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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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James Lee Burke: Regengötter

.München: Heyne, 2014. 670 S., 16,99 Euro

von Udo Bonn

Die Krimizeit-Bestenliste für das Jahr 2014 wird – aus meiner Sicht auch unangefochten – von James Lee Burkes 670 Seiten starken Roman Regengötter angeführt. Der Respekt, der dem mittlerweile 78jährigen Autor von seiner Kollegenschaft entgegengebracht wird, wirkt authentisch, anders als die gewohnheitsmäßige Lobhudelei auf Gegenseitigkeit, die sich regelmäßig auf den Klappentexten der Bücher findet.

Wie in vielen Thrillern US-amerikanischer Autoren schlagen sich auch hier die Protagonisten mit ihren Erlebnissen in den amerikanischen Kriegen der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts und ihrer Rolle als ungeliebte Heimkehrer herum. Sheriff Hackberry Holland hat in Korea gekämpft, die brutale Behandlung im Gefangenenlager sorgt auch nach 50 Jahren noch für psychotische Angstzustände. Nach dem Tod seiner geliebten Frau, einer Gewerkschaftsaktivistin der legendären UFW (United Farm Workers), ist er nach Texas, an die Grenze zu Mexiko gezogen. Hier erhält er einen Anruf: Jemand habe viele Schüsse bei einer alten Kirche gehört. 24 Stunden später werden die Leichen von neun Frauen gefunden, begraben und die Erde mit Bulldozern plattgewalzt.

Der Anrufer, Pete Flores, hatte gelogen, als er dem Sheriffbüro mitteilte, er habe mit der Sache nichts zu tun. Für einige hundert Dollar hatte er den Transporter mit den Frauen gefahren, aber dann ist die Situation eskaliert. Seitdem befindet sich der Ex-Soldat, der im Irak bei einem Panzereinsatz schwere Verbrennungen erlitten hat, auf der Flucht, zusammen mit Vikki Gaddis, von der er nicht weiß, warum sie sich mit ihm zusammengetan hat. Während er unfähig ist, irgendwelche Arbeiten zu erledigen, sorgt sie mit Kellnern und gelegentlichem Singen dafür, dass sie überhaupt irgendwo unterkommen, und sei es in den billigsten Motels entlang der Highways. Nicht immer gelingt es den beiden, unbemerkt zu bleiben. Nur mit viel Glück und Gewalt entkommen sie den unberechenbaren Killern Christianos und Collins – bis zum nächsten Mal mit neuen, auf sie angesetzten Berufsmördern.

Der alte Sheriff wäre mit seinen Versuchen, das Verbrechen aufzuklären, absolut überfordert ohne seine Stellvertreterin Pam Tibbs, die sich auch nicht scheut, sich handgreiflich mit dem Agenten der Einwanderungs- und Zollfahndungsbehörde, Isaac Clawson, auseinanderzusetzen. Der ermittelt eigenständig und voller Zorn auch in eigener Sache. Er hat eine Ahnung, daß das Massaker an den Asiatinnen mit den beiden konkurrierenden Stripclub- und Hostessserviceunternehmern Dolan und Rooney zu tun haben könnte. Und ganz im Hintergrund droht Josef Sholokoff, die neue große Nummer aus Phoenix, dem die zwei in die Quere gekommen sind.

Burke ist keiner, der eine rasante Story schreibt. Er lässt sich Zeit, die Geschehnisse erfahren viele Wendungen, und immer ist noch Raum für Landschaftsbeschreibungen und Atmosphären, wie man sie selten in Thrillern findet und was den Roman nur stark macht.


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