Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden
Zur Person 1. März 2026

Schweben wie ein Schmetterling
von Kai Böhne

Wir schreiben Freitag, den 19.Juli 1996: Im Centennial Olympic Stadium der US-amerikanischen Stadt Atlanta läuft die Eröffnungsfeier für die Olympischen Sommerspiele. Nachdem Janet Evans, Schwimmerin und vierfache Goldmedaillengewinnerin, ihre Stadionrunde beendet hat, übergibt sie die Fackel vor einer langen Rampe an die Boxlegende Muhammad Ali (1942–2016). Dem unter einer Parkinson-Erkrankung leidenden Ausnahmesportler kommt die Ehre zu, das Olympische Feuer zu entzünden.

Weltweit verfolgten 3 Milliarden Menschen diese Szene an ihren Fernsehgeräten. Rund 85.000 Zuschauer, unter ihnen auch US-Präsident Bill Clinton, befanden sich im Stadion. Sie erhoben sich von ihren Sitzen und hielten in diesem herzergreifenden Moment den Atem an. Dreieinhalb Jahrzehnte zuvor, bei den Olympischen Spielen 1960 in Rom, hatte Ali die Goldmedaille im Halbschwergewicht gewonnen. Einige Wochen später wechselte er ins Profilager und bestritt dort seinen ersten Kampf.
In den folgenden Jahren polarisierte Ali vor allem durch sein provozierendes und nassforsches Mundwerk. Von 1960 bis 1963 bestritt er 20 Kämpfe, die er alle als Sieger beendete. Ali verfügte über eine ungemein schnelle Beinarbeit und einzigartige Reflexe. Sein Biograf Peter Kemper charakterisierte ihn als jemand, »der im Boxring mit der Grazie eines Tänzers auftrat«. Mit den Worten »schwebe wie ein Schmetterling, stich zu wie eine Biene,« umschrieb Ali seinen leichtfüßigen Kampfstil. Auch sonst war er nicht um flotte Sprüche verlegen: »Ich bin so schnell – vergangene Nacht habe ich das Licht in meinem Hotelzimmer ausgeschaltet und lag im Bett, bevor es dunkel war.«
Im Februar 1964 bekam Ali die Gelegenheit zu einem Kampf gegen den WM-Titelträger Sonny Liston. Gegen den flinken Ali gelang es Liston nicht, seine überlegene Schlagkraft einzusetzen. Nach der sechsten Runde gab Liston auf. Den Rückkampf gewann Ali in der ersten Runde durch K.o. Bis 1967 gewann er seine sämtlichen Kämpfe. Als er im gleichen Jahr den Kriegsdienst in Vietnam verweigerte, erhielt er eine Haftstrafe, konnte aber gegen Kaution auf freiem Fuß bleiben. Die Boxverbände entzogen ihm den WM-Titel und erteilen ihm zur Blütezeit seiner sportlichen Karriere ein Boxverbot.
Erst 1970 kehrte er wieder in den Ring zurück und erstritt sich im Oktober 1974 einen WM-Kampf gegen Champion George Foreman, den er mit einer neuen Kampftechnik überraschte und in der achten Runde besiegte. Unvergessen sind bei älteren Box-Fans die Kämpfe gegen Joe Frazier, Ken Norton und George Foreman: Das waren Ereignisse, für die sich Zuschauer in aller Welt die Wecker stellten, um sie nachts im Fernsehen zu verfolgen.
Muhammad Ali ist bislang der einzige Boxer, der dreimal den Titel »unumstrittener Boxweltmeister« erringen konnte, dafür musste er die Weltmeistertitel aller anerkannten Boxverbände vereinen. Anlässlich seines 10.Todestags gab der US-Postdienstleister (USPS) im Januar 2026 einen Bogen mit 20 Muhammad-Ali-Forev­er-Briefmarken aus.

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Folgende HTML-Tags sind erlaubt:
<a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <cite> <code> <del datetime=""> <em> <i> <q cite=""> <s> <strike> <strong>


Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.


Kommentare als RSS Feed abonnieren