Energiepolitik von vorgestern
An den Fossilen wird festgehalten, koste es was es wolle
von Wolfgang Pomrehn
Der Krieg gegen den Iran und den Libanon ging bei Redaktionsschluss in die siebente Woche. Millionen Menschen sind auf der Flucht, brennende Gas- und Ölförderanlagen und -lager sorgen für eine toxische Umweltverschmutzung, etliche Schulen, Krankenhäuser und Meerwasserentsalzungsanlagen wurden zerstört, Tausende Zivilisten getötet und der Weltwirtschaft schwerer Schaden zugefügt. Besonders hart ist Süd- und Südostasien betroffen, wo einige Länder Homeoffice-Pflicht und kostenlosen ÖPNV eingeführt haben; aber auch hierzulande sind die Folgen längst zu spüren.
Gassüchtige Sauronisten
Klimakrise soll auf Teufel komm raus befeuert werden
von Wolfgang Pomrehn
Es ginge auch anders: Frankreich plant nach einem Bericht der Nachrichtenagentur Reuters, bis 2030 20 Prozent seiner Erdgaseinfuhren durch Strom zu ersetzen. Zu diesem Zweck soll unter anderem der Einsatz von Wärmepumpen massiv vorangetrieben werden. Angesichts der Kapriolen schlagenden Gaspreise ein vernünftiger Ansatz und im Lichte der sich entfaltenden Klimakrise sowieso.
Die Bio-Treppe ins Nichts
Katherina Reiche demontiert das Heizungsgesetz
von Klaus Meier
Wirtschaftsministerin Katherina Reiche hat ein Eckpunktepapier zur Neugestaltung des Gebäudeenergiegesetzes vorgelegt. Das zentrale Ziel: Der Einbau von Öl- und Gasheizungen in Neubauten soll wieder ungehindert ermöglicht werden. Die Koalition aus Union und SPD hat dem zugestimmt. Laut Reiche geht es um »Vernunft, Freiheit und Tempo statt Verbote«.
Bahndesaster Stuttgart 21
Deutschlands dümmstes Bahnprojekt wackelt
von Paul Michel
Am Montag, dem 30.März 2026, sah der Stuttgarter Schlossplatz die sage und schreibe achthundertste Montagsdemo gegen das gigantomanische Bahnhofsprojekt Stuttgart 21. Zwischen achthundert und tausend Menschen waren gekommen. Das waren etwa dreimal so viele Teilnehmerinnen und Teilnehmer wie bei »normalen« Montagsdemonstrationen.
Plädoyer für eine alternative Bahnpolitik
Wie man die Bahn verbessern kann
aus einer Rede von Heiner Monheim
In seiner Rede auf der 800.Montagsdemonstration skizzierte Heiner Monheim von »Bürgerbahn – Denkfabrik für eine starke Schiene« in einer fiktiven Ansprache an die Bahnchefin, wie eine bessere Bahn aussehen sollte.
Das Klima in Zahlen
Zahlensalat
von wop
Es ist nicht gerade so, dass der Klimawandel gerade Pause machen würde, nur weil Kriegstreiber und andere Freunde der immer noch sehr gewinnträchtigen Steinzeittechnologien gerade viel Rückenwind haben. Im Gegenteil: Die Weltmeteorologie Organisation in Genf lässt in ihrer Jahresbilanz wissen, dass das planetare Klimasystem mehr und mehr aus den Fugen gerät. Mit 1,43 Grad Celsius über dem vorindustriellen Niveau war das vergangene Jahr das zweit- oder drittwärmste seit Beginn der Aufzeichnung. Nur 2024 war wärmer und 2023 in etwa mit dem vergangenen Jahr gleichauf. Die Erwärmung hat sich in den letzten zehn Jahren sichtlich beschleunigt.
Fossile Knechtschaft
Gas und Sprit weder billig noch sicher
von Wolfgang Pomrehn
Trumps und Netanyahus Krieg in Westasien verursacht nicht nur unendliches Leid. Bis zu einer Million Libanesinnen und Libanesen, 20 Prozent der Bevölkerung, mussten bereits vor der massiven Gewalt fliehen, heißt es bei der UNO-Flüchtlingshilfe. 280.000 Kinder seien von der Eskalation betroffen. Angst und Verlust würden ihren Alltag bestimmen. In Iran waren nach knapp drei Wochen Krieg drei Millionen Menschen auf der Flucht.
Als das Unmögliche geschah
Vor 40 Jahren flog in der Sowjetunion ein Akw in die Luft
von Wolfgang Pomrehn
Am 26.April ist es 40 Jahre her, dass sich in der Sowjetunion, unweit von Kiew die bis dahin schwerste Atomkatastrophe Europas ereignete. Gewaltige Mengen radioaktiven Materials wurden freigesetzt. Winde verteilten sie und der Regen wusch den Strahlenstaub unter anderem über Bayern, Österreich, der Tschechoslowakei und Teilen Skandinaviens aus. Explosionen verteilten radioaktive Splitter in der Nachbarschaft. Am stärksten betroffen waren die umliegenden Gebiete in der nordöstlichen Ukraine und im angrenzenden Weißrussland.
Zu spät, zu teuer, zu alt
Von einer echten Renaissance der Atomenergie kann nicht die Rede sein
von Wolfgang Pomrehn
Es soll offensichtlich mal wieder eine Renaissance der Atomkraft herbeigeredet werden. Bundeskanzler Friedrich Merz (CDU) hält die Windkraft für eine Übergangstechnologie und meint, man solle lieber neue Atomkraftwerke (Akw) bauen, seine vom Energiekonzern E.on übergewechselte Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) hält die Energiewende für viel zu schnell und liebäugelt mit neuen Akw, und EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen (ebenfalls CDU) hält den deutschen (Teil-)Ausstieg aus der Atomenergie für einen Fehler.
Atomare Zeitenwende
Wie Deutschland wieder lernt, die Bombe zu lieben
von Claudia Haydt
Anfang Januar 2026 sorgte ein LinkedIn-Post für Aufsehen: Frank Pieper, Direktor für Strategie an der Führungsakademie der Bundeswehr, erklärte öffentlich, Deutschland brauche eigene Atomwaffen – »in erster Linie mobile taktische«. Geteilt wurde dieser Post und der damit verbundene Vorstoß unter anderem vom CDU-Außenpolitiker Roderich Kiesewetter.
Atommüll: Es gibt kein sicheres Endlager
Von Kartoffelscheunen, Castorlawinen und Abkürzungen in die Sackgasse
von Helge Bauer
37 deutsche Atomkraftwerke (Akw) haben in etwa 60 Jahren 27.000 Kubikmeter hochradioaktive Abfälle produziert. Wenn einst die letzten Brennstäbe aus den Abklingbecken der Akw entfernt sind, werden sie 1900 Castorbehälter gefüllt haben. Einige dieser Stoffe brauchen eine Million Jahre, bis ihre Strahlung weitgehend abgeklungen ist. Das entspricht in etwa 33.000 menschlichen Generationen. Bisher kommt der Homo sapiens auf etwa 12.000 Generationen.
Das Gebäudemodernisierungsgesetz
Zahlensalat
von Wolfgang Pomrehn
Die Bundesregierung ist auf dem besten Wege, die Verbraucherinnen und Verbraucher in eine regelrechte Kostenfalle zu locken. Mit dem zur Änderung anstehenden Gebäudemodernisierungsgesetz – ehemals Gebäudeenergiegesetz und als Heizungsgesetz bekannt – soll der Einbau neuer Gasheizungen wieder erlaubt sein. Wie bereits berichtet, kommen auf die Kunden jedoch langfristig steigende Abgaben für das Gasnetz zu, da dessen Kosten auf immer weniger Schultern verteilt werden.