klein
Wenn er so weiter macht, wird Horst Seehofer seinen Wettlauf mit der AfD um die Stimmen am rechten Rand verlieren. Die rechtspopulistische Partei mit der offenen Flanke zur extremen Rechten liegt in Umfragen jetzt bei 7% und wird weiter wachsen, je stärker der Bocksgesang gegen die (mal wieder) Ausländer und «Sozialschmarotzer», die angeblich unsere Sozialkassen plündern, anschwillt. Seehofer hat sich den Leitsatz von FJ Strauss zu eigen gemacht: Rechts von mir darf keine Partei hochkommen. Rechtspopulismus kann die CSU besser, soll das heißen: siehe Pkw-Maut, siehe die Hetze gegen Migranten aus Osteuropa. Da wird er die Rechnung ohne den Wirt machen: Je mehr er und seinesgleichen dazu beitragen, eine rassistische Stimmung zu verbreiten, desto mehr Auftrieb werden die AfD und alle bekommen, die in ihrem Kielwasser schwimmen.
EU reformieren?
Streit in der LINKEN zum Europawahlprogramm
von Manuel Kellner
Wie steht die Linke zur EU? Im Vorfeld des Parteitags, der über das Wahlprogramm zu den Europawahlen entscheidet, gibt es darüber Streit in der Partei Die LINKE. Schon im Bundestagswahlprogramm waren die Passagen zur EU nicht klar: Einerseits wurden deren Grundlagen (insbesondere der Verfassungsvertrag von Lissabon) abgelehnt, andererseits wurde die Reform der EU als Perspektive formuliert.
Prominente des Forums Demokratischer Sozialismus (FDS) wie Dietmar Bartsch, denen es in erster Linie darum geht, SPD und Grünen mit Blick auf die Bundestagswahlen 2017 die «Regierungstauglichkeit» der LINKEN auch auf Bundesebene zu beweisen, haben sich in der Öffentlichkeit vor allem gegen die Präambel des Entwurfs zum Wahlprogramm ausgesprochen. Fraktionschef Gregor Gysi, inzwischen wieder die wichtigste Führungsfigur der Partei, äußert sich im gleichen Sinne: bei der Präambel seien «nicht alle Formulierungen glücklich».
Griechenland: Klientelismus oder Staatsreform
SYRIZA muss sich entscheiden
von Birger Scholz
Nach Auffassung der Ökonomen Daron Acemoglu und James A. Robinson entscheiden letztlich funktionierende Institutionen, insbesondere gesicherte Eigentums- und Vertragsrechte und eine funktionierende Staatsverwaltung, über den wirtschaftlichen Erfolg von Nationen. Solche Institutionen sind weder gottgegeben, noch Resultat spezifischer Kulturen, sondern das Produkt politischer Prozesse.
Ukraine: Zwischen russischer Fuchtel und EU-Armenhaus
Das skandinavische Modell steht nicht zur Auswahl
von Alexander Busgalin
Im November 2013 besetzten tausende Ukrainer den Maidan-Platz (Unabhängigkeitsplatz) in Kiew. Sie protestierten gegen eine Entscheidung ihres Staatspräsidenten Viktor Janukowitsch, die Beitrittsverhandlungen mit der EU auszusetzen und stattdessen, wie andere ehemalige Sowjetrepubliken, einer Zollunion mit Russland beizutreten.
Die Ukraine ist stark verschuldet, die Regierung hatte deshalb von der EU einen Kredit in Höhe von 27 Mrd. Dollar als Gegenleistung für die Unterzeichnung des Assoziierungsabkommens erbeten. Die EU hatte daraufhin harte neoliberale Reformen im Stil der Schocktherapie für Griechenland im Verlauf der Eurokrise oder der für Russland 1992 unter Jelzin verlangt.
Interview mit Beschäftigten von Gate Gourmet in Genf
«Wir machen nur grüne Salate»
Der Internationale Flughafen Genf ist erneut der Schauplatz eines Streiks. Nach den Beschäftigten von Swissport, Dnata und ISS Aviation im Jahr 2010 sind nun die Angestellten von Gate Gourmet, einem der weltweit führenden Cateringunternehmen für Fluggesellschaften, an der Reihe. Aus gutem Grund: Das Unternehmen will eine Verschlechterung der Arbeitsbedingungen für sein Personal in Genf und Zürich durchsetzen.
Der Umstrukturierungsplan sieht eine Senkung der Lohnmasse vor. Die «Betriebskosten» sollen reduziert werden, um gegenüber anderen Dienstleistern an Flughäfen konkurrenzfähig zu bleiben.
Auf dem Zürcher Flughafen hat die Gewerkschaft SSP-VPOD auf Verhandlungen verzichtet und den vom Unternehmen vorgeschlagenen Gesamtarbeitsvertrag (GAV) akzeptiert. Auf dem Genfer Flughafen ist die Lage eine andere, hier hat dieselbe Gewerkschaft und auch das Personal, das in hohem Maße gewerkschaftlich organisiert ist, diesen neuen Plan rundheraus ablehnt. In Anbetracht des Widerstands hat Gate Gourmet beschlossen, den Tarifvertrag zum Jahresende 2013 zu kündigen und neue, individuelle Arbeitsverträge einzuführen. Als Reaktion darauf sind etwa zwanzig Beschäftigte am 14.September in den Streik getreten. Eineinhalb Monate später ist die Lage blockiert: Die Streikenden halten durch, obwohl sechs von ihnen mit sofortiger Wirkung entlassen wurden.
Am 31.Oktober fand anlässlich einer Betriebsversammlung und in Anwesenheit von Beschäftigten anderer Unternehmen vor der Abfertigungshalle des Flughafens eine Pressekonferenz statt. Die Streikenden legten der Flughafendirektion eine Resolution vor, die von 2025 auf dem Flughafen Beschäftigten unterzeichnet wurde – einem Drittel der überhaupt am Flughafen Beschäftigten. Sie verlangen einen besseren Schutz der Arbeitsbedingungen durch Stärkung der bestehenden Tarifverträge und deren Ausdehnung auf alle Branchen.
Drei der Streikenden, Dominique, Théo und eine Kollegin, die anonym bleiben will, begaben sich am 25.Oktober, dem 42.Streiktag, in die Genfer Universität, um ihren Kampf den Studierenden mitzuteilen.
Nicola Cianferoni und Camilla Mina nutzten die Gelegenheit zum nachstehenden Interview.
Hat die polnische Linke eine Zukunft?
Die Palikot-Bewegung
von Teresa Jakubowa
Die 2010 gegründete Bewegung zur Unterstützung von Palikot (Ruch poparcia Palikota) hat trotz eines rechtsliberale Steuerprogramms vorwiegend linke Kräfte angezogen. Wie konnte es dazu kommen? Die Autorin, Mitglied der Racja Polskiej Lewicy (Ratio der Polnischen Linken), deren Vorsitzende sie bis 2011 war, erklärt das. Heute engagiert sie sich sie in Hinblick auf das Zusammengehen mit Palikot dafür, dort linke Positionen durchzusetzen.
Griechenland – SOS Chalkidiki
Vom Armenhaus zur Goldmine?
von Ilona Herrmann
Erst wenn der letzte Baum gerodet, die letzten Flüsse vergiftet sind, werdet ihr feststellen, dass man Gold nicht essen kann. Nach den Lebensgrundlagen der Menschen wird in Nordgriechenland nun auch weiträumig die Natur zerstört – ausgerechnet durch Goldabbau.
Polen steht auf Kohle
Warschau ist ein schlechtes Pflaster fürs Klima
von Norbert Kollenda
Der diesjährige Klimagipfel findet in Warschau statt, in einem EU-Land, das einen besonders hohen CO2-Ausstoß hat. Und es sieht nicht danach aus, dass die Regierung ernsthaft bemüht wäre, dem entgegenzuwirken.
Der Hunger kehrt nach Europa zurück
Das Rote Kreuz schlägt Alarm: 43 Millionen Menschen in Europa sind vom Hunger bedroht. Europa befinde sich in der „schlimmsten humanitären Krise seit sechs Jahrzehnten“. Schuld ist die Finanzkrise.
von Rolf Euler
Man weiß es und liest es doch mit Erschrecken: In vielen Ländern Europas wird seit der Finanzkrise gehungert. Und zwar im alten, verdrängten und vergessenen Sinn: Die Menschen haben nicht genug zum Essen. Das marktgängig aufgezogene Europa bietet Millionen Menschen vor allem in Südeuropa nicht das Einkommen, das zum Leben ausreicht.
Griechenland: Die Vereinzelung überwinden
SYRIZA ruft auf zur Bildung von Widerstandskomitees
Interview mit Panos Petrou von DEA
Im Juni dieses Jahres schloss die griechische Regierung den staatlichen Rundfunksender ERT. Die Antwort darauf waren wütende Proteste der Bevölkerung, sie führten zu einem Stimmungsumschwung in der Bevölkerung, der nach dem Mord am linken Rapper Pavlos Fyssas zusätzlichen Auftrieb bekam. In dieser Situation fand Mitte September ein fünftägiger Streik der Lehrerinnen und Lehrer statt, flankiert von weiteren Ausständen in Teilbereichen des öffentlichen Dienstes und einer großen Demonstration. Zugleich musste die Regierung erstmals energischer gegen die Führung der neofaschistischen Chrysi Avgi vorgehen.
Paul Michel sprach über die neue Lage in Griechenland mit Panos Petrou. Petrou ist Redakteur der Zeitung Ergatiki Aristera, herausgegeben von DEA (Internationale Arbeiterlinke), einer Gründungsorganisation von SYRIZA und Teil der Linken Plattform von SYRIZA (siehe auch SoZ 9/2013).
Streik bei Gate Gourmet in Genf
Der landesweite Gesamtarbeitsvertrag wird gegen die Beschäftigten im Cateringbereich gewendet
von Nicola Cianferoni
Sechs Monate lang streikten die Kolleginnen und Kollegen von Gate Gourmet am Flughafen Düsseldorf für bessere Arbeitsbedingungen. Das war im Jahr 2006. Der Streik erregte großes Aufsehen und erfuhr viel Unterstützung. Seit dem 14.September 2013 wird nun auf dem Genfer Internationalen Flughafen gestreikt. Nach den Streiks bei Swissport, Dnata und ISS Aviation vor drei Jahren ist die Reihe an Gate Gourmet, dem weltweit führenden Restaurantunternehmen für Fluggesellschaften.
«Das Ziel der Massnahmen ist, Flüchtlinge an der Abfahrt zu hindern»
Nach der Katastrophe vor Lampedusa
Fulvio Vassallo Paleologo über die Flüchtlingspolitik der EU
Der Hamburger Senat beruft sich auf das Dublin-II-Abkommen, das ihm angeblich gebietet, die afrikanischen Flüchtlinge nach Italien zurückzuschicken. Und die EU will angeblich Maßnahmen ergreifen, um die Seenotrettung zu verbessern. Angela Huemer sprach über diese Fragen mit dem italienischen Juristen und Aktivisten Fulvio Vassallo Paleologo.
Bankangestellte in Griechenland wehren sich
Der Verband der Leiharbeiter im griechischen Bankensektor hat für den 17.Oktober zu einem 24-stündigen Streik aufgerufen. Im nachstehenden Brief an die regulär beschäftigten Kolleginnen und Kollegen erklärt er seinen Schritt:
Portugal zwischen Hoffnung, Widerstand und Alltagsbewältigung
von Michael Barg
Die geplanten Haushaltskürzungen für den Staatshaushalt Portugals in 2014 waren Anlass zu Großdemonstrationen am 19.Oktober in Porto und Lissabon. Die großen Gewerkschaften und Sozialverbände hatten aufgerufen, gegen Rentenkürzungen und Einsparungen im Bildungs-, Sozial- und Gesundheitsbereich zu demonstrieren. Ab 2014 sollen alle Renten über 600 Euro um 10% gekürzt werden.
Denkverbote und Alternativen in der Euro-Krise
Warum der Euro kein Dogma sein darf
von Birger Scholz
Einiges deutet auf ein langsames Ende der tiefen Rezession in Griechenland hin. Nach zwanzig Quartalen Rezession und einem Rückgang der Wirtschaftsleistung von gut 30 Prozent ist das so überraschend nicht. Ein Ende dieser längsten Rezession in der Wirtschaftsgeschichte heißt jedoch keineswegs, dass es wieder steil aufwärts geht.
Protesttage in Warschau
Sternmarsch statt Generalstreik
von Norbert Kollenda
Am 14. September nahmen 100–200.000 Menschen an einem Sternmarsch in Warschau teil. Dies war der Höhepunkt der viertägigen Proteste, die die drei großen Gewerkschaften Solidarnosc, OPZZ und FZZ vereinbart hatten.
Wenn der Mindestlohn Lohndumping fördert
Der neue Kollektivvertrag in der Schweizerischen Metallindustrie
von Giuseppe Sergi
Am 1.Juli ist in der schweizerischen Metall- und Elektroindustrie ein neuer Gesamtarbeitsvertrag in Kraft getreten. Er betrifft etwa ein Drittel der 300.000 in diesem Sektor Beschäftigten, der für die eidgenössische Wirtschaft eine zentrale Bedeutung hat.
Tödlicher Nazi-Terror gegen Linke in Griechenland
von Paul Michel
Die rechtsextreme Partei Goldene Morgenröte (Chrysi Avgi) hetzt in Griechenland schon länger gegen Migranten, Homosexuelle und Linke. Nun hat einer ihrer Anhänger einen linksgerichteten Rapper bei einer Aktion eines organisierten Rollkommandos erstochen.
Griechenland erlebt neue Streikwelle
Proteste gegen geplante Massenentlassungen
von Paul Michel
Seit dem 16.September, gibt es im öffentlichen Dienst in Griechenland massive Streikaktionen. Der jüngste Ausstand der Beschäftigten des öffentlichen Dienstes richtet sich gegen eine von der griechischen Regierung mit der Gläubigertroika getroffene Vereinbarung. Unter dem Druck der internationalen Geldgeber will die Regierung in Athen bis Ende 2014 15.000 Staatsbedienstete entlassen, davon 4000 noch in diesem Jahr.
Den antifaschistischen Kampf in den Mittelpunkt rücken!
Aus einer Erklärung von Kokkino (Rot)
Die kaltblütige Ermordung des 34 Jahre alten Paulos Fyssas durch Neonazis bewertet die Organisation Kokkino (Rot) vom linken Flügel der Partei Syriza als „Anfang eines völlig neuen Abschnitts in der Vorgehensweise der Faschisten“ und als „offene Kriegserklärung der Faschisten an die Linke und die Arbeiterbewegung“.
Nach der Wahl die Grausamkeiten
Pläne für eine weitere Sparrunde liegen bereits in der Schublade – streng geheim
von Paul Michel
Unspektakulär dümpelt der Wahlkampf dahin, die Kanzlerin kann sich im Umfragehoch sonnen. Sollte die FDP den Wiedereinzug ins Parlament schaffen, können sich Angela Merkels Wahlkampfstrategen die Hände reiben. Denn die Regierung verspricht im Wahlkampf einige optische Verbesserungen für ihr Klientel. Die dürften aber nach den Wahlen Makulatur sein. Denn im Haus ihres wichtigsten Mannes, Finanzminister Schäuble, liegen bereits die Blaupausen für eine Agenda 2020.
SYRIZA auf dem Weg zur Wahlpartei
Der Parteitag im Juli hat den Charakter des ehemaligen Bündnisses verändert
von Stathis Kouvelakis
Vom 10. bis 14.Juli fand im Athener Taekwondo-Stadion der Gründungsparteitag von SYRIZA-EKM statt. Der knapp 91-jährige Manolis Glezos wehrte sich dagegen, seine Bewegung der aktiven Bürger aufzulösen. Aus Protest trat er seinen Sitz im Parteitagspräsidium nicht an.
Die Schweiz und Deutschland im Zweiten Weltkrieg
von Charles-André Udry
Die Beziehungen zwischen dem helvetischen und dem deutschen Kapitalismus waren während des Zweiten Weltkriegs besonders eng. Darüber ist geforscht worden, unter anderem von einer offiziellen Kommission in der Schweiz unter der Leitung von Jean-François Bergier. Der Bergier-Bericht wird nun von den Rechten angegriffen.
Deutschland und die Schweiz: Partner in der Konkurrenz
von Charles-André Udry
Von einem deutschen Kapitalismus zu sprechen, ist eher missbräuchlich. Denn seit rund 15 Jahren unterläuft dieser einen Prozess zunehmender Fusionen mit dem Kapital seines Hinterlands – und das Hinterland reicht über Kroatien, Slowenien, der Slowakei, der Tschechischen Republik bis nach Polen und Ungarn. Darüber hinaus hat die gegenseitige Durchdringung des deutschen, schweizerischen, österreichischen, holländischen Kapitals eine Art Kernland des europäischen Kapitalismus geschaffen.
Müllskandal in Griechenland
Deponie im Trinkwasserschutzgebiet
von Paul B. Kleiser
Mitten in ein idyllisches Erholungsgebiet auf dem Peloponnes wird eine 60 Hektar große Mülldeponie gebaut. «In Griechenland ist das Absurde die Regel und das Vernünftige die Ausnahme», sagt der griechische Schriftsteller Christos Ikonomou. Man findet das bestätigt, wenn man die Geschichte der Müllkippe recherchiert, die die Stadt Egio am Rande der Gemeinde Kamares am Golf von Korinth plant.
Frankfurt – Istanbul 2
Erdogan muss weg!
Am 22.Juni folgten 30.000–40.000 Menschen dem Aufruf der Alevitischen Gemeinde zu einer Großkundgebung nach Köln – bedeutend mehr, als die Organisatoren erwartet hatten – und brachten ihre Solidarität mit den Protesten gegen Erdogan zum Ausdruck.
«Linke Einheit» in Großbritannien
Links von Labour soll eine neue Partei entstehen
von Alan Thornett
Die Auswirkungen der Sparpolitik haben die Politik in Großbritannien ins Chaos gestürzt. Beide Parteien der Regierungskoalition (die Tories und die Liberaldemokraten) haben bei den Kommunalwahlen Anfang Mai an die Unabhängigskeitspartei UKIP verloren, eine rechtspopulistische und migrantenfeindliche Partei, die alle großen Parteien nach rechts zieht. Die Labour Party hat besser, aber dennoch sehr bescheiden abgeschnitten. Sie vertritt eine eigene Version der Sparpolitik und hat selber der migrantenfeindlichen Stimmung Vorschub geleistet.
Überall ist Taksim! Überall ist Widerstand!
Ein Brief aus Istanbul
von Tayfun Guttstadt
Der Aufstand rund um den Gezi-Park, einem der letzten grünen Flecken im Herzen Istanbuls, begann am 27.Mai. Er konnte erst am 16.Juni von der Polizei geräumt werden, drei Wochen dauerten die Zusammenstöße zwischen der Polizei und den Parkschützern, zu denen sich immer mehr Menschen gesellten, die mit Erdogan ganz eigene Hühnchen zu rupfen haben. Der Preis dafür war die paramilitärische Repression war eine Ausweitung der Proteste auf das ganze Land, vor allem auch auf die Hauptstadt Ankara.
Ein Volk wird zur «Besatzungsmacht»
Die Protestbewegung sucht nach neuen Formen der Demokratie
von Mehmet Çalli
Vor zwei Jahren beschloss das Stadtparlament von Istanbul, auf dem Gelände des Gezi-Parks am Taksim-Platz die frühere Topcu-Kaserne wieder aufzubauen. Damals konnte niemand ahnen, dass mit diesem Beschluss der Grundstein für eine Widerstandsbewegung gelegt würde, die drei Wochen lang die Türkei tief erschüttern und die ganze Welt in Atem halten sollte.
«Rebellieren ist etwas, worauf man stolz ist»
Özlem Onaran über die Aufstände in der Türkei
In der Türkei hat sich eine neue Generation erhoben, die unter der konservativ-neoliberalen und autoritären Führung der AKP aufgewachsen ist. Was sind die Gründe für ihre Unzufriedenheit? Was haben Taksim, Tahrir und Syntagma gemeinsam?
Taksim, von Beytüssebap aus gesehen
von Ulf Petersen
Die ganze Welt schaute im Juni gebannt auf Istanbul. Die Kleinstadt Beytüssebap in den Bergen kurz vor der Grenze zum Irak ist etwa 1300 Kilometer vom Gezi-Park entfernt. Sie ist eine Hochburg des 1984 begonnen Kampfes der PKK (Arbeiterpartei Kurdistans). Was bedeutet «Überall ist Taksim, überall ist Widerstand» für den kurdischen Südosten der Türkei?
Riots in Schweden
Viele junge Menschen haben keine Perspektive mehr
von Anders Svensson
Am 19.Mai 2013 begannen Aufstände migrantischer Jugendlicher in Husby, einem verwahrlosten Stadtteil im Norden von Stockholm – dem Vernehmen nach, weil eine Woche zuvor ein älterer Mann von der Polizei erschossen worden war, nachdem er angeblich Polizisten gedroht hatte, sie mit einer Machete umzubringen. Die Aufstände sprangen bald auf andere arme Stadtteile und auch auf andere Städte wie Örebro, Linköping, Södertälje und Göteborg über.
Polen schwenkt nach rechts
Linke auf dem Rückzug
von Jaroslaw Urbanski
Will man den Zustand der polnischen Linken verstehen, muss man zur Situation nach 1989 zurückgehen. Die «Transformation» damals hat Nachwirkungen bis heute, vor allem in Form hoher Arbeitslosigkeit – im jährlichen Durchschnitt beträgt sie seit 1990 13,9%. Dies hat zu einer Arbeitsemigration von über 2 Millionen Menschen, einem Anwachsen sozialer Ungleichheit und einer immer stärker hervortretenden Armut in unterschiedlichen Formen geführt.
ERT-Sender in Griechenland wird geschlossen
Samaras überreizt und erntet Sturm
von Paul Michel
In einer Nacht- und Nebelaktion verfügte Griechenlands Regierungschef Antonis Samaras ohne Rücksprache mit seinen Koalitionspartnern aus PASOK und Dimar am 11.Juni 2013 die Schließung des staatlichen Rundfunk- und Fernsehsenders ERT. Damit wurden von einem Moment auf den anderen rund 2700 Beschäftigte arbeitslos. Es darf davon ausgegangen werden, dass bei der Entscheidung zur Schließung des Senders die Troika ihre Finger im Spiel hatte.
Für eine Föderative Republik Europa
Aufruf von Karl Heinz Roth, Marcel van der Linden, Gregor Kritidis u.a.
In der Debatte um einen Austritt aus der Eurozone haben sich zuletzt auch Karl Heinz Roth und eine Reihe anderer linker Intellektueller zu Wort gemeldet. Sein «Aufruf für ein egalitäres Europa» stellt sich bewusst in die Tradition des linkssozialistischen und antifaschistischen Europagedankens und greift damit einen Faden wieder auf, der in Deutschland lange gerissen war.
Manifest europäischer Ökonomen
Was tun mit dem Euro?
In der Linkspartei tobt derzeit die Debatte um den Umgang mit Europa: Soll man aus dem Euro aussteigen oder soll man Europa verteidigen? Ein Kreis von linken Ökonomen, der auf dem Sozialforum in Tunis aufgetreten ist, hält beide Ansätze für falsch und entwirft ein kleines Übergangsprogramm für den Ausstieg aus der Krise. Die vollständige Fassung erscheint in Emanzipation, Sommer 2013.
Frankreich: Die Homo-Ehe und das Trauma von 1789
Der Streit um die Homo-Ehe hat eine neue rechte Bewegung hervorgebracht
von Bernard Schmid
Zuerst die gute Nachricht: Die amtierende sozialdemokratisch-grüne Regierung hat ein Wahlversprechen, das eine progressive Veränderung beinhaltet, eingelöst. Ein einziges, und es wird wohl für längere Zeit auch das einzige bleiben. Es wurde wohl nur deswegen eingelöst, weil es «keinen Konflikt mit der Wirtschaft» auslöste und unmittelbar kein Geld kostete. Doch mit einem derartigen Aufruhr um das Thema hatte die sozialdemokratisch-grüne Regierung nicht gerechnet.
Die Aussicht auf eine große Koalition bringt Italien in Wallung
Neues Feuer für die radikale Linke
von Angela Klein
Einen Staatsstreich nannte Beppe Grillo, neues Enfant terrible der italienischen Politik, die Wiederwahl von Staatspräsident Napolitano. Ein sprachlicher Exzess, sicher, und unzutreffend, denn die Armee wurde nicht – brauchte nicht – dafür zur Hilfe gerufen (zu werden). Es reichte die Absprache zwischen Berlusconi und dem Führer der Demokratischen Partei (PD), Bersani.
Generalstreik in Oberschlesien
«Einer für alle, alle für einen!»
von Bernd Gehrke
Unter der Losung der vier Musketiere ruhte am 26.März für mehrere Stunden die Arbeit im öffentlichen Personennahverkehr, bei der Eisenbahn, im Großteil der Kohlegruben, Stahl- und Hüttenwerke, aber auch in einigen Teilen des Gesundheitswesens und der Unterricht an vielen Schulen. Rund 100.000 Beschäftigte aus etwa 600 Betrieben beteiligten sich am Generalstreik in der polnischen Wojewodschaft Slask (Schlesien).
Statt Zuschuss gibt es jetzt Schulden
Erwerbslose Existenzgründer werden mit Mikrokrediten gelockt – und aufs Kreuz gelegt
von Gerhard Klas
Sparen, sparen heißt es in der Krise. Vor allem bei denen, die sowieso wenig haben: den Erwerbslosen. In Deutschland sollen sie sich jetzt selbst aus der Misere befreien – mit Hilfe von Mikrokrediten.
Chrysi Avghi: Stiefelnazis, keine Rechtspopulisten
Dimitris Psarras über Hintergrund und Charakter der «Goldenen Morgenröte»
Weimar in Athen: Im Zusammenbruch des politischen Systems und dem kometenhaften Aufschwung einer Nazipartei des alten Typs scheint sich Geschichte zu wiederholen. Auch die notwendige antifaschistische Einheitsfront ist eine Lektion, die nochmal zu lernen ist.
Griechenland: Überleben in der Krise
Die Selbsthilfe der landwirtschaftlichen Produzenten
von Ilona Herrmann
Lohn- und Gehaltssenkungen, Rentenkürzungen bis zu 40% und ein Mindestlohn von 492 Euro bringen immer mehr Menschen in Griechenland in extreme Armut. Hinzu kommen eine Arbeitslosenquote von 27% und eine Jugendarbeitslosigkeit von 60%. Mittlerweile hat Griechenland, gefolgt von Spanien, die höchste Erwerbslosenquote der Welt erreicht. Arbeitslosengeld von 360 Euro gibt es für maximal 18 Monate (ab 2014 nur noch 16 Monate), danach ist Schluss, andere Sozialleistungen gibt es nicht. Die Zahl der Obdachlosen ist seit Beginn der Krise um 30% gestiegen. Die Lebensverhältnisse der Armen werden immer öfter mit der Hungerkatastrophe von 1941 zu Beginn der deutschen Besatzung verglichen. Um zu überleben sind die Menschen auf Suppenküchen, Spenden, Tauschhandel und kostenlose medizinische Versorgung angewiesen.
Milliardär Stronach
So wenig Steuern wie möglich
von Dieter Braeg
Bei den Landtagswahlen in Kärnten und Niederösterreich am 3.März 2013 stellte sich das Team Stronach erstmals zur Wahl und erzielte 11,3% in Kärnten und 9,8% in Niederösterreich. Obwohl die Partei bisher kein Programm hat (es soll im April präsentiert werden) kämpft es mit neoliberalen Schlagworten, garniert mit großer EU-Skepsis.
Parlamentswahlen in Italien am 26.Februar
Auch die Zweite Republik ist am Ende
von Salvatore Cannavò
Die vergangenen Parlamentswahlen in Italien haben erneut einen Bruch im politischen System gebracht. Die Kandidaten der Troika wurden abgestraft, von der «radikalen» Linken ist parlamentarisch nichts übriggeblieben. Dafür hat es eine Antiparteienbewegung, die ausdrücklich gegen das politische Establishment aufgetreten ist, zur landesweit drittstärksten Kraft gebracht. Das Wahlforschungsinstitut Istituto Cattaneo hat das Wahlergebnis auf der Basis der absoluten Stimmen analysiert und kommt zu folgenden Ergebnissen.
Verloren hat die Troika
Aber die alte Linke ist tot
Bei den Wahlen zum italienischen Parlament am 26.Februar 2013 endeten all diejenigen abgeschlagen, die dem Sparkurs der Troika (EU-Kommission, EZB und IWF) die Stange gehalten haben: der Technokratenregent Monti und die Demokratische Partei (PD), die ihn bis zum Schluss aus Gründen der Staatsräson unterstützt hat. Die Sparpolitik hat nicht überzeugt und keine Unterstützung gefunden. Wer sich, wie Berlusconi, rechtzeitig davon abgesetzt hat, konnte seine Haut noch retten, wer sich auf dem Altar der EZB geopfert hat, wurde vernichtet.
Wer hat für Grillo gestimmt?
von Salvatore Cannavò
Die Stimmen für Grillo werden häufig als Proteststimmen bezeichnet. Doch um welchen Protest handelt es sich? Ein Protest gegen die «Kaste» der Berufspolitiker, sicher. Schaut man aber näher hin, stellt man jedoch fest, dass Grillo vor allem dort Stimmen geholt hat, wo es starke soziale Bewegungen gab: Umweltbewegungen oder Arbeiterproteste. Hierzu ein kleiner Überblick:
Grillo folgt einer rechten Ideologie
von Wu Ming
Wir sind überzeugt, dass der Grillismus im wesentlichen eine rechte Ideologie und Weltanschauung transportiert. Die Diskurse der beiden Chefs, Grillo und Casaleggio, sind eine Mixtur aus verschiedenen Populismen und interklassistischen Mythen, mit starken Elementen des Liberalismus und sogar der «anarchokapitalistischen» Rechten in den USA (nicht umsonst hat ein herausragender Vertreter der Bewegung, Vittorio Bertola, gerade hier auf Giap erklärt: «Ich mag Ron Paul»). Bei einigen Themen, z.B. Einwanderung, wurden auf dem Blog von Grillo und auch in Teilen seiner Bewegung geradezu krypto-faschistische Äußerungen getan.
Lange Gesichter auf der Linken
von Michele Corsi
Als Linker müsste sich jemand begreifen, der sich in einem Konflikt zwischen einem sozial Unterdrückten oder Schwachen oder Diskriminierten… und einem Unterdrücker oder Privilegierten… auf die Seite des ersteren stellt. Von diesem Standpunkt aus gesehen ist das Wahlergebnis Anlass zur Freude. Wenn die Leute eine Stimme gegen das System abgeben wollten, warum haben sie dann nicht die Parteien oder Wahlbündnisse der radikalen Linken gewählt, SEL oder Rivoluzione Civile? Ganz einfach, weil sie nicht glaubwürdig waren.
Zusammenschluss in der Gegenwehr
Konferenz der SYRIZA-Linken in Athen
von Paul B. Kleiser
Vom 1. bis 3.März fand in Athen eine Konferenz der SYRIZA-Linken mit internationaler Beteiligung statt. Die Konferenz wurde im Wesentlichen von den innerparteilichen Strömungen DEA, Kokkino und APO vorbereitet, die früher alle dem griechischen Ableger der britischen SWP angehörten. An der Konferenz nahmen bis zu tausend Menschen teil.
Griechenland: Kriegsrecht gegen Streikende
Mit Junta-Methoden nimmt die Regierung Kurs auf den Ausnahmestaat
von Paul Michel
Die Lage im krisengeschüttelten Griechenland verschärft sich weiter. Ein Drittel aller Griechen, fast 3,5 Millionen Menschen, haben kein Geld für vernünftige Ernährung, Arzneimittel, zum Heizen oder zum Bezahlen von Rechnungen. Die im Auftrag der großen Troika aus EU, EZB und IWF regierende kleine Troika aus Nea Dimokratia (ND), PASOK und Dimar tut nichts, um die Not zu lindern. Dafür durfte sich die reiche Elite an Weihnachten über ein Geschenk von Finanzminister Giannis Stournaras (ND) freuen: Die Luxussteuer auf Pools, Privatflugzeuge, Luxuslimousinen, Yachten und luxuriöse Villen wurde abgeschafft.
Attac zur Einführung der Finanztransaktionssteuer
Interview mit Detlev von Larcher
Elf Länder der Eurozone haben die Einführung einer Finanztransaktionssteuer beschlossen. Ist die Hauptforderung von Attac damit erfüllt? Die SoZ sprach mit Detlev von Larcher, Mitglied der Arbeitsgruppe Finanzmärkte und Steuern bei Attac und ehemals Mitglied im Koordinierungskreis.
Bei Vio.Me, Thessaloniki, ist die Produktion jetzt in Arbeiterhand
„Wir denken, dass das die Zukunft der Arbeiterkämpfe ist“,
sagt Makis Anagnostou, Vertreter der Betriebsgewerkschaft von Vio.Me
Seit Mai 2011 hat die Belegschaft der Baustoffe produzierenden Fabrik Viomichaniki Metaleftiki (Vio.Me) keinen Lohn mehr gesehen. Eigentümer und Manager haben sich davon gemacht. Zurückgelassen haben sie den Maschinenpark, die Arbeiter haben ihn besetzt und vor Demontage geschützt, er war ihr Unterpfand für jede weitere Perspektive.
Solidarisch in der Aufstandsbekämpfung
EU berät über militärische Unterstützung in «Krisen und Katastrophen»
von Andrej Hunko
Ein neues Papier wirbelt die Sicherheitsarchitektur der EU durcheinander: Im vergangenen Dezember haben die EU-Kommission und die Hohe Vertreterin für Außen- und Sicherheitspolitik einen Vorschlag zur Ausgestaltung der sogenannten «Solidaritätsklausel» vorgelegt. Die Ausformulierung dieser Klausel war im Vertrag von Lissabon bzw. im Vertrag über die Arbeitsweise der Europäischen Union (AEUV) gefordert worden.
Präsidentschaftswahlen in Tschechien
Milos Zeman wird die Linke eher schwächen
von Stepan Steiger
Milos Zeman, der am 27.Januar die Präsidentschaftswahlen in Tschechien gewonnen hat, gilt als schillernde Figur: Einerseits prangert den Sparkurs der Regierung als asozial an und fordert einen Wohlfahrtsstaat nach skandinavischem Muster, andererseits verstand er es in der Vergangenheit, sich mit dem Rechtsliberalen Vaclav Klaus Pfründe und Schmiergelder zu teilen. An einen politischen Kurswechsel glaubt niemand.
Bleibt Schlesien standhaft … und organisiert den Generalstreik?
von Przemyslaw Wielgosz
Als vor fünf Jahren die erste Welle der Krise in Polen aufschlug, haben sich die größten Gewerkschaften wie kleine Kinder an der Nase herumführen lassen. Eine nach der anderen hat den Pakt der Regierung zur Krisenbewältigung unterzeichnet, dabei gaben sie den Arbeitgebern die Möglichkeit, noch einfacher als bisher Beschäftigte zu entlassen und noch mehr unsichere Arbeitsverträge abzuschließen.
EU-Arbeitszeitrichtlinie: Frontalangriff auf Arbeitszeiten
Die Verhandlungen über die Reform der EU-Arbeitszeitrichtlinie sind gescheitert
von Jochen Gester
Weil die Arbeitgeber Bereitschaftsdienste und Wartezeiten im Rahmen der Arbeit nicht mehr als Arbeitszeit werten wollen, brachten die Gewerkschaften die Verhandlungen zur Arbeitsrichtlinie zum Scheitern.
Kurz vor Weihnachten brachten die europäischen Gewerkschaftsverbände in einer Presseerklärung ihr Bedauern darüber zum Ausdruck, dass sie keine Möglichkeit mehr sehen, ihre Verhandlungen mit den Arbeitgeberverbänden über die Arbeitszeitrichtlinie fortzusetzen.
EU-Militärunion: Bündeln und Teilen
Der geteilte Krieg und das Ende der Demokratie
von Claudia Haydt
Die Wirtschaftskrise befördert in der EU nicht nur die Bankenunion, sondern auch die Militärunion. Die Entscheidungshoheit des Bundestags über den Einsatz deutscher Soldaten wird damit ausgehebelt.
Soll Zypern vor der Staatspleite gerettet werden?
Der griechische Teil Zyperns ist der nächste Dominostein im europäischen Krisendrama
von Gregor Kritidis
Die drohende Pleite des geteilten Inselstaats bringt das Begründungsgebäude der Bankenrettungspolitik ins Wanken. Den Antrag auf EU-Finanzhilfe hat die Regierung Zyperns vor langem gestellt – seit Sommer letzten Jahres ist die Insel offiziell zu einem Fall für den europäischen Rettungsschirm geworden, seitdem wird über die Konditionen der «Rettung» verhandelt.
SYRIZA wird Partei
40% stimmten auf der Delegiertenkonferenz für eine Linksregierung mit KKE und ANTARSYA
von Paul Michel
Die griechische «Koalition der radikalen Linken» (SYRIZA) rückte hierzulande ins mediale Scheinwerferlicht, als sie in zwei aufeinanderfolgenden Parlamentswahlen innerhalb von drei Jahren ihren Stimmenanteil von knapp 4,6% auf 26,9% steigerte und den Wahlsieg 2012 nur knapp verfehlte. Mit einem Mal schien eine linke Alternative zu den griechischen politischen Statthaltern der Troika und der von ihnen forcierten brutalen Sparpolitik zum Greifen nahe.
Crisis in the British SWP:
Statement by SWP Central Committee
13 January 2013
Dear comrade
There has been a series of attacks on the Socialist Workers Party in the media and by assorted bloggers. They concern the party’s handling of serious allegations against a leading member and the arguments (partly arising from the case) leading up to and during our recent conference.
Krise in der SWP
Sind Feminismus und Marxismus zu vereinbaren
Ein Vergewaltigungsfall erschüttert derzeit die britische SWP, die größte Organisation auf der radikalen Linken in Großbritannien. Nachstehend ein Kommentar von Socialist Resistance, der britischen Sektion der IV.Internationale.
On the situation in the SWP: No Marxism without feminism
January 19, 2013 6:42 pm
Appell griechischer AktivistInnen von Florenz 10+10 (November 2012)
von Tassos Koronakis, Myrto Bolota, Natasha Theodorakopoulou
Die Lage ist explosiv. die offizielle Arbeitslosenquote liegt für Männer bei 22,5%, für Frauen bei 29%, für junge Leute bei über 50%. In einigen Regionen unseren Landes, die von radikaler Deindustrialisierung und der vollkommenen Auflösung wichtiger wirtschaftlicher Aktivitäten betroffen sind, liegt die Arbeitslosigkeit bei 80%. Die Löhne sind um 40% gekürzt worden, die Realeinkommen sind allerdings (wegen des steilen Anstiegs der Steuerlast) noch stärker gesunken.
«Um das iberische Proletariat zu einen, muss der spanische Staat zerschlagen werden»
Andreu Coll Blackwell (Revolta Global) zur Forderung nach der Unabhängigkeit Kataloniens und der Haltung der radikalen Linken
Die Rosa-Luxemburg-Stiftung in Warschau
Hetzkampagne gegen linke Gewerkschaft
von Norbert Kollenda/Bernd Gehrke
In einer E-Mail vom 18.11.2012 an Vertreter der Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) in Berlin, die auch an Mitglieder der Fraktion DIE LINKE im Bundestag weitergeleitet wurde, bezichtigt die Büroleiterin der RLS Warschau, Joanna Gwiazdecka, die linke polnische Gewerkschaft Sierpien 80, diese würde die Sozialpolitik der Nazis zum Vorbild nehmen.
«Solidarität mit allen!»
Appell griechischer Aktivisten aus Florenz 10+10
Wir appellieren an euch, die hier in Florenz anwesenden Bewegungen, bei unseren Bestrebungen um solidarische Strukturen und Aktionen mitzuwirken.
Die Lage ist explosiv. Die offizielle Arbeitslosenquote liegt für Männer bei 22,5%, für Frauen bei 29%, für junge Leute bei über 50%. In einigen Regionen unseren Landes, die von radikaler Deindustrialisierung und der vollkommenen Auflösung wichtiger wirtschaftlicher Aktivitäten betroffen sind, liegt die Arbeitslosigkeit bei 80%. Die Löhne sind um 40% gekürzt worden, die Realeinkommen sind allerdings (wegen des steilen Anstiegs der Steuerlast) noch stärker gesunken.
Hilferuf aus Russlands Linken
Linke Opposition gegen Putin soll mundtot gemacht werden
Wir, Vertreter von russischen linken Organisationen, wenden uns mit einem Aufruf zur Solidarität an unsere Genossinnen und Genossen überall auf der Welt.
Es geht um eine Repressionskampagne der russischen Behörden, die in der jüngeren Geschichte Russlands ohne Beispiel ist. Ihr Ziel ist es, die Linke als organisierte politische Kraft auszulöschen. Wir sind konfrontiert mit Verhaftungen, Drohungen, Prügeleien, aggressiven Medienangriffen und Schritten zur Illegalisierung linker Gruppen:
Kommunalwahlen in Belgien
am 17.Oktober 2012
Wahldebakel der extremen Rechten, steiler Aufstieg der separatistischen Nationalliberalen und Aufschwung der radikalen Linken um die Partei der Arbeit (PTB/PVDA) – das ist der wahlpolitische Trend, der bei den Kommunal- und Provinzwahlen in Belgien am 17.Oktober zum Ausdruck kam.
Ein neuer Star am belgischen Wahlhimmel
Daniel Tanuro über den Aufstieg der Belgischen Partei der Arbeit (PTB)
Bei den letzten Kommunalwahlen in Belgien hat die Belgische Partei der Arbeit (PTB/PVDA) einen Achtungserfolg erzielt. Der fiel nicht vom Himmel, sondern ist Ergebnis einer neuen Linie der Partei. Die SoZ sprach mit Daniel Tanuro aus Belgien.
Krisenpolitik in Frankreich
Unternehmer treiben Regierung vor sich her
von Bernard Schmid
Mit seiner Glatze sieht er ein bisschen aus wie Kommissar Kojak: Louis Gallois, der frühere Chef der französischen Bahngesellschaft SNCF sowie Direktor des Flugzeugbauers EADS. Unter der Regierung von Präsident François Hollande erarbeitete er an der Spitze einer einschlägigen Kommission einen Untersuchungsbericht zum Thema «Verbesserung der Wettbewerbsfähigkeit französischer Unternehmen», der am 5.November offiziell vorgelegt wurde. Tags darauf beschloss das französische Kabinett seine praktische Umsetzung.
Leben in der humanitären Katastrophe
Eindrücke nach einer Athenreise
von Paul Michel
Ende September 2012 reiste eine Delegation aus dem Sozialform München nach Athen, um sich dort aus eigener Anschauung und im Gespräch mit Aktivisten aus sozialen Bewegungen und linken Organisationen ein Bild von der Lage in Griechenland zu machen.
Folter in griechischen Gefängnissen
von Christoph Dreier
Demonstranten, die sich in Griechenland gegen die faschistische Partei Chrysi Avgi eingesetzt haben, sind nach ihrer Festnahme durch die Polizei schwer misshandelt worden.
Die Szenen, über die Betroffene berichten, erinnern an die Folterpraxis in Gefängnissen wie Abu Ghraib: die Gefangenen wurden geschlagen und nackt gefilmt, ihre Haut wurde verbrannt.
Agora99 in Madrid
von Kelly Mulvaney, Hanno Bruchmann
Solidarität gegen politische Repression in Russland
Ein Aufruf von russischen Linken
Heute wenden wir, die Repräsentant_innen von russischen linken Organisationen, uns mit einem Aufruf zur Solidarität an unsere Genoss_innen überall auf der Welt. Dieser Aufruf und eure Antwort darauf sind für uns sehr wichtig. Zur Zeit haben es nicht mit einem weiteren Fall der Verurteilung von Unschuldigen durch die russische Straf„justiz“ oder einem weiteren Fall zu tun, wo menschliches Leben durch den repressiven Staatsapparat zerbrochen wird. Jetzt haben die Behörden gegen uns eine Repressionskampagne gestartet, die in der jüngeren Geschichte Russlands ohne Beispiel ist, eine Kampagne, deren Ziel es ist, die Linke als organisierte politische Kraft auszulöschen.
Bravo, Bernd Riexinger
von Angela Klein
«Nestbeschmutzer, Vaterlandsverräter» – das sind Ehrentitel für einen deutschen Linken. Das Gegeifere eines Teils der deutschen Presse über deinen Auftritt auf der Athener Demonstration gegen Merkel zeigt, dass du einen wunden Punkt getroffen hast. Wenn nämlich der Zorn über den Rentendiebstahl und die Verwahrlosung des Gesundheits- und Bildungssystems hierzulande den Schritt schaffte, sich mit den Protesten in Südeuropa zusammenzuschließen (da geht es auch um Rentenkürzungen und Privatisierungen im Gesundheitssystem), dann hätten die hohen Herren da oben ausgespielt. So wacklig, wie ihre Krisenpolitik dasteht, halten sie sich nämlich nur, weil sie uns bislang gegeneinander ausspielen können. Da hat der Vorsitzende der Linkspartei ein ermutigendes Beispiel von Solidarität gegeben!
«Der Krieg gegen die Menschen in Griechenland muss aufhören»
Christos Sideris über die Selbsthilfe im griechischen Gesundheitswesen
Das griechische Gesundheitssystem bricht zusammen. Früher musste man aus privater Tasche etwas zuzahlen, um den Arzt oder das Krankenhauspersonal zu bestechen. Heute ist an die Stelle der Korruption die Privatisierung getreten – deren legitimes Kind.
Auch in Polen droht Gesundheitsnotstand
Demonstration, Konferenz und europäisches Netzwerktreffen in Warschau
von Norbert Kollenda
Am 5. Oktober versammelten sich im Zentrum von Warschau 5000–7000 Krankenschwestern und Hebammen und andere Beschäftigte aus dem Gesundheitswesen – allerdings keine Ärzte – sowie eine Abordnung der Gewerkschaft «August 80» zu einer Demonstration. Die Gewerkschaft der Krankenschwestern und Hebammen (OZZ PiP) hatte beim Netzwerktreffen im Mai in Paris zu einem «Europäischen Weißen Städtchen» eingeladen. Damit sollte an das vor fünf Jahren entstandene «Weiße Städtchen» (den Streik der Krankenschwestern) erinnert werden, dessen Forderungen immer noch nicht erfüllt wurden (siehe das Video auf Labournet*).
Wie Barroso die EU «modernisieren» will
von Angela Klein
Die EU-Kommission drängt auf Tempo: Zum EU-Gipfel im Dezember will sie eine Roadmap für eine verstärkte Wirtschafts- und Währungsunion vorlegen.
Am 12.September, zur selben Zeit, als das Bundesverfassungsgericht bekanntgab, warum es den ESM-Vertrag und den Fiskalpakt für verfassungsgemäß hält, sprach der Vorsitzende der EU-Kommission, Herr Barroso, in Straßburg vor dem Europaparlament. Mutmaßlich im Wissen über den Tenor des BVG-Urteils skizzierte er, wie er sich die nächsten Schritte der europäischen Integration vorstellt. Für mehr Mitspracherechte ist da wenig Platz.
Selbsthilfeprojekte in Griechenland
«Wir erwarten keine Wohltätigkeit, sondern Solidarität!»
Vom 15. bis 22.September 2012 fuhr eine europäische Gruppe von Gewerkschaftern und solidarischen Menschen nach Griechenland, um sich selbst ein Bild zu machen von den verheerenden sozialen Zuständen und vor allem, um ein konkretes Zeichen der Solidarität zu setzen. Die nachstehende Vorstellung verschiedener Projekte, die mit gesammelten Spendengeldern unterstützt werden konnten, ist dem Reisetagebuch entnommen, das die Delegation im Laufe der Woche geschrieben hat.
Massenproteste und politische Krise auf der iberischen Halbinsel
Was den Griechen bislang nicht gelungen ist, schaffen Spanier und Portugiesen: Die Krise auf der Iberischen Halbinsel hat zu einer Konvergenz der Massenkämpfe geführt, die erstmals den Grundstein für einen (süd-)europäischen Generalstreik legt.
Neue Runde der Grausamkeiten in Griechenland
von Wolfgang Pomrehn
Das Perfide an der Schuldenlösung für Griechenland ist, dass die Gläubiger das Land bei jeder einzelnen Auszahlung einer Tranche erpressen können.
Der Kater der SP
Wahlen in den Niederlanden
von Willem Bos
Die rechtsliberale VVD unter Führung von Premierminister Mark Rutte ist Siegerin der niederländischen Parlamentswahlen vom 12.September. Mit 41 von 150 Sitzen schlug sie die sozialdemokratische PvdA, die auf 38 Sitze kommt.
Arbeiterproteste in Sardinien
von Angela Huemer
Im Südwesten Sardiniens kämpfen Bergleute und Arbeiter des Aluminium-Multis Alcoa um ihre Zukunft – unter Tage wie auch hoch in der Luft.
Wird das BVG den Staatsstreich legitimieren?
von Angela Klein
Es wäre ja schön, wenn das Bundesverfassungsgericht (BVG) am 12.September feststellen würde, dass der Fiskalpakt verfassungswidrig ist. Das ist er, weil die Parlamente ihr Haushaltsrecht aus der Hand geben und sich damit selbst entmachten, während es auf europäischer Ebene keine demokratischen Verfahren der Entscheidung über öffentliche Einnahmen und Ausgaben gibt.
Der schwarze Marsch
Asturiens Bergleute wieder an der Spitze des Widerstands
von Angela Klein
Sie sind die Enkel der 34er und die Kinder der 62er: die asturischen Bergleute, die heute um ihr Überleben kämpfen. Mehr als 300 von ihnen hatten sich am 22.Juni aus der Region zwischen der Atlantikküste und dem Kantabrischen Gebirge auf den Weg gemacht und den nördlichen Teil von Kastilien und León durchquert; am 10.Juli traf der «schwarze Marsch» in Madrid ein – nach drei Wochen und 400 Kilometer Fußmarsch.
Bergarbeiterinnen in Asturien im Streik
«Wir haben um die Arbeit kämpfen müssen»
Unter den Bergarbeitern, die die asturischen Bergwerke seit Ende Mai bestreiken, sind auch viele Frauen. Anders als in Deutschland arbeiten sie auch unter Tage. Ein Gespräch mit MARÍA GONZÁLEZ, Bergarbeiterin aus der Zeche «María Luisa» in Asturien.
Blank dank der Bank
Bankenrettung und Sparpolitik in Spanien
von Paul Michel
Während im Bundestag eine ganz große, schwarz-gelb-rot-grüne Koalition das Hilfspaket für die spanischen und vor allem die deutschen, französischen und englischen Banken durchwinkte, protestierten in Spanien am 19.Juli fast 4 Millionen Menschen gegen dieses Paket. Aufgerufen hatten alle großen Gewerkschaftsverbände und unzählige weitere Organisationen. Und das mit gutem Grund.
Eine politisch-soziale Front gegen den Kahlschlag
Vorschläge aus Izquierda Anticapitalista, Spanien
von Jaime Pastor
Wir kommen nun beschleunigt in eine Lage, die derjenigen Griechenlands ähnelt und hervorgerufen wird durch die perverse Logik, dass die große Mehrheit der Bevölkerung für private Schulden aus der Finanz- und Immobilienblase zahlen soll.
Madame Njet und der deutsche Weg
von Angela Klein
Das deutsche Europa, das war bislang der Weg nach Theo Waigel: freier Verkehr für Waren, Dienstleistungen und Kapital, keine Haftung für die daraus in anderen Mitgliedstaaten entstehenden sozialen und ökonomischen Schäden, Hilfen mit dem Tropfenzähler und auch nur gegen strenge Auflagen (die Deutschland dann selbst nicht einhielt). Es begann mit dem Stabilitätspakt und endet mit dem Fiskalpakt.
Griechenland nach den Wahlen
Wir brauchen eine große europäische Solidaritätskampagne
von Moisis Litsis
Bei den letzten Wahlen in Griechenland versuchten die lokale und die ausländische Elite den Menschen Angst zu machen, um den Aufstieg der «Koalition der radikalen Linken» (SYRIZA) zu stoppen. Sie behaupteten, zur Wahl stehe, ob Griechenland in der Eurozone bleibe oder nicht.
Ein Dringlichkeitsprogramm gegen die Krise
Eric Toussaint nennt Grundlagen für eine europäische Antikrisenfront
In Übereinstimmung mit den Forderungen des IWF haben die Regierungen der europäischen Länder beschlossen, ihren Bevölkerungen eine rigide Sparpolitik zu verordnen – mit drastischen Einschnitten bei den öffentlichen Ausgaben: Entlassungen im öffentlichen Dienst, Einfrierung oder Senkung der Gehälter der öffentlich Bediensteten, Reduzierung des Zugangs zu elementaren Dienstleistungen und sozialen Schutzmaßnahmen, Erhöhung des Renteneintrittsalters.
Schengen-Abkommen
Europa muss sozial und solidarisch sein!
von Andrej Hunko
Bis zu zweijährige Kontrollen an den EU-Binnengrenzen sind eine Absage an die innereuropäische Reisefreiheit. Der Rat der Innen- und Justizminister beschloss Anfang Juni neue Regelungen zum sog. Schengen-Abkommen.
Kickt den Hass aus den Stadien
Fußball-EM in Polen –1
von Norbert Kollenda
Wir kennen es, dass es in Fußballstadien immer wieder zu Gewaltakten kommt, die oft einen fremdenfeindlichen Hintergrund haben: seien es nun Neonazis oder andere Nationalisten oder gar örtliche «Patrioten», die was gegen Menschen haben, die anders sind oder anders aussehen. Diese Probleme gibt es leider überall auf der Welt und auch in Polen.
Brot statt Spiele
Während der EM gab es in Polen nicht nur Fußball, sondern auch Protest
von Norbert Kollenda
Norbert Kollenda nahm am 10.Juni an einer Demonstration in Poznan teil und sammelte Stimmen zu verschiedenen aktuellen Problemkreisen: Wohnung, Kultur und Sport, Kinderkrippenplätze, Gesundheitswesen, Gewerkschaftsarbeit.
Wer ist die Linksfront in Frankreich?
von Bernhard Schmid
Die französische Linksfront war der Shootingstar bei den Präsidentschaftswahlen im Mai. Bei den Parlamentswahlen wurde sie von den Sozialdemokraten abgedrängt.
Die Misserfolge der NPA
Missachtung der Einheit und der Faktor Besancenot
von Bernhard Schmid
Kurz nach ihrer Gründung 2009 wurden der NPA noch Umfragewerte von 10% vorhergesagt. Die jetzigen Wahlergebnisse bei den Präsidentschafts- wie bei den Parlamentswahlen kommen bestenfalls auf ein Zehntel.
Bankenkrach in Spanien
Spätfolge einer Immobilienblase
von Angela Klein
Rodrigo Rato, bis Anfang Mai Chef der Bankia, Spaniens viertgrößter Bank, ist einer der Hauptverantwortlichen für die spanische Immobilien- und die nachfolgende Bankenkrise. Der Sprössling zweier schwerreicher Familien aus Asturien war von 1996 bis 2000, und dann noch einmal 2003 und 2004, Wirtschaftsminister in der Regierung Aznar.
Klassenkampf mit Steinschleudern
Spanische Bergarbeiterstreiks
von Dorothea Wuhrer
Bergarbeiter und eine erzkonservative Regierung: Eine Konfrontation dieser Konfliktparteien sorgt in der Regel für erbitterte Auseinandersetzungen. In Nordspanien geht es seit bald vier Wochen hart zur Sache.
Last Exit: Monetäre Staatsfinanzierung
Die spanische Lektion
von Birger Scholz
«Die Kapitalmärkte sind für spanische Banken geschlossen», heißt es in einer aktuellen Studie der Ratingagentur Moody’s. Schon jetzt refinanzieren sich die meisten spanischen Banken bei der Europäischen Zentralbank (EZB), indem sie forderungsbesicherte Anleihen hinterlegen. Doch auch dieser Weg gestaltet sich immer schwieriger, weil den Banken langsam, aber unerbittlich, die Hypotheken ausgehen, mit denen sie die Anleihen besichern. Der Grund: Die Erholung des Immobilienmarkts bleibt aus.
Schulden müssen tragfähig sein
Jürgen Kaiser plädiert für ein geordnetes Staateninsolvenzverfahren
Hätte es den Schuldenschnitt vom Februar 2012 schon im April 2010 gegeben, läge Griechenlands Staatsverschuldung jetzt bei 82% des Bruttoinlandsprodukts – und nicht bei 158% Ende 2011 mit Aussicht auf eine Absenkung auf 129% – im Jahr 2020!
Wilder Streik der Stahlwerker in Polen
von Dariusz Zalega
Anfang Mai ging der längste wilde Streik Polens in Chorzów zu Ende. Die Arbeiter haben verloren, fühlen sich aber nicht besiegt.
Wahlen in Griechenland
Votum gegen Brüssel
von Gregor Kritidis
In den letzten zwei Jahren hat in Griechenland eine breite Massenbewegung die von der EU und dem IWF verordnete Austerity-Politik erbittert bekämpft. Mehrfach geriet die Regierung ins Taumeln, und nur durch massiven Druck und Interventionen von außen konnte die Hegemonie des herrschenden Blocks stabilisiert werden. Mit jeder weiteren Protestwelle erodierte die soziale und politische Basis der bisher regierenden Parteien jedoch weiter.
Weimar in Athen
Der Aufstieg der Nazis und die Ohnmacht der Linken
von Giorgos Mitralias
Bar antifaschistischer Traditionen und einer entsprechenden Praxis, stehen fast alle Strömungen der griechischen Linken ohnmächtig und manövrierunfähig vor dem rasanten Aufschwung der extremen Rechten.
Erklärung von Alexis Tsipras
Fraktionsvorsitzender des Linksbündnisses SYRIZA, nach der Übernahme des Mandats zur Regierungsbildung am 8.Mai 2012
Die Wahlentscheidung vom 6.Mai lässt sich nicht beliebig interpretieren: Die überwältigende Mehrheit der Bürger hat gegen die barbarische Memorandenpolitik gestimmt [Memoranden heißen in Griechenland die von der Troika oktroyierten Kürzungspakete der Regierung].
Wer ist SYRIZA?
von Giorgios Mitralias
Schreckgespenst für die einen, Hoffnung für die anderen: Am 6.Mai hat das Wahlbündnis SYRIZA einen spektakulären Auftritt auf der politischen Bühne Europa hingelegt.
Wer profitiert von den griechischen Schulden?
Blockupy und die aktuelle Lage in Griechenland
von Stephan Lindner
Geht es nach der Stadt Frankfurt, ist Demokratie entbehrlich. Lautstarker Protest gegen menschenverachtende Politik wäre einfach verboten. Egal ob ein Konzert von Konstantin Wecker, eine Mahnwache der Ordensleute für den Frieden, eine Diskussion besorgter Menschen über die Krise, eine internationale Großdemonstration oder das Besetzen von Straßen und Plätzen nach dem Vorbild von Occupy Wallstreet – nichts davon dürfte stattfinden.
Was zerlegt die NPA?
Ein Querblick auf den Krisenprozess der Neuen Antikapitalistischen Partei in Frankreich
von Willi Hajek
Frankreich hat einen neuen Präsidenten. Im Land ist eine große Erleichterung festzustellen über die Ablösung von Sarkozy. Genau das ist aber auch der gemeinsame Grundgedanke: Hollandreou – so wurde er von Mélenchon, dem redegewandten Kandidaten der Linksfront, genannt – wurde nicht wegen seines Programms noch wegen seiner perspektivischen Vorstellungen, sondern eher als einer gewählt, der zumindest nicht Sarkozys «Kultur des Hasses», fortsetzen wird.
Wahlen in Frankreich
Die konservative Rechte öffnet sich für die Rechtsextremen
von Bernhard Schmid
Die Wirtschafts- und Sozialkrise spült in einer Reihe von EU-Ländern auch rechtsextreme, autoritäre, faschistisch-nationalistische Kräfte nach oben. In ihrem konkreten Auftreten unterscheiden sich diese Parteien mitunter. Die ungarische «Jobbik» ist explizit antisemitisch und steht vergleichsweise nahe am historischen Nationalsozialismus. Hingegen konzentriert die niederländische PVV unter Geert Wilders all ihre Angriffe auf muslimische Einwanderer.
Maulkorb für den Bundestag
Eine Frage der Zeit
von Andrej Hunko
Der von CDU, SPD und FDP geplante Maulkorb für kritische Abgeordnete ist aufgrund der breiten Empörung mittlerweile vom Tisch. Dennoch lohnt eine Nachbetrachtung dieses bemerkenswerten Vorgangs. Es ist zu erwarten, dass es nicht der Letzte seiner Art war, demokratische und soziale Standards in der EU einzureißen.
Die siegreichen Näherinnen von Yssingeaux
von Manfred Dietenberger
Die Arbeitslosigkeit in Frankreich hat den höchsten Stand seit zwölf Jahren erreicht. Die Zahl der Erwerbslosen stieg im letzten Quartal 2011 auf 2,86 Millionen = 9,8% einschließlich der Überseeterritorien (bei Präsident Sarkozys Amtsantritt vor fünf Jahren lag sie noch bei 7,8%). Ohne die einstigen Kolonien liegt sie bei 9,4%.
Der Fiskalpakt
Ein Ermächtigungsgesetz der Finanzmärkte
von Angela Klein
Diktaturen sind eine hässliche Sache: Sie verbinden sich mit Machtusurpation, Ausnahmezustand, blutiger Niederschlagung von Opposition, Unterdrückung von Meinungsfreiheit, Folter. Diktatoren haben ein Gesicht.
Der Europäische Stabilitätsmechanismus
Der Europäische Stabilitätsmechanismus (ESM) genießt sehr weitreichende Immunitätsrechte, die ihn vor dem Zugriff der Gerichte oder einer Rechenschaftspflicht vor einem nationalen Parlament weitgehend entheben. Sein Gouverneursrat setzt sich aus den Finanzministern der ESM-Mitgliedsländer zusammen, sein Direktorium aus den Finanz-Staatssekretären.
Schuldenaudit: Auch in Europa aktuell
Sind wir Spielball oder Bürger? Die Ablehnung, für die Schulden zu zahlen, wächst
von Angela Klein
Immer mehr Europäer wollen für die Staatsverschuldung geradestehen. In immer mehr Ländern gibt es Initiativen und Kampagnen für die Schuldenstreichung und gegen den Fiskalpakt – so auch in Deutschland.Schulden werden landläufig mit übermäßigen Ausgaben assoziiert, Schuldenabbau wird daher gleichgesetzt mit Ausgabenkürzungen.
Demokratie statt Fiskalpakt
Krisenlösung und Europa gehen nur ganz anders
Ein Aufruf von Wissenschaftlern gegen den Fiskalpakt und für ein sozialökologisches Europa.
Frühjahr 2012. Merkel und Sarkozy eilen von Gipfel zu Gipfel, um den Euro zu retten. Der Boulevard hetzt gegen die Menschen in Griechenland. Der Kampf um die Krisenlösung spitzt sich dramatisch zu: Bis Anfang 2013 will ein autoritär-neoliberales Bündnis aus Kapitalverbänden, Finanzindustrie, EU-Kommission, deutscher Regierung und weiteren Exportländern den jüngst in Brüssel beschlossenen «Fiskalpakt» im Schnellverfahren durch die Parlamente bringen.
Wahlerfolg der Linken bei der Präsidentschaftswahl in Frankreich
Ein neuer Wind weht durch Europa
von Angela Klein
Aus der ersten Runde der Präsidentschaftswahlen in Frankreich am 22.April 2012 geht François Hollande von der sozialdemokratischen PS (Parti Socialiste) als eindeutiger Sieger hervor, während Staatspräsident Sarkozy eine doppelte Wahlniederlage eingefahren hat.
Philippe Poutou (NPA) über seine Präsidentschaftskandidatur
«Wir wollen keine Zweitausgabe der PS»
Philippe Poutou war der Präsidentschaftskandidat der NPA. Beim ersten Wahlgang am 22.April holte er 1,15% der Stimmen, 2007 hatte die LCR mit Olivier Besancenot noch 4,08% geholt. Gegenüber der Zeitung Le Monde erklärte Poutou am 11.April, warum er dennoch kandidiert hat.
NPA und Front de Gauche
Who is who
In der Folge der Kampagne gegen den EU-Verfassungsvertrag 2005, die eine bedeutende Mobilisierung im ganzen Land und die flächendeckende Gründung von Einheitskomitees ausgelöst hatte, holte Olivier Besancenot bei den Präsidentschaftswahlen 2007 4% der Stimmen für die LCR (Ligue Communiste Révolutionnaire).
«Eine breite antikapitalistische Partei wird außerhalb der NPA entstehen»
über die Krise der Neuen Antikapitalistischen Partei in Frankreich
von Alban Heuze
Wann eine breite antikapitalistische Partei entsteht, hängt davon ab, wie die NPA bei den bevorstehenden Wahlen abschneidet, doch das Ob ist entschieden: Ein größerer Teil der Neuen Antikapitalistischen Partei, die im Januar 2009 gegründet wurde, bereitet sich darauf vor, die Partei wieder zu verlassen und in die Linksfront einzutreten.
Energiedebatte in Polen
Atomkraftwerke und Schiefergas sollen Wunder bewirken
von Dariusz Zalega
Die Energiefrage ist eine zutiefst politische Frage. Dies zeigen in Polen die Diskussionen, die zum Thema des Baus von Atomkraftwerken oder der Gewinnung von Schiefergas, geführt werden.
Nationale Souveränität oder Bruch mit dem Kapitalismus?
Die griechische Bourgeoisie sitzt bei der Troika mit im Boot
von Andreas Kloke
In der reformistischen wie auch in der außerparlamentarischen, antikapitalistisch-revolutionär griechischen Linken sind seit dem ersten Memorandum der Regierung Papandreou eine Reihe von Fragen über die Ursachen und Verantwortlichen dieser Politik und die Möglichkeiten eines Auswegs aus der Diktatur der Kreditgeber aufgetaucht.
Das zweite Griechenlandpaket
Kampfansage an die Sozialhaushalte
von Angela Klein
Am 8.März haben über 85% der privaten Gläubiger Griechenlands (Banken, Versicherungen, Pensionsfonds, usw.) darin eingewilligt, der griechischen Regierung 107 Mrd. Euro Schulden zu erlassen. Diese «Gläubigerbeteiligung» am Schuldenschnitt war Voraussetzung dafür, dass die Troika einem weiteren Hilfspaket über 130 Mrd. Euro zustimmte. Auf dem Papier liest sich das, als hätten die Gläubiger auf 53,3% ihrer Forderungen verzichtet. In Wirklichkeit sind sie weich gefallen.
Warum kann Griechenland seine Schulden nicht bezahlen?
Dass Griechenland nicht in der Lage sei, seine Schulden zu bezahlen, gilt als ausgemacht – gleichermaßen bei denen, die das Land deshalb aus dem Euro rauswerfen wollen, wie auch bei denen, die das zu Anlass nehmen, den Griechen das «deutsche Modell» aufzuoktroyieren. An der Stichhaltigkeit der Behauptung ist zu zweifeln.
Ein Versailles für Griechenland
von Angela Klein
Um die griechische Staatsschuld zu begleichen, muss man keine Rettungspakete bemühen, die die Krisenlasten auf die Bevölkerungen anderer EU-Länder abwälzen. Es würde reichen, wenn Deutschland an Griechenland endlich seine Kriegsschulden zurückzahlte und wenn der griechischen Wirtschaft auf die Beine geholfen würde, statt den Banken in großem Maßstab das Geld hinterher zu werfen.
Griechenland: Eine beispiellose humanitäre Krise
von Sonia Mitralia
Fast zwei Jahre nach Beginn der Schocktherapie für Griechenland, verabreicht von der Europäischen Zentralbank (EZB), der Europäischen Kommission und dem Internationalen Wirtschaftsfonds (IWF), ist die Bilanz katastrophal, empörend und unmenschlich.
Solidarität mit Griechenland
Britischer Aufruf
Endlich scheint Europa wach zu werden: Solidaritätserklärungen mit dem griechischen Volk sprießen derzeit aus dem Boden, am 18.Februar gab es in verschiedenen europäischen Ländern Solidaritätsaktionen vor Konsulaten und Botschaften, die sich gegen das Handeln der Troika und des deutsch-französischen Regierungsduos wandten.
Griechenland: Krankenhaus unter Arbeiterkontrolle
Belegschaft ruft zum allgemeinen Volkswiderstand auf
Bislang wehrten sich die Griechen vor allem mit Demonstrationen und Besetzungen gegen die Krise. Im nordgriechischen Kilkis wird ein neuer Weg eingeschlagen.
Die Beschäftigten im städtischen Krankenhaus von Kilkis in Zentralmakedonien haben das Hospital besetzt und eine Erklärung herausgegeben, wonach es nun vollständig unter Arbeiterkontrolle steht. Damit reagiert die Belegschaft auf die zunehmend schärferen Sparmaßnahmen des Regimes. Alle Entscheidungen werden von nun an von den «Beschäftigten auf der Vollversammlung» getroffen.
Eleftherotypia: Tageszeitung in Selbstverwaltung
von Moissis Litsis
Am 15.Februar erschien Eleftherotypia, eine der am weitesten verbreiteten Tageszeitungen Griechenlands, in neuem Gewand: Die Belegschaft, die seit sieben Monaten keinen Lohn mehr erhält, gibt Eleftherotypia der Arbeiter in Eigenregie heraus. Moissis Litsis, Wirtschaftsredakteur und Mitglied des Redaktionskomitees, hat in der Rubrik «Freie Tribüne» dazu folgenden Text veröffentlicht:
«Ein wenig Pétain, ein wenig Dollfuss»
Interview mit Gáspár Miklós Tamás über die Lage in Ungarn
Gáspár Miklós Tamás gehörte in den 80er Jahren zu den führenden intellektuellen Dissidenten Ungarns. Heute ist er einer der profiliertesten Vertreter der ungarischen Linken, er sprach am 2.Januar 2012 auf der Protestkundgebung gegen die Regierung Orbán.
Das Bellen der Kriegshunde
von Tom Hayden
In den letzten zehn Jahren war der Autor skeptisch bezüglich eines möglichen Krieges mit dem Iran. Die potenziellen Kosten überwogen den Nutzen. Nun, da das Wahljahr 2012 seinen Lauf nimmt, bin ich nicht sicher. Die politischen und geopolitischen Dynamiken unterstreichen ein steigendes Kriegsrisiko.
Die Belegschaft hält stand
Bellinzona, Werkstätten Schweizer Bahn
von Rainer Thormann
Der Streik in Bellinzona im Frühjahr 2008 wurde weit über die Landesgrenzen hinaus als erfolgreicher Arbeitskampf bekannt. Inzwischen hat die Belegschaft einen erneuten Angriff der Spitze der Schweizerischen Bundesbahnen (SBB) vorübergehend abgewehrt.
An der Rüstung keinesfalls sparen
Waffenexporte aus Deutschland steigen massiv
von Rolf Euler
Zu Deutschlands Exporterfolgen gehören ganz wesentlich Waffen – der drittgrößte Waffenexporteur der Welt ist wieder der «Meister aus Deutschland». Mit 2,1 Milliarden Euro war die Summe 2010 um über 60% höher als 2009. Exportiert werden nicht mehr hauptsächlich Artillerie und Panzer, sondern zunehmend kleine Waffen wie Gewehre und Pistolen, aber auch Hightechgeräte wie Ortungssysteme, Drohnen und die zugehörige Software.
Wirtschaftliche Ungleichgewichte sprengen den Euro
von Birger Scholz
Keine Frage. Es steht schlecht um den Euro. Das hat mittlerweile selbst die Europäische Zentralbank (EZB) eingesehen und sagte die Feier zum zehnjährigen Jubiläum seiner Einführung still und leise ab.
«Die vorgeschlagenen Wege vertiefen die EU-Krise nur»
Joachim Hirsch plädiert für eine wirkliche politische Union
Können sich die Regierungen den Erpressungen der Banken und des Finanzkapitals widersetzen? Ja, sagt Joachim Hirsch, emeritierter Professor für Politikwissenschaft der Universität Frankfurt. Doch dazu müssen sie sich radikal von der neoliberalen Politik abwenden, die immer noch bestimmend ist. Die Frage, ob es einen Ausweg aus der Krise gibt, ist also letzten Endes eine politische und sie erfordert einen Systemwechsel. Die «Lösungen», die derzeit gehandelt werden, werden die Krise eher verschärfen; dabei geht es auch nicht um mehr oder weniger Europa, sondern um jeweils unterschiedliche Auffassungen vom «nationalen Interesse».
Das britische Sparprogramm
Krieg gegen Arbeiter und Arme
von Susan Pashkoff
In der britischen Regierung sitzen 23 Millionäre (von 29 Kabinettsmitgliedern). Die destabilisieren mit ihrem überflüssigen Vermögen nicht nur die Kreditwirtschaft, sie führen unter dem Deckmantel des Sparens auch einen regelrechten Krieg gegen Lohnabhängige und Arme.
Generalstreik in England
Am 30.November 2011 fand der größte Generalstreik in der britischen Geschichte seit 1926 statt.
von Fred Leplat
Der Streik drehte sich vor allem um die Verteidigung der Renten für die Beschäftigten im öffentlichen Dienst. Über 29 Gewerkschaften waren an ihm beteiligt, darunter die drei größten, UNISON, UNITE und GMB. Insgesamt nahmen über 2,5 Millionen Beschäftigte im staatlichen Gesundheitswesen (NHS), in den Kommunalverwaltungen und staatlichen Behörden daran teil.
Der Bundesverband der deutschen Industrie (BDI) schlägt vor: Ein neuer Vertrag für den Euro
Der BDI hat seine europapolitischen Vorstellungen in «12 Thesen aus einer industriellen Perspektive» gepackt, die er am 7.Dezember veröffentlichte.
EU-Gipfel vom 8./9.Dezember
Die Beschlüsse
Nach dem Nein Großbritanniens zu einer Änderung der EU-Verträge im Sinne einer «fiskalpolitischen Stabilitätsunion» (Sarkozy) haben die 17 Euroländer plus einige weitere EU-Länder beschlossen, untereinander einen neuen Vertrag zu schließen, um der Eurokrise Herr zu werden. Dieser Vertrag soll im März 2012 von den Regierungschefs beschlossen werden.
Zu den Brüsseler Beschlüssen der EU
Wenn der Bock zum Gärtner gemacht wird
von Angela Klein
Hält man sich an die Legende, dass die Eurokrise mit der «Griechenpleite» begonnen hat, rückt vor allem ein Akteur in den Vordergrund: Goldman Sachs. Die US-amerikanische Investmentbank half Griechenland Anfang 2002 den Kredit einzufädeln, den das Land brauchte, um sein Haushaltsdefizit zu kaschieren und eurokompatibel zu werden. Acht Jahre und eine Bankenkrise später erweist sich dieser Kredit als Sargnagel der griechischen Wirtschaft und, wer weiß, vielleicht des Euro insgesamt.
Das Russland der Empörten
Die Bewegung gegen die Wahlfälschungen
von Carine Clément
Die Wahlen zur russischen Duma am 4.Dezember endeten wie gewohnt mit massiven Fälschungen und dem Druck der Machthaber, um den Sieg der regierenden Partei «Einiges Russland» zu sichern. Diesmal hat die Wahlfälschung aber jedes Maß überschritten und die größte Protestbewegung seit dem Zusammenbruch der UdSSR vor zwanzig Jahren provoziert.
Der Spreu trennt sich vom Weizen
Die russische Protestbewegung kann der Linken Auftrieb geben
von Boris Kagarlitzki
In einem Interview für Socialist Worker, USA, erklärte Boris Kagarlitzki am 15.Dezember:
Roma in Ungarn
Am Rande der Gesellschaft mitten in Europa
von Aljoscha Pilger
Das Leben der Roma im poststalinistischen Ungarn ist geprägt von Armut, sozialer Ausgrenzung, materiellen Entbehrungen, verbaler rassistischer Hetze und gewalttätigen Übergriffen – teilweise mit Todesfolge. Sie leben am sprichwörtlichen «Rande» einer Gesellschaft, die sie als Projektionsfläche für gesellschaftliche Krisenerscheinungen und Umbrüche missbraucht.
Kroatien vor dem EU-Beitritt
Das nächste Griechenland?
von Heiko Bolldorf
Am 9.Dezember 2011 unterzeichneten die Staats- und Regierungschefs der EU in Brüssel den Beitrittsvertrag mit Kroatien, das zum 1.Juli 2013, nach Ratifizierung des Vertrags durch alle Mitgliedstaaten, Mitglied der EU werden soll. Im Frühjahr wird in Kroatien allerdings noch ein Referendum über den Beitritt stattfinden; nach gegenwärtigen Umfragen sind etwa 60% der Bevölkerung dafür.
«Ich bereue keine Sekunde dieses Kampfes»
Vor 30 Jahren wurde in Polen der Kriegszustand verhängt
Der «kurze Sommer» der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc in Polen war der fortgeschrittenste Versuch in einem osteuropäischen Land, der bürokratischen Planungsdiktatur einen echten Selbstverwaltungssozialismus mit Massenanhang entgegen zu setzen. Dieser Versuch wurde durch die Verhängung der Kriegsrechts am 13.Dezember 1981 erstickt. Den Niedergang des Nominalsozialismus hat das nicht aufgehalten, wohl aber die Weichen für die Rechtsentwicklung der Solidarnosc nach 1989 und das geringe Engagement der Arbeiterklasse in der Wendezeit gestellt.
Im Westen waren die Kräfte, die die unabhängige Gewerkschaft auch im Untergrund noch unterstützten, gering. Kamil Majchrzak sprach mit MARCEL GERBER, einem Schweizer Unterstützer der Solidarnosc, über die damalige Solidaritätsarbeit.
Wahlen in Polen: Eine neoliberale Mehrheit
Ein Unternehmer stellt sich gegen die Kirche und sucht Unterstützung bei den Linken
von Dariusz Zalega
Die Wahlen zum Sejm, dem polnischen Parlament, am 9.10. bescherten eine Überraschung: Die antiklerikale Palikot-Bewegung stellte erstmals Kandidaten auf und erzielte auf Anhieb einen großen Erfolg. Das Medienereignis hat völlig verdrängt, dass die neoliberalen Reformen an der Weichsel jetzt Tempo aufnehmen werden – denn dies verlangen die «Finanzmärkte».
Rechtsextreme in der Überzahl
Polnischer Unabhängigkeitstag beherrscht von faschistischen Schlägern
von Malgorzata Swiatek
Am 11.November «feierte» Polen seinen Unabhängigkeitstag. Selbst die offiziellen Feierlichkeiten gingen unter den Schlägerorgien faschistischer und extrem nationalistischer Gruppen unter. Die Polizei war völlig überfordert.
Polen: Containersiedlungen
In Polen gibt es große Wohnungsprobleme. Die meisten Menschen haben keine reichen Brüder und Schwestern, die ihnen Häuser sanieren und bauen. Die, die Geld haben, kaufen sich zunehmend Wohnungen in geschlossenen Wohnanlagen. Da sind sie unter sich, es gibt einen Wachschutz, der ihnen den Pöbel fernhält. Die Bürgermeisterin von Warschau schickt ihre Verwaltungsangestellten nach Rio de Janeiro, damit sie sich ansehen, wie dort das Problem der wachsenden Stadtbevölkerung gelöst wird.
Europa braucht eine neue Verfassung
Sie können es nicht
von Angela Klein
Zwei Regierungen hat die EU im vergangenen Monat zu Fall gebracht: Dem griechischen Ministerpräsidenten wurde der Plan vereitelt, seine auf eine Stimme geschrumpfte Parlamentsmehrheit mit Hilfe eines Referendums über die nächste Zumutung aus Brüssel zu retten. Und der italienische Premierminister wurde persönlich als nicht mehr vertrauenswürdig erklärt und aus dem Amt gedrängt. Das ist neu in Europa: Nicht nur Gesetze und Haushalte, neuerdings werden auch Regierungen in Brüssel gemacht.
Schuldenkrise: Raus aus dem Euro?
Die Debatte in der griechischen Linken
von Haris Triandafilidou
Griechenlands Linke hat scharf gegen das von Papandreou vorgeschlagene Referendum protestiert und statt dessen Neuwahlen gefordert. In den Umfragen lagen Anfang November die beiden großen Parteien Syriza und KKE zusammen bei 20%. Doch die Zerrissenheit ist groß, vor allem das Wahlbündnis Syriza ist gespalten. Ein Hauptkonfliktpunkt ist die Haltung zur EU und zum Euro.
«Um die mindeste Forderung zu verwirklichen, muss man die Regierung stürzen»
Griechenland
Von Sonia Mitralia
Beitrag zur Eröffnung der Konferenz «Europe against Austerity», die am 1.Oktober 2011 von der Londoner Coalition of Resistance organisiert wurde.
Niederlande: Neues Gesetz unterläuft Mindestlohn
von Piet van der Lende
In den Niederlanden wird das bisherige Sozialsystem bald durch ein neues auf den Kopf gestellt.
In Deutschland gibt es neue Ansätze für subventionierte Arbeit [gemeint sind die 1-Euro-Jobs]. Dabei werden Arbeitsplätze geschaffen, bei denen die Arbeit zusätzlich sein muss – finanziert wird das mit EU-Geldern. Bis vor kurzem hatten wir in den Niederlanden ein ähnliches System, es ist jetzt aber ein Gesetz geplant, das zu ändern.
Zwangsarbeit
Zur Diskussion um einen Begriff
von Piet van der Lende
Zunehmend müssen Arbeitslose unbezahlte oder unterbezahlte Arbeit verrichten, nur damit sie «die Disziplin» nicht verlernen.
Ungarn: ein Beispiel für Zwangsarbeit
«Wer nicht arbeitet, soll auch nicht essen»
In Ungarn müssen einige hunderttausend Arbeitslose dort in Zukunft für 30–60% des Mindestlohns arbeiten, etwa in großen Staatsprojekten wie dem Bau von Deichen, Kanälen usw. Zur Organisation und Bewachung dieser Projekte hat die Regierung viele Tausende bereits pensionierte Polizisten und Soldaten einberufen. Ihre Pensionierung wird rückgängig gemacht.
Regierung ohne Volk
Griechenland am Rande des Ausnahmezustands
von Aris Leonas
In Griechenland gibt es Anzeichen dafür, dass das Land vor gewaltigen Veränderungen steht.
Der Verfall grundlegender Funktionen des Staates und die weit verbreitete Gewissheit, dass die Schulden Griechenlands nicht in den Griff zu bekommen sind, liefern ein Bild politischer Instabilität und Krise, das allem Anschein nach eine allgemeine politische Krise in den übrigen Ländern Südeuropas und schließlich auch im Herzen der Eurozone ankündigt. Darauf deuten die zunehmenden Spannungen durch die Finanzkrise und die Uneinigkeit zwischen den Regierungen der Eurozone hin.
Schuldenschnitt und Hebelung
Wirtschaft verstehen
Am Wochenende trafen sich die Euro-Staats- und Regierungschefs und beschlossen einen höheren Schuldenschnitt für Griechenland und höhere Eigenkapitalquoten für die angeschlagenen Banken. Keinen Durchbruch gab es bei der nötigen Ausweitung des Rettungsfonds ESFS. Wir wollten wissen, wie der Gipfel zu bewerten ist, und fragten BIRGER SCHOLZ.
Der Gipfel hat die Banken aufgefordert, bis zu 60% ihrer Forderungen an Griechenland abzuschreiben. Ist das nicht der richtige Weg?
Die Massendemonstration scheitert
Der 15.Oktober in Rom – Große Debatte um die jugendlichen Randalierer
Etwa 200000 Menschen demonstrierten am 15.Oktober in Rom. Statt einer neuen Massenbewegung Auftrieb zu geben, ging das Anliegen der Demonstration jedoch in den Auseinandersetzungen zahlreicher Jugendlicher mit der Polizei unter.
Die KKE schützt das Parlament
Der 20.Oktober in Athen – Straßenschlacht zwischen den Demonstranten
Es gibt eine alte Parole in Griechenland: «Staat, wo du doch die KNEtes hast, was brauchst du noch Bullen?» «KNEtes» sind die Mitglieder der Jugendorganisation der KKE, der KP Griechenlands. Zum Beispiel bewachen sie bei den Feiern um den 17.11. (Tag des Aufstands 1973) immer das Polytechnikum, damit Anarchisten dort nichts «anstellen».
Der Gang in die Schuldknechtschaft
von Angela Klein
Nun verhängt auch die Kanzlerin Maulkörbe. Ihr Wirtschaftsminister darf nicht sagen, was jeder denkt: Dass Griechenland zahlungsunfähig ist und Rezepte, die so tun, als sei das nicht so, alles nur noch schlimmer machen können. Die Regierung ist dabei, eine Bataille zu verlieren, da ist Maul halten die erste Bürgerpflicht. Weil die Finanzmärkte sonst noch nervöser werden und die Aktien noch rasanter in den Keller fahren könnten, als es ohnehin schon der Fall ist.
Das Schuldendiktat ist eine Form der Kriegführung
Klaus Dräger über Eurobonds, das deutsche Europa und die Erpressung der Schuldner
Die Euro-Rettungspakete reichen nicht aus, um Griechenland oder ein anderes der südeuropäischen Länder in die Lage zu versetzen, seine Schulden zurückzuzahlen. Das wissen auch die Akteure auf den Finanzmärkten. Wenn sie trotzdem auf der Rückzahlung der Schulden bestehen, dann deshalb, weil ihnen das einen Hebel an die Hand gibt, in großem Stil Raubbau am öffentlichen Eigentum, an Löhnen und gewerkschaftlichen Standards zu treiben. Für das deutsche Kapital geht es überdies um die Veränderung der Wertschöpfungsketten in Europa.
Eine Wirtschaftsregierung à la Merkel und Sarkozy
Der Preis für das Euro-Rettungspaket
Die Parlamente der Eurozone stimmen ihrer eigenen Entmachtung zu
von Klaus Dräger
Die Große Krise 2008 hat die Europäische Union zugleich auseinander getrieben und stärker zusammengeführt. Noch weiter auseinander gedriftet sind Leistungsbilanzen und Wachstumsquoten. Zugleich konnten die Banken und Finanzinstitute die Schuldenkrise nutzen und sich die Politik unterwerfen. Um der «Rettung des Euro» willen wird nun eine europäische Integration vorangetrieben, die ausschließlich an den Interessen des Finanzkapitals ausgerichtet ist.
Die Rettung des Euro oder: Ein Loch reißt das nächste
von Klaus Dräger
Das Management der sog. Eurokrise und das Bemühen der EU-Institutionen, um jeden Preis die Stabilität des Euro zu bewahren, stellen eine Haupttriebkraft für die Errichtung einer «europäischen Wirtschaftsregierung» dar. Dieser Prozess hat unterschiedliche Phasen durchlaufen.
Die Schuldner vor dem Ausbluten schützen
Lehren für Griechenland aus den Erfahrungen Argentiniens
von Claudio Katz
Im Jahr 2002 erklärte Argentinien mit einem Schuldenberg von 100 Mrd. US-Dollar seine Zahlungsunfähigkeit. Griechenland macht derzeit dasselbe Drama durch. Für die Bewältigung der Schuldenkrise lassen sich aus dem argentinischen Beispiel Lehren ziehen.
«Griechenland zum Verkauf»
So titelten deutsche Wirtschaftszeitungen nach dem Beschluss des Europäischen Rats im Juli über ein zweites Rettungspaket für die Banken. In Griechenland heißen die Abgesandten der Troika (IWF, EU-Kommission, EZB) «Männer in Schwarz». Wie Dürers apokalyptische Reiter bringen sie Elend und Zerstörung.
Rechtsextremismus in Skandinavien
Über rechtspopulistische Parteien dringt er in die gesellschaftliche Mitte vor
von Edeltraut Felfe
Nachdem rassistische Parteien und Milieus in Europa keine Zusammenhänge mit der Gedankenwelt des Mörders finden konnten, verstärken sie ihre Aktivitäten. Organisationen wie «Stoppt Norwegens Islamisierung» und die Norwegian Defence League rekrutieren neue Mitglieder.
Aufstände in Großbritannien
Was ist der Einbruch in eine Bank gegen den Besitz einer Bank?
von Terry Conway
Am englischen Beispiel erleben wir, wohin die Reise geht: Obwohl es der Übermaß an Reichtum in den Händen Weniger ist, der die Krise verursacht, weil er keine vernünftigen Anlageformen mehr findet, kriegen diese Leute den Hals immer noch nicht voll. Die demokratische Maske fällt, der Raubzug an Lebenschancen und öffentlichem Eigentum wird brutaler; hinter der Diktatur des Marktes lauert der Polizeiknüppel.
Hass auf Muslime und Linke
Der Massenmörder von Oslo – Affinitäten zwischen gewalttätigen und «bürgerlichen» Rechtsextremen
von Bernard Schmid
Der moderne Rechtsextremismus hetzt heute gegen Multikulturalismus, Muslime und Marxismus wie weiland der alte gegen den Bolschewismus und die «jüdische Weltverschwörung».
Anders Breivik Vorbote und Nachkomme faschistischer «Befreiung»
von Horst Hilse
Die Terroraktion des Attentäters von Oslo kommt nicht aus heiterem Himmel. Sie ist weder die Tat eines Verrückten, noch die eines Sonderlings.
Der Attentäter entstammt dem existenzbedrohten Mittelstand. Sein Vater verließ Frau und Kind früh und setzte sich nach Frankreich ab. Breivik, 32 Jahre alt und Bio-Unternehmer, lebte noch bei seiner Mutter, eine Krankenschwester. Er engagierte sich in der Rassistenbewegung seines Landes, der «Fortschrittspartei» und war von 2003 bis 2006 sogar Parteivorsitzender für den Bezirk Oslo-West.
Transnationale Solidarität stärken
Eine gewerkschaftliche Reise ins «Plastikmeer von Almería»
Ein Bericht von Dieter A. Behr
Im Mai 2011 besuchte eine Delegation österreichischer Gewerkschafter vom Verein «Weltumspannend arbeiten» die spanische Region, die für ihre industrielle Gemüseproduktion bekannt ist.
Europa und seine Krise
Des einen Überschuss ist des anderen Defizit
Es ist immer wieder das gleiche Spiel: Die Finanzwelt spekuliert auf die Zahlungsunfähigkeit eines Staates. Dadurch werden die Zinsen, zu denen der Staat Kredite aufnehmen kann, in die Höhe und der Staatshaushalt der Pleite näher getrieben.
Antisemitismusvorwurf
Eine hinterhältige Waffe
von Michael Warschawski
Roger Cukierman, Anfang des 21.Jahrhunderts Chef von Frankreichs jüdischer Gemeinde, hat einmal der israelischen Zeitung Haaretz stolz erzählt, wie er Ariel Sharon empfohlen hat, Israel solle die harsche internationale Kritik an den Massakern vom Oktober 2000 dadurch ersticken, dass es eine neue Front eröffnet: die des Antisemitismus.
«Wir gehen erst,wenn ihr geht»
Gespräch mit Ilona Herrmann über die Bewegung für direkte Demokratie in Griechenland
Die spanischen Empörten nahmen sich den Tahrirplatz in Kairo zum Vorbild, als sie am 15.Mai die Hauptplätze von Barcelona und Madrid besetzten. Eine neue Aktionsform war gefunden, um die Entschlossenheit des Widerstands gegen die Abwälzung der Krisenlasten auf die Lohnabhängigen und die öffentlichen Haushalte zum Ausdruck zu bringen. Auf einem der vielen Plakate und Transparente stand: «Pssst, die Griechen schlafen noch.»
Spanien: Democracia real, ya!
Begegnung mit der Bewegung des 15.Mai
von Nacho Álvarez
Die Bewegung des 15.Mai wird das politische und soziale Leben Spaniens stark verändern.
Volksentscheide in Italien
Die Ära Berlusconi geht zu Ende
von Salvatore Cannavò
Das Referendum vom 12.Juni bescherte dem italienischen Ministerpräsidenten Silvio Berlusconi eine dreifache Niederlage: Es werden keine neuen Atomkraftwerke gebaut, das Wasser wird nicht privatisiert, und Berlusconi bekommt keinen Freifahrtschein für seine Gesetzesverletzungen.
Massenrevolte in Griechenland
Zu Hunderttausenden erklären die griechischen Empörten ihren neoliberalen Henkern den Krieg
von Yorgos Mitralias
Zwei Wochen nach ihrem Beginn überflutet die Bewegung der „Empörten“ die Plätze der Städte im Land mit gewaltigen Menschenmengen. Sie schreien ihre Wut heraus und lassen die Regierung Papandreou und ihre lokalen und internationalen Unterstützer erzittern.
Europäische Konferenz zur Verteidigung des öffentlichen Gesundheitswesens
Erklärung von Amsterdam
Auf Initiative der Freien Gewerkschaft „August ’80“ aus Polen haben sich am 7. und 8.Mai 2011 in Amsterdam AktivistInnen von Gewerkschaften, Initiativen und politischen Organisationen versammelt, die in sechs europäischen Ländern für die Verteidigung des öffentlichen Gesundheitswesens streiten: Polen, Frankreich, Großbritannien, Irland, Deutschland und Schweden.
1.Mai in Polen
Niederknien statt demonstrieren
von Norbert Kollenda
Unverschämterweise nutzte die katholische Kirche den 1.Mai zur Seligsprechung des polnischen Papstes, «Johannes Paul des Großen».
Gesundheitssysteme in Europa
Gemeinsame Probleme und unterschiedliche Lösungen
von Norbert Kollenda
Unter diesem Arbeitstitel stand eine europäische Konferenz, die auf Initiative der polnischen Gewerkschaft August ’80 am 7. und 8.Mai 2011 in Amsterdam im Internationalen Institut für Forschung und Bildung (IIRE) stattfand.
Schengen und die Festung Europa
Außengrenzen abschaffen
von Rene Jokisch
Die italienische Regierung setzt sich für offene und unkontrollierte Grenzen ein.Der etwas widersprüchliche Eindruck, den ein großer Teil der aktuellen Debatte über die Migrationspolitik in der EU vermittelt, lässt sich leicht aufklären.
Forderung nach Schuldenauditorien nimmt Fahrt auf
von Andrej Hunko
«Athen muss mehr tun als bisher», ist die Reaktion der EU-Regierungen darauf, dass ihre «Griechenlandhilfe» der griechischen Wirtschaft den Griechen nicht hilft, sondern sie ruiniert – trotz eines Kreditprogramms von 110 Mrd. Euro (über drei Jahre).
Staatsschulden offenlegen
Ein Überblick über die bisherigen Initiativen
von Eric Toussaint, CADTM Belgien
Seit dem vergangenen Herbst entwickeln soziale Bewegungen in Europa in Bezug auf die Frage, wie mit den Staatsschulden umgegangen werden soll, mehr und mehr gemeinsame Positionen.
Smolensk: Ein Jahr nach dem Flugzeugunglück
von Norbert Kollenda
Viele Menschen in Polen sahen mit gemischten Gefühlen dem ersten Jahrestag der Flugzeugkatastrophe von Smolensk entgegen. Die meisten haben genug von den ständig wiederkehrenden Verschwörungstheorien der nationalkonservativen Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS), der der verstorbene Staatspräsident angehörte.
Reisefreiheit auch für Tunesier
Omeyya Seddik über die Lage in Tunesien, die Flüchtlinge und die Beziehungen zu Europa
Interview mit Angela Huemer
Der Tunesier Omeyya Seddik ist Politologe und Teil der Fédération des Tunisiens pour une Citoyenneté des deux Rives (FTCR). Diese Nichtregierungsorganisation gibt es seit den 70er Jahren. Anfangs hieß sie «Vereinigung der tunesischen Arbeitsmigranten», zu Beginn der 90er Jahre änderten sie ihren Namen. Die FTCR bearbeitet Themen wie Diskriminierung, Immigration, Sozialforen, Gesundheit und die Lage in den Pariser Vorstädten. Ihr vorherrschendes Anliegen ist die Zusammenarbeit auf Augenhöhe zwischen dem nördlichen und dem südlichen Ufer des Mittelmeeres.
Polnische Krankenschwestern im Hungerstreik
Hände weg vom Arbeitsrecht!
von Norbert Kollenda
Am 22.März fand eine Solidaritätskundgebung mit den Krankenschwestern vor dem polnischen Parlament (Sejm) in Warschau statt, daran nahmen einige hundert Personen teil. Gleichzeitig erklärten fünf der im Sejm protestierenden Krankenschwestern, dass sie in den Hungerstreik treten.
Frontalangriff der Tories auf die britische Gesellschaft
Die Sprache des Klassenhasses
von Alan Thornett und Billy Curtis
Am 26.März gingen geschätzte 250.000–400.000 Menschen gegen ein Sparpaket auf die Straße, von dem Margret Thatcher geträumt hätte. Der «Marsch für eine Alternative» fand unter der Führung des britischen Gewerkschaftsverbands TUC statt. Der hatte sich mit dieser Antwort reichlich Zeit gelassen.
Griechenland unter dem Zeichen des Spardiktats
Es fehlt eine echte Alternative
von E.Ule-Rich
Griechenland hat viele Probleme – vor allem die Korruption und die Perspektivlosigkeit der Jugend. Leider fehlt es derzeit auch an einer substanziellen Alternative.
Griechenland ist ein modernes Land. In den letzten 30 Jahren hat es wirtschaftlich einen großen Aufschwung genommen (siehe Tabelle I). Sein Bruttosozialprodukt liegt knapp unter dem Durchschnitt der EU (gleichauf mit Italien), was vor wenigen Jahren noch nicht der Fall war.
Der EU-Pakt für Wettbewerbsfähigkeit
Diktat nach dem Muster des IWF
Interview mit Michel Husson
Auf der letzten Tagung des Europäischen Rats wurde, vor allem auf deutsches Drängen, ein EU-Pakt für Wettbewerbsfähigkeit vereinbart. Sein Kern ist die Einführung einer Schuldenbremse und eines potenziellen Haushaltskommissars für alle EU-Länder.
Das nachstehende Interview gab der französische Ökonom Michel Husson der Zeitschrift Ecole Emancipée, die zur französischen Lehrergewerkschaft FSU gehört (März 2011).
«Die Zukunft der Kirche in Polen wird eine radikal andere sein»
Interview mit dem Theologen Stanislaw Obirek
Von außen wird die römisch-katholische Kirche (in der Folge ist diese Kirche gemeint) in Polen als eine starke Kraft wahrgenommen, die fast die ganze Bevölkerung hinter sich hat. Volle Kirchen und Massenversammlungen prägen das Bild, aber stimmt es?
Norbert Kollenda sprach darüber mit Stanislaw Obirek.
«Noch nie war es so schlimm»
G.M. Tamás über die neuen ungarischen Verhältnisse und den Rechtsruck auch andernorts
Gáspár Miklós Tamás, gebürtig 1948 aus Siebenbürgen, ist Philosoph. Er hatte in den 80er Jahren Berufsverbot aus politischen Gründen, war von 1989 bis 1994 Abgeordneter im ungarischen Parlament und ist Vorsitzender der Grünen Linken Ungarns. Nach dem Wahlsieg der FIDESZ hat er seine Stelle am Philosophischen Institut in Budapest verloren. Mit ihm sprach Karlen Vesper (Neues Deutschland).
Europa ist stark beunruhigt über das neue Mediengesetz in Ungarn. Wie schlimm ist es?
Russland: Die Wiederkehr des Faschismus
von Boris Kagarlitzki
Die Erschiessung eines Moskauer Fussballfans am 4.Dezember mutmasslich durch einen muslimischen Mann hat eine Kette von Kundgebungen und Gewalttaten ultranationalistischer Gruppen ausgelöst.
Die «Retter» Europas
Der Europäische Stabilitätsmechanismus sichert eine Transferunion – zugunsten des Finanzkapitals
von Klaus Dräger
«Im Finanzsektor sehen wir ein wenig ‹upside›, aber viel ‹downside› mit Blick auf den Zustand der europäischen Haushalte. Die guten Nachrichten von den Unternehmen sind bereits in den Aktienbewertungen eingepreist, aber was soll da noch kommen? Die Emerging Markets finde ich da verlockender.» Fondsmanager und Anlageberater Ewan Thompson im manager magazin.
Während die Mehrheit der Bevölkerung unter drakonischen Sparpaketen ächzt und stöhnt, gelingt es den EU-Staats- und Regierungschefs trotz allem nicht so recht, «die Märkte» zu beruhigen.
Europa und die Demokratie
Tunesien, Ungarn, Flüchtlinge: Die EU steht autoritären Regimen bei und verletzt Menschenrechte
von Andrej Hunko
Die Europäische Union präsentiert sich gern als der Hort der Menschenrechte in der Welt. Der Europäische Gerichtshof für Menschenrechte aber wirft ihr Menschenrechtsverletzungen im Umgang mit Flüchtlingen vor; der französische Staatspräsident hat dem tunesischen Diktator Ben Ali noch wenige Tage vor seinem Sturz militärische Unterstützung angeboten, und Vertreter der CDU verbitten sich allzu harsche Kritik gegenüber der extrem rechten Regierung in Ungarn.
Die polnische Solidarnosc – eine verratene Revolution
von Zbigniew Marcin Kowalewski
Eine Revolution kann auf zwei Arten eine Niederlage erleiden – entweder wird sie erstickt oder verraten. Die Tragödie der polnischen Revolution 1980-81 liegt daran, dass sie beiden Niederlagen erlegen ist. Sie wurde von all denen verraten, die im Fahrwasser der heutigen politischen Eliten sich auf den August 1980 und ihre Abstammung von der Solidarnosc berufen. In dem sie den Kapitalismus restaurierten, sind sie den Interessen der Gesellschaft untreu geworden, die in der Revolution zum Ausdruck gekommen war und haben somit alles über Bord geworfen, was ursprünglich angezielt war.
Heute wird im Rahmen der generellen Fälschung des Charakters und der Geschichte des “August” und der Ereignisse der folgenden 16 Monate ein “antikommunistisches nationales Ereignis” gemacht – allerdings haben sie damit wenig Glück, denn alle Spuren ließen sich nicht verwischen, zumal diese Ereignisse eine typische und klassischen Revolution der Arbeiterschaft war. Seitdem vor 150 Jahren der Kapitalismus entstand, sind solche Revolutionen immer wieder aufgetreten. Die Arbeiter haben sie zur Verteidigung der Rechte, Interessen und Würde ihrer Arbeiterklasse durchgeführt.
Volksabstimmung in der Schweiz
Die Saat des Hasses
Sonderjustiz für Ausländer beschlossen
von Paolo Gilardi
Am 28.November haben in der Schweiz 53% der Wählerinnen und Wähler«Ja» zur direkten Abschiebung sog. «krimineller Ausländer» gesagt. Die von der rechtspopulistischen SVP lancierte Gesetzesvorlage sieht die umgehende Abschiebung von Ausländern vor, die sich des Mordes, Raubs oder des «illegalen Bezugs von Sozialleistungen» schuldig gemacht haben.
Polen: Von der Solidarnosc zur Solidarität
30 Jahre Arbeiterbewegung: Brüche und Veränderungen
von Przemyslaw Wielgosz
Die Arbeiterbewegung in Polen haben in den letzten drei Jahrzehnten eine komplizierte und dramatische Entwicklung erlebt. Von einer revolutionären Explosion Anfang der 80er über Umbruch und Fall in den 90ern, mit immer wiederkehrende Versuchen einer Neubelebung. Von einer großen Gewerkschaft, in die Strukturen einer sozialen Bewegung eingebunden waren, zu unkoordinierten Versuchen, neue Taktiken und Organisationsstrukturen zu erarbeiten.
Ungarn: Aufschwung der extremen Rechten
Ein Bodensatz von Intoleranz und Konkurrenzkampf
von Matyas Benyik
Wenn Menschen ihr tägliches Leben als Wettkampf sehen, gibt es keinen Raum mehr für gesellschaftliche Vielfalt und interkulturellen Dialog. Der öffentliche Diskurs wird nach und nach von den Argumenten fremdenfeindlicher und extremistischer Gruppen bestimmt, die gleiche Rechte für alle als Gefahr für den Staat und seine Bewohner sehen. Es steht außer Frage, dass die brennenste politische Frage Ungarns derzeit das spektakuläre Anwachsen der extremen Rechten ist.
Irland: Unter EU-Aufsicht
Sparkurs und Bankenrettung treiben das Land in die Schuldenfalle
von J.M.Thorn
Es sind nicht die Staatsschulden, die den Preis für die irischen Staatsanleihen in die Höhe treiben. Der Krankheit Eurokrise wird die flasche Diagnose gestellt und die falsche Kur verschrieben.
Wie ernst Irlands Lage ist, wurde im Oktober klar, als die Regierung ihren Vierjahresplan für 2011–2014 veröffentlichte.
Freihandelsabkommen EU/Indien
Ökologisch und sozial ein Desaster
von Gerhard Klas
Im Schatten der Verhandlungen zwischen der EU und China fanden Mitte Oktober in Delhi auch Verhandlungen über ein europäisch-indisches Freihandelsabkommen statt. Seit 2007 verhandeln die EU-Kommission und die indische Regierung auf höchster Ebene. Spätestens Anfang kommenden Jahres soll das Abkommen unter Dach und Fach sein.
«Was das Parlament beschließt, kann die Straße wieder auflösen»
Olivier Besancenot diskutiert mit Lesern von Le Monde Online*
«Wenn es einen Michelin-Führer der Proteste gäbe, hätte Frankreich drei Sterne verdient, dicht gefolgt von Griechenland mit zwei Sternen», schreibt Tariq Ali in einem Kommentar zum Aufstand gegen die Rente mit 67 in Frankreich.
Italien: Die soziale Opposition lebt
Rom, 16.Oktober: Massendemonstration von Arbeitern und Studierenden
von Bruno Demartinis
Am 16.Oktober demonstrierten die sozialen Bewegungen in Italien, angeführt von der Metallarbeitergewerkschaft FIOM für gewerkschaftliche Rechte, Demokratie und gegen deren Preisgabe durch die Mauschelpolitik einiger gewerkschaftlicher Dachverbände mit den Unternehmern und der Regierung.
Italien: Wie weiter nach dem 16.Oktober?
Einheit und Radikalität: Kann aus einer Demonstration eine richtige Bewegung entstehen?
von Salvatore Cannavò
Zum Schluss gab der Generalsekretär der CGIL, Guglielmo Epifani, dem Druck der Piazza nach – den Studierenden und Arbeitern, die während seiner ganzen Rede den Generalstreik gefordert hatten. Er musste sagen: «Wir werden ihn machen», ohne genauer auszuführen, wie oder wann.
Die Hoffnung ist auf der Seite der FIOM
von Loris Campetti
«Wenn Ihr wissen wollt, wie viele wir sind, dann müsst ihr uns schon zählen!» Das war eine schöne Replik der FIOM angesichts der Reaktion der Politiker, die nur mit 20.000 bis 40.000 Teilnehmer gerechnet hatten.
Schweden: Rassisten im Reichstag
Nach den Wahlen im September kann sich die bürgerliche Minderheitsregierung auf die rechtsradikalen «Schwedendemokraten» stützen.
von Edeltraut Felfe
Schweden wurde von 1932 bis in die Mitte der 70er Jahre ununterbrochen, danach bis 2006 die längste Zeit, von der Sozialdemokratischen Arbeiterpartei (SAP) regiert. Auch unter Linken in der Bundesrepublik galt Schweden bis in die jüngste Zeit als nachahmenswertes Beispiel eines demokratisch und sozial regulierten Kapitalismus.
Krach unter den Deutschen in der europäischen Linksfraktion
Mindestlohn 5,60 Euro?
Interview mit Claudia Haydt *
Die Mehrheit der deutschen Deelegation in der Fraktion der Linken im Europaparlament sucht in der Frage des Mindestlohns die Annäherung an die Positionen der Sozialdemokratie.
Frankreich, Generalstreik für Rente mit 60
Annick Coupé, Sprecherin der Union Syndicale Solidaires, im Gespräch mit der französischen Onlinezeitung Mediapart.fr (11.9.2010).
Am 7.September gingen in Frankreich über 2 Millionen Menschen gegen die Anhebung des Renteneintrittsalters auf 62 Jahre auf die Straße. Am 23.September waren es ebenso viele. DIe Regierung zeigt sich davon unbeeindruckt. Die Basisgewerkschaft Solidaires wirbt deshalb für einen unbefristeten Generalstreik.
«Wir leben unter unseren Verhältnissen»
Heinz Bierbaum erklärt die Forderung nach einer Wirtschaftsregierung für Europa
Die «Rettungsschirme» für Griechenland und für den Euro verletzen das Vertragswerk von Maastricht und Lissabon und haben zu einer erneuten Diskussion darüber geführt, nach welchen Regeln das Zusammenleben in Europa geordnet sein soll. Frankreich hat erneut die Forderung nach einer Wirtschaftsregierung ins Spiel gebracht; bei den politischen und Wirtschaftsführern in Deutschland sorgt diese für eine reflexartige Abwehrreaktion.
Griechenland: Jeder kämpft für sich allein
Die fehlende Einheit der Linken öffnet den Weg für Populisten.
Interview mit YORGOS MITRALIAS
Die Abwälzung der Krisenlasten auf die arbeitende Bevölkerung und eine ungenügende politische Antwort und Geschlossenheit der Linken begünstigen die populistische Ausschlachtung der Krise. Die SoZ sprach mit Yorgos Mitralias, Mitglied der Gruppe Kokkino und des linken Bündnisses Syriza.
Wahlen in den Niederlanden
Wachsende Instabilität
von Willem Bos
Die Parlamentswahlen am 9.Juni haben die politische Landschaft der Niederlande umgewälzt.
Größte Verliererin war die christdemokratische CDA des bisherigen Ministerpräsidenten Balkenende.
Europa neu erfinden
von Angela Klein
Es könnte alles ganz einfach sein:
Die Europäische Zentralbank (EZB) übernimmt die notleidenden Staatsanleihen zu einem niedrigen Zinssatz von 1 bis 2%. Die Anleihen werden entsprechend umgeschuldet, die Zinsausfälle übernehmen die bisher kreditgebenden Banken. Das Gespenst des Staatsbankrotts hat sich damit erledigt.
Nationaltaumel in Polen
Wer hat die Leiche vertauscht?
von Norbert Kollenda
Neulich schrieb mir jemand: «Das Flugzeug nach Smolensk bestieg ein kleiner, streitsüchtiger, fremdenfeindlicher und mittelmäßiger Politiker, Autor solche Aussagen wie: ‹Verpiss dich Alter›, ‹Roter Affe›, ‹Frau, ich mach Sie fertig!›, der nicht einmal den Refrain unserer Nationalhymne kennt. Belächelt nicht nur von den Satirikern und eine Witzfigur in ganz Europa, ein Dilettant und ein Präsident mit einem rekordverdächtig niedrigem Ansehen in der Gesellschaft.
Istanbul: Der 1.Mai auf dem Taksim-Platz
von Esen Uslu
Erstmals seit 1978 feierten in diesem Jahr türkische Lohnabhängige den 1.Mai mit einem Marsch zum Taksim-Platz, traditionell Treffpunkt für Kundgebungen der Arbeiterklasse.
Polen: Kommerzialisierung des Gesundheitswesens
von Norbert Kollenda
Die Privatisierung des Gesundheitswesens stößt in Polen auf Widerstand. Das polnische Gesundheitswesen krankt seit langem. Die vom Nationalen Gesundheitsfonds (NFZ) bereitgestellten finanziellen Mittel reichen vorne und hinten nicht.
Europa auf neue Füße stellen
von Michel Husson
Die Krise des Euro hat die Unstimmigkeiten und Widersprüche des Euro und der Europäischen Union auf schmerzliche Weise offen gelegt. Eine gemeinsame Währung setzt einen erhöhten Grad an Übereinstimmung zwischen den beteiligten Ländern voraus – oder politische Entscheidungen und Institutionen, die in der Lage sind, eine solche Übereinstimmung herzustellen. Keine dieser beiden Voraussetzungen ist gegeben.
Elias Vetrakos über die Sparmaßnahmen der Regierung Papandreou
«Eine Katastrophe für alle Beschäftigten»
Elias Vetrakos ist ein führender Vertreter der Gewerkschaft der Angestellten im öffentlichen Dienst – die wichtigste und größte Gewerkschaft in Griechenland. Der argentinischen Zeitschrift Clarín gab er am 12.Mai ein Interview.
Die deutsch-französische Agenda 2020
Stärkere Zusammenarbeit in der Rüstung und Flüchtlingsabwehr
von Carsten Albrecht
«Die Europäische Union ist in Gefahr, weil andere Weltregionen wettbewerbsfähiger sind als wir», sagt Frankreichs Premierminister François Fillon. Darüber, wie man mit dieser Gefahr umgeht ist sich die konservative Regierung jedoch uneinig:
Griechenland ruft Europa
von Angela Klein
Deutschland fordert von Griechenland ein Sparprogramm, das des IWF würdig und geeignet ist, den Inselstaat in eine tiefe Depression zu stürzen. Die Lohnsenkungen, Renten- und Ausgabenkürzungen werden das Bruttoinlandsprodukt weiter drücken und damit das Haushaltsdefizit weiter erhöhen – eine teuflische Spirale nach unten.
«Es ist unmöglich, unter den Regeln von Maastricht zu leben»
Die Folgen der Krise für Griechenland
von Yannis Almpanis
Mit dem Eintritt in die Eurozone haben die griechischen Regierungen den Reedern und Kaufleuten geholfen, Anschluss an das europäische Finanzkapital zu finden – dafür wurden Bilanzen gefälscht und die Staatskasse geplündert. Jetzt ist das Debakel perfekt, und wieder bedient der sog. Rettungsplan nur die Interessen der Spekulanten und Banken.
Unter deutschem Diktat
Griechenland und die EU
von Angela Klein
Dass Griechenland in die Krise geraten ist, hat nicht nur mit dem Angriff angelsächsischer Spekulanten zu tun, sondern auch mit dem Euro und der Konstruktion der EU. Die Krise 2008 hat die bestehenden wirtschaftlichen Ungleichgewichte in der Eurozone verschärft.
Die Rolle der Spekulanten
Wer verursachte die Krise in Griechenland?
von Angela Klein
Es gibt keinen Grund, selbstgerecht mit dem Finger auf die Griechen zu zeigen. Deren Regierung hat nichts anderes getan, als unsere Kommunalpolitiker seit Einführung des Euro auch tun: Sie versuchen an Geld zu kommen, indem sie die Einnahmen aus Häusern, Schienennetzen und anderer öffentlicher Infrastruktur 30 Jahre lang Heuschrecken überlassen, die ihnen dafür mit einem einmaligen Betrag aus der Klemme helfen. Sie machen das unter strenger Geheimhaltung, hinter dem Rücken der Stadträte und der Öffentlichkeit, d.h. sie betrügen.
Wir werden nicht zahlen!
«Vidh skulum ekki gjalda!» (Wir werden nicht zahlen)
von Andrej Hunko
In keinem Land konzentrieren sich die Entwicklungen der letzten zwei Jahrzehnte so ausgeprägt wie in Island.
Auf die Privatisierung und Deregulierung des Finanzsektors in den 90er Jahren folgte eine aberwitzige Spekulationsblase und private Bereicherung in den 2000er Jahren. Das rasant wachsende isländische Kapital expandierte wie kaum anderswo.
Das Gesundheitssystem der Schweiz
Ein Modell für Deutschland? Schwarz-gelbe Gesundheitspolitik im Spiegel schweizerischer Erfahrungen
von Sebastian Schief und Maurizio Coppola
Mit den Bundestagswahlen am 27.September 2009 haben sich die Mehrheiten in Deutschland zugunsten einer konservativ-liberalen Koalition verschoben. Besonders die versprochene Transformation des Gesundheitswesens ist aus einer schweizerischen Perspektive von Interesse.
Serbische Arbeiter gegen Privatisierung und Betriebsschließung
Bis zur Selbstverstümmelung
von Jochen Gester
Anfang März kam im Rahmen einer Rundreise durch Deutschland, Österreich und die Schweiz eine Delegation serbischer Arbeiter nach Berlin.
Der Kampf der Tabakarbeiter in der Türkei
von Nick Brauns
Seit Monaten kämpfen die Beschäftigten des staatlichen Tabak- und Alkoholmonopols Tekel gegen ihre privatisierungsbedingte Entlassung.
Arbeiterprotest bei Rieter (Winterthur)
Kurz, massiv, entschlossen
Der Schweizer Konzern Rieter hat Entlassungen in Italien nach erfolgreichen Protesten zurückgenommen.
Bolkestein meldet sich zurück
Öffentliche und private Dienste kommen massiv unter Druck
von Annette Groth
Am 29. Dezember ist die im November 2006 verabschiedete Dienstleistungsrichtlinie (DLR) in Deutschland in Kraft gesetzt worden. Deutsche und europäische Gewerkschaften, Attac, zahlreiche Berufsgenossenschaften sowie linke Parteien hatten 2005/06 massiv gegen die DLR und das sog. «Herkunftslandprinzip» protestiert.
Weihnachtsstreik bei Pariser Metro beendet
Ergebnis geheim
von Carsten Albrecht
Das Pariser Nahverkehrsunternehmen setzte Verwaltungsangestellte als Zugführer ein und die Sicherheit ihrer Passagiere aufs Spiel.
Wir haben unsere Forderungen auch an den Finanzminister gestellt
Die österreichischen Studierenden haben im WS 2009/2010 mit spektakulären Besetzungsaktionen ab Ende Oktober einen Stein ins Rollen gebracht; die Bewegung gegen die Wiedereinführung von Klassenschranken in der Bildungspolitik breitete sich flächendeckend aus und mündete in eine internationale Aktionswoche.
Die SoZ sprach mit Roman Birke, einem Streikaktivisten an der Uni Wien.
Selbstmordwelle in Frankreich
Ergebnis von Leistungsdruck und Isolation
von Bernhard Schmid
In Frankreich wird voraussichtlich bald ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss zum Thema der Arbeitsbedingungen in einem Privatunternehmen eingesetzt. Grund sind die dramatischen Zustände bei der französischen Telekom, die im Sommer und Herbst dieses Jahres in einer Selbstmordwelle gipfelten, sie erregten ein bisher nicht gekanntes öffentliches Aufsehen.
Bergbauunglück in Polen
Profitgier tötet
von Patryk Kosela
Am 18.September dieses Jahres kamen in der Zeche „Wujek-Slask” in Ruda Slaska, 20 Kilometer nordwestlich von Katowice, insgesamt 20 Bergleute ums Leben. Es war eine Tragödie, die ohne weiteres als perfider Mord bezeichnet werden könnte. Die Zeche liegt 1050 m unter der Erde. Zwölf Kumpel waren sofort tot, acht starben in den darauf folgenden Tagen. Viele andere Kumpel
Betriebesterben in Polen
Die Orte des neuen Widerstands
von Kamil Majchrzak
Seit der liberalen Schocktherapie Anfang der 90er Jahr gilt Polen als Musterschüler des Kapitalismus. Doch die Grenze zwischen Boom und Bankrott verläuft, wie die baltischen Staaten gezeigt haben, fließend. Als im September das polnische Amt für Statistik (GUS) die Wirtschaftszahlen für das Jahr 2008 vorstellte,
