An den Rand notiert
von Rolf Euler
Wie jedes Jahr im September werden die Negativpreise »Big Brother Award« von digitalcourage verliehen, und es gäbe wie sonst jedes Jahr (nicht nur) »am Rand« viel davon zu berichten.
Aber diesmal hat es mir die Ausstellung im Gasometer Oberhausen (bis 28.11.2027) angetan, die den »Mythos Wald« zum Thema hat. Wir haben miterlebt, wie brennende Wälder ein Fanal des Klimawandels sind. Wir haben gelernt, dass Bäume so viel fürs Stadtklima, für die Umwelt bedeuten. Wir haben gelernt, dass die Abholzung und Abflämmung der Regenwälder in Südamerika und Asien zugunsten von Weiden, Soja und Palmöl so schädlich sind für das Leben. Dass Mangroven für Garnelenzucht vernichtet werden.
Im Gasometer Oberhausen, in dem Ausstellungen zur Erde, zum Sternenhimmel, zum Unterwasserleben legendär geworden sind, sehen wir eine Welt, die uns bei Wanderungen im Mittelgebirge nahe scheint, die aber in ihrer Vielfalt und auch Verletztheit ein viel breiteres Spektrum als normal bekannt umfasst.
Wie bei den vergangenen Ausstellungen dominieren großformatige glänzende Fotos – sicher 2 x 1 Meter groß – mit Motiven aus aller Welt, von hervorragenden Fotografinnen und Fotografen mit toller Technik gemacht. Da sind die Kleinst- und Kleinlebewesen in der oberen Humusschicht, zwischen den Wurzeln, aber auch in den Rinden und Baumkronen. Da ist vom Mammutbaumriesen bis zum Pflanzenwachstum in dichten Wäldern alles erfasst, was um Bäume und auf Bäumen lebt. Staunend sieht man einer Eule, einem Affen ins »Gesicht«. Große und kleinste Motive von Pflanzen und Tieren wechseln sich ab. Kurze Erläuterungen erklären vom Bären bis zum Bambus den Lebenszusammenhang in den Wäldern der Erde.
Einen guten Teil der Ausstellung nimmt die Nutzung, die Übernutzung und die Gefährdung der Wälder ein. Dabei werden indigene Menschen mit ihrer »waldfreundlichen« Lebensweise gezeigt, die von Verdrängung bedroht ist, und ebenso der Raubbau durch Konzerne und Investoren. Mit Erschrecken sieht man ein Foto, das Einheimische beim Versuch zeigt, einen Elefanten aus einer Fallgrube zu bergen, und ein weiteres, das den Trauerzug für einen gewilderten Gorilla auf einer Bahre zeigt, getragen von den Dorfbewohnern wie einen ihresgleichen – Solidarität und Trauer mit dem Tier als Lebenspartner!
Einen Teil der Fotos steuerte der bekannte Sebastião Salgado aus Südamerika vom Regenwald und den indigenen Gesellschaften bei. Filme ergänzen die Standbilder, staunend lernen wir »Wald« neu kennen.
Die Installation im Gasometer – eine Tradition, die den 100 Meter hohen Innenraum für die Ausstellung ergänzt und ausdehnt – ist diesmal eine digital angesteuerter Lichtbaum, der vom Wurzelwerk bis in die Krone Jahreszeiten, Wasserwege und Blätterzyklus zum Leuchten bringt.
Wer es schon mal bis zum Gasometer geschafft hat, sollte sich den Blick von Dach nicht entgehen lassen – viele Treppenstufen, aber auch Fahrstühle, bringen dich hinauf und gestatten einen grandiosen Blick über das westliche Ruhrgebiet. Hingehen! Rolf Euler
Und nachsehen:
https://bigbrotherawards.de/2026
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