Nur Online 25. September 2026

Von Redaktion

Heute, Freitag, wird nicht nur an den Schulen erneut gegen die Wehrpflicht gestreikt, in Hamburg haben auch die Aktionen gegen das dort stattfindende NATO-Manöver begonnen. Update am Textende.
Das Bündnis probt in der Elbmetropole in einer seit fast 40 Jahren nicht gesehenen Intensität zum einen, die ganze zivile Infrastruktur dem Militär unterzuordnen, und zum anderen große Truppenkontingente mit ihrem Material in den Osten zu schicken. Ganz wie man es schon zweimal im letzten Jahrhundert gemacht hat. Mit den bekannten Folgen.

Am frühen Morgen haben in Hamburg erste Proteste dagegen begonnen. Wir dokumentieren im Nachfolgenden eine Pressemitteilung der Kampagne „Ende Gelände“. Am Ende des Textes gibt es Hinweise auf weitere Aktionen.

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++ Schienenblockade im Hamburger Hafen ++ Waffenlieferungen stoppen ++ Klimagerechtigkeit statt Krieg++ 

Hamburg, 25.09.2026

Seit heute Morgen um 6:00 Uhr haben etwa 80 Aktivist:innen des Aktionsbündnisses Ende Gelände mit einer Sitzblockade die Schienen im Hamburger Hafen besetzt. Nach Angaben des Bündnisses werden hier normalerweise Rüstungsgüter und Waffen in die ganze Welt verladen, auch nach Israel. Ihre Protestaktion ist Teil der Aktionstage von „Rheintmetall Entwaffnen“ gegen das großangelegte NATO-Militärmanöver in Hamburg.

Überall wird gekürzt, bei Sozialausgaben, Gesundheit, Bildung oder der Klimapolitik, um damit die zusätzlichen Milliarden für Waffen und Aufrüstung zu finanzieren. Dabei bedeutet mehr Waffen immer auch mehr Gewalt. Es ist unerträglich, dass Deutschland weiter Waffen an die rechtsextreme Netanjahu-Regierung liefert. Die Beweise für einen Genozid sind längst erdrückend. Wir stellen uns diesem Verbrechen heute in den Weg.
Lakshmi Thevasagayam, Sprecherin für die heutige Aktion von Ende Gelände

Die Bundesregierung plant 2027 140 Milliarden Euro für Verteidigung auszugeben, 30% mehr als im Vorjahr. Über die nächsten Jahre soll der Anteil an Verteidigungsausgaben auf mehr als ein Drittel des gesamten Bundeshaushaltes steigen. Erreicht werden soll das durch Kürzungen in allen anderen Bereichen. 

Mit dem großangelegten NATO-Manöver mitten in Hamburg versucht die Bundeswehr die milliardenschwere Aufrüstung durch ein diffuses Bild der Bedrohung zu rechtfertigen. Das massive Polizeiaufgebot dabei zeigt, worum es wirklich geht: Die Polizei und das Militär üben hier gemeinsam, wie sie zusammen in Krisenzeiten Protest bekämpfen können. Wir machen uns nicht zu Statisten für ihr Kriegsspiel, sondern gehen dahin, wo jetzt schon Krieg und Zerstörung mit deutschen Waffen ermöglicht wird.
Tomke Jansen, Sprecherin von Ende Gelände

Die hohen Militärausgaben stehen nicht nur wegen der damit einhergehenden Sozialkürzungen in der Kritik. Die weltweite Aufrüstung facht auch die Klimakrise enorm an. Fast 200 Millionen Tonnen Kohlendioxid könnten allein die zusätzlichen Rüstungsinvestitionen der Nato-Staaten jährlich verursachen, dabei sind die größte Militrämacht USA noch nicht mal mitgerechnet. Das haben die Berechnungen des Thinktank Conflict and Environment Observatory im Auftrag der Vereinten Nationen letztes Jahr errechnet.

Für uns ist klar, dass wir eine klimagerechte Zukunft nur dann erreichen können, wenn wir den Kreislauf von Aufrüstung und weiterer Militarisierung durchbrechen: Klimagerechtigkeit und Antimilitarismus sind zwei Seiten desselben Kampfes!
Tomke Jansen

Bereits im Mai hatte Ende Gelände mit massenhaftem zivilem Ungehorsam gegen den Gasausbau im Ruhrgebiet mit mehr als 1500 Aktivist*innen auf die Bezüge von fossilem Gas und der Rüstungsindustrie aufmerksam gemacht. Unter anderem besetzten Aktivist*innen das Werkstor von KNDS im Mülheim, wo mit fossilem Gas Panzerstahl produziert wird. Noch vor wenigen Jahren wurden dort Rotorblätter für Windräder hergestellt.

Neben den Aktionen von Ende Gelände findet heute um 16 Uhr die antirassistische Demonstration gegen Rheinmetall und für offenen Grenzen statt. Morgen folgt eine gemeinsame Demonstration mit den Gewerkschaften unter dem Titel „Hamburg bleibt untauglich“. Weitere Infos zum Programm finden Sie hier: https://rheinmetallentwaffnen.org/hamburg/programm/

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Update: Aufstandsbekämpfung

Am Morgen des 25.09.2026 blockierten Aktivist:innen des Aktionsbündnisses „Ende Gelände“ Schienen zum Hamburger Hafen. „Über Stunden hinweg ist so verhindert worden, dass Rüstungsgüter sowie weitere Waren verladen werden konnten“, so Jule Liebig, Sprecher:in von „Rheinmetall Entaffnen“.

Die Aktion hatte im Rahmen der Aktionstage gegen das NATO-Manöver „Red Storm Charlie“ stattgefunden. Luca Hirsch von „Rheinmetall Entwaffnen“ kommentiert: „Wir konnten die letzten Tage sehen, wie massiv der Hamburger Hafen als militärische Infrastruktur genutzt wird. Ob mit martialischen Militärkonvois, als Anlageplatz und Werft für Kriegsschiffe oder als Verladeort für Waffen in aller Welt wird Krieg und Genozid hier konkret unterstützt.“

„Die Blockade, die über 12 Stunden lang aufrechterhalten wurde, ist von der Polizei unter massiver Anwendung von Gewalt, die mehrere Einsätze von Sanitäter:innen zur Folge hatte, sowie massiver Drangsalierung und Bedrohung von Pressevertreter:innen vor Ort geräumt worden“, so Liebig.

Auch ein parlamentarischer Beobachter vor Ort sowie Anwält:innen seien an ihrer Arbeit gehindert worden. Luca Hirsch kommentiert: „Auch Aufstandsbekämpfung gehört zu den Dingen, die hier diese Woche geübt werden. Was wir hier erlebt haben, ist der Staat, der immer hemmungsloser die Militarisierung nach innen durchsetzt.“

„Rheinmetall Entwaffnen“ bewertet die Blockade mit einem positiven Fazit. „Für einen halben Tag wurde kein Stück Munition über die Schienen transportiert, trotz massiver Überwachung der ganzen Stadt“, so Liebig. „Wir haben gesehen, dass wir selbst jetzt nicht handlungsunfähig sind“, bekräftigt auch Hirsch. Daran wolle man anknüpfen.

Auch die Zusammenarbeit der beiden Bündnisse sei eine gute Erfahrung gewesen. Hirsch schließt: „Die Herrschenden wollen den Krieg. Einen Krieg, der auf unserem Rücken ausgetragen wird. Gemeinsam sagen wir: Ende Gelände der Kriegstreiberei!“
In Solidarität mit „Ende Gelände“,
Rheinmetall Entwaffnen, 25.09.2026

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