Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Rand Rolf Euler 1. Januar 2026

An den Rand notiert
von Rolf Euler

Im Gasometer Oberhausen gab es bis vor kurzem die Ausstellung Planet Ozean, in der auf großformatigen Bildern das Leben im Meer und seine Bedrohung gezeigt wurde. Mehrere Bilder zeigten die Verseuchung der Ufer und Meeresbuchten mit Plastikmüll. Das war der letzte Anlass, mal aufmerksamer einzukaufen.

Mit offenen Augen fällt auf, dass selbst in der sich fortschrittlich gebenden Drogeriekette eine Unmenge an Plastik herumsteht. Da ich Seife und Shampoo nur noch in fester Form kaufe, wollte ich das mal genauer wissen.
Ich habe dann mal gezählt: In der Drogeriefiliale in der Stadtmitte gibt es vier Regalreihen übereinander mit Haarshampoo. In einer Reihe nebeneinander stehen 43 Sorten (in Worten: dreiundvierzig!) von vielleicht fünf verschiedenen Herstellern in allen »Geschmacks«-Richtungen. Von jeder Sorte stehen hintereinander mindestens drei bis sechs Plastikflaschen, auch mal acht oder zehn.
Das heißt, in einer Regalreihe werden rund 230 Flaschen angeboten. Davon vier Regalreihen übereinander ergibt ein Gesamtangebot von rund 900 Flaschen – wie gesagt: nur Haarpflege. Dazu kommen vier verschiedene Sorten Nachfüllplastikbeutel der Hersteller.
Außerdem gibt es einen kurzen Abschnitt im obersten Regal mit rund zwölf festen Shampoos in Pappkartons, jedes auch mit drei bis acht Kartons – rund 60 Exemplare.
Dann zähle ich in einem anderen Regal die Flüssigseifen in Spenderflaschen oder Pumpflaschen – alles ebenfalls Plastik. Hier zähle ich 62 Flüssigseifenspender mit jeweils vier bis acht Exemplaren, dazu 19 Sorten Plastiknachfüllbeutel zum erneuten Befüllen der Druckspender. Es gibt dann auch die traditionelle feste Seife in Papierhüllen mit 15 Angeboten, jeweils ebenfalls rund fünf Exemplare hintereinander. Also rund 75 feste gegen rund 450 flüssige Seifen in Plastik.
Allein für Haar- und Körperwäsche stehen also rund 1400 Plastikverpackungen mit jeweils etwa 200 Millilitern an einem normalen Verkaufstag dort bereit.
Dazu kommt eine von mir nicht mehr gezählte große Zahl – ebenfalls mehrere Regalmeter – an Plastikflaschen für Sonnenschutzmittel, Hautcremes und andere Drogerieartikel, Wasch- und Reinigungsmittel noch nicht mitgerechnet. Und das ist eine Filiale von einer Kette!

Leute: Die Frage ob das sein muss, stellt sich nicht, sondern wieso das Interesse der Plastikflaschenproduktion in einem wahnsinnigen Ausmaß den Kauf von Produkten, die zum großen Teil aus Wasser bestehen, befördert?
Es gab mal die Unverpacktläden, die oft nach kurzer Zeit »eingingen« – sie hatten große Nachfülltanks für Shampoo und Spülmittel und man brachte sein eigenes Gefäß mit. Aber das bringt ja keinen Profit…
Der Kabarettist Philipp Siemon beendet seinen Auftritt in den Mitternachtsspitzen mit den Worten: »Genießen Sie den Klimawandel!« Mehr kann ich jetzt auch nicht schreiben.

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