Wer kann schon von sich sagen, ein Gedankengang gehöre ihm?

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Aufmacher 1 30. Juni 2026

Vor 90 Jahren: Putsch und Bürgerkrieg in Spanien
Was wir daraus lernen können…zum Beispiel für die Vergesellschaftungsdebatte
von Paul Michel

Am 17.Juli 1936 begann in Spanien ein Putsch faschistischer Generäle gegen die republikanische Regierung. In früheren Zeiten war so ein runder Jahrestag zumindest für einen Teil der Medien Anlass, sich mit dem Spanischen Bürgerkrieg zu befassen, der mit dem Putsch begann und bis in den April 1939 dauerte. Über die Vorgeschichte hatten wir kürzlich bereits hier geschrieben.

In diesem Jahr schaut es nicht danach aus. Selbst in den Kultursendern des öffentlich-rechtlichen Fernsehens scheint es keine neuen Dokumentationen zu geben. Es deutet zudem einiges darauf hin, dass wir auch in den Feuilletons der bürgerlichen Zeitungen lange werden suchen müssen, bis wir einen Artikel zum Spanischen Bürgerkrieg finden.
Über die Gründe für das strukturierte Desinteresse kann man nur spekulieren. Sind es rein kommerzielle Erwägungen? Versprechen sich die Verantwortlichen davon schlicht keine Steigerung der Verkaufszahlen? Oder haben die Meinungsmacher in diesem Land den Eindruck, dass das Thema Spanischer Bürgerkrieg nur schwerlich so hingebogen werden kann, dass es ihrem derzeit wichtigsten Anliegen nutzbar gemacht werden kann: der Wehrhaftmachung der deutschen Bevölkerung im Rahmen eines auf weltpolitischer Bühne immer aggressiver auftretenden Europas.

Deutschlands Anteil
Dafür eignet sich der Spanische Bürgerkrieg allerdings denkbar schlecht. Wer sich mit ihm befasst, stößt sehr schnell auf Dinge, über die politische Führungskreise in Deutschland eher weniger gern sprechen. Zwar wurde in der Vergangenheit einige Schandtaten Nazideutschlands wie der verbrecherische Angriff der Legion Condor auf das kleine baskische Städtchen Gernika recht ausführlich berichtet. Kaum ein Thema ist in Deutschland, dass etwa 15.000 spanische Republikaner (oft »Rotspanier« genannt), die ab 1940 in deutsche KZs deportiert wurden. Zuvor waren sie nach dem Ende des Bürgerkriegs nach Frankreich geflohen, wurden dann aber vom französischem Vichy-Regime den Nazis übergeben. In den KZs Gusen und Mauthausen bildeten sie eine der größten Häftlingsgruppen.
Der Spanische Bürgerkrieg eignet sich auch kaum zur Pflege eines der Lieblingsfeindbilder in den deutschen Medien. Das Bild von Gegensatz zwischen autoritären Diktatorenregimen als Brutstätten des Unrechts und den westlichen Demokratien als Hochburgen des Rechts greift nicht wirklich. Die bürgerlichen Demokratien Frankreich und England waren damals beileibe nicht die Guten. Sie trugen durch ihre »Nichteinmischungspolitik« maßgeblich dazu bei, dass die ums Überleben kämpfende spanische Republik keine Waffen bekam, während die faschistischen Regime in Italien und Deutschland die franquistischen Truppen massiv mit Waffen und Truppen unterstützten.
Die deutsche Legion Condor sorgte dafür, dass bei allen Schlachten die Truppen Francos denen der Republik an Zahl und Qualität der Bewaffnung haushoch überlegen waren. Die westlichen Demokratien Frankreich und England waren somit zumindest mitverantwortlich für den Sieg Francos. Es gibt in diesen Zeiten gewiss Themen, an denen sich die Mediengewaltigen in diesem Land lieber abarbeiten als am Spanischen Bürgerkrieg.

Kein Thema für Linke?
Befremdlich ist allerdings das Desinteresse von weiten Teilen der Linken an dem, was dem Putsch Francos vor­ausging und auf ihn folgte. Es gibt kaum Neuerscheinungen von Büchern. Fachkonferenzen sind im Vergleich zu früheren runden Jahrestagen ausgesprochen rar. Warum ist das so? Ich weiß es nicht.
Vielleicht hat es mit einem Generationswechsel zu tun. Jene, die sich früher bei dem Thema große Verdienste erworben haben, sind mittlerweile in die Jahre gekommen. Walter Bernecker, einer der renommiertesten Historiker zum Thema Spanischer Bürgerkrieg ist vor einigen Monaten gestorben, ohne dass in der Öffentlichkeit das jemand zur Kenntnis genommen hätte.
Es ist nicht erkennbar, dass es in der Filmbranche einen »Nachfolger« für Ken Loach grandiosen Film wie Land and Freedom gibt. Was die Geschichtsschreibung betrifft, so müssen wir weiterhin auf die Übersetzung wichtiger auf Spanisch oder Katalanisch erschienener Bücher warten. Es gibt nach wie vor keine Übersetzung ins Deutsche der großartigen Bestandsaufnahmen der Kollektivierung in Katalonien von Antoni Castells Duran (Les col·lectivitzacions a Barcelona 1936–1939) oder Víctor Alba (Los colectivizadores).

Da ist Musik drin!
Dabei gäbe es für die deutsche Linke allen Grund, sich eingehend mit dem Spanischen Bürgerkrieg zu befassen. Er ist Teil linker Geschichte und linker Identität und es gibt keinen Grund mit dieser guten Tradition zu brechen. Die internationale Solidarität, die seitens der Linken in den 1930er Jahren gegenüber Spanien geübt wurde, sucht in der Geschichte nach wie vor seinesgleichen. Auch wenn im Moment so etwas wie die internationalen Brigaden schwer vorstellbar ist, so kann uns die damals praktizierte internationale Solidarität viele Anregungen geben für die Probleme, vor denen wir heute stehen.
Es gibt aber auch viele Punkte, wo wir unmittelbar von den Erfahrungen, die während des Spanischen Bürgerkriegs gemacht wurden, profitieren könnten. Die vornehmlich von Anarchisten betriebenen Kollektivierungen in der Industrie Kataloniens bieten uns wertvolle Anregungen für die aktuelle Vergesellschaftungsdebatte. Der Dokumentarfilm Economia Col·lectiva zeigt sehr anschaulich an konkreten Beispielen, dass Arbeiterselbstverwaltung kein Wunderwerk ist. Es würde sich außerdem sicherlich lohnen, zu einem Buch zu greifen, das in den 1970er Jahren ein Bestseller war, und immer noch bei Surkamp erhältlich ist: Hans Magnus Enzensbergers Buch Der kurze Sommer der Anarchie.

Nicht nur Schwarz und Weiß!
Die Beschäftigung mit dem Spanischen Bürgerkrieg bietet gerade jungen Zeitgenoss:innen allerlei Erhellendes und wohl auch Erstaunliches. Aber es ist gewiss nicht nur die reine Freude, sich auf das Thema einzulassen. Es konfrontiert uns auch mit vielem Erschütternden und Grauenvollen. Die drei Jahre zwischen 1936 und 1939 waren ein fürchterliches Gemetzel. Schätzungen zufolge forderte der Spanische Bürgerkrieg insgesamt etwa 500.000 Todesopfer (bei seinerzeit knapp 25 Millionen Einwohnern): Rund 285.000 Soldaten fielen (175.000 in Francos nationalistischer Zone und 110.000 auf der Seite der Republikaner). 150.000 bis 180.000 Zivilisten starben durch direkte Kampfhandlungen, Luftangriffe, Hinrichtungen und den Terror beider Kriegsparteien.
Es gab nicht nur Gut und Böse, Schwarz und Weiß. Es gab brutalen systematischen Terror von Seiten der Nationalisten. Aber es gab auch auf republikanischer Seite die »Paseos«, die Praxis politische Gegner in ein Auto zu laden, sie an den Stadtrand zu fahren und dort hinzurichten. Was die unterschiedlichen politischen Strömungen der Linken betrifft, so gab es bei allem Licht auch Schatten. Stalinisten leisteten militärisch im Kampf gegen die Nationalisten oft Herausragendes. Sie entfachten aber auch, als sie machtpolitisch dazu in der Lage waren, hemmungslosen Terror – vor allem gegen vermeintliche Trotzkisten und Anarchisten.
Bürgerliche Demokraten arbeiteten Hand in Hand mit den Stalinisten bei der Schaffung autoritärer Strukturen. Anarchisten begingen alsbald angesichts der realen Probleme »Verrat« an vielen ihrer ursprünglichen Vorstellungen und besiegelten zugleich damit ihren eigenen politischen Niedergang. Und auch die ungerechtfertigterweise als »trotzkistisch« bezeichnete POUM (Partido Obrero de Unificación Marxista – ­Arbeiterpartei der Marxistischen Vereinigung) tat vieles, das ihren eigentlichen Zielen und Vorstellungen zuwiderlief.
Auf Zeitgenossen, die Freunde des schlichten Weltbilds und der einfachen Lösungen sind, wirkt vieles befremdlich und verwirrend. Wer aber neugierig und bereit ist, den Dingen auf den Grund zu gehen, für die ist die Befassung mit dem, was zwischen 1936 und 1939 in der republikanischen Zone passierte, ein lohnenswertes, fruchtbares und auch spannendes Unterfangen.

Von der Volksfront zum Putsch
Trotz lediglich zaghafter Reformen sollte die Regierung verschwinden

Vor 90 Jahren, am 16.Januar 1936, gründeten verschiedene linke und republikanische spanische Parteien ein Wahlbündnis, die Volksfront (Frente Popular). Ihr gehörten im wesentlichen die gemäßigten Republikaner (Republikanische Linke und Republikanische Union), die sozialdemokratische PSOE (Spanische Sozialistische Arbeiterpartei) und der ihr nahestehende Gewerkschaftsverband UGT, die stalinistische PCE (Kommunistische Partei Spaniens) sowie die unabhängigen Kommunisten der POUM (Arbeiterpartei der marxistischen Vereinigung) an.

Die acht Punkte des gemeinsamen Wahlprogramms trugen die Handschrift der gemäßigten Republikaner. Es sah eine Agrarreform und eine Reform des Schulwesens vor. Radikalere Forderungen wie die Verstaatlichung von Grund und Boden, die Sozialisierung der Banken oder Arbeiterkontrolle in der Industrie schloss das Programm ausdrücklich aus.
Eine Forderung mobilisierte allerdings die Massen: die bedingungslose Amnestierung der Aufständischen von 1934. Sie war der Grund dafür, dass die Anarchisten im Februar 1936 erstmals nicht zum Wahlboykott aufriefen.
Bei den Wahlen vom 16.Februar 1936 erzielte die Linke einen durchschlagenden Erfolg, allerdings eher nach Mandaten als nach Stimmen. Die rechte Nationale Front erhielt 3,8 Millionen Stimmen und 132 Mandate, die linke Volksfront 4,3 Millionen Stimmen und 267 Mandate.

Die Strömungen auf der Linken
Die PSOE bestand faktisch aus zwei unterschiedlichen Parteien. Der rechte Flügel um Indalecio Prieto arbeitete sehr eng mit den bürgerlichen Parteien der Volksfront zusammen und befürwortete das Programm der Volksfront. Der Flügel um Largo Caballero verweigerte zunächst die Zusammenarbeit mit der Regierung. Wenn man auch aus der scharfen Rhetorik von Largo Caballero den Eindruck gewinnen konnte, dass er mittlerweile zum revolutionären Marxismus übergewechselt war, so war doch klar, dass viele seiner Anhänger zwar ein radikaleres Programm wünschten, aber nicht um den Preis der Spaltung der Partei.
Die PCE war die Kraft der Linken, die im Jahr 1936 die größten Fortschritte machte. Nach der Abkehr von ihrer sektiererischen Linie, die die Sozialdemokraten zum Hauptfeind erkoren hatte, gab es einen sehr starken Mitgliederzuwachs. Sie gewann Einfluss auf die linken Kreise der PSOE, insbesondere auf deren Jugendverband FJS. Durch die Fusion der Jugendorganisationen von PSOE und PCE wurde die PCE zur Massenorganisation.
In Katalonien gab es für die PCE einen für sie unangenehmen Konkurrenten, die POUM. Die POUM war im September 1935 durch die Fusion von zwei oppositionellen kommunistischen Organisationen entstanden – der Kommunistischen Linken (IC) und dem Arbeiter- und Bauernblock (BOC). Deren führende Köpfe, Andreu Nin (IC) und Joaquín Maurín (BOC), waren beide zuvor im Rahmen der Stalinisierung aus der PCE ausgeschlossen worden.
Die POUM verstand sich als Erbin des Gedankenguts Lenins und lehnte die Volksfrontkonzeption der PCE als Burgfriedenspolitik ab. Aus taktischen Gründen unterstützte sie zwar das Wahlmanifest der Volksfront, propagierte aber gleichzeitig eigenständige radikale Aktionsformen wie die Besetzung von Ländereien und Betrieben. Im Juli 1936 zählte die POUM etwa 3000 Mitglieder, hauptsächlich in Katalonien und dem benachbarten Aragón.
Für die anarchistische CNT brachten die Monate zwischen den Wahlen und dem Putsch unterschiedliche Erfahrungen. Während die CNT in Madrid ihren Einfluss vergrößern konnte, erwuchs ihr in ihrer Hochburg Katalonien eine neue (marxistische) Konkurrenz, vor allem im Dienstleistungs- und im Angestelltenbereich. Beim Kongress im Mai rückte die CNT etwas von ihrem Aufstandskonzept ab, das ihr in den vorangegangenen Jahren schwere Rückschläge eingebracht hatte. Jetzt wurde stärker der Gedanke der »Einheit der Arbeiterklasse« betont. Nun wollte man sich stärker Problemen des Alltags zuwenden.

Vorrevolutionäre Bewegungen
Die neue Regierung sah sich von Anfang an mit großen Problemen konfrontiert. Im Grunde waren es die gleichen Zwänge, denen sich schon die Reformregierung von 1931 gegenüber gesehen hatte. Die Haupterwartung der Massen an die republikanische Regierung war die Befreiung der 30.000 Gefangenen, die seit einem Aufstand 1934 in Asturien, im Nordwesten des Landes, inhaftiert waren. Die am 22.Februar ausgesprochene Amnestie wurde nicht abgewartet, stattdessen zogen in allen spanischen Großstädten riesige Demonstrationszüge vor die Gefängnisse, um die Gefangenen zu befreien.
Vor allem auf dem flachen Land spitzten sich die Verhältnisse zu. Dort setzte eine Welle von spontanen Landbesetzungen ein. Ende Februar begann die Übernahme von Ländereien der Großgrundbesitzer durch Bauern in den Provinzen Badajoz und Cáceres, in den folgenden Monaten in Andalusien, Kastilien und Navarra. Oft kam es dabei zu blutigen Zusammenstößen mit der Guardia Civil, der kasernierten Polizei.
In den Städten wurden die im Jahr 1931 gewählten und nach 1933 von den Rechten abgesetzten Stadtverwaltungen wieder eingesetzt. Es begannen Angriffe auf Besitztümer bekannter Rechter und der Kirche. Das Volk kümmerte sich nicht um das gemäßigte Programm der Volksfront. Ab Frühjahr 1936 kam es immer häufiger zu Streiks, bei denen es zumeist um die Wiedereinstellung von Arbeitern ging, die während der vorangehenden zwei schwarzen Jahre von den Unternehmern auf die Straße gesetzt worden waren.

Radikalisierung der Rechten
Die herrschenden Kreise Spaniens rückten nach der Wahlniederlage vom Februar 1936 weit nach rechts und nahmen zunehmend eine republikfeindliche Haltung ein. In der Armee begannen republikfeindliche Offizierskreise, Putschpläne zu schmieden. Mitglieder der Jugendorganisation der CEDA, der Spanischen Konföderation der Autonomen Rechten, wechselten massenweise zur 1933 gegründeten faschistischen Falange.
Bei den Wahlen hatte die Falange, geführt von José Antonio Primo de Rivera, dem Sohn des früheren Diktators Manuel Primo de Rivera, kaum Zuspruch bekommen. Im Frühjahr 1936, getragen vom Mitgliederzustrom, ging sie zum offenen Straßenterror über. Die Falangisten unternahmen zahlreiche Attentate auf linke Politiker, Abgeordnete, Richter, selbst auf Largo Caballero von der PSOE. Zwischen Februar und Juli gab es über 250 politisch motivierte Morde.

Vorstadien der Militärrevolte
Oligarchen, Traditionalisten und Monarchisten setzten ihre Hoffnungen auf die Armee. In ganz Spanien fanden auf Einladung der militärischen Geheimorganisation UME Besprechungen zwischen höheren Offizieren und führenden Politikern der Rechtsparteien statt. Der Regierung blieben diese Aktivitäten nicht verborgen.
Sie traf Gegenmaßnahmen. Der spätere Anführer der Putschisten und langjährige Diktator Francisco Franco wurde als Generalstabschef abgesetzt und erhielt einen Posten auf den Kanarischen Inseln; Manuel Goded, in den folgenden Monaten ein weiterer hochrangiger Putschist, wurde auf die Balearen versetzt. Der ehemalige Sicherheitschef der Monarchie, Emilio Mola, musste den Oberbefehl in Afrika abgeben und sich mit Navarra begnügen.
Trotz dieser Maßnahmen wurde die Verschwörung fortgesetzt. Ihr organisatorisches Zentrum wurde nun Navarra, wo Mola sich frei bewegen und auf die tätige Teilnahme weiter Offizierskreise stützen konnte. Heute weiß man, dass die Regierung über die Putschvorbereitungen der Militärs recht gut unterrichtet war, aber zu wenig unternahm.
Die linksbürgerlichen Kräfte unter Präsident Manuel Azaña und Regierungschef Santiago Casares Quiroga lavierten, weil sie sich von beiden Seiten bedroht fühlten: von der faschistischen Reaktion, aber ebenso von den sich radikalisierenden Bewegungen der städtischen und ländlichen Arbeiterschaft. Auf keinen Fall wollte die Regierung entschlossen gegen die Generäle vorgehen. Denn um diese Machtprobe zu bestehen, hätte sie die Arbeiter bewaffnen müssen.

Der Aufstand der Generäle
Generalstreik und Massenmobilisierung bremsten die Militärs

Der Plan für den Putsch sah so aus: Am 18.Juli wollten die Putschisten im Handstreich alle Garnisonen in Spanisch-Marokko in ihre Hand bringen. Am 19.Juli sollte Franco von den Kanaren kommend in Marokko landen, den Aufstand proklamieren und das Kommando übernehmen. Dann sollten die Fremdenlegion und die Moros von der Flotte auf das Festland übersetzen.

Tatsächlich begann der Putsch schon am 17.Juli in Melilla, Spanisch-Marokko. Bereits am nächsten Tag war ganz Spanisch-Marokko in der Hand der Aufständischen. Wer Widerstand leistete, wurde niedergemacht. Anstatt sofort alle republiktreuen Kräfte zu mobilisieren, spielte die Regierung das Problem herunter. Am 18.Juli räumte sie ein, dass »ein Teil der Armee« sich in Marokko erhoben habe. Gleichzeitig versicherte sie jedoch, dass sich »auf der Halbinsel niemand, absolut niemand einem so sinnlosen Unternehmen angeschlossen hat«.
Noch am Abend des 18.Juli wies Ministerpräsident Santiago Casares Quiroga in einer Kabinettsitzung die von Largo Caballero im Namen der UGT erhobene Forderung, Waffen an die Arbeiter auszugeben, zurück. Als am selben Abend die Gewerkschaften CNT und UGT zum Generalstreik aufriefen, trat Casares Quiroga zurück.
Der neue Regierungschef Diego Martínez Barrio, der »Hohepriester des Kompromisses«, repräsentierte den rechten Flügel der Volksfront und war ebenso wenig wie Casares Quiroga zur Mobilisierung des Widerstands gegen die Putschisten bereit. Stattdessen suchte er den Kompromiss mit ihnen und soll sogar für einige der aufständischen Generäle Ministerposten freigehalten haben.

Erste Erfolge der Putschisten
In Madrid strömten derweilen spontan Zehntausende auf die Straße und forderten Waffen für den Kampf gegen die Generäle. Martínez Barrio lehnte das ab, weil er in einer Bewaffnung der Arbeiter das Ende der parlamentarischen Ordnung und den Anfang einer Arbeiterrevolution zu sehen glaubte. Unter dem Druck der Arbeiterschaft musste er aber noch am selben Abend zurücktreten. Sein Nachfolger José Giral verfügte am 19.Juli endlich die Ausgabe von Waffen an die Milizen der Arbeiterparteien und Gewerkschaften.
Mittlerweile hatten die Putschisten einige Regionen unter ihre Kontrolle gebracht. In Navarra im Norden übernahmen die Truppen von General Mola die Macht. Schnelle Erfolge erzielten die Putschisten auch im äußersten Süden, in Algeciras und Córdoba.
Ihr größter Erfolg war Sevilla, das als Bollwerk der Arbeiterorganisationen galt. Dort gelang es Gonzalo Queipo de Llano, im Handstreich die Kontrolle über ein Infanterieregiment zu erlangen, dessen kommandierender Offizier eigentlich republiktreu war.
Zusammen mit Falangisten und der Guardia Civil (kasernierte Polizei) brachten die Soldaten angesichts einer schlecht organisierten und zerstrittenen Arbeiterbewegung die Stadt schnell unter ihre Kontrolle. In einem anschließenden Massaker wurden allein in Sevilla 8000 Arbeiterinnen und Arbeiter abgeschlachtet. Danach eroberten die Aufständischen innerhalb einer Woche Teile Andalusiens.

Bastionen des Widerstands
Ihre größte Niederlage erlitten die Putschisten in Barcelona, der Hochburg der anarchistischen Bewegung. Dort befahl General Manuel Goded der Garnison, am Morgen des 19.Juli die Stadt zu besetzen. Als die Truppen von den Kasernen ins Zentrum der Stadt marschierten, stellten sich ihnen Tausende von schlecht bewaffneten, aber von unglaublicher Opferbereitschaft beseelte Anarchisten in den Weg und stürzten sich ohne Rücksicht auf Verluste in den Kampf.
Als sich ihnen am Nachmittag 4000 Berufssoldaten anschlossen und an mehreren Stellen republiktreue Soldaten gegen ihre Offiziere meuterten, wendete sich das Blatt. Am 20.Juli kapitulierte General Goded und verlas übers Radio eine Erklärung an seine Gefolgsleute, dass sie ihren Widerstand aufgeben sollten.

Widerstand auch in Madrid
In der Hauptstadt Madrid war die Montana-Kaserne die Hauptfeste der Rebellen. General Fanjul rief zwar den Ausnahmezustand aus, unternahm aber nichts, um die Stadt zu besetzen, sondern blieb in der Kaserne. Als sich vor der Kaserne immer mehr inzwischen bewaffnete Menschen versammelten, ließ Fanjul am 19.Juli abends in die Menge schießen. Die Lage eskalierte, und am nächsten Tag wurde die Garnison gestürmt. Die putschenden Offiziere, unter ihnen auch der General, wurden gefangengenommen. Ähnlich erging es den Putschisten in den anderen drei Kasernen der Hauptstadt.
In den baskischen Provinzen kamen die Putschisten ebensowenig voran. Die Garnison von Bilbao rührte sich gleich gar nicht, und in San Sebas­tián schloss sich zwar die Loyola-Kaserne dem Putsch an, musste jedoch nach massiven Angriffen kapitulieren. Die Garnison im kantabrischen Santander ließ sich vom Widerstand der Bevölkerung überraschen und einschließen.

Zwischenbilanz
Obwohl an Soldaten und Waffen weit in der Überzahl, stand die Sache für die Aufrührer in den Tagen unmittelbar nach dem Putsch schlecht. Die Generalsclique hatte schwere Niederlagen erlitten und ihre Ziele weitgehend verfehlt.
Sie hatte nacheinander einige ihrer fähigsten und angesehensten Führer verloren: Calvo Sotelo, Sajuro, Goded; bald darauf verlor sie auch noch José Antonio Primo der Rivera, den Führer der Falangisten, er wurde im Gefängnishof von Alicante hingerichtet. Die Putschisten hielten große Landesteile im Norden und kleinere im Süden. Die Republik aber hatte die Hauptstadt und die industriellen Zentren um Barcelona und Bilbao an der Nordküste in ihrer Hand.
Nach dem Beginn des Aufstands wurden die Putschisten in den großen Städten, in den die Arbeiterbewegung mobilisiert hatte, geschlagen. Die Präsenz tausender, wenngleich schlecht bewaffneter Arbeiter in den Straßen gewährleistete in der Regel, dass auch die republikanischen »Sturmtruppen«, und oft sogar die Guardia Civil, loyal blieben.
Wo die Arbeiter aber zögerlich waren, sich von Loyalitätsbekundungen der Offiziere betören ließen und darauf warteten, dass die staatlichen Behörden die Initiative ergriffen, siegten in der Regel die Putschisten.

Hitler rettet Franco
Ein schwerer Rückschlag für die Pu­tschisten war, dass große Teile der Flotte, der in ihrem Plan eine Schlüsselrolle zugedacht war, den Putsch nicht mitmachten. Die Matrosen der spanischen Kriegsmarine hatten fast alle putschwilligen Offiziere erschossen und waren der Republik treu geblieben.
Die Kriegsschiffe patrouillierten unter dem Kommando von Matrosenräten in der Meerenge zwischen Nordafrika und Spanien. Franco saß also mit dem schlagkräftigsten Truppenteil, der Afrika-Armee, jenseits der Meerenge von Gibraltar in der Falle.
Er versuchte verzweifelt, Flugzeuge für den Truppentransport von Marokko nach Südspanien aufzutreiben. Als Verbündete boten sich Nazideutschland und das faschistische Italien an.
Am 25.Juli 1936 flog der in Marokko lebende deutsche Geschäftsmann Johannes Bernhardt, der auch Mitglied der NSDAP war, im Auftrag Francos nach Berlin, um einen Brief an Hitler zu übergeben. In diesem ersuchte Franco um »zehn Transportflugzeuge mit größtmöglicher Kapazität, sechs Jagdflugzeuge« sowie um »Maschinengewehre und Gewehre in größtmöglicher Menge sowie reichlich dazugehörige Munition«. Drei Tage später sagte Hitler seine Unterstützung zu.
Es begann das »Unternehmen Feuerzauber«. Vom 28.Juli bis Oktober 1936 flog die erste Luftbrücke der Geschichte 13528 Soldaten und 270 Tonnen Kriegsmaterial von Marokko über die Meerenge nach Spanien. Zudem gaben die deutschen Panzerschiffe Admiral Scheer und Deutschland nationalistischen Schiffen, die über die Straße von Gibraltar Truppen aus Spanisch-Westafrika nach Südspanien transportierten, Begleitschutz.

Hitler und Mussolini im Rücken
Die Hilfe der faschistischen Mächte sicherte Francos Erfolg

Ende Juli/Anfang August 1936 hatten sich zwei weitgehend geschlossene Territorien, das republikanische und das nationalistische, her­ausgebildet. Im republikanischen Gebiet lebten etwa 60 Prozent der Bevölkerung, und es umfasste mit dem Baskenland und Katalonien die beiden einzigen Industrieregionen Spaniens. Demgegenüber kontrollierten die Putschisten mit Kastilien und Andalusien die wichtigen Agrarregionen.

In den Tagen und Wochen nach dem Putsch der Militärs entlud sich in den republikanischen Gebieten die Erbitterung über die Jahrzehnte lang erlittene Ausbeutung und Unterdrückung in massiven Vergeltungsaktionen gegen reale und eingebildete Anhänger der Putschisten. Die Gewalt der ersten Tage war wie eine Eruption.
Offiziere von Armee und Guardia Civil, Führungsfiguren der politischen Rechten, Fabrikbesitzer, Großgrundbesitzer und andere Mitglieder der herrschenden Klassen wurden häufig auf der Stelle hingerichtet. Insbesondere richtete sich der Zorn gegen die katholische Kirche, die vielen als die Verkörperung des alten Unterdrückungssystems galt. Schätzungsweise 7000 Priester, Ordensmitglieder und Nonnen wurden getötet, zahllose Kirchen niedergebrannt.
Die Racheakte wurden von vielen Funktionären linker Parteien und der Gewerkschaften abgelehnt, die, wo sie nur konnten, ihren Einfluss geltend machten, um solche Ausschreitungen zu verhindern. Der Historiker Anthony Beevor geht davon aus, dass etwa 38.000 Menschen dem »roten Terror« zum Opfer fielen – hauptsächlich in den ersten Wochen nach dem Putsch. »Bei den Republikanern war der Vernichtungswille Ausdruck einer Massenreaktion, öffentlich und spontan. Dagegen war er im nationalistischen Lager organisiert und gelenkt«, stellt Pierre Broué fest.
Was die nationalistische Seite betrifft, so wurde das Ermorden von Mitgliedern der Arbeiterbewegung gezielt von der Führung der Putschisten betrieben. Das war Bestandteil der faschistischen Ideologie. In deren Verständnis ging es darum, das »Krebsgeschwür des Kommunismus« aus dem spanischen Volkskörper zu entfernen. »Wir müssten eigentlich ein Drittel der männlichen Bevölkerung töten und das Land vom Proletariat säubern«, äußerte der Pressesprecher Francos gegenüber einem amerikanischen Journalisten. Von ­Juli 1936 bis Anfang 1937 war es bei den Nationalisten gestattet, mit der Begründung, man stehe im Krieg, »nach eigenem Gutdünken« zu töten. Jeder, der verdächtigt wurde, für die Volksfront zu arbeiten, war potenzielles Opfer.
In der Provinz Sevilla fielen im Jahr 1936 8000 Menschen den Repressionen der Nationalisten zum Opfer, in Córdoba wurden während des Krieges 10.000 Menschen umgebracht, rund ein Zehntel der Bevölkerung. Darunter auch der populäre Dichter und Freund Pablo Nerudas, Federico García Lorca.
Ein wahres Gemetzel begleitete den Einmarsch der Nationalisten in Badajoz: 6000–12.000 Menschen sollen ermordet worden sein. Laut Schätzungen wurden während des Krieges etwa 100.000 Menschen von den Nationalisten hingerichtet.

Das militärische Kräfteverhältnis
Was die Bewaffnung angeht, waren beide Seiten etwa gleich stark. Beide hatten kaum Flugzeuge. Die Republik verfügte über etwas mehr Kriegsschiffe. Franco hatte etwa 160.000 Soldaten, die Republik 150.000 – in der Mehrzahl Milizionäre.
Was militärische Erfahrung und Kampfstärke anbelangt, hatten die Putschisten klare Vorteile. Von den ursprünglich 9000 Offizieren der Armee war nur ein Viertel loyal zur Republik geblieben. Mit der 45.000 Mann starken Afrikaarmee (Fremdenlegion und marokkanische Söldner) verfügte Franco über eine schlagkräftige Elitetruppe, die gerade in den ersten Kriegsmonaten den entscheidenden Vorstoß von Andalusien über die Extremadura in Richtung Madrid unternahm.
Die Milizen hatten zwar in den Städten bei der Niederschlagung des Aufstands etwa in Madrid und Barcelona mit großer Hingabe und Opferbereitschaft gekämpft. Bei Kämpfen auf dem freien Feld waren sie den militärisch geschulten Truppen der Nationalisten jedoch weit unterlegen, bei Artilleriebeschuss und Luftangriffen gerieten sie in Panik. Zudem agierten die von den jeweiligen politischen Parteien und Gewerkschaften organisierten Milizen oft völlig unkoordiniert.

Hilfe aus Berlin und Rom
Hitler war über die Putschpläne Francos nicht vorab informiert. Als aber Ende Juli die beiden Gesandten Francos – zwei in Spanien ansässige deutsche Geschäftsleute, die Mitglieder der Auslandsorganisation der NSDAP waren – Hitler Francos Hilfebegehren überbrachten, zögerte jener nicht lange. Innerhalb weniger Tage wurde die Aktion »Feuerzauber« organisiert.
Hitler ging zunächst von einer Intervention auf niedrigem Niveau aus. Hitlerdeutschland lieferte bereits ab Ende Juli per Schiff Flugzeuge, Flugabwehrkanonen, Bomben und Munition an die Truppen Francos. Als im Oktober 1936 der Vormarsch der Nationalisten ins Stocken geriet, entschloss Hitler sich am 30.Oktober zu einer verstärkten Unterstützung Francos mit Luftwaffeneinheiten. Nun wurde die »Legion Condor« gebildet.
Als Motiv für ihre Entsendung wird immer wieder genannt, die deutsche Luftwaffe habe neue Waffen und Einsatztaktiken unter »Echtbedingungen« testen wollen. Wichtiger aber noch dürften wirtschaftliche Motive gewesen sein: Die Nazis hatten es auf die spanischen Rohstoffe abgesehen.
Franco sollte das von Deutschland gelieferte Kriegsmaterial mit Lieferungen strategischer Rohstoffe wie Eisen, Kupfer, Blei, Wolfram, Zinn, Zink, Kobalt und Nickel begleichen. Die harten Geschäftspraktiken der Deutschen führten im weiteren Kriegsverlauf zu zahlreichen Reibereien und Auseinandersetzungen mit den spanischen Stellen.
Wie Adolf Hitler ging auch Benito Mussolini – seit 1922 faschistischer Diktator Italiens – zunächst von einer relativ niedrigen Eskalationsstufe aus. Aber auch Italien lieferte ab Ende Juli zwölf Transportflugzeuge, zwölf Aufklärer, zehn Jagdbomber und 3000 Fliegerbomber.
Nachdem Franco im November 1936 mit der Einnahme Madrids gescheitert war, beschloss Mussolini, mit einem Großaufgebot an regulären Truppen Präsenz zu zeigen. Im Dezember 1936 traf das erste italienische Expeditionsheer unter dem Kommando von General Mario Roatta ein. Die »Freiwilligenverbände« des Corpo Truppe Volontarie (CTV) erreichten bis April 1937 eine Truppenstärke von 80000 Mann. Die Italiener sandten damit eine weitaus größere Anzahl an Personen und Material nach Spanien als jede andere Macht.

Nichteinmischungspolitik
Frankreich und Großbritannien entschieden sich für eine Politik der Nichteinmischung. Letztendlich lief diese auf eine Begünstigung des Franco-Lagers hinaus.
Bezeichnenderweise waren Deutschland und Italien Mitglieder des Londoner »Nichteinmischungsausschusses«. Sie sorgten dort durch Verzögerungsmanöver und Erfindung immer neuer bürokratischer Hürden dafür, dass eine Untersuchung ihrer eigenen Waffenlieferungen an Franco systematisch verhindert wurde.
Der Sozialist Léon Blum, der an der Spitze einer 1936 gewählten Volksfrontregierung stand, war zunächst durchaus bereit, der Bitte der spanischen Regierung um Waffenlieferungen nachzukommen. Allerdings gab es innerhalb seiner Regierung, bei der Militärführung und der konservativen Opposition zum Teil heftigen Widerstand.
Entscheidend war jedoch die Haltung von Großbritannien, das Waffenlieferungen an die spanische Republik strikt ablehnte. Die britischen Regierungen, erst unter Stanley Baldwin und ab Mai 1937 unter Neville Chamberlain, waren streng antikommunistisch. Offiziell erklärte sich Außenminister Anthony Eden für neutral, im privaten Kreis ließ er aber keinen Zweifel daran, dass er einen Sieg Francos vorziehen würde.
Während die Mehrheit der britischen Bevölkerung mit der Republik sympathisierte, nahm die britische Oberschicht eine klare Klassenposition ein: Sie stand auf der Seite der spanischen Oberschicht, der Großgrundbesitzer, der Industriellen, der hohen Militärs und der Bankiers. Schließlich hatte sie selbst massive wirtschaftliche Interessen in Spanien: Metallerzeugung im Baskenland, Kupferbergbau, Schiffsbau, ­Eisenbahngesellschaften, Banken und Versicherungen.
Bis Ende Oktober, als die ersten sowjetischen Lieferungen in Spanien eintrafen, musste die Republik weitgehend ohne Lieferungen aus dem Ausland auskommen – ein schwerer Nachteil gegenüber dem Franco-Lager. Dank der Unterstützung aus Italien und Deutschland konnte Franco in dieser Zeit die im Juli erlittenen Rückschläge durch militärische Offensiven wettmachen, die ihm beträchtliche Geländegewinne einbrachten.

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