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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Zusammen­kunft

Natasha Brown: Zusammenkunft. Berlin: Suhrkamp, 2022. 113 S., 20 Euro
von Ravi T. Kühnel

Natasha Brown ist studierte Mathematikerin, hat zehn Jahre im Londoner Finanzsektor gearbeitet und sich jetzt aufs Schreiben verlegt. In ihrem vielbeachteten Erstlingswerk beschreibt sie die Auswirkungen von drei verschiedenen Diskriminierungsformen: Rassismus, Sexismus, Klassismus.

Eindringlich führt sie vor Augen, was es heißt, als schwarze Frau in der Londoner Hochfinanz eine Karriere anzustreben.
Die namenlose Protagonistin ist die Vorzeigefrau ihrer Bank. Weiblich und schwarz. Also perfekt, um Diversität zu repräsentieren. Sie hält Vorträge vor Schulklassen über ihren Aufstieg und kommt sich dabei verlogen vor. Aber sie muss funktionieren – im Sinne der Diversität, die Aushängeschild der Bank ist.
Währenddessen bröckelt daheim ihre Beziehung, die langsam zermalmt wird von der vielen Arbeit, wo sie auch noch sexuell belästigt wird. Und sogar nach der Arbeit beim abendlichen Dinner lassen die Kollegen sie spüren, dass sie nicht weiß, männlich und gehobene Mittelschicht ist. Ihre Vergangenheit und ihre Herkunft haften ihr an. Es ist, als würde noch immer der Geruch der Arbeiterklasse an ihr haften. Jeden Tag heißt es aufstehen, kämpfen, arbeiten. Mit der ständigen Angst einen Fehler zu machen und die Karriere zu versauen.
Es kommt, wie es kommen muss: Gerade an einem wichtigen Etappenziel angekommen, die Visitenkarten noch druckfrisch, stolpert sie auf dem Weg nach oben. Etwas trifft zusammen, was nicht zusammengehört.
Browns Debüt ist keine leichte Kost. Weder thematisch noch stilistisch. Der Roman ist sehr dicht geschrieben. Der Schreibstil poetisch und eindringlich. Die Szenen kommen Schlag auf Schlag, in wenigen Sätzen stecken Berge von Inhalt, Gedanken und Gefühlen. Brillante Literatur über Herkunft, Klasse, Arbeit und Geschlecht, für die man sich Zeit nehmen sollte.


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