POLNISCHE PRESSESCHAU 252 vom 08. 02. 2026
Zusammengestellt von Norbert Kollenda
„Ich habe nicht die Absicht auf Knien mit den USA zu sprechen, die eine schlechte internationale Politik machen.“
Während bei uns Politiker durch komplexe Gedankengänge irren, findet der polnische Parlamentspräsident W?odzimierz Czarzasty bei einer Pressekonferenz klare Worte bezüglich Nobelpreis für Trump und dessen „Friedensrat“. Polens Außenminister Rados?aw Sikorski ging zu Beginn seiner Rede bei der Oslo Security Conference mit einem leichten Lächeln auch auf diese Thema ein. Nawrocki ist angetreten die jetzige Regierung unter Tusk mit Hilfe seiner amerikanischen Freunde zu entmachten. Aber jetzt geht die Koalition gestärkt aus diesem Desaster hervor. Es ist aber kein Grund zum Jubel, wenn der extreme Nationalist Grzegorz Braun immer mehr Anhänger gewinnt und das aus der Mitten der Gesellschaft, wie es so schön heißt.
Sejm Marschall reagiert auf Nobelpreis Ansinnen 02. 02. 2026
Bereits als man W?odzimierz Czarzasty am 27. Januar 2026 nach Donald Trumps fataler Äußerung über die NATO-Verbündeten, die in Afghanistan „im Hintergrund standen”, zuhörte, konnte man den Nervenkitzel spüren, der mit einer lang erwarteten Rebellion einhergeht: „Präsident Trump hat sich abfällig über Soldaten anderer Nationen als der USA geäußert, die an den Missionen teilgenommen haben. Das ist eine skandalöse Äußerung.”
Polen beteiligte sich an der Operation(2001) in Afghanistan sowie als Teil der Koalition der Willigen am Irakkrieg (2003). Dabei haben 22 polnische Soldaten ihr Leben verloren und etwa 150 wurden verletzt. Dies war während der Regierungszeit der SLD (Bund der Demokratischen Linken), deren Premier Leszek Miller ehemals Mitglied im Politbüro der PZPR (Polska Zjednoczona Partia Robotnicza, Vereinigte Polnische Arbeiterpartei, bis 1990 Regierungspartei der Volksrepublik Polen) war.
Donald Trump hat wiederholt öffentlich erklärt, dass er den Friedensnobelpreis verdient habe und behauptet, viele Kriege beendet zu haben. Der Vorsitzende der israelischen Knesset, Amir Ohana, und der Vorsitzende des US-Repräsentantenhauses, Mike Johnson, haben Briefe an die Parlamentspräsidenten vieler Länder geschickt, in denen sie um Unterstützung für die Bemühungen des US-Präsidenten bitten. Auch W?odzimierz Czarzasty (auch Vorsitzender der Neuen Linken) hat eine solche Anfrage erhalten.
„Ich werde den Antrag auf den Nobelpreis für Präsident Trump nicht unterstützen, weil er ihn nicht verdient“, fasste der Marschall zusammen.
Er erklärte, dass der Aufbau neuer Plattformen wie des Friedensrats illusorisch sei. „Wir müssen die Europäische Union, die NATO, die UNO, die WHO und uns selbst stärken. Darin liegt unsere Sicherheit. Meiner Meinung nach destabilisiert Präsident Trump die Lage in diesen Organisationen, indem er eine Politik der Stärke vertritt und mit Gewalt eine Transaktionspolitik betreibt. Das ist ein Verstoß gegen Grundsätze, Werte und oft auch gegen das Völkerrecht“, urteilte er und nannte unter anderem Zölle, die Frage Grönlands und die Kritik an den NATO-Verbündeten.
Der Sejm-Marschall gab seine Entscheidung auf einer Pressekonferenz bekannt. Zu Beginn seiner Rede stellte er fest, dass die bisherige internationale Ordnung langsam der Vergangenheit angehört und Europa selbst für seine Sicherheit sorgen sollte, da die USA erklären, dass ihre Präsenz auf dem Alten Kontinent abnehmen wird. „Einige in Polen hoffen, dass dieser Prozess unser Land nicht betreffen wird, dass die Amerikaner ihr Engagement in Europa reduzieren werden, aber nicht in Polen. Das ist Wunschdenken. Wir werden keine Vorposten Trumps sein, wir werden kein unsinkbarer Flugzeugträger der USA sein. Das ist eine illusorische Vorstellung von der besonderen Rolle Polens gegenüber den USA“, so der Sejm-Marschall.
Bei der Pressekonferenz wurde er von Medienvertretern gefragt, ob er nicht negative Reaktionen seitens der USA befürchtet. Darauf erwiderte er: „Mir gefällt es nicht, wie wir als Partner behandelt werden, und ich habe nicht die Absicht auf Knien mit den USA zu sprechen, die eine schlechte internationale Politik machen.“ Polen hätte genug Erfahrungen mit Machthabern und erinnerte an den Überfall der Nazis 1939 und die Rolle der UdSSR nach 1945.
Der US-Botschafter Thomas Rose hat den Abbruch der Kontakte zum Sejm-Marschall W?odzimierz Czarzasty angekündigt. In einem Gespräch mit Onet erklärte Czarzasty, dass dies eine Folge seiner Ablehnung der Kandidatur Donald Trumps für den Friedensnobelpreis sei. Der Vorsitzende der Linken will jedoch nicht nachgeben.
„Herr Botschafter Rose, Verbündete sollten sich gegenseitig respektieren und nicht belehren. Zumindest verstehen wir in Polen Partnerschaft so“, schrieb Donald Tusk auf dem Portal X und wandte sich dabei an den US-Botschafter in Polen. Der Ministerpräsident reagierte damit auf den „Abbruch der Kontakte“ der Vereinigten Staaten zum Sejm-Marschall.
Der Streit zwischen dem Parlamentspräsidenten und dem Botschafter veranlasste Tusk und Sikorski dazu, sich von Trumps Politik zu distanzieren, auch wenn sie „privat” der Meinung sein mögen, dass Czarzasty übertrieben habe. Damit präsentierten sich die Führer der Regierungskoalition als europäische Politiker, die sich nicht von Trump erpressen lassen, der eine Weltordnung auf der Grundlage von Macht, Angst, Interessen und Unterwürfigkeit schafft.
Aus dem Kommentar des Chefredakteurs „Przegl?d” 09. 02. 2026
In der Politik ist es oft so, dass Streitigkeiten zwischen Gegnern beiden Seiten nützen. Doch nicht zurzeit. Den Krieg, den Präsident Nawrocki gegen Marschall Czarzasty geführt hat, hat er bereits verloren. Die Reaktion der Öffentlichkeit ist für ihn überwiegend negativ. Czarzasty, der Nawrocki für seine mangelnde Reaktion auf Trumps Beleidigung polnischer Soldaten und seine Politik der Unterwürfigkeit und Interessenvertretung kritisiert, hat die Unterstützung der Mehrheit der Polen. Der Marschall hat treffend auf ihre Erwartungen reagiert. Es ist an der Zeit, dass jemand aus der ersten Liga den Amerikanern unmissverständlich klar macht, dass wir ein souveränes Land sind und die Polen ein stolzes Volk. Viele hätten das sagen können, haben es aber aus verschiedenen Gründen nicht getan. Es fehlte an Reflexen. Und an Mut.
Der polnische Außenminister Rados?aw Sikorski hielt eine Rede auf der Oslo Security Conference, in der er zu Beginn unter anderem auf die mögliche Verleihung des Friedensnobelpreises an Donald Trump einging. Der polnische Außenminister erklärte, dass er bereit sei, eine solche Kandidatur zu unterstützen, jedoch nur unter einer klar definierten Bedingung, nämlich wenn nachweislich ein Frieden erreicht wird. „Wir Außenminister haben auch das Recht, Kandidaten für den Friedensnobelpreis vorzuschlagen. Ich habe bereits öffentlich erklärt, dass ich dies tun werde, wenn Präsident Trump der Ukraine einen gerechten Frieden garantiert“, verkündete Sikorski. Nach einer kurzen Pause fügte er hinzu, dass er selbst entscheiden werde, „was ein gerechter Frieden ist”, was lautes Gelächter im Saal auslöste.
Die zitierten Äußerungen von Czarzasty könnten auch Einfluss auf Außenminister Rados?aw Sikorski gehabt haben, der auf einer Konferenz in Washington am Mittwoch, dem 4. Februar, tiefgründige und spöttische Fragen zum den Friedensrat und nach dem „Status dieser Organisation nach Ablauf der Amtszeit Donald Trumps und über das Schicksal der Gelder, die von den Ländern, die die Einladung annehmen, an den Rat überwiesen werden sollen”.
Die polnische Rechte unter der Führung ihres derzeitigen Vorsitzenden Nawrocki befindet sich an einem Scheideweg, da ihr Idol Trump selbst für die rechte Wählerschaft akzeptable Grenzen überschreitet. So hat Nawrocki die Koalitionäre nicht zerschlagen, sondern sie sind zusammen gerückt. Darüber hinaus erleidet Trump eine Niederlage nach der anderen. Der Versuch, Minneapolis zu erobern, endete mit einer Flucht nach dem kategorischen Widerstand der öffentlichen Meinung in den Vereinigten Staaten, die über die Tötung von Demonstranten durch die ICE empört war.
Nawrocki in „Friedensrat“ von Trump? OKO.press 05. 02. 2026
Nawrocki dankte Trump für die Einladung und sagte dem Weißen Haus, dass der mögliche Beitritt Polens zur neuen internationalen Organisation ein vollständiges verfassungsmäßiges Verfahren erfordert, d. h. die Zustimmung des Ministerrats in Form einer Resolution und Ratifizierung durch das Parlament. Ein weiterer europäischer politischer Verbündeter Trumps, die italienische Premierministerin Giorgia Meloni, verfolgte eine ähnliche Strategie. Nawrocki erschien bei der Einweihung des Friedensrats als Zuschauer – um „seine politische Unterstützung für Trumps Initiative zu zeigen“, sagte das Büro des Präsidenten. Karol Nawrocki jedoch erwäge, dem Friedensrat im Austausch für die Schaffung einer ständigen Basis amerikanischer Truppen in Polen beizutreten.
Der polnische Außenminister Sikorski erklärte bei einer Pressekonferenz in den USA, dass die Regierung und das Parlament die Frage erörtern werden. Er rate jedem sich erst das ungewöhnliche Statut dieses Rates durchzulesen und die möglichen Konsequenzen zu bedenken. Er verwies darauf Belarus, das beigetreten ist, ein für Polen gegnerisches Land und auch Russland soll beitreten dass weiterhin die Ukraine bombardiert. Was die 1 Milliarde Dollar Beitrag anbelangt, so sind es 3,6 Milliarden PLN. Polen ist finanziell durch den Krieg in der Ukraine belastet. Sollte es um den Wiederaufbau von Gaza gehen, so ist Polen nicht der Verursacher der Zerstörung Gazas. Wenn dann würde es Polen vorziehen direkte Hilfen für den Wiederaufbau von Gaza aus einem humanitären Entwicklungsfond zu leisten.
Nawrocki, Kaczy?ski & Co. an der Leine von Thomas Rose Przegl?d, 09. 02. 2026
Im Kampf gegen die Regierung hat der Präsident nicht nur Kaczy?ski und sein Umfeld, sondern auch den Botschafter der USA Thomas Rose an seiner Seite. Seine Vetos werden gerade dann gelobt, wenn die Regierung nach Vorgaben der EU Gesetze erlässt, wie das Gesetz über Digitale Dienste – Rose und Musk haben ihm gratuliert. Nawrocki kritisiert auch das SAFE Programm, wodurch Polen von der EU 43 Mrd. Euro zur Bewaffnung erhält und der Chef des Sicherheitsstabes gleich erklärte, dass von dem Geld keine Waffen in den USA eingekauft werden.
Nun sickerten Informationen an die Medien durch über ein Treffen Kaczy?ski – Rose. Amerika wäre nicht damit einverstanden, dass die PiS zusammen mit der Konferderacja und Grzegorz Braun startet. Etwas muss dran sein, weil Kaczy?ski mit einem mal erklärt, dass er nicht beabsichtige mit Braun zusammen in den Wahlkampf zu gehen. Die zweite Information betrifft den Chef der Volkspartei PSL W?adys?aw Kosiniak – Kamysz, ihm sollte der Posten des Premiers angeboten werden. Dazu wurde erklärt, die PiS hätte dafür die Unterstützung der USA.
Aber Nawrocki und die PiS haben sich wohl verrechnet. Nur noch 28% der Bevölkerung Polens verteidigt die Politik von Trump, 60% lehnen sie ab, und nur 24% sind der Auffassung, dass die USA die Sicherheit Polens garantieren.
Jetzt hat der Präsident für den 11. Februar den Sicherheitsrat einberufen. Drei Themen hat er genannt: die bereits erwähnten Gelder der EU (43 Milliarden) für Waffenkäufe, die Einladung zum Friedensrat und die Kontakte des Parlamentspräsidenten in den Osten. Dazu erklärte der Innenminister, dass dies ein politisches Spielchen sei, denn natürlich ist der Parlamentspräsident von den entsprechenden Dienststellen überprüft worden. Darauf hat der Parlamentspräsident noch ein Punkt auf die Tagesordnung gebracht: „Klärung der Art der Kontakte von Präsident Karol Nawrocki zu Kreisen von Hooligans und Personen, die mit der organisierten Kriminalität in Verbindung stehen, Klärung seiner früheren Tätigkeit als Sicherheitsbeamter im Hotel Grand”.
Wenn die Katze aus dem Haus… 01. 02. 2026
In der PiS ist die Situation angespannt – der Präses Jaros?aw Kaczy?ski ist in einer Klinik. Wenn der Vorsitzende krank ist, geraten die Fraktionen in der PiS in Aufruhr. Wie die Macher des politischen Hörspiels „Stan Wyj?tkowy” (Ausnahmezustand) erfahren haben wollen, hoffen die Anhänger von Mateusz Morawiecki – in der PiS als „Pfadfinder” bezeichnet – darauf, dass es ihnen gelingt, einen der Anführer der konkurrierenden Fraktion der „Butterhersteller”, Przemys?aw Czarnek, auf ihre Seite zu ziehen. Bislang ist ihnen eines gelungen: Czarnek hat ebenso wie die Pfadfinder erkannt, dass einige Aspekte der Justizreform aus der Zeit der PiS-Regierung fehlgeschlagen sind. Dieser bislang noch schwache gemeinsame Nenner, der auf der Kritik des ungarischen Flüchtigen Zbigniew Ziobro basiert, gibt den „Pfadfindern” jedoch Hoffnung, dass es ihnen gelingen wird, die „Buttermacher” zu spalten und zu zermürben.
Wir beruhigen die Zuschauer, Zuhörer und Leser von „Stan Wyj?tkowy”: Kaczy?ski befindet sich zwar im Krankenhaus, aber es geht ihm gut. Dennoch herrscht in der PiS Nervosität, wie immer, wenn der Vorsitzende gesundheitlich angeschlagen ist. Es gab sogar Gerüchte, dass der Vorsitzende der PiS-Fraktion, Mariusz B?aszczak, ein Konklave einberufen habe. Dieser Eindruck könnte tatsächlich entstanden sein, als zunächst die sensationelle Nachricht verbreitet wurde, dass Kaczy?ski im Krankenhaus gelandet sei, und sich kurz darauf herausstellte, dass sich die Parteiführung unter dem Vorsitz von B?aszczak versammeln sollte.
Braun und seine Anhänger Przegl?d, 09. 02. 2026
Jan Widacki kommentiert: „Wir haben ein Problem, das größer ist als Braun selbst. Dies Problem sind die Leute, denen die Ansichten von Braun gefallen!“
Wie kommt es, dass einer, der kürzlich noch als politischer Clown galt, heute zu einem wichtigen Politiker geworden ist? Viele fragen sich, ob er nach den nächsten Wahlen nicht nur einen Sitz im Sejm bekommt, sondern auch mit der PiS die Regierung bildet und all die fremdenfeindlichen, nationalistischen, antisemitischen, rassistischen und Europa feindlichen Anhänger ins Parlament führt.
Wahr ist aber auch, dass der Staat sich selbst diesen Braun geschaffen hat. Zunächst wurde ihm erlaubt im Gericht in Krakau zu randalieren. Vor den Augen der Polizei und der Justizbeamten hat er den Weihnachtsbaum mit der Aufschrift „Verfassung“ auf den Kugeln aus dem Gericht gezerrt und auf der Straße in Müll geworfen. Keiner ist eingeschritten, niemand hat ihn angeklagt. Am wenigsten ist das den Polizisten vorzuwerfen, wussten sie denn, wie sich der politische Wind dreht und ob sie dann womöglich selbst angeklagt werden?
Aber es ging weiter. Braun wütet im Deutschen Historischen Institut in Warschau und verhindert einen Vortrag über den Holocaust. Die Polizei zeigt sich machtlos. Ob nun seine Aktion mit dem Feuerlöscher im Sejm, seine „Abgeordneten-Intervention“ in einer Gynäkologischen Klinik, seine Behauptung es hätte in Auschwitz keine Gaskammern gegeben…all das sind strafbare Handlungen. Es wurde nicht eingeschritten, er wurde deswegen nie angeklagt!
Und was ist mit all den Leuten, die ihn unterstützen. Woher kommen sie, wer hat sie erzogen, gebildet? Sie wurden gebildet und erzogen durch Schule, die Kirche oder IPN durch eine eingeschränkte, mythologisierte Sicht auf die eigene Geschichte, die sich auf eine Patriotismus reduziert „Polen den Polen!“ Sie sind von ihrer Christlichkeit derart überzeugt, die ihnen keine Probleme bereitet den Nächsten zu verachten und zu hassen.
Neulich berichtete eine Helferin für Geflüchtete aus Krakau: Sie schickte eine Frau aus Gambia zu einem angesehenen, kultivierten und fachlich geachteten Arzt, den sie persönlich kannte. Er hat sich zwar die Frau angesehen, aber dann: „Sie haben zu mir ‚Asphalt‘ geschickt, ich weiß nicht worum es ihr ging. Schicken sie mir nicht noch mal diese oder andere ‚Asphalts!’“ Woher kommt solch eine Verachtung? Im Gegensatz zu diesem Arzt spricht „Asphalt“ fließend französisch und englisch, hat ihn das verunsichert. Zum Glück gibt es in Krakau auch andere Ärzte, der der Frau aus Gambia halfen. Noch gibt es diese Ärzte. Und noch darf man den „Asphalts“ helfen.
Gegen die Fremden konkurrieren:
An die verschiedenen Arten von Konföderierten und PiS-Anhängern, den Gegnern von Einwanderern: Ich verstehe, dass einige von euch sie ersetzen wollen, sei es auf dem Bau oder im Supermarkt. Ihr träumen auch davon, in ein Restaurant Geschirr zu spülen, und die Ehrgeizigeren möchten Kellner werden. Gerne liefert ihr auch Pizza aus, die zum polnischen Nationalgericht geworden sind. Die Arbeit in der Landwirtschaft ist ebenfalls der Traum vieler dieser „Intellektuellen”. Versucht doch mal, mit Einwanderern um diese Arbeitsplätze zu konkurrieren. Ihr sprecht besser Polnisch, also werdet ihr gewinnen.
Polen fördert als einrzigen Land in der EU noch Steinkohle, Polityka, 02. 02. 2026
Tschechien hat nach fast 250 Jahren Abschied vom Steinkohlebergbau genommen. Im Bergwerk CSM in Stonava im Osten des Landes und südlichen Teil des Oberschlesischen Kohlebeckens wurde die symbolische letzte Lore mit Kohle aus einer Tiefe von 1300 Metern an die Oberfläche gebracht. An der offiziellen Abschiedszeremonie nahmen zahlreiche geladene Gäste teil.
„Wir möchten dieses Kapitel würdevoll abschließen. Mit Respekt vor dem Handwerk und Dankbarkeit gegenüber allen, die seit vielen Jahrzehnten zum Wohlstand unseres Landes beitragen.“ Zu diesem Anlass wird ein Bergbauzug durch Ostrava ziehen. In festlicher Kleidung. Es wird keine Trauer geben, sondern Würde und ein wenig Wehmut.
Vor einiger Zeit hat die „Polnische Bergbau-Gruppe“ (PGG) noch damit geprahlt, dass das größte Unternehmen dieser Art in Europa ist. Jetzt liegen sie danieder. Und wenn sich nicht ändert werden noch bis 2049 die Steuerzahler sie am Leben halten müssen.
Polens ehemaliges Justizminister auf der Flucht in Budapest
Polnische Ermittler sind sich sicher: Während seiner achtjährigen Amtszeit lässt sich Justizminister Ziobro einiges zu Schulden kommen. Unter anderem um die Veruntreuung von 35 Millionen Euro geht es. Doch der PiS-Politiker flüchtet ins Ausland und entzieht sich seinem Prozess.
Die Generalstaatsanwaltschaft Polens hat einen Haftbefehl gegen den ehemaligen Justizminister Zbigniew Ziobro erlassen. Das gab die oberste Anklagebehörde am Abend auf der Plattform X bekannt. „Der Grund für diese Entscheidung ist, dass sich der Verdächtige durch Flucht der Strafverfolgung entzogen hat“, hieß es in der Mitteilung.
POLNISCHE PRESSESCHAU 249 vom 04. 01. 2026
Zusammengestellt von Norbert Kollenda
Polnische Stimmen aus einem außenpolitisch verwaisten Land zu Trumps Überfall auf Venezuela
Liebe Leserinnen und Leser!
Eigentlich wollte ich Sie/Euch nicht so schnell wieder mit Informationen „versorgen“. Aber die Spezial-Operation von Trump gegen Venezuela lies mich nach Meinungen in der polnischen Presse suchen.
Zudem sind einige Meinungen zum Jahresbeginn aufgetaucht, die sich da gut einreihen lassen, obwohl sie schon zu Ende Dezember verfasst wurden. Bezeichnend ist die Titelbseite der Polityka:
Die Neujahrsansprache von Präsident Nawrocki als Kampfansage an die andere Hälfte der Bevölkerung
Aggressive Kampagnen der Abtreibungsgegner mit EU Parlamentarier an der Spitze
Arbeitsmarkt und Lohnentwicklung
Trump wie Rambo, nur ohne Verstand (und ohne Kongress)
studioopinii.pl 03. 01. 2026
Am Anfang war ein Knall. Dann ein Krachen. Und dann… Trump. Mit der Anmut eines Nashorns auf Schlittschuhen verkündete er, dass die USA einen „erfolgreichen” Angriff auf Venezuela durchgeführt hätten und Nicolás Maduro und seine Frau wie ein Paar illegal importierter Flamingos gefangen genommen worden seien. Ein blitzschneller Schlag, ohne Vorwarnung, ohne Fragen und, was am interessantesten ist, ohne Zustimmung des Kongresses. Das ist eben traditionelle amerikanische Demokratie auf neue Art – also auf Trump-Art.
Die Operation erinnert an das Drehbuch eines billigen C-Thrillers, nur ohne Budget für Logik. Delta-Force-Truppen tauchten in Caracas auf wie ein Schluckauf nach einem Burrito, schnappten sich den Diktator und flogen davon, wobei sie Feuer, Rauch und Chaos hinterließen. Offiziell: ein Erfolg. Inoffiziell: nun ja, diesen Film haben wir schon einmal gesehen – Afghanistan, Irak, Libyen – immer derselbe Trailer, nur mit einem anderen geografischen Titel.
Venezuela, ein Land, in dem die Inflation schneller steigt als die Wahlergebnisse der PiS im Fernsehsender TV Republika, erwachte am Samstagmorgen umgeben von Explosionen und Motorengeräuschen. Öffentliche Informationen? Keine. Staatsfernsehen? Zeigt weiterhin einen Bericht über die lokale Maniokproduktion. Internet? Kein Strom. Aber Trump weiß Bescheid. Trump weiß immer Bescheid. Er hat schließlich Zugang zur Wahrheit – der Wahrheit von Truth Social.
Experten? Geopolitische Wahrsager. Sie sprechen über Drogen, Banden und Strategien, als hätten sie das Drehbuch von „Narcos“ ausgeliehen und es mit Buntstiften aus dem Pentagon ausgemalt. Prof. Zachara-Szyma?ska vermutet, dass Trump Maduro als Kokainbaron identifiziert – als eine Art Pablo Escobar auf Steroiden. Das Problem ist, dass die Daten der Vereinten Nationen etwas anderes sagen. Aber wenn Trump „Fakten“ hört, denkt er, dass es sich um ein neues Hamburger-Modell handelt.
Warum verspürten die USA erneut das Bedürfnis, ihre Muskeln in einer Region zu spielen, die ohnehin kaum noch atmen kann? Die Antwort ist so einfach wie Trumps Wahlkampfslogan: Es geht um Öl, um Kontrolle, um Machtdemonstration. Russland, das immer wieder von der Moral des Westens überrascht ist, verurteilt die Maßnahmen der USA, denn der Wettbewerb in der Kategorie „Wer ist der größere Heuchler?“ ist noch offen. Unterdessen kehrt Amerika zu seiner guten alten Tradition zurück: Wir werfen alle zehn Jahre ein Land gegen die Wand, um zu zeigen, dass wir es können.
Eines ist sicher: Wir erleben erneut eine Wiederholung der Geschichte. Nur dass es diesmal kein Popcorn gibt. Es herrscht Unruhe, Zynismus und das Bewusstsein, dass in diesem Film der Held nur Schein ist und der Regisseur keine Ahnung hat, wo er die Kamera aufstellen soll.
Eine „neue Ära der Straflosigkeit” beginnt
OKO.press.pl 03. 01. 2026
Die Wahrheit ist, dass der Angriff auf Venezuela einen sehr gefährlichen Präzedenzfall darstellt. Vor allem, weil das Maduro-Regime seit Jahren ausgezeichnete Beziehungen zu China und Russland unterhält, die nun – ermutigt durch Trumps Vorgehen – seinem Beispiel folgen könnten. Viele Experten betonen, dass Washington mit dem Angriff auf Venezuela die alte Monroe-Doktrin wiederbelebt, die im 19. Jahrhundert eine Ära des amerikanischen Interventionismus in Lateinamerika einläutete (zuletzt gegen den bereits erwähnten Noriega, den Diktator von Panama). Heute wird sie scherzhaft als Donroe-Doktrin (nach dem Namen des US-Präsidenten).
Polnische Politiker
onet.pl 04. 01. 2026
Der Angriff der USA auf Venezuela löste eine Welle von Kommentaren polnischer Politiker aus, die die nächtlichen Luftangriffe der US-Streitkräfte auf Caracas mit Besorgnis analysieren. „Wir haben es mit einem Angriff der amerikanischen Streitkräfte auf die Hauptstadt Venezuelas, Caracas, zu tun. Tatsächlich beginnt das Jahr 2026 mit einem Paukenschlag. Es wird noch Zeit für eine Analyse kommen, wie sich dies auf die Lage in unserer Region auswirken wird. Ein Ereignis wie der heutige Angriff der USA auf Venezuela hat Auswirkungen auf die ganze Welt, daher werden wir reagieren und uns auf diese neue Situation vorbereiten“, sagte Ministerpräsident DonaldTusk am Samstagmorgen.
Auch der Verteidigungsminister W?adys?aw Kosiniak-Kamysz reagierte auf die Ereignisse in der westlichen Hemisphäre: „Unsere Dienste analysieren eingehend die Entwicklungen nach den nächtlichen Angriffen der US-Streitkräfte in der Hauptstadt Venezuelas. Ich habe auch das Ministerium für Militärische Auswärtige Angelegenheiten des Verteidigungsministeriums und die Vertreter unserer Militärattachés in den Ländern Nord- und Südamerikas um aktuelle Analysen gebeten”, schrieb er auf der Website X.
Polityka.pl
„Das Hauptziel der sensationellen Entführung Maduros und seiner Frau sowie der geplanten Besetzung Venezuelas ist weniger die Wiederherstellung der Demokratie als vielmehr die Übernahme der Kontrolle über die riesigen venezolanischen Ölvorkommen durch die USA. Und dieser Wahnsinn hat Methode.
Die Maßnahmen der Trump-Regierung, die im Widerspruch zu seinen früheren Zusicherungen stehen, dass er keinen „Regimewechsel” in Venezuela plane, könnten vorerst schwer vorhersehbare, aber schwerwiegende Auswirkungen auf internationaler Ebene haben. Die demokratische Opposition in den USA warnt, dass diese Auswirkungen für Amerika nicht vorteilhaft sein werden“, schreibt Tomasz Zalewski aus Washington.
Eine kriegerische Weihnachtsansprache des Präsidenten
Przegl?d, 05.01. 2026
Kommentiert der Chefredakteur: „Die Polen erinnern sich an viele Neujahrsansprachen der verschiedenen Präsidenten. Aber noch nie ist in der Silvesternacht ein Politiker aufgetreten, der einen Krieg gegen die Regierung angekündigt hat. Und damit gegen diejenigen, die die derzeitige Koalition gewählt haben. Eine so konfrontative und gleichzeitig gedankenleere Rede hat es noch nie gegeben. Die Botschaft vor der Silvesterfeier war so simpel wie eine Hooligan-Schlägerei. Er kündigte einen totalen Krieg an.
Wieder einmal zeigte Nawrocki seine geballte Faust als Programm für Polen. In seinen Äußerungen kehrt wie ein Mantra die falsche Geschichte über die Präsidentschaftswahlen zurück. Nawrocki glaubt offensichtlich, dass eine hundertmal wiederholte Lüge zur Wahrheit wird. Nichts könnte falscher sein.
Die Kreise, deren Idol er ist, sind begeistert von der einfachen Sprache des Präsidenten und seinen protzigen Fußballfan-Jacken, aber glücklicherweise ändert das nichts an den Fakten. Und die sind dieselben wie vor einem halben Jahr.
Nawrocki gewann gegen Trzaskowski mit einem sehr knappen Vorsprung von 10 Millionen Wählern gegen 10 Millionen Wähler. Sein Vorgänger Duda gab zumindest vor Präsident aller Polen zu sein.“ Die andere Hälfte der Polen, die ihn nicht gewählt haben, werden sicher froh sein, dass ihre Entscheidung richtig war.
Mitglieder aus dem Präsidialamt fliegen regelmäßig in die USA und im Weißen Haus werden wohl die Aktenschränke schon voll sein mit Denunziationen über Tusk, die detailliert dokumentieren was Tusk wann und wo über Trump gesagt hat/haben soll. Nawrockis angebliche Sorge um das einfache Volk lässt nicht erklären, warum er über die inzwischen rekordverdächtigen Ausgaben um sein Büro weitere Millionen verlangt.
Diese werden dann dazu genutzt um zu integrieren und das was noch im Staat funktioniert zu zerstören. Seine Beamten sollten anstatt den Sand in das Getriebe des Staates zu streuen besser den Sand um den Palast streuen, das ist gesünder und vernünftiger.
In einem anschließenden Artikel schreibt Robert Walenciak, dass die Auseinandersetzungen Nawrocki – Tusk auch einen äußeren Mitspieler haben, nämlich Trump. Sein Ziel ist es die EU auseinander zu schlagen und da braucht er solche Leute wie Nawrocki. Er mischt sich in interne Angelegenheiten Polens ein, indem er statt den Premier, den er nicht leiden kann, Nawrocki bevorzugt. So hat während des Gespräches am 28. Dezember mit Selenskyj eine Videokonferenz den europäischen Vertretern stattgefunden. Kurzfristig haben die Amerikaner Nawrocki dazu eingeladen, obwohl nicht der Präsident, sondern der Premier der entsprechende Ansprechpartner ist, der auch an vorhergehenden Gesprächen auf Europaebene teilgenommen hat.
Ein Jahr der Wende?
fragt der Chefredakteur der Polityka, 01. 01. 2026
Je mehr wir uns dem Jahr 2026 nähern, desto deutlicher kommt Trump in den Focus. Der US-Präsident hat die Weltpolitik in besonderer Weise dominiert; seit er vor einem Jahr die Macht übernommen hat, „verhöhnt, verwirrt und verängstigt er”.
Seine Unberechenbarkeit, Impulsivität und sein Größenwahn sind zu einem großen globalen Problem geworden. In den letzten Jahrzehnten lebten wir, ohne uns dessen immer bewusst zu sein, im Schatten oder – wie man es auch nennen mag – im Glanz Amerikas als Zentrum der freien Welt, der westlichen Zivilisation, des technologischen Fortschritts, der Demokratie, der Menschenrechte und anderer hoher Werte, die Donald Trump einfach als Bullshit betrachtet.
Im Jahr 2025 haben wir Amerika aus unseren Überzeugungen und den Kinomythen von der „Stadt auf dem Berge” verloren. Donald Trump ist das Gesicht des neuen großspurigen, arroganten, geschäftstüchtigen Amerikas – vielleicht insofern nicht neu, als es an die alten sowjetischen Karikaturen von Uncle Sam erinnert, dem rücksichtslosen Kapitalisten (damals unbedingt mit Zigarre), der die Kleinen – Menschen und Nationen – mit Füßen tritt und ausbeutet.
Formal gesehen ist Trump immer noch unser Verbündeter, ein Freund des schönen Polens und seines großartigen Präsidenten Duda, also Nawrocki, aber wahrscheinlich hat auch „Na?roki”*verstanden, dass er keinen Einfluss darauf haben wird, wie Trump sich mit Putin in der Ukraine-Frage einigen wird.
Wir befürchten, dass er sie (zusammen mit unserer Sicherheit) gegen lukrative Geschäfte, auch für sich selbst und seine Familie, eintauschen könnte. Wir haben in diesem ersten Jahr der „neuen Ära” (1 a.T. – first after Trump) gesehen, dass, wenn der US-Präsident in diesem Teil der Welt noch jemandem etwas bedeutet, dann – sehr widerwillig – „Europa”, das so reich ist, dass man mit ihm verschiedene Geschäfte machen kann, z. B. ihm Waffen für die Ukraine verkaufen.
Die Ethik und Politik eines Handelsreisenden. Der Präsident der USA erkennt die Europäische Union nicht an, respektiert sie nicht. Und so wurden wir in der transatlantischen Familie plötzlich zu Halbwaisen.
(*Trump hat so den Namen ausgesprochen und Nawrocki hat ihm beigepflichtet, dass es richtig sei – so hat er seinen „Shitstrom“ selbst generiert Anm. N.K.)
Das Jahr 2026 könnte eine Korrektur bringen. Das Pendel ist zu schnell und zu weit von links nach rechts ausgeschlagen. In Amerika könnten die Zwischenwahlen zum Kongress den Republikanern die Mehrheit nehmen; die Unterstützung für Trump ist auf 36 Prozent gesunken.
Die Europäische Union hat bereits eine Selbstkorrektur vorgenommen, indem sie ihre ehrgeizigen Klimaziele reduziert, ihre Migrationspolitik verschärft und die finanzielle Belastung für die Hilfe für die Ukraine und die Aufrüstung für den Fall eines russischen Angriffs und der Passivität der USA auf sich genommen hat.
In Polen bestätigen der Anstieg der Umfragewerte der KO und die Krise in der PiS den Stimmungswandel nach den Wahlen. Und Braun mobilisiert die ehemalige Wählerschaft vom 15. Oktober, um eine einheitliche Widerstandsfront gegen die Verrücktheiten der Rechten zu bilden.
Auch aus dem heute vor Stolz überfließenden Nawrocki wird die Luft entweichen. In der polnischen, europäischen und globalen Politik verspricht das Jahr 2026 ein Übergangsjahr zu werden, eine Korrektur gegenüber 2025. Vieles deutet darauf hin, dass die Korrekturen in Richtung Realismus und Vernunft gehen werden. Hoffen wir es! Im zweiten Jahr der Ära Trump (2 a.T.) ist noch alles möglich – sogar eine Veränderung zum Besseren.
Überschrift eines Artikels in der Polityka: Trumps Überspannung. Eine Überspannung ist laut Wörterbuch ein plötzlicher, kurzzeitiger Spannungsanstieg im Stromnetz, der Geräte oder sogar das lokale System beschädigen kann. Das Phänomen wird durch atmosphärische Entladungen, interne Störungen – oder Donald Trump verursacht.
Eskalation der Abtreibungsgegner
Polityka, 01. 01. 2026
Fundamentalistische Gruppen verkünden einen großen Erfolg. Die Gynäkologin Gizela Jagielska der Klinik in Ole?nica wurde entlassen ebenso ihr Mann, der Abteilungsleiter in dem Krankenhaus war. Gizela Jagielska war eine der wenigen Spezialistinnen in Polen, die legale Schwangerschaftsabbrüche durchführte. Die Atmosphäre um die dortigen Klinik hat sich immer weiter zugespitzt. Im Jahr 2025 betrat der EU Parlamentarier Grzegorz Braun mit weiteren Personen die Klinik und behinderte die Gynäkologin ihre Arbeit auszuführen. Sie wurde von seinen Leuten einige Stunden festgehalten, sodass die Abteilung ohne ärztlicher Aufsicht war.
Die Klinik scheint dem Druck von Außen nicht gewachsen zu sein. Jetzt ist ein Trailer eines Filmes bekannt geworden, von dem die Autorin meint, da würde ganz Polen zu sehen bekommen, was Jagielska hinter verschlossenen Türen mit den ungeborenen Kindern anstellt. Es geht dabei auch um Abbrüche in einer fortgeschrittenen Schwangerschaftswoche, bei der die Schwangere widersprüchliche Auskünfte über die Schwere der Schäden am Fötus erhielt. Vor der Klinik in Ole?nica finden weiter Kundgebungen mit Bildern blutiger Föten statt und Rosenkranzgebeten. Inzwischen haben sich die Abtreibungsgegner ein weiteres Krankenhaus, das des Heiligen Wojciech in Danzig, als Ziel auserkoren.
Arbeitsmarkt in Polen – Löhne steigen, aber auch die Ungleichheit
Polityka, 01.01. 2026
Im öffentlichen Bereich verdienen die Bergarbeiter am meisten, im privaten Sektor Informatiker. Der private Sektor modernisiert sich im hohen Tempo, der Staat – kaum.
Die Angaben des Nationalen Amtes für Statistik (GUS) sind optimistisch – die Durchschnittsverdienste stiegen schneller als die Preise und die Anzahl der freien Stellen ist größer als die der Arbeitssuchenden. Allerdings beziehen sich diese Angaben auf die 6,5 Millionen Beschäftigte, aus dem Sektor, der mehr als 9 Beschäftigte hat. Insgesamt gibt es aber 10 Millionen mehr Beschäftigte in kleinen Firmen.
Von den 6,5 Millionen Beschäftigten liegen die Durchschnittslöhne Brutto bei umgerechnet 2.100 € allerdings bekommen nur 30% dieser Beschäftigten den Durchschnittslohn oder mehr. Der Durchschnittslohn stieg im Jahr um 9,7%.
In den Firmen mit weniger als 9 Beschäftigten lag der Durchschnittslohn bei 1.110 €, also im Bereich des Mindestlohns. Wobei nicht die 1,5 Millionen Beschäftigten berücksichtigt sind, die sich als „Selbstständig“ bezeichnen oder die 1,2 Millionen, die nur Zeitarbeitsverträge haben. Für die meisten Beschäftigten liegt der Durchschnittslohn im Bereich der Träume.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem staatlichen und privaten Sektor. Im staatlichen Sektor verdienen die Bergarbeiter 3.500 € (in privaten Bergwerk 2.800 €). Im staatlichen Sektor verdienen Informatiker mit 2.700 € am meisten. Auch im Energiebereich, der staatlich ist, werden hohe Löhne gezahlt. Sollte die Energiepreise eingefroren werden, so werden sie vom Staat subventioniert. Im öffentlichen Sektor lag der Durchschnittslohn bei 2.000 und im privaten bei 1.500 €.
Der Arbeitsmarkt hat sich im Vergleich zum Vorjahr für die Arbeitssuchenden verschlechtert. War es 2024 noch möglich verhältnismäßig schnell die Arbeit zu wechsel, um besser zu verdienen ist es 2025 nicht mehr an dem.
Davon sind besonders Frauen betroffen. Unter den Arbeitssuchenden haben Männer mit Grundschulbildung die besten Chancen. Etwas schlechter sieht es für diejenigen mit Abitur und am schlechtesten diejenigen mit Hochschulabschluss aus, die im Durchschnitt fast ein halbes Jahr lang nach Arbeit suchen müssen.
Auch die Frustration der Arbeitnehmer wächst. Bis zu 23,5 % der 27- bis 34-Jährigen beklagen sich darüber, dass sie unter ihren Qualifikationen arbeiten. Der PIE-Bericht nennt als einen der Gründe dafür die Tatsache, dass bei uns bis zu 63 % der jungen Menschen (16-24 Jahre) nur über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen, was unter dem EU-Durchschnitt liegt.
Schlechter als wir sind nur junge Italiener und Rumänen, während uns die Finnen und Tschechen weit überlegen sind. Agnieszka Wójcik von der Firma Antal fügt hinzu, dass Hochschulabschlüsse nichts mehr über die von Arbeitgebern gesuchten Kompetenzen aussagen und daher nicht mehr berücksichtigt werden.
Was zählt, ist, ob der Bewerber über diese Kompetenzen verfügt, und nicht, wie er sie erworben hat. Der aktuelle Arbeitsmarkt ist wieder einmal ungünstig für junge Menschen geworden. Nicht selten werden Bewerber für sogenannte Junior-Positionen nicht mehr angenommen, da Unternehmen Mitarbeiter mit mehrjähriger Erfahrung suchen.
Die sinkende Inflation hatte keinen Einfluss auf die Gehaltserhöhungen für Top-Manager, die im vergangenen Jahr beeindruckend waren (durchschnittlich ca. 18 %). Darüber hinaus erwarten 68 % von ihnen weitere Erhöhungen in diesem Jahr.
Laut Antal liegen ihre Gehälter nur um einige Prozent unter denen ihrer Kollegen in Deutschland und entsprechen denen in Tschechien oder der Slowakei. Die Führungskräfte der am besten zahlenden Unternehmen erhalten monatlich 8.700 € ohne Prämien. Die Prämien sind manchmal um ein Vielfaches höher als das Grundgehalt. Nach dem gleichen Prinzip werden die Mitglieder der Geschäftsleitung bezahlt, deren derzeitiges Grundgehalt 14.000 € übersteigt.
Die Gehälter der bestbezahlten Geschäftsführer werden wir in einigen Monaten aus den Unternehmensberichten erfahren. Es ist nicht auszuschließen, dass Rafa? Brzoska von InPost, der bereits für das Jahr 2024 ein Gehalt in Höhe von 5 Mill. € erhielt, weiterhin an der Spitze stehen wird. Er ist wohl nach wie vor die Nummer eins auf der polnischen Gehaltsliste.
Polnische Presseschau 248 vom 28.12.2025
zusammengestellt von Norbert Kollenda
Liebe Leserinnen und Leser,
mit den Zeitschriften „Polityka“ und „Przeglad“ gibt es in dieser Ausgabe einen Rückblick auf das auslaufende Jahr. Darüber hinaus geht es erneut um den Zustand der unterschiedlichen linken Strömungen in Polen sowie um die Dreistigkeit, mit der während der PiS-Regierung kriminelle Machenschaften durchgeführt und verschleiert wurden – hier unter dem Deckmantel eines angeblichen geistlichen Ordens, dort über einen Verband vermeintlicher „Hochschulen“. [Norbert Kollenda]
weiterlesenPolnische Presseschau 247 vom 15.12.2025
zusammengestellt von Norbert Kollenda
Die politische und gesellschaftliche Lage in Polen bleibt angespannt. In dieser Ausgabe reicht die Spannbreite von den Strategien der Neuen Linken über historische und aktuelle Konflikte innerhalb des Staates bis hin zu tief sitzenden Strukturproblemen – etwa im Bergbau oder in der politischen Kultur der Regierungskoalition. Gleichzeitig zeigen die Berichte über den Umgang mit staatlichen Geldern in kirchennahen Institutionen und die Ermittlungen gegen Pater Rydzyk, wie eng politische Macht, Ideologie und öffentliche Ressourcen weiterhin verflochten sind. Die polnisch-europäischen Beziehungen, die Erinnerungspolitik und die Frage nach demokratischer Stabilität ziehen sich wie ein roter Faden durch die Beiträge dieser Woche. [d. Red.]
weiterlesenPolnische Presseschau 246 vom 26.11.2025
zusammengestellt von Norbert Kollenda
Diese Ausgabe blickt auf die angespannte Lage im polnischen Gesundheitswesen, die Krystyna Ptok klar benennt. Ein Schülervertreter schildert die Irrwege und ständigen Richtungswechsel im Bildungssystem. Im politischen Bereich stehen die wachsenden Spannungen zwischen Premierminister Tusk und Präsident Nawrocki im Mittelpunkt – sichtbar auch am polnischen Unabhängigkeitstag am 11. November, den Teile der Rechten zunehmend als Kampftag instrumentalisieren, mit Nawrocki an der Spitze. Thematisiert werden zudem neue Untersuchungen zu den polnisch-deutschen Beziehungen, einschließlich der von der PiS geschürten Angst, Wroclaw könne „germanisiert“ werden. Ein Rückblick erinnert an den historischen Brief der polnischen Bischöfe an die deutschen Bischöfe vom 18. November 1965 („Wir verzeihen und bitten um Verzeihung“) und an die aktuelle Diskussion darüber. Abschließend geht es um die Ernennung von Grzegorz Rys zum neuen Erzbischof von Krakau. (Norbert Kollenda)
weiterlesenPolnische Presseschau 245 vom 09.11.2025
zusammengestellt von Norbert Kollenda
Liebe Leserinnen und Leser,
in dieser Ausgabe geht es um Verbrechen und Verbrecher – und um es mit Wladyslaw Frasyniuk zu sagen: Es geht nicht um politische Korrektheit, sondern darum, die Dinge beim Namen zu nennen. Zum einen um die Verbrechen an der polnisch-belarussischen Grenze, die vom Staat gebilligt wurden und unter der neuen Regierung sogar noch verschärft wurden.
Zum anderen um den ehemaligen Justizminister und Generalstaatsanwalt Zbigniew Ziobro, der sich offenbar derzeit bei Viktor Orbán versteckt. In seiner Amtszeit hat er nicht nur die Rechtsstaatlichkeit ad absurdum geführt, sondern sich nach Auffassung der Ermittler auch krimineller Strukturen bedient. Und schließlich geht es um Papst Johannes Paul II., der nach neuen, bislang unter Verschluss gehaltenen Briefen wissentlich Täter und Verbrechen an wehrlosen Kindern gedeckt hat.
Polnische Presseschau 244 vom 27.10.2025
zusammengestellt von Norbert Kollenda
Ein einfaches Manifest, das auch acht Jahre später nichts an Aktualität verloren hat – und ein Premier, der die Menschenrechtskonvention „aufweichen“ will. Der neue Armutsbericht zeigt alarmierende Zahlen, während Jaroslaw Kaczynski zunehmend in einer eigenen Welt zu leben scheint. Wieder einmal werden Geflüchtete zum Sündenbock gemacht, die Jugend stellt sich hinter Präsident Nawrocki, und der Steinkohlebergbau steckt weiter in der Krise. Außerdem: Womit sich die polnische Bischofskonferenz befasst hat. [Norbert Kollenda]
weiterlesenPolnische Presseschau 243 vom 13.10.2025
zusammengestellt von Norbert Kollenda
Von Koalitionsintrigen bis zur Nord-Stream-Affäre – die polnische Presse blickt dieser Tage auf eine Regierung unter Druck. Während Tusk an Rückhalt verliert, liefern Justizminister Zurek, Angela Merkels Interview und der Fall Wolodymyr Z. neuen Zündstoff für politische und mediale Konflikte. [d. Red.]
weiterlesenPolnische Presseschau 242 vom 27.09.2025
zusammengestellt von Norbert Kollenda
Liebe Leserinnen und Leser,
Polen ist geprägt von enttäuschten Wählerinnen und Wählern – jenen, die einst der „Koalition vom 15. Oktober“ zum Sieg verholfen haben. Die Gründe liegen, wie ein Kommentator der Polityka es nannte, in den „zyklischen Rollen rückwärts“ der Regierung. Die versprochene Straffreiheit für Abtreibung wird von Parlamentspräsident Holownia verschoben, das 800+-Kindergeld für Geflüchtete von Präsidentschaftskandidat Trzaskowski infrage gestellt. Premier Tusk bestätigt den Schießbefehl an der belarussischen Grenze, und das Unterrichtsfach Gesundheit wurde schon im Voraus als freiwillig deklariert – ein weiterer Sieg für PiS und die Bischöfe. (Norbert Kollenda)
weiterlesenPolnische Presseschau 241 vom 14.09.2025
zusammengestellt von Norbert Kollenda
Liebe Leserinnen und Leser!
Die jüngsten Drohneneinsätze auf polnischem Gebiet haben für Aufsehen gesorgt. Ich habe verschiedene Kommentare in den Medien dazu gesichtet – eine Auswahl davon lesen Sie in dieser Presseschau. (Norbert Kollenda)
Polnische Presseschau 240 vom 07.09.2025
zusammengestellt von Norbert Kollenda
Liebe Leserinnen und Leser,
das Aufenthaltsrecht für Ukrainer:innen wird derzeit mit Sozialabbau verknüpft – und Präsident Nawrocki gießt zusätzlich Öl ins Feuer. Außerdem gehen wir in dieser Ausgabe der Frage nach, warum die polnische Rechte die USA und vor allem Donald Trump so sehr bewundert, und kommentieren den jüngsten Aufenthalt Nawrockis bei Trump. Ebenfalls im Fokus: die große Waffenschau in Kielce, an der auch Firmen aus Israel beteiligt waren – sie rief Proteste und eine Anzeige bei der Polizei hervor. Und schließlich: die „Fünf Gerechten von Hajnówka“ stehen erneut vor Gericht – diesmal als vermeintliche Fluchthelfer. (Norbert Kollenda)
Polnische Presseschau 239 vom 25.08.2025
zusammengestellt von Norbert Kollenda
Mit dem neuen Präsidenten stehen erste Kämpfe zwischen Staatsoberhaupt und Regierung bevor. Zugleich wird positiv auf die Bindungen der PiS an die Bischöfe verwiesen, verbunden mit Erinnerungen an deren versöhnliche Haltung gegenüber den Deutschen 1965. Heute wiederum richten sich Bischöfe gegen die Einführung eines neuen Unterrichtsfachs. (Norbert Kollenda)
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