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Klima 1. Januar 2026

Kampf um Klimagerechtigkeit wird immer dringlicher
von Wolfgang Pomrehn

Wieder eine UN-Klimakonferenz mit äußerst magerem Erlebnis. Nicht einmal auf eine klare Aussage zum Ausstieg aus den fossilen Energieträgern konnten sich die Regierungsvertreter einigen.

Auch in Sachen Klimafinanzen blieben die Beschlüsse einmal mehr weit hinter dem Notwendigen zurück. Die reichen, alten Industrieländer wollen nicht für den von ihnen angerichteten Schaden zahlen. Die US-Regierung blieb gleich ganz den Verhandlungen fern. Dort wird inzwischen versucht, jeden Hinweis auf die von Menschen verursachten Folgen des Klimawandels aus den Publikationen der Regierung und der Bundesbehörden zu entfernen.
Dabei reißen die schlechten Nachrichten über den Zustand des globalen Klimas nicht ab. Kurz vor Redaktionsschluss, der Klimagipfel im brasilianischen Belém war gerade beendet, trafen die ersten Bilanzen einer Serie von schweren Unwettern ein, die die tropischen und subtropischen Staaten Asiens von Ende November bis Anfang Dezember heimgesucht haben. Über 1800 Todesopfer wurden beklagt, in der zweiten Dezemberwoche wurden zudem noch mehrere hundert Menschen vermisst.
In Indonesien wird von einem Schaden von fast 3 Milliarden Euro gesprochen. Weiter im Westen, in Sri Lanka, waren die Verwüstungen durch Überschwemmungen und abrutschende Hänge noch größer. Ein Zehntel der Bevölkerung war dort direkt von den Unwettern betroffen. Die Regierung in Colombo geht davon aus, dass der Wiederaufbau umgerechnet sechs Milliarden Euro kosten wird. Das wären immerhin rund 7 Prozent des dortigen Bruttoinlandsprodukts.
Bereits kurz nach den Unwettern angestellte Berechnungen eines internationalen Teams des Programms World Weather Attribution lassen keinen Zweifel am Zusammenhang mit dem Klimawandel: Ereignisse mit starken, über fünf Tage und mehr anhaltenden Niederschlägen werden sowohl auf Sri Lanka als auch durch den Klimawandel intensiver – auf ­Sumatra und in benachbarten Regionen um 9 bis 50 Prozent, auf Sri Lanka sogar um 28 bis 60 Prozent.

Es wird teuer
Die enormen Schäden sind derweil nur ein Vorbote dessen, was vielen Küstenstaaten in Zukunft droht. Schon jetzt richten Sturmfluten und Starkregen an den Küsten Asiens und der Inseln Ozeaniens Schäden in Höhe von 26,8 Milliarden US-Dollar (22,9 Milliarden Euro) an, heißt es in einer kürzlich an der griechischen Universität der Ägäis verfassten Studie. Diese Summe könnte bis zum Ende des Jahrhunderts auf 528 Milliarden US-Dollar (450,9 Milliarden Euro) jährlich steigen, wenn die Treibhausgasemissionen nicht erheblich schneller reduziert werden. Selbst im günstigsten Fall ist noch mit jährlichen Schäden von 338 Milliarden US-Dollar (288,7 Milliarden Euro) im Jahre 2100 zu rechnen, weil die Eismassen auf Grönland und in der Antarktis noch viele Jahrhunderte weiter schrumpfen und den Meeresspiegel weiter steigen lassen werden.
Besonders hart sind die kleinen Inselstaaten betroffen. Für Tuvalu, einen knapp 10.000 Einwohner zählenden Inselstaat nordöstlich von Australien, rechnet die griechische Studie damit, dass dort bis zum Jahrhundertende durchschnittlich 38 Prozent der jährlichen Wirtschaftsleistung durch Meeresspiegelanstieg und Sturmfluten vernichtet werden könnten. Am meisten werden unter den Folgen jene Entwicklungsländer zu leiden haben, die am wenigsten zum Klimawandel beigetragen haben, so die Leitautorin der Studie, Isavela N. Monioudi, gegenüber der Plattform Carbon Brief.
Entsprechend wird hierzulande der Kampf um Klimaschutz und Klimagerechtigkeit auch heißen müssen, dass nicht nur den hiesigen Milliardären der Luxuskonsum mit ihren Yachten, Privatjets und ähnlichem ausgetrieben wird, sondern ihr Vermögen auch dazu genutzt wird, für die anderswo angerichteten Schäden aufzukommen. Vielleicht kann ja die durch die drohende Wehrpflicht ausgelöste jugendliche Politisierungswelle auch dazu beitragen, die Reste der Klimaschutzbewegung in diesem Sinne ein wenig zu radikalisieren.
Denn eines hat Belém sicherlich einmal mehr gezeigt: Solange es in den großen Ländern nicht entsprechenden Druck aus den Gesellschaften gibt, wird es am Verhandlungstisch keine große Bewegung geben.

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