Zur Person 27. August 2026

Trauer um unseren Polenkorrespondenten
von Angela Klein

Unser langjähriger Mitarbeiter Norbert Kollenda ist am 21.Juni dieses Jahres unerwartet gestorben. Die Redaktion verliert an ihm einen kenntnisreichen Polenkorrespondenten, der nicht nur regelmäßig über wichtige Vorkommnisse im Land berichtete, sondern auch politisch Stellung nahm – stets auf der Seite der arbeitenden Bevölkerung, stets mit einem demokratischen und internationalistischen Ansatz, der ihn in Gegensatz zu den Regierungen der Volksrepublik wie auch zu nationalistischen Kräften nach 1990 brachte.

Sein Markenzeichen in der SoZ bleibt die Polnische Presseschau, die seit 2011 eine feste Rubrik in der Online-Ausgabe der SoZ gewesen ist und von der er 259 Ausgaben produziert hat. Leider sind nicht alle auf sozonline dokumentiert, die Zählung beginnt mit der Nr.80 im Jahr 2012. Leider gibt es auch niemanden, der in seine Fußstapfen treten würde.
Norbert hatte einen bemerkenswerte Lebenslauf. Geboren wurde er am 30.Dezember 1941 im polnischen Gliwice (Gleiwitz), wo er bis Anfang der 50er Jahre die Schule besuchte und, da aus deutschem Elternhaus, zweisprachig aufwuchs. Als er mit der Mutter nach Berlin übersiedelte, war der Vater noch in Kriegsgefangenschaft. Eine Tante von ihm ist im oberschlesischen Zabrze geblieben, er hat sie häufig besucht und auf seinen Polenreisen dort Zwischenstation gemacht.
Norberts Elternhaus war katholisch – in der DDR war der Einfluss der Kirche eh stark zurückgedrängt, Katholiken aber bildeten nochmal eine äußerst randständige Minderheit. Norbert aber hatte Verbindungen zur Christlichen Arbeiterjugend, einer gewerkschaftlich orientierten internationalen Organisation junger christlicher Arbeiter, die 1912 von einem belgischen Priester gegründet wurde und heute in über hundert Ländern präsent ist.
Norbert machte in Berlin eine Ausbildung zum Krankenpfleger und kam als Hygienefachmann u.a. nach Leuna und Bitterfeld, wo er Kontakt zu polnischen Leiharbeitern bekam. Um diese hatte er sich zu kümmern – das war der Beginn seines lebenslangen Engagements für ein soziales und demokratisches Polen.

Ein Interview mit seinem langjährigen Freund Michael Sarrazin über Norberts Lebensweg findet sich auf sozonline.de.

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