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Soziales 1. Januar 2026

Tarifauseinandersetzungen, Pendlerpauschale und soziale Ungleichheit
von wop

Kurz nach Redaktionsschluss haben die Verhandlungen für den öffentlichen Dienst der Länder begonnen. Ver.di und die GEW fordern 7 Prozent mehr Einkommen – mindestens monatlich 300 Euro. Die Ausbildungsvergütung soll um 200 Euro steigen und die Laufzeit des Tarifvertrags auf zwölf Monate beschränkt werden.

Außerdem wird die unbefristete Übernahme nach erfolgreicher Ausbildung und die Erhöhung aller Zeitzuschläge gefordert. Die Ver.di-Betriebsgruppe an der Freien Universität Berlin hatte 600 Euro für alle gefordert und dies auf ihrer Homepage veröffentlicht. Diese wurde daraufhin von der Berliner Fachbereichsleitung abgeschaltet, die sich zudem durch eine antimilitaristische Resolution gestört fühlte.

Insgesamt stehen 2026 deutlich mehr Tarifauseinandersetzungen als im Vorjahr an. Nach Angaben der Hans-Böckler-Stiftung laufen bis zum November 2026 Entgelttarifverträge für deutlich über 10 Millionen Beschäftigte aus. Anfang des Jahres starten auch die Verhandlungen der nicht zum DGB gehörenden Gewerkschaft der Lokführer (GdL).
Im österreichischen Einzelhandel wurde hingegen bereits Ende November abgeschlossen. 2,55 Prozent ab Anfang 2026 wurden ausgehandelt. Damit liege der Abschluss zum dritten Mal in Folge unter der dortigen Inflationsrate von 3 Prozent, so der Sender ORF.

Derweil gilt auch beim Nachbarn: Wer hat, dem wird gegeben. Der dortige Pendlereuro soll verdreifacht werden. Den Staat wird das nach Angaben des Verkehrsclubs Österreichs (VCÖ) 700 Millionen Euro kosten. Da diese Subvention ein Steuernachlass ist, profitieren vor allem die Besserverdienenden. Die 20 Prozent mit dem niedrigsten Einkommen werden von der Gesamtsumme 20 Millionen Euro erhalten, die oberen 20 Prozent hingegen 250 Millionen Euro, so der VCÖ.
Hierzulande soll die Pendlerpauschale ebenfalls erhöht werden. Wie in Österreich wird das ein kleines Geschenk für die Besserverdienenden und natürlich eine Einladung an sie, in die Speckgürtel der Metropolen zu ziehen, unnötigen Verkehr zu verursachen und die Städte ihrer Steuereinnahmen zu berauben.

Nach Angaben des Statistischen Bundesamts beträgt die hiesige Inflation derzeit 2,3 Prozent. Berechnet wird diese anhand eines Warenkorbs, in dem im übertragenen Sinne 700 Güter und Dienstleistungen liegen. Nahrungsmittel gehen darin mit einem Gewicht von etwas mehr als 10 Prozent ein. Da diese sich aber in den letzten Jahren überdurchschnittlich verteuert haben, erklärt sich, weshalb die »gefühlte Inflation« für Menschen in den unteren und mittleren Einkommensgruppen deutlich höher liegt. Diese geben nämlich verglichen mit den besonders Wohlhabenden einen größeren Teil ihres Einkommens fürs Essen aus.
Kürzlich hatte eine Studie der Europäischen Zentralbank ergeben, dass die Fleischpreise seit 2019 um mehr als 30 Prozent, die Milchpreise um rund 40 und die Butterpreise sogar um 50 Prozent zugelegt haben. Da wundert es nicht, dass das DGB-nahe Wirtschafts- und Sozialwissenschaftliche Institut eine wachsende soziale Ungleichheit im Lande feststellt.

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