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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Nur Online PDF Version Artikellink per Mail Drucken Soz Nr. 08/2016 |

POLNISCHE PRESSESCHAU 110 vom 30. Juli 2016

Staat, Kirche und Papst                                             Tygodnik Powszechny, 04. + 11.07.2016

Der 79 jährige Dominikaner Ludwik Wisniewski hatte bereits 2010 seine kritische Stimme erhoben und die kirchliche Praxis in Polen scharf kritisiert. Aus Anlass des Besuchs des Papstes Ende Juli zu den Weltjugendtagen in Polen setzt er sich kritisch mit seiner Kirche auseinander. Dabei ist es ihm bewusst, dass er einer der wenigen inneren Kritiker ist. Hier einige Passagen:

 

Was für einen Staat findet der Papst vor

In erster Linie beklagt er die hohen Mauern, die trotz Demokratie und Souveränität, zwischen den Polen errichtet worden sind.  Dabei gibt er auch Priestern Schuld, die vergessen hätten, dass lt. des II. Vatikanischen Konzils die Kirche die Einheit der ganzen Menschheit im Auge haben muss. Die jetzige Regierungspartei meint gar Polen hätte sich niemals vom Kommunismus getrennt und am Runden Tisch damals einen Pakt mit den bösen Kommunisten besiegelt.

Als es am 10. April 2010 zu der Katastrophe bei Smolensk kam, gab es Hoffnungen, dass diese Mauern fallen. Aber das Gegenteil war der Fall. Eine absurde These von einem Anschlag wurde in die Welt gesetzt, an der Moskau in Absprache mit der damaligen Regierung Polens Schuld sei – teilweise wurde auch Deutschland in dieses nebulöse Boot gehievt. Es wurde sogar behauptet, dass Überlebende totgeschlagen worden seien! Alle Fragen von Zweifeln und Bedenken haben  hervorragendste Spezialisten  für Flugzeugkatastrophen beantwortet, trotzdem verbreitet die „Gruppe Macierewicz“ (jetzt Verteidigungsminister) weiterhin die Behauptung, dass es ein Anschlag gewesen sei und ein großer Teil der Nation übernimmt diese These von Macierewicz, der von Kaczynski unterstützt wird, der da sagt: „96 Menschen wurden ermordet – das ist ein ungeheuerliches Verbrechen“ und auch Teile des Episkopats sehen es so.

Es geht soweit, dass die vorhergehenden Regierungen als Verräter bezeichnet werden. Der Vorsitzende des Parlamentes hat erst kürzlich gesagt: „Tusk hat den Herren Präsidenten (Lech Kaczynski) verraten. Da bin ich mir sicher“. Dazu meint ein prominenter Soziologe: „es reicht schon ein Regierungsmitglied grundlos als Verräter zu bezeichnen, damit die Gesellschaft anfängt auseinander zu brechen!“

Dabei darf natürlich nicht außer acht gelassen werden, dass der Umgang und Einsatz mit den Regierungsmaschinen recht lax gehandhabt wurde – irgendwie wird es schon gehen. Dazu gab es Untersuchungen durch unterschiedliche Institutionen, aber Chaos und laxer Umgang mit den Regeln für den Transport von Regierungsmitgliedern ist schlimm, aber kein Verrat.

Oft entsteht der Eindruck, dass manche Geistliche ihr Polen wie ein fremdes Land behandeln, so ganz im Sinne vom Präses Kaczynski, das Polen in russisch-deutschen Händen wäre („Kondominium“). Dies zeigt sich besonders bei den monatlichen Gedenken: diese politischen Messen sind Götzendienste. Nach ihnen findet ein Marsch statt, bei dem Reden gehalten werden, die Wahrheiten negieren und Hass und Zwietracht säen. Es ist schrecklich, dass röm.-kath. Gottesdienste politisch missbraucht und diese Art von Götzendiensten nicht verboten werden.

Wie sollen es die russischen Nachbarn verstehen, wenn jetzige Regierungsmitglieder behaupten dies wäre ein Anschlag gewesen und die Russen und Putin wären die Schuldigen!? So wird eine russophobie genährt.

 

Leuchtender Schein über dem Vaterland!?

Viele Polen haben den Sieg von PiS als ein Gottesgeschenk angesehen. Bischof Wysocki bei einer Messe in Tschenstochau: „Ich möchte Ihnen Frau Premier sagen wie sehr wir sie lieben. Ihnen verehrte Frau und der ganzen Regierung ist zu danken, die sie die schwere Aufgabe der Erneuerung übernehmen .. wir haben den Herrn Präsidenten als Gabe Gottes erhalten. Auch sie Frau Premier sind ein großes Geschenk, dass wir ehren werden!“ Am 1. Mai sagte Bischof Ryczan: „Die Polen haben bei den demokratischen Wahlen sich entschlossen die Regierung zu wechseln. Gott der Herr gab uns dazu als Geschenk den Herrn Präsidenten, der sich durch Glaube und Rechtschaffenheit leiten lässt… Die Neoliberalen und Postkommunisten gehen unter dem Banner linker Parteien und vereint mit dem Geist der Europäischen Union auf die Strassen, um die neue Regierung und den Herrn Präsidenten zu stürzen. Sie verbreiten Lügen in der EU und verraten das Vaterland!“

„Polen ist auferstanden von den Toten! Über dem Vaterland geht ein Licht auf, kommt Freude, Friede, eine Zukunft und der Wille zum Leben und Tun auf. Die Korruption, die Lügen, der Dreck und Gestank, Niedertracht und Unfreiheit werden dadurch besiegt.“ sagt ein prof. – theol.

Natürlich waren die Menschen durch die Regierungspolitik der Bürgerplattform genervt und viele warteten auf eine frischen Wind. Aber die Partei von Kaczynski hat viele kompromittierten Politiker an die Spitze gebracht. Aber ihr Plan +500 (Kindergeld) könnte positiven Einfluss haben.

Aber Gift wird weiter gesät und sickert bei den Menschen ein. Da sprechen die PiS Leute davon, dass bis jetzt der Kommunismus in Polen wirkte, dass alle Verräter waren und fremde Interessen in Polen vertreten haben.

Da wird das Verfassungsgericht „verbessert“ und der Präsident nimmt es hin, dass er in Anwesenheit von Kaczynski um 00.15 Uhr neue Richter vereidigt. Der Präsident hat nach Auffassung eines früheren Verfassungsrichters einige Male die Verfassung gebrochen. So hat er einen Menschen begnadigt, der ein Gerichtsverfahren hatte und das Urteil noch nicht gesprochen war – damit dieser Mensch in der neuen Regierung den Geheimdiensten vorstehen kann.

 

Das Schweigen der Bischöfe

Viele fragen sich warum die Bischöfe schweigen, wo doch ein Wahnsinn den nächsten jagt. Einzelne erheben ihre Stimme, aber von der Bischofskonferenz ist nichts zu hören. Dabei müssten gerade sie zum Dialog aufrufen. Es scheint das Schlimmste noch zu kommen – und die Regierung selbst sieht sich als der „Arm Gottes“ – also ist Gott auch ihrer Seite und jeder der sich dieser Regierung verweigert wendet sich gegen Gott. Zugleich ist natürlich so eine Regierung ohne Fehler und ihre Gegner amoralisch und Nihilisten. Dazu kommt, dass mit den Gegnern nicht gesprochen wird, sind sie doch Häretiker! Gezeigt hat sich das bei der Einweihung einer Kirche in Torun, an der zwei Kardinäle und 50 Bischöfe beteiligt waren. Dies war nicht nur die Einweihung dieser Kirche, sondern auch eine Weihung der jetzigen Regierung und vor allen Dingen deren Vorsitzenden Präses Kaczynski. Von Versöhnung und Verzeihen war nicht die Rede, auch nicht davon gemeinsam die Nation aufzubauen oder einer anderen Einstellung zu den Geflüchteten. Vielmehr entstand der Eindruck, dass die kirchliche Hierarchie diese Regierung als ein Hort der Wahrheit, Des Guten und der Tugend ansieht.

Hat überhaupt jemand einen Schlüssel, um diesem Wahn entgegen zu treten?  Die Parlamentarier hätten ihn – die meisten sind von der PiS. Wenn sie ihrem Gewissen folgen würden, auch wenn das Zorn auslöst und sie ihr Mandat verlieren!?

 

Was für eine Kirche findet der Papst vor?

Die Kirchen sind weiterhin voll, es wird vielerorts eine lebendige Seelsorge betrieben, Jugendliche nehmen an Pilgerfahrten, an religiösen Ferienlagern teil …

Aber die Kirche ist für viele Polen nicht mehr die geistliche Autorität. Der Verfall der polnischen Kirche ist tiefgehend. Und die Gleichsetzung von Pole und Katholik stört in einem pluralistischem Europa.

In Polen wird nicht die Bergpredigt als eine Herausforderung für jeden Christen gesehen, sondern die Aufforderung zum Kampf zur Verteidigung der „christlichen Zivilisation“. Wir bilden uns ein, dass nur wir im heidnischen Europa die Bewahrer christlicher Werte sind. Dazu passt, dass mit der Erlaubnis des Stettiner Ortsbischofs ein Buch herauskam, dass das Sprachrohr des Schutzengels Polens ist, der diese Einbildungen bestärkt und Polen das auserwählte Volk Gottes ist, das einzig in der Lage ist gegen die Bestie zu kämpfen.

Das Überleben der Kirche in Polen hängt davon ab, ob sie dialogfähig sein wird. Bisher ist sie eine belehrende Kirche. Es macht sich ein Sektierertum breit – nur einer/eine Gruppe meint die ganze Wahrheit für sich gepachtet zu haben – Gott ist für sie wie eine Pistole, mit der man die Gegner abschießen kann. Dieses Sektierertum macht sich auch in der Politik breit. Der tschechische  Theologe Tomas Halik meint: „Die größte Gefahr für die Kirche in Europa ist nicht der Atheismus oder das Heidentum, sondern das Unvermögen der Christen ihren Platz in der europäischen Kultur zu finden.“

Klerikalismus und die damit verbundene Auffassung die Pfarrer hätten die Wahrheit und wären unfehlbar. Nicht die Eltern sondern er wollte bestimmen wie viele Kinder eine Familie zu haben hatte. Mit diesen und ähnlichen Auffassungen werden die Menschen ständig konfrontiert und belehrt. Dabei leben die Priester in einer ganz anderen Welt.

Der Triumphalismus und Gigantonomie herrscht in der polnischen Kirche, die eines Tages ihr selbst auf die Füße fallen wird. Denn die röm.-kath. Kirche in Polen ist nicht der Eigentümer der Wahrheit. Die Menschen suchen die Wahrheit und nicht fertige Antworten, also suchen sie sie anderswo.

 

Papst Franciskus in Polen:

Gott finden wir in allen Menschen, die an den Rand der Gesellschaft gedrängt werden!“

„Heute Abend wollen wir zusammen mit Jesus mit großer Liebe unsere syrischen Brüder aufnehmen, die vor dem Krieg geflüchtet sind. Lasst sie uns mit Liebe und Sympathie willkommen heißen!“

„Ohne Barmherzigkeit kann weder ich noch Du und auch wir alle nichts tun: Hungrige speisen, Durstenden zu trinken geben, nackte bekleiden, Reisende zu Hause aufnehmen, Gefangene trösten, Kranke besuchen!“

Kommentatoren weisen darauf hin, dass der Papst sich nicht darauf einließ im Wawel am Grab des verunglückten Präsidenten Lech Kaczynski (für PiS ein Martyrer) zu beten.

 

Stanislaw Obirek weist in seiner Kolumne darauf hin, dass der Papst in seiner Predigt in Tschenstochau zum 1050 Jahrestag der „Taufe Polens“ sagte, dass ein Datum in der Landeschronik nicht reichen würde, denn wichtig wären die Taten im Kleinen und für die Kleinen und Verachteten und ihnen Nähe vermitteln mit offenen und einfachem Herzen.

Der Jugend rief er zu: „Herr engagiere uns in Taten der Barmherzigkeit, lass uns Brücken bauen und Mauern einreißen, lass uns den Armen zur Hilfe eilen, zu denen die einsam und verlassen sich fühlen, die keinen Sinn in ihrem Leben sehen.“

Obirek fragt, wie viel davon Bestand haben wird, wenn sie sonntags in der Kirche hören, dass sie sich abschirmen sollen, Mauern bauen sollen!?

Wird es dieser alte Mann, der wie ein junger erscheint, in der Lage sein durch sein Verhalten die aufgeblähten polnischen Bischöfe anzustecken oder sie zu verändern?

 

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Brexit – Polnische Arbeitsmigranten  Sündenböcke ?  Polish – Express London, 01. 07.2016

 

Es wurden auf den Inseln Stimmen laut, die da meinten es wären zu viele gekommen und diese hätten das Land verändert, würden kein englisch können. Auch nach dem Referendum nahmen die fremdenfeindlichen Aktionen zu. Ganz anders war es 2004, als nach dem EU – Beitritt Polens der britische Arbeitsmark für die Polen weit geöffnet wurde. Es kamen Klempner, Maurer, Ingenieure, Krankenschwestern und Ärzte. Sie wurden für ihren Fleiß und Arbeitswilligkeit gelobt und haben die Lücken gefüllt. Allerdings hat sich die öffentliche Meinung mit der Zeit geändert – immer mehr Populisten kamen zu Wort. Aber nicht nur die, selbst David Cameron tönte, er würde den Migranten die Sozialleistungen kürzen. Als er aber merkte wohin das führt – nämlich zur Stimmung für den Brexit – sprach er von dem Steuereinkommen durch die Migranten, die mehr einbringen als für sie ausgegeben wird. Aber der Zug war nicht mehr aufzuhalten, nicht Fakten sondern Vorurteile beherrschten die Stimmung.

Sollten die Sozialleistungen den Ausländern gekürzt werden ist damit zu rechnen, dass 400.000 Polen über kurz oder lang ihre Koffer packen. Was wird mit den Kindern, die in England geboren und dort in die Schule gehen? In London sind es allein 30.000. Niemand – auch nicht die Polen in England – haben sich auf den Brexit eingestellt, aber er wird ihr Leben auf den Kopf stellen. Sie müssen sich auf weitere Überraschungen gefasst machen. Beschäftigte in Banken und in der Informatik sind überzeugt, dass ihre Chefs sie nicht missen wollen. Die jungen Polen allerdings sind sich darüber im klaren, dass in zwei-drei Jahren für sie das Aus kommt, denn in dieser zeit schaffen sie es nicht die britische Staatsbürgerschaft zu erhalten. Wohin sollen sie dann hin? Nach Polen, wo sie doch an einen anderen Lebensstandard gewöhnt sind, eine andere Kultur und anderen Lebensstil? Also warten sie ab was bei dem Brexit herauskommen wird.

Die „Polish -Express“ hat nach dem Referendum viele freundliche Mails von Briten erhalten, die sich für ihre Landsleute entschuldigen. Es gibt eben auch in England nette und freundliche Leute und Leute, die ein Sündenbock suchen, um ihren Frust abzuladen.

 

Polnische Migranten können in England bleiben                     Polish – Express London, 15.07.2016

 

Auf der Internetseite der Regierung befindet sich ein Kommunique zum Status und rechten von Migranten in Groß-Britannien. Bis zum offiziellen Austritt GB aus der EU bleiben die Rechte und der Status der polnischen Migranten unangetastet. Ihr Status und ihre Rechte könnten allerdings nach dem Brexit modifiziert werden. Allerdings geht die Regierung davon aus, dass danach sowohl die Rechte und der Status sowohl der EU Bürger in Großbritannien als auch der der Briten in der EU entsprechend geachtet werden. Alle Polen, die über 5 Jahre in GB leben haben ein Aufenthaltsrecht. Diejenigen, die über 6 Jahre in GB leben bestens die Sprache können, aber auch die Geschichte und Kultur des Landes können die Staatsbürgerschaft beantragen. Diejenigen die weniger als 5 Jahre in GB weilen brauchen sich zunächst nicht sorgen. Auch sie haben weiter ein Aufenthaltsrecht, können Unternehmen führen oder arbeiten.

Berichte und Interviews der Zeitung zeigen die Unsicherheit nicht nur der polnischen Migranten auf. Dies betrifft nicht nur ihre Zukunft, sondern Unsicherheiten im alltäglichen Leben und am Arbeitsplatz. „Hast Du schon Deine Koffer gepackt!“ bekamen manche zu hören und viele fürchten diese Aufforderung zu hören zu bekommen – von Kollegen, Patienten, Nachbarn

 

„Smolensker Appell“ – Gedenken an die Opfer                        www.onet.pl 13./14.7. 2016

 

Antonin Macierewicz, seines Zeichens Oberster Aufklärer des „Anschlags von Smolensk“ und zugleich polnischer Verteidigungsminister hat verfügt, dass bei allen Gedenkfeiern in Polen der „Appell von Smolensk“ verlesen wird, um an diese Opfer zu erinnern. Dies soll auch am 1. August geschehen, wenn an den Warschauer Aufstand gedacht wird. Die Premierministerin Szydlo hat mit Hochachtung diese Entscheidung des Verteidigungsministers gewürdigt. Sie hält es für wichtig, dass an alle Opfer gedacht wird, die ihr Leben ließen, damit die Menschen heute in einem demokratischen Polen leben können.

Der Präsident der Stadt Poznan hat an den Verteidigungsminister appelliert aus Anlass der Gedenkfeier zum 60. Jahrestag des Arbeiteraufstandes in der Stadt im Juni auf das Verlesen dieses Appells zu verzichten. Bei den Arbeiteraufständen 1956 gab es Dutzende Tote. Macierewicz verwies darauf, dass im November 2015 festgelegt wurde, dass bei jedem Gedenken auch der „Appell von Smolensk“ zu verlesen ist. Daraufhin hat der Präsident der Stadt Poznan auf die Teilnahme der Armee bei der zentralen Gedenkfeier verzichtet. Daraufhin hat die Armee an einem der Denkmale zum Junigedenken Aufstellung genommen und dort die Namen der Opfer der Katastrophe von Smolensk verlesen.

Der ehemalige Apothekengehilfe und jetziger Pressesprecher und Kanzleileiter des Verteidigungsministers erklärte, dass nach Auffassung des Ministers alle geehrt werden, die im Dienst für das Vaterland ihr Leben ließen, dazu gehöre bei allen solchen Anlässen auch der – seligen Gedenkens – Lech Kaczynski wegen seiner herausragende historische Rolle.

Die Mitglieder des Warschauer Aufstandes sind der Auffassung, dass solch ein historische Ereignis mit einer unglücklichen Flugzeugkatastrophe nicht vermischt werden kann.

Jetzt teilt der Vize-Präsident der Stadt Warschau mit, dass nach Auffassung des Magistrats allein die Mitglieder des Warschauer Aufstandes entscheiden, ob der genannte Appell verlesen wird. Auf ihre diesbezügliche Anfrage wurde ihnen bisher nicht einmal der Text dieses Appells  zur Verfügung gestellt.

 

Aufstand junger Ärzte in Ausbildung                          www.krytykapolityczna.pl, 13.07. 2016

 

Im September wird im polnischen Gesundheitswesen ein Aufstand aller Beschäftigten erwartet. Wie bereits berichtet (Nr. 109 s.3), haben die Ärzte in Ausbildung kürzlich demonstriert. Ihnen geht es darum, dass sie nicht die Lücken überall füllen, anstatt eine fundierte fachliche Ausbildung zu erhalten. Die Chefärzte treten damit ihren ärztlichen Ethos mit Füßen. In kurzer Zeit haben sich an der Basis 17 Tausend Ärztinnen und Ärzte organisiert, um um ihre Rechte zu kämpfen: die Einhaltung der Arbeitsrechte, eine bessere Qualität der fachärztlichen Ausbildung, eine moderne entbürokratisierte Medizin und eine Erhöhung der Gehälter. Diesbezüglich hat der Gesundheitsminister ein Erhöhung von 18 €ct/h  verteilt auf die nächsten Jahre vorgeschlagen. Jetzt verdienen diese Ärzte 3,16 €/h Netto. 2,2 Ärzte kommen auf 1000 Einwohner – damit am Ende der Skale der OECD, das Durchschnittsalter der Ärzte liegt bei 54,3 Jahren. Die neoliberalen Paradigma zum Umgang mit den Kliniken haben nicht nur Krankenschwestern und Rettungssanitäter zu spüren bekommen. Die Ärzte in Ausbildung sind zum Lückenfüller in der Patientenversorgung geworden (und die Chefs haben meist mehr als einen gut bezahlten Posten). Oft müssen sie eine zweite Teil- Stelle annehmen, um finanziell über die Runden zu kommen. Es sind nicht nur die niedrigen Gehälter, überhaupt gibt Polen wenig für die Gesundheit aus, er liegt  um die Hälfte niedriger als im Durchschnitt der OECD – Staaten ( 1081$ zu 2536$), Diese jungen Ärztinnen und Ärtze, sowie die Krankenschwestern und Rettungssanitäter sagen ganz laut: Ein effektives Gesundheitswesen im 21. Jahrhundert lässt sich nicht mit Sperrholz errichten und eine Klinik auf den Schultern von übermüdeten Personal, das zudem auf der Grundlage von Schrottverträgen beschäftigt ist.


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