von Malik Miah, 23. Oktober 2025
Die Proteste gegen Trump nehmen Fahrt auf
Über sieben Millionen Menschen versammelten sich am 18. Oktober in den Vereinigten Staaten zu Protesten unter dem Motto „No Kings”. Demonstrationen fanden in 2700 Städten und Gemeinden in 50 Bundesstaaten sowie in Washington DC statt. Demonstrationen gab es zudem in 18 Ländern. Es war der zweite „No Kings Day”, seit Donald Trump vor neun Monaten Präsident wurde. Der erste im Juni dieses Jahres hatte landesweit fünf Millionen Menschen auf die Straße gebracht.
In aller Offenheit baut Trump einen autoritären Staat der weißen Vorherrschaft unter seiner persönlichen Herrschaft auf. Er hat die Unterstützung des Obersten Gerichtshofs, der Republikanischen Partei und der Milliardärsklasse.
Trump hat Truppen der Nationalgarde, des FBI und der Einwanderungs- und Zollbehörde nach Los Angeles, Washington DC und Chicago entsandt, unter dem Vorwand, diese Städte seien „Kriegsgebiete“. Während ihres Einsatzes haben sie die Freiheit der Meinungsäußerung und der Versammlung verletzt und Einwanderer:innen aus dem globalen Süden wie auch US-Bürger:innen brutal behandelt.
Die größte „No Kings“-Demonstration fand mit 35.000 Menschen in New York City statt. Bis zu 30.000 Menschen demonstrierten in Chicago; unterstützt von führenden Demokraten und Gewerkschaften lehnten sie die „Operation Midway Blitz” der Bundesregierung gegen die Stadt entschieden ab.
Bürgermeister Brandon Johnson, ein ehemaliger Lehrer und Gewerkschaftsorganisator, hielt eine flammende Rede, in der er zum Generalstreik gegen die Tyrannei aufrief:
Wenn meine Vorfahren als Sklaven den größten Generalstreik in der Geschichte dieses Landes anführen konnten, um es mit den Superreichen und großen Konzernen aufzunehmen, dann können wir das heute auch. Ich rufe alle Schwarzen, Weißen, Braunen, Asiaten, Einwanderer und Homosexuellen in diesem Land dazu auf, sich gegen die Tyrannei zu erheben und den Superreichen und großen Konzernen eine klare Botschaft zu senden. Wir werden sie dazu bringen, ihren gerechten Anteil an Steuern zu zahlen, um unsere Schulen, Arbeitsplätze, das Gesundheitswesen und den Verkehr zu finanzieren. Die Demokratie wird dank dieser Generation weiterleben.
Etwa 10.000 Menschen versammelten sich in Boston – wo 1773 die Boston Tea Party stattfand – und forderten „No taxation without representation” (Keine Besteuerung ohne Vertretung).
In San Francisco protestierten 5.000 Menschen. Tausende gingen in Atlanta, Georgia und Memphis, Tennessee, auf die Straße – dort haben republikanische Gouverneure ihre Nationalgarde zur Unterstützung von Trumps militärischer Besatzung mobilisiert.
Die Schilder, Banner und Plakate waren bei allen Protesten ähnlich. Alle Altersgruppen und ethnischen Gruppen waren vertreten. Niemand zeigte Angst vor Trumps Polizei. Die Proteste verliefen friedlich.
Vor den Demonstrationen hatte der republikanische Sprecher des Repräsentantenhauses, Mike Johnson (Louisiana) versucht, die Öffentlichkeit davon zu überzeugen, dies seien Hass-Kundgebungen gegen Amerika, organisiert von „Antifa” – wobei dies keine Gruppe, sondern ein Konzept bezeichnet, das von Gegnern des Faschismus vertreten wird.
Trump und andere führende Republikaner behaupteten, die Demonstranten würden von dem Milliardär George Soros bezahlt, einem in Ungarn geborenen jüdischen Liberalen, dessen Familie den Holocaust überlebt hat.
Trump behauptete auch, die Proteste seien von „radikalen linken Demokraten“ organisiert worden, obwohl sich die Führer der Demokratischen Partei im Senat und im Repräsentantenhaus weitgehend aus den Mobilisierungen heraushielten. Diejenigen, die sich daran beteiligten, versuchten, die Bewegung auf die bevorstehenden Zwischenwahlen zu konzentrieren.
Die Organisatoren und offiziellen Redner des „No Kings Day” hielten sich größtenteils an das Thema „Rettung der Demokratie”, womit sie den prokapitalistischen Status quo mit zwei Parteien meinten. Einen dritter No-Kings-Day haben sie bereits angekündigt.
Im Juni hatten auch pro-palästinensische Gruppen an den Demonstrationen teilgenommen, das war am 18. Oktober nicht der Fall. Es gab auch keine Plakate mit der Aufschrift „Hände weg von Venezuela“ gegen Trumps Krieg gegen die venezolanische Regierung wegen angeblichen „Drogenschmuggels“ – das Pentagon hat bisher sieben kleine Boote vor der Küste Venezuelas in internationalen Gewässern bombardiert und dabei 27 Menschen getötet.
Auch demokratische Abgeordnete im Kongress und im Senat unterstützen Trumps Politik gegenüber Israel und Venezuela. Die meisten von ihnen haben dafür gestimmt, Israel zu bewaffnen und befürworten den Sturz der venezolanischen Regierung.
Das Thema DEI (Diversity, Equity, Inclusion – Vielfalt, Gerechtigkeit, Inklusion) wird selten angesprochen, da es die weiße Vorherrschaft herausfordert und die Unterstützung von Affirmative Action und Bürgerrechten beinhaltet.
Der Oberste Gerichtshof steht kurz davor, das Wahlrecht für Afroamerikaner aufzuheben und das Land zurück in den Jim-Crow-Apartheid-Staat zu führen. Auch das Recht auf Abtreibung, der Klimawandel und die Rechte von LGBTIQ wurden bei den Protesten nur am Rande erwähnt. Im Vordergrund standen der Widerstand gegen die Entlassung von Bundesbeamten und gegen die Kürzungen bei Medicare und Medicaid.
Ganz offensichtlich gibt es ein Potenzial für den Aufbau einer verbindenden Massenbewegung. Die Koalition gegen Trumps Agenda wird wachsen und neben „No Kings“ werden weitere Forderungen aufkommen.
Quelle: Greenleft Weekly 23.10.25; https://www.greenleft.org.au/2025/1441/world/united-states-no-kings-day-we-are-majority
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