Deutsche Bank sperrt VVN-BdA die Konten
von Wolfgang Pomrehn
Deutschland im Jahre 2026: Die Deutsche Bank kündigt Berliner Gliederungen der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes – Bund der Antifaschistinnen und Antifaschisten die Konten. Andere Banken verfahren ähnlich, meist ohne Angabe von Gründen. So etwa die deutsche Skatbank in Leipzig, eine Tochter der Raiffeisenbank. Die Berliner Sparkasse war erst nach einigem politischen Druck bereit, den Berliner VVN-BdA-Gliederungen Konten zu eröffnen. Zuvor waren schon, wie berichtet, andere linke Organisationen von Kontokündigungen betroffen.
Das Debanking geht um und hat seine Ursache vermutlich im vorauseilenden Gehorsam gegenüber der US-Regierung, die eine nicht näher spezifizierte Antifa auf ihre Terrorliste gesetzt hat, weshalb die Banken befürchten, sie könnten vom US-kontrollierten internationalen Zahlungsverkehr abgeschnitten werden.
Die Handlung der Deutschen Bank hat indes eine besondere Note: Sie ist nicht irgendeine Bank, sondern die Bank. In der Nazizeit und viele Jahrzehnte danach war sie eine der wesentlichen Schaltzentralen des deutschen Großkapitals. Über große Kreditvolumen und vor allem über sogenannte Depotstimmen kontrollierte sie Konzerne wie die IG Farben, die in Auschwitz ein großes Werk betrieb. »Die führenden Repräsentanten der Bank – die Mitglieder des Vorstandes, der Vorsitzende des Aufsichtsrates und die 14 Generalbevollmächtigen – traten in die Aufsichtsräte von 379 Industrieunternehmen ein. Allein ihre 11 Vorstandsmitglieder hatten 76 Ämter als Aufsichtsratsvorsitzende und stellvertretende Vorsitzende in anderen Aktiengesellschaften inne«, heißt es in einem umfangreichen, 1946 veröffentlichten Untersuchungsbericht, dem sogenannten OMGUS-Bericht der US-Militärverwaltung.
Die Deutsche Bank hatte also eine zentrale Funktion in der Kriegswirtschaft der Nazis und bei der Ausplünderung der eroberten Gebiete. Entsprechend empfahlen die US-Berichterstatter seinerzeit, die Bank zu liquidieren. Ihre verantwortlichen Mitarbeiter seien als Kriegsverbrecher vor Gericht zu stellen und »die leitenden Mitarbeiter der Deutschen Bank (müssten) von der Übernahme wichtiger oder verantwortlicher Positionen im wirtschaftlichen Leben Deutschlands ausgeschlossen werden«. Nichts von dem geschah. Deutsche-Bank-Chef Herman Josef Abs, der im Aufsichtsrat der IG Farben gesessen hatte, war noch viele Jahrzehnte eine der einflussreichsten Personen Westdeutschlands. Das ist die Tradition derjenigen, die heute Antifaschist:innen kriminalisieren.
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