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AKW 1. März 2026

Zahlensalat
von Wolfgang Pomrehn

Am 11.März sind es 15 Jahre her, dass ein schweres Seebeben der Stärke 9 bis 9,1 nordöstlich von Tokio einen gewaltigen Tsunami auslöste. Auf einer Länge von 180 Kilometern hatte sich der Meeresboden um sechs bis acht Meter verschoben. Zuvor waren weltweit nur drei Beben in der Geschichte der bis 1900 zurückreichenden seismischen Aufzeichnungen stärker. Rund 18.000 Menschen fanden den Tod, über 2500 gelten bis heute als vermisst. Mehr als 450.000 Menschen wurden obdachlos.

Beben und Tsunami richteten auch schwere Zerstörungen an dem direkt an der Küste gelegenen Atomkraftwerk (AKW) Fukushima Daiichi an. Für Fachleute kam das Ereignis nicht ganz unerwartet. Aufeinander stoßende Platten der Erdkruste sorgen in Japan oft für erhebliche Erschütterungen.
Ein Ereignis von dieser Gewalt ist in der Region alle paar Jahrhunderte zu erwarten. Um so unverständlicher ist es, dass das AKW mit seinen sechs Reaktoren nicht auf dem erhöhten Grund gebaut wurde, den es an dieser Stelle ursprünglich gab. Vielmehr hatte man das Kraftwerk tiefer gesetzt, um Energie beim Hochpumpen des Kühlwassers aus dem Meer zu sparen.
Das sollte sich am 11.März 2011 rächen. Die Flutwellen konnten mit voller Wucht in die Reaktorgebäude strömen, nachdem zuvor schon das Beben die Netzverbindung unterbrochen und schwere Schäden angerichtet hatte. Drei Reaktoren liefen zum Zeitpunkt der Katastrophe und die Kettenreaktion wurde, wie vorgesehen, unterbrochen. Allerdings erzeugen Reaktoren auch danach noch für einige Tage weiter große Hitze und müssen gekühlt werden. Doch diese Kühlung fiel wegen der Überschwemmung der Gebäude und der Schäden nach und nach aus. Die Reaktordruckbehälter überhitzten sich so stark, dass sie zwischen dem 12. und 15.März durch Explosionen zerstört wurden. Ihre Reaktorkerne schmolzen, sodass vermutlich die Uran-Kettenreaktion wieder in Gang gesetzt wurde.
Große Mengen radioaktiven Materials gelangten in die Umwelt, rund 150.000 Menschen wurden aus den Sicherheitszonen rund um die Reaktoren evakuiert. Bis heute sind sie größeren Teils unbewohnbar, obwohl in den evakuierten Dörfern und Städten 15 Millionen Kubikmeter verseuchter Erde abgetragen wurde. Die japanische Regierung, die bemüht war, die Folgen herunterzuspielen, hatte die Evakuierungszonen auf einen Umkreis von 20 und 30 Kilometer begrenzt.
Später wurden große Mengen Meerwasser zur Kühlung der zusammengeschmolzenen Reaktorkerne eingesetzt und das kontaminierte Wasser (knapp 1,4 Millionen Kubikmeter) in zahlreichen großen Tanks aufgefangen.
Bis zum heutigen Tag müssen die zusammengeschmolzenen Reaktorkerne weiter gekühlt werden. Täglich fallen, auch durch eindringenden Regen, weitere 80 Kubikmeter kontaminierten Wassers an. Seit 2023 wird ein Teil des Wassers – unter dem Protest der Nachbarstaaten – ins Meer abgelassen. Zuvor wird es teilweise dekontaminiert, enthält aber noch radioaktives Tritium. Die Aufräumarbeiten sollen in 25 Jahren abgeschlossen sein.

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