Eine schallende Ohrfeige
von Angela Klein
Ende Januar verkündete Trump, er wolle der aufständischen iranischen Bevölkerung mit Militärschlägen und einer Enthauptung des Regimes zu Hilfe eilen.
Ende Februar erklärte er, er wolle das Nuklearprogramm des Iran zerstören: seine ballistischen Raketen, seine Seestreitkräfte und die Produktionsinfrastruktur für Raketen und Drohnen, und das hochangereicherte Uran beschlagnahmen.
Nach dreieinhalb Monaten Krieg bekannte er nun auf dem G7-Gipfel in Evian, es gebe »keine Eile«, Uran aus den Atomanlagen zu bergen, die die USA im Juni 2025 bombardiert hatten. Die USA wollten das aus »psychologischen« Gründen, es habe aber keine Priorität. Die Beschaffung lohne den Aufwand nicht.
»Ehrlich gesagt, es zu holen – wir werden es holen –, aber es zu holen ist eine große Sache, denn man sagt, nur China und wir verfügen über die Ausrüstung«, sagte der Präsident. »Man könnte argumentieren: ›Warum macht man sich überhaupt die Mühe?‹, denn es ist nicht besonders wertvoll, wissen Sie. Es ist wahrscheinlich eine halbe Million Dollar wert, es ist kein besonders wertvolles Zeug.« (Asia Times, 17.Juni.)
Dass der Iran keine Atomwaffen anstrebt, hat dieser immer erklärt und ebenso seine Bereitschaft, Uran abzureichern bzw. hoch angereichertes der Kontrolle der Internationalen Energieagentur zu unterstellen. Dafür brauchte es also keinen Krieg.
Was Trump jetzt sagt, ist, dass er gelogen hat: Das hoch angereicherte Uran war ein Vorwand, nie ein ernsthafter Kriegsgrund. Dieses Eingeständnis ist eine schallende Ohrfeige. Und die Absichtserklärung, die er nach Hause trägt, kommt dem Iran weiter entgegen als das Abkommen, das Obama vor elf Jahren mit dem Iran geschlossen hat.
Warum Trump den Krieg vom Zaun gebrochen hat, darüber kann man weiterhin nur spekulieren – der Grund dafür liegt wahrscheinlich in Israel. Der Verlauf des Krieges hat aber einmal mehr gezeigt, dass Öl für den Weltkapitalismus wichtiger ist als Israels Großmachtpläne. Die iranische Führung hat das verstanden – und diese Schwachstelle genutzt. Sie kann sich als Siegerin fühlen: Sie kriegt ihr Geld zurück (wenn auch in Etappen). Sie kann wieder internationalen Handel treiben. Und sie hat etwas bekommen, was sie noch nie hatte: die ökonomische Obergewalt über die Straße von Hormus. Überdies übt sie einen spürbaren Zwang auf die US-Regierung aus, Israels Krieg gegen den Libanon zu stoppen.
Trump fliegt sein proisraelisches Abenteuer zu Hause um die Ohren. Die Mullahs haben die Bevölkerung brutaler im Griff denn je. Aber auch das ist nicht gesichert, dass es so bleibt.
Kommentar zu diesem Artikel hinterlassen
Spenden
Die SoZ steht online kostenlos zur Verfügung. Dahinter stehen dennoch Arbeit und Kosten. Wir bitten daher vor allem unsere regelmäßigen Leserinnen und Leser um eine Spende auf das Konto: Verein für solidarische Perspektiven, Postbank Köln, IBAN: DE07 3701 0050 0006 0395 04, BIC: PBNKDEFF
Schnupperausgabe
Ich möchte die SoZ mal in der Hand halten und bestelle eine kostenlose Probeausgabe oder ein Probeabo.
Kommentare als RSS Feed abonnieren