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Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Krimi: Simone Buchholz: Beton Rouge

Berlin: Suhrkamp, 2017. 227 S., 14,95 Euro
von Udo Bonn

Als Kandidat lädt man manchmal zum Pressegespräch, wo dann auch nach persönlichen Interessen gefragt wird. Und als Krimileser auch nach einem Tipp.

Ganz unschuldig und ohne Hintergedanken habe ich der sympathischen Vertreterin der dominierenden örtlichen Zeitung unter anderem Beton Rouge von Simone Buchholz empfohlen. Wenn sie den Roman gelesen hat, wird sie mir die Unschuld aber nicht abnehmen.

Hamburg, an einem ziemlich warmen Septembertag. Morgens früh ist da vor einem großen Verlagshaus ein Käfig abgestellt worden. Drin steckt ein heftig zugerichteter, nackter Mann. Keine Hilfe, die Angestellten schauen, gehen ins Gebäude, einige spucken ihn an. Es ist der Personalchef des Verlags, er setzt die Dreckigkeiten um, die das Führungstrio zur Bilanzverbesserung und Selbstbereicherung ausheckt. Drei Tage später geschieht das gleiche mit dem Geschäftsführer. Es sieht nach Rache aus – aber wer rächt sich? Die drangsalierte Belegschaft oder jemand ganz anderes aus den früheren Tagen von Rösch, Bohnsen und Schmidt?

Es ist ein neuer, der siebte Fall für Chastity Riley, der geschassten Staatsanwältin, die sich beruflich mit besonderen Ermittlungen rumschlägt und hier nur tätig sein kann, weil ihr neuer Kollege Stepanovic sie als lokale Pfadfinderin braucht. Nicht nur der Unfalltod einer jungen Frau macht ihr zu schaffen, ihr St.-Pauli-Familienidyll aus geschätzten Kollegen, Kiezfreunden und Liebhaber beginnt zu bröckeln und löst sich langsam auf. Neue Beziehungen, es passt nichts mehr zusammen. Eine melancholische Stimmung überlagert den Witz, die geistreichen Ideentupfer, eine Geschichte wie ein andauernder Nieselregen. Aber das macht den Reiz dieses Buches aus.


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