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Klima 1. Februar 2026

Massiver Energieverbrauch in KI-Datenzentren
von wop

Der Hype um Künstliche Intelligenz sowie die dafür benötigten Datenzentren drohen die Abhängigkeit von fossilen Energieträgern zu verstärkten, warnt urgewald.

Am Beispiel der USA und Deutschlands zeigt eine Analyse der Nichregierungsorganisation einen Zusammenhang zwischen dem Ausbau von Rechenzentren und der Expansion klimaschädlicher Gasinfrastruktur. KI sei »lebensverlängernde Maßnahme für die fossile Industrie.« »Ohne klare politische Leitplanken wird der KI-Hype zum Bremsklotz für die Energiewende«, so die Autorin und der Autor der Kurz-Studie.
Worum geht es? Für die KI werden Rechenzentren gebraucht, und zwar viele. Rechenzentren, die viel Strom benötigen. Die Internationale Energieagentur kommt in einer im vergangenen Jahr veröffentlichten Studie zu dem Schluss, dass Rechenzentren weltweit im Jahr 2023 300–380 Milliarden Kilowattstunden benötigt haben, das entspricht rund 60–80 Prozent des jährlichen deutschen Strombedarfs. Nicht berücksichtigt wurde dabei allerdings der nicht unerhebliche Energieverbrauch der Kryptowährungen. Der Anteil der KI am Bedarf der Rechenzentren ist mit fünf bis 15 Prozent bisher überschaubar.
Dabei wird es jedoch nicht bleiben. In den USA, und nicht nur dort, ist ein regelrechter Boom für neue Rechenzentren ausgebrochen. Er bleibt nicht unwidersprochen. Die Plattform Data Center Watch hat im vergangenen Jahr 188 lokale Gruppen gezählt, die sich in nahezu allen Bundesstaaten gegen örtliche Projekte wehren. Kritisiert wird meist der hohe Wasser- und Energieverbrauch, der übrigens bei der Bildverarbeitung und bei den fortgeschritteneren KI-Programmen besonders hoch ist. Es ließe sich dafür natürlich Solar- und Windenergie verstärkt ausbauen, doch in den USA passiert gerade das Gegenteil.
Die Regierung Trump hat einen regelrechten Feldzug gegen erneuerbare Energieträger gestartet. Stattdessen werden neue Gaskraftwerke gebaut. Die urgewald-Studie spricht von geplanten 125 Gigawatt, wovon 30 Prozent im Zusammenhang mit Rechenzentren stünden. Zum Vergleich: Mit 125 GW oder, je nach Größe, 160 bis 300 Gaskraftwerken ließe sich der gesamte Bedarf Deutschlands sowie der meisten seiner Nachbarländer abdecken.
Dass es auch anders ginge, zeigt das Beispiel Chinas, das vermutlich noch stärker als die USA in KI investiert. Dort sind in den letzten Jahren jeweils über 50 Prozent der weltweit neuen Solar- und Windkapazitäten entstanden. Das Ergebnis: Trotz weiter kräftig wachsenden Stromverbrauchs hat das Land vermutlich inzwischen den Höhepunkt seiner Treibhausgasemissionen erreicht.
Moritz Leiner, Energie-Campaigner bei urgewald meint dazu: »Ohne klare politische Leitplanken wird der KI-Hype zum Bremsklotz für die Energiewende. Politik und Geldgeber müssen sicherstellen, dass Rechenzentren nur dann gebaut werden, wenn die Betreiber eine Versorgung mit zusätzlichem Strom aus eigens dafür betriebenen Wind- und Solaranlagen im Zusammenspiel mit leistungsfähigen Batteriespeichern sicherstellen können. Sonst verknappen Rechenzentren bereits bestehende erneuerbare Kapazitäten und verursachen am Ende doch wieder mehr fossile Stromproduktion.«

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