Die soziale Lage bestimmt den Bildungserfolg
von Larissa Peiffer-Rüssmann
Mit Pisa untersucht die OECD seit 2000 alle vier Jahre die schulischen Leistungen 15jähriger Schülerinnen und Schüler in 38 Industrieländern. Diesmal ging es um die grundlegenden Fähigkeiten in Lesen, Mathematik und in den Naturwissenschaften, zusätzlich um den Umgang mit digitalen Werkzeugen.
Deutschlands Schülerinnen und Schüler schneiden bei den schulischen Leistungen so schlecht ab wie nie zuvor, vor allem der Leistungsabfall in Mathematik und Lesen ist auffallend, jeder dritte Jugendliche erreicht hier nicht die Mindestkompetenz. Entgegen der öffentlichen Meinung ist die Trennlinie nicht die geographische Herkunft, sondern die soziale Lage. Der Abwärtstrend setzt sich seit 2012 kontinuierlich fort.
Laut OECD korreliert der Leistungsabfall beim Lesen mit zunehmender Digitalisierung, längeren Bildschirmzeiten und abnehmender Leselust. Daraus ergibt sich für mich, dass wir im Primarbereich auf einen Unterricht mit digitalen Medien getrost verzichten können. Was wir brauchen, ist ein Unterricht, der die Schülerinnen und Schüler einbezieht, sie an der Auswahl der Themen beteiligt und die individuelle Auseinandersetzung mit den Einzelaspekten im Rahmen von fächerübergreifenden Projekten ermöglicht. So lernen sie, eigenverantwortlich Informationen zu verarbeiten und eigene Schlussfolgerungen damit zu verbinden. Gleichzeitig können sie im Austausch mit anderen ihre Ergebnisse vortragen und begründen.
Wer auf diese Weise gelernt hat, selbständig zu arbeiten, wird auch in der Sekundarstufe zufriedenstellende Ergebnisse erzielen. Allerdings muss sich die Sekundarstufe unbedingt von ihren Teaching-to-the-Test-Methoden verabschieden. Bildungsqualität definiert sich eben nicht über Tests und Vergleiche, sondern allein durch pädagogische Vielfalt, soziale Ziele und gute Lern- und Arbeitsbedingungen.
Die Folgen vom Sparen
Das Problem sind nicht nur die maroden Schulgebäude, defekten Toiletten und fehlenden Fachräume. Auch die Inklusion wurde zurückgefahren. Anfangs bekam jedes Kind, das statt einer Aufnahme in die Förderschule in die Grundschule integriert wurde, drei Stunden Förderung. Diese Förderung wurde auf eine Stunde zurückgefahren und erfüllt damit nicht mehr ihren Zweck.
Die Unterrichtsverpflichtung der Referendare und Referendarinnen wurde drastisch erhöht, nun stehen sie mindestens neun Unterrichtsstunden allein vor der Klasse, die dringenden Mentorengespräche fallen für diese Stunden weg. Kein Wunder, dass sich immer weniger für eine Ausbildung zur Verfügung stellen.
Allgemeine Fortbildungsangebote und den damit verbundenen Fachaustausch gibt es kaum noch, was einem vielfältigen abwechslungsreichen Unterricht schadet. Aufgrund des eklatanten Lehrermangels werden die dafür notwendigen Beurlaubungen gestrichen.
Schulwesen auf den Prüfstand
Zurecht erklärt die Bildungsgewerkschaft GEW die Bildungspolitik der letzten 25 Jahre für gescheitert. Vor allem beklagt sie die massive soziale Ungleichheit und fordert einen Masterplan gegen Bildungsarmut. Hier wäre ein Sondervermögen für Bildung und die Bereitstellung ausreichender Mittel dringend vonnöten, statt der fortschreitenden Finanzierung immer neuer Waffen und des Ausbaus der Bundeswehr.
Die Kultusministerkonferenz stellt zwar angesichts der beschämenden Ergebnisse Handlungsbedarf fest, aber außer Versprechungen und allgemeinen Feststellungen habe ich wenig Konkretes gefunden. Als einzige Partei hat Die Linke eindeutig Position bezogen.
Das sind die Kernforderungen an eine Bildungspolitik für mehr Bildungsgerechtigkeit:
– Die frühe Selektion nach der vierten Klasse, die kein anderes europäisches Land in dieser Form durchführt, muss wegfallen. Stattdessen muss es eine Gemeinschaftsschule für alle geben, mindestens bis zur zehnten Klasse.
– Die Inklusion muss gestärkt werden. Die personelle und finanzielle Ausstattung muss vorangetrieben werden, damit Bildungsgerechtigkeit Einzug in unsere Schulen hält, unabhängig von der sozialen Lage der Eltern.
Eine andere Schule ist möglich!
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