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Water Makes Money

Regie: Leslie Franke und Herdolor Lorenz
Deutschland 2010, 90 Min.

von Angela Huemer

Der Film beginnt in Paris, dort wo auch die Geschichte beginnt, um die es im Film geht: die Privatisierung der wohl wesentlichsten Grundlage eines jeden Gemeinwesens, Wasser.

In Frankreich sind zwei der weltweit größten Wasserkonzerne zu Hause: Veolia und Suez. Gleich zu Beginn des Films treffen wir Jean-Luc Touly. 30 Jahre lang war er leitender Manager von Veolia, bis er vor wenigen Jahren entlassen wurde. Der Grund: Er schrieb an einem Buch mit dem Titel L’eau des multinationales (Das Wasser der Multis), Untertitel: «Die schändlichen Wahrheiten». Gestützt auf seine langjährige Erfahrung legte er die Praktiken der global agierenden Wasserkonzerne offen.

Wie gesagt, die Geschichte des Films beginnt in Frankreich. Gegen großzügige Eintrittsgelder privatisierten dort viele Städte ihre Wasserversorgung. Der Effekt: Kurzfristig konnten Schulden gesenkt und große Projekte verwirklicht werden – die jeweils herrschenden Stadtpolitiker punkteten damit bei ihren Wählern. Dass nicht nur konservative Verwaltungen diese Praxis für gut befanden, zeigt das Beispiel Montpellier, dort war die KP an der Regierung, als die Stadt ihre Zustimmung zur Privatisierung gab. Die Pointe: Das Eintrittsgeld ist in Wirklichkeit ein Kredit, den die Wasserkunden mit Zins und Zinseszins zurückzahlen müssen.

Der Sachverhalt ist komplex, viele Menschen kommen zu Wort: Anne Le Strat, die Verantwortliche für das «Eau de Paris», das Wasser von Paris, die erläutert, wie sie die Kontrolle über das Wasser zurückgewinnen will, und Gert Hoffmann, der CDU-Oberbürgermeister von Braunschweig, der enthusiastisch alles auflistet, was in seiner Stadt in den letzten Jahren privatisiert wurde und wie wichtig es ihm sei, die «Zukunft der Bürger zu sichern». Sein Kollege aus München, Christian Ude (SPD), schlägt da ganz andere Töne an: gerade bei so wichtigen Dingen wie der Wasserversorgung müsse die Kontrolle bei der öffentlichen Hand bleiben, um Abhängigkeiten von privaten Geschäftsstrategien zu verhindern.

Das ist vermutlich ein überraschendes Moment im Film, die positive Vorreiterrolle Münchens. Schon seit den frühen 90er Jahren versucht die Stadt zu erreichen, dass in den Wasserreservoirgebieten nur noch ökologischer Landbau betrieben wird. Man hatte, so erklärt ein Experte, irgendwann mal festgestellt, dass der Nitratanteil im Wasser exponentiell angestiegen war – eine direkte Folge von Überdüngung und Pestiziden. Nun sinkt der Anteil wieder, und auch in Frankreich beginnt man nun, den Weg rückwärts einzuschlagen.

Bei allen Horrorszenarien, die der Film aufmacht, vermittelt er doch Hoffnung. Denn im Ursprungsland der Wasserprivatisierung, Frankreich, laufen nun viele der langjährigen Verträge mit den Privaten aus und es besteht die Chance, die Kontrolle über das Wasser zurück zu gewinnen – einige wichtige Städte haben das bereits getan. Die wichtigste ist wohl Paris. Sehr zum Unmut des Wassermultis Veolia, denn ohne Paris, so der aufgebrachte Vorwurf des Konzerns, würde das internationale Expansionspotenzial massiv einbrechen.

Die Filmemacher bemühen sich, die komplexen Themen anhand konkreter und anschaulicher Beispiele darzustellen. Trotz der vielen Personen, die zu Wort kommen, verliert man zu keinem Zeitpunkt den Überblick. Interessant ist auch, wie die Macher diesen Film ermöglicht haben. Über das Internet gab es einen Aufruf, viele zukünftige Zuschauer leisteten einen Beitrag, ebenso Stiftungen.

Laut Internetseite kamen auf diese Weise rund 119.000 Euro für das Produktionsbudget zustande (Koproduzenten sind auch ZDF/Arte und die Filmförderung Hamburg/Schleswig-Holstein). Darüber hinaus gab es rund hundert zeitgleiche Premieren, eine Landkarte auf der Internetseite des Films zeigt eindrucksvoll, wo der Film überall gezeigt wurde und wird.

Oft wird die Vorführung des Films, wie zuletzt in Salzburg, in Diskussionen mit Experten wie Werner Rügemer eingebettet und tragen damit auf eine ganz eigene und effektive Art zur politischen Bewusstseinsschaffung bei.

Auf der Seite www.watermakesmoney.com gibt es zahlreiche Informationen über den Film und die Thematik, per E-Mail an bestellung@kernfilm.de kann man den Film als DVD bestellen, für Private kostet sie 18,50 Euro.


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