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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 10/2017 |

Gewerkschaftskonferenzen im Oktober

Es palavert sich heftig
von Violetta Bock

Gleich drei Gewerkschaftskonferenzen finden im Oktober statt. Jede hat ihren eigenen Schwerpunkt, die eine konzentriert sich auf ein Thema, die andere greift vor allem die (gewerkschafts)politische Situation auf, die dritte wiederum bemüht sich, ganz von unten zu denken. Eine Anmeldung ist bei allen erforderlich.

 

Betriebsräte im Visier

Samstag, 14.10.2017, 13–19 Uhr, Gewerkschaftshaus Mannheim

Zielgruppe: Betriebs- und Personalräte, die von BR-Mobbing betroffen sind

Zum vierten Mal in Folge lädt das Komitee «Solidarität gegen BR-Mobbing» nach Mannheim ein. Die Konferenz hat sich inzwischen als Forum etabliert, um die neuesten Entwicklungen der Gewerkschaftsbekämpfung zu analysieren und betroffenen Betriebsräten einen Austausch darüber zu ermöglichen.

Auf der ersten Konferenz wurde der Mannheimer Appell verabschiedet, in dem es heißt:

«Von BR-Mobbing Betroffene und ihr soziales Umfeld sind ohne umfassende und wirksame Solidarität in der Regel nicht in der Lage durchzuhalten. Selbst erfahrene Kolleginnen und Kollegen sind bereits durch Bossing und Mobbing ausgeschaltet und traumatisiert worden. Nur die Organisierung von Öffentlichkeit und Widerstand helfen gegen derartige Methoden.

Wir rufen deshalb dazu auf, die Analyse dieses immer bedrohlicheren Phänomens fortzusetzen, den Erfahrungsaustausch von und mit betroffenen KollegInnen bundesweit zu fördern, gemeinsam Strategien der Gegenwehr weiter zu entwickeln, praktische Verabredungen zur besseren Koordination zu treffen und die Entwicklung einer wirksameren Öffentlichkeitsarbeit zu sichern.»

Schon letztes Jahr berichtete auch eine Vertreterin aus dem IG-Metall-Bundesvorstand, inwiefern die Gewerkschaften sich inzwischen dem Thema annehmen. 2015 wurde von den rund 100 Teilnehmenden eine Entschließung mit Forderungen verabschiedet. Auf der diesjährigen Konferenz steht die Auseinandersetzung mit der politischen und juristischen Verteidigung gegen Betriebsrats- und Gewerkschaftsfeinde im Mittelpunkt.

Einen besonderen Stellenwert erhalten die Themen «Organizing als Ansatz im Betrieb» und der §119 im Betriebsverfassungsgesetz, der Straftaten gegen Betriebsverfassungsorgane mit einer Freiheits- oder Geldstrafe belegt, aber so gut wie nie zur Anwendung gekommen ist.

Dazu sprechen Susanne Kim (Vorstandsverwaltung IG Metall) und Rechtsanwalt Dietrich Growe. Ferner wird eine Bildergeschichte gegen BR-Mobbing präsentiert, und es gibt eine Podiumsdiskussion. Die Konferenz trägt dazu bei, direkt in den gewerkschaftlichen Apparat hineinzuwirken.

Die Konferenz wird unterstützt von IG Metall Mannheim sowie von AKUWILL Oberhausen, IG BCE Weinheim, BR General Electric Mannheim, Überbetriebliches Solidaritätskomitee Rhein-Neckar, Ver.di Rhein-Neckar und work-watch Köln.

 

Gemeinsam stark! Gewerkschaftspolitische Herausforderungen nach der Bundestagswahl

20.10.2017, 11–18 Uhr, Kassel, Philipp-Scheidemann-Haus

Zielgruppe: Gewerkschaftsaktive, hauptamtliche GewerkschafterInnen sowie Betriebs- und Personalräte

Die Rosa-Luxemburg-Stiftung (RLS) und die Fraktion DIE LINKE im Bundestag laden zu einer Aktionskonferenz ein, um sich über die neue politische Situation nach der Bundestagswahl auszutauschen, Potenziale von Gewerkschaften, Bundestagsfraktion und der RLS zu bündeln, gemeinsame Schwerpunkte zu entwickeln und gemeinsame Aktivitäten zu planen. Nach Eingangsreferaten aus Politik, Stiftung und Wissenschaft zum Stand der Arbeiterbewegung gibt es fünf Arbeitsgruppen, in denen vor allem Abgeordnete der LINKEN und hauptamtliche Gewerkschafter zu verschiedensten Themen Inputs geben werden – vom Thema Rente über die Umverteilung der Arbeitszeit bis hin zu Tarifflucht, dem Kampf um die öffentliche Daseinsvorsorge und Gegenstrategien gegen Rechtspopulismus.

Damit gelingt es der Rosa-Luxemburg-Stiftung, zeitnah nach der Bundestagswahl linke Perspektiven in den Gewerkschaften weiterzuentwickeln. Besonders hervorzuheben ist, dass hier auch Strategien gegen Rassismus im Betrieb thematisiert werden. Das Programm macht jedoch auch deutlich, dass Partei und Stiftung sich eng an den DGB-Gewerkschaften orientieren. Dies zeigt sich vor allem beim Abschlusspodium u.a. mit Bernd Riexinger und Hans-Jürgen Urban, auf dem über das politische Mandat der Einheitsgewerkschaft diskutiert wird.

Betriebsräte können sich für die Konferenz freistellen lassen.

 

Organisieren Kämpfen Gewinnen – die Tagung

28./29.10.2017, Kassel, Bürgerhaus Harleshausen

Zielgruppe: betrieblich Aktive, Menschen aus Solidaritätskreisen und interessierte GewerkschafterInnen

OKG (Organisieren Kämpfen Gewinnen) lädt zu ihrer ersten branchen- und gewerkschaftsübergreifenden Tagung ein. Es ist ein neuer Ansatz, bei dem die Podien fast alle mit ehrenamtlichen Gewerkschaftern besetzt sind. Bei den Workshops und Podiumsdiskussionen zum Erfahrungsaustausch wird vor allem ins Zentrum gerückt, wie sich Aktive in ihrem Betrieb den Herausforderungen stellen können, sei es bei Angriffen von Arbeitgebern, dem Überwinden von Stellvertreterpolitik oder konfliktbereiter Tarifarbeit. Einzige Ausnahme ist eine Podiumsdiskussion am Samstag: Hier wird mit Vertretern von TIE, der Redaktion express und der Online-Plattform Labournet auch auf bisherige Erfahrungen von Akteuren zurückgeblickt, die seit jeher für Gewerkschaften als soziale Bewegung eintreten. Ebenso angekündigt ist die Möglichkeit für Branchentreffen am Sonntag, u.?a. zur Zusammenarbeit von Haupt- und Ehrenamtlichen, Post und Logistik, sowie im Bildungsbereich. Ein besonderer Schwerpunkt der Tagung liegt mit zwei Modulen im Vermitteln des Organizingansatzes als einem systematischen Ansatz zum Aufbau einer schlagkräftigen Betriebsgruppe. Dazu soll bis zur Tagung die Übersetzung des Buches Secrets of a Successful Organizer erscheinen.


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