Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Amerika 1. Juli 2026

Doch ihre Erklärung wird in Deutschland kaum zur Kenntnis genommen
von Peter Nowak

»Ein neuer Tag mit 15 bis 20 Stunden ohne Strom, 34 Grad Celsius im Schatten, Wasserproblemen, denn dafür braucht man auch Strom, und eine Nacht mit vielen Moskitos erwartet uns. Das ist nur das normale Elend«, beschrieb Renate Fausten vor einigen Wochen in einem Brief an die junge Welt, was die ständigen Stromausfälle für das tägliche Überleben in Kuba bedeuten. Fausten lebt in Havanna und ist in der Solidaritätsbewegung mit der kubanischen Bevölkerung aktiv.

Eigentlich hätte die in den letzten Monaten lautstark vor den US-Botschaften in aller Welt gegen die Strangulierung Kubas protestieren müssen. Die Totalblockade, die durch die ultrarechten Kräfte der USA unter Trump vorangetrieben wird, ist die Rache dafür, dass in unmittelbarer Nähe zu den USA vor über sechs Jahrzehnten eine nichtkapitalistische Gesellschaft aufgebaut wurde.
In diesen 60 Jahren wurden natürlich im Namen der Revolution auch viele Fehler gemacht. Es gab Bürokratismus, Gängelung auch von linken Kritiker:innen und vor allem in den ersten beiden Jahrzehnten der Revolution auch eine manifeste Homophobie. Dafür hat Fidel Castro noch im hohen Alter die Verantwortung übernommen und um Entschuldigung gebeten.
In den letzten Jahren hat die kubanische Regierung bedeutende Rechte für sexuelle Minderheiten auf den Weg gebracht, die die Rechten auf dem amerikanischen Kontinent, einschließlich der Maga-Bewegung in den USA in Wut versetzten. Das ist ein Grund mehr, warum sie jetzt der kubanischen Revolution mit allen Mitteln den Garaus machen wollen.
Die Folgen für die Bevölkerung hat Renate Fausten in wenigen Zeilen eindrücklich beschrieben. Trotzdem ist die Solidarität mit Kuba weiterhin klein. Erst vor wenigen Wochen geißelte der US-Korrespondent der Taz, Bernd Pickert, »die ausschließlich auf den eigenen Machterhalt ausgerichtete Reformunfähigkeit der Partei- und Staatsführung«, bevor er die Blockadepolitik der Trump-Administration verurteilte.

Bisher haben auch linke Kreise hierzulande kaum Notiz von der Solidaritätserklärung genommen, die die zapatistische EZLN und ihre Unterstützer:innen bereits im Februar 2026 nach Kuba schickten.
»Das kubanische Volk, das schon mehr als 60 Jahre durch die Regierungen der USA ökonomische, politische und militärische Aggressionen erlebt, wird nun an seine Grenzen gebracht. Schamlos erklären jene, die von oben herab der ganzen Welt den Krieg aufzwingen, ihre Ziele: das Volk von Kuba zu ersticken, um Investitionen und ›Entwicklung‹ zu fördern…«, heißt es dort.
Diese Erklärung ist schon deshalb bemerkenswert, weil die zapatistische EZLN das Revolutionsmodell ablehnt, das sich an der Machtübernahme einer kommunistischen Partei orientiert. In den letzten 30 Jahren haben sich viele Linke in aller Welt an den Zapatistas orientiert, weil sie eine basisdemokratische Alternative zu hierarchischen Parteimodellen propagierte. Vor allem die Erklärungen von Subcomandante Marcos aus dem Lakadonischen Wald wurden auch in Deutschland in großer Zahl verbreitet. Da stellt sich schon die Frage, warum ausgerechnet die zapatistische Solidaritätserklärung mit Kuba in der gesellschaftlichen Linken in Deutschland kaum zu Kenntnis genommen wurde.
Selbst kritische Diskussionen darüber in linken Medien sind kaum bekannt. Lediglich auf der Webseite von Amerika 21 wurde die Erklärung gleich zweimal veröffentlicht.* Das erste Mal im Februar 2026, als der Solidaritätsaufruf weltweit verbreitet wurde, und dann noch einmal am 18.Mai, als sich die US-Aggression gegen Kuba zuspitzte.
Die Zapatistas haben mit ihrer Erklärung deutlich gemacht, dass Kritik an bestimmten Aspekten der kubanischen Revolution und Solidarität gegen Angriffe von außen kein Widerspruch sein müssen. Davon sollten die Unterstützer:innen der Zapatistas lernen.

*https://amerika21.de/dokument/285392/ezln-solidaritaet-kuba

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