Zusammengestellt von Norbert Kollenda
Polnische Stimmen aus einem außenpolitisch verwaisten Land zu Trumps Überfall auf Venezuela
Liebe Leserinnen und Leser!
Eigentlich wollte ich Sie/Euch nicht so schnell wieder mit Informationen „versorgen“. Aber die Spezial-Operation von Trump gegen Venezuela lies mich nach Meinungen in der polnischen Presse suchen.
Zudem sind einige Meinungen zum Jahresbeginn aufgetaucht, die sich da gut einreihen lassen, obwohl sie schon zu Ende Dezember verfasst wurden. Bezeichnend ist die Titelbseite der Polityka:
Die Neujahrsansprache von Präsident Nawrocki als Kampfansage an die andere Hälfte der Bevölkerung
Aggressive Kampagnen der Abtreibungsgegner mit EU Parlamentarier an der Spitze
Arbeitsmarkt und Lohnentwicklung
Trump wie Rambo, nur ohne Verstand (und ohne Kongress)
studioopinii.pl 03. 01. 2026
Am Anfang war ein Knall. Dann ein Krachen. Und dann… Trump. Mit der Anmut eines Nashorns auf Schlittschuhen verkündete er, dass die USA einen „erfolgreichen” Angriff auf Venezuela durchgeführt hätten und Nicolás Maduro und seine Frau wie ein Paar illegal importierter Flamingos gefangen genommen worden seien. Ein blitzschneller Schlag, ohne Vorwarnung, ohne Fragen und, was am interessantesten ist, ohne Zustimmung des Kongresses. Das ist eben traditionelle amerikanische Demokratie auf neue Art – also auf Trump-Art.
Die Operation erinnert an das Drehbuch eines billigen C-Thrillers, nur ohne Budget für Logik. Delta-Force-Truppen tauchten in Caracas auf wie ein Schluckauf nach einem Burrito, schnappten sich den Diktator und flogen davon, wobei sie Feuer, Rauch und Chaos hinterließen. Offiziell: ein Erfolg. Inoffiziell: nun ja, diesen Film haben wir schon einmal gesehen – Afghanistan, Irak, Libyen – immer derselbe Trailer, nur mit einem anderen geografischen Titel.
Venezuela, ein Land, in dem die Inflation schneller steigt als die Wahlergebnisse der PiS im Fernsehsender TV Republika, erwachte am Samstagmorgen umgeben von Explosionen und Motorengeräuschen. Öffentliche Informationen? Keine. Staatsfernsehen? Zeigt weiterhin einen Bericht über die lokale Maniokproduktion. Internet? Kein Strom. Aber Trump weiß Bescheid. Trump weiß immer Bescheid. Er hat schließlich Zugang zur Wahrheit – der Wahrheit von Truth Social.
Experten? Geopolitische Wahrsager. Sie sprechen über Drogen, Banden und Strategien, als hätten sie das Drehbuch von „Narcos“ ausgeliehen und es mit Buntstiften aus dem Pentagon ausgemalt. Prof. Zachara-Szyma?ska vermutet, dass Trump Maduro als Kokainbaron identifiziert – als eine Art Pablo Escobar auf Steroiden. Das Problem ist, dass die Daten der Vereinten Nationen etwas anderes sagen. Aber wenn Trump „Fakten“ hört, denkt er, dass es sich um ein neues Hamburger-Modell handelt.
Warum verspürten die USA erneut das Bedürfnis, ihre Muskeln in einer Region zu spielen, die ohnehin kaum noch atmen kann? Die Antwort ist so einfach wie Trumps Wahlkampfslogan: Es geht um Öl, um Kontrolle, um Machtdemonstration. Russland, das immer wieder von der Moral des Westens überrascht ist, verurteilt die Maßnahmen der USA, denn der Wettbewerb in der Kategorie „Wer ist der größere Heuchler?“ ist noch offen. Unterdessen kehrt Amerika zu seiner guten alten Tradition zurück: Wir werfen alle zehn Jahre ein Land gegen die Wand, um zu zeigen, dass wir es können.
Eines ist sicher: Wir erleben erneut eine Wiederholung der Geschichte. Nur dass es diesmal kein Popcorn gibt. Es herrscht Unruhe, Zynismus und das Bewusstsein, dass in diesem Film der Held nur Schein ist und der Regisseur keine Ahnung hat, wo er die Kamera aufstellen soll.
Eine „neue Ära der Straflosigkeit” beginnt
OKO.press.pl 03. 01. 2026
Die Wahrheit ist, dass der Angriff auf Venezuela einen sehr gefährlichen Präzedenzfall darstellt. Vor allem, weil das Maduro-Regime seit Jahren ausgezeichnete Beziehungen zu China und Russland unterhält, die nun – ermutigt durch Trumps Vorgehen – seinem Beispiel folgen könnten. Viele Experten betonen, dass Washington mit dem Angriff auf Venezuela die alte Monroe-Doktrin wiederbelebt, die im 19. Jahrhundert eine Ära des amerikanischen Interventionismus in Lateinamerika einläutete (zuletzt gegen den bereits erwähnten Noriega, den Diktator von Panama). Heute wird sie scherzhaft als Donroe-Doktrin (nach dem Namen des US-Präsidenten).
Polnische Politiker
onet.pl 04. 01. 2026
Der Angriff der USA auf Venezuela löste eine Welle von Kommentaren polnischer Politiker aus, die die nächtlichen Luftangriffe der US-Streitkräfte auf Caracas mit Besorgnis analysieren. „Wir haben es mit einem Angriff der amerikanischen Streitkräfte auf die Hauptstadt Venezuelas, Caracas, zu tun. Tatsächlich beginnt das Jahr 2026 mit einem Paukenschlag. Es wird noch Zeit für eine Analyse kommen, wie sich dies auf die Lage in unserer Region auswirken wird. Ein Ereignis wie der heutige Angriff der USA auf Venezuela hat Auswirkungen auf die ganze Welt, daher werden wir reagieren und uns auf diese neue Situation vorbereiten“, sagte Ministerpräsident DonaldTusk am Samstagmorgen.
Auch der Verteidigungsminister W?adys?aw Kosiniak-Kamysz reagierte auf die Ereignisse in der westlichen Hemisphäre: „Unsere Dienste analysieren eingehend die Entwicklungen nach den nächtlichen Angriffen der US-Streitkräfte in der Hauptstadt Venezuelas. Ich habe auch das Ministerium für Militärische Auswärtige Angelegenheiten des Verteidigungsministeriums und die Vertreter unserer Militärattachés in den Ländern Nord- und Südamerikas um aktuelle Analysen gebeten”, schrieb er auf der Website X.
Polityka.pl
„Das Hauptziel der sensationellen Entführung Maduros und seiner Frau sowie der geplanten Besetzung Venezuelas ist weniger die Wiederherstellung der Demokratie als vielmehr die Übernahme der Kontrolle über die riesigen venezolanischen Ölvorkommen durch die USA. Und dieser Wahnsinn hat Methode.
Die Maßnahmen der Trump-Regierung, die im Widerspruch zu seinen früheren Zusicherungen stehen, dass er keinen „Regimewechsel” in Venezuela plane, könnten vorerst schwer vorhersehbare, aber schwerwiegende Auswirkungen auf internationaler Ebene haben. Die demokratische Opposition in den USA warnt, dass diese Auswirkungen für Amerika nicht vorteilhaft sein werden“, schreibt Tomasz Zalewski aus Washington.
Eine kriegerische Weihnachtsansprache des Präsidenten
Przegl?d, 05.01. 2026
Kommentiert der Chefredakteur: „Die Polen erinnern sich an viele Neujahrsansprachen der verschiedenen Präsidenten. Aber noch nie ist in der Silvesternacht ein Politiker aufgetreten, der einen Krieg gegen die Regierung angekündigt hat. Und damit gegen diejenigen, die die derzeitige Koalition gewählt haben. Eine so konfrontative und gleichzeitig gedankenleere Rede hat es noch nie gegeben. Die Botschaft vor der Silvesterfeier war so simpel wie eine Hooligan-Schlägerei. Er kündigte einen totalen Krieg an.
Wieder einmal zeigte Nawrocki seine geballte Faust als Programm für Polen. In seinen Äußerungen kehrt wie ein Mantra die falsche Geschichte über die Präsidentschaftswahlen zurück. Nawrocki glaubt offensichtlich, dass eine hundertmal wiederholte Lüge zur Wahrheit wird. Nichts könnte falscher sein.
Die Kreise, deren Idol er ist, sind begeistert von der einfachen Sprache des Präsidenten und seinen protzigen Fußballfan-Jacken, aber glücklicherweise ändert das nichts an den Fakten. Und die sind dieselben wie vor einem halben Jahr.
Nawrocki gewann gegen Trzaskowski mit einem sehr knappen Vorsprung von 10 Millionen Wählern gegen 10 Millionen Wähler. Sein Vorgänger Duda gab zumindest vor Präsident aller Polen zu sein.“ Die andere Hälfte der Polen, die ihn nicht gewählt haben, werden sicher froh sein, dass ihre Entscheidung richtig war.
Mitglieder aus dem Präsidialamt fliegen regelmäßig in die USA und im Weißen Haus werden wohl die Aktenschränke schon voll sein mit Denunziationen über Tusk, die detailliert dokumentieren was Tusk wann und wo über Trump gesagt hat/haben soll. Nawrockis angebliche Sorge um das einfache Volk lässt nicht erklären, warum er über die inzwischen rekordverdächtigen Ausgaben um sein Büro weitere Millionen verlangt.
Diese werden dann dazu genutzt um zu integrieren und das was noch im Staat funktioniert zu zerstören. Seine Beamten sollten anstatt den Sand in das Getriebe des Staates zu streuen besser den Sand um den Palast streuen, das ist gesünder und vernünftiger.
In einem anschließenden Artikel schreibt Robert Walenciak, dass die Auseinandersetzungen Nawrocki – Tusk auch einen äußeren Mitspieler haben, nämlich Trump. Sein Ziel ist es die EU auseinander zu schlagen und da braucht er solche Leute wie Nawrocki. Er mischt sich in interne Angelegenheiten Polens ein, indem er statt den Premier, den er nicht leiden kann, Nawrocki bevorzugt. So hat während des Gespräches am 28. Dezember mit Selenskyj eine Videokonferenz den europäischen Vertretern stattgefunden. Kurzfristig haben die Amerikaner Nawrocki dazu eingeladen, obwohl nicht der Präsident, sondern der Premier der entsprechende Ansprechpartner ist, der auch an vorhergehenden Gesprächen auf Europaebene teilgenommen hat.
Ein Jahr der Wende?
fragt der Chefredakteur der Polityka, 01. 01. 2026
Je mehr wir uns dem Jahr 2026 nähern, desto deutlicher kommt Trump in den Focus. Der US-Präsident hat die Weltpolitik in besonderer Weise dominiert; seit er vor einem Jahr die Macht übernommen hat, „verhöhnt, verwirrt und verängstigt er”.
Seine Unberechenbarkeit, Impulsivität und sein Größenwahn sind zu einem großen globalen Problem geworden. In den letzten Jahrzehnten lebten wir, ohne uns dessen immer bewusst zu sein, im Schatten oder – wie man es auch nennen mag – im Glanz Amerikas als Zentrum der freien Welt, der westlichen Zivilisation, des technologischen Fortschritts, der Demokratie, der Menschenrechte und anderer hoher Werte, die Donald Trump einfach als Bullshit betrachtet.
Im Jahr 2025 haben wir Amerika aus unseren Überzeugungen und den Kinomythen von der „Stadt auf dem Berge” verloren. Donald Trump ist das Gesicht des neuen großspurigen, arroganten, geschäftstüchtigen Amerikas – vielleicht insofern nicht neu, als es an die alten sowjetischen Karikaturen von Uncle Sam erinnert, dem rücksichtslosen Kapitalisten (damals unbedingt mit Zigarre), der die Kleinen – Menschen und Nationen – mit Füßen tritt und ausbeutet.
Formal gesehen ist Trump immer noch unser Verbündeter, ein Freund des schönen Polens und seines großartigen Präsidenten Duda, also Nawrocki, aber wahrscheinlich hat auch „Na?roki”*verstanden, dass er keinen Einfluss darauf haben wird, wie Trump sich mit Putin in der Ukraine-Frage einigen wird.
Wir befürchten, dass er sie (zusammen mit unserer Sicherheit) gegen lukrative Geschäfte, auch für sich selbst und seine Familie, eintauschen könnte. Wir haben in diesem ersten Jahr der „neuen Ära” (1 a.T. – first after Trump) gesehen, dass, wenn der US-Präsident in diesem Teil der Welt noch jemandem etwas bedeutet, dann – sehr widerwillig – „Europa”, das so reich ist, dass man mit ihm verschiedene Geschäfte machen kann, z. B. ihm Waffen für die Ukraine verkaufen.
Die Ethik und Politik eines Handelsreisenden. Der Präsident der USA erkennt die Europäische Union nicht an, respektiert sie nicht. Und so wurden wir in der transatlantischen Familie plötzlich zu Halbwaisen.
(*Trump hat so den Namen ausgesprochen und Nawrocki hat ihm beigepflichtet, dass es richtig sei – so hat er seinen „Shitstrom“ selbst generiert Anm. N.K.)
Das Jahr 2026 könnte eine Korrektur bringen. Das Pendel ist zu schnell und zu weit von links nach rechts ausgeschlagen. In Amerika könnten die Zwischenwahlen zum Kongress den Republikanern die Mehrheit nehmen; die Unterstützung für Trump ist auf 36 Prozent gesunken.
Die Europäische Union hat bereits eine Selbstkorrektur vorgenommen, indem sie ihre ehrgeizigen Klimaziele reduziert, ihre Migrationspolitik verschärft und die finanzielle Belastung für die Hilfe für die Ukraine und die Aufrüstung für den Fall eines russischen Angriffs und der Passivität der USA auf sich genommen hat.
In Polen bestätigen der Anstieg der Umfragewerte der KO und die Krise in der PiS den Stimmungswandel nach den Wahlen. Und Braun mobilisiert die ehemalige Wählerschaft vom 15. Oktober, um eine einheitliche Widerstandsfront gegen die Verrücktheiten der Rechten zu bilden.
Auch aus dem heute vor Stolz überfließenden Nawrocki wird die Luft entweichen. In der polnischen, europäischen und globalen Politik verspricht das Jahr 2026 ein Übergangsjahr zu werden, eine Korrektur gegenüber 2025. Vieles deutet darauf hin, dass die Korrekturen in Richtung Realismus und Vernunft gehen werden. Hoffen wir es! Im zweiten Jahr der Ära Trump (2 a.T.) ist noch alles möglich – sogar eine Veränderung zum Besseren.
Überschrift eines Artikels in der Polityka: Trumps Überspannung. Eine Überspannung ist laut Wörterbuch ein plötzlicher, kurzzeitiger Spannungsanstieg im Stromnetz, der Geräte oder sogar das lokale System beschädigen kann. Das Phänomen wird durch atmosphärische Entladungen, interne Störungen – oder Donald Trump verursacht.
Eskalation der Abtreibungsgegner
Polityka, 01. 01. 2026
Fundamentalistische Gruppen verkünden einen großen Erfolg. Die Gynäkologin Gizela Jagielska der Klinik in Ole?nica wurde entlassen ebenso ihr Mann, der Abteilungsleiter in dem Krankenhaus war. Gizela Jagielska war eine der wenigen Spezialistinnen in Polen, die legale Schwangerschaftsabbrüche durchführte. Die Atmosphäre um die dortigen Klinik hat sich immer weiter zugespitzt. Im Jahr 2025 betrat der EU Parlamentarier Grzegorz Braun mit weiteren Personen die Klinik und behinderte die Gynäkologin ihre Arbeit auszuführen. Sie wurde von seinen Leuten einige Stunden festgehalten, sodass die Abteilung ohne ärztlicher Aufsicht war.
Die Klinik scheint dem Druck von Außen nicht gewachsen zu sein. Jetzt ist ein Trailer eines Filmes bekannt geworden, von dem die Autorin meint, da würde ganz Polen zu sehen bekommen, was Jagielska hinter verschlossenen Türen mit den ungeborenen Kindern anstellt. Es geht dabei auch um Abbrüche in einer fortgeschrittenen Schwangerschaftswoche, bei der die Schwangere widersprüchliche Auskünfte über die Schwere der Schäden am Fötus erhielt. Vor der Klinik in Ole?nica finden weiter Kundgebungen mit Bildern blutiger Föten statt und Rosenkranzgebeten. Inzwischen haben sich die Abtreibungsgegner ein weiteres Krankenhaus, das des Heiligen Wojciech in Danzig, als Ziel auserkoren.
Arbeitsmarkt in Polen – Löhne steigen, aber auch die Ungleichheit
Polityka, 01.01. 2026
Im öffentlichen Bereich verdienen die Bergarbeiter am meisten, im privaten Sektor Informatiker. Der private Sektor modernisiert sich im hohen Tempo, der Staat – kaum.
Die Angaben des Nationalen Amtes für Statistik (GUS) sind optimistisch – die Durchschnittsverdienste stiegen schneller als die Preise und die Anzahl der freien Stellen ist größer als die der Arbeitssuchenden. Allerdings beziehen sich diese Angaben auf die 6,5 Millionen Beschäftigte, aus dem Sektor, der mehr als 9 Beschäftigte hat. Insgesamt gibt es aber 10 Millionen mehr Beschäftigte in kleinen Firmen.
Von den 6,5 Millionen Beschäftigten liegen die Durchschnittslöhne Brutto bei umgerechnet 2.100 € allerdings bekommen nur 30% dieser Beschäftigten den Durchschnittslohn oder mehr. Der Durchschnittslohn stieg im Jahr um 9,7%.
In den Firmen mit weniger als 9 Beschäftigten lag der Durchschnittslohn bei 1.110 €, also im Bereich des Mindestlohns. Wobei nicht die 1,5 Millionen Beschäftigten berücksichtigt sind, die sich als „Selbstständig“ bezeichnen oder die 1,2 Millionen, die nur Zeitarbeitsverträge haben. Für die meisten Beschäftigten liegt der Durchschnittslohn im Bereich der Träume.
Es gibt einen großen Unterschied zwischen dem staatlichen und privaten Sektor. Im staatlichen Sektor verdienen die Bergarbeiter 3.500 € (in privaten Bergwerk 2.800 €). Im staatlichen Sektor verdienen Informatiker mit 2.700 € am meisten. Auch im Energiebereich, der staatlich ist, werden hohe Löhne gezahlt. Sollte die Energiepreise eingefroren werden, so werden sie vom Staat subventioniert. Im öffentlichen Sektor lag der Durchschnittslohn bei 2.000 und im privaten bei 1.500 €.
Der Arbeitsmarkt hat sich im Vergleich zum Vorjahr für die Arbeitssuchenden verschlechtert. War es 2024 noch möglich verhältnismäßig schnell die Arbeit zu wechsel, um besser zu verdienen ist es 2025 nicht mehr an dem.
Davon sind besonders Frauen betroffen. Unter den Arbeitssuchenden haben Männer mit Grundschulbildung die besten Chancen. Etwas schlechter sieht es für diejenigen mit Abitur und am schlechtesten diejenigen mit Hochschulabschluss aus, die im Durchschnitt fast ein halbes Jahr lang nach Arbeit suchen müssen.
Auch die Frustration der Arbeitnehmer wächst. Bis zu 23,5 % der 27- bis 34-Jährigen beklagen sich darüber, dass sie unter ihren Qualifikationen arbeiten. Der PIE-Bericht nennt als einen der Gründe dafür die Tatsache, dass bei uns bis zu 63 % der jungen Menschen (16-24 Jahre) nur über grundlegende digitale Kompetenzen verfügen, was unter dem EU-Durchschnitt liegt.
Schlechter als wir sind nur junge Italiener und Rumänen, während uns die Finnen und Tschechen weit überlegen sind. Agnieszka Wójcik von der Firma Antal fügt hinzu, dass Hochschulabschlüsse nichts mehr über die von Arbeitgebern gesuchten Kompetenzen aussagen und daher nicht mehr berücksichtigt werden.
Was zählt, ist, ob der Bewerber über diese Kompetenzen verfügt, und nicht, wie er sie erworben hat. Der aktuelle Arbeitsmarkt ist wieder einmal ungünstig für junge Menschen geworden. Nicht selten werden Bewerber für sogenannte Junior-Positionen nicht mehr angenommen, da Unternehmen Mitarbeiter mit mehrjähriger Erfahrung suchen.
Die sinkende Inflation hatte keinen Einfluss auf die Gehaltserhöhungen für Top-Manager, die im vergangenen Jahr beeindruckend waren (durchschnittlich ca. 18 %). Darüber hinaus erwarten 68 % von ihnen weitere Erhöhungen in diesem Jahr.
Laut Antal liegen ihre Gehälter nur um einige Prozent unter denen ihrer Kollegen in Deutschland und entsprechen denen in Tschechien oder der Slowakei. Die Führungskräfte der am besten zahlenden Unternehmen erhalten monatlich 8.700 € ohne Prämien. Die Prämien sind manchmal um ein Vielfaches höher als das Grundgehalt. Nach dem gleichen Prinzip werden die Mitglieder der Geschäftsleitung bezahlt, deren derzeitiges Grundgehalt 14.000 € übersteigt.
Die Gehälter der bestbezahlten Geschäftsführer werden wir in einigen Monaten aus den Unternehmensberichten erfahren. Es ist nicht auszuschließen, dass Rafa? Brzoska von InPost, der bereits für das Jahr 2024 ein Gehalt in Höhe von 5 Mill. € erhielt, weiterhin an der Spitze stehen wird. Er ist wohl nach wie vor die Nummer eins auf der polnischen Gehaltsliste.
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