Buch 27. August 2026

Jens Schröder, Markus Wolff: Der Spanische Bürgerkrieg. GEO Epoche 116/2022. 12 Euro
von Paul Michel

Das im November 2022 erschienen GEO-Heft mit dem Titel Der Spanische Bürgerkrieg – Was zu ihm führte, wie er bis heute wirkt ist ein Musterbeispiel für gut gemachte Geschichtsschreibung.

Es ist, wie bei GEO üblich, hervorragend bebildert. Die Texte sind gut geschrieben und haben Substanz. Im Mittelteil gibt es eine ausführliche Chronologie, von 1898 – dem Jahr des Untergangs des spanischen Weltreichs – bis in die 70er Jahre, in denen mit dem Tod des Diktators die franquistische Herrschaft endete.
Den Hauptteil des Heftes bilden 13 thematische Geschichten, die wichtige Aspekte des Konflikts behandeln. Viele Texte bestechen durch Faktenreichtum und Anschaulichkeit. Sie behandeln Geschichte in der Form des Erzählens von Geschichten.
Im ersten solchen Kapitel, »Das wankende Reich«, wird ein facettenreiches Bild der Spanischen Königreichs in all seiner Dekadenz, mit seinen Macht- und Unterdrückungsstrukturen gezeichnet. Es zeigt aber auch den gesellschaftlichen Wandel in Spanien nach dem Verlust der Kolonien 1898 bis zum Ende der Monarchie 1931.
Der Artikel »Rebellion der Bergleute« befasst sich mit einem Thema, das in der Regel von bürgerlichen Autoren allenfalls gestreift wird: dem Aufstand der asturischen Bergleute, der von Franco und seinen afrikanischen Kolonialtruppen brutal niedergeschlagen wurde.
Der Text zum Putsch der Generäle im Juli 1936 dröselt die durchaus komplexe Gemengelage sehr gut verständlich und anschaulich auf.
Im Beitrag über »Barcelona, die Stadt der Anarchisten« erfahren wir viel über den Charakter der Stadt und ihre besonderen Struktur und Kultur, aber auch über die Versuche eines Großteils der Arbeiterschaft, eine klassenlose Gesellschaft einzurichten. Erfreulicherweise stützt sich der Text u.a. auf ein sehr kenntnisreiches Buch des »kritischen Anarchisten« Chris Ealham mit dem Titel Anarchism and the City Revolution and Counterrevolution in Barcelona 1898–1937.
Sehr eindrücklich ist der Beitrag über den Terrorangriff der Legion Condor auf Gernika im April 1937. Die Geschichte wird aus unterschiedlichen Perspektiven, der der Bewohner von Gernika und der Sicht von Kommandeuren der Legion Condor betrachtet.
Es lohnt sich!

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