Film 27. August 2026

Ein Leben des Widerstands
von Musa Kaplan

In Los sueños que compartimos (Die Träume, die wir teilen) folgt die mexikanische Dokumentarfilmerin Valentina Leduc Navarro der zapatistischen Delegation auf ihrer Reise nach Europa, wo sie sich auf die Suche nach widerständigen Gemeinschaften machen. Im Zentrum steht die Frage, was unsere politischen Kämpfe verbindet und was wir voneinander lernen können.

»Der Zapatismo ist eine Referenz für Menschen, die den Mut aufbrachten, die Veränderung, von der sie träumten, in die Tat umzusetzen«, so einer der Freiwilligen der Anti-Eukalyptus-Brigaden von Froxan im spanischen Galizien. Ihre Gemeinde ist 2006 nur knapp von einem Waldbrand in den Eukalyptus-Monokulturen verschont geblieben, weil ein einheimischer Wald im Weg stand. Damals entschieden sie sich, den Eukalyptus in ihrer Region zu entfernen und durch blattreiche Kastanien zu ersetzen. Was mit 50 Freiwilligen anfing, wurde zu einem landesweiten Projekt mit inzwischen 1300 Brigadist:innen.
Die industriellen Eukalyptus-Monokulturen sind ein Erbe des Franco-Faschismus, sie stehen für kurzfristigen Profit und entstanden auf zuvor kommunal genutztem Land.

Von Froxan nach Lützerath
Die Brigaden in Froxan sind eine der Stationen, die die Zapatista-Delegation auf ihrer Reise für das Leben 2021 besuchte. Am 22.Juni 2021, mitten während der Corona-Pandemie, landete sie in Spanien, um das widerständige Europa kennenzulernen und ihre Hoffnungen, ihre Träume und ihren Kampf mit unseren Geografien zu teilen.
Der Film lässt uns teilhaben an den Auseinandersetzungen indigener Nahuatl-Gemeinden in Puebla (Mexiko), die sich gegen die Privatisierung ihres Wassers durch das französische Unternehmen Bonafont/Danone wehren, und am Besuch der Zapatista-Delegation im Hambacher Wald und in Lützerath, wo sie sich über den Kampf gegen RWE informieren. Beeindruckt von den Baumhäusern und dem Leben im Wald, freut sich ein Zapatista: »Hier fühlt man sich frei, hier ist es wie in Chiapas.«
Auch für die deutschen Waldbesetzer:innen war der Hambi prägend. So erzählt eine Aktivistin: »Was mich am meisten geprägt hat, ist, dass ich hier das erstemal in meinem Leben Menschen kennengelernt habe, die es nicht bloß satt hatten, im Kapitalismus zu leben, sondern die auch bereit waren, dagegen zu kämpfen und sich dafür zu organisieren.«
Bei einem nächtlichen Lagerfeuer berichten die Zapatistas von der Unterdrückung und Enteignung, die sie vor der Revolution erlebt haben, und wie sie sich in ihren Bergen zu ähnlichen nächtlichen Versammlungen wie dieser trafen.

Hoffnung und Fantasie
Wieso ist es wichtig, diese verschiedenen Kämpfe zu verbinden? Einerseits gleichen sich die Gegner: Ob Bonafont/Danone in Puebla, Franco in Spanien oder RWE im Rheinland – sie arbeiten mit denselben Strategien und erzeugen die gleichen Probleme: Enteignung, Privatisierung, ökologische Zerstörung. Andererseits liegen im Kampf dagegen immer auch die Samen einer neuen Welt. In Lützerath, in Chiapas, in Froxan und in Puebla tun sich Menschen zusammen, um gemeinsam für eine bessere Zukunft zu kämpfen. »Ihre stärkste Waffe ist es, uns das Gefühl zu geben, isoliert und machtlos zu sein«, sagt eine Besetzerin über RWEs Strategie im Hambi.
Dass die Besetzung im Hambi erfolgreich war, dass der Wald vor der Abholzung gerettet wurde, ist etwas, woran viele der Besetzer:innen selbst nicht geglaubt haben. Und selbst in Lützerath, wo Anfang 2023 die Räumung stattfand, bleibt etwas, das die Staatsgewalt den Besetzer:innen nicht nehmen kann: ihre Beziehungen, ihre Erfahrungen, ihre Widerständigkeit. Denn: »Eigentlich üben wir hier für die viel größere Veränderung, die es braucht. Es ist wichtig, das im Kopf zu behalten. Es geht hier um Lützerath, aber es geht nicht nur um Lützerath.«
Der Film ist zugleich eine Absage an den Zynismus und eine Erinnerung daran, welche Stärke in unseren Träumen, unseren Hoffnungen und unserer Fantasie liegt. »Wir dürfen nicht zulassen, dass dystopische, pessimistische Zukunftsbilder uns daran hindern, die Macht, die Kraft, die Energie und den Mut zu haben, unsere Realitäten heute zu verändern. Wir können nicht darauf warten, dass uns jemand rettet. Wir müssen es selber tun.«

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