communia – Stimme für eine gemeinwohlorientierte Wirtschaftspolitik
von Vincent Janz
communia arbeitet für Vergesellschaftung, öffentlichen Luxus und eine demokratische Wirtschaft. Inspiriert von der Initiative Deutsche Wohnen & Co. enteignen hat sich communia als gemeinnütziger Verein im Jahr 2020 gegründet.
Ziel von communia war und ist es, die Frage der Vergesellschaftung – also der Überführung zentraler Wirtschaftsbereiche in gemeinschaftliches Eigentum – über den Wohnsektor hinaus in andere Bereiche der Wirtschaft zu tragen und damit die Eigentumsverhältnisse selbst zum politischen Thema zu machen.
Ein Meilenstein war die erste große Vergesellschaftungskonferenz, die 2022 in Berlin über 1500 Menschen zusammenbrachte. Hier wurde Vergesellschaftung nicht nur als politische Forderung, sondern als Strategie und Vision für eine grundlegende Transformation der Wirtschaft diskutiert. Die Konferenz machte communia weit über aktivistische Kreise hinaus bekannt – als Stimme einer neuen, gemeinwohlorientierten Wirtschaftspolitik.
Seitdem hat sich communia als progressiver, bewegungsnaher Think Tank etabliert. Mit einem wachsenden Team arbeitet die Organisation an wissenschaftlich fundierten, praktisch umsetzbaren Konzepten, die die Idee der Vergesellschaftung konkretisieren. Im Zentrum der Arbeit steht derzeit der Energiesektor, der als zentraler Hebel für eine sozialökologische Transformation gilt. In den vergangenen Jahren legte communia politische, juristische und strategische Vorschläge vor, wie Energieproduktion und -versorgung vergesellschaftet werden können.
Neben weiteren Studien und Konzeptpapieren veröffentlichte communia ein juristisches Gutachten, das zum ersten Mal den Begriff der Produktionsmittel aus dem Vergesellschaftungsartikel 15 des deutschen Grundgesetzes juristisch beleuchtet. Das Gutachten prüft, inwieweit dieser Artikel auf den Energiesektor anwendbar ist und berücksichtigt dabei auch das übergeordnete EU-Recht.
Das Ergebnis ist deutlich: Eine Vergesellschaftung von Energieproduktion und -versorgung ist rechtlich möglich, vereinbar mit europäischem Recht und könnte gezielt genutzt werden, um den Umbau zu einer ökologischen Energieproduktion voranzutreiben – sowie kostengünstige Energiepreise für Verbraucher:innen zu sichern.
Öffentlicher Luxus
communia will die politische Dimension der Vergesellschaftung in eine positive gesellschaftliche Vision und ein entsprechendes Narrativ überführen. Zentral ist dabei der Begriff des »Öffentlichen Luxus«. Dieses Konzept umfasst den bedingungslosen Zugang zu jenen Gütern, die das Leben nicht nur ermöglichen, sondern lebenswert machen – von Wohnen, Gesundheit und Mobilität über Energie, Landwirtschaft und digitale Infrastruktur bis hin zu öffentlichen Parks, Schwimmbädern und einer intakten Natur.
»Öffentlicher Luxus« steht für ein breites Verständnis gesellschaftlicher Daseinsvorsorge. Er ist das Gegenmodell zu fortschreitenden Privatisierungstendenzen, die immer mehr Lebensbereiche marktförmig organisieren. Stattdessen fordert communia eine mutige Demokratisierung des Öffentlichen – und die Rückführung zentraler Infrastrukturen in kollektives Eigentum.
Gemeinwohlorientierte Ideen finden sich sogar in den USA. Etwa in New York City. Dort schlägt der neue Bürgermeister Zohran Mamdani ein ungewöhnliches, aber viel beachtetes Projekt vor: kommunale Supermärkte. In allen fünf Stadtbezirken soll ein städtisch betriebener Laden entstehen – ohne Profitabsicht, mit Produkten zum Großhandelspreis. Ziel ist es, die explodierenden Lebensmittelpreise zu senken. Zwei Drittel der New Yorkerinnen und New Yorker unterstützen die Idee.
Demokratisierung
Vergesellschaftung ist kein Selbstzweck. Sie soll jene Bereiche der Wirtschaft, die für das Gemeinwohl zentral sind, aus der Logik privater Profitinteressen lösen und in eine gemeinwohlorientierte Organisation überführen. Nur so kann es gelingen, den Herausforderungen unserer Zeit – Klimakrise, Pandemien, wachsender Ungleichheit und Armut sowie dem Rechtsruck auf sozial gerechte Weise zu begegnen.
Damit einher geht eine tiefgreifende Demokratisierung der Wirtschaft: Die Verwaltung von Gemeingütern läge nicht mehr länger in den Händen von Anteilseignern und Finanzinvestoren, sondern würden von den Beschäftigten und der Gesellschaft gemeinsam gesteuert werden. Öffentlicher Luxus verkörpert einen konkreten Ansatz, der ökonomische Sicherheit für alle schafft und neue Horizonte politischen Handelns eröffnet: die Möglichkeiten der kollektiven, demokratischen Gestaltung von Wirtschaft und Gesellschaft.
Mit dieser Vision und zahlreichen Studien, Gutachten und Konzeptpapieren will communia die Demokratisierung der Wirtschaft vorantreiben. Der Verein arbeitet dabei eng mit sozialen Bewegungen zusammen und versteht sich als Schnittstelle zwischen Theorie und Praxis. So organisierte communia im vergangenen Jahr gemeinsam mit einem breiten Netzwerk an Partnerorganisationen eine zweite bundesweite Konferenz, die sich auf die Möglichkeiten der Vergesellschaftung in den Bereichen Energie, Gesundheit, Mobilität und Landwirtschaft konzentrierte.
Darüber hinaus schafft communia Räume für politische Bildung, Vernetzung und strategische Zusammenarbeit – etwa auf dem System Change Camp 2025 oder in Kooperationen mit Initiativen wie RWE & Co. enteignen. Ziel ist es, anwendungsorientierte Ansätze zu entwickeln, die soziale Bewegungen in ihren Kämpfen unterstützen für eine Wirtschaft, die uns allen dient – weil sie uns allen gehört.
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