Arbeitswelt 27. August 2026

Zahlensalat
von Wolfgang Pomrehn

Dieses Jahr laufen besonders viele Tarifverträge aus. Im September unter anderem bei den privaten Banken, im Oktober in der Metall- und Elektroindustrie und im Dezember bei VW. Die DGB-Gewerkschaften verhandeln 2026 neue Vergütungstarifverträge für zehn Millionen Beschäftigte.

In der Druckindustrie wurden die Verträge zum Ende Juli gekündigt. Die zweite Verhandlungsrunde fand nach Redaktionsschluss am 25.August statt. Ver.di geht mit der Forderung von sieben Prozent Lohnerhöhung in die Gespräche, was der Bundesverband Druck und Medien viel zu viel findet, ohne seinerseits (Stand 14.August) einen Vorschlag vorgelegt zu haben.
Im Groß- und Außenhandel wurden inzwischen in diversen Tarifbezirken die Ergebnisse des Pilotabschlusses in Bayern übernommen. In Hamburg wurden zum Beispiel 2,9 Prozent ab 1.August 2026 sowie weitere 2,1 Prozent ab 1.Mai 2027 vereinbart. Die Ausbildungsvergütungen steigen um 40 Euro ab 1.August 2026 und um weitere 30 Euro ab 1.August 2027. Die Laufzeit des Tarifvertrags beträgt 24 Monate. Ursprünglich waren sieben Prozent und mindestens 250 Euro Lohn- und Gehaltserhöhung gefordert worden.
In der Tarifrunde Einzelhandel haben die Unternehmensverbände in mehreren Bezirken die Gespräche abgesagt, verweigern also die Verhandlungen. Unter anderem soll Ver.di damit davon abgehalten werden, die Tarifauseinandersetzung in einer bundeseinheitlichen Kampagne zu betreiben. Ver.di hat teils Festgeldforderungen zwischen 222 und 300 Euro im Monat aufgestellt, teils diese auch mit Prozentforderungen verbunden. In allen Tarifgebieten wird eine Erhöhung der Ausbildungsvergütungen um 150 Euro im Monat gefordert. Seit Juli kommt es immer wieder zu Streiks. Für kurz nach dem Redaktionsschluss waren in zwei Bezirken neue Gespräche angesetzt.
Andere Branchen haben bereits Tarifverhandlungen abgeschlossen. Einige Beispiele: Schon im Januar hat Ver.di mit der Energiewirtschaft 2,9 Prozent für 2026 und weitere 2,3 Prozent ab 1.Februar 2027 vereinbart. Laufzeit: 24 Monate. Weiterhin erhalten Ver.di-Mitglieder je nach Entgeltgruppe eine Einmalzahlung von 500, 600 oder 700 Euro.
Im Februar wurden die Verhandlungen im öffentlichen Dienst der Länder (ohne Hessen) abgeschlossen. Nach fünf Nullmonaten (November 2025 bis März 2026) gibt es seit April 2,8 Prozent mehr (mindestens 100 Euro). Ab 1.März 2027 kommen weitere zwei Prozent und ab 1.Januar 2028 noch einmal ein Prozent hinzu. Die Laufzeit beträgt 27 Monate.
Die rund 300000 studentischen Beschäftigten an Hochschulen und Universitätskliniken bekommen zwar etwas mehr Geld, aber noch immer keinen Tarifvertrag.
In der Chemieindustrie wurde Ende März auf Bundesebene ein Vertrag über ebenfalls 27 Monate abgeschlossen. Nach zehn Null-Monaten bis einschließlich Dezember 2026 gibt es 2027 ein Plus von 2,1 Prozent und 2028 weitere 2,4 Prozent.
Zum Vergleich: Die offizielle Inflationsrate betrug im Mai laut Statistischem Bundesamt 2,9 Prozent – für Energie 10,1 Prozent. Die Abschlüsse liegen also meist im Bereich der derzeitigen Inflationsrate oder darunter. Die in vielen Verhandlungen angestrebten kurzen, zwölfmonatigen Laufzeiten wurden nirgendwo durchgesetzt.

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