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Österreich: Omas gegen Rechts

Omas stehen auf gegen Rassismus und Diskriminierung
Gespräch mit Susanne Scholl*

Was war der Anlass für die Gründung von Omas gegen Rechts. Wie beurteilt ihr die Politik der Kurz-Regierung und die Teilnahme der rechtsextremen FPÖ an der Regierung?
Omas gegen Rechts wurde von Monika Salzer als Reaktion auf die Regierungsbildung durch Sebastian Kurz mit der FPÖ gegründet. Wir sehen in der Regierungsbeteiligung der rechtsaußen stehenden FPÖ eine Gefahr für die Demokratie, den Rechtsstaat und den Sozialstaat.

Wie viele machen bei euch mit, was sind eure typischen Aktivitäten?

Wir sind als Facebook-Gruppe entstanden. Auf Facebook haben wir rund 3500 Mitglieder und auf Twitter über 7000 Follower. Bei Demonstrationen nehmen bis zu 200 Personen als Omas gegen Rechts teil. Wir demonstrieren gegen Rassismus, Antisemitismus, Xenophobie, Intoleranz und jede Form von Diskriminierung. Wir veranstalten auch Begegnungen mit Menschen, die zu diesen Themen Interessantes zu sagen haben – sogenannte «Jour Fixe». Einmal im Monat gibt es ein informelles Treffen unter dem Titel «Omas Five O’Clock-Tea» mit allen, die dabei sein wollen.


Bei welchen sozialen Bewegungen und politisch organisierten Kräfte findet ihr Unterstützung, mit wem könnt ihr zusammenarbeiten? Gibt es auch Teile der Gewerkschaftsbewegung, die euch unterstützen?

Wir beteiligen uns an allen Aktivitäten der Zivilgesellschaft. Wir sind strikt überparteilich und wollen uns von keiner Partei oder politischen Organisation einspannen lassen. Aber wir nehmen durchaus auch an Aktionen teil, an denen sich unter anderen auch die Gewerkschaften beteiligen.


Welches Echo ruft ihr in der Öffentlichkeit und in den Medien hervor? Habt ihr Unterstützung aus weiteren Kreisen der Gesellschaft?

Die Reaktionen auf uns bewegen sich zwischen Lächeln und großer Zustimmung. Viele sehen in uns die Möglichkeit, ihren Unmut über die jetzige politische Entwicklung laut zu äußern. Vor allem junge Leute bringen uns sehr viel Verständnis entgegen. Die Medien insgesamt haben großes Interesse an uns – interessanterweise vor allem Medien aus dem Ausland. Wir sind offenbar eine Art Phänomen, dem sich viele Journalisten gerne annähern.


Wie reagieren die rechten und rechtsextremen Kreise auf euch? Gibt es Repressionen gegen euch seitens der Polizei und der Staatsgewalt, oder gibt es da eine Hemmschwelle, gegen «Omas» vorzugehen?

Rechte und rechtsextreme Kreise tun sich schwer mit uns. Ein Identitärer hat einmal gesagt: «Wenn man länger lebt, als man nützlich ist…» – darüber haben wir eigentlich sehr gelacht. Natürlich gibt es immer wieder irgendwelche Beschimpfungen, aber wir stehen auf dem Standpunkt, dass wir uns auf dieser Ebene nicht auseinandersetzen. Polizei und Staatsgewalt haben bisher offenbar keinen Grund gesehen, gegen uns vorzugehen. Vielleicht stimmt es ja auch, dass es da eine gewisse Hemmschwelle gibt.


Wie organisiert ihr euch, wie sieht das Leben einer typischen Gruppe der «Omas gegen rechts» aus? Spielen auch Opas bei euch eine Rolle? Versucht ihr auch eine internationale Vernetzung ins Leben zu rufen?

Es gibt keine typische Oma-Gruppe im Sinne einer Vereinsgruppe mit regelmäßigen Vereinsabenden. Wir treffen uns, wenn es etwas zu besprechen gibt. Natürlich sind Opas bei uns auch willkommen, aber wir stehen auf dem Standpunkt, dass sie auch eine eigene Gruppe gründen können, wenn sie als Opas gegen rechts wahrgenommen werden wollen. Wir nehmen an allen Donnerstagsdemonstrationen – den wöchentlich in Wien abgehaltenen Protestkundgebungen gegen die ÖVP-FPÖ-Regierung – und anderen öffentlichen Aktionen der Zivilgesellschaft teil und planen auch in diesem Jahr wieder regelmäßige «Jour Fixe». Und natürlich machen wir uns unsere Gedanken über die kommende Wahl zum Europäischen Parlament und wollen dazu unsere Meinung sagen.

 

* Susanne Scholl ist in Österreich in der Initiative Omas gegen Rechts aktiv. Sie lebt in Wien und ist neben Monika Salzer landesweite Kontaktperson der Omas gegen Rechts in Österreich. Die Fragen stellte Manuel Kellner.


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