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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Nur Online Oktober 2021 Industrie,Klima, | 

Der Hambi ist noch da, Lützi bleibt auch

Lützerath: ein gallisches Dorf sagt dem Braunkohleriesen RWE den Kampf an
von Moritz Binzer

40000 Menschen haben bisher für die Braunkohle ihre Dörfer im Rheinland verlassen müssen – damit die größte Dreckschleuder Europas, RWE, weiter CO2 in die Luft pusten darf. Weitere fünf Dörfer sollen noch weichen, das Dorf Lützerath am Rande des Tagebaus Garzweiler in der Nähe von Erkelenz soll als erstes an die Reihe kommen. Doch die Region wehrt sich. Und diesmal stehen alle auf – ein neues Wyhl liegt in der Luft.

Lützerath lebt. Von der ursprünglichen Bewohnerschaft des Dorfes widersetzt sich nur noch der im Dorf ansässige Landwirt Eckhardt Heukamp der Vertreibung. Allerdings war in den letzten Monaten ein nicht enden wollender Zuzug von Neuankömmlingen zu beobachten. Aktivist:innen aus verschiedenen Teilen Deutschlands und anderen Länder haben das Dorf wiederbelebt und errichten die Infrastruktur für die kommende Verteidigung gegen die Räumung. Nach dem Vorbild der französischen Klimabewegung haben sie eine ZAD (Zone à défendre), eine zu verteidigende Zone, ausgerufen.
Lützerath ist das Dorf, das als nächstes den sich in die Landschaft fressenden Baggern zum Opfer fallen soll. Am 1.Oktober beginnt die Rodungssaison, die auch schon im Hambacher Wald den Startschuss für die heiße Phase der Auseinandersetzung markierte. Auch in der Ortschaft Lützerath stehen Bäume, die für die Ausweitung des Kohlelochs Garzweiler gefällt werden müssen und einer Zerstörung der Häuser im Weg stehen.
Ebenfalls nach dem Vorbild des Hambis sind bereits unzählige Bäume mit Baumhäusern bestückt. Vor allem nach «Kultur ohne Kohle» (KuloKo), einem Kultur- und Aktionscamp im August, setzte eine intensive Phase der Neubebauung und -gestaltung des Dorfes ein. Die Atmosphäre eines dauerhaften Klimacamps hat Einzug gehalten. Eine alte Villa im Dorfkern ist wichtigste Anlaufstelle, hier wird jeden Abend für alle gekocht, Möglichkeiten sich einzubringen werden auf Tafeln bekanntgegeben und regelmäßige Treffen organisiert. Auf der dahinterliegende Wiese wurden Hüttenkonstruktionen auf Stelzen installiert, die die Räumung erschweren sollen.
Der letzte Eigentümer von Grund und Boden in Lützerath, Eckhardt Heukamp, soll vermutlich im November enteignet werden. Heukamp wehrt sich weiterhin mit einer Klage dagegen und will das laufende Enteignungsverfahren anfechten. RWE möchte allerdings Tatsachen schaffen, bevor es zu einer Entscheidung im Verfahren über die Enteignung kommt. Deshalb wurde eine vorzeitige Besitzeinweisung beantragt. Dass RWE mit diesem Vorgehen erfolgreich sein wird, gilt als wahrscheinlich, da sich die Gerichte in NRW in den letzten Jahren als treue Erfüllungsgehilfen der Braunkohleindustrie erwiesen haben. Sollte dies der Fall sein, droht der Abriss bereits ab dem 1.November.
In der Zwischenzeit vereint die Klimagerechtigkeitsbewegung ihre Kräfte. Vom 29.9. bis zum 6.10. finden Aktions- und Skillshare-Tage statt. Die Bürgerinitiative «Alle Dörfer bleiben» möchte am 1.10. eine Sitzblockade auf den Straßen in Lützerath abhalten. Das Blockadebündnis «Ende Gelände» mobilisiert unter dem Aufruf «Ende Gelände goes Lützerath» zu einem Bauwochenende und lädt zum Bleiben ein. Und ab dem 1.11. findet das Unräumbar-Festival in Lützerath statt. Eingeladen sind explizit alle Menschen, die sich RWE widersetzen möchten. Für alle Interessierten gibt es Aufgaben und geeignete Aktionsformen. Es werden keine Erfahrungen vorausgesetzt, um sich dem Widerstand anzuschließen.

Nur Online Oktober 2019 Klima,Staat/Parteien, | 

Innenminister Reul unter Druck

Die Räumung des Hambacher Waldes vor einem Jahr holt die Landesregierung von NRW nun ein
von Hanno von Raußendorf *

Im September vor einem Jahr ist auf Betreiben der Landesregierung und im Interesse von RWE eines der größten Polizeiaufgebote in der Geschichte von NRW in den Hambacher Wald eingefallen. Mit schwerem Gerät und Hundertschaften aus dem gesamten Bundesgebiet wurden die etwa 80 Baumhäuser und Hochstände im Wald zerstört und die Waldbesetzung, oft unter Anwendung von Gewalt, vertrieben.

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Nur Online März 2019 Industrie,Klima, | 

Hambi bleibt! Alle Dörfer bleiben!

Der Bericht der Kohlekommission ist kein Kompromiss
von der Redaktion

Wenn die Bundesregierung gehofft hatte, mit der Einrichtung einer Kommission und der Einbindung der Umweltverbände darin könne sie ein Instrument schaffen, das die Auseinandersetzungen um den Braunkohleabbau «befrieden» könne, hat sie sich geschnitten. Dafür hat die Kommission mit der alleinigen Aussicht auf den Erhalt des Hambacher Forsts zu wenig angeboten. weiterlesen

Nur Online Dezember 2018 Klima, | 

Tausende besetzten wieder die Kohlebahn im rheinischen Revier

Pressesprecherin von Ende Gelände berichtet
Interview mit Selma Richter

Auf der Webseite von Ende Gelände erklärt ihr, dass 6500 Menschen am letzten Oktoberwochenende an eurer Aktion im rheinischen Braunkohlerevier teilgenommen haben. Damit war sie die größte Aktion zivilen Ungehorsams, die es bisher im Zusammenhang mit der Braunkohle gegeben hat. Hat euch das nicht überrascht? Schließlich hat es vorher den Entscheid vom Oberverwaltungsgericht gegeben, die Rodungen im Hambacher Forst vorerst zu stoppen. Trotzdem sind so viele gekommen. Wie erklärt ihr euch das?
Wir haben schon damit gerechnet, dass wir in diesem Jahr sehr viele sein werden, weil unser Anliegen durch die Zuspitzung des Konflikts mit RWE und der Landesregierung in den vergangenen Wochen und Monaten sehr viel mediale Aufmerksamkeit bekommen hat, wodurch der Konflikt noch mal deutlicher geworden ist und besser bebildert wurde. weiterlesen

Nur Online November 2018 Klima,Rand Rolf Euler, | 

«Es kommt immer anders…

…wenn man denkt!»
von Rolf Euler

Diesen freundlichen Spruch las ich auf einem T-Shirt eines Mitwanderers bei der Hambach-Kundgebung Anfang Oktober. Den vielen Menschen war sicher auch die Erleichterung über den Spruch des Oberlandesgerichts anzumerken – da war das Original-Zitiat «…als man denkt» ebenfalls berechtigt. weiterlesen

Nur Online November 2018 Klima,Startseite, | 

Ich bin in den drei Jahren ein anderer Mensch geworden

Ein Gespräch mit LUNA, die drei Jahre lang im Hambacher Wald gewohnt hat
Interview mit einer Aktivistin

Ohne die Baumschützer gäbe es den Wald nicht mehr, Antje Grothus wird nicht müde, das immer wieder zu betonen. Grund genug für die SoZ, einmal mit jenen zu sprechen, über die immer wieder gesprochen wurde, die aber selbst in der Öffentlichkeit wenig in Erscheinung getreten sind. weiterlesen

Nur Online November 2018 Klima, | 

Was hat das OVG Münster entschieden?

Das juristische Tauziehen um den Hambacher Wald
von Hanno Raußendorf*

In seinem Eilbeschluss vom 5.10. hat das Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster entschieden, dass die RWE Power AG den Hambacher Wald nicht roden darf, bis über die Klage des BUND (Bund für Umwelt und Naturschutz Deutschland) NRW gegen den Hauptbetriebsplan 2018–2020 für den Braunkohletagebau Hambach entschieden ist. Damit ist der Wald für die Dauer des Verfahrens, geschätzte weitere zwei Jahre, vorläufig gerettet. weiterlesen

Nur Online Oktober 2018 Geschichte,Industrie,Klima, | 

30 Jahre Wackersdorf

Lieber nachvollziehen, als am Mythos stricken – Ein Zeitzeuge erinnert sich
von Theo Völkl

Dieser Tage ist ein Film über den Widerstand gegen die Wideraufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf in den 80er Jahren angelaufen. Letztlich konnte die Anlage verhindert werden, doch war dies nicht allein das Verdienst der Bewegung – es kam viel zusammen. Ein Lehrstück für den Hambacher Forst? weiterlesen

Nur Online Juni 2018 Industrie,Klima,Startseite, | 

Die Herbstaktionen von Ende Gelände

Energieversorgung demokratisieren, Wald und Klima retten
von Robin Herbst*

«Ende Gelände!» wird diesen Herbst mit einer Massenaktion zivilen Ungehorsams den Hambacher Forst im Rheinischen Braunkohlerevier schützen. Der Kampf gegen den Energieriesen RWE wirft die grundsätzliche Frage auf: Wollen wir eine weitere Machtkonzentration von Stromkonzernen – oder eine solidarische Gesellschaft, die ihre Energieversorgung ökologisch, dezentral, demokratisch und für alle bezahlbar gestaltet? weiterlesen

Nur Online Januar 2018 Industrie,Klima, | 

RWE updates: Hambacher Forst bleibt/Goldregen

Vorläufiger Erfolg gegen RWE
dokumentiert

Pünktlich nach dem UN-Klimagipfel Anfang November in Bonn rasselten im Hambacher Forst wieder die Kettensägen, wurden wieder Bäume gefällt, damit noch mehr Braunkohle aus der Erde geholt werden kann. Noch betraf es nicht das besetzte Waldstück, aber die Polizei ging schon wieder mit Pfefferspray gegen die Waldbesetzer vor. Doch dann kam alles anders. Und das liegt daran, dass der BUND gegen das Urteil des Verwaltungsgerichts Köln, das RWE die Fortsetzung der Rodungsarbeiten genehmigt hatte, beim Oberverwaltungsgericht (OVG) Münster in Revision ging – und damit Erfolg hatte. weiterlesen