Faschistische Propagandashow
Olympische Spiele in Nazideutschland
von Ulrich Schneider
Faschistische Propagandashow und antifaschistischer Widerstand
Vor 90 Jahren, 1936, erhielt das faschistische Deutschland eine, aus seiner Sicht großartige Gelegenheit, sich als »friedlicher« und »weltoffener« Staat zu präsentieren, in dem Ruhe, Recht und Ordnung herrschten. In dem Jahr fanden die Olympischen Spiele in Deutschland statt. Vom 6. bis 16.Februar war Garmisch-Partenkirchen Austragungsort der Olympischen Winterspiele. Vom 1. bis 16.August folgten die Sommerspiele in Berlin, der »Reichshauptstadt«.
Putsch gegen die Republik
Vor 90 Jahren: Putsch und Bürgerkrieg in Spanien
Was wir daraus lernen können…zum Beispiel für die Vergesellschaftungsdebatte
von Paul Michel
Am 17.Juli 1936 begann in Spanien ein Putsch faschistischer Generäle. Mit Unterstützung der Kirche sowie der faschistischen Staaten Italien und Deutschland versuchten sie, die Regierung der Volksfront zu stürzen. Aus der ganzen Welt strömten Freiwillige nach Spanien, um die Republik in dieser ersten großen internationalen Konfrontation mit dem Faschismus, dem Vorspiel zum Zweiten Weltkrieg, zu verteidigen.
Letztlich vergeblich. Während Italien und Deutschland Waffen schickten und die deutsche Luftwaffen-Legion Condor für die Putschisten bombte, hatten die westlichen Demokratien Frankreich und England ein Waffenembargo verhängt. In gewisser Weise waren sie damit nicht ganz unschuldig am Sieg der Faschisten 1939, die unter anderem auch britische Bergbauinteressen gegen die Arbeiter verteidigten.
Wir beleuchten in vier Beiträgen den Beginn des Bürgerkriegs. Über sein Vorgeschichte hatten wir kürzlich bereits hier geschrieben.
Sowjetische Ehrenmale bedroht
Geschichtspolitik der Berliner Grünen
von Wolfgang Pomrehn
Die Berliner Grünen sind der Meinung, dass die sowjetischen Ehrenmale der Stadt »kontextualisiert« werden müssen. Mehrere zehntausend Rotarmisten hatten einst sterben müssen, weil die Naziführung einen längst verlorenen Krieg bis zum bitteren Ende weiterführen wollte, hatten sterben müssen, weil die Bevölkerung des einst roten Berlins keinen Aufstand zuwege brachte. Die Ehrenmale erinnern an sie und sind zugleich für einen Teil von ihnen Begräbnisstätten.
1936: Volksfront bringt bezahlten Urlaub
Frankreich: für die Arbeitenden öffnete sich das Tor zu einer sozialen Revolution
von Paul Michel
Am 3. Juni 1936 übernahm eine Volksfrontregierung mit Leon Blum an der Spitze in Frankreich die Regierungsgeschäfte. Die Bilanz dieser Regierung ist zwiespältig. Sie hatte Sonnenseiten und Schattenseiten. Im nachfolgenden Text geht es überwiegend um die Sonnenseiten.
UN-Resolution gegen Sklaverei
Die Kolonialmächte müssen zahlen
von Angela Klein
Am 25.März 1807 wurde der Sklavenhandel in Großbritannien verboten – 400 Jahre nach Beginn des transatlantischen Sklavenhandels; in den USA wurde er für alle Bundesstaaten erst 1865 untersagt. Im Jahr 2007 beschloss die UN-Vollversammlung, den 25.März zum Gedenktag für die Opfer der Sklaverei auszurufen.
Niederlagen eingestehen
Eine Antwort auf Bernd Gehrke in SoZ 4/2026
von Klaus Dallmer
Bernd Gehrke umschifft mit seiner Kritik an meiner Stellungnahme in SoZ 2/2026 den Kern des Problems. Wir kennen uns ja und er weiß genau, dass ich dieselbe Auffassung von Sozialismus vertrete wie er: Es muss die Arbeiterklasse selbst sein, die herrscht. Unsere Differenz beginnt woanders.
Leuchtturm Saxby
Mehr als eine Navigationshilfe
von Kai Böhne
In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurde Gusseisen zunehmend für große Bauwerke verwendet, für Brücken, Viadukte und auch für Leuchttürme. So wurde 1871 auf der estnischen Insel Vormsi der gusseiserne Leuchtturm Saxby errichtet. Ein erstes Leuchtfeuer stand dort bereits seit 1864, doch Stürme und zunehmender Schiffsverkehr erforderten ein leistungsstärkeres Schifffahrtszeichen.
Geschichte und politische Macht ökonomischer Ideen (Teil X)
Neoliberalismus: Markt gegen Sozialismus
von Ingo Schmidt
Nach dem Zweiten Weltkrieg war in konservativ-liberalen Kreisen die Ansicht verbreitet, der Marsch in den Sozialismus lasse sich vielleicht verlangsamen, aber nicht aufhalten. Der Sozialismus war, obwohl gespalten in Kommunisten im Osten, Sozialdemokraten im Westen und nationale Befreiungsbewegungen im Süden, zu einer realen Kraft geworden.
500 Jahre Bauernkrieg, Teil 13
…die Enkel fechten’s besser aus
von Angela Klein
Im Vorwort zu seiner Arbeit über den »deutschen Bauernkrieg« hebt Friedrich Engels die Leistungen hervor, die die »Bauern und Plebejer« damals erbracht haben: dass sie »mit Ideen und Plänen schwanger gingen, vor denen ihre Nachkommen oft genug zurückschaudern«.
Einige dieser Pläne haben wir im Rahmen dieser Serie vorgestellt, andere wären noch zu nennen. Manche, die besonders weit vorgriffen in der gedanklichen Umgestaltung der Gesellschaft, waren das Werk einzelner Bauernführer, die ihre Vorstellungen zwar zu Papier brachten, aber den Bauernversammlungen gar nicht zur Annahme als Programm vorlegten, ganz zu schweigen von den kommunistischen Vorstellungen eines Thomas Müntzer, der jedoch in der Tradition der mittelalterlichen Ketzerbewegung steht und insofern aus der Reihe fällt.
Geschichte und politische Macht ökonomischer Ideen (Teil IX)
Neokolonialismus: Surplusprofite statt Souveränität
von Ingo Schmidt
Die marxistischen Imperialismustheorien haben klargemacht, weshalb sich die kapitalistische Produktionsweise über die ganze Welt ausbreiten, Produktivkräfte, Macht und Einkommen dabei aber ungleich zwischen imperialen Zentren und kolonialen Peripherien verteilen musste.
Politische Unabhängigkeit der Kolonien galt daher als erster Schritt zur Überwindung der aufgezwungenen Unterentwicklung. Die Sowjetunion, aus dem »peripheren Imperium« des Zarenreichs hervorgegangen, wurde zum Beleg, dass ein vorwiegend agrarisches und vom Weltmarkt ausgeschlossenes Land industrialisiert werden kann.
500 Jahre Bauernkrieg, Teil 12
Die Bauernrepublik
von Angela Klein
Die politisch fortgeschrittenste Bewegung spielte sich wohl in Tirol ab. Hier entzündete sich Anfang Mai 1525 ein erster Funke im Bistum Brixen.
Am Eingang zum Pustertal, lag die Bischofsstadt an der wichtigsten Handelsstraße nach Italien und war reich durch verschiedene Zolleinnahmen und durch Silberbergwerke.
Trotzkisten im Zweiten Weltkrieg
Ein internationalistischer Ansatz trotz Besatzung und Krieg
von Reiner Tosstorff
Über den Widerstand gegen die Nazis im Krieg gibt es immer noch Neues zu berichten. Vor sechs Jahren veröffentlichte Wladek Flakin im Schmetterling-Verlag ein Buch über den deutschen Trotzkisten Martin Monath, Arbeiter und Soldat. Ein Berliner Jude unter Wehrmachtssoldaten.
500 Jahre Bauernkrieg, Teil 11
Die Christliche Vereinigung
von Angela Klein
Die zwölf Artikel von Memmingen geben nur unvollständig die Vorstellungen wieder, die in der Bauernschaft gärten. Daneben hatten die in Memmingen zusammengetroffenen Haufen auch eine Bundesordnung beschlossen, die zum Teil ihre eigene Zusammenarbeit regeln sollte, dann aber auch darüber hinausgriff und Veränderungen in der Repräsentation und die Stellung der Bauernschaft im öffentlichen Leben der Zeit betrafen.
Geschichte und politische Macht ökonomischer Ideen (Teil VIII)
Keynes: Staatsintervention gegen kapitalistische Krise
von Ingo Schmidt
Als Massenideologie aufstrebender Arbeiterbewegungen wurde der Marxismus am Ende des 19.Jahrhunderts zu einer realen Herausforderung kapitalistischer Produktionsverhältnisse. Die Mehrheit der bürgerlichen, oft als neoklassisch bezeichneten Ökonomen reagierte darauf mit dem Rückzug in eine Traumwelt. Dort konnten Individuen nach eigener Fasson kaufen und verkaufen und darüber unbehelligt von Klassenkampf, Krise und Krieg selig werden.
500 Jahre Bauernkrieg, Teil 10
Die Zwölf Artikel von Memmingen
von Angela Klein
Das Jahr 1524 war ein Jahr der Gärung. Die Reformation hatte deutliche Spuren im Bewusstsein der aufständischen Städte und Bauern hinterlassen. Die freie Wahl der Pfarrer und die Abschaffung des Zehnten waren jetzt fester Bestandteil der Forderungen.
Geschichte und politische Macht ökonomischer Ideen (Teil VII)
Die Industrialisierungsdebatte in der UdSSR
von Ingo Schmidt
Zur Erinnerung: Ende des 19.Jahrhunderts propagierten konservative Politiker offen eine imperialistische Politik, um die mit der Industrialisierung entstandenen sozialen Spannungen zu lösen. In der Sozialdemokratie wurde darüber gestritten, ob der Imperialismus den Interessen der Arbeiterklasse förderlich sei, wie die Konservativen behaupteten, oder zu Kriegen führe, in denen Arbeiter der industriellen Zentren sich gegenseitig ermordeten, weil der in die Ferne getragene Kampf um neue Märkte zu unüberbrückbaren Spannungen zwischen den herrschenden Klassen der Zentren führen würde.
Der Bauernaufstand 1525
…erzählt mit Zeichnungen und Sprechblasen
von Nele Johannsen
Giulio Camagni: 1525. Der Aufstand. Wien: Bahoe, 2024. 128 S., 28 Euro
Auch dieses Buch ist etwas für den Gabentisch – ansprechend illustriert und leicht verständlich erzählt, bringt es den Bauernkrieg auch Menschen ohne Vorkenntnisse näher.
500 Jahre Bauernkrieg, Teil 9
Das Reich Gottes
von Angela Klein
Der Rückgriff auf das Evangelium war damals allen gemeinsam, die gegen die Präpotenz der Kirche und der Landesfürsten aufbegehrten: Bauern, Städtern, Handwerkern, Kaufleuten, Gesellen und Tagelöhnern – und den Reformatoren der verschiedenen Richtungen, die mit ihren unterschiedlichen Akzenten unterschiedliche Klasseninteressen zum Ausdruck brachten.
Listen to the Echo
Eine Ausstellung im Museum Folkwang in Essen
von Rolf Euler
»Hört auf das Echo!« nennt der südafrikanische Künstler William Kentridge eine Ausstellung über Jahrzehnte seines umfangreichen und vielseitigen Schaffens anlässlich seines 70.Geburtstags. Das Museum Folkwang in Essen erinnert an ihn mit Bildern, Grafiken, Tapisserien, vor allem mit Videos aus der Zeit der Apartheid in Südafrika und der Zeit danach.
Frantz Fanon (1925–1961)
›Es geht darum, eine Geschichte der Menschheit zu beginnen‹
dokumentiert
Arzt, antifaschistischer Partisan, Teilnehmer am algerischen Befreiungskampf und Pan-Afrikanist – Frantz Fanon war einer der einflussreichsten antikolonialen Theoretiker seiner Zeit. Sein bekanntestes Werk, Die Verdammten dieser Erde, gilt als das kommunistische Manifest der antikolonialen Revolution. Nachstehend Auszüge aus dem Nachwort.
500 Jahre Bauernkrieg, Teil 8
Das göttliche Recht
von Angela Klein
Im Jahr 1476 macht eine Schrift namens Reformatio Sigismundi die Runde. Sie war in deutscher Sprache verfasst und griff die Reformvorschläge auf, die auf Betreiben des Kaisers Sigismund auf dem Konzil von Basel 1431–1449 verhandelt worden waren.
Bergarbeiteraufstand 1525
Soziale Bewegung der Bergleute im Königreich Ungarn
von Kai Böhne
Die ersten mittelalterlichen Städte im Königreich Ungarn entstanden zu Beginn des 13.Jahrhunderts vorrangig auf dem Gebiet der heutigen Slowakei. Verantwortlich hierfür war der Bergbau, der vom Spätmittelalter bis ins 18.Jahrhundert ermöglichte, dass sich das slowakische Gebiet zum wohlhabendsten Teil des Königreichs Ungarn entwickeln konnte.
Anna Seghers (1900–1983)
Der Traum von einer veränderbaren Welt
von Volker Brauch
Am 19.November jährt sich der 125.Geburtstag von Anna Seghers.
500 Jahre Bauernkrieg, Teil 7
Das alte Recht
von Angela Klein
Der Rechtsboden, auf dem die Bauern in Deutschland bislang gestanden hatten, war ein Gewohnheitsrecht, von den Vorfahren überliefert. Es wurzelte in der germanischen Rechtsauffassung, wonach das Recht ein Stück der Weltordnung war, von Gott oder den Göttern geschaffen und darum unerschütterlich. Das Recht stand auch über dem Staat. Kein König und kein Fürst konnte neues Recht schaffen. Das von Alters her gegebene Recht konnte nur vom gemeinsamen Prozess von Kläger und Beklagtem »gefunden« werden.
Die Fryheit
500 Jahre Bauernkrieg, Teil 6
von Angela Klein
Die Protagonisten der Aufstände der Jahre 1524–1526 bezeichneten sie nicht als Krieg, das war die Zuschreibung der Gegenseite. Sie sprachen vom »Aufstand des gemeinen Mannes«. Das bezeichnete alle, in Stadt und Land, die einer Herrschaft untertan waren, jedoch nicht Mägde und Knechte, fahrendes Volk und Söldner.
Drei slowakische Antifaschistinnen
Sonderbriefmarke: Frauen in der Widerstandsbewegung
von Kai Böhne
Anfang Mai 2025 meldete Radio Slovakia International*, die slowakische Post habe eine Sonderbriefmarke zum Thema »Frauen in der antifaschistischen Widerstandsbewegung« herausgegeben. Auf dem 2,70-Euro-Wert seien Porträts von Chaviva Reickova (1914–1944), Dalma Spitzerova, geb. Holanova (1925–2021) und Marina Paulinyova (1897–1945) im Profil abgebildet.
Das meistdiskutierte Tor
Sonderbriefmarke für Linienrichter Tofig Bahramov in Aserbaidschan
von Kai Böhne
Zu seinem 100. Geburtstag widmete Aserbaidschan dem Wembley-Linienrichter Tofig Bahramov eine Sonderbriefmarke.
»Fußball ist ein einfaches Spiel: 22 Männer jagen 90 Minuten lang einem Ball nach und am Ende gewinnen immer die Deutschen“, erklärte Gary Lineker im Juli 1990, nachdem England durch Elfmeterschießen im Halbfinale der Fußballweltmeisterschaft gegen Deutschland ausgeschieden war.
500 Jahre Bauernkrieg, Teil 5
Das Recht
von Angela Klein
Der Einzug der Geldwirtschaft war einer der Gründe für die Verschlechterung der Lage der Bauern Ende des 15./Anfang des 16. Jahrhunderts. Ein zweiter war die zunehmende Einführung des römischen Rechts; es löste das bis dato geltende Gewohnheitsrecht ab.
Gewaltgeschichte
Das Vergangene ist nicht tot
von Rolf Euler
Peter Seibert: Die Niederschlagung des Bauernkriegs. Bonn: J.H.W.Dietz, 2025. 304 S., 26 Euro
Der Bauernkrieg in Deutschland fand vor 500 Jahren statt. Sollte das die Gegenwart berühren? Peter Seibert, ehemaliger Professor für Sozialgeschichte der Literatur in Siegen, hat dazu ein detailreiches, fesselndes Buch geschrieben.
Die Geburt des destruktiven Heldencharakters
›Zeitenwende‹ und Kriegsvorbereitung an der Heimatfront
von Jürgen Meier
Mit der »Zeitenwende« und dem Aufruf der Regierung, Deutschland müsse wieder kriegstüchtig werden, kommt der manipulativen Kriegsvorbereitung an der Heimatfront eine besondere Aufgabe zu. Im Ernstfall, so Pistorius, würden junge Frauen und Männer gebraucht, die dieses Land verteidigen können: »Wir müssen durchhaltefähig und aufwuchsfähig sein.«
43 Trillionen Varianten
Vor 50 Jahren ließ Erno Rubik seinen Zauberwürfel patentieren
von Kai Böhne
Im Dezember 2015 saß ein Doktorand auf dem hochgefahrenen Studiosessel dem Moderator der Privatfernseh-Quizshow Wer wird Millionär? gegenüber. Über eine halbe Stunde hatte er alle Fragen richtig beantwortet. Nun kam die finale Frage: »Aus insgesamt wie vielen Steinchen besteht der klassische von Erno Rubik erfundene Zauberwürfel?«
Der Bauernkrieg
Die Städte
dokumentiert
Die Erhebungen der Bauern, die seit den 1470er Jahren verzeichnet sind, fallen in eine Periode der Erholung von über 150 Jahren Agrardepression: Im letzten Drittel des 15.Jahrhunderts nimmt die Bevölkerung wieder zu, verlassene Dörfer werden neu besiedelt, die Getreidepreise steigen allmählich. Die Städte hingegen hatten in der Zeit nicht gedarbt: Die Nachfrage nach verarbeiteten Eisen- und Tuchwaren war gestiegen, Handwerk war gefragt, die Löhne waren hoch, weil Arbeitskräfte knapp waren, statt Getreide gab es Fleisch zu essen. Und der Fernhandel breitete sich aus.
Der Bundschuh
Historische Bewegung mit antifeudalen Forderungen
dokumentiert
Ein halbes Jahr nach der Niederschlagung des Kemptner Aufstands 1493 wurde nördlich von Schlettstadt im Elsass eine Verschwörung unter dem Zeichen des Bundschuhs aufgedeckt.
Der Bundschuh war die Fußbekleidung des armen Mannes; durch seine langen Riemen wurde er zum Symbol des Zusammenschnürens und Verbindens. Erstmals hatten sich Bauern 1439 unter diesem Zeichen erhoben.
Äthiopische Kunst im Kunstpalast Düsseldorf
Elias Sime: Geschichte, Verbundenheit und Transformation
von Nele Johannsen
Der äthiopische Künstler Elias Sime erzählt von globalen Verbindungen und persönlichen Geschichten mit Hilfe von alltäglichen, uns allen bekannten Gegenständen, die bereits eine eigene Reise hinter sich haben. Die aktuelle Ausstellung »Echo« im Kunstpalast Düsseldorf bietet spannende Einblicke in sein Schaffen, dessen Werke Material und Farbe, Tradition und Transformation, Natur und Technologie in lebendigen und faszinierenden Kompositionen vereinen.
Der deutsche Bauernkrieg II
Der Pfaffenhass
Zwei Jahre nach dem Aufstandsversuch in Niklashausen erhoben sich die Bauern in der Obersteiermark und kurz danach in Kärnten. Ihre Forderungen beschränkten sich auf die Ablehnung der zusätzlichen Lasten, die ihnen mit dem Einzug der Geldwirtschaft aufgebürdet wurden. Zusätzlich hatten sie unter wiederholten Türkeneinfällen zu leiden.
Erinnerungslücken – Voraussetzung für kommende Kriege
Zur Aktualität einer Ausstellung über die Dritte Welt im Zweiten Weltkrieg
von Albrecht Kieser
»Die beiden [ersten] Weltkriege haben im Großformat gezeigt, wie Menschen durch den Krieg in die Barbarei zurückfallen, moralische Grenzen durchbrochen werden und jede Humanität verloren geht.« Das schreibt Kum’a Ndumbe III., Professor an der Universität Yaoundé in Kamerun. Er schreibt es im Vorwort für ein Buch, das in diesen Zeiten jede:r zur Hand nehmen sollte. Denn die Lektüre macht immun gegen die Lüge, ein Krieg – zumal ein Weltkrieg – sei nicht die Katastrophe schlechthin, bestialisches Morden in ungeheurem Ausmaß, Unterwerfung, Grausamkeit, Verstümmelung, Vergewaltigung, Vernichtung.
Alte Wunden
Das Wirken der ukrainischen Nationalisten im Weltkrieg
von Norbert Kollenda
Franziska Bruder: Den ukrainischen Staat erkämpfen oder sterben! Die Organisation ukrainischer Nationalisten (OUN) 1929–1948. Berlin: Metropol, 2007. 280 S., 19 Euro
500 Jahre Bauernkrieg
Der Pfeifer von Niklashausen
von Angela Klein
Zeitig im Frühjahr 1476 liefen Zehntausende »Handwerksknecht aus den Werkstätten, die Baurenknechte von dem Pflug und die Grasemägde mit ihren Sicheln und Stümpfen, ohne allen Uhrlaub ihrer Meister und Obrigkeit dahin, liessen liegen Werkzeug, Pflüge, Kötzen und anders, und reiseten in den Kleidern, darinnen sie diese Tobesucht begriffe, gen Niclashausen. Der mehrere Teil aus ihnen hatte keine Zehrung, die aber, zu denen sie auf dem Wege einkehrten, versahen sie mit Essen und Trinken. Und war der Gruß unter ihnen nicht anders, denn Bruder und Schwester.«
Geschichte und politische Macht ökonomischer Ideen (Teil V)
Neoklassik: Der Kunde ist König
von Ingo Schmidt
Zur Erinnerung: Marx hatte erkannt, dass kapitalistischer Reichtum entsteht, weil Arbeiter ihre Arbeitskraft zu ihrem vollen Wert verkaufen bzw. entsprechend bezahlt werden, die Verausgabung ihrer Arbeitskraft aber einen über diesen Wert, sprich: die Reproduktionskosten der Arbeitskraft, hinausgehenden Mehrwert schafft. Dieser Mehrwert fließt in die Taschen der Kapitalisten, sobald sie die Waren, die mithilfe der von ihnen gekauften Arbeitskräfte und Produktionsmittel hergestellt wurden, verkaufen.
Der Verfall der deutschen Erinnerungspolitik
Enzo Traverso kritisiert den Missbrauch der Erinnerung an den Holocaust zur Rechtfertigung des Völkermords in Gaza
von Arn Strohmeyer
Enzo Traverso: Gaza im Auge der Geschichte. Berlin: Wirklichkeit Books, 2024. 132 S., 18 Euro
In Deutschland gibt es nicht viele Medien, die aussprechen, was gerade in Gaza passiert. Da ist immer noch die Rede von der »Selbstverteidigung« gegen die »Terroristen« der Hamas. Schilderten diese Medien die wirklichen Geschehnisse im Gazastreifen, müsste man das unaufrichtige Verhältnis, das Deutschland mit Israel verbindet und das das ideologische Fundament des deutschen Staates ist, in Frage stellen.
Der Bauernkrieg in Lindau
Broschüre über die Erhebung der Bauern am Bodensee und im Allgäu
von ak
Karl Schweizer, Johannes C. Wolfart: Der Bauernkrieg 1525/26 in Stadt und Landkreis Lindau. Lindau: Edition Inseltor, 2024. 118 S., 19 Euro
www.edition-inseltor-lindau.de
Vor 500 Jahren
Der deutsche Bauernkrieg
von Jürgen Bönig
Im Februar 1525 formulierten Bauern im oberschwäbischen Memmingen Zwölf Artikel der Bauernschaft, sie benannten die Gründe für ihren im Frühjahr folgenden Aufstand. Sie legten damit den Grundstein für die erste große Revolution in der modernen Geschichte, die sich in deutschen Landen, der Schweiz und Österreich ausbreitete; sie hatte Vorläufer in den Niederlanden, Ungarn und Slowenien gehabt.
Wie Russland wurde, was es ist
Kapitalismus ohne Demokratie
von Elfriede Müller
Katharina Bluhm: Russland und der Westen. Ideologie, Ökonomie und Politik seit dem Ende der Sowjetunion. Berlin: Matthes und Seitz, 2024. 490 S., 34 Euro
Marija Gimbutas (1921–1994)
Woher das Patriarchat kommt
von Angela Klein
Generationen von Anthropologen, Archäologen, Ethnologinnen und Feministinnen haben versucht herauszufinden, ob es in der Vorgeschichte der Menschheit Beweise für die Existenz nichtpatriarchalischer und egalitärer Gesellschaften gegeben hat. Ein solcher Nachweis ist für die Glaubwürdigkeit der marxistischen Gesellschaftskritik von herausragender Bedeutung. Würde er doch bekräftigen, dass Klassengesellschaft und Patriarchat – beides hängt eng zusammen – etwas geschichtlich Gewordenes und nicht etwas dem Menschen wesenhaft Anheftendes sind; und da sie menschengemacht sind, können sie auch wieder abgeschafft werden.
›Das ist kolonial!‹
An den Rand notiert
von Rolf Euler
So hieß eine Ausstellung im Landesmuseum Westfalen-Lippe (LWL) »Zeche Zollern« in Dortmund in diesem Sommer. In der Umgebung eines ehemaligen Bergwerks sollte auf die deutsche Geschichte der Kolonialzeit hingewiesen werden.
Erinnert euch!?
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Urlaub in Frankreich – so freundliche Gastgeber:innen, so wanderbare Gegenden, so gute Begegnungen und so hervorragendes Essen und Wein.
Urlaub in Frankreich: So viele Mahnmale stehen am Straßenrand. Sommer 1944, der Einmarsch der Alliierten in Frankreich ist gelungen, an vielen Orten im Süden werden deutsche Truppen abgezogen. Sie hinterlassen Verbrechen, deren in diesem Jahr nach 80 Jahre in vielen Städten gedacht wird, zusammen mit dem Gedenken an die Befreiung von den Besatzern.
Vor 40 Jahren: Der Streik der britischen Bergleute
Frauen waren das Rückgrat eines historischen Arbeitskampfes
von Ayse Tekin
Vor 40 Jahren, vom 10. bis 20.Oktober 1984, besuchten Frauen der streikenden Bergleute aus England, Kay Sutcliffe und Marie Collins, Deutschland, um hier für Solidarität mit einem spektakulären Arbeitskampf zu werben. Auf zahlreichen Veranstaltungen wurde Geld gesammelt. In Köln bildete sich eine Unterstützergruppe für die Zeche Snowdown, die von dem Arbeitskreis »Frau und Arbeit« getragen wurde. Die Gruppe sammelte Geld und Geschenke, eine Delegation aus fünf Frauen brachte sie persönlich zur Weihnachtszeit nach Aylesham/Kent.
Bertha von Suttner (1843–1914)
Die Waffen nieder!
von Gisela Notz
Als Vorkämpferin der Friedensbewegungen hat die Schriftstellerin Bertha von Suttner den bürgerlichen Frauengruppen der Jahrhundertwende entscheidende Impulse gegeben. Obwohl sie aus österreichischem Adel stammte, fand sie die Verbindung zur sozialistischen Frauenbewegung und selbst August Bebel hatte Kontakt zu ihr. Mit dem Antikriegsroman Die Waffen nieder! schrieb sie einen der wichtigsten Romane ihrer Zeit. Ihr Leben ist selbst ein Roman.
Geschichte und politische Macht ökonomischer Ideen (IV)
Karl Marx und Mary Burns: Die verborgene Stätte der Produktion
von Ingo Schmidt
Zur Erinnerung: Thomas Malthus sah in steigenden Löhnen die Ursache einer die Agrarproduktion übersteigenden Bevölkerungszunahme. Hunger und ein Rückgang von Bevölkerung und Löhnen auf ihr ursprüngliches Niveau seien die Folge. David Ricardo übernahm Malthus’ Lohntheorie – von Ferdinand Lassalle als »ehernes Lohngesetz« bezeichnet. Wachsende Bevölkerungs- bzw. Beschäftigungszahlen galten ihm allerdings als möglich und notwendig, weil er – wie fast alle klassischen Liberalen – die Arbeit als Quelle von Wert und Profit ansah.
Alice Milliat
Der Kampf der Frauen für Gleichberechtigung im Sport bei den Olympischen Spielen
von Kai Böhne
Die ersten Olympischen Spiele der Neuzeit 1896 in Athen waren, ebenso wie in der Antike, reine Männersache. Das im Juni 1894 gegründete Internationale Olympische Komitee (IOC) legte wenig Wert auf Frauensport, er galt zu Beginn des 20.Jahrhunderts als unschicklich. Das änderte sich auch in den Folgejahren nur in sehr kleinen Schritten: 1900 durften Frauen bei den Olympischen Spielen im Tennis und Golf starten, vier Jahre später auch im Bogenschießen, 1908 im Eiskunstlauf und 1912 feierten sie ihr Debüt im Schwimmen.
Vor 109 Jahren: Das Zimmerwalder Manifest
Proletarier aller Länder vereinigt euch!
dokumentiert
In Erwägung
– dass wir erneut auf einen Weltkrieg zusteuern,
– dass ein solcher die Spezies Mensch bedrohen würde,
– dass nur die Besitzenden ein Interesse an diesem Krieg haben können,
– und dass nur die entschlossene gemeinsame, internationale Aktion ihn verhindern kann,
veröffentlichen wir hiermit noch einmal das Zimmerwalder Manifest von 1915.
Es ist leider wieder sehr aktuell.
Erich Mühsam, 1878–1934
Literat – Pazifist – Anarchist
von Volker Brauch
Das literarische und politische Schaffen von Erich Mühsam ist geprägt durch die unbedingte Aufrichtigkeit und Kompromisslosigkeit, seinen Traum von einem selbstbestimmten, freien Menschen zu verwirklichen. Er bezahlte ihn mit Anfeindungen, Niederlagen, Gefängnisaufenthalten, Folter und letztlich mit dem Tod. Seine Parteinahme galt immer den Ausgestoßenen, Entrechteten und Ausgebeuteten, denen er sich mit tiefem menschlichem Gefühl verbunden fühlte. Bis heute zeigt sein Lebenswerk eine große Strahlkraft. Der 10. Juli, 90.Jahrestag seines Todes, ist ein Anlass, an ihn zu erinnern.
Die ›dritte Zerstörung Stuttgarts‹
Vor 30 Jahren wurde mit Stuttgart 21 die Zerstörung des Bahnknotens und der neoliberale Umbau der Stadt angeschoben
von Tom Adler
Vor 30 Jahren, am 18.April 1994, wurde das Tunnelbahnhofsprojekt Stuttgart 21 von fünf profitlich feixenden Herren der Presse vorgestellt. Kein Superlativ sei übertrieben, strahlte Ministerpräsident Erwin Teufel, sekundiert von Herren, die inzwischen meist tot oder nicht mehr zur Verantwortung zu ziehen sind für das, was sie seither der Stadt und dem Bahnverkehr angetan haben: Die fatalste Weichenstellung für Stuttgart nach dem (Nachkriegs-)Umbau zur »autogerechten Stadt«.*
Geschichte und politische Macht ökonomischer Ideen (II)
Adam Smith: Freihandel fürs Kleinbürgertum
von Ingo Schmidt
Adam Smith (1723–1790) war ein Kind der herrschenden Klasse. Der Vater Anwalt, die Mutter Grundbesitzerin. Er hatte einflussreiche Freunde mit einem offenen Ohr für seine ökonomischen Theorien und politischen Ratschläge. Aber erst nach seinem Tod wurden seine Ideen zu einem der zentralen Bezugspunkte des Liberalismus. Die »unsichtbare Hand des Marktes« ist bis heute gängige Floskel liberaler Theorie und Ideologie, obwohl sie bei Smith nicht mehr als eine nebenbei erwähnte Metapher ist.
Briefträger-Palast
Ein Denkmal aus Wegesrand-Steinen
von Kai Böhne
Unabhängig von allen künstlerischen Strömungen gestaltete der französische Postzusteller Ferdinand Cheval ein einzigartiges, märchenhaftes Bauwerk aus Wegesrand-Steinen.
In seiner Bibelübersetzung des Buches Jesaja schreibt Martin Luther vom »Stein des Anstoßes« und vom »Fels des Ärgernisses« (Jes.8,14). Seine Formulierung wurde zum Allgemeingut und kennzeichnet im übertragenen Sinn den Auslöser eines Streits oder Ärgernisses.
Immanuel Kant (1724–1804)
›Der Friede ist das Meisterwerk der Vernunft‹
von Hermann Klenner
Immanuel Kant wurde am 22.April 1724 als viertes von neun Kindern des Handwerkmeisters Johann Georg Kant und dessen Ehefrau Anna Regina Kant geboren. Von 1730 bis 1732 besuchte er eine Hospitalschule, danach bis 1740 das pietistische Kollegium Fridericianum. Seine Mutter wie sein Vater erhielten nach ihrem Ableben 1737 bzw. 1746 ein Armenbegräbnis. 1740 begann er ein Universitätsstudium, verließ aber die Universität ohne Examina.
Industrie-Kultur
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Im Ruhrgebiet wird das 25.»Geburtsjahr« der Route der Industriekultur begangen. 1999 waren gerade heftige Bergarbeiterproteste gegen die vorzeitigen Stilllegungspläne aus Bonn verebbt, Stahlindustrie, Bergwerke und Kokereien gab es noch in deutlich sichtbarer Größe. Nun aber wurden alte Standorte entgegen Abrissplänen erhalten. Daraus wurde eine »Route der Industriekultur« erfunden – das zeigte den reformerischen Blick der Zeit.
Vor 100 Jahren: Rebel Girl auf Rädern
Alfonsina Strada, die einzige Starterin beim Giro d’Italia der Männer
von Kai Böhne
Neben der Tour de France und der Vuelta a España gehört der Giro d’Italia weltweit zu den bedeutendsten Länderrundfahrten des Straßenradsports. Seit 1909 wird der Giro alljährlich im Mai ausgetragen. Die wechselnde Streckenführung führt durch Italien und das angrenzende Ausland. Bis in die 60er Jahre startete das Rennen in Mailand, dem Hauptsitz der Tageszeitung Gazzetta dello Sport, die den Wettstreit als Werbeaktion initiiert hatte.
Rund acht Jahrzehnte hindurch war der Giro eine reine Männerdomäne. Frauen waren ausgeschlossen.
Die großen Streiks 1924
Eine Ausstellung in Wuppertal
dokumentiert
14.April bis 12.Mai 2024
Verteilungsstelle Kunst und Geschichte
Sedanstr.86/88, 42281 Wuppertal
Jeweils Sa und So von 13 bis 17 Uhr, Tel. (0202) 763553, Eintritt frei
Kambodscha
Vom Terrorregime der ›Roten Khmer‹ zum Kapitalistenparadies
von Gerhard Klas
Ein weitläufiger Schulcampus in der kambodschanischen Hauptstadt Phnom Penh, gesäumt von Palmen, Kokos- und Mangobäumen. Ein paar verrostete Stangen aus Stahl stehen auf dem Hof. Sie erinnern an ein Gestell, an dem vielleicht einmal Schaukeln hingen. Ab 1975, das ist gewiss, dienten sie dazu, die Insassen des berüchtigten Gefängnisses S-21 bzw. Tuol Sleng zu foltern. Ihnen wurden die Hände hinter dem Rücken mit einem Seil zusammengebunden, dann wurden sie hochgezogen und hängen gelassen – bis zum Eintritt der Bewusstlosigkeit.
Die Nelken sind verblüht
Zum 50.Jahrestag der portugiesischen Revolution
von Paul Stern
Agenten der faschistischen Geheimpolizei PIDE ermorden noch vier Menschen, bevor ihre Zentrale von den aufständischen Massen eingenommen wird: Am Morgen des 25.April 1974 besetzt die Bewegung der Streitkräfte (MFA – Movimento das Forças Armadas) verschiedene strategische Punkte in Lissabon und stürzt die 1926 errichtete faschistische Diktatur von António de Oliveira Salazar, dem Führer des Estado Novo. Das Ziel der Bewegung ist die Beendigung der 13 Jahre zuvor begonnenen Kolonialkriege, freie Wahlen und die Einführung einer bürgerlichen Demokratie.
Missak Manouchian (1906–1944)
Ein armenischer Résistancekämpfer in Frankreich
von Kai Böhne
Am 21.Februar 1944 wurde Missak Manouchian zusammen mit weiteren 25 Widerstandskämpfern auf dem Mont-Valérien hingerichtet. Unter den Toten waren 22 Mitglieder eines von Manouchian angeführten Partisanennetzwerks sowie drei bretonische Gymnasiasten, die wegen Freischärlertätigkeit verurteilt worden waren.
Hinter der Mauer
Jonathan Glazers The Zone of Interest
von Kurt Hofmann
Fein säuberlich getrennt. So verläuft das Leben des Ehepaares Höß in Auschwitz. Die Trennlinie ist nicht nur die Mauer zwischen dem von Frau Höß liebevoll angelegten Garten und den von ihrem Gatten Rudolf Höß geleiteten KZ. Sie steht auch paradigmatisch für die Ignoranz all derer, die ja, bewahre, keine Täter:innen waren, und nur »ihr Leben gelebt haben«, dabei alles relativierend, was außerhalb von Haus und Herd, »hinter der Mauer« vorging.
Wladimir Iljitsch Uljanow (22.April 1870–21.Januar 1924)
Lenin und die III.Internationale
von Elfie Müller
Die erste antikolonialistische Weltpartei, die Kommunistische Internationale, war die praktische Konsequenz von Lenins Imperialismusanalyse.
80 Jahre nach dem Ende der Belagerung von Leningrad
Der Vernichtungsfeldzug der israelischen Regierung und Armee in Gaza wirft viele Parallelen aufvon Hermann Dierkes
Der von Regierung und Armee offen propagierte, völkermörderische Vernichtungskrieg Israels gegen den Gazastreifen und seine 2,3 Millionen BewohnerInnen grassiert nun seit Anfang Oktober letzten Jahres. Nach drei Wochen pausenloser Bombardierung begann am 28.Oktober die Bodeninvasion mit weiteren schweren Bombardierungen, Artillerie- und Marinebeschuss, Sprengungen und Scharfschützen. Offiziell – und im klaren Gegensatz zu zahlreichen Ansagen israelischer Politiker und Offiziere – kämpft man nicht gegen die Bevölkerung von Gaza, sondern gegen die ”Terrororganisation Hamas”, die am 7. Oktober mit ihrem verheerenden Angriff auf israelische Grenzorte und der Mitnahme von Geiseln den Rachefeldzug ausgelöst hat.
Crimmitschau: ›Eine Stunde fürs Leben!‹
Vor 120 Jahren streikten im roten Sachsen die Textilarbeiterinnen
von Gisela Notz
Die Stadt Crimmitschau war im 19.Jahrhundert ein Zentrum der aufstrebenden Textilindustrie. Sie spielte schon früh eine Rolle in der deutschen Arbeiterbewegung. Bereits 1860 wurde hier ein Arbeiterbildungsverein gegründet, in dem die Weber:innen Unterricht im Rechnen und Schreiben, in Sprachen und Buchführung erhalten konnten.
Nie wieder ’33
Lieder und Texte gegen den Faschismus, zwischen gestern und heute
Ein Gespräch mit Bernd Köhler
Wolfgang Alles sprach für Avanti2 mit dem Mannheimer Musiker Bernd Köhler (Gitarre, Gesang) über das aktuelle »Musikalisch-literarische Programm zwischen gestern und heute«, das er zusammen mit der Schauspielerin Bettina Franke (Texte, Gedichte, Gesang) und dem Geiger Joachim Romeis realisiert hat.
Die wilden Streiks von ’73
Arbeitskämpfe vor 50 Jahren
von Thies Gleiss
Im Jahr 2023 jährten sich spektakuläre Arbeitskämpfe in Deutschland zum fünfzigsten Mal. Anders als noch zehn Jahre früher, wo der »Vierzigste« nur von der kleinen Szene linker Gewerkschafter:innen gewürdigt wurde, gab es diesmal eine umfangreiche politische und wissenschaftliche Begleitung des Jahrestages.
›Wer Bunker baut…
…wirft Bomben‹
von Rolf Euler
Berlin Story Bunker Museum
Schöneberger Str.23a, Berlin
www.berlinstory.de
Funken der Hoffnung
Die Februarkämpfe 1934 in Österreich
von Paul Stern
Am 12.Februar 2024 jährt sich zum 90.Mal der Beginn der Februarkämpfe 1934 gegen die Etablierung der austrofaschistischen Diktatur in Österreich. Der Zerschlagung proletarischer Strukturen wie des Republikanischen Schutzbunds der SDAP (Sozialdemokratische Arbeiterpartei) und dem Verbot der KPÖ (Kommunistische Partei Österreichs) stellten sich am 12.Februar 1934 bewaffnete Einheiten der Arbeiter:innen entgegen. Dies war der erste bewaffnete Widerstand in Europa gegen die wachsende Zahl autoritärer und faschistischer Staaten. Die Reaktion der Exekutive war hart und grausam: Standrecht, sofortige Todesstrafen, 2000 Getötete und unzählige zerstörte Wohnungen der Arbeiter:innen.
Über die Wurzeln des Nationalsozialismus
Die Freikorps. Eberts Regierungstruppen 1920
von Rolf Euler
Norbert Kozicki: Friedrich Eberts Regierungstruppen nach der Novemberrevolution. Die Geschichte des Freikorps Aulock, der 3.Marine-Brigade Loewenfeld und des Freikorps Ep. Beiträge zum Ursprung des deutschen Faschismus. Berlin: trafo, 2023. 496 S., 42,80 Euro
Man kann auch nichts lernen wollen…
Eine Ausstellung und ein Buch zum Hamburger Aufstand 1923
von Jürgen Bönig
Offensichtlich will das Bürgertum es sich mit seinen Verbrechen bequem machen und dabei gleich noch den Adel mit entschulden.
Ungewollt: bürgerschaftliche Erinnerungsarbeit
Dem Dokumentationszentrum Emslandlager wird gekündigt
von Rolf Euler
In Esterwegen, Standort eines Konzentrationslagers während der NS-Herrschaft, gibt es eine Gedenkstätte zu den Moorlagern. Im Emsland wurden politische Häftlinge ab 1933, später auch Kriegsgefangene, unter unmenschlichen Bedingungen im Moor eingesetzt, gequält, oft gefoltert und ermordet.
Vor 50 Jahren – der Ford-Streik
Erinnerungskultur und Arbeitskämpfe von Migrant:innen
von Ayse Tekin
In diesem Jahr wurde mit zahlreichen Veranstaltungen und Publikationen an den Kölner Ford-Streik 1973 und andere Arbeitskämpfe von Migrant:innen erinnert. So gut und so umfangreich diese Erinnerungsaktionen auch waren, stellt sich die Frage dennoch, warum diese Arbeitskämpfe nicht in das kollektive Gedächtnis der Gesellschaft, der Migrationsgesellschaft und auch nicht in die Gewerkschaftsgeschichte als ein Meilenstein für einen Wechsel der Perspektive eingegangen sind.
Der erste Fallschirmsprung
Tollkühn und hochriskant
von Kai Böhne
Im Mai 2022 meldete die Süddeutsche Zeitung einen Weltrekord: Die 103jährige Schwedin Rut Larsson sei als älteste Fallschirmspringerin in das Guinness-Buch der Rekorde aufgenommen worden.
223 Jahre zuvor gab es noch kein Guinness-Buch, sonst hätte die Französin Jeanne Labrosse (1775–1847) am 12.Oktober 1799 auch einen Eintrag im Buch der Superlative bekommen.
Eva Weissweiler: Villa Verde oder das Hotel in Sanremo. Das italienische Exil der Familie Benjamin
München: btb, 2022. 288 S., 22 Euro
von Manuel Kellner
Auf den ersten Blick erstaunt es, dass eine profilierte jüdische Publizistin auf der Flucht aus Nazideutschland ausgerechnet im faschistischen Italien für sechs Jahre ein Refugium gefunden hat, das auch immer wieder von ihrem geschiedenen Ehemann Walter Benjamin als »stiller Hafen« genutzt wurde. Ein genauerer Blick auf die Verhältnisse, die das ermöglichten, lohnt sich.
Die Wohnkolonie am Dunkelschlag
Ein Stück Siedlungsgeschichte der Bergleute in Oberhausen
von Klaus Offergeld
Es gibt in Deutschland nicht viele Orte, wo sich Milieus an ihren angestammten Orten halten konnten. Die Wohnkolonie am Dunkelschlag in Oberhausen ist so ein Ort.
Das war der ÖTV-Streik 1974
Er machte der Regierung einen Strich durch die Rechnung
Nachdruck aus Was tun
Lange Zeit galten im öffentlichen Dienst nur die Müllmänner und die Eisenbahner als kampffähig. Der ÖTV-Streik 1974 bewies erstmals das Gegenteil. Der nachstehende Nachdruck eines Artikels aus Was tun, einer Vorläuferzeitung der SoZ, beschreibt, wie es dazu kam.
Vom Mythos des fortschrittlichen Imperialismus
Ernest Mandel über die Rolle der arbeitenden Klassen im Zweiten Weltkrieg
von Angela Klein
Ernest Mandel: Der Zweite Weltkrieg. Frankfurt am Main: ISP, 1991. 248 S., 17,50 Euro, über Manifest-Verlag zu beziehen
Als Ernest Mandel 1995 starb, nannte ihn die Taz den »letzten Klassenkämpfer«. Mit der Landnahme des westlichen Kapitals in Osteuropa und dem Siegeszug des Neoliberalismus schien Klassenkampf obsolet geworden zu sein; Identitätspolitik trat an dessen Stelle. Die multiplen Krisen, die uns seither heimsuchen, allen voran die laufende Produktion von failed states, der zunehmende Hunger in der Welt und über allem die Klimakrise, haben die soziale Frage aber wieder auf die Tagesordnung gesetzt. In welcher Weise der Klassenkampf innerimperialistische Kriege beeinflussen kann, zeigt Mandel am Beispiel des Zweiten Weltkriegs.
Die 48er Revolution und die Bauern
Zum Andenken an Roman Rosdolsky (1898–1967)
von Angela Klein
Vor 175 Jahren erschütterten revolutionäre Erhebungen die europäischen Kernlande, die die Grundfesten der 1815 auf dem Wiener Kongress restaurierten Feudalordnung ins Wanken brachte. Danach setzte auch in Mitteleuropa ein Prozess der Nationalstaatsbildung ein, der erst nach dem Ersten Weltkrieg einen (vorübergehenden) Abschluss fand.
Hitler und das Kapital
Ein vernachlässigtes Kapitel – brandaktuell
dokumentiert
Mit freundlicher Genehmigung des Autors und des Papyrossa-Verlags veröffentlichen wir Auszüge aus dem Vorwort und dem Kapitel »Krisenauswege der wirtschaftlichen und politischen Eliten« von Ulrich Schneiders Buch 1933 – Der Weg ins Dritte Reich* (Zusammenstellung: Gerhard Klas).
Warum die deutsche Erinnerungspolitik gescheitert ist
Eine Kritik am offiziellen Gedenken an den Holocaust
von Hermann Dierkes
Arn Strohmeyer: Falsche Loyalitäten. Israel, der Holocaust und die deutsche Erinnerungspolitik. Wien: ProMedia, 2022. 180 S., 19,90 Euro
Die Unterdrückung der Palästinenser durch den israelischen Kolonialstaat und die buchstäblich blinde Ergebenheit der Bundesregierung, der EU und der »westlichen Welt« gegenüber der israelischen Regierung zählt mit zu den schlimmsten weltpolitischen Skandalen unserer Zeit.
Gejagt und verraten
Die KPD Südbayern in den 20er und 30er Jahren
von Peter Nowak
Max Brym: Skizzen – Arbeiterwiderstand in Südbayern. Berlin: Die Buchmacherei, 2022. 83 S., 6,50 Euro
Bayern ist als Ort der Reaktion schon in der Weimarer Republik bekannt. In München begann der Aufstieg der NSDAP. Nürnberg wurde zum Inbegriff der Reichsparteitage der NSDAP. Viel weniger ist über den linken Widerstand in Bayern bekannt.
›Lies Marx!‹
Was es heißt, Marxist zu werden und zu bleiben
von Mike Davis*
Seine Bücher öffneten neue Horizonte. Mike Davis schrieb über die Geschichte der Vereinigten Staaten, die koloniale Politik des Hungers, die wachsende Gefahr durch Pandemien, Megastädte im Globalen Süden und, immer wieder, über die politische Ökonomie der Stadt. Als »marxistischer Umweltschützer«, wie er sich selbst bezeichnete, deckte er Zusammenhänge auf, die bis dahin weder in der bürgerlichen Öffentlichkeit noch in der linken Debatte beachtet worden waren.
Dem Vergessen entrissen: Betty Rosenfeld
Auf den Spuren einer jüdischen Kommunistin aus der Weimarer Zeit
von Peter Nowak
Michael Uhl: Betty Rosenfeld. Zwischen Davidstern und roter Fahne. Biographie. Stuttgart: Schmetterling, 2022. 672 S., 39,80 Euro
Den Anfang machte ein vergilbtes Aktenbündel, das der junge linke Student Michael Uhl 1994 in einem spanischen Bürgerkriegsarchiv auf der Suche nach Dokumenten über die Internationalen Brigaden im Spanischen Bürgerkrieg fand.
Trotzki über Antisemitismus und die ›jüdische Frage‹
Eine Dokumentensammlung von Mario Keßler
von Reiner Tosstorff
Leo Trotzki oder: Sozialismus gegen Antisemitismus. Hrsg. Mario Keßler. Berlin: Karl Dietz Verlag, 2022. 191 S., 12 Euro
Zwei Familien
Jürgen Meier: Wöbkenbrot und Pinselstrich. Klipphausen/Miltitz: Mirabilis, 2021. 344 S., 24 Euro
von Ravi Kühnel
Zwei Familien, eine bewegte Zeitepoche. Jürgen Meier führt uns in seinem historischen Roman durch die späte Kaiserzeit, den Ersten und Zweiten Weltkrieg, die Weimarer Republik bis hinein in die Student:innenbewegung der Nachkriegszeit.
Alexandra Kollontai und die Neue Frau
Die Vordenkerin der sexuellen Befreiung wurde vor 150 Jahren geboren
von Elfriede Müller
Alexandra Kollontai (1872–1952) war eine der schillerndsten Persönlichkeiten der kommunistischen Weltbewegung. Sie widmete sich zwei Schlüsselfragen: der Sexualität und der Familie.
Ausgegraben
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Am 6.Januar war der 200.Geburtstag von Heinrich Schliemann. Sein bewegtes Leben ist erschlossen, sein «Ruhm» von vor 150 Jahren hat seitdem einige Beulen bekommen. Er gilt als der Entdecker von Troja, als ungelernter Archäologe mit Glück bei der Auffindung vieler antiker Schätze, an denen er sich teilweise persönlich bereicherte.
Die Wannseekonferenz vor 80 Jahren
Übergang zum systematischen Massenmord an den Juden
von Larissa Peiffer-Rüssmann
In einer Villa am Berliner Wannsee treffen sich am 20.Januar 1942 hochrangige Vertreter der Ministerialbürokratie sowie der Polizei und der SS, um die Deportation und Ermordung der gesamten jüdischen Bevölkerung Europas einzuleiten.
Rosa Luxemburg – eine Zusammenschau ihrer Biografien
Die Zahl der Publikationen zu Rosa Luxemburg ist Legion, von den Klassikern nimmt sie hinter Karl Marx den zweiten Platz ein
von Paul B. Kleiser
Julia Killet: Fiktion und Wirklichkeit. Die Darstellung Rosa Luxemburgs in der biographischen und literarischen Prosa. Hamburg: Kulturmaschinen Verlag, 2020. 348 S., 21 Euro
Rudolf Virchow (1821–1902)
‹Seuchen bekämpft man mit Bildung, Wohlstand und Freiheit›
von Angela Klein
Die Medizin ragt unter anderen Wissenschaften heraus, insofern sie eine soziale Wissenschaft auf der Grundlage naturwissenschaftlicher Erkenntnisse ist. In ihren Anwendungsbereichen ist sie darüber hinaus evidenz- und erfahrungsbasierte Praxis.
20 Jahre Genua
Kampfansage gegen den Kapitalismus
von Anja
Heute vor 20 Jahren fanden in Genua die Proteste gegen den G8-Gipfel statt. Ich war damals mit 250.000 anderen Menschen auf der Straße und habe gegen den Kapitalismus gekämpft. Die Proteste markierten nur den Endpunkt einer langen, intensiven Vorbereitungs- und Mobilisierungsarbeit.
Der Anfang vom Ende Jugoslawiens
Vor 30 Jahren erklärten Slowenien und Kroatien ihre Unabhängigkeit
von Heiko Bolldorf*
Am 25.Juni 1991 erklärten Slowenien und Kroatien, die nördlichsten Teilrepubliken Jugoslawiens, ihre Unabhängigkeit. Damit wurde eine Entwicklung eingeleitet, die zum kompletten Zerfall Jugoslawiens führte.
Zum 50.Todestag von Georg Lukács.
1.Teil: „Die Renaissance des Marxismus“
von Jürgen Meier
Sein Buch „Die Theorie des Romans“ hatte Lukács1 bereits 1916 zu einem berühmten Schriftsteller gemacht. Nachdem er 1918 der KP beigetreten war und 1919 Volkskommissar der ungarischen Räterepublik wurde, entwickelte er sich zu einem der wichtigsten Marxisten des 20. Jh., dessen Theorien noch immer polarisieren.
Wer waren die Nationalsozialisten?
Ulrich Herbert beschreibt Aufstieg und den kurzfristigen Sieg der Nazis und wie sie sich nach dem Krieg «in Luft auflösten»
von Paul B. Kleiser
Ulrich Herbert: Wer waren die Nationalsozialisten? München: C.H.Beck, 2021. 303 S., 22 Euro
Vor 110 Jahren starb Paul Singer
‹Kleinigkeiten sind nur Teil der großen Gesamtheit›
von Manfred Dietenberger
Wie gewinnen Linke die Herzen der arbeitenden Menschen? Das ist ein treibendes Motiv hinter dem Organizing-Ansatz. Paul Singer war einer von denen, die es vormachten.
Wider den strukturalen Marxismus
Louis Althussers Anweisung, wie Marx zu lesen sei, führt von Marx weg, denn das Element der Praxis verschwindet
von John Will*
Werner Seppmann: Das Elend der Philosophie. Über Louis Althusser. Kassel: Mangroven Verlag, 2020. 380 S., 27 Euro
BUCH: Max Brym: Roter Widerstand in der bayerischen Provinz
Jüchen: Romeon, 2021. 108 S., 11,95 Euro
von Nick Brauns
Bei ihrer ersten größeren Saalveranstaltung in der bayerischen Kleinstadt Burghausen im Gasthof Glöckelhofer holten sich die Nazis am 7.Juli 1932 eine blutige Nase.
Vor 95 Jahren: der Fürstenentscheid
Massenmobilisierung für entschädigungslose Enteignung
von Manfred Dietenberger
Forderungen nach Enteignung waren immer schon Bestandteil linker Politik. Die Frage, ob und wie hoch dafür entschädigt wird, ist damit längst nicht geklärt.
6.April 1941
Deutscher Überfall auf Jugoslawien
von Paul Michel
Am Morgen des 6.April 1941, dem Palmsonntag, attackierten 500 deutsche Kampfflugzeuge ohne jede Vorankündigung in mehreren Wellen die jugoslawische Hauptstadt Belgrad. Große Teile Belgrads versanken in Schutt und Asche. Zwischen 1500 und 3000 Menschen verloren ihr Leben. Es war das Gernika des Balkans. Die deutsche Propaganda feierte den barbarischen Akt als verdientes «Strafgericht».
Zwischen den Stühlen
Zum 100.Geburtstag von Erich Fried (1921–1988)
von Kurt Hofmann
Es ist schwer, sich Erich Fried als Hundertjährigen vorzustellen. Doch es ist ein Leichtes, die Lücke zu benennen, die Fried seit seinem Tod im Jahr 1988 hinterlassen hat: Da war einer, der zuschärfte, wo andere abschwächten, Zweifel anmeldete, wo andere Gewissheiten vermuteten.
Vor 150 Jahren
Die Frauen in der Pariser Kommune
von Manuel Kellner
Vor 150 Jahren, am 18.März 1871, begann der Aufstand, der zu den 72 Tagen der Pariser Kommune führte. Karl Marx und Friedrich Engels verarbeiteten diese historische Erfahrung. Ihre Schlussfolgerungen gehören bis heute zu den Grundüberzeugungen sozialistischer Revolutionäre in aller Welt.
Film: Komm und sieh (Idi i smotri)
UdSSR 1985, Regie: Elem Klimow, 146 min., erschienen bei Bildstörung, 20 Euro
von Gaston Kirsche
Der sowjetische Historiker Ales Adamowitsch hat jahrelang kreuz und quer durch Belarus Zeugenaussagen aufgezeichnet von Überlebenden des deutschen Vernichtungsfeldzugs.
Zum Holocaustgedenktag
An Vergangenheit erinnern ohne die Gegenwart zu vergessen
von Arn Strohmeyer*
Israel hat die Erinnerung zu einer ethnisch-nationalistischen Ideologie gemacht. Die Palästinenser als sekundäre Opfer des Holocaust werden vollständig ausgespart.
Ronald Friedmann (Hrsg.): Was wusste Thälmann? Unbekannte Dokumente zur Wittorf-Affäre
Berlin: Dietz, 2020. 144 S., 16 Euro
von Reiner Tosstorff
Am 27.September 1928 veröffentlichte das KPD-Zentralorgan Rote Fahne eine Pressemitteilung. Auf einer Sitzung des Zentralkomitees seien Unterschlagungen in der Hamburger Parteiorganisation durch einen lokalen Funktionär namens John Wittorf erörtert worden.
Marie-Janine Calic: Tito. Der ewige Partisan
München: C.H.Beck, 2020. 442 S., 29,95 Euro
von Paul Michel*
Die Tito-Biographie von Marie-Janine Calic ist weit mehr als eine Schilderung des Lebens einer Person.
Calic beschreibt die Zeitumstände, mit denen sich Tito herumschlagen musste und die er im Lauf seines Lebens nachhaltig beeinflusste.
Ein Weltgeist mit den Mitteln des Kinos
Jean-Luc Godard wurde 90
von Paul B. Kleiser
Am 3.Dezember wurde Jean-Luc Godard 90 Jahre alt. Es gibt keinen Filmemacher, der in der Nachkriegszeit ein so vielfältiges Werk geschaffen und das Kino, vor allem natürlich das Avantgardekino, stärker beeinflusst hätte.
Die Kunst des Aufstands
200 Jahre Friedrich Engels – Wie kann die Arbeiterklasse die Macht erobern?
von Hans-Günter Mull
«Neben seiner Jugendfrische und Güte ist nichts so bemerkenswert an ihm wie seine Vielseitigkeit. Nichts bleibt ihm fremd. Naturgeschichte, Chemie, Botanik, Physik, Philologie …, politsche Ökonomie und last not least militärische Taktik.»
200 Jahre Engels
Engels neu entdecken
von Angela Klein / Hans Günter Mull
Elmar Altvater: Engels neu entdecken. Das hellblaue Bändchen zur Einführung in die «Dialektik der Natur» und die Kritik von Akkumulation und Wachstum. Hamburg: VSA, 2015. 190 S., 12 Euro
Anwalt des Proletariats
Die Serie Babylon Berlin erinnert an den Rote-Hilfe-Anwalt Hans Litten
von Nick Brauns*
Im Oktober sendete die ARD eine neue Staffel der populären, in der turbulenten Endphase der Weimarer Republik spielenden Kriminalserie Babylon Berlin.
Filmtipp
Contemporary Past – Die Gegenwart der Vergangenheit, Polen 2020, Regie: Kamil Majchrzak
von Peter Nowak
Der Regisseur begleitet in seinem Filmessay eine Gruppe von Jugendlichen aus Rumänien, Deutschland und Polen bei ihrem mehrwöchigen Besuch in der Gedenkstätte des ehemaligen Konzentrationslagers Buchenwald.
War Engels der größte Fehler von Marx?
Eine Kritik an Engels’ Kritikern
von Paul Blackledge*
200 Jahre nach seiner Geburt ist der Ruf Friedrich Engels’ als origineller Denker, zumindest unter anglophonen Akademikern, auf einem Tiefpunkt angelangt. Der Hauptgrund für diesen unglücklichen Zustand ist zweifellos ein politischer.
Rossana Rossanda (1924–2020)
Eine Tochter des 20.Jahrhunderts
von Salvatore Cannavò
Rossana Rossandas Leben ist vollständig verwoben mit dem Jahrhundert, das sie durchlebt hat.
ZF-Friedrichshafen
Vom ständigen Wandel eines Mobilitätsherstellers
von Manfred Dietenberger
Aus den Protesten gegen Massenentlassungen beim Autozulieferer ZF Friedrichshafen (siehe SoZ 9/2020) hat sich eine kleine Serie um den Konzern entwickelt, der wie kein anderer prädestiniert wäre, den Vorreiter für die Mobilitätswende zu spielen. Die jetzige vierte Folge befasst sich mit der Geschichte des Konzerns.
Fundgrube bis heute
Friedrich Engels (28.11.1820–5.8.1895)
von Manuel Kellner
Friedrich Engels wurde bekannt als Mitstreiter von Karl Marx. Mit ihm zusammen entwickelte er eine bis auf den heutigen Tag gültige Kritik der kapitalistischen Klassengesellschaft und die kommunistische Perspektive der Selbstbefreiung des Proletariats als Hebel für eine umfassende menschliche Emanzipation.
Martialisches Erinnern
Kampfjets der Bundeswehr und Israels betreiben gemeinsam «Holocaust-Gedenken» am Himmel über Deutschland
von Arn Strohmeyer
In jedem Jahr am Holocaustgedenktag (27.Januar) donnern israelische Kampfjets über das frühere Vernichtungslager Auschwitz, während israelische Schulkinder unten zwischen den Baracken Fahnen mit dem Davidstern schwenken und Treueschwüre für ihren Staat ablegen.
Heimat und Vertreibung in Deutschland
Ein Bericht aus dem Rheinischen Revier
dokumentiert
Sabine Schölermann stammt aus Garzweiler. Auf einer Veranstaltung der Naturfreunde Köln im Vorfeld der Großdemonstration am 30.8. hat sie berichtet, wie sie in ihrer Jugend die Vertreibung aus dem Dorf erlebt hat.
Garzweiler war ein alter Ort, urkundlich erwähnt schon im 12.Jahrhundert.
Das Vierte Reich
Buch von Gavriel D. Rosenfeld
von Paul B. Kleiser
Gavriel D. Rosenfeld: Das Vierte Reich. Der lange Schatten des Nationalsozialismus. Darmstadt: wbg, 2020. 448 S., 34 Euro
Immer wieder ist – vor allem im Zusammenhang mit Waffensammlungen – von «Reichsbürgern» die Rede, die den Staat BRD nicht anerkennen und mit selbstverfertigten Dokumenten «des Deutschen Reiches» hausieren gehen.
In der Hoffnung auf ein besseres Land
Sebastian Gerhardt und Erhard Weinholz im Gespräch über die Initiative für eine Vereinigte Linke (VL) *
1. Das Ziel
Erhard Weinholz: Wir wollen im Folgenden über etwas reden, das mit unserem eigenen Leben eng verbunden ist, über das Wirken der VL. Also einer Bürgerbewegung vom Herbst 1989, einer Gruppierung, die heute fast niemand mehr kennt und die sich in vielem anders orientiert hat als frühere sozialistische Organisationen hierzulande. Ein Neuansatz also, der auch – ich will das nicht überschätzen – doch in gewissem Maße ausgestrahlt hat auf andere. Wir machen das hier aber nicht, um der VL posthum die Große Revolutionäre Verdienstmedaille umzuhängen. Die Frage ist, ob und wie die Betrachtung dieser VL-Geschichte für andere produktiv werden kann, dafür wollen wir Material anbieten.
Sebastian Gerhardt: Und wir verweisen gleich mal auf den aktuellen Kontext: Einige Mitstreiter von damals haben sich im letzten Jahr zu Wort gemeldet, auch mit neuen Positionen: Thomas Klein im telegraph Nr. 135/136, Bernd Gehrke in der SoZ Nr. 1/2020. Vielleicht ist dieses verstärkte Interesse kein Zufall…
Ernest Mandels Spätkapitalismus*
… und die lange Welle neoliberaler Akkumulation
von Ingo Schmidt
Das waren noch Zeiten. Sozialreform statt Klassenkampf. Friedliche Koexistenz statt Imperialismus. Nachholende Entwicklung statt kolonialer Ausplünderung.
Wenn die Köchin die Staatsgeschäfte leitet
Von den Anfängen der Arbeiterselbstverwaltung in Jugoslawien
von Paul Michel
Die jugoslawische Arbeiterselbstverwaltung und die damit einhergehende Selbstverwaltung der Kommunen sind heutzutage fast vergessen. Von den 50er bis in die 70er Jahre war das Projekt, das die jugoslawischen Kommunisten «erfunden» hatten, nachdem sie 1948 von Stalin exkommuniziert worden waren, in aller Munde.
Alte und neue Epidemien
Was braucht es, um Seuchen zu besiegen?
von Angela Klein
Um die Corona-Pandemie richtig einordnen zu können, hilft ein Blick in die Vergangenheit.
150 Jahre Lenin
100 Jahre „Der linke Radikalismus“
von François Sabado
Der vorliegende Beitrag ist das Vorwort zu einer 2011 erschienenen französischen Neuedition¹ von Lenins Buch „Der ‚linke Radikalismus‘, die Kinderkrankheit im Kommunismus“.
Ein Intellektueller in Buchenwald
David Rousset: Das KZ-Universum. Frankfurt a.M.: Suhrkamp, 2020
von John Will
Die Zahl an literarischer Produktion im wissenschaftlichen Bereich über das System der deutschen Konzentrationslager ist kaum zu ermessen. Trotz oder gerade aufgrund des Aufstiegs der radikalen Rechten in Deutschland nimmt dieser Trend nicht ab.
Die Linken in der DDR
Von der Schwierigkeit, die eigene Geschichte aufzuarbeiten
von Renate Hürtgen
Thomas Klein: Erinnerung an eine Revolution oder Geschichte einer Entfremdung. Mein Abschied von alten Freunden aus der DDR-Opposition. In: telegraph, Nr.135/136, 2019/2020
Über die Rolle der Initiative für eine Vereinigte Linke im Herbst 1989
«Nicht das antikapitalistische Programm entscheidet, sondern die Praxis»
von Renate Hürtgen
Das Scheitern eines Ansatzes für einen Sozialismus, der diesen Namen verdient, im Herbst 1989 beschäftigt weiterhin die AkteurInnen von damals.
«Feindlich-negative Elemente» – damals wie heute
Eine Broschüre zur Repression gegen Linke in der DDR sorgt für Wirbel
von Anna Ernst
Die linke Auseinandersetzung mit der Geschichte und dem Gesellschafts- und Herrschaftssystem der DDR hat bekanntlich ihre Tücken und Fallstricke. So auch in diesem Fall.
Kapp-Putsch und Märzrevolution
Neuerscheinungen und Neuausgaben
von Reiner Tosstorff
Am 13.März jährten sich der Kapp-Putsch gegen die Weimarer Republik und der ihn niederringende Generalstreik mit den anschließenden Kämpfen insbesondere im Ruhrgebiet zum 100.Mal.
Sieg beim 50.Boston-Marathon
Wie Stelios Kyriakides zum Volksheld in Griechenland wurde
von Kai Böhne
Der Läufer Stelios Kyriakides startete, um Hilfsgüter und Spenden für seine Landsleute im zerstörten Griechenland zu sammeln.
Im Jahr 1946 gewann der Grieche Stelios Kyriakides als erster Nichtamerikaner den Boston-Marathon. Mit 2 Stunden 29 Minuten und 27 Sekunden gelang ihm ein neuer Europarekord.
Der Grundwiderspruch der USA
Allgemeine Menschenrechte und Sklaverei
von Paul B. Kleiser
In der von Thomas Jefferson (1743–1826) formulierten und am 4.Juli 1776 verkündeten Unabhängigkeitserklärung der 13 britischen Kolonien, die die USA bilden sollten, heißt es:
AFDP – Die rechte Versuchung
Die braunen Wurzeln der FDP
von Paul Kleiser
Wäre es in Thüringen nach der FDP gegangen, würde heute zum erstenmal seit 90 Jahren wieder eine Nazipartei in einem Bundesland mitregieren.
Georg Leber (1920–2012)
Ein waschechter Kommunistenfresser
von Manfred Dietenberger
Georg Leber wurde 1966 von der rechtsgerichteten britischen Tageszeitung Daily Mail als bedeutendster Gewerkschaftsführer Europas bezeichnet. Das war er sicher nicht.
Späte Kämpfe
Zu einem Rückblick auf die VL und die 89er DDR-Revolution
von Erhard Weinholz*
Wer auf die Siebzig zugeht, sie vielleicht gar überschritten hat, sieht sich oft in der Pflicht, die eigene Sicht auf einst mitgestaltetes Geschehen gültig, endgültig zu formulieren. Vielleicht deshalb haben sich in letzter Zeit auch frühere Mitglieder der Initiative für eine Vereinigte Linke (VL) wieder eingehender mit deren Geschichte beschäftigt.
Erstaunlich aktuell
Michael Löwy über Rosa Luxemburg
von John Will
Michael Löwy: Rosa Luxemburg. Der zündende Funke der Revolution. Hamburg: VSA, 2020. 14 S., 14,80 Euro
Eine bislang uneinnehmbare Bastion
50 Jahre Lohnfortzahlung im Krankheitsfall
von Mirko Düsterdieck*
Was heute selbstverständlich anmutet, nämlich die Lohnfortzahlung im Krankheitsfall seitens der Arbeitgeber, war seit Gründung der BRD bis ins Jahr 1969 alles andere als selbstverständlich. Am 1.1.2020 wurde die Lohnfortzahlung 50 Jahre alt: ein Rückblick.
Engels neu erleben
Ein Roman über den Freund und Mitstreiter von Karl Marx
von Tim Kühnel
Tilman Röhrig: Und morgen eine neue Welt. München: Pendo, 2019. 512 S., 20 Euro
Zum 90. Todestag von Paul Levi (1883–1920)
«Republik, das ist nicht viel, Sozialismus ist das Ziel»
von Manfred Dietenberger
Rosa Luxemburg kennt jede und jeder. Aber wer war dieser Dr. jur. Paul Levi, dessen Todestag sich am 8.Februar 2020 zum 90. Mal jährt?
Mit Poulantzas kämpfen
Teil 3: Der Weg zum Sozialismus
von Thomas Goes
Poulantzas suchte nach einem demokratischen Weg zum Sozialismus. Dabei wandte er sich gegen Strategien, die im Staat entweder lediglich ein zu nutzendes Instrument oder einen Mechanismus sehen, den es zu «zerschlagen» gelte.
Gregor Gog …
… und der Internationale Vagabundenkongress 1929
von Manfred Dietenberger
Gregor Gog kam am 7.November 1891 in Schwerin als Sohn einer Magd und eines Zimmermanns auf die Welt. Die Mutter sagt zu ihrem Sohn, der eigentlich Pfarrer oder zumindest Beamter werden sollte, später einmal: «Es wäre besser gewesen, ich hätte dich in der Badewanne ertränkt.»
Blick zurück im Zorn
Der telegraph Nr.135/136 zum Herbst ’89 in der DDR
von Rolf Euler
30 Jahre nach der Öffnung der Berliner Mauer und den anschließenden Monaten der Hoffnung auf ein anderes Regime in der ehemaligen DDR kommt mit dem neuen telegraph die Korrektur des (oft westlichen) Blicks auf Mauerfall und deutsche Einheit.
Der Herbst ’89 in der DDR
Als politische Führung mit einer Perspektive für eine neue DDR hat die Opposition versagt
Gespräch mit Bernd Gehrke
Der Sieger schreibt die Geschichte. Das ist auch beim Ende der DDR nicht anders. Aus der Westperspektive hat die Öffnung der Mauer am 9.November das Ende der DDR eingeläutet, der Moment also, wo die Waren in den Osten und die Menschen in den Westen gingen. Aus Ostperspektive stellt sich die Sache ganz anders dar – da war der Mauerfall erst der Beginn des gesellschaftlichen Aufbruchs in der DDR.
Mit Poulantzas kämpfen
Klassen und Staat im Kapitalismus, Teil 2
von Thomas Goes
Wie im ersten Teil dieses Artikels dargelegt (SoZ 11/2019), hat Nicos Poulantzas Klassenbeziehungen von vornherein im Zusammenhang mit politischer Herrschaft analysiert. Das drückte sich zum einen in der Art seiner Klassenbestimmung, zum anderen in seiner Theorie des kapitalistischen Staates aus.
Die Mythen der alten BRD
Büchertipps zur Deutschen Nachkriegsgeschichte
von Paul B. Kleiser
Zwei Neuerscheinungen beschäftigen sich mit einer Reihe von offiziellen Narrativen, wie sie von der Politik in der Nachkriegszeit erfunden wurden und bis heute, sogar von Linken, nachgebetet werden.
Max Hoelz…
…und die individuelle Expropriation der Expropriateure
von Manfred Dietenberger
Das bilderbuchschöne, kleine Dorf Todtmoos-Rütte im Südschwarzwald dient schon seit langem vielen, Erholung an Leib und Seele suchenden Städtern als romantisches Refugium. Todtmoos-Rütte war über viele Wochen auch der Ort, an dem sich nach fast siebeneinhalb Jahren Gefängnis der zwar nicht gebrochene, aber durch die lange Isolierung und Einzelhaft doch angegriffene Revolutionär Max Hoelz (1889–1933) daran machte, wieder zu Kräften zu kommen und sich wiederzufinden. Viel zulange war er unschuldig von der Klassenjustiz der Freiheit beraubt gewesen.
Fiktion und Wirklichkeit
Zur Bilanz der deutschen Revolution 1918–1923
von Manuel Kellner
Seit November 2018 begleitet Manuel Kellner die deutsche Revolution vor 100 Jahren in kleinen Serienartikeln und verschiedenen längeren Beiträgen bzw. Themen. Die vorliegende Bilanz beschließt jetzt die Serie. Sie zeigt vor allem eins: Heute wie damals ist ein abschließendes Urteil am Schreibtisch nicht möglich.
Buchtipp: Die letzten Byzantiner
Osmanisches Reich im Ersten Weltkrieg
von Paul B. Kleiser
Mirko Heinemann: Die letzten Byzantiner. Die Vertreibung der Griechen vom Schwarzen Meer. Eine Spurensuche. Berlin: Chr. Links, 2019. 263 S., 25 Euro
Lehrbücher umschreiben!
Das Europaparlament in den Fußstapfen Kaczynskis
von Andrej Hunko*
Das EU-Parlament ist traditionell nicht eben als Ort ausgewogener geschichtspolitischer Debatten und Resolutionen bekannt. Was sich dieses Parlament aber am 18.September 2019 mit einer erdrückenden Mehrheit von knapp 82 Prozent in der Resolution mit dem Titel «Bedeutung des europäischen Geschichtsbewusstseins für die Zukunft Europas» an Anmaßung, Ignoranz und Geschichtsverdrehung geleistet hat, geht weit über alles bisher dagewesene hinaus.
Großbritannien: Die Labour Party, die Linke und die EU
Ein Rückblick und ein Ausblick
von Gus Fagan
1975: das erste Referendum
Im Oktober 1972 stimmte das britische Unterhaus, angeführt vom konservativen Premierminister Edward Heath, mit 356 zu 244 Stimmen für einen Beitritt Großbritanniens zur Europäischen Wirtschaftsgemeinschaft (EWG); der Beitritt erfolgte im Januar 1973. Es gab dazu kein Referendum.
30 Jahre nach Öffnung der Mauer
Wer ist das Volk?
von Ingo Schmidt
Tausende gingen im Herbst 1989 gegen die Parteiherrschaft in der DDR auf die Straße. Eine Herrschaft, die sich auf die Interessen des werktätigen Volkes berief, dieses durch Bespitzelung und Bevormundung aber beständig gegen sich aufbrachte. Kein Wunder, das der Slogan «Wir sind das Volk» weit über den Kreis der Montagsdemonstrationen hinaus Anklang fand.
Mit Poulantzas kämpfen
Klassen und Staat im Kapitalismus, Teil 1von Thomas Goes
Am 3.Oktober 1979 nahm sich der marxistische Politikwissenschaftler Nicos Poulantzas das Leben, gerade 43 Jahre alt.
Poulantzas gehörte zu einer Generation marxistischer Intellektueller, die unter historisch außergewöhnlichen Bedingungen wirkte: innerhalb und im Umfeld der großen «eurokommunistischen» Parteien Italiens und Frankreichs, die nach einem demokratischen Weg zum Sozialismus suchten; im Schatten der Jugendradikalisierung Ende der 1960er Jahre und einer lebendigen, wenngleich sich dogmatisierenden radikalen Linken; im Rahmen eines Marxismusrevivals an den Universitäten, die zu Hochburgen der gesellschaftlichen Linken wurden.
Marxismus als strategische und eingreifende Wissenschaft Poulantzas verfolgte vor diesem Hintergrund eine Art «strategische und eingreifende Wissenschaft», die sich direkt auf die Kämpfe der Arbeiterbewegung und der Linken bezog. Deren Probleme wurden aufgegriffen, um durch Analyse und Theoriebildung zu ihrer Lösung beizutragen.
Nicaragua 1979–2019
Vom Triumph der Sandinisten zum demokratischen Aufstand
von Helmut Wendler
Matthias Schindler: Vom Triumph der Sandinisten zum demokratischen Aufstand – Nicaragua 1979–2019. Berlin?: Die Buchmacherei, 2019. 173 S., 10 Euro
Seit dem Sieg der Frente Sandinista de Liberación Nacional (FSLN) über die mehr als vierzig Jahre dauernde, von den USA gestützte Familiendiktatur des Somoza-Clans im Jahre 1979, war die Unterstützung der nicaraguanischen Revolution über viele Jahrzehnte für die Linke ein Schwerpunkt deutscher und internationaler Solidaritätsarbeit.
Vorrevolutionäre Situation 1923
Verpasste Chance zur Machteroberung in Deutschland?
von Manuel Kellner
Nach fünf Jahren latentem und immer wieder ausbrechendem Bürgerkrieg verschärften sich im Jahr 1923 die sozialen und politischen Widersprüche extrem. Die Verelendung großer Teile der Bevölkerung spitzte sich spektakulär zu. Einzig die großen Kapitaleigentümer und Großgrundbesitzer blieben davon verschont.
Wem gehört die Revolution?
Replik auf eine «Offene Erklärung» ostdeutscher Bürgerrechtler
von Renate Hürtgen
Am 21.August veröffentlichte die Robert-Havemann-Gesellschaft auf ihrer Webseite eine Offene Erklärung von DDR-Bürgerrechtlern. Diese wandte sich gegen die Alternative für Deutschland (AfD), die «im Wahlkampf die Revolution von 1989 für ihre Zweck zu vereinnahmen» versuchte.
Treuhand und die Folgen
Der größte Raubzug in Friedenszeiten zeigt Folgen bis heute
von Werner Rügemer*
Die Treuhand eröffnete die Übermacht der Unternehmer in der Ex-DDR. Dies setzte sich in ganz Deutschland fort, auch mit der politischen Rechtsentwicklung.
«Offensive» und Niederlage
Zur gescheiterten Märzaktion der VKPD 1921
von Manuel Kellner
Im Dezember 1920 war aus der Fusion der KPD mit dem linken Flügel der USPD die Vereinigte Kommunistische Partei Deutschlands (VKPD) mit schätzungsweise 350000 Mitgliedern hervorgegangen (siehe SoZ 9/2019).
Rekorde und Engagement
Luftfahrtpionier André Japy pendelte zwischen Tahiti und den Atollen
von Kai Böhne
In den frühen Morgenstunden des 29.Dezember 1935 starteten der Pilot und Schriftsteller Antoine de Saint-Exupéry und sein Mechaniker André Prévot mit einer Caudron-Renault-Simoun-Propellermaschine vom Pariser Flughafen Le Bourget, um einen Streckenrekord zu unterbieten. Wenige Tage zuvor war der Flugpionier André Japy in drei Tagen und 15 Stunden von Paris nach Saigon geflogen.
Eine revolutionäre Massenpartei entsteht
Vereinigung der KPD mit der USPD-Linken zur VKPD
von Manuel Kellner
Im Jahr 1920 übten die junge russische Räterepublik und die nur ein Jahr alte Kommunistische Internationale (KI) eine starke Anziehungskraft auf bedeutende Kräfte links der Mehrheitssozialdemokratie aus.
In Deutschland zog es einen wachsenden Teil der Mitglieder der USPD in die KI. Damit stellte sich der KPD mehr und mehr die Frage der Vereinigung mit diesen Elementen.
100 Jahre Bauhaus. Vielfalt, Konflikt und Wirkung
(Hrsg. Bernd Hüttner, Georg Leidenberger.) Berlin: Metropol, 2019. 272 S., 22 Euro
von Angela Klein
Es gibt bei dem ganzen Rummel, der um das Bauhaus gemacht wird, wenig Literatur, die sich kritisch damit befasst: mit seinen inneren Widersprüchen; dem, was es zusammengehalten und was es auseinandergetrieben hat; mit seiner Verortung zwischen dem Aufbruch in eine neue, noch zu gestaltende Welt und dem ästhetischen Ausdruck des entwickelten Industriekapitalismus.
Anna Walentynowicz (1929–2010)
Zur Erinnerung
von Kai Böhne
Die Mitgründerin der Solidarnosc wäre am 15.August 90 Jahre alt geworden.
Die SPD und die Ökonomen
Hoffnung auf Marx, Kompromiss mit Keynes, Anbiederung an Hayek
von Ingo Schmidt
Die SPD bei der Europawahl: Das schlechte Ergebnis der Bundestagswahl nochmal unterboten und dann in eine Führungskrise geschlittert. Auf der iberischen Halbinsel und in den Niederlanden hingegen sind die Sozialdemokraten stärkste Partei geworden. Das gilt auch für mehr oder minder zeitgleichen Wahlen zu nationalen Parlamenten in Spanien, Dänemark und Finnland. Damit bestätigt sich ein Muster, das sich spätestens seit der Großen Rezession herausgebildet hat: Sozialdemokraten können Wahlen gewinnen, wenn sie als Oppositionsparteien antreten. Aber sie enttäuschen ihre Wähler als Regierungsparteien.
Bürgerkrieg im Ruhrgebiet
Bewaffnete Arbeiterschaft und «Rote Ruhrarmee» 1920
von Manuel Kellner
Schon in den Monaten vor dem Kapp-Putsch (siehe SoZ 6/2019) herrschte eine Art Krieg zwischen der ethnisch bunt zusammengewürfelten Arbeiterschaft des Ruhrgebiets und den Herren der Gruben und Schlote.
Die Beschäftigten wollten mehr als nur einen Hungerlohn und die Verkürzung ihrer mörderischen Schichten, besonders im Bergbau. Die Gruben- und Schlotbarone bedienten sich ausgiebig aller staatsoffiziellen bewaffneten Banden, derer sie habhaft werden konnten, und nahmen den Beschäftigten alles eventuell Errungene im Handumdrehen wieder weg, etwa mit drastischen Preiserhöhungen, wenn sie Lohnerhöhungen zugestehen mussten.
1968 im Sport. Eine historische Bilderreise
Hildesheim: Arete Verlag, 2018. 124 S., 18 Euro
von Kai Böhne
Das Jahr 1968 im Spitzensport
Walter Ulbricht und Erich Honecker lächelnd und händeschüttelnd mit breitkremprigen Sombreros auf dem Kopf – dieses seltsame Foto stammt aus dem Bildband 1968 im Sport. Die Hüte waren ein Mitbringsel des Präsidenten des Nationalen Olympischen Komitees der DDR, gefeiert wurde das erfolgreiche Abschneiden der DDR-Sportler bei den Olympischen Spielen in Mexiko.
Versailles – der überforderte Frieden
Eine Last, an der wir heute noch tragen
von Paul B. Kleiser
Jörn Leonhard: Der überforderte Frieden. Versailles und die Welt 1918–1923. München: C.H.Beck, 2018. 1531 S., 38 Euro
Die Konferenz von Paris und Versailles, die am 28.Juni 1919 mit einem umfangreichen Vertragswerk zu Ende ging, hat im 20.Jahrhundert weitreichende Auswirkungen gehabt.
Frauen am Bauhaus
«…für die Werkstatt nicht geeignet»
von Angela Klein
Das 1919 gegründete Bauhaus hat viele Vorläufer. Seine Besonderheit liegt darin, dass bei ihm nicht nur der Wunsch nach künstlerischer Erneuerung Pate stand, sondern auch die gefühlte Notwendigkeit, «alle Bereiche des Lebens zu reformieren», wie es in der lesenswerten Geschichte des Bauhauses von Magdalena Droste heißt.
Friedensbedingungen von Versailles
Die Linke und die deutsche nationale Empörung 1919-1923
von Manuel Kellner
Die revolutionäre Linke, voran die Bolschewiki, waren für „Frieden ohne Annexionen und Kontributionen“. Weil es sich von beiden Seiten her um einen imperialistischen Krieg handelte. Weil die Einverleibung von Gebieten und das Eintreiben von Beute den Keim des nächsten Kriegs in sich tragen, Revanchismus und Nationalismus befeuern. Was Deutschland nach dem Ersten Weltkrieg betrifft, so ist das mit den Bestimmungen der Versailler Friedensbedingungen bekanntlich prächtig gelungen.
Munition für den Klassenfeind?
Die Rote Hilfe im Kreuzfeuer der Kritik
von Angela Klein
Am 7.Oktober dieses Jahres jährt sich zum 70.Mal die Gründung der DDR – 40 Jahre später war der 7.Oktober 1989 der Auftakt zu ihrem Zusammenbruch.
Nicht zu diesem Anlass, aber in diesem Kontext hat die Rote Hilfe ein Sonderheft herausgegeben, das sich mit der Unterdrückung der linken Opposition in der DDR beschäftigt. Das hat auf der Seite der unverbesserlichen Verteidiger der DDR einen Sturm der Entrüstung hervorgebracht – von der jungen Welt über die DKP, den Freidenkerverband, das Ostdeutsche Kuratorium der Verbände… Antworten darauf gab es u.a. von Teilen der ehemaligen Vereinigten Linken der DDR und der Zeitschrift telegraph.
«Für uns Schah-Gegner war kein Platz»
Über die widersprüchlichen Folgen der iranischen Revolution
Gespräch mit SAID
Mitte Januar 1979 verließ der Schah des Iran das Land unter dem Druck monatelanger Streiks, die Ende 1978 stattgefunden hatten und die vom Bürgertum wie auch von der Geistlichkeit unterstützt wurden. Zwei Wochen später kehrte der 1964 ins Pariser Exil getriebene Führer der Geistlichkeit, Ayatollah Khomeini, nach Teheran zurück und übernahm alsbald die Macht. Am 1.April wurde die Monarchie per Referendum abgeschafft und durch die neue Staatsform Islamische Republik ersetzt.
Der Aufstand des 22.Februar in Algerien
Vorgeschichte und Entstehung
von Lamri Lakrache*
Seit der Unabhängigkeit 1962 hat Algerien keine derart breite, tiefe und dauerhafte Massenbewegung mehr gegen das herrschende politische Regime erlebt. Soziale Erschütterungen wie der «Printemps berbère» (Berber-Frühling) 1980, die Brotaufstände 1988, der schwarze Frühling 2001 und der arabischer Frühling 2011 haben trotz ihrer tiefgreifenden politischen Wirkungen nicht so viele Menschen mobilisiert wie der gegenwärtige Massenaufstand.
Generalstreik gegen den Kapp-Putsch 1920
Die Revolution hebt wieder ihr Haupt
von Manuel Kellner
Nach dem blutigen Rückschlag der deutschen Revolution in Berlin schrieb Rosa Luxemburg am 14.Januar 1919 in der Roten Fahne der KPD: «Eure Ordnung ist auf Sand gebaut. Die Revolution wird sich morgen schon ‹rasselnd wieder in die Höh› richten und zu eurem Schrecken mit Posaunenklang verkünden: ‹Ich war, ich bin, ich werde sein.›»
Eine lesenswerte Studie zur deutschen Revolution
Axel Weipert: Die Zweite Revolution. Rätebewegung in Berlin 1919/1920
von mke
Berlin, Brandenburg: be.bra, 2015. 476 S., 32 Euro
Im Gegensatz zu dem, was der Titel ausdrückt, beschränkt sich die Studie nicht auf Berlin. Berlin war zwar der politische Mittelpunkt des deutschen Reichs und das Epizentrum der Arbeiter- und Soldatenrätebewegung, der Autor geht aber immer wieder auf Ereignisse in anderen Teilen Deutschlands ein.
«Eine Zeit bricht zusammen»
Erster Weltkrieg und Revolution 1918/19 – die Erschütterungen hinter den Ereignissen
von Paul B. Kleiser
Den Traum von einem einigen deutschen Reich gab es – zumindest unter Intellektuellen – seit napoleonischer Zeit. Doch erst in der Revolution 1848 wurde der Versuch gemacht, diese Einheit auf revolutionärem Wege herbeizuführen.
Kein Denkmal für Le Corbusier
Trotz Ruhm – Faschist bleibt Faschist
von Manuel Kellner
Charles-Eduard Jeanneret-Gris, geboren als Schweizer, später französischer Staatsbürger und bekannt unter seinem Künstlernamen Le Corbusier, war Architekt, Architekturtheoretiker, Stadtplaner, Maler, Zeichner, Bildhauer und Möbeldesigner. Siebzehn seiner Bauten gehören zum Weltkulturerbe der UNESCO. Die von ihm vertretene Stilrichtung des «Purismus» (vom französischen «pur» für «rein») befürwortet rationale Kompositionen aus elementaren geometrischen Figuren ohne gewollt dekorative Effekte.
Die Wochen der Münchener Räterepublik
Das tragische Ende einer Farce
von Manuel Kellner
Der erste Ministerpräsident von Bayern, Kurt Eisner, Mitglied der dort sehr schwachen USPD, war vor Beginn der deutschen Revolution eher durch seine Theaterkritiken als durch eine besondere politische Rolle aufgefallen. Er war auch nicht für die dauerhafte Errichtung einer Rätemacht, sondern durchaus für die Einberufung der Nationalversammlung. Seiner Meinung nach sollten Parlamente und Räte einander ergänzen.
Richard Zach (1919–1943)
Ein verkannter österreichischer Dichter und Antifaschist
von Angela Klein
«Werde ein guter Bürger, mein Sohn.
Glaube an Volk und Tradition.
Und eines lass Dir ewiglich raten:
Du, wage es nie, mit dem Staate zu raufen.
Die Märzstreiks 1919
Räte als Organe der Aktionseinheit
von Manuel Kellner
Die Niederschlagung der Massenbewegung im Januar und die Ermordung von Rosa Luxemburg und Karl Liebknecht in Berlin waren nicht das Ende der deutschen Revolution. Auch im Februar gab es in vielen Städten Streiks und Widerstand gegen die gewaltsamen Versuche von Freikorps und Reichswehr, die Räte zu beseitigen.
Versäumte linke Einheit
Die Revolutionären Obleute 1916–1919 und die KPD
von Manuel Kellner
Die Revolutionären Obleute spielten während des Krieges und in der Novemberrevolution eine zentrale Rolle. Sie waren unabhängig von den bestehenden Gewerkschaftsstrukturen gewählte betriebliche Vertrauensleute und in zahlreichen Industriebetrieben, besonders in den Berliner Rüstungsbetrieben, verankert. Sie lehnten sich gegen die Unterstützung des Krieges durch die SPD und gegen die Burgfriedenspolitik auf.
100 Jahre KPD
Das lebendige Erbe des frühen deutschen Parteikommunismus
von Florian Wilde*
Inmitten des von der Novemberrevolution ausgelösten Umbruchs vereinigten sich zur Jahreswende 1918/19 der Spartakusbund und die Internationalen Kommunisten Deutschlands zur Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD).
Revolution in der Frontstadt Köln? Gott bewahre…
Wie der christliche Oberbürgermeister Konrad Adenauer 1917/18 die «Gefahr des Bolschewismus» abwandte
von Werner Rügemer*
Nach dem Sieg Preußens über Frankreich und der Gründung des deutschen Kaiserreiches 1870/71 wurde Köln an der Rheingrenze zur hochgerüsteten Frontstadt gegen den Erzfeind Frankreich ausgebaut. Die Stadt wurde zur deutschen «Wacht am Rhein» – Festungsstadt mit Forts, Schützengräben, militärischen Gleisanlagen. Der preußische Militärgouverneur befahl über das Militärgefängnis und die Garnison mit ständig 8000 Soldaten. Der Neumarkt war ihr Exerzierplatz. Im benachbarten Porz-Wahn wurde der schon länger bestehende Truppenübungsplatz weiter ausgebaut. […]
Januar 1919 in Berlin
Der Mythos vom Spartakusaufstand
von Reiner Tosstorff
Die Mär vom «Spartakusaufstand» geistert bis heute herum. Sie ist gleichsam zur offiziellen deutschen Ideologie geworden. Die SPD, die mit Regierungschef Friedrich Ebert und ihrem Kriegsminister Gustav Noske bewusst das fatale Bündnis mit den Freikorps eingegangen war, nutzte ihn weidlich. Skrupellose Rechtfertiger aus den Reihen der Täter (die zugleich versuchten, ihre Taten zu vertuschen) taten dies auch.
Ultralinke Stimmung
Eindrücke vom Gründungsparteitag der KPD
von Manuel Kellner
Das Protokoll des Gründungsparteitags der KPD vermittelt einen lebendigen Eindruck vom Zustand der jungen kommunistischen Bewegung. Es lohnt sich, es sorgfältig zu studieren und auf Bildungsveranstaltungen darüber zu diskutieren.
«Russische Zustände» an der Spree?
Revolution und Rätebewegung
von Axel Weipert*
Oft wird den Deutschen nachgesagt, sie seien kein Volk von Revolutionären. Vor hundert Jahren aber war das Gegenteil richtig, auch wenn diese revolutionäre Tradition im öffentlichen Bewusstsein weitgehend verschüttet ist. Denn der zentrale Akteur dieser Revolution war die basisdemokratisch-sozialistische Rätebewegung.
Die Revolution in Deutschland ist untrennbar mit der Gründung von Räten verbunden. In den ersten Tagen waren sie zentrale Akteure der Umwälzung, Anhänger und Gegner identifizierten sie geradezu mit der Revolution selbst.
Anti-Geschichtsbuch: Eine kritische Auseinandersetzung mit der Novemberrevolution
Klaus Dallmer: Die Meuterei auf der «Deutschland» 1918/19 – Anpassung, Aufbäumen und Untergang der ersten deutschen Arbeiterbewegung. Berlin: Die Buchmacherei, 2018. 320 S., 12 Euro
von Peter Nowak
«Lasst euch nicht verdrießen. Denn wir wissen absolut! Noske, der wird schießen.»
Dieses Spottlied auf einen berüchtigten SPD-Politiker, der für die Massaker an rebellischen Arbeitern nach der Novemberrevolution verantwortlich war, stammt bereits von 1907. Damals schon stand Gustav Noske auf dem rechten Flügel der SPD und war als Reichstagsabgeordneter Experte für Kolonialpolitik und Militärfragen. In dieser Funktion forderte er im Reichstag, Arbeitsplätze auf deutschen Schiffen sollten nur Deutschen vorbehalten sein, und erklärte, im Falle eines Angriffs würde die SPD Deutschland verteidigen. Zur gleichen Zeit, 1907, war Karl Liebknecht unter Anklage des Hochverrats wegen Verfassens antimilitaristischen Schriften zu einer eineinhalbjährigen Zuchthausstrafe verurteilt worden.
Allgemeiner Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte Deutschlands
16.–20.Dezember 1918 Berlin – Stenografische Berichte. (Hrsg. Dieter Braeg, Ralf Hoffrogge.) Berlin: Die Buchmacherei, 2018. 618 S., 20 Euro
von Reiner Tosstorff
Protokoll des deutschen Rätekongresses
Mitte Dezember 1918, nur sechs Wochen nach dem Sturz des Kaiserreichs und der Proklamation der Republik, trat in Berlin im Abgeordnetenhaus, dem ehemaligen Scheinparlament der preußischen Monarchie, der Kongress der Arbeiter- und Soldatenräte zusammen. Sein Ergebnis ist bekannt: Aufgrund der SPD-Mehrheit wurden Wahlen zur Nationalversammlung binnen vier Wochen zur Ablösung der Räteherrschaft beschlossen. Doch wäre es falsch, daraus einfach zu folgern, die Delegierten hätten nichts anderes als das direkte und unmittelbare Begräbnis der Revolution im Sinne gehabt.
100 Jahre Novemberrevolution
Eine lehrreiche Feierstunde
von Manfred Dietenberger
Als die Kronen purzelten und das Volk aufstand, bekamen die Fabrikherren wieder das Knieschlottern. Die Gewerkschaftsführungen aber auch, und so unterzeichneten beide zwölf Tage nach dem Matrosenaufstand in Kiel gemeinsam ein Abkommen, das der Revolution ganz schnell ein Ende bereiten sollte. Die Fabrikherren hielten sich nicht lange daran, sie warteten auf die nächste Gelegenheit, es über Bord zu werfen. Das tun sie heute wieder, wenn auch mit weißen Handschuhen statt dem SA-Knüppel. So führen sie die vielen salbungsvollen Reden, in denen die liberalen Eliten dieses Landes nach 100 Jahren die Novemberrevolution als Geburtsstunde der Republik preisen, selber ad absurdum: Hinter der Tünche steckt der Klassenkampf.
Die deutsche Revolution im Dezember 1918
Vorbereitung des Bürgerkriegs
von Manuel Kellner
Am zweiten Tag der deutschen Revolution vom 9. November 1918 war Friedrich Ebert vom scheidenden Reichskanzler Max von Baden zum Reichskanzler ernannt worden. Die Arbeiter- und Soldatenräte der Hauptstadt Berlin machten ihn sofort darauf zum Vorsitzenden des Rats der Volksbeauftragten, bestehend aus drei SPD- und drei USPD-Mitgliedern, und damit zum Regierungschef der Räterepublik.
Die Rätedemokratie: Auch 100 Jahre danach noch eine konkrete Utopie
Eine Biografie von Richard Müller
von Reiner Tosstorff
Ralf Hoffrogge: Richard Müller. Der Mann hinter der Novemberrevolution. Berlin: Dietz, 2018. 24,90 Euro
Ralf Hoffrogge zeichnet in seinem neuen Buch das Leben eines der zentralen Akteure der Rätebewegung, Richard Müller, nach.
200 Jahre Karl Marx – Ein Rückblick auf die Debatte anlässlich des Jubiläums
Ausblick auf die Bedeutung marxistischer Theorie und Praxis
von Winfried Wolf
Grundlage des folgenden Textes ist die Rede, die Winfried Wolf am 5. Mai 2018 in Köln auf der Veranstaltung der SoZ zum 200. Geburtstag von Karl Marx hielt. Die Rede erschien zum erstenmal in Lunapark21 (Heft 42, Sommer 2018) und wurde für die dortige Veröffentlichung bearbeitet und deutlich erweitert. Der Abdruck in der SoZ geschieht mit freundlicher Genehmigung des Autors.
Alle Welt schrieb im letzten Jahr über «150 Jahre ‹Das Kapital›». Alle Welt schreibt in diesem Jahr über «200 Jahre Karl Marx» – und auch über «170 Jahre Kommunistisches Manifest». Deutlich weniger, aber immer noch viel, wird 2020 die Rede sein von «200 Jahre Friedrich Engels».
200 Jahre Karl Marx, Teil 9
Technologie ist nicht neutral
von Manuel Kellner
Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfes für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.
Jahrestage
Wer keine Zukunft sieht, hat auch keine Geschichte
von Ingo Schmidt
So viel Erinnerungsarbeit wurde lange nicht geleistet. Doch den unzähligen Büchern, Ausstellungen und Feuilletonartikeln, die den Revolutionen von 1848, 1918 und 1968 gewidmet sind, haftet etwas Gespenstisches an. Nicht im Sinne eines die herrschenden Mächte verängstigenden Gespenstes des Kommunismus, das Marx und Engels am Vorabend der 1848er Revolution beschworen, sondern einer von der Gegenwart abgeschnittenen Vergangenheit.
Kein deutscher Oktober
Die kurze Blüte der deutschen Revolution
von Manuel Kellner, Angela Klein
Die Massenmedien erinnern heute an den 9.November als «Geburtsstunde der Demokratie». Damals aber wollten sie davon nichts wissen. Erst die nicht wegzudiskutierende Niederlage im Krieg und die Wucht der revolutionären Bewegung mit der Schaffung potentieller Organe der Gegenmacht in Form der Räte nötigte die alten Machthaber, abzudanken.
Der Kieler Matrosen- und Arbeiteraufstand 1918…
… und die Politik der Linken
von Klaus Kuhl*
Die USPD hatte in Kiel nach Aussagen Lothar Popps¹ die Revolution und damit den Sturz der Regierung bereits im Januar 1918 vorbereitet, vermutlich in enger Abstimmung mit Berlin. Dabei sollten Landmarineeinheiten eine wichtige Rolle spielen. Die Vorstellung der USPD war, im Verlauf von ausgedehnten Streiks und Unruhen mit militärischen Einheiten zentrale Positionen zu besetzen und damit den Umsturz durchzuführen. Dies wurde jedoch durch die Verhaftung einer ganzen Reihe von führenden Kieler USPD-Mitgliedern verhindert.
Vor 100 Jahren: Frauen dürfen wählen!
Waren damit alle Frauenträume erfüllt?
von Gisela Notz
In vielen Veröffentlichungen zum 100.Jahrestag der Durchsetzung des Frauenwahlrechts werden heute vor allem die Verdienste der Frauen aus der bürgerlichen Frauenbewegung hervorgehoben, die für das Stimmrecht gekämpft haben, aber lange Zeit nicht wussten, ob sie das wirklich auch für die unteren Klassen erkämpfen sollen. Vergessen wird der Kampf der sozialistischen Arbeiterinnenbewegung, ohne den das allgemeine und gleiche Wahlrecht für Frauen nicht durchgesetzt worden wäre.
Klaus Gietinger: November 1918. Der verpasste Frühling des 20.Jahrhunderts
Mit einem Vorwort von Karl Heinz Roth. Hamburg: Nautilus, 2018. 270 S., 18 €
von Reiner Tosstorff
Ein neues Buch von Klaus Gietinger
Der 100.Jahrestag der Novemberrevolution führt seit geraumer Zeit zu einer Fülle von Veröffentlichungen, was der Bedeutung dieses Ereignisses durchaus angemessen ist.
Fortgesetzte Geschichtsfälschung
Arn Strohmeyer antwortet auf die «Ausstellung zur Staatsgründung Israels»
von Hermann Dierkes
Arn Strohmeyer: Ein klassischer Fall von Geschichtsfälschung. Eine Gegendokumentation. Herne: Gabriele Schäfer Verlag, 2018. 157 S., € 14,90
2008 jährte sich zum 60.Mal die Nakba, die Katastrophe mit Vertreibung, Massakern, Flucht, Zerstörung und Enteignung, mit der das palästinensische Volk die Staatsgründung Israels bezahlen musste – und bis heute bezahlt.
200 Jahre Karl Marx, Teil 8
Zerstörerische «Reinigungskrisen» und Zusammenbruch
von Manuel Kellner
Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.
Ab ins Museum
An den Rand notiert
von Rolf Euler
Im Ruhrgebiet gilt das Interesse der Museumsbetreiber in diesem Jahr vorrangig der Beendigung der Steinkohlenförderung auf den letzten beiden Bergwerken. Damit soll mehr als nur örtliches oder kurzfristiges Interesse angesprochen werden. Es ist Anlass für 17 Kunstmuseen, Bilder, Videos oder Skulpturen diesem Thema zu widmen. Für die Industriemuseen der beiden Landschaftsverbände gilt sozusagen «Bergbau» und alles was damit zu tun hat, als «Pflichtveranstaltung».
30 Jahre Wackersdorf
Lieber nachvollziehen, als am Mythos stricken – Ein Zeitzeuge erinnert sich
von Theo Völkl
Dieser Tage ist ein Film über den Widerstand gegen die Wideraufbereitungsanlage (WAA) in Wackersdorf in den 80er Jahren angelaufen. Letztlich konnte die Anlage verhindert werden, doch war dies nicht allein das Verdienst der Bewegung – es kam viel zusammen. Ein Lehrstück für den Hambacher Forst?
Prag 1968: Demokratie in die Betriebe
Das Herzstück sozialistischer Demokratie
von Karel Kovanda*
In den tschechoslowakischen Medien entfaltete sich im Frühjahr 1968 eine intensive öffentliche Diskussion über Fragen der Arbeiterselbstverwaltung. In der Wochenzeitung Reporter erschien im April ein «Offener Brief an die tschechoslowakischen Arbeiter», der zur Bildung einer Arbeiterbewegung für die Selbstverwaltung aufrief.
200 Jahre Karl Marx, Teil 7
Mehrwertproduktion als verschleierte Ausbeutung
von Manuel Kellner
Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.
Die Kafka-Konferenz 1963
Der politische Auslöser des Prager Frühlings
Auszug aus einem Interview mit Eduard Goldstücker*
Vor 50 Jahren wurde dem Versuch, die politischen Verhältnisse in einem sich sozialistisch nennenden Staat zu demokratisieren und eine Arbeiterselbstverwaltung einzuführen, durch den Einmarsch sowjetischer Truppen ein jähes Ende gesetzt. In den Massenmedien konzentriert sich die Erinnerung an den Prager Frühling auf den Kampf zwischen den Kräften des Alten Regimes und den «Reformern».
Die Wirtschaftsreformen in der Tschechoslowakei
Technokratische und demokratische Bestrebungen in den 60ern
dokumentiert
Anfang der 60er Jahre geriet die tschechoslowakische Wirtschaft in eine Rezession, das Bruttoinlandsprodukt sank stärker als in anderen europäischen Ländern. Die Probleme, die mit der Übernahme des sowjetischen Modells der Planwirtschaft verbunden waren, machten sich verstärkt bemerkbar.
Ihr Hauptfehler lag darin, dass die Planvorgaben willkürlich von einer wenig informierten zentralen Planungsbürokratie vorgegeben wurden, die mit den realen Vorgängen in den Betrieben wenig zu tun hatten.
1848 – eine europäische Revolution, Teil III
Die Rolle der Bauernschaft. 1848/49 in Österreich-Ungarn
Potenziell revolutionär und Stütze der Reaktion
von Roman Rosdolsky
Karl Marx und Friedrich Engels hatten eine – gelinde gesagt – negative Einstellung zu den slawischen Nationalitäten (mit Ausnahme der Polen), aber auch zu Basken, Bretonen, Walisern und Griechen (aber nicht zu den Iren). Vor allem Engels drückte immer wieder höchst ungerechte und drastische Urteile über sie aus und sprach von «geschichtslosen Völkern», «reaktionären Völkern und Völkertrümmern».
Gerade auch 1848/49 unterschieden sie zwischen «revolutionären» und «konterrevolutionären» Nationen. Der ukrainische Marxist Roman Rosdolsky unterzog diese Sichtweise einer eingehenden Kritik – mit einer Studie, die heute immer noch viel zu wenig bekannt ist. Im Kern geht es dabei um die Rolle der bäuerlichen Massen in der Revolution. Mit ihrer Politik zugunsten einer radikalen Agrarreform und für das Selbstbestimmungsrecht unterdrückter Nationen konnten sich die russischen Revolutionäre von 1917 auf sie stützen. 1848/49 wurden sie jedoch vor allem in Österreich tatsächlich zu einer Stütze der Konterrevolution. Der von uns ausgewählte Ausschnitt der Studie von Rosdolsky erklärt die Zusammenhänge.
1848 – eine europäische Revolution, Teil II
Die Unentschlossenheit der deutschen Nationalversammlung. März in Deutschland
Karl Marx über die politische Unabhängigkeit der arbeitenden Klasse
Zu besprechen, was vor 170 Jahren in Deutschland geschah, ist entgegen dem Anschein alles andere als eine zweckfreie Übung für Adepten der Geschichtswissenschaft. Die Wirkung der Niederlage der deutschen Revolution von 1849/49 reicht weit bis ins 20.?Jahrhundert, bis in die Gegenwart und darüber hinaus.
Deutsche nationale Einheit und Demokratie waren die miteinander untrennbar verbundenen Ziele dieser Revolution. Doch die deutsche Einheit kam später, im Jahr 1871, von oben, von Bismarcks Gnaden, als Resultat des Sieges über Frankreich im Krieg und auf Grundlage der – gemeinsam mit der besiegten Armee Louis Bonapartes durchgeführten – Massakrierung der Pariser Kommune. Diese Tatsache, einschließlich der «Erbfeindschaft» gegenüber Frankreich, lastet wie ein Alp auf der gesamten späteren Geschichte Deutschlands.
1848 – eine europäische Revolution, Teil I
Der «Wind der Revolution». Februar in Frankreich
Ein Schwerpunkt von Manuel Kellner
Die Februarrevolution 1848 in Frankreich kam nicht aus dem Nichts. Seit der Revolution von 1830 hatte es immer wieder, vor allem in Paris, Proteste und Zusammenstöße gegeben. Die soziale Lage in der Hauptstadt war extrem angespannt. Der äußerst konservative und doch kluge Alexis de Tocqueville wandte sich am 29. Januar 1848 mit folgender Warnung an die Abgeordneten der Nationalversammlung, die er später in seinen Erinnerungen zitiert:
«Fühlen Sie nicht mit einer Art instinktiver, der Analyse unzugänglicher, aber untrüglicher Intuition, dass die Erde in Europa wieder bebt? Fühlen Sie nicht, wie soll ich sagen, den Wind der Revolution in der Luft? … Nun denn! Ich bin zutiefst davon überzeugt, dass die verfallenden öffentlichen Sitten Ihnen in kurzer, vielleicht naher Zeit neue Revolutionen hervorbringen werden.» Am 21.?Februar bricht die Revolution in Paris tatsächlich aus, und sie wird zum Startschuss für eine ganze Reihe weiterer Revolutionen in Europa.
Was uns Che noch zu sagen hat
Zum 90. Geburtstag von Ernesto Guevara
von Antonio Moscato*
Nachdem die Welle der Veröffentlichungen, die nach Jahren des Vergessens eine Lücke gefüllt hatte, wieder abgeebbt ist, ist es möglich und notwendig, Ernesto Guevara (1928–1967) außerhalb vom Mythos und der Rhetorik vom «heroischen Guerrillero» zu stellen. Nachdem sich der Nebel von Veröffentlichungen aus dritter Hand gelichtet hat, bleiben einige große Biografien, die Ergebnis wirklicher Arbeit sind und aus denen wegen ihrer Vollständigkeit diejenige von Paco Ignacio Taibo II herausragt, der die vielen Beziehungen zu engen Mitarbeitern des Che ausnutzen konnte, welche er in seinen früheren Arbeiten über Santa Clara und den Kongo geknüpft hatte.
Der eigenständige Weg zum Sozialismus
Das Schisma zwischen Stalin und Tito
von Paul B. Kleiser
Am 28.Juni 1948 wurde die jugoslawische KP aus dem Kominform ausgeschlossen.
Erfolgreiche SoZ-Feier
Zum 200.Geburtstag von Karl Marx
die Redaktion
An die 80 Interessierte fanden ins Naturfreundehaus Köln-Kalk, um an der SoZ-Feier zum 200.Geburtstag von Karl Marx teilzunehmen. Die meisten waren aus Köln, manche angereist aus anderen Städten, vorwiegend aus unserem politischen Umfeld. Es waren aber auch eine Reihe von Leuten da, die wir vorher nicht kannten.
200 Jahre Karl Marx, Teil 5
Materialistische Geschichtsauffassung
von Manuel Kellner
Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.
Kunst und 68
Der etwas andere Blick auf die wilden 60er Jahre
von Angela Klein
Flashes of the Future – Die Kunst der 68er oder Die Macht der Ohnmächtigen
Aachen, Ludwig Forum, Jülicher Str. 97-104, bis 19.August 2018
Wer tatsächlich vor 50 Jahren ideenreich für Reflexion, für Veränderung eintrat, es war die Kunst in vielfältiger Weise.
Internationalismus konkret
Bericht eines Aktivisten der Solidarität mit dem antikolonialen algerischen Befreiungskrieg in Deutschland
Gespräch mit Hans Peiffer*
Warum hast du damals in den 50er und beginnenden 60er Jahren des 20. Jahrhunderts zusammen mit deinen Genossinnen und Genossen der deutschen Sektion der IV. Internationale die Solidarität mit der algerischen Revolution in den Mittelpunkt der internationalistischen Arbeit gestellt?
50 Jahre Mai ’68
Zur Geschichte der Studentenbewegung
von Angela Klein
50 Jahre nach dem Attentat auf Rudi Dutschke liegt der Fokus der Aufarbeitung von «1968» in den bügerlichen Medien immer noch auf der angeblichen Gewalt der Studentenbewegung. Ein gehypter, weil ursprünglich selbst aus der Bewegung kommender Historiker wie Wolfgang Kraushaar spitzt seinen Artikel zum Mord an Rudi Dutschke in der Frankfurter Rundschau darauf zu, dass die Empörung der Studenten fehlgeleitet war, weil der Mörder Bachmann nicht Bild im Auto liegen hatte, als er Dutschke erschoss, sondern die rechtsextreme Deutsche Nationalzeitung, die getitelt hatte: «Stoppt Dutschke jetzt! / Sonst gibt es Bürgerkrieg».
Images en lutte
Bilder einer Ausstellung zu 1968
von Bernard Schmid
Die Kunsthochschule Ecole des Beaux Arts in der Pariser Rue Bonaparte wurde zweimal von der Polizei geräumt: einmal im Frühsommer 1968, nach mehrwöchiger Besetzung durch Kunststudierende, Lehrpersonal und andere Rebellierende des Pariser Mai, um vier Uhr morgens. Das andere Mal im Februar 1974, nachdem dort fast drei Jahre lang allwöchentlich Vollversammlungen der im Gefolge des 68er Aufbruchs aufkeimenden feministischen sowie Homosexuellen-Bewegung stattgefunden hatten. Die Regierung unter Präsident Georges Pompidou glaubte, dadurch dem Emanzipationsspuk ein Ende setzen zu können.
Rudi Dutschke und die Achtundsechziger
«Der sozialistischen Bewegung das Unterscheidungsvermögen wiedergewinnen»
von Paul B. Kleiser
Es gibt wenige Namen und Gesichter, die mit der Bewegung von 1968 in Theorie und Praxis so eng verbunden sind wie die von Rudi Dutschke.
Aufgrund der Hetze der Springerpresse und anderer rechter Medien, die im Klima des Kalten Krieges besonders in Westberlin auf fruchtbaren Boden fiel, wurde er am Gründonnerstag 1968 Opfer eines Mordanschlags. Der Täter Josef Bachmann schoss Dutschke mit drei Kugeln nieder.
«Ohne die CGT hätte 68 in Frankreich nicht dieselbe Bedeutung erlangt»
Erforschung neuer Quellen über die 68er Bewegung in Frankreich
Gespräch mit Ludivine Bantigny
50 Jahre nach 1968 ist Archivmaterial zugänglich, zu dem es vorher keinen Zugang gab. Neuere Forschungen ergeben deshalb stellenweise einen sehr anderen Blick als den, die die Akteure von damals bislang transportierten. Ludivine Bantigny ist Historikerin an der Universität Rouen in Frankreich. Sie hat in den Archiven über die 68er Bewegung geforscht und vor kurzem ein Buch darüber auf französisch veröffentlicht.*
Getrennt marschieren
Die 68er Bewegung in Italien hat die Dominanz der PCI nicht brechen können
von Diego Giachetti
Die Gesellschaftskrise, die in Italien 1968 offenbar wurde, war Teil eines umfassenderen, gleichzeitigen Prozesses, der die industrialisierten Gesellschaften des Westens, aber auch einige Länder des Ostblocks wie Polen und die CSSR erfasste. Der außerparlamentarische Protest der Jugend traf auf ein neues Selbstbewusstsein der einfachen Arbeiter in den gewerkschaftlichen und betrieblichen Kämpfen, auf eine neue Nachfrage nach öffentlichen Dienstleistungen in den Städten, auf die Einforderung neuer Bürgerrechte.
1968 in Polen
Studentenunruhen und antisemitische Kampagnen
von Stefan Bekier für Le Monde Diplomatique/Polska
Im März 1968 kam es auch in Polen zu bedeutenden Studentenunruhen. Die Studierenden forderten vor allem mehr Meinungsfreiheit. Der polnische Staat machte Juden als Strippenzieher dafür verantwortlich. Nach unterschiedlichen Quellen wanderten deshalb 13000–20000 Polen jüdischer Abstammung mit ihren Partnern aus Polen aus. Auf ihre polnische Staatsangehörigkeit mussten sie verzichten. Sie bekamen sog Reisepapiere, die nur für eine Ausreise galten.
1968 im Senegal
Studierende rebellieren gegen Senghor
von Bernard Schmid
Bei der Jahreszahl «1968» denkt man, von Deutschland aus betrachtet, zunächst einmal an Frankreich. Im günstigeren Falle fällt einem dann noch ein, dass die Geschehnisse internationaler Natur waren und und sich – neben Westberlin und Paris – auch in Mexiko-Stadt, San Francisco und Tokyo abspielten. Aber in Afrika? Hat man dafür im deutschsprachigen Raum einen Gedanken übrig?
Eva Weissweiler: Lady Liberty. Das Leben der jüngsten Marx-Tochter Eleanor
Hamburg: Hoffmann und Campe, 2018. 416 S., 26 €
von Manuel Kellner
Am 1.Mai des Jahres 1890 kommen 300000 Arbeiterinnen und Arbeiter in London zur Kundgebung. Eleanor Marx, mit familiärem Spitznamen Tussy, führt sie vom Themse-Ufer in den Hyde Park und spricht zu ihnen:
200 Jahre Karl Marx, Teil 4
Ein Demokrat wird Kommunist
von Manuel Kellner
Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.
Der Internationalismus von Karl Marx…
…heute noch aktuell
von Manuel Kellner
Im «Kommunistischen Manifest» von 1848 geht Karl Marx weit über eine Haltung hinaus, die internationale Solidarität als eine Aufgabe neben anderen versteht: «Die Kommunisten unterscheiden sich von den übrigen proletarischen Parteien nur dadurch, dass sie einerseits in den verschiedenen nationalen Kämpfen der Proletarier die gemeinsamen, von der Nationalität unabhängigen Interessen des gesamten Proletariats hervorheben und zur Geltung bringen» (MEW 4:474).
SoZ-Feier
Zum 200.Geburtstag von Karl Marx
5. Mai um 14:00 – 22:00 in Köln-Kalk
Von den Bürgerlichen totgesagt, ist Marx seit der Krise 2008 wieder in aller Munde. Für viele der Jüngeren ist er aber kein Kompass mehr bei ihrem Kampf für eine lebenswerte Welt, zu schwer wiegen Niedergang und Krise der traditionellen Arbeiterbewegung.
Veranstaltungsreihe „Revolution, Revolution!“ in Oberhausen
Auftaktveranstaltung mit Dr. Manuel Kellner
Deutsche Revolution 1848/49 – Was hat das mit heute zu tun?
Dienstag, 17. April 2018
19:00 Uhr
Fabrik K14, Lothringer Str. 64, 46045 Oberhausen.
Leserbrief: ’68 kann es heute wieder geben – wozu denn?
Betr.: «68 kann es heute wieder geben», SoZ 3/2018, S.4
von A. Holberg
Das ist schön, dass Alain Krivine, laut SoZ «Seele der Bewegungsfraktion vom Mai 68», ein neues «’68» für möglich (gar wahrscheinlich?) hält, ohne dabei darauf zu verzichten, darauf hinzuweisen, dass die Arbeiterklasse seitdem zwar gewaltig gewachsen aber auch stärker differenziert ist.
200 Jahre Karl Marx, Teil 3
Ein radikaler Demokrat
von Manuel Kellner
Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.
1968 – Was bleibt?
Die Aktualität von 68 misst sich schon allein am weiterhin tobenden Kampf um seine Deutungen
von Paul B. Kleiser
Seit wohl 40 Jahren gibt es zahlreiche Versuche einer «Historisierung», vielfach einer Entsorgung von 1968. Abgesehen von einigen Lobgesängen wird heute häufig der Versuch gemacht, eine «utopische Generation» für «Identitätsverlust», die Globalisierung und deren Folgen sozialer Spaltung für verantwortlich zu erklären. Schließlich seien Bill Gates oder Steve Jobs auch 68er gewesen.
Warum flog die Tomate?
Die 68er und die Neuen Frauenbewegungen
von Angela Klein
Gisela Notz: Warum flog die Tomate? Die autonomen Frauenbewegung der Siebzigerjahre. 2., komplett überarb. Aufl.
Alain Krivine zu Mai 68
68 kann es heute wieder geben
von Tullio Giannotti
50 Jahre nach 68 spricht Alain Krivine, einer der Protagonisten von damals, mit einem Reporter der italienischen Nachrichtenagentur ANSA.
Die vielen Gesichter des 8.März
Eine kurze Geschichte des Internationalen Frauentags
von Tatiana Montella*
Der 8.März ist ein Tag, der eng mit den Kämpfen von Frauen und der Frauenbewegung verbunden ist. Dabei bleibt sein Ursprung im Dunkeln, es ist kein besonderes Ereignis, das gefeiert wird, eher ist es ein symbolisches Datum, das für die Frauenbewegung schlechthin steht.
Die Frauen des Oktober
Die Arbeit der Shenotdel
von Tariq Ali
In SoZ 11/2017 berichteten wir über die Abschaffung der zaristischen Gesetze nach der Oktoberrevolution, mit denen die Frauen unterjocht worden waren. Weitaus schwerer als die Abschaffung der Gesetze war jedoch die Ausrottung der patriarchalischen Sitten und Denkweisen, die bis weit in die Reihen der Bolschewiki selbst hineinreichten. Um sie zu bekämpfen, wurde eine eigene Frauenabteilung gebildet, die elf Jahre existierte und sich das Ziel setzte, Arbeiterinnen und Bäuerinnen für die Selbstbefreiung der Frau zu gewinnen.*
Totgesagte leben länger
Paradoxien gegenwärtiger Marxismusbeschäftigung
von Werner Seppmann*
Marx ist wieder in aller Munde, aber die wenigsten wollen an ihm anknüpfen.
200 Jahre Karl Marx, Teil 2
Die Grundlage: Sein Menschenbild
von Manuel Kellner
Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.
200 Jahre Karl Marx, Teil 1
Eine neue Biografie
von Manuel Kellner
Karl Marx war dafür, «alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist». Aktuell bleibt auch seine Kritik der kapitalistischen Produktionsweise, die «die Erde und den Arbeiter untergräbt». Immer bereit an allem zu zweifeln, verdient er nicht, zum Säulenheiligen gemacht zu werden. Sein Konzept der Selbstbefreiung der Arbeiterklasse als Mittel universaler Emanzipation bleibt allerdings entscheidender Bestandteil des revolutionären Kampfs für eine weltweite sozialistische Gesellschaft.
Von Mussolini bis Mélenchon
Zu den Quellen des «Linkspopulismus»*
von Manuel Kellner
Im Duden wie in der Umgangssprache ist der Begriff «Populismus» negativ besetzt. Gemeint sind Versuche, «die Gunst der Massen zu gewinnen», sie zu manipulieren und für eigene Zwecke zu instrumentalisieren. Dafür wird an ihre Ressentiments angeknüpft und für angestrebte Wahlerfolge werden illusorische Erwartungen bei ihnen geweckt.
Antifa Ost …
… Erinnerungen an eine angefeindete Bewegung
von Peter Nowak
Eine Gruppe von Punks und alternativen Jugendlichen sitzt um einen Tisch an einer Schreibmaschine und ist mit der Herstellung eines Flugblatts beschäftigt. In einer anderen Szene treffen sich die Jugendlichen zu einer Diskussion, doch ein Teil verlässt diese schon nach kurzer Zeit, weil zu viel geredet und zu wenig gehandelt wird.
Frau, Familie, Sexualmoral, Kultur
Frühe Errungenschaften der Oktoberrevolution
von Manuel Kellner
Die junge Räterepublik brachte die rechtliche und politische Gleichstellung der Frauen mit den Männern – ein völliger Bruch mit den Verhältnissen unter dem Zarismus.
Am 19. und 20.Oktober 1917 wurde die zaristische Familiengesetzgebung durch das «Dekret über die Ehescheidung» und das «Dekret über die Zivilehe, die Kinder und die Führung der Personenstandsregister» ersetzt. Für Eheschließung und Scheidung (auch auf Antrag von nur einer der beiden Seiten) genügte nun die einfache standesamtliche Registrierung.
Fabrikkomitees und Arbeiterkontrolle in der russischen Revolution
Zur Sozialisierung getrieben*
von Manuel Kellner
Die Forderung nach «Arbeiterkontrolle» und eine entsprechende Praxis sind in der aktuellen sozialistischen Debatte – zumindest in Deutschland – weitgehend unbekannt.
Gemeint ist damit das erkämpfte Recht von Belegschaften, in Entscheidungen von Unternehmenseigentümern oder Geschäftsleitungen einzugreifen bzw. sie von der Zustimmung ihrer gewählten Kontrollausschüsse abhängig zu machen.
«Deine Depression ist mir nicht fremd…»
Zum 50.Todestag von Roman Rosdolsky
von Yurii Colombo
Als Roman Rosdolsky am 20.Oktober 1967 in Detroit starb, hatte er gerade die Fahnen seines Buches Zur Entstehungsgeschichte des Marxschen «Kapital» fertig korrigiert. An diesem Werk, das im folgenden Jahr postum erschien, hatte er fast zwanzig Jahre gearbeitet. Es war die erste und bedeutendste Monografie zu Marx’ Grundrissen. In zahlreiche Sprachen übersetzt, förderte sie deren Verbreitung und hatte bedeutenden Einfluss auf deren spätere Interpretation.
Das Bauhaus – ein politisch unliebsames Projekt
Eine szenische Lesung erinnert an den Kulturkampf der Nazis
von Gregor Kritidis
«Wir fordern deshalb größte Sparsamkeit und … sofortige Streichung sämtlicher Ausgaben für das Bauhaus.» Mit dieser Forderung trat die NSDAP zur Gemeinderatswahl am 25.Oktober 1931 an. Zudem sollte «der Abbruch des Bauhaus sofort in die Wege geleitet» werden. Kaum ein Jahr später – vor 85 Jahren – wurde die erste Forderung umgesetzt. Aus diesem Anlass hat die Rosa-Luxemburg-Stiftung Sachsen-Anhalt am 19.11. im Bauhaus eine szenische Lesung zur Vertreibung der Kunst-, Design und Architekturschule aus Dessau veranstaltet.
Die russische Revolution und die Ökologie
Eine allzu kurze Begegnung
von Daniel Tanuro
Im Januar 1919 tobte der Bürgerkrieg, die weißen Armeen waren auf dem Vormarsch, das Russland der Oktoberrevolution war in Lebensgefahr, das Territorium der jungen Sowjetrepublik beschränkte sich auf das Umland von Petrograd und Moskau. Doch am 16.Januar 1919 hieß das Thema in Lenins Arbeitszimmer im Kreml Naturschutz.
Die Verstaatlichung der Revolution…
…und wie man ihr begegnen kann
von Manuel Kellner
Ist es nur der Kalender, der uns zur Beschäftigung mit der «Oktoberrevolution» vom 7.November 1917 (25.Oktober a.St.) in Russland treibt? Ist sie nicht ohne Belang für die Gegenwart? Brauchen wir sie – wie manche unterstellen –, um einen Mythos zu unterhalten, der über den heute so geringen Einfluss revolutionär-sozialistischer Ideen hinwegtrösten soll?
Die vollendete Revolution
Anmerkungen zur Erinnerungspolitik der russischen Oktoberrevolution
von Christoph Jünke*
Die Oktoberrevolution ist nicht mehr der Prüfstein innerlicher Politik. Trotzdem kommt man nicht an ihr vorbei.
Im Jahre 1967, sozusagen auf halbem Wege von der Russischen Revolution bis heute, hielt Isaac Deutscher seine noch im selben Jahr unter dem Titel Die unvollendete Revolution veröffentlichten Trevelyan-Vorlesungen und zog dabei die Bilanz seiner jahrzehntelangen Auseinandersetzung mit der sowjetrussischen Revolution und ihren Folgen.
Vom Oktober 1917…
…zum «Sozialismus des 21.Jahrhunderts
von Catherine Samary*
Nicht jede Vergangenheit hat dieselbe Zukunft. Der Oktober 1917 wird nicht leicht beerdigt werden können. Da wurde gewagt, die bestehende Ordnung in Frage zu stellen – ohne Rezepte und nicht ohne tragische Irrtümer, im Kampf mit den Kriegen und der sozialen Gewalt der Herrschenden. Hundert Jahre später, obwohl der Kommunismus nicht mehr als Option erscheint, ähneln die Herausforderungen doch denen des Oktober vor hundert Jahren.
Die Bolschewiki
Partei einer Klasse, die sich verflüchtigt
von David Mandel
Wie konnte es kommt, dass so kurz nach Eroberung der politischen Macht durch die Räte diese ersetzt wurden durch das Regime der Kommunistischen Partei? Das ist die immer noch virulente Frage im Zusammenhang mit der Oktoberrevolution.
David Mandel hat sich damit in mehreren Aufsätzen beschäftigt, aus einem davon stammt der nachstehende Auszug.*
Isolation, Gewalt, Fehlentwicklung
Die internationale Dimension der Revolution
von Manuel Kellner
Was war die Oktoberrevolution? Diese Frage stellte 2007 ein Herr Jörg Baberowski in der Zeitschrift Aus Politik und Zeitgeschichte, herausgegeben von der Bundeszentrale für politische Bildung. Die Antworten, die er gibt, haben nichts mit der Suche nach historischer Wahrheit zu tun: es handelt sich um Polemik auf unterstem Niveau. Leider war sich die Bundeszentrale nicht zu schade, dieses Machwerk auch 2017 im Rahmen eines «Dossiers» zu 100 Jahren Oktoberrevolution 1917 wieder ins Netz zu stellen.
Rudolf Geist: Die Wiener Julirevolte. Bericht eines Augenzeugen (Hrsg. Dieter Braeg)
Berlin: Die Buchmacherei, 2017
von Angela Klein
Vor 90 Jahren, im Juli 1927, brannte in Wien der Justizpalast – nicht das Werk eines Provokateurs, auch nicht eines einsamen Kämpfers gegen eine heraufziehende Diktatur, sondern das Werk von Hunderten und Tausenden aufs höchste erregter Arbeiterinnen und Arbeiter, die sich gegen Polizeiwillkür und Klassenjustiz auflehnten.
100 Jahre russische Revolution, Teil 8
Ein schwieriges, aber wichtiges Erbe
von Manuel Kellner
Der Sturz der Kapitalherrschaft durch Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte hat viele spätere antikapitalistische Bewegungen inspiriert. Die bürokratische Diktatur diskreditierte jedoch die sozialistische Idee. 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bleibt hundert Jahre nach der Oktoberrevolution?*
Bekämpfung des Terrors oder Bekämpfung der Linken?
Eine Rückschau auf das Jahr 1977
die Redaktion
Die Bilder vom Polizeieinsatz gegen die G20-Demonstrationen haben Erinnerungen an die Vergangenheit geweckt – zumal sie mit dem 40.Jahrestag der Ermordung des damaligen Arbeitgeberpräsidenten Hanns-Martin Schleyer zusammenfallen. Grund genug, sich die Vorgänge in dem Jahr noch einmal zu vergegenwärtigen.
Der deutsche Völkermord an den Herero
Bis heute ungesühnt
von Klaus Engert
Die Geschichte Schwarzafrikas ist voll von Kriegen und Massakern an der einheimischen Bevölkerung. Aber die fast völlige Auslöschung eines ganzen Volkes, der Herero, in der damaligen deutschen Kolonie Südwestafrika (heute: Namibia) ist etwas Einmaliges und für Deutschland etwas Besonderes. Das Thema ist ungebrochen aktuell, denn erst jetzt, nach über 100 Jahren, wurde dieser Völkermord endlich offiziell als das anerkannt, was er ist.
100 Jahre russische Revolution, Teil 7
Oktoberrevolution – Putsch oder Aufstand?
von Manuel Kellner
Der Sturz der Kapitalherrschaft durch Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte hat viele spätere antikapitalistische Bewegungen inspiriert. Die bürokratische Diktatur diskreditierte jedoch die sozialistische Idee. 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bleibt hundert Jahre nach der Oktoberrevolution?*
100 Jahre russische Revolution, Teil 6
September: Kurs auf den bewaffneten Aufstand
von Manuel Kellner
Der Sturz der Kapitalherrschaft durch Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte hat viele spätere antikapitalistische Bewegungen inspiriert. Die bürokratische Diktatur diskreditierte jedoch die sozialistische Idee. 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bleibt 100 Jahre nach der Oktoberrevolution?*
Marxistische Stalinismuskritik im 20. Jahrhundert. Eine Anthologie
(Hrsg. Christoph Jünke.) Köln, Karlsruhe: Neuer ISP Verlag, 2017. 616 S., 29,80 €
von Manuel Kellner
Zwischen Revolution und Bürokratie
Die Sowjetunion und die Einparteienherrschaft der KPdSU gibt es nicht mehr, die DDR mit der «führenden» Staatspartei SED auch nicht, und die meisten poststalinistischen Kommunistischen Parteien sind kaum noch ein Schatten einstiger Größe. Die bürgerliche Ideologie beherrscht in den besonders kruden Formen des Neoliberalismus Universitäten und öffentliche Meinung. Was liegt da eigentlich an linker, dazu noch marxistischer Stalinismuskritik?
Ostwind für Kohl
Berliner Tagung erinnert an den ostdeutschen Widerstand gegen die Abwicklung der ostdeutschen Industrie
von Bernd Gehrke
Am 20.Juni 1992 fand in Ostberlin die 1.Konferenz Ostdeutscher und Berliner Betriebs- und Personalräte statt. 140 Betriebs- und Personalräte aus 70 Betrieben, die 107000 Beschäftigte vertraten, unternahmen damals den selbstorganisierten Versuch zu einem branchen- und regionenübergreifenden Widerstand von Belegschaften in Ostdeutschland gegen die Treuhandanstalt und deren Politik der Deindustrialisierung mittels Privatisierung der ostdeutschen Wirtschaft.
100 Jahre russische Revolution, Teil 5
Die Julitage und der Kornilow-Putsch
von Manuel Kellner
Der Sturz der Kapitalherrschaft durch Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte hat viele spätere antikapitalistische Bewegungen inspiriert. Die bürokratische Diktatur diskreditierte jedoch die sozialistische Idee. 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bleibt 100 Jahre nach der Oktoberrevolution?*
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil XII
Die Ermordung von Andreu Nin…und die Akten des KGB
von Reiner Tosstorff
Im Mai 1937 kommt es zu bewaffneten Kämpfen zwischen der republikanischen Regierung, unterstützt von der KP, auf der einen Seite, Anarchisten und der POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista – Arbeiterpartei der marxistischen Einigung) auf der anderen Seite (siehe SoZ 5/2017). Letztere verloren den Kampf, die Führung der POUM wurde verhaftet, die Partei in die Illegalität getrieben.
100 Jahre russische Revolution, Teil 4
Die Rolle der bäuerlichen Bevölkerungsmehrheit
von Manuel Kellner
Der Sturz der Kapitalherrschaft durch Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte hat viele spätere antikapitalistische Bewegungen inspiriert. Die bürokratische Diktatur diskreditierte jedoch die sozialistische Idee. 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bleibt 100 Jahre nach der Oktoberrevolution?*
100 Jahre russische Revolution, Teil 3
Der Krieg und sein Klassencharakter
von Manuel Kellner
Der Sturz der Kapitalherrschaft durch Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte hat viele spätere antikapitalistische Bewegungen inspiriert. Die bürokratische Diktatur diskreditierte jedoch die sozialistische Idee. 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bleibt – 100 Jahre nach der Oktoberrevolution?*
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil XI
Bürgerkrieg im Bürgerkrieg: Die Mai-Tage 1937 in Barcelona
von Reiner Tosstorff
Vor 80 Jahren, vom 3. bis zum 7.Mai 1937, kam es in Barcelona zu bewaffneten Auseinandersetzungen innerhalb des republikanischen Lagers: zwischen den Anarchisten und der antistalinistischen POUM (Arbeiterpartei der marxistischen Einigung) einerseits und der PCE (Kommunistische Partei Spaniens) und der katalanischen Regierung andererseits. Dieser «Bürgerkrieg im Bürgerkrieg» ist vor allem durch den Erlebnisbericht bekannt geworden, den der englische Schriftsteller George Orwell in seinem Buch Mein Katalonien davon gegeben hat.
AUFSTAND!
Käthe Kollwitz neu gesehen
von Rolf Euler
Käthe Kollwitz, die bei vielen Menschen bekannte Künstlerin des Antikriegsbilds «Nie wieder…!», kann im Käthe-Kollwitz-Museum in Köln mit vielen ihrer Werke immer wieder neu betrachtet werden, diesmal mit Sonderausstellungen zu ihrem 150.Geburtstag.
Griechenland 1967
Vor 50 Jahren putschten die Obristen
von Paul B. Kleiser
Am 21.April 1967 putschte eine Gruppe niederrangiger Offiziere der griechischen Armee gegen die demokratisch gewählte Regierung der Zentrumsunion von Giorgos Papandreou und etablierte ein sieben Jahre währendes Terrorregime. Bis zu 80000 politische Gefangene wurden gemacht und teilweise auf kahle Inseln deportiert. Wie konnte es 18 Jahre nach dem Ende des blutigen Bürgerkriegs zu diesem Staatsstreich kommen?
100 Jahre russische Revolution, Teil 2
Februarrevolution und Aprilthesen
von Manuel Kellner
Der Sturz der Kapitalherrschaft durch Arbeiter-, Soldaten- und Bauernräte hat viele spätere antikapitalistische Bewegungen beflügelt. Die bürokratische Diktatur diskreditierte jedoch die sozialistische Idee. 1991 wurde die Sowjetunion aufgelöst. Was bleibt – 100 Jahre nach der Oktoberrevolution?*
An den Rand notiert – vor 50 Jahren
1967
von Rolf Euler
«Auch was hinter uns liegt, steht uns weiter bevor» (Martin Seel, Theorien).
«Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen» (Christa Wolf, Kindheitsmuster).
Am Anfang dieses Jahres 2017, wenn die Aktualitäten nach erneuter Kritik und Einmischung verlangen,
Fragebogenaktionen können militanter sein
So hat Karl Marx sie angelegt
von Manfred Dietenberger
Der Fragebogen als Mittel der Untersuchung der Lage und Wünsche der arbeitenden Klassen geht auf Karl Marx zurück.
In der ersten Aprilhälfte 1880 verfasste Marx einen Fragebogen für Arbeiter auf Englisch (deutsch in MEW 19, S.230–237). Er erschien erstmals – in französischer Übersetzung und anonym – am 20.April 1880 in der Zeitschrift La Revue Socialiste,
War Lech Walesa ein Spitzel?
Hetzkampagnen in Polen
von Norbert Kollenda
Die Witwe von General Kiszczak bot vor einem Jahr dem Institut des Nationalen Gedenkens, IPN, das für die Aufarbeitung der Geheimdienstdokumente zuständig ist, für 90000 Zloty Papiere aus dem Nachlass ihres Mannes an, der bis 1990 Innenminister war. Der IPN-Vorsitzende, Lukasz Kaminski, übergab die Dokumente in Sache «Bolek» im Eiltempo der Öffentlichkeit. Weder Historiker noch Grafologen konnten vorher ihre Echtheit überprüfen.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil X
Die KP als Totengräber der Revolution
von Paul Michel
Nach den Wahlen am 17.Februar 1936 bekam die Kommunistische Partei Spaniens (Partido Comunista de España – PCE) einen deutlichen Mitgliederzuwachs. Er beschleunigte sich noch einmal in den Monaten nach Francos Putsch. Zur Jahreswende 1936/37 war die PCE die dominierende Kraft im republikanischen Lager, und sie nutzte diese Machtposition, um ihre Vorstellungen anderen Kräften aufzuzwingen.
Serie: 100 Jahre russische Revolution, Teil 1
Die Revolution von 1905
von Manuel Kellner
1917–2017 · Was bleibt?
Revolutionäre haben ihren eigenen Kalender. Lange Zeit bezogen sie sich auf die französischen Revolutionen von 1789, 1830 und 1848. Die Monate der Pariser Kommune von 1871 galten ihnen 34 Jahre lang als grundlegende Erfahrung. Erst die russische Revolution von 1905 gab der strategischen Debatte der sozialistischen Linken neue Impulse. Zwölf Jahre später brach die russische Revolution wieder aus
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil IX
Die Regierung Largo Caballero und der Wiederaufbau des Staatsapparats
von Paul Michel
Der Spanische Bürgerkrieg 1936–1939 war die letzte Chance, dem endgültigen Sieg des Faschismus in Europa noch einmal etwas entgegenzusetzen und den Zweiten Weltkrieg zu verhindern. In der Linken ist der Streit über die Verantwortung für die Niederlage der antifaschistischen Kräfte bis heute stark umstritten. Grund genug für diese Zeitung, die politische und soziale Entwicklung in jenen Jahren noch einmal nachzuzeichnen.*
Kolonien ein Randthema?
Das DHM und die deutsche koloniale Vergangenheit
von Angela Klein
Im Jahr 2009, mitten in den Wirren der Finanzkrise, starteten einige entwicklungspolitische Gruppen und Einzelpersonen einen Kampagnenaufruf «125 Jahre Berliner Afrika-Konferenz – erinnern – aufarbeiten – wiedergutmachen», mit dem sie um Aufmerksamkeit für die koloniale Vergangenheit Deutschlands warben.
Deutscher Kolonialismus – eine Ausstellung in Berlin
Versuch einer Aufarbeitung
von Larissa Peiffer-Rüssmann
Das Deutsche Reich gehörte von 1884 bis 1919 zu den großen Kolonialmächten – über 35 Jahre lang. Umso erstaunlicher ist es, dass es im Deutschen Historischen Museum (DHM) in Berlin, das sich als Ort der «Vermittlung von Geschichte» versteht, «kaum Hinweise auf Deutschlands Kolonialgeschichte» gibt, wie schon vor Jahren eine Gruppe junger Historikerinnen kritisierte.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil VIII
Francos Weg zum Caudillostaat
von Paul Michel
An die 100000 Menschen wurden im Verlauf der drei Jahre Bürgerkrieg in der «nationalistischen Zone» umgebracht. Sie fielen nicht militärischen Auseinandersetzungen, sondern dem gezielten Terror der nationalistischen Machthaber zum Opfer, 50–70% von ihnen wurden zwischen Juli und September 1936 ermordet.
Das Lebenswerk von Fidel Castro
Unbeugsam im Widerstand gegen den US-Imperialismus
von Dave Kellaway
Bilder von Fidel füllten über Jahrzehnte die Wochenschauen: abgerissen und besiegt nach der blutigen Attacke auf die Moncadakaserne; im feinen Anzug als freier Mann beim Gang aus dem Gefängnis ins Exil; bei einem Interview mit einem US-Journalisten 1958 in einem Versteck in den Bergen; beim triumphalen Einmarsch mit Che, Cienfuegos und den anderen jungen bärtigen Kriegern in Havanna;
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil VII
Die Internationalen Brigaden – «Unsere Heimat ist heute vor Madrid»
von Paul Michel
Heute erinnert in Albacete nur noch ein (kleines) Denkmal daran, welche Bedeutung dieser Ort im spanischen Bürgerkrieg hatte. Seit dem 14. Oktober 1936, als die ersten internationalen Freiwilligen dem Ruf «¡A las armas!», «Zu den Waffen!» folgend hier ankamen, glich die Stadt einem aufgewühlten Ameisenhaufen, wie André Malraux in seinem berühmten Roman Die Hoffnung schreibt.
Martin Luther – Lichtgestalt oder Finsterling?
Der Protestanten Jubeljahr
von Manuel Kellner
Am 31. Oktober 1517 soll Martin Luther seine 95 Thesen an die Tür der Wittenberger Schlosskirche angeschlagen haben. Ob das nun wirklich so war oder nicht (in der Forschung ist es umstritten): Das Ereignis gilt als Auftakt der Reformation. Aus diesem Anlass laufen in Deutschland seit dem 31. Oktober 2016 ein ganzes Jahr lang Feierlichkeiten zum 500.Reformationsjubiläum.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil VI
«¡No pasarán!» – Der Kampf um Madrid
von Paul Michel
Der Massenaufstand im Spanien der 30er Jahre – erst gegen die alten gesellschaftlichen Verhältnisse, dann gegen den Putsch General Francos – war in Europa die letzte Chance, den Faschisten noch einmal in die Arme zu fallen, bevor sie den Zweiten Weltkrieg entfesseln konnten. Diese Chance wurde gründlich vertan, die Folgen davon spüren wir noch heute.
Bernd Langer: Kunst und Kampf. Werke und Aktionen aus 30 Jahren
Münster: Unrast-Verlag, 2016. 256 S., 19,80 Euro
von Peter Nowak
In Zeiten von AfD-Aufstieg und Pegida fragen sich nicht wenige, warum man heute so wenig von der Autonomen Antifa hört, die noch vor zwei Jahrzehnten Schlagzeilen machte.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil V
Vorteile für Franco dank Hitler und Mussolini
von Paul Michel
Ende Juli/Anfang August hatten sich zwei weitgehend geschlossene Territorien, das republikanische und das nationalistische, herausgebildet. Im republikanischen Gebiet lebten etwa 60% der Bevölkerung. Es umfasste mit dem Baskenland und Katalonien die beiden einzigen Industrieregionen Spaniens. Demgegenüber kontrollierten die Putschisten mit Kastilien und Andalusien die wichtigen Agrarregionen.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil IV
Der rote Sommer der Anarchie
von Paul Michel
Die Kollektivierung der Industrie in Katalonien
Wenige Jahre nach der Zwangskollektivierung von Industrie und Landwirtschaft in der Sowjetunion mit der Folge enormer wirtschaftlicher und sozialer Katastrophen und parallel zu der darauffolgenden Welle der Moskauer Prozesse erlebte Spanien zumindest in den von der Gewerkschaftskonföderation CNT dominierten Landesteilen einen «roten Sommer der Anarchie».
Der 4.Juni in Dortmund
Parteinahme für die Rechte der Nazis
von Ulrich Sander
Am Nazi-Tag «der deutschen Zukunft», diesmal in Dortmund, standen 900 Nazis und 6000 Polizisten aus ganz Deutschland gegen 3000 bürgerliche und gewerkschaftliche Demonstranten, 2000 von «BlockaDO» und rund 100 Künstler mit «Spiegelwürfeln» für friedliche Blockaden sowie Tausende Platzbesetzer. Die Polizei erschien erstmals mit Bergepanzern, Unmengen von Tränengas und nicht erkennbarer, weiterer Bewaffnung.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil III
Der Aufstand der Generäle
von Paul Michel
Vor 70 Jahren öffnete der Wahlsieg der linken «Volksfront» in Spanien den Weg für eine revolutionäre Entwicklung. Dagegen formierten sich die faschistischen Kräfte, die versuchten, die neu gewählte Regierung Quiroga wegzuputschen.
Vor 500 Jahren erschien Thomas Morus’ Roman Utopia
Erster sozialistischer Zukunftsentwurf der Neuzeit
von Gerald Munier*
Vor 500 Jahren erschien mit dem Roman Utopia des englischen Staatsmanns und katholischen Klerikers Thomas Morus (englisch Thomas More, 1478–1535) der erste Sozialismusentwurf der Neuzeit und wohl auch überhaupt der erste der Menschheitsgeschichte.
Flüchtlinge und Wohnungsnot nach dem Krieg
Wie man damals damit umging
von Manfred Dietenberger
Der Zweite Weltkrieg war die Ursache für die größte Wohnungsnot in der deutschen Geschichte. In die zerbombten und oft schwer zerstörten Städte strömten Soldaten, Vertriebene, befreite KZ-Häftlinge und Zwangsarbeiter, Kriegsgefangene und viele andere Menschen, die die Kriegswirren entwurzelt hatten.
Miguel de Cervantes und seine Zeit
Vor 400 Jahren starb der Schöpfer des Don Quijote
von Alan Woods*
Miguel de Cervantes (1547–1616) ist der berühmteste Autor der spanischen Literatur. Als Romanschriftsteller, Dramatiker und Lyriker produzierte er ein umfangreiches Werk, doch heute ist er in erster Linie als Schöpfer des Don Quijote bekannt.
Über den kritischen Umgang mit historischen Fotos
Zum Vortrag von David Rojkowski
von Kai Böhne*
Noch heute werden Propagandabilder unkommentiert zur Illustration genutzt. Der Fotohistoriker Rojkowski fordert, historische Fotos quellenkritisch zu verwenden.
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil II
1936 – Zeit der Massenbewegungen
von Paul Michel
Am 16.1.1936 wurde die Volksfront (Frente Popular) gegründet. Sie umfasste im wesentlichen die gemäßigten Republikaner (Republikanische Linke und Republikanische Union), die sozialdemokratische PSOE (Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) und den ihr nahestehenden Gewerkschaftsverband UGT, die stalinistische PCE (Kommunistische Partei Spaniens) sowie die unabhängigen Kommunisten der POUM (Arbeiterpartei der marxistischen Einigung).
Revolution und Bürgerkrieg in Spanien, Teil I
Vom Ende der Monarchie zur Volksfront
von Paul Michel
Große gesellschaftliche Transformationen in Europa sind immer ein europäischer Prozess. Daran zu erinnern lohnt sich vor allem in der heutigen Situation, wo es erneut massive gesellschaftliche Umbrüche in Europa gibt. In Spanien hat sich 1936–1939 das Schicksal Europas entschieden: Erst durch das Scheitern dieser Revolution wurde der Weg frei für den Zweiten Weltkrieg und die Vorherrschaft des Faschismus.
Ellen Meiksins Wood (1942–2016)
Die Verteidigung der Klassenanalyse
von Vivek Chibber*
Nach langem Kampf gegen den Krebs ist die marxistische Historikerin Ellen Meiksins Wood am 14.Januar gestorben.
Wood war eine Denkerin von außerordentlichem Format, die mit großer Kompetenz über das antike Griechenland, das politische Denken der frühen Moderne, die zeitgenössische politische Theorie, den Marxismus und die Struktur und Entwicklung des modernen Kapitalismus schrieb.
Lenin in Zimmerwald
Vor hundert Jahren legte die Linke die Grundlagen für eine neue Internationale
von Jean Batou
Vor 100 Jahren, vom 5. bis 8.September 1915, fand die Zimmerwalder Konferenz statt. Sie versammelte während des Ersten Weltkriegs eine Handvoll sozialistischer Kriegsgegner, da die überwältigende Mehrheit der Führungen und Mandatsträger der Sozialdemokratie für Kriegskredite gestimmt hatte – einige führende Sozialdemokraten waren sogar an den Regierungen der kriegführenden Staaten beteiligt.
Alles gehört auf den Prüfstand…namentlich die eigene Geschichte
History is unwritten. Linke Geschichtspolitik und kritische Wissenschaft. Ein Lesebuch
Hrsg. AutorInnenkollektiv Loukanikos, Berlin: edition assemblage, 2015
von Renate Hürtgen*
Es war der Zweifel an bisheriger Theorie und Praxis linker Geschichte, der 2013 den Anstoß zu einer Debatte in der Zeitung analyse & kritik (siehe ihre Sonderbeilage: www.akweb.de/themen/sonderbeilage_unwritten.htm) gab. Sie kreiste um die Frage, wie in einer kritischen Auseinandersetzung mit herrschenden und linken Mythen vermieden werden kann, eine Gegenerzählung zu schaffen, die wieder neue Mythen produziert.
Stalag XVIII C (317)
Ehemaliges Kriegsgefangenenlager St.Johann
von Dieter Braeg
Das schöne St.Johann im Pongau ist ein gastfreundlicher Ort heutzutage. Das war in früheren Zeiten anders, viele Menschen haben keine sehr gute Erinnerung an diesen Ort.
Ab 1941 gab es ein Stammlager in St.Johann, wo bis zu 30.000 Gefangene untergebracht waren, bewacht von rund 1000 Mann. Es gab ein Nord- und ein Süd-Lager.
«…gleichgültig, ob darüber Armenier zugrunde gehen»
Der Völkermord an den Armeniern und die deutsche Mitschuld
von Paul B. Kleiser
Die ersten Pogrome fanden bereits in den Jahren 1895/96 statt: Sie kosteten über 100.000 Opfer. Nach dem Ausbruch des Ersten Weltkrieg jedoch wurden die Armenier Ziel einer Ausrottungspolitik des Osmanischen Reichs, das seit dem Staatsstreich gegen Sultan Abdul Hamid II. 1909 von den «Jungtürken» geführt wurde. Wie konnte es zu diesem Aghet (Katastrophe) genannten Genozid kommen, das bis zu 1,5 Millionen Opfer forderte?
Zwischen allen Stühlen – «Deutsche Volksfront»
Der Versuch eines Neuanfangs im Widerstand und nach dem Krieg
von Jörg Wollenberg*
13 Jahre nach seiner Flucht aus Deutschland kehrte der damals 30jährige Schriftsteller und Maler Peter Weiss von Juni bis August 1947 als Reporter der schwedischen Zeitung Stockholms Tidningen nach Berlin zurück.
Das Konzentrationslager und Zuchthaus Sonnenburg
Ein KZ zur Ausschaltung der Arbeiterbewegung
von Peter Nowak
Das Konzentrationslager und Zuchthaus Sonnenburg. (Hrsg. Hans Coppi, Kamil Majchrzak). Berlin: Metropol, 2015. 240 S., 19 Euro
«Sonnenburg symbolisiert wie kaum ein anderer Ort Beginn und Ende der zwölf Jahre währenden Schreckensherrschaft des NS-Regimes», heißt es im Klappentext.
Wer hat den Zweiten Weltkrieg gewonnen?
Kämpfe gegen Diktatur und Besatzung
von Przemyslaw Wielgosz
Die heißeste Front des neuen Kalten Krieges zieht sich durch unsere Geschichte. Zu dieser Meinung könnte man gelangen, wenn man den polnischen Politikern und Medien folgt. Sie triumphieren über Putin, indem sie die Vergangenheit neu erschaffen.
Arbeiterbewegung Ende des Zweiten Weltkriegs
Der Wunsch nach Einheit in Deutschland
von Manfred Dietenberger
Die «Stunde Null», von der anlässlich des 70.Jahrestags des Endes des Zweiten Weltkrieges wieder so viel die Rede ist, gab es nicht wirklich. Dennoch, die bedingungslose Kapitulation am 8.Mai 1945 besiegelte die militärische Niederlage und das organisatorische Ende des deutschen Faschismus und das Aus für die von den Nazis geplanten «neuen europäischen Ordnung».
Best of KPD
Linke Organisierung damals und heute*
von Florian Osuch
Ein Sammelband zur frühen Geschichte der KPD, bevor sich die Partei «in ein Werkzeug der russischen Außenpolitik verwandelt» hatte.
Anfang der 20er Jahre existierte in Deutschland mit der Kommunistischen Partei Deutschlands (KPD) eine revolutionäre Kraft mit mehreren hunderttausend Mitgliedern und Millionen Wählern.
Kommunistische Strategie zu Beginn der 20er Jahre
Der Kampf um die Mehrheit
von Manuel Kellner
Über das Verhältnis zur Regierung SYRIZA wird in der radikalen Linken trefflich gestritten. Ein Blick in die Geschichte kann da weiterhelfen.
Die organisierte kommunistische oder revolutionär-marxistische Bewegung war zu Beginn der 20er Jahre des 20.Jahrhunderts außerhalb Russlands eine Minderheit unter den abhängig Beschäftigten, aber zumindest in Deutschland eine bedeutende Minderheit.
Die Wiedereinführung des Kapitalismus in Russland
nach dem Scheitern der Selbstreform der Bürokratie
von Paul B. Kleiser
Felix Jaitner: Einführung des Kapitalismus in Russland. Von Gorbatschow zu Putin. Hamburg: VSA, 2014. 174 S., 16,80 Euro.
Die Auseinandersetzungen um die Ukraine haben gezeigt, dass große Teile der deutschen Linken weiterhin dem Lagerdenken des Kalten Krieges verfallen sind und offenbar den großen historischen Bruchs, der sich Ende der 80er, Anfang der 90er Jahre unter Jelzin in Russland vollzog, nicht wirklich realisiert haben.
Die 70er und 80er Jahre in Köln
Irgendwie so wird es wohl gewesen sein
von Thies Gleiss
Die Stadt, das Land, die Welt verändern. Die 70er/80er Jahre in Köln – alternativ, links, radikal, autonom. Hrsg. Reiner Schmidt, Anne Schulz, Pui von Schwind. Köln: Kiepenheuer & Witsch, 2014. 627 S., 29,99 Euro
Erste Betriebsbesetzung in Deutschland…
… vor 40 Jahren
von Dieter Braeg
Am 10.März 1975 besetzte die Belegschaft die Zementfabrik Seibel & Söhne in Erwitte.
In der kleinen Stadt Erwitte nahe Lippstadt begann am 10.März 1975 die erste Betriebsbesetzung in der Geschichte der deutschen Arbeiterbewegung.
Bergarbeiterstreik 1984/85 in Großbritannien
COAL NOT DOLE – Fotos* von Michael Kerstgens vom
von Rolf Euler
Coal not dole. The Miner’s Strike 1984/1985. Zu beziehen bei Hannes Wanderer, Peperoni Books, Berlin (www.kerstgens.de, www.peperoni-books.de/“>www.peperoni-books.de)
Dreißig Jahre ist es her, dass der einjährige Streik der britischen Bergleute in Wales und Yorkshire zu Ende ging – mit einer Niederlage nicht nur der Bergleute, sondern für die ganze britische Arbeiterbewegung.
Griechenland vor 70 Jahren
Britische Truppen gegen die Widerstandsbewegung
von Paul Michel
Am 6.Dezember 1944 begannen britische Kampfflugzeuge mit Angriffen auf die Arbeiterbezirke von Athen. Von ihren Stellungen auf dem Parthenon aus unterstützte britische Artillerie die Bombardierungen, Panzer bewegten sich in den Straßen und nahmen Widerstandsnester unter Beschuss. Die Militäraktion richtete sich nicht etwa gegen Stellungen deutscher Besatzungstruppen – die waren sieben Wochen vorher, von britischen Angriffen weitgehend unbehelligt, in Richtung Rumänien und Bulgarien abgezogen.
25 Jahre Mauerfall
Teildeutsche Geschichtslegenden
von Arno Klönne
Den «Nationalfeiertag» am 3.Oktober, die Erinnerung an den Tag des Beitritts der DDR zur BRD, haben wir wieder einmal hinter uns. Große Gefühle erzeugt er nicht. Das mag auch an dem Nebel liegen, der sich über seine lange Vorgeschichte gelagert hat.
Wolfgang Leonhard 1921-2014
Die Revolution entlässt ihre Kinder
von Manuel Kellner
Am 17.August 2014 ist Wolfgang Leonhard im Alter von 93 Jahren gestorben. Berühmt wurde er wegen seines zuerst 1955 erschienenen autobiografischen Buchs Die Revolution entlässt ihre Kinder.
Betriebsräte als Rüstungslobbyisten?
Nicht ganz neu
von Manfred Dietenberger
Kaum hatte sich Anfang Juli Ursula von der Leyen (CDU) für die Entwicklung einer bewaffneten europäischen Drohne ausgesprochen, stellte sich ihr Beifall klatschend der 2.Bevollmächtigte der IG Metall Ingolstadt, Bernhard Stiedl, zur Seite. Das sei ein «Lichtblick» und «würde am Standort Manching 1500 Arbeitsplätze sichern».
Produktion und Krieg
Der Erste Weltkrieg und heute: Ähnlichkeiten und Unterschiede
von Ingo Schmidt
Die Kriegführung ist immer auch ein Abbild der zu einem gegebenen Zeitpunkt herrschenden Produktionsverhältnisse. Ein Vergleich mit der Zeit vor hundert Jahren ist aufschlussreich.
Geschichte Deutschlands im 20.Jahrhundert
Ulrich Herbert: München, C.H.Beck, 2014. 1451 S., 39,99 Euro
von Paul B. Kleiser
Unter den deutschen Historikern, die nach 1950 geboren wurden, nimmt Ulrich Herbert, der an der Universität Freiburg lehrt, einen besonderen Rang ein. Lange Jahre bearbeitete er Themen, die vom historischen «Mainstream» eher links liegengelassen wurden.
August 1914: Deutsche Kriegsverbrechen in Belgien
Vorläufer der Wehrmachtsverbrechen im Zweiten Weltkrieg
von Angela Klein
Mit dem Ersten Weltkrieg verbindet sich in der Erinnerung der Massenmord durch schwere Artillerie und der Gaskrieg. Von den deutschen Kriegsverbrechen in Belgien und Frankreich ist kaum die Rede.
75 Jahre Zweiter Weltkrieg
Vier Kriege in einem
von Manuel Kellner
Am 1.September 1939 begann mit dem Überfall Nazideutschlands auf Polen der Zweite Weltkrieg. 60 bis 70 Millionen Menschen sind ihm zum Opfer gefallen, wenn unmittelbare Kriegsfolgen wie Hungersnöte und Seuchen einbezogen werden, dürften es sogar 80 Millionen gewesen sein.
Schweiz: Sozialistische Partei und Erster Weltkrieg
Basis stimmte gegen „Landesverteidigung“
von Rolf Krauer
Im November 1912 fand in Basel ein internationaler sozialistischer Kongress statt, dessen Ziel die Verurteilung der imperialistischen Politik und des sog. Marschs in den Krieg war. Einige Tage nach dem Ausbruch des Ersten Weltkriegs brachen auch die politischen und organisatorischen Schwächen der II.Internationale hervor. Die Führungen der Sozialdemokratie waren gewissermaßen überrascht vom Zeitpunkt des Ausbruchs des Krieges.
China vor 25 Jahren: Das Massaker auf dem Tiananmen
Die Demokratiebewegung von 1989
von Au Loong Yu und Bai Ruixue
Die Demokratiebewegung ist allgemein als Studentenbewegung bekannt. Dabei wird häufig übersehen, dass die Beteiligung der Arbeiterklasse in einem späteren Stadium sehr zentral wurde und auch zu einer unabhängigen Organisierung von Arbeitenden führte. Das beunruhigte die KPCh und war einer der Gründe für die Zerschlagung der Bewegung am 4.Juni. Danach war die Arbeiterklasse atomisiert und demoralisiert.
1941/44: Deutsche Terrorherrschaft in Griechenland
Zum 70.Jahrestag des Massakers in Distomo
aus Griechenland-Info Nr.7
Am 10.Juni jährte sich das von Soldaten der Wehrmacht angerichtete Massaker von Distomo bei Delphi zum siebzigsten Mal. Dabei wurden das Dorf niedergebrannt und 218 Frauen, Alte und Kinder bestialisch umgebracht. Es war einer der traurigen Höhepunkte einer langen Blutspur der Wehrmacht in Griechenland.
Die deutsche Sozialdemokratie 1914
Die Waffen hoch
von Arno Klönne
Friedrich Engels verstand etwas von der Realität des Militärischen im Prozess der Geschichte. Im Jahre 1887 schrieb er über einen drohenden modernen Krieg: «8–10 Millionen Menschen, Soldaten, werden sich untereinander abwürgen und dabei ganz Europa so kahl fressen wie noch nie ein Heuschreckenschwarm.
Aus der Vorgeschichte des Weltkriegs
Wirkliche Ursache Imperialismus
von Anton Pannekoek
Während der Weltkrieg seit über einem Jahr Europa in ein gewaltiges Schlachtfeld verwandelt, sind die Ursachen, die zu all dem Grauen geführt haben, noch sehr wenig bekannt. Nicht nur in den kriegführenden Ländern selbst, wo die Regierungen die Parole von der Verteidigung des bedrängten Vaterlands ausgaben, dem Feind die Schuld für den Krieg zuwiesen und mittels der Zensur die Äußerung jeder anderen Meinung verhinderten – auch in den anderen Ländern überwiegen dieselben oberflächlichen Erklärungen.
Der Große Krieg
Deutschlands imperialistische Bestrebungen
von Paul B. Kleiser
Der Erste Weltkrieg war in vielerlei Hinsicht ein einschneidendes Ereignis. Er forderte mindestens 10 Millionen Tote – rechnet man die indirekten Opfer, etwa die der Hungersnöte oder der Spanischen Grippe hinzu, bis zu 17 Millionen. Am Ende des Krieges waren 40 Staaten mit etwa 70 Millionen Soldaten an ihm beteiligt.
Schriftsteller im Ersten Weltkrieg
Es war Krieg und (fast) alle gingen hin
von Dieter Braeg
Das Jahr 2014 hatte noch gar nicht angefangen, da «gedachte», ja «feierte» man den Beginn des Ersten Weltkriegs in jenen Medien, die dafür sorgen, dass Berta von Suttners Feststellung in Vergessenheit geriet: «Keinem vernünftigen Menschen wird es einfallen, Tintenflecken mit Tinte, Ölflecken mit Öl wegwaschen zu wollen. Nur Blut soll immer wieder mit Blut abgewaschen werden.»
Ausstellung: Die Künstler der Avantgarde im Ersten Weltkrieg
Umsturz und Krieg
von Angela Klein
Es war Krieg und alle gingen hin, allen voran die Intellektuellen, die die öffentliche Meinung prägten: Schriftsteller, Künstler, Philosophen, Journalisten. Tausende ließen alles stehen und liegen, was sie bisher getan hatten und meldeten sich freiwillig zum Krieg – nicht nur in Deutschland. Auch die der bürgerlich-dekadenten Gesellschaft kritisch gegenüberstehende junge Künstlergeneration – Maler des Expressionismus und Kubismus – ließ sich vor deren Karren spannen. Es war ein Massenwahn, in die Geschichte eingegangen als «Augusterlebnis».
Die Bonner Ausstellung «1914.
Ein Krieg, den keiner wollte?
Erinnerungspolitik zum Thema «1914»
von Arno Klönne
Einhundert Jahre seit dem «Ausbruch» des Ersten Weltkriegs: Dieses eigentlich düstere Jubiläum ist in der medialen Verwertung hochgradig rentabel, es bietet in Fülle Gelegenheiten zu Geschichtstourismus im weitesten Sinne, vom Buchmarkt bis zum Museum. Es fehlt dabei nicht an Absurditäten: Beispielsweise stellt die Stiftung Preußischer Kulturbesitz in Berlin «Kleider im Krieg» aus; ohne die Jahre 1914–1918, so wirbt sie, wäre «die Befreiung der Frau vom Korsett und langen Rock nicht möglich gewesen». Was sind, daran gemessen, schon die 20 Millionen Kriegsopfer damals…
Wirklich Grund zum Jubeln hat das traditionell deutschnationale Gemüt. Genau rechtzeitig ist ein «Buch des Jahres» erschienen und rasch zum Superseller geworden, Die Schlafwandler von Christopher Clark. In einem Interview mit der Jungen Freiheit, dem wöchentlichen Organ der Neuen Rechten, hat der Autor seine Leistung für das hiesige Nationalgefühl auf den Punkt gebracht: Durch sein Werk sei nun endlich nachgewiesen, dass Preußen-Deutschland unter Wilhelm II.
Interview mit Karol Modzielewski: Sie sind wütend geworden? Herrlich!
Vom Dreiklang von Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit blieb für Polen nur die Freiheit
Mit Karol Modzielewski sprach Grzegorz Sroczynski von der polnischen Tageszeitung Gazeta Wyborcza am 4. und 15. September 2013
„Wir stehen nicht über der Geschichte, sondern unterliegen ihren Abläufen. Die Revolution ist ein unverrückbarer Bestandteil und Nachfolger der allgemeinen Krise des Systems.“ Das haben Sie zusammen mit Jacek Kuron 1964 geschrieben.
Ich mag diesen Text gar nicht mehr.
Reichstagsbrand
Eine immer noch aktuelle Kontroverse
von Helga W. Schwarz
Alexander Bahar, Wilfried Kugel: Der Reichstagsbrand. Geschichte einer Provokation. Köln: PapyRossa, 2013. 360 S., 17,90 Euro
«Das Lagerthema ist die Kernfrage unserer Epoche»
Eine Ausstellung über den russischen Autor und Lagerchronisten Warlam Tichonowitsch Schalamow
von Jochen Gester
Noch bis zum 8.Dezember zeigt das Literaturhaus Berlin eine Ausstellung über den russischen Schriftsteller Warlam Schalamow, einen literarischen Chronisten des stalinistischen Lagersystems. Die Ausstellung schafft einen emotional bewegenden Zugang zur Biografie Schalamows, der dreimal verhaftet wurde und insgesamt 17 Jahre Lagerhaft durchstand. Parallel dazu werden zahlreiche Veranstaltungen mit Filmen und Lesungen zu Schalamow und Schriftstellerkollegen wie Alexander Solshenizyn, Jewgenija Ginzburg, Ossip Mandelstam, Boris Pasternak, Iwan Tschistjakow, Andrej Sacharow, Lew Kopelew und Heinrich Böll angeboten.
Für Irlands Freiheit
100 Jahre «Irish Volunteers»
von Florian Osuch
Vor 100 Jahren entstanden die «Irish Volunteers». Aus der 1913 gegründeten Organisation ging später die historische IRA hervor.
Seit Generationen treten in Irland Menschen für Demokratie und Selbstbestimmung ein. Die Geschichte des Freiheitskampfs ist jedoch tragisch. Bislang blieb nahezu jede Erhebung erfolglos. Noch immer hat Irland keine vollständige Souveränität. Großbritannien kontrolliert mit dem nordirischen Staatsgebilde bis heute einen beachtlichen Teil der Insel.
«Ich schrieb mich selbst auf Schindlers Liste»
Die Geschichte von Hilde und Rose Berger
von Peter Nowak
Kürzlich hat der Gießener Psychosozial-Verlag einen Band mit der Lebensgeschichte der mittlerweile verstorbenen Hilde und Rose Berger veröffentlicht und damit das Schicksal der jüdischen Familie Berger in den Fokus der Öffentlichkeit gerückt. Der Band enthält mehrere Interviews, die die Geschwister zwischen 1978 und 1997 in den USA gaben, sowie einen von Hilde Berger 1980 verfassten Bericht über ihr Leben und ihr politisches Engagement in Berlin.
Die Völkerschlacht von Leipzig, oder:
Die Geburt der deutschen Nation aus dem Geist des Krieges
von Angela Klein
In der deutschen Geschichtsschreibung gilt die Völkerschlacht von Leipzig als die Geburtsstunde der deutschen Nation: Die Erhebung gegen die napoleonische Fremdherrschaft habe erstmals ein Nationalbewusstsein herausgebildet, das, über viele Rückschläge hinweg, 1871 zur Bildung des Deutschen Reichs und damit zu einem deutschen Nationalstaat geführt habe. Dieselbe Geschichtsschreibung vermerkt mit Stolz, dieser Weg der Nationenbildung sei ohne die Gräueltaten der Französischen Revolution ausgekommen.
Aus dem Widerstand gegen die chilenische Militärdiktatur
Calle Santa Fe, Chile 2007. Regie: Carmen Castillo, Länge: 163 Minuten
von Gaston Kirsche
Calle Santa Fe ist ein sehr persönlicher Film aus dem Widerstand gegen die chilenische Militärdiktatur. Den Putschisten vom 11. September 1973 ist es nicht gelungen, den Kampf und die Erinnerung daran auszulöschen.
Die Schweiz und Deutschland im Zweiten Weltkrieg
von Charles-André Udry
Die Beziehungen zwischen dem helvetischen und dem deutschen Kapitalismus waren während des Zweiten Weltkriegs besonders eng. Darüber ist geforscht worden, unter anderem von einer offiziellen Kommission in der Schweiz unter der Leitung von Jean-François Bergier. Der Bergier-Bericht wird nun von den Rechten angegriffen.
Volksfront von Sozialisten und Kommunisten
Der Arbeiterwiderstand gegen die NS-Diktatur am Beispiel Bremen
von Jörg Wollenberg
Die politische Spaltung der Arbeiterbewegung in der Endphase der Weimarer Republik war maßgeblich dafür verantwortlich gewesen, dass die Nazis siegen konnten. Die Einheitsfront, die vor ’33 boykottiert worden war, kam nach ’33 allmählich in Gang. Ihre Vorreiter waren vor allem junge Arbeiter der KPD und aus den «Dissidentenorganisationen» von SPD und KPD: SAP/SJV, KPO, ISK.*
*David King: Ganz normale Bürger. Die Opfer Stalins
Essen: Mehring, 2012. 192 S., 196 Abbildungen, 29,90 Euro (englische Erstveröffentlichung 2003)
von Werner Abel
«Die Weltpartei des Leninismus», diesen Titel gab der wortgewaltige Vorsitzende des Exekutivkomitees der Kommunistischen Internationale, Grigori Sinowjew, der Buchausgabe seiner Eröffnungsrede auf dem V.Weltkongress der KI im Juni 1924. Sinowjew begründete mit dem «Leninismus» nicht nur eine neue Theorie, die den Marxismus in der Epoche des Imperialismus ergänzen sollte (ein «-ismus», verbunden mit seinem Namen, wäre von Lenin mit Sicherheit entschieden abgelehnt worden), er zeigte auch den Weg auf, wie die kommunistischen Parteien in aller Welt auf diese Theorie eingeschworen werden sollten.
75 Jahre seit dem „Anschluss“
Gedenkfeier in Gusen-Mauthausen
von Angela Huemer
Dieses Jahr war es anders als sonst. 2013 ist ein Gedenkjahr: 75 Jahre sind seit dem „Anschluss“ vergangen, der Annexion Österreichs durch NS-Deutschland, andererseits wurde in diesem Jahr eine neue Ausstellung im ehemaligen Konzentrationslager Mauthausen fertiggestellt und Anfang Mai der Öffentlichkeit präsentiert. Daher gab es in diesem Jahr zwei große Feiern in Mauthausen: am 5.Mai die Eröffnungsfeier der neuen Ausstellung und am 12.Mai die alljährlich stattfindende Befreiungs- und Gedenkfeier – diesmal ohne Bundespräsident und mit weniger offiziellen Ansprachen.
Von der Anpassung zur Zerschlagung
Gewerkschaften und SPD im Mai 1933
von Jörg Wollenberg
Am 2. Mai 1933 wurden in ganz Deutschland Gewerkschaftshäuser von SA- und SS-Truppen umstellt, besetzt, das Eigentum beschlagnahmt und Gewerkschaftsfunktionäre verhaftet und gefoltert. Die so mächtige deutsche Arbeiterbewegung erlitt eine Niederlage, die bis heute nachwirkt.
Heuberg: Das erste KZ in Deutschland
Das erste Opfer der Nazi-Gewaltherrschaft war die kommunistische und sozialdemokratische Arbeiterbewegung
von Manfred Dietenberger
Gerade mal zwei Tage, nachdem Adolf Hitler mit seiner Ernennung zum Reichskanzler die Macht übertragen worden war und die faschistische Gewaltherrschaft begann, rief Kurt Schumacher, nach dem Krieg bis 1952 Vorsitzender der SPD, am 1.Februar 1933 auf der antifaschistischen Kundgebung der Eisernen Front* in Stuttgart den Teilnehmern zu: «In der Stunde der Gefahr wenden wir uns auch an die kommunistischen Arbeiter, denn nicht Bruderkampf, sondern Klassenkampf tut not … Die neue Epoche des Kampfes gegen den Faschismus sollte auch ein neues Verhältnis zwischen uns und den Kommunisten einleiten (Schwäbische Tagwacht, 2.2.1933).» Fünf Monate später wurde Schumacher in Berlin verhaftet, in «Schutzhaft» genommen und in das Konzentrationslager Heuberg gesteckt.
Tschikweiber
Die Tabakarbeiterinnen von Hallein
von Dieter Braeg
Tschik ist ein österreichisches Dialektwort für Zigarette; der Tschik gehört zur Geschichte der Stadt Hallein, eine kleine Stadt südlich von Salzburg.
Sarah Kaminsky: Adolfo Kaminsky – Ein Fälscherleben.
München: Verlag Antje Kunstmann, 2012. 219 S., 19,90 Euro
von Dieter Braeg
«Als ich beschloss, das Leben meines Vaters aufzuzeichnen, hatte ich mich bewusst dafür entschieden, nur über seine Kämpfe zu berichten und die Erzählung im Jahr 1971 enden zu lassen, als er jede Untergrundtätigkeit aufgab. Ich meinte, dass sein anderes Leben, zu dem ich gehöre, nur für den engeren Kreis seiner Familie und Freunde interessant sei.»
Der Basler Friedenskongress 1912
Warum eine eindrucksvolle Kundgebung für den Frieden in Kriegsbegeisterung umschlagen konnte
von Hans-Peter Gysin
Am 24.November 1912 fand in Basel der letzte Versuch statt, den Ersten Weltkrieg zu verhindern. Auf dem Kongress der II.Internationale beschworen über 500 Parteidelegierte niemals zuzulassen, dass die Arbeiterklasse eines Staates, zum Militär rekrutiert von den herrschenden bürgerlichen und feudalen Schichten, auf die Arbeiterklasse eines anderen Staates schiesst.
Das Londoner Schuldenabkommen 1953
Wie Deutschland seine Kriegsschulden los wurde
von Eric Toussaint/Angela Klein
Während der sog. Schuldenschnitt für Griechenland das griechische Volk zur permanenten Austerität verurteilt, wurde mit Deutschland, dem höchstverschuldeten Land der Welt im 20.Jahrhundert, weil es zwei Weltkriege angezettelt hatte, mehrfach anders verfahren. Das Londoner Schuldenabkommen von 1953 nahm große Rücksicht auf Deutschlands Zahlungsfähigkeit.
Alan Steinweis: Kristallnacht 1938. Ein deutscher Pogrom.
Stuttgart: Reclam 2011. 207 S., 22,95 Euro
von Peter Fisch
Alan Steinweis, Historiker und Direktor des Center for Holocaust Studies an der University of Vermont, hat auf ein bekanntes historisches Ereignis, die «Reichskristallnacht» vom November 1938, einen frischen Blick geworfen, neue Problemstellungen fixiert und Antworten gefunden, die die bisherigen Erkenntnisse nicht unwesentlich erweitern bzw. korrigieren.
Neue Gedenkstätte für die «Moorsoldaten» in Esterwegen
von Rolf Euler
Wenige Minuten nur sind es mit dem Fahrrad vom Südufer des Küstenkanals zur neuen Gedenkstätte für die Moor-Konzentrationslager: Eben nördlich von Esterwegen «hinterm Berg» lag die «Hölle am Waldesrand» – eines der frühesten KZs für politische Häftlinge aus den ersten Monaten des Naziterrors.
Die Geschichtslüge vom Koreakrieg
Wie die USA die Diktatur von Syngman Rhee installierten
von B.I. Bronsteyn
Am 25.6.2012 jährte sich der Beginn des Koreakriegs zum 62. Mal. Die offizielle Version dieses Ereignisses in Medien und Geschichtsbüchern lautet, am 25.8.1950 hätten überraschend nordkoreanische Truppen die Demarkationslinie überschritten und Südkorea überrannt.
Die Bahn und der Holocaust
Räder müssen rollen in den Tod
von Dieter Braeg
Sie fuhr die Menschen in den Tod. Die Bahn. Ab 1933 war sie wichtigster Handlanger und Transporteur der deutschen NS-Diktatur. In diesem Jahr feiern die ‹Reichsbahn›-Erben ihr 175.Jubiläum. Es ist höchste Zeit, dass sie sich der eigenen Geschichte stellen. Unter dem Titel «Verdrängte Jahre» wird nun, unter Mitwirkung von Lehrlingen der Österreichischen Bundesbahnen (ÖBB), im Foyer der ÖBB Infrastruktur in Wien eine Ausstellung zur Geschichte der österreichischen Eisenbahn im Nationalsozialismus gezeigt.
Kriwoschein und Guderian
Gedanken zu einem Bild
von Werner Abel
Der in SoZ 6/2012 abgedruckte, höchst notwendige und informative Artikel von Kamil Majchrzak, den die junge Welt als Leserbrief nicht veröffentlichen konnte oder wollte, ist mit zwei Bildern illustriert, die eine der abstoßendsten Facetten des Stalinismus zeigen, nämlich sein zeitweiliges Zusammenspiel mit dem Nationalsozialismus, das nicht nur eine verheerende Auswirkung auf die internationale kommunistische Bewegung hatte, sondern auch zur Liquidierung des polnischen Staates führte.
«Geraubter» Verstand
Über angeblich von Polen geraubte Gebiete und den Hitler-Stalin-Pakt
von Kamil Majchrzak
Auf Einladung der Berliner VVN-BdA kamen zehn polnische Kriegsveteranen der 1.polnischen Armee, darunter Kämpfer, die am Sturm auf Berlin 1945 beteiligt waren, zum «Tag des Sieges am 9.Mai».
Essen 1952: «Feuer frei!»
Philipp Müller – erstes Todesopfer der BRD-Repression
von Arno Klönne
Die damals in Hamburg erscheinende Tageszeitung Die Welt meldete am 12.Mai 1952 in großer Aufmachung:»Getarnte FDJ schießt auf Polizei in Essen. Demonstration gegen Generalvertrag. Ein Toter und zahlreiche Verletzte.»
Vor 50 Jahren: Algerien wird unabhängig
von Sylvain Pattieu
Am 18.März 1962 unterzeichnete Frankreich das Abkommen von Evian, mit dem es die Unabhängigkeit Algeriens anerkannte, das seit 1830 französische Kolonie war. Die algerische Regierung proklamierte am 5.Juli offiziell die Unabhängigkeit des nordafrikanischen Landes. Damit endete ein antikolonialer Befreiungskampf, der 1954 begonnen hatte und, wie später der Vietnamkrieg, ein wichtiger Kristallisationspunkt für die Herausbildung einer radikalen Linken in Europa war.
Verlogene Feierlichkeiten
Die Rechten und das Kriegsrecht in Polen
von Jaroslaw Urbanski
Der 30.Jahrestag der Einführung des Kriegsrechts in Polen durch das Regime der PVAP diente in diesem Jahr der nationalistischen und radikalen Rechten in besonderem Maße als Vorwand für ihre Propaganda.
«Ich bereue keine Sekunde dieses Kampfes»
Vor 30 Jahren wurde in Polen der Kriegszustand verhängt
Der «kurze Sommer» der unabhängigen Gewerkschaft Solidarnosc in Polen war der fortgeschrittenste Versuch in einem osteuropäischen Land, der bürokratischen Planungsdiktatur einen echten Selbstverwaltungssozialismus mit Massenanhang entgegen zu setzen. Dieser Versuch wurde durch die Verhängung der Kriegsrechts am 13.Dezember 1981 erstickt. Den Niedergang des Nominalsozialismus hat das nicht aufgehalten, wohl aber die Weichen für die Rechtsentwicklung der Solidarnosc nach 1989 und das geringe Engagement der Arbeiterklasse in der Wendezeit gestellt.
Im Westen waren die Kräfte, die die unabhängige Gewerkschaft auch im Untergrund noch unterstützten, gering. Kamil Majchrzak sprach mit MARCEL GERBER, einem Schweizer Unterstützer der Solidarnosc, über die damalige Solidaritätsarbeit.
Die Deutschen müssen zahlen
Eine Aufstellung der deutschen Kriegsschulden an Griechenland
Tasos Minas Iliadakis
«Die Deutschen sollen erst mal ihre Kriegsschulden an Griechenland bezahlen, bevor sie von uns was wollen.» Diese Forderung wird in Griechenland immer lauter – und sie ist berechtigt.
Der Landschaftsverband Rheinland und seine psychiatrischen Anstalten
Eine dunkle Vergangenheit
von Lothar Gothe
Die Geschichte des Landschaftsverbands gehört endlich aufgearbeitet. Hier die Zusammenfassung einer Rede von Lothar Gotte vor dem Gesundheitsausschuss des NRW-Landtages am 10.Juni 2011.
Daimler muss wegen Verbrechen in Argentinien vor Gericht
Das kann sehr teuer werden
von Gaby Weber
Die Daimler AG muss sich auf einen Zivilprozess wegen «crimes against humanity» vorbereiten – Verbrechen gegen die Menschheit, die nicht verjähren. Es geht um Beihilfe zum Mord an den Betriebsaktivisten in den Jahren 1976 und 1977, als in Argentinien eine Militärdiktatur herrschte.
25 Jahre nach dem Mord an Olof Palme
Mordsmäßiges Schweigen
von Henrik Andersson
Vor 25 Jahren wurde Olof Palme erschossen. Bis heute ist der schwedische Staat nicht an einer Aufklärung interessiert.
Mythos Kronstadt
Diskussionsbeitrag zu
Klaus Gietinger, 90 Jahre Aufstand von Kronstadt (SoZ 4/2011)
von Meinhard Creydt
Klaus Gietinger nimmt Partei für die Kronstädter Aufständischen von 1921. Michael Schneider spricht von den Kronstädter Matrosen als «den Sturm- und Elitetruppen des Oktoberumsturzes», die nun, 1921, «von Lenin und Trotzki als Konterrevolutionäre gebrandmarkt wurden.“
Die Pariser Kommune, 18.März–28.Mai 1871
Die erste Regierung der Arbeiterklasse
von Jean-Michel Krivine
Für Marx war die Pariser Kommune «wesentlich eine Regierung der Arbeiterklasse, das Resultat des Kampfes der hervorbringenden gegen die aneignende Klasse, die endlich entdeckte politische Form, unter der die ökonomische Befreiung der Arbeit sich vollziehen konnte». Vor 140 Jahren, im Mai 1871, unterlag sie der blutigen Konterrevolution.
Hexen, Zauberer und andere Verfolgte
Immer geht es um die Erhaltung der Macht
von Hanna Behrend
Aus Anlass ihres Todes am 30.11.2010 bringen wir Auszüge aus einem Text, den Hanna Behrend 2003 geschrieben hat.*
Massenverfolgungen und -ausrottungen Unschuldiger im Auftrag von Amtsträgern sind in der Geschichte der Menschheit nichts Ungewöhnliches. Die Verfolgung und Hinrichtung wegen Hexerei von Frauen, aber auch Männern vor allem in Europa zwischen dem 15. und 18.Jahrhundert war zwar keineswegs die früheste Massentötung unschuldiger Menschen, sie war aber eine der spektakulärsten und folgenreichsten in der Geschichte.
Während Thomas von Aquin [noch] jegliche Verhütungspraxis für sündhaft und bußbedürftig, nicht aber für Mord hielt, übertraf die im 13.Jahrhundert von dem Dominikaner Raimund von Penaforte im Auftrag Papst Gregor IX. herausgegebene Sammlung päpstlicher Dekretalen, si aliquis, die bis dahin übliche restriktive und sinnenfeindliche Haltung der Kirche zu Ehe und Nachwuchs erheblich. Jegliche Verhütung galt fortan als Mord, was im Widerspruch zum vorherigen Kirchenrecht stand, dem zufolge erst «die Abtreibung eines beseelten Fetus als Mord unter Strafe» gestellt wurde, d.h. eines Fetus von ca. 80 Tagen.
Hexen, Zauberer und andere Verfolgte
Immer geht es um die Erhaltung der Macht
von Hanna Behrend
Aus Anlass ihres Todes am 30.11.2010 bringen wir Auszüge aus einem Text, den Hanna Behrend 2003 geschrieben hat.*
Massenverfolgungen und -ausrottungen Unschuldiger im Auftrag von Amtsträgern sind in der Geschichte der Menschheit nichts Ungewöhnliches. Die Verfolgung und Hinrichtung wegen Hexerei von Frauen, aber auch Männern vor allem in Europa zwischen dem 15. und 18.Jahrhundert war zwar keineswegs die früheste Massentötung unschuldiger Menschen, sie war aber eine der spektakulärsten und folgenreichsten in der Geschichte.
Verordnetes Schweigen
«Auf Leichen im Keller kann keine neue Gesellschaft aufgebaut werden» (Stanislaw Jerzy Lec). Die Verfolgung deutscher Antifaschisten in der Sowjetunion
von Jochen Gester
Unter dem Motto «Das verordnete Schweigen» fand im Vorsommer im Berliner Haus der Demokratie ein Seminar zum Schicksal deutscher Antifaschisten statt, die in der Sowjetunion Opfer politischer Verfolgung durch das NKWD (Volkskommissariat für innere Angelegenheiten, das Innenministerium) wurden. Veranstalter waren die Helle Panke, die Berliner VVN (Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes) und die Stiftung des Hauses der Demokratie.
„Von oben ist nichts zu erhoffen“
Arno Klönne über Geschichte und Aktualität deutscher Linkssozialisten
Im Dezember des vergangenen Jahres veranstaltete die Rosa Luxemburg-Stiftung NRW eine wissenschaftlich-politische Konferenz zur Problemgeschichte, Programmatik und Aktualität des Linkssozialismus. Die dort gehaltenen Beiträge sind nun in Buchform im Hamburger VSA-Verlag erschienen. Wir dokumentieren aus diesem Anlass die Eröffnungsrede zum Kongress, die der emeritierte Politikwissenschaftler und Zeitzeuge Arno Klönne damals gehalten hat.
Arbeitsdienst
Kampf gegen «Ballastexistenzen». Ein Vergleich mit dem Ende der Weimarer Republik
von Anne Seeck
Lange herrschte Krisenstimmung in Deutschland. Nur wir Hartz-IV-Bezieher merkten wenig davon in unserem Leben, was konnten wir schon verlieren? Allerdings fürchteten viele die Zeit nach der Bundestagswahl.
Jüdische Bergsteigertraditionen
Der Berg rief nicht alle
von Dieter Braeg
Die Ausstellung «Hast du meine Alpen gesehen?» wird ab dem 22.April in München gezeigt.
«Wir verlangen das Paradies auf Erden»
Vor 90 Jahren entstand und verging die «Rote Ruhrarmee»
von Andreas Bodden
«Wir wollen nicht im Staube kriechen vor denjenigen, die durch den Zufall der Geburt sich ein Von-Oben-Herabblicken anmaßen dürfen.
Von der Aktualität des Kommunismus
von Daniel Bensaïd
Der folgende Artikel ist einer der letzten, die Daniel Bensaïd geschrieben hat. Er ist Ende 2009 im vierten Heft der neuen Folge der von ihm zusammen mit Eustathis Kouvelakis und Francis Sitel herausgegebenen Pariser Zeitschrift ContreTemps erschienen, als einer von elf Beiträgen zum Thema «Wofür steht die Bezeichnung Kommunismus?».