Schließen

Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden

Sie befinden sich hier: Home > 2015 > 10 > Ein-bisschen-solidaritaet

Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 10/2015 |

Ein bisschen Solidarität…

…gibt es auch in Frankreich
von Bernard Schmid

Ganz Frankreich ist in Rassismus abgeglitten. Ganz Frankreich? Nein! Ein kleiner Teil der Öffentlichkeit widersteht tapfer dem Zeitgeist und… So oder ähnlich könnte ein Bericht über die Solidaritätsinitiativen mit den Geflüchteten beginnen.
Die Solidaritätsinitiativen auf französischem Boden haben nicht gewartet, bis Ende August EU-weit die «Flüchtlingskrise» ausgerufen wurde. Schon in den Monaten zuvor hatte sich die Situation der Geflüchteten zugespitzt. Denn sie campierten nicht länger nur in Calais am Ärmelkanal, sondern seit Jahresbeginn auch mitten in Paris unter freiem Himmel. In Calais warten Migranten auf Überfahrtmöglichkeiten auf die britischen Inseln. In Paris hingegen handelte es sich um Menschen, die entweder nach dem «Dublin-Verfahren» in einem anderen EU-Land einen Asylantrag gestellt hatten, aber aufgrund unhaltbarer Zustände dort (etwa in Ungarn) weiter flohen; oder um solche, die im französischen Asylverfahren steckten, denen man aber schlicht keine Unterkunft anbot. An zwei Stellen in Frankreichs Hauptstadt, an der Metrostation La Chapelle und am Austerlitz-Bahnhof, wuchsen so größere Zeltlager heran.
Die Staatsmacht reagierte mit Räumungen. Vor La Chapelle erfolgte sie erstmals am 1.Juni, danach wurden die Flüchtlinge (bis Anfang September) an die zehnmal an verschiedenen Stellen geräumt. Am Bahnhof Austerlitz erfolgte die Räumung in der zweiten Septemberwoche. Den Migranten – mehrheitlich aus dem Sudan und Eritrea – wurden Notunterkünfte angeboten, die zeitlich extrem kurz befristet waren, mitunter ohne Verkehrsanbindung weit außerhalb von Paris lagen oder ihnen aus sonstigen Gründen unannehmbar erschienen. Ihr Widerstand dagegen wurde zu einem Kristallisationspunkt von Solidarität. Mehrfach demonstrierten Einheimische zusammen mit den Migranten, am 20.Juni waren es an die 10.000 (wobei diese Demonstration allerdings mit einer Demo der Griechenland-Solidarität am selben Ort zusammenfiel). Aus unterschiedlichen Teilen der Linken – PCF, Ensemble, NPA, Autonome… – beteiligten sich Menschen an Besetzungsaktionen und an Aufrufen an die Öffentlichkeit.
Bis Redaktionsschluss ist eine leerstehende frühere Berufsschule im 19.Pariser Bezirk besetzt, dort wurden einige der um die Metrostation La Chapelle Geräumten Anfang August aufgenommen. Die städtischen Behörden gaben eine Selbstverpflichtung ab, den Ort nicht polizeilich räumen zu lassen. Allerdings wollen sie die Sache «aussitzen». Vor Ort wird die Lage zunehmend kritisch, weil vermehrt Migranten von anderen geräumten Punkten dorthin kommen und die hygienischen Verhältnisse sich zusehends verschlechtern.
Auch in Calais finden Solidaritätsaktionen statt, mit reger Unterstützung auch von britischer Seite. Zuletzt fand hier am 25.September eine größere Demonstration statt.


Drucken | Artikellink per Mail | PDF Version

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.