Film 27. Oktober 2026

Völkermord in Gaza
von Marina Hoffmann

Naza. Dokumentarfilm. Großbritannien 2026. Regie: Yuval Abraham, ­Rachel Szor

Nacht über den Dächern von Tel Aviv. Yuval Abraham, Co-Regisseur von No Other Land, interviewt Mitglieder des israelischen Geheimdienstes und der israelischen Streitkräfte, IDF. In seinem und Rachel Szors neuem Film Naza berichten sie vom laufenden Völkermord in Gaza.

Nach den Gräueltaten vom 7.Oktober ist die Meinung in der IDF klar: Es gibt keine Unschuldigen in Gaza. Sie hassen keine Araber, und doch bekommen sie Hass eingeimpft. Sie bauen nicht die Bomben, nur die Software, und doch sterben durch sie tausende Unschuldige. Manchmal merken sie, in welchen Widersprüchen sie sich bewegen, manchmal ist es ihnen sehr bewusst.
Einer berichtet, wie viel Spaß es macht: Es ist Nervenkitzel und fühlt sich für ihn an, als würde er etwas bewegen. Die Karten auf den Bildschirmen mit den zerstörten Häusern wirken wie in einem Videospiel. „Wenn ich es nicht tue, tut es wer anders.“ Und wenn man dem System nicht vertraut, bricht es zusammen…
Die Menschen in Gaza werden totalüberwacht. Die Interviewten berichten davon, wie sie Familiengespräche mithören, ein schreiendes Kind im Hintergrund, bevor sie den Befehl geben. Einer analysiert den Selfie von einem mutmaßlichen Hamasterroristen und seinen Töchtern. Dieser vergisst sein Handy zu Hause. Seine Familie stirbt im Feuer der Explosion. Der Auftrag ist Zerstörung.
Wo früher Geheimdienst­offiziere Ziele bestimmen mussten, macht es heute eine KI, Lavender. Sie hilft bei der Überwachung und bestimmt die Naza-Zahl. Dabei liegt sie zu 85 Prozent richtig. »Naza«, kurz für »Nezek Agav«, heißt Kollateralschaden und ist die Zahl der zivilen Opfer, die zulässig sind, um Hamaskämpfer umzubringen. Im Schnitt liegt diese bei 20, je nach Rang und Wichtigkeit, kann sie aber auf 500 steigen. Dabei gibt es keinen Unterschied zwischen Erwachsenen und Kindern.
Israel streitet natürlich alles ab. Während Netanyahu nach den Whistleblowern suchen lässt, nennt der Kulturminister Zohar den Film »Verrat am Staat« und droht den Filmemacher:innen, ihnen die Staatsbürgerschaft zu entziehen.
Naza wird zwar noch nicht in Israel gezeigt, auch wenn die Filmemacher:innen dafür kämpfen, er steht aber ab Ende November auf der Website des Guardian kostenlos zur Verfügung.

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