Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

Bert Brecht hielt nicht viel vom Recht auf geistiges Eigentum. Wir auch nicht. Wir stellen die SoZ kostenlos ins Netz, damit möglichst viele Menschen das darin enthaltene Wissen nutzen und weiterverbreiten. Das heißt jedoch nicht, dass dies nicht Arbeit sei, die honoriert werden muss, weil Menschen davon leben.

Hier können Sie jetzt Spenden
Buch 1. Juli 2022

Jürgen Meier: Wöbkenbrot und ­Pinselstrich. Klipphausen/Miltitz: Mirabilis, 2021. 344 S., 24 Euro
von Ravi Kühnel

Zwei Familien, eine bewegte Zeitepoche. Jürgen Meier führt uns in seinem historischen Roman durch die späte Kaiserzeit, den Ersten und Zweiten Weltkrieg, die Weimarer Republik bis hinein in die Student:innenbewegung der Nachkriegszeit.

Wöbkenbrot und Pinselstrich bringt uns in seiner familiennahen Erzählweise nahe, wie es sich in der Zeit zwischen Kaiserreich und Student:innenbewegung lebte. Es erzählt, wie man als junger, ehrgeiziger Student erst in eine Bruderschaft und dann in die Hände der NSDAP gerät. Wie die starken Ideologien der damaligen Zeit ganze Familien entzweit. Erzählt vom Widerstand und der aufkeimenden Arbeiterbewegung. Lässt uns Geschichte einmal anders erleben.
Meiers Roman ist atmosphärisch dicht erzählt. Der historisch passende Schreibstil, der sich vor allem in Dialogen bemerkbar macht, trägt viel dazu bei. Ebenso, dass manchmal in Dialekten kommuniziert wird. Das macht es zwar atmosphärisch, ist aber nicht immer zu verstehen, ein Stilmittel, das nicht für alle geeignet ist.
Der Roman ist zumeist spannend, hat an einigen Stellen jedoch durchaus Längen; an anderen macht er unerwartet große Zeitsprünge. Auch der Wechsel der Perspektiven reißt einen manchmal ein wenig aus dem Lesefluss. In die dargestellten Personen kann man sich gut hineinversetzen, auch wenn der Blick stets ein wenig distanziert ist. Viel über die Gedanken und Gefühlswelt erfährt man nicht.
Der selbständige Autor und Journalist schloss in Bielefeld ein «Intermedia»-Studium mit Diplom ab und arbeitete einige Zeit als PR-Werbechef im Staatstheater Hildesheim. Er hat mehrere Bücher, Dokumentarfilme, Theaterstücke und Radiosendungen geschrieben.
Wöbkenbrot und Pinselstrich ist für jeden historisch interessierten Menschen zu empfehlen. Ein gelungener Einblick in die Zeitepoche von Kaiserzeit bis zur Student:innenbewegung.

Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen

Spenden

Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF


Schnupperausgabe

Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.