Erschrecken
An den Rand notiert
von Rolf Euler
»Erschrecken und Erstaunen« – das Motto der diesjährigen Ruhrfestspiele passt wieder genau in die Zeit. Mit Erschrecken stellen wir die Erosion demokratischer Zustände fest, und man muss nicht an Trump denken dabei. Erschrecken gibt es im Bereich der Kultur über die rechte Politisierung und die damit verbundene Drohung mit Kürzung oder Streichung öffentlicher Gelder.
Entfremdung durch Touch-Funktion
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Mein Autoradio hat noch Tasten, die sich beim Berühren unterscheiden lassen ohne groß hinzuschauen – ganz zu schweigen von dem früheren 70er-Jahre-Blaupunkt mit Drucktasten… Aber das Auto ist auch 14 Jahre alt. Heute werden große Bildschirme in die Mitte des Armaturenbretts gebaut, auf denen viele Funktionen aufgerufen werden können: Rückfahrkamera, Klimaanlage, Radio, Telefon, Navi, Kontrollfunktionen – alles per Touch.
Anpassung
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Am Ende des letzten Jahres kündigten große Unternehmen den Abbau von tausenden Arbeitsplätzen an – Siemens, Ford, Zalando usw. Es ist fast wie vor vielen Jahren, mit dem Unterschied, dass die Unternehmen auf der anderen Seite Facharbeiter dringend suchen.
Plastikmüll
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Im Gasometer Oberhausen gab es bis vor kurzem die Ausstellung Planet Ozean, in der auf großformatigen Bildern das Leben im Meer und seine Bedrohung gezeigt wurde. Mehrere Bilder zeigten die Verseuchung der Ufer und Meeresbuchten mit Plastikmüll. Das war der letzte Anlass, mal aufmerksamer einzukaufen.
Big Brother Award
An den Rand notiert
von Rolf Euler
In diesem Jahr wurde der Big Brother Award neben anderen an zwei Gerichte wegen skandalöser Urteile im Bereich Arbeitswelt »überreicht«. Beide Gerichte hatten Klagen gegen Amazon zu verhandeln.
Äpfel, Birnen, Quitten
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Dieser Herbst ist Erntezeit mit großer Fülle. Der Mensch entflieht für einige Stunden der Sorge um alles Politische und – erntet Äpfel. Und Quitten. Und Birnen.
Ich nutze die Zeit und pflücke. Bei Freunden im Tauschring gibt es Quitten. Bei Nachbarn viele Äpfel. Beim Ökovertrieb ein Geliermittel ohne Konservierungsmittel.
fifty-fifty
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Glückwunsch an die Straßenzeitung fifty-fifty aus Düsseldorf, die 30 Jahre alt geworden ist! Glückwunsch an die vielen Verkäufer:innen, die nicht nur in Düsseldorf diese Zeitung auf den Straßen und Plätzen verkaufen, und die vom Verkaufspreis von jetzt 2,80 Euro die Hälfte für sich bekommen.
Nostalgie – Bahnreisen
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Was tun, wenn die Redaktion einer politischen Zeitung in den Ferien ist und nicht nur der Rand verwaist? Verreisen!
Gut, reisen mit der Bahn ist angesagt. Nostalgische Gefühle angesichts einiger Dampflokomotiven, die als Museumsstück hinter oft verfallenden Kleinstadtbahnhöfen herumstehen. Schon weniger Nostalgie kommt auf, wenn sich in Bayern oder Thüringen einspurige Gleise durch die Berge ziehen, und dort dann Dieseltriebwagen ihren Qualm in die freundliche Landschaft pusten.
Kongo-Tribunal
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Vor zehn Jahren, Ende Mai 2015, fand in Bukavu im Kongo und vier Wochen später in Berlin ein Tribunal statt, das von dem Schweizer Theatermacher Milo Rau und vielen Mitarbeitenden organisiert wurde. Das sog. »Kongo-Tribunal« stellte sich ausdrücklich mit dieser Bezeichnung in die Nachfolge des Vietnam-Tribunals von 1968, das die Verbrechen des US-Krieges behandelte.
Datenrettung
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Die disruptive Politik in den USA hat zur Umkehr einiger Verhältnisse geführt, ähnlich wie vielleicht Anfang der 1930er Jahre in Deutschland.
Es wird bekannt, dass Forschungseinrichtungen in Bremen dafür sorgen, dass Datenbanken aus den USA, deren Betreiber von Entlassungen und Einschränkungen betroffen sind, bei der Uni gespeichert werden. Es gab wohl einen als dringend bezeichneten »Hilferuf« etwa der US-Wetter- und Ozeanografiebehörde NOAA, wo es anfangs um Daten zu Erdbeben und heißen Quellen ging.
Schon 2,5 Grad über dem Soll
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Vor knapp vier Jahren erschien an dieser Stelle ein Beitrag mit der Überschrift »2 °C«. Es tut mir leid: Dieses Jahr lautet die Überschrift wie oben: Schlimmer geht immer!
Was hat sich getan, oder vielmehr nicht getan, dass wir die Gradzahl hier erhöhen müssen?
Zusammenhalt
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Die Ruhrfestspiele in Recklinghausen haben sich vor Monaten für 2025 ein prophetisches Motto ausgesucht: »Zweifel und Zusammenhalt«.
Olaf Kröck, einer der politischsten Intendanten in Recklinghausen, arbeitet immer mit solchen programmatischen Wortverbindungen, die aus einer gemeinsamen Wirklichkeit entstehen, dann auch eine gemeinsame Theaterlandschaft umfassen. Nach »Vergnügen und Verlust« im Vorjahr nun also das Aufgreifen von heftigen »Zweifeln« an der Zukunft, die die Menschen spüren, verbunden mit einem deutlichen Hinweis auf eine Antwort darauf: »Zusammenhalt«.