Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden


Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 03/2017 |

Philippinen: «America first» hat fürchterliche Folgen

Auswirkungen von Trumps Politik
Interview mit Richard Solis*

Welche Folgen wird die Präsidentschaft von Trump für die Philippinen haben?
Der Ausgang der Präsidentschaftswahlen in den USA wird für unser Land dramatische Folgen haben, insbesondere Trumps Politik gegenüber den Migranten. Das Geld, das diese Menschen ihren Angehörigen in den Philippinen schicken, macht 65% des gesamten Devisenflusses in die Philippinen aus. 3,1 Millionen Filipinas und Filipinos leben heute in den USA, 310000 von ihnen haben keine Papiere. Die werden in die Philippinen zurückgeschickt. Das wird den Geldfluss in die Philippinen erheblich schmälern. Und die philippinische Volkswirtschaft kann diese Menschen nicht integrieren, wenn sie zurückkehren.

Mehr als 20 Millionen Filipinas und Filipinos verkaufen ihre Arbeitskraft im Ausland, nur 10 Millionen von ihnen haben reguläre Papiere. Insgesamt haben wir über 40 Millionen abhängig Beschäftigte [den informellen Sektor nicht mitgezählt; die Philippinen zählen etwas über 100000 Einwohner]. Also arbeitet annähernd die Hälfte von ihnen im Ausland.

3,1 Millionen Filipinos und Filipinas arbeiten in den USA, einige in Europa, die meisten anderen im Nahen Osten, vor allem in den Golfstaaten. 60% von ihnen sind Frauen, von denen viele in Privathaushalten arbeiten und oft sexuell belästigt werden. Die Regierung unterstützt sie nicht, wenn sie sexuell missbraucht werden. Wenn sich an die philippinische Botschaft wenden, werden sie einfach zu ihrem Peiniger zurückgebracht.

 

Sie können zu Hause keine Arbeit finden?
So viele Arbeitsplätze gibt es hier einfach nicht. Wenn die 310000 ohne Papiere heimkehren, dann sind insgesamt 1,5 Millionen Menschen betroffen, die sie bisher finanziell versorgt haben. Außerdem gibt in den Philippinen selbst viele Arbeitsplätze, die zu outgesourceten Unternehmensteilen gehören. Die werden zu 85% von US-amerikanischem Kapital gehalten. Trump will aber vorrangig Arbeitsplätze in den USA fördern und diese Teile zurückholen. Damit wird dieser Erwerbszweig schwere Einbußen erleiden.

 

Du fürchtest, dass diese Jobs verloren gehen?
Ja. Das Einkommen, das in diesem Sektor generiert wird, beläuft sich auf umgerechnet 22 Milliarden US-Dollar im Jahr. Auch der Geldfluss aus Arbeitseinkommen im Ausland macht 22 Milliarden aus, das sind jeweils 10% des Bruttoinlandsprodukts. Der philippinische Staatshaushalt beläuft sich auf ungefähr 66 Milliarden Dollar im Jahr. Das Geld aus den beiden genannten Quellen entspricht also zwei Dritteln des jährlichen philippinischen Staatshaushalts. Die Gefahr einer massiven Schwächung der philippinischen Ökonomie ist also groß.

 

Wie reagiert die philippinische Regierung auf Trump?
Präsident Duterte hat gesagt: Wenn ihre ohne Papiere im Ausland oder in den USA seid, dann kommt ihr besser zurück in die Heimat, denn ich werde keinen Finger für euch rühren. Diese Menschen haben Wahlrecht und hatten für Duterte Wahlkampf gemacht, weil er versprach, die sozialen Probleme des Landes zu lösen, mit dem illegalen Drogenhandel aufzuräumen und die Familien der im Ausland Lebenden zu schützen. Jetzt hören sie, dass er keinen Finger für sie rühren möchte, und sind frustriert.

 

Schafft ihr es, sie zu organisieren?
Normalerweise organisieren wir die Familien in der Heimat. Wir organisieren sie zuhause, und sie informieren uns über die Lage ihrer Angehörigen im Ausland. So können wir z.B. Fälle von sexuellem Missbrauch verfolgen und helfen, auf die Regierungen Druck auszuüben. Wir führen Aktionen durch und spielen in dieser Bewegung eine Rolle.

 

* Richard Solis arbeitet für das International Institut for Research and Education (IIRE) in Manila.


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.