Arbeitswelt 26. September 2026

Zahlensalat
von Wolfgang Pomrehn

Als Teil der in der Nachkriegsgeschichte beispiellosen Offensive des Kapitals gegen Arbeitszeiten, Lohnfortzahlung im Krankheitsfall, Rente und andere zentrale, einst erkämpfte Errungenschaften der Arbeiter:innenbewegung rollt eine massive Entlassungswelle durchs Land. Zu Hunderttausenden gehen industrielle Jobs verloren. Im vergangenen Jahr waren es bereits 177.000, im ersten Halbjahr 2026 weitere 144.000. Die Erwerbslosenrate liegt inzwischen laut Statistischem Bundesamt bei 6,4 Prozent.

Betroffen sind von den Entlassungswellen vor allem Autoindustrie, Maschinenbau und die Chemiebranche, obwohl der Exportmotor weiter brummt. Nach den Daten der Bundesstatistiker nahmen die Ausfuhren im ersten Halbjahr 2026 um weitere 3,9 Prozent zu. Der die Weltwirtschaft destabilisierende Handelsbilanzüberschuss lag im gleichen Zeitraum bei rund 106 Milliarden Euro.
Exportschlager Nummer eins waren weiter Kraftfahrzeuge und Kraftfahrzeugteile, die zwar um 5,8 Prozent zurückgingen, aber – in Euro gerechnet – weiter 15 Prozent aller Ausfuhren ausmachten. Auf Platz 2 folgte der Maschinenbau, dessen Exporte nahezu konstant blieben. Auf Platz 3 und 4 auf der Rangliste der Exporteure folgten nahezu gleichauf die Hersteller von Datenverarbeitungsgeräten und elektrischen und optischen Erzeugnissen sowie die Chemiebranche. Diese konnten ihre Ausfuhren um 9,5 beziehungsweise 1,4 Prozent steigern.
Von einer Krise der deutschen Exportwirtschaft, von der immerhin jeder vierte Job im Land abhängt, kann also nicht wirklich die Rede sein. Dennoch wird entlassen, dass es kracht, und zwar, wie man bei VW unumwunden zugibt, um die Rendite auf fast zehn Prozent zu steigern. 5,9 Milliarden Euro Gewinn hat der Konzern im ersten Halbjahr 2026 laut Industriemagazin gemacht; Porsche weitere 1,35 Milliarden. Bei BMW waren es 2,87 und bei Mercedes 0,9 Milliarden Euro. (Übrigens: Die in diesem Jahr abgeschlossenen Tarifverträge sehen durchweg nominelle Einkommenssteigerungen unter drei Prozent vor, das heißt, in Höhe der Inflationsrate oder gar darunter.)
Der Fall VW sorgte im Sommer für besonders viel Aufmerksamkeit. Anfang September beschloss der Aufsichtsrat des Wolfsburger Konzerns einstimmig, das heißt mit Zustimmung von Gewerkschaftsvertretern und der niedersächsischen Landesregierung, 50.000 weitere Entlassungen bis 2030. Vier Werke im Inland werden voraussichtlich geschlossen. Konzernweit summieren sich die Entlassungen damit auf 100.000.
Andere Konzerne folgen dem Beispiel. Bosch mit 22000, bei Siemens und der BASF sollen jeweils mehrere Tausend auf die Straße gesetzt werden, bei ThyssenKrupp und ZF gar jeweils 11.000 oder mehr. Der Software-Entwickler SAP hat in den letzten beiden Jahren bereits mehrere Tausend entlassen. Künftig sollen rund 2000 jährlich gehen. BMW will weltweit 8000 Stellen streichen, bei Ford sind es immer noch über 1000, bei Mercedes 5500, bei Daimler Truck rund 5000. Tesla, IAV, Schaeffler, Continental, MAN, Wacker Chemie und Goodyear haben Entlassungen von jeweils über 1000 oder auch über 2000 Beschäftigten angekündigt.

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