Soziales 28. August 2026

Anschläge auf queeres Leben
von Marina Hoffmann

In Teilen Deutschlands können queere Menschen sie selbst sein. Zumindest, wenn sie nicht zu sehr auffallen und am besten auch keine schnelle medizinische Versorgung erwarten. Denn die AfD erklärt den Pridemonth Juni, der eigentlich Aufmerksamkeit auf queeres Leben lenken soll, zum Stolzmonat für Deutschland, und die CDU kürzt Gelder für queere Unterstützungsangebote – etwa für das Jugendnetzwerk Lambda e.V., das bislang jährlich eine sechsstellige Summe erhielt, die nun gestrichen wurde.

Mit diesem politischen Anschlag auf queeres Leben werden aktiv Menschen bedroht. Bei Transmenschen ohne Unterstützung spielen Themen wie Selbstverletzung und Suizidgedanken eine große Rolle. Entsprechende Angebote könnten sie schützen, doch für Leben ist nicht genug Geld da. Stattdessen: Waffen.
Am Abend des 25.Juli fand in Berlin der CSD ein tragisches Ende. Ein Mann tötete mit einem Wagen eine Frau und verletzte viele weitere. Die Polizei fand ihn in einer Kleingartensiedlung und erschoss ihn, weil er ein Messer hatte. Kurz zuvor war er vor dem Jugendgericht verurteilt worden und hatte eine Bewährungsstrafe erhalten.
Das war ein Anschlag auf queeres Leben. Queeres Leben, um das es den Politiker:innen gar nicht geht. So spricht der Berliner Bürgermeister Kai Wegener bei der Pressekonferenz zu dem Thema nicht davon, queere Menschen unterstützen und Schutzangebote ermöglichen zu wollen, sondern es geht ihm um den Täter.
Wegener spricht ehrlich davon, dass es nicht möglich sei, »diese Gefährder« zu kontrollieren – zumindest nicht über die Polizei. Stattdessen bräuchten wir neue Formen der Kontrolle… Er spricht von gesetzlichen Lücken im Datenschutzgesetz und davon, dass es die erste Aufgabe der Politik sei, den Schutz der Menschen zu gewährleisten. Dafür sollen Polizei und Verfassungsschutz mehr Möglichkeiten bekommen, um die demokratiegefährdende Minderheit, den Islamismus, besser bekämpfen zu können…
Mit Sicherheit stirbt Freiheit. Und um die Freiheit der queeren Community geht es explizit nicht! Wegener spricht das Wort nicht einmal aus, während Merz sich am Anfang und zum Ende seiner Rede nochmal bei den Kirchen bedankt und uns sagt, dass wir weiterfeiern sollen. Dann wird das schon.
Die Regierungen nutzen den Anschlag auf unser Leben, um unser Leben und unsere Freiheit weiter zu beschneiden. Wer weiß, welche Randgruppe als nächstes die Demokratie bedroht? Aber die Kürzungen sind ja schon im Gange: Wenn Polizei und Verfassungsschutz besser ausgerüstet werden sollen, braucht es dazu noch mehr Geld, bis wir irgendwann nur noch von Waffen und Uniformen leben. Vielleicht finden sich noch ein paar hunderttausend bei den Krankenkassen oder weiteren guten Projekten, die queeren Menschen tatsächlich helfen.

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