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Artensterben und Agroindustrie

Der Kampf gegen Glyphosat geht in die nächste Runde
von Klaus Meier

Im Sommer 2017 veröffentlichten deutsche Wissenschaftler eine Studie, wonach hierzulande 80 Prozent aller Insekten in den vergangenen zweieinhalb Jahrzehnten verschwunden sind. Peter Berthold, ein anerkannter Biologe und langjähriger Leiter des Max-Planck-Instituts für Vogelkunde, schreibt, dass sich die hiesige Vogelpopulation im Vergleich zum 19.Jahrhundert um über 80 Prozent verringert hat. Noch in den 50er Jahren gab es in Deutschland riesige Starenschwärme mit hunderttausenden Vögeln. Ein heutiger Schwarm zählt dagegen vielleicht gerade mal 200 Tiere.

Worin liegen die Ursachen für dieses massive Artensterben? Drei  ökologische Großkatastrophen haben diese Entwicklung ausgelöst. Die erste war die Flurbereinigung in den 60er und 70er Jahren. Sie hat Äcker und Wiesen mit zahlreichen Hecken und Baum­inseln in monotone Agrarsteppen verwandelt. Die zweite Katastrophe war die massive Überdüngung, die in den 80er Jahren eingesetzt hat. Gülle aus der exportorientierten Massentierhaltung wird zudem konträr zum Nährstoffbedarf der Böden eingesetzt: im Herbst nach der Vegetationsperiode, wenn nichts mehr wächst, und im Spätwinter, wenn die Gülletanks auf den Höfen randvoll sind, es aber noch zu früh für das Pflanzenwachstum ist. Die Überdüngung der Landschaft erstickt Wildkräuter, vergiftet die Böden und belastet außerdem zunehmend das Grundwasser

Die dritte Katastrophe, die Ende der 90er Jahren einsetzte und immer noch stattfindet, ist die Ausbringung irrsinniger Mengen an Pestiziden, an Glyphosat und Neonicotinoiden. Sie sorgen dafür, dass auf den derart traktierten Böden keine Wildpflanzen mehr gedeihen können. Die Neonicotinoide rotten überdies alle Insekten flächendeckend und massenhaft aus. Im Gefolge verlieren die insektenfressenden und von Sämereien lebenden Vögel ihre Nahrungsgrundlage. Damit könnte dann ein «stummer Frühling» drohen, wie bereits Anfang der 60er Jahre von der amerikanische Biologin Rachel Carson prophezeit.

Die Agrarlobby einschließlich Bayer-Monsanto schert das alles nicht. Sie macht ungerührt weiter, denn es winken riesige Gewinne. Allein Glyphosat bringt Monsanto jährlich 2 Milliarden Dollar Umsatz. Das Schlimme: Willfährige Politiker in Berlin sind Teil dieses Spiels und winken alles durch. Zuletzt die fünfjährige Verlängerung des Glyphosat-Einsatzes in der EU. Die neue Landwirtschaftsministerin Klöckner hat in mehreren Interviews deutlich gemacht, dass sie diese Politik fortsetzen will.

Doch die Auseinandersetzung ist noch nicht zu Ende, sondern geht in die nächste Runde. Denn die Hersteller von 37 Glyphosatmitteln unter 105 Handelsnamen müssen nun in Deutschland ebenfalls Anträge auf eine Erneuerung ihrer Zulassungen stellen. Damit ergeben sich neue Möglichkeiten, den Gifteinsatz massiv zu beschränken. Zudem können Kommunen und Bundesländer auf eigenen Flächen die Ausbringung von Glyphosat und Neonicotinoiden unterbinden. Neue Kampagnen gegen den kapitalistischen Agrarwahnsinn sind nötig und möglich.


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