Zusammengestellt von Norbert Kollenda
Präsident Nawrocki und seine Verbindungen ins Milieu der Hooligans, ein ehemaliger
Budapester Justizminister, Trump und die Folgen und der fatale Umgang mit Sexualität in der katholischen Kirche
Nawrocki umarmt mehrfach vorbestraften Hooligan
OKO.press 11.01. 2026
„Ich bin einer von euch. Auch dank eurem Mut und der Tatsache, dass die Stadien von Propaganda und momentanen ideologischen Moden verschont geblieben sind, bin ich Präsident geworden – dafür danke ich euch!”, sagte Karol Nawrocki in Jasna Góra, dem Wallfahrtsort der Schwarzen Madonna.
Karol Nawrocki nahm am Samstag, dem 10. Januar, an einer Pilgerfahrt von Fußballfans nach Jasna Góra teil. Wie Wirtualna Polska berichtete, fand nach dem für alle Fans zugänglichen Teil ein Treffen in kleinerem Kreis statt. Karol Nawrocki „ging mit einem breiten Lächeln auf den Mann im schwarzen Sweatshirt und Jeanshosen zu, der vorn in der Gruppe stand. Sie begrüßten sich wie alte Bekannte und umarmten sich”, schreibt der WP-Journalist Szymon Jadczak.
Die Person, die Nawrocki begrüßte, war Tomasz P., alias „Dragon”, der mehrfach wegen schwerer Straftaten verurteilt wurde – unter anderem wegen Körperverletzung mit einer Waffe oder einem anderen gefährlichen Gegenstand gegenüber einem Beamten und wegen Einschüchterung von Zeugen eines anderen Überfalls.
Derzeit wartet er auf das Urteil der zweiten Instanz, nachdem er 2024 wegen Propagierung des Nationalsozialismus, Anführung einer Bande und Körperverletzung zu einer nicht rechtskräftigen Freiheitsstrafe von sechs Jahren verurteilt wurde. „Dragon” war Anführer einer Hooligan-Bande des Fußballvereins „Jagiellonia Bia?ystok“.
Sturmtruppen des Präsidenten der Republik Polen
Przegl?d, 19. 01. 2026
Die herzliche Begrüßung von Karol Nawrocki mit dem Nazi-Kriminellen Tomasz P. „Dragon” auf Jasna Góra löste allgemeine Empörung aus. Offenbar haben viele Kommentatoren und Publizisten bereits den für Jaros?aw Kaczy?ski vorbereiteten Bericht vergessen, der im Dezember 2024 veröffentlicht wurde.
In diesem 72-seitigen Dokument werden die Verbindungen von Nawrocki – damals Präsident des Instituts für Nationales Gedenken und zuvor Direktor des Museums des Zweiten Weltkriegs – zu Kriminellen,
Neonazis und Neohitleristen beschrieben. Nawrocki hat nie überzeugend seine Bekanntschaft mit Gangstern erklärt, und alle, die naiv dachten, dass er sich als Präsident zivilisieren würde, kennen die Regeln der Gangster nicht. Die Zugehörigkeit zu einer Gruppe von Stadion-Hooligans ist lebenslang und man bricht die Bekanntschaft mit jemandem nicht nur deshalb ab, weil er im Gefängnis saß, kriminell ist und Nazi-Tattoos hat.
Man muss ehrlich zugeben, dass neben Grzegorz Horodka alias „?ledziu” „Dragon” ein Lehrling ist – wenn man den Ersteren als Meister im Gangstertum betrachtet. Der 52-jährige „?ledziu”, ein Stadionfreund des Präsidenten der Republik Polen aus Danzig und einer der Anführer der Lechia Gda?sk-Miliz, saß 14 Jahre im Gefängnis wegen Körperverletzung, Beteiligung an Schlägereien und illegalem Waffenbesitz. Auf seinem Arm hat er Adolf Hitler tätowiert, auf seinen Händen und seinem Rücken Hakenkreuze und das Motto der SS: Meine Ehre heißt Treue.
„Dragon”, 40 Jahre alt, Chef der Fangruppe von Jagiellonia Bia?ystok, wurde wegen Körperverletzung mit einer Waffe oder einem anderen gefährlichen Gegenstand gegen einen Beamten, wegen Anstiftung zu einem Überfall, bei dem eine Person ums Leben kam, und wegen Einschüchterung von Zeugen eines anderen Überfalls verurteilt. Er gilt als verkommen, empathielos und äußerst skrupellos.
Elon Musk und der Botschafter der USA Tom Rose loben Nawrocki für sein Veto bezüglich der Übernahme der Digital Services Act (DSA) durch Polen, dass seit dem 17. Februar 2024 unmittelbar in allen Mitgliedstaaten der Europäischen Union anwendbar ist. Er schafft erstmals einen einheitlichen und umfassenden Rechtsnormen für digitale Vermittlungsdienste. Dies sollte vor allem Menschenhandel, sexuellen Missbrauch von Kindern und finanziellem Betrug entgegenwirken.
Ziobro im politischen Asyl in Budapest
Przegl?d, 19. 01. 2026
Er wollte Sheriff werden und Präses Kaczy?ski ersetzen. Acht Jahre lang baute Ziobro im Justizministerium und in der Staatsanwaltschaft ein System auf, das ihm als Sprungbrett für seinen Aufstieg dienen und ihm noch mehr Macht sichern sollte. Sein Ziel war die vollständige Kontrolle über die Justiz, loyale und gehorsame Mitarbeiter sowie eine eigene, starke finanzielle Basis.
Er ging dafür über Leichen. Im wahrsten Sinne des Wortes, denn bis heute ist der tragische Tod von Barbara Blida nicht aufgeklärt. Ziobro und seine engsten Mitarbeiter sind in dieser Angelegenheit entscheidend für die Aufklärung aller verdächtigen Umstände. Solche Verhaftungen um sechs Uhr morgens, mit den Kameras von Kurskis (Chef von Staatlichen Fernsehen, das der PiS untergeordnet war) Hetztruppe, gab es danach sehr viele.
Die Entschädigungen für die Opfer dieser Ungerechtigkeit durch Ziobrys Team belaufen sich auf Millionen PLN. Die Anklage wegen Straftaten und der Leitung einer organisierten kriminellen Vereinigung ist nur die Spitze des Eisbergs.
Ziobry selbst hat jedoch nichts unterschrieben. Das haben Leute getan, die er aus niedrigen Positionen herausgeholt hat. Sie sind wenig kompetent und, wie aus ihren öffentlichen Äußerungen hervorgeht, wenig intelligent. Man erkennt sie leicht, denn niemand verteidigt den Minister eifriger als sie.
Sie wissen, dass auch sie nur einen Schritt vom Gefängnis entfernt sind. Jemand muss schließlich für all diese Veruntreuungen öffentlicher Gelder verantwortlich gemacht werden. Für gefälschte Ausschreibungen. Für Pyramiden von Scheinfirmen, die nur gegründet wurden, um Geld in Parteistrukturen und soziale Netzwerke zu pumpen.
Ziobro verkündet in Budapest, dass er bescheiden lebt. Wie ein gewöhnlicher Pole. Das sagt ein Multimillionär. Ein Mann, dank dem seine Frau und sein Bruder viele Millionen PLN verdient haben. Für ihre dürftigen Qualifikationen wurde viel Geld gezahlt. Natürlich gerecht im Sinne von Ziobro.
Die Kaste der Ziobro-Anhänger ist außergewöhnlich degeneriert. Sie intrigieren, schmieden Pläne und lügen. Ziobro lügt in seinen Schauspielauftritten sogar, wenn er schweigt. Ein pathologischer Schurke. Mit jedem weiteren Schritt versenkt er die PiS, die so sehr wieder an die Macht kommen will. Mit Ziobro in Budapest werden sie eher auf der Anklagebank landen als in der Regierung.
Verbrechen verlieren ihre Einzigartigkeit
https://krytykapolityczna.pl 06. 01. 2026
Deshalb sind in der geschickteren pro-Putin-Erzählung die USA und die NATO die Aggressoren in Kiew, genau wie in Venezuela, und die Ukrainer sind in dieser Geschichte jeglicher Subjektivität beraubt – genau wie die Venezolaner durch Trump.
Diese Ähnlichkeit oder sogar das Kopieren des Putin-Modells durch Trump führt dazu, dass Putins Verbrechen an Einzigartigkeit verlieren. Wir haben dies bereits bei der Bombardierung der Palästinenser durch Israel gesehen. Jede Bombe, die auf Zivilisten fiel, jede Vergewaltigung, jede Aushungerung durch Netanjahu Armee ließ die russischen Verbrechen in der allgemeinen Wahrnehmung verblassen.
Schließlich machen das doch alle, oder? Was ist los mit dem Osten, wenn der Westen das auch tut? Vor allem die Wiederholung von Putins Spezialoperation in Kiew durch Trump (nur noch wirkungsvoller) führt dazu, dass Putins Propaganda auch an der Weichsel triumphiert: „Seht her, die USA und Russland machen dasselbe“. Und in gewisser Weise ist das natürlich richtig. Die USA machen dasselbe wie Russland.
Abgesehen von den Beiträgen des Chefs von Telewizja Republika oder provokativen Memes über die Entführung von Tusk wage ich zu behaupten, dass, wenn es um die Wahl zwischen „Trump oder Tusk” ginge, ein großer Teil der Rechten seinen Landsmann ohne Weiteres an die Amerikaner ausliefern würde.
In diesem Milieu ist Trump fast ein Pole, während Tusk ein Deutscher bzw. ein deutscher Verräter ist. Polen hingegen ist natürlich in der Knechtschaft der EU, die es so sehr unterwirft, dass rechte Europaabgeordnete ungehindert nach Brüssel reisen und mit ihren Provokationen gegenüber der EU Millionen Euro aus der gemeinsamen EU-Kasse verdienen.
In dieser Erzählung sind die USA der Befreier, auch wenn ein polnischer Rechtspolitiker mit gesenktem Kopf dasteht, während Botschafterin Mosbacher ihn mit Füßen tritt. Können Sie sich vorstellen, dass auch nur 10 Prozent der Beleidigungen, die dieses angeblich so schrecklich unterdrückende EU-Regime täglich von der Rechten erhält, jemand von der rechten Seite der USA abbekommen würde? Schließlich reißen sich rechte Politiker um ein gemeinsames Foto mit Trump am Aufzug wie Touristen im Weißen Haus.
Daher ist es sehr wahrscheinlich, dass wir mit einer Zunahme oder sogar mit Forderungen konfrontiert werden, dass Trump nach Polen kommt und dort irgendwie für Ordnung sorgt. Keine Sorge, nicht durch die Entführung von Tusk oder Sikorski, dessen Sohn übrigens in der amerikanischen Armee dient (und niemand sieht darin einen Interessenkonflikt – seine Mutter ist Amerikanerin).
Vielleicht wird dies durch das Stampfen von Vances Fuß geschehen, vielleicht durch den Druck von Botschaftern oder Medienmagnaten. Vielleicht durch das Ausspielen der „dummen Polen” gegeneinander, genau wie es im 18. Jahrhundert gemacht wurde. Der Präsidentenpalast und das Kabinett des Premierministers werden sich gerne darauf einlassen und sich um die Plätze im Flugzeug streiten.
Vielleicht sagt Trump endlich direkt, wen er sich an der Macht im Land an der Weichsel wünscht. Wenn er schon gesagt hat, dass er Grönland annektieren oder Kanada in die USA eingliedern will, warum sollte er dann nicht auch einen Statthalter in Polen einsetzen? Schließlich ist die Rechte gegenüber ihrem Kumpel Eppstein mental weniger souverän, als Tusk es jemals gegenüber Merkel war.
Ein unberechenbarer Herrscher
Przegl?d,12. 01. 2026
Aufgrund ihres Potenzials sind die USA unbestrittener Führer der westlichen Welt. Das Problem ist jedoch, dass dieser Führer beginnt, unberechenbar zu handeln und vereinbarte Verpflichtungen und Regeln zu brechen. Europa beginnt sich zu fragen: Stellt Amerika eine Bedrohung für uns dar? Können wir uns auf dieses Land verlassen?
Amerika ist nicht mehr der Kompass einer demokratischen, liberalen Welt, die Menschenrechte und freie Wirtschaft schätzt. Es hat das Gesicht von Donald Trump, der sich über demokratische Führer lustig macht, sich bei Autokraten einschmeichelt und die Welt als Lagerhaus mit verschiedenen Gütern betrachtet – mit Öl, strategischen Rohstoffen, industriellen Ressourcen. Und all das will er an sich reißen. Ein gieriges Kind in einem Süßwarenladen.
Europa ist für ihn zum Feind geworden. Er will ihm Grönland wegnehmen, das hat er bereits angekündigt. Wir warten also auf die nächste Invasion. Bedeutet das das Ende der NATO? Wen interessiert das in Trumps Regierung?
Vor einem Jahr, als er die Macht übernahm, begann er mit Angriffen auf Europa. Mit Zöllen, Forderungen nach wirtschaftlicher Unterwerfung und Investitionen in amerikanische Kriegsausrüstung. De facto verlangte er Schutzgeld.
Diese neue amerikanische Ordnung hat ihre Grenzen – sie gilt nicht für starke Länder wie China, Russland und Indien. Es handelt sich also nicht um eine Ordnung, sondern um den Aufbau eines Einflussbereichs, eines stets fließenden, de facto kolonialen Systems.
Wird es Trump gelingen, dieses System aufzubauen? Wie sehr wird Europa darunter leiden? Welche Gefahren birgt dies für Polen? Können wir uns sicher fühlen? Diese Fragen stammen aus dem vergangenen Jahr, aber heute, im Jahr 2026, sind sie noch aktueller.
Eine neue Weltordnung wäre fatal für Polen und Europa
Polityka, 13. 01. 2026
Fiona Hill, Russland-Expertin im Weißen Haus während Trumps erster Amtszeit, enthüllte, dass Wladimir Putin dem Amerikaner bereits 2019 einen „Tauschhandel” anbot: Die Russen würden ihre militärische Hilfe und Schulungen für Venezuela einstellen, wenn Amerika ihnen erlauben würde, in der Ukraine zu schalten und zu walten.
Letztendlich griff Putin die Ukraine an und denkt nun wahrscheinlich über ihre westlichen Nachbarn in der NATO nach. Wird Trump ihm also Europa als russischen Einflussbereich überlassen?
Die Verhandlungen über die Ukraine, in denen der amerikanische Präsident keinerlei Druckmittel gegenüber dem Kreml einsetzt, lassen aus polnischer Sicht nichts Gutes erwarten. Die US-Regierung plant eine Reduzierung ihrer Truppen in Europa, um ihre Präsenz in Asien zu verstärken.
Zwar schien die anti-chinesische Lobby – in der Verwaltung der stellvertretenden Chef des Pentagon Elbridge Colby, im Kongress republikanische Freunde Taiwans – stark zu sein. Aber Trump scheint nicht an Sicherheitsgarantien für die Insel interessiert zu sein, die 90 Prozent der weltweiten Mikroprozessoren produziert.
Das Gesetz zwingt ihn, Taiwan aufzurüsten, aber er selbst hat Angst, sich mit Peking anzulegen. Hat er sich mit dem Verlust der amerikanischen Vorherrschaft im westlichen Pazifik abgefunden und die Region an Peking abgetreten? Der Verkauf Taiwans im Austausch für ein vorteilhaftes Handelsabkommen mit China ist nicht mehr undenkbar.
Präsident Roosevelt sagte nach der Attacke der Japaner auf Pearl Habor: „In einer Welt, die von den Regeln des Gangstertums beherrscht wird, kann sich kein Land sicher fühlen. Auch unsere Sicherheit lässt sich nicht in Meilen auf der Landkarte messen.“
Und er fügt hinzu: „Es liegt im Interesse Amerikas, sich dem Gangstertum zu widersetzen. Und wenn wir es mit Gangstern zu tun haben, sollten wir nicht selbst zu einem von ihnen werden.“ Trump hoffte wohl, dass die gewagte Entführung von Maduro ihm in den USA Popularität verschaffen würde.
Aber auch hier könnte er sich verrechnet haben. Die Amerikaner sind in ihrer Reaktion auf die Intervention in Venezuela gespalten: Etwa 35 bis 40 Prozent befürworten sie, und ebenso viele beurteilen sie negativ. Die Spaltung verläuft entlang der Parteigrenzen.
Katholische Kirche und Sexualität
magazynkontakt.pl 06. 01. 2026
(magazynkontakt ist eine links-katholische Zeitschrift, die im unregelmäßigen Abstand erscheint)
Widersprüchlich, unwissenschaftlich, unchristlich. Die Lehre der katholischen Kirche über Sexualität muss geändert werden.
Die Fixierung auf Sexualität, die die Kirche seit Jahrhunderten an den Tag legt, resultiert unter anderem aus der Zweckmäßigkeit dieses Lebensbereichs für die Ausübung sozialer Kontrolle.
Sie hat ihren Ursprung auch in einer verzerrten Interpretation der Texte des Neuen Testaments, in denen – ohne Berücksichtigung der theologischen Tiefe und der Umstände der Zeit, in der sie entstanden sind – weltliche oder körperliche Angelegenheiten auf der Grundlage einer einfachen Dichotomie dem Geistigen gegenübergestellt werden.
Beide Ursachen verflechten sich zu einem Knoten neurotischer Lehren, die sich auf Schmutz, Sünde und Unreinheit konzentrieren und – um die Dualität zu vertiefen und die Kontrolle aufrechtzuerhalten – das Bild von Geistlichen als Menschen „nicht von dieser Welt” und somit als besser darstellen.
In Verbindung mit dem finanziellen Faktor führte dies zur Einführung der obligatorischen Ehelosigkeit, verstärkte die pathologischen Mechanismen des Ablasshandels und festigte das klerikale Modell der Kirche.
Infolgedessen führte dies unter anderem auch zur Möglichkeit der systematischen Vertuschung von Sexualstraftaten gegen Kinder und andere. Dies ist letztlich die perverseste Konsequenz einer verdrehten Lehre: Was die Reinheit und Zerbrechlichkeit der Sexualität durch strenge Kontrollen schützen sollte, trug dazu bei, genau das zu zerstören, was am verletzlichsten und empfindlichsten ist.
Diese Fixierung, die falsche Prioritätensetzung in der Lehre und die noch schlechtere Vermittlung dieser Lehre in der täglichen Seelsorge hat jedoch auch andere – wenn auch etwas weniger dramatische – Konsequenzen.
Es sind Millionen von Menschen, deren psychisches und spirituelles Wohlbefinden beeinträchtigt ist, die sich auf Schuld und falsch verstandene Reinheit konzentrieren und nicht das Wichtigste erleben, nämlich die Liebe Gottes und der Menschen.
Es sind Millionen von Menschen, die durch Ausgrenzung, schändliche „Therapien” oder das Schüren von Schuldgefühlen bei nicht heteronormativen Menschen, Frauen, die in streng umrissene Lebensmodelle gezwängt werden, die Rechtfertigung von Vergewaltigung in der Ehe (weil Sex in der Ehe eine „Pflicht” sein soll) neurotischen Schuldgefühlen bei sich ganz normal entwickelnden Teenagern, Krisen im Priestertum, systemischer, zerstörerischer Heuchelei im Zusammenhang mit der Homosexualität von Priestern oder zerstörten Ehen und getöteter Intimität.
„So bringt jeder gute Baum gute Früchte, und ein schlechter Baum bringt schlechte Früchte. Ein guter Baum kann keine schlechten Früchte bringen, und ein schlechter Baum kann keine guten Früchte bringen. Jeder Baum, der keine guten Früchte bringt, wird umgehauen und ins Feuer geworfen werden” (Mt 7,17-19).
Ja, Sexualität ist in gewisser Weise ein besonderer Bereich zwischenmenschlicher Beziehungen. Sie ist besonders anfällig für Verletzungen, Ausbeutung und Kränkungen. Sie erfordert besonderes Vertrauen und Aufmerksamkeit.
Sie wird von mächtigen Kräften (biologischen, kulturellen, sozialen und auch religiösen) gesteuert, die nicht immer leicht zu kontrollieren sind. Und genau deshalb ist es eine Umkehrung der Tatsachen, wenn man sich in diesem Bereich auf so nebensächliche Dinge wie das Geschlecht der Sexpartner, ein Stück Latex oder den Ort der Ejakulation konzentriert. Die Sexualethik der Kirche muss sich auf etwas ganz anderes konzentrieren als auf verdrehte, kodifizierte Kasuistik.
Rüge für den polnischen Episkopat wegen Verschleierungstaktik
Der polnische Episkopat verdient eine Rüge dafür, dass in einem Jahr, in dem das Potenzial bestand, das Vertrauen der Gesellschaft zumindest ein wenig wiederherzustellen und zumindest ein wenig dem Evangelium treu zu bleiben, die Mehrheit der Bischöfe beschlossen hat, unabhängigen Institutionen den Hahn zuzudrehen und diejenigen zu knebeln, die Missbräuche untersuchen sollten.
Die Einschränkung der Autonomie der Katholischen Informationsagentur, wenn auch nur teilweise (in dieser Angelegenheit sollte ihr Sprecher, Pfarrer Leszek G?siak, im Namen der Polnischen Bischofskonferenz die Rute übernehmen) und das Bestreben, der Kommission, die Fälle sexueller Gewalt in der Kirche untersuchen sollte, die Zähne zu ziehen (die Peitsche sollte Bischof S?awomir Oder ehrenhalber übernehmen), ist eine Huldigung der schlimmsten Instinkte einer Institution, die ihren eigenen Schatten mehr fürchtet als ihre eigenen Sünden.
Statt Transparenz – Kontrolle; statt Verantwortung – Angst vor der Wahrheit; statt Sorge um die Geschädigten – Schutz der eigenen Interessen. Wenn die Rute überhaupt etwas bewirken soll, dann darin, daran zu erinnern, dass die Mauer des Schweigens kein Sakrament ist.
Lob für engagierte Gläubige der Aktion „Die Steine werden schreien“
Es sind diejenigen, die nicht damit einverstanden sind, dass die Bischofskonferenz die Arbeit der Kommission bezüglich des Missbrauchs in der katholischen Kirche für beendet erklärt.
Dadurch haben die Bischöfe vielleicht gespürt, dass die Gläubigen nicht alles mit sich machen lassen. Es hat etwas bewirkt. Nach Primas Polak haben sich weitere Bischöfe aus der „Loyalen Kooperation“ verabschiedet und in ihren Diözesen Kommissionen gebildet, so kard. Grzegorz Ry? in ?ód? und vier weitere Bischöfe.
Polen seit Jahren als Trojanisches Pferd der USA in Europa
Przemyslaw Wielgosz, Chefredakteur Le monde diplomatique edycja polska
Präsident Nawrocki macht der europäischen Solidarität in der Frage Grönlands einen Strich durch die Rechnung. Sind Sie empört? Ich auch. Leider nicht erst seit heute und nicht nur wegen Nawrocki.
Man muss nur ein wenig in die Vergangenheit zurückblicken, um festzustellen, dass der Präsident mit dem erschreckenden Lächeln würdige Vorgänger hatte. Die Rolle eines Trojanischen Pferdes der Vereinigten Staaten in Europa ist eigentlich eine polnische Spezialität. Seit Jahrzehnten.
Rechtsgerichtete und Mitte-Links-Regierungen, konservative-nationale und neoliberale Regierungen haben sich nahtlos darin eingefügt. Die zweifellos wichtigste Errungenschaft in diesem Bereich war der Beitritt zur Koalition der Willigen bei der amerikanischen Aggression gegen den Irak (und zuvor gegen Afghanistan).
Erinnern Sie sich noch an den Stolz, mit dem unsere Militärs und Politiker und – last but not least – die in solchen Momenten stets zuverlässigen Journalisten die polnischen Besatzungszonen in beiden Ländern zur Schau stellten?
Es war im Jahr 2003, als Polen kurz vor dem Beitritt zur Europäischen Union stand und die Union selbst die Chance auf eine deutlich tiefere Integration hatte. Es gab ernsthafte Diskussionen (vor allem in Paris und Berlin) über die Demokratisierung der EU-Behörden, die Föderalisierung ihres politischen Systems, die Schaffung europäischer Streitkräfte unabhängig von der NATO und die Einrichtung eines Außenministeriums.
Diese Ideen raubten den Amerikanern den Schlaf, denn sie hätten bedeutet, dass die Union aus dem Schatten Washingtons heraustreten und sich zu einem unabhängigen wirtschaftlichen und geopolitischen Pol entwickeln würde, mit dem man unvergleichlich mehr rechnen müsste als mit einer Union, die auf einen gemeinsamen Markt und eine gemeinsame Währung reduziert ist, mit Behörden ohne demokratische Legitimation und einem Parlament ohne Gesetzgebungsinitiative.
Die Invasion des Irak erwies sich als hervorragender Vorwand, um diese Dynamik zu torpedieren. Washington sorgte dafür, dass die Haltung gegenüber der illegalen Aggression gegen den Irak Europa spaltete und in Konflikt brachte.
Die Amerikaner spielten Länder wie Polen (aber auch Großbritannien) geschickt gegen Frankreich und Deutschland aus (die damals abfällig als „altes Europa” bezeichnet wurden) . Ein völlig unbeabsichtigtes Opfer des von Washington geschürten Streits war natürlich die Vision einer tieferen Integration, was die Abhängigkeit Europas von der amerikanischen Militärmacht und der imperialistischen internationalen Agenda festigte.
Es ist kein Zufall, dass seitdem in der Union zentrifugale Tendenzen an Stärke gewonnen haben, deren Höhepunkt – bis jetzt – der Brexit war. Sehen wir heute in der Frage Grönlands nicht eine lächerliche Wiederholung der Rolle Polens als amerikanisches Trojanisches Pferd?
Ernten wir nicht die Früchte unseres gedankenlosen Atlantismus, der unsere Führer jahrelang dazu veranlasst hat, den Imperialismus der USA zu unterstützen und aktiv an der Demontage der auf Recht basierenden internationalen Ordnung, der Militarisierung der globalen Politik und der Missachtung der Rechte der Völker, der Demokratie und der Menschenrechte mitzuwirken?
Was ist die Schlussfolgerung daraus? Vielleicht zunächst einmal, dass es nicht möglich ist, die Fiktion der Einheit der Interessen einer untergehenden Supermacht auf der anderen Seite des Atlantiks und Europas (einschließlich Polens) aufrechtzuerhalten. Heute unterstützen diejenigen, die diese Fiktion aufrechterhalten, die eine Seite und schaden der anderen.
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