Berlin kann von Madrid lernen
von Ayse Tekin
Die spanische Regierung plant die Legalisierung einer halben Million Migrant:innen, die bislang ohne gesicherten Aufenthaltsstatus im Land leben und arbeiten. Spanien hat auch in früheren Jahren eine solche Politik betrieben und damit nicht nur diesen Menschen eine Zukunft gegeben, sondern auch ihrer unbegrenzten Ausbeutung als »Illegale« einen Riegel vorgeschoben.
Geschadet hat das dem Land nicht. Die spanische Regierung handelt damit gegen den europäischen oder gar US-amerikanischen Trend, obwohl auch dort eine rechtsextreme Partei Namens Vox wütet. Das Argument, Ministerpräsident Pedro Sánchez brauche die Maßnahme, um sich die weitere Unterstützung der Katalan:innen zu sichern, ist nur ein Teil der Wahrheit. Der andere ist, dass die Regierung diesen Schritt als Antwort auf Arbeitskräftemangel und Überalterung und als Schritt zum Erhalt des Sozialstaats wagt.
Experten warnen seit langem vor dem globalen demographischen Wandel der Weltbevölkerung. Schätzungen zufolge werden Afrika und Teile Asiens das künftige Bevölkerungswachstum tragen, während Europa, Japan und Südkorea altern und schrumpfen. Ein Grund ist sicher im Patriarchat zu suchen, das einen Teil der Bevölkerung immer noch so ungleich behandelt, dass Frauen in den genannten Gegenden nicht mehr bereit sind, für das System zur Verfügung zu stehen. Der Gebärstreik wird nicht laut propagiert, aber faktisch ausgeübt, das bereitet den Machthabern Sorge. Italien macht mit einer Geburtenrate von 1,2 Kindern pro Frau (2024) eine der schwersten demografischen Krisen in Europa durch. Als Gründe werden die wirtschaftliche Unsicherheit und die fehlende Kinderbetreuung angeführt. Südkorea verzeichnet mit einer Geburtenrate von 0,68 (2024) eine der niedrigsten weltweit.
Spanien ergreift die Chance Migrant:innen zu integrieren, statt das rechtsextreme Programm von Vox zu übernehmen, das in Abwandlungen das der AfD ist. Es geht einen anderen – möglicherweise später von allen erkennbar erfolgreicheren Weg. Das hebt die strukturelle patriarchale Ungleichheit dort und auch anderswo nicht auf, aber die Frauen sind weiter dran!
Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen
Spenden
Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF
Schnupperausgabe
Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.
Kommentare als RSS Feed abonnieren