Brigitte Kiechle 1951–2026
Nachruf
dokumentiert
›Man muss so handeln als ob es möglich wäre, die Welt radikal zu verändern‹ (Angela Davis)
Zeit ihres Lebens hat unsere Freundin und Genossin Brigitte politisch gekämpft. Trotz oder gerade wegen ihres unmissverständlichen Idealismus war sie auch bei politischen Gegner:innen respektiert und angesehen, bei den Klassenfeinden gefürchtet. Egal ob auf der Straße, auf Podien, in Gerichtssälen oder an Küchentischen – Brigitte hat uns alle beeindruckt und geprägt.
Weltordnung im Umbruch
Für eine neue Entspannungspolitik
von Peter Nowak
Michael Brie, Erhard Crome, Frank Deppe, Peter Wahl: Weltordnung im Umbruch. Krieg und Frieden in einer multipolaren Welt. Köln: Papyrossa, 2025. 171 S., 14,90 Euro
Der Verlauf des Krieg der USA und Israels gegen den Iran zeigt, dass die von den USA und Europa dominierte Weltordnung der Vergangenheit angehört. Länder wie China und Indien gewinnen an Einfluss. Das Schlagwort von der multipolaren Welt, die keinen eindeutigen Hegemon mehr kennt, gewinnt an Bedeutung.
Die Randglossen zum Zeitgeschehen
Stolpersteine
von Angela Klein
Dieter Braeg: Randglossen zum Zeitgeschehen. Berlin: Die Buchmacherei, 2025. 135 S., 18 Euro
Die Randglossen zum Zeitgeschehen sind eine Reihe von Beiträgen, die Dieter Braeg im Zeitraum 2019–2025 in der Zeitschrift Ossietzky veröffentlicht hat. Warum in die Auswahl nicht auch Beiträge aufgenommen wurden, die er für die SoZ geschrieben hat, ist unverständlich – immerhin finden sich auf deren Webseite www.sozonline.de allein für die Jahre 2010–2024 87 Beiträge von ihm.
Zur Diagonale 2026 in Graz
Fahle Bilder der Unausweichlichkeit
von Kurt Hofmann
Einmal mehr bot das Festival des österreichischen Films den Cinephilen ein vielfältiges und spannendes Programm. Ab der nächsten Saison ist mit Einsparungen durch die Förderer zu rechnen, trotz aller Lippenbekenntnisse ist der Stellenwert der Kultur längst nicht so hoch wie in Sonntagsreden beschworen. Bloß an den »richtigen Stellen« sparen – bei manchen Sozialausgaben und vor allem bei den Asylwerbenden hat es schon angefangen und in Landesregierungen mit FPÖ-Beteiligung stehen viele kleine Kulturinitiativen schon jetzt vor dem Aus. Der Bund zögert in Sachen Kürzungen in manchen Bereichen (noch), macht vage Versprechungen in Sachen Alternativen, aber auch die Diagonale muss sich wohl auf kalte Zeiten vorbereiten.
Leuchtturm Saxby
Mehr als eine Navigationshilfe
von Kai Böhne
In der zweiten Hälfte des 19.Jahrhunderts wurde Gusseisen zunehmend für große Bauwerke verwendet, für Brücken, Viadukte und auch für Leuchttürme. So wurde 1871 auf der estnischen Insel Vormsi der gusseiserne Leuchtturm Saxby errichtet. Ein erstes Leuchtfeuer stand dort bereits seit 1864, doch Stürme und zunehmender Schiffsverkehr erforderten ein leistungsstärkeres Schifffahrtszeichen.
Geschichte und politische Macht ökonomischer Ideen (Teil X)
Neoliberalismus: Markt gegen Sozialismus
von Ingo Schmidt
Nach dem Zweiten Weltkrieg war in konservativ-liberalen Kreisen die Ansicht verbreitet, der Marsch in den Sozialismus lasse sich vielleicht verlangsamen, aber nicht aufhalten. Der Sozialismus war, obwohl gespalten in Kommunisten im Osten, Sozialdemokraten im Westen und nationale Befreiungsbewegungen im Süden, zu einer realen Kraft geworden.
Tod einer Weltordnung
Der freie Markt ist nicht frei für alle
von Marina Hoffmann
Patrick Kaczmarczyk: Zerfall der Weltordnung. Die Ignoranz des Westens und der Aufstand des globalen Südens. Neu-Isenburg: Westend, 2026. 224 S., 24 Euro
Am Ende des Zweiten Weltkriegs etablierten die Alliierten die aktuelle Weltordnung, nachdem die harten Auflagen des Versailler Vertrags und die Weltwirtschaftskrise zum Aufstieg des Faschismus in Deutschland und damit zum Krieg und dem Tod von über 60 Millionen Menschen geführt hatte.
Sie haben eine Meinung? Vergessen Sie’s!
Zur Zensurdebatte in Deutschland und anderswo
von Kurt Hofmann
Was ist da passiert? Da hat eine etwas »Falsches« gesagt und schon wird öffentlich nach Konsequenzen verlangt. Der Ort des Geschehens: Die Berlinale 2026. Die nicht »aufgepasst« hat oder Vorkehrungen zur Vermeidung verpasst haben soll, ist die Festivalleiterin Tricia Tuttle.
Ein Handbuch für Unerschrockene
Revolutionärer Optimismus
von Peter Nowak
Johanna Schellhagen: Wie wir uns eine Zukunft auf diesem Planeten erkämpfen. Ein Handbuch für Unerschrockene. Marburg: Büchner, 2026. 172 S., 18 Euro
500 Jahre Bauernkrieg, Teil 13
…die Enkel fechten’s besser aus
von Angela Klein
Im Vorwort zu seiner Arbeit über den »deutschen Bauernkrieg« hebt Friedrich Engels die Leistungen hervor, die die »Bauern und Plebejer« damals erbracht haben: dass sie »mit Ideen und Plänen schwanger gingen, vor denen ihre Nachkommen oft genug zurückschaudern«.
Einige dieser Pläne haben wir im Rahmen dieser Serie vorgestellt, andere wären noch zu nennen. Manche, die besonders weit vorgriffen in der gedanklichen Umgestaltung der Gesellschaft, waren das Werk einzelner Bauernführer, die ihre Vorstellungen zwar zu Papier brachten, aber den Bauernversammlungen gar nicht zur Annahme als Programm vorlegten, ganz zu schweigen von den kommunistischen Vorstellungen eines Thomas Müntzer, der jedoch in der Tradition der mittelalterlichen Ketzerbewegung steht und insofern aus der Reihe fällt.
Susan George (1934–2026)
Abschied von einer kämpferischen Analytikerin
von Wolfgang Pomrehn
Dezember 1999. Der Saal war bis auf den letzten Platz gefüllt, die Stimmung kämpferisch. Den Neoliberalen wehte der Wind entgegen. Aus aller Welt hatten Gewerkschaften, Umweltorganisationen und Bauernverbände – Gegner von Freihandel, Verschuldung und Austeritätspolitik – nach Seattle mobilisiert. Proteste gegen die Tagung der Welthandelsorganisation WTO waren geplant, Sitzblockaden sollten sie behindern. Für den nächsten Tag war eine große Demonstration angekündigt. Der Saal jubelte, als die ältere Dame auf dem Podium The Battle of Seattle ausrief.
Epstein
Fragen einer hilflosen Generation
von Marina Hoffmann
Triggerwarnung: Dieser Text handelt von harten Themen und Emotionen, reproduziert aber keine explizite Gewalt.
Als ich vor einigen Wochen bei der Tagesschau auf Instagram über die brandneuen Enthüllungen der Epstein-Files las und auf dem letzten Slide nur Prinz Andrew sah, schockierte mich das. Die Auszüge der Files, die jemand in seiner Story teilte und die ich mir natürlich durchgelesen habe, haben gereicht. Mein bisheriges Weltbild ist zerbrochen. Ich verstehe die Tragweite.